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WWF: Besorgnis um Hoodia-Pflanze

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Das Figurbewusstsein in den Industrieländern ist nach Informationen der Umweltstiftung WWF zur Gefahr für die Hoodia-Pflanze im südlichen Afrika geworden. Das kaktusähnliche Gewächs habe einen Hunger stillenden Effekt und werde seit Jahrhunderten von den Bewohnern der kargen Kalahari-Steppe genutzt, berichtete WWF Deutschland.

Nachdem der Westen die Hoodia-Pflanze als Appetitzügler entdeckt habe, werde der Hoodia-Bestand für die Herstellung von Diätmitteln geplündert. Die Speck-Weg-Pflanze sei zwar seit Kurzem auch aus dem Anbau erhältlich, doch illegales Material stamme vor allem aus den natürlichen Vorkommen. Der Verkauf illegaler Hoodia-Präparate laufe vor allem im Internet.
„Wer den Winterspeck zum Frühlingsanfang wieder loswerden möchte, der sollte trotz aller Verlockungen auf Hoodia-Produkte aus dem Internet verzichten“, erklärte WWF-Artenschutzexperte Frank Barsch laut Mitteilung. Hoodia (Hoodia gordonii) sei geschützt und dürfe nur mit behördliche Genehmigung eingeführt werden.

Nach WWF-Angaben werden zahlreiche Hoodia-Präparate aus illegal geernteten Beständen hergestellt. Oft sei es schwierig, Herkunft und Qualität in Online-Shops nachzuvollziehen. „Manche der angebotenen Präparate enthalten zu wenig oder gar keine Hoodia. Im besten Fall sind diese Mittel wirkungslos, im schlimmsten Fall gesundheitsschädlich“, so die Warnung von Barsch. Verstöße gegen die Handelsbeschränkungen könnten Bußgeld- und sogar Strafverfahren zur Folge haben. Das gelte auch bei Einkäufen via Internet.

Quelle: www.aerztezeitung.de, 13. 3. 2009

Kommentar:

Der WWF warnt zu Recht vor einer Ausrottung der Hoodia-Pflanze. Es scheint mir sehr wichtig, dass wir im Bereich von Pflanzenheilkunde / Phytotherapie wachsam sind gegenüber dem Thema der Nachhaltigkeit. Es muss alles dafür getan werden, dass Heilpflanzen durch ihre Nutzung nicht in ihrem Bestand gefährdet werden.

Es gibt rund um den Hoodia-Boom aber noch zwei weitere Problempunkte.

1. Hoodia und Biopiraterie

Viele Hoodia-Produkte erfüllen den “Tatbestand” der Biopiraterie.
Damit setzt sich die Erklärung von Bern in Zürich auseinander. Sie schreibt:

“Der Hoodia-Kaktus wächst in den Halbwüsten im südlichen Afrika. Seit jeher stillen die San mit Teilen des Kaktus ihren Hunger und Durst während den langen Wanderungen, die sie zur Jagd unternehmen.

Sein Wirkstoff wirkt als Appetitzügler. Erst nachdem der Wirkstoff von einem südafrikanischen Institut patentiert wurde, hat der Patent-Eigner mit den San einen Vertrag über die Aufteilung des Nutzens abgeschlossen. Seither sind viele Unternehmen des Nordens in das vielversprechende Geschäft mit dem Appetitzügler eingestiegen.

Die grosse Mehrzahl der Profiteure – auch in der Schweiz – haben jedoch keinen Vertrag mit den Trägern des traditionellen Wissens abgeschlossen. Gemeinsam mit den San hat die EvB den Bundesrat in einem Brief aufgefordert, die Biodiversitätskonvention auch in der Schweiz durchzusetzen, und den Verkauf dieser Produkte zu unterbinden.”
http://www.evb.ch

Genauso viel Beachtung wie dem Thema “Nachhaltigkeit” der Heilpflanzen-Nutzung gebührt dem Thema “Biopiraterie”. Wird traditionelles Heilpflanzen-Wissen von Einheimischen zum Beispiel aus Afrika, Südamerika oder Asien genutzt, sollte aus dem Profit mit diesen Produkten die Träger des traditionellen Wissens angemessen entschädigt werden.

2. Wirksamkeit von Hoodia ungeklärt

Die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der Hoodia-Produkte sind nicht geklärt, während die Propagandawelle rollt und die Versprechungen beinahe grenzenlos sind.
Dazu hat sich Professor Edzard Ernst auf www.stern.de geäussert:

“ Die Wissenschaft nahm sich der vermeintlichen Wunderdroge an. Es gelang, eine Substanz mit der sperrigen Bezeichnung P57AS3 (P57) aus dem Pflanzenextrakt zu isolieren, die für die erstaunlichen Effekte verantwortlich zu sein schien. Weltweit wurde berichtet, dass die britische Firma Phytopharm die Patentrechte erworben habe und zusammen mit dem Pharmariesen Pfizer eine „Schlankheitspille“ entwickle. Wenn Buschmänner mithilfe dieses pflanzlichen Mittels auf Nahrung verzichten können, wieso sollten es dann nicht auch übergewichtige Wohlstandsbürger zur Gewichtsreduktion einsetzen?
Doch dann passierte etwas, was niemand erwartet hatte: Vor vier Jahren gaben die Firmen die vorher streng behütete Substanz frei. Somit konnte fortan jeder damit experimentieren. Wie nicht anders zu erwarten, kamen bald Dutzende von Hoodia-Produkten auf den Markt. Heute wird Hoodia auf mehr als 100.000 Webseiten angepriesen.”

Professor Ernst ist Leiter der Abteilung für Komplementärmedizin an der Universität Exter. Er schreibt weiter:

“ Wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Hoodia effektiv das Hungergefühl beim Fasten bremst und das Gewicht reduziert, erschienen allerdings nicht. Um genau zu sein: Bis heute wurde exakt eine Studie zum Thema publiziert, und die basiert auf Untersuchungen an Ratten. Stattdessen kamen Gerüchte auf, dass die Reinsubstanz aus Hoodia leberschädigend sei. Einige meinen, dass Pfizer deshalb das Interesse an der Droge verloren hätte. Andere haben sich die Mühe gemacht, die kommerziell erhältlichen Hoodia-Präparate unter die Lupe zu nehmen. Die Resultate dieser Analysen sind ernüchternd: Die große Mehrzahl dieser Mittel enthalten überhaupt kein Hoodia. Einige enthalten Spuren, aber bei weitem nicht genug, um effektiv zu sein.”

