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Bockshornklee im Stilltee?

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Im der Zeitschrift „Phytotherapie Austria“ (Nr. 1 / 2013) hat Reinhard Länger einen informativen Artikel geschrieben zum Thema Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum). Der Autor geht darin auch auf die Anwendung von Bockshornklee als Laktagogum ( = Milchfluss steigerndes Mittel) in Stilltees ein:

„Samen des Bockshornklees erfreuen sich auch als Komponente in sogenannten Stilltees großer Beliebtheit. Vereinzelt finden sich in der Literatur Hinweise, dass die Samen traditionell als Laktagogum verwendet wurden, die Datenlage dazu ist aber äußerst dürftig. Obwohl die Mengen an Bockhornkleesamen in den Teemischungen eher gering sind, können Auswirkungen auf den mütterlichen und kindlichen Blutzuckerspiegel sowie eventuelle Auswirkungen der Steroide am kindlichen Organismus nicht abgeschätzt werden. Daher sollten diese Samen nicht in Stilltees zum Einsatz kommen.“

Kommentar & Ergänzung:

Bockshornklee in Stilltees – diese Anwendung steht tatsächlich auf wackligen Füssen – auch wenn sie immer wieder vorkommt – zum Beispiel im Weleda Stilltee.

Ein Einfluss auf den mütterlichen und kindlichen Blutzuckerspiegel kann ich mir allerdings nicht recht vorstellen. Von den Polysacchariden im Bockshornklee ist ein solcher Einfluss jedenfalls nicht zu erwarten. Sie verzögern zwar die Glukoseaufnahme. Dazu wären aber viel grössere Mengen nötig, als mit einem Stilltee zugeführt werden. Länger schreibt:

„Die Polysaccharide dürften, sofern sie in sehr großen Mengen aufgenommen werden (im Tierversuch waren 2 x täglich 50 g notwendig!), die Resorption von Glukose, Triglyceriden und Cholesterin aus dem Darm reduzieren.“

Allerdings kann Bockshornkleesamenextrakt durch Förderung der Insulinausschüttung hypoglykämisch wirken, also den Blutzuckerspiegel senken.

Heikler scheinen mir eher die Steroide:

„Daneben sind auch etwa 2-3 Prozent Steroide enthalten (Grundstruktur des Diosgenins).“

Diosgenin ist ein Steroidsaponin, das auch in der Yamswurzel vorkommt und als Ausgangsprodukt für die Herstellung von Progesteron verwendet wurde – einem Sexualhormon. Bei der Einnahme findet diese Umwandlung im Körper allerdings nicht statt (schreibt „Pharmawiki“).

Bockshornklee wird zudem in vielen Ländern im Nahen Osten, in Afrika und  in Spanien als Nahrungsmittel verwendet. Ausserdem ist er ein wesentlicher Bestandteil des Currypulvers.

Alles in allen ist es schwer vorstellbar, dass mit einem Anteil von Bockshornklee im Stilltee ein Risiko verbunden sein könnte, 100%ige Gewissheit gibt es in dieser Hinsicht aber nicht. Weil ein Nutzen des Bockshornklee als Laktagogum jedoch nicht glaubwürdig ist, macht es Sinn, auf seine Anwendung zu verzichten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Wilde Yamswurzel bei Wechseljahrbeschwerden

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Im Pharmawiki  wurde gerade ein neuer Artikel veröffentlicht über die Wilde Yamswurzel.  Darin wird die Wirksamkeit von Yamssalbe und Yams-Kapseln zur Linderung von Wechseljahrbeschwerden in Frage gestellt:

„Das getrocknete Rhizom der wilden Yamswurzel Dioscorea villosa wird in Form von Kapseln und als Salbe zur Behandlung von Wechseljahrbeschwerden eingesetzt. Die Wirksamkeit ist umstritten, da die Inhaltsstoffe der Pflanze im Körper nicht – wie häufig falsch angenommen und kommuniziert wird – zu weiblichen Sexualhormonen umgewandelt werden.“

(Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Wilde%20Yamswurzel)

Die Wilde Yamswurzel enthält in großen Mengen Diosgenin, das dem Gelbkörperhormon ähnlich ist und in verschiedenen Publikationen auch als „natürliches“ Progesteron bezeichnet wird. Doch obwohl Diosgenin natürlichen Ursprungs ist, unterscheidet es sich stark vom Gelbkörperhormon, welches im Körper der Frau hergestellt wird.

Für die Medikamentenherstellung wird Progesteron in mehreren chemischen Syntheseschritten aus dem natürlichen Ausgangsstoff Diosgenin gewonnen.

Die Verwendung von Yamsssalbe oder Yamskapseln basiert auf der Annahme, dass der menschliche Organismus Diosgenin aufnimmt und dann je  nach Bedarf zu Progesteron oder Östrogen umbaut. Allerdings ist kein menschliches Enzym bekannt, das diesen Umbau bewirken könnte.

Die entsprechenden Yams-Produkte sind als Nahrungsergänzungsmittel oder als Kosmetika zugelassen und nicht als Arzneimittel registriert. Daher müssen die Hersteller für diese Präparate auch keine Wirksamkeit dokumentieren.

Nochmals Pharmawiki:

„Die Anwendung bei Wechseljahrbeschwerden beruht auf einem Missverständnis. Die Yamswurzel wurde zur chemisch-synthetischen Gewinnung von weiblichen Sexualhormonen und anderer Steroidhormone verwendet (z.B. Progesteron aus Diosgenin). Bei der Einnahme oder der lokalen Anwendung findet diese Umwandlung im Körper jedoch nicht statt (!).“

Zur Yamswurzel siehe auch:

Yamswurzel-gel bei PMS und Wechseljahrbeschwerden

Dass das Einreiben einer Yamscreme gut tun kann, steht ausser Frage. Eine hormonelle Wirkung sollte man sich davon aber eher nicht erhoffen.

