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Efeu gegen Husten als Spagyrik-Tinktur anwenden?

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Efeu wird als Heilpflanze gegen Husten eingesetzt und wirkt dabei krampflösende und auswurffördernd.

Dabei kommt es immer wieder zu Unklarheiten über die beste Anwendungsform.

Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, ob Efeu auch als spagyrische Tinktur angewendet werden kann.

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, muss man wissen, welche Wirkstoffe für die krampflösenden und auswurfförderden Effekte verantwortlich sind – und zudem, ob diese Wirkstoffe in relevanten Mengen vom Efeublatt in die spagyrische Tinktur übergehen.

Die Wirkung von Efeublättern zur Linderung von Husten wird seit längerer Zeit intensiv erforscht. Dabei gelten die Saponine als entscheidende Wirkstoffe. Als Hauptsaponin gilt Hederasaponin C.

Charakteristisch für die Spagyrik ist das sehr ungewöhnliche, aufwendige Herstellungsverfahren.

Die Pflanzen werden zuerst mit Hefe vergoren. Dann wird abdestilliert. Dabei geht ein allfällig vorhandenes ätherisches Öl ins Destillat über.

Der Destillationsrückstand wird anschliessend bei einer Temperatur von mehreren hundert Grad Celsius verascht. Dabei werden die organischen Inhaltsstoffe und damit auch die Wirkstoffe zerstört.

Die Asche und das Destillat werden anschliessend vereinigt.

Aufgrund dieses Herstellungsverfahrens ist klar, dass eine spagyrische Tinktur keine Saponine enthält. Ihre Anwendung bei Husten lässt sich nicht mit der Wirksamkeit von Saponinen begründen.

Aber wie kann Efeu als Hustenmittel eingesetzt werden?

Tee aus Efeublättern enthält zwar Saponine. Trotzdem sollen Efeublätter nicht als Tee zubereitet werden, weil die Wirkstoffe genau dosiert werden müssen und das bei der Anwendung als Tee nicht sichergestellt werden kann. Das gilt auch für klassische Pflanzentinkturen, egal ob es sich um eine Frischpflanzentinktur oder um eine Efeutinktur aus getrockenten Efeublättern handelt.

Sicher und wirksam kann Efeu als Arzneipflanze nur in Form von Efeuextrakt eingesetzt werden. Efeuextrakte sind Bestandteil verschiedener Hustenpräparate, zum Beispiel dem Drosinula Hustensirup (in Kombination mit Sonnentau-Extrakt und Extrakt aus Fichtensprossen) oder Bronchipret Hustensirup (in Kombination mit Thymianextrakt).

Monopräparate, die ausschliesslich Efeuextrakt enthalten, sind zum Beispiel Prospan Hustensaft / Hustentropfen und Sanabronch Sirup.

Klinische Studien zur Wirksamkeit von Efeuextrakt wurden vor allem mit dem Extrakt EA 575 (Prospan®) durchgeführt. Dieser Extrakt wird schon seit über 60 Jahren zur Behandlung von Erwachsenen und Kindern mit akuten oder chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen eingesetzt.

Die pharmakologische Forschung mit dem Extrakt EA 575 hat auch wesentlich zur Aufklärung des Wirkungsmechanismus der Efeu-Saponine beigetragen.

Bettina Lube – Diedrich beschreibt die Wirkungsweise im Fachbuch Arzneipflanzen – Arzneidrogen so:

„Die Saponine bewirken, dass auf den Oberflächen der Zellen des Lungenepithels und des Bronchialgewebes die Dichte der β2-adrenergen Rezeptoren zunimmt, die Empfindlichkeit  des Gewebes für Adrenalin steigt.  Dies hat mehrere positive Folgen: Es wird vermehrt Surfactant gebildet, eine oberflächenaktive Substanz, die die Lungenbläschen bedeckt und stabilisiert. Sie sorgt ausserdem für den Abtransport von Schleim, weil in den Lungenbläschen keine Flimmerhärchen sind, die diese Aufgabe übernehmen könnten. Durch die vermehrte Surfactant  wird der zähe Schleim verflüssigt und kann abgehustet werden. Eine andere Folge der Zunahme der Rezeptorendichte ist die Entspannung der Bronchialmuskulatur, so dass der Atemwiderstand gesenkt wird.“

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Wildkräuter: Löwenzahn in der Küche

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Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist nicht nur schön anzuschauen, sondern auch in der Küche vielseitig einsetzbar. Seine Blätter, Knospen, Blüten und sogar die Wurzeln sind essbar.