Lehren aus der Hoodia-Story

Professor Ernst sieht drei Lehren, die man aus der Hoodia-Story ziehen sollte:

“ 1. In der Medizin kann Überlieferung nicht als Beweis gelten. Die Tatsache, dass dieses oder jenes Mittel irgendwo schon seit Jahrhunderten erfolgreich eingesetzt wird, bedeutet nicht unbedingt, dass es tatsächlich hilfreich ist.
2. Die Bezeichnung „natürlich“ ist nicht gleichzusetzen mit „harmlos“. Pflanzliche Heilmittel wirken, weil sie pharmakologische Inhaltsstoffe besitzen. Das bedeutet nahezu ausnahmslos, dass auch mit pharmakologischen Nebenwirkungen zu rechnen ist.
3. Im Bereich frei verkäuflicher pflanzlicher Mittel wird oft maßlos übertrieben. Die Medien greifen interessante Neuheiten auf. Die Erwartung der Konsumenten steigt, und skrupellose Anbieter sind dann nur allzu gern bereit, potenziellen Kunden ein X für ein U vorzumachen.”

(Quelle: www.stern.de, aus Heft 6 / 2006)

Ergänzend müsste noch festgehalten werden, dass der Hoodia-Boom nicht nur übers Internet läuft, sondern dass auch viele Apotheken und Drogerien hier ohne Skrupel mitmachen. Das schadet dem Ruf der Pflanzenheilkunde und wohl auch dem Geldbeutel und vielleicht sogar der Gesundheit von Konsumentinnen und Konsumenten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Grüntee fördert gesundes Zahnfleisch

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Wer regelmäßig Grüntee trinkt, stärkt damit sein Zahnfleisch. Das haben japanische Forscher der Universität Kyushu in einer Studie mit annähernd 1.000 Männern herausgefunden.
Wie sich Grüntee-Konsum auf das Zahnfleisch auswirkt, beobachteten die Wissenschaftler um Yoshihiro Shimazaki bei 940 Männern im Alter zwischen 49 und 59 Jahren. Als Beurteilungskriterien wurden Vertiefungen der Zahnfleischtaschen, Zahnfleischverlust und Blutungshäufigkeit verwendet. Mit jeder Tasse Grüntee pro Tag verbesserten sich alle drei Werte, hält der Studienleiter im Journal of Periodontology fest.
Die Fähigkeit des Grüntees, parodontale Symptome zu reduzieren, führen die Forscher auf das antioxidativ wirkende Catechin zurück. Catechin stärkt das Zahnfleisch, indem es einer Entzündungsreaktion der Zahnfleischbakterien entgegenwirkt. Catechin findet sich allerdings nicht nur in Grüntee, sondern auch in Weiß- und Schwarztee sowie in Schokolade, Früchten, Gemüse und Wein.
„Die positive Wirkung von Antioxidantien und Vitaminen allgemein auf das Zahnfleisch ist hinreichend bekannt“, erläutert Klaus Charvat von der österreichischen Gesellschaft für Parodontologie. Speziell zu empfehlen seien Nahrungsmittel und Getränke, die Vitamin C, A oder E enthalten, von Schokolade sei wegen ihres Beitrags zur Plaquebildung abzuraten.

Quelle:
http://www.aerztlichepraxis.de/artikel_allgemeinmedizin_ernaehrung_zahnfleisch_123661019397.htm
http://www.journalmed.de/newsview.php?id=24987

Originalpublikation:
me / pte / J Periodont 80 (2009) 372-377

Kommentar:
Schon längere Zeit bekannt ist der positive Effekt von Grüntee und Schwarztee zur Vorbeugung von Karies.
Der Grüntee wird seit Jahren intensiv erforscht und in der Öffentlichkeit wird ihm ein sehr hoher gesundheitlicher Wert zugeschrieben., während der Schwarztee daneben immer etwas im Hintergrund stand. Inzwischen gibt es aber immer mehr Studien, die dem Schwarztee ähnlich positive Effekte zuschreiben wie dem Grüntee.
Die Untersuchung aus Kyushu ist ein weiterer Hinweis dafür, dass wir auch den Schwarztee und den Weisstee als antioxidative Heilpflanzen ernst nehmen sollten.

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Bio-Viagra: Grosse Versprechungen – kaum Substanz

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Die Berichte von einem Bio-Potenzmittel, das angeblich bereits 2010 als diätetisches Lebensmittel auf den Markt kommen soll, schlug wie eine Bombe ein. Nun scheint der Traum davon aber schon geplatzt. Verschiedene große Tageszeitungen wie die «Süddeutsche Zeitung» und der «Tagesspiegel» berichteten in den vergangenen Tagen von einem Heilpflanzen-Präparat mit dem Namen «Plantagrar», die «Welt» gestern sogar mit großem Foto auf der Titelseite. Gemäss einer Studie sei das hauptsächlich aus Extrakten des Erd-Burzeldorns (Tribulus terrestris) bestehende Mittel sogar wirksamer als Viagra.

In klinischen Versuchen – so die Meldungen – hatten 50 Männer danach mehr Lust auf Sex, mehr Spaß im Bett und fühlten sich auch sonst wohler. Erd-Burzeldorn wächst in Osteuropa. Ähnlich wirke die Andenpflanze Maca. Sie steigere die Bindungsfähigkeit des Testosterons, erläuterte Olaf Schröder vom Charité-Institut für Transfusionsmedizin.

