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Zimt gegen Entzündungen?

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Die österreichische Zeitung „Kurier“ empfiehlt Gewürze als Entzündungshemmer:

„Zimt, Knoblauch, Ingwer und Kurkuma genießen unter den Gewürzen einen Sonderstatus. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass sie Entzündungen im Körper gezielt bekämpfen.“

Schauen wir uns das Beispiel Zimt genauer an:

„Zimt ist ein Allroundtalent. Das Pulver aus der getrockneten Zimtbaumrinde kann sowohl für süße als auch für pikante Speisen verwendet werden. Im Haferbrei oder Backwaren sorgt Zimt für eine angenehm herbe Note, mariniert man Fleisch oder würzt Saucen damit, erhält man ein duftendes, weihnachtliches Aroma.

Zimt wurde von der Wissenschaft eine desinfizierende und krampflösende Wirkung attestiert. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird das beliebte Gewürz gerne bei Kältegefühl verwendet, da es die „innere Kälte“ durch gesteigerte Durchblutung vertreiben kann. Auch die blutzuckersenkende und stimmungsaufhellende Wirkung des Gewürzes wird betont. Wissenschaftler des Rush University Medical Centers haben in einer Studie mit Zimt und Mäusen zudem eine deutliche Steigerung der Gehirnleistung festgestellt.“

Quelle der Zitate:

https://kurier.at/wellness/zimt-kurkuma-ingwer-knoblauch-wie-sie-ihr-gewuerzregal-gesund-haelt/247.739.154

Kommentar & Ergänzung:

Zimt ist ein feines Gewürz, das Verdauungsbeschwerden lindern kann. Die ESCOP bestätigt als Anwendungsbereiche für die Zimtrinde:

Dyspeptische Beschwerden wie Bauchkrämpfe, Blähungen und Flatulenz; Appetitlosigkeit, Durchfall.

Die blutzuckersenkenden Wirkung wurde in Laborexperimenten im Reagenzglas und an Mäusen festgestellt. Diese Einschränkung fehlt im Artikel des „Kuriers“.

Das Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt:

„Zur blutzuckersenkenden Wirkung von Zimtrinde liegen In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen an Mäusen vor, in denen eine antidiabetische Wirkung eines wässrigen Extrakts gezeigt werden konnte, doch ist die Übertragbarkeit auf eine therapeutische Anwendbarkeit beim Menschen schwierig.“

Die klinischen Studien zur Wirksamkeit von Zimt bei Diabetespatienten sind bisher nicht überzeugend. Siehe dazu:

Zimt zur Senkung des Blutzuckers bei Diabetes?

Einschränkung sind auch angebracht bezüglich der Studie zur Steigerung der Gedächtnisleistung bei Mäusen. Auch hier ist alles andere als klar, ob das Gehirn von Menschen von Zimtgaben profitieren kann und welche Dosierungen dazu nötig wären.

Ich habe zu diesem Experiment hier schon einen Beitrag geschrieben:

Zimt verbessert Lernvermögen bei Labormäusen

Auch die erwähnte entzündungswidrige Wirkung der Zimtrinde wurde in Laborexperimenten festgestellt. Ob Zimt gegen Entzündungen im menschlichen Organismus wirksam ist und welche Zimtmengen dazu nötig wären, bleibt offen.

Der Beitrag im „Kurier“ ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht sehr sinnvoll ist, Laboreffekte aneinanderzureihen, ohne auf die begrenzte Aussagekraft solcher Experimente für den Menschen hinzuweisen.

Chinesischer Zimt (Cinnamomum cassia, Cassia-Zimt) enthält übrigens erhebliche Konzentrationen an Cumarin, das auf längere Sicht die Leber belasten könnte. Im Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum) sind die Cumarin-Werte viel tiefer. Ich würde also Ceylon-Zimt vorziehen. Allerdings sollte man diese Gefahr nicht dramatisieren. Wikipedia schreibt dazu:

„Einen eindeutigen Beleg für die angebliche Gefährlichkeit von Cumarin beim normalen Gebrauch von cumarinhaltigen Gewürzen gibt es allerdings bis zum heutigen Tage nicht. In allen Studien trat eine gesundheitschädigende Wirkung erst nach extremen Überdosierungen bei Versuchen an Ratten auf.“

Siehe auch:

Zimt & Cumarin: Ceylon-Zimt unproblematischer als Cassia-Zimt

Stollen, Glühwein, Zimtsterne: Schadet Zimt der Gesundheit?

Zimt ist ein tolles Gewürz mit verdauungsfördernden Eigenschaften. Im Artikel des „Kuriers“ wird Zimt aber „überverkauft“, das heisst mit unrealistischen Versprechungen angepriesen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Echte und „falsche“ Akupunktur reduzieren Wechseljahrbeschwerden in Studie

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Die Behandlung eines „Nieren-Yin-Mangels“ durch Akupunktur hat in einer randomisierten klinischen Studie mit Frauen die Wechseljahrbeschwerden deutlich reduziert. Den gleichen Effekt erzielte gemäss einer Veröffentlichung in den Annals of Internal Medicine (2016; doi: 10.7326/M15-1380) auch eine Schein­akupunktur.

An der Studie beteiligten sich 327 postmenopausale Frauen, die wenigstens sieben Mal am Tag unter Wechseljahrbeschwerden litten. Sie bekamen über acht Wochen total zehn Behandlungen, die auf den Nieren-Meridian zielten und deren Punkte nach den Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin festgelegt worden waren.

