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Zur Taliban-Attacke auf die 14jährige Kinderrechtsaktivistin Malala Yousufzai

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„In Pakistan ist die angeschossene 14jährige Kinderrechtsaktivistin in eine Spezialklinik verlegt worden. Sie schwebt offenbar in Lebensgefahr, ebenso ein weiteres Mädchen, das beim Angriff verletzt wurde. Die Taliban wollten Malala umbringen – und würden es wieder versuchen, falls sie überlebt.“

Quelle: http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/10/11/International/Nach-Taliban-Attacke-Malala-in-kritischem-Zustand

Kommentar & Ergänzung:

Was die Taliban so empört ist das Engagement von Malala Yousufzai für die Mädchenbildung.

Die Tagesschau des Schweizer Fernsehens schreibt auf der Website weiter:

„Ein Taliban-Kämpfer hatte am Dienstag die 14jährige Malala Yousufzai niedergeschossen, als sie auf dem Weg von der Schule nach Hause war – das Mädchen erlitt einen Kopf- und einen Nackenschuss.“

Den Ausdruck „Taliban-Kämpfer“ halte ich für ausgesprochen unpassend. Um ein „Kämpfer“ zu sein, braucht jemand einen einigermassen gleichwertig ausgerüsteten oder ausgebildeten Gegner.

Das war kein „Kämpfer“, sondern ein feiger, verblendeter Attentäter. Und nur so sollte man ihn auch nennen.

Es stellt sich meines Erachtens die Frage, welche Reaktion auf solche Attentate eigentlich sinnvoll und wirksam wäre.

Uneffektiv sind sicher solche Geschichten wie die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen, die nur der Konflikt-Bewirtschaftung dienen. Beide Seiten, die Islam-Hasser und die Islamisten, können aufgrund solcher „Brandfackeln“ neue Anhänger rekrutieren, Beide Lager verstärken sich und profitieren ziemlich symmetrisch davon.

Auch eine Profilierungsaktion wie die Minarettinitiative bedient das gleiche Schema: Die SVP stellt sich mit diesem Scheingefecht als mutige Kämpferin gegen „Islamisierung“ dar. Den Islamisten wird dieser Volksentscheid nicht den geringsten Schaden zufügen und ihnen im Gegenteil eher nützen. Sie können sich in der Opferrolle weiden und den Kampf gegen die „Ungläubigen“ noch besser legitimieren.

Das Attentat auf Malala Yousufzai zeigt:

Was die Taliban wirklich treffen würde, ist Mädchenbildung.

Aus sicherheitspolitischen Überlegungen müsste der Westen massiv in Mädchenbildung investieren – In Afghanistan, Pakistan, Jemen, Mali, Nigeria und vielen anderen Ländern.

Das können wir uns nicht leisten?

Da wäre ich mir nicht so sicher.

Wir könnten zum Beispiel die 3,126 Milliarden Franken, mit denen der Bundesrat, 22 Gripen- Kampfjets kaufen will, für die Mädchenbildung in Talibangebieten ausgeben. Damit könnten schon ein paar Schulhäuser gebaut, Bücher, Computer und Wandtafeln beschafft und Lehrpersonen ausgebildet und angestellt werden.

Der Vater von Malala Yousufzai führt offenbar eine Mädchenschule und wüsste bestimmt, wie man das Geld sinnvoll und wirksam einsetzt.

Die Taliban und andere Islamisten, die ich vor allem längerfristig als reale Gefahr sehe, würde das empfindlich treffen.

Was dagegen der Gripen in diesem Bereich ausrichten soll, ist mir schleierhaft. Den Luftpolizeidienst über der Schweiz kann die F/A-18 Hornet alleweil noch eine ganze Reihe von Jahren erfüllen.

Und falls die Schweiz nicht auf ein neues Spielzeug für ihre Luftwaffe verzichten möchte, wäre auch ein Kompromiss möglich: Nur schon für den Preis von einem dieser Donnervögel könnte eine ganz Anzahl von Projekten in der Mädchenbildung alimentiert werden – wie schon eine kurze Internetrecherche zeigt. Hier zwei Beispiele ohne Bewertung:

http://www.livingeducation.org/de/index.php

Gründer und Präsident des Vereins Livingeducation ist Dr. phil. I Yahya Hassan Bajwa aus Baden (Aargau), Grossrat der „Grünen“ im Kanton Aargau.

– „Bildung statt Fundamentalismus“ ist ein Leitmotiv der Kinderhilfe Afghanistan:

http://www.kinderhilfe-afghanistan.de/

Die Wochenzeitung „ZEIT“ unterstützt die Kinderhilfe Afghanistan beim Aufbau eines Mädchengymnasiums in Dschalalabad: Tinte gegen Taliban.

Ich jedenfalls würde den Anteil meiner Steuern, der möglicherweise in den Gripen-Kauf fliesst, lieber in ein Mädchengymnasium in Dschalalabad investieren.

Und ich bin sicher, dass der „Return of Investment“ bezüglich der Landessicherheit vor allem langfristig besser ausfallen würde, wenn auf breiter Basis in Mädchenbildung investiert würde.

Als positive Nebeneffekte dieser aktualisierten Sicherheitspolitik wären noch zu erwähnen die Fluglärmreduktion und die Verminderung des CO2-Ausstosses.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Phytotherapie als Komplementärmedizin-Methode in die Grundversicherung – was bringt’s?

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Letzte Woche wurde bekannt, dass die Eidgenössische Leistungskommission (ELGK) dem Bundesrat empfiehlt, fünf Methoden der Komplementärmedizin nicht wieder in die obligatorische Grundversicherung aufzunehmen. Gemäss Entscheid der ELGK genügen die zur Diskussion stehenden Methoden Homöopathie,  Anthroposophische Medizin, Traditionelle Chinesische Medizin, Phytotherapie und Neuraltherapie den Anforderungen des Krankenversicherungsgesetzes nicht. Dieses verlangt Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Der Entscheid wurde von Befürwortern der Komplementärmedizin im Parlament heftig kritisiert.

Entscheiden muss nun Bundesrat und Gesundheitsminister Didier Burkhalter.

Für die Phytotherapie wirft dies einige Fragen auf.

1. Was bringt es den Patientinnen und Patienten, wenn Phytotherapie in die Grundversicherung aufgenommen würde?

Mir ist ein Nutzen nicht ersichtlich. Heute läuft es so:

Die Ärzte oder Ärztinnen machen eine normale medizinische Anamnese und Diagnostik, denn Phytotherapie hat keine eigene Diagnostik.

Dann wird entschieden, anstelle eines synthetischen Arzneimitttels ein pflanzliches zu verschreiben. Ist die Wirksamkeit dieses Phytotherapeutikums belegt, zahlt es die Grundversicherung bereits heute. Daran würde sich auch nach einer Aufnahme in die Grundversicherung nichts ändern.

