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Schlafmittel können natürlichen Schlaf nicht ersetzen

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Bei Schlafstörungen sorgen Schlaftabletten zwar meist für die ersehnte Nachtruhe, doch ist diese grundsätzlich nicht so erholsam wie natürlicher Schlaf. Das trifft auf die meisten Schlafpräparate zu.

Durch Schlaftabletten lässt sich der natürliche Schlaf nicht ersetzen.

Manche Patienten hoffen zwar, durch einen Wechsel des Schlafmedikaments lasse sich das ändern.

Das sei jedoch nicht richtig, erklärt die Landesapothekerkammer Hessen.

Über längere Zeit eingenommene Schlaftabletten können zudem dazu führen, dass der Betroffene Konzentrationsschwierigkeiten entwickeln oder unsicher im Straßenverkehr werden. Außerdem besteht bei rezeptpflichtigen Schlafmitteln ein Risiko, nach kurzer Zeit davon abhängig zu werden.

Empfehlenswert ist es grundsätzlich, die Ursachen für Einschlafstörungen oder Durchschlafprobleme so früh wie möglich zu erkunden. Neben Stress, chronischer Erschöpfung und einer ungesunden Lebensweise kommen auch Krankheiten als Ursache in Frage. Schlaftabletten sind dann häufig nicht das angemessene Mittel gegen die Probleme mit der Nachtruhe. Wer beispielsweise wegen Muskelschmerzen oder rheumatischer Beschwerden nicht schlafen kann, sollte besser eine Schmerztherapie ins Auge fassen, empfiehlt die Landesapothekerkammer. Auch bei Kopfschmerzen, die zum Aufwachen führen, könnten andere medizinische Möglichkeiten sinnvoller sein. Darüber hinaus können auch andere Medikamente für den gestörten Schlaf verantwortlich sein.

Quelle:

https://de.nachrichten.yahoo.com/wechsel-des-schlafmittels-verbessert-schlafqualität-nicht-145107503.html

Kommentar & Ergänzung:

Hier fehlen Optionen der Phytotherapie. Mit pflanzlichen Schlafmitteln lassen sich nicht alle Schlafstörungen erfolgreich behandeln, aber als Option, als Wahlmöglichkeit, sollten sie ernst genommen werden. Schliesslich gibt es bei pflanzlichen Schlafmitteln kein Risiko von Abhängigkeit, keine erhöhte Sturzgefahr, kein Hang-over am nächsten Tag und keine relevante Störung der Schlafarchitektur.

Zudem bietet die Phytotherapie bei Schlafstörungen verschiedene Ansatzpunkte:

– Kräutertees wie Orangenblütentee oder Zitronenmelissentee. Zwar gibt es für Kräutertees keine klinischen Studien, weil hier mangels Patentierbarkeit niemand Geld investiert. Doch Kräutertees haben ihre eigene Qualität nicht zuletzt dadurch, dass sie sich gut als Abendritual eignen und sinnliche Aspekte nutzen (warmes Teewasser, Duft).

– Ätherische Öle wie Lavendelöl und Melissenöl können auf verschiedene Arten zur Anwendung kommen (inhalativ, als Bad, als Einreibung).

– Trockenextrakte zum Beispiel aus Baldrian, Hopfen und Passionsblume eignen sich zur Anwendung als Schlafdragée, wobei oft Kombipräparate Baldrianextrakt / Hopfenextrakt oder Mono-Präparate aus Baldrianextrakt eingesetzt werden.

Hier gibt es für einige Kombi-Präparate und Mono-Präparate klinische Studien, die eine Wirksamkeit zeigen, wobei es allerdings in der Regel 2 – 3 Wochen geht, bis die Wirkung der Heilpflanzen-Extrakte besser ist als bei einem Scheinpräparat (Placebo).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Pflanzenheilkunde-Infotreff in Winterthur

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Am Pflanzenheilkunde-Infotreff hören Sie Minilektionen zu aktuellen Themen aus der Phytotherapie. Vor allen aber können Sie – die Anwesenden – die Themen bestimmen. Fragen Sie mich zu bestimmten Heilpflanzen, Naturheilmitteln, Krankheiten oder Methoden, die Sie interessieren. Ich werde so gut ich kann mit der Erfahrung aus über dreissig Jahren intensiver Auseinandersetzung mit Naturheilkunde und Phytotherapie antworten. Wir kommen über Ihre Themen ins Gespräch.

Leitung:  Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Zeit:  90 Minuten, von 19.00 Uhr bis 20.30

Türöffnung: 18.30 Uhr

Kosten: 20.- (bitte bar mitnehmen)

Anmeldung: nicht nötig Ort: Kulturzentrum Alte Kaserne, Technikumstrasse 8, 8400 Winterthur (Am Rand der Altstadt, 15 gemütliche Fussminuten vom Bahnhof) Im Eingangsbereich der „Alten Kaserne“ ist der Kursraum angeschrieben.

