Beiträge

Medikamentenverkauf: Migros versus Apotheken & Drogerien

Diesen Artikel teilen:

Ab 2019 werden in der Schweiz gewisse Medikamente auch im Detailhandel erhältlich sein. Dabei geht es auch um Heilpflanzen-Präparate.

Gegenwärtig prüft die Heilmittelbehörde Swissmedic, welche Arzneimittel in Zukunft von dieser Liberalisierung betroffen sind. Damit setzt Swissmedic die im revidierten Heilmittelgesetz angestrebte Förderung der Selbstmedikation um.

Grossverteiler wie Migros und COOP begrüssen diese Entwicklung selbstverständlich und möchten möglichst viele Präparate verkaufen dürfen.

Die Branchenvertreter der Apotheken und Drogerien sind ebenso selbstverständlich dagegen und warnen vor Gefahren.

Beide Seiten operieren mit fragwürdigen Argumenten.

Bisher sind in der Schweiz die meisten Medikamente nur in Apotheken und Drogerien erhältlich. Die Migros strebt aber deutsche Verhältnisse an. In Deutschland werden viel mehr Arzneimittel im Detailhandel verkauft.

Martin Bangerter, Zentralpräsident des Schweizerischen Drogistenverbandes, macht auf die Gefahren aufmerksam, wenn man sich unbesehen an den Verkaufsvorschriften anderer Länder orientiere, etwa wenn in Deutschland Johanniskraut-Dragées im Supermarkt verkauft werden. Diese gegen Depressionen und Stimmungsschwankungen eingesetzten pflanzlichen Mittel könnten im Zusammenhang mit anderen Medikamenten unerwünschte Nebenwirkungen haben, sagt Bangeter. Er weist darauf hin, dass Johanniskraut die Wirkung der Pille zur Schwangerschaftsverhütung abschwächen könne und dass dieses Beispiel zeige, weshalb eben auch bei scheinbar unproblematischen Heilmitteln eine Fachberatung nötig sei.

Diese Argumentation ist grundsätzlich nachvollziehbar. Johanniskraut-Extrakte mit ihren möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten taugen nicht für den Verkauf im Supermarkt.

Aber was sagt dazu die Migros?

Jürg Maurer, bei Migros stellvertretender Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik, kontert: «Wir fordern keine Höchstdosierungen, sondern moderat dosierte Präparate, die in Deutschland in jedem Supermarkt seit Jahren erhältlich und absolut selbstbedienungstauglich sind.»

Der Migros sei kein einziger Fall bekannt, bei welchem es mit einem frei verkäuflichen Johanniskrautpräparat zu den genannten Interaktionen gekommen sei, betont Maurer.

Damit hat er höchstwahrscheinlich Recht. Mit den niedrig dosierten Johanniskraut-Präparaten, wie sie die Supermärkte in Deutschland verkaufen, sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kaum zu erwarten.

Was Maurer nicht sagt: Von diesen niedrig dosierten Johanniskraut-Präparaten sind auch keine Wirkungen zu erwarten.

Effekte in diesem tiefen Dosisbereich sind weder plausibel noch durch Studien belegt (im Gegensatz zu den hochdosierten Extrakten).

Das scheint für die Migros aber kein Kriterium zu sein. Hauptsache, sie kann mehr Medikamente verkaufen…….

Ins Regal stellen will die Migros künftig auch Schmerzmittel auf pflanzlicher Basis mit Weidenrinde-Pulver. Das Präparat wird sich bestimmt gut verkaufen, aber auch hier fällt ein wesentlicher Punkt unter den Tisch: Studien mit positiven Ergebnissen gibt es nur für Weidenrindenextrakt-Präparate, die wesentlich konzentrierter sind und dadurch einen deutlich höheren Gehalt an schmerzstillendem Salicin haben. Wirksamkeit scheint auch hier für die Migros kein Kriterium.

Die Vertreter der Apotheken und Drogerien argumentieren aber auch nicht überzeugend.

Der Apothekerverband Pharmasuisse weist darauf hin, dass die Kundschaft im Detailhandel vermehrt durch «Pseudomedikamente» getäuscht werden könnte, speziell verpackte Medizinprodukte, Ernährungsergänzungsmittel oder Nahrungsmittel, die eine unrealistische Wirkung versprächen.

Pharmasuisse-Generalsekretär Marcel Mesnil sagt:

«Im Selbstbedienungsladen gibt es an der Kasse niemanden, der die Leute berät.»

Dort müssten sich die Patienten auf ihre eigene Einschätzung verlassen, die auch falsch sein könne. In der Apotheke oder Drogerie dagegen könne eine falsche Selbsteinschätzung im Beratungsgespräch korrigiert werden.

Das ist zumindestens schönfärberisch. Apotheken und Drogerien verkaufen selber aktiv und passiv (auf Verlangen) sehr viele „Pseudomedikamente“, ohne dass ihnen das grossen Kummer bereitet, solange es zum Umsatz beiträgt.

Für Bachblüten, Schüssler-Salze, Homöopathika und Spagyrika gibt es keine überzeugenden Belege. Unrealistische Wirkungsversprechungen dazu präsentieren die Schaufenstern von Apotheken und Drogerien aber noch und noch, ganz abgesehen von den Beratungen in den Geschäften.

