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Detox ist Unsinn

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Detox ist nicht nur überflüssig. Es untergräbt auch das Vertrauen in unseren Jeden Frühling schwappt eine Detoxwelle wieder durch’s Land. Früher sagte man zu diesen körperinternen Putzaktionen Engiftungskur oder Entschlackungskur. Aber Detox tönt überzeugender. Die Frauenzeitschrift „Annabelle“ hat Michael Ristow gefragt, was der grösste Unsinn an Detox sei:

„Detox findet im Körper prinzipiell immer statt, dafür gibt es Organe wie die Leber oder die Nieren – und die funktionieren sehr gut. Es ist ein Irrglaube zu denken, man könnte durch Wunderkuren diese Vorgänge im Körper aktivieren oder beschleunigen. Was man allerdings tun kann, ist, die Leber zu behindern, etwa mit Alkohol. Wenn die Leber damit beschäftigt ist, den Alkohol abzubauen, kann sie sich nicht um andere Dinge kümmern, die sie abbauen sollte.“

Prof. Dr. Michael Ristow ist Arzt und Wissenschafter und als Professor für Energiestoffwechsel an der ETH Zürich tätig.

Quelle:

http://www.annabelle.ch/leben/gesundheit/«-detox-trend-aergert-mich-schon-sehr»-47732

Kommentar & Ergänzung:

Detox ist nicht nur überflüssig. Es untergräbt auch das Vertrauen in unseren Körper. Es missachtet die Arbeit von Leber und Nieren und redet uns ein, dass sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind.

Es gibt ernsthafte Lebererkrankungen und Nierenerkrankungen, bei denen die Funktion dieser Organe beeinträchtig ist oder gar versagt. Dann ist medizinische Hilfe nötig.

Aber gesunden Menschen einzureden, dass sie unbedingt Entgiftung und Entschlackung brauchen, ist nur ein gutes Geschäftsmodell.

Michael Ristow lässt im Annabelle-Interview im übrigen noch interessante Informationen einfliessen.

Er rät bei Obstsäften zur Vorsicht, da diese nicht nur gesunde Stoffe, sondern auch viel Zucker enthalten.  Ich würde empfehlen, Obstsäfte halb/halb mit Wasser zu verdünnen.

Auf die Frage, welches Obst er denn mit gutem Gewissen empfehlen könne, sagt Michael Ristow:

„Je kleiner die Frucht ist, desto gesünder ist sie. Das Gesunde im Obst steckt meist in der Schale und je mehr Schale, man bezogen aufs Gesamtvolumen isst, desto gesünder. Kleine Beeren oder allgemein alle kleinen Früchte, die rot, blau oder violett sind, kann ich empfehlen. Bei diesen Früchten ist die Chance höher, dass der ungünstige Zucker sich im Verhältnis zu den günstigen Polyphenolen lohnt. Polyphenolen sind nachweislich gesundheitsfördernde Pflanzenstoffe, die in Früchten und im Gemüse enthalten sind.“

Aus phytotherapeutischer Sicht ist der Hinweis auf rote, blaue oder violette Beeren interessant. Hier handelt es sich um Inhaltsstoffe aus der Gruppe der Anthocyane, einer Untergruppe der Flavonoide, die wiederum zu den Polyphenolen gehören.

Die wichtigste Heilpflanze mit Anthocyanen ist die Heidelbeere.

Auf die Heidelbeere weist Michael Ristow sogar speziell hin.

Anstelle von

«An apple a Day, keeps the Doctor away»

empfiehlt er „…eher 50 Blaubeeren a Day.“

Wobei aber leider die Blaubeeren / Heidelbeeren, die im Supermarkt verkauft werden, innen kaum blau sind und daher weniger Anthocyane enthalten als die „richtigen“, wildwachsenden Heidelbeeren.

Siehe dazu:

Heidelbeeren aus dem Supermarkt begtreffend Wirkstoffgehalt fragwürdig

Anthocyane sind Radikalfänger und hemmen Entzündungen. Eingeschränkt wird ihre Wirksamkeit aber oft durch stark eingeschränkte Aufnahme in den Organismus aus dem Verdauungstrakt.

Neben Heidelbeeren enthalten beispielsweise auch Himbeeren, Brombeeren, Schwarze Johannisbeeren, Auberginen (Schale), Aronia und Kirsche Anthocyane in relevanten Mengen. Man sollte diese Anthocyan-Quellen zwar nicht zu Wundermitteln hochjubeln, doch sind sie wertvolle Bestandteile einer vielfältigen Ernährung, wenn sie immer wieder mal auf den Speiseplan kommen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Aktivkohle bei Durchfall

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Aktivkohle = „medizinische Kohle“, ist poröser, feinkörniger Kohlenstoff mit einer grossen inneren Oberfläche.

„ Die Poren sind wie bei einem Schwamm untereinander verbunden (offenporig). Die innere Oberfläche beträgt zwischen 300 und 2000 m2/g Kohle, damit entspricht die innere Oberfläche von vier Gramm Aktivkohle ungefähr der Fläche eines Fußballfeldes.“ (Quelle: Wikipedia).

