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Lavendelöl-Extrakt verursacht keine Entzugssymptome beim Absetzen

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Der patentierte Lavendelöl-Extrakt Silexan® kommt als Wirkstoff im Präparat Lasea® zur Anwendung.

Im Gegensatz zu den meisten chemisch-synthetischen Anxiolytika (angstlösende Mittel) kann Lasea von einem Tag auf den anderen Tag abgesetzt werden, ohne dass Absetzphänomene auftreten. Zu diesem Schluss kommt die Auswertung der Nachbeobachtungsphase einer randomisierten Doppelblindstudie, in der Patienten mit Angststörung entweder Silexan, Paroxetin oder Placebo erhalten hatten.

An der zehnwöchigen Studie waren 539 Patienten mit Angststörungen beteiligt. Die Probanden bekamen entweder täglich 80 mg oder 160 mg Silexan, 20 mg Paroxetin oder Placebo. In der elften Woche wurde die Paroxetin-Dosis schrittweise gesenkt. Patienten der Silexan- und Placebo-Gruppe bekamen ab diesem Zeitpunkt alle Placebo-Kapseln.

Zur Erfassung möglicher Absetzphänomene kam die 20 Punkte enthaltende Physician Withdrawal Checklist (PWC-20) zur Anwendung. Die einfache Selbsteinschätzungsskala für Patienten fragt in 20 Items häufig beobachtete Entzugssymptome ab. Die mittlere PWC-20-Gesamtpunktzahl sank in der einwöchigen Absetzphase in allen Gruppen: Bei Placebo -0,19, bei Silexan 80 mg -0,23, bei Silexan 160 mg -0,65, bei Paroxetin -0,51.

Absetzphänomene wurden in keiner Gruppe beobachtet.

Die Autoren der Studie ziehen aus den Resultaten den Schluss, dass der Lavendelöl-Extrakt Silexan kein Abhängigkeitspotenzial besitzt und auch nach einer Langzeittherapie ohne Ausschleichen der Dosis abgesetzt werden kann.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=71404

DOI:10.1080/13651501.2017.1301488

Kommentar & Ergänzung:

Das Lavendelölpräparat Lasea® wird zur Linderung von leichten generalisierten Angststörungen eingesetzt. Die Kapseln werden eingenommen. Das ist ungewöhlich für Lavendelöl, das meistens inhalativ oder percutan, also über die Haut zur Anwendung kommt.

Lasea® enthält ein Lavendelöl, das für diese Indikation quasi optimiert wurde und hohe Gehalte an Linalylacetat und Linalool aufweist.

Dass sich beim Absetzen von Lasea® keine Entzugssymptome zeigen, ist nicht überraschend.

Zur Wirksamkeit siehe auch:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln Lasea bei Angststörungen

Lavendelöl-Kapseln gegen Angst und Depressionen

Lavendelöl-Präparat bei Angststörungen

Lavendelöl-Kapseln reduzieren Angst bei Depressionen (Fallstudie)

 

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen

Lavendelblüten und Lavendelöl als Sedativum

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

 

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Antidepressiva meist ungeeignet für Jugendliche

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Eine im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichte Metastudie kommt zum Schluss, dass Antidepressiva bei schwer depressiven Kindern und Jugendlichen weitgehend wirkungslos sind. Der Wirkstoff Venlafaxin habe suizidale Tendenzen sogar verstärkt.

Die gängigen Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen sind bei schwer depressiven Kindern und Jugendlichen weitgehend wirkungslos. In Einzelfällen könnten Antidepressiva sogar suizidale Tendenzen der minderjährigen Patienten steigern, heißt es in der Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams, das im Fachblatt „The Lancet“ publiziert wurde.

Für die Metastudie hatten die Forscher die Befunde aus 34 klinischen Studien an mehr als 5000 Patienten im Alter zwischen neun und 18 Jahren ausgewertet. Dabei wurden 14 verschiedene Antidepressiva einbezogen: Amitriptylin, Citalopram, Clomipramin, Desipramin, Duloxetin, Escitalopram, Fluoxetin, Imipramin, Mirtazapin, Nefazodon, Nortriptylin, Paroxetin, Sertralin und Venlafaxin. Die Wissenschaftler bewerteten für jeden Wirkstoff die Effektivität, die Verträglichkeit, die Akzeptanz sowie schwere damit in Verbindung stehende Schäden, etwa suizidale Gedanken oder Suizidversuche.

Nur das Antidepressivum Fluoxetin zeigte bei der Behandlung der Minderjährigen ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Metastudie. Der ebenfalls zur Depressionsbehandlung eingesetzte Wirkstoff Venlafaxin habe sogar stärker zu ausgeprägten Suizidgedanken geführt. Weitere Antidepressiva seien weitgehend wirkungslos geblieben.

Das internationale Autorenteam um Dr. Andrea Cipriani von der University of Oxford und Dr. Xinyu Zhou von der Chongqing University in China schreibt:

»Die Behandlung mit Antidepressiva scheint Kindern und Jugendlichen mit einer akuten Major Depression keinen klaren Vorteil zu bieten. Fluoxetin ist wahrscheinlich die beste Option, die bei einer Indikation für eine Pharmakotherapie in Betracht gezogen werden sollte.«

Die Wissenschaftler empfehlen, junge Patienten unabhängig vom eingesetzten Wirkstoff eng zu überwachen, vor allem zu Beginn einer antidepressiven Pharmakotherapie.

Die Forscher kritisierten zudem die schlechte Datenlage:

Von den untersuchten Studien waren 22 (65 Prozent) von Pharmaherstellern gesponsert, zehn hatten nach Kriterien der Cochrane Collaboration ein hohes Risiko für Verzerrung, 20 ein mittleres und nur vier ein niedriges. In einer Pressemitteilung kritisierte Cipriani den fehlenden Zugang zu Patientendaten: »Ohne diesen ist es schwierig, die Effekte präzise abzuschätzen. Wir können nicht sicher sein, dass die Informationen in den publizierten und nicht veröffentlichten Studien tatsächlich korrekt sind.«

in einem begleitenden Kommentar zur Studie schreibt Jon Jureidini von der University of Adelaide in Australien, die Häufigkeit von Nebenwirkungen werde möglicherweise aufgrund von falscher Codierung unterschätzt. Antidepressiva seien deshalb für Kinder und Jugendliche vermutlich gefährlicher und weniger effektiv als bislang angenommen, was möglicherweise auch für Fluoxetin gelte. Auch Jureidini fordert eine umfassende Publikation aller Studiendaten. »Der Behauptung, dass der Zugang zu diesen Daten geistiges Eigentum und die Privatsphäre der Patienten verletzt, muss entschieden widersprochen werden.«

Quelle:

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5007514/Antidepressiva-eignen-sich-nicht-fur-Jugendliche?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=63863

 

Die Studie in „The Lancet“:

http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2816%2930385-3/abstract

 

Kommentar & Ergänzung:

Damit ist nicht ausgeschlossen, dass Antidepressiva in manchen Situationen sinnvoll und notwendig sein können.

