Heilpflanzen-Präparate: Fragwürdige Bezugsquellen, fehlende Transparenz!

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Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic und der Apothekerverband PharmaSuisse warnten kürzlich vor dem Bezug von Medikamenten via Internet. Diese Warnung gilt für synthetische Arzneimittel wie auch für Heilpflanzen-Präparate:

“Leider nimmt mit wachsenden Angeboten die Bereitschaft zu, Medikamente aus dem Ausland über Internet zu beziehen. Bei solchen Bezügen ist das Risiko sehr gross, ein gefälschtes Medikament zu erhalten. Im Internet werden zahlreiche gefälschte, ungeprüfte, verfallene, qualitativ schlechte und wirkungslose Arzneimittel oder rezeptpflichtige Präparate ohne ärztliche Verschreibung angeboten. Oft werden irreführende Versprechungen über die positiven Wirkungen, jedoch keine Angaben zu möglichen Risiken gemacht. Aufgrund der ungenügenden, oft gefährlichen Qualität riskiert jeder, der Medikamente über Internet bestellt, seine Gesundheit.”
(Quelle: www.stop-piracy.ch)

Die Warnung ist mehr als berechtigt. Die Heilsversprechungen im Internet sind oft haarsträubend, bei synthetischen Medikamenten genauso wie bei Naturheilmitteln. Das Risiko von Fälschungen oder von mangelhafter Qualität und den damit verbundenen Gefahren ist real. Die Kampagne empfiehlt selbstverständlich den Bezug von Medikamenten “aus legalen Quellen wie Apotheken, Drogerien und in gewissen Kantonen Arztpraxen….”.

Da fragt sich allerdings, inwieweit das Vertrauen in diese legalen Kanäle gerechtfertigt ist. Klar scheint mir: Das Risiko von Fälschungen oder von unerlaubten, gefährlichen Bestandteilen ist in den offiziellen Kanälen von Apotheken und Drogerien sehr gering.

Deutliche Fragezeichen würde ich setzen, wenn es um die fachliche Beratungsqualität geht. In unserer Phytotherapie-Ausbildung am “Seminar für Integrative Phytotherapie” gibt es immer wieder Lerngruppen, die sich zu Testzwecken in Apotheken oder Drogerien bezüglich Heilpflanzen-Produkten beraten lassen. Das ist aus fachlicher Sicht leider ziemlich häufig ein peinliches Desaster. Es zeigt sich dabei oft das völlige Fehlen von Kenntnissen der neueren Fachliteratur im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde. Und es sieht in vielen Fällen sehr danach aus, dass die “Weiterbildung” der MitarbeiterInnen sich auf den Besuch von “Schulungsseminaren” der Herstellerfirmen beschränkt. Das sind dann in der Regel fast reine Verkaufveranstaltungen, die frei sind von jeglicher kritischer Reflexion.
Und wenn der Apothekenverband PharmaSuisse bemängelt, dass man im Internet “ungeprüfte,…wirkungslose Arzneimittel” bekommt und “irreführende Versprechungen über die positiven Wirkungen…” gemacht werden, dann müsste er sich schon auch ein bisschen selber an der Nase nehmen.

Im Bereich von Naturheilkunde & Pflanzenheilkunde verkaufen die Apotheken und Drogerien nämlich ohne mit der Wimper zu zucken Produkte, die zwar als Heilmittel über den Ladentisch gehen, deren Wirkungen aber ungeprüft und in keiner Art belegt sind. Das gilt beispielsweise für den riesigen Markt der Nahrungsergänzungsmittel, die sich intensiv um ein Heilmittel-Image bemühen, aber keinerlei Wirksamkeit belegen müssen. Sie unterstehen auch nicht der Heilmittelkontrolle Swissmedic, sondern wie andere Lebensmittel auch dem Bundesamt für Gesundheit (BAG). Die Swissmedic wiederum befreit manche Heilmittelgruppen generell von jedem Wirksamkeitsnachweis. Das gilt beispielsweise für alle Homöopathika, Schüssler-Salze, Bachblüten-Tropfen, Frischpflanzentinkturen nach Homöopathischem Arzneibuch sowie für spagyrische Mittel.
Dass Apotheken und Drogerien solche Produkte auf Verlangen der Kundschaft verkaufen, scheint mir unproblematisch. Propagieren sie aber solche Produkte aktiv, unterscheiden sie sich nicht mehr gross von den Anbietern ungeprüfter und möglicherweise wirkungsloser Präparate im Internet. Die Kritik des Apothekerverbandes PharmaSuisse fällt deshalb teilweise auf die Apotheken selbst zurück.
Ich behaupte nun nicht, alle diese Produkte seien wertlos. Aber die Konsumentinnen und Konsumenten sollten meines Erachtens wissen, dass es in diesen Bereichen in der Regel keine fundierten Dokumentationen oder gar Studien gibt, die eine Wirksamkeit belegen. In den Regalen von Apotheken und Drogerien stehen oft Nahrungsergänzungsmittel, vom Wirkungsnachweis befreite Heilmittel und Heilmittel mit dokumentierter, belegter Wirkung nebeneinander. Das ist vom Standpunkt der Transparenz völlig unbefriedigend. Konsumentinnen und Konsumenten wird es dadurch sehr schwer gemacht, sich auf der Basis einer fundierten Meinungsbildung für ein bestimmtes Produkt zu entscheiden.

Daraus folgt meines Erachtens dreierlei:

1. Wer solche Produkte kauft, muss sich selber kundig machen und prüfen, wie seriös das erworbene Naturheilmittel ist. Andernfalls bleibt nur, sich blind auf die Aussagen und Versprechungen der Hersteller und Verkäufer zu verlassen.