An diese eindrücklich grosse Oberfläche bindet Aktivkohle Toxine und führt sie über den Stuhl der Ausscheidung zu. Diese Fähigkeit wird ausgenutzt bei Vergiftungen. Aktivkohle ist dabei zwar sehr breit wirksam, aber nicht gegen alle Gifte. Unwirksam ist sie zum Beispiel gegen Cyanid, Eisen, Lithium, Elektrolyte, Lösungsmittel und verschiedene Alkohole wie Methanol und Ethanol. (Quelle: Pharmawiki)

Da Aktivkohle zum Beispiel auch Bakterien und Bakterientoxine bindet, wird sie ebenfalls als Mittel gegen Durchfall eingesetzt. Sie ist nur lokal im Verdauungstrakt wirksam und wird nicht in den Organismus aufgenommen.

Aktivkohle kann auch andere Medikamente binden und dadurch ihre Aufnahme stören. Deshalb sollen andere Medikamente nicht gleichzeitig, sondern in einem Abstand von mindestens zwei Stunden eingenommen werden, da es sonst zu einem Wirkungsverlust kommen kann.

Aktivkohle kann auch zur Entfernung von Zahnverfärbungen eingesetzt werden.

Aktivkohle ist für medizinische Zwecke im Handel in Kapselform oder als flüssige Suspension (Carbovit).

Ausgesprochen fragwürdig ist der Trend, Aktivkohle Lebensmitteln beizufügen in der Hoffnung, damit den Körper zu entgiften, zum Beispiel in Form von Aktivkohle-Drinks. Erstens ist überhaupt nicht klar, was genau für Stoffe da entgiftet werden sollen. Die Aktivkohle ist nämlich nicht so schlau, dass sie unterscheiden kann, welche Stoffe für uns schädlich sein könnten, und welche wir brauchen. So ist es denkbar, dass sie auch gesunde und notwendige Stoffe bindet wie Vitamine, Polyphenole etc.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Thymiantee bei Bronchitis

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Das Portal Apotheke-Adhoc empfiehlt als Hausmittel bei Bronchitis:

„Thymiantee: Thymian enthält viele antibakterielle ätherische Öle, weshalb er im Volksmund als „natürliches Antibiotikum“ bezeichnet wird. Für eine Tasse reichen ein bis zwei Teelöffel Thymiankraut. Dieser Tee sollte 10 bis 15 Minuten ziehen.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/blogads-welche-hausmittel-helfen-gegen-bronchitis/

Kommentar und Ergänzung:

Ja, das ätherische Thymianöl wirkt stark antibakteriell, jedenfalls bei Untersuchungen im Labor.

Im Standardwerk „Arzneidrogen“ von Georg Schneider heisst es dazu:

„Das Öl war gegen 35 getestete grampositive und 18 gramnegative Bakterien sowie 11 Pilzarten mit MHK-Werten von 0,125 bis 8 mg/ml wirksam. Thymianöl ist eines der antibiotisch wirksamsten ätherischen Öle.“

Allerdings lässt sich ein Laborergebnis nicht einfach auf die Anwendung beim Menschen übertragen. Thymiankraut enthält zwischen 1% und 2,5% Thymianöl, wovon aber wegen schlechter Wasserlöslichkeit nur ein Teil ins Teewasser übergeht. Dann muss das Thymianöl nach der Aufnahme in den Körper allfällige Umwandlungsprozesse in der Leber überstehen, wird über die Blutbahn im ganzen Organismus verteilt und soll dann in den Atemwegen eine Konzentration erreichen, die Bakterien hemmt. Das ist eigentlich eher fraglich. Bei Thymiantee von einem „natürlichen Antibiotikum“ zu sprechen ist daher ziemlich überzogen.

Eine Inhalation mit Thymianöl scheint mir da besser geeignet, erreicht man doch so die Atemwege von aussen ohne Umweg über den Verdauungstrakt und die Blutbahn.

Will man über den Verdauungstrakt in den Atemwegen ätherische Öle zur Anwendung bringen, sind magensaftresistente Kapseln wirksamer, weil dadurch grössere Mengen zugeführt werden können.

In Frage kommen Sibrovita N (mit Eukalyptusöl) oder Gelomyrtol ( entspricht Gelodurat als kassenzulässige Variante wenn ärztlich verordnet), einem Präparat aus aus rektifiziertem Eukalyptusöl, rektifiziertem Süßorangenöl, rektifiziertem Myrtenöl und rektifiziertem Zitronenöl.

Für Thymianöl gibt es keine entsprechenden Kapseln.

Eine akute Bronchitis wird im übrigen in den meisten Fällen durch Viren ausgelöst. Thymianöl zeigt im Labor auch Wirkungen gegen Viren, doch ist dieser Effekt offenbar schlechter untersucht als die antibakterielle Wirkung. Im Labor getestet wurde die Wirksamkeit gegen Herpes simplex Viren, die für Fieberbläschen verantwortlich sind.