Das Beispiel zeigt aber, wie wichtig Metastudien sind, um zu differenzierteren Erkenntnissen zu gelangen.

Bei Metastudien werden alle auffindbaren klinischen Studien zu einer Fragestellung, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen, zusammenfassend ausgewertet.

Damit soll im Vergleich zu einzelnen Studien eine fundiertere Aussage gewonnen werden.

Es gibt eine ganze Reihe von unwirksamen Therapien, die sich in der Medizin weiterhin halten.

Allerdings ist es auch eine Stärke der Medizin, dass Therapien immer wieder überprüft und kritisch unter die Lupe genommen werden – zum Beispiel durch Metastudien.

So können Irrtümer entdeckt und Therapien verbessert werden. Das ist ein Pluspunkt für die Medizin. Alternativmedizin und Komplementärmedizin tun sich dagegen in der Regel sehr schwer mit kritischer Überprüfung. Das machte es schwieriger, Irrtümer zu erkennen und Methoden weiterzuentwickeln.

Siehe auch:

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde!

Komplementärmedizin – mehr Argumente, weniger fraglose Gläubigkeit

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Alkohol und Antidepressiva: Steigerung von Alkoholkonsum und alkoholbedingter Aggressionen möglich

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Einige hundert gemeldete Fälle aus der Literatur deuten darauf hin, dass die gleichzeitige Einnahme von Alkohol und Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI und Venlafaxin bestimmte Nebenwirkungen auslösen könnte. Dazu zählt einerseits eine Zunahme des Alkoholkonsums, andererseits verstärkte alkoholbedingte Vergiftungserscheinungen wie gesteigerte Aggressivität in verschiedenster Ausprägung (Tötung und Tötungsversuche, Suizidversuche, Vergewaltigung, Aggression, etc.).

In der Literatur liegen Fallbeschriebe vor allem zu Paroxetin, Fluoxetin, Sertralin und vereinzelt auch zu Venlafaxin (SSNRI) vor.

Die gleichzeitige Einnahme von Alkohol und den erwähnten Antidepressiva steigert das Risiko für alkoholbedingte Enthemmungen und gewaltsame Verhaltensweisen. Patienten müssen über diese möglichen Nebenwirkungen in Kenntnis gesetzt werden. Vom Alkoholkonsum während der Einnahme von Antidepressiva wird grundsätzlich abgeraten. Dies gilt vor allem für die aufgeführten Wirkstoffe.

Literatur: _La Revue Prescrire 380/2015/p431

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5242&NMID=5239&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Johanniskraut-Extrakte tauchen in diesen Fallberichten offenbar nicht oder jedenfalls nicht in erwähnenswertem Umfang auf. Und dies obwohl die antidepressive Wirkung von Johanniskraut-Extrakt nach gegenwärtigem Wissensstand ebenfalls mit einer Wiederaufnahmehemmung von Überträgerstoffen zusammenhängt.

Johanniskraut-Extrakte wirken nach gegenwärtigem Wissensstand mild und breit auf mehrere Transmittersysteme, während synthetische Medikamente intensiver an einem bestimmten Punkt ansetzen. Das könnte eine Erklärung sein für die bessere Verträglichkeit der Johanniskraut-Extrakte. Das sind aber nur Überlegungen – geklärt ist das bisher nicht.

Wenn diese massiven Nebenwirkungen bei der kombinierten Einnahme von Alkohol und Antidepressiva tatsächlich so wie beschrieben auftreten, dann ist es ausserordentlich wichtig, dass Patientinnen und Patienten darüber informiert sind, wenn sie Antidepressive einnehmen.

 

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Lavendelöl-Präparat bei Angststörungen

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An der Pharma World in Düsseldorf kommentierte Dr. Mario Wurglics von der Goethe-Universität Frankfurt Forschungsergebnisse zum Lavendelöl-Präparat Silexan.

Das Präparat aus Lavandula angustifolia sei ein rationales Phytopharmakon zur Therapie von Angststörungen bei Erwachsenen. Es habe eine belegte Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit, löse keine Sedierung aus und verbessere die Schlafqualität.

In der S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen werde Silexan bei den pflanzlichen Präparaten genannt. Es enthält ein spezielles Lavendelöl mit einem Gehalt an Linalool und Linalylacetat von etwa 80 Prozent. Das sei extrem hoch, sagt Wurglics.

In zwei Studien zeigte sich Silexan laut Wurglics dem Placebo deutlich überlegen und war vergleichbar wirksam zu Lorazepam. 2014 wurde eine dritte Studie veröffentlicht, bei der Silexan (80 oder 160 mg) sowohl dem Paroxetin als auch einem Placebo überlegen war.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60027

Kommentar & Ergänzung:

Silexan ist ein „optimiertes“ Lavendelöl mit einem besonders hohen Gehalt an den wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffen Linalool und Linalylacetat. Die Kapseln sind in Deutschland unter dem Namen Lasea® im Handel. In der Schweiz können sie von Apotheken aus Deutschland besorgt werden.

Siehe auch:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln Lasea bei Angststörungen

Arznei-Telegramm kritisiert Lavendelöl-Präparat Lasea

Bfarm wehrt sich gegen Kritik an der Zulassung des Lavendelöl-Präparats Lasea

Lavendelöl-Kapseln reduzieren Angst bei Depressionen (Fallstudie)

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen

 

 

 

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

 

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

 

 

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Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln (Lasea®) bei Angststörungen

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Die angstlösende Wirksamkeit der oral verabreichten Lavendelöl-Zubereitung Silexan (Lasea®) wurde bei Patienten mit generalisierter Angststörung (GAS) im Vergleich zu Placebo und dem Standardmedikament Paroxetin untersucht. In der randomisierten, doppelblinden Studie bekamen 539 Erwachsene mit GAS 160 oder 80 mg Silexan, oder 20 mg Paroxetin, oder Placebo einmal täglich für 10 Wochen.