2. Apotheken und Drogerien sollten bei ihren Beratungsgesprächen transparent machen, ob und wie gut die Wirksamkeit der empfohlenen Naturheilmittel durch fundierte Dokumentationen oder Studien belegt ist. Das ist leider im Beratungsgespräch sehr selten ein Thema, gerade auch, wenn es um Komplementärmedizin geht. Es gibt im Bereich Phytotherapie zum Beispiel durchaus Präparate, die sich in qualitativ überzeugenden Studien mit Patienten bewährt haben. Es gibt sogar Phytopharmaka, die so gut dokumentiert sind, dass sie von den Krankenkassen aus der Grundversicherung bezahlt werden müssen, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt.

3. Je ernsthafter die Krankheit, desto mehr müssten bei Beratungen Präparate im Vordergrund stehen, deren Wirksamkeit ausreichend dokumentiert ist.

Ich gehe mit der Kampagne von Swissmedic und PharmaSuisse einig an dem Punkt, dass ich niemals Heilmittel aus irgendeiner obskuren Quelle im Internet kaufen würde. Darüber hinaus finde ich aber, dass auch das Sortiment, die Beratungsleistung und die Versprechungen von Apotheken und Drogerien im Bereich der Naturheilmittel durchaus kritisch unter die Lupe genommen werden müssten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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Phytotherapie: Passionsblume als Angstlöser

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Über Jahre hinweg galt in Phytotherapie & Pflanzenheilkunde der Wurzelstock der Kava-Kava-Pflanze als Angstlöser der ersten Wahl. Seine Wirkung war wissenschaftlich gut belegt. Nachdem die Arzneimittelbehörden Heilpflanzen-Präparate aus Kava-Kava wegen einiger ungeklärter Verdachtsfälle auf Leberschädigung aus dem Markt genommen haben, klafft hier eine therapeutische Lücke.
Die Passionsblume (Passiflora incarnata) ist eine der Heilpflanzen, die seither auf eine mögliche angstlösende Wirkung genauer untersucht wurden.
Ein Artikel in der Österreichischen Apotheker-Zeitung (21/2008) stellt die Passionsblume umfassend vor. Die Autorin Michaela Döll, Diplom-Biologin mit Lehrauftrag im Fachbereich Lebensmittelchemie / Pharmazie an der Universität Braunschweig, geht auf die Symbolik der Passionsblumenblüte und auf die Geschichte dieser faszinierenden Heilpflanze ein. Dann fasst sie den aktuellen Wissensstand bezüglich Inhaltsstoffe und Wirkungen der Passionsblume zusammen. Interessant sind in dieser Hinsicht vor allem zwei Studien mit Patientinnen und Patienten.
In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie wurde Passiflora bei Personen mit Angststörungen untersucht. Dabei wurde ein wässrig-alkoholischer Auszug von Passionsblumenkraut zusammen mit einem Placebo gegen den Tranquilizer Oxazepam (30mg/Tag), ebenfalls zusammen mit einem Placebo, verabreicht. Der Wirkungseintritt erfolgte in der Passiflora-Gruppe erst ab dem 7. Tag, während er unter der Anwendung von Oxazepam bereits nach 4 Tagen eintrat. Ab dem 7. Tag bis zum Studienende am 28. Tag war zwischen Passiflora- und Oxacepam-Wirkungen kein relevanter Unterschied in der beruhigenden Wirkung mehr ersichtlich.
Eine weitere Studie am Universitätsklinikum in Liège (Belgien) verglich Passiflora (400mg Trockenextrakt) bei Patienten mit Angststörungen mit diversen Benzodiazepinen (Diazepam, Lorazepam, Flunitrazepam). Der Passionsblumenkraut-Extrakt zeigte hinsichtlich seiner beruhigenden Eigenschaften eine gute Wirkung, die jener der getesteten Benzodiazepine sogar überlegen war. Mit nur 10 Teilnehmenden war diese Studie allerdings sehr klein.
Eine randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudie untersuchte die Wirkung von Passionsblumenextrakt auf Entzugserscheinungen bei 65 opiatabhängigen Personen.
Getestet wurde Passionsblumenextrakt plus Clonidin gegen Clonidin plus Placebo. Die Entzugserscheinungen wurden während eines zweiwöchigen Beobachtungszeitraums erfasst. Die Beurteilung der physischen Symptome zeigte in den beiden Gruppen keine Unterschiede. Betreffend der psychischen Entzugssymptome ergab sich aber ein deutlicher Vorteil der Passiflora-Gruppe gegenüber der Placebo-Gruppe.
Leider enthält der Artikel in der Österreichischen Apotheker-Zeitung wenig konkrete Angaben zu den beschriebenen Studien, so dass deren Qualität nicht wirklich beurteilt werden kann.
Es gibt aber auch positive Empfehlungen von phytotherapeutischen Fachkommissionen (Kommission E, ESCOP) für die Wirksamkeit der Passionsblume. Im Vordergrund steht dabei die Behandlung von nervösen Unruhezuständen am Tag sowie bei nervös bedingten Schlafstörungen. Gewöhnungseffekte und eine klassisch sedierende Wirkung sind nicht zu erwarten. Passionsblumenkraut beruhigt ohne zu ermüden und entspannt bei voller Konzentration.
Entsprechend den Empfehlungen der phytotherapeutischen Fachkommissionen ist auf eine ausreichende Tages-Dosierung zu achten (ca. 1000mg Passionsblumen-Trockenextrakt entsprechend einem Auszug aus etwa 6g Passionsblumenkraut).
(Quelle: http://www.oeaz.at/zeitung.html)
Es spricht also einiges dafür, dass Passionsblumenkraut als milder Angstlöser Potenzial hat.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Pflanzenheillkunde: „Erfahrung“ allein genügt nicht zur Begründung