Inzwischen hat sich die Berliner Charité, wo das Mittel getestet wird, vom Bio-Viagra deutlich distanziert. «Es handelt sich bei dieser Untersuchung um die Aktivität eines Mitarbeiters der Charité in eigener Verantwortung. Die Übereinstimmung mit den Richtlinien der Charité zur guten wissenschaftlichen Praxis wird derzeit überprüft. Die Nennung eines Produktnamens in Zusammenhang mit den Untersuchungen entspricht nicht den wissenschaftlichen Standards der Charité. Die Charité behält sich vor, hierauf geeignet zu reagieren und schließt auch rechtliche Schritte nicht aus. Herr Schröder ist nicht berechtigt, Erklärungen für die Charité abzugeben.» So lautete die kurze, jedoch unmissverständliche Stellungnahme der Charité. Laut «Spiegel online» ist Olaf Schröder noch Medizinstudent, und plant eine Dissertation über das Mittel. Bisher habe er jedoch erst einen Versuch mit «Plantagrar» durchgeführt. Der zweite sei noch nicht einmal begonnen, geschweige denn ausgewertet oder gar in einem Fachblatt publiziert und von anderen Experten begutachtet worden.

Quellen:
www.pharmazeutische-zeitung.de, 18. 3. 2009
www.aerztezeitung.de, 17. 3. 2009, update 17.09 Uhr

Kommentar:

1. Zu Aphrodisiaka / Potenzmitteln aus der Pflanzenheilkunde:

Es ist nicht erstaunlich, dass immer wieder angeblich potenzsteigernde Heilpflanzen in die Schlagzeilen kommen. Das Bedürfnis danach ist offensichtlich sehr gross und dementsprechend wäre der Markt fast grenzenlos. Wer hier ein wirksames Produkt auf der Basis von Heilpflanzen findet und entwickelt, hat mehr als ausgesorgt.
Immer wieder im Gespräch sind:

Das Potenzholz (Muira puama) – Holz und Rinde des Baumes Ptychopetalum dacoides und Ptychopetalum unicinatum, der in Brasilien vorkommt. Seine Wirkung ist unbelegt und sehr fraglich.

Die Macawurzel, welche mit unserem Rettich verwandt ist, wächst in grossen Höhen und wird in den Anden als willkommene Nahrungsquelle in unwirtlicher Umgebung geschätzt. Die Maca-Pflanze (Lepidium peruvianum, Syn. Lepidium meyenii Walp.) wird zurzeit als “Ginseng der Anden” angepriesen und soll vor allem die männliche Potenz steigern. Aus Tierexperimenten ergeben sich Hinweise auf eine hormonelle Wirkung der Macawurzel. Auch Untersuchungen an Menschen deuten in diese Richtung, doch ist ihre Aussagekraft begrenzt, weil sie qualitativ nicht den Anforderungen genügen. Insgesamt ist weder die Wirksamkeit noch die Unbedenklichkeit der vor allem via Internet vermarkteten Maca-Produkte hinreichend belegt. Der Hinweis auf die Verwendung als Nahrungsmittel in den Anden genügt zum Beleg der Unbedenklichkeit nicht, da die Wurzel dort vor dem Verzehr einem Erhitzungsvorgang unterzogen wird. Grundsätzlich muss aber damit gerechnet werden, dass eine Pflanze, die in so hohen Dosen zugeführt hat, dass sie in einem bestimmten Anwendungsbereich positive hormonelle Wirkungen hat, in anderen Bereichen auch unerwünschte hormonelle Effekte zeigen könnte. Einseitig nur positive Wirkungen zu erwarten dürfte hier etwas naiv sein. Es gibt aber auch keine konkreten Hinweise für Schädigungen durch Maca-Präparate. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat zu Maca eine Stellungnahme verfasst:
http://www.bfr.bund.de/cm/208/risikobewertung_macahaltiger_nahrungsergaenzungsmittel.pdf
Weitere Infos unter dem Stichwort Maca bei Wikipedia.

Yohimberinde (Yohimbe, Pausinystalia johimbe) stammt aus West-Afrika, vor allem aus Kamerun. Die Yohimberinde enthält das Alkaloid Yohimbin.
Yohimbin wirkt als Sympatholytikum und führt zu einer verstärkten Noradrenalinausschüttung. Es soll eine starke Gefässerweiterung mit verstärkter Durchblutung im kleinen Becken bewirken, was für die aphrodisierende Wirkung auslösend sein könnte.
Bei therapeutischer Anwendung von Yohimbin können Erregungszustände, Tremor, Schlaflosigkeit, Angst, Blutdruckerhöhung, Tachykardie sowie Übelkeit und Erbrechen auftreten. Toxische Dosen verursachen starken Speichelfluss und schliesslich Herzschädigung durch Störungen im Reizleitungs- und Reizbildungssystem. Wegen solcher Risiken ist eine therapeutische Verwendung von Yohimbin und damit auch der Yohimberinde als Heilpflanze nicht zu vertreten.

Alles in allem gesehen:
Die Erwartungen an Heilpflanzen mit potenzsteigernder Wirkung sind hoch, die Dokumentationen dazu und die Belege aber schwach. Dass in diesem Bereich aber auch ein Placebo-Effekt im Sinne einer Erwartungshaltung eine grosse Rolle spielen kann, liegt auf der Hand.

2. Zum Fall Schröder / Erd-Burzeldorn / Bio-Viagra:

Solche Fälle laufen immer wieder sehr ähnlich ab: Da hat jemand eine Idee, die durchaus prüfenswert wäre. Bevor aber die Idee auch nur schon im Ansatz seriös dokumentiert, begründet und geprüft ist, wird sie schon über die Medien weitergereicht, welche gewisse Themen dann nur allzu gerne und leider oft reisserisch unter die Leute bringen.
Korrekt wäre: Zuerst eine sorgfältige Dokumentation erstellen, Publikation aller Daten in einer Fachzeitschrift, damit andere Experten sich kritisch mit den Ergebnissen auseinandersetzen können. Anschliessend sollten Lehren aus dieser Auseinandersetzung gezogen werden. Danach erst kommt der Entscheid, eine Idee in einem grösseren Rahmen vorzustellen, allenfalls ein Produkt daraus zu entwickeln und es zu vermarkten.

