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Detox ist Unsinn

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Detox ist nicht nur überflüssig. Es untergräbt auch das Vertrauen in unseren Jeden Frühling schwappt eine Detoxwelle wieder durch’s Land. Früher sagte man zu diesen körperinternen Putzaktionen Engiftungskur oder Entschlackungskur. Aber Detox tönt überzeugender. Die Frauenzeitschrift „Annabelle“ hat Michael Ristow gefragt, was der grösste Unsinn an Detox sei:

„Detox findet im Körper prinzipiell immer statt, dafür gibt es Organe wie die Leber oder die Nieren – und die funktionieren sehr gut. Es ist ein Irrglaube zu denken, man könnte durch Wunderkuren diese Vorgänge im Körper aktivieren oder beschleunigen. Was man allerdings tun kann, ist, die Leber zu behindern, etwa mit Alkohol. Wenn die Leber damit beschäftigt ist, den Alkohol abzubauen, kann sie sich nicht um andere Dinge kümmern, die sie abbauen sollte.“

Prof. Dr. Michael Ristow ist Arzt und Wissenschafter und als Professor für Energiestoffwechsel an der ETH Zürich tätig.

Quelle:

http://www.annabelle.ch/leben/gesundheit/«-detox-trend-aergert-mich-schon-sehr»-47732

Kommentar & Ergänzung:

Detox ist nicht nur überflüssig. Es untergräbt auch das Vertrauen in unseren Körper. Es missachtet die Arbeit von Leber und Nieren und redet uns ein, dass sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind.

Es gibt ernsthafte Lebererkrankungen und Nierenerkrankungen, bei denen die Funktion dieser Organe beeinträchtig ist oder gar versagt. Dann ist medizinische Hilfe nötig.

Aber gesunden Menschen einzureden, dass sie unbedingt Entgiftung und Entschlackung brauchen, ist nur ein gutes Geschäftsmodell.

Michael Ristow lässt im Annabelle-Interview im übrigen noch interessante Informationen einfliessen.

Er rät bei Obstsäften zur Vorsicht, da diese nicht nur gesunde Stoffe, sondern auch viel Zucker enthalten.  Ich würde empfehlen, Obstsäfte halb/halb mit Wasser zu verdünnen.

Auf die Frage, welches Obst er denn mit gutem Gewissen empfehlen könne, sagt Michael Ristow:

„Je kleiner die Frucht ist, desto gesünder ist sie. Das Gesunde im Obst steckt meist in der Schale und je mehr Schale, man bezogen aufs Gesamtvolumen isst, desto gesünder. Kleine Beeren oder allgemein alle kleinen Früchte, die rot, blau oder violett sind, kann ich empfehlen. Bei diesen Früchten ist die Chance höher, dass der ungünstige Zucker sich im Verhältnis zu den günstigen Polyphenolen lohnt. Polyphenolen sind nachweislich gesundheitsfördernde Pflanzenstoffe, die in Früchten und im Gemüse enthalten sind.“

Aus phytotherapeutischer Sicht ist der Hinweis auf rote, blaue oder violette Beeren interessant. Hier handelt es sich um Inhaltsstoffe aus der Gruppe der Anthocyane, einer Untergruppe der Flavonoide, die wiederum zu den Polyphenolen gehören.

Die wichtigste Heilpflanze mit Anthocyanen ist die Heidelbeere.

Auf die Heidelbeere weist Michael Ristow sogar speziell hin.

Anstelle von

«An apple a Day, keeps the Doctor away»

empfiehlt er „…eher 50 Blaubeeren a Day.“

Wobei aber leider die Blaubeeren / Heidelbeeren, die im Supermarkt verkauft werden, innen kaum blau sind und daher weniger Anthocyane enthalten als die „richtigen“, wildwachsenden Heidelbeeren.

Siehe dazu:

Heidelbeeren aus dem Supermarkt begtreffend Wirkstoffgehalt fragwürdig

Anthocyane sind Radikalfänger und hemmen Entzündungen. Eingeschränkt wird ihre Wirksamkeit aber oft durch stark eingeschränkte Aufnahme in den Organismus aus dem Verdauungstrakt.