Löwenzahn gehört zu den bekanntesten Wildkräutern und ist insbesondere auf stickstoffreichen Böden zu finden. Die Pflanze bevorzugt sonnige und helle Standorte wie Wiesen und Ackerränder. Sie enthält reichlich Vitamin C, Vitamin A, Magnesium, Kalzium sowie wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe und hat zahlreiche positive Wirkungen auf den Körper. Löwenzahn soll Entzündungen hemmen und den Appetit, den Stoffwechsel und die Verdauung anregen, schreibt das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in einer Mitteilung. Zur Verwendung des Löwenzahns in der Küche gibt das BzfE folgende Empfehlungen:

„Die zarten gezackten Blätter des Löwenzahns schmecken im Salat und auch in Kombination mit anderen Wildkräutern. Dabei lässt sich der etwas herbe Geschmack durch einen Schuss Sahne oder Schmand im Dressing abmildern. Die Blätter können auch ähnlich wie Spinat kurz blanchiert und als Gemüse verwendet werden. Der bitter-würzige Frühlingsbote ist dabei als Wildkräuterrisotto und Pesto, in der Suppe, in Eierspeisen und im Quark ein Genuss. Für ein Löwenzahnpesto beispielsweise werden ein Bund Löwenzahnblätter, Knoblauch, Olivenöl, Zitronensaft, geröstete Sonnenblumenkerne und Parmesan püriert und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.“

Wer es süss möge, könne die frischen Blüten zu einem Gelee oder einem honigartigen Sirup für einen Brotaufstrich verarbeiten. Aus den getrockneten Wurzeln des Löwenzahns lasse sich Tee und aus den jungen Knospen „Kapern“ herstellen:

„Für Kapern gibt man die Löwenzahnköpfchen mit Essig, Estragon, Petersilie, Knoblauch und Zwiebelringen in ein verschließbares Glas. Nach acht bis zehn Wochen können Feinschmecker die eingelegten Blütenknospen genießen.“

Löwenzahn wird am besten im eigenen Garten oder von Wiesen an verkehrsarmen Straßen gesammelt. Die im Frühling aus der Erde spriessenden jungen, zarten Triebe enthalten weniger Bitterstoffe und sind deshalb besonders schmackhaft. Man erntet sie am besten vor der ersten Blüte. Wildkräuter sollen grundsätzlich gründlich gereinigt und möglichst noch am selben Tag verarbeitet und gegessen werden.

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/pressemeldung-6378.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Löwenzahn wirkt leicht harntreibend, fördet den Gallenfluss und regt Speichel- und Mangensaftproduktion an.

Die ESCOP empfiehlt Löwenzahnkraut mit Wurzeln unterstützend bei Behandlungen, bei denen ein verbesserter Harnfluss wünschenswert ist, z.B. bei Rheumatismus und zur Verhütung von Nierensteinen. Die Löwenzahnwurzel empfiehlt die ESCOP zur Wiederherstellung der Leber- und Gallefunktion; bei dyspeptischen Beschwerden und Appetitlosigkeit.

Löwenzahn wird gerne als Frühjahrskur verwendet. Dagegen ist nichts einzuwenden, wobei aber der Nutzen von Frühjahrskuren generell nicht so klar ist, wie es oft dargestellt wird. Empfehlungen in diese Richtung sind oft sehr vage, zum Beispiel wenn das BZfE schreibt, dass der Löwenzahn den Stoffwechsel anregt.

Stoffwechsel, das umfasst eine riesige Anzahl von Aufbau, Umbau und Abbauprozessen im Organismus.

Den Stoffwechsel anregen, das tönt zwar positiv, sagt aber konkret so gut wie nichts aus.

Auch die ESCOP bewegt sich mit ihren Empfehlungen auf dünnem Boden, etwa mit der Aussage, dass bei Rheumatismus ein verbesserter Harnfluss wünschenswert ist und der Löwenzahn dabe unterstützend wirken kann.

Rheumatismus ist schon ein ungenauer Begriff, der eine ganze Reihe von unterschiedlichen Erkrankungen umschreibt. Dass hier generell ein verbesserter Harnfluss anzustreben ist, lässt sich nicht überzeugend begründen.

Die verdauungsfördernde Wirkung durch die Bitterstoffe ist aber plausibel.

Zum Löwenzahn siehe auch:

Wildkräuter in der Küche: Löwenzahnpesto

Pflanzenkunde: Löwenzahn (Taraxacum) ist nicht gleich Löwenzahn (Leontodon)

Löwenzahn zur Entgiftung?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wildkräuter: Gundelrebe / Gundermann in der Küche & als Heilpflanze

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Der Gundermann (Glechoma hederacea), auch Gundelrebe genannt, zählt zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceen). Mit ihren blauvioletten Blüten ist die Pflanze im Frühling recht auffällig.

Nur wenige nutzen Gundermann in der Küche. Das Bundeszentrum für Ernährung weist aber darauf hin, dass sein herbes bis leicht harziges Aroma viele Alltagsgerichte wie Pellkartoffeln und Eierspeisen interessanter macht.

Auch für Salate, Kräuterquark und Pesto sei der Gundermann eine Bereicherung. Zum Osterfest werde er traditionell in der Gründonnerstagsuppe serviert, die aus neun verschiedenen Kräutern zubereitet wird.

Wie die Zubereitung von statten geht, beschreibt das BZfE so:

„Alle Wildkräuter, darunter auch Brennnessel, Gänseblümchen und Löwenzahn, werden gewaschen, trocken getupft und fein geschnitten. Anschließend Zwiebeln und Knoblauch in etwas Butter andünsten, Gemüsebrühe und das frische Grün hinzugeben. Nun lässt man die Suppe zwanzig Minuten köcheln und schmeckt mit etwas Schmand, Salz und Pfeffer ab.“

Auch Tee und Kräuterlimonade könne mit Gundermann verfeinert werden, schreibt das BzfE weiter, weist aber darauf hin, dass sparsam dosiert werden soll, damit der Geschmack nicht zu intensiv wird.