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Medikamente beim Prämenstruellen Syndrom (PMS)

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Zur Behandlung der Beschwerden beim Prämenstruellen Syndrom (PMS) gibt es verschiedene nichtmedikamentöse Massnahmen (z. B. körperliches Training, Stressmanagement, Muskelentspannung, diätetische Ansätze).

Darüber hinaus kommen oft auch Medikamente zum Einsatz.

Die Medical-Tribüne hat in einem Artikel zum Thema PMS die wichtigsten Medikamentengruppen vorgestellt.

– Diuretika: „… während der Lutealphase möglich. In plazebokontrollierten Untersuchungen linderte Spironolacton (100 mg/Tag) PMS-Beschwerden deutlich.“

– Psychopharmaka: „Metaanalysen plazebokontrollierter Studien zufolge ließen körperliche und psychische PMS-Symptome unter SSRI1, z.B. Fluoxetin, Paroxetin, Citalopram sowie Sertralin, und SNRI2 (Venlafaxin) nach. Anxiolytika wie Alprazolam und Buspiron wirken schwächer als SSRI.“

– Phytopharmaka: „Falls Patientinnen pflanzliche Medikamente bevorzugen: Ein Fruchtextrakt aus Vitex agnus castus (Keuschlamm) meisterte ebenfalls die Prüfung in plazebokontrollierten Studien.

-Hormonelle Therapie: „Bei der hormonellen Therapie kann man z.B. die Ovulation unterdrücken, das Spektrum reicht von oralen Kontrazeptiva über GnRH-Agonisten und Gonadotropin-Inhibitoren bis hin zur Ovar bzw. Hysterektomie, infrage kommen aber auch Ansätze, bei denen der Eisprung nicht unterdrückt wird (z.B. Progesteron).“

Die Medical-Tribune empfiehlt:

„Die Risiko- Nutzen-Abwägung sollte individuell mit entsprechenden Spezialisten erfolgen.“

Quelle der Zitate:

http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=65229&dspaid=970920

Kommentar & Ergänzung:

Mönchspfeffer (Keuschlamm) gehört in der Phytotherapie zu den Heilpflanzen, die bezüglich Wirksamkeit auch wissenschaftlich gut belegt sind.

PMS ist aber ein sehr komplexes Geschehen und Mönchspfefferextrakte werden nicht in jedem Falle helfen. Sieht man sich aber die Risiken und Nebenwirkungen der anderen vorgestellten Arzneimittel an, so schneidet Mönchspfeffer in dieser Hinsicht ausgesprochen gut ab.

Ein Versuch mit Mönchspfeffer dürfte daher in vielen Fällen eine gute Option sein.

In der Schweiz sind verschiedene Heilpflanzen-Präparate mit Mönchspfefferextrakt im Handel:

Agnolyt Kapseln (Max Zeller, Romanshorn)

Emoton (Tentan, Itingen)

Oprane (Vifor, Villars-sur-Glâne)

Prefemin (Max Zeller, Romanshorn)

Premens (Zeller Medical, Romanshorn)

Ungeklärt ist die Wirksamkeit von Mönchspfeffertee und Mönchspfeffertinktur.

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Wechseljahre – Keine Linderung von Hitzewallungen durch Soja

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Zahlreiche Frauen mit Beschwerden in den Wechseljahren suchen nach Alternativen zu synthetischen Hormonpräparaten. Ob Soja helfen kann, haben Forscher nun erneut untersucht.

Die ersten Stadien der Menopause sind gekennzeichnet durch raschen Knochendichteverlust, vaginale Trockenheit, Hitzewallungen und Schlafstörungen. Als Alternative zur Hormonersatztherapie waren bisweilen Sojatabletten im Gespräch.

Eine Östrogentherapie mit oder ohne Progesteron schützt vor zahlreichen Veränderungen hauptsächlich in der ersten Zeit der Wechseljahre.

Doch die Resultate der WHI-Studie (women’s health initiative) haben diese Behandlungsform gegen Knochendichteverlust, Schlafstörungen, Hitzewallungen und Scheidentrockenheit in Verruf gebracht.

Denn die Hormonersatztherapie (HRT) steigerte die Brustkrebsrate und bewirkte vermehrt kardiovaskulären Ereignissen.

Frauen wie auch Ärzte suchen deshalb nebenwirkungsarme Alternativen.

Als Alternative zur Hormonersatztherapie waren bisweilen Sojatabletten oder Sojaprodukte im Gespräch.

Da Frauen in Asien viele der Wechseljahresprobleme westlicher Frauen nicht kennen oder deutlich weniger ausgeprägt darunter leiden, lag die Vermutung nahe, dies könne etwas mit dem teils hohen Verzehr an Sojaprodukten zusammenhängen. In zahlreichen Nahrungsergänzungsmitteln für Frauen in den Wechseljahren sind deshalb Soja-Isoflavone enthalten.

Eine Studie mit knapp 250 Frauen kam allerdings zu einem negativen Resultat für Sojaisoflavone.

Die teilnehmenden Frauen – alle in den ersten fünf Jahren der Menopause – bekamen zwei Jahre lang entweder hochdosierte Soja-Isoflavone ( = Verum) oder Placebo (ein Scheinmedikament).

Die Verumdosis (also Soja-Isoflavone) entsprach der doppelten Menge an Soja-Isoflavonen, die in asiatischer Diät mit dem höchsten Sojaanteil enthalten ist (Arch Int Med 2011; 171: 1363).

Die Resultate sind ernüchternd. Bei der Knochendichte gab es keine Differenzen zwischen beiden Gruppen:

Die DXA-Werte –  gemessen an mehreren Stellen – unterschieden sich nicht signifikant.

Hinsichtlich der Wechseljahresbeschwerden fiel das Resultat für die Soja-Isoflavone sogar schlechter aus: Zum Studienende berichtete jede zweite Frau in der Sojagruppe über Hitzewallungen, in der Placebogruppe jedoch nur jede dritte.

Und 31 Prozent der Teilnehmerinnen in der Sojagruppe berichteten über Darmträgheit, in der Placebogruppe waren es 21 Prozent. Die Differenz war nicht signifikant.

