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Augentrost als Augenheilmittel

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Die Kundenzeitschrift „Die Apotheke“ (Juli / 2014) beschreibt die Anwendungsbereiche der traditionellen Heilpflanze Augentrost (Euphrasia rostkoviana):

„Als Heilmittel hat Euphrasia allgemein eine entzündungshemmende Wirkung auf die Schleimhäute. Die Wirkstoffe weisen weiters antibakterielle Effekte auf. Neben der Anwendung bei Augenbeschwerden – bei Reizungen, Entzündungen von Augenlidrand und Bindehaut, Sehstörungen und Augenermüdung – wurde der Augentrost auch traditionell innerlich als Magenmittel, bei Husten und Heiserkeit, Heuschnupfen und Nebenhöhlenentzündung sowie äußerlich bei Hautproblemen angewandt. In der Pflanzenheilkunde wird er heute vor allem in Augentropfen und –salben verwendet.“

Quelle:

Die Apotheke, Juli 2014

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/DA/DA-2014/DA-2014-07.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Augentrost ist ein hübsches Pflänzchen (Foto auf Wikipedia) und ein Halbschmarotzer.

Der antiken Kräuterliteratur taucht Augentrost nicht auf, weil er in Griechenland nicht vorkommt. Erstmals sicher identifizierbar erwähnt wird die Pflanze im spätmittelalterlichen „Gart der Gesundheit“ (1485). Beachtet wurde der Augentrost vermehrt in der Renaissance auf dem Hintergrund der damals dominierenden Signaturenlehre, die von Farben und Formen der Pflanzen auf deren Wirkungen schloss.

Paracelsus (1493 – 1541) und andere sahen in der Blüte ein Auge dargestellt und schlossen daraus auf eine Wirksamkeit als Augenheilmittel: Das gelbe Zentrum als Pupille, die länglich schwarzen Striche als Wimpern. Damals war noch nicht bekannt, dass die Farben und Formen der Blüten an die Insekten gerichtet sind, und nicht als Botschaft an uns. Auch war den Menschen wohl kaum bewusst, dass diese Zuschreibungen in ihren eigenen Interpretationen gründen und mit der Pflanze direkt nichts zu tun haben. Man könnte die Interpretationen jederzeit anders legen und zum Beispiel aufgrund der wimpernartigen dunklen Striche auf eine wimpernwachstumsfördernde Wirkung schliessen.

In den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts, zum Beispiel bei Hieronymus Bock oder Matthiolus, ist der Augentrost ausführlich beschrieben. Matthiolus nennt ihn „ein Prinzipal zu den blöden und tunkeln Augen“. Das zeigt gut auf, dass die Zuschreibungen der Signaturenlehre meist ziemlich umfassend sind und nicht unterscheiden zwischen verschiedenen Augenkrankheiten. Augentrost enthält in diesen Vorstellungen einfach die Kraft für die Augen – egal um welche Augenkrankheit es gerade geht.

Diesen umfassenden Anspruch als Augenheilmittel muss man heute daher schon sehr relativieren. Empfohlen werden Umschläge und Augenbäder mit Augentrost in der traditionellen Pflanzenheilkunde noch bei leichten Bindehautentzündungen (Konjunktivitis). Belegt ist diese Wirkung nicht und die wissenschaftlich orientierte Phytotherapie lehnt die Anwendung von Umschlägen und Augenbädern mit Augentrost ab, weil sie bakteriologisch verunreinigt sein könnten und möglicherweise reizende Schwebestoffe enthalten. Ich selber denke, dass Augentrost bei leichten Bindehautentzündungen durchaus lindernd wirken könnte. Die Pflanze enthält Gerbstoffe und antimikrobiell wirkende Iridoide (Aucubin und Catalpol). Allerdings ziehe ich bei leichten Bindehautentzündungen Umschläge mit Schwarztee vor, wobei die Gerbstoffe sich aber bei der Teezubereitung nur langsam lösen. Schwarztee sollte zu diesem Zweck deshalb etwa 8 – 10 Minuten ziehen.

Für die Wirksamkeit einer Anwendung von Augentrost als Magenmittel, bei Husten und Heiserkeit, Heuschnupfen und Nebenhöhlenentzündung sowie äußerlich bei Hautproblemen, gibt es keine glaubwürdigen Hinweise.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

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Wie verlässlich sind die Ratschläge von Maria Treben?

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Diese Frage ist mir neulich wieder einmal bei einem Vortrag gestellt worden.

Wer war Maria Treben?

Maria Treben (1907- 1991) war eine Kräuterbuchautorin aus Grieskirchen (Österreich). Ihr Buch Gesundheit aus der Apotheke Gottes wurde in mehr als 20 Sprachen herausgegeben, erreichte eine Gesamtauflage von über acht Millionen Exemplaren und war damit ein Grosserfolg.

Man kann Maria Treben zugute halten, dass sie viel zur Renaissance der Kräuterheilkunde beigetragen hat.

Ihr Ratschläge sind aber von einer Grenzenlosigkeit, die an Allmachtsphantasien grenzt. Mit ihren Kräutern heilt Maria Treben einfach alles – und das ohne Misserfolge, wenn man ihren Darstellungen glauben will. Das ist eine völlig unrealistische Betrachtungsweise, die aber offenbar den Bedürfnissen breiter Bevölkerungskreisen nach Wunderheilmittel entgegenkommt.

Wie schön wäre es doch, wenn Schwedenkräuter, Ringelblumen & Co uns alle Krankheiten abnehmen könnten.

Das geht bei Maria Treben sehr schnell. Ein unheilbares Darmkrebsleiden bei einer jungen Mutter von fünf Kindern – „der Arzt gab ihr noch einige Tage“ – Umschläge mit Schwedenkräutern „auf die erkrankten Darmstellen“ und innerlich „Kalmuswurzeln, die man über Nacht ansetzt“, zusammen mit „blutreinigendem Tee von Ringelblumen, Schafgarben und Brennnesseln“ – und siehe da: „Heute geht es der Frau so gut, dass mit einer völligen Heilung gerechnet werden kann“.

Ganz abgesehen davon, dass in der Phytotherapie-Fachliteratur jeder Hinweis auf eine Antikrebswirkung dieser Kräuterkur fehlt:

Ärzte können sich täuschen in ihrer Prognose. Wenn die Darmkrebs-Patientin aber wirklich nur noch wenige Tage zu leben hatte, dann ist es äusserst unwahrscheinlich, dass sich ein Tumor im Endstadium mit allen damit verbundenen Schäden und allfälligen Metastasen einfach so mit ein paar „blutreinigenden“ Kräutern in Luft auflöst. Es gibt zwar auch in der Onkologie unerklärbare Spontanremissionen, bei denen sich ein Krebs ohne erkennbare Ursache zurückbildet. Solche Fälle sind aber erstens sehr selten und sie betreffen wohl kaum Tumore im Endstadium.

Die Wunderheilung bei Darmkrebs, die Maria Treben schildert, müsste also ein äusserst seltenes Ereignis sein – wie es halt für Wunder charakteristisch ist – sofern man dieses Wort hier verwenden will.

Die Schriften von Maria Treben sind aber voll von solchen angeblichen Wundern. Nierenkrebs, Hirntumor, Knochenkrebs Leukämie – alles kein Problem, selbst wenn Metastasen vorhanden sind.

Wunder am laufenden Band und quasi mit Erfolgsgarantie – das muss einfach stutzig machen. Woran sterben wir denn eigentlich, wenn alle die Ratschläge der Maria Treben beherzigen?

War die Frau eine Betrügerin? Das kommt darauf an, wie man Betrug definiert. Meinem Eindruck nach hat sie an sich und an die Heilkraft ihrer Kräuterrezepte geglaubt.

Aus ihren Schriften spricht eher eine Verblendung, die Misserfolge und Grenzen nicht mehr wahrnehmen kann.

Sie sah sich als „Apothekerin Gottes“, bekam angeblich Weisungen von der Jungfrau Maria und war überzeugt, dass sich mit Kräutern jede Krankheit heilen lässt.

Wer so felsenfest an seine Wahrheit glaubt, wird immun gegen das Realisieren von Misserfolgen und Grenzen.