Dem Entscheid von Bundesrat Didier Burkhalter kann man daher aus Sicht der

Phytotherapie meines Erachtens sehr gelassen entgegen sehen.

Hier stellt sich die Frage, weshalb überhaupt die Integration von Phytotherapie in die Grundversicherung gefordert wird, wenn doch reale Vorteile für Patientinnen und Patienten nicht ersichtlich sind.

Diese Forderung ist meines Erachtens tatsächlich leer, sie hat keinen Inhalt, aber sie kommt offenbar im „Volk“ gut an (weil das „Volk“ nicht weiss, dass es um nichts geht). Wenn Politikerinnen und Politiker Forderungen aufstellen, die inhaltsleer, aber wohl tönend sind, dann liegt die Vermutung sehr nah, dass wir es mit Populismus zu tun haben. Parlamentmitglieder wie Ständerat Rolf Büttiker (FDP, SO) und Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne, SG) kritisierten den Entscheid der ELGK heftig. In der Sendung „Rendez-vous“ von Radio DRS (8. 12. 2010) sprach Gilli von Skandal und streute Verdächtigungen, ohne sie zu belegen, und Büttiker verstieg sich gar zum Ausdruck „Stahlhelmentscheid“. Fundierte Argumente waren keine zu hören.

Woher kommt dieser Anflug von Fanatismus, Missionarismus und Kriegsrhetorik? Gilli und Büttiker sollten meiner Ansicht nach aufhören mit den schönen populistischen Schlagworten und auf eine inhaltliche Diskussion über die fünf Methoden einsteigen, wenn sie schon der ELGK jede Kompetenz absprechen.

2.  Gehört die Phytotherapie überhaupt zur Komplementärmedizin?

Meiner Ansicht nach nein. Phytotherapie gehört m. E. zur Naturheilkunde. Phytotherapie basiert auf einer medizinischen Diagnostik und sie ist in ihrem Kern kompatibel mit medizinischem Denken und Handeln. Fachliche Argumente für eine Zuordnung der Phytotherapie in die Komplementärmedizin sehe ich keine.

Siehe auch:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Naturheilkunde – was ist das?

Hier stellt sich die Frage, weshalb Phytotherapie in dieses „Fünfer-Päckli“ mit dem Etikett „Komplementärmedizin“ überhaupt aufgenommen wurde.

Meines Erachtens handelt es sich dabei um einen abstimmungstaktischen Entscheid und um geschicktes Lobbying. Phytotherapie ist von den fünf Methoden aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel betrachtet am plausibelsten,  weltanschaulich neutral und in der Bevölkerung sind Heilpflanzen-Anwendungen gut verankert.

Die Integration der Phytotherapie wirkt sich gut aus auf die Glaubwürdigkeit des „Fünfer-Päckli“.

Die Auseinandersetzung über die Integration der Komplementärmedizin ist zu führen, weil der Wunsch in der Bevölkerung  offensichtlich ist. Aber nicht einfach über Schlagworte wie „Skandal“ oder „Stahlhelmentscheid“. Und auch nicht nur mit pauschalen, gut tönenden, aber fragwürdigen Begriffen wie „Komplementärmedizin“    (siehe dazu: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff ).

Sondern konkret, inhaltlich und differenziert – bezogen auf die einzelnen Methoden. Denn die Komplementärmedizin als Methode gibt es nicht, der Begriff ist ziemlich fiktional. Unter diesem positiv besetzten Label segeln unterschiedlichste Verfahren, Weltbilder, Ideologien etc. Wer pauschal behauptet, dass die Komplementärmedizin wirksam und zweckmässig ist, blendet jedenfalls ziemlich viel aus.

Zudem wäre eine vertiefte Diskussion nötig über die Gründe für das zunehmende Bedürfnis nach Komplementärmedizin. Die liegen nämlich nicht einfach in den Defiziten der Medizin. Wer die Ursachen derart einseitig sieht, hätschelt Feindbilder. Nötig wäre beispielsweise eine Auseinandersetzung mit unseren Ansprüchen im Bereich von Krankheit und Gesundheit und mit den gesellschaftlichen und kulturellen Ursachen für die grosse Nachfrage nach „Komplementärmedizin“. „Komplementärmedizin“ deckt beispielsweise oft unerfüllte Sinnbedürfnisse. Über die Art und Weise, wie mit „Komplementärmedizin“ Sinnbedürfnisse gedeckt werden – und über allfällige daraus entstehende positive oder negative Nebenwirkungen – sollte meines Erachtens nachgedacht und diskutiert werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Komplementärmedizin: Expertenkommission lehnt Aufnahme in die obligatorische Krankenkassen-Grundversicherung ab

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Die Eidgenössische Leistungskommission (ELGK) empfiehlt Bundesrat Didier Burkhalter, keine der fünf zur Diskussion stehenden alternativen Heilmethoden wieder in die Grundversicherung aufzunehmen.
Der Tages-Anzeiger meldet am 8. 12. 2010:

„Man sei zum Schluss gekommen, dass weder die Homöopathie noch die Neuraltherapie, die Phytotherapie, die chinesische oder die anthroposophische Medizin  wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich genug seien, um von der Krankenkasse bezahlt zu werden. Wolle man diese Kassenpflicht einführen, so die ELGK, sei das Gesetz zu ändern.
Definitiv entscheiden muss diese Frage nun Gesundheitsminister Didier Burkhalter.“

Kommentar & Ergänzung:

1. Zur sorgfältigen Beurteilung dieser Empfehlung der ELGK müsste die detaillierte Begründung vorliegen. Es ist zu hoffen, dass diese Begründung rasch publiziert wird.

2. Anerkennenswert ist meines Erachtens, dass die ELGK dem populistischen Druck aus dem Parlament stand gehalten hat. Parlamentsmitglieder wie beispielsweise Ständerat Rolf Büttiker (FDP, SO) und Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne, SG), aber auch die ehemalige Ständerätin und jetzige Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP, BE) stellen meines Erachtens die Lage sehr verzerrt dar. Sie erwecken den Eindruck, dass die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der Komplementärmedizin über alle Zweifel erhaben sei, und nur missgünstige und böswillige Behörden dies nicht zur Kenntnis nehmen.
Beispiele siehe:

Falschaussage von Simonetta Sommaruga

Fragen an Ständerat Rolf Büttiker

Damit wird meines Erachtens die Öffentlichkeit getäuscht. Den Stimmberechtigten wurde schon bei der Abstimmung vorgegaukelt, mit der Annahme des Verfassungsartikels zur Förderung der Komplementärmedizin sei die Wiederaufnahme der fünf Komplementärmedizin-Methoden zu erreichen. Unterschlagen wurde dabei, dass die Forderung des Krankenversicherungsgesetzes – Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit – damit nicht einfach aufgehoben werden.
Der populistische Druck auf das Bundesamt für Gesundheit, wie er in den letzten Wochen zum Beispiel von Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne, SG) und Ständerat Rolf Büttiker (FDP, SO) aufgebaut wurde, ist meines Erachtens ein Druck, sich über das Krankenversicherungsgesetz hinweg zu setzen. Genauso wie schon seit Jahren Präparate der Homöopathie und der Anthroposophischen Medizin ohne Wirksamkeitsnachweis über die Grundversicherung abgerechnet werden, obwohl dafür eine gesetzliche Grundlage bisher nicht ersichtlich ist.
Siehe dazu: Bundesamt für Gesundheit: Nebulöse Bevorzugung von Homöopathie und Anthroposophischer Medizin

3. Der vom KVG geforderte Wirksamkeitsnachweis ist nur zum kleinen Teil erbracht

Der Nachweis der Wirksamkeit, wie sie das Krankenversicherungsgesetz fordert, ist in der Komplementärmedizin über weite Strecken nicht erbracht, auch wenn Ständerat Rolf Büttiker und Nationalrätin Yvonne Gilli das anders darstellen und dadurch meines Erachtens die Öffentlichkeit fälschlicherweise aufputschen.

In der Anthroposophischen Medizin beispielsweise ist die Misteltherapie bei Krebs mit grossem Abstand am besten untersucht. Stellungnahmen von Medizinerinnen und Medizinern aus der komplementärmedizinischen Onkologie und systemische Auswertungen der vorliegenden Studien zeigen aber, dass die Wirksamkeit dieser Behandlung keineswegs so klar gesichert ist, wie es die Komplementärmedizin-Lobby darstellt.

Siehe dazu: Misteltherapie gegen Krebs – wirksam?

Im Bereich der Homöopathie hat das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité Berlin eine kompakte Zusammenfassung des gegenwärtigen Stand der Forschung publiziert:

http://www.charite.de/epidemiologie/downloads/Informationen_Homoeopathie.pdf

Es handelt sich hier um eine homöopathiefreundliche Interpretation. Der Lehrstuhl von Prof. Claudia Witt wird von der Karl und Veronica Carstens Stiftung finanziert, deren Zweck die Förderung der Homöopathie-Forschung ist. Homöopathiekritische Interpretationen kommen zu negativeren Ergebnissen.

Von der Carstens-Stiftung unterstützt wird auch Tobias Nuhn, der in seiner Dissertation schreibt:

„Mögliche Konsequenzen für die zukünftige Beurteilung der Ergebnisse placebokontrollierter Studien zur klassischen Homöopathie: In der hier vorgelegten Studie variierte die Größe des Placeboeffekts zwar deutlich zwischen einzelnen Studien (abhängig vom betrachteten Erkrankungstyp, der Studiendauer etc.), jedoch nicht im Sinne eines grundsätzlich größeren Placeboeffektes in Studien der klassischen Homöopathie. Die Untersuchungsergebnisse sprechen daher für die herkömmliche Auffassung und Nullhypothese dieser Arbeit, dass der Placeboeffekt bei vergleichbarem Design in homöopathischen und konventionellen Studien ähnlich groß ausfällt. Der fehlende Wirksamkeitsnachweis der klassischen Homöopathie kann demnach nicht über die Größe der auftretenden Placeboeffekte erklärt werden, sondern vielmehr durch einen nicht ausreichend großen Verumeffekt.“

(Verum  = das zu testende Medikament im Gegensatz zum Scheinmedikament / Placebo; M.K.)

Quelle: http://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-16135/Tobias%20Nuhn%2C%20Dissertation.pdf

Aus:   Die Placebo-Problematik in klinischen Studien der Klassischen Homöopathie, Dissertation von Tobias Nuhn, S. 85

Entscheidend ist der letzte Satz:
„Der fehlende Wirksamkeitsnachweis der klassischen Homöopathie kann demnach nicht über die Größe der auftretenden Placeboeffekte erklärt werden, sondern vielmehr durch einen nicht ausreichend großen Verumeffekt.“

Mit anderen Worten: Der Effekt der Globuli ist nicht ausreichend gross, um einen Wirksamkeitsnachweis zu ermöglichen.

Die Aussagen von Witt und Nuhn zeigen, dass auch die Wirksamkeit der Homöopathie nicht annähernd so eindeutig belegt ist, wie die Komplementärmedizin-Lobby dies darstellt. Und diese beiden Fachleute können nicht einfach als „Homöopathie-Feinde“ verunglimpft werden, wie dies die“Homöopathie-Szene“ gerne mit Kritikern macht.

Zu diesem Punkt möchte ich allerdings festhalten: Dass die Anwendung von Homöopathie in manchen Fällen mit einer Besserung einhergeht, scheint mir nicht  zu bezweifeln. Dies abzustreiten würde einfach der Erfahrung vieler Menschen entgegenlaufen. Dass eine solche Besserung mit einer spezifischen Wirkung der Globuli zusammenhängt, konnte bisher nicht gezeigt werden. Die Zusammenfasung der Charité deutet an, dass ein grosser Teil der Wirkung von therapeutischen Kontext stammen könnte. Nun kann man natürlich argumentieren, dass es für Patientinnen und Patienten unwichtig ist, ob die Wirkung vom Globuli, vom therapeutischen Kontext, von den Selbstheilungskräften oder ähnlichen Einflüssen herkommt.

Für die Entscheidung, welche Leistungen durch die Grundversicherung zu bezahlen sind, ist die Frage aber nicht so leicht zu umgehen. Lässt man nämlich das Kriterium einer spezifischen und durch Studien belegten Wirkung weg, dann gelten sollen. Einfach zu sagen: „Bezahlt wird, was dem Patienten gut tut“, ist zwar auf den ersten Blick einleuchtend, als Kriterium aber überhaupt nicht fassbar.

Auf dieser Basis scheint mir jedenfalls die Polemik gegen den Entscheid der ELGK nicht angemessen.

4. Kassenpflicht nicht ohne Änderung des Krankenversicherungsgesetzes

Wichtig in der Meldung des „Tages-Anzeigers“ ist folgender Satz:
„Wolle man diese Kassenpflicht einführen, so die ELGK, sei das Gesetz zu ändern.“

In diese Richtung äussert sich auch Markus Moser. Er arbeitete von 1987 bis 1997 als Leiter der Hauptabteilung Kranken- und Unfallversicherung im Bundesamt für Sozialversicherungen. Der Jurist gilt als Vater des 1996 in Kraft getretenen Krankenversicherungsgesetzes (KVG).

Im Interview mit der „Berner Zeitung“ hält Moser fest, dass der Verfassungsartikel zur Komplementärmedizin nicht klar formuliert ist und er empfiehlt das Krankenversicherungsgesetz zu ändern.