Gundermann wird 10 bis 20 cm hoch und wächst am Waldrand, unter Hecken, aber auch in feuchten Wiesen. Er zählt Im Frühjahr zu den ersten verfügbaren Wildkräutern für die Küche und zeigt in den Monaten April bis Juni seine blauvioletten Blüten. Beim Zerreiben der Gundermannblätter entsteht ein scharfer Geruch, der etwas an Minze erinnert.

Die Pflanze enthält unter anderem Vitamin C, Mineralstoffe wie Kalium, ätherische Öle, Saponine, Gerbstoffe und Bitterstoffe. Im Mittelalter wurde Gundermann in klösterlichen Gärten als Arzneipflanze angebaut und zur Wundheilung eingesetzt. So leitet sich der Name wahrscheinlich vom althochdeutschen Wort „gund“ für Eiter oder Beule ab.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-12-vom-21-maerz-2018-31994.html#3

 

Kommentar & Ergänzung:

Gundermann eignet sich auch für Rahmspeisen wie Eiscreme oder Panna Cotta. Aber auch hier sparsam dosieren, sonst kippt der Geschmack ins Unangenehme. Schliesslich verwendete man früher bei den Sachsen den Gundermann anstelle von Hopfen als Bittermittel zum Bierbrauen.

Die Griechen und Römer in der Antike kannten den Gundermann nicht. Bei den Germanen war er aber wohl eine wichtige Heilpflanze. Im Mittelalter erwähnt ihn Hildegard von Bingen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurde Gundermann für eine grosse Bandbreite von Erkrankungen eingesetzt, zum Beispiel innerlich bei Durchfall, Magenbeschwerden, Darmkatarrh, Bronchialerkrankungen, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, Lungenleiden.

Diese „Indikationslyrik“ ist unübersichtlich, weil nicht mehr klar ist, wofür die Pflanze wirklich wirksam ist.

Es gibt keine fundierten Belege für solche Wirkungen des Gundermanns. Vermutet werden entzündungswidrige Wirkungen durch Flavonoide, Triterpentoide und Gerbstoffe, was bei äusserlicher Anwendung eine Rolle spielen könnte.

In der Alternativmedizin tauchen immer wieder Versprechungen auf, dass Gundermann / Gundelrebe zur Ausleitung von Schwermetallen wie Blei und Quecksilber wirksam ist.

Das ist natürlich eine attraktive Vorstellung – eine Pflanze, die Gifte rausholt. Darum stossen solche Versprechungen auf grosse Ressonanz.

Diese Versprechen sind aber sehr fragwürdig. Es gibt keine glaubwürdigen Argumente oder gar Belege für eine solche Wirkung. Es gibt auch keine plausible Erklärung dazu, wie der Gundermann eine solche Wirkung zustande bringen soll.

Zu Laborforschung und klinischen Studien mit Gundermann habe ich nur im Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ einen Hinweis gefunden – und zwar zum Thema Hyperpigmentierung.

Im Labor hemmte ein Gundermann-Extrakt die Melatoninsynthese und die Tyrosinaseaktivität bei B16-Melanomzellen, woraus auf eine mögliche Wirksamkeit bei der Behandlung von Hyperpigmentierungsflecken der Haut geschlossen wurde.

Eine Lotion mit Gundermann-Extrakt bewirkte nach 8-wöchiger Behandlung von UV-induzierten Pigmentflecken der Haut eine im Vergleich zu Placebobehandlung eine signifikante Depigmentierung und Entzündungshemmung.

Wie gut die Wirksamkeit dieser Lotion nun wirklich geklärt ist,  kann ich nicht beurteilen. Im Markt scheint sie jedenfalls bisher nicht erhältlich zu sein.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Gundelrebe / Gundermann

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Bei chronischer Verstopfung erst im zweiten Schritt Abführmittel anwenden

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Chronische Verstopfung sollte nicht sogleich mit Abführmitteln behandelt werden. Empfehlenswert als erster Behandlungsschritt sei eine ballaststoffreiche Ernährung, bis zu zwei Liter Flüssigkeitszufuhr pro Tag und regelmäßige Bewegung.

Wichtig bei Verstopfungen sei zunächst eine Umstellung des Speiseplans. Flohsamenschalen und Weizenkleie könnten Betroffene zur Ergänzung ausprobieren. Darauf haben die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und die Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) hingewiesen. Sie haben gemeinsam eine Leitlinie zur Behandlung der sogenannten chronischen Obstipation publiziert.

Erst wenn diese Massnahmen keine Besserung bringen, sollten Arzneimittel zum Einsatz kommen. Klassische Abführmittel sind der Leitlinie zufolge angezeigt, wenn die Beschwerden durch eine Darm-Transportstörung verursacht werden. Dabei passiert der Stuhl den Dickdarm verzögert. Die Medikamente können dann den Stuhl verflüssigen und die Darmtätigkeit anregen. Eine andere Möglichkeit sind bestimmte Zuckerstoffe. Helfen solche Präparate nicht, kommen Prokinetika infrage, die das Darmnervensystem stimulieren. Weniger empfehlenswert seien Mittel, die auf Salz oder Ölen basieren, erklären die Fachleute.