Zwar sei es nötig, Frauen in der Menopause auch Alternativen zur HRT anzubieten, so die Wissenschaftler. Soja-Isoflavone seien jedoch angesichts der Studiendaten dafür nicht geeignet.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/article/665393/hilft-soja-wechseljahren.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Kommentar zu dieser Studie schreibt Michael Hubert in der „Aerztezeitung“:

„Es wäre so schön gewesen: Mit einer Sojapille sind alle Wechseljahresbeschwerden auf einmal verflogen. Hitzewallungen weg, Schlafstörungen verschwunden, Scheide wieder feucht, die Knochen dicht.

Doch Beobachtungen wie jene, dass Asiatinnen weniger Wechseljahresbeschwerden haben als Frauen aus Europa oder Amerika, sind das eine. Die Folgerung, dies liege am hohen Verzehr von Sojaprodukten, ist das andere. Soja-Isoflavone mögen positive Effekte haben, Wechseljahresbeschwerden aber verhindern sie nicht, hat jetzt eine Studie ergeben.“

Soja-Produkte sind als Nahrungsergänzungsmittel registriert, aber nicht als Arzneimittel. Darauf spielt Hubert an wenn er schreibt:

„Wollen Frauen gegen Hitzewallungen etc. etwas tun, bleiben Arzneimittel. Hier sind in der Indikation Wechseljahresbeschwerden sowohl pflanzliche als auch synthetische Arzneien zugelassen. Anders als Nahrungsergänzungsmittel haben sie einen bedeutenden Vorteil: Für ihre Zulassung musste der Hersteller die Wirksamkeit nachweisen.“

Dieser Unterschied ist vielen Konsumentinnen und Konsumenten nicht klar. Heilpflanzen-Produkte können als Nahrungsergänzungsmittel oder als Arzneimittel zugelassen sein. Nahrungsergänzungsmittel wie zum Beispiel die Soja-Produkte bzw. Isoflavone brauchen ihre Wirksamkeit nicht zu dokumentieren.

Bei den pflanzlichen Arzneimitteln, und hier ist der Kommentar nicht ganz präzis, gibt es solche mit einer Zulassung auf der Basis von langjähriger Anwendung (traditionelle Heilpflanzen-Präparate), die ihre Wirksamkeit auch nicht belegen müssen, und es gibt eine ganze Reihe von Phytopharmaka, die genauso wie synthetische Medikamente durch klinische Studien belegt sind.

Im Bereich der Hitzewallungen sind das Heilpflanzen-Extrakte auf der Basis von Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa).

Bei schweren Wechseljahressymptomen reicht ihre Wirkung allerdings in der Regel und dann wird eine Hormonersatztherapie oft zum Thema. Dann sollten Gynäkologinnen und Gynäkologen die Frauen über Nutzen und Risiken aufzuklären und dann selbst entscheiden zu lassen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/article/665383/soja-nicht-stoff-alles.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Frauenmantel – Frauenpflanze mit Tradition

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Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) gilt in der traditionellen Pflanzenheilkunde als universales Frauenheilmittel bei Menstruationsbeschwerden, Wechseljahrsbeschwerden, Ausfluss und Unterleibsentzündungen. Frauenmantel soll die weiblichen Organe stärken, den Aufbau der Vaginalflora unterstützen und zahlreichen Frauenkrankheiten vorbeugen. Sogar der Neigung zu Fehlgeburten soll Frauenmanteltee entgegenwirken, nach Schwangerschaft und Geburt der Erholung dienen und die Milchbildung fördern.

Eine solch umfassende Heilwirkung bei allen Frauenkrankheiten ist allerdings schwer nachvollziehbar und die gynäkologischen Anwendungsbereiche des Frauenmantels sind auch nicht dokumentiert. Ein sorgfältiger Umgang mit dieser Heilpflanze muss deshalb genau klären, in welchen Situationen eine Anwendung wirklich Sinn macht, und wann andere Frauenpflanzen wie beispielsweise Mönchspfeffer oder Traubensilberkerze passender sind.

In manchen Texten wird Frauenmantel als „Progesteron-Pflanze“ bezeichnet. Plausible Gründe für diese Zuschreibung habe ich aber noch keine zu Gesicht bekommen.

Die Geschichte des Frauenmantels ist sehr faszinierend. Von allen Frauenpflanzen hat der Frauenmantel wohl die interessantesten historischen Wurzeln.

Das PTA-Forum schreibt dazu:

„Der Name Alchemilla ist dem arabischen Wort »al-kemelih« entlehnt und bedeutet Alchemie. Im Mittelalter erregten vor allem die silbrig glänzenden Tautropfen der Blätter, die sich über Nacht am Blattrand bilden und dann am Grund des Blattkelches zu einem großen Tropfen sammeln, das Interesse der Alchimisten. Diese Tropfen sind keine »gewöhnlichen« Tautropfen, sondern von der Pflanze »ausgeschwitzte« Wassertröpfchen. Kleine Drüsen an den Zähnchen des Blattrandes, so genannte Hydathoden, wirken wie winzige Überdruckventile und geben in Abhängigkeit von der Luftfeuchtigkeit überschüssiges Wasser ab. Botaniker nennen diesen Vorgang »Guttation«. Fasziniert von diesem Phänomen sammelten die Alchimisten morgens bei Sonnenaufgang dieses »Himmelswasser«, um daraus magische Essenzen und den »Stein der Weisen« zu bereiten. Das kristallklare Guttationswasser entsprach ihren Vorstellungen eines besonders reinen Wassers. Auf diese einzigartige Tropfenbildung beziehen sich auch die volkstümlichen Namen Tränenschön, Taublatt oder Tauschüsselchen.“

Quelle:

http://www.pta-forum.de/index.php?id=383

Kommentar & Ergänzung:

Wenn Sie sich für die faszinierende Geschichte der Pflanzenheilkunde interessieren, bietet das folgende Seminar einen fundierten und gut verständlichen Einstieg

Die Heilkräfte der Pflanzen im Wandel der Zeit – Beiträge zur Ideengeschichte der Pflanzenheilkunde

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Mönchspfeffer bei Kinderwunsch

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Frauen mit einem unregelmäßigen Zyklus kann bei Kinderwunsch der Mönchspfeffer helfen. Auch beim Prämenstruellen Syndrom (PMS) wird das Heilpflanzen-Präparat oft verschrieben. Das schreibt die Zeitschrift „Eltern“ in einem erfreulich differenzierten und fundierten Artikel.