Im Artikel steht nur: „Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeit für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin.“

Markus Moser weißt zudem auf zwei Stellen im Abstimmungsbüchlein hin:

„Einige Parlamentarier sprachen sich für die Aufnahme wirksamer Methoden der Komplementärmedizin in den Leistungskatalog der Grundversicherung aus. Es bestand weitgehend Übereinstimmung darüber, dass auch komplementärmedizinische Leistungen den Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit zu genügen haben.“

„Sollten jedoch für Komplementärmedizin andere Kriterien gelten oder der Nachweis für Wirksamkeit nach einem anderen Verfahren erbracht werden, müsste das Gesetz entsprechend angepasst werden.“

Quelle: http://www.bernerzeitung.ch/schweiz/standard/Markus-Moser-Der-Verfassungsartikel-ist-nicht-klar/story/25207479

Statt populistisch Druck auf das BAG zu machen, damit dieses das Krankenversicherungsgesetz übergeht, sollten die Befürworter der Komplementärmedizin im Parlament selber Verantwortung übernehmen  und das Krankenversicherungsgesetz in ihrem Sinne ändern.

Das Parlament hat es in der Hand, das Kriterium „Wirksamkeit“ als Bedingung für die Aufnahme in die Grundversicherung abzuschaffen.

Allerdings müssen dann diejenigen Parlamentsmitglieder, die jetzt wie zum Beispiel Rolf Büttiker und Yvonne Gilli so laut ausrufen, offenlegen, nach welchen Kriterien sie entscheiden, was von der Grundversicherung bezahlt wird und was nicht. Das wird dann aber eine heisse Diskussion, denn es ist ziemlich schwierig, transparente und nachvollziehbare Kriterien zu finden, wenn man wissenschaftliche Kriterien ausklammert.
Anstelle der bisherigen Kriterien WZW (Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit) könnte das Parlament ja, wenn es konsequent die Verantwortung übernehmen würde, umstellen auf BZW (Beliebtheit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit).

Oder BZW (Beliebigkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit).

Hört man die aktuellen Stellungnahmen aus dem Parlament zur Empfehlung der ELGK, so wäre dies nur folgerichtig.

Eine ernsthafte Diskussion würde sich aber inhaltlich und differenziert mit den einzelnen Methoden auseinandersetzen und nicht einfach pauschal mit dem wohl klingenden Schlagwort „Komplementärmedizin“ operieren.

Siehe dazu: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Bevölkerung akzeptiert Cannabis als Arzneimittel

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Der Einsatz von Cannabis zur Behandlung Schwerkranker findet in Deutschland einer Umfrage zufolge breite Zustimmung. Bei einer Emnid-Befragung im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft «Cannabis als Medizin» (ACM) waren über 75 Prozent der angerufenen Bürger dafür, Cannabis-Produkte zur Behandlung chronischer Schmerzen oder zur Linderung der Spastiken bei Multipler Sklerose zuzulassen. Das teilte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Cannabis als Medizin“, Franjo Grotenhermen, mit. Die Zustimmung gehe quer durch die Bevölkerung, stellte Grotenhermen fest. Am meisten Zustimmung gab es in gebildeten Schichten, bei Männern und bei Anhängern der kleineren Parteien FDP, Grüne und Linkspartei. Auffallend ist die mit 55 Prozent vergleichsweise geringe Akzeptanz von Cannabis-Medizin bei Schülerinnen und Schülern.

Das Resultat der Befragung von 1001 Bürgern hat wenig mit dem eigenen Cannabis-Konsum der Befragten zu tun. Der Großteil der Interviewten gab zu Protokoll, selber nie Cannabis geraucht zu haben. Trotzdem sprachen sich auch aus dieser Gruppe 73 Prozent für die medizinische Nutzung aus. Die ACM hatte auch fragen lassen, wie die Bundesbürger zur Übernahme der Kosten für eine Cannabis-Therapie stehen. Rund zwei Drittel (65 Prozent) der Befragten sprachen sich für eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen aus.

Bisher müssen Betroffene oft langwierig mit Behörden, Ärzten und Kassen um die Nutzung von Cannabis-Medizin und die Übernahme der Kosten kämpfen. In Deutschland dürfen laut Grotenhermen nur 40 Patienten Cannabis aus der Apotheke beziehen. In anderen Ländern wie zum Beispiel Kanada und Spanien seien verschiedene Cannabis-Medikamente zugelassen. «Außerdem werden Kranke, die sich selber mit Cannabis versorgen, in diesen Ländern strafrechtlich nicht verfolgt», erklärte Grotenhermen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Unabhängig von der Rauschdrogenproblematik  rund um Cannabis gilt es meines Erachtens festzuhalten, dass dieses Gewächs zweifellos zu den Heilpflanzen gehört. Aufgrund der Illegalität wird die Wirkung von Cannabis nur in wenigen Phytotherapie-Fachbüchern umfassender besprochen. Eine gute Zusammenfassung findet sich beispielsweise im „Heilpflanzenlexikon“ von Dietrich Frohne. Gut durch Studien belegt ist die Linderung der Spastik bei Multiple Sklerose, die appetitfördernde Wirkung bei Krebspatienten und AIDS-Patienten sowie die Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten unter Chemotherapie.

Dass schwer kranke Menschen, die sich mit Cannabis Linderung verschaffen können, potentiell oder defacto kriminalisiert werden, ist meiner Ansicht nach unakzeptabel. Dass ein überwiegender Teil der Bevölkerung – jedenfalls in Deutschland – dies inzwischen offenbar auch so sieht, ist erfreulich.

Ich schreibe dies als jemand, der selber mit Cannabis nichts um Hut hat, aber im Falle einer entsprechenden Erkrankung gerne auf diese Heilpflanze zurückgreifen können  möchte.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ständerat: Komplementärmedizin soll ins Medizinstudium

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Ärzte, Zahnärzte, Chiropraktiker und Apotheker sollen angemessene Kenntnisse der Komplementärmedizin verfügen. Der Ständerat überwies eine entsprechende Motion. Der Bundesrat beabsichtigt, die Frage im revidierten Medizinalberufegesetz zu regeln.

Die Universitäten sollen Kurse anbieten, welche Grundkenntnisse in der Komplementärmedizin vermitteln, erläuterte Kommissionssprecher Felix Gutzwiller (FDP / ZH). Und er ergänzt, dass dabei schon einiges geschehen sei. Nur die Hochschule in Genf verfüge noch nicht über ein entsprechendes Angebot.

Die Angebote müssten indessen flächendeckend sein, sagte Ständerat Felix Gutzwiller zur Motion der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK). Diese Motion sei Folge einer gleichlautenden parlamentarischen Initiative und soll zur Beschleunigung des Anliegens beitragen.