Bei Beschwerden, die auf einer sogenannten Entleerungsstörung beruhen, können Abführzäpfchen oder Einläufe als unterstützende Maßnahmen zur Anwendung kommen. Bei einer Entleerungsstörung funktioniert der Transport bis in den Enddarm, doch fällt den Patienten die Entleerung schwer.

Als chronisch gilt eine Verstopfung, wenn sie mindestens zwölf Wochen andauert und der Patient über zwei weitere Symptome wie «starkes Pressen», «klumpiger harter Stuhl» oder «subjektiv unvollständige Entleerung» klagt.

Quelle:

http://www.ksta.de/gesundheit/bei-chronische-verstopfung-erst-im-zweiten-schritt-abfuehrmittel,15938564,24000956.html

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Die hier empfohlenen Flohsamen bzw. Flohsamenschalen gehören zu den wichtigen Heilpflanzen in der Phytotherapie.

Als Quellmittel können sie als Regulans eingesetzt werden – mit viel Wasser eingenommen, gegen Verstopfung, mit wenig Wasser gegen chronische Durchfälle, zum Beispiel bei Reizdarm.

 

Siehe auch:

Flohsamen bei Durchfall

Ballaststoffe bei chronischer Verstopfung: Flohsamenschalen verträglicher als Leinsamen

Verstopfung: Anwendungshinweise für Leinsamen und Flohsamen

Phytotherapie: Was sind Flohsamenschalen?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Fatigue bei Krebserkrankungen

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Martina Schmidt und Karen Steindorf haben gerade in der „Pharmazeutischen Zeitung“ einen sehr informativen Artikel veröffentlicht zum Thema Fatigue bei Krebserkrankungen. Sie empfehlen vor allem Sport und psychologische Interventionen, gehen aber in einem Abschnitt auch auf phytotherapeutische Möglichkeiten ein.

Zahlreiche Krebspatienten leiden während der Behandlung unter Fatigue, einer extremen Erschöpfung, die die Lebensqualität massiv einschränkt. Bei rund einem Drittel der Betroffenen hält dieser belastende Zustand Monate oder gar Jahre nach Ende der Krebstherapie an. Die Fatigue ist eine der häufigsten Komplikationen während und nach einer Krebserkrankung und -therapie. Sie wird oft unzureichend behandelt und beeinträchtigt die Lebensqualität des Patienten und das soziale Umfeld (Partnerschaft, Familie, Freunde) stark.

Die Erkenntnisse zu Ursachen und Pathophysiologie von Fatigue sind insgesamt noch sehr diffus und unzureichend.

Um einer Chronifizierung vorzubeugen, sollte die Fatigue so früh wie möglich verhindert sowie therapiert werden, in der Regel meist schon während der Krebsbehandlung.

Die Autorinnen weisen darauf hin, dass nach dem gegenwärtigen Stand der Empfehlungen sind nicht-pharmakologische Verfahren aufgrund ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit in den Vordergrund zu stellen sind. In begründeten Einzelfällen können sie durch eine pharmakologische Behandlung ergänzt werden.

Als derzeit vielversprechendste nicht-pharmakologische Therapieansätze gelten Sport und Bewegungstherapien sowie psychologische Interventionen. Eine aktuelle Metaanalyse über 113 randomisiert-kontrollierte Interventionsstudien zeigte signifikant bessere Effekte von Sport sowie psychologischen Interventionen im Vergleich zu Medikamenten.

In einen kleinen Abschnitt gehen die Autorinnen auch auf phytotherapeutische Möglichkeiten ein:

„Zu Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminen, Phytotherapeutika oder anderen Arzneimitteln der besonderen Therapierichtungen gibt es wenig klare Evidenz. Nur für Ginseng gibt es einige Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit. Amerikanischer Ginseng (Panax quinquefolius) verbesserte in einer großen doppelblinden randomisiert-kontrollierten Studie die Fatigue. Auch der asiatische Ginseng (Panax ginseng), der in Deutschland als Arzneimittel gegen Erschöpfung zugelassen ist, reduzierte signifikant die Beschwerden. Ein aktueller Review schätzte die Evidenz für eine positive Wirkung von Panax ginseng als gut ein. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf mögliche positive Effekte von Guaranà (Paullinia cupana).“

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=75039

 

Kommentar & Ergänzung:

Der Artikel ist insgesamt sehr lesenswert, insbesondere natürlich für Menschen, die mit Fatigue zu tun haben, als Betroffene, als Angehörige von Betroffenen oder als medizinische oder pflegerische Fachleute.

Siehe auch:

Krebstherapie: Sport und Phytotherapie bei Fatigue

Onkologie: Johanniskraut beim Chronischen Fatigue-Syndrom

Krafttraining bessert krebsbedingte Erschöpfung (Fatigue)

Onkologie / Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Onkologie: Roter Ginseng bei Fatigue

Ginseng lindert Fatigue bei Krebskranken

Bei der Anwendung von Ginseng ist zu beachten, dass es bei den im Handel erhältlichen Ginsengpräparaten grosse Qualitätsunterschiede gibt. Empfehlenswert sind auf einen bestimmten Gehalt an Ginsenosiden standardisierte Ginsengextrakte (z. B. der G115-Extrakt von Ginsana).

Bei Guaranà dürfte die Wirkung vor allem auf dem Gehalt an Koffein basieren.