Die Empfehlung von Ringelblumentee bei Leukämie von Kindern hat nach Recherchen der Zeitschrift Stern – meiner Erinnerung nach war das in den 80er-Jahren – einigen Kindern das Leben gekostet. Mit diesen Misserfolgen konfrontiert, schob die Kräuterfrau die Verantwortung auf die Eltern ab, welche den Tee nicht vorschriftsgemäss verabreicht hätten. So einfach kann man es sich machen, wenn man Misserfolge nicht an sich heranlassen will oder kann.

Diese schlimmen Verläufe kommen jedenfalls in den Schriften der Maria Treben nicht vor.

Auch die Stiftung Warentest kommentiert die Empfehlungen von Maria Treben kritisch und weißt auf Fehler hin:

„Die Stiftung Warentest äußert erhebliche Zweifel an der Sachkundigkeit Maria Trebens und weist auf mehrere Fehler in ihren Büchern hin. Sie empfehle Pflanzen zur Behandlung schwerer Krankheiten bis hin zu Krebs, deren Wirksamkeit für diese Pflanzen überhaupt nicht nachgewiesen ist. Teilweise verwechselt Treben wichtige Fachbegriffe; beispielsweise verwechselt sie unter anderem den Zucker Inulin mit dem Hormon Insulin und empfiehlt daher fälschlich Löwenzahn gegen Diabetes mellitus. „Ihr Schöllkraut-Rezept gegen Leber- und Gallenleiden ist eine Anleitung zur Vergiftung. Der Ratschlag, Ohnmächtigen einen Eßlöffel Schwedenbitter einzuflößen, ist lebensgefährlich.“

(Quelle: Wikipedia)

Und in einer Broschüre des Tumorzentrums der Universität Freiburg über Alternative Krebstherapien heisst es, gefährlich sei „die Grundtendenz, alle Krankheiten als mit Kräutern heilbar darzustellen. Treben behauptet, mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass ‚das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst’. Weitere ‚Wundermittel’ sind Schwedenkräuter intern oder als Umschlag, Spitz- oder Breitwegerichbrei, Ringelblumensalbe und vieles anderes. Gegenüber den ‚Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern’ der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. Einer vernünftigen zusätzlichen Anwendung solcher Präparate ist nichts entgegenzuhalten, zum Beispiel dem Einreiben einer Operationsnarbe nach Mastektomie mit Ringelblumensalbe. Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable, und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht bei diesem heute heilbaren Tumor viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren. Alle diese Medikamente sind in ihrer Wirksamkeit gegen Krebs unbewiesen. Nicht alle der empfohlenen Pflanzen sind harmlos, beinhaltet doch die ‚Apotheke Gottes’ auch viele bekannte Giftpflanzen der Natur.“

Quelle: http://www.uniklinik-freiburg.de/tumorzentrum/live/Patienten-Info/Broschueren/komplementaere_verfahren_pat2006.pdf

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Und falls Sie sich selber kundig machen möchten im diesem Bereich, dann schauen Sie sich mal die Phytotherapie-Ausbildung oder das Heilpflanzen-Seminar an.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Das Leberblümchen wird Blume des Jahres 2013

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Das Leberblümchen (Hepatica nobilis) ist zur «Blume des Jahres 2013» ernannt worden.

Den Titel „Blume des Jahres“, den Loki Schmidt (1919-2010) einst ins Leben gerufen hatte, vergibt die Stiftung Naturschutz in Hamburg.

Das Leberblümchen (Foto auf Wikipedia) gehört zur Familie der Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae) und kommt in der Krautschicht alter Buchen- und Eichenwälder vor.

Das Leberblümchen stelle hohe Ansprüche an den Boden und breite sich nur langsam aus, erklärte die Stiftung in einer Mitteilung.

Die Samen des Leberblümchens werden von Ameisen verbreitet. Es breitet sich daher nur langsam aus.

Deshalb ist das Leberblümchen fast nur an Orten zu finden, wo schon lange, meist mehr als 100 Jahre, Wald wächst. Solche alten Waldstandorte seien nicht so häufig, schreiben die Naturschützer.

Das zwischen 5 und 15 Zentimeter hoch wachsende Leberblümchen, blüht zwischen März und April für nur eine Woche. Es bekam seinen deutschen Namen wegen der Blattform: in drei Lappen geteilt sieht das Blatt im Umriss wie eine menschliche Leber aus.

Die mehrjährig, ausdauernde Pflanze, deren einzelne Blütezeit im Frühling nicht länger als rund eine Woche dauert, war in der Biedermeierzeit weit verbreitet und wurde in Klöstern, Gärtnereien und großen Bauerngärten kultivert. Da der Anbau des Leberblümchens im Garten jedoch nicht ganz einfach sei, finde man es dort kaum noch, schreiben die Naturschützer: Das Leberblümchen werde leider nur in wenigen Raritätengärtnereien angeboten. Dort erhalte man auch großblütige Arten und zahlreiche Farbvarianten.

„Im Mittelalter fand das Leberblümchen aufgrund der Form seiner leberartigen Blätter vor allem Anwendung bei Erkrankungen der Leber und der Galle», heisst es in der Erklärung zur Preisverleihung. Heute komme es noch in homöopathischen Dosen bei Lebererkrankungen, Katarrhen und Bronchitis zum Einsatz.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=43794&Nachricht_Title=Nachrichten_Blume+des+Jahres%3A+Das+Leberbl%FCmchen&type=0

Kommentar & Ergänzung:

In der Phytotherapie hat das Leberblümchen keine Bedeutung, weil es keine fundierten Erkenntnisse über seine Wirkung gibt. Deshalb hat es nicht weniger Wert. Schliesslich muss nicht jede Pflanze von uns genutzt werden können. Das Leberblümchen ist im Frühling einfach ein ästhetisches Erlebnis.

In der Homöopathie wird Hepatica nobilis eingesetzt bei Rachenkatarrh, mit reichlichem, serösem Sputum und Heiserkeit. Kitzeln und Reizung im Hals, sowie bei kratzendem und rauhem Gefühl. Begründete Hinweise auf eine spezifische Wirksamkeit dieser Anwendungen liegen allerdings nicht vor. Die Präparate werden trotzdem verkauft, weil Homöopathika generell ohne Wirksamkeitsnachweis zugelassen werden.

Die frische Leberblümchen-Pflanze bildet den Giftstoff Protoanemonin, der zu lokalen Hautreizungen führen kann und bei der Einnahme zu starken Reizungen im Magen-Darmtrakt mit Koliken und Durchfall. Reizungen können auch in den ableitenden Harnwegen auftreten.

Das Leberblümchen eignet sich also nicht als Wildsalat!!

Die Anwendung des Leberblümchens gegen Lebererkrankungen, Gelbsucht, Gallensteinen etc. aufgrund der leberähnlichen Blattform ist reine Spekulation. Diese Art der Signaturenlehre hatte allerdings nicht im Mittelalter, sondern in der Renaissance ihren Höhepunkt. Zu jener Zeit war die Signaturenlehre eingebettet in die damalige Kultur und in den Umgang mit Wissen und Erkenntnis.

Die Signaturenlehre war eine wichtige Strömung in der Geschichte der Pflanzenheilkunde. Wenn heute zum Teil wieder von Farben und Formen der Pflanzen auf ihre Heilwirkungen geschlossen wird, dann ist das allerdings ein Holzweg. Solche Interpretationen entstehen im Kopf des Menschen. Sie haben mit den Pflanzen nichts zu tun.

Zur Signaturenlehre siehe auch:

Pflanzenheilkunde: Nebulöse Aussagen vom Wesen der Pflanzen

Zum Wesen der Heilpflanzen –  Storchenschnabel gegen Schock?

Die fragwürdige Rede vom Wesen der Pflanzen

Pflanzenheilkunde: John Ray zur Signaturenlehre

Wilde Möhre, Leberblümchen und die Signaturen der Heilpflanzen

Von Schopenhauers Feldblume zu den Signaturen der Pflanzen

Wesenhafte Urtinkturen – genau Nachfragen statt blind Glauben

Signaturen der Pflanzen: Fragwürdiger Neuaufguss der Signaturenlehre

Naturheilkunde: Hoch fragwürdige Theorie von der Signatur der Pflanzen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weihrauch als Heilpflanze bei Rheuma und Darmentzündungen

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Die „Welt“ publizierte einen informativen Beitrag über Weihrauch.