Die Studie kam zum Ergebnis, dass das Lavendelöl-haltige Präparat bei Patienten mit generalisierter Angststörung ebenso gut abschnitt wie Paroxetin und besser war als Placebo.

Das Lavendelöl-Präparat linderte nicht nur Angst- und Unruhezustände bei den Patienten. Es wirkte auch antidepressiv bzw. gemütsaufhellend. Auch in der höheren Dosierung von 160 mg pro Tag war es gut verträglich. Zudem kann das Präparat nach der Behandlung auch bei der höheren therapeutischen Dosis sofort abgesetzt werden, ohne dass die Patienten mit Entzugserscheinungen rechnen müssen.

Die Studie deutet darauf hin, dass Lavendelölpräparate wie z.B. das hier vorgestellte (Lasea®) als eine gut verträgliche Therapieoption zur Behandlung generalisierter Angststörungen genutzt werden können.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/lavendel-ist-gut-fuer-die-psyche.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24456909

Kasper S, Gastpar M, Müller, WE, Volz HP, Möller HJ, Schläfke S, Dienel A. Lavender oil preparation Silexan is effective in generalized anxiety disorder – a randomized, double-blind comparison to placebo and paroxetine. Int J Neuropsychopharmacol 2014; 17(6): 859-869

 

Kommentar & Ergänzung:

Lavendelöl-Kapseln (und andere Phytopharmaka) eignen sich nur zur Behandlung von leichteren Angststörungen.

Dann sind sie aber durchaus eine sinnvolle Option, vor allem auch wenn man das äusserst geringe Nebenwirkungsrisiko mit Standardmedikamenten wie Paroxetin vergleicht.

Paroxetin kommt zur Anwendung bei Depressionen, Zwangsstörungen, Panikstörungen, sozialen Angststörungen, generalisierten Angststörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen und Fibromyalgie. Der Arzneistoff gehört zur Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer.

Als Nebenwirkungen können auftreten:

„Unter der Anwendung von Paroxetin können insbesondere folgende Nebenwirkungen beobachtet werden: Appetitstörungen, Störungen des Magen-Darm-Trakts, Schlafstörungen, Verwirrtheit, Halluzinationen, sexuelle Dysfunktion (Impotenz, Unfähigkeit zum Orgasmus, unbemerkter Samenerguss, siehe auch SSRI-bedingte sexuelle Dysfunktion), Schwitzen, Parästhesie (Kribbeln der Haut), Restless-Legs-Syndrom (krampfähnliche Empfindungen in den Beinen) und Gewichtszunahme.“

(Quelle: Wikipedia)

Vielen Patientinnen und Patienten mit generalisierten Angststörungen werden zudem fragwürdigerweise Benzodiazepine verschrieben. Dabei kommt es rasch zu Gewöhnungseffekten und kann sich schnell eine Abhängigkeit entwickeln, was das Absetzen der Präparate schwierig macht.

Lavendelöl-Kapseln dagegen zeigen weder die Nebenwirkungen von Paroxetin noch die Risiken von Gewöhnung und Abhängigkeit, wie sie die Benzodiazepine mit sich bringen.

Das spricht sehr dafür, die Option Lavendelöl bei generalisierten Angststörungen in Betracht zu ziehen.

Allerdings ist auch festzuhalten, dass bei leichteren Angststörungen generell nichtmedikamentöse Massnahmen im Vordergrund stehen sollten: Psychotherapie, Entspannungsmethoden, Bewegung.

Zu letzterem siehe:

Bewegung stärkt psychische Gesundheit

Zu Lavendelöl bei Angststörungen:

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

Lavendelöl zur Behandlung von Angststörungen 

Lavendelöl-Bestandteil Linalool dämpft Stressreaktion 

Ausserdem:

Schlafmittel: Risiko Benzodiazepin-Abhängigkeit

 Passionsblume: Angstlinderung ohne Abhängigkeit und Entzugsprobleme

Passionsblume und Kava-Kava lindern Angstzustände

Phytotherapie: Kava-Extrakt hilft gegen Angststörungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen

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Lavendelöl-Kapseln sind wirksam gegen Angststörungen. Das haben Forscher aus Wien sowie aus Berlin, München und Werneck in Deutschland nun mit einer groß angelegten und mit Placebo-Kontrolle durchgeführten Studie belegt.

Der Lavendelöl-Extrakt aus dem schmalblättrigen Lavendel soll auch besser als ein modernes Antidepressivum wirken.

Die Wissenschaftler untersuchten die angstlösende Wirkung der oral einzunehmenden Lavendelöl-Zubereitung ‚Silexan‘ bei generalisierter Angststörung im Vergleich zu Placebo und Paroxetin (ein bekanntes Antidepressivum, ein Serotonin-Reuptake-Hemmer).

Die Studie wurde im International Journal for Neuropsychopharmacology veröffentlicht.

Als Testpersonen nahmen 539 Patienten mit laut den offiziellen Kriterien gut belegter Angststörung an der Studie teil. Sie erhielten entweder 160 oder 80 Milligramm des Lavendelöl-Produkts eines bekannten deutschen Phytopharma-Unternehmens oder 20 Milligramm Paroxetin bzw. ein Placebo pro Tag. Das geschah über einen Zeitraum von zehn Wochen.

Die Probanden hatten am Beginn mit einem Wert von mehr als 18 auf der HAMA-Skala (Hamilton Anxiety Scale) zumindest eine mehr als milde Angststörung. Die Skala mit einem Fragebogen zu 14 Symptomen in je fünf Stufen ermittelt den Schweregrad von Symptomen wie Angst, Anspannung, depressive Stimmung, Herzklopfen, Atemschwierigkeiten, Schlafstörungen, Ruhelosigkeit und anderen körperlichen Symptomen bei Patienten mit dieser häufigen psychischen Erkrankung. Ein HAMA-Wert von 17 bis 24 wird als milde bis moderate Angststörung bezeichnet, darüber spricht man von einer schweren Angststörung.

Die Resultate waren in mehreren Bereichen aussagekräftig: 160 Milligramm des Lavendelöls pro Tag reduzierten den HAMA-Score bei den damit Behandelten um 14,1 Punkte. 80 Milligramm des Lavendelöls brachten es auf eine Verminderung von 12,8 Punkten.