Wer seine Idee schon via Medien propagiert und vermarktet, bevor sie sorgfältig dokumentiert ist und sich der kritischen Diskussion innerhalb der “Fachszene” gestellt hat, disqualifiziert sich damit selbst. Das ist übrigens auch ein zentraler Punkt meiner Kritik an den grandiosen Heilungsversprechen des Wolf-Dieter Storl bezüglich Karde & Borreliose. Auch hier hätte es zuerst eine sorgfältige Dokumentation gebraucht und eine kritische Diskussion mit Fachleuten, bevor diese völlig unausgegorene und riskante Idee mit Hilfe des AT-Verlages in die Welt hinaus posaunt wurde. Weitere Infos zum Fall Storl / Karde / Borreliose:
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/2009/02/25/karde-borreliose-therapie-nach-storl-beitraege-zur-debatte-4.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Prinz Charles wegen Entschlackungsmittel kritisiert

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Prinz Charles (60) von England ist wegen eines Entschlackungsmittels als „Quacksalber“ kritisiert worden. Eine spezielle „Entgiftungs-Tinktur“ der Marke Duchy Originals des britischen Thronfolgers sei „vollkommene Quacksalberei“ und „gefährliche Geldverschwendung“. So äusserte sich Edzard Ernst, Professor für Alternativmedizin an der Universität Exter.
Der Prinz ignoriere wissenschaftliche Erkenntnisse und führe die Menschen in die Irre. Es existierten keine Beweise, dass solche Entgiftungsprodukte wirkten. Die Entschlackungstinktur ist als Nahrungsmittelergänzung gedacht und enthält Artischocke und Löwenzahn. Sie kostet zehn Pfund (etwa elf Euro). Gemäss Werbung soll sie entgiften und die Verdauung fördern.

Quelle:
www.aerztezeitung.de, 10. 3. 2009

Kommentar:
Dass Prinz Charles der Alternativmedizin nahe steht, ist schon seit längerem bekannt.

Für eine detailliertere Stellungnahme zu seinem neusten Produkt müsste man natürlich die genaue Zusammensetzung und vor allem die Herstellungsweise kennen. Genau genommen kann man nämlich nie sagen, “Heilpflanze X wirkt YZ”. Es kommt immer entscheidend darauf an, in welcher Dosierung und in welcher Zubereitungsart eine Heilpflanze angewendet wird, beispielsweise als Kräutertee, als Tinktur, Extrakt oder Frischpflanzenpresssaft.

Artischocke und Löwenzahn mit verdauungsfördernder Wirkung

Artischocke und Löwenzahn steigern beide in geeigneter Zubereitungsform die Magensaftproduktion und regen den Gallenfluss an. Insofern könnte das Heilpflanzen-Präparat von Prinz Charles wohl durchaus verdauungsfördernd wirken. Dass seine Anwendung gefährlich sein soll, ist höchst unwahrscheinlich, wenn es wirklich nur Artischocke und Löwenzahn in geeigneter Dosierung und Zubereitung enthält.
In diesen beiden Punkten scheint mir die Kritik von Professor Ernst, dessen Arbeit ich sonst sehr schätze, über das Ziel hinaus zu schiessen.

Unsinnige Entschlackungskuren

Volle Zustimmung verdient Edzard Ernst dagegen meines Erachtens bei den Kritikpunkten “Entschlackung und Entgiftung”.
Dass die ganze Welle mit Entschlackungskuren und Entgiftungsmitteln auf höchst fragwürdigem Fundament steht, habe ich schon mehrfach kritisiert. Niemand konnte nämlich bisher genau angeben, um welche Schlackenstoffe und Gifte es bei solchen Kuren denn konkret gehen soll. Es scheint sich hier um eine Art von Phantom zu handeln. Auch bleibt zumeist im Dunkeln, auf welche Weise die “Schlacken” genau ausgeschieden werden sollen. Und fundierte Belege dafür, dass mit solchen Kuren konkret identifizierbare unerwünschte Stoffe ausgeschieden werden, sind nicht einmal ansatzweise in Sicht.
Wird das Heilpflanzen-Präparat von Prinz Charles also für Entschlackungskuren propagiert und für diesen Zweck gekauft, dürfte der Kritikpunkt “Geldverschwendung” wohl zutreffen.

Allerdings trifft diese Kritik dann auch die zahlreichen “Entschlackungskuren” und “Entgiftungsmittel”, welche jahraus und jahrein, verstärkt aber im Frühling mit dem Versprechen der Gewichtsabnahme, in Apotheken und Drogerien verkauft werden.
Viele dieser Entschlackungsmittel enthalten zudem unsinnigerweise starke pflanzliche Abführmittel wie zum Beispiel Sennesblätter. In dieser Hinsicht wäre dann das Heilpflanzen-Präparat von Prinz Charles, wenn es wirklich nur Artischocke und Löwenzahn enthält, zumindestens eine sanftere, abführmittelfreie Variante.

Ich könnte mir allerdings auch vorstellen, dass man mit den finanziellen Ressourcen, die einem Prinz Charles zu Verfügung stehen, im Bereich Alternativmedizin sinnvollere Projekte aushecken könnte als die Propagierung einer Entschlackungstinktur mit fragwürdiger Wirkung.

Aber immerhin: Schön zu wissen, wofür sich ein englischer Thronfolger in chronifizierter Warteposition so alles interessiert….

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ist Heilfasten gesund?

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Der Frühling ist traditionell die Zeit des Heilfastens. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Manche Fastende erhoffen sich eine spirituelle Reinigung, viele wollen aber auch körperlich ein paar Fettpolster und Schlacken abbauen.

Ernährungsfachleute betonen aber immer wieder, dass man dauerhaft nur Gewicht verlieren kann, wenn man sich mehr bewegt und seinen Speiseplan längerfristig auf kalorienärmere Mahlzeiten umstellt. Und auch dem Entschlackungsmotiv erteilen ErnährungswissenschaftlerInnen eine klare Absage. „Im menschlichen Körper“, erklärt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, „gibt es keine Ansammlung von Schlacken.“ Unverwertbare Stoffwechselprodukte scheide der Körper vielmehr laufend über Haut, Niere, Darm oder Lunge aus.