Ständerat Rolf Büttiker (FDP / SO) erinnerte an das deutliche Ja zur Initiative für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin am 17. Mai 2009. Die Motion verlange nur die Vermittlung von Basiswissen über Methoden, welche die Mehrheit der Bevölkerung wünsche. Denkbar sei eine obligatorische Basisausbildung von 30 bis 60 Stunden in einem Studium, präzisierte Rolf Büttiker.

Eugen David (CVP / SG) bemängelte, dass unter den Begriff Komplementärmedizin die verschiedensten Methoden fallen. An Universitäten sollten jedoch nur wissenschaftlich fundierte Methoden gelehrt werden.

Gesundheitsminister Didier Burkhalter erklärte sich zur Annahme der Motion bereit. Der Einwand Davids mache jedoch klar, dass das Thema komplex sei und seriöse Gesetzgebung brauche. Die Frage der Kenntnisse in Komplementärmedizin fliesse in die Revision des Medizinalberufegesetzes ein. Bis Ende 2010 sollte die Vernehmlassung zu dieser Revision beginnen, sagte Bundesrat Didier Burkhalter. Die Motion wurde vom Ständerat gut geheissen und geht nun an den Nationalrat.

Quelle:
http://www.bielertagblatt.ch/News/Schweiz/169235

Kommentar & Ergänzung:

Ein “Blumenstrauss” an Ständerat Eugen David (CVP, SG). Es scheint also tatsächlich Politiker zu geben, denen klar geworden ist, dass man nicht einfach pauschal und undifferenziert die verschiedenen Methoden der “Komplementärmedizin” in einen Topf schmeissen kann. Das ist erfreulich, herrscht doch bisher überwiegend die totale Pauschalisierung vor, wonach Komplementärmedizin einfach generell etwas Wunderbares ist. Wobei sehr bedauerlicherweise ausgerechnet die Sozialdemokratische Partei (SPS) und die Grüne Partei (GPS) sich meiner Erfahrung nach im Bereich Komplementärmedizin durch einen besonders hohen Naivitäts-Pegel auszeichnen.

Zur Komplexität des Begriffs Komplementärmedizin siehe:
Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/01/30/komplementaermedizin-ein-fragwuerdiger-begriff.html

Der Teufel steckt auch hier im Detail.

Ständerat Eugen David fordert, dass an Universitäten nur wissenschaftlich fundierte Methoden gelehrt werden sollten.
Das schliesst aber tendenziell Methoden der Komplementärmedizin schon aus. Die fünf zur Diskussion stehenden Methoden Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie und Phytotherapie sind jedenfalls bei weitem nicht durchgängig als wissenschaftlich fundiert zu bezeichnen. Dies in deutlichem Gegensatz zu den fragwürdigen und auf Binnenkonsens beruhenden Schlussfolgerungen der sogenannten PEK-Studie, welche die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit dieser fünf Methoden belegt haben will.

Zur Kritik an der PEK-Studie siehe:
Komplementärmedizin: Fragwürdige PEK-Studie zur Wirksamkeit
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2009/06/24/komplementaermedizin-fragwuerdige-pek-studie-zur-wirksamkeit.html

Die Stimmberechtigten wurden meines Erachtens diesbezüglich im Vorfeld der Abstimmung vom 17. Mai durch sehr einseitige, realitätsferne bzw. zum Teil auch schlicht unwahre Aussagen bezüglich der wissenschaftlichen Fundiertheit der Komplementärmedizin getäuscht.

Siehe beispielsweise Statements von Ständerätin Simonetta Sommaruga (SP, BE) und Ständerat Rolf Büttiker (FDP, SO):

Komplementärmedizin-Abstimmung: Fragen an Ständerat Büttiker
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2009/04/14/komplementaermedizin-abstimmung-fragen-an-staenderat-buettiker.html

Falschaussage von Simonetta Sommaruga zur Komplementärmedizin-Abstimmung
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2009/04/15/falschaussage-von-simonetta-sommaruga-zur-komplementaermedizin-abstimmung.html

Der Kernpunkt scheint mir hier zu sein, dass eine Methode, die wissenschaftlich fundiert ist, gar nicht mehr zur Komplementärmedizin gezählt wird, sondern zur “Schulmedizin” gehört.
Zur Problematik des Begriffs “Schulmedizin” siehe:

Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/01/03/schulmedizin-ein-fragwuerdiger-ausdruck.html

Fordert man wie offenbar Eugen David, dass von den fünf zur Diskussion stehenden Methoden der Komplementärmedizin (Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie und Phytotherapie) nur diejenigen an der Universität gelehrt werden, welche wissenschaftlich fundiert sind, dann steht die Phytotherapie zweifellos in der Pool-Position. Denn dass die Phytotherapie von den fünf mit Abstand am besten wissenschaftlich fundiert ist, wird wohl kaum von irgend jemandem ernstlich bestritten.

Aber auch hier wird die Situation komplex, sobald man genauer hinschaut:

Meiner Ansicht nach gibt es kein auch nur einigermassen überzeugendes Argument, weshalb Phytotherapie zur Komplementärmedizin zu zählen wäre. Dass Phytotherapie in diesem Fünfer-Päckli als Komplementärmethode verkauft wird, hat mehr mit politischer Strategie und politischem Lobbying zu tun, kaum aber mit realen fachlichen Gründen.
Siehe dazu:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/01/30/gehoert-phytotherapie-zur-komplementaermedizin.html

Es sprechen viel mehr Argumente dafür, Phytotherapie als Brücke zwischen Medizin und Naturheilkunde zu sehen – eine Position, welche beispielsweise die “Interessengemeinschaft Phytotherapie & Pflege” (IGPP) einnimmt (www.ig-pp.ch).
Die IGPP setzt sich für die Integration von fundierten Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex-Organisationen, Pflegeheime und Kliniken ein. Sie arbeitet damit schon vor und erst recht nach der Abstimmung vom 17. Mai unspektakulär an der oft geforderten und selten realisierten Verbindung von Medizin und Naturheilkunde. Voraussetzung für ein Gelingen dieser Zusammenarbeit ist neben phytotherapeutischer Professionalität vor allem auch eine kooperative Grundhaltung zum medizinischen System.

Eine Dokumentation zum Thema “Phytotherapie in der Pflege” finden Sie hier:
moodle.heilpflanzen-info.ch/mod/resource/view.php

P.S.:
Bei der Frage, ob und welche Art von Komplementärmedizin an der Universität gelehrt werden soll, müsste meines Erachtens die wissenschaftliche Fundiertheit nicht das einzige Kriterium sein. Zu fordern wäre darüber hinaus eine offene Diskussion über weltanschauliche und ethische Aspekte. Anthroposophische Medizin beispielsweise basiert auf der Vorstellung, dass Krankheit und Behinderung durch moralisches Versagen in einem früheren Leben ausgelöst werden. Meines Erachtens gehört es zu den “Würden der Moderne”, dass Krankheit und Behinderung nicht mehr mit Schuld verbunden sind. Der Anthroposophischen Medizin aber geht es um eine Remoralisierung von Krankheit und Behinderung.
Details siehe:

Kritische Fragen zur Förderung der Anthroposophischen Medizin:
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2009/05/01/abstimmung-komplementaermedizin-kritische-fragen-an-simonetta-sommaruga-zur-foerderung-der-anthroposophischen-medizin.html

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Blinde Polanski-Solidarität bei den Grünen?