Das moderne Antidepressivum Paroxetin zeigte im Vergleich dazu mit minus 11,3 Punkten auf der HAMA-Skala einen etwas schwächeren Effekt. Eine Wirkung zeigte aber auch das Placebo: Sie lag bei minus 9,5 Punkten auf der Skala bei der zweiten Untersuchung. Die Besserung bei den Patienten unter den zwei Lavendelöl-Dosierungen war verglichen mit dem Placebo statistisch signifikant, während Paroxetin keine statistische Signifikanz zeigte.
Eine andere Analyse unterstrich die Wirkung des Lavendelöls: Unter der höheren Dosierung zeigten 60,3 Prozent der Testpersonen eine Besserung um mehr als 50 Prozent bei den Symptomen (gemessen mit der HAMA-Skala), unter der tieferen Dosierung waren es 51,9 Prozent, bei Behandlung mit Paroxetin waren es 43,2 Prozent und 37,8 Prozent mit dem Scheinmedikament.

Quelle:

http://www.meduniwien.ac.at/homepage/news-und-topstories/?Fsize=0&tx_ttnews%5Btt_news%5D=4508&cHash=4708a3acb2

Die Studie in „The International Journal of Neuropsychopharmacology“:

„Lavender oil preparation Silexan is effective in generalized anxiety disorder – a randomized, double-blind comparison to placebo and paroxetine“ von Siegfried Kasper et al., wurde publiziert am 23. Januar 2014.

https://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&aid=9157723&fulltextType=RA&fileId=S1461145714000017

Kommentar & Ergänzung:

Die Vergleichssubstanz Paroxetin wird zur Behandlung von Depressionen, Zwangsstörungen, Panikstörungen, sozialen Angststörungen, generalisierten Angststörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen und Fibromyalgie verwendet.

Der in dieser Studie untersuchte Lavendelöl-Extrakt ist in Deutschland unter dem Namen Lasea®  in  Kapselform im Handel.

Siehe dazu auch:

Lavendelblüten und Lavendelöl

Bfarm wehrt sich gegen Kritik an der Zulassung des Lavendelöl-Präparates Lasea

Arznei-Telegramm kritisiert Lavendelöl-Präparat Lasea

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf,

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

Phytotherapie: Lavendel gegen Unruhe,

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Antidepressiva schädigen möglicherweise Spermien

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Nehmen Männer Antidepressiva vom Typ selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) ein, kann dadurch die Qualität ihrer Spermien beeinträchtigt werden. Nach dem Absetzen dieser Medikamente erholt sich die Spermienqualität allerdings wieder.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat nun vorgeschrieben, dass die Produzenten SSRI-haltiger Präparate in Fach- und Gebrauchsinformation auf diese unerwünschte Nebenwirkung hinweisen müssen. Von dieser Regelung betroffen sind die Wirkstoffe Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin. Die Vorschrift tritt am 1. Juli 2013 in Kraft.

Das BfArM setzt damit eine Empfehlung der Pharmakovigilanz-Arbeitsgruppe des Ausschusses für Humanarzneimittel der europäischen Arzneimittelagentur EMA um. Dieser Ausschuss fand in tierexperimentellen Studien Hinweise darauf, dass selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer die Spermienqualität schädigen können. Dies könne theoretisch die Zeugungsfähigkeit vermindern, ein Einfluss auf die Fruchtbarkeit beim Menschen sei allerdings bisher nicht beobachtet worden. SSRI haben darüber hinaus noch weitere Nebenwirkungen, welche die Fortpflanzungsfähigkeit von Männern einschränken können Es kann zu einem Verlust der Libido und zu erektiler Dysfunktion kommen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=46482&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang: Johanniskrautextrakt als gut dokumentiertes Antidepressivum der Phytotherapie führt nicht zum Verlust der Libido und auch nicht zu erektiler Dysfunktion. Es gibt auch keine Hinweise auf eine Schädigung der Spermien durch Johanniskraut und eine solche Nebenwirkung wäre auch nicht plausibel.

Johanniskraut eignet sich allerdings nicht  für jede Depression, insbesondere in schweren Fällen reicht Johanniskraut nicht. Und auch bei Johanniskraut gibt es eine unerwünschte Nebenwirkung – die Erhöhung der Lichtempfindlichkeit (Photosensibilität), die aber in der Praxis nur sehr selten zu Problemen führt. Und es sind Wechselwirkungen mit bestimmten anderen Medikamenten zu beachten (z. B. Digoxin, Marcoumar, Immunsuppressiva, Östrogene, gewisse HIV-Medikamenten und Chemotherapeutika).

Alles in allem ist aber Johanniskrautextrakt eine beachtenswerte Option bei leichten bis mittelschweren Depressionen.

Siehe auch:

Johanniskrautpräparate gegen Depressionen

Phytotherapie: Johanniskrautextrakt gegen Depressionen

Johanniskraut: Jarsin, Solevita, Hyperiplant, Rebalance, Hyperimed, Lucilium, Hypericum mepha als Präparate in der Grundversicherung

Phytotherapie: Wirkungsmechanismen von Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Zur Studienlage: Johanniskraut bei Depressionen

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Medikamente beim Prämenstruellen Syndrom (PMS)

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Zur Behandlung der Beschwerden beim Prämenstruellen Syndrom (PMS) gibt es verschiedene nichtmedikamentöse Massnahmen (z. B. körperliches Training, Stressmanagement, Muskelentspannung, diätetische Ansätze).

Darüber hinaus kommen oft auch Medikamente zum Einsatz.

Die Medical-Tribüne hat in einem Artikel zum Thema PMS die wichtigsten Medikamentengruppen vorgestellt.

– Diuretika: „… während der Lutealphase möglich. In plazebokontrollierten Untersuchungen linderte Spironolacton (100 mg/Tag) PMS-Beschwerden deutlich.“

– Psychopharmaka: „Metaanalysen plazebokontrollierter Studien zufolge ließen körperliche und psychische PMS-Symptome unter SSRI1, z.B. Fluoxetin, Paroxetin, Citalopram sowie Sertralin, und SNRI2 (Venlafaxin) nach. Anxiolytika wie Alprazolam und Buspiron wirken schwächer als SSRI.“

– Phytopharmaka: „Falls Patientinnen pflanzliche Medikamente bevorzugen: Ein Fruchtextrakt aus Vitex agnus castus (Keuschlamm) meisterte ebenfalls die Prüfung in plazebokontrollierten Studien.