Nichtsdestoweniger existieren für einige Wirkungen des Fastens auch wissenschaftliche Belege. So könne es, wie Naturheilkunde-Experte Bernhard Uehleke von der Freien Universität Berlin erläutert, bei entzündlichen Erkrankungen wie Neurodermitis und Rheuma helfen, weil der Organismus physiologisch umgestimmt wird: „Er schaltet auf Bewältigungsstrategien um, die weniger zu schmerzhaften Entzündungen führen.“ Zum Beispiel reduziert der Fleischverzicht den Wert an Arachidonsäure – und dieser Stoff bildet die chemische Basis für schmerzhafte Entzündungsreaktionen.

In einer Dissertation des Universitätsklinikums Jena an 36 Arthrose-Patienten führte ein 15tägiges Heilfasten zu deutlichen Besserungen der Beschwerden. Die eingeschränkten Gelenkfunktionen besserten sich und die Schmerzen nahmen ab. „Niemand kann allerdings lebenslang fasten, um die Gelenkveränderungen zu stoppen“, sagt Studienbetreuerin Professorin Christine Uhlemann. Trotzdem könne eine Fastenkur auch längerfristig wirken, wenn die Patienten danach ihr Ernährungsverhalten umstellen und vor allem die Fleischzufuhr deutlich vermindern.

Darüber hinaus bewirkt Fasten eine Stärkung des Immunsystems: Es vermehrt im Darm die für die Virusabwehr zuständigen Immunglobuline, und diese Wirkung lässt sich teilweise auch noch drei Monate nach Beendigung einer Fastenkur nachweisen. Physiologe Yurly Zverev von der Universität Malawi entdeckte zudem, dass Fasten den Geschmackssinn schärft. „Vor allem unser Geschmackssinn auf Süßes und Salziges“, so erläutert er, „reagiert danach sensibler als vorher.“ Bittere Geschmacksnoten werden dagegen nach dem freiwilligen Essensentzug nicht stärker wahrgenommen.

Nichtsdestoweniger sollten die Effekte des Heilfastens nicht überschätzt werden. Wenn von „durchschlagenden Heilerfolgen“ bei Schuppenflechte und Diabetes gesprochen wird, bleibt Skepsis angebracht. Und wenn der bekannte österreichische Heilpraktiker Rudolf Breuss behauptet, dass „Krebsgeschwülste absterben“, indem man 42 Tage lang ausschliesslich Gemüsesaft und Tee zu sich nimmt, wird es gefährlich. „Denn diese Behauptung ist durch nichts bewiesen“, betont die deutsche Krebsgesellschaft. Wer sich an die Ratschläge des umtriebigen Heilpraktikers halte, müsse vielmehr mit einer Mangelernährung „und damit mit einer zusätzlichen Schwächung des Immunsystems“ rechnen.

Uehleke betont zudem, dass Heilfasten nicht nur für sich allein, sondern am besten in Kombination mit anderen Verfahren der Naturheilkunde zum Einsatz kommen sollte. Zum Beispiel in Kombination mit Kneippschen Güssen und Anwendungen aus der Heilpflanzenkunde. Außerdem sollten Fastenkuren nur mit fachlicher Anleitung durchgeführt werden. Immer wieder werden Menschen in Spitäler eingeliefert, die bei ihren privaten Fastenkuren kollabierten.

Quelle:
http://www.fr-online.de, Frankfurter Rundschau,
24. 2. 2009

Kommentar:

Dass Fastenkuren sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben können, zeigt der Artikel aus der “Frankfurter Rundschau” meiner Ansicht nach gut auf.
Wichtig scheint mir die Klarstellung bezüglich der Entschlackung.
Entgiften und Entschlacken ist in der Naturheilkunde ein grosses Thema. Auch in der Pflanzenheilkunde gibt es Entschlackungskuren, die vor allem abführende und harntreibende Heilpflanzen enthalten, zum Beispiel Sennesblätter, Birkenblätter, Brennessel, Löwenzahn.
Bisher konnte mir aber niemand auch nur annähernd überzeugend erklären, um welche Art von Schlacken es sich hier genau handelt und wie genau diese ausgeschieden werden. Meinem Eindruck nach ist die ganze Entschlackungstheorie ein Phantom.

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Edelweiss-Wirkstoff gegen Arteriosklerose

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Innsbrucker Forscher haben in Edelweißwurzeln einen Stoff entdeckt, der die Behandlung von Gefäßerkrankungen revolutionieren könnte. Die zur Patentierung angemeldete Idee soll zur Marktreife weiterentwickelt werden.

An der Abteilung Pharmakognosie des Instituts für Pharmazie der Universität Innsbruck forschen die Wissenschaftler um Hermann Stuppner mit Hilfe modernster Methoden nach Naturstoffen, welche als Arzneimittel geeignet sein könnten.

So untersuchte Stuppner zusammen mit Stefan Schwaiger vom Institut für Pharmazie auch die Inhaltsstoffe des Edelweißes und wurde in dessen Wurzeln fündig.

In Zellkulturanalysen zeigte sich der Inhaltstoff Leoligin als wirksames Mittel gegen Verdickungen der Innenwand von Blutgefäßen.

Gefäßwandverdickungen gehören zu den wichtigsten Ursachen zahlreicher Herzkreislauferkrankungen und bilden die Vorstufe von Arteriosklerose.

Die viel versprechenden Resultate konnten in Untersuchungen an Mäusen bestätigt werden. Die einmalige Gabe von Leoligin reduzierte die unerwünschten Gefäßwandverdickungen in Venen-Bypässen im Vergleich zu unbehandelten Mäusen um die Hälfte.

Haltbarkeit von Bypässen verbessert

Einzigartig macht den Naturstoff, dass Leoligin im Gegensatz zu bisher eingesetzten Arzneimitteln die Gefäßinnenwand nicht angreift und sogar bereits existierende Verdickungen vermindert.

Quelle: http://tirol.orf.at/stories/345329

Kommentar:

1. Edelweiss gehört zu den geschützten Alpenpflanzen. Diese Untersuchungen der Universität Innsbruck sollen also niemanden dazu verleiten, Edelweiss-Wurzeln auszugraben!

