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Resveratrol bessert in Studie Hormonhaushalt bei Frauen mit Polyzystischem Ovar-Syndrom (PCOS)

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Das Polyphenol Resveratrol kommt in Weintrauben und einer Reihe anderer Früchte vor. In einer kleinen randomisierten Studie verbesserte Resveratrol die Hormonwerte von Frauen mit Polyzystischem Ovar-Syndrom (PCOS) deutlich. Die Studie wurde publiziert im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2016; doi: 10.1210/jc.2016-1858).

Das PCOS ist mit einer Prävalenz von 6 bis 18 Prozent eine häufige hormonelle Störung von Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter. Prävalenz ist ein Begriff aus der Epidemiologie der aussagt, welcher Anteil der Menschen einer bestimmten Gruppe (Population) zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer bestimmten Krankheit erkrankt ist.

Die meist übergewichtigen Frauen leiden an Zyklusstörungen mit seltener bis ganz ausbleibender Periode und klagen über einen Hirsutismus oder andere Androgenisierungserscheinungen wie Hautunreinheiten oder fettiges Haar. Bei vielen betroffenen Frauen liegt eine Insulinresistenz vor, wodurch das Diabetesrisiko ansteigt. Erhöhte Lipidwerte und Entzündungsparameter wie CRP weisen auf ein gesteigertes kardiovaskuläres Risiko hin.

Die Ursache des PCOS ist nicht genau bekannt. Eine gesteigerte Bildung von männlichen Geschlechtshormonen im Eierstock und auch in den Nebennieren ist ein gemeinsamer Faktor. Eine Therapie mit Antiandrogenen ist in der Regel nicht akzeptabel, und zahlreiche Frauen lehnen auch die Einnahme vTestosteron,Progesteron,klinische Studie,Placebo,on hormonellen Kontrazeptiva ab, von denen eine gute Wirkung erwartet werden kann.

Wissenschaftler der Medizinischen Universität Posen entdeckten bei Experimenten an Thekazellen des Eierstocks, dass Resveratrol die Bildung von Testosteron (nicht jedoch von Progesteron) vermindern kann.

Darum wurde in Kooperation mit Endokrinologen der Universität von Kalifornien in San Diego eine erste klinische Studie durchgeführt, an der in Posen total 30 Frauen mit einem PCOS (nach den Rotterdam-Kriterien) teilnahmen.

Die Probandinnen schluckten über einen Zeitraum von drei Monaten täglich eine Kapsel, die bei der Hälfte der Frauen das Resveratrol-Supplement eines amerikanischen Produzenten und bei der anderen Hälfte ein Placebo enthielt.

Als primärer Endpunkt der Studie legten die Forscher das Gesamt-Testosteron im Serum fest.

Die Wissenschaftler berichten hier von einem deutlichen Rückgang um 23,1 Prozent, während in der Placebo-Gruppe ein Anstieg um 2,9 Prozent gemessen wurde. Resveratrol verminderte nicht nur die Androgenproduktion im Eierstock. Auch die Variante DHEAS (Dehydroepiandrosteron-Sulfat), die hauptsächlich in den Nebennieren heergestellt wird, wurde um 22,2 Prozent vermindert, während sich dieser Wert in der Placebo-Gruppe um 10,5 Prozent erhöhte.

Darüber hinaus kam es zu einer Reduktion der Insulinkonzentration im Serum um 31,8 Prozent. Beim „Insulin Sensitivity Index“ zeigte sich eine Verbesserung um 66,3 Prozent. Die Resveratrol-Supplemente wurden gut vertragen, bis auf zwei Frauen, bei denen vorübergehende Sensibilitätsstörungen auftraten.

Aus den guten Resultaten lässt sich ableiten, dass die Durchführung weitergehender klinischer Studien gerechtfertigt wäre, um einen medizinischen Nutzen von Resveratrol beim PCOS zweifelsfrei zu belegen.

Dass solche grösseren Studien durchgeführt werden, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Der US-Produzent vertreibt sein Resveratrol-Präparat als Nahrungsergänzungsmittel. Daher muss er für dieses Produkt keine Wirksamkeit belegen und deshalb auch keine aufwendigen und teuren Studien vorlegen. Er darf für sein Nahrungsergänzungsmittel aber auch nicht die Behauptung verbreiten, dass es einen klinischen Nutzen bei PCOS habe.

Nur wenn der Hersteller diese Aussage machen will, wird sein Produkt als Arzneimittel zulassungspflichtig und eine grosse Phase 3-Studie mit positivem Ergebnis unverzichtbar.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/71010/PCOS-Resveratrol-bessert-Hormonhaushalt-in-Studie

http://press.endocrine.org/doi/pdf/10.1210/jc.2016-1858

 

Kommentar & Ergänzung:

Resveratrol gehört zu den Polyphenolen und kommt in relativ grossen Mengen in der Haut von roten Weintrauben vor, aber auch in Himbeeren, Maulbeeren, Pflaumen, Erdnüssen und im Japanischen Staudenknöterich, der bei uns als Neophyt Probleme bereitet.

Resveratrol wird diskutiert und erforscht als Antioxidans, Krebsmittel, Anti-Aging-Mittel, Phytoöstrogen. Um die Substanz ist in den letzten Jahren ein gewisser Hype entstanden, was immer eine gewisse Vorsicht in der Bewertung nahelegt. So sind zum Beispiel die Wirkungen gegen Krebs vor allem im Labor an Krebszellen festgestellt worden. Untersuchungen an Krebspatienten, die eine erfolgreiche Anwendung von Resveratrol gegen Tumore belegen könnten, existieren jedoch keine.

PCOS als Forschungsbereich für eine mögliche Anwendung von Resveratrol ist mir neu. Die gemessene Reduktion des Testosteronspiegels ist interessant und könnte für weitere Anwendungsbereiche in Frage kommen.