Bei den Phytopharmaka ist nur eine Minderheit fundiert durch Studien belegt und viele Heilpflanzen-Präparate fallen durch unsinnige Zusammensetzung oder ungenügende Dosierung auf. Und auch eine ganze Reihe von synthetischen Medikamenten hat ihre Zulassung vor einigen Jahrzehnten bekommen auf der Grundlage von Studien, die heutigen Qualitätskriterien bei weitem nicht genügen.

Dass Mitarbeitende in Apotheken und Drogerien die Kundschaft hier kritisch beraten ist meiner Erfachrung nach eher die Ausnahme als die Regel. Wer mit fundiertem Heilpflanzen-Wissen in Apotheken und Drogerien fachliche Fragen stellt, bekommt oft falsche oder nichtssagende Antworten. Und Testkäufe von Konsumentenorganisationen zeigen immer wieder lückenhafte und falsche Beratungen.

Hier ein Beispiel für skrupellose Kundentäuschung aus der Apotheke:

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

Apotheken und Drogerien sollten also den Mund nicht zu voll nehmen, was ihre überragende Beratungskompetenz gegenüber den Grossverteilern angeht.

Die Migros ist jedoch genauso wenig überzeugend. Sie begründet ihren Druck zugunsten einer Liberalisierung des Medikamentenverkaufs natürlich nicht mit dem zusätzlichen Markt und dem Umsatz, den sie damit machen kann. Sie präsentiert sich als Preisbrecherin zugunsten der Konsumenten.

In Drogeriemärkten in Deutschland seien frei verkäufliche Arzneimittel zum Teil erheblich günstiger, sagt Martin Schläpfer, Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik bei der Migros. Einen Grund für die hohen Preise in der Schweiz sieht er im fehlenden Preiswettbewerb. Schläpfer ist überzeugt, dass die Konkurrenz durch die Detailhändler die Preise in der Schweiz endlich ins Rutschen bringen werde.

Das kann sein. Die Preise werden sinken, aber die Wirksamkeit der Präparate auch. Wandert ein grosser Teil des Umsatzes mit Heilpflanzen-Präparaten zu den Grossverteilern, werden die Hersteller weniger Geld in die Entwicklung hochwertiger Extrakte und in die klinische Forschung zum Nachweis der Wirksamkeit investieren.

Um beim Beispiel Johanniskraut zu bleiben: Hersteller, die ihr niedrig dosiertes Johanniskraut-Präparat im Supermarkt verkaufen, brauchen keine Forschung, weil kein Wirksamkeitsnachweis gefordert wird. Darum wird es in diesem Bereich auch keine Forschung geben.

Hersteller, die ihr hochkonzentriertes, aber teureres Johanniskraut-Präparat als Arzneimittel in Apotheken und Drogerien verkaufen, werden weniger Umsatz machen und daher weniger in Forschung investieren können. Das schadet der Phytotherapie.

Ich selber bin bereit, einen höheren Preis für ein Heilpflanzen-Präparat zu bezahlen, wenn ich weiss, dass der Hersteller in Forschung und Entwicklung investiert hat. Trittbrettfahrer, die ein billiges, aber wirkungsloses Präparat in den Supermarkt werfen und vom Forschungs-, Entwicklungs- und Marketingaufwand anderer Hersteller profitieren, gehen bei mir leer aus.

Quelle der Zitate und Stellungnahmen:

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/streit-um-medikamente-im-supermarkt/story/25388132

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Heilpflanzen-Anwendungen bei Neandertalern?

Diesen Artikel teilen:

Die Neandertaler (Homo neanderthalensis) starben vor etwa 40.000 Jahren aus – etwa zur selben Zeit, als sich der moderne Mensch (Homo sapiens) in Europa ausbreitete.

Forscher um Laura Weyrich und Alan Cooper von der australischen University of Adelaide untersuchten Neandertaler-Zähne aus zwei Höhlen im heutigen Belgien und Spanien.

Insgesamt analysierte die Wissenschaftler Erbgut aus dem Zahnstein von vier Neandertalern, wovon zwei aus der Höhle El Sidrón in der nordspanischen Region Asturien stammten.

Der Neandertaler „El Sidrón 1“ aus Spanien wurde wegen seines guten Erhaltungszustands besonders eingehend analysiert.

Den Forschern zufolge war er ziemlich krank. Sein Verdauungstrakt war von Parasiten befallen, er hatte Durchfall und litt an einem Zahnabszess. Gegen letzteres wusste sich der Neandertaler aber offenbar zu helfen. In seinem Zahnstein fanden die Forscher DNA-Reste der Westlichen Balsam-Pappel (Populus trichocarpa). „Er aß Pappel, die das Schmerzmittel Salicylsäure enthält“, erläutert dazu Studienleiter Cooper. Auf Abkömmlingen der Salicylsäure basiert das Arzneimittel Acetylsalicylsäure (ASS) – besser bekannt unter dem Handelsnamen Aspirin. „Offenbar kannten sich die Neandertaler gut mit medizinischen Pflanzen aus und kannten ihre entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung“, kommentiert Cooper.