2. Zu möglichen Heilwirkungen von Edelweiss wurden in den letzen Jahren einige Forschungen durchgeführt und dabei vor allem antioxidative Eigenschaften festgestellt.

3. Versuche in Zellkulturen und mit Mäusen können zwar durchaus interessante Informationen liefern. Ob sich solche Resultate aber auf den Menschen übertragen lassen, ist in den meisten Fällen allerdings noch sehr offen. Ob das Edelweiss also dereinst einen wichtigen Platz unter den Heilpflanzen einnehmen wird, muss sich noch zeigen.

Mehr Infos über das Edelweiss gibt es in einem Radio-Interview, welches ein (sprachlich) schneller Berliner Journalist an einem (frühen) Sonntagmorgen mit mir geführt hat:

http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/080724_Radio-Berlin-Edelweiss.mp3

Wer Edelweiss in der Natur kennenlernen will, kann das vor allem an meinen Heilkräuter- und Alpenblumen-Kursen in Lenk im Simmental. Bildergalerie hier:

www.phytotherapie-seminare.ch/index.php

Eine Chance für eine Edelweiss-Begegnung gibt es auch an der Alpenblumen- und Heilpflanzen-Exkursion in Vals (GR). Bildergalerie hier:

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Mittelmeerdiät: Vorteile für Herz und Hirn

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Eine aktuelle amerikanische Untersuchung liefert gute, neue Argumente für eine mediterrane Ernährung: Olivenöl, Gemüse & Co. wirken dem mit dem Alter einher gehenden Abbau der geistigen Leistungen entgegen. Sie können sogar den Ausbruch der Alzheimer-Erkrankung verzögern.

Im Alter steigt die Gefahr an Alzheimer zu erkranken. Eine Vorstufe (genannt: Mild cognitive impairment“, kurz: MCI) führt zu Vergesslichkeit, aber auch Einschränkungen der Aufmerksamkeit und der Körperkontrolle. Offenbar kann die richtige Ernährung das Risiko zu reduzieren, wie Ärzte um den Neurologen Nikolas Scarmeas vom Medical Center der Columbia University in New York feststellten. Als günstig zeigte sich die so genannte mediterrane Diät, das heisst der Verzehr von Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst, ungesättigten Fetten, zumeist Olivenöl, Fisch und der moderater Konsum von Alkohol, sowie gleichzeitig der Verzicht auf tierische Fette und Fleisch.

„Diese Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass eine mediterrane oder ähnliche Diät das Risiko beeinflusst, dass sich MCI manifestiert oder MCI zur Alzheimer-Erkrankung fortentwickelt“, halten die Mediziner um Nikolas Scarmeas fest. Alles in allem seien die günstigen Wirkungen einer gesunden Ernährung auf MCI jedoch keinesfalls ausreichend untersucht, vor allem die möglichen biologischen Mechanismen, die der Schutzwirkung zu Grunde liegen.

„Auch wenn ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der mediterranen Diät und möglicher Demenzentwicklung hier nicht bewiesen wurde, handelt es sich doch um eine wichtige Studie mit hoher Alltagsrelevanz“, kommentiert Prof. Dr. Matthias Endres, Leiter des Centrums für Schlaganfallforschung und Direktor der Klinik für Neurologie an der Charité in Berlin. „Fest steht: Eine mediterrane Diät ist auf jeden Fall eine gute Empfehlung, um Herz und Hirn auf Dauer Gutes zu tun.“

Quelle: http://www.n-tv.de, 24. Februar 2009

Kommentar:

Zwischen den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde und Ernährungslehre sind die Übergänge fliessend. Das zeigt sich zum Beispiel bei Gewürzen wie Kümmel, Wacholderbeeren, Ingwer, Paprika, Salbei, Zimt, Bockshornkleesamen, Gewürznelke, Curcuma und viele andere mehr. Immer gibt es dabei einerseits Heilwirkungen und andererseits die genussvoll-kulinarische Seite.
Eine gesunde Ernährung ist ein wichtiges Behandlungselement in der Naturheilkunde.
Allerdings gibt es im Bereich der Ernährungslehren auch viele Heilslehren und abstruse Theorien. Die Herausforderung in diesem Bereich ist meines Erachtens, einerseits nicht auf extreme Heilslehren abzufahren, aber andererseits auch nicht gleichgültig gegenüber der eigenen Ernährung zu sein. Also gesund Ernährung, aber ohne überzogenen Dogmatismus, und mit einer guten Portion Genuss.
Die mediterrane Ernährung (Mittelmeerdiät) bietet einen möglichen Weg, auf dem Gesundheit und Genuss unter einen Hut gebracht werden können.

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Grüntee und Schwarztee: Schutz vor Schlaganfall

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Wer jeden Tag mehrere Tassen Tee trinkt, reduziert sein Apoplexie-Risiko. Offenbar existiert sogar ein linearer Zusammenhang. Dabei ist es gleichgültig, ob Grüntee oder Schwarztee konsumiert wird.

Zu diesem Ergebnis kommen Dr. Lenore Arab und Kollegen von der University of California, Los Angeles (USA) in einer aktuellen Meta-Analyse. Die Wissenschaftler hatten neun Studien mit total 194.965 Teilnehmenden ausgewertet.