Dabei kam auch die medizinische Wirkung zur Sprache:

„Sogar eine kleine medizinische Renaissance könnte das Weihrauchharz erleben, nachdem es als Arzneimittel weitgehend durch wirksamere synthetische Stoffe ersetzt worden war. In den 90er-Jahren fanden Pharmakologen im Harz eine Reihe von Substanzen, unter anderem die Boswellia-Säuren, die eine entzündungshemmende Wirkung haben sollen. So könnten sie möglicherweise Rheuma, chronische Darmentzündungen, Multiple Sklerose, Schuppenflechte, Asthma und die Beschwerden von Hirntumoren lindern

Die Forschung, in Deutschland vor allem an den Unis in Tübingen und Saarland, ist aber noch nicht abgeschlossen, es gibt erst wenige Studien mit Patienten. Eine Arzneimittelzulassung gibt es nicht.“

Quelle:

http://www.welt.de/wissenschaft/article13771012/Weihrauch-ist-eine-Wissenschaft-fuer-sich.html

Kommentar & Ergänzung:

In der Schweiz ist ein Weihrauchpräparat (H 15 Gufic) im Kanton Appenzell als Heilmittel zugelassen. Bei Rheuma (Arthritis) und Darmentzündungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) kommt Weihrauch in Tablettenform innerlich zur Anwendung. Weihrauchsalben, die seit einiger Zeit ebenfalls im Handel sind, eignen sich allenfalls bei Hautentzündungen (Neurodermitis, Psoriasis), aber nicht bei Rheuma. Es ist nämlich völlig ungeklärt, ob die Wirkstoffe durch die Haut aufgenommen werden können und auf diesem Weg eine Wirkung entfalten.

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Karma-Yoga: Abschaffung jeder Ethik?

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Ich höre immer wieder aus mehr oder weniger Esoterik-nahen Kreisen der Komplementärmedizin die Ansicht, dass wir „nicht werten“ sollen.

Dieses „Gebot“ halte ich für sehr problematisch, was ist mit einem Beispiel erläutern möchte.

Auf einer Karma-Yoga-Website finde ich folgenden Beitrag einer Lehrerin für Karma-Yoga unter der Überschrift:

„Tun und nicht werten“

Danach folgt:

《 Gestern Morgen habe ich von einer Freundin eine E-Mail bekommen, in der unter anderem der folgende Satz stand:

“Gleich frühstücke ich und dann muss/will/darf ich (such dir eines aus!) mit meinen Schwiegereltern, die bei uns zu Besuch sind, einen Ausflug machen.“

In meiner Antwort-Mail habe ich dazu geschrieben:
“Sag doch einfach: ‘… und dann mache ich mit meinen Schwiegereltern einen Ausflug. Ohne zu werten.”

Einfach tun, was gerade zu tun ist. Eines der Grundprinzipien des Karma Yoga.
Ohne Widerwillen, ohne Aufschub, ohne Murren, ohne Unlust.
Mit Gleichmut eben.

Wenn wir aufhören, unsere Aufgaben und Pflichten – die ja einen grossen Teil unseres Alltags beanspruchen! – in angenehm und unangenehm, erwünscht und unerwünscht aufzuteilen, und alles mit der gleichen liebevollen Hinwendung tun, wird unser Leben um einiges leichter! 》

Quelle:

http://www.karma-yoga.eu/?p=311

Kommentar & Ergänzung:

Einfach tun, was gerade zu tun ist. Ohne Aufschub, ohne Murren. Nicht werten.

Massenmörder und Folterknechte rechtfertigten und rechtfertigen weltweit ihre Taten damit, dass sie einfach ihre Aufgabe erfüllen,  ihre Pflicht tun, ohne Aufschub, ohne Murren.

Beispielhaft dafür ist die berüchtigte Rede von Reichsführer-SS Heinrich Himmler an 4. Oktober 1943 an einer SS-Gruppenführer-Tagung in Posen (Polen).

Hier ein paar Auszüge:

„Genau so wenig, wie wir am 30. Juni gezögert haben, die befohlene Pflicht zu tun und Kameraden, die sich verfehlt hatten, an die Wand zu stellen und zu erschiessen.“

Ohne zu zögern, ohne Aufschub, ohne Murren seine Pflicht tun……

„Von Euch werden die meisten wissen, was es heisst, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Und dies durchgehalten zu haben, und dabei — abgesehen von menschlichen Ausnahmeschwächen — anständig geblieben zu sein, hat uns hart gemacht und ist ein niemals genanntes und niemals zu nennendes Ruhmesblatt.“

…und dabei anständig geblieben sein…

„Insgesamt aber können wir sagen: Wir haben diese schwerste Aufgabe in Liebe zu unserem Volk getan. Und wir haben keinen Schaden in unserem Innern, in unserer Seele, in unserem Charakter daran genommen.“

..und auch schwerste Aufgaben mit Liebe erfüllen.

Das sind zentrale Punkte in der Ideologie des Heinrich Himmlers. Er redet sehr oft von Aufgaben und Pflichten, die zu erfüllen sind.

Quelle der Zitate aus der Posen-Rede:

http://www.holocaust-history.org/himmler-poznan/speech-text.shtml

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was denn der Massenmörder Heinrich Himmler mit dem Karma-Yoga zu tun habe, und ob dieser Vergleich nicht etwas gar abstrus sei.

Nun, Heinrich Himmler war ein Anhänger der indisch-buddhistischen Karma-Lehre. Sie war für ihn ein tiefes Glaubensdogma, auf das er immer wieder zu sprechen kam, und das er mehrmals für die Sinndeutung der eigenen Existenz in Anspruch nahm.

Die Bhagavadgita, die zentrale Schrift des Karma-Yoga, soll Himmler so geschätzt haben, dass er sie ständig bei sich trug.

Heinrich Himmler verglich Hitler mit dem in diesem Lehrgedicht auftretenden Gott Krishna.

Die Bhagavadgita liest sich fast wie ein Katechismus für die SS. Viele NS-Ideologen nahmen daher auf diese indische Kriegerschrift immer wieder Bezug.

Die Philosophie der Bhagavadgita wurde nach dem Kriege von rechtsextremer Seite als Legitimation von Auschwitz herangezogen.

(weitere Infos dazu: http://www.trimondi.de/H-B-K/inhalt.hi.htm)

Albert Schweitzer kommt in seinem 1935 geschriebenen Werk „Die Weltanschauung der Indischen Denker“ zu einer sehr kritischen Einschätzung der ethischen Wertvorstellungen wie sie in der Bhagavadgita zu finden sind.

„Er schreibt: Weil sich in ihr so wunderbare Sätze von der innerlichen Losgelöstheit von der Welt, von der hasslosen und gütigen Gesinnung und von der liebenden Hingebung an Gott finden, pflegt man das Nicht-Ethische, das sie enthält, zu übersehen. Sie ist nicht nur das meist gelesene, sondern auch das meist idealisierte Buch der Weltliteratur.“

(Quelle: Wikipedia)

Aber kommen wir zurück in die Gegenwart:

1. Das alte oder neue Esoterik-Gebot „Nicht Werten!“ stellt Werten als negativ dar und wertet damit selber. Ein eklatanter Selbstwiderspruch.

2. „Nicht werten“ kann ein angemessene Grundhaltung sein zum Beispiel in einem therapeutischen Setting oder während einer Meditationsübung. Wer aber „Nicht werten“ im Alltag propagiert, schafft jede Ethik ab.

Kein Mensch wir ohne Wertung einen Finger rühren, wenn in der S-Bahn jemand angegriffen oder angepöbelt wird. Nicht einmal einen Anruf bei der Polizei wird es geben, wenn nicht zuvor dieser Angriff als inakzeptabel gewertet wird.

3. Wie bitte sollen sich Menschen, die nicht werten, als Konsumenten verhalten. Der Kauf von Bio-Produkten beispielsweise basiert auf einer Wertung.

4. Wie bitte sollen sich Menschen, die nicht werten, als Staatsbürgerinnen und Staatsbürger verhalten. Jede Abstimmung, jede Wahl setzt eine Wertung voraus. Wer eine Grundhaltung des Nicht-Werten propagiert, stellt das Funktionieren demokratische Staatsformen in Frage.

Fazit: Meiner Ansicht nach ist die „Nicht-Werten-Propaganda“ ein kompletter Holzweg.