Programm:

Mittwoch, 26. November 2014:

Naturheilmittel kommentiert und erläutert

Es gibt Naturheilmittel in unüberschaubarer Anzahl und mit sehr grossen Qualitätsunterschieden und Hintergründen. Viele TherapeutInnen und Mitarbeitende in Apotheken und Drogerien erwerben ihr Wissen darüber vor allem in Schulungen der Hersteller, wodurch fraglich wird, ob immer wirklich das Fundierteste verschrieben, empfohlen und verkauft wird. An diesem Abend können Sie Naturheilmittel mitbringen, die Sie gekauft haben, oder Fragen stellen zu Naturheilmitteln, die Sie zu kaufen beabsichtigen. Ich werde die Produkte gerne kommentieren & erläutern und auf ihre Fragen eingehen. Sie bekommen so eine Zweitmeinung von absolut unabhängiger Seite, da ich keinerlei Produkte verkaufe und mit keinem Hersteller verbandelt bin. Wie immer an den Pflanzenheilkunde-Infotreffs, sind an diesem Abend auch alle anderen Fragen rund um die Pflanzenheilkunde willkommen.

 

Montag, 2. Februar 2015: Naturheilkundlich-phytotherapeutische Beratung & Lehre

Sie – die Anwesenden – bestimmen die Themen dieses Abends. Fragen Sie mich alles, was Sie schon lange wissen wollten über Naturheilkunde & Phytotherapie. Und ich werde so gut ich kann dazu Antworten geben: Bestimmte Wirkstoffe, Heilpflanzen, Naturheilmittel, Methoden, Krankheiten…..Ich freue mich auf Ihre Fragen oder Ihren „Lehrauftrag“. Daraus einsteht ein lebendiges Lehrgespräch über Naturheilkunde & Phytotherapie.

Vergangene Themen:

Montag, 29. September 2014:

Heilpflanzen-Anwendungen bei Blasenentzündung

– Heilpflanzen-Anwendungen zur Vorbeugung und Behandlung von Blasenentzündung / Möglichkeiten und Grenzen der Phytotherapie. – Bärentraubenblätter, Kapuzinerekresse, Meerrettich, Cranberry – Wie anwenden? Wann anwenden? – Und im zweiten Teil Fragen aus dem Publikum zur Pflanzenheilkunde als Basis für ein anregendes Lehrgespräch.

Donnerstag, 23. Oktober 2014:

Pflanzliche Arzneiformen – Wissenswertes über Kräutertees, Pflanzentinkturen, Pflanzenextrakte und Frischpflanzensäfte

– In der Phytotherapie ist nicht nur wichtig, welche Heilpflanze bei welcher Krankheit am wirksamsten ist. Entscheidend ist auch die Arzneiform. An diesem Abend erfahren Sie, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Arzneiformen haben und wie sie hergestellt werden. – Und im zweiten Teil Fragen aus dem Publikum zur Pflanzenheilkunde als Basis für ein anregendes Lehrgespräch.

Donnerstag, 8. Mai 2014: Wirkstoffkunde – Gerbstoffe und ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten

– Gerbstoffe sind entscheidend für die Wirkung bedeutender Heilpflanzen (Heidelbeeren, Schwarztee, Blutwurz, Eichenrinde…). Wie genau wirken Gerbstoffe und für welche Krankheiten und Beschwerden können sie eingesetzt werden? – Und im zweiten Teil Fragen zur Pflanzenheilkunde als Basis für ein anregendes Lehrgespräch.

Donnerstag, 20. März 2014: Pflanzliche Schlafmittel

–  Wie genau wirken Baldrian, Melisse, Lavendel, Passionsblume, Orangenblüten…und in welcher Form werden sie am besten gegen Schlafstörungen eingesetzt? Was sind die wichtigsten Punkte der nichtmedikamentösen Behandlung von Schlafstörungen? – Und im zweiten Teil Fragen aus der Runde zur Pflanzenheilkunde als Basis für ein anregendes Lehrgespräch.

Montag, 17. Februar 2014: „Frauenkräuter“

– Die wichtigsten Heilpflanzen in der Gynäkologie und ihre genauen Anwendungsbereiche: Mönchspfeffer, Traubensilberkerze, Frauenmantel…/ PMS, Wechseljahrsbeschwerden, Menstruationskrämpfe – Und im zweiten Teil  Fragen aus der Runde zur als Basis für ein anregendes Lehrgespräch.

Montag, 27. Januar 2014: Verdauungstrakt: Blähungen, Verstopfung, Durchfall

– Welches sind die wirksamsten Heilpflanzen bei Blähungen, Verstopfung und Durchfall? In welcher Form werden sie am besten eingesetzt (Tee, Tinktur, Extrakt)? – Und im zweiten Teil Fragen aus der Runde zu allen Bereichen der Pflanzenheilkunde als Basis für ein anregendes Lehrgespräch.

Montag, 25. November 2013: Johanniskraut & Depression

– Wann Johanniskraut? Wann nicht? In welcher Form? Nebenwirkungen? Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten? Ergänzendes zum Thema Depression und Umgang mit depressiven Menschen. Geschichtliches zum Johanniskraut…. – Und im zweiten Teil Fragen aus der Runde zu allen Bereichen der Pflanzenheilkunde als Basis für ein anregendes Lehrgespräch.

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Tagesseminar: Heilpflanzen-Anwendungen bei Schlafstörungen, Angst, Depression

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Am Donnerstag 28. Februar 2013 im Kulturzentrum „Alte Kaserne“ in Winterthur.