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Knoblauch gegen Schnupfen wirksam?

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Die „Welt“ hat Hausmittel gegen Schnupfen vorgestellt. Dabei wurde auch Knoblauch als Mittel zur Vorbeugung und Behandlung empfohlen:

„Die Schwefelverbindungen des Knoblauchs eliminieren Schnupfenviren, doch es ist schwierig, diese Wirkung nicht nur im Labor, sondern auch am Menschen wissenschaftlich korrekt zu dokumentieren. Denn die Knolle riecht so unverwechselbar, dass man ihren Anwendern in einer Studie nicht ohne Weiteres eine Placebogruppe gegenüberstellen kann. Es sei denn, man verabreicht ein Knoblauchextrakt, das nur schwach riecht, und ein Placebo, das ein wenig mit Knoblaucharoma bearbeitet ist, sodass man beide nicht unterscheiden kann. Genau das tat Peter Josling vom Herbal Research Centre im englischen Sussex, mit 146 Testpersonen, drei Monate lang. Und in dieser Zeit entwickelte die Knoblauchgruppe nur halb so viele grippale Infekte wie die Placebogruppe, und deren Erkältungen dauerten auch noch drei Mal so lange.

Die Anwendung: die geschälte Zehe einfach zerkauen. Oder zerstampfen und den erhaltenen Brei in heißem Zitronenwasser ziehen lassen und den Mix in kleinen Schlucken trinken. Drei Mal pro Tag.“

Quelle:

https://www.welt.de/gesundheit/article172119898/Die-Top-Ten-der-Hausmittel-gegen-den-Schnupfen.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist sehr interessant. Ich habe sie hier genauer beschrieben:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

Die vorbeugende Wirkung der Knoblauch-Anwendung war eindrücklich. Wenn die Testpersonen eine Erkältung hatten, war die Krankheitsdauer allerdings in beiden Gruppen ähnlich (4,63 bzw. 5,63 Tage). Hier ist der Text der „Welt“ irreführend.

Zudem ist zu berücksichtigen: Die verwendete Knoblauchtablette entspricht einer Tagesdosis von 14 bis 36 g frischen Knoblauch. Das ist ziemlich viel, wenn man die möglichen sozialen Nebenwirkungen berücksichtigt.

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Ingwer unterstützt Heilungsprozess bei Mandel-Operation

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Die Einnahme von Ingwer-Pulver nach einer Entfernung der Gaumenmandeln kann im Vergleich zu Placebo den Schmerz signifikant lindern und die Epithelisierung im Wundbereich beschleunigen. Das ist das Resultat einer kleinen Studie, die kürzlich im Fachmagazin «Clinical and Experimental Otorhinolaryngology» publiziert wurde.

An der prospektiven Studie beteiligten sich 49 Patienten im Alter von 18 bis 45 Jahren. Nach dem Eingriff bekamen sie alle standardmäßig eine antibiotische Behandlung bestehend aus Amoxicillin und Clavulansäure (zweimal täglich 1000 mg) sowie dreimal pro Tag 500 mg Paracetamol zur Schmerzlinderung. 29 Patienten erhielten zusätzlich über sieben Tage zweimal täglich Ingwerwurzel in Kapselform (500 mg Ginger Root, Solgar). Ein Facharzt begutachtete und dokumentierte den Heilungsprozess jeweils nach 1, 4, 7 und 10 Tagen. An denselben Tagen wurde das Schmerzempfinden mittels einer visuellen Analogskala erfasst. Das Schmerzempfinden war unter der Ingwer-Gabe an allen Untersuchungszeitpunkten signifikant geringer als in der Vergleichsgruppe. Ausserdem war die Epithelisierung (Wundheilung) nach 7 beziehungsweise 10 Tagen in der Ingwer-Gruppe deutlich weiter fortgeschritten als unter der alleinigen Standardbehandlung: Bei 74 Prozent der Patienten mit der Ingwer-Zusatzbehandlung war die Wundfläche schon zu mehr als 75 Prozent mit Epithel bedeckt. In der Vergleichsgruppe war dies nur bei 24 Prozent der Fall war. Auch die Nahrungsaufnahme konnte in der Ingwer-Gruppe deutlich früher wieder einsetzen. Bei der Häufigkeit postoperativer Übelkeit und Erbrechen sowie von Blutungen waren zwischen den beiden Gruppen keine relevanten Unterschiede feststellbar.

Die Autoren um Dr. İlker Koçak von der Koç Universität in Instanbul führen die Resultate auf spezifische Wirkungen des Ingwers zurück, insbesondere auf entzündungswidrige und wundheilungsverbessernde Eigenschaften, die bereits experimentell in Studien gezeigt werden konnten. Größere Untersuchungen seien jedoch notwendig, um den Effekt zu bestätigen.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=73567

https://www.e-ceo.org/journal/view.php?doi=10.21053/ceo.2017.00374

DOI: 10.21053/ceo.2017.00374

Kommentar & Ergänzung:

Das Thema dieser Studie ist für die Phytotherapie sehr interessant.

Wenn es tatsächlich so ist, dass Ingwer in einer Dosis von 1 g / Tag in einer akuten Situation schmerzlindernd wirkt und vor allem auch noch die Wundheilung verbessert, dann ist das sehr bemerkenswert.