Wir sollten nicht weniger, sondern eher mehr werten.

Aber wir sollten zugleich auch so gut wie möglich lernen, sorgfältiger zu werten, genauer, differenzierter – weniger vorschnell und pauschal.

Dazu braucht es unter anderem ein Wissen darum, dass wir für unsere Wertungen keine absolute Gültigkeit beanspruchen können und dass sie perspektivisch sind. Das heisst auch, dass wir einerseits für unsere Wertungen mit Argumenten einstehen sollten, aber genauso bereit sein müssen, sie falls nötig zu revidieren.

P. S.:

– Sorgfältige Wertungen sind auch im Bereich Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin nötig.

Kriterien dazu bietet das Tagesseminar:

Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot

– Auf den ersten Blick irritiert das starke Interesse eines Heinrich Himmlers an den Lehren der Bhagavadgita. Das überrascht aber nur, weil weitgehend unbekannt ist, dass führende Exponenten des „Dritten Reiches“ stark von esoterischen Vorstellungen geprägt waren und zudem eng verbunden waren mit Naturheilkunde, Homöopathie, Anthroposophie, Schüssler Salzen  und Heilpflanzenkunde, die in jener Zeit politisch gefördert wurden.

Ich halte es für wichtig darüber nachzudenken, weshalb diese unsägliche Verbindung zwischen Naturheilkunde und Nationalsozialismus zustande kam und vor allem, weshalb ihre Weltbilder an vielen Punkten so kompatibel waren.

Die Fakten dazu im Tagesseminar

Naturheilkunde und Nationalsozialismus – eine fast unbekannte, unheilsame Verbindung – und was wir heute daraus lernen können

– Generell scheint es mir wichtig, dass wir vor allem bei traditionellen Heilmethoden verstehen, auf welchen Weltbildern sie gewachsen sind. Info dazu im Seminar:

Die Heilkräfte der Pflanzen im Wandel der Zeit – Beiträge zur Ideengeschichte der Pflanzenheilkunde

Vorgestellt werden die Welt- und Menschenbilder der magisch-mythischen Medizin, der antiken Viersäftelehre (Humoralpathologie), der mittelalterlichen Klostermedizin (Hildegard von Bingen), der Signaturenlehre der Renaissance (Paracelsus), der Bachblüten-Therapie und der Phytotherapie.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

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Signaturenlehre – was ist das?

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Die Signaturenlehre ist ein bedeutendes Konzept in der Geschichte der Pflanzenheilkunde. Ihre grösste Bedeutung hatte sie in der Renaissance. Der wichtigste Vertreter der Signaturenlehre aus dieser Zeit war Paracelsus (1493 – 1541). Wer die traditionelle Pflanzenheilkunde verstehen möchte, sollte sich fundiert mit der Signaturenlehre auseinandersetzten.

Allerdings werden heute unter dem Schlagwort Signaturenlehre auch die verschiedensten Heilungsversprechungen propagiert, die im Wesentlichen auf den Assoziationen und Fantasien von einzelnen „Erleuchteten“ basieren.

Damit werden Patientinnen und Patienten ausgenommen und getäuscht.

Mit der historischen Signaturenlehre haben solche „Egotrips“ aber nichts zu tun.

Im folgenden nun eine kurze Einführung in die historische Signaturenlehre mit Ausschnitten aus Wikipedia und daran anschliessend einen ergänzenden Kommentar von mir.

„Die Signaturenlehre ist die Lehre von den Zeichen in der Natur, die als Merkmale auf Ähnlichkeiten, Verwandtschaften und innere Zusammenhänge hinweisen. Analogien bestehen demnach zwischen Form, Farbe, Charakter, Geruch, Geschmack, Standort, Entstehungszeit, Farben, humoralpathologischen und astrologischen Zuordnungen und vielen weiteren Aspekten. Am prominentesten ist jedoch die Beziehung zwischen visuellen Ähnlichkeiten; gemäß dieser Logik sprach man beispielsweise der Bohne eine Heilwirkung bei Nierenleiden bei. Die Form der Walnuss prädestinierte sie für Behandlungen des Gehirns. Die Signaturenlehre beruht damit auf einem kosmischen Denken in Entsprechungen (universale Symphatie bzw. Mikrokosmos-Makrokosmos-Lehre) und ist als typische Denkform nicht-naturwissenschaftlicher Welterklärungsmodelle weltweit zu finden. Als Prinzip herrscht sie in der Mehrzahl sogenannter „traditioneller Heillehren“, die solche Kosmologien als Rahmen voraussetzen.

Die Signaturenlehre fand bereits im Altertum weite Anwendung und war im späten Mittelalter in einer prototypischen Form als Denkungsart bereits stark verbreitet, geht aber in ihrer konkreten schriftlichen Formulierung in Europa auf Paracelsus und den neapolitanischen Arzt und Alchemisten Giambattista della Porta (1538-1615) zurück, der in seinem Buch Phytognomonica anhand von Signaturen ein System von Zusammenhängen zwischen Pflanzen, Tieren und Gestirnen aufzeigt. Sie bleibt eine der grundlegenden Theorien der modernen Homöopathie, die versucht, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen. Deren Gründer Samuel Hahnemann verwarf lediglich volkstümlich verkürzende Vorstellungen.“

(Quelle: Wikipedia)

Grundannahmen der Signaturenlehre

„Die Signaturenlehre beruht auf der Grundannahme, dass sämtliche Erscheinungen und Wesen miteinander in Beziehung stehen. Sie bilden quer zu der Einteilung in Gattungen und Arten Verwandtschaftssysteme mit gleichartigen Eigenschaften. Etwas modifiziert, aber mit gleichen Folgerungen, bestand die Signaturenlehre unter den Vorzeichen des Christentums: Die Welt war von Gott vollkommen und auf den Menschen hin geschaffen. Die Signaturen waren somit auch Werk dieses Schöpfers. Dem Menschen kam es zu, diese Zeichen zu erkennen und richtig zu deuten.

Als Signaturen gelten unter anderem: Geruch, Geschmack, Farbe, Gestalt, Struktur, Beschaffenheit, Standort, Wachstumsphase und Lebensdauer. Diese werden verschiedenen Kategorien wie Elementen, Planeten oder Eigenschaften zugeordnet. Demnach hat eine bitter schmeckende Pflanze eine Beziehung zum Element Feuer, das mit der Sonne in Verwandtschaft steht und – unter anderem – Umwandlung und Anregung von Stoffwechselprozessen bewirkt.

Die Signaturenlehre ist nicht nur der europäischen Medizin bekannt. In der chinesischen und auch der ayurvedischen Medizin existieren ausgearbeitete Systeme der Zuordnungen nach Signaturen. So werden etwa in der chinesischen Medizin Geschmack, Geruch, Farbe, Tages-und Jahreszeiten, Elemente, Organe, Sinnesorgane und Körperteile unter anderem zu einem diagnostischen Konzept verbunden. Dieses ermöglicht bei eindeutigen Krankheiten die Auswahl passender Heilmittel, die in einem ebenfalls komplexen Zuordnungsschema erfasst sind.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Auseinandersetzung um die Signaturenlehre

„Verteidiger verweisen auf eine Reihe von Fällen, bei denen moderne wissenschaftliche Untersuchungen die Anwendungsbereiche der Signaturenlehre bestätigten. Die Walnuss – wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem menschlichen Hirn ein traditionelles Heilmittel bei Krankheiten des Kopfes – enthält tatsächlich für das Gehirn wertvolle Fettsäuren. Die Herbstzeitlose – wegen der Ähnlichkeit der Zwiebel mit einer gichtkranken Zehe gemäß der Signaturenlehre ein Mittel gegen Gicht – liefert tatsächlich wirksame Heilstoffe gegen diese Krankheit. Kritiker weisen jedoch auf die Zufälligkeit dieser Funde hin und führen an, dass sich für jeden Erfolg auch mehrere Beispiele nicht wirksamer Zuordnungen nachweisen lassen. So konnte beim Frauenmantel keine der dieser Pflanze zugesprochenen Wirkungen bei Frauenkrankheiten nachgewiesen werden. Auch das Lungenkraut, das wegen seiner getupften Blätter bei Lungenkrankheiten Verwendung fand, hat sich nach wissenschaftlichen Untersuchungen bis jetzt als weitgehend wirkungslos erwiesen. Zu den Heilmitteln der Signaturenlehre gehören allerdings auch Mittel, die heute sehr seltsam anmuten. So empfahl Nicolas Lémery 1697 in einem damals aufsehenerregenden Arzneibuch, den getrockneten und pulverisierten Schädel eines gewaltsam zu Tode gekommenen Menschen als Heilmittel gegen Hirnkrankheiten.“

(Quelle: Wikipedia)

Kommentar & Ergänzung:

Um die historische Signaturenlehre zu verstehen, muss man in erster Linie das Weltbild verstehen, in welches sie eingebettet ist.