Bei Schlafstörungen, Angst und Depression können Heilpflanzen-Anwendungen eine gute Wahl sein. Schlafpflanzen wie Baldrian, Lavendel, Melisse, Passionsblume, Orangenblüten oder Hopfen helfen nicht in jedem Fall – aber häufig. Und sie tun das ohne Hang-over, Sturzgefahr oder Abhängigkeitsrisiko. Deshalb ist es lohnend, sich mit fundierten Anwendungsformen dieser Heilpflanzen vertraut zu machen – auch für die Krankenpflege. Johanniskraut beispielsweise ist bei leichten und mittleren Depressionen gut etabliert. Für eine wirksame und sichere Anwendung sind jedoch einige wichtige Punkte zu beachten (Nebenwirkungen, Interaktionen). Dieses Tagesseminar vermittelt dazu kompakt aktuelles Phytotherapie-Wissen.

Als Ergänzung zu den Heilpflanzen werden wir zudem wesentliche Aspekte anschauen, die im Umgang mit Schlafproblemen, Angst und Depression auf der nichtmedikamentösen Ebene zu beachten sind – beispielsweise bezüglich Erkennen, Differenzieren, Informieren und Beraten.

Dieses Tagesseminar richtet sich zum einen an Pflegepersonen aus Spitex, Pflegeheim, Spital, Psychiatrischer Klinik, Palliative Care usw. Der Inhalt wird jedoch gut verständlich vermittelt, so dass auch Interessierte ohne medizinischen Grundberuf eingeladen sind. Ebenso willkommen sind selbstverständlich Fachleute aus Medizin, Naturheilkunde oder andern therapeutischen Berufen.

Die Kurskosten für dieses Tagesseminar betragen Fr. 120.-

Weitere Informationen dazu finden Sie hier:

Tagesseminar Heilpflanzen-Anwendungen bei Schlafstörungen, Angst, Depression.

P. S. Für Pflegeinstitutionen (z. B. Spitex, Palliative Care, Pflegeheim, Spital) unterrichte ich dieses Thema auch gerne als interne Weiterbildung.

Falls Sie in der Pflege arbeiten: Geben Sie diesen Tipp doch einfach ihrer Pflegedienstleitung weiter.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Heilpflanzen bei Depression, Angst und Schlafstörungen

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Unter dem Titel „Phytosedativa – Schlaftherapie ohne Risiko?“ publizierte das Komitee  Forschung Naturmedizin (KFN) einen Beitrag von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Martin E. Keck.

Darin findet sich eine interessante Übersicht von Heilpflanzen, die in den Bereichen Depression, Angst und Schlafstörungen eingesetzt werden. Hier die Übersicht (Darstellung leicht verändert, Schreibfehler bei den Pflanzennamen korrigiert, Inhalt unverändert):

„Arzneipflanzen, die bei depressiven Störungen, Angst- und Schlafstörungen

eingesetzt werden:

Pflanze / Deutscher Name: Anwendung

Bacopa monnieri / Brahmi: Depression, Angst, Schlaf

Centella asiatica / Indischer Wassernabel: Depression, Angst

Crocus sativus / Safran: Depression, Angst

Echinum amoenum / Borage:  Depression, Angst

Ginkgo biloba / Ginkgo: Depression, Angst

Hypericum perforatum / Johanniskraut:  Depression, Angst, Schlaf

Lavandula spp / Lavendel: Depression, Angst, Schlaf

Matricaria recutita / Kamille: Angststörungen

Melissa officinalis / Melisse: Depression, Angst, Schlaf

Panax ginseng / Ginseng: Depression, Angst, Schlaf

Papaver somniferum / Mohn: Sedation, Euphorie

Passiflora incarnata / Passionsblume: Angst, Schlaf

Piper methysticum / Kava-Kava: Depression, Angst, Schlaf

Rhodiola rosea/ Rosenwurz: Depression, Angst, Erschöpfung

Scutellaria lateriflora / Helmkraut: Angst, nervöse Erschöpfung, Schlaf

Eschscholzia californica / Kalifornischer Mohn: Angst, Schlaf

Valeriana spp. / Baldrian:  Depression, Angst, Schlaf

Vitex agnus-castus / Mönchspfeffer: (menstruelle) Dysphorie, Schlaf

Withania somnifera / Schlafbeere:  Angst, Schlaf, nervöse Erschöpfung

fett = basierend auf Humanstudien

(nach Sarris et al. A systematic review of insomnia and complementary

medicine.SleepMedRev 15, 99-106, 2011)“

Quelle: http://www.phytotherapie-komitee.de/News/pk_18_04_12/Prof-Keck-Statement.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Diese Aufstellung enthält gute Anregungen und Ideen. Die Wirksamkeit der einzelnen Heilpflanzen bei den aufgeführten Indikationen ist aber sehr unterschiedlich gut belegt. Für die Wirksamkeit von Johanniskraut-Extrakten bei leichten und mittleren Depressionen gibt es beispielsweise gute klinische Studien, bei Mönchspfeffer gegen Schlafstörungen oder bei Kamille gegen Angststörungen ist das nicht der Fall.