Die Studie ist mit total 30 Frauen allerdings sehr klein und kann eine Wirksamkeit nicht sicher belegen. Das wird den Hersteller des Nahrungsergänzungsmittels nicht davon abhalten, sie in seine Marketingbemühungen einzubinden.

Die Tagesdosis betrug in der Studie 1500mg Resveratrol in einer Kapsel.

Der Text spricht ein wichtiges Problem pflanzlicher Naturheilmittel an. Werden sie als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, braucht es dazu keinen Wirksamkeitsnachweis. Damit entfällt für die Hersteller meistens auch die Motivation, grosse, beweisende Phase-3-Studien durchzuführen. Ich selber bin nicht strikt gegen die Vermarktung pflanzlicher Präparate als Nahrungsergänzungsmittel. Ich ziehe aber Hersteller von, die ihre Präparate als Arzneimittel anmelden und auch die entsprechenden Phase-3-Studien durchführen. Diesen Forschungsaufwand gilt es meines Erachtens wertzuschätzen. Das ist aber auch aus Kostengründen für viele Firmen nicht zu stemmen.

Eine Phase-3-Studie lohnt sich für den Hersteller auch nicht, weil Resveratrol als Naturstoff nicht patentierbar ist. Die Forschungskosten lassen sich nicht auf den Produktpreis schlagen, weil jeder Konkurrent die Forschungsergebnisse auch für sich nutzen und sein Resveratrol-Präparat ohne Forschungsaufwand günstiger auf den Markt werfen kann. Wenn der Forschungsstand in manchen Bereichen der Phytotherapie ungenügend ist, dann kann das jedenfalls auch mit diesen nachteiligen kommerziellen Bedingungen zu tun haben. Das ist auf alle Fälle nicht einfach eine reine Schutzbehauptung.

Was ist eine Phase-3-Studie:

„Die Phase III umfasst die Studien, welche die für die Zulassung entscheidenden Daten zum Wirksamkeitsnachweis ermitteln. Üblicherweise sind mindestens zwei voneinander unabhängige kontrollierte klinische Studien, die jede für sich einen Nachweis der statistischen Signifikanz der Wirksamkeit erbringen, notwendig. Phase-III-Studien können viele tausend Patienten einschließen und sich über mehrere Jahre erstrecken. In der Regel handelt es sich um randomisierte Doppelblindstudien.“

Quelle: Wikipedia

Zu Resveratrol siehe auch:

Zur Bioverfügbarkeit von Resveratrol

Resveratrol aus Weintrauben als Diabetes-Heilmittel?

Resveratrol aus Rotwein als Entzündungshemmer

Mythos vom gesunden Rotwein bröckelt

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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S3-Leitlinie bestätigt Empfehlung für Johanniskraut als Erstlinientherapie der unipolaren Depression

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Nach ihrer ersten Publikation im November 2009 wurde nun in der S3-Leitlinie/NVL Unipolare Depression wiederum die Empfehlung bestätigt, Johanniskraut-Präparate für die Neueinstellung von Patienten mit leichter oder mittelschwerer Depression einzusetzen. Im 5. Update vom Juni 2015 bestätigt das aus beinahe 30 Fachgesellschaften Deutschlands bestehende Expertengremium sein positives Fazit für das pflanzliche Antidepressivum.

Dass Johanniskraut-Präparate damit in eine Reihe mit synthetischen Antidepressiva gestellt werden, verdanken sie ihrer klinisch belegten Wirksamkeit und guten Verträglichkeit, die als wichtigste Kriterien bei der Auswahl eines Präparates gelten. Bedingung für die S3-Empfehlung ist allerdings, dass ausschließlich Johanniskraut-Extrakte „zur Therapie einer leichten und mittelgradigen depressiven Symptomatik eingesetzt werden, für die eine klinische Wirksamkeit durch eigene Studien belegt ist“.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=46428

Kommentar & Ergänzung:

Im folgenden Zitate aus der erwähnten Leitlinie mit kurzen Kommentaren von mir (gekennzeichnet mit M.K.).

Seite 34:

Zitat Leitlinie: „Wenn bei leichten oder mittelgradigen depressiven Episoden eine Pharmakotherapie erwogen wird, kann bei Beachtung der spezifischen Nebenwirkungen und Interaktionen ein erster Therapieversuch auch mit Johanniskraut unternommen werden.

Patienten, die Johanniskraut einnehmen, sollten über die unterschiedliche Wirkstärke der verfügbaren Zubereitungen und die sich daraus ergebenden Unsicherheiten informiert werden. Sie sollten ebenfalls aufgeklärt werden über mögliche schwere Wechselwirkungen von Johanniskraut mit anderen Medikamenten (einschließlich oraler Kontrazeptiva, Antikoagulantien und Antiepileptika).“

M.K.: Ja, es ist sehr zentral sich klar zu machen, dass die verfügbaren Johanniskraut-Zubereitungen sich sehr in der Wirkstärke unterscheiden. Johanniskrauttee, Johanniskrauttinktur, Johanniskraut-Extrakt sind nicht identische Anwendungen.

Und ja, die Information über Wechselwirkungen ist wichtig, und zwar nicht nur von Arzt zu Patient, sondern auch umgekehrt: Wer Johanniskraut-Präparate auf eigene Faust einnimmt, soll seinen Arzt, seine Ärztin darüber informieren, wenn andere Medikamente verschrieben werden, damit allfällige Wechselwirkungen erkannt werden können.

Seite 96:

Zitat Leitlinie: „Bei der Behandlung depressiver Störungen mit Phytopharmaka spielen nur Johanniskrautextrakte (Hypericum perforatum) aufgrund ihrer häufigen Verordnung in Deutschland eine Rolle. Sie werden häufig wegen ihrer vermeintlich geringeren Nebenwirkungen für die Behandlung leichter bis mittelschwerer Depressionen eingesetzt.“

M.K.: Die Formulierung der „vermeintlich“ geringeren Nebenwirkungen von Johanniskraut scheint mir nicht angemessen. Die Nebenwirkungen der synthetischen Antidepressiva variieren je nach Stoffklasse, doch zeigen Johanniskraut-Präparate vergleichsweise ein sehr günstiges Nebenwirkungsprofil. Die geringeren Nebenwirkungen sind nicht „vermeintlich“.

