Akne – spielt die Ernährung doch eine Rolle?

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Bis vor kurzem vertraten Fachkreise die Ansicht, dass die Ernährung keinen Einfluss auf die Akne habe.
Eine australische Untersuchung zeigte nun aber eindrücklich die Auswirkungen einer Ernährungsumstellung auf die Haut. Die Forscher berichteten im American Journal of Clinical Nutrition von guten Ergebnissen bei 43 männlichen Aknepatienten durch eine Diät mit einem niedrigen glykämischen Index. Dazu müssen alle Nahrungsmittel reduziert werden, die den Blutzuckerspiegel stark und schnell in die Höhe treiben, also Weissbrot, Zucker, zuckerhaltige Frühstücksflocken und Getränke, Süssgebäck usw. Auf den Anstieg des Blutzuckerspiegels folgt in der Regel eine heftige Insulinausschüttung. Insulin aber regt die Produktion von männlichen Wachstumshormonen (Androgenen) an und aktiviert den Botenstoff IGF-1. Diese regen dann die Talgproduktion an und fördern dadurch die Verstopfung der Poren. Durch eine Ernährung mit vorwiegend Vollkorn, Gemüse und Früchten hatten die Probanden nach drei Monaten 20% weniger Pickel.
Die Resultate dieser Studien müssen nun allerdings in grösseren Untersuchungen überprüft werden.
Es scheint jedenfalls deutlich zu werden, dass es weniger einzelne spezifische Nahrungsmittel sind, die gemieden werden sollten, sondern dass die glykämische Last als Ganzes problematisch ist. Damit differenziert sich auch die Aussage zur Schokolade, die schon lange unter Akne-Verdacht steht. Es gab einen Versuch zur Schokolade im Jahr 1969. Dabei bekam die eine Hälfte der Testpersonen einen Schokoriegel, die andere ein identisch aussehendes, aber kakaofreies Zucker-Fett-Gemisch. Es ließ sich kein Unterschied bei der Akne feststellen, woraus sich schliessen lässt, dass die Kakaobestandteile der Schokolade keinen speziellen Einfluss auf die Hautkrankheit haben. Die Zuckerbestandteile aber offenbar schon, wenn man der neuen australischen Studien glaubt.

Quellen:
Tabula, Zeitschrift für Ernährung Nr. 3/2008
DIE ZEIT, 02.08.2007 Nr. 32
Neil Mann et al.;American Journal of Clinical Nutrition, 2007

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

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Naturschutz: Verbandsbeschwerderecht soll bleiben!

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Das Beschwerde-Recht der Umweltorganisationen ist in Gefahr. Am 30. November 2008 stimmt das Schweizer Volk über die Initiative der Zürcher FDP ab. Die Initiative will das Beschwerde-Recht faktisch abschaffen. Als “Heilpflanzen-Mensch” und Feldornithologe ZVS ist es mir ein Anliegen, dass diese meines Erachtens unnötige Zwängerei an der Urne wuchtig abgelehnt wird.

Darum braucht es ein Beschwerde-Recht für die Natur:

Ein Grundprinzip unserer Rechtsordnung ist, dass Behörden-Entscheide in Frage gestellt werden dürfen. So kann beispielsweise jeder Nachbar Beschwerde gegen Bauentscheide erheben, um deren Rechtmässigkeit überprüfen zu lassen. Wenn Natur- und Heimatschutzbestimmungen verletzt werden, kann sich die Natur aber nicht selber wehren. Deshalb haben ideelle Organisationen, welche sich nachweislich für den Naturschutz einsetzen und vom Bundesrat entsprechend anerkannt wurden, ein Beschwerde-Recht.
Das Beschwerde-Recht hat vor allem präventive Bedeutung: So werden Projekte von Anfang an möglichst umweltverträglich und gesetzeskonform geplant. Effektiv wird das Beschwerde-Recht nur selten benutzt – aber in über 70% der Fälle resultieren Verbesserungen für Natur und Heimat. Übrigens: 99 von 100 Beschwerden gegen Baugesuche werden von Privaten, nicht von Umweltorganisationen eingereicht – und überwiegend erfolglos!
Weil die Schweiz immer mehr überbaut wird, geraten Natur und Heimat immer mehr unter Druck. Klar, dass dies zu Nutzungskonflikten führt. Aber diese müssenmit einem korrekten Vollzug der demokratisch beschlossenen Gesetze gelöst werden.

Geht es nach dem Willen der Initiantinnen und Initianten, können Bauprojekte, die vom Volk an der Urne oder an der Gemeindeversammlung genehmigt wurden, nicht gerichtlich daraufhin überprüft werden, ob sie den Natur- und Heimatschutzbestimmungen entsprechen. Diese Bestimmungen wurden aber alle auf demokratische Weise vom Volk oder von seinen gewählten VertreterInnen in den Parlamenten beschlossen. Es ist unsinnig und rechtsstaatlich bedenklich, wenn ein Teil des Volkes übergeordnetes Recht, das vom ganzen Volk angenommen wurde, aushebeln kann. Eine Gemeindeversammlung hat nicht immer Recht. Sie muss sich an übergeordnetes, demokratisches Recht halten. Führende Staatsrechtler haben denn auch die Initiative mit deutlichen Worten kritisiert, weil sie den Rechtsstaat in Frage stellt.
Das Beschwerde-Recht für Natur und Heimat braucht
es heute mehr denn je!