Beim Thema Schlaf fehlt mir in dieser Aufstellung der Hopfen, welcher vor allem als Hopfenextrakt zusammen mit Baldrianextrakt angewendet wird.  Für solche Kombinationspräparate gibt es ebenfalls guten klinische Studien.

Beliebt als Abendtee bzw. Schlaftee sind zudem Orangenblüten und Goldmelissenblüten, obwohl für beide keine Belege für die Wirksamkeit vorliegen.

Von Kava-Kava gibt es leider zur Zeit keine wirksamen Präparate im Handel. Kava-Extrakte zeigen in klinischen Studien Wirksamkeit bei generalisierten Angststörungen. Die entsprechenden Fertigpräparate wurden vor einigen Jahren wegen Verdachtsmeldungen auf Leberschäden aus dem Handel genommen (wobei ein ursächlicher Zusammenhang mit der Kava-Einnahme nur mangelhaft geklärt ist).

Siehe auch:

Neue Kava-Studie zeigt Wirksamkeit wässriger Extrakte

Passionsblume und Kava-Kava lindern Angstzustände

Anstelle der vom Markt genommen wirksamen Kava-Extrakte werden nun Similasan Kava-Kava Tabletten oder spagyrische Kava-Tinktur verkauft, die beide bei der Heilmittelbehörde als Homöopathika angemeldet sind, deshalb keinen Wirksamkeitsbeleg vorlegen müssen und die Wirksamkeit entsprechend auch nicht belegt haben. Die Präparate haben nichts mit den ursprünglichen Kava-Extrakten zu tun, beanspruchen aber dieselbe Wirkung. Meiner Ansicht nach werden hier die Konsumentinnen und Konsumenten hinters Licht geführt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bei Schlafstörungen Schlafhygiene beachten

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Die „Pharmazeutische Zeitung“ publizierte einen informativen Beitrag zur Behandlung von Schlafstörungen. Dabei wurden auch die wichtigsten Regeln der Schlafhygiene erwähnt:

„Regeln für einen gesunden Schlaf:

– nach dem Mittagessen kein Coffein

– Alkohol weitgehend vermeiden

– keine schweren Mahlzeiten am Abend

– regelmäßige körperliche Aktivität

– körperliche und geistige Anstrengungen abends allmählich verringern

– persönliches Einschlafritual angewöhnen

– kühles, dunkles Schlafzimmer

– Bett nur zum Schlafen oder zum Sex benutzen

– nachts nicht auf die Uhr sehen

– tagsüber nicht schlafen

– jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41861&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Gelegentlich mal eine schlaflose Nacht, das kennt wohl fast jeder Mensch. Das gehört wahrscheinlich einfach zum Leben und braucht nicht weiter zu beunruhigen.

Chronische Schlafstörungen sind aber etwas ganz anderes.

Erstes ist es wichtig, sie medizinisch abzuklären, weil sie durch körperliche oder psychische Erkrankungen verursacht sein können, die adäquater Behandlung bedürfen.

Zweitens ist es bei chronischen Schlafstörungen sinnvoll, das Potenzial nichtmedikamentöser Massnahmen auszuschöpfen. Dazu gehören die oben aufgeführten Regeln der Schlafhygiene.

„Hygiene“ ist hier gemeint im Sinne einer Gesundheitslehre oder Gesundheitspflege – im Sinne einer Lebensordnung (nach Sebastian Kneipp eine der fünf Säulen der Naturheilkunde), also nicht im Sinn von „sauber und keimfrei“. Hygeia oder Hygieia war in der griechischen Mythologie eine Göttin der Gesundheit. Die Tochter des Asklepios (Gott der Heilkunst) gilt als Schutzpatronin der Apotheker. Das Wort Hygiene leitet sich von ihr ab.

Drittens gibt es medikamentöse Schlafhilfen.

Synthetische Schlafmittel wirken für den Moment oft prompt und können vorübergehend eine adäquate Lösung sein.

Alle synthetischen Substanzen sind aber mit mehr oder weniger gravierenden Nebenwirkungen und Risiken behaftet: Bei zu kurzer Halbwertszeit wacht der Patient mitten in der Nacht wieder auf. Bei langer Halbwertszeit droht am nächsten Tag ein Hangover, der bei älteren Patienten durch eine verzögerte Ausscheidung noch verstärkt sein kann und sie im Alltag mitunter gefährdet (z. B. durch erhöhte Sturzgefahr). Dieser Aspekt, der vor allem Benzodiazepine betrifft, wird in der Praxis viel zu wenig berücksichtigt. Zudem kommt es nach einiger Zeit zu einer Toleranzentwicklung gegenüber diesen Stoffen, denn der Körper vermindert entweder die Zahl der Rezeptoren, an die der Arzneistoff bindet oder er verstoffwechselt die Stoffe durch Enzyminduktion schneller.

Phytopharmaka – also Heilpflanzen-Anwendungen – sind vor allem deshalb eine prüfenswerte Option, weil die beschriebenen Risiken der synthetischen Schlafmittel bei ihnen wegfallen (z. B. keine Toleranzentwicklung, kein Abhängigkeitspotential, keine erhöhte Sturzgefahr). Allerdings wirken sie nicht in jedem Fall verlässlich genug.