Neben Heidelbeeren enthalten beispielsweise auch Himbeeren, Brombeeren, Schwarze Johannisbeeren, Auberginen (Schale), Aronia und Kirsche Anthocyane in relevanten Mengen. Man sollte diese Anthocyan-Quellen zwar nicht zu Wundermitteln hochjubeln, doch sind sie wertvolle Bestandteile einer vielfältigen Ernährung, wenn sie immer wieder mal auf den Speiseplan kommen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Hopfen bei Unruhe, Angst und Schlafstörungen

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Die Deutsche Apotheker Zeitung hat ein Pflanzenporträt veröffentlicht über den Hopfen (Humulus lupulus) in der Phytotherapie. Darin kommen auch die Wirkstoffe zu Sprache:

„Hopfen enthält unter anderem die Bitterstoffe Humulon und Lupulon, außerdem ätherische Öle und Flavonoide. Eine sedierende Wirkung der Inhaltsstoffe wurde nachgewiesen, allerdings konnte keine konkrete wirksamkeitsbestimmende Substanz verantwortlich gemacht werden. Wahrscheinlich sind flüchtige Substanzen, die sich aus den instabilen Hopfen-Bitterstoffen Humulon und Lupulon bilden, an der Wirkung beteiligt.“

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/01/01/hopfen-in-der-phytotherapie/chapter:1

Kommentar & Ergänzung:

Beim Hopfen sind bezüglich der Wirkstoffe, die für die beruhigende Wirkung verantwortlich sind, tatsächlich noch viele Fragen offen.

Hopfentee ist ausgesprochen bitter und kommt daher nicht gerade häufig zur Anwendung. Wer mit dem bitteren Geschmack nicht klar kommt, kann auch Hopfenextrakt in Dragees oder Kapselform einnehmen. Allerdings wird der Hopfenextrakt in diesen Präparaten oft mit Baldrianextrakt kombiniert. Deshalb gibt es auch kaum Studien allein mit Hopfenextrakt. Phytohersteller Zeller konnte jedoch für sein Baldrian-Hopfen-Kombipräparat Redormin zeigen, dass die Hopfen-Baldriankombination besser wirksam ist als der Baldriananteil im Redormin allein. So konnte die Wirksamkeit von Hopfenextrakt zumindestens indirekt bestätigt werden.

Als Wirkungsmechanismus des Hopfens wird eine Aktivierung des Melatoninrezeptors vermutet.

Hopfen eignet sich im Übrigen auch gut als Schlafkissen.

Margret Wenigmann schreibt dazu im Fachbuch „Phytotherapie“:

„Für ein Hopfenkissen oder –säckchen zur Beruhigung (z. B. von Säuglingen und Kleinkindern) frische Hopfenzapfen in ein Leinensäckchen füllen und ins Bettchen legen. Das bei der Lagerung entstehende 2-Methyl-3-butenol ist bereits bei niederen Temperaturen flüchtig und wirkt schlaffördernd.“

Das Hopfenkissen ist eine Alternative zum Lavendelsäckchen. Beide eignen sich natürlich auch für Erwachsene und insbesondere auch für ältere Personen, zum Beispiel im Pflegeheim.

Botanisch gehört der Hopfen übrigens zur Pflanzenfamilie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Hopfen wird hauptsächlich für die Bierproduktion angebaut. Sie kommt aber auch wildwachsend vor, hauptsächlich in Auenwäldern. Kennenlernen können Sie Hopfen in der Natur an meinen Kräuterwanderungen in die Petite Camarque bei Basel, in die Rheinschlucht (Graubünden) und in die Thurauen am Zusammenfluss von Rhein und Thur.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Stören Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt?

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Eine US-Studie kommt zu dem Schluss, dass Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt stören können – sie wirken wie das weibliche Sexualhormon Östrogen.

Lavendelöl und Teebaumöl duften nicht nur, den ätherischen Ölen wird auch eine beruhigende bzw. entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Darum sind sie auch Bestandteil zahlreicher kosmetischer Produkte, wie Hautcremen, Seifen oder Raumdüften. Eine Untersuchung an menschlichen Zellen zeigte allerdings, dass einige Bestandteile dieser ätherischen Öle hormonell wirksam sein können. Im Labor zeigten sie Wirkungen wie das weibliche Sexualhormon Östrogen und hemmten die Aktivität des männlichen Sexualhormons Testosteron.

Insgesamt acht hormonell wirksame Bestandteile der beiden ätherischen Öle konnten die Forscher identifizieren, darunter Eucalyptol und Limonen. Dass Kosmetika sogenannte Endokrine Disruptoren enthalten können, sei schon länger bekannt, erklärt der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien. Bisher wurden allerdings hauptsächlich synthetisch hergestellte Substanzen untersucht.

Kommt man mit solchen hormonaktiven Substanzen regelmäßig in Kontakt, zum Beispiel über die Haut oder die Atemwege, dann kann das gesundheitliche Folgen haben. „Hormonaktive Stoffe können das menschliche Hormonsystem bewiesenermaßen durcheinander bringen“, sagt der Umweltmediziner Hutter. Das könne vom verfrühten Einsetzen der Pubertät über Einschränkungen der Fruchtbarkeit bis zu einem erhöhten Krebsrisiko gehen. Er hält es daher für wichtig, „dass wir Bestandteile von Kosmetika auf beiden Seiten des Spektrums untersuchen, also natürliche wie synthetisch hergestellte.“

Die US-Mediziner haben die ätherischn Öle untersucht, weil Beobachtungen erste Hinweise auf eine hormonelle Wirksamkeit geliefert hatten. Bei drei Buben, die regelmäßig Teebaumöl-Produkte verwendet haben, wurde vor der Pubertät ein anormales Brustwachstum festgestellt, eine sogenannte Gynäkomastie. Wurden die Teebaumöl-Produkte nicht mehr verwendet, bildete sich die Brust zurück.