Jean-Jacques Hublin, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der an der Studie nicht beteiligt war, hält die Schlussfolgerung, dass der Neandertaler gezielt schmerzstillende Pappel aß für „ziemlich überzeugend“. Die Hauptschwäche der Studie liege aber darin, dass nur vier Neandertaler von zwei Fundstellen untersucht wurden.

http://www.n-tv.de/wissen/Neandertaler-assen-natuerliche-Schmerzmittel-article19740070.html

Kommentar und Ergänzung:

Da nur vier Skelette untersucht wurden und nur bei „El Sidrón 1“ diese Kombination von Zahnabszess und Pappelkonsum gefunden wurde, lässt sich daraus natürlich noch nicht schliessen, dass die Pappel bei den Neandertalern als Schmerzmittel quasi zur „Höhlenapotheke“ gehörte. Allerdings ist Pappel weder besonders schmackhaft noch nährstoffreich und darum ist schwer vorstellbar, wozu „El Sidrón 1“ über längere Zeit Pappel gekaut haben soll.

In der heutigen Phytotherapie wird als Salicylat-Pflanze vor allem die Weidenrinde verwendet. Ihr Gesamtsalicylgehalt sollte mindestens 1 % sein, wird jedoch von vielen Arten nicht erreicht. Hohe Gehalte findet man in Salix purpurea (6-8,5 %), Salix daphnoides (4,9-5,6 %) und Salix fragilis (3,9-10,2 %).

Im Unterschied zu Acetylsalicylsäure (Aspirin) beeinflussen Weidenrindenextrakte die Thrombozytenfunktion nicht. Die Salicinverbindungen der Weidenrinde bewirken im Unterschied zu Aspirin keine Verzögerung der Blutgerinnung, weshalb sie auch zur Schmerzbehandlung nach Operationen verwendet werden können.

Leider wurde das am besten wissenschaftlich geprüfte Weitenrindenextrakt-Präparat „Assalix“ vom Hersteller Bionorica aus dem Markt genommen – aus „portfoliostrategischen Gründen“ (was auch immer das bedeuten mag).

Pappelblätter und Pappelrinde aus der Zitterpappel (Espe) sind Bestandteil der „Phytodolor Tinktur“ (neben Goldrutenkraut und Eschenrinde). Das Präparat wird zur Linderung leichter Gelenkschmerzen bei Arthrose eingesetzt. Phytodolor ist in Deutschland und Österreich im Handel, nicht jedoch in der Schweiz.

Da haben wir also wieder einmal diesen schönen grossen Bogen von den Heilpflanzen-Anwendungen aus den Anfängen der Menschheit bis zur modernen Phytotherapie.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Weidenrinde enthält keine Acetylsalicylsäure!

Diesen Artikel teilen:

Der „Standard“ in Österreich publiziert gerade eine durchaus interessante Sommer-Serie über Heilpflanzen.

Den Auftakt macht ein Interview mit dem Mediziner Lukas Huber, Leiter des Instituts für Zellbiologie an der Med-Uni Innsbruck.

Zitat:

„Es gibt viele unerforschte Pflanzen. Da ist tatsächlich ein Schatz zu heben.“

Schön. Aufs Ganze gesehen bringt das Interview jedoch kaum konkrete Informationen.

Eine Aussage der Interviewerin ist mir allerdings aufgefallen:

„Der bekannteste Wirkstoff ist Acetylsalicylsäure aus der Weidenrinde, bekannt als Aspirin …“

Quelle:

http://derstandard.at/2000018540731/Heilpflanzen-Da-ist-tatsaechlich-ein-Schatz-zu-heben?ref=rec

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist Unsinn, der leider nicht selten zu hören ist.

Weidenrinde enthält keine Acetylsalicylsäure (Aspirin).

Weidenrinde enthält Salicin, ein Glykosid, das im Organismus zu Salicylsäure umgebaut wird, und wie die Acetylsalicylsäure fiebersenkend, schmerzstillend und entzündungswidrig wirkt.

Acetylsalicylsäure verbessert zudem über eine Thrombozytenaggregationshemmung die Blutfliesseigenschaften („Aspirin cardio“). Dieser Effekt hängt an der Acetylgruppe. Er tritt daher bei Salicin weder als therapeutische Wirkung noch als unerwünschte Nebenwirkung auf.

Acetylsalicylsäure und Salicin sind zwar verwandt, aber in der Wirkung nicht gleich.

Und weil das therapeutisch relevant werden kann, ist es nicht nur Haarspalterei, wenn man die zwei Stoffe sauber auseinander hält.

Dass einer Journalistin eine solche Fehlaussage passiert, ist zwar ärgerlich, aber irgendwo noch verzeihlich. Medienmenschen können nicht in allen Fachbereichen sattelfest sein. Dass dem interviewten Heilpflanzenforscher der Fehler offenbar nicht auffällt und er ihn nicht korrigiert, wiegt allerdings schwerer.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

e

Diesen Artikel teilen:

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Diesen Artikel teilen:

Wieder einmal ein Hinweis auf die Anwendung von Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen. Diesmal von Prof. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel in der „Welt“.