Zu den bekanntesten Heilpflanzen, die bei Schlafproblemen in der Phytotherapie zur Anwendung kommen, gehören Baldrian, Hopfen, Passionsblume (Passiflora), Melisse (= Zitronenmelisse) und Lavendel.

Die beruhigende und schlafanstossende Wirkung dieser Heilpflanzen ist auch wissenschaftlich untersucht und dokumentiert.

Beliebt als Schlaftee sind aber auch Orangenblüten bzw. Orangenblütentee und die Goldmelisse (Goldmelissentee oder Goldmelissensirup, vor allem für Kinder). Bei Orangenblüten und Goldmelissenblüten fehlt die wissenschaftliche Dokumentation bezüglich Wirksamkeit. Da sie als Abendtee jedoch angenehm zu trinken und bestens verträglich sind, spricht gar nichts gegen eine Versuch mit ihnen.

Sehr ungeklärt ist die Wirksamkeit der Hafertinktur, die manchmal gegen Schlafstörungen empfohlen wird.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Baldrian bei Schlafstörungen

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Anlässlich einer Pressekonferenz des Komitees Forschung Naturmedizin wurde unter anderem ein Statement veröffentlicht zum Thema „Phytosedativa – Schlaftherapie ohne Risiko?“.

Der Autor Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Martin E. Keck kommt darin auch auf Baldrian zu sprechen:

„Mit Baldrian Monopräparaten gibt es zu der Indikation „Schlafstörungen“

zahlreiche klinische Studien. So ist in mehr als 16 klinischen Studien, an

denen fast 1100 Patienten mit Schlafstörungen teilgenommen haben, die

Wirksamkeit von Baldrian-Präparaten geprüft worden. In sechs der größeren

Studien wurde dabei eine statistisch signifikante Verbesserung des Schlafes

im Vergleich zu  Placebo dokumentiert. Die Verträglichkeit erwies sich als gut.

In einer Doppelblindstudie mit 202 Patienten, die an nicht-organischen Schlaf-

störungen litten, konnte eine vergleichbare Verbesserung unter einem

Baldrian-Präparat dokumentiert werden wie unter Oxazepam.“Zur Verträglichkeit der Baldrian-Präparate schreibt Keck:

„Baldrian-Präparate zeichnen sich durch eine sehr gute Verträglichkeit aus:

Für Baldrian-Monopräparate sind allenfalls seltene Magen-/Darmbeschwerden

und sehr selten allergische Hautreaktionen bekannt. Auch für Baldrianwurzel-

/Hopfenzapfen-Extrakte sind nur sehr selten (allergische) Hautreaktionen

beschrieben worden.“

Und wie stehen Baldrianpräparate im Vergleich zu synthetischen Schlafmitteln / Beruhigungsmitteln da?

Der Vergleich der Wirksamkeits- und Verträglichkeitsprofile zwischen

chemisch-synthetischen Sedativa beziehungsweise Beruhigungsmitteln und

pflanzlichen Arzneimitteln zeige, dass bestimmte Baldrian-Präparate eine gute

evidenzbasierte und von den Patienten akzeptierte Alternative darstellen, schreibt Professor Keck.

Quelle:

http://www.phytotherapie-komitee.de/News/pk_18_04_12/Prof-Keck-Statement.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Baldrian ist die am besten erforschte Heilpflanze im Bereich der Behandlung von Schlafstörungen. Relevante Studien gibt es allerdings nur für Baldrianextrakt-Präparate, nicht für Baldriantee und Baldriantinktur.

Baldrian kann Oxazepam (z. B. Seresta, Anxiolit) bei weitem nicht in allen Situationen ersetzten. Falls es aber Situationen gibt, in denen Baldrian und Oxazepam vergleichbar wirken – wie in der erwähnten Doppelblindstudie –  dann ist Baldrian eindeutig vorzuziehen, weil Oxazepam Risiken mit sich bringt, die dem Baldrian fehlen (z. B. Abhängigkeit, möglicherweise erhöhte Sturzgefahr bei Senioren)

Neben Baldrian werden in der Phytotherapie einige weitere Heilpflanzen bei Schlafproblemen angewendet:

– Lavendel (Lavendelöl, Lavendelbad)

– Melisse (Melissentee, Melissenöl, Melissenbad)

– Hopfen (Hopfentee, Hopfenextrakt)

– Passionsblumenkraut (Passionsblumenextrakt)

Interessant sind zudem die Orangenblüten, die als Orangenblütentee zum Beispiel in der Krankenpflege beliebt sind.

Vor allem Kinder schätzen als Schlaftrunk auch den Goldmelissentee.

Zur Wirkung von Orangenblütentee und Goldmelissentee gibt es keine fundierten Erkenntnisse. Das spricht aber nicht dagegen, Orangenblütentee oder Goldmelissentee als Einschlafhilfe zu verwenden, wenn jemand gute Erfahrungen damit macht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Interessantes zu Hopfen und Hopfenzapfen (Lupuli strobulus)

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Die Pharmaceutical Tribune publizierte vor kurzem einen informativen Beitrag zum Hopfen. Hier ein paar interessante Zitat

Zur Botanik des Hopfens (Humulus lupulus):

„Der wilde Hopfen gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) und ist eine typische zweihäusige Pflanze. Hopfenzapfen sind die Fruchtstände der weiblichen Pflanzen und können Ende August geerntet werden. Die Triebe sind einjährig, die Verbreitung erfolgt über das Rhizom. Man findet wilden Hopfen auf stickstoffreichen und feuchten Böden.“

Wer zum Beispiel mit offenen Augen durch die Rheinschlucht zwischen Valendas und Castrisch (Graubünden) wandert, kann unzählige wunderschöne Hopfenexemplare entdecken.