Zitat Leitlinie: „Die Wirksamkeit von Johanniskraut in der Therapie der Depression ist allerdings umstritten. Es gibt sowohl klinische Studien, die eine Wirksamkeit belegen, als auch solche, die keine Überlegenheit gegenüber Placebo zeigen. Eine neue Metaanalyse kommt zum Ergebnis, dass Johanniskrautextrakte bei der Behandlung von leichter und mittelgradiger depressiver Symptomatik wirksam sind. Für schwere oder chronisch verlaufende Depressionen sind keine Effekte belegt.“

M.K.: Leider sind die Unterschiede zu Placebo bei den qualitativ guten Studien grösser und bei den Studien besserer Qualität kleiner. Dieses Phänomen gibt es allerdings nicht nur bei Johanniskraut-Studien, sondern bei vielen Medikamentenstudien.Je besser die Qualität der Studie, desto geringer der Nutzen des untersuchten Präparats.

Bei den qualitativ guten Studien wirkt Johanniskraut nur wenig besser als Placebo. Das lässt sich aber auch von synthetischen Antidepressiva sagen, zum Beispiel bei SSRI:

„So ist bei leichtgradigen Depressionen häufig keine statistisch nachweisbare Überlegenheit gegenüber der Gabe von Scheinmedikamenten (Placebo) festzustellen.“

Quelle: Wikipedia

Auf diesem Hintergrund spricht das bessere Nebenwirkungsprofil oft für Johaniskraut.

Zitat Leitlinie: „Hauptproblem ist, dass für diese pflanzlichen Präparationen erhebliche Standardisierungsprobleme mit stark schwankenden Dosen der möglicherweise bioaktiven Substanzen (u. a. Hyperforin und Hypericin) bestehen. So ist nicht hinreichend bekannt, welche Konstituenten des Johanniskrautextrakts bei welchen Konzentrationen über welchen Wirkungsmechanismus für die antidepressive Wirkung verantwortlich sind. Daher sollten nur Präparate zur Therapie einer leichten und mittelgradigen depressiven Symptomatik eingesetzt werden, für die eine klinische Wirksamkeit durch eigene Studien belegt ist.“

M.K.: Ja, über den Anteil einzelner Inhaltsstoffe an der Johanniskraut-Wirkung ist wenig Gesichertes bekannt. Daher gilt der Gesamtextrakt als Wirkstoff. Und ja, es gibt bei Naturprodukten naturgemäss Schwankungen. Die guten Hersteller grenzen diese Schwankungen aber durch Standardisierung auf eine Leitsubstanz ein. Von erheblichen Standardisierungsproblemen zu sprechen ist meines Erachtens überzogen und ziemlich theoretisch. Belege, dass dadurch reale Probleme entstehen, sind mir jedenfalls nicht bekannt.

Einverstanden: Für jedes Johanniskraut-Präparat muss die klinische Wirksamkeit separat belegt werden und Präparate, die diese Belege liefern, sind vorzuziehen, wenn es um die Behandlung einer depressiven Symptomatik geht. Allerdings kommen dann nur patentierte Johanniskraut-Extrakte in Frage, weil nur für diese Zubereitungsart klinische Studien vorliegen. Für Johanniskrauttinktur fehlen relevante Studien und ihr Wirkstoffgehalt dürfte weit unter dem nötigen Niveau liegen. Für Johanniskrauttee gibt es ebenfalls keine Studien, doch kann ich mir hier vorstellen, dass eine relevante Wirkstoffzufuhr möglich ist.

Zitat Leitlinie: „Unerwünschte Wirkungen…..: Johanniskrautpräparate haben sich in den publizierten Studien als sehr gut verträglich erwiesen, obwohl die Ergebnisse der meist kleinen Studien für seltenere und evtl. auch schwerere Neben- oder Wechselwirkungen nur von sehr limitierter Aussagekraft sind. Zur oft erwähnten Phototoxizität existieren nur vereinzelte Berichte. Von gesicherter klinischer Relevanz ist jedoch, dass Johanniskraut als Induktor von Isoenzymen des Cytochroms P450 zur Wirkungsbeeinträchtigung (inkl. oraler Kontrazeption) und ggf. bei Absetzen zur erhöhten Toxizität zahlreicher Wirkstoffe mit geringer therapeutischer Breite, wie z.B. Ciclosporin, Tacrolimus, Digoxin, Theophyllin, Antidepressiva (Amitriptylin, Nortriptylin), Antikoagulantien, Antikonvulsiva und mehreren HIV-wirksamen Medikamenten, führen kann.“

M.K.: Die verstärkte Lichtempfindlichkeit (Phototoxizität) unter Johanniskraut-Einnahme ist tatsächlich nur schwach belegt. Dieser Aspekt sollte nicht dramatisiert, aber auch nicht völlig negiert werden. Während der Johanniskraut-Einnahme ist starke Sonnenbestrahlung zu meiden (wie sonst auch). Die beschriebenen Wechselwirkungen sind dagegen viel klarer relevant. Johanniskraut aktiviert in der Leber gewisse Enzyme, die bestimmte Fremdstoffe abbauen. Dadurch sinken die Blutspiegel mancher Medikamente und ihre Wirkung kann sich verringern.