Zitat:

„Bei einem akuten Anfall von Spannungskopfschmerz helfen schmerzhemmende Wirkstoffe wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen. Ebenso wirksam sei Pfefferminzöl, erläutert Göbel. Das Öl wird äußerlich auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen.“

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article128490962/Das-hilft-am-besten-gegen-Kopfschmerzen.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Wenn Pfefferminzöl ebenso wirksam ist wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen, dann ist Pfefferminzöl wegen seinem geringeren Risikopotenzial vorzuziehen.

Bewährt hat sich Pfefferminzöl 10%ig gemischt mit Alkohol oder fettem Öl.

Zu den Themen Pfefferminzöl & Spannungskopfschmerzen siehe auch:

Was ist Minzöl / Japanisches Pfefferminzöl? 

Pfefferminzöl gegen Kopfschmerzen

Phytotherapie bei Spannungskopfschmerzen & Migräne: Pfefferminzöl, Weidenrinde, Pestwurz

Phytotherapie: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen 

Pfefferminzöl lindert Spannungskopfschmerzen 

http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/10/18/pfefferminzol-bei-spannungskopfschmerz.html

Spannungskopfschmerzen lindern mit Pfefferminzöl oder Tigerbalsam

Naturheilmittel gegen Kopfschmerzen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Naturkunde: Weidenkätzchen von der Salweide

Diesen Artikel teilen:

Die Salweide (Salix caprea) ist eine Pflanzenart in der Gattung der Weiden (Salix) innerhalb der Familie der Weidengewächse (Salicaceae). Wegen ihrer frühen Blütezeit ab Anfang März ist die Sal-Weide eine bedeutende erste Futterpflanze für Insekten wie zum Beispiel Honigbienen und verschiedene Wildbienenarten.

Als Kätzchen man meist den männlichen Blütenstand mancher Bäume und Sträucher. Die Bezeichnung geht auf sein fühlbar weiches Äußeres zurück, das mit einem weichen Katzenfell vergleichbar ist.

Foto auf Wikipedia.

Früh im Jahr fliegende Schmetterlingsarten wie Zitronenfalter, Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge schätzen den nahrhaften Nektar der Weidenkätzchen. Zusammen mit der Eiche ist die Salweide die wichtigste Pflanze für die einheimische Schmetterlingsfauna.

Sehr wichtig ist die Salweide aber auch als Pollenspender. Bereits eine einzige männliche Blüte produziert bis zu 5 Millionen Pollenkörner. Dazu kommt noch, dass dieser erste in wesentlichen Mengen angebotene Pollen des Jahres auch der eiweissreichste ist (der Eiweissgehalt wird mit 15 – 22 % angegeben.

Die Honigbienen beginnen in ihrem Stock Ende Februar mit der Bruterzeugung und haben dafür im Herbst einen Pollenvorrat angelegt. Ist dieser wegen ungünstiger Witterung nur gering ausgefallen, muss das Brutgeschäft solange stocken, bis die Pflanzenwelt neuen Pollen liefert. Dieser für eine verstärkte Legetätigkeit der Bienenkönigin und für die Aufzucht der Brut als Eiweissquelle so wichtige Blütenstaub wird von den Kätzchen der Salweide in so reichem Mass angeboten wie es in dieser Jahreszeit bei keiner anderen Pflanze der Fall ist.

Bei Hummeln und sozialen Wespen überwintern nur die Jungköniginnen. Sie profitieren für die Aufzucht einer ersten Generation von Arbeiterinnen ebenfalls stark vom Pollenangebot der Weidenkätzchen.

Siehe auch:

Augen auf: Hummelköniginnen unterwegs

Bei den Wildbienen gehören Sandbienen, Mauerbienen und Schmalbienen zu den frühesten Pollensammlerinnen. Nach einer bereits 1913 durchgeführten Untersuchung werden Weiden von 78 Bienenarten beflogen. Vor allem bei den Sandbienen gibt es Arten, die auf Salweide spezialisiert sind, und deren Aktivitätszeit mit der Blütezeit der Salweide zusammenfällt. Die gleiche Wärmemenge, welche die Weidenkätzchen zum erblühen bringt, lässt auch diese Wildbienenarten aus ihrer Kammer ausschlüpfen.

Am Blütenstaub der Weidenkätzchen interessiert sind zudem viele Schwebfliegenarten. Zum Beispiel die Gemeine Winterschwebfliege (Episyrphus balteatus) oder die als „Mistbiene“ bezeichnete Eristalis tenax. Die Eierstöcke dieser Schwebfliegen-Weibchen können nur bei reichlicher Aufnahme von Pollennahrung zur vollen Funktionsfähigkeit heranreifen.

Weidenkätzchen werden aber auch als Nahrungsquelle von Käfern, zum Beispiel dem Rosenkäfer, und sogar von Vögeln, besonders von Meisen.

Dieser ausgesprochen grosse Nutzen der Weidenkätzchen legt nahe, dass man sie in der Natur schonen sollte.

Im übrigen ist die Salweide nicht nur wegen den Weidenkätzchen als Pollenlieferant und Nektarquelle interessant, sondern auch als Futterpflanze für sehr viele Schmetterlingsarten, die an den Blättern fressen.