Zu den Inhaltsstoffen des Hopfens:

„Entscheidend für die Wirkung sind die Inhaltstoffe der Drüsenschuppen an der Innenseite der Deckblätter des Hopfenzapfens. Hauptkomponenten des petroletherlöslichen Weichharzes sind die Bitterstoffe Humulon und Lupulon. Bei längerer Lagerung kommt es zum Umbau dieser labilen Stoffe zu Alkoholen wie dem 2-Methylbutenol, das für die sedierende Wirkung verantwortlich ist. In weiterer Folge bilden sich unlösliche so genannte Hartharze. Weiters finden sich in Lupuli strobulus ätherisches Öl (bis zu 1 %) mit den Bestandteilen Myrcen, Humulen, Farnesen und β-Caryophyllen sowie Flavonoide, die bemessen als Rutinosid mit einem Mindestgehalt von 0,25 % zur Standardisierung für die Qualität der Droge herangezogen werden. Die entsprechende Monographie für Lupuli flos ist im Europäischen Arzneibuch enthalten.“

Die Bitterstoffe im Hopfen dominieren den Geschmack des Hopfentees total. Daher sind Hopfentee und auch Hopfentinktur keine attraktiven Zubereitungsformen.

„In der volksmedizinischen Behandlung wird Hopfenextrakt auch zur Spülung infizierter Wunden empfohlen. Wässriger Hopfenextrakt wirkt nachgewiesen bakteriostatisch und hat auch bedingte Wirkung gegen Protozoen.“

In der Wundbehandlung spielt Hopfen heute keine Rolle mehr. Ringelblume, Hamamelis, Kamille, Aloe vera stehen stehen in diesem Bereich der Phytotherapie im Vordergrund. Aus der traditionellen Pflanzenheilkunde kommen dazu noch Sanikel (Sanicula europaea) und Chäslichrut (Malva silvestris oder Malva neglecta). Die bakteriostatische Wirkung des Hopfens dürfte im Bier eine Rolle spielen.

Protozoen sind tierische Einzeller. Durch Protozoen ausgelöst werden beispielsweise Malaria, Amöbenruhr, Trichomoniasis, Toxoplasmose, Schlafkrankheit, Chagas-Krankheit.

Hopfen hat keine Bedeutung in der Behandlung von Protozoen-Erkrankungen.

„Der sedative Effekt ist dennoch Haupteinsatzgebiet von Humulus lupulus. Aktuelle Studien verzeichnen sogar Erfolge beim Einsatz von Hopfenextrakt in der Behandlung autistischer Personen zur Entspannung und Steigerung der Wahrnehmung.“

Das Thema Hopfen & Autismus tönt interessant, ich habe dazu allerdings noch nirgends greifbare Unterlagen gesehen. Als Quellenangabe für diese Aussagen ist erwähnt:

J Nat Prod 2009: 1220–1230

„Zur therapeutischen Anwendung im herkömmlichen Sinn kommt Humulus lupulus als Sedativum und bei Unruhezuständen in Form von beruhigenden Teezubereitungen in Kombination mit Orangenblüten, Johanniskraut oder Lavendelblüten. Auf Grund einfacher Handhabung werden bevorzugt die im Handel befindlichen Fertigpräparate mit hochkonzentrierten Extrakten der Hopfenzapfen in Kombination mit Passiflora, Baldrian und Melisse empfohlen.“

Am häufigsten wird die Kombination von Baldrianextrakt und Hopfenextrakt verwendet.

„In der Praxis haben sich diese Präparate besonders als Tagessedativum nach familiären Schicksalsschlägen oder bei stressbedingter Unruhe bewährt. Auch als Mittel zur Förderung der Schlafbereitschaft können (nicht alkoholische) Zubereitungen aus Humulus lupulus kurz vor dem Zubettgehen eingenommen werden. Sie erzielen gute Wirkung ohne Gewöhnungseffekt und sind auch für schwangere Frauen ab dem dritten Monat geeignet.“

Beim Hopfen fehlen klare Angaben dazu, wie schnell die Wirkung eintritt.

„In der Volksmedizin ist auch das Schlafen auf mit Hopfen befüllten Kissen als Einschlafhilfe empfohlen. Die phytoöstrogene Wirkung von Hopfenblüten wird diskutiert, aber das ist wiedereinmal eine andere Geschichte … Ein Bierchen in Ehren – sollt jedenfalls niemand verwehren!“

Das Hopfenkissen ist eine interessante Hopfen-Anwendung und eine Alternative zum Lavendelkissen.