Ergänzend soll noch erwähnt werden, dass Thymianöl zudem schleimlösend bei produktivem Husten wirkt. Auch für diesen Zweck würde ich aber die Inhalation dem Thymiantee vorziehen, oder Sibrovita / Gelodurat / Gelomyrtol als Kapsel einnehmen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Phytotherapie, Arzneidrogen – Phytopharmaka – Anwendung von Margret Wenigmann

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PhytotherapieVerlagsbeschreibung

Phytotherapie verstehen und therapeutisch sicher anwenden
Die Nachfrage nach pflanzlichen Arzneimitteln steigt seit Jahren, gerade aufgrund guter Verträglichkeit und geringer Nebenwirkungen. Ob man als Arzt, Apotheker oder Heilpraktiker mit Phytotherapie behandelt oder berät: Mit „Phytotherapie“ erwirbt der Leser die notwendige phytotherapeutische Fachkompetenz!
Wissenschaftlich fundiert (entsprechend der HMPC-Monografien) und in täglicher Praxis erprobt, findet man hier:
– Detailliertes Wissen zu Pflanzeninhaltsstoffen, Drogenextrakten und Arzneitees
– 126 Steckbriefe der wichtigsten Arzneidrogen
– 250 hochwertige Farbfotos von Arzneidrogen und den dazugehörigen Pflanzen
– Praxistaugliche Behandlungskonzepte zu den wichtigsten Krankheitsbildern inkl. Ätiologie und Pathophysiologie
Hinzu kommen arzneimittelrechtliche Aspekte sowie die Abgrenzung von Phytopharmaka zu Nahrungsergänzungsmitteln.
Benutzerfreundlich und didaktisch hochwertig aufbereitet mit übersichtlichen Grafiken und Mindmaps, dient „Phytotherapie“ als ideales Lehrbuch und Nachschlagewerk.

Zum Shop

Inhaltsverzeichnis des Buches „Phytotherapie“:

1 Grundlagen der Phytotherapie
2 Arzneimittelrechtliche Bestimmungen
3 Arzneipflanzen und Arzneidrogen
4 Inhaltsstoffe der Arzneipflanzen
5 Drogenportraits
6 Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen
7 Atemwegserkrankungen
8 Erkrankungen des Verdauungstrakts
9 Stoffwechselerkrankungen
10 Erkrankungen des Urogenitaltrakts
11 Gynäkologische Erkrankungen
12 Neurologische Erkrankungen
13 Psychische Erkrankungen
14 Schmerzen und Entzündungen
15 Dermatologie
16 Steigerung der Abwehrkräfte

Die Autorin Margret Wenigmann

Margret Wenigmann ist Apothekerin, Autorin und Dozentin in der Weiterbildung Phytotherapie für Ärzte und Apotheker. Sie stammt aus einer Familie, in der der Beruf des Apothekers und die Beschäftigung mit Arzneipflanzen seit Generationen fest verankert sind. So liegt es nahe, dass die Phytotherapie zum erfüllenden Lebensthema wurde. In ihren Publikationen verbindet sie wissenschaftliche Erkenntnisse mit eigenen Erfahrungen aus langjähriger Dozenten- sowie täglicher Beratungstätigkeit in der Apotheke.

Kommentar von Martin Koradi

Das Buch „Phytotherapie“ von Margret Wenigmann richtet sich zwar an Fachleute, ist aber sehr klar geschrieben und dürfte daher auch interessierten Laien Nutzen bringen, wenn sie bereit sind, einzelne Fachwörter nachzuschlagen. Es werden 126 Heilpflanzen in Monografien vorgestellt.  Wichtiger scheinen mir aber noch die Kapitel, in denen die einzelnen Organsysteme und die darin eingesetzen Heilpflanzen vorgestellt werden.  Dazu liefert die Autorin in kompakter Form zum Verständnis wichtiges medizinisches Fachwissen.

Das Buch enthält Teerezepturen, informative Mindmaps und jeweils ausführliche Hinweise auf Fertigpräparate (Phytophamaka) aus den beschriebenen Heilpflanzen. Dabei handelt es sich um Fertigpräparate, die in Deutschland im Handel. Nur ein Teil davon ist auch in der Schweiz als Arzneimittel im Handel, doch können die Apotheken in der Schweiz Präparate aus Deutschland auf Verlangen besorgen.

Als Hinweis: In der Verlagsbeschreibung zum Buch taucht die Bezeichnung „Arzneidroge“ auf. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Mit „Droge“ ist in der Phytotherapie die getrocknete Heilpflanze gemeint.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie  in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen.

 

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Wenn Kühe Alpenkräuter fressen, steigt der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren in Fleisch und Milch

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Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Fleisch und Milch von Alptieren mehr wertvolle Omega-3-Fettsäuren enthalten, vor allem mehr Alpha-Linolensäure.

Forscher der ETH-Zürich haben nun untersucht, woran das liegt, ob an der Höhe über Meer oder am Futter.

Resultat: Es liegt nicht an der Höhe über Meer, sondern am Futter.

Fütterungsversuche haben allerdings gezeigt, dass es nicht genügt, den Kühen einfach mehr Omega-3-Fettsäuren ins Futter zu geben.

Ohne Alpenkräuter gehen die wertvollen Fettsäuren im Laufe des Verdauungsprozesses weitgehend verloren. Die Omega-3-Fettsäuren werden im Pansen, dem grössten Vormagen der Wiederkäuter, in weniger wertvolle, gesättigte Fettsäuren umgewandelt.

Dadurch können mehr als 90% der gesunden Fettsäuren verschwinden. Dafür verantwortlich sind offenbar unzählige Mikroorganismen, die im Pansen leben.

Gräser, Kräuter und Blütenpflanzen, wie sie auf Alpweiden wachsen, können diese Umwandlungsprozesse im Pansen offenbar bremsen.

Im Labor konnten die Wissenschaftler zeigen, dass es sekundäre Pflanzeninhaltstoffe sind – insbesondere Polyphenole – welche die Mikroorganismen daran hindern, die Omega-3-Fettsäuren umzuwandeln.