Hier ein paar Beispiele (nach Wikipedia):

Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata)

Achateule (Phlogophora meticulosa)

Ahorn-Rindeneule (Acronicta aceris)

Alpenspanner (Lycia alpina)

Ampfer-Rindeneule (Acromicta rumicis)

Birkenspanner (Biston betularius)

Bleich-Gelbeule (Xanthia icterica)

Brauner Bär (Arctia caja)

Buchenmotte (Diurnea fagella)

Buchen-Streckfuß (Callitheara pudibunda)

C-Falter (Nymphalis c-album)

Dromedar-Zahnspinner (Notodonta dromedarius)

Erlen-Rindeneule (Acronicta alni)

Erpelschwanz-Rauhfußspinner (Clostera curtula)

Federspanner (Colotois pennaria)

Frühlings-Wollafter (Eriogaster lanestris)

Gelbe Bandeule (Noctua fimbriata)

Gelbspanner (Opisthograptis luteolata)

Gothica-Kätzcheneule (Orthosia gothica)

Großer Fuchs (Nymphalis polychloros)

Großer Gabelschwanz (Cerura vinula)

Großer Schillerfalter (Apatura iris)

Großkopf-Rindeneule (Acronicta megacephala)

Hausmutter (Noctua pronuba)

Hermelinspinner (Cerura erminea)

Hornissen-Glasflügler (Sesia apiformis)

Kamel-Zahnspinner (Ptilodon capucina)

Kleine Eichenglucke (Phyllodesma tremulifolia)

Kleiner Bürstenspinner (Orgyia antiqua)

Kleiner Frostspanner (Operophtera brumata)

Kleiner Schillerfalter (Apatura ilia)

Kleines Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia)

Maivogel (Euphydryas maturna)

Violettbrauner Mondfleckspanner (Selenia tetralunaria)

Mondvogel (Phalera bucephala)

Nagelfleck (Aglia tau)

Olivgrüner Bindenspanner (Chloroclysta siterata)

Palpen-Zahnspinner (Pterostoma palpina)

Pappel-Porzellanspinner (Pheosia tremula)

Pappelschwärmer (Laothoe populi)

Pappelspanner (Biston stratarius)

Pappelspinner (Leucoma salicis)

Pfeileule (Acronicta psi)

Pyramideneule (Amphipyra pyramidea)

Ringelspinner (Malacosoma neustria)

Rundflügel-Kätzcheneule (Orthosia cerasi)

Schneespanner (Apocheima pilosaria)

Schönbär (Callimorpha dominula)

Schwammspinner (Lymantria dispar)

Schwan (Euproctis similis)

Schwarzes L (Actornis L-nigrum)

Silberblatt (Campaea margaritata)

Sphinxeule (Asteroscopus sphinx)

Trauermantel (Nymphalis antiopa)

Violett-Gelbeule (Xanthia togata)

Weidenbohrer (Cossus cossus)

Weißstirn-Weißspanner (Cabera pusaria)

Zackeneule (Scoliopteryx libatrix)

Zickzackspinner (Notodonta ziczac)

Insgesamt ernähren sich fast 100 Schmetterlingsarten von der Salweide, entweder als Futterpflanze für die Raupen oder als Nektarquelle für den fliegenden Schmetterling.

Wenn Sie mehr über Pflanzen und Tiere in der Natur erfahren und viele kleine Wunder am Wegrand entdecken möchten, dann schauen Sie sich einmal die Daten und Orte meiner Heilpflanzenexkursionen und Kräuterwanderungen im Kurskalender an.

In der Phytotherapie werden Extrakte aus verschiedenen Weidenarten gegen Schmerzen angewendet, zum Beispiel bei Arthrose. Als Hauptwirkstoff gilt dabei das Salicin aus der Weidenrinde.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Weidenrinde kann Kopfschmerzen reduzieren

Diesen Artikel teilen:

Bereits der griechische Arzt Hippokrates setzte auf die Kraft der Weidenrinde bei Schmerzen aller Art – und das nicht ohne Grund: Weidenrinde enthalte Salicin, eine Vorstufe der im Schmerzmittel Aspirin verwendeten Acetylsalicylsäure und habe deshalb entzündungshemmende, schmerzlösende und fiebersenkende Eigenschaften, sagt Miriam Ortiz, Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Allerdings warnt sie wegen der ungewissen Wirkstoffmenge davor, Weidenrinde aus dem eigenen Garten zu verwenden.

Sie rät bei leichten Schmerzen bekannter Ursache unter anderem zu Weidenrindentee oder zu Weidenrinden-Präparaten aus der Apotheke: Erwachsene dürfen bei akuten Beschwerden bis zu fünfmal täglich eine Tasse als Aufguss von einem Teelöffel Weidenrinde (ca. 1,5 g) zu sich nehmen, sagt die Expertin Die Tagesdosis bei Fertigpräparaten liege bei 60 bis 120 Milligramm. Bei akuten Beschwerden sei kurzfristig eine Steigerung auf bis zu 240 Milligramm pro Tag möglich.