Umweltmediziner Hutter sagt, dass man diesen Zusammenhang auf jeden Fall noch genauer untersuchen müsse. Werde die hormonelle Wirksamkeit des Teebaumöls und des Lavendelöls durch mehrere Studien bestätigt, müsse die Zulassung für Kosmetikprodukte anders reguliert werden.

Die US-Wissenschaftler wollen nun auch andere ätherische Öle auf eine mögliche hormonelle Wirksamkeit untersuchen. Denn die Inhaltsstoffe, die sie identifiziert haben, findet man auch in mindestens 65 weiteren ätherischen Ölen. Umweltmediziner Hutter rät, kosmetische Produkte insgesamt sparsamer zu verwenden – denn es gebe auch zahlreiche andere Inhaltsstoffe, die noch nicht ausreichend erforscht sind.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/2904066/

https://www.endocrine.org/news-room/2018/chemicals-in-lavender-and-tea-tree-oil-appear-to-be-hormone-disruptors

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Geschichte ist eigentlich schon ziemlich alt. Sie wurde im Fachmagazin New England Journal of Medicine bereits im Jahr 2007 publiziert:

http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/nejmoa064725

Die „Süddeutsche“ berichtete dann im Mai 2010 darüber.

http://www.sueddeutsche.de/leben/wie-oestrogen-lavendel-oel-laesst-jungen-brueste-wachsen-1.109345

Der Bericht auf endocrine.org stammt vom 17. März 2018 und Ende März folgen nun Artikel auf 20min.ch und auf science.orf.

Es macht den Eindruck, als werde da immer wieder dieselbe Sau durchs Dorf gejagt….

Klar ist, dass auch Naturprodukte wie ätherische Öle unerwünschte Nebenwirkungen und Risiken haben können.

Beim vorliegenden Thema der allfälligen Hormonaktivität von Lavendelöl und Teebaumöl sind allerdings noch eine ganze Reihe von Fragen offen.

So lässt sich aus Einzelfallbeobachtungen nie sicher ein ursächlicher Zusammenhang belegen. Die drei Fälle mit den präpubertären Buben sind im New England Journal of Medicine detailliert beschrieben.

Patient 1 verwendete einen „healing balm“ mit Lavendelöl, Patient 2 einen Haargel und ein Shampoo mit Lavendelöl und Teebaumöl, Patient 3 eine Seife mit Lavendelöl.

In allen drei Fällen können andere auslösende Faktioren nicht ausgeschlossen werden. Auch dass sich in allen drei Fällen die Gynäkomastie einige Monate nach dem Absetzen der Produkte zurückbildete, sagt nichts Definitives aus. Das kann auch der natürliche Verlauf gewesen sein und zum Beispiel durch eine veränderte Hormonlage bewirkt worden sein.

Und Untersuchungen im Labor an menschlichen Zellen sagen nichts Definitives darüber aus, die die Substanzen im lebenden Organismus wirken.

Das ist alles sehr vage und wenn 20min.ch mit der Schlagzeile daher kommt: „Männer bekommen Brüste wegen Shampoo und Seife“, dann steht diese Behauptung auf wackeligen Beinen. Aber es tönt halt interessanter als „Teebaumöl und Lavendelöl zeigen Hormonwirkung im Reagenzglas“.

Den grundsätzlichen Rat von Umweltmediziner Hutter, kosmetische Produkte insgesamt sparsamer zu verwenden, würde ich aber unterschreiben – auch in Bezug auf Lavendelöl und Teebaumöl.

Teebaumöl wird antimikrobiell gegen Bakterien, Pilze und Viren. Lavendelöl wird antimikrobiell gegen Bakterien und Pilze sowie beruhigend zum Beispiel bei Schlafstörungen.

Es ist nicht einzusehen, weshalb ein Haargel und ein Shampoo für einen präpubertären Jungen Teebaumöl und Lavendelöl enthalten sollte. Es ist auch für Erwachsene nicht einzusehen. Auch ein „healing balm“ und eine Seife mit Lavendelöl sind in diesem Kontext durchaus fragwürdig.