Quelle: Sonntagszeitung, 24. September 2017

Kommentar & Ergänzung:

Dass Milch und Fleisch von Alptieren höhere Gehalte an Omega-3-Fettsäuren aufweisen, ist schon seit längerem bekannt.

Nun ist offenbar geklärt worden, wie es zu diesen Unterschieden kommt. Es scheint also nicht an einem höheren Omega-3-Gehalt der Alpenpflanzen zu liegen, sondern am höheren Gehalt an Polyphenolen.

Fleisch, Milch und Käse von der Alp sind also offensichtlich ernährungmässig wertvoller als „Flachland-Produkte“. Man könnte aber auch im Flachland höhere Omega-3-Gehalte produzieren, wenn die Wiesen nicht nur Gräsern, sondern auch möglichst viele Kräuter enthalten würden.

Polyphenole sind auch in der Phytotherapie wichtig als Wirkstoffgruppe.

Zu den Polyphenolen gehören insbesondere Flavonoide und Gerbstoffe.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage, welche Effekte Polyphenole im menschlichen Verdauungstrakt haben, der sich von demjenigen der Kühe stark unterscheidet. Da sind noch zahlreiche Fragen offen, aber es spricht viel dafür, dass Polyphenole auch im menschlichen Organismus wichtige Funktionen haben.

 

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Cannabis als Arzneimittel: Auf die richtige Form kommt es an

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Als «hoch experimentelle Therapieform» sei die Behandlung mit Cannabisblüten derzeit einzustufen, sagte Professor Dr. Theo Dingermann von der Universität Frankfurt am Main in einem Vortrag bei der Expopharm-Pharmaworld in Düsseldorf.

 

Er begründet das mit den zahllosen Kreuzungen und Züchtungen mit unterschiedlichen THC- und Cannabidiol-Gehalten, die mittlerweile aus den ursprünglichen Reinformen Cannabis sativa und Cannabis indica entstanden sind. Welche Sorte man in einem bestimmten Fall verwendet, ist nicht gleichgültig. Daten, welche die postulierten Wirkungen einer bestimmten Sorte genau erfassen, liegen bislang nicht vor.

Als schwierig schätzt Dingermann auch die Anwendungsform ein.

Das Gesetz in Deutschland erlaube zwar, dass Cannabisblüten geraucht werden dürfen. Doch sei bei dieser Anwendungsform die Bioverfügbarkeit sehr variabel. Das THC flute in der Regel sehr rasch sehr hoch an, die Wirkung flache jedoch auch rasch wieder stark ab. Das sei nicht nur schwer steuerbar, sondern auch nicht sinnvoll, zum Beispiel bei der Behandlung chronischer Schmerzen. Die Einnahme über den Verdauungstrakt (orale Applikation) von Rezepturen auf Extraktbasis sei zu bevorzugen, noch besser sei die Verwendung von Fertigarzneimitteln.

Für diese Applikationsform haben sich neben der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft auch die Bundesärztekammer und die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft ausgesprochen.

Dingermann warnte auch davor, sich zu viele Hoffnungen auf Cannabis als wirksame Behandlung bei allen möglichen Indikationsgebieten zu machen.

Die Evidenz für die Wirksamkeit von Cannabis sei bestenfalls mäßig, selbst bei relativ gut untersuchten Indikationen wie chronischen Schmerzen oder Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie. Dingermann empfahl, dass sich Patienten immer möglichst an einen Facharzt für ihre Erkrankung wenden. Fachärzte würden übrigens deutlich seltener Cannabis in Blütenform verordnen als nicht spezialisierte Ärzte.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=71575

Kommentar & Ergänzung:

Der Vortrag spricht einen sehr wichtigen Punkt für die Phytotherapie an: Es kommt nicht nur darauf an, welche Heilpflanze zur Linderung bestimmter Beschwerden eingesetzt wird. Genauso wichtig ist die Überlegung, in welcher Arzneiform das am sinnvollsten geschieht. Ob jeweils Kräutertee, Pflanzentinktur, Pflanzenextrakt, Frischpflanzensaft oder noch etwas ganz anderes empfehlenswert ist, muss in jeden Fall genau geklärt werden. Wer sich für die Vor- und Nachteile der einzelnen Arzneiformen interessiert, kann das in meinen Lehrgängen lernen.

In Deutschland ist es unter bestimmten Bedinungen möglich, Cannabisblüten direkt zu verordnen. In der Schweiz sind wir an diesem Punkt noch nicht so weit.

Dass die erwähnten Verbände der Apotheker und Ärzte für die Verwendung von pharmazeutisch hergestellten Fertigpräparaten und gegen die direkte Verwendung von Cannabisblüten Stellung beziehen, wird bei nicht wenigen Menschen den Verdacht wecken, dass sich die Pharmaindustrie dadurch Konkurrenz vom Leibe halten will. Ob ein solcher Aspekt mitwirkt, kann ich nicht beurteilen. Aber es ist auf jeden Fall nicht so einfach. Stark schwankende Wirkstoffgehalte in verschiedenen Cannabissorten können in der Therapie tatsächlich Probleme verursachen.

Meinem Eindruck nach könnte dieser heikle Punkt aber eingegrenzt werden, indem für die verschiedenen Anwendungsbereiche von Cannabis geeignete Sorten definiert werden und für den Anbau dann jeweils genetisch möglichst gleichbleibende Pflanzen zur Verwendung kommen.