Ich habe mir die Originalstudie kurz angeschaut.

Die Patienten wurden randomisiert, das heisst per Zufall auf die zwei Gruppen verteilt. Das ist wichtig, weil es Manipulationsmöglichkeiten reduziert. Die Patienten wussten nicht, dass die Ingwer-Kapsel auf schmerzlindernde Wirkung getestet werden sollte und der Befund-erhebende Hals-Nasen-Ohren-Arzt wurde im unklaren darüber gelassen, zu welcher Gruppe der jeweils untersuchte Patient gehört. Das sind Qualitätsmerkmale für eine Studie. Die Zahl der Studienteilnehmer ist aber sehr klein und reicht nicht, um eine Wirksamkeit einwandfrei zu belegen. Und die Qualität der statistischen Berechnungen kannich nicht beurteilen.

Im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ ist die Rede von standardisiertem Ingwer-Extrakt. Das stimmt nicht. In der Originalarbeit ist von Ingwerpulver die Rede. Das untersuchte Produkt ist ein schlichtes Nahrungsergänzungsmittel. Damit ist es nicht patentierbar und braucht für die Zulassung am Markt auch keine Wirksamkeitbelege zu liefern, wie das bei eiinem Arzneimittel der Fall wäre. Aus diesen zwei Gründen werden wohl die grösseren Untersuchungen, die von den Studienautoren angeregt werden, kaum zustande kommen.

1000 mg Ingwerwurzelpulver entspricht inm Bereich der Phytopharmaka, also der pflanzlichen Arzneimittel, vier Kapseln Zintona pro Tag.

Dass Ingwer entzündungswidrig wirken kann, dafür gibt es schon seit einiger Zeit experimentelle Hinweise aus dem Labor, aber nur wenige konkrete Erkenntnisse bei Patienten. Und in der Ayurvedischen Medizin wird Ingwer mit Erfolg in der Behandlung von Migräne eingesetzt. Das kommt dem Thema Schmerzreduktion zumindestens nahe.

Ingwertherapie zeigte in einer Metaanalyse eine signifikante Schmerzreduktion gegenüber Placebo bei Arthrose. Dabei variierte die Behandlungsdauer aber zwischen drei und zwölf Wochen, während an der besprochen Studie nach Mandel-OP die schon kurzfristig auftretende Wirkung auffällt.

Neu für die Phytotherapie-Fachliteratur ist die mögliche Förderung der Wundheilung durch Ingwer bei peroraler Anwendung. Wenn das bestätigt werden könnte, wäre das sehr interessant. Dann könnte man darüber nachdenken, bei welchen Wunden das sonst noch Sinn macht und das gäbe eine ganze Palette von Einsatzmöglichkeiten. Aber eben: Da hat es noch einige ‚wenn’ und ‚könnte’….

Bemerkenswert ist auch, dass sich keine Abnahme bei der Häufigkeit von postoperativer Übelkeit und Erbrechen zeigte. Ingwer wurde mehrfach zur Linderung von Übelkeit nach Operationen bzw. Narkosen untersucht und zeigte dabei widersprüchliche Ergebnisse. Das Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt dazu:

„Nach einem überblick über die publizierten Doppelblindstudien zur Verhinderung von postoperativer Übelkeit und Erbrechen besteht zwischen Ingwer und Placebo kein Unterschied, jedoch ein Effekt bei Schwangerschaftserbrechen und der Reisekrankheit. Dennoch wird von verschiedenen Seiten die Anwendung bei Schwangeren wegen fehlender umfangreicher Daten und der unklaren Thromboxan-Synthesehemmung durch Ingwer nicht empfohlen.“

Siehe auch:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als ‚Gut‘ bewertet

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

 

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Ingwer bei Erkältungen

 

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Kinderheilkunde: Fencheltee bei „Dreimonatskoliken“

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In der Zeitschrift der österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (Nr. 5 / 2017) berichtet Univ.-Doz. DDr. Ulrike Kastner über die Behandlung von Magen-Darmbeschwerden bei Kindern. Dabei kommt auch das Thema „Dreimonatskoliken “ und Fencheltee zur Sprache:

„Die typischen sogenannten ‚Dreimonatskoliken‘, pathogenetisch nicht immer nur auf schmerzhafte Meteorismen zurückzuführen, sind nach wie vor Domäne der Phytotherapie. Zwar haben pharmakologische Studien bezüglich Toxizität von Bestandteilen des ätherischen Öls als Reinsubstanzen (Estragol) Aufsehen erregt und viel Verunsicherung hervorgerufen, doch kann nach dem derzeitigen Wissensstand davon ausgegangen werden, dass bei bestimmungsgemäßem Gebrauch Fencheltee auch im sehr frühen Säuglingsalter bedenkenlos eingesetzt werden kann.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0517.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Fencheltee ist vor allem in der Kinderheilkunde ein altbewährtes Mittel gegen Blähungen und Darmkrämpfe. Das Zitat spielt auf eine Diskussion vor einigen Jahren an. Das ätherische Fenchelöl enthält Estragol. In Tierexperimenten mit Mäusen zeigte sich damals, dass Estragol krebsfördernde Eigenschaften haben kann. Das führte zu Warnungen vor der Einnahme von Fencheltee, die bis heute herumgeistern. Das Fachbuch „Teedrogen und Phytopharma“ schreibt dazu:

„In Tierstudien (Mäuse) über 12 Monate mit reinem Estragol (Methylchavicol) waren Lebertumoren beobachtet worden. Diese Ergebnisse können jedoch nicht auf dieVerabreichung von Fenchelfrüchten bzw. Fenchelöl übertragen werden.“

Und im Fachbuch „Phytopharmakognosie/Phytopharmazie„: „Die bei den entsprechenden Untersuchungen an Nagern verwendete Dosis betrug die 100 – 1000-Fache der beim Menschen als Gewürz oder Arzneimittel infrage kommenden Dosis. Zudem unterscheidet sich der Phenylpropanstoffwechsel beim Menschen zumindest in quantitativer Hinsicht ganz erheblich von dem der Nager. Aufgrund eingehender Studien kam die European Medicines Agency (EMA) zum Schluss, dass die Verwendung von estragolhaltigen phytotherapeutischen Produkten bei angemessener Dosierung und Einnahmedauer beim Menschen kein signifikantes Krebsrisiko darstellt.“

Natürlich ist die Natur nicht immer gesund. Es gibt schliesslich auf Giftpflanzen. Aber manchmal wird durch sehr unrealistische Untersuchungen manchmal schon vor Risiken gewarnt, die sich bei sorgfältiger Betrachtung dann als gegenstandslos erweisen. So kommt es dann unnötigerweise zu Verunsicherung.

Mehr dazu hier:

Phytotherapie: Fencheltee weiterhin empfehlenswert

Mein Rat: Fencheltee bei Säuglingen nicht einfach zur Flüssigkeitszufuhr einnehmen, sondern nur wenn Beschwerden wie Blähungen und Darmkrämpfe vorhanden sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Öko-Test beurteilt Schleimlöser bei Husten: Heilpflanzen-Präparate top

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Öko-Test hat 24 frei verkäufliche Arzneimittel gegen Husten unter die Lupe genommen, davon 9 Hustenreizdämpfer und 15 Schleimlöser.

Die Fachleute halten nur für wenige Produkte eine lindernde Wirkung aus wissenschaftlicher Sicht hinreichend belegt. Darum schneidet die Mehrzahl der Hustenmittel im Test auch nur „ausreichend“ und schlechter ab.

Auffallend und erfreulich ist aber, dass bei den Schleimlösern Heilpflanzen-Präparate (Phytopharmaka) am besten abschneiden:

«Bei den Schleimlösern ist die Auswahl an sehr guten Produkten schon etwas größer: „Bronchipret TP, Filmtabletten“ (9,90 Euro/20 Stück), „GeloMyrtol Forte, Weichkapseln“ (10,19 Euro/20 Stück), „Soledum Kapseln Forte“ (9,90 Euro/20 Stück). Für die „Umckaloabo-Tropfen hat es immerhin noch für ein „gut“ gereicht (10,20 Euro/20 ml).»

Quelle:

https://www.n-tv.de/ratgeber/Diese-Mittel-helfen-bei-Husten-article20206388.html

Kommentar & Ergänzung:

Wir haben es hier mit ganz unterschiedlichen Phytopharmaka zu tun, die aber alle gut durch Studien in ihrer Wirksamkeit belegt sind.

– Bronchpret Filmtabletten enthalten Thymiankraut-Trockenextrakt und Primelwurzel-Trockenextrakt.

– GeloMyrtol Forte enthält ein ein Destillat aus einer Mischung von Eukalyptusöl, Süssorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl enthält. In der Schweiz gibt es dazu eine kassenzulässige Variante: GeloDurat (wird von der Grundversicherung bezahlt, wenn ärztlich verschrieben).

– Soledum Kapseln Forte besteht zu 100% aus Cineol, dem Hauptbestandteil von Eukalyptusöl. Dieses Präparat ist in Deutschland auf dem Markt, nicht jedoch in der Schweiz.

– Umckaloabo (flüssig) ist da einzige mit Studien belegte Präparat aus Kapland-Pelargonie. In der Schweiz gibt es dazu eine kassenzulässige Variante: Kaloabo (wird von der Grundversicherung bezahlt, wenn ärztlich verschrieben).

„Mangelhaft“ abgeschnitten haben synthetische Schleimlöser auf der Basis von ACC bzw. NAC (Acetylcystein) – nicht ganz unerwartet, weil ihre Wirksamkeit nur mangelhaft belegt ist.

Wikipedia schreibt zu ACC:

„Die Wirksamkeit hinsichtlich einer schleimverflüssigenden Wirkung von Acetylcystein ist für einfache Atemwegsinfekte nicht belegt. Die therapeutische Wirksamkeit bei Bronchitis ist umstritten, da die aus den 1980er Jahren stammenden Studien heutigen Ansprüchen an ein Studiendesign nicht standhalten. Dementsprechend gibt es nach der DEGAM-Leitlinie auch keine Empfehlung für ACC bei der Behandlung eines grippalen Infektes oder einer akuten Bronchitis, da in randomisierten doppelblinden placebokontrollierten Studien keine signifikanten Effekte auf Lungenfunktion, Bronchialschleim, systemische Oxygenierung und/oder Beatmungsnotwendigkeit nachgewiesen werden konnten. Der Einsatz von ACC als Schleimlöser wird aus medizinischer Sicht deshalb kritisch hinterfragt.“