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Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde – viele Vertreterinnen und Vertreter dieser Bereiche verstehen ihre Methoden hauptsächlich als Erfahrungsheilkunde. Aussagen über Wirkungen von Heilpflanzen werden mit „Erfahrung“ begründet: “Die Erfahrung zeigt doch, dass es wirkt!”
Dies geschieht oft in starker Absetzung zu Erkenntnissen, die auf wissenschaftlichen Studien basieren. Im Extremfall führt das zu Sprüchen wie: “Wer heilt hat recht!” – Nun soll hier keinesfalls der Wert von „Erfahrung“ klein geredet werden. Mir fällt aber immer wieder auf, dass im Bereich von Komplementärmedizin, Naturheilkunde und Pflanzenheilkunde oft eine sehr naive Vorstellung von Erfahrung herrscht. Das geht auf Kosten der Sicherheit von Patientinnen und Patienten.
Erfahrung führt nicht auf direktem Weg zur Erkenntnis. Es gibt keine reine Erfahrung, die uns ungetrübt vermittelt, was „Sache ist“.
Erfahrung ist – ob uns das bewusst ist oder nicht – immer theoriegeleitet. Sie muss interpretiert, verknüpft und eingeordnet werden und ist deshalb sehr anfällig für (Selbst-) Täuschungen und Irrtümer. Auch die Erfahrungen im Umgang mit Heilpflanzen.
Aufgrund langjähriger Erfahrungen (!) steht für mich fest: Es braucht im Bereich von Komplementärmedizin, Naturheilkunde und Pflanzenheilkunde einen sorgfältigeren, kritischeren Umgang mit den Begriffen „Erfahrung“ und „Erfahrungsheilkunde“.
Erfahrungen müssen sorgfältig dokumentiert, zusammengefasst, mit anderen Menschen ausgetauscht und verglichen werden. Und sie müssen kritischen Auseinandersetzungen standhalten. Wer solche Klärungsprozesse unterlässt und sich nur verbal auf “Erfahrung” beruft, macht es sich zu einfach. Ein sorgfältiger Umgang mit Erfahrungen ist eine Voraussetzung für Professionalität, auch im Bereich der Pflanzenheilkunde.

“Wir glauben, Erfahrungen zu machen, aber die Erfahrungen machen uns”
(Eugène Ionesco, 1909 – 1994, französischer Autor und Dramatiker)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenheilkunde: Hoch fragwürdige esoterische Theorien – ein Beispiel

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Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl – Beiträge zur Debatte 1

Es gibt meiner Ansicht nach ein Ausmass an esoterischen Verirrungen in der Pflanzenheilkunde, das mir sehr problematisch scheint und das ich an einem Beispiel illustrieren möchte. Ich schildere es hier, weil ich glaube, dass die Auseinandersetzung damit lehrreich sein kann für den Umgang mit Heilpflanzen und mit dem ganzen Feld von Pflanzenheilkunde & Naturheilkunde. Nehmen Sie sich ein bisschen Zeit, wenn Sie sich auf diese Auseinandersetzung einlassen möchten. Kommentare wie immer erwünscht.

Ich habe in mehreren Texten das Buch “Borreliose natürlich heilen” von Wolf-Dieter Storl an zahlreichen Punkten kritisiert, weil ich es für ausgesprochen gefährlich und fahrlässig halte. Weder Peter Wanner vom AT-Verlag noch Wolf-Dieter Storl vom AT-Verlag sind auf die detaillierte Kritik eingegangen.
Interessierte können die Texte hier nachlesen:

Dieses Buch kann Ihre Gesundheit gefährden: “Borreliose natürlich heilen” von Wolf-Dieter Storl:
www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/125713_Borreliose-Storl-Karde-1.pdf

Karde gegen Borreliose – Heilungsversprechungen der fragwürdigsten Art:
http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/125527_Storl-Karde-Borreliose.pdf

Karde – kein Kraut gegen Borreliose!
www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/110646_Karde-Kraut-Borreliose.pdf

Karde gegen Borreliose: Immer noch wirre Behauptungen statt fundierte Begründungen!
http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/132919_Karde-Kraut-Borreliose-wirre.pdf

Sehr eindrücklich sind für mich die Reaktionen auf diese Kritik. So erreichte mich zum Beispiel vor kurzem ein E-Mail der Leiterin einer “Akademie”, an der Kräuterheilkundige ausgebildet werden. Ich zitiere dieses Mail hier vollständig, aber anonymisiert:

“Guten Tag Herr Koradi

Vielleicht interessiert es Sie, dass Herr Dr. Storl von der Natur als Naturgelehrter akzeptiert wird. Also kann er nicht so falsch liegen. Und im Endeffekt hilft uns Menschen das, was wir glauben. Eine Freundin von mir wurde mit Kardentinktur gesund, was den behandelnden Arzt sehr gewundert hat. Und meine Studierenden lernen bereits in der ersten Lektion, dass es keine allgemein gültigen Regeln gibt. Und dann beachten Sie bitte, wie viele angebliche Giftpflanzen und Nebenwirkungen die atheistische Wissenschaft gezaubert hat, weil sie immer noch nicht begriffen hat, dass sich die Natur weder normen noch standardisieren, noch beherrschen lässt. Die Quittung für unser Tun werden wir nun erhalten. Und ebenfalls ist eine Tatsache, dass Herr Dr. Storl um einiges weiter sieht als sogenannt normale Menschen, da er auch die intuitive Ebene braucht. Darum würde ich sagen, dass sein Weg und Ihr Weg eine Berechtigung hat, da alles aus dem selben Licht geschaffen ist. Das oberste göttliche Prinzip ist übrigens, dass der Mensch den freien Willen hat, das zu wählen, was er als richtig erachtet. Mit kollegialen Grüssen
X. Y.”