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Die Anliegen der Grünen sind mir grundsätzlich sehr nahe, auch wenn ich ihre konkreten Vorschläge nicht immer teile.

In der Auseinandersetzung um die Verhaftung des Regisseurs Roman Polanski irritieren mich aber die Stellungnahmen von Exponenten der Grünen Partei (GPS).

Präsident Ueli Leuenberger findet die Verhaftung völlig unverständlich.

Wie bitte? Es geht um Gefügigmachen einer 13jährigen mittels Alkohol und Drogen und um sexuellen Missbrauch einer Minderjährigen. Was ist da unverständlich an einer Verhaftung, Herr Leuenberger? Dass ein prominenter Künstler verhaftet wird? Dass die Verhaftung bei der Anreise zu einem Filmfestival erfolgt?

Und der grüne Nationalrat Daniel Fischer findet, die Behörden hätten Roman Polanski vor einer Verhaftung warnen sollen.
Auf den Hinweis des Interviewers David Vonplon, Bundesrätin Widmer-Schlumpf habe betont, dass Polanski nicht auf eine andere Behandlung wegen seiner Bekanntheit hoffen durfte, sagt Daniel Vischer:

“Das Argument der Rechtsgleichheit zieht nicht. Polanski wurde ja seine Berühmtheit gerade zum Verhängnis. Denn sonst hätten die Behörden nicht gewusst, dass er in die Schweiz kommt. Einen unbekannten Amerikaner, dem die selben, Jahrzehnte zurückliegenden Delikte vorgeworfen werden, hätte die Schweiz aller Wahrscheinlichkeit nach laufen lassen.”
(www.derbund.ch, 28. 9. 2009)

Wenn ich das richtig verstehe, meint Daniel Vischer damit:
Weil Polanski so bekannt ist, hat er ein grösseres Risiko erwischt zu werden. Um diese Ungerechtigkeit auszugleichen, müssen die Behörden ihn vor einer Verhaftung warnen, damit die Rechtsgleichheit gewahrt bleibt.

Diese Argumentation scheint mir völlig absurd. Lernt man solch sophistischen Spiegelfechtereien als Anwalt?

Ich bin nicht Jurist. Mein banales Verständnis von Rechtsgleichheit besteht darin, dass ein juristischer Akt, zum Beispiel die Ausführung eines internationalen Haftbefehls, unabhängig davon vollzogen wird, ob der Gesuchte Polanski oder Müller heisst. Den Prominentenstatus darf man hier gerade nicht hineinverwursten.
Vischer sagt doch eigentlich: Prominente sind diskriminiert und müssen deshalb (juristisch) geschont werden.

Die lange Zeitdauer, während der Polanski auf freiem Fuss geblieben ist, deutet eher auf einen Promi-Bonus. Mein Mitgefühl betreffen Diskriminierung durch Bekanntheit hält sich sehr in Grenzen.

Und wie kommt Daniel Vischer auf die Behauptung, dass die Schweiz einen unbekannten Amerikaner, dem die selben Delikte vorgeworfen werden, aller Wahrscheinlichkeit nach laufen gelassen hätte?
Auch wenn ein gültiger Haftbefehl vorliegen würde und die Ankunftszeit am Flughafen bekannt wäre?
Falls Nationalrat Vischer konkrete Indizien oder Belege für ein solch skandalöses Verhalten der Behörden hat, müsste er das meines Erachtens zur Anzeige bringen. Nur Verdächtigungen in den Raum stellen, ist nicht akzeptabel.

“Global solidarisch”, lautet ein Slogan der Grünen Partei (GPS). Diese Art von blinder Solidarität mit einem Promi kann damit aber wohl nicht gemeint sein.

Mich würde interessieren, was die Frauen in der GPS zu den Statements von Ueli Leuenberger und Daniel Vischer sagen.

Am überzeugendsten äusserte sich meines Erachtens übrigens kurz nach dem Bekanntwerden der Verhaftung SP-Präsident Christian Levrat: Er mochte den Vorfall nicht kommentieren. Es handle sich um eine Angelegenheit der Justiz, und er kenne die Ausgangslage nicht. Das scheint mir klug. Den Mund halten statt sofort drauf-los-lavern – wenn man sich noch gar keine fundierte Meinung bilden konnte – das verschafft Zeit für seriöse Informationsbeschaffung und Reflexion.

Ich teile die immer wieder mal hochschwappende populistische Schelte an die Adresse von Kulturschaffenden und an eine sogenannte “Classe politique” gar nicht.
Aber wenn nun ein Teil der Bevölkerung sehr verärgert reagiert auf vollkommen unbedachte Forderungen von Kulturschaffenden und Politikern nach Begünstigung eines Prominenten, dann ist dies meines Erachtens sehr berechtigt und zeugt von einem gesunden Rechtsempfinden.

Siehe auch:
Haarsträubende Kommentare zur Verhaftung von Roman Polanski

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

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Inserat:

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Haarsträubende Kommentare zur Verhaftung von Roman Polanski

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Die Fragwürdigkeit vieler Kommentare zur Verhaftung des Starregisseurs Roman Polanski hat mich sehr überrascht. Wenn Kulturschaffende direkt nach der Verhaftung dessen sofortige Freilassung fordern, scheint mir dies zwar ziemlich unreflektiert, aber aus dem ersten Schreck heraus vielleicht noch entschuldbar. Es stellt sich hier nur die Frage, ob die Betreffenden irgendwann schon mal von den Grundsätzen eines Rechtsstaates gehört haben. Offenbar ist ihnen nicht klar, dass ein Rechtsstaat keine Ausnahme machen kann für einen prominenten und genialen Regisseur, ohne sich selber ausser Kraft zu setzen. Dass Prominente sich ausserhalb der Gesetze stehend sehen, kennen wir doch zur Genüge von Silvio Berlusconi. Dass nun die Fans eines Prominenten diesen ausserhalb der Gesetze stehend sehen, ist jedenfalls nicht viel besser. Jeder Hauch einer Berlusconisierung der Verhältnisse scheint mir verheerend.

Inzwischen ist jedoch genügend Zeit verflossen, um sich über die Hintergründe und Umstände dieser Verhaftung zu informieren und darüber nachzudenken.
Aber viele Kommentare sind meinem Eindruck nach immer noch geprägt von einer hoch fragwürdigen, ziemlich blinden Loyalität mit einem verehrten Idol.