Aus phytotherapeutischer Sicht sind ätherische Öle Arzneimittel, die bei einer bestimmten Indikation angewendet werden können. Die tägliche Anwendung in Kosmetika oder als „Wellness“-Produkte ist in den meisten Fällen nicht zu empfehlen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hausmittel: Rettichsirup gegen Husten

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Rettichsirup ist ein altbewährtes Hausmittel gegen Husten. Das Magazin „Focus“ hat dazu ein Rezept veröffentlicht:

„Von innen können Sie den Husten mit selbstgemachtem Hustensaft lindern. Ein Beispiel dafür ist der Rettich-Honig. Dafür schneiden Sie einen schwarzen Rettich der Länge nach auf, höhlen ihn mit einem Löffel aus und füllen beide Hälften mit Honig. Anschließend lassen sie es zwölf Stunden ziehen. Dabei entzieht der Honig dem Rettich Wasser und es entsteht ein Hustensaft. Davon können Sie drei Mal täglich einen Esslöffel zu sich nehmen. Den Rest bewahren Sie im Kühlschrank auf.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/praxistipps/video/omas-hausapotheke-aerztin-verraet-die-drei-besten-mittel-gegen-husten-stehen-schon-in-ihrer-kueche_id_7910407.html

Kommentar & Ergänzung:

Wie genau die Wirkung von Rettichsirup zustande kommt, wurde nie genauer untersucht. Umfangreichere Forschungsarbeiten sind hier qauch nicht zu erwarten. Wer investiert schon in Studien für ein Hausmittel, das sich nicht patentieren lässt, und das jeder Mensch billig selber herstellen kann.

Mehr zum Rettichsirup hier:

Hausmittel: Rettichsirup gegen Husten

Bekannt ist immerhin, dass Rettich Senfölglykoside (= Glukosinolate) enthält, die auch charakteristische Inhaltsstoffe von Meerrettich und Kapuzinerkresse sind.

Senfölglykoside bzw. Senföle wirken antimikrobiell und möglicherweise auch schleimlösend bei Husten.

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside und welche Wirkung haben sie?

Bekannt ist zudem, dass Honig den Hustenreiz lindern kann. Das haben inzwischen auch Studien bestätigt.

Siehe dazu:

Honig gegen Husten wirksam

 

Obwohl Studien fehlen, gibt es also einige Argumente, die für eine Wirksamkeit des Rettichsirups sprechen. Und weil dieses Hausmittel zudem billig und leicht verfügbar ist, kann man eigentlich nur empfehlen, es bei der nächsten Gelegenheit auszuprobieren.

 

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Honig gegen Husten wirksam

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Laut einer Empfehlung des American College of Chest Physicians sollten Patienten mit einem erkältungsbedingten Husten vor allem erst einmal abwarten. Oft angewendete medikamentöse Therapien mit ACC, NSAR oder Dextrometorphan kommen für die Wissenschaftlerr bei Erkältungshusten nicht infrage. Zu diesem fazit kommt zumindest ein Forscher-Team um Professor Mark Malesker von der Pharmazeutischen Fakultät der Creighton University. Die Wissenschaftler werteten randomisierte klinische Studien (RCT) aus und bewerteten in der Zusammenschau die aktuell verfügbaren Daten zum Thema Erkältungshusten.

Dabei untersuchten sie auch die Datenlage zur Wirksamkeit von Honig und analysierten RCTs, die sich mit Honig als Hustentherapie bei Kindern beschäftigten. Die Forscher zogen daraus den Schluss, dass Honig durchaus einen guten Effekt bei akutem Husten erzielen könne, da es vergleichbar gut hustenlindernd wirke wie Dextrometorphan und verglichen mit Placebo sogar wirksamer sei.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/12/12/honig-essen-zink-nehmen-und-auf-acc-verzichten/chapter:1

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine weitere Bestätigung für die Wirksamkeit von Honig bei Husten. Interesssant wäre noch zu wissen, ob es Unterschiede zwischen verschiedenen Honigsorten gibt und ob die Wirksamkeit an spezifischen Inhaltsstoffen hängt oder eher durch die enthaltenen Zuckerarten ausgelöst wird.

Wenn Honig gleich gut hustenreizlindernd wirkt wie Dextrometorphan, dann spricht viel für Honig, weil Dextrometorphan doch einige Risiken und unerwünschte Nebenwirkungen hat.

Honig soll allerdings nicht bei Kindern unter einem Jahr angewendet werden (Risiko Botulismus durch Clostridium botulinum Sporen) und den Zähnen schaden kann (Karies).

Siehe auch:

Hausmittel: Heisse Milch mit Honig gegen Husten

Erkältungen: Honig hilft gegen Husten

 

Erkältungsmittel, Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

Heilpflanzen lindern Husten bei Kindern

Honig lindert Erkältungen bei Kleinkindern

 

 

 

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Zwiebelsirup gegen Husten

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Zwiebelsirup ist ein altbewährtes Hausmittel gegen Husten. Das Magazin „Focus“ hat dazu ein Rezept veröffentlicht:

„Für einen einfachen Hustensaft nehmen Sie 100 Gramm gehackte Zwiebeln und 100 Gramm feinen Kandiszucker. Beides wird so lange zusammen gekocht, bis sich der Zucker völlig aufgelöst hat. Dann können Sie den Saft abseihen und auch täglich drei Mal einen Esslöffel zu sich nehmen. Den Rest ebenfalls im Kühlschrank aufbewahren.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/praxistipps/video/omas-hausapotheke-aerztin-verraet-die-drei-besten-mittel-gegen-husten-stehen-schon-in-ihrer-kueche_id_7910407.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Wie genau die Zwiebel gegen Husten wirksam sein soll, ist nicht bekannt.