Oder anders gesagt: Wer sich in der Pflanzenheilkunde auf historische Begriffe wie die „Signaturenlehre“ beruft, muss den kulturgeschichtlichen Kontext mitberücksichtigen.

Wer sich für dieses faszinierende Thema interessiert, bekommt dazu fundierte und gut verständliche Informationen im Seminar

Die Heilkräfte der Pflanzen im Wandel der Zeit – Beiträge zur Ideengeschichte der Pflanzenheilkunde

Vorgestellt werden an diesem Seminar Konzepte der Magisch-mythische Medizin, der Viersäftelehre (Humoralpathologie) der Antike, der Klostermedizin im Mittelalter (Hildegard von Bingen), der Signaturenlehre der Renaissance (Paracelsus), der Bach-Blütentherapie und der Phytotherapie.

Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den gegenwärtig herumschwirrenden willkürlich konstruierten „Signaturen der Pflanzen“ finden Sie hier:

Pflanzenheilkunde: John Ray zur Signaturenlehre

Wilde Möhre, Leberblümchen und die Signaturen der Heilpflanzen

Von Schopenhauers Feldblume zu den Signaturen der Pflanzen

Signaturen der Pflanzen – fragwürdiger Neuaufguss der Signaturenlehre

Naturheilkunde: Hoch fragwürdige Theorie von der Signatur der Pflanzen

Die Pflanzenheilkunde muss historisch fundiert sein, wenn sie auf traditionelle Konzepte baut.

Das heisst aber auch, dass eine sorgfältige Auseinandersetzung mit traditionellen Konzepten nötig ist.

Tradition hat nämlich nicht immer einfach Recht. Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

P.S.: Zum Hinweis im Wikipedia-Text  auf eine Wirkung der Herbstzeitlose bei Gicht ist noch eine Warnung angebracht: Herbstzeitlose gehört zu den stärksten Giftpflanzen. Sie enthält das Alkaloid Colchicin, welches präzis dosiert im Gichtanfall hilft, aber nur  noch selten eingesetzt wird. Rezeptpflichtig. Keine Selbstbehandlung !!!

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hildegard-Medizin

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Hildegard von Bingen (1098 – 1179) ist eine faszinierende Frauengestalt des Mittelalters. Die Äbtissin war nicht nur eine religiöse Visionärin. Sie hat auch medizingeschichtlich wichtige Schriften zur Heilkunde geschaffen. Auf dieser Basis entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten eine Hildegard-Medizin, in der Heilpflanzen eine wichtige Rolle spielen.

Ich stelle hier zuerst die Hildegard-Medizin anhand von Zitaten aus Wikipedia vor und füge am Schluss einen Kommentar dazu.

Zur Entstehung der Hildegard-Medizin:

„Der Begriff Hildegard-Medizin wurde 1970 von dem Arzt Gottfried Hertzka eingeführt, der sich auf Schriften von Hildegard von Bingen beruft. Die Verbreitung der Hildegard-Medizin konzentriert sich auf den deutschen Sprachraum, vor allem auf Österreich und Deutschland. In einer Forsa-Umfrage vom Jahre 2003 gaben 3 Prozent der befragten Deutschen an, Hildegard-Medizin anzuwenden.“

(Quelle: Wikipedia)

Geschichtliche Grundlagen der Hildegard-Medizin:

„Die Hildegard zugeschriebenen Werke, die Hertzka als Grundlage verwendet, heißen Causae et curae (Ursachen und Behandlungen) und Physica. Der ursprüngliche Titel der Physica lautete Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum, also Buch von den Feinheiten der verschiedenen Naturen der Geschöpfe. Hildegard von Bingen gibt an, darin visionäre, d.h. göttlich inspirierte Einsichten dargelegt zu haben.

Sie beschreibt die Krankheitsentstehung entsprechend der antiken Vorstellung der Säftedyskrasie:

‚Wenn die vorgenannten Säfte im Menschen die richtige Ordnung und das rechte Maß bewahren […], so befindet er sich in Ruhe und in körperlicher Gesundheit. Haben sie sich aber in Gegensatz zueinander gestellt, dann machen sie ihn […] hinfällig und krank.'“

(aus: Hildegard von Bingen: Ursachen und Behandlung der Krankheiten)

Den vier konstitutionsbedingenden Säften, die bei Hildegard allerdings andere Namen tragen als in der von der Antike bis in die Neuzeit gängigen Viersäftelehre, entsprechen die vier Elemente, mit denen der Mensch untrennbar verbunden ist.

‚… liefern die Elemente, wie sie die ganze Welt zusammenhalten, ebenso auch den Zusammenhang für den menschlichen Körper. Ihre Ausbreitung und ihre Pflichten verteilen sie im Menschen so, dass er von ihnen immerfort im Gang erhalten wird, ebenso wie die Elemente auch durch die ganze übrige Welt ausgebreitet sind und wirken. Feuer, Luft, Wasser und Erde sind im Menschen, und aus diesen besteht er.'“

(aus: Hildegard von Bingen: Ursachen und Behandlung der Krankheiten)

Zur Authentizität der Hildegard-Medizin:

„Da die Originalhandschriften nicht erhalten sind und die Texte in Form von Abschriften der dritten Generation (13. bis 15. Jahrhundert) auf uns gekommen sind, ist die überwiegend vertretene Auffassung, dass Physica und Causae et curae in der vorliegenden Form nicht vollständig von Hildegard stammen. Hertzka behauptet dagegen, es handle sich um einen auf weite Strecken praktisch unverfälschten Text.

Heinrich Schipperges sah in seiner Edition der Causae und curae das astrologische Kapitel sowie einzelne offensichtliche Zusätze und Wiederholungen als unecht an und ließ sie aus. Schipperges weiter: ‚Daraus darf nicht geschlossen werden, dass weite Strecken oder die gesamte Textgebung unecht wären. Wir haben aus inneren und äußeren Kriterien genügend Beweisstücke für die Autorschaft Hildegards.‘ Der Medizinhistoriker Klaus-Dietrich Fischer ist ebenfalls der Auffassung, dass ‚man die Authentizität der Hildegard zugeschriebenen naturkundlich-medizinischen Werke nicht in Abrede stellen (sollte, erg.), denn Hildegards Denkweise und ihr Sprachstil sind so eigentümlich, daß an der Verknüpfung mit den visionären Werken und den dort überlieferten Aussagen zu Anthropologie, Natur und Kosmos kein vernünftiger Zweifel bestehen kann.“‘ Das vertritt auch eine französische Publikation: ‚[…] la manière et la matière du traité sont hildegardiennes dans leur grande majorité‘.(Deutsch: […] die Art und der Stoff des Werkes sind weit überwiegend hildegardisch.)

Historiker rechnen die Schriften auch nicht den so genannten Visionsschriften zu, die göttlich inspiriert seien, sondern bezeichnen sie als naturheilkundliches Alltags- und Erfahrungswissen des Mittelalters. ‚Die Komplexität der Textgeschichte dieser beiden Werke (…) fand in den Werken zur ‚Hildegard-Medizin‘ keine Rezeption, sondern zeigt vielmehr, wie fragwürdig die bisher unter Hildegards Namen tradierte Textgrundlage des medizinisch-naturkundlichen Werkes ist‘ (I. Müller, 1998). Als Forschungsstand kann festgehalten werden, dass die Texte ‚Physica‘ und ‚Causae et curae‘ zu den nicht visionären Schriften zählen, die in ihrer Textrezeption mannigfachen Veränderungen unterworfen waren.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu den Methoden der Hildegard-Medizin:

„Dazu gehören Pflanzenheilkunde, Ernährungsregeln, Ausleitungsverfahren und Edelsteintherapie.