-Hormonelle Therapie: „Bei der hormonellen Therapie kann man z.B. die Ovulation unterdrücken, das Spektrum reicht von oralen Kontrazeptiva über GnRH-Agonisten und Gonadotropin-Inhibitoren bis hin zur Ovar bzw. Hysterektomie, infrage kommen aber auch Ansätze, bei denen der Eisprung nicht unterdrückt wird (z.B. Progesteron).“

Die Medical-Tribune empfiehlt:

„Die Risiko- Nutzen-Abwägung sollte individuell mit entsprechenden Spezialisten erfolgen.“

Quelle der Zitate:

http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=65229&dspaid=970920

Kommentar & Ergänzung:

Mönchspfeffer (Keuschlamm) gehört in der Phytotherapie zu den Heilpflanzen, die bezüglich Wirksamkeit auch wissenschaftlich gut belegt sind.

PMS ist aber ein sehr komplexes Geschehen und Mönchspfefferextrakte werden nicht in jedem Falle helfen. Sieht man sich aber die Risiken und Nebenwirkungen der anderen vorgestellten Arzneimittel an, so schneidet Mönchspfeffer in dieser Hinsicht ausgesprochen gut ab.

Ein Versuch mit Mönchspfeffer dürfte daher in vielen Fällen eine gute Option sein.

In der Schweiz sind verschiedene Heilpflanzen-Präparate mit Mönchspfefferextrakt im Handel:

Agnolyt Kapseln (Max Zeller, Romanshorn)

Emoton (Tentan, Itingen)

Oprane (Vifor, Villars-sur-Glâne)

Prefemin (Max Zeller, Romanshorn)

Premens (Zeller Medical, Romanshorn)

Ungeklärt ist die Wirksamkeit von Mönchspfeffertee und Mönchspfeffertinktur.

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Wechselwirkungen von Johanniskraut

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Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird als Trockenextrakt bei leichten und mittleren Depressionen eingesetzt.

Johanniskraut-Extrakte zeigen aber auch Wechselwirkungen (Interaktionen) mit anderen Medikamenten.

Johanniskraut aktiviert Enzyme in der Leber (CYP3A4 und P-Glykoprotein), die Fremdstoffe abbauen.

Das kann Probleme geben bei Medikamenten, die durch CYP3A4 abgebaut werden. Deren Spiegel sinken rascher, wodurch sich die Wirksamkeit abschwächt.

Pharmawiki hat die betroffenen Medikamente gut zusammengestellt:

Absolute Kontraindikationen:

Immunsuppressiva (z.B. Ciclosporin, Tacrolimus oder Sirolimus),

anti-retrovirale HIV-Arzneimittel aus der Gruppe der Non-Nucleosid-Reverse-Transcriptase-Inhibitoren (z.B. Nevirapin) und HIV-Proteasehemmer (z.B. Indinavir),

gewisse Zytostatika (z.B. Imatinib, Irinotecan),

orale Antikoagulantien vom Cumarintyp

Relative Kontraindikationen:

Digoxin

Hormonale Kontrazeptiva

Methadon

Statine, Midazolam, Steroidhormone“

Ausserdem gibt es bei folgenden Medikamenten die Gefahr eines Serotoninsyndroms:

Antidepressiva und andere serotoninerge Substanzen (wie Buspiron, Amitriptylin, Nortriptylin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin u.a.).

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Johanniskraut

Kommentar & Ergänzung:

In der Öffentlichkeit bekannt sind vor allem die Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut und der „Pille“.

Dass es darüber hinaus noch eine ganze Reihe von Medikamenten gibt, die ebenfalls von dieser Interaktion betroffen sind, ist viel weniger bekannt.

Wer Medikamente verschrieben bekommt, sollte daher den behandelnden Arzt / die behandelnde Ärztin darüber informieren, wenn er oder sie Johanniskraut einnimmt.

Zu erwähnen ist allerdings noch:

– Das Problem mit diesen Interaktionen ist nicht bei allen Medikamenten klinisch gleich einschneidend. Das drückt sich auch aus in der Unterscheidung zwischen „Absoluten Kontraindikationen“ und „Relativen Kontraindikationen“.

– Für die Interaktion via CYP3A4 ist nach heutigem Kenntnisstand höchst wahrscheinlich der Inhaltsstoff Hyperforin verantwortlich. Es gibt Johanniskraut-Präparate mit unterschiedlichem Hyperforin-Gehalt. Präparate mit tiefem Hyperforingehalt sind folglich weniger betroffen von möglichen Interaktionen als solche mit hohem Hyperforin-Gehalt.

– Mit diesen Interaktionen muss vor allem gerechnet werden bei Johanniskraut-Extrakten. Bei der Anwendung von Johanniskrauttee über 14 Tage wurden keine Interaktionen festgestellt. Das schreibt Reinhard Länger:

„Zubereitungen, mit denen weniger als 1 mg Hyperforin pro Tag aufgenommen wird (zum Beispiel Johanniskrauttee), induzierten über 2 Wochen nicht die genannten Enzyme. Leider liegen bislang keine längeren Interaktionsstudien vor. Wenn die Einnahmedauer auf 2 Wochen beschränkt wird, sind daher keine Interaktionen zu erwarten. Bei längerer Einnahme sind alle genannten Gegenanzeigen und Warnhinweise zu beachten.“

(Quelle: PHYTOTherapie Austria 4 / 2010)

Allerdings geht man aufgrund von Erfahrungen aus klinischen Studien davon aus, dass die Johanniskraut-Wirkung nicht sofort eintritt, sondern erst nach etwa zwei Wochen den Placebo-Effekt übertrifft.

Belegt ist zudem die Wirkung von Johanniskraut bei Depressionen nur mit Johanniskraut-Extrakten, nicht aber mit Johanniskrauttee oder Johanniskrauttinktur.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Umckaloabo wegen möglicher Leberschäden unter Kritik

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Nach einem Bericht des arznei-telegramms Anfang Juli weist nun auch die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft auf mögliche Leberschädigungen durch das Heilpflanzen-Präparat Umckaloabo® hin. Der Hersteller verteidigt sich: Nach gegenwärtiger Datenlage sei nicht eindeutig von einem Kausalzusammenhang auszugehen.