Zitat Leitlinie: „Wegen der Unsicherheiten über die richtige Dosierung, der variablen Zusammensetzung der Extrakte und insbesondere der möglichen schweren Wechselwirkungen mit anderen verschriebenen Medikamenten wird Johanniskraut nicht als chemischen Antidepressiva überlegen angesehen. Da die Präparate aber von manchen Patienten als ‚natürliches Produkt’ eher akzeptiert werden als chemisch definierte Antidepressiva, kann einer solchen Patientenpräferenz bei leichten bis mittelschweren Depressionen als erster Behandlungsversuch gefolgt werden. Es ist wichtig, Patienten, die Johanniskraut einnehmen möchten, über die unterschiedliche Wirkstärke der verfügbaren Zubereitungen und die sich daraus ergebenden Unsicherheiten der Dosierung zu informieren. Außerdem ist eine Aufklärung über mögliche schwere Wechselwirkungen von Johanniskraut mit anderen Medikamenten (einschließlich oraler Kontrazeptiva, Antikoagulantien und Antiepileptika) notwendig, ebenso eine ärztliche Betreuung von Patienten, die Johanniskraut einnehmen.“

M.K.: Es kommt nicht darauf an, ob Johanniskraut-Präparate synthetischen Antidepressiva überlegen sind oder nicht. Johanniskraut ist in manchen Situationen einfach eine gute Option (und in manchen nicht).

Mir fehlt in dieser Leitlinie der Hinweis, dass Johanniskraut-Präparate erst nach etwa 14 Tagen ihre Wirksamkeit entfalten. Diese Information ist wichtig für Patientinnen und Patienten.

Quelle der Zitate:

http://www.leitlinien.de/mdb/downloads/nvl/depression/depression-1aufl-vers5-lang.pdf

In den Zitaten fehlen die im Original aufgeführten Literaturangaben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Medikamente beim Prämenstruellen Syndrom (PMS)

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Zur Behandlung der Beschwerden beim Prämenstruellen Syndrom (PMS) gibt es verschiedene nichtmedikamentöse Massnahmen (z. B. körperliches Training, Stressmanagement, Muskelentspannung, diätetische Ansätze).

Darüber hinaus kommen oft auch Medikamente zum Einsatz.

Die Medical-Tribüne hat in einem Artikel zum Thema PMS die wichtigsten Medikamentengruppen vorgestellt.

– Diuretika: „… während der Lutealphase möglich. In plazebokontrollierten Untersuchungen linderte Spironolacton (100 mg/Tag) PMS-Beschwerden deutlich.“

– Psychopharmaka: „Metaanalysen plazebokontrollierter Studien zufolge ließen körperliche und psychische PMS-Symptome unter SSRI1, z.B. Fluoxetin, Paroxetin, Citalopram sowie Sertralin, und SNRI2 (Venlafaxin) nach. Anxiolytika wie Alprazolam und Buspiron wirken schwächer als SSRI.“

– Phytopharmaka: „Falls Patientinnen pflanzliche Medikamente bevorzugen: Ein Fruchtextrakt aus Vitex agnus castus (Keuschlamm) meisterte ebenfalls die Prüfung in plazebokontrollierten Studien.

-Hormonelle Therapie: „Bei der hormonellen Therapie kann man z.B. die Ovulation unterdrücken, das Spektrum reicht von oralen Kontrazeptiva über GnRH-Agonisten und Gonadotropin-Inhibitoren bis hin zur Ovar bzw. Hysterektomie, infrage kommen aber auch Ansätze, bei denen der Eisprung nicht unterdrückt wird (z.B. Progesteron).“

Die Medical-Tribune empfiehlt:

„Die Risiko- Nutzen-Abwägung sollte individuell mit entsprechenden Spezialisten erfolgen.“

Quelle der Zitate:

http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=65229&dspaid=970920

Kommentar & Ergänzung:

Mönchspfeffer (Keuschlamm) gehört in der Phytotherapie zu den Heilpflanzen, die bezüglich Wirksamkeit auch wissenschaftlich gut belegt sind.

PMS ist aber ein sehr komplexes Geschehen und Mönchspfefferextrakte werden nicht in jedem Falle helfen. Sieht man sich aber die Risiken und Nebenwirkungen der anderen vorgestellten Arzneimittel an, so schneidet Mönchspfeffer in dieser Hinsicht ausgesprochen gut ab.

Ein Versuch mit Mönchspfeffer dürfte daher in vielen Fällen eine gute Option sein.

In der Schweiz sind verschiedene Heilpflanzen-Präparate mit Mönchspfefferextrakt im Handel:

Agnolyt Kapseln (Max Zeller, Romanshorn)

Emoton (Tentan, Itingen)

Oprane (Vifor, Villars-sur-Glâne)

Prefemin (Max Zeller, Romanshorn)

Premens (Zeller Medical, Romanshorn)

Ungeklärt ist die Wirksamkeit von Mönchspfeffertee und Mönchspfeffertinktur.

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Auch Lebensmittel können Wechselwirkungen mit Arzneimitteln auslösen

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Dass man Medikamente nicht mit alkoholischen Getränken wie Bier oder Wein hinunterspülen soll, dürfte ziemlich bekannt sein. Dass Milch oder Fruchtsaft ebenfalls problematisch sein können, ist aber wohl vielen Konsumentinnen und Konsumenten nicht klar Kaum jemand weiß, dass manche Medikamente in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden, wenn man sie zusammen mit bestimmten Nahrungs- und Genussmitteln einnimmt.

Beispielsweise wirken einige Antibiotika überhaupt nicht oder nur eingeschränkt, wenn man sie zusammen mit Milch einnimmt. Wer die Antibabypille schluckt, sollte auf Johanniskraut-Präparate verzichten, da diese ebenfalls die Wirkung aufheben können. Menschen, die Medikamente zur Blutverdünnung anwenden, sollten bei Nahrungsmitteln, die verhältnismäßig viel Vitamin K enthalten, vorsichtig sein. Dazu gehören beispielsweise Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl, Kopfsalat, Leber, Spargel und Spinat.

Grundsätzlich ist davon abzuraten, Arzneimittel mit Grapefruit oder Grapefruitsaft einzunehmen, da diese auf verschiedene Arten die Wirkungsweise beeinflussen.