Die Behandlung nach Hildegard von Bingen, so wie sie von Hertzka und Strehlow vertreten wird, beruht auf

– Vorschriften über maßvolle und ausgewogene Ernährung. Hildegard hob Kräuter und Gewürze hervor, außerdem Dinkel, Sellerie, Edelkastanie und Fenchel. Hildegard: ‚Der Dinkel ist das beste Getreide, und er ist warm und fett und kräftig, und er ist milder als andere Getreidearten, und er bereitet dem der ihn ißt, rechtes Fleisch und rechtes Blut, und er macht frohen Sinn und Freude im Gemüt des Menschen.‘

– Anwendung zahlreicher pflanzlicher Arzneien, Minerale, aber auch Edelsteine, manchmal unter Berücksichtigung der Mondphase.

– Ausleitungsverfahren wie Aderlass und Schröpfen, Fasten, Schwitzbäder.

– Geregelter Wechsel von Ruhe und Aktivität.

– Seelische Reinigung durch Liebe und Hoffnung, Musik, Gebet und Meditation.

In der Ernährungstherapie wird primär der Dinkel als universelles Lebens- und Heilmittel eingesetzt. Die Renaissance des Dinkels, sein Erscheinen in vielen Reformhäusern und der therapeutische Einsatz bei chronischen Zivilisationserkrankungen verdankt der Dinkel nicht zuletzt der ‚Hildegard-Bewegung‘.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Kritik an der Hildegard-Medizin:

1. Allgemeine Kritik

„Josef Sudbrack fordert eine differenzierte Sicht des audio-visionären Geschehens bei Hildegard. So kritisiert er, dass Hildegards Worte zu einem zeitüberhobenen Wahrheitszeugnis von solch unbestreitbarer Qualität gemacht werden, wie es die Theologie nicht einmal den Worten des Neuen Testaments zuerkennt. Andererseits stellt er fest, dass die ernste Forschung seltsam zögert, dem Visionären in Hildegards Schrifttum rechten Raum zu gewähren.

‚Die Autorität dieser Hildegard-Medizin beruht auf der Annahme bzw. Voraussetzung, bei den uns überkommenen medizinischen Schriften Hildegards handele es sich um göttliche Offenbarung, also Gottes medizinische Botschaft für die leidende Menschheit (wobei an den christlichen Gott, speziell den von Katholiken verehrten, gedacht ist). Die zahlreichen beobachteten Heilungen erwiesen diese Annahme als zutreffend; auch im eher theoretischen Bereich der Physiologie und Pathologie seien erstaunliche Kenntnisse dargelegt, die unserer heutigen wissenschaftlichen Sicht z. T. entsprächen, z. T. über sie hinausgingen. Diesen Anspruch erhebt Hildegard selbst allerdings nicht.‘

Die Medizinhistorikerin Irmgard Müller, die zu den naturheilkundlichen Schriften Hildegards publiziert hat, bezeichnet die so genannte Hildegard-Medizin als nicht authentisch und nicht auf den Hildegard zugeschriebenen Schriften basierend. Zutreffend müsste sie daher eigentlich als ‚Hertzka-Medizin‘  bezeichnet werden. Es handele sich um ein ‚therapeutisches Konstrukt profitbewußter Marktstrategen‘.

Diese kritische Auffassung vertritt auch der Historiker Axel Helmstädter: ‚Hertzka und Strehlow verfolgen einen stark kommerzialisierten Ansatz, indem sie suggerieren, dass die medizinischen Empfehlungen Hildegards göttlichen Ursprungs sind. Das kann jedoch nicht stimmen, da die von Hildegard zusammengetragenen medizinischen Texte nicht auf ihren visionären Erfahrungen beruhen wie ihre religiösen Abhandlungen. Die ‚Hildegard-Medizin‘ im 21. Jahrhundert repräsentiert ein typisches Beispiel der aktuellen Alternativmedizin. Die Methoden basieren zumeist auf historischen Ansätzen, die in der Lage sind, die Öffentlichkeit zu beeindrucken.’“

(Quelle: Wikipedia)

Zu Gottfried Hertzka schreibt Wikipedia:

„ Der Mystikforscher Josef Sudbrack meinte bezüglich Hertzkas Deutung des visionären Charakters der medizinischen Schriften Hildegards: „Hertzka hat Richtiges erahnt, wenn auch zu apodiktisch, zu logisch-eindeutig und zu polemisch formuliert.'“

2. Kritik der Hildegard-Medizin aus medizinischer Sicht

„Es gibt keine unabhängigen empirischen Studien über die Wirkung der Hildegard-Medizin. Die Behandlungsmethoden entstammen zwangsläufig dem Denken und Wissen des Mittelalters; viele Ansichten über Gesundheit und Krankheit gelten medizinisch als überholt. Es ist auch nicht möglich, die von ihr verwendeten zeitgenössischen Begriffe für Krankheiten und Heilmittel einfach in die heutige Zeit zu übertragen. Die empfohlenen Heilpflanzen können nicht immer mit Sicherheit identifiziert werden, die Mengenangaben sind oft sehr ungenau. Der Nutzen von Ausleitungsverfahren ist umstritten. Fastenkuren sind nicht für jeden Menschen geeignet und sollten nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

In einer Stellungnahme von Promed Verein gegen unlautere Praktiken im Gesundheitswesen heißt es: ‚Die unter dem Begriff ‚Hildegard-Medizin‘ gesammelten medizinischen Verfahren, die auf mittelalterlichen und mystischen Vorstellungen beruhen, sind nicht geeignet, bei Krankheiten Besserungen jenseits eines Placebo-Effekts zu erzielen. Nicht definierte Präparate werden mit diesem Begriff belegt und gewinnbringend überteuert vertrieben. […] Von einer Eigentherapie nach den Grundideen der ‚Hildegard-Medizin‘ ist bei Beschwerden ernsterer Natur dringend abzuraten.““

(Quelle: Wikipedia)

Kommentar & Ergänzung:

Die Beschäftigung mit der Biografie und den Schriften Hildegard von Bingen’s ist sehr lohnenswert. Auch mit den medizinischen Schriften.

Allerdings gibt es Anhängerinnen und Anhänger der Hildegard-Medizin, die jede Aussage Hildegards als die absolute Wahrheit betrachten. Diesen Dogmatismus halt ich für sehr problematisch. Tradition hat nicht einfach Recht. Man muss sich mit ihr auseinandersetzen.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Und wenn man die Empfehlungen Hildegard von Bingen’s erfassen will, muss man ihr Welt- und Menschenbild verstehen, soweit das überhaupt möglich ist. Man kann nicht einfach eine Zitat Hildegard’s wie im „Word“-Programm isolieren und ausschneiden und es im Jahr 2011 wieder einfügen. Dadurch verliert es seinen geschichtlichen Kontext.

Wer die Tradition der Pflanzenheilkunde ernst nehmen will, sollte daher die damit verbundenen Weltbilder kennenlernen. Nur so lassen sich die traditionellen Aussagen in ihrem Kontext verstehen.

Wer sich für die faszinierenden geschichtlichen Grundlagen der Pflanzenheilkunde interessiert, bekommt einen fundierten Einblick im Seminar

Die Heilkräfte der Pflanzen im Wandel der Zeit – Beiträge zur Ideengeschichte der Pflanzenheilkunde

Es geht um Magisch-mythische Medizin, Viersäftelehre (Humoralpathologie) der Antike, Klostermedizin (Hildegard von Bingen), Signaturenlehre (Paracelsus), Bach-Blütentherapie, Phytotherapie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Signaturen der Pflanzen – Bemerkungen zu Bedeutung und Hintergründen

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Die sogenannte „Signaturenlehre“ war vor allem in der Renaissance ein wichtiges Element in der Pflanzenheilkunde. Sie ging von der Annahme aus, dass Heilpflanzen uns beispielsweise durch ihre Farben und Formen sagen, wozu sie für uns gut sind. Paracelsus (1493 – 1541) sah zum Beispiel im Augentrost Wimpern und schloss daraus auf eine Wirksamkeit bei Augenerkrankungen.  Die Signaturenlehre war aber nicht so simpel, wie das auf den ersten Blick aussieht und wie sie heute zum Teil wieder ziemlich oberflächlich propagiert wird. Sie war eingebettet in eine zeitbedingte Anordnung des Wissens entlang von Ähnlichkeiten. Michel Foucault (1926 – 1984) hat diese Anordnung des Wissens als „Episteme der Ähnlichkeit“ beschrieben.