Insgesamt wurden im deutschen Spontanmeldesystem nach Angaben der Arzneimittelkommission (AkdÄ) 145 Verdachtsberichte unerwünschter Arzneimittelwirkungen von Umckaloabo® erfasst. Am häufigsten gemeldet wurden demnach Hautausschlag, Juckreiz und Überempfindlichkeit.

Zu den unerwünschten Effekten an der Leber existieren 19 Berichte. Neben Meldungen über Erhöhungen der Transaminasen, die in der Produktinformation als gelegentlich auftretende Nebenwirkungen (bei ein bis zehn Behandelten von 1000) beschrieben sind, werden insgesamt 10 Fälle von Hepatitiden berichtet, von denen einer schon im Jahr 2006 publiziert worden war.

Das arznei-telegramm nahm den Fall einer 30-jährigen Frau mit stark erhöhten Billirubin- und Leberenzymwerten (GTP, GOT) nach Einnahme von Umckaloabo® (und anderen Medikamenten wie Ibuprofen 800, Methyldopa, Pantoprazol, Enalapril) zum Anlass, von der Einnahme generell abzuraten (a-t 2011; 42: 63).

Aktuell bezieht sich die AkdÄ in seiner Stellungnahme auf den Fall eines 40-jährigen Mannes ohne Vorerkrankungen und Dauermedikation. Er war zwei Wochen nach Einnahme des Phytotherapeutikums in stationäre Behandlung aufgenommen worden. Es wurden bei ihm deutlich angestiegene Leberenzymwerte (ALT, AST, GGT AP) und Bilirubinwerte festgestellt ohne Hinweis auf eine virale Hepatitis (DÄ 2011; 108(30): A1651).

Aus Sicht der AkdÄ sprechen die gemeldeten Fälle dafür, dass Umckaloabo® außer für Transaminasenerhöhungen sehr selten auch Ursache für eine Hepatitis (Leberentzündung) sein kann.

Der Fachausschuss empfahl deshalb, dass Patienten auf potenziell bedrohliche unerwünschte Wirkungen wie Überempfindlichkeitsreaktionen und Leberreaktionen hingewiesen und nach dem Vorliegen von Kontraindikationen für die Einnahme befragt werden sollen.

Zu den Kontraindikationen gehören erhöhte Blutungsneigung, Einnahme gerinnungshemmender Medikamente sowie schwere Lebererkrankungen und Nierenerkrankungen.

Auch die deutsche Apothekerschaft reagierte und wies darauf hin, dass Leberschäden anfänglich keine eindeutigen Symptome zeigen.

„Deshalb sollten Patienten verstärkt auf Hautausschlag, Juckreiz oder unspezifische Schmerzen im oberen Bauch achten und mit dem Arzt oder Apotheker darüber sprechen,“ empfiehlt Professor Dr. Martin Schulz, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK). „Der Zusammenhang mit einem Arzneimittel muss nicht gesichert sein, der Verdacht reicht aus.“

Umckaloabo-Hersteller Spitzner wehrt sich

Der Hersteller des Präparats Umckaloabo®, die Firma Spitzner, wehr sich und hält fest, dass er seine Pflicht als pharmazeutischer  Poduzent sehr ernst nehme und jeden eingehenden Fall unabhängig von seiner Quelle sehr sorgfältig behandle.

Leider sei jedoch die Dokumentation der Fälle allzu oft lückenhaft. „Häufig fehlen wichtige Daten, die zur Beurteilung eines Falles dringend erforderlich sind, insbesondere zur Diagnostik, zur Begleitmedikation und zu Begleiterkrankungen“.

Weiter hält Spitzner fest: „Trotz aller unserer Bemühungen bleiben viele Fakten, die zur regelrechten Bewertung solcher Fälle erforderlich sind, unberichtet, sodass die Beurteilung des Kausalzusammenhangs offen bleiben muss.“

Speziell bei Fällen, die das Organsystem Leber betreffen, müssten zur Beurteilung eines Kausalzusammenhangs besonders viele Faktoren bekannt sein, damit eingeschätzt werden könne, ob der Fall auf eine Entzündung hinweise und auf welche Art von Entzündung.

Ad-hoc-Beurteilungen führten deshalb gerade bei pflanzlichen Präparaten als natürlichen Vielstoffgemischen zu Vorverurteilungen auf unzureichender Grundlage.

Auch im jüngst von der AkdÄ zitierten Fall des 40-jährigen Mannes hätten wichtige Daten gefehlt, etwa zum Verlauf der Laborparameter, zum Ultraschall und zum Ausschluss anderer Erkrankungen wie Hepatitis E, Herpes-Zoster-Infektion, Schilddrüsenerkrankungen.

Weil es bislang in der Fachwelt kein einhelliges Bewertungssystem gebe, sei es plausibel, dass Beurteilungen unterschiedlich ausfallen.

Aus der Perspektive von Spitzner sei nach der bisherigen Datenlage – sowohl der geschilderten Fälle als auch von 10.000 Studienteilnehmern – jedoch keine abschließende Kausalitätsbewertung möglich.

Darüber hinaus müsse berücksichtigt werden – wie Studien aus den USA und Deutschland zeigten -, dass zwischen sieben und elf Prozent der Bevölkerung erhöhte Leberwerte als Ausdruck einer Leberzellschädigung hätten, ohne davon zu wissen („Zufallsbefunde“).

Das bedeute für die Häufigkeitsangaben von Leberwerterhöhungen, dass diese im Sinne eines Grundrauschens in der Bevölkerung „häufig“ bis „sehr häufig“ vorkommen, hält Spitzner fest.

Mit der für Umckaloabo® anhand der Daten des Spontanmeldesystems errechneten Wahrscheinlichkeit für Leberzellschäden liege man deutlich unterhalb dieses Grundrauschens, erklärt der Umckaloabo-Hersteller.

Da man jedoch diese Möglichkeit andererseits auch nicht völlig ausschließen könne, werde gegenwärtig die Fach- und Gebrauchsinformation eigenverantwortlich angepasst.