Die Behörden hätten Roman Polanski vor der Verhaftung warnen müssen. Das fordert der Grüne Nationalrat Daniel Fischer, ein Anwalt und Strafverteidiger (!). Das fordert Daniel Binswanger im „Magazin“ (Nr. 40/2009), dessen kluge Kommentare ich oft schätze. Das fordert Alt-Bundesrat und Ex-Justizminister Christoph Blocher, der allerdings nicht zum ersten Mal ein problematisches Verhältnis zum Rechtsstaat zeigt.
Sehr erstaunlich, dass diese doch sehr unterschiedlichen Personen sich unisono für die Begünstigung eines Prominenten vor dem Gesetz aussprechen.

Mein Vorschlag: Daniel Vischer, Daniel Binswanger und Christoph Blocher sollen doch zusammen eine Volksinitiative lancieren, um den Grundsatz einer Vorwarnung von prominenten gesuchten Verbrechern anlässlich einer bevorstehenden Verhaftung in der Verfassung zu verankern. Dann haben wir für ihre Forderung wenigstens eine Rechtsgrundlage.
Wenn Daniel Vischer die Grünen ins Boot holt, Christoph Blocher die SVP von der Wichtigkeit dieses Anliegens überzeugt und seine finanziellen Ressourcen zu Verfügung stellt, und Daniel Binswanger publizistische Schützenhilfe via Tamedia gibt, dürfte eine solche Volksinitiative locker die nötigen Unterschriften bekommen. Keine Frage aber, dass die Stimmberechtigten ein solches Anliegen haushoch bodigen würden. Im “einfachen Volk” ist meinem Eindruck nach durchaus noch ein Sensorium vorhanden für die Bedeutung der Rechtsgleichheit.

Das Parlament könnte ja dann einen Gegenvorschlag ausarbeiten, wonach die Vorwarnung durch die Behörden anlässlich einer geplanten Verhaftung bei allen gesuchten Verbrechern zur Pflicht wird. So wäre mindestens die Rechtsgleichheit für alle Bürgerinnen und Bürger gewahrt…….

Differenzierter, aber an einigen Punkten immer noch sehr fragwürdig, scheint mir der Kommentar von Manfred Papst in der heutigen “NZZ am Sonntag” unter dem Titel “Korrekt gehandelt und doch vieles falsch gemacht.”
Papst schreibt: “Die Verhaftung des Filmregisseurs Roman Polanski bei seiner Einreise in die Schweiz war rechtmässig. Doch sie erfolgte zum falschesten Zeitpunkt und bringt niemandem etwas.” Und er spricht sich zugunsten der Rechtsgleichheit und gegen eine behördliche Vorwarnung aus.

Über den Zeitpunkt der Verhaftung kann man sich durchaus kritische Gedanken machen. Dann müsste aber vor allem in Frage gestellt werden, warum Polanski über so viele Jahre in Frankreich, Deutschland, der Schweiz und anderen Ländern nicht festgesetzt wurde, und ob auch hier der “Promi-Effekt” mitgewirkt hat. Das wäre dann der Skandal und nicht die Verhaftung nun bei der Einreise zum Filmfestival.

Papst schreibt: “Ein kantonaler Beamter fragte beim Justizdepartement nach, was im Fall der Einreise Polanskis zu tun sei. Das EJPD setzte sich mit den zuständigen Behörden in den USA, mit denen ein Rechtshilfeabkommen besteht, in Verbindung und veranlasste die Verhaftung des Regisseurs, als er am 26. 9. am Zürcher Flughafen ankam.”
Bei diesem Vorgehen, so schreibt Papst, scheint es sich “eher um eine typisch helvetische Mischung aus Formalismus und vorauseilenden Gehorsam zu handeln.”
Mit Verlaub: Ich finde, dieser kantonale Beamte und die Leute im EJPD haben hier nur ihren Job gemacht, für den sie angestellt sind.

Natürlich ist es unschön, wenn Polanski genau in einem Moment verhaftet wird, an dem er für sein Lebenswerk eine Auszeichnung bekommen sollte.
Immerhin hält Papst die da und dort aufgetauchte Vorstellung, dass die Behörden dem Regisseur absichtlich eine Falle gestellt haben, aufgrund der Chronologie der Ereignisse für unzutreffend.

Aber selbst wenn es sich um eine Falle gehandelt hätte: Es schiene mir durchaus zulässig, einen international mit Haftbefehl gesuchten Kriminellen mit einer Falle festzusetzen. Insofern gibt es meines Erachtens gar keinen falschen Zeitpunkt.
Papst hält die Beteuerungen der verantwortlichen Personen, sie hätten nur jetzt und nur so handeln können, für nicht sehr überzeugend. Das kann ich nicht gut beurteilen. Doch die zwei Beispiele, die Papst dafür aufführt, dass Behörden durchaus rechtliche Spielräume nutzen, überzeugen mich noch weniger:

“Erst vor wenigen Wochen hat sich die Schweiz beim libyschen Diktator Ghadhafi in aller Form für die Anwendung geltenden Rechts entschuldigt, und im Streit mit den USA um Steuerbetrug und Bankgeheimnis hat sie geltende Gesetze per Notrecht ausser Kraft gesetzt.”

Zu Libyen: Mit dieser Entschuldigung durch Bundesrat Merz wurde meines Erachtens kein schweizerisches Gesetz gebrochen oder gebeugt. Ob dieses Vorgehen geschickt war, ist eine andere Frage. Ich kann aber nachvollziehen, dass im Bemühen um die Freilassung von unrechtmässig festgehaltenen Personen manchmal zu Mitteln gegriffen wird, die sehr ambivalent sind. Mit diesem Vorgehen wird jedenfalls nicht ein Krimineller dem Zugriff der Justiz entzogen. Dieser Vergleich hinkt vollkommen.

Zum Fall UBS: Tatsächlich, hier wurden per Notrecht geltende Gesetze ausser Kraft gesetzt. Der Sinn des Notrechts steht hier nicht zur Diskussion und auch nicht, ob seine Anwendung im Fall UBS nötig war oder nicht.
Dass die Anwendung von Notrecht im Fall der Verhaltung von Roman Polanski jedoch völlig überzogen gewesen wäre, wird aber wohl niemand ernsthaft bestreiten. Auch dieser Vergleich ist meines Erachtens ziemlich an den Haaren herbei gezogen.

Am Ende seines Kommentars stellt Manfred Papst die Frage, wem mit Polanskis später Verhaftung gedient ist, und er kommt zum Schluss:

“Der Gesellschaft sicher nicht. Für sie ist der 76-jährige Regisseur keine Gefahr mehr. Dem Opfer auch nicht. Es ist nun gegen seinen Willen wieder eine öffentliche Person. Die Schweiz trägt eine Imageschaden davon, und auch die USA dürften an der Sache wenig Freude haben: Sie müssen sich jetzt mit einem – auch aufgrund damaliger Fehler der Justiz – entsetzlich komplizierten Fall herumschlagen, bei dem es nur Verlierer gibt und der allenfalls ein Exempel statuiert.” Die Verhaftung also “bringt niemandem etwas.”