Dabei wiesen sie einen linearen Zusammenhang zwischen Tee-Konsum und Schlaganfall-Risiko nach. Personen, die täglich drei Tassen Grüntee oder Schwarztee tranken, waren um 21 Prozent weniger gefährdet. Diese Wirkungen zeigten sich aber nur bei Aufgüssen aus der Teepflanze Camellia sinensis, Kräuter- und Früchtemischungen waren in dieser Hinsicht ohne Effekt.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass entweder das Antioxidans Epigallocatechingallat (EGCG) für die positive Wirkung verantwortlich ist – oder auch Theanin, eine in Teeblättern enthaltene Aminosäure. Theanin zeigt strukturelle Ähnlichkeiten mit Glutamat und kann die Blut-Hirn-Schranke passieren. Im Gehirn könnte es mit Glutamat-Rezeptoren interagieren, vermuten die Forscher.
Die Resultate müssten allerdings noch in randomisierten und kontrollierten Studien reproduziert werden, schränkt Arab ein. Dennoch sei von einem signifikant protektiven Effekt durch Trinken von Grüntee oder Schwarztee auszugehen

Quelle: http://www.aerztlichepraxis.de/artikel_neurologie_apoplex_tee_123539272984.htm, 23.02.2009

Originalpublikation:
Stroke 2009, online vorab (doi: 10.1161/STROKEAHA.108.538470)
http://stroke.ahajournals.org/cgi/content/abstract/STROKEAHA.108.538470v1

Kommentar:
Dem Grüntee werden seit Jahren aussergewöhnliche Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben. Dabei blieben aber auch immer zahlreiche Fragen offen. Unter anderem lagen die Dosierungen, bei denen sich beispielsweise gewisse Schutzeffekte gegen Tumorerkrankungen zeigten, in vielen Studien mit etwa zehn (japanische) Tassen pro Tag ziemlich hoch.

Viele Berichte stellten den Grüntee verglichen mit dem Schwarztee als weit wertvoller für die Gesundheit dar. Die Meta-Analyse der University of California ist nicht die erste Studie, welche diese Bevorzugung in Frage stellt. Vielleicht sind Grüntee und Schwarztee in vielerlei Hinsicht gleichwertiger, als dies gegenwärtig dargestellt wird.
Schwarztee wird sowieso unterschätzt, wenn man ihn nur als Genusstee betrachtet. Er wirkt – wenn er korrekt zubereitet und dosiert wird – innerlich gegen Durchfall und äusserlich gegen Hautentzündungen, Schleimhautentzündungen und nässende Ekzeme. Schwarztee gehört also durchaus zu den Heilpflanzen und nicht nur zu den Genussmitteln.

Positiv an der Studie von Lenore Arab ist, dass wir entsprechend unseren Vorlieben Schwarztee oder Grüntee trinken können, und dass die Dosierung von drei Tassen täglich erreichbar ist.
Ich würde diese Prophylaxe allerdings nur machen, wenn mir der ausgewählte Grüntee oder Schwarztee auch schmeckt. Im Moment finde ich Verveine-Tee aber noch deutlich attraktiver.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Jedes dritte Antibiotikum unnötig verordnet

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Ärzte verordnen Antibiotika häufig nicht korrekt. Eine Untersuchung an drei Walliser Spitälern fand über einen Drittel unnötige Verschreibungen. Und war eine Antibiotikatherapie sinnvoll, verschrieb sie der Arzt in fast der Hälfte aller Fälle nicht korrekt.

Die Forscher um Nicolas Troillet vom Zentralinstitut der Walliser Spitäler untersuchten die Krankenakten von total 600 Patienten, denen zwischen November 2002 und April 2003 ein Antibiotikum verordnet worden war. Sie kamen zum Resultat, dass ein Antibiotikum nur in 62,9 Prozent der Fälle das Mittel der Wahl war.

Viele unnötige Verschreibungn gab es bei Patienten mit akuter Bronchitis, wie die Forscher im Fachmagazin „Journal of Hospital Infection“ berichten. Auch bei – zumeist älteren – Patienten mit Bakterien im Urin, jedoch ohne Infektionssymptome, griffen die Ärzte häufig auf Antibiotika zurück.

War eine Antibiotikabehandlung angezeigt, bekamen die Patienten nur in 55,1 Prozent das richtige Antibiotikum in der richtigen Dosierung und für die richtige Dauer. Zudem entschieden sich die Mediziner oft fälschlich für Tabletten statt für eine Injektion.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass in der Studie die unnötig verordneten Antibiotika 20 Prozent der Gesamtkosten ausmachten. Diese Ausgaben könnten vollständig vermieden werden. Sie fanden jedoch auch, dass die unnötigen Medikamente deutlich günstiger waren als die ungeeigneten – wahrscheinlich, weil sie häufiger oral verabreicht werden.

Beim Vergleich zwischen den ungeeigneten und den richtigen Antibiotika ergibt sich ein weniger deutliches Bild: ungeeignete waren im Durchschnitt teurer, der Unterschied jedoch nicht signifikant. Trotzdem: Für die Wissenschaftler ist dies ein guter Grund, um Massnahmen für eine höhere Verschreibungsqualität voranzutreiben.

http://www.medical-tribune.ch/deutsch/news/news.php, 13. 2. 2009

Kommentar:

Die Resultate dieser Studie sind eindrücklich. Angesichts der weltweit zunehmenden Resistenzprobleme mit Antibiotika stellt sich die Frage, ob die Qualitätssicherung der Ärztegesellschaften hier versagt hat und ob die Weiterbildung den fachlichen Ansprüchen genügt.
Die Resistenzprobleme sind schon seit Jahren ein Thema. Meines Erachtens müsste ein solch niederschmetterndes Studienresultat Konsequenzen haben. Und das nicht nur im Wallis.
Dabei ist es mir wichtig festzuhalten, dass ich dies nicht aus einer Feindbildhaltung gegenüber der “Schulmedizin” heraus schreibe, wie sie leider in der Naturheilkunde-Szene weit verbreitet ist. Ich bin überzeugt davon, dass Antibiotika in vielen Fällen wichtige und lebensrettende Medikamente sind.
Im Übrigen könnte die Phytotherapie an manchen Punkten eine sinnvolle Alternative zu unnötigen Antibiotika-Behandlungen bieten. Zum Beispiel bei zwei Problempunkten, welche die Studie anspricht:
Bei akuter Bronchitis könnte beispielsweise Umckaloabo oder Meerrettichwurzel in Frage kommen.
Bei Bakterien im Urin und bei leichteren Fällen von Blasenentzündung (Zystitis) zeigt Preiselbeersaft eine gute Wirkung, und ebenfalls die Meerrettichwurzel.