Zitat:

„Der Mönchspfeffer kann Frauen mit Zyklusbeschwerden helfen. So werden Mönchspfeffer-Präparate gerne bei prämenstruellen Schmerzen verschrieben. Auch Frauen mit Wechseljahresbeschwerden können sich vom Mönchspfeffer Linderung erhoffen. Denn die Früchte der Pflanzen helfen dem Körper dabei, den Hormonhaushalt zu regulieren.“

Präzisieren müsste man hier meines Erachtens, dass Mönchspfeffer  bei Wechseljahresbeschwerden vor allem im Frühklimakterium sinnvoll sein kann und weniger später, wenn Wallungen auftreten.

Der Text schildert dann gut verständlich den Einfluss von Mönchspfeffer auf den Prolaktinspiegel:

„Frauen, die unter dem prämenstruellen Syndrom leiden, haben häufig erhöhte Prolaktin-Werte. Dieses Hormon wird normalerweise vermehrt während der Schwangerschaft und vor allem während der Stillzeit ausgeschüttet. Es regt die Milchbildung an und sorgt während der Schwangerschaft dafür, dass die Brustdrüsen wachsen. Für Frauen, die nicht schwanger sind und nicht stillen, kann ein erhöhter Prolaktinwert jedoch zu Problemen führen: Denn Prolaktin kann zum Ausbleiben des Eisprungs führen. Auch für ein Spannungsgefühl in der Brust oder Niedergeschlagenheit können erhöhte Prolaktinwerte verantwortlich sein. Der Mönchspfeffer kann hier helfen, denn er ist bekannt dafür, die Prolaktinproduktion im Körper zu drosseln.“

Auch die günstige Wirkung von Mönchspfeffer bei Gelbkörpermangel (Corpus-luteum-Insuffizienz) wird beschrieben:

„Das Gelbkörperhormon oder Progesteron wird in der zweiten Zyklushälfte nach dem Eisprung gebildet und bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung der befruchteten Eizelle vor. Auch nach der Einnistung wird weiter Progesteron gebildet, dann vor allem von der Plazenta. Das Gelbkörperhormon hat für Frauen, die sich ein Kind wünschen, also eine besondere Bedeutung. Denn wenn der Körper zu wenig Gelbkörper entwickelt, kann sich das Ei nicht in der Gebärmutter einnisten. Mönchspfeffer fördert die Bildung von Gelbkörperhormonen und kann daher bei einem Gelbkörpermangel unterstützend eingesetzt werden.“

Quelle:

http://www.eltern.de/kinderwunsch/fruchtbarkeit/moenchspfeffer.html

Kommentar & Ergänzung:

Mönchspfeffer  ( = Keuschlamm) wird als Extrakt angewendet. Während beim Prämenstruellen Syndrom (PMS) eine Selbstmedikation mit einem Mönchspfeffer-Präparat möglich ist – also ein Versuch auf eigene Faust durch ein frei verkäufliches Präparat – braucht es bei unerfülltem Kinderwunsch eine ärztliche Abklärung. Mönchspfeffer macht hier nur Sinn, wenn eine Hyperprolactinämie (erhöhter Prolactinspiegel) bzw. Gelbkörperschwäche vorliegt.

Siehe auch:

Mönchspfeffer bei unerfülltem Kinderwunsch

Natürlich gibt es auch mit Mönchspfeffer keine Erfolgsgarantie bei unerfülltem Kinderwunsch. Für die Wirksamkeit bei dieser Indikation gibt es zwar Hinweise aus Studien, aber keine zweifelsfreien Belege. Mönchspfeffer ist die einzige Heilpflanze, die bei dieser Indikation plausibel begründet werden kann, ganz im Gegensatz zu sehr fragwürdigen Empfehlungen wie zum Beispiel dem Storchenschnabel.

Siehe auch:

Pflanzenheilkunde: Storchenschnabeltee gegen Kinderlosigkeit?

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Über Pflanzenheilkunde und die Hormone der Frau…..

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Darüber berichtet der „Kurier“ und zitiert dazu Aussagen der Gynäkologin Univ.-Prof. Doris Gruber von der MedUni Wien und des Hormonspezialisten Univ.-Prof. Johannes Huber. Ausdrücklich erwähnt werden Mönchspfeffer (Keuschlamm, Vitex agnus-castus) und Yamswurzel:

„Der nächste Schritt führt in die Welt der Pflanzenheilkunde. ‚Die Nachfrage nach natürlichen Alternativen zu Hormonen nimmt generell zu’, erklärt Gruber. Die Gynäkologin empfiehlt in dem Fall Kombinationspräparate, die etwa Mönchspfeffer enthalten. Studien mit Frauen, die unter Zyklusstörungen leiden, hätten bei mehr als zwei Drittel der Betroffenen Erfolge gezeigt. Doch auch bei solchen Präparaten könne es mitunter zu Nebenwirkungen kommen: Übelkeit, Magenbeschwerden oder Ausschläge etwa. Alternativ empfiehlt Huber die Yamswurzel – sie wirkt ähnlich.“

Quelle:

http://kurier.at/nachrichten/gesundheit/2084320.php

Kommentar & Ergänzung:

Mönchspfeffer zählt in der Phytotherapie zu den wichtigen Heilpflanzen mit Wirkung auf den Hormonhaushalt der Frau.

Allerdings muss hier präzisiert werden, für welche Situationen Mönchspfefferpräparate geeignet sind. Hauptsächlich geht es dabei um Beschwerden im Bereich des Prämenstruellen Syndroms (PMS), im Frühklimakterium, also in der frühen Phase der Wechseljahre, und um Zyklusstörungen auf der Grundlage einer Gelbkörperschwäche (Corpus-Luteum-Insuffizienz).