Seit einigen Jahren ist im Bereich einer esoterisch geprägten Pflanzenheilkunde wieder von den Signaturen der Heilpflanzen die Rede, die man erkennen müsse, um ihre Wirkungen zu erkennen. Dies geschieht meinem Eindruck nach in einer höchst unhistorischen und oberflächlichen Art, die aber viele Sehnsüchte nach dem Wunderbaren und nach einer harmonischen Naturbeziehung  anspricht.

Meiner Ansicht nach wäre es hier nötig, den historischen und philosophischen Kontext dieser Signaturenlehre zu verstehen. Wer sich nämlich damit befasst hat, fällt nicht so leicht auf dogmatische Aussagen über ein angeblich wahres „Wesen“ der Heilpflanzen herein. Ein „Wesen“ notabene, welches die Heilpflanzen über ihre Signaturen natürlich nur auserwählten sensitiven Pflanzenfreunden und Heilern enthüllen…..

Zum geschichtlichen und philosophischen Kontext der Signaturenlehre hat Hans Blumenberg (deutscher Philosoph, 1920 – 1996) Wichtiges geschrieben, und zwar in einem kleinen Bändchen mit dem Titel „Die Sorge geht über den Fluss“ (Suhrkamp 1987). Er schreibt dort im Kapitel „Nebenfolgen des Sinnbedarfs“:

„In einer sinnhaften Welt muss es Hinweise, Orientierungen, Wegweiser, Gebrauchsanweisungen, Zeichen, Signaturen geben. Jedes Kraut muss erkennen lassen, wofür der aus ihm gebrauchte Trank gut sein könnte. Keiner ist Günstling der Natur ohne Grund; aber wer es ist, versteht vor allem die Zeichen zu lesen, auch die auf den Stirnen, wie der unsägliche Lavater, und hält Gericht, noch bevor Gerichtstag ist.“

Blumenberg beschreibt hoch präzis die Konsequenzen einer solchen sinngetränkten Welt:

„Doch ist die Annahme, in einer sinngesteuerten Welt zu leben, in der jedes Ereignis im Prinzip auf sein Warum und Wohin befragbar – wenn auch nicht immer auskunftswillig – sein muss, nicht ohne Risiken. In einer solchen Welt wird man schwerlich von einem sichtbaren Leiden betroffen, ohne nicht selbst  und mehr noch vor den anderen der Überlegung ausgesetzt zu sein, für welche geheime Verwerflichkeit man dies nun als Strafe zugewiesen erhalten habe. Die Unglücklichen sind nicht nur unglücklich, sie sind dazu noch als Schuldige an ihrem Unglück gezeichnet, wenn die Welt durch und durch sinnvoll geordnet ist. Wir sind ja bis zum heutigen Tag, trotz einer Serie von Aufklärungen und Glanzleistungen der hinterfragenden Vernunft, der billigen Alltagsweisheit nicht vollends entronnen, mit der man bestimmte stigmatisierende Krankheiten und Gebrechen besser verbirgt, weil man die diffuse Vermutung zu meiden hat, irgendwer – die Eltern oder Vorväter oder man selbst – werde da schon entsprechend gesündigt haben, selbst wenn man sich modernerer Ausdrücke bedient.

Es ist die Kehrseite der Medaille einer sinnträchtigen Welt, dass man in ihr wissen kann oder zu wissen glaubt oder zu wissen angehalten wird, wer jeweils an was schuld ist.“

Im Bereich der Krankheiten sind die Bücher von Thorwald Dethlefsen und Rüdiger Dahlke meines Erachtens prägnante Beispiele für etikettierende Sinnzuschreibungen, welche Schuldzuschreibungen im Schlepptau hinter sich her ziehen.

Die „Nebenfolgen des Sinnbedarf“, die Hans Blumenberg beschreibt, scheinen mir sehr bedenkenswert. Es gibt eine „Sinntrunkenheit“, die durchaus problematischen Folgen haben kann.  Und deshalb sollte man meines Erachtens nicht unreflektiert irgendwelche „Signaturen der Pflanzen“ propagieren.

Siehe auch:

Pflanzenheilkunde: Nebulöse Aussagen vom Wesen der Pflanzen

Zum Wesen der Heilpflanzen – Storchenschnabel gegen Schock?

Die fragwürdige Rede vom Wesen der Pflanzen

Pflanzenheilkunde: John Ray zur Signaturenlehre

Wilde Möhre, Leberblümchen…und die Signaturen der Heilpflanzen

Von Schopenhauers Feldblume zu den Signaturen der Pflanzen

Signaturen der Pflanzen: Fragwürdiger Neuaufguss der Signaturenlehre

Naturheilkunde: Hoch fragwürdige Theorie von der Signatur der Pflanzen

Ausserdem:

Im Kurs „Die Heilkräfte der Pflanzen im Wandel der Zeit“ wird die historische Signaturenlehre eingehender vorgestellt, zusammen u. a.mit Magischer Medizin, Humoralpathologie (Viersäfte-Lehre), Klostermedizin (Hildegard von Bingen), Signaturenlehre (Paracelsus).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

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Was seit Jahrtausenden angewandt wird, muss wirksam sein. Solche Begründungen für traditionelle Heilmittel oder Heilmethoden hört man aus der Komplementärmedizin oder Alternativmedizin ziemlich häufig. Meines Erachtens ist dieses Argument ausgesprochen fragwürdig und schwach. Das heisst aber keineswegs, dass die Tradition gering geschätzt werden sollte.

Vor allem die Pflanzenheilkunde hat eine lange und faszinierende Geschichte, die uns als Anregung und Inspirationsquelle dienen kann.

Dabei sind aber ein paar wichtige Punkte zu beachten:

1. Die Tradition hat nicht immer Recht. Die Medizingeschichte zeigt, dass auch Jahrhunderte lange Erfahrung den Irrtum nicht unbedingt zeigt. Deshalb braucht es sorgfältige, kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Heilmethoden. Die Phytotherapie leistet diese Arbeit, in dem altes Heilwissen mit wissenschaftlichen Methoden überprüft und dabei wenn mögliche bestätigt oder widerlegt wird.

2. Es ist ein Irrtum zu glauben, was sich als Heilmittel oder Heilmethode über lange Zeit halte, müsse zwangsläufig auch wirksam sein. Der Medizinhistoriker und Sinologe Paul U. Unschuld hat überzeugend dargelegt, dass eine Methode ihren „Wahrschein“ bekommt, weil sie mit dem historischen und kulturellen Umfeld kompatibel ist und mit gesellschaftlichen Interessen übereinstimmt

(in: „Was ist Medizin? Westliche und östliche Wege der Heilkunst“, erhältlich im Buchshop).

3. Der rechtfertigende Verweis auf „Tradition“ geschieht heute meines Erachtens viel zu oberflächlich. Man kann nicht einfach ein Zitat beispielsweise von Hildegard von Bingen (1098 – 1179) oder von Paracelsus (1493 – 1541) wie mit einer „Ausschneiden“-Taste im Word-Programm aus dem Mittelalter oder der Renaissance herauslösen, und anschliessend mit der „Einfügen“-Taste ins Jahr 2011 transplantieren.

Das heisst: Man kann so etwas natürlich schon machen, nur wird dabei der historische und philosophische Kontext vollkommen ausgeblendet. Solche hochgradig isolierten Versatzstücke dann noch als „ganzheitlich“ zu propagieren ist allerdings sehr fragwürdig.

Hildegard von Bingen und Paracelsus sind sehr interessante Persönlichkeiten der Medizingeschichte. Wer ihre Aussagen und Empfehlungen in die Gegenwart übernehmen will, sollte sich aber meines Erachtens auch mit dem Weltbild, dem Menschenbild und dem Verständnis von Krankheit und Gesundheit in der jeweiligen Epoche vertraut machen – weil alle Aussagen aus jener Zeit auf’s engste mit solchen Kontextaspekten verflochten sind.