Nur bei jeder zweiten Frau wurden die Nadeln jedoch in die Haut gestochen. Bei den anderen wurden stumpfe Nadeln eingesetzt, die die Haut nicht durchdringen. Der Unterschied soll für die Testpersonen nicht erkennbar sein.

Beide Behandlungen erzielten eine gleich gute Wirkung. Ein „Hot Flash“-Index besserte sich in beiden Gruppen unter der Therapie um 40 Prozent und die Linderung hielt über den Abschluss der Behandlung an. Auch bei zwei Nachuntersuchungen, drei und sechs Monate nach dem Ende der Behandlung, ging es den Teilnehmerinnen noch besser als beim Start der Studie.

Auch wenn die echte Akupunktur der Scheinbehandlung nicht überlegen war, ist Carolyn Ee, eine Allgemeinärztin mit Fortbildung in traditioneller chinesischer Medizin vom guten Effekt der Therapie überrascht. Bei der Behandlung kam eine vereinfachte Variante der Akupunktur zur Anwendung, bei der nur drei Nadeln eingesetzt wurden.

Ein Teil der Wirkung lässt sich möglicherweise damit erklären, dass die Frauen in der Studie intensiv betreut wurden und ihre Beschwerden ernst genommen wurden.

Auch eine spontane Verbesserung der Wechseljahrbeschwerden während der Studiendauer könnte einen Beitrag geleistet haben.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/65505/Echte-und-falsche-Akupunktur-lindern-klimakterische-Beschwerden-in-Studie

http://annals.org/article.aspx?articleid=2481811

Kommentar & Ergänzung:

Seit einiger Zeit werden zunehmend Studien publiziert, die der Akupunktur in verschiedenen Bereichen eine Wirksamkeit bescheinigen, zugleich aber zeigen, dass eine Scheinakupunktur oft vergleichbar wirkt. Für die Scheinakupunktur werden entweder wie in der vorliegenden Studie Nadeln verwendet, die nicht in die Haut eindringen, oder es werden mit korrekt funktionierenden Nadeln falsche Punkte gestochen, die ausserhalb der Meridiane liegen.

Das legt die Vermutung nahe, dass die Meridiane und die Akupunkturpunkte für die Wirkung der Akupunktur möglicherweise weniger bis gar nicht relevant sind. Aus dieser Ausgangslage eröffnet sich ein weites und interessantes Feld für Diskussionen darüber, wie die beobachtete Wirksamkeit des Verfahrens zustande kommt.

 

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Medizin-Nobelpreis für Naturstoffe gibt Phytomedizin Auftrieb

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Die diesjährige Vergabe des Medizin-Nobelpreises wird in manchen Kreisen als großartige Entscheidung für die Pflanzenheilkunde aufgefasst. Es sei bemerkenswert und ein großes Glück für das gesamte Feld der Phytomedizin, dass der Naturstoff Artemisinin durch die Preisverleihung ins Scheinwerferlicht der akademischen und der allgemeinen Öffentlichkeit gelangt ist, sagt Univ.-Prof. Dr. Thomas Efferth von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Das Nobelkomitee habe mit seiner Entscheidung die Naturstoffe in den Fokus gerückt und damit ein wichtiges Signal für künftige Forschungsfelder und Aufgaben gegeben, erklärt der Mainzer Wissenschaftler, der selbst auf dem Gebiet arbeitet.

Artemisinin ist nicht nur für die Malaria-Behandlung bedeutend, sondern auch ein vielversprechender Wirkstoff für die Krebstherapie.

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, so die vollständige Bezeichnung, ging 2015 zur Hälfte an William C. Campbell und Satoshi Ōmura für ihre Arbeiten zur Behandlung von Infektionen, die durch Fadenwürmer ausgelöst werden, mit einem Wirkstoff auf der Basis von Avermectin aus Bakterienkulturen.

Zur anderen Hälfte ging der Preis an die chinesische Wissenschaftlerin Youyou Tu für ihre Entdeckungen zur Therapie von Malaria. Youyou Tu hatte Heilkräuter untersucht, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit über 2000 Jahren für die Therapie von Fieber und Erkältungen eingesetzt werden. Sie entdeckte dabei, dass Auszüge von Einjährigem Beifuß (Artemisia annua) mit seinem Wirkstoff Artemisinin effektiv gegen Malariaerreger angewendet werden können.

Eine beträchtliche Anzahl von Arzneistoffen für die klinische Praxis werde heute schon aus natürlichen Ressourcen gewonnen. Avermectin und Artemisinin seien zwei wunderbare Beispiele dafür, sagt Efferth:

„Wir sind zuversichtlich, dass die Nobelpreis-Vergabe zur Förderung der Phytomedizin beiträgt und wir in Zukunft weitere Anwendungen sehen werden.“

Efferth selbst forscht seit etwa 20 Jahren auf diesem Gebiet und konnte gleichzeitig mit Forschern in den USA und den Niederlanden Mitte der 1990er Jahre erstmals zeigen, dass Artemisinin auch bei Krebs wirksam ist. Eine neuere Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit Medizinern der University of London und kam zum Schluss, dass Derivate von Artemisinin tatsächlich die Lebenszeit von Patienten mit Darmkrebs verlängern können. „Wir haben damit den klinischen Nachweis erbracht. Aber wir müssen Artemisia annua noch weiter entwickeln und ein Profil erstellen, bei welchen Tumorarten die Substanz wirksam ist“, sagt Efferth. Artemisia scheint jedoch nicht nur bei Krebserkrankungen von Nutzen zu sein, sondern auch bei Infektionen mit dem humanen Cytomegalie-Virus (HCMV) und anderen Virusinfektionen sowie bei Bilharziose.

Artemisia annua, der Einjährige Beifuß, zählt zu einer Gattung mit über 200 Arten weltweit, ist jedoch nicht mit dem in Mitteleuropa verbreiteten Ackerunkraut, dem Gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris), zu verwechseln.

In der Pharmazeutischen Biologie der Universität Mainz erforscht ein internationales Team von 20 Mitarbeitern Pflanzeninhaltsstoffe von Heilpflanzen aus 30 Ländern auf ihre Wirksamkeit gegen Krebs.

Quelle:

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=46784

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Naturstoff-Forschung wird durch diesen Nobelpreis wohl tatsächlich verdienter massen mehr Aufmerksamkeit bekommen. Es gibt hier sehr spannende Forschung, die oft auch der Phytotherapie Nutzen bringt.

Gerade bei der Naturstoff-Forschung gegen Krebs ist allerdings festzuhalten, dass im Labor oft eindrückliche Ergebnisse erzielt werden. Ob ein erfolgreich im Labor untersuchter Naturstoff jedoch auch im realen Leben bei realen Krebskranken wirksam ist, steht damit noch keineswegs fest. Vorschnelle Versprechungen sollten da besser unterbleiben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytopharmaka in der Europäischen Leitlinie zur Behandlung von Rhinosinusitis

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Die europäische Leitlinie zur Behandlung der Rhinosinusitis ist gegenwärtig die aktuellste Therapieempfehlung von HNO-Ärzten für die Behandlung viraler Atemwegsinfektionen (»Erkältung«). Sie enthält auch Empfehlungen für pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka), die in einem Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ beschrieben werden:

„Cineol und Myrtol, aber auch Pelargonium-Extrakte kommen zur Therapie viraler Atemwegsinfekte infrage….. In klinischen Studien konnten im Vergleich zu Placebo die Symptome bei einer akuten viralen Rhinosinusitis ab dem vierten Tag gelindert werden Auch die Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) konnte in einer neueren, Placebo-kontrollierten klinischen Studie positive Effekte auf die Symptome einer akuten Rhinosinusitis zeigen. Die Effektstärke war vergleichbar mit der Stärke der Wirkstoffe, die in der europäischen Leitlinie bereits diskutiert wurden (Cineol, Myrtol, Pelargonium)“

Die Effektstärke der genannten Therapeutika sei in den Studien nicht sehr groß gewesen und die Wirkung sei erst mit Verzögerung (vier bis sieben Tage) eingetreten.

„Dennoch gelten diese ausgewählten pflanzlichen Arzneimittel als angemessene und wirksame Apothekenempfehlung, auch ergänzend zur akut symptomatischen Therapie.“

Für die traditionelle chinesische Medizin spricht die Europäische Leitlinie aufgrund unzureichender Daten explizit keine Empfehlung aus.

Für Echinacea-haltige Präparate schätzt sie die Datenlage als widersprüchlich ein und empfiehlt sie aus diesem Grund ebenfalls nicht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59826

Kommentar & Ergänzung:

In die Leitlinien aufgenommen zu werden ist so etwas wie eine Auszeichnung, weil es dazu positive Ergebnisse aus klinischen Studien braucht.

Und damit solche Ergebnisse zustande kommen, braucht es Firmen, die Geld in die Forschung stecken. Das ist nicht ganz einfach für Phytopharmaka, weil grosse Investitionen in die Forschung sich nur lohnen für patentierte Produkte. Die Mehrzahl der Heilpflanzen-Präparate ist aber nicht patentiert.

Leitlinien sind für die Phytotherapie meines Erachtens nicht das einzige oder letzte Mass. Sie bieten aber trotzdem eine wichtige Orientierung.

Bei der in den Leitlinien erwähnten Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) handelt es sich im „Sinupret®“. Die Zusammensetzung dieses Präparats ist nicht sehr plausibel, doch gibt es dafür positive klinische Studien. Myrtol ist als „Gelomyrtol®“-Kapseln im Handel, Pelargonium als „Umckaloabo®“ und „Kaloabo®.

Siehe auch:

Phytopharmaka gehören in die Leitlinien

S3-Leitlinie bestätigt Empfehlung für Johanniskraut als Erstlinientherapie der unipolaren Depression

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kudzuwurzel (Pueraria lobata) gegen „Kater“ nach übermässigem Alkoholkonsum?

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Die Kudzuwurzel (Pueraria lobata) wird im Westen als Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung eines „Katers“ nach übersteigertem Alkoholkonsum propagiert. Die Wirksamkeit für diesen Anwendungsbereich ist aber nicht durch Studien belegt.

Im Gegensatz zu den Kudzublüten handelt es sich bei dieser Empfehlung der Kudzuwurzel auch nicht um eine traditionelle Anwendung bei Alkoholvergiftungen. In China werden nämlich die Kudzublüten traditionellerweise bei Alkoholvergiftungen und Alkoholmissbrauch eingesetzt. Kudzublüten sollen gemäss Literaturangaben die Elimination von Acetaldehyd beschleunigen.

Die Kudzuwurzel ist dagegen eine der ältesten Heilpflanzen in der traditionellen chinesischen Medizin und wird dort zur Behandlung von Fieber, Diarrhö, Durst, Diabetes oder arterieller Hypertonie eingesetzt. Wegen ihres reichen Gehalts an Isoflavonen, hauptsächlich Puerarin und Daidzein, soll die Kudzuwurzel auch östrogenartige Eigenschaften besitzen.

Einzelne Pilotstudien mit geringer Teilnehmerzahl weisen darauf hin, dass die Kudzuwurzel möglicherweise den Alkoholkonsum verringern könnte, nicht aber das Verlangen nach Alkohol oder das Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen. Der Inhaltsstoff Daidzein hemmt die Acetyldehydrogenase. Im Rahmen der Pilotstudien konnte jedoch kein Antabuseffekt festgestellt werden. Ein solcher könnte sich allenfalls nach längerer Anwendung einstellen.

Die Kudzuwurzel scheint kaum giftig zu sein. Bei anderen Pueraria-Arten wurden allerdings lebertoxische und foetotoxische Wirkungen festgestellt.

Gemäss gegenwärtigem Kenntnisstand wird die Anwendung bei Schwangeren und bei Vorhandensein hormonabhängiger Tumore nicht empfohlen. Bei gleichzeitiger Verabreichung mit Methotrexat verstärkt die Kudzuwurzel dessen Toxizität.

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5172&NMID=5172&LANGID=2

Le Moniteur des Pharmacies no3020/2015/p60

 

Kommentar & Ergänzung:

Wie so oft bei Nahrungsergänzungsmitteln galoppiert die Vermarktung im Eiltempo davon, während die Klärung der offenen Fragen bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit weit hinten nach hinkt.

Siehe auch:

Heilpflanzenkunde – Wirkstoff aus Kudzu gegen Alkoholismus?

 

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Brustkrebs: Akupunktur kann Nebenwirkungen der Hormontherapie lindern – Scheinakupunktur aber auch

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Lassen sich die Nebenwirkungen einer Hormontherapie bei Brustkrebs durch Akupunktur lindern? Dieser Frage ging eine Studie der University of Maryland School of Medicine in Baltimore nach.

Eine Akupunktur kann bei Brustkrebs die klimakterischen und andere Nebenwirkungen einer Behandlung mit Aromatase-Inhibitoren vermindern. In einer randomisierten klinischen Studie, die in Cancer (2013; doi: 10.1002/cncr.28352) publiziert wurde, zeigte allerdings auch eine Scheinakupunktur eine ähnlich gute Wirkung.

Zahlreichen postmenopausalen Patientinnen mit östrogenrezeptor-positivem Brustkrebs wird im Anschluss an die Operation eine Hormontherapie verordnet.

Deren Ziel liegt in der Ausschaltung von Östrogenen als Wachstumsfaktoren für Krebszellen.

Aromatase-Inhibitoren sind dabei im Allgemeinen verträglicher als das Antiöstrogen Tamoxifen. Klimakterische Beschwerden lassen sich bei dieser antiöstrogenen Therapie nicht vermeiden. Viele Patientinnen leiden bei einer Behandlung mit Aromatase-Inhibitoren unter Ängstlichkeit und Depressionen. Dazu können noch Gelenkbeschwerden kommen. Sie sind ein häufiger Auslöser für einen vorzeitigen Therapie­abbruch.

Die Wissenschaftler um Ting Bao von der University of Maryland School of Medicine in Baltimore haben in einer Studie untersucht, ob eine Akupunktur die Beschwerden dieser Frauen reduzieren kann. Insgesamt 47 postmenopausale Patientinnen mit einem östrogenrezeptorpositiven Brustkrebs wurden auf eine echte und eine Scheinakupunktur randomisiert ( = per Zufallsentscheid in Akupunktur-Gruppe oder Scheinakupunktur- Gruppe eingeteilt).

Bei den Probandinnen der Scheinakupunktur-Gruppe wurde die Nadel nicht eingestochen. Es kommt gemäss Bao jedoch zu einer Empfindung auf der Haut, die für die Patientinnen nicht von einer echten Akupunktur unterscheidbar ist.

Im Frühjahr hatte das Team in Breast Cancer Research and Treatment (2013; 138 167-174) schon erste Resultate der Studie präsentiert. Beide Therapien linderten die Gelenkbeschwerden der Frauen und reduzierten die Konzentration von Interleukin-17, einem Signalmolekül von T-Zellen, signifikant. Nach den nun präsentierten Resultaten, linderten die acht Therapien in wöchentlichem Abstand auch die klimakterischen Beschwerden, die Ängstlichkeit und die Depressionen.

Die Wissenschaftler halten die Therapie für eine Alternative zur Verordnung von Antidepressiva, durch welche die Patientinnen durch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Obstipation, Mundtrockenheit und Schläfrigkeit belastet werden. Die Akupunktur habe dagegen keine störenden Nebenwirkungen, erklärt Ting Bao.

Die Gleichwertigkeit von Akupunktur und Scheinakupunktur deutet allerdings darauf hin, dass die Therapie hauptsächlich eine Placebowirkung erzielt. Weil der Studie eine dritte Vergleichsgruppe ohne Akupunktur fehlte, bleibt offen, welcher Anteil der Placebowirkung auf die Akupunktur und welcher auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass die betroffenen Frauen durch die Therapie eine besondere Aufmerksamkeit bekamen.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57049/Mammakarzinom-Akupunktur-kann-Nebenwirkungen-der-Hormontherapie-lindern

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/cncr.28352/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Studie. In den letzten Jahren sind einige Akupunkturstudien publiziert worden, die der Akupunktur eine Wirkung bescheinigten, der Scheinakupunktur aber auch.

Dazu kommt noch die Gerac-Studie, die eine Wirksamkeit der Akupunktur bestätigte, aber auch eine Wirksamkeit fand an Punkten, die nicht im Chinesischen System vorgesehen sind:

„Die dreiarmigen Studien verglichen an insgesamt 3500 Patienten eine Akupunktur an chinesischen Akupunkturpunkten (Verum) mit einer Akupunktur an nicht chinesischen Punkten (Sham) und einer konventionellen Therapie. Hierbei zeigte sich, dass etwa 11 Akupunkturbehandlungen innerhalb von 6 Wochen der konventionellen Standardtherapie bei chronischem Kniegelenksarthroseschmerz und bei chronischem Kreuzschmerz überlegen war. Bei Migräne war der Therapieerfolg einer Akupunktur über 6 Wochen mindestens so hoch wie derjenige einer 6 monatigen prophylaktischen medikamentösen Therapie, mit täglicher Einnahme von Betablockern. Ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Akupunkturformen Verum und Sham konnte, wie in vielen anderen Studien auch, in keiner der Studien gezeigt werden.“

Quelle: Wikipedia

An diesem Punkt stellt sich die interessante Frage nach der Bedeutung der chinesischen Meridiane und Punkte. Wie kommt die Wirkung der Akupunktur zustande, wenn die Meridiane und die Akupunkturpunkte offensichtlich nicht wesentlich sind? – Neben Kontextfaktoren wie Ritual, Zuwendung und Erwartungshaltung könnte vor allem für die Schmerzlinderung durch Akupunktur Vorgänge der Gegenstimulation eine Rolle spielen:

„Bei akuten Schmerzen wenden Sie unwillkürlich Methoden an, die Ärzte als Gegenstimulation bezeichnen. Wenn Sie sich z. B. gestoßen haben, reiben Sie intuitiv die Haut in der Nähe des schmerzenden Körperteils.

Auch bei Kindern hilft dieser Trick: Kleine Verletzungen sind schnell vergessen, wenn Mutter oder Vater mehrmals über die Haut pusten oder streichen…….Um akute Schmerzen durch Gegenstimulation zu unterdrücken, haben sich in der medizinischen Praxis folgende Methoden bewährt:

– Der Chirotherapeut wendet gezielte Handgriffe und ruckartige Bewegungen an, um Blockaden oder Verspannungen in Wirbeln und Gelenken zu lösen.

– Mit Hilfe der Akupunktur lindert man Schmerzen, indem man bestimmte Hautpunkte mit feinen Nadeln reizt.

Massagen fördern die Durchblutung und tragen zur Entspannung bei.“

(Quelle: http://www.schmerz.de/schmerz/akute-schmerzen/)

 

Man spricht auch von Counterirritation oder Gegenreiz (siehe dazu Text auf Wikipedia)

Der Medizinhistoriker und Sinologe Paul U. Unschuld hat bereits fundiert dargelegt, dass das Konzept der traditionellen chinesischen Medizin soziomorph ist, sich also vom System des chinesischen Kaiserreichs ableitet, und in diesem Sinne nicht im Körper verankert ist.

Unschuld hat das beschrieben in seinem Buch

„Was ist Medizin – westliche und östliche Wege der Heilkunst

Siehe auch Artikel im Tagesanzeiger:

Die Traditionelle Chinesische Medizin ist in Wirklichkeit ein Kunstprodukt

 

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Rheumatoide Arthritis: Studie vergleicht Wilfords Dreiflügelfrucht (Tripterygium wilfordii) mit Methotrexat

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Wilfords Dreiflügelfrucht (Lei Gong Teng, Tripterygium wilfordii), eine Heilpflanze der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), scheint dem Basistherapeutikum Methotrexat bei rheumatoider Arthtitis ebenbürtig zu sein. Darauf deuten die Resultate einer Studie hin, die im Fachjournal »Annals of the Rheumatic Diseases« publiziert wurde. Die Studie war allerdings weder verblindet noch placebokontrolliert.

Alle Pflanzenteile der in Ostasien beheimateten Kletterpflanze Wilfords Dreiflügelfrucht (Triptery­gium wilfordii) sind hochgiftig.

In der TCM werden die Wirkstoffe aus der Pflanze in niedrig dosierten Extrakten bei Gelenkschmerzen, Fieber, Ödemen und lokalen Entzündungen. In vitro (= im Reagenzglas) und in vivo (= im Tierexperiment) sind ausgeprägte entzündungshemmende und immunsuppressive Effekte dokumentiert. Welche der rund 300 Inhaltsstoffe dafür verantwortlich sind, ist allerdings nicht geklärt.

Nachdem bereits frühere Studien einen günstigen Effekt von Lei Gong Teng bei rheumatoider Arthritis dokumentiert hatten, wurde das TCM-Mittel jetzt in einer offenen, randomisierten Studie gegen das Standardmedikament Methotrexat geprüft, den Goldstandard unter den Basistherapeutika.

Die Studie wurde als Koproduktion chinesischer Zentren und dem US-amerikanischen National Institute of Arthritis and Musculoskeletal Skin Diseases durchgeführt.

Durchgeführt wurde die Studie am Peking Union Medical College Hospital (PUMCH), einer Klinik der tertiären Schwerpunktversorgung, an der jedes Jahr mehr als 30.000 Patienten mit rheumatoider Arthritis behandelt werden.

Total 207 Patienten mit aktiver rheumatoider Arthritis (RA) wurden in drei Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe wurde mit Methotrexat in einer Dosis von 12,5 mg einmal pro Woche behandelt, die zweite Gruppe bekam 20 mg Tripterygium-Extrakt als Tabletten dreimal pro Tag, und bei der dritten Gruppe wurden beide Therapien kombiniert angewendet.

Eine Überprüfung nach sechs Monaten ergab folgende Resultate: 55 Prozent der Patienten, denen die Lei Gong Teng gegeben wurde, kamen auf eine deutliche Besserung. Beim Medikament Methotrexat allein waren es nur 46 Prozent. Am besten schnitt die Gruppe ab, die eine Kombination aus beiden bekommen hatte: Beinahe 77 Prozent dieser Patienten erreichten eine deutliche Verbesserung.

Durch Kombination beider Ansätze kann demnach eine deutliche Verbesserung der therapeutischen Wirksamkeit erreicht werden.

Die Studie hat allerdings ein paar Schwachstellen, welche die Aussagekraft einschränken.

Die Studie war zwar randomisiert, das heisst, die Teilnehmenden wurden per Zufallsprinzip auf die drei Gruppen verteilt. Es fehlt aber eine Placebo-Gruppe, da nach Auskunft keine geeigneten Placebo-Tabletten zur Verfügung standen.

Die behandelnden Ärzte und Patienten wussten also, welches Medikament ihnen verabreicht wurde. Darüber hinaus war der Untersuchungszeitraum zu kurz, um eine Aussage darüber zu machen, ob die Heilpflanze die Krankheit auch stoppen konnte oder ob sie nur die Symptome linderte. Zudem war die Methotrexat-Dosis geringer als in westlichen Ländern üblicherweise verabreicht.

Wilfords Dreiflügelfrucht ist zwar ein Naturheilmittel, doch gilt es einige kritische Punkte bezüglich Verträglichkeit zu beachten. Insbesondere muss mit Nebenwirkungen im Verdauungstrakt gerechnet werden, die in dieser Studie allerdings meist milde ausfielen (und auch bei Methotrexat auftraten) . Eine weitere Nebenwirkung von Tripterygium wilfordii sind Fertilitätsstörungen (Störungen der Fruchtbarkeit). Alle Teilnehmenden mit Kinderwunsch wurden daher von der Studie ausgeschlossen. Das selbe galt auch für Schwangere und Stillende, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass Wilfords Dreiflügelfrucht auch eine teratogene Wirkung entfaltet. Teratogen = Fehlbildungen bewirkend.

Quellen:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51988&no_cache=1&sword_list%5B0%5D=dreiflügelfrucht

http://www.salzburg.com/nachrichten/gesundheit/sn/artikel/heilpflanze-wirksamer-gegen-rheuma-als-gaengiges-medikament-102896/

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/58360/Rheumatoide-Arthritis-Chinesisches-Phytopharmakon-haelt-Vergleich-mit-Methotrexat-stand?s=wilfords

http://ard.bmj.com/content/early/2014/03/18/annrheumdis-2013-204807

 

Kommentar & Ergänzung:

Fragwürdige Propaganda als Krebsheilmittel

Wilfords Dreiflügelfrucht wird im Internet auf einer ganzen Reihe von fragwürdigen Websites mit hanebüchenen und haltlosen Versprechungen propagiert wie: Zerstört Krebs in 40 Tagen. Und das auch noch mit der grossartigen Attitüde des Aufdeckens unterdrückter Erkenntnisse.

Dass es sich dabei um Zellexperimente und Tierversuche an Mäusen handelt, die sich nicht einfach auf die Situation von Krebspatienten übertragen lassen, geht dabei unter. Und dass für diese Mäuseexperimente ein Inhaltsstoff der Pflanze durch einen chemischen Trick in eine nicht giftige Form gebracht wird, verschweigen die „Aufdecker“ sowieso. Es werden einfach ein paar interessante Ergebnisse aus der Grundlagenforschung zu einer Sensation aufgeblasen, bevor das Mittel seine Tauglichkeit bei Krebspatienten gezeigt hat. Dass die Situation nicht so einfach ist, ergibt sich auch aus der Beschreibung des relevanten Inhaltsstoffs von Wilfords Dreiflügelfrucht – Triptolid – auf Wikipedia:

„Gegenüber einer Reihe von Krebszelllinien (in vitro), als auch im Modellorganismus (in vivo) zeigt Triptolid eine hohe zytostatische Wirksamkeit. So ist es in der Lage das Wachstum von Tumoren und Metastasen zu verringern. Triptolid ist dabei in Konzentrationen von 2 bis 10 ng/ml (in vitro) wirksam und zeigt dabei eine höhere Wirksamkeit als beispielsweise Chemotherapeutikum Paclitaxel (Taxol). Als Folge dieser Erkenntnisse wurden verschiedene klinische Studien mit Triptolid als Chemotherapeutikum begonnen. Durch die hohe Toxizität haben Triptolid und seine verwandten Inhaltsstoffe von T. wilfordii nur eine kleine therapeutische Breite. Um die Toxizität zu reduzieren, wurden verschiedene Derivat hergestellt. Mit Hilfe von Aspergillus niger wurden strukturelle Modifikationen erhalten, die in vitro eine hohe Wirksamkeit gegenüber humanen Krebszelllinien zeigen. Ein wasserlösliches Triptolid-Derivat mit der Bezeichnung PG490-88 befindet sich derzeit in der klinischen Phase-I zur Behandlung solider Tumoren.“

Wenn im Internet also Wilfords Dreiflügelfrucht als Kräuterpräparat gegen Krebs propagiert wird, fehlt dem eine verlässliche Basis.

 

Wilfords Dreiflügelfrucht bei rheumatoider Arthritis möglicherweise wirksam

 

Beim Anwendungsbereich rheumatoide Arthritis gibt es dagegen einige Studien, die eine Wirksamkeit nahelegen, wenn auch nicht zweifelsfrei belegen. Elend ist allerdings, dass eine solcherart vorsichtige Formulierung nicht besonders gut ankommt. Viel attraktiver sind Schlagzeilen wie „TCM-Heilpflanze wirksamer als gängiges Rheumamedikament“.

Die fehlende Verblindung und die fehlende Placebo-Vergleichsgruppe sind bei der beschriebenen Studie unübersehbare Schwachpunkte. Theoretisch zu mindestens wäre es möglich, dass alle festgestellten Verbesserungen in allen drei Gruppen Placebo-Effekte sind. Die Placebo-Hypothese verträgt sich sogar mit der besseren Wirksamkeit der Kombitherapie. Die Erwartungshaltung der Patienten steigt, wenn sie zugleich ein chinesisches und ein westliches Medikament bekommen.

Siehe auch:

Zur Wirkung von Chinakraut / Wilfords Dreiflügelfrucht bei rheumatoider Arthritis 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Vortrag Zürich: Wie Akupunktur in China verboten und im Westen neu erfunden wurde

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Referent: Dr. med. Hanjo Lehmann

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat in den letzten Jahren in Mitteleuropa stark an Bedeutung gewonnen. Eher marginal geblieben ist aber das Verständnis für die Geschichte der Traditionellen Chinesichen Medizin und ihren Transfer in den Westen. In diesem Vortrag geht es um die Geschichte der Akupunktur – eines Teilbereichs der TCM.

Die Akupunktur hat die traditionelle chinesische Medizin (TCM) im Westen bekannt gemacht. Darum glaubt man bei uns, dass sie stets im Zentrum der TCM stand hat. Das ist jedoch ein Irrtum. Tatsächlich war die Akupunktur in China klinisch stets nebensächlich. Kaum eine Handvoll der ca. 400 Kaiser in Chinas Geschichte wurde jemals mit Akupunktur therapiert. 1822 wurde die Akupunktur am Kaiserhof gar “für alle Zeiten” verboten. Ihre Wiederbelebung nach dem Jahr 1954 – mit anatomisch definierten Punkten, dünnen sterilen Stahlnadeln und Hautdesinfektion – war keine Fortsetzung alter Tradition, sondern in Wirklichkeit eine Neuerfindung.

Die größte Zeit der Akupunktur war deshalb nicht die Jin- oder Yuan-Dynastie, sondern ist die Gegenwart.

Dr. med Hanjo Lehmann lernte 1980-1985 an der Tongji-Universität in Shanghai Chinesisch und Akupunktur, eröffnete 1986 eine Akupunkturpraxis, dann Medizinstudium an der FU Berlin und ärztliche Approbation. Er hat eine ganze Reihe von Publikationen veröffentlicht zur Akupunktur.

Datum: 28. Oktober 2013

Ort: Literaturhaus Zürich, Limmatquai 62, 8001 Zürich, Debattierzimmer

Zeit: 18:30 Uhr Türöffnung / 19:00 Uhr Beginn

Eintritt: 10.- CHF / 5.- CHF

Quelle: www.skeptiker.ch

Kommentar & Ergänzung:

Ich selber kenne mich nicht aus mit Akupunktur. Ich befasse mich aber seit vielen Jahren  mit den Unterschieden zwischen westlichem und chinesischem Denken – unter anderem mit den Schriften von François Jullien und mit Studienreisen in verschiedene Regionen Chinas.

Mich erstaunt immer wieder, wie klein das Wissen und das Interesse für die kulturellen und historischen Hintergründe  der Traditionellen Chinesischen Medizin bei vielen Menschen ist, die TCM im Westen anbieten oder konsumieren.  Solches Hintergrundwissen scheint mir unverzichtbar, wenn man eine Methode einordnen will.

Der Vortrag von Hanjo Lehmann dürfte hier wohl  wertvolle Informationen liefern.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisseä
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Veranstaltungstipp Zürich: Vortrag von Paul U. Unschuld am 3. Oktober 2013

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Am 3. Oktober 2013 spricht Paul U. Unschuld in Zürich zum Thema „Die Grenzen von Skepsis und Vertrauen“.

Der deutsche Sinologe und Medizinhistoriker hat sich um die Vermittlung der traditionellen chinesischen Medizin und Pharmakologie an die westliche klassische Medizin Verdienste erworben.

Sein Vortrag in Zürich hat folgende Thematik zum Inhalt:

«Chinesische Medizin» war in ihrer Vorstellung vom Aufbau des Organismus und der Eigenart von Kranksein und Gesundheit eng mit den politischen Realitäten der chinesischen Antike und der Sozialphilosophie eines Teils der seinerzeitigen chinesischen Intellektuellen verbunden. Gegenwärtig wird die so genannten Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in westlichen Industrienationen als legitime Fortsetzung jener antiken Heilkunde praktiziert, obschon sie sich sehr weit von den chinesischen Ursprüngen entfernt hat.

Zwei zentrale gesundheitspolitische Fragen lauten deshalb: Wie ist mit einer Heilkunde umzugehen, die das Vertrauen zahlreicher Menschen gefunden hat, obwohl sie zum einen wissenschaftlich nicht legitimierbar ist und zum anderen auf Grund einer kreativen Rezeption auch nur noch sehr begrenzt beanspruchen kann, in der Tradition der chinesischen Medizin zu stehen. Kann man verlangen, dass Menschen angesichts existentieller Bedrohung durch Kranksein, Behinderung oder gar der Möglichkeit frühen Todes «rational» handeln, oder müssen wir anerkennen, dass auch die Emotionalität in solchen Situationen das Verhalten lenkt?

Die Veranstaltung wird von den Skeptikern Schweiz zusammen mit dem Universitären Forschungsschwerpunkt Asien und Europa der Universität Zürich durchgeführt.

Datum, Zeit: 3. Oktober 2013, 18:30 – 21:30 Uhr (Türöffnung 18:00)

Ort: Universität Zürich, Raum HAH E-11, Häldeliweg 2, 8044 Zürich

Eintritt: Freiwilliger Unkostenbeitrag

Quelle: www.skeptiker.ch

Kommentar:

Ich finde die Publikationen von Paul U. Unschuld sehr anregend, vor allem „Was ist Medizin – Westliche und östliche Wege der Heilkunst“, aber auch die kleine Einführung „Chinesische Medizin“, beide aus dem C. H. Beck Verlag.

Daher nehme ich an, dass auch sein Vortrag interessant sein wird.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Greenpeace: TCM-Kräuter stark mit Pestiziden belastet

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Kräuter der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seien stark mit Rückständen von Pestiziden belastet. Das schreibt Greenpeace in einer Mitteilung.

Die Umweltorganisation erklärt, dass die gesetzlichen Höchstmengen in hohem Maß überschritten werden.

Regelrechte Pestizidcocktails seien in 32 von 36 Proben gefunden worden – mit mehr als drei Wirkstoffen pro Probe.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufe einige der Pestizidwirkstoffe als höchst gefährlich ein, denen Verbraucher der TCM in Deutschland ausgesetzt seien. Das ist das Resultat einer Untersuchung, die Greenpeace in Auftrag gegeben hat. Die Proben dafür stammten aus Deutschland, Großbritannien, Kanada, Frankreich, USA, Italien und den Niederlanden.

Bereits das zweite Mal bekommen die TCM von Greenpeace derart schlechte Noten. In China, dem Ursprungsland der Produkte, hatte Greenpeace vor kurzem ähnlich alarmierende Pestizidrückstände festgestelt. In Deutschland fand Greenpeace 38 unterschiedliche Pestizide in gerade mal fünf Proben. In 23 Fällen überstiegen die gefundenen Rückstände die gesetzliche Höchstmenge. Drei der untersuchten TCM- Produkte hätten gar nicht verkauft werden dürfen.

Bei Menschen, die über einen längeren Zeitraum Pestizidrückstände mit der Nahrung einnehmen, können sich die toxischen Chemikalien im Organismus ansammeln. Das kann zu chronischen Vergiftungen führen, die unter anderem Lernschwierigkeiten, Hormonstörungen oder Fortpflanzungsanomalien zur Folge haben können.

Die aktuellen Pestizidfunde zeigen nach Ansicht von Greenpeace, dass in der Landwirtschaft zu viele giftige Chemikalien zum Einsatz kommen. Das treffe den Menschen, belaste aber auch wichtige Nutztiere wie zum Beispiel Bienen, die bei der Bestäubung von Pflanzen unersetzlich sind.

Während importierte Spezialprodukte wie chinesische Heilkräuter noch stark mit Pestiziden belastet sind, ist Obst und Gemüse laut Greenpeace inzwischen ziemlich sauber: In Deutschland werde bei weniger als fünf Prozent die gesetzliche Höchstmenge überschritten.

Quelle:

http://www.greenpeace.de/themen/chemie/nachrichten/artikel/chinesische_heilkraeuter_in_deutschland_mit_pestiziden_belastet/

Kommentar & Ergänzung:

Pestizidrückstände in TCM-Kräutern sind schon seit Jahren ein Thema und es ist davon auszugehen, dass die Situation in der Schweiz nicht besser ist als in Deutschland.

Ein ähnliches Problem gibt es mit Ayurveda-Heilmitteln bezüglich übermässiger Belastung mit Schwermetallen:

„Schwermetalle, besonders Blei, verunreinigen nicht selten Medikamente traditioneller indischer Medizinrichtungen; über Vergiftungen durch ayurvedische Medikamente gibt es medizinische Berichte. Offenbar kontrollieren einige Hersteller in Indien die unter Verwendung von Pflanzenaschen gewonnenen Präparate nicht ausreichend auf Schwermetallbelastungen. In einem dargestellten Fall wurden sieben Monate lang Weihrauchpillen aus Indien gegen chronische Polyarthritis eingenommen und führten zum Bild einer schweren Blei-Intoxikation mit Verdauungsstörungen, hämolytischer Anämie und Lähmungen bei einem Bleigehalt des Blutes von 852 µg/l; der obere Grenzwert ist 100 µg/l.[6] Stichproben des ARD-Magazins Plusminus ergaben 2006 und 2007 mehrmals giftige Konzentrationen von Arsen und Quecksilber.“

(Quelle: Wikipedia)

Sicherer ist es jedenfalls, einheimische Kräuter aus kontrolliert-biologischem Anbau vorzuziehen.

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