Wichtig zudem: Bei Mönchspfeffer-Präparaten gibt es grosse Qualitätsunterschiede und nur wenige Produkte sind in ihrer Wirkung belegt. Vor allem bei Mönchspfeffertinktur sind diesbezüglich grosse Zweifel angebracht. Auch bezüglich „Kombinationspräparaten“ wäre ich eher skeptisch. Mono-Präparate, die nur Mönchspfeffer-Extrakt enthalten, sind in der Regel besser belegt und klarer in ihrem Wirkungsprofil.

Die Yamswurzel enthält Diosgenin, ein Stoff, der dem körpereigenen Hormon Progesteron der Frau ähnelt. Die Wirkung der Yamswurzel ist aber noch sehr ungenügend geklärt. Auch gibt es – zumindestens in der Schweiz – keine offiziell als Heilmittel zugelassenen Yams-Präparate. Yamswurzel ist deshalb vor allem als Nahrungsergänzungsmittel im Handel, was bedeutet, dass eine allfällige Heilwirkung nicht geklärt und dokumentiert ist. Es scheint hier wieder einmal so zu sein, dass das „Business“ schon wie geschmiert läuft, bevor auch nur die nötigsten Fragen geklärt sind.

Zur Wirkung der Yamswurzel siehe auch:

Yamswurzel-Gel bei PMS und Wechseljahrbeschwerden

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Mönchspfeffer bei unerfülltem Kinderwunsch

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Unter dem Titel „Die Fruchtbarkeit natürlich fördern“, berichtet das Nachrichtenportal „Yahoo-News“ über Empfehlungen bei unerfülltem Kinderwunsch:

„Hat sich ein Paar für Nachwuchs entschieden, sind Vorfreude und Erwartungsdruck oft groß – genau wie die Enttäuschung, wenn auch Monate später noch keine Schwangerschaft eingetreten ist.“

Als Experte wird in der Meldung Manfred Steiner zitiert, Landesvorsitzender Baden-Württemberg im Berufsverband der Frauenärzte:

„Viele Frauen interessieren sich daher für Methoden, welche die Fruchtbarkeit auf natürlichem Wege steigern sollen“.

Doch bevor der Frauenarzt eine Empfehlung aussprechen könne, gelte es zunächst die Rahmenbedingungen abzuklären. „Die Fertilität einer Frau hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, so muss beispielsweise zunächst geklärt werden, ob prinzipiell ein Eisprung stattfindet“, erklärt der Gynäkologe aus Ihringen bei Freiburg. Eine Fehl- oder Unterernährung wie sie zum Beispiel bei Bulimie oder Magersucht vorkomme, aber auch starkes Übergewicht könne einen Eisprung von vornherein verhindern. „Auch bei Frauen, die extrem viel Sport treiben oder beruflich unter Dauerstress stehen, kann eine veränderte Hormonausschüttung den Eisprung verschieben oder sogar ganz unterdrücken.“

Bei gesunden Frauen mit Eisprung rät Manfred Steiner zu Präparaten mit Fruchttrockenextrakten aus Mönchspfeffer. „Dessen fruchtbarkeitsfördernde Wirkung ist zwar nicht direkt durch Studien belegt. Allerdings senkt Mönchspfeffer erwiesenermaßen den Prolaktinspiegel. Und von diesem Hormon wiederum ist bekannt, dass es zum Ausbleiben des Eisprungs beitragen kann.“ Gleichzeitig steigert Mönchspfeffer die Produktion von Progesteron, auch Gelbkörperhormon genannt, das die Gebärmutter auf das Einnisten der Eizelle vorbereitet.

Quelle:

http://de.news.yahoo.com/17/20101008/thl-die-fruchtbarkeit-natuerlich-foerder-3f611bb.html  / Dapd

Kommentar & Ergänzung:

Mönchspfeffer ist für die Phytotherapie eine der wichtigsten Heilpflanzen im Bereich Gynäkologie. Mönchspfeffer-Extrakte kommen vor allem zur Anwendung beim Prämenstruellen Syndrom (PMS) und in den frühen Wechseljahren (Frühklimakterium). Die Anwendung bei unerfülltem Kinderwunsch ist ein interessantes Nebenthema beim Mönchspfeffer (= Keuschlamm, Vitex agnus castus).

Sehr zurecht wird in der Meldung betont, dass es vorgängig eine gynäkologische Abklärung braucht, denn Mönchspfeffer hilft nicht einfach in jedem Fall, sondern wohl vor allem dann, wenn die Kinderlosigkeit mit einem zu hohen Prolaktinspiegel verbunden ist (Hyperprolaktinämie). Für solche Situationen gibt es zwar keine die Wirksamkeit belegenden Studien (im Gegensatz zur Indikation PMS, wo solche Studien vorliegen), doch lässt sich der Einsatz von Mönchspfefferpräparaten zu mindestens plausibel begründen.

Zu beachten ist meines Erachtens auch, dass es bei den Mönchspfefferpräparaten grosse Qualitätsunterschiede. Eine Senkung des Prolaktinspiegels ist nur bei verhältnismässig hohen Wirkstoffkonzentrationen zu erwarten und ist nur dokumentiert bei standardisierten Mönchspfeffer-Extrakten. Ein Teil der Apotheken und Drogerien verkauft aber stattdessen Mönchspfefferprodukte mit höheren Gewinnmargen, zum Beispiel spagyrische Tinkturen. Alle Studien zum Thema Mönchspfeffer sind aber mit standardisierten Trockenextrakten gemacht worden. Diese Ergebnisse lassen sich nicht auf die völlig anders hergestellten Spagyrik-Präparate übertragen. Wer also eine spagyrische Mönchspfeffertinktur anwendet muss also wissen, dass deren Wirksamkeit nirgends belegt ist. Es fehlt an diesem Punkt sehr oft auch an Transparenz in Apotheken und Drogerien, die auf solche Unterschiede aufmerksam machen müssten.