Die Zwiebel enthält, wie ihre Verwandten, beispielsweise der Knoblauch, viele schwefelhaltige Verbindungen, die für den charakteristischen Geruch verantwortlich sind. Diese schwefelhaltigen Verbindungen sind es, welche den charakteristischen Zwiebelgeruch auslösen und eine antibakterielle Wirkung entfalten.

Inzwischen ist es möglich, die antibakteriellen Zwiebel-Verbindungen im Labor konzentriert herzustellen. Auch konnten Forscher bei Versuchen mit Bakterienkulturen zeigen, dass die Substanzen manche Erreger effektiv bekämpfen.

Ein Potential der Zwiebel als Hausmittel gegen Erkältungen lässt sich daraus allerdings nicht direkt ableiten. Möglicherweise werden die Inhaltsstoffe nach dem Zwiebelgenuss so schnell abgebaut, dass sie nicht wirken können. Oder sie erreichen nicht jene Stellen im Körper, an denen die Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger sitzen.

Günstig ist allerdings, dass der menschliche Organismus die schwefelhaltigen Inhaltsstoffe der Zwiebel nicht über die Verdauungsorgane ausscheidet, sondern über den Atem. So gelange die Abbauprodukte via Lunge und Bronchien nach aussen und können dort möglicherweise Bakterien hemmen.

Die meisten Erkältungen sind allerdings viral bedingt.

Der Zwiebelsirup könnte auch über eine schleimlösende Wirkung den Husten lindern. Untersuchungen dazu gibt es allerdings nicht. Ein so einfaches und billiges Mittel kann man aber auch einfach mal ausprobieren.

Hier gibt es noch mehr Infos zum Zwiebelsirup:

Zwiebelsaft oder Zwiebelsirup lindert Husten

 

Zwiebelsirup als Hausmittel gegen Husten

Zwiebelsirup gegen Husten

Zwiebelsirup und andere Hausmittel bei Husten

Zwiebelsirup gegen Husten

Pflanzenheilkunde: Zwiebelsirup löst Schleim bei Husten

Zwiebel gegen Bakterien wirksam

Zwiebeltee als Hausmittel gegen Erkältungen

 

 

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Weidenröschenkraut bei gutartiger Prostatavergrösserung (BPH) von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) positiv bewertet

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Die EMA trägt in regelmässigen Abständen Informationen zu Arzneipflanzen zusammen und bewertet deren Einsatz in der Pharmazie. Diese Bewertungen sollen Apotheken, Ärzten und Verbrauchern klare Richtlinien geben, inwieweit der Einsatz aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Inzwischen liegt auch eine Beurteilung des Weidenröschenkrauts (Epilobii herba) vor.

Epilobii herba, das Weidenröschenkraut, kann nach Einschätzung der EMA-Gutachter für Patienten mit benigner Prostatahyperplasie (BPH, gutartige Prostatavergrösserung) empfohlen werden. Weidenröschen kann bei Miktionsstörungen unterstützend eingesetzt werden. Eine Wirksamkeit sei insbesondere durch den jahrelangen erfolgreichen Gebrauch der Pflanze erwiesen, schreibt die EMA, und verweist auf Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit aus mehr als 30 Jahren. In der EU sind Produkte aus Weidenröschen seit 15 Jahren auf dem Markt.

Zwar gebe es keine klinischen Studien, doch sei aus Labortests ersichtlich, dass Epilobium einen Effekt auf das Wachstum von Prostatazellen habe. Darüber hinaus konnten im Labor antientzündliche und schmerzlindernde Wirkungen festgestellt werden. Nebenwirkungen bei Anwendung von Weidenröschenkraut sind nach Aussage der EMA nicht bekannt.

Für die Fachleute sind die jahrelange sichere Verwendung und die Hinweise auf gute Wirksamkeit zur unterstützenden Behandlung der BPH ausreichend, um die Anwendung bei dieser Indikation ausdrücklich zu empfehlen. Vor der Behandlung sollen allerdings schwerere Erkrankungen durch einen Arzt ausgeschlossen werden, erklärt die EMA.