Auf dieses Mail möchte ich im Sinne einer Antwort nun genauer eingehen.

Guten Tag Frau X. Y.

Schade, dass Sie an keinem Punkt auf meine detaillierte fachliche Kritik eingehen. Diese Abschottung gegen jede kritische Reflexion, wie sie auch Peter Wanner als Verleger und Besitzer des AT-Verlages und Wolf-Dieter Storl als Autor betreiben, halte ich auf einer politischen Ebene für höchst besorgniserregend. Glauben Sie auch im politischen Bereich so vollkommen blind und ungeprüft jeder wunderbaren Behauptung? Dann kann ich nur hoffen, dass sich diese Haltung nicht noch mehr ausbreitet. Sonst “Gute Nacht, Demokratie”. Demokratie lebt nämlich von der kritischen Auseinandersetzung und Prüfung.
In diesem Sinne denke ich gerne über Ihr Mail nach:

Sie schreiben:
“Vielleicht interessiert es Sie, dass Herr Dr. Storl von der Natur als Naturgelehrter akzeptiert wird. Also kann er nicht so falsch liegen.”

Wie genau hat denn die Natur Ihnen mitgeteilt, dass sie Wolf-Dieter Storl als Naturgelehrten akzeptiert? Spricht die Natur in Ihrem Verständnis mit einer ungeteilten Stimme? Keine Differenzen in der Natur? Keine Widersprüche? Die Natur ist eins? Eine Person gar? – Mir scheint, es gibt durchaus unterschiedliche Positionen in der Natur, zum Beispiel zwischen der Krähe und den Eiern der Kohlmeise, die sie gerade frisst. Oder zwischen der Kohlmeise und der Schwalbenschwanzraupe, die verspeist wird. Aber für Sie ist alles eins?
Bezüglich Naturvorstellung liegen tatsächlich Welten zwischen mir und den Positionen von Ihnen und Wolf-Dieter Storl. Dieser behauptet ja: “Ich bin ein Teil des Waldes!” – Aber er fliegt als Teil des Waldes problemlos nach Mallorca oder sonstwohin, um ein Seminar zu leiten. Kann man da einfach als Teil des Waldes kurz mal aussteigen? – Wer behauptet, er sei ein Teil des Waldes, den würde ich auch fragen: “Wer frisst Dich?” – Denn mindestens in einem Wald im ökologischen Gleichgewicht wird wohl jeder Teil von einem anderen gefressen. Die Natur kennt keine Ehrfurcht vor dem Leben, hat Albert Schweitzer gesagt. Wie schön, dass man sich da als Teil des Waldes bei Bedarf wieder in die gute Stube zurückziehen kann. Ich finde solch hohle Phrasen zum Schreien.
Mir scheint, dass Sie die Natur als göttliche Instanz hinstellen, wenn Sie schreiben, dass “Dr. Storl” von der Natur als Naturgelehrter akzeptiert worden ist. Das halte ich an sich schon für hoch fragwürdig. Wie erkennen Sie denn genau, was diese vergöttlichte Natur will? Eine Tumorerkrankung ist ja auch Natur. Darf man da eingreifen oder will es die göttliche Natur, dass der Krebs wächst und sich entwickelt? Auch das AIDS-Virus ist Natur. Würden Sie eine Behandlung als unnatürlich ablehnen? Eine Lungenentzündung? Die Bakterien sind Natur, die Antibiotika stammen von der “atheistischen” Wissenschaft. Patient sterben lassen als Naturprozess? Ich meine diese Fragen sehr ernst.

“Und im Endeffekt hilft uns Menschen das, was wir glauben.”

Da wäre ich mir nicht so sicher. In den 30er- und 40er-Jahren des letzen Jahrhunderts haben viele Menschen an Adolf Hitler geglaubt, leider gerade auch viele Menschen im Umfeld von Esoterik und Naturheilkunde, dort waren die führenden Nationalsozialisten nämlich geistig zuhause (siehe: http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/07/27/naturheilkunde-und-nationalsozialismus-eine-kaum-bekannte-unheilsame-verbindung.html).
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es diesen hitlergläubigen Menschen beispielsweise geholfen hat, bei den Bombardierungen von Dresden während des Feuersturms im Keller zu verbrennen. Was die Menschen glauben, kann sie zu edelsten Taten motivieren, aber auch ins totale Verderben stürzen oder zum Kriegsverbrecher werden lassen. Genau darum müssen wir sorgfältig prüfen, was wir glauben.
Oder um ein Beispiel aus der Medizin zu nehmen: Finden Sie es akzeptabel, wenn Zeugen Jehovas ihrem Kind eine lebensrettende Bluttransfusion nach einem Unfall wegen ihres Glaubens verweigern? Kein ethisches Problem?