Spitzner beharrt jedoch weiter darauf, „dass Umckaloabo® ein gut verträgliches und sicheres Arzneimittel ist, was auch durch die umfangreichen präklinischen Untersuchungen zur Toxikologie und Sicherheitspharmakologie gestützt wird.“

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/664709/umckaloabo-wegen-moeglicher-leberschaeden-beschuss.html?sh=3&h=354933868

http://www.arznei-telegramm.de/html/sonder/1107063_02.html

http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/Bekanntgaben/Archiv/2011/201107291.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Ich habe schon in einem anderen Beitrag zur gegenwärtigen Umckaloabo-Debatte darzulegen versucht, dass die Beurteilung solcher Fälle ausgesprochen schwierig ist.

Siehe:

Leberschäden durch Umckaloabo?

(im Kommentar an Schluss des Beitrages)

Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Umckaloabo und den berichteten Leberschäden ist immer noch alles andere als belegt.

Siehe „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ im Text „Leberschäden durch Umckaloabo?

Aber da Heilpflanzen-Präparate ebenso wie alle anderen wirksamen Arzneimittel unerwünschte Nebenwirkungen haben können, lässt sich ein Zusammenhang auch nicht absolut ausschliessen.

Nicht dramatisieren, aber wachsam bleiben, ist meiner Ansicht nach eine gute Devise.

Die gegenwärtigen Warnungen sollte man auch nicht – wie es in der Komplementärmedizin leider oft gemacht wird – als Verschwörung der bösen Pharmaindustrie gegen die Naturheilkunde aufbauschen.

Zu ihrem Verständnis muss man aber folgendes wissen:

Die warnenden Instanzen gehen davon aus, dass die Wirksamkeit und damit der Nutzen von Umckaloabo-Präparaten nicht gesichert ist. Und bei einem als unwirksam eingeschätzen Arzneimittel reicht schon der Verdacht auf eine erhebliche Nebenwirkung für eine Warnung und schliesslich für eine negative Beurteilung.

Zu erwähnen wäre auch, dass es sehr viele Medikamente gibt, die Leberschäden verursachen können, und die deswegen kaum in der Öffentlichkeit in der Kritik stehen.

Dieses Ungleichgewicht an kritischer Aufmerksamkeit lässt sich allenfalls noch dadurch rechtfertigen, dass eine Leberschädigung bei Heilpflanzen-Präparaten von vielen Leuten wohl eher weniger erwartet wird, und auch dadurch, dass es sich um ein frei verkäufliches Präparat handelt. Diese Faktoren lassen eine öffentliche Warnung möglicherweise nötiger erscheinen.

Informationen über Leberschäden durch Medikamente

Leichte Schädigungen der Leber durch Medikamente kommen häufiger vor als man denkt. Schwere Schäden sind zwar selten, jedoch potenziell lebensbedrohlich.

Zum Thema Leberschäden durch Medikamente hier ein paar informative Zitate aus der Fachliteratur:

„Jede zehnte unerwünschte Arzneimittelwirkung (UAW) betrifft die Leber. Überraschend ist das nicht, wenn man bedenkt, dass jeder peroral eingenommene Arzneistoff zuerst die Leber passiert, bevor er in den systemischen Kreislauf gelangt. Andererseits sind schwere Leberschäden sehr selten, sonst wäre der breite Einsatz von Medikamenten nicht möglich. Dennoch stellen Arzneimittel-induzierte Leberschäden einen der häufigsten Gründe für ein akutes Leberversagen dar, das bei mehr als 75 Prozent der Patienten trotz Behandlung tödlich endet und somit die häufigste Medikamenten-induzierte Todesursache darstellt.“

Wie kommen Leberschäden durch Medikamente zustande?

„Der Organismus hat zwei Systeme entwickelt, um sich vor Fremdem zu schützen: das Zytochrom-P450-System (CYP450) und das Immunsystem. In der Regel erfüllen beide Systeme ihre Aufgabe gut, manchmal sind sie aber auch für toxische Effekte von Arzneimitteln verantwortlich.

Beim Arzneistoffmetabolismus durch das CYP450-System können reaktive Zwischenprodukte entstehen (reaktive Metabolite, ROS, freie Radikale), die Ionenpumpen, Transporter, ungesättigte Lipide, Proteine und DNA attackieren. Solche Zwischenprodukte entstehen recht häufig, werden aber durch körpereigene Schutzmechanismen in der Regel entgiftet, bevor die Zellen zu Schaden kommen. Erst wenn die körpereigenen Schutzmechanismen überfordert werden, kommt es zu toxischen Auswirkungen…….

Die toxischen Effekte von Arzneimitteln können auch über das Immunsystem vermittelt werden. Reaktive Metaboliten, die an Proteine binden, können das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen aktivieren und so zur Abwehrreaktion und zum Zelluntergang führen.“

„Unabhängig davon, ob der Leberschaden metabolisch oder immunologisch verursacht ist, kommt es zur Freisetzung von Leberenzymen in den Blutkreislauf. Am Anfang jeder Abklärung steht deshalb die Untersuchung der »Leberwerte«. Anhand derer lässt sich der Leberschaden bestätigen, im Verlauf beobachten und laborchemisch in drei Grundformen einteilen: hepatozellulärer Schaden (Zytolyse der Hepatozyten), Cholestase (Zerstörung der Strukturen des Gallentransports mit erhöhtem Bilirubin und Gelbsucht) sowie die gemischte Form.“

Beispiele für potenziell lebertoxische Arzneistoffe:

Hepatozellulärer Leberschaden:

Acarbose, Acetylsalicylsäure, Allopurinol, Bupropion, Diclofenac, Fluoxetin, Isoniazid, Ketoconazol, Lisinopril, Losartan, Nefazodon, Nevirapin, Paracetamol, Paroxetin, Pyrazinamid, Rifampicin, Risperidon, Ritonavir, Sertralin, Statine, Tetracycline, Trazodon, Trovafloxacin, Valproinsäure .

Cholestatischer Leberschaden:

Amoxicillin/Clavulansäure, anabole Steroide, Azathioprin, Chlorpromazin, Clopidogrel, Cytarabin, Erythromycin, Fosinopril, Irbesartan, Phenothiazine, Estrogen, Sulindac, Terbinafin, trizyklische Antidepressiva.

Gemischte Form:

Amitriptylin, Azathioprin, Captopril, Carbamazepin, Clindamycin, Cyproheptadin, Enalapril, Flutamid, Ibuprofen, Nitrofurantoin, Phenobarbital, Phenytoin, Sulfonamide, Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Verapamil.