Mönchspfefferpräparate sind nicht rezeptpflichtig, doch werden standardisierte Mönchspfeffer-Extrakte, deren Wirksamkeit belegt ist, von den Krankenkassen über die Grundversicherung bezahlt, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt (das gilt für die Schweiz).

Bei unerfülltem Kinderwunsch ist Mönchspfeffer jedenfalls die viel plausiblere „Naturmedizin“ als der in dieser Hinsicht sehr fragwürdige, aber oft propagierte Storchenschnabel (Geranium robertianum, Stinkender Storchenschnabel, Ruprechtskraut). Siehe dazu:

Pflanzenheilkunde: Storchenschnabel gegen Kinderlosigkeit?

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Heilpflanzen-Präparate bei Frauen-Beschwerden wirksam

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Fundierte Empfehlungen zur Wirkung von Heilpflanzen bei gynäkologischen Beschwerden wie PMS oder Hitzewallungen veröffentlichte vor kurzem der „Kurier“.
Hier eine überarbeitete Zusammenfassung mit anschliessender Ergänzung:

Rund 150 Symptome werden unter dem Begriff „Prämenstruelles Syndrom“ (PMS) zusammengefasst. Gemeint sind damit körperliche und psychische Beschwerden kurz vor der Menstruation. Früher auch von Gynäkologen oft als nicht behandlungswürdig abgetan, wird PMS heute akzeptiert – zumal es auch gut therapierbar ist.

“PMS ist eine Veränderung, die Frauen wirklich belastet“, erklärt Univ.-Prof. Doris Gruber von der Universitäts-Frauenklinik am Wiener AKH. Ein sehr typisches Symptom seien etwa Stimmungsschwankungen. Aber auch Kopfschmerzen, schmerzhaftes Brustspannen (Mastodynie) sowie Schlafstörungen können den Alltag vor der Monatsblutung stark trüben.

„Manche Frauen mit Beschwerden sind froh, wenn sie hören, dass es so etwas wie ein Krankheitsbild gibt und man etwas dagegen tun kann“, stellt auch die Wiener Gynäkologin Silvia Artner fest. Mehr als die Hälfte der Frauen im fruchtbaren Alter leiden an PMS-Beschwerden, am häufigsten treten sie im Alter zwischen 30 und 45 Jahren auf. Bei rund zwei bis zehn Prozent der betroffenen Frauen wird eine sehr starke Form, die Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS), diagnostiziert. Silvia Artner: „In meiner Praxis erlebe ich auch Frauen, die im Alltag völlig außer Gefecht gesetzt sind.“

Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle für diese monatlich wiederkehrende Störung.

Als eine Ursache wird heute der zyklusbedingte Mangel des Gelbkörperhormons (Progesteron) nach dem Eisprung vermutet. „Das könnte auch Reizbarkeit und depressive Verstimmungen erklären, da Progesteron im Gehirn eine stimmungsaufhellende Wirkung hat, die in der zweiten Zyklushälfte eben fehlt“, sagt Prof. Doris Gruber.

Früher verschrieben Ärzte auch bei PMS oft Hormonpräparate. Gruber erklärt dazu: „Damit ist man heute deutlich zurückhaltender. Die Verordnung der Pille kann aber tatsächlich zu günstigen Ergebnissen führen.“
In den vergangenen Jahren setzen zahlreiche Gynäkologen verstärkt auf Präparate aus Heilpflanzen (Phytopharmaka), weil Hormonpräparate wegen der möglichen Gefahr, Brustkrebs auszulösen, ins Gerede gekommen sind.

Mönchspfeffer bei PMS

Mönchspfefferextrakte (in Kapselform erhältlich) zum Beispiel fördern die Progesteronbildung. „In Studien erzielte Mönchspfeffer eine gleich gute Wirksamkeit wie Verhütungsmittel – sowohl gegen körperliche als auch psychische PMS-Symptome.“ Artner setzt in ihrer Praxis neben Mönchspfeffer auch auf Yamswurzel und Nachtkerzenöl, die beide ähnlich wirken. „Bei jeder Patientin steht ein anderes Symptom im Vordergrund. Darauf wird die Behandlung abgestimmt. Eine Wirkung ist dann meistens nach drei Monaten erkennbar.“

Bei leichtem PMS hilft häufig schon eine Umstellung der Lebensgewohnheiten. „Eine kohlehydratreiche Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse und Obst ist wesentlich besser als rotes Fleisch, viel Kaffee und Alkohol“, erklärt Artner. Stress sollte wenn möglich in der zweiten Zyklushälfte vermindert werden. Und auch Bewegung wirke bei PMS wie ein Medikament: „Es ist wissenschaftlich belegt, dass PMS bei Frauen, die zwei Mal pro Woche Sport betreiben, wesentlich seltener auftritt, als bei anderen. Der Unterleib wird besser durchblutet, deshalb kommt es seltener zu Krämpfen. Auch Endorphine werden ausgeschüttet. Sport ist also eine sehr gute PMS-Prophylaxe.“

Phytohormone vermindern Hitzewallungen

Die Beschwerden zahlreicher Frauen während der Menopause, auch Wechseljahre oder Klimakterium genannt, sind wie beim PMS hormonell bedingt. Allerdings ausgelöst durch einen starken Östrogenmangel, weil die Eierstöcke ihre Produktion einstellen. Betroffene Frauen klagen oft über Hitzewallungen und depressive Verstimmungen, aber auch über Schmerzen beim Sex. „Das geht bis zu massiven Einbußen in der Lebensqualität. Manche Patientinnen haben bis zu 80 Hitzewallungen pro Tag“, erklärt die Wiener Gynäkologin Silvia Artner.

Diese Beschwerden durch Hormonpräparate auszugleichen wird heute differenzierter gesehen: „Ein Zusammenhang zwischen Brustkrebs und einer Hormonersatztherapie besteht. Wenn schon, dann so gering und so kurz wie möglich einsetzen. Früher wurde sie teilweise zehn Jahre durchgehend verordnet. Aufklärung und eine gute Brustkrebsvorsorge sind ebenso wesentlich.