Sehr wichtig beim therapeutischen Einsatz von Cannabis ist das von Prof. Dingermann angesprochene unterschiedliche zeitliche Eintreten der Wirkung. Beim Rauchen kommt die Wirkung schnell und stark, flaut aber auch rasch wieder ab. Über den Verdauungstrakt (peroral) kommt die Wirkung langsamer, hält aber auch länger an. So ist es sehr eindeutig, dass zum Beispiel bei chronischen Schmerzen eine perorale Anwendung sinnvoller ist.

Cannabis ist kein Wundermittel und die Warnung von Prof. Dingermann daher nachvollziehbar. Interessant bei Cannabis ist aber, dass sich damit oft mehrere Beschwerden auf einen Streich günstig beeinflussen lassen – so zum Beispiel bei Chemotherapie, wenn zugleich Übelkeit und Appetitlosigkeit vorhanden sind.

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Curcuma: Wechselwirkungen mit Antikoagulantien? Wirkungen?

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Curcuma, auch „indischer Safran“ genannt, ist ein bekanntes Gewürz von intensiv gelber Farbe, welches vor allem in Currymischungen zur Anwendung kommt. Es wird aus dem Wurzelstock von Curcuma longa, einer asiatischen Heilpflanze aus der Familie der Ingwergewächse, gewonnen.

Curcuma enthält reichlich antioxidativ wirksame Polyphenole aus der Gruppe der Curcuminoide, insbesondere Curcumin.

Traditionellerweise wird Curcuma aufgrund seiner antioxidativen, magenstärkenden, gallenflussfördernden und vor allem auch entzündungswidrigen Eigenschaften verwendet.

Curcumin kann die Aktivität der Proteinkinase C reduzieren, welche als Schlüsselenzym am Entzündungsprozess von vielen chronischen Erkrankungen beteiligt ist. Curcuma bzw. Curcumin wird auch als alternative Therapie bei diversen Krankheiten propagiert. Dazu zählen Arthritis, Arthrose, rheumatoide Polyarthritis, Multiple Sklerose, Krebs oder neurologische Erkrankungen (Alzheimer).

Laut bestimmten Literaturquellen hemmt Curcumin in vitro (= im Reagenzglas) die Thrombozytenaggregation (Zusammenballung der Blutplättchen). Eine Hemmung der Thrombozytenaggregation kann die Blutfliesseigenschaften verbessern, aber damit auch die Blutstillung verlangsamen.

Aus diesem Grund ist bei antikoagulierten Patienten Vorsicht angebracht: Die gleichzeitige Einnahme grösserer Curcumamengen und Antikoagulantien könnte die blutverdünnende Wirkung verstärken und das Blutungsrisiko steigern.

Zugrundeliegende Literatur:

VIDAL Le guide des compléments alimentaires p171

Le Moniteur des pharmacies Moniteur 3110/2016/p57

Micromedex® online

 

Quelle:

 

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5455&NMID=5455&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Heilpflanzen können in bestimmten Situationen andere Arzneimittel in ihrer Wirkung beeinflussen – zum Beispiel die Wirkung verstärken oder abschwächen. Man spricht in solchen Fällen von Wechselwirkungen (Interaktionen), wie sie auch sonst zwischen Medikamenten vorkommen.

Darum ist es wichtig, diesen Aspekt auch bei der Anwendung von Heilpflanzen im Auge zu behalten. Allerdings ist es oft gar nicht so einfach, dazu sichere Aussagen zu machen.

Wenn Curcumin in einem Laborexperiment im Reagenzglas die Thrombozytenaggregation hemmt, lässt sich daraus noch nicht der Schluss ziehen, dass diese Interaktion auch im lebendigen menschlichen Organismus auftritt und auch nicht, dass deswegen ernsthafte Störungen der Blutungsstillung bei Menschen auftreten.

Curcumin wird nämlich nur sehr schlecht aus dem Verdauungstrakt in den Organismus aufgenommen. Es ist deshalb ungeklärt, ob Curcumin in einer Konzentration in den Körper gelangen kann, die dort zu solchen Wechselwirkungen führt, ob solche Wechselwirkungen klinisch relevant sind und wieviel Curcuma man einnehmen müsste, um Störungen auszulösen. Die aktuelle Phytotherapie-Fachliteratur vermerkt jedenfalls bei Curcuma unter dem Punkt „Interaktionen“: „keine“.

Man muss aber auch erwähnen, dass diese Einschänkung möglicher Interaktionen auch für die Wirkungen von Curcuma gilt. Auch bei den Wirkungen kann man nicht einfach von (oft beeindruckenden) Laborergebnissen auf die Wirksamkeit bei Menschen schliessen.

Und wenn oben erwähnt aufgeführt ist, dass Curcuma bei Arthritis, Arthrose, rheumatoide Polyarthritis, Multiple Sklerose, Krebs oder neurologische Erkrankungen (Alzheimer) propagiert wird, dann geht oft unter, dass diese Empfehlungen weitgehend auf Laborexperimenten basieren und dass die limitierte Aufnahmefähigkeit in den Organismus die Aussagekraft dieser Ergebnisse einschränkt.