Quelle:

https://m.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/arzneipflanzen-ema-empfiehlt-drei-phyto-klassiker-epilobium-eleutherococcus-centaurium/?forceMobile=1%3F&noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=7114c4db7166baf0d965eea791dd4b48&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Inhaltsstoffe verschiedener Weidenröschen-Arten wurden intensiv im Labor erforscht und zeigten zum Teil interessante Wirkungen. Die Empfehlung der EMA steht trotzdem auf wackligem Fundament. Laborergebnisse lassen sich nicht direkt auf die Anwendung beim Menschen übertragen und Erfahrungsberichte aus traditioneller Anwendung lassen keine sicheren Schlüsse zu. Bei einer Besserung ist nie klar erkennbar, ob sie wirklich vom angewendeten Weidenröschentee ausgelöst wurde. Bei langandauernden Beschwerden schwankt die Intensität der Beschwerden meistens im Verlauf und es passiert sehr leicht, dass jede Besserung dem angewendeten Mittel zugeschrieben wird, obwohl nur das natürliche Auf und Ab der Beschwerden vorliegt. Nur klinische Studien könnten hier Klarheit verschaffen, sind aber nicht in Sicht.

Die Phytotherapie-Fachliteratur ist deutlich zurückhaltender bezüglich der Wirksamkeit des Weidenröschens als die EMA.

Weidenröschentee verdankt seine Bekanntheit den Empfehlungen von Maria Treben (1907 – 1991), die aber wegen ihren zahlreichen fragwürdigen bis gefährlichen Ratschlägen nicht vertrauenswürdig ist.

Die auf Wikipedia geäusserte Kritik teile ich voll und ganz:

„Die Stiftung Warentest äußert erhebliche Zweifel an der Sachkundigkeit Maria Trebens und weist auf mehrere Fehler in ihren Büchern hin. Sie empfehle Pflanzen zur Behandlung schwerer Krankheiten bis hin zu Krebs, deren Wirksamkeit für diese Pflanzen überhaupt nicht nachgewiesen seien. Teilweise verwechsele Treben wichtige Fachbegriffe, beispielsweise den Zucker Inulin mit dem Hormon Insulin, wodurch sie fälschlich Löwenzahn gegen Diabetes mellitus empfehle. „Ihr Schöllkraut-Rezept gegen Leber- und Gallenleiden ist eine Anleitung zur Vergiftung. Der Ratschlag, Ohnmächtigen einen Esslöffel Schwedenbitter einzuflößen, ist lebensgefährlich.“

Die Universitätsklinik Freiburg äußert in ihrem Ratgeber für Krebspatienten: „(…) gefährlich ist (…) die Grundtendenz, alle Krankheiten als mit Kräutern heilbar darzustellen. Treben behauptet mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst. (…) Gegenüber den ‚Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern‘ der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. (…) Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht (…) viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren. Alle diese Medikamente sind in ihrer Wirksamkeit gegen Krebs unbewiesen.“

 

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Gemmotherapie: Ribes nigrum Mundspray gegen Halsschmerzen?

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Letzte Woche wurde ich gefragt, was ich von Ribes nigrum Mundspray gegen Halsschmerzen halte und ob es dazu Studien gebe. Ribes nigrum ist die Schwarze Johannisbeere. Das Präparat basiert auf Prinzipien der Gemmotherapie, die Auszüge aus Pflanzenknospen (Knospenmazerate) verwendet und dabei die in den Knospen enthaltenen Pflanzenwuchstoffe als wirksam erachtet.

Nun sind Pflanzenwuchsstoffe in Knospen fraglos wichtig für Pflanzen. Ob sie pauschal auch für Menschen positive Effekte haben, ist keineswegs gewiss und eher unplausibel.

Die vorliegenden Laborexperimente und Anwendungsbeobachtungen zu diesem Ribes nigrum Mundspray reichen nicht ansatzweise aus, um die weitreichenden Versprechungen der Gemmotherapie zu belegen.

Wer den Ribes nigrum Mundspray bei Halsschmerzen anwendet, wird überwiegend positive Erfahrungen machen, was aber auch daran liegen könnte, dass Halsschmerzen in der Regel von selbst wieder bessern. Möglicherweise wirkt auch das Alkohol-Glycerin-Gemisch als Trägerlösung lindernd und weniger die in äusserst geringer Konzentration vorhandenen Inhaltsstoffe der Johannisbeer-Knospen.

Manche Hersteller und Verkäufer von Gemmo Schwarze Johannisbeere Spray versprechen auch eine Cortison-ähnliche Wirkung bei Entzündungen und Allergien aller Art, zum Beispiel bei Rheuma, Arthritis, Gicht, nach Operationen und bei Fibromyalgie.

Das sind Behauptungen, für die es weder Belege noch glaubwürdige Erklärungen gibt.

Das ist aber ein generelles Phänomen rund um die Gemmotherapie-Präparate: Ausserordentlich weitreichenden Versprechungen stehen keinerlei Belegen gegenüber.