Quelle:

Pressemitteilung Hessischer Apothekerverband e. V.

http://gesundheit-adhoc.de/index.php?m=1&showPage=1&id=11686

Kommentar & Ergänzung:

Wechselwirkungen von Grapefruitsaft mit Medikamenten sind gut untersucht. Weniger bekannt ist aber, dass auch andere Fruchtsäfte wie Orangensaft und Apfelsaft diesbezüglich Probleme machen können.

Siehe dazu:

Grapefruitsaft und andere Fruchtsäfte können Medikamenten-Wirkungen beeinflussen

Zu Wechselwirkungen von Johanniskraut:

Wechselwirkungen von Johanniskraut

Johanniskraut: Wechselwirkung mit Kontrazeptiva

Phytotherapie: Wechselwirkungen von Johanniskraut

Phytotherapie: Johanniskraut-Wechselwirkungen

Johanniskraut und Antibaby-Pille – Warnungen gerechtfertigt?

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Nachtschichten steigern Diabetesrisiko

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Wer Schicht arbeitet und auch nachts Dienst tut, hat offenbar ein besonders hohes Risiko, an Diabetes zu erkranken. Zwei US-Studien mit Krankenschwestern zeigten, dass auch die Zahl der Dienstjahre eine Rolle spielt.

Nach drei bis neun Jahren Wechselschicht hatten Krankenschwestern – verglichen mit nur tagsüber arbeitenden Schwestern – ein um 20 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes, wie Wissenschaftler um Dr. An Pan von der Harvard School of Public Health berichten (PLoS Medicine 2011; 8(12): e1001141).

Nach zehn bis 19 Jahren erhöhte sich das Risiko um 40 Prozent und nach mehr als 20 Jahren sogar um 58 Prozent.

Die Wissenschaftler hatten Daten zweier prospektiver Kohortenstudien ausgewertet, der Nurses Health Studien (NHS) I und II. Die Krankenschwestern – in der Schweiz sagt man heute Pflegefachfrauen –  hatten mindestens dreimal pro Monat im wechselnden Turnus Nachtdienst geschoben.

Risikosteigerung betrifft nicht nur ältere Frauen

Der Zusammenhang zwischen Nachtschicht und Typ-2-Diabetes ließ sich dabei nur zum Teil auf den Body-Mass-Index (BMI) zurückführen: Rechnete man den BMI heraus, verminderte sich der Risikoanstieg zwar auf sechs Prozent nach drei bis neun Jahren, zehn Prozent nach zehn bis 19 Jahren und 24 Prozent nach 20 und mehr Jahren, die Steigerung blieb immer noch statistisch signifikant.

Die 69.269 am NHS I teilnehmenden Frauen waren zu Studienbeginn 42 bis 67 Jahre alt. 6.165 von ihnen erkrankten innerhalb von 20 Jahren an Typ-2-Diabetes.

Die 107.915 Teilnehmerinnen von NHS II waren 25 bis 42 Jahre alt, von diesen Pflegepersonen erkrankten 3.961 binnen 18 Jahren. Die Risikoerhöhung zeigte sich also nicht nur bei älteren Frauen.

Die Wechselschichten machten die Frauen tatsächlich dicker, das ergab eine separate Subanalyse, für die nur die Daten der 25- bis 42-jährigen Krankenschwestern herangezogen wurden. Dabei erhöhte sich das Risiko, Pfunde zuzulegen, in Abhängigkeit von den in Nachtschicht gearbeiteten Jahren.

Diabetesrisiko durch mehrere Faktoren erhöht

Ob die Frauen Sport trieben, Kontrazeptiva einnahmen oder Übergewicht in der Familienanamnese aufwiesen, war dabei nicht relevant.

Mehrere Faktoren begünstigen offenbar das erhöhte Diabetesrisiko bei Nachtarbeit, vermuten die Wissenschaftler. So führen wechselnde zirkadiane Rhythmen zur Abnahme des Leptinspiegels, lassen Blutzucker, Insulin und Blutdruck steigen und führen oft zu Schlafstörungen.

Pflegende mit Nachtschichten rauchten zudem über die Jahre mehr als Schwestern ohne Nachtschichten. Pflegende mit Nachtschichten mussten zudem zwangsläufig ihre Mahlzeiten den Schichten anpassen.

Ständiges Verschieben von Essenszeiten hatte man schon in anderen Untersuchungen mit einem Anstieg von postprandialen Glukosewerten, Insulinspiegel und BMI in Zusammenhang gebracht.

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/diabetes/article/683717/nachtschichten-foerdern-diabetes.html?sh=19&h=1618356173

http://www.plosmedicine.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pmed.1001141

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist ein Hinweis darauf, wie wichtig der Lebens- und Arbeitskontext für die Gesundheit ist. Man kann Gesundheit und Krankheit nicht immer nur am individuellen Verhalten festmachen. Wir sind immer auch eingebettet in Strukturen, die Einfluss nehmen auf unsere Gesundheit. Und diese Strukturen lassen sich vom Einzelnen nur beschränkt beeinflussen. Also müssen wir als Gesellschaft  für gesundheitsfördernde Strukturen sorgen.  Weil es Menschen braucht, die Nachtschicht arbeiten, muss die Gesellschaft dafür sorgen, dass diese Arbeit so gesundheitsfreundlich wie mögliche getan werden kann. Beispielsweise, indem ausreichend Erholungsphasen ermöglicht werden.

Phytotherapeutisch könnten bei Nachtschicht-Arbeit möglicherweise Adaptogene sinnvoll sein. Die wichtigsten Adaptogene in der Phytotherapie sind Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz.

Siehe dazu:

Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz & Co. – Was sind Adaptogene?

Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus – Taigawurzel

Ginseng als Adaptogen

Rosenwurz (Rhodiola rosea) gegen Stress und Müdigkeit

Adaptogene helfen dem Organismus bei der Bewältigung belastender Situationen.

Allerdings sollten solche Heilpflanzen-Präparate nicht als Alibi-Übung dienen und anstelle einer Verbesserung der Verhältnisse konsumiert werden.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wechselwirkungen von Johanniskraut

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Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird als Trockenextrakt bei leichten und mittleren Depressionen eingesetzt.