“Eine Freundin von mir wurde mit Kardentinktur gesund, was den behandelnden Arzt sehr gewundert hat”

Das ist wieder so eine schöne Anekdote, wie ich sie schon in meiner Kritik des Storl-Buches in Frage gestellt habe. Warum verschweigt ihr Dr. Storl eigentlich in seinen wundersamen Heilungsberichten konsequent, dass der überwiegende Teil der Borreliosen von selbst zum Stillstand kommt? Vielleicht gehört ja ihre Freundin zu dieser glücklichen Gruppe. Pech hat ja nur der Rest, bei dem die Krankheit weitergeht, wenn man sich statt einer Antibiotika-Therapie auf die famosen Tipps des Wolf-Dieter Storl verlässt. Diese gutgläubigen Leute riskieren dann Dauerschäden bis hin zur Invalidität. Das nenne ich fahrlässige Heilsversprechungen.
Warum verschweigt ihr Dr. Storl bei seinen Heilungsversprechungen, dass es bei chronischen Borreliosen in der Regel von Natur aus (!) einen schwankenden Verlauf gibt, und dass man darum nicht jede Besserung zum Beispiel einer Kardentherapie zuschreiben kann.
Warum verschliessen Sie und Ihr Dr. Storl die Augen davor, dass bei jeder Therapie und gerade auch bei Schmerzbehandlungen ein grosser Teil der Wirkung auf einem Placebo-Effekt beruht und dass man dies bei der Beurteilung von Heilerfolgen berücksichtigen müsste?
Warum verschweigt Wolf-Dieter Storl, dass die Karde das Wachstum von Borrelien nicht hemmt, sondern allenfalls sogar eher fördert – untersucht im Labor an der Hochschule Wädenswil, zugegeben, aber es liegt an Storl, die von ihm behauptete Wirkung plausibel zu dokumentieren. Man könnte ja diese Untersuchungen von Prof. Sievers zumindestens erwähnen und allenfalls kritisch kommentieren. Dann könnten sich die Leute eine eigene Meinung bilden. Aber warum verschweigen?
Warum liegt auch nach Jahren der Heilungsversprechungen von Storl noch kein einziger publizierter Krankheitsverlauf vor: Eingangsbefund und -diagnose, Krankheitsverlauf, Begleitmedikation, Abschlussbefund und -diagnose. Das wäre der Minimalststandard, damit Fachleute sich damit auseinandersetzen können. Es bleibt aber bisher bei Schlagworten im Stil von: Schon wieder eine wunderbare Heilung!
Warum dieses eklatante Desinteresse an sorgfältiger Dokumentation. Warum das Abschieben von Misserfolgen mit der Kardentherapie, im Buch zum Beispiel auf eine Beziehungsstörung der Patientin. Vielleicht weil von “der Natur” akzeptierte Naturgelehrte solch banalen Pipifax wie Dokumentation und Begründung nicht nötig haben?
Ich bin interessiert an einer detaillierten Krankengeschichte ihrer Freundin, aber nicht nur an einer schönen Geschichte, es müssten schon Facts sein. Oder wie wärs mit einem Bericht des behandelnden Arztes, wenn der doch so verwundert war?

“Und meine Studierenden lernen bereits in der ersten Lektion, dass es keine allgemein gültigen Regeln gibt”

Meiner Meinung nach ist es ziemlich schwierig, etwas zu lehren oder zu lernen, wenn es keine allgemein gültigen Regeln gibt. Wie stellen Sie das wohl an? Ich kann mich natürlich ganz darauf beschränken, was die Heilpflanze in mir auslöst. Das kann dann jede und jeder so machen und es mag durchaus schön sein, aber irgendwie bleiben ja dabei alle ganz in ihrer Welt isoliert. Und vielleicht hat dann das Erlebte viel mehr mit dem Erlebenden zu tun als mit der Heilpflanze. Das kann eine gute Selbsterfahrung sein, wenn damit sorgfältig umgegangen wird – wobei dann wohl wichtig wäre, dass die Leiterin eine fundierte psychotherapeutische Ausbildung hat – und nicht einfach in der Psyche herumfuhrwerkt, wie das im Eso-Bereich meiner Erfahrung nach ziemlich üblich ist.
Im übrigen finde ich Ihre Behauptung, dass es keine allgemein gültigen Regeln gibt, sehr gewagt. Orientieren Sie sich nicht an Verkehrsregeln? Gesetze? In meinem Leben gibt es durchaus allgemeingültige Regeln. Wenn ich meinen Kugelschreiber von Tisch schubse, fällt er immer runter – zweifellos eine allgemein gültige Regel auf der Erde. Und ausgerechnet im Bereich der Heilkunde soll es keine allgemein gültigen Regeln geben? Wie halten Sie es zum Beispiel in Ihrer Schule für Heilpflanzenkundige mit Dosierungsangaben – das wären allgemeine Regeln, die es Ihrer Ansicht nach nicht gibt. Werden Dosierungen von Heilpflanzen immer “intuitiv” festgelegt? Wenn ja: Warum profitieren Sie nicht von den Erfahrungen anderer Menschen, die zu allgemeinen Regeln geführt haben? Regeln selbstverständlich, die auch Ausnahmen kennen und sich verändern im Verlaufe der Zeit.
Meines Erachtens vertreten Sie an diesem Punkt einen verheerenden Relativismus
(siehe: www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/10/17/pflanzenheilkunde-die-falle-der-beliebigkeit-vermeiden.html ).
Das scheint mir sehr fragwürdig und auch riskant, wenn es um Patientinnen und Patienten geht.

“Und dann beachten Sie bitte, wie viele angebliche Giftpflanzen und Nebenwirkungen die atheistische Wissenschaft gezaubert hat, weil sie immer noch nicht begriffen hat, dass sich die Natur weder normen noch standardisieren, noch beherrschen lässt.”