Zum Thema Phytoöstrogene und Hopfen siehe auch:

Hopfen & Phytoöstrogene

Quelle:

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=108767&dspaid=929379

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

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Was ist eigentlich Orangenblütentee? Zeigt Orangenblütentee tatsächlich eine Wirkung als Einschlafmittel? Das sind Fragen, die an Heilpflanzenkursen oder in der Phytotherapie-Ausbildung immer wieder auftauchen. Orangenblütentee wird als Schlaftee und Abendtee oft und gern verwendet, aber Informationen dazu in Phytotherapie-Fachbüchern ist rar. Und selbst wen man den Suchbegriff  „Orangenblütentee“ bei Wikipedia eingibt, bekommt man kein Ergebnis.

Orangenblüten (aurantii flos) sind die getrockneten, zum grössten Teil geschlossenen, ganzen Blüten der Bitterorange (Citrus aurantium L. subsp. aurantium).
Der Bitterorangenbaum ( = Pomeranzenbaum) ist, ähnlich wie der Zitronenbaum, ein bis zu 5 m hoher Baum mit immergrünen Blättern. Die mittelgroßen, weißen bis cremefarbenen Blüten duften stark mit süß-schwerem Geruch. Sie wachsen in ein- oder wenigblütigen, blattachselständigen Trauben. Die rundliche Frucht besitzt einen Durchmesser von 7-8 cm, ist an beiden Enden abgeflacht und hat eine dicke, rauhe, orangefarbene Schale. Das Fruchtfleisch ist von säuerlich-bitterem Geschmack.

Orangenblütentee wird wegen seiner beruhigenden Wirkung bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen angewendet. Er hat sich auch in Pflegeheimen und Spitälern als Abendtee etabliert.
Allerdings existieren in der Phytotherapie-Fachliteratur keinerlei Belege für die empfohlenen Anwendungsbereiche des Orangenblütentees. Studien und genauere Untersuchungen fehlen.

Orangenblüten enthalten 0,2-0,5 % ätherisches Öle mit hauptsächlich Monoterpenen (Linalylacetat, alpha-Pinen, Limonen, Linalool, Nerol, Geraniol), ausserdem Anthranilsäuremethylester und Bitterstoffe.
Die Zusammensetzung des ätherischen Öles zeigt Ähnlichkeit mit dem Lavendelöl (Linalylacetat, Limonen, alpha-Pinen, Linalool, Geraniol). Da für Lavendelöl eine beruhigende Wirkung bei Unruhe und Einschlafstörungen gut belegt ist, scheint eine solche Wirkung für den Orangenblütentee plausibel. Es würde sich dann beim Trinken von Orangenblütentee quasi um eine Aromatherapie via Duftebene handeln. Deshalb wäre wohl die Empfehlung sinnvoll, den Orangenblütentee langsam schluckweise zu trinken, damit das ätherische Öle gut auf die Geruchsrezeptoren einwirken kann.

Von der Bitterorange wird im übrigen auch die Schale verwendet (Bittere Orangenschale, Bitterorangenschale): Die vom weisslich-schwammigen Gewebe des Mesokarps (Albedoschicht) teilweise befreite äussere Schale der Frucht.

Bitterorangenschale enthält neben ätherischem Öl mit der Hauptkomponente Limonen bitter schmeckende Flavonoide (Neohesperidin, Naringin).
Die Bitterstoffe regen reflektorisch die Speichel- und Magensaftsekretion an und wirken daher appetitanregend und verdauungsfördernd. Bittere Orangenschale wird manchmal bei Appetitlosigkeit in der Kinderheilkunde eingesetzt.

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Kopfschmerzen nach Koffein-Entzug

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Koffein regt den Organismus an, kann aber auch abhängig machen. Das kann zu Kopfweh und Ermüdung führen, wenn die gewohnte Tagesportion ausbleibt. Weshalb das so ist, erläutern Psychiater der University of Vermont College of Medicine im Wissenschaftsjournal Psychopharmacology. Sie erforschten, welche körperlichen Prozesse ein plötzlicher Einnahmestopp von Koffein auslöst.

Bei Versuchspersonen, die über einen längeren Zeitraum Koffeinkapseln eingenommen hatten, zeigten sich deutliche Reaktionen nach einem Zufuhrstopp. Diese Reaktionen glichen den typischen Entzugserscheinungen von Suchtmitteln. Die Geschwindigkeit des Blutflusses im Gehirn und auch die Theta-Rhythmen im EEG-Bild steigerten sich, was die Wisenschaftler als wichtigste Auslöser für das Kopfweh sehen. Die Studienteilnehmer erklärten zudem, dass sie sich beim Entzug besonders müde, erschöpft, lustlos oder matt fühlten.

„Koffein verengt die Blutgefäße, was kurzfristig zu schnellerem Blutfluss wie auch zu hohem Blutdruck führt. Gleichzeitig steigt das Sauerstoff-Angebot in den Zellen“, sagt dazu Hartmut Göbel, Leiter der Schmerzklinik Kiel. Der in Kaffee, Tee, Cola, Energy-Drinks und auch in Kakao enthaltene Wirkstoff Koffein ziele auf die Rezeptoren ab, welche der Zelle sonst Pause signalisieren. Dadurch verhindere er Müdigkeit.