Im Reagenzglas zeigt Curcumin zum Beispiel eindrückliche entzündungswidrige Effekte und tötet Krebszellen ab. Das belegt aber noch nicht, dass es auch gegen Entzündungen oder gegen Krebserkrankungen im menschlichen Körper wirksam ist. Dazu sind belastbare Ergebnisse aus Patientenstudien nötig.

Bei Arthrose kam eine Übersichtsstudie (Metaanalyse), in der mehrere Einzelstudien ausgewertet wurden zum Schluss, dass Cucurmin sowohl die Schmerzen verringern als auch die Beweglichkeit verbessern kann.

Siehe dazu http://online.liebertpub.com/    doi/10.1089/jmf.2016.3705

Bei Krebs dagegen kommt das Portal Medizin-Transparent zu Schluss, dass sich die Wirksamkeit von Curcumin auf der Basis der vorliegenden Patientenstudien nicht belegen lässt.

Siehe dazu: https://www.medizin-transparent.at/curry-gewurz-gegen-krebs

Am ehesten denkbar sind solche Effekte bei Entzündungen oder allenfalls auch Tumoren im Verdauungstrakt, weil Cucurmin so direkt an den Wirkungsort gelangen kann und nicht resorbiert werden muss.

Siehe dazu:

Kurkuma bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

 

Seit einiger Zeit gibt es aber interessante Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit dem Ziel, die Resorbierbarkeit von Curcumin zu verbessern.

Siehe dazu:

Forschung zur Optimierung der Curcumin-Wirkung gegen Krebs

Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs

Wikipedia fasst die Bemühungen um eine verbesserte Bioverfügbarkeit von Curcumin so zusammen:

„Da Curcumin schwer wasserlöslich ist, wird es im Magen-Darm-Trakt nur in einem sehr geringen Maß absorbiert. Durch Erhitzen oder Auflösung in Öl wird die Bioverfügbarkeit von in Lebensmitteln enthaltenem Curcumin erhöht.

Unter Anwendung von Absorptions-Faktoren werden mehrere Ansätze für eine erhöhte Bioverfügbarkeit untersucht. Ein Curcumin-Phospholipid-Komplex hat eine 29-fach höhere Bioverfügbarkeit als herkömmliches Curcumin. Schwarzer-Pfeffer-Extrakt (Piperin) bewirkt eine 20-fache Bioverfügbarkeit von Curcumin und wird in den meisten Nahrungsergänzungsmitteln mit Curcumin eingesetzt.

In einem von der Bundesregierung geförderten Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim durchgeführt, wurde Curcumin in Micellen eingebettet, die vom Körper leichter aufgenommen werden, ohne das die Wirkstoffe hierbei chemisch verändert wurden. Vielmehr erzeugt das patentierte Verfahren eine der Natur analoge Struktur dieser Substanzen mit dem Ergebnis, dass die Bioverfügbarkeit gegenüber herkömmlichen Curcumin-Pulvers um das ca. 180-fache höher ist, einhergehend mit einer ca. 6.8-fach schnelleren Absorption im Organismus.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Curcumin (Literatur dort)

Die Bioverfügbarkeit sagt etwas aus über den Anteil eines Wirkstoffes, der unverändert im systemischen Kreislauf (insbesondere im Blutkreislauf) zur Verfügung steht. Sie gibt an, wie rasch und in welchem Mass ein Arzneistoff resorbiert wird und am Wirkort zur Verfügung steht.

Bis ein optimal bioverfügbares und in seiner Wirksamkeit gut belegtes Curcumin-Präparat im Handel ist, düfte es allerdings noch einiges an Entwicklungs- und Forschungsarbeit brauchen.

 

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Kurkuma bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

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Die österreichische Zeitung „Kurier“ empfiehlt:

„Der Geschmack von Kurkuma ist vielen aus indischen Gerichten bekannt. In der indischen Heilmedizin Ayurveda wird Kurkuma seit Jahrtausenden verwendet. Im Körper kann das gelb-orange Gewürz Entzündungen reduzieren, etwa im Magen-Darm-Trakt. Besonders bei Reizdarm , chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Morbus Crohn konnten Effekte gezeigt werden. Der in Kurkuma enthaltene Farbstoff Kurkumin wirkt außerdem entzündungshemmend und blutzuckersenkend. Zudem senkt es den Cholesterinspiegel und kann damit vielen Krankheiten vorbeugen.“

Quelle:

https://kurier.at/wellness/zimt-kurkuma-ingwer-knoblauch-wie-sie-ihr-gewuerzregal-gesund-haelt/247.739.154

 

Kommentar & Ergänzung:

Verwendet werden die Wurzelstöcke von zwei verschiedenen Curcuma-Pflanzen: Gelbwurzel (Curcuma longa) und Javanische Gelbwurz (Curcuma xanthorrhiza). . Kurkuma ist der gelbe Farbgeber im Curry-Gewürz.

Der gelber Farbstoff Curcumin ist einer der interessantesten Naturstoffe und wird intensiv wissenschaftlich untersucht. Dabei besteht aber noch eine grosse Kluft zwischen eindrücklichen Laborergebnissen und den bisherigen Belegen für die Wirksamkeit bei Menschen. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass Curcumin aus dem Verdauungstrakt nur schlecht in den Organismus aufgenommen wird.

So dürfte es wohl eher schwierig sein, mit Kurkuma eine relevante entzündungshemmende Wirkung auf systemischem Weg im ganzen Organismus zu erreichen, zum Beispiel an den Gelenken.