Sie spielen darauf an, dass in den letzten Jahren in einigen Heilpflanzen auch giftige Stoffe gefunden wurden. Das ist nicht weiter überraschend. Schliesslich produzieren Heilpflanzen ihre Wirkstoffe nicht für unsere Gesundheit, sondern weil sie nicht gefressen werden wollen. Dieser Aspekt der Natur passt aber wohl nicht in Ihre harmonizistische Vorstellung der Beziehung zwischen Menschen und Heilpflanzen.
Ob die gefundenen giftigen Stoffe in therapeutischer Dosis für den Menschen riskant sein können, ist nicht einfach zu entscheiden, und wohl bei jeder betroffenen Pflanze wieder etwas anders zu beurteilen. Immerhin gibt es von solchen Stoffen auch ernste bis tödliche Vergiftungen bei Weidevieh. Über ein allfälliges Risiko für den Menschen müsste man differenziert nachdenken und nicht einfach in einer hochgradigen Idealisierung der Heilpflanzen jede mögliche Gefährdung dogmatisch ausschliessen.
Sie bieten auf Ihrer Website ja auch einen Vortrag an, in dem Sie darlegen, warum Heilpflanzen keine Nebenwirkungen haben können. Noch nie etwas gehört beispielsweise von Allergien auf Ringelblumentinktur? Kommt selten vor, aber das gibt‘s. Bauchkrämpfe bei pflanzlichen Abführtees? Oder schon mal etwas gehört von den Nierenversagen nach Langzeit-Einnahme von chinesischen Heilpflanzen durch den Inhaltsstoff Aristolochiasäure in Belgien in den 1990er Jahren? Diese sehr ernsten Fälle sind gut dokumentiert. Die europäischen Arzneimittelbehörden haben aristolochiasäurehaltige Heilpflanzen anfangs der 80er Jahre vorsichtshalber aus dem Verkehr gezogen. Unter grossem Protest der Naturheilkunde-Szene, die behauptete, dass nur die isolierte Aristolochiasäure schädlich sei im Laborversuch, nicht aber die ganze, harmonisch ausbalancierte Heilpflanze. Nun ja, haben Sie daraus nichts gelernt oder haben Sie sich damals noch nicht mit Heilpflanzen befasst. In der Phytotherapie-Fachliteratur werden diese tragischen Vergiftungen beschrieben. Kein Interesse an solchen Berichten? Gefährdet das Ihre harmonisch-idealisierte Vorstellung von Heilpflanze?
Es macht den Anschein, dass Sie glauben, Heilpflanzen würden uns ausschliesslich heilen. Das halte ich für eine einseitige Idealisierung. Meiner Meinung nach kann, was erwünschte Wirkungen hat, auch unerwünschte Nebenwirkungen haben.
Was meinen Sie genau mit der “atheistischen Wissenschaft”. Ja klar, die Wissenschaft verzichtet auf einen “Gott” als Erklärungsprinzip. Sollte ihrer Meinung nach die Wissenschaft abgeschafft werden oder stellen Sie sich eine Wissenschaft inklusive Erklärungsprinzip “Gott” vor. Wie würde unsere Kultur und unsere Wissenschaft dann aussehen? Was sagen Sie dazu, dass es auch viele gläubige Wissenschaftler gibt?
Ich empfinde Ihre Beschreibung der Wissenschaft sehr eng und pauschal. Mir erscheint die Wissenschaft vielfältiger. Es gibt in ihr intensive Diskussionen, Auseinandersetzungen und unterschiedliche Standpunkte. Das ist mir oft viel sympathischer als der Dogmatismus und Relativismus, denen ich so häufig in der Naturheilkunde begegne. Ich kenne niemanden, der so pauschal “die Natur” standardisieren will. Es gibt aber das Bestreben, Extrakte aus Pflanzen auf einen möglichst gleichbleibenden Wirkstoffgehalt einzustellen, damit der Patient oder die Patientin Gewähr hat auf eine verlässliche, gleichbleibende Wirkung. Was ist so schlimm daran? Ich kenne auch niemanden, der so generell “die Natur” beherrschen will. Es gibt konkrete Eingriffe in die Natur und wir müssen politisch entscheiden, welche wir zulässig finden und welche nicht. Es gibt auch Eingriffe in die Natur, die meiner Ansicht nach zu weit gehen. Aber eine Tumortherapie strebt auch nach Herrschaft über einen Teil der Natur, nämlich den Tumor. Akzeptabel oder nicht? Ich selber sehe von Natur aus sehr schlecht und muss die Natur korrigieren mit Kontaktlinsen. Ein Frevel? Vielleicht will “die Natur” ja meine Kurzsichtigkeit. Kontaktlinsen wird sie wohl kaum vorgesehen haben. Meine Nasenscheidewand war von Natur aus sehr verkrümmt und behinderte zunehmend meine Nasenatmung. Ich habe diese meine Natur via Operation normiert und bin dankbar dafür. Habe ich der Natur ins Handwerk gepfuscht? Bekomme ich dafür einmal eine Quittung?
Ich finde, dass vieles in der Welt (in der Natur) viel ambivalenter ist als Sie das darstellen. Warum so einseitig im Gut-Schlecht-Schema?

“Die Quittung für unser Tun werden wir nun erhalten”

Was meinen Sie genau mit dieser Drohung. Was genau meinen Sie mit “unser Tun” und welche “Quittung”.

“Und ebenfalls ist eine Tatsache, dass Herr Dr. Storl um einiges weiter sieht als sogenannt normale Menschen, da er auch die intuitive Ebene braucht”