„Das Problem dabei ist, dass das Gehirn eine ständige Koffein-Dosis bemerkt und sich daran gewöhnt. Deshalb wirkt Koffein umso weniger, je mehr man davon zu sich nimmt“, erklärt Göbel. Entziehe man dem Organismus nach der Gewöhnung Koffein, könne das zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Depressionen führen. „Deutlich wurde das durch den Nachweis, dass die meisten Menschen am Samstag Kopfschmerz haben, da sie am Wochenende ihre gewohnte Kaffeedosis nicht zu sich nehmen.“

Koffein sei medizinisch und pharmakologisch eine Droge, betont Göbel.
Die bei regelmäßigem Koffeinkonsum entstehende Abhängigkeit sei in der Gesellschaft aber so gut organisiert, dass man sie kaum bemerke. „Kaffee gehört zum Alltag und wird permanent eingenommen. Im Arbeitsalltag oder bei Veranstaltungen ist er stets verfügbar, oder man legt eben eine Kaffeepause ein.“ Gelegenheiten des Kaffeekonsums gebe es auch in allen städtischen Einkaufszonen, während in England die traditionelle Teezeit um fünf Uhr nachmittags dieselbe Funktion erfülle, die übliche Müdigkeit dieser Tageszeit auszugleichen. „Stark zubereiter Tee enthält dieselbe Konzentration Koffein wie Kaffee“, so der Schmerzmediziner.

Weil der anregende Effekt des Koffeins Kopfschmerz vorübergehend stillt, wird es schon lange als Arznei eingesetzt. „Coca Cola wurde ursprünglich als Therapie gegen Kopfschmerzen entwickelt“, so Göbel. Die Anwendung der Aufputschsubstanz in Medikamenten kritisiert der Schmerzspezialist allerdings. „Das ist etwa bei den gängigsten Analgetika gegen Kopfschmerz der Fall. Diese Mischpräparate kombinieren Schmerzmittel mit Koffein, wodurch das Risiko einer Abhängigkeit gegeben ist. Es gibt Patienten, die aus diesem Grund regelmäßig 30 Schmerztabletten pro Tag einnehmen.“ Anstelle der Kombination von schmerzstillenden Wirkstoffen (Analgetika) mit Koffein sei eine Monotherapie sinnvoller, die nur einen Wirkstoff verwende und auf Koffein verzichte, betont der Schmerzmediziner. Kaffee könne man dann unabhängig von dem Schmerzmittel einnehmen, wenn man den Koffeineffekt wünsche.

In Maßen genossener Kaffee sei laut Göbel eine sozial verträgliche Droge, weil er die Leistung erhöht. Zudem spreche medizinisch nichts gegen bis zu vier Tassen Kaffee täglich. „Eine Tasse enthält je nach Stärke zwischen 30 und 100 Milligramm Koffein. Koffein ist jedoch bis zu einer Dosis von 200 Milligramm unbedenklich.“ Wer gerne viel Kaffee trinke, solle diesen möglichst schwach zubereiten, empfiehlt der Mediziner. „Wichtig ist es jedoch, Körper und Geist genügend Ausgleich zu geben.“

Quelle: www.journalmed.de, 8. 5. 2009

Kommentar:

Zweifellos gibt es “Kaffee-Junkies”, die sich vielleicht einmal Gedanken machen sollten über die täglich zugeführte Koffein-Dosis.
In mässigen Dosen getrunken, haben allerdings Kaffee, Schwarztee, Grüntee und Weisser Tee durchaus auch positive Wirkungen auf die Gesundheit. Dies verdanken sie verschiedenartigen Inhaltsstoffen, welche sie neben dem Koffein auch noch “mitführen”, beispielsweise den Tee-Polyphenolen. Schwarztee zählt zudem schon seit langem zu den bedeutenden Heilpflanzen.

Fragwürdiger sind deshalb die Energy-Drinks vom Typ “Redbull”, welche Koffein isoliert von den pflanzlichen Begleitstoffen enthalten, gemischt mit Süssstoffen und Aromastoffen. Aus gesundheitlicher Sicht eine ziemliche “Schrottladung”, wobei auch hier der gelegentliche Konsum wohl unbedenklich ist. Wenn aber der grössere Teil des täglichen Flüssigkeitsbedarf via “Energy-Drinks” gedeckt wird, scheint mit das schon eher bedenklich.

Hier ist wieder einmal ein Plädoyer fällig für den Kräutertee.. Wie wäre es zum Beispiel mit Hagebutten, Karkade, Rooibos (Rotbusch), Verveine (Zitronenstrauch, Verbena), Orangenblüten (als Abendtee), Lindenblüten, Pfefferminze. Sie alle sind koffeinfrei, bieten viel Abwechslung und eignen sich als Genusstee – einzeln getrunken oder nach eigenem Geschmack gemischt.

Präzisiert werden müsste noch die Aussage in obigem Beitrag, dass stark zubereiteter Tee dieselbe Konzentration an Koffein enthält wie Kaffee. Das stimmt wohl, wenn mit “stark zubereitet” eine hohe Dosis Teeblätter pro Tasse gemeint ist. Nicht zutreffen dürfte dies, wenn mit “stark zubereitet” gemeint ist: Den Tee lang ziehen lassen.
Wird der Tee nämlich längere Zeit ziehen gelassen, wird das Koffein teilweise durch Gerbstoffe gebunden. Dadurch sinkt die resorbierte Koffeinmenge.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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