Johanniskraut-Extrakte zeigen aber auch Wechselwirkungen (Interaktionen) mit anderen Medikamenten.

Johanniskraut aktiviert Enzyme in der Leber (CYP3A4 und P-Glykoprotein), die Fremdstoffe abbauen.

Das kann Probleme geben bei Medikamenten, die durch CYP3A4 abgebaut werden. Deren Spiegel sinken rascher, wodurch sich die Wirksamkeit abschwächt.

Pharmawiki hat die betroffenen Medikamente gut zusammengestellt:

Absolute Kontraindikationen:

Immunsuppressiva (z.B. Ciclosporin, Tacrolimus oder Sirolimus),

anti-retrovirale HIV-Arzneimittel aus der Gruppe der Non-Nucleosid-Reverse-Transcriptase-Inhibitoren (z.B. Nevirapin) und HIV-Proteasehemmer (z.B. Indinavir),

gewisse Zytostatika (z.B. Imatinib, Irinotecan),

orale Antikoagulantien vom Cumarintyp

Relative Kontraindikationen:

Digoxin

Hormonale Kontrazeptiva

Methadon

Statine, Midazolam, Steroidhormone“

Ausserdem gibt es bei folgenden Medikamenten die Gefahr eines Serotoninsyndroms:

Antidepressiva und andere serotoninerge Substanzen (wie Buspiron, Amitriptylin, Nortriptylin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin u.a.).

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Johanniskraut

Kommentar & Ergänzung:

In der Öffentlichkeit bekannt sind vor allem die Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut und der „Pille“.

Dass es darüber hinaus noch eine ganze Reihe von Medikamenten gibt, die ebenfalls von dieser Interaktion betroffen sind, ist viel weniger bekannt.

Wer Medikamente verschrieben bekommt, sollte daher den behandelnden Arzt / die behandelnde Ärztin darüber informieren, wenn er oder sie Johanniskraut einnimmt.

Zu erwähnen ist allerdings noch:

– Das Problem mit diesen Interaktionen ist nicht bei allen Medikamenten klinisch gleich einschneidend. Das drückt sich auch aus in der Unterscheidung zwischen „Absoluten Kontraindikationen“ und „Relativen Kontraindikationen“.

– Für die Interaktion via CYP3A4 ist nach heutigem Kenntnisstand höchst wahrscheinlich der Inhaltsstoff Hyperforin verantwortlich. Es gibt Johanniskraut-Präparate mit unterschiedlichem Hyperforin-Gehalt. Präparate mit tiefem Hyperforingehalt sind folglich weniger betroffen von möglichen Interaktionen als solche mit hohem Hyperforin-Gehalt.

– Mit diesen Interaktionen muss vor allem gerechnet werden bei Johanniskraut-Extrakten. Bei der Anwendung von Johanniskrauttee über 14 Tage wurden keine Interaktionen festgestellt. Das schreibt Reinhard Länger:

„Zubereitungen, mit denen weniger als 1 mg Hyperforin pro Tag aufgenommen wird (zum Beispiel Johanniskrauttee), induzierten über 2 Wochen nicht die genannten Enzyme. Leider liegen bislang keine längeren Interaktionsstudien vor. Wenn die Einnahmedauer auf 2 Wochen beschränkt wird, sind daher keine Interaktionen zu erwarten. Bei längerer Einnahme sind alle genannten Gegenanzeigen und Warnhinweise zu beachten.“

(Quelle: PHYTOTherapie Austria 4 / 2010)

Allerdings geht man aufgrund von Erfahrungen aus klinischen Studien davon aus, dass die Johanniskraut-Wirkung nicht sofort eintritt, sondern erst nach etwa zwei Wochen den Placebo-Effekt übertrifft.

Belegt ist zudem die Wirkung von Johanniskraut bei Depressionen nur mit Johanniskraut-Extrakten, nicht aber mit Johanniskrauttee oder Johanniskrauttinktur.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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Johanniskraut-Präparate in der Grundversicherung: Jarsin, Solevita, Hyperiplant, Rebalance, Hyperimed, Lucillium, Hypericum Mepha, Hyperval

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Johanniskraut-Präparate sind gut etabliert bei leichten und mittleren Depressionen.

Johanniskraut-Präparate mit ausreichend belegter Wirkung werden in der Schweiz von den Krankenkassen aus der Grundversicherung bezahl, wenn ein ärztlichen Rezept vorliegt.

Weil dieser Umstand wenig bekannt ist, hier die entsprechenden Johanniskraut-Präparate:

Jarsin, Solevita, Hyperiplant, Rebalance, Hyperimed, Lucillium, Hypericum Mepha, Hyperval

Die Reihenfolge ist nicht als Rangliste bezüglich Wirksamkeit gemeint.

Festzuhalten ist dabei allerdings, dass die verschiedenen Johanniskraut-Präparate unterschiedliche Johanniskraut-Extrakte enthalten – und zwar mengenmässig (mg), aber auch qualitativ (Konzentration des Extraktes, Zusammensetzung des Extraktes).

Wenn Sie lernen möchten, solche Präparate zu beurteilen um sich eine fundierte Meinung zu bilden, dann können Sie das im Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung.

Siehe auch:

Johanniskraut: Wechselwirkungen mit Kontrazeptiva

Zur Therapie der Depression und dem Stellenwert von Johanniskraut

Phytotherapie: Wechselwirkungen von Johanniskraut

Johanniskraut-Wirkstoffe und Wirkungsweise

Risiko der Photosensibilisierung durch Johanniskraut wird überschätzt

Phytotherapie: Wirkstoffe im Johanniskraut

Phytotherapie: Johanniskraut nur informiert einnehmen

Phytotherapie: Johanniskraut & Wechselwirkungen

Wirkungsmechanismus von Johanniskraut untersucht

Phytotherapie: Zur Wirksamkeit von Johanniskraut

Phytotherapie: Behandlung von Depressionen mit Johanniskraut

Europäische Pflanzenmonografie: Johanniskraut gegen Depressionen

Johanniskraut & Sonnenlicht

Phytotherapie: Neueste Erkenntnisse zum Johanniskraut

Phytotherapie: Positive Aussagen zu Johanniskraut bei Depressionen

Johanniskraut gegen Depressionen informiert anwenden

Johanniskraut bei Depressionen auch als erste Therapie

Johanniskraut und Antibaby-Pille: Warnungen gerechtfertigt?