Das ist bemerkenswert, weil ACC-Präparate sehr oft gegen Husten verkauft werden. Wikipedia führt als Präparate auf:

Monopräparate

ACC (D, A, CH), Acemuc (D), Acemucol (CH), Acetyst (D), Aeromuc (A), Dynamucil (CH), Ecomucyl (CH), Fluimucil (D, A, CH), Helvetussin (CH), Mucobene (A), Mucofluid (CH), Myxofat (D), NAC (D), Secresol (CH), Solmucol (CH), diverse Generika (D, CH)

Kombinationspräparate

Alvesin (D), Aminopäd (D), Aminoplasmal (D), Deltamin (D), Infesol (D), Nephrotec (D), Periplasmal (D, A), Pädamin (A), Rinofluimucil (CH), Salviamin (D), Solmucalm (CH)

 

Bei den Schleimlösern wird also den Phytopharmaka von „Öko-Test“ eine besser belegte Wirksamkeit attestiert als den synthetischen Präparaten. Diese Beurteilungen und Belege gelten allerdings nur für die entsprechenden Produkte und können nicht auf andere Heilpflanzen-Anwendungen übertragen werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Demenzvorbeugung: US-Neurologen empfehlen Sport statt Medikamente

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Mediziner sollen Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) zu sportlichen Aktivitäten ermuntern, statt sie mit Medikamenten zu behandeln, deren Wirksamkeit gemäss einer überarbeiteten Leitlinie der American Academy of Neurology (AAN) nicht belegt ist. Publiziert wurden die Empfehlungen in Neurology (2017; doi: 10.1212/WNL.0000000000004826). Sie umfassen auch die Suche nach modifizierbaren Risikofaktoren, deren Vermeidung die kognitiven Fähigkeiten der Patienten oft verbessern kann.

Leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI) kommen im Alter oft vor.

Die Beeinträchtigungen werden von den Betroffenen zunächst kaum bemerkt. Sie haben Schwierigkeiten, komplexe Aufgaben zu erledigen, oder verstehen Informationen, die sie gelesen haben, nicht mehr. Die Grenze zur Demenz ist erreicht, wenn Probleme mit alltäglichen Aufgaben wie Ankleiden, Baden und Essen auftreten.

Eine MCI entwickelt sich nicht immer zur Demenz weiter. Der Verfall der kognitiven Fähigkeiten kann aber schnell verlaufen: Bei 14,9 Prozent der MCI-Patienten kommt es innerhalb von zwei Jahren zu einer Demenzdiagnose.

Gegenwürtig existieren keine Medikamente, die die Entwicklung stoppen können.

Cholinesterase-Hemmer wie Donepezil, Rivastigmin, Tacrin oder Galantamin, die für die symptomatische Therapie der Alzheimer-Demenz zugelassen sind, sind für die Behandlung der MCI nicht angezeigt. Die AAN rät daher in ihrer Leitlinie von der Anwendung von Cholinesterase-Hemmern ab. Wenn die Mediziner sie den MCI-Patienten dennoch anbieten, sollten sie vorgängig auf die nicht nachgewiesene Wirkung hinweisen.

Für die Wirksamkeit von Sport existieren dagegen erste Belege. Zwar seien bisher noch keine Langzeitstudien durchgeführt worden, erklären die Leitlinien-Autoren. Sechsmonatige Studien würden aber darauf hinweisen, dass das zweimal wöchentliche Training das Gedächtnis verbessern kann.

Die Mediziner können den Patienten auch kognitives Training empfehlen, schreiben die Leitlinien-Autoren. Die Hinweise, dass die Denksport-Übungen den Patienten helfen, stufen sie jedoch als schwach ein.

Eine wichtige Aufgabe der Mediziner besteht nach Einschätzung der Leitlinien in der Suche nach beeinflussbaren Risikofaktoren. Dazu zählen die Nebenwirkungen von Medikamenten, Schlafstörungen oder Depressionen. Durch Wechsel der Medikation, verbesserte Schlafhygiene und die Behandlung von Depressionen können oft die Symptome der MCI gelindert und die Lebensqualität der Patienten verbessert werden.

Quelle:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/87286/Demenzpraevention-US-Neurologen-raten-zu-Sport-statt-Medikamenten

http://n.neurology.org/content/early/2017/12/27/WNL.0000000000004826

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine Bestätigung für Empfehlungen, die schon aus verschiedenen Quellen verlautet sind.

Galantamin ist übrigens ein Wirkstoff, der ursprünglich aus dem Schneeglöckchen stammt.

Siehe dazu:

Wirksamkeit von Galantamin bei Demenz bestätigt

Aus phytotherapeutischer Sicht gibt es bei leichter und mittelgradiger Alzheimer-Demenz sowie bei vaskulärer Demenz laut einer S3-Leitline Hinweise auf einen kognitiven Nutzen für den Ginkgo-Extrakt EgB 761 (Tebokan, Tebofortin, in D: Tebonin). Ein vorbeugender Effekt konnte dagegen nicht hinreichend belegt werden.

Siehe dazu:

S3-Leitlinie „Demenzen“: Empfehlung für Ginkgo-Extrakt

 

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