Eine Reduktion von Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, wie sie der „Kurier“ anspricht, „bei Reizdarm , chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Morbus Crohn“, ist aber denkbar. Hier kommt das Curcumin direkt mit der Darmwand in Kontakt und eine Resorption ist nicht nötig. Zwar fehlen auch für diesen Bereich die grossen Studien, die eine solche Wirkung einwandfrei belegen könnten. Dieser Ansatz scheint mir aber soweit plausibel, dass ich wohl Curcumin probieren würde, wenn ich eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung hätte.

Ob Kurkuma dagegen in klinisch relevantem Ausmass den Blutzucker und den Cholesterinspiegel zu senken vermag, ist nicht ausreichend mit Patientenstudien belegt.

 

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Phytotherapie bei Erkrankungen im Vedauungstrakt

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Beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming sprach Professor Dr. Robert Fürst von der Goethe-Universität Frankfurt am Main über pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) bei Erkrankungen im Verdauungstrakt.

Bei der Indikation Übelkeit und Erbrechen empfahl Robert Fürst den Ingwerwurzelstock. Die Studienlage sei zwar heterogen, doch bei Reiseübelkeit sei die Wirksamkeit gut belegt. Eine Besonderheit sei hier, dass kein Extrakt zum Einsatz kommt, sondern der gepulverte Ingwerwurzelstock (zum Beispiel Zintona®). Bei Reizmagen oder auch funktioneller Dyspepsie gibt es laut Fürst Wirksamkeitsbelege für ein Kombipräparat aus Kümmelöl und Pfefferminzöl (Carmenthin®) und für STW-5 (Iberogast®). Zur Unterstützung der Leberfunktion könne der Mariendistelfrüchte-Trockenextrakt Legalon® empfohlen werden, jedoch nur bei alkoholischem Leberschaden. Bei viralen Hepatitiden gebe es keine Evidenz für die Wirksamkeit.

Dyspepsie beziehungsweise funktionelle Störungen der ableitenden Gallenwege lassen sich laut Fürst mit dem Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL® günstig beeinflussen. Vorsicht sei dabei jedoch geboten, denn bei einem Verschluss der Gallenwege seien Artischockenblätter aufgrund ihrer choleretischen Wirkung kontraindiziert.

Bei Reizdarmsyndrom gebe es evidenzbasierte Empfehlungen für Flohsamenschalen (zum Beispiel Mucofalk®), Iberogast und hoch dosiertes Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln (zum Beispiel Medacalm®).

Für Flohsamenschalen sieht der Experte auch Anwendungsmöglichkeiten bei Colitis ulcerosa. Für diese Indikation eigne sich auch Myrrhinil®, eine Kombination aus Myrrhepulver, Kaffeekohlepulver und Kamillenblüten-Trockenextrakt. Beide Phytopharmaka haben laut Fürst in Studien gezeigt, dass sie bei Patienten mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung zum Remissionserhalt ebenso wirksam sind wie der chemisch definierte Wirkstoff Mesalazin.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=61686

Kommentar & Ergänzung:

Verdauungsbeschwerden sind ein bewährtes Anwendungsfeld für Heilpflanzen-Präparate.

Der Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL®   heisst in der Schweiz Hepa-S®.

Pfefferminzölkapseln sind in der Schweiz als Colpermin®  im Handel, Flohsamenschalen unter den Namen Laxiplant und Metamucil.

Ein weiteres interessantes Anwendungsgebiet für Flohsamenschalen und für Pfefferminzölkapseln ist der Reizdarm (Colon irritabile).

Siehe dazu hier:

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

Phyto-Kombi mit Pfefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

STW-5 (Iberogast®) setzt sich zusammen aus neun Komponenten:

Bittere Schleifenblume (Iberis amara), Angelikawurzel (Engelwurz), Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel.

Siehe dazu:

Phytotherapie bei Reizmagensyndrom

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Ingwertee als „Energiebooster“?

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Ingwer scheint gerade sehr im Trend zu liegen. Laufend treffe ich auf Empfehlungen, wozu Ingwer alles gut sein soll. Tatsächlich ist Ingwer ein interessantes Gewürz und eine wirksame Heilpflanze. Aber wie so oft bei derartigen Hypes kommen die Empfehlungen manchmal etwas schwammig und übertrieben daher.

Auf Focus online hat gerade ein Gesundheitsexperte Ingwer empfohlen. Schauen wir uns das etwas genauer an:

„Mit Ingwertee können Sie ganz ohne Koffein fit in den Tag starten……

Die Wurzel verfeinert nicht nicht nur Ihr Essen, sondern kurbelt Ihren Stoffwechsel an, lindert Halsschmerzen und hilft bei Magen und Darmbeschwerden. Probieren Sie doch mal Ingwertee. Schneiden Sie dazu den Ingwer in dünne Scheiben und geben diese anschließend in heißes Wasser…….

Egal, ob Sie den Ingwertee am Morgen als Kaffeeersatz oder als Energie Booster unterm Tag trinken: Sie tun Ihrem Körper etwas Gutes. Die scharfe Wurzel beruhigt Ihren Bauch und hilft bei Durchfall und Magenbeschwerden.