Dauerhaft solle man Weidenrinde – wie alle Arzneipflanzen – nicht einnehmen, betont die Allgemeinmedizinerin: Weidenrindentee und Weidenrinden-Präparate empfiehlt sie auch nicht für Kinder bis zwölf Jahren und bei einer bekannten Salicylsäureüberempfindlichkeit. Gerinnungsstörungen wie beim Aspirin werden in Untersuchungen zur Weidenrinde zwar nicht beschrieben. Trotzdem sollte die Einnahme bei zusätzlicher Therapie mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/weidenrinde-kann-kopfschmerzen-lindern-054147039.html

Kommentar & Ergänzung:

Erwähnenswert ist meines Erachtens noch, dass die Wirkung von Weidenrinde im Vergleich zu Aspirin langsamer einsetzt und dafür länger anhält.

Salicin ist keine Vorstufe von Acetylsalicylsäure (ASS), sondern eine verwandte Substanz, die im Organismus ebenfalls zu Salicylsäure umgewandelt wird, die ihrerseits entzündungswidrig, fiebersenkend und schmerzlindernd wirkt.

Salicin beeinflusst aber die Thrombozytenaggregation nicht. Weidenrinde ist deshalb ungeeignet als Ersatz für Aspirin Cardio.

Salicin ist im übrigen wohl nicht der einzige Wirkstoff in der Weidenrinde. An der Wirkung dürften Polyphenole mitbeteiligt sein.

Weidenrinden-Extrakt wird auch eingesetzt bei leichteren Gelenkschmerzen, zum Beispiel bei Arthrose.

Siehe auch:

Weidenrinde lindert Kopfschmerzen und Rheumabeschwerden

Phytotherapie bei Spannungskopfschmerzen, Migräne, Pfefferminzöl, Weidenrinde, Pestwurz

Weidenrinde und Aspirin nicht in einen Topf werfen

Naturheilmittel: Weidenrinde in der Schmerztherapie

Phytotherapie & Arthrose: Weidenrinde, Teufelskralle & Co.

Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheumabeschwerden

Rheuma-Behandlung: Teufelskrallenwurzel und Weidenrinde empfohlen

Weidenrinden-Extrakte lindern Arthritis

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Phytotherapie bei Spannungskopfschmerzen & Migräne: Pfefferminzöl, Weidenrinde, Pestwurz

Diesen Artikel teilen:

Die Aerztezeitung geht in einem Artikel über Behandlungsmöglichkeiten bei Kopfschmerzen und Migräne auch auf Heilpflanzen-Präparate ein:

„Bei Spannungskopfschmerz kann den Patienten dann zum Beispiel empfohlen werden, die Stirn mit Pfefferminzöl einzureiben.

Studiendaten mit einer zehnprozentigen Lösung belegen hier eine eindeutige Wirksamkeit (Z Phytotherapie 2004; 25: 129). Entsprechende Präparate gibt es in der Apotheke, sie können auch auf einem Grünen Rezept verordnet werden. Eine phytotherapeutische Option sind zudem Präparate aus Weidenrinde.

Zur Migräne-Prophylaxe stehen ebenfalls verschreibungsfreie Produkte zur Verfügung. Dazu gehören etwa Pestwurz-Kapseln, die über eine internationale Apotheke aus England bezogen werden können.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/schmerz/kopfschmerzen/article/810225/schnelle-hilfe-haemmern-kopf.html

Kommentar & Ergänzung:

Zum Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen siehe auch:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/2011/05/12/phytotherapie-pfefferminzoel-gegen-spannungskopfschmerzen.html

http://heilpflanzen-info.ch/cms/2011/05/04/pfefferminzol-lindert-spannungskopfschmerzen.html

http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/10/18/pfefferminzol-bei-spannungskopfschmerz.html

Zur Weidenrinde:

Untersucht bezüglich Wirksamkeit wurde Weidenrindenextrakt, aber vor allem im Bereich von Rheuma-Beschwerden zur Schmerzlinderung.  Die Wirksamkeit bei Spannungskopfschmerzen ist dagegen nicht ausreichend dokumentiert, aufgrund der Inhaltsstoffe (Salicin und verschiedene Polyphenole) aber plausibel. Die Wirkung setzt langsamer ein als bei synthetischen Schmerztabletten wie Aspirin, hält aber dafür länger an. Die Wirksamkeit ist in der Regel schwächer verglichen mit Aspirin oder Paracetamol, dafür ist aber die Verträglichkeit sehr gut.

Weidenrindentee und Weidenrindentinktur wurden bezüglich Wirksamkeit zur Schmerzlinderung bisher nicht untersucht. Weidenrindentee dürfte bezüglich der Menge an zuführbaren Wirkstoffen der Weidenrindentinktur überlegen sein.