„

Sehr bewährt hätten sich jedoch sogenannte Phytohormone mit ähnlicher Wirkung, aber auf pflanzlicher Basis und dadurch ohne Nebenwirkungen. Artner erklärt dazu: „Hier gibt es mittlerweile eine Menge an Präparaten im Apothekenhandel.“
Ob also Soja-, Rotklee- oder Traubensilberkerzenextrakt – Artner hält sie für wirksam: „Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sie alle gute Wirkungen zeigen. Hitzewallungen können etwa ganz verschwinden oder zumindest um 20 bis 30 Prozent reduziert werden.“
Quelle:
www.kurier.at

Kommentar & Ergänzung:

Im Bereich der Gynäkologie hat die Phytotherapie-Forschung in den letzten Jahrzehnten grosse Fortschritte gemacht. Vor allem die Wirkung von Mönchspfeffer und Traubensilberkerze sind inzwischen gut belegt.

Fundierte Beiträge zu Themen aus dem Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde sind in der Presse allerdings ausgesprochen selten. Dieser Artikel im „Kurier“ ist erfreulicherweise wieder einmal ein solcher Text.
Ergänzt werden könnte nur noch:

– Bei PMS ist die Wirkung von Mönchspfeffer ( = Keuschlamm, = Vitex agnus-castus) deutlich besser dokumentiert als die Wirkung von Nachtkerzenöl und Yamswurzel.

– Bei Hitzewallungen scheint mir die Wirkung von Extrakten aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) besser dokumentiert als die Wirkung von Rotklee-Extrakt oder Soja-Extrakt. Auch könnte grundsätzlich auch die Anwendung von Phytohormonen bzw. Phytoöstrogenen mit einem Risiko bezüglich Förderung von Brustkrebs verbunden sein. Extrakte aus Taubensilberkerze gelten in der Phytotherapie-Fachliteratur in dieser Hinsicht als sicher.
– Im Frühklimakterium ist statt Traubensilberkerze Mönchspfeffer sinnvoll, wenn zuerst die Progesteron-Werte sinken und dadurch ein relativer Östrogenüberschuss entsteht, zum Beispiel bei Stimmungseinbrüchen und PMS-ähnlichen Symptomen. Wenn Hitzewallungen auftreten, steht allerdings wieder klar die Traubensilberkerze im Vordergrund.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Yamswurzel-Gel bei PMS und Wechseljahrbeschwerden?

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Yamswurzelpräparate werden in der Presse häufig als “natürliche Hormonpräparate” zur Behandlung von menopausalen und prämenstruellen Beschwerden angepriesen. Die Wirkung wird dem Steroidsaponin Diosgenin zugeschrieben, welches industriell zur partialsynthetischen Herstellung von Progesteron genutzt wird. Ob eine enzymatische Umwandlung von Diosgenin zu Progesteron auch im menschlichen Organismus stattfindet, ist nicht erwiesen.

Einer Anwendungsbeobachtunge zufolge soll die lokale Anwendung von Yamswurzelgel insbesondere prämenstruelle Beschwerden lindern:
Die Frauen im Alter zwischen 37 und 53 Jahren litten an prämenstruellen Symptomen (z.B. Brustspannen) oder menopausalen Beschwerden (z.B. Hitzewallungen). Das Yamswurzelgel (10%) wurde ein- bis zweimal täglich auf die Innenseite der Arme, Brust, Bauch oder Oberschenkel aufgetragen.

Alle Frauen mit ausschliesslich prämenstruellen Beschwerden beobachteten eine Verbesserung, d.h. weniger Brustspannen und Wassereinlagerungen, Abschwächung psychischer Symptome.
Die Anwenderinnen mit Wechseljahrsbeschwerden stellten nur vereinzelt einen positiven Effekt fest.
Das Ansprechen auf eine lokale Anwendung von Yamswurzelgel scheint je nach Beschwerden stark zu variieren. Zurzeit fehlen jedoch kontrollierte, klinische Studien, welche die Wirksamkeit von Yamswurzelgel eindeutig belegen.

Quelle:
www.pharmavista.net
Ars Medici, Thema Phytotherapie, 6/2009/p10; Heide Fischer, Yamswurzelgel 10% bei Frauen mit menopausalen und prämenstruellen Beschwerden, Ergebnisse einer Anwendungsbeobachtung

Kommentare & Ergänzungen:

Die Frage, ob Yamsgel bzw. Yamscreme sich zur Linderung von PMS-Beschwerden und Wechseljahrbeschwerden eignet, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Deshalb hier einige weitere Aspekte:

1. Hintergrund-Info zu Yams:
Yams (Dioscorea) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Yamswurzelgewächse (Dioscoreaceae). Yams ist vor allem in den Tropen verbreitet. Die einzigen in Mitteleuropa heimischen Dioscorea-Arten sind die Schmerwurz (Dioscorea communis) und die Balkan-Schmerwurz (Dioscorea balcanica).

Einige Yams-Arten und deren Ausleseformen sind Nutzpflanzen als bedeutende Nahrungspflanzen und auch als Heilpflanzen. Viele Yams-Arten werden wegen ihrer essbaren Wurzelknollen als Nahrungsmittel kultiviert.
Yamswurzeln ähneln geschmacklich und optisch den Süßkartoffeln, sind jedoch nicht mit ihnen verwandt. In Südamerika, Afrika und der Karibik ist Yams weit verbreitet, in Europa dagegen im Gegensatz zur Süßkartoffel nur selten zu erwerben. Des weiteren ist Yams in den Tropen ein bedeutender Stärke-Lieferant.