Es wäre Zeit, an solchen Punkten über seriöse Alternativen aus der Phytotherapie ernsthaft nachzudenken. Das kann man nämlich, ohne dabei in eine extreme “Antibiotika-nie!”-Haltung zu fallen. Differenziertes Denken ist gefragt – und zwar auf Seiten von Medizin und Naturheilkunde.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zürcher Zivilcourage Training

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Die meisten Leute bleiben passiv und schauen weg, wenn jemand angepöbelt oder gar verprügelt wird. Weshalb das so ist, untersuchen Zürcher Motivationspsychologen. Und sie haben auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse ein Zivilcourage-Training entwickelt
Doch warum schauen die Menschen weg? Veronika Brandstätter und ihr Team stellten dazu vier Hauptgründe fest:
– Man scheut vor einer Einmischung in die vermeintliche Privatsphäre anderer zurück.
– Man will sich nicht exponieren.
– Man weiss einfach nicht, was zu tun wäre.
– Man ist so aufgeregt, dass man nicht zum Handeln kommt.

Die verbreitete Passivität steht allerdings im Gegensatz dazu, dass viele Menschen durchaus aktiv werden möchten. «Es gibt eine Lücke zwischen Einstellung und Verhalten», sagt die Motivationspsychologin Veronika Brandstätter.
Dabei hat die Passivität manchmal fatale Folgen: Schweigen kann als Zustimmung fehlinterpretiert werden und die Gewaltbereitschaft sogar verstärken, indem es den Tätern die Rechtfertigung liefert, sie vollzögen ja nur das, was die schweigende Mehrheit will.

Doch was ist überhaupt Zivilcourage?

Zivilcourage, sagt die Forschung, ist das sichtbare Eintreten für die Wahrung von zivilgesellschaftlich demokratischen Grundrechten. Es geht also nicht nur um eine Spende an Amnesty International, sondern um ein sichtbares Aktivwerden für die Menschenwürde. Das braucht Mut, weil mit dem Einschreiten ein gewisses Risiko verbunden ist.

Mit zivilcouragiertem Handeln meint Veronika Brandstätter allerdings keine Heldentaten à la Leoluca Orlando, dem sizilianischen Mafiajäger. «Kleine Schritte statt Heldentaten», ist denn auch ein Motto des Zürcher Zivilcourage-Trainings (ZZT). Die zentrale Botschaft: Zivilcourage braucht es keineswegs nur in Diktaturen. Auch in unserem Alltag gibt es dazu genügend Gelegenheiten: Kleine, zu einem selbst passende Verhaltensweisen, die einem Klima von Gleichgültigkeit und abschätzigem Verhalten Einhalt gebieten können.

Ein zentrales Forschungsergebnis lautet so: Je häufiger sich eine Person in einer Situation befand, in der sie aktives Einschreiten einüben konnte, und je öfter sie dieses Einschreiten kompetent bewältigte, desto wahrscheinlicher ist es, dass Selbstvertrauen, Handlungsentschlossenheit und vor allem Handlungsroutine zunehmen. Es soll beim Einüben von Zivilcourage aber nicht darum gehen, Angstgefühle «wegzutrainieren», sondern darum, Verhaltensweisen zu entwickeln, die trotz Angst ausgeführt werden können.

Das Zürcher Zivilcourage Training (ZZT) vermittelt psychologisches Hintergrundwissen und entwickelt mit Rollenspielen und Übungen wirksame Strategien für das eigene Verhalten in kritischen Alltagssituationen.
Das ZZT basiert auf zwei Säulen. Es vermittelt relevantes Wissen und baut Handlungskompetenzen auf. «Das Spezielle an unserem Training», erklärt Veronika Brandstätter, «ist, dass wir den Teilnehmenden immer die relevanten aktuellsten Resultate aus der psychologischen Forschung präsentieren. So lassen sich Verhaltensänderungen leichter erreichen.» Diese Informationen werden mit den Erfahrungen der Teilnehmenden verknüpft, wobei den Teilnehmenden auch polizeilich erprobte Verhaltensweisen vermittelt werden, die sie in kritischen Situationen anwenden können. Schlussendlich geht es darum, praktikable Handlungspläne zu erarbeiten – keine vagen Absichtserklärungen, sondern konkrete, auf die einzelnen Teilnehmenden ausgerichtete Handlungspläne.

Quelle:
Paula Lafranconi, Couragiert handeln, Artikel auf www.uzh.ch (Universität Zürich, news, 29. 1. 2009)

Öffentlich zugängliche Kurse auf der Basis des Züricher Zivilcourage Trainings gibt es an der EB Zürich (Kantonale Berufsschule für Weiterbildung).
Infos:
http://www.eb-zuerich.ch/kursprogramm/persoenlichkeit-und-management/arbeitswelt-gesellschaft/zuercher-zivilcourage-training.html

Kommentar:

Sie fragen sich, was ein solcher Text in einem Pflanzenheilkunde-Blog zu suchen hat? – Ganz einfach: Wenn es um Gesundheit und Krankheit geht, darf sich eine wache Pflanzenheilkunde meines Erachtens nicht darauf beschränken, die passende Heilpflanze für die jeweiligen Beschwerden zu finden. Der Kontext, in dem wir Menschen leben, ist genauso im Auge zu behalten. Dazu gehört auch die Art und Weise unseres Zusammenlebens. Natürlich stehen solche Aspekte nicht im Zentrum von Pflanzenheilkunde bzw. Phytotherapie. Aber eine Sensibilität für solche Zusammenhänge sollten alle Personen pflegen, die in der Heilkunde tätig sind.
Leider zeigt sich auch im Bereich von Komplementärmedizin / Naturheilkunde verbreitet eine Fixierung auf das Individuum. Gesundheit und Krankheit sind aber immer auch gesellschaftlich beeinflusste Phänomene. Zivilcourage beispielsweise hat meiner Ansicht nach etwas mit Würde und Respekt zu tun – und zwar bei denen, die Zivilcourage ausüben genauso wie bei denen, welchen sie zugute kommt.
Und Würde und Respekt wirken sich meiner Überzeugung nach günstig auf die Gesundheit aus. Obwohl dies natürlich nicht durch doppelblind-randomisierte Studien belegt ist.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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