Siehe:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/2012/04/14/weidenrinde-lindert-kopfschmerzen-und-rheumabeschwerden.html

http://heilpflanzen-info.ch/cms/2011/07/29/naturheilmittel-weidenrinde-in-der-schmerztherapie.html

Zur Pestwurz:

Die erwähnte Apotheke in England dürfte identisch sein mit derjenigen hier:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/2009/09/13/pestwurz-extrakt-auch-weiterhin-bestellbar.html

In der Schweiz ist Pestwurz nur in Kombinationspräparaten enthalten. Für einen Versuch bei Migräne geeignet wären Zeller Entspannungsdragees (in der kassenzulässigen Form = Relaxane). In Zeller Entpannungsdragees / Relaxane ist Pestwurz-Extrakt kombiniert mit Melissenblätter-Extrakt, Passionsblumenkraut-Extrakt, Baldrian-Extrakt.

Pestwurz nur in solchen Spezialextrakten einnehmen, nicht in Form von Pestwurztee oder Pestwurztinktur. Pestwurz enthält giftige Pyrrolizidinalkaloide, die bei der Herstellung von Zeller Entspannungsdragees / Relaxane entfernt werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Weidenrinde lindert Kopfschmerzen und Rheumabeschwerden

Diesen Artikel teilen:

Weidenrinde kann gegen Kopfschmerzen und Rheumabeschwerden angewendet werden.

Genau wie viele synthetische Schmerzmittel enthalte die Rinde Salizylsäure, die die Bildung von Schmerz-, Entzündungs- und Fieberbotenstoffen im Körper hemme, erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg.

Im Gegensatz zur synthetisch produzierten Acetyl-Salizylsäure (ASS) greife die Weidenrinde nicht die Magenschleimhaut an. Sie kann gemäss Mayer deshalb über längere Zeit eingenommen werden. Allerdings wirke Weidenrinde nicht so rasch wie ihr chemisches Pendant ASS. Außerdem könne ASS vor Herzinfarkten und Schlaganfall schützen, weil sie die Verklumpung der Blutplättchen verhindere, sagt Mayer. Diese Wirkung habe Weidenrinde nicht.

Quelle:

http://www.aachener-zeitung.de/news/gesundheit-detail-az/2287258

Forschergruppe Klostermedizin

Kommentar & Ergänzung:

Das Glykosid Salicin aus der Weidenrinde ist chemisch zwar ähnlich aufgebaut wie die Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), aber eben nicht identisch. Deshalb sind auch die Wirkungen der beiden Substanzen nicht deckungsgleich.

Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin macht eine wichtige Differenzierung, die sonst oft in Artikeln über die Weidenrinde nicht klar dargestellt wird:

Acetylsalicylsäure (Aspirin Cardio®) hemmt die Verklumpung der Bluttplättchen (Hemmung der Thrombozytenaggregation).

Salicin und damit die Weidenrinde hat diesen Effekt weder als therapeutische Wirkung noch als unerwünschte Nebenwirkung.

Siehe auch:

Weidenrinde und Aspirin nicht in einen Topf werfen

Weidenrinde – Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin)

Naturheilmittel: Weidenrinde in der Schmerztherapie

Heilpflanzen gegen Kopfschmerzen

Phytotherapie bei Arthrose: Weidenrinde & Teufelskralle

Phytotherapie: Heilpflanzen zur Schmerzbehandlung

Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheumabeschwerden

Rheuma-Behandlung: Teufelskrallenwurzel und Weidenrinde empfohlen

Weidenrindenextrakte lindern Arthritis

Aspirin schützt offenbar nicht vor (erstem) Herzinfarkt

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Heilpflanzen-Präparate bei Rheuma

Diesen Artikel teilen:

In der „Pharmazeutischen Zeitung“ publizierte Professor Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena einen informativen Beitrag zur Rheumabehandlung mit Phytopharmaka.

Zur Bedeutung dieser Heilpflanzen-Präparate schreibt er einleitend:

„ Zur (Begleit-)Therapie rheumatischer Erkrankungen inklusive degenerativer Gelenkerkrankungen und milder bis mittelstarker Muskel- und Rückenschmerzen stehen ausgewählte Phytopharmaka zur Verfügung.

Diese sind insbesondere als alternative oder komplementäre Therapie-Optionen zur klassischen medikamentösen Behandlung mit steroidalen und nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) von Bedeutung.

Ob Teufelskralle, Weidenrinde, Brennnessel oder Weihrauch, ob Cannabis, Hagebutte oder Mutterkraut: Nahezu jeder Rheuma-Patient bedient sich pflanzlicher Antiphlogistika, nicht zuletzt, da er die Nebenwirkungen chemisch definierter Arzneimittel und hier insbesondere der Glucocorticoide fürchtet.

Für ihre Effektivität spricht auch und gerade die Tatsache, dass Zubereitungen entzündungshemmender Kräuter seit Jahrtausenden in der Volksmedizin angewandt werden.

Für zahlreiche Pflanzen(-präparationen), die als Interna zur Entzündungs- und auch Schmerzhemmung bei diversen Krankheitsbildern wie Rheumatoide Arthritis oder Osteoarthrose genutzt werden, liegen, wie bei chemisch definierten Arzneistoffen, wissenschaftliche Daten sowie Hinweise auf Wirkmechanismen und Targets in der menschlichen Entzündungspathogenese vor.