Intuition ist eine spannende und wichtige Erkenntnisquelle. Nur: Auch wenn mir eine spontan einfallende Erkenntnis als unbedingt wahr vorkommt, kann ich mich grässlich täuschen. Oder schreiben Sie Wolf-Dieter Storl Unfehlbarkeit zu? Intuition kann in die Irre führen. Die Rassentheorien der Nationalsozialisten waren zum grossen Teil intuitiv begründet. Rudolf Steiner, auch einer, der überzeugt war, das er weiter sehen konnte als andere, sah in dieser Anderswelt auch, dass Indianer ein dekadenter Zweig in der Entwicklung der Menschheit seien und ein Zwischenwesen zwischen Menschen und Affen. Teilen Sie diese Ansicht oder gehen Sie mit mir einig, dass sich auch sogenannt intuitive Erkenntnisse kritischen Prüfungen stellen müssen?
Oder können sogenannt normale Menschen die “intuitiven” Erkenntnisse des Dr. Storl gar nicht nachprüfen? – Das würde die starre Resistenz gegen jede Kritik erklären, die Peter Wanner und Wolf-Dieter Storl an den Tag legen. Diese Haltung scheint mir aber auch ziemlich guruhaft und demokratiefeindlich, weil Demokratie vom Austausch von Argumenten lebt. Wenn einer behauptet, er habe Erkenntnisse, zu denen andere, sogenannt normale Menschen keinen Zugang haben, dann können seine Behauptungen nicht auf ihre Wahrheit überprüft werden. Wehe, wenn eine solche Person Macht bekommt. Wo kämen wir hin, wenn alle Entscheidungen auf dieser Basis fallen würden? – In einer solchen undemokratischen, intransparenten und vielleicht sogar totalitären Welt möchte ich lieber nicht leben.

Darum würde ich sagen, dass sein Weg und Ihr Weg eine Berechtigung hat, da alles aus dem selben Licht geschaffen ist”

Da haben wir ihn wieder, diesen Relativismus
(siehe: www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/10/17/pflanzenheilkunde-die-falle-der-beliebigkeit-vermeiden.html
Wir müssen sorgfältig und fundiert urteilen lernen und nicht alles gleich-gültig finden.
Was finden Sie an meinem Weg gut und was halten Sie daran für fragwürdig?
Was finden Sie an Storls Weg gut und was halten Sie daran für fragwürdig?
Aber bitte so detailliert wie möglich!
Was meinen Sie genau damit, dass “alles aus dem selben Licht geschaffen ist”.
Was wollen Sie damit sagen? Dass alles eins ist? – Warum verwischen Sie Unterschiede?

“Das oberste göttliche Prinzip ist übrigens, dass der Mensch den freien Willen hat, das zu wählen, was er als richtig erachtet”

Woher wissen Sie so genau, was das oberste göttliche Prinzip ist? Ziemlich dogmatische Aussage. Ich selber würde mich nicht als religiösen Menschen bezeichnen, erinnere mich aber aus meiner Ministrantenzeit an Aussagen, wonach das oberste göttliche Prinzip die Liebe sei. Was stimmt denn nun?
Und was den freien Willen des Menschen betrifft, machen Sie es sich meines Erachtens sehr einfach. So klar, wie Sie das darstelle, ist der Punkt mit dem freien Willen nicht. Ob der Mensch einen freien Willen hat oder nicht, wird zur Zeit heftig diskutiert. Kein Interesse an solchen Auseinandersetzungen? Sie wissen ja schon, wie es ist?
Schade. Aber auch wenn wir annehmen, dass der Mensch einen freien Willen hat (ich hoffe jedenfalls, dass es so etwas ähnliches gibt), dann liegt doch sehr auf der Hand, dass dieser freie Wille auch eingeschränkt und geprägt wird von kulturellen und gesellschaftlichen Einflüssen.

“Mit kollegialen Grüssen”

Ich glaube, dass Sie sich schwer täuschen. Wir leben auf vollkommen unterschiedlichen Planeten und haben wohl kaum eine kollegiale Ebene – und das sage ich nicht aus Hochmut, sondern um Differenzen nicht unter den Tisch zu wischen…..
..aber ich freue mich, wenn Sie meine Kritik ihrerseits in Frage stellen.
Die Kommentarfunktion steht Ihnen offen.

P.S: Sie schreiben auf der Website Ihrer Schule für Heilpflanzenkundige, dass esoterisch orientierte Menschen, die von Licht und Liebe reden und die Schattenseiten nur bei anderen sehen wollen, von der Natur nicht akzeptiert werden. Und dass diejenigen, welche esoterische Bücher gelesen haben, grosse Mühe bekunden.

Da stellen sich für mich gerade nochmals unzählige Fragen:

– Woher wissen Sie so genau, dass die Natur esoterische Menschen nicht akzeptiert?
– Woher weiss “die Natur”, wer ein esoterischer Mensch ist und wer nicht – und nach welchen Kriterien entscheidet “die Natur” das?
– Sie schreiben doch selber vom Licht, aus dem alles geschaffen ist. Trifft das Verdikt “der Natur” nicht auch Sie selber?
– Ich entnehme Ihrem Mail und Ihrer Website, dass Sie die Schattenseiten ausschliesslich bei Wissenschaft, Medizin, Verstand etc. sehen, die Natur dagegen als vollkommen heil, wunderbar und lichterfüllt. Machen Sie nicht selber eine dieser Spaltungen in Hell und Dunkel, welche “die Natur” Ihrer Meinung nach ablehnt?
– Ihr Mail und Ihre Website erscheinen mir als Esoterik pur. Wo sehen Sie selber den Unterschied zwischen Ihren Positionen und einer Esoterik, welche “die Natur” Ihrer Meinung nach nicht akzeptiert?
– Wieso bekunden Leute, welche esoterische Bücher gelesen haben, in Ihren Ausbildungen grosse Mühe? Sie bedienen doch gerade deren Bedürfnisse. Diese Klientel sollte sich doch bei Ihnen gerade zuhause fühlen? Oder gibt es nur eine richtige esoterische Theorie, Ihre?