Einspruch mit Nachdruck!
Ja, alles spricht dafür, dass Polanski für die Gesellschaft keine Gefahr mehr darstellt.
Ja, das Opfer hat ein Recht darauf, in Ruhe gelassen zu werden.
Nein, ich finde gar nicht, dass die Schweiz einen Imageschaden davonträgt, wenn sie einen internationalen Haftbefehl vollzieht. Polanski hat die gravierende Tat gestanden, es droht ihm in den USA weder die Todesstrafe noch das Abhacken der Hände.
In den USA soll ein Gericht entscheiden, ob nach so langer Zeit ein korrekter Prozess noch möglich ist. Die lange Zeitdauer kann aber nicht zugunsten von Polanski sprechen, weil dieser sich dem Prozess durch Flucht entzogen hat.
Und ja, die US-Justiz wird sich auch mit den Ungereimtheiten und Fehlern im diesem Verfahren befassen müssen. Das wird durch den zeitlichen Abstand vielleicht sogar eher möglich sein. US-Anwälte sind nicht auf den Kopf gefallen und Herr Polanski kann sich bestimmt einen guten Verteidiger leisten.

Und zum Schluss:
Diese Verhaftung dient meines Erachtens durchaus jemandem: Der Rechtsgleichheit.
Das ist zwar eine ziemlich abstrakte Sache, die nicht so personalisiert greifbar ist wie ein berühmter Regisseur oder sein Opfer.
Aber diese Rechtsgleichheit ist ein Grundpfeiler des Rechtstaates und sie ist permanent bedroht. Wer viel Geld hat kommt viel leichter zu seinem Recht. Das ist stossend.

Genauso gefährlich für den Rechtsstaat ist es aber, wenn Prominente vom Zugriff der Justiz ausgenommen werden. Im Falle des Roman Polanski scheint mir, dass der “Promi-Schonraum” schon viel zulange angedauert hat. Dass die Justiz nun endlich gehandelt hat, stärkt den Rechtsstaat.
Dass nun die Schatten der Vergangenheit einen genialen Regisseur eingeholt haben und seinen Lebensabend verdüstern, ist allerdings tragisch.

Beim Umgang mit dem Fall Polanski in der Öffentlichkeit können wir meines Erachtens lernen, wie wichtig Ambivalenztoleranz ist. Es scheint mir eine der wichtigen Herausforderungen der Gegenwart, dass wir lernen, ambivalente Situationen zu bewältigen: Genie und Verbrechen können in einer Person zusammenfallen. Diese Spannung gilt es auszuhalten, ohne die Person zu dämonisieren oder zu idealisieren.

Martin Koradi

P.S.:

Hier finden Sie eine Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

 

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenheilkunde: Grüne Medizin im Aufwind – sieben spontane Gedankensplitter

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Die “Grüne Medizin” ist im Trend. Dabei gilt es aber zu beachten: Nicht jedes angepriesene Heilmittel, das aus der Natur stammt, ist auch wirksam und sicher. Es lohnt daher und ist nötig, immer wieder auch kritisch über die Entwicklungen in der Pflanzenheilkunde nachzudenken. Dazu für heute sieben unsystematische Anmerkungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

1. Pflanzenheilkunde begleitet die Menschen seit ihren Ursprüngen. Auf welche Art genau die Heilkraft der Pflanzen zustande kommt, darüber hatte jedes Zeitalter seine eigenen Ansichten. Die Pflanzenheilkunde verbindet so alle Epochen unserer Geschichte. Dadurch entsteht eine Kraft der Tradition, von der wir auch heute noch profitieren können. Und wer die Vergangenheit versteht, kann sich auch besser in der Gegenwart zurecht finden.

2. Auf Tradition allein sollten wir allerdings nicht bauen. Tradition hat sich in vielen Punkten auch gründlich geirrt, und das nicht selten über Jahrhunderte. Tradition allein legitimiert eine Heilmethode oder eine einzelne heilkundliche Idee noch nicht. Die Pflanzenheilkunde muss sich deshalb der Kritik und wissenschaftlicher Überprüfung stellen.

3. Aus der Auseinandersetzung zwischen Tradition und Wissenschaft entsteht eine zeitgemässe Form der Pflanzenheilkunde.

4. Diese modernere Pflanzenheilkunde kennt keine fest gefügten, für immer gültigen Erkenntnisse. Sie ist sich bewusst, dass Wissen sich wandelt. Überholtes wird ausgeschieden und neue Erkenntnisse werden integriert.

5. Wird Pflanzenheilkunde in diesem Sinne betrieben, steht sie genau zwischen der sogenannten “Schulmedizin” und der Naturheilkunde. Sie eignet sich darum auch ganz besonders als Brücke zwischen diesen sich oft feindlich gegenüberstehenden Lagern.

6. Für zahlreiche Krankheiten und Beschwerden bietet eine moderne Pflanzenheilkunde milde, gut verträgliche Behandlungsmöglichkeiten. Dabei gilt es jedoch im Auge zu behalten, dass auch Heilpflanzen unerwünschte Nebenwirkungen haben können und dass in manchen Fällen ein “chemisches” Arzneimittel die bessere Wahl ist. Es geht nicht um Entweder-oder, sondern darum, für jeden Fall die jeweils angemessene Behandlungsform zu finden. Diese Grundhaltung beugt Feindbildern vor, wie sie leider sowohl auf Seiten der Medizin als auch der Naturheilkunde immer noch verbreitet sind.

7. Pflanzenheilkunde kann den Kontakt zur Natur fördern. Wer Heilpflanzen verwendet, wird sich irgendwann fragen, wo diese wachsen und wie sie wohl aussehen. Der daraus entstehende Kontakt zur Natur hat mit grosser Wahrscheinlichkeit schon für sich allein genommen eine günstige Wirkung auf die Gesundheit.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde,
Seminar für Integrative Phytotherapie (SIP) in Winterthur.
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

Am SIP werden Lehrgänge und Kurse durchgeführt in Phytotherapie / Pflanzenheilkunde für interessierte Laien und für Berufsleute aus Krankenpflege, Medizin, Pharmazie, Pharma-Assistenz, Drogerie und Heilpraktik.
Im Sommerhalbjahr zudem Tages-, Wochenend- und Wochenkurse zum Kennenlernen von Heilpflanzen und Alpenblumen in den Bergen.
Im “Forum Naturheilkunde Philosophie” wird unter anderem die Kulturgeschichte der Pflanzenheilkunde vermittelt (Magische Medizin, Vier-Säftelehre, Klostermedizin, Signaturenlehre).
Info auf: www.phytotherapie-seminare.ch.

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php?id=15

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