Wenn das noch nicht genug wäre, wirkt Ingwer zudem noch antiseptisch. Kratzt es Ihnen im Hals, empfiehlt es sich deshalb auf einem kleinen Stück Ingwer zu kauen.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/videos/ingwertee-darum-sollten-sie-ihn-vor-dem-fruehstueck-trinken_id_6867281.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Energiebooster – das tönt wirklich stark. Energiebooster ist ein trendigerer Ausdruck für Energydrink. Das sind Getränke, die wach machen und dem Organismus Energie zuführen oder Energiereserven mobilisieren sollen. Das machen sie in der Regel mit viel Koffein und viel Kohlenhydraten (insbesondere Zucker). Ingwertee – sofern ungesüsst getrunken – führt kaum Kohlenhydrate zu und enthält weder Koffein noch koffeinähnlich wirkende Inhaltsstoffe.

Pharmakologisch ist von Ingwertee keine „Energiebooster“-Wirkung zu erwarten, wobei aber auch fraglich ist, ob all die vermarkteten Energie-Booster-Präparate ihre Versprechungen erfüllen können. In Vergleich zu diesen oft wenig glaubwürdig zusammengesetzten Energydrinks ist Ingwertee wohl immerhin die gesündere Variante.

Vorstellen kann ich mir beim Trinken von Ingwertee am Morgen einen sinnlich-psychologischen Wachmacher-Effekt. Ingwer enthält Scharfstoffe. Auf der sensorischen Ebene könnte dadurch ähnlich wie bei Kräutertees mit hohem Bitterstoffgehalt die Aufmerksamkeit geweckt werden im Sinne von „Was kommt denn da?“ – während der Organismus auf irgendeine fade Flüssigkeit kaum reagieren wird.

Sehr eigenartig ist die Vorstellung, dass Ingwertee den Stoffwechsel ankurbeln soll. Aber auch das tönt natürlich toll…

Der Stoffwechsel, das ist die Gesamtheit der chemischen Prozesse in einem Lebewesen.

Den Stoffwechsel kann man einteilen in katabole Reaktionen, welche durch den Abbau von chemisch komplexen Nahrungsstoffen zu einfacheren Stoffen Energie liefern (Katabolismus), und anabole Reaktionen, welche unter Energieverbrauch körpereigene Stoffe aus einfachen Bausteinen aufbauen (Anabolismus).

Wenn Ingwertee nun einfach generell den Stoffwechsel ankurbelt, werden alle chemischen Prozesse in Organismus beschleunigt. Wollen wir wetten, dass das nicht gut ausgeht?

Hier müsste nachgefragt werden, welche Prozesse genau durch Ingwer angekurbelt werden, doch ist eher unwahrscheinlich, dass auf diese Frage eine fundierte Antwort kommt. Solche wohlklingenden Ausdrücke wie „Energie Booster“ oder „kurbelt Ihren Stoffwechsel an“ leben davon, dass sie vage und dadurch kaum zu fassen sind.

Dass viele Menschen Ingwer bei Halsschmerzen oder anderen Erkältungskrankheiten als wohltuend empfinden, ist schon seit langem bekannt. Wie diese Wirkung zustande kommt, ist nicht wirklich geklärt. Im Labor wirken Ingwer-Wirkstoffe antibakteriell und antiviral, aber ob diese Wirkungen auch beim Trinken von Ingwertee im Mund-Rachenraum zustande kommen, kann daraus nicht mit Sicherheit geschlossen werden. Durch die Erregung der Wärmerezeptoren in der Mundschleimhaut wird ein Hitzegefühl ausgelöst und vermutlich reflektorisch die Speichelsekretion angeregt. Diese Wirkungen entstehen durch die Scharfstoffe und könnten zum wohltuenden Effekt eines Ingwertees bei Erkältungen beitragen.

Dass Ingwer gegen Durchfall helfen soll ist eine ungewöhnliche Empfehlung, die in der Phytotherapie-Fachliteratur nirgends vorkommt, und die Empfehlung bei Magenbeschwerden und Darmbeschwerden ist vage. Das kann fast alles umfassen, was im Verdauungstrakt schiefläuft. Hier wären präzisere Angaben wünschenswert.

Ingwer fördert den Speichelfluss, die Magensaftsekretion und den Gallenfluss. Daraus kann eine verdauungsfördernde Wirkung gegen Völlegefühl abgeleiteet werden, was gut zur Verwendung als Gewürz passt. In der Phytotherapie am besten untersucht und am häufigsten empfohlen ist allerdings die Anwendung von Ingwerwurzel-Pulver zur Vorbeugung von Reisekrankheit. Ob Ingwertee hier auch eine Wirkung zeigt, ist ungeklärt. In den Experimenten zeigten vor allem lipophile Inhaltsstoffe diese Wirkung, während ein wässriger Ingwer-Extrakt versagte.

Zu diskutieren wäre die Angabe, dass Ingwer den Bauch beruhigt. Immerhin steigert Ingwer den Tonus und die Peristaltik im Darm. Da könnte man eher daraus schliessen, dass Ingwer den Bauch „wach“ macht.

Wie vielfältig Ingwer als Heilpflanze ist, zeigt folgende Ausstellung:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als gut bewertet

Ingweröl gegen Erbrechen?

Ingwer – wie eine tolle Heilpflanze unseriös als Wundermittel gegen Krebs vermarktet wird

 

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

 

 

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

 

Schwangerschaftsübelkeit: Ingwer, Frischluft und Vitamin B6

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit

 

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen?

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

 

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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