Wer sich mit diesen historisch-philosophischen Grundlagen der traditionellen Pflanzenheilkunde vertraut machen will, bekommt dazu gut verdauliches und konzentriertes „Futter“ am Kurs

Die Heilkräfte der Pflanzen im Wandel der Zeit“. Schwerpunkte sind dabei die Magische Medizin, die Vier-Säfte-Lehre (Humoralpathologie), die Klostermedizin im Mittelalter (Hildegard von Bingen), die Signaturenlehre der Renaissance (Paracelsus), die Bachblüten-Therapie und Phytotherapie.

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Pflanzenheilkunde: John Ray zur Signaturenlehre

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John Ray, 1627 – 1705), der bedeutendste Botaniker vor Linné, hat sich in seinem Werk „Catalogus Plantarum circa Cantabrigiam nascentium“ (Cambridge, 1660) kritisch mit der Signaturenlehre auseinandergesetzt, die davon ausgeht, dass Heilpflanzen mit ihren Farben und Formen aussagen, wofür sie gut sind. Da diese Kritik auch heute noch aktuell ist, hier das entsprechende Zitat und anschliessend einen Kommentar dazu:

„ Wir sind der Sache aufmerksam nachgegangen und zur Überzeugung gelangt, dass die Signaturen keine Zeichen natürlicher Eigenschaften und Kräfte sind, welche die Natur den Pflanzen eingeprägt hat. 1. Von den Pflanzen, denen eine spezifische Eignung für einen bestimmten Körperteil oder eine Krankheit nachgesagt wird, hat die Mehrheit keine Signatur, was leicht nachzuweisen ist bei Herz, Brust, Schädel und Leber. 2. Unterschiedliche Teile der einzelnen Pflanze, etwa Blätter, Wurzeln, Blüten und Samen, haben nicht nur unterschiedliche, sondern sogar sich widersprechende Signaturen. 3. Viele Pflanzen gleichen natürlichen oder künstlichen Objekten, zu denen nicht die geringste Affinität besteht, wie z.B. Orchideenblüten, die wie Spinnen, Frösche, Bienen oder Schmetterlinge aussehen. Diese Ähnlichkeiten sind hier so frappant (wie ich nebenbei wohl bemerken darf), dass sie jedem sofort auffallen und keiner sie für zufällig halten kann; die Natur hat dies klar beabsichtigt. Es gleichen die Samenkapseln des Hirtentäschchens einer Tasche, Thlaspi kleinen Schalen, Antirrhinum vulgaris einem Kalbskopf; Pisum cordatum ist herzförmig geprägt, ebenso das Blatt bei bestimmten Arten von Medick; Tragopogon gleicht einem Ziegenbart, die Wurzel der Erdnuss einer Maus, Iris und Gladiole einem Schwert, das Blattwerk von Fenugreek gleicht Hörnern: zu keinem dieser Wesen besteht eine Beziehung. 4. Die Teile einiger Pflanzen stellen Körperteile dar, denen sie aufs heftigste zuwider sind. So gleicht die Frucht von Anacarditum zwar einem Herzen, ist aber giftig; der Saft von Wolfsmilch ist wie Milch, aber niemand ist so einfältig und gibt ihn einer stillenden Mutter; das Fleisch von Mespilus gleicht menschlichem Kot, auch in der Färbung, ist aber als Abführmittel ungeeignet. Fungus ignarius, der auf Baumstrünken wächst, sieht zwar lungenförmig aus, ist aber für die Lunge trotzdem schädlich, ja gefährlich. Es nähme kein Ende, wollte ich alle Beispiele aufzählen. 5. Die gleichen Körperteile können von verschiedensten, oft widersprüchlichen Leiden betroffen sein, die nach ebenso verschiedenen Heilmitteln verlangen. Je nach Pflanzenart besitzen die Teile von gleicher Erscheinung und Form die unterschiedlichsten Eigenarten; bei einigen, z.B. bei der Narzisse, verursachen die zwiebelförmigen Wurzeln Brechreiz, während die Knollen der Tulpen sehr angenehm zu essen sind. 7. Die Anzahl der Signaturen ist weder so gross noch die Signatur selber so deutlich und allgemein erkennbar, dass man auf einen Hinweis oder gar absichtlichen Plan der Natur schliessen dürfte. Es gibt derart viele Pflanzenarten: selbst wenn sie alle aufs Mal und durch Zufall entstanden wären, hätte jeder intelligente und fantasiereiche Mensch alle heute bekannten Signaturen erfinden können.“

Kommentar & Ergänzung:

John Ray stellt an dieser Stelle seines Werkes fundiert und detailliert die Signaturenlehre in Frage, die hauptsächlich in der Renaissance weit verbreitet war. Die Signaturenlehre geht davon aus, dass Pflanzen uns durch ihre Formen und Farben verraten, welche Heilwirkungen in ihnen steckt. So sollten zum Beispiel gelb blühende Pflanzen den Gallenfluss steigern, weil die Galle (angeblich) gelb ist. Und tatsächlich kennen wir einige gelb blühende Gallenpflanzen, was die Vorstellungen der Signaturenlehre scheinbar bestätigt. Allerdings geht auch hier – nach Karl Popper – die Theorie der Erfahrung voraus. Wer die Vorstellung hat, dass gelbe Pflanzen gut für Gallenleiden sind, wird gelbe Pflanzen bei diesen Krankheiten speziell beachten, mit ihnen Erfahrungen sammeln und dann tatsächlich gelb blühende Pflanzen finden, welche in diesen Fällen nützlich sind. So bestätigt sich die Theorie scheinbar, weil die Erfahrung vorselektioniert wurde. Hätte die Annahme gelautet, blaue Pflanzen seien gut für die Galle, wären blaue Pflanzen in diesem Zusammenhang besonders beachtet und darunter auch einige als gallenwirksam entdeckt worden. Die Signaturenlehre käme also auch bei dieser Variante zu ihrem „Wahrschein“.

Die Signaturenlehre ist historisch gesehen sehr bedeutend und spannend. Sie hatte viel Einfluss darauf, welche der gut 3000 Blütenpflanzen Mitteleuropas als Heilpflanzen beachtet und genutzt werden. Falls Sie sich für diese historische Signaturenlehre interessieren, empfehle ich Ihnen meinen Kurs über „Die Heilkräfte der Pflanzen im Wandel der Zeit“.

Allerdings muss meines Erachtens auch deutlich gesagt werden: Zwar kann man zu jeder Pflanze unzählige Ähnlichkeiten finden, doch John Ray hat schon im 17. Jahrhundert überzeugend dargelegt, dass kein Zusammenhang besteht zwischen Farben und Formen der Pflanzen und ihren Heilwirkungen.

Pflanzen entwickeln ihre Formen und Farben für sich und nicht als Hinweis für uns.

Die Signaturenlehre spricht jedoch die Bedürfnisse vielen Menschen an, indem sie den schönen Eindruck vermittelt, dass die Pflanzen uns etwas zu sagen haben und dass wir gemeint sind. Damit stellt sich der Mensch allerdings sehr ins Zentrum der kosmischen Veranstaltung. Die Signaturenlehre wurzelt in einer ziemlich anthropozentrischen Naturauffassung. In der Renaissance, auf dem Höhepunkt der Signaturenlehre, verstand sich der Mensch als die Krone der Schöpfung. Pflanzen und Tiere waren um des Menschen willen da. Inzwischen spricht jedoch viel dafür, dass wir nicht so überaus wichtig sind in der Natur, als dass Pflanzen uns durch Formen und Farben mitteilen würden, wofür sie gut sind. Nur schon eine kleine Prise menschlicher Bescheidenheit stellt die Signaturenlehre fundamental in Frage. Weil sie jedoch das Bedürfnis nach einer besonderen Stellung des Menschen so gut bedient, findet die Signaturenlehre wieder Anklang, wird in sehr unhistorischer und oberflächlicher Form propagiert und ziemlich gedankenlos geglaubt. Das scheint mir ausgesprochen fragwürdig und irreführend. Wenn es um Gesundheit und Krankheit geht, sind wir verpflichtet, sorgfältig zu prüfen, ob unsere Empfehlungen plausibel begründet und sorgfältig dokumentiert sind. Für die heute herumgereichten, hoch spekulativen Signaturen der Pflanzen trifft das meines Erachtens nicht im Ansatz zu. Wer im Bereich von Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde Wirkungen von Heilpflanzen aus Signaturen ableitet, täuscht in meinen Augen die Patientinnen und Patienten und gefährdet möglicherweise sogar ihre Gesundheit.

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