Siehe auch:

Heilsame Knospen? Die fragwürdige Welt der Gemmotherapie

 

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Interessantes zum Gelben Enzian, zum Enzianschnaps und zum Germer

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In der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (5/2017) präsentiert Univ.-Doz. Dr. Reinhard Länger einen informativen Beitrag über den Gelben Enzian (Gentiana lutea, Bild: Gelber Enzian).

 

Die Wirkung des Gelben Enzians ist verbunden mit dem hohen Gehalt an Bitterstoffen. Er wird angewendet bei Verdauungsbeschwerden wie Appetitlosigkeit und Völlegefühl.

Ausserdem wird aus den Enzianwurzeln der Enzianschnaps hergestellt. Die Pflanze wird bis zu 150 cm hoch, erreicht ein Alter von bis zu 60 Jahren und die Enzianwurzel kann in Kultur frühestens nach 4 bis 5 Jahren geerntet werden.

Enzianwurzel hat einen Bitterwert von mindestens 10 000. Der Bitterwert macht eine Aussage dazu, wie stark eine Substanz verdünnt werden muss, damit der bittere Geschmack noch wahrnehmbar ist.

Reinhard Länger hat diesen Bitterwert des Gelben Enzians in anschauliche Beispiele umgerechnet:

„Im Fall von Enzianwurzel bedeutet dies, dass 1g Enzianwurzel 10 Liter Wasser bitter machen kann. Die Bitterstoffe sind gemäß ihrer chemischen Struktur Secoiridoide. Mengenmäßig dominiert Gentiopikrosid (Bitterwert 12 000), die Substanz mit dem höchsten Bitterwert ist Amarogentin (Bitterwert 58 000.000, d. h. 1 g Amarogentin macht 58 000 000ml (= 58m3) Wasser bitter, dies entspricht einem großen Eisenbahn-Kesselwaggon)!“

Eine bitterere Substanz als Amarogentin ist kaum vorstellbar.

Zum Enzianschnaps erklärt Länger den Unterschied zwischen destilliertem und angesetzem Produkt:

„Für die Bereitung von destilliertem Enzianschnaps werden die frischen Wurzeln fermentiert und je nach Rezeptur mit Wasser eingemaischt oder Obstmaische zugesetzt. Die Bitterstoffe sind nicht flüchtig und gelangen daher nicht in das klare Destillat. Anders bei angesetzten Schnäpsen: die Inhaltstoffe werden extrahiert, der Schnaps ist daher braun und stark bitter.“

Der Text geht ausserdem auf Unterschiede zwischen dem Gelben Enzian und dem giftigen Germer (Veratrum album) ein:

„Blattrosetten des Enzian ähneln entfernt jenen des stark giftigen Germer. Beim heimlichen, unerlaubten Graben in der Dämmerung können daher Verwechslungen passieren. Die Alkaloide des Germer sind ebenfalls nicht flüchtig und würden daher auch nicht in ein Destillat übergehen. Bei Ansatzschnäpsen werden sie aber extrahiert. Im Fall einer Vergiftung tritt meist rasch Erbrechen ein, weshalb tödlich verlaufende Vergiftungen in letzter Zeit nicht aufgetreten sind. Bei Tageslicht sollte die Differenzierung von Enzian und Germer kein Problem darstellen: die Blätter des Enzian sind kreuz-gegenständig angeordnet, jene des Germer wechselständig.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0517.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessant ist hier die Angabe, dass sowohl beim Enzianschnaps die Bitterwirkung als auch beim Germer die Giftwirkung von der Herstellungsweise abhängig ist.

Gelber Enzian und Germer unterscheiden sich auch in der Blattfärbung. Die Blätter des Gelben Enzians haben einen grünlich-bläulichen Ton, Germer dagegen einen grünlich-gelblichen Ton. Um diesen Unterschied sicher zu erkennen, muss man die Pflanzen möglichst nebeneinander in der Natur sehen

Sehr viele Gelben Enziane und Germer können Sie kennenlernen auf meinen Kräuterwanderungen im Berner Oberland – in Lenk im Simmental und in Mürren im Lauterbrunnental.

 

Der Germer ist unter der Bezeichnung Veratrum album ein wichtiges Mittel in der Homöopathie. Weil bei der Herstellung der Globuli die Pflanze so stark verdünnt wird, bis praktisch keine Wirkstoffe mehr verhanden sind, sind die Präparate ungiftig (zum Beispiel D6 = 1: 1 000 000 oder D12 = 1: 1 000 000 000 000).

Hauptanwendungsgebiete sind zum Beispiel Erschöpfung, schwacher Kreislauf, Kollaps, Kreislaufbeschwerden, Erbrechen und Durchfall. Veratrum album wird in der Homöopathie oft auch als Hauptmittel bei Cholera erwähnt. Das sind allerdings sehr grosse Versprechungen für ein Produkt, für dessen Wirksamkeit es – wie bei Homöopathika generell – keinerlei Belege für eine spezifische Wirksamkeit gibt.