Dennoch wird ihre Effektivität von einigen Fachleuten in Frage gestellt, gilt die klinische Wirksamkeit dieser Phytopharmaka als umstritten. Durch die mangelnde Anerkennung und wenig konsequente Weiterverfolgung der hier bereits vorliegenden Erkenntnisse zu Forschungs- und Therapie-Potenzialen werden große Chancen vertan.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?type=0&id=40814

Kommentar & Ergänzung:

Heilpflanzen-Präparate können in vielen Situationen für die Behandlung von Arthritis und Arthrose von Nutzen sein. Heikel ist es allerdings, wenn bei schweren Entzündungen ausschliesslich auf Phytoparmaka oder andere Naturheilmittel gesetzt wird. In solchen Fällen braucht es oft starke Entzündungshemmer (z. B. Glucocorticoide, NSAR), um Schaden von den betroffenen Gelenken abzuwenden und die Schmerzen erträglich zu machen. Diese starken Entzündunghemmer sind bei langdauerndem Gebrauch und bei hohen Dosierungen aber mit einigen ernsthaften Risiken verbunden. Bei abklingenden Entzündungen und in Zwischenphasen können Phytopharmaka wie Weihrauch, Teufelskralle, Weidenrinde, Hagebutte oder Brennessel mithelfen, die Dosierungen von Glucocorticoiden oder NSAR herunterzufahren. Es geht also nicht um ein Gegeneinander von synthetischen Medikamenten und Naturheilmitteln, sondern um eine stadiengerechte Behandlung mit der jeweils besten Option.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Aspirin (ASS): Für die Primärprävention von Herzinfarkt mehr Risiko als Nutzen

Diesen Artikel teilen:

Während die Behandlung mit Acetylsalicylsäure (Aspirin, ASS) nach Herzinfarkt und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen als evidenzbasiert beurteilt wird, ist ihr Einsatz in der Primärprävention umstritten. Nach den Resultaten einer Meta-Analyse in den Archives of Internal Medicine (2012; doi: 10.1001/archinternmed.2011.628) überwiegen die Nachteile.

Die Forscher-Gruppe um Kausik Ray von der St. George’s Universität in London stützt ihre Meta-Analyse auf neun randomisierte klinische Studien mit jeweils mehr als 1000 teilnehmenden Personen. Sie litten weder an einer koronaren Herzkrankheit, noch war es bei ihnen zu einem Herzinfarkt gekommen, als sie im Durchschnittsalter von 57 Jahren im Rahmen einer Studie die Primärprävention mit ASS (oder einem Placebo) begannen. Das Ziel der Primärprävention war die Vermeidung kardiovaskulärer Ereignisse, die bei diesen relativ gesunden Probanden in der relativ kurzen Nachbeobachtungszeit von etwa 6 Jahren aber recht selten auftraten: Ray fand in 700.000 Personen-Jahren gerade einmal 2169 Herzinfarkte, davon 592 mit tödlichem Ausgang.

Darüber hinaus erreichte die Primärprävention mit Acetylsalicylsäure nur eine sehr bescheidene 10-prozentige Verringerung der Herz-Kreislauf-Ereignisse. Die Number Needed to Treat ist mit 120 Personen, die über sechs Jahre Acetylsalicylsäure nehmen müssen, um ein Ereignis zu vermeiden, recht hoch.

Da hauptsächlich nicht-tödliche Herzinfarkte vermieden werden, dürfte nach Ansicht der Autoren der Anstieg der „nicht-trivialen“ Blutungen durch ASS auf der Waagschale einer Leitlinien-Empfehlung das größere Gewicht haben. Diese Bilanz gilt wie erwähnt nur für die Primärprävention mit ASS. In der Sekundärprävention ist Acetylsalicylsäure nicht umstritten.

Quellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48697/ASS-In-der-Primaerpraevention-ueberwiegen-die-Risiken

http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/short/archinternmed.2011.628

Kommentar & Ergänzung:

Unter Primärprävention versteht man die vorbeugende Einnahme, ohne dass bereits eine Erkrankung – hier vor allem ein Herzinfarkt – eingetreten ist.

Sekundärprävention dagegen setzt erst ein, nachdem es beispielsweise zu einem Infarkt gekommen ist. Durch Sekundärprävention soll das erneute Auftreten eines solchen Ereignisses vermieden werden.

Es scheint zunehmend in Mode zu kommen, aus Angst vor einem Herzinfarkt Aspirin Cardio vorbeugend als Primärprävention einzunehmen.

Gut zu wissen daher, dass ein Nutzen hier fraglich ist.

Ebenfalls gut zu wissen ist aber, dass ein Einsatz in der Sekundärprävention Sinn machen kann.

Und übrigens: In der Phytotherapie ist vor allem die Weidenrinde bekannt als Heilpflanze, die ähnliche Wirkstoffe enthält wie Aspirin, vor allem das Salicin.

Allerdings: Salicin wirkt  gegen Schmerzen und Fieber, hemmt aber nicht die Thrombozytenaggregation. Weidenrinden-Extrakt eignet sich daher gegen leichte Schmerzen beispielsweise bei Arthrose, verbessert aber nicht die Blutfliesseigenschaften und ersetzt daher niemals Aspirin Cardio. Dem Weidenrinden-Extrakt fehlt folglich auch das Risiko von Blutungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: