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EFSA publiziert Sicherheitsevaluation für Catechine im Grüntee

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Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine Evaluation der Sicherheitsdaten von Catechinen im Grüntee durchgeführt. Grund dafür waren Meldungen von Leberschäden, die möglicherweise in Zusammenhang mit der Verwendung von Grünteeprodukten stehen.

Catechine sind die wichtigsten Flavonoide, die im Grüntee enthalten sind, wobei mengenmässig Epigallocatechingallat (EGCG) dominiert.

Die EFSA kommt in ihrer Untersuchung zum Schluss, dass Catechine in Aufgüssen und anderen Grünteegetränken generell sicher sind.

In Europa wird die aufgenommene Tagesmenge an EGCG über traditionelle Grünteeaufgüsse auf 90 bis 300 mg geschätzt.

Bei Erwachsenen, die Grünteegetränke in grossen Mengen konsumieren, kann sie bis zu 866 mg erreichen. Der regelmässige Genuss von Grüntee ist sehr beliebt. Beobachtungsstudien vor allem aus China und Japan zeigen, dass Grünteekonsumenten ein verringertes Risiko für Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen haben.

Andererseits können mit Schlankheitsprodukten auf der Basis von Grüntee für Erwachsene durchaus Catechindosen von über 800 mg/Tag zugeführt werden.

Bei so hohen Tagesdosen ist der Verdacht auf Leberschädigung aufgetaucht. Fachleute konnten bisher noch keine sichere Dosis definieren.

Bei Tagesdosen unter 800 mg gibt es keine Hinweise auf Leberschädigung.

Bei Recherchen wurden sehr variable Mengen an EGCG-Tagesdosen aus Nahrungsergänzungsmitteln mit Grüntee (5-1000 mg Catechine) gefunden.

Eine Rolle könnte auch die unterschiedliche Art der Einnahme spielen: Während Teeaufgüsse üblicherweise mit der Nahrung und über den Tag verteilt getrunken werden, werden Nahrungsergänzungsmittel eher nüchtern und als einzelne Tagesdosis eingenommen.

Um den Verbraucherschutz zu verbessern empfiehlt die EFSA, Grünteeprodukte deutlicher zu kennzeichnen mit Angabe des Catechingehalts. Darüber hinaus rät sie zu weiteren Studien zur Wirkung von Grünteecatechinen.

Literatur:

_European Food Safety Authority, Scientific opinion on the safety of green tea catechins, 18.04.2018

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5685&NMID=5685&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Dass Grünteekonsum in Mengen, wie sie in China und Japan üblich sind, unschädlich ist, erscheint jedenfalls plausibel. Mit Nahrungsergänzungsmitteln kann man aber EGCG in Dosen aufnehmen, die weit darüber hinaus gehen. Hier ist Vorsicht durchaus angebracht. Die Empfehlung der EFSA, den Catechingehalt bzw. EGCG-Gehalt von Grünteeprodukten besser zu deklarieren, ist daher sinnvoll.

Bei Grüntee-Extrakten würde ich auch eine Angabe des DEV begrüssen. Dadurch lässt sich mindestens annähernd umrechnen, wieviel Tassen Grüntee eine Kapsel mit Grüntee-Extrakt entspricht. DEV = Droge-Extrakt-Verhältnis („Droge“ meint hier: getrocknete Arzneipflanze). Eine Erklärung zum DEV findet sich auf Wikipedia:

« Das Droge-Extrakt-Verhältnis (DEV), genau genommen das „native“ Droge-Extrakt-Verhältnis (DEVnativ), wird bei Drogenextrakten deklariert. Es gibt an, welche Ausgangsmenge an Droge für die Bereitung einer bestimmten Menge des Extraktes eingesetzt wurde. Für einen Trockenextrakt mit einem DEV von z. B. 10:1 bedeutet dies, dass 1 Teil Trockenextrakt aus 10 Teilen Droge gewonnen wurde, also wurde für die Bereitung von 10 g Trockenextrakt 100 g Droge eingesetzt. Mit dieser Zahl kann bei der Dosierung des pflanzlichen Arzneimittels immer auf die dafür eingesetzte Drogenmenge umgerechnet werden. Damit können auch verschiedene Trockenextrakte einer Droge in ihrer Qualität verglichen werden und Rückschlüsse auf die Anreicherung der Inhaltsstoffe gezogen werden. Trockenextrakte haben je nach eingesetztem Pflanzenteil ein DEV von 5 bis etwa 50:1, Fluidextrakte (Flüssigextrakte) haben ein DEV von 1:1 bis 1:2, Dickextrakte (zähflüssige Extrakte) beispielsweise 3-6:1, Tinkturen und andere alkoholische Extrakte meist 1:7 bis 1:9 bzw. 1:4 bis 1:4,5, je nachdem welche Menge Alkohol für die Extraktion der Droge eingesetzt wurde.»

Quelle: Wikipedia

Die erwähnten Beobachtungsstudien, die auf ein verringertes Risiko für Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen bei Grünteekonsumenten hinweisen, sind zwar interessant, können aber eine Wirksamkeit nie einwandfrei belegen.

Bei Beobachtungsstudien werden Bevölkerungsgruppen verglichen und es wird nach Zusammenhängen zwischen dem Auftreten von bestimmten Krankheiten und zum Beispiel bestimmten Ernährungsgewohnheiten geforscht.

Wenn man aber nun beispielsweise eine japanische und eine europäische Bevölkerungsgruppe vergleicht und dabei feststellt, dass in der japanischen Gruppe – die deutlich mehr Grüntee konsumiert – bestimmte Krebsarten seltener sind, dann ist damit noch nicht klar belegt, dass dieser Unterschied auf den Grünteekonsum zurückzuführen ist. Menschen in Japan unterscheiden sind an vielen Punkten von Menschen in Europa. Sie essen zum Beispiel auch mehr Soya, mehr Fisch, mehr Gemüse, weniger Fleisch….

In den Beobachtungsstudien zeigten sich die positiven Effekte von Grüntee zudem erst bei Gruppen, die relativ hohe Dosen täglich konsumierten, etwas 8 – 10 (japanische) Tassen.

Fazit: Wer Grüntee gern hat, kann ihn problemlos als Genusstee trinken, aber lieber nicht in exzessiv hohen Dosen. Mit konzentrierten Grüntee-Präparaten wäre ich zurückhaltend, vor allem, wenn es ausschliesslich um Vorbeugung geht.

Wer trotz fehlendem eindeutigem Wirksamkeitsnachweis Grüntee zum Beispiel zur Metastasen-Prophylaxe bei Krebserkrankungen einsetzen möchte, muss tägliche mehrere Tassen Grüntee trinken, allerdings nicht direkt wärhend einer Chemotherapie, da Grüntee die Wirksamkeit der Chemotherapie reduzieren kann.

Für den erwähnten Einsatz von Grüntee-Präparaten als Schlankheitsprodukte fehlen überzeugende Wirksamkeitsbelege.

Siehe dazu:

Grüntee zur Gewichtsreduktion? (1)

Grüntee zur Gewichtsreduktion? (2)

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Wildkräuter: Löwenzahn in der Küche

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Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist nicht nur schön anzuschauen, sondern auch in der Küche vielseitig einsetzbar. Seine Blätter, Knospen, Blüten und sogar die Wurzeln sind essbar.

Löwenzahn gehört zu den bekanntesten Wildkräutern und ist insbesondere auf stickstoffreichen Böden zu finden. Die Pflanze bevorzugt sonnige und helle Standorte wie Wiesen und Ackerränder. Sie enthält reichlich Vitamin C, Vitamin A, Magnesium, Kalzium sowie wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe und hat zahlreiche positive Wirkungen auf den Körper. Löwenzahn soll Entzündungen hemmen und den Appetit, den Stoffwechsel und die Verdauung anregen, schreibt das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in einer Mitteilung. Zur Verwendung des Löwenzahns in der Küche gibt das BzfE folgende Empfehlungen:

„Die zarten gezackten Blätter des Löwenzahns schmecken im Salat und auch in Kombination mit anderen Wildkräutern. Dabei lässt sich der etwas herbe Geschmack durch einen Schuss Sahne oder Schmand im Dressing abmildern. Die Blätter können auch ähnlich wie Spinat kurz blanchiert und als Gemüse verwendet werden. Der bitter-würzige Frühlingsbote ist dabei als Wildkräuterrisotto und Pesto, in der Suppe, in Eierspeisen und im Quark ein Genuss. Für ein Löwenzahnpesto beispielsweise werden ein Bund Löwenzahnblätter, Knoblauch, Olivenöl, Zitronensaft, geröstete Sonnenblumenkerne und Parmesan püriert und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.“

Wer es süss möge, könne die frischen Blüten zu einem Gelee oder einem honigartigen Sirup für einen Brotaufstrich verarbeiten. Aus den getrockneten Wurzeln des Löwenzahns lasse sich Tee und aus den jungen Knospen „Kapern“ herstellen:

„Für Kapern gibt man die Löwenzahnköpfchen mit Essig, Estragon, Petersilie, Knoblauch und Zwiebelringen in ein verschließbares Glas. Nach acht bis zehn Wochen können Feinschmecker die eingelegten Blütenknospen genießen.“

Löwenzahn wird am besten im eigenen Garten oder von Wiesen an verkehrsarmen Straßen gesammelt. Die im Frühling aus der Erde spriessenden jungen, zarten Triebe enthalten weniger Bitterstoffe und sind deshalb besonders schmackhaft. Man erntet sie am besten vor der ersten Blüte. Wildkräuter sollen grundsätzlich gründlich gereinigt und möglichst noch am selben Tag verarbeitet und gegessen werden.

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/pressemeldung-6378.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Löwenzahn wirkt leicht harntreibend, fördet den Gallenfluss und regt Speichel- und Mangensaftproduktion an.

Die ESCOP empfiehlt Löwenzahnkraut mit Wurzeln unterstützend bei Behandlungen, bei denen ein verbesserter Harnfluss wünschenswert ist, z.B. bei Rheumatismus und zur Verhütung von Nierensteinen. Die Löwenzahnwurzel empfiehlt die ESCOP zur Wiederherstellung der Leber- und Gallefunktion; bei dyspeptischen Beschwerden und Appetitlosigkeit.

Löwenzahn wird gerne als Frühjahrskur verwendet. Dagegen ist nichts einzuwenden, wobei aber der Nutzen von Frühjahrskuren generell nicht so klar ist, wie es oft dargestellt wird. Empfehlungen in diese Richtung sind oft sehr vage, zum Beispiel wenn das BZfE schreibt, dass der Löwenzahn den Stoffwechsel anregt.

Stoffwechsel, das umfasst eine riesige Anzahl von Aufbau, Umbau und Abbauprozessen im Organismus.

Den Stoffwechsel anregen, das tönt zwar positiv, sagt aber konkret so gut wie nichts aus.

Auch die ESCOP bewegt sich mit ihren Empfehlungen auf dünnem Boden, etwa mit der Aussage, dass bei Rheumatismus ein verbesserter Harnfluss wünschenswert ist und der Löwenzahn dabe unterstützend wirken kann.

Rheumatismus ist schon ein ungenauer Begriff, der eine ganze Reihe von unterschiedlichen Erkrankungen umschreibt. Dass hier generell ein verbesserter Harnfluss anzustreben ist, lässt sich nicht überzeugend begründen.

Die verdauungsfördernde Wirkung durch die Bitterstoffe ist aber plausibel.

Zum Löwenzahn siehe auch:

Wildkräuter in der Küche: Löwenzahnpesto

Pflanzenkunde: Löwenzahn (Taraxacum) ist nicht gleich Löwenzahn (Leontodon)

Löwenzahn zur Entgiftung?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Wildkräuter: Giersch (Baumtropfen) in der Küche

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Giersch – Mundart „Baumtropfe“ – kann im Garten zur Plage werden. Er bildet unterirdische Ausläufer und kann sich dadurch unkontrolliert ausbreiten. Auch Hacken bringt nichts, da selbst die Bruchstücke der Wurzeln neu austreiben.

Statt das „Unkraut“ zu bekämpfen – empfiehlt das Bundeszentrum für Ernährung – können Sie aus der Not eine Tugend machen und die Pflanze für die Küche nutzen.

Mit seinem fein-würzigen Aroma von Möhre und Petersilie sei der Giersch eines der schmackhaftesten Wildgemüse hierzulande, schreibt das BzfE:

„Außerdem enthalten die Blättchen außergewöhnlich viel Eiweiß und Vitamin C, Provitamin A und Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Eisen. In der Naturheilkunde wird Giersch vor allem gegen Gicht und Rheuma eingesetzt. Ein Tee aus Gierschblättern entsäuert, wirkt harntreibend und bringt die Verdauung wieder in Schwung.“

Der Giersch (Aegopodium podagraria) fällt im Frühjahr und Sommer durch seine weißen Doldenblüten auf, doch gibt es viele weissblühenden Doldenblütler, die leicht zu verwechseln sind:

„Merken Sie sich zur Bestimmung die Zahl Drei,  denn das Wildkraut hat einen dreieckigen Blattstiel und dreiteilig verzweigte Blätter.“

Wer den Giersch nicht im eigenen Garten hat, wird am lichten Waldrand, an Flussufern und in Hängen fündig. Giersch darf allerdings nicht mit giftigen Doldenblütlern wie der Hundspetersilie und dem Gefleckten Schierling verwechselt werden, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen.

An dem dreieckigen Blattstiel und dem möhrenartigen Duft isr er jedoch gut von seinen giftigen Verwandten zu unterscheiden.

Das BzfE empfiehlt vor allem die besonders zarten, jungen, hellgrünen Blätter.

„Sie schmecken roh in einem frischen Blattsalat, auch in Kombination mit anderen Wildkräutern wie Löwenzahn und Brennnessel. Fein gehackt werden sie für Bratlinge, Pesto und grüne Soßen verwendet. Sehr lecker ist eine Wildkräuterbutter mit geschnittenem Giersch, Zitronensaft, einem Hauch Knoblauch und etwas Salz. Ältere Blätter haben ein herb-würziges Aroma. Da sie etwas zäher sind, werden sie gerne als Gemüse gedünstet. Die süßen Blüten sind eine essbare Dekoration für Desserts und auch paniert und frittiert ein Genuss.“

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-17-vom-25-april-2018-32163.html#2

 

Kommentar & Ergänzung:

Giersch wird nicht nur Baumtropfen genannt, sondern auch Geissfuss und St. Gerhardkraut. Der heilige St. Gerhard war der Patron der Gichtkranken und gegen Gicht wurde die Pflanze früher auch empfohlen. Über die tatsächliche Wirkung ist aber nichts Sicheres bekannt. Der hohe Gehalt an Kaliumsalzen, durch den sich der Giersch auszeichnet,  könnte zu einer  ermehrten Wasserausscheidung führen. Der Hinweis im Text des BZfE, dass ein Tee aus Gierschblättern „entsäuert“, ist aber fragwürdig, weil die dahintersteckende Vorstellung von „Übersäuerung“ grundsätzlich schon nicht fundiert ist.

Der Vorschlag, Giersch aus dem Garten zu essen, statt sich über ihn zu ärgern, ist ja nicht schlecht. Allerdings wuchert die Pflanze oft so stark im Garten, dass man mit der kulinarischen Verwertung kaum nachkommen wird. Loswerden kann man den Giersch durch intensives Ausdunkeln, das heisst durch mehrjähriges Abdecken des Bodens.

Koschtschejew empfiehlt im Buch „Wildwachsende Pflanzen in unserer Ernährung“ zur Anwendung von Giersch:

„Wenn man die Blätter durch den Fleischwolf dreht, erhält man ein Püree, das man einsalzen und im Winter für Suppen und als Zutat verwenden kann.“

Vielleicht wäre Einfrieren statt Einsalzen auch eine Möglichkeit?

Das Buch von Koschtschejew wurde in der ehemaligen DDR aus dem Russischen übersetzt und erschien 1990 in der 2. Auflage.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wildkräuter: Gundelrebe / Gundermann in der Küche & als Heilpflanze

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Der Gundermann (Glechoma hederacea), auch Gundelrebe genannt, zählt zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceen). Mit ihren blauvioletten Blüten ist die Pflanze im Frühling recht auffällig.

Nur wenige nutzen Gundermann in der Küche. Das Bundeszentrum für Ernährung weist aber darauf hin, dass sein herbes bis leicht harziges Aroma viele Alltagsgerichte wie Pellkartoffeln und Eierspeisen interessanter macht.

Auch für Salate, Kräuterquark und Pesto sei der Gundermann eine Bereicherung. Zum Osterfest werde er traditionell in der Gründonnerstagsuppe serviert, die aus neun verschiedenen Kräutern zubereitet wird.

Wie die Zubereitung von statten geht, beschreibt das BZfE so:

„Alle Wildkräuter, darunter auch Brennnessel, Gänseblümchen und Löwenzahn, werden gewaschen, trocken getupft und fein geschnitten. Anschließend Zwiebeln und Knoblauch in etwas Butter andünsten, Gemüsebrühe und das frische Grün hinzugeben. Nun lässt man die Suppe zwanzig Minuten köcheln und schmeckt mit etwas Schmand, Salz und Pfeffer ab.“

Auch Tee und Kräuterlimonade könne mit Gundermann verfeinert werden, schreibt das BzfE weiter, weist aber darauf hin, dass sparsam dosiert werden soll, damit der Geschmack nicht zu intensiv wird.

Gundermann wird 10 bis 20 cm hoch und wächst am Waldrand, unter Hecken, aber auch in feuchten Wiesen. Er zählt Im Frühjahr zu den ersten verfügbaren Wildkräutern für die Küche und zeigt in den Monaten April bis Juni seine blauvioletten Blüten. Beim Zerreiben der Gundermannblätter entsteht ein scharfer Geruch, der etwas an Minze erinnert.

Die Pflanze enthält unter anderem Vitamin C, Mineralstoffe wie Kalium, ätherische Öle, Saponine, Gerbstoffe und Bitterstoffe. Im Mittelalter wurde Gundermann in klösterlichen Gärten als Arzneipflanze angebaut und zur Wundheilung eingesetzt. So leitet sich der Name wahrscheinlich vom althochdeutschen Wort „gund“ für Eiter oder Beule ab.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-12-vom-21-maerz-2018-31994.html#3

 

Kommentar & Ergänzung:

Gundermann eignet sich auch für Rahmspeisen wie Eiscreme oder Panna Cotta. Aber auch hier sparsam dosieren, sonst kippt der Geschmack ins Unangenehme. Schliesslich verwendete man früher bei den Sachsen den Gundermann anstelle von Hopfen als Bittermittel zum Bierbrauen.

Die Griechen und Römer in der Antike kannten den Gundermann nicht. Bei den Germanen war er aber wohl eine wichtige Heilpflanze. Im Mittelalter erwähnt ihn Hildegard von Bingen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurde Gundermann für eine grosse Bandbreite von Erkrankungen eingesetzt, zum Beispiel innerlich bei Durchfall, Magenbeschwerden, Darmkatarrh, Bronchialerkrankungen, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, Lungenleiden.

Diese „Indikationslyrik“ ist unübersichtlich, weil nicht mehr klar ist, wofür die Pflanze wirklich wirksam ist.

Es gibt keine fundierten Belege für solche Wirkungen des Gundermanns. Vermutet werden entzündungswidrige Wirkungen durch Flavonoide, Triterpentoide und Gerbstoffe, was bei äusserlicher Anwendung eine Rolle spielen könnte.

In der Alternativmedizin tauchen immer wieder Versprechungen auf, dass Gundermann / Gundelrebe zur Ausleitung von Schwermetallen wie Blei und Quecksilber wirksam ist.

Das ist natürlich eine attraktive Vorstellung – eine Pflanze, die Gifte rausholt. Darum stossen solche Versprechungen auf grosse Ressonanz.

Diese Versprechen sind aber sehr fragwürdig. Es gibt keine glaubwürdigen Argumente oder gar Belege für eine solche Wirkung. Es gibt auch keine plausible Erklärung dazu, wie der Gundermann eine solche Wirkung zustande bringen soll.

Zu Laborforschung und klinischen Studien mit Gundermann habe ich nur im Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ einen Hinweis gefunden – und zwar zum Thema Hyperpigmentierung.

Im Labor hemmte ein Gundermann-Extrakt die Melatoninsynthese und die Tyrosinaseaktivität bei B16-Melanomzellen, woraus auf eine mögliche Wirksamkeit bei der Behandlung von Hyperpigmentierungsflecken der Haut geschlossen wurde.

Eine Lotion mit Gundermann-Extrakt bewirkte nach 8-wöchiger Behandlung von UV-induzierten Pigmentflecken der Haut eine im Vergleich zu Placebobehandlung eine signifikante Depigmentierung und Entzündungshemmung.

Wie gut die Wirksamkeit dieser Lotion nun wirklich geklärt ist,  kann ich nicht beurteilen. Im Markt scheint sie jedenfalls bisher nicht erhältlich zu sein.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Gundelrebe / Gundermann

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Wildkräuter: Hirtentäschel in der Küche

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Das Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) mit seinen herzförmigen Früchten ist eine unscheinbares Pflänzchen. Die alte Heilpflanze hat auch kulinarische Qualitäten.

Die jungen Hirtentäschelblätter besitzen einen würzig-scharfen Geschmack, der an eine Mischung aus Kresse und Meerrettich erinnert. Sie setzen in Suppen, in Eierspeisen und im Kräuterquark interessante Akzente. Für einen Salat können die Blätter zu gleichen Teilen mit Feldsalat (= in der Schweiz: „Nüsslisalat“) gemischt werden. Dazu gibt man beispielsweise klein geschnittene hart gekochte Eier, geröstete Kürbiskerne und ein Dressing aus Olivenöl, Weinessig, Naturjoghurt, Senf, Salz und Pfeffer.

Die milde Schärfe der Hirtentäschelfrüchte bringt Pep aufs Butterbrot und dient in Gemüsepfannen als Pfefferersatz. Die herzchenförmigen Hirtentäschelfrüchte enthalten kleine Samen, die wie Senf gemahlen und als Gewürz verwendet werden können.

Das Hirtentäschelkraut wird zur Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceen) gezählt. Das ein- bis zweijährige Kraut wächst bis zu einer eine Höhe von 40 Zentimetern und bildet in Bodennähe Rosetten aus länglichen, löwenzahnähnlich gelappten Blättern. Die kleinen, weißen Blüten sind ebenfalls essbar und sitzen in Trauben am Ende des aufrechten Stängels. Die außergewöhnliche Form der Früchte haben dem Hirtentäschel seinen Namen gegeben: Sie sind platt und umgekehrt herzförmig, was an die Umhängetaschen von Hirten aus früheren Zeiten erinnern soll. Hirtentäschel ist sehr genügsam und wächst auf Wegen, selbst zwischen Pflastersteinen, am Ackerrand, auf Schutthalden und in Gärten.

Als Wildkraut für die Küche wird das Hirtentäschel am besten im Frühjahr geerntet. Dazu pflückt man am besten die jungen, zarten Blätter, denn nach der Blüte werden sie etwas bitter. Hirtentäschel enthält unter anderem reichlich Flavonoide, Saponine, Senfölglykoside, Gerbstoffe, Vitamin C, Kalium und Kalzium.

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/hirtentaeschel-32188.html

Kommentar & Ergänzung:

In der traditionellen Pflanzenheilkunde zählt Hirtentäschelkraut zu den „Frauenkräutern“. Es wird unter anderem zur Blutstillung bei zu starker Menstruation empfohlen. Eine ernsthafte Erkrankung sollte aber durch eine ärztliche Untersuchung ausgeschlossen werden.

Im Gegensatz zum Beispiel zur Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) und zum Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) gehört Hirtentäschel allerdings zu den schlecht untersuchten und nur ungenügend dokumentierten „Frauenkräutern“.

 

Eine interessante Studie zum Hirtentäschelkraut in der Gynäkologie hier:

Hirtentäschelkraut reduziert laut Studie Blutungen nach der Geburt

Bei günstigem Klima kann Hirtentäschel das ganze Jahr über blühen. Es ist nahezu weltweit verbreitet und dadurch wohl eine der erfolgreichsten Pflanzen überhaupt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzliche Präparate bei Wechseljahrsbeschwerden: Ökotest beurteilt nur Traubensilberkerze mit „gut“

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Die Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden hat in der Bevölkerung keinen guten Ruf. Deshalb suchen viele Frauen nach Alternativen. In Apotheken, Drogerien, Reformhäusern und im Internet sind für diesen Zweck zahlreiche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Ökotest hat mit der pharmazeutischen Hilfe von Professor Manfred Schubert-Zsilavecz aus Frankfurt einige Präparate unter die Lupe genommen.

Am besten schnitten dabei Präparate mit Traubensilberkerzen-Extrakt ab. Allerdings bekam nur das Traubensilberkerzen-Präparat Remifemin® die Note „gut“, weil hier aufgrund einer produktspezifischen Studie die Datenlage besser sei, schreibt Ökotest.

Von den anderen beurteilten Arzneimitteln mit Traubensilberkerze schnitten fast alle „befriedigend“ ab und nur eines mit „mangelhaft“.

Ein Extrakt aus Rhapontikrharbarber konnte die Tester nicht überzeugen, da zwar kleine Studien positive Effekte erkennen liessen, klinische Studien mit höheren Teilnehmerzahlen aber fehlten. Das Urteil  lautete daher nur „ausreichend“.

Bei den Nahrungsergänzungsmittteln überprüfte Ökotest insbesondere solche mit Isoflavonen aus Soja oder Rotklee. Einen Nutzen für gesunde Frauen sahen die Tester bei keinem Mittel. Die Bestnote bekamen hier die Menoflavon® Kapseln mit „ausreichend“.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/04/30/oekotest-findet-nur-traubensilberkerze-gut/chapter:all

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Beurteilung durch Ökotest zeigt gut, dass die Studienlage bei den untersuchten Präparaten sehr unterschiedlich ist. Und die Studienlage hängt stark davon ab, wieviel ein Hersteller bereit ist in die Forschung zu investieren.

Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln müssen für ihre Produkte keinerlei Wirksamkeitsnachweis erbringen. Entsprechend ist die Motivation für aufwendige Forschung oft nicht sehr gross.

Bei Arzneimitteln sind die Anforderungen höher.

Im allgemeinen wird meines Erachtens viel zu wenig beachtet, dass sich Präparate aus der gleichen Arzneipflanze in ihrer Qualität und Wirksamkeit fundamental unterscheiden können. Im Kontext der Phytotherapie kann man nicht einfach sagen, dass Traubensilberkerze gegen Wechsejahrsbeschwerden wie Wallungen hilft. Man muss immer auch dazu sagen, in welcher Anwendungsform die Pflanze wirksam ist.

Von den überprüften Präparaten gehören die Isoflavone und damit Soja und Rotklee zu den Phytoöstrogenen.

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) wurde früher auch zu den Phytoöstrogenen gezählt. Heute geht von einem Wirkungsmechanismus via Zentralnervensystem aus.

Das hat den Vorteil, dass jede Beeinflussung des Wachstums von östrogensensitiven Tumoren ausgeschlossen werden kann.

Remifemin besteht aus einem Trockenextrakt aus Cimicifuga-Wurzelstock mit Isopropanol als Lösungsmittel. Für diesen Extrakt ist die Studienlage tatsächlich robust.

In der Schweiz wird bei Wallungen als Phytopharmaka meistens ein Cimicifuga-Präparat von Zeller angewendet:

– Cimifemin® Neo mit 6,5 mg Trockenextrakt (Ze 450)  aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze. Kauf und zahlt man selber in Apotheken und Drogerien.

– Cimifemin uno mit 6.5 mg Trockenextrakt (Ze 450) aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze.

– Cimifemin forte mit 13 mg Trockenextrakt (Ze 450) aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze.

Cimifemin uno und Cimifemin forte werden von der Grundversicherung bezahlt, wenn ein ärztliches Rezept vorliegt.

Für den Cimifemin-Trockenextrakt (Ze 450) gibt es auch positive Studien mit Patientinnen. Für Ze 450 wird aber Äthanol als Auszugsmittel verwendet, weshalb die Ergebnisse der Studien mit dem Isopropanol-Extrakt (Remifemin) nicht auf Cimifemin übertragen werden können.

 

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Weisse Taubnessel in der Küche und Kräuterheilkunde

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Das Bundeszentrum für Ernährung hat gerade die Taubnessel als Wildkraut vorgestellt: Ihre zarten Blätter haben ein feines, champignonähnliches Aroma. Wer sie sammelt, sollte nur die jungen Triebe pflücken, deren obere Blättchen äußerst zart und schmackhaft sind.

Taubnessel schmeckt im Salat, im Pesto und Kräuterquark, in cremigen Suppen und in Aufläufen. Die Blätter lassen sich jedoch auch kurz gedünstet als Gemüsebeilage zu Fleisch und Fisch reichen.

Die weiße Taubnessel (Lamium album) zählt zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler und ist mit Kräutern wie Oregano und Thymian verwandt.

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/taubnessel-in-der-kueche-32105.html

Kommentar & Ergänzung:

Neben der Weissen Taubnessel findet man in der Natur zum Beispiel auch die gelbblühende Goldnessel und die rotblühenden Arten Rote Taubnessel und Gefleckte Taubnessel. Sie sind auch essbar.

Die Weisse Taubnessel wurde früher entsprechend der Signaturenlehre wegen der weissen Blüten bei Weissfluss eingesetzt. Es gibt allerdings keine ernsthaften Hinweise für eine Wirksamkeit in dieser Hinsicht. Dazu kommt, dass Weissfluss durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann. Eine Empfehlung von Taubnesseln gegen Weissfluss ist daher von Grund auf zu undifferenziert. Tradition ist wertvoll, aber sie hat nicht immer Recht. Tradition zu schätzen heisst nicht, ihr kritiklos zu begegnen. Im Gegenteil: Tradition zu schätzen bedeutet, sich mit ihr auseinanderzusetzen und dabei zu prüfen, was an ihr nützlich und was überholt oder irrtumsbehaftet ist.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Zur Zeit gibt es meinem Eindruck nach keine fundierten,  überzeugenden Anwendungsbereiche für die Weisse Taubnessel als Heilpflanze.

Taubnesseln sind aber sehr wertvolle Nahrungsquellen für Hummeln. Sie bieten ihnen sowohl Nektar als auch Pollen.

Und weil wir gerade bei den Hummeln sind und Frühling ist:

Augen auf – Hummelköniginnen unterwegs

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kandierte Ingwerstückchen zur Förderung des Appetits?

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Das Bundeszentrum für Ernährung stellt Ingwer als Gewürz und Heilpflanze vor.

Dabei ist mir folgender Satz aufgefallen:

„Einige Stückchen kandierter Ingwer vor den Mahlzeiten können vor allem bei älteren Menschen den Appetit anregen.“

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/ingwer-die-gesunde-knolle-31725.html

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Idee. Appetitmangel ist für die Phytotherapie auch eine Herausforderung im Bereich Palliative Care und Onkologiepflege. Krebstherapien können den Appetit stark stören. Oft werden gegen Appetitlosigkeit Heilpflanzen mit Bitterstoffen eingesetzt, die man eine halbe Stunde vor dem Essen als Tee einnimmt. Bitterstoffe sind aber nicht jedermanns Geschmack und Ingwerstückchen wären da möglicherweise eine angenehmere Variante.

Am wirksamsten gegen Appetitlosigkeit im Rahmen von Krebstherapien dürfte aber wohl Cannabis sein, doch braucht es Fachwissen für eine wirksame und sichere Anwendung.

Kandierte Ingwerstückchen – das scheint mir jedenfalls eine Idee, die auszuprobieren sich lohnen könnte.

Ingwer hat abere auch sonst viele interessante Wirkungen. Siehe zum Beispiel:

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen

Ingwer bei Erkältungen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schüssler Salze – verständlich und kompetent erklärt

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Schüssler Salze sind als Methode der Alternativmedizin weit verbreitet. Dabei fällt auf, dass die Anwenderinnen und Anwender oft nur sehr rudimentäre Vorstellungen haben darüber, wie die Schüssler Salze hergestellt werden und wie sie wirken sollen. Insbesondere wenn davon ausgegangen wird, dass durch diese Präparate Mineralstoffe zugeführt werden können, ist das ein klarer Irrtum. Auf 1000 kg Schüssler Salz kommt ein Gramm des entsprechenden Mineralsalzes. Nur schon mit ein bisschen Hahnenwasser lassen sich vergleichbare Mengen an Mineralsalzen sehr viel einfacher und billiger (!) zuführen.

Siehe dazu:

Schüssler Salze: Mineralwasser wirksamer, günstiger, zahnschonender?

Schüssler Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6 enthält zum Beispiel ein Gramm Kochsalz (Natrium chloratum) auf 1000 kg. Um eine Pfanne Spaghetti zu salzen, wären also einige Tonnen Schüssler Salz Nr. 8 nötig.

Siehe dazu:

Pharmawiki erklärt Wirkung von Schüssler Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6

Trotz nicht existierender Wirkstoffe wird das Präparat aber ziemlich vollmundig empfohlen zum Beispiel bei Blutarmut, Bleichsucht, Appetitlosigkeit, Diabetes, Rheuma, Trägheit, Bandscheibenschäden, Durchfall, Hämorrhoiden, Hautausschläge und Migräne.

Diesen Heilungsversprechungen fehlt jede Basis.

Auffallend ist zudem, dass für alle und jede Beschwerden, Krankheiten und Lebenslagen Schüssler Salze empfohlen werden, obwohl für die versprochenen Wirkungen nicht die Spur eines Beleges gibt.

Diese absolute Grenzenlosigkeit der Versprechungen ist es vor allem, die unglaubwürdig wirkt.

Solche Allmachtsphantasien sind allerdings auch in der Pflanzenheilkunde anzutreffen.

Das äussert sich dann zum Beispiel in Sätzen wie: „Gegen jede Krankheit ist ein Kräutlein gewachsen.“ Wenn solche Versprechungen wahr wären, müsste niemand mehr an Krankheiten sterben.

Die Vorstellung, dass wir mit irgendwelchen Mitteln alle Krankheiten in den Griff bekommen können, hilft uns möglicherweise aus Ohnmachtsgefühlen heraus zu kommen. Das mag eine entlastende Vorstellung sein, die aber nicht wirklich tragfähig ist.  Mit Ohnmachtsgefühlen sollten wir lernen anders umzugehen.

Und zum Schluss noch:

Unabhängig davon, ob man nun von der Wirksamkeit von Schüssler Salzen überzeugt ist ober nicht, wäre es sinnvoll,  die Grundlagen dieser Methode zu kennen, wenn man damit zu tun hat.

Die Info-Plattform Homöopedia hat dazu gerade eine gute Einführung in die „Biochemie nach Schüssler“ veröffentlicht:

Schüssler Salze – verständlich und kompetent erklärt

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Hausmittel: Zwiebelsirup bei Husten

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Die „Welt“ hat einen Text veröffentlicht über Hausmittel für Kinder. Darin kommt auch der Zwiebelsirup zur Sprache, empfohlen durch den Kinder- und Jugendarzt Andreas Volbracht:

«Zwiebelsirup sei sein Lieblingshausmittel, sagt Volbracht. Dazu ein bis zwei geschälte und gewürfelte Zwiebeln mit ein paar Löffeln Zucker oder Honig in ein leeres Marmeladenglas gegeben. Nach mindestens zwei Stunden die Stücke heraussieben, übrig bleibt der Zwiebelsirup. Ihn kann man mit Wasser verdünnen. Kinder mit Husten können mehrmals täglich ein bis zwei Esslöffel einnehmen. „Es bewirkt eine Muskelentspannung an der Bronchialmuskulatur. Das löst die muskuläre Verkrampfung der Atemwege auf“, so Volbracht.»

Quelle:

https://www.welt.de/gesundheit/article175379422/Diese-Hausmittel-koennen-kranken-Kindern-wirklich-helfen.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Zwiebel (Allium cepa) und insbesondere der Zwiebelsirup ist ein bewährtes Hausmittel gegen Husten und er schmeckt nicht einmal so übel, wie das im ersten Moment erscheinen mag. Auch Kinder nehmen ihn oft überraschend gerne.

Interessant ist in der obenstehenden Aussage die Erklärung zum Wirkungsmechanismus:

„Es bewirkt eine Muskelentspannung an der Bronchialmuskulatur. Das löst die muskuläre Verkrampfung der Atemwege auf.“

Die Erklärung habe ich bezüglich Husten noch nie gehört und gelesen. Vermutlich gründet sie in experimentellen Hinweisen auf antiasthmatische Wirkungen der Zwiebel.

Ob sich diese Erkenntnisse auf die Anwendung bei Husten übertragen lassen, ist allerdings unklar.

Die Laborergebnisse werden im „Lehrbuch der Phytotherapie“ so beschrieben:

„Untersuchungen von Dorsch et. al. …zeigen tatsächlich in frisch zubereiteten lyophilisierten Extrakten von Allium cepa ein antisathmatisches Wirkprinzip. Thiosulfinate hemmen die anti-Immunglobulin-E-(IgE)-induzierte Freisetzung von Histamin aus peripheren Granulozyten, die Leukotrienbiosynthese in vorstimmulierten Granulozyten durch Hemmung  der 5-Lipoxygenase und die Thromboxan-B2-Biosynthese in menschlichem plättchenreichen Plasma und in Lungenfibroplasten…Es handelt sich um potente Hemmstoffe der Prostaglandinkaskade.“

Tönt kompliziert, läuft aber vor allem auf eine entzündungswidrige Wirkung hinaus.

Wir habe es bei diesen Ergebnissen hier mit Experimenten an Zellen im Reagenzglas zu tun und mit einem Tierversuch. Mittels Ovalbumin sensibilisierte Meerschweinchen wurden durch perorale Gabe von Zwiebelsaft vor einem Asthmaanfall geschützt.

Allerdings war der Asthmaanfall experimentell ausgelöst. Das ist alles weit weg von der Praxis eines Asthmakranken.

Aussagekräftig bezüglich einer Anwendung von Zwiebelsaft gegen Asthma beim Menschen sind aber nur Untersuchungen am Menschen, also sogenannte klinische Studien.

Dazu schreibt das „Lehrbuch der Phytotherapie“:

„In einem Versuch am Menschen wurde durch orale Gabe von 2 x 100 ml ethanolischem Zwiebelextrakt (= 400 g Zwiebeln) die asthmatische Sofort- und verzögerte Reaktion einer Patientin auf die Inhalation von Hausstaubmilbenextrakt unterdrückt.“

Auch das ist zwar interessant, aber offenbar besteht die Studie nur aus einem einzigen Experiment mit einer einzigen Patientin. Das ist eine äusserst schmale Basis. Und ob ein Äquivalent von 400 g Zwiebeln praxistauglich ist, darf bezweifelt werden.

Die Idee, Zwiebelextrakt gegen Astma zu verwenden ist zwar interessant, aber noch nicht im Ansatz belegt.

Und diese Ergebnisse  lassen sich auch nicht einfach auf die Anwendung bei Husten übertragen.

Andere Wirkungsmechanismen für eine mögliche Wirkung von Zwiebelsirup gegen Husten schienen mit da plausibler:

– Eine schleimlösende und auswurffördernde Wirkung, zum Beispiel via gastro-pulmonalem Reflex.

– Eine Linderung des Hustenreizes durch den Honig. Siehe dazu:

 Honig gegen Husten wirksam

Es ist schade, wenn Hausmittel wie der Zwiebelsirup an Bedeutung verlieren, denn darin steckt auch eine Kompetenz, mit einfacheren Beschwerden selber fertig zu werden. Natürlich sind nicht alle Hausmittel auch sinnvoll. Gerade die Phytotherapie kann aber dazu beitragen, wirksame Hausmittel wieder bekannter zu machen und überholte Hausmittel  auszusortieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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