In der Naturheilkunde wird wilder Yams zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden, gegen PMS und sowohl zur Empfängnisverhütung als auch bei unerfülltem Kinderwunsch empfohlen. Die Yams-Anwendung ist aber umstritten und heikel. Es kommt offenbar entscheidend darauf an, wie der Yams dosiert wird. Die wilde Yamswurzel enthält bedeutende Mengen Diosgenin, eine Substanz, die dem Gelbkörperhormon ähnlich ist und in verschiedenen Publikationen auch als „natürliches“ Progesteron bezeichnet wird. Doch obwohl Diosgenin natürlicher Herkunft ist, unterscheidet es sich stark vom Gelbkörperhormon, welches im Körper der Frau produziert wird.
(Quelle: Wikipedia)

2. Yamswurzel-Gel in der Pflanzenheilkunde
Die Werbung für Yams-Produkte verspricht, dass der Organismus aus der Hormonvorstufe Diosgenin je nach dem, was ihm gerade fehlt, Östrogen oder Progesteron herstellen kann. Das tönt ideal, doch ist ungeklärt, ob diese schöne Vorstellung auch real ist.

3. Die Idee, fehlende Hormone über die Haut zuzuführen, ist bestechend. Die Wirksamkeit von Hormonpflastern zeigt auch, dass dies grundsätzlich möglich ist. Darum scheint es nicht abwegig, dass auch der Hormongrundstoff Diosgenin aus einem Yamsgel via Haut appliziert werden könnte.

4. Genauere Angaben aus der erwähnten Anwendungsbeobachtung mit Yamsgel:
(Quelle: http://www.rosenfluh.ch/rosenfluh/articles/download/912/Yamswurzelgel.pdf)

Die Arbeitshypothese dieser Anwendungsbeobachtung lautete:
“ Yamswurzel-Präparate können über ihren Gehalt an Diosgenin, einem progesteronähnlichen Wirkstoff, die Gelbkörperphase im weiblichen Zyklus unterstützen und entsprechend bei prämenstruellen Beschwerden hilfreich sein. Es wäre denkbar, dass der Körper aus Diosgenin auch Östrogen synthetisieren kann, womit die Yamswurzel auch Wechseljahresbeschwerden lindern könnte. Die Hersteller von Wildyamprodukten bewerben beide Indikationen.”

Ab der Anwendungsbeobachtung nahmen 16 Patientinnen im Alter zwischen 37 und 53 Jahren während zweier Monate
teil.:

“8 Patientinnen litten an Beschwerden des menopausalen Formenkreises wie Hitzewallungen, gelegentlich verstärkte oder unregelmässige Regelblutung, Schlafstörungen, nervöse Unruhe, verminderte Libido, Gewichtszunahme, Haut- und Schleimhauttrockenheit. Ihr Alter lag zwischen 48 und 53 Jahren. Die anderen 8 Frauen klagten über prämenstruelle Beschwerden wie Brustspannen, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen,Schmierblutungen und Stimmungsschwankungen. Das Alter dieser Gruppe lag zwischen 37 und 45 Jahren. Bei insgesamt 3 Frauen lagen Myome vor.
Die Anwendungsanweisung lautete: vom 10. bis zum 26. Zyklustag (bei menopausalen Frauen, die bereits keinen regelmässigen Zyklus mehr hatten, vom 10. bis zum 30. Tag eines Kalendermonats) ein- bis zweimal täglich eine kirschkern- bis haselnussgrosse Portion auf die Innenseite der Arme, Brust, Bauch oder die oberen Beine auftragen.”

Die Resultate bei menopausalen Beschwerden:

“Bei den menopausalen Beschwerden wurden nur bei 2 Frauen die typischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen positiv beeinflusst. 2 Frauen berichteten über eine Gewichtsabnahme, 2 über eine Verbesserung ihrer sexuellen Lust.
Das Beschwerdebild überlappte sich zum Teil mit den prämenstruellen Symptomen. Frauen, die davon betroffen waren, verspürten alle eine Linderung bis hin zum völligen Verschwinden der prämenstruellen Beschwerden wie zum Beispiel Brustspannen und so weiter. Ein Myomwachstum konnte nicht festgestellt werden.”

Die Resultate bei prämenstruellen Beschwerden (PMS):

“Alle Frauen mit ausschliesslich prämenstruellen Beschwerden erfuhren eine deutliche Verbesserung: Brustspannen und Wassereinlagerungen verringerten sich, Schmierblutungen verschwanden. Eine Verbesserung wurde auch bei seelischen Symptomen wie Unruhe und Stimmungsschwankungen festgestellt, ebenso wie bei Kältegefühl.”

Die Autorin fasst zusammen:

“ Eine Verbesserung der Wechseljahresbeschwerden unter transdermaler Anwendung von 10-prozentigem Yamswurzelgel, hergestellt aus einem Fluidextrakt der Trockendroge, gelang nur teilweise, während Frauen mit prämenstruellen Beschwerden unter dieser Therapie einhellig eine Linderung erfuhren.”

Anzufügen ist hier:

16 teilnehmende Frauen, wovon 8 mit PMS und 8 mit Wechseljahrsbeschwerden, das sind sehr kleine Zahlen.
Auch fehlt natürlich hier ein Vergleich mit Placebo. Bereits die Teilnahme an einer Studie hat oft eine günstige Wirkung. Und das Einreiben eines Gels oder einer Salbe tut schon unabhängig von allfälligen Yams-Wirkungen gut.
Insofern ist die Aussagekraft dieser Anwendungsbeobachtung sehr begrenzt.
Interessant ist aber schon, dass Effekte bei PMS festgestellt wurden, kaum dagegen bei Wechseljahrbeschwerden. Das scheint mir eher auf eine Umwandlung von Diosgenin zu Progesteron hinzuweisen und weniger auf eine Umwandlung in Richtung Östrogen – falls überhaupt eine solche Umwandlung stattfindet.

Ergänzt werden müsste noch, dass es in der Schweiz und in Deutschland keine als Arzneimittel zugelassenen Yamsprodukte auf dem Markt gibt. Yams-Gel oder Yams-Creme wird nur als kosmetisches Produkt verkauft. Dadurch ist es schwierig, die Qualität solcher Angebote zu beurteilen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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