Weitere Beiträge zur Debatte:

Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 2
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/12/07/borreliose-therapie-nach-wolf-dieter-storl-beitraege-zur-debatte.html

Karde & Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 3
www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/12/11/karde-borreliose-therapie-nach-wolf-dieter-storl-beitraege-zur-debatte-3.html

Karde & Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 4
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/02/25/karde-borreliose-therapie-nach-storl-beitraege-zur-debatte-4.html

Karde & Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 5:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/07/14/karde-borreliose-therapie-nach-wolf-dieter-storl-beitrage-zur-debatte-5.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Antibiotika zunehmend wirkungsloser gegen Erreger

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Die Resultate der ersten umfassenden Bestandsaufnahme zu Verbrauch und Wirkung von Antibiotika in Deutschland sind beunruhigend: Krankmachende Bakterien werden immer unempfindlicher gegen entsprechende Medikamente – eine gefährliche Entwicklung, weil die Einführung neuer Medikamente stagniert. Meiner Ansicht nach liegt darin eine Chance für die Pflanzenheilkunde / Phytotherapie. Damit diese Chance genutzt werden kann, ist allerdings differenziertes Denken nötig. Das würde bedeuten: Keine pauschale Feindbild-Haltung gegenüber Antibiotika. Sie sollen immer dann zum Zuge kommen, wenn es sie braucht, um Gesundheitsschäden oder gar den Tod abzuwenden. Wo Antibiotika aber nicht zwingend nötig sind, kann die Phytotherapie mit ihren Heilpflanzen-Präparaten oft sinnvolle Ersatzmöglichkeiten anbieten. Dass wir mit der Anwendung von Antibiotika ein ernsthaftes Problem haben, zeigte kürzlich der Antibiotika-Resistenzatlas “Germap 2008”.

Das „Super-Bakterium“ Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, kurz MRSA genannt, ist eine der häufigsten Gründe für im Krankenhaus erworbene Infektionen. Pro Jahr sind davon etwa 50 000 Menschen betroffen, rund 1 500 sterben an den Folgen.
In Deutschland werden täglich über 700 Kilogramm Antibiotika eingesetzt. Das ist mit Risiken für die Gesundheit verbunden: Bei einzelnen Krankheitserregern wie Staphylokokken, Kolibakterien und Enterokokken ist ein deutlicher Anstieg der Resistenzen zu beobachten. Dadurch wird die Wirkung von Antibiotika eingeschränkt und die Therapiemöglichkeiten verschlechtert. Zu diesem Resultat kommt eine erste umfassende wissenschaftliche Bestandsaufnahme über Verbrauch und Wirkung von Antibiotika in Deutschland, die in Bonn präsentiert wurde.
Diese Entwicklung ist nach Darstellung der Studienautoren umso gefährlicher, als gleichzeitig die Einführung neuer Antibiotika stagniere. Deren Entwicklung sei für Pharmafirmen weniger profitabel als andere Mittel. Deshalb sei es besonders wichtig, die Wirksamkeit der verfügbaren Mittel zu erhalten. Der Resistenzbildung müsse stärker entgegen gesteuert werden, verlangten die Fachleute und Mitverfasser bei der Vorstellung des ersten Antibiotika-Resistenzatlas “Germap 2008”.??Dazu sei eine bessere Hygiene in Krankenhäusern nötig sowie auch genauere Diagnosen von Ärzten, die nicht vorschnell Antibiotika verschreiben sollten. “Jedes überflüssige Antibiotikum begünstigt die Entwicklung von Resistenzen”, erklärte der Vizepräsident der Paul- Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG), Prof. Eberhard Straube. Patienten sollten die Dosierungsvorgaben einhalten.

Bei ambulant – also außerhalb eines Krankenhausaufenthalts – erworbenen Infektionen veränderte sich die Resistenzlage nach den Daten in den vergangenen 10 bis 15 Jahren wenig. Auffälligster Befund sei der kontinuierliche Anstieg der Resistenz gegen sogenannte Makrolide bei den Pneumokokken gewesen, der inzwischen jedoch gestoppt sei. Weitere Resistenzbildungen zeigten sich bei der Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten wie der Gonorrhö (”Tripper”) und Salmonellen. Bei Patienten in Krankenhäusern kam es seit den 90er Jahren vor allem zu einer starke Zunahme von Multiresistenzen bei Staphylokokken (MRSA).

In der Humanmedizin werden nach der Datensammlung in Deutschland gegenwärtig jährlich rund 250 bis 300 Tonnen Antibiotika verbraucht. Dabei betreffen etwa 85 Prozent der Verordnungen den ambulanten Bereich. Der Atlas ist eine gemeinsame Publikation des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) und der Infektiologie am Universitätsklinikum Freiburg.
Ein zusätzliches großes Problem sind auch Resistenzen beim Antibotika-Einsatz in der Nutztierhaltung. Solche Resistenzen können möglicherweise auch Antibiotika-Therapien beim Menschen beeinträchtigen . Auch wenn hier in den vergangenen Jahren kein gravierender Anstieg der Resistenzen zu beobachten sei, müsse unbedingt ein verantwortungsvoller und sachgerechter Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung beachtet werden, sagte BVL-Fachmann Jürgen Wallmann. “Antibiotika sind kein Mittel, um schlechte Haltungsbedingungen, Managementfehler oder mangelhafte Hygiene zu kompensieren.”
Quelle: Die Welt online, 9. Okt. 2008
Mehr Informationen im Netz: www.bvl.bund.de/germap2008

Kommentar: Die Situation in der Schweiz dürfte vergleichbar sein. Es steht für mich ausser Frage, dass es Situationen gibt, in denen Antibiotika notwendig sind. Jede unnötige Antibiotika-Gabe ist aber eine zuviel. Sorgfältig und professionell eingesetzte Heilpflanzen-Präparate könnten in manchen Fällen zur Reduktion des Antibiotika-Verbrauchs beitragen. Ein Beispiel dafür ist der Preiselbeersaft. Er kann nach einer Blasenentzündung die Rückfallquote senken, wodurch sich Antibiotika sparen lassen. Phytotherapie und Medizin können dabei gut Hand in Hand arbeiten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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