Hinweise auf Leberschäden sind meist unspezifisch

„Die Symptome sind zumindest in ihren frühen Stadien unspezifisch: Oberbauch- und Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, eventuell auch Fieber und Ausschläge sowie Gelbsucht (Ikterus) bei fortgeschrittener Cholestase. Daher können sie leicht übersehen oder anderen Ursachen zugeschrieben werden. Umso wichtiger ist es, bei diesen Beschwerden immer auch an die Möglichkeit eines Medikamenten-induzierten Leberschadens zu denken.

Tatsächlich führt die Mehrzahl der Arzneistoffe nur sehr unregelmäßig und längst nicht bei allen Patienten zu Leberschäden.

Typischerweise entstehen Leberschäden auch bei therapeutischer Dosierung und sind nicht vorhersehbar. Sie betreffen nur Personen mit spezifischer Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Substanzen. Als Mechanismus werden Hypersensitivität (Beginn nach Wochen) oder abnorme Verstoffwechselung durch genetische oder umweltbedingte Einflüsse (Beginn nach Tagen) angenommen, wobei die genaue Ursache nur in Einzelfällen geklärt ist. Diese unvorhersehbare Form der Leberschädigung mit weitgehend unbekanntem Mechanismus wird auch »idiosynkratisch« genannt. Die histologischen Leberveränderungen sind variabel, oft aber typisch für eine bestimmte Substanz. Der Verlauf ist häufig fatal, falls der Arzneistoff weiter eingenommen wird, nachdem die Reaktion begonnen hat.“

„Im Gegensatz zu den idiosynkratischen Reaktionen treten die vorhersehbaren Leberschäden durch direkte chemische Reaktion in den Leberzellen auf. Sie sind dosisabhängig, reproduzierbar und meistens aus Toxizitätsstudien bei Tieren oder aus klinischen Studien bekannt. Sehr gut untersucht ist die dosisabhängige Hepatotoxizität von Paracetamol.“

„Manche Medikamente führen fast obligatorisch zu einem meist vorübergehenden Anstieg der Leberenzyme, ohne dass die Organschädigung zu einem klinisch relevanten Ausmaß fortschreitet. Typische Beispiele sind Statine, Clozapin und Isotretinoin. Obwohl auch diese Medikamente in Ausnahmefällen schwere Leberschäden hervorrufen können, bleibt es in aller Regel bei einem Anstieg der Leberenzyme um das Zwei- bis Dreifache der oberen Norm. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt.“

„Bei Arzneistoffen, die nur sehr selten zu Leberschäden führen, dürfte das regelmäßige Monitoring der Leberenzyme…..nicht kosteneffektiv sein. Viel wichtiger ist es, auf die ersten Symptome einer Schädigung (Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Verdauungsbeschwerden und eventuell Hautveränderungen und Juckreiz) mit einer Bestimmung der Enzymwerte zu reagieren. Das setzt allerdings voraus, dass dem Patienten diese Vorboten einer Leberschädigung vom Arzt und in der Apotheke erklärt werden.“

„Auch pflanzliche Arzneistoffe werden über die Leber metabolisiert und können so zu metabolisch oder immunologisch bedingten toxischen Schäden führen.“

Die Diagnose medikamentenbedingter Leberschäden ist schwierig

„Zurzeit gelten etwa 1000 Arzneistoffe als lebertoxisch, vermutlich entspricht diese Zahl nur der Spitze des Eisbergs. Theoretisch kann so gut wie jedes Medikament einen Leberschaden verursachen.

Toxische Leberschäden können jede Erkrankung dieses Organs imitieren. Die Symptome eines medikamentös-toxischen Leberschadens unterscheiden sich daher nicht von denen bei Lebererkrankungen anderer Genese. Erschwerend kommt hinzu, dass die Symptome sehr allgemein und unspezifisch sind: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Oberbauchbeschwerden, Verdauungsstörungen und allenfalls Juckreiz und Ikterus, die auf eine Cholestase hinweisen. Beginnende Schäden werden daher oft übersehen.

Da sich aber die Prognose mit zunehmender Exposition verschlechtert, muss bei jeder Leberfunktionsstörung an die Möglichkeit einer hepatotoxischen Nebenwirkung gedacht werden. Hierfür ist eine sorgfältige und möglichst vollständige Anamnese notwendig, die alle Medikamente, pflanzlichen Heilmittel, Tees, Vitamine, Partydrogen und andere potenzielle Toxine einschließt. Die Angaben der Patienten sind diesbezüglich in der Regel unvollständig. Vor allem Medikamente aus der Naturheilkunde oder dem Internet werden oft nicht genannt. Parallel dazu müssen andere Ursachen für die Lebererkrankung ausgeschlossen werden; dies könnten unter anderem eine virale Hepatitis, Autoimmunhepatitis, Alkoholabusus und andere Noxen, Herzinsuffizienz, extrahepatische cholestatische Leberleiden (Gallenstein) sein.

Bei der Beurteilung der Wahrscheinlichkeit für eine Medikamentenreaktion spielt auch die Latenzzeit zwischen Einnahme des Medikaments und Auftreten des Leberschadens eine Rolle. Sie kann Tage bis Wochen oder Monate betragen. Obwohl die zuletzt eingenommenen Medikamente vorrangig als Ursache in Verdacht geraten, können auch seit längerer Zeit eingenommene Medikamente dafür verantwortlich sein. Ebenso dürfen Arzneimittel, die vor einiger Zeit abgesetzt wurden, nicht außer Acht gelassen werden.“

„Letztendlich bleibt die Diagnose aber eine Ausschlussdiagnose, die selten bestätigt werden kann, da ein (absichtlicher) Rechallenge gefährlich und unverantwortlich wäre. Wenn sich die Leberenzyme nach Absetzen der verdächtigen Medikamente erholen (relativ rasch nach hepatozellulärer Reaktion, langsamer nach Cholestase), ist dies auch eine gewisse Bestätigung (Dechallenge).“

Rechallenge würde also heissen: Das Arzneimittel – hier also Umckaloabo – wird nach dem Absetzen und der Erholung der Leber erneut verabreicht. Verschlechtert sich der Zustand der Leber erneut, ist ein Zusammenhang mit dem Arzneimittel bestätigt. Es liegt auf der Hand, dass diese Art der „Beweisführung“ nicht zu verantworten ist.

Quelle der Zitate und der Beispiele potenziell lebertoxischer Arzneistoffe:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=30764

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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