Johanniskraut gegen Winterdepressionen

Phytotherapie: Wirkt Johanniskraut auch bei schweren Depressionen?

Johanniskraut: Wissenschaftliche Analyse zeigt Wirksamkeit einzelner Extrakte

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Johanniskraut: Wechselwirkung mit Kontrazeptiva

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Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurden vor kurzem folgende Fragen gestellt:

„Gibt es Interaktionen von Johanniskraut mit Kontrazeptiva und anderen Arzneien?

Macht Johanniskraut sonnenlichtempfindlich?

Gibt es Studien zu Rezeptoreninteraktionen oder Hinweise auf Einflüsse aus Transportproteinen?

Die Antworten darauf verfasste Professor Karen Nieber.

Zur Frage der Interaktionen (Wechselwirkungen) mit Kontrazeptiva („Pille“):

„Die Frage zu Interaktionen von Johanniskraut mit Kontrazeptiva ist nicht mit ja und nein zu beantworten. Nach meinen Recherchen ist die klinische Relevanz der Interaktion mit Kontrazeptiva vom Gehalt des Hypericins abhängig. Unumstritten ist eine Interaktion von Johanniskraut mit dem CYP-System und mit P-Glycoprotein. Diese Interaktionen sind vielfach in vitro nachgewiesen. Die klinischen Studien sind sehr differenziert.

Will Shahab und Mitarbeiter haben keine Interaktion nachgewiesen. Sie verwendeten Ze 117 (0,2  Hypericin) 500 mg/d und Lovella (0,02 mg Ethinylestradiol plus 0,15 mg Desogestrel).

Ausgewertet wurde nach drei Monaten Ethinylestradiol und 3-Ketodesogestrel. Murphy et al. untersuchten Loestin 1/10 (0,02  mg Norethindron / 0,15 mg Ethinylestradiol) und 300 mg Johanniskraut dreimal täglich. Sie fanden eine erhöhte Metabolisierung von Norethindron und Ethinylestradiol.

Auch Pfrunder et al. verwendeten ein Niedrigdosis-Kontrazeptivum wie Will-Shahab. Allerdings höher dosiertes Hypericin (Jarsin 0,3 %). Sie fanden keinen Einfluss auf die Ovulation, aber eine verminderte Serumkonzentration von 3-Ketodesogestrel. Bei den Studien wurden allerdings immer nur 16 bis 18 Personen eingeschlossen, sodass es sich um kleine Studien handelt. Dadurch ist natürlich die Aussagekraft eingeschränkt.“

Kommentar:

Dass es Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut-Präparaten und der „Pille“ gibt, steht ausser Frage. Wie stark diese Interaktionen bei den verschiedenen Johanniskraut-Präparaten ausfallen und wie relevant sie in der konkreten Situation sind, das wird immer noch sehr kontrovers diskutiert. Karin Nieber irrt sich allerdings, wenn sie für die Interaktion zwischen Johanniskraut und Kontrazeptiva den Hypericin-Gehalt als massgebend aufführt.

Die Phytotherapie-Fachliteratur sieht hier Hyperforin als entscheidenden Inhaltsstoff.

„Hyperforin, ein Inhaltsstoff von Johanniskraut, induziert dosisabhängig die Aktivität der Enzyme CYP3A4, CYP2C9, CYP2C19 und von P-Glykoprotein. Das bedeutet, dass alle Arzneistoffe, bei deren Metabolismus die genannten Proteine eine Rolle spielen, bei gleichzeitiger Gabe von Johanniskraut-Präparaten beschleunigt abgebaut werden, verminderte Blutspiegel sind das Resultat.“

(Quelle: Praktische Aspekte zur Anwendung von Johanniskrautpräparaten, Univ.-Doz. Dr. Reinhard Länger, PHYTOTherapie Austria 4 / 2010)

Reinhard Länger ist ein Top-Experte für die Wirkungen, Interaktionen und Nebenwirkungen von Johanniskraut, während Karin Nieber schon anderweitig fragwürdig aufgefallen ist.

Siehe: Laborstudie mit negativem Ergebnis für Homöopathie

Ein Professorentitel ist also noch kein Garant für Glaubwürdigkeit.

Zum Thema „Johanniskraut & Pille“ siehe auch:

Johanniskraut und Anti-Baby-Pille – Warnungen gerechtfertigt?

Generell zu Wechselwirkungen von Johanniskraut:

Phytotherapie: Wechselwirkungen von Johanniskraut

Phytotherapie: Johanniskraut-Wechselwirkungen

Zur Frage, ob Johanniskraut die Sonnenempfindlichkeit steigert, schreibt Karin Nieber:

„Die zweite Frage ist klar zu beantworten. Johanniskraut hat eine phototoxische Wirkung, Der Angriffspunkt sind wahrscheinlich die Mitochondrien der Zelle.“

Kommentar: Für diese Wirkung ist Hypericin verantwortlich.

Siehe dazu:

Risiko der Photosensibilisierung durch Johanniskraut wird überschätzt

Meiner Ansicht nach sollte man das Thema der Photosensibilisierung durch Johanniskraut weder dramatisieren noch unter den Tisch wischen.