Der Germer hat im Übrigen sehr schön geformte Blätter. Foto hier.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Grüntee gegen Zahnfleischentzündung

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Mundspülungen mit Grüntee schützen genauso effektiv vor Zahnbelag und Zahnfleischentzündung wie Chlorhexidin.

Chronische Gingivitis (Zahnfleischentzündung) infolge einer verstärkten Anlagerung von krankmachenden Bakterien an Zähnen und Zahnfleisch betrifft weltweit 50 bis 90 % der Erwachsenen.

Insbesondere bei Personen mit einer entsprechenden Anfälligkeit kann sich daraus eine Parodontitis entwickeln, eine Entzündung des Zahnhalteapparats. Konsequente, gründliche Mundhygiene kann frühzeitig der Entstehung von Plaques und Zahnfleischentzündung vorbeugen.

Dabei können ergänzend zur mechanischen Reinigung mit Zahnbürste, Zahnseide und Co. Mundspülungen mithelfen. Die Substanz Chlorhexidin gehört aufgrund ihrer antimikrobiellen Wirksamkeit zur Standardlösung im Kampf gegen bakterielle Entzündungen im Mundraum. Allerdings wird Chlorhexidin nicht für eine Langzeitanwendung empfohlen und kann Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühl, Schwellungen und Schleimhautreizungen bewirken. Zudem kann es die Zähne, Füllungen und die Zunge bräunlich verfärben. Es sind allerdings auch Produkte erhältlich, welche keine Verfärbungen verursachen.

Verschiedene Mundspülungen auf pflanzlicher Basis werden als Alternative zu Chlorhexidin bereits angeboten.

Grüntee von der Teepflanze Camellia sinensis besitzt aufgrund seiner verschiedenen Inhaltsstoffe eine vielfältige gesundheitsfördernde Wirkung und kann auch als antibakterielles Mittel eingesetzt werden.

Eine iranische Wissenschaftlergruppe untersuchte nun in einer randomisierten Studie die Wirksamkeit einer Mundspülung auf der Basis von Grüntee gegen Chlorhexidin.

Die Studie umfasste 40 Teilnehmer, Medizinstudenten im Alter von 18 bis 25 Jahren. Sie wurden zu Beginn der Studie hinsichtlich ihres mundhygienischen Zustandes untersucht (Entzündungen des Zahnfleisches, Zahnfleischbluten, Ausmaß des Zahnbelags Plaque, Verfärbungen der Zähne). Danach wurden Zahnbeläge, Zahnstein und Verfärbungen entfernt und die Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe bekam eine Mundspüllösung auf Basis von Grüntee, welche speziell für die Studie mit einem Tanningehalt von 1 % hergestellt wurde, die andere Gruppe bekam eine Mundspülung mit Chlorhexidin (0,12 %).

Die Studie war doppelblind. Das heisst: Die Testpersonen beider Gruppen wurden nicht darüber informiert, welche Lösung sie erhalten hatten, und auch die untersuchenden Ärzte wussten nicht, zu welcher Gruppe die Probanden gehörten.

Die Teilnehmer bekamen die Anweisung, über einen Zeitraum von vier Wochen zusätzlich zu ihrer normalen Zahnreinigung zweimal täglich eine Minute lang mit 15 ml der jeweiligen Lösung den Mund durchzuspülen.

Nach einer Woche und am Studienende wurden wiederum die zu Beginn untersuchten mundhygienischen Parameter durch ein und denselben Arzt überprüft.

Zu allen drei Überprüfungszeitpunkten liessen sich keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellen. In beiden Gruppen fanden die Untersucher nach einer bzw. vier Wochen Anwendung der Mundspülungen weniger Zahnbelag, Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischbluten im Vergleich zum Befund beim Studienbeginn. Das bedeutet, dass die Spülungen mit Grüntee genauso wirksam waren wie jene mit Chlorhexidin. Mit Grüntee-Spülungen kam es zudem weniger zu Zahnverfärbungen als mit Chlorhexidin.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/gruener-tee-gegen-rotes-zahnfleisch.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26272266

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie ist mit 40 Probanden ziemlich klein und daher in ihrer Aussagekraft begrenzt. Es gibt aber weitere Hinweise auf eine günstige Wirkung von Grüntee bei Zahnfleischentzündungen, zum Beispiel die Beobachtungsstudie hier:

Grüntee fördert gesundes Zahnfleisch

Wobei Beobachtungsstudien nur Hinweise auf mögliche Wirkungen geben, aber nie solche belegen können.

Die Gerbstoffe machen eine Wirksamkeit des Grüntees bei Zahnfleischentzündungen auch plausibel. Dabei dürfte eine direkte entzündungswidrige Wirkung im Vordergrund stehen – im Gegensatz zum Chlorhexidin, das indirekt Entzündungen hemmt über die bakterientötende Wirkung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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