Quelle des Betrages im Phyto-Forum:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/article/661761/phyto-forum-interagiert-johanniskraut-kontrazeptiva.html?sh=73&h=-1436656583

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Mönchspfeffer bei Prämenstruellem Syndrom (PMS)

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Depressionen, Reizbarkeit, Brustspannen, Ödeme, Kopfschmerzen – zahlreiche Frauen kennen solche Symptome in den Tagen vor der Menstruation. 22 bis 26 Prozent der menstruierenden Frauen leiden an Beschwerden des Prämenstruellen Syndroms (PMS). Über 150 Symptome würden mit PMS in Verbindung gebracht, erklärt der Gynäkologe Professor Bernd Kleine-Gunk bei einer Veranstaltung, die vom Hersteller eines Mönchspfeffer-Extrakts unterstützt wurde.

Drei bis acht Prozent der Frauen sollen unter einer besonders schweren Form leiden, der prämenstruellen dysphorischen Störung (Premenstrual Dysphoric Disorder, PMDD). Hier stehen psychische Symptome wie ausgeprägte depressive Verstimmung oder Reizbarkeit im Zentrum.

Die Beschwerden seien so stark, dass sie Arbeit und Schule, soziale Aktivitäten oder persönliche Beziehungen beeinträchtigen. Nicht nur Frauen litten also unter PMS / PMDD, sondern auch ihre Männer, Familie oder Arbeitsumfeld, sagte der Leitende Arzt Gynäkologie an der Euromed Clinic in Fürth.

PMS habe zwar offensichtlich mit den Hormonen zu tun, es seien jedoch keine hormonellen Veränderungen messbar. Man gehe inzwischen davon aus, dass PMS und PMDD neuroendokrine Störungen sind, die durch die normalen zyklischen Steroidschwankungen ausgelöst werden, erläutert Kleine-Gunk.

Zur Behandlung gibt es drei Ansätze: die Beeinflussung des hormonellen Zyklus‘ durch orale Kontrazeptiva, die Beeinflussung des Neurotransmitter-Stoffwechsels durch Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und die Phytotherapie mit Mönchspfeffer ( = Keuschlamm, Vitex agnus-castus)

Der Mönchspfeffer-Extrakt ist eines der bestuntersuchten Phytopharmaka in der Gynäkologie. Das Heilpflanzen-Präparat ist gut verträglich und nebenwirkungsarm. Außerdem würden Phytotherapeutika auch von Frauen, die sich gegen Antidepressiva oder Hormone sträuben, akzeptiert – so die Erfahrung des Experten. Selbst bei PMDD könne sich ein Behandlungsversuch mit Mönchspfeffer-Extrakt lohnen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/default.aspx?sid=662152&sh=14&h=-1654632450&ticket=ST-5578-bjLY1OuBoNcvjYm60NoPfvvOGeSVZIOcnvc-20

Kommentar & Ergänzung:

Keine belastbaren Belege gibt es für eine Wirkung von Mönchspfeffertee oder Mönchspfeffertinktur. Die Wirkung ist nur dokumentiert mit Mönchspfeffer-Extrakt.

Woher kommt der Mönchspfeffer? Der ursprüngliche Verbreitungsraum erstreckt sich vom Mittelmeerraum über Südwestasien bis zur Krim.

Der Mönchspfeffer wird heute in der Pflanzenheilkunde / Phytotherapie vor allem beim prämenstruellen Syndrom, bei Zyklusstörungen und unerfülltem Kinderwunsch eingesetzt.

Bei unerfülltem Kinderwunsch macht Mönchspfeffer allerdings nur Sinn, wenn eine Hyperprolactinämie bzw. eine Gelbkörperschwäche (Corpus-luteum-Insuffizienz) zugrunde liegt.  Dieser Anwendungsbereich ist allerdings weniger gut untersucht und belegt wie der Bereich PMS.

Siehe dazu:

Mönchspfeffer bei unerfülltem Kinderwunsch

Mönchspfeffer bei Kinderwunsch

Bei bestimmten Ausgangslagen macht eine Mönchspfeffertherapie auch Sinn im Frühklimakterium (frühe Wechseljahre).

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Antibiotika können Wirkung der Anti-Baby-Pille reduzieren

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Die Einnahme von Antibiotika kann möglicherweise zu einer Wirkungsabschwächung der empfängnisverhütenden Antibaby-Pille führen. „Bei gleichzeitiger Anwendung der Anti-Baby-Pille und bestimmter Antibiotika kann die Zuverlässigkeit der Empfängnisverhütung beeinträchtigt werden. Vorsicht ist geboten bei Penicillinen, Tetracyclinen sowie Cephalosporinen und Chloramphenicol“, erklärt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). Der Experte empfiehlt daher: „Bei einer Antibiotika-Therapie sollte….bis zur nächsten Regelblutung sicherheitshalber zusätzlich mit Kondomen verhütet werden, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern.“ Neben einer reduzierten Empfängnisverhütung können auch Zwischen- oder Abbruchblutungen auftreten, die auf die Arzneimittel-Interaktion hinweisen.

Die Wirksamkeit von hormonellen Verhütungsmitteln, die geschluckt werden (orale Kontrazeptiva), kann darüber hinaus auch durch andere Medikamente vermindert werden. Hierunter fallen Arzneimittel, die einen verstärkten Abbau der Wirkstoffe hervorrufen, wie zum Beispiel gewisse Antiepileptika, Antimykotika oder Antimalariamittel. „Frauen, die Antibiotika oder andere Medikament verschrieben bekommen und sich hinsichtlich einer wirkungsvollen Empfängnisverhütung durch die Pille unsicher sind, sollten dazu ihren Frauenarzt befragen“, ergänzt Dr. Albring.

Quelle:

http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_news_652_1_534_antibiotika-k-nnen-wirkung-der-anti-baby-pille-herabsetzen.html

Kommentar & Ergänzung:

Eine lange Diskussion gibt es in der Phytotherapie über  Wechselwirkungen zwischen der „Pille“ und Johanniskraut-Extrakten.

Siehe dazu auch:

Phytotherapie: Johanniskraut-Wechselwirkungen

Johanniskraut und Anti-Baby-Pille: Warnungen gerechtfertigt?

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