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Naturheilkunde: Vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung

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Meiner Ansicht nach brauchen wir im Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde einen sorgfältigeren Umgang mit dem Begriff “Erfahrung”. Wie rasch kommt doch als Begründung für bestimmte Heilmethoden oder Heilmittel, dass es halt “Erfahrungen” seien, die dafür sprächen. Wilhelm Schmid zeigt im folgenden Zitat, wie komplex dieser Begriff der “Erfahrung” ist:

“Die Bereicherung des Erfahrungsschatzes hängt nicht etwa nur von der Vielzahl der Erfahrungen, sondern von deren Reflexion ab, um Erkenntnisse aus den gemachten Erfahrungen zu ziehen, vorschnelle Schlüsse aber zurückzuhalten. Die Reflexion erfordert eine Distanznahme zu dem, was dem Selbst widerfahren ist, um die Erfahrung, die gemacht worden ist, gleichsam von Aussen charakterisieren zu können als einzigartige oder aber anderen Erfahrungen ähnliche, als zufallsabhängige oder aber allgemeine Erfahrung, bedingt von Strukturen und eingebunden in bestimmte Zusammenhänge; was sich aus der Reflexion ergibt, ist als “Bestätigung, Korrektur oder Widerlegung” auf die Lebensführung zurückzubeziehen.
Der Reflexion förderlich ist der Erfahrungsaustausch mit Anderen; ohnehin erweisen sich wenige Sujets als so ergiebig für Gespräche wie das narrative Aufbereiten, das Vergleichen und Interpretieren von Erfahrungen. Zu deuten ist auch hier, ob die verschiedenen gemachten Erfahrungen dieselben oder ähnliche oder unterschiedliche sind, welche Gründe und Hintergründe sie haben könnten und welche Bedeutung ihnen zukommt. Kaum etwas verbindet Individuen so sehr wie gleiche oder ähnliche Erfahrungen, die der Selbstvergewisserung dienlich sind; kaum etwas hält sie nachhaltiger zueinander auf Distanz als die Unterschiedlichkeit von Erfahrungen, die verunsichernd wirkt und doch der wechselseitigen Bereicherung dienen könnte. Zur Annahme aber, dass es “authentische” Erfahrungen seien, die der eigenen Wissensproduktion Impulse verleihen, besteht kein Anlass: Erfahrungen sind in hohem Masse strukturell bedingt, und sie sind mithilfe von Vorstrukturierungen manipulierbar, sodass sie in dieser oder jener Form möglich oder unmöglich, wahrscheinlich oder unwahrscheinlich gemacht werden können. Die Art und Weise der Erfahrung und selbst ihrer Reflexion kann von Strukturen einer Kultur und von Gewohnheiten des Fühlens und Denkens vorgeprägt sein.”
(Wilhelm Schmid, Philosophie der Lebenskunst, Suhrkamp 2000, S. 301)

Es gibt nicht diese reine Erfahrung, die uns direkt zeigt, wie es wirklich ist. Jede Erfahrung wird durch Theorien schon vorstrukturiert (nach Karl Popper). Jede Erfahrung, mit der wir zu tun bekommen, ist schon eine interpretierte und vorgeprägte Erfahrung. Darum braucht es einen aufwendigen Prozess der Auseinandersetzung, bis wir aus “Erfahrungen” Erkenntnisse gewinnen können. Es braucht unter anderem die von Schmid beschriebene Distanzierung von den eigenen “Erfahrungen”, damit sie reflektiert, eingeordnet, bewertet und mit “Erfahrungen” anderer Menschen verglichen werden können. Es braucht den Austausch und die kritische Auseinandersetzung mit anderen Menschen auch über unsere Erfahrungen mit Heilpflanzen.
Beruft sich jemand zur Begründung für die Anwendung einer Heilmethode oder eines Heilmittels einfach auf “Erfahrung”, müsste daher sehr genau nachgefragt werden, wie sorgfältig und selbstkritisch sich diese Person mit ihren sogenannten Erfahrungen auseinandergesetzt hat.
Hier zeigt sich meines Erachtens der Unterschied zwischen professionellem Handeln und Dilettantismus.
In der Pflanzenheilkunde / Phytotherapie sind wir es den Patientinnen und Patienten schuldig, dass wir sorgfältig und selbstkritisch mit Erfahrungen umgehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Interessiert an Heilpflanzen? Entwickeln Sie Ihre eigene Kompetenz

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Grossmutter‘s Heilkräuter-Apotheke ist wieder aktuell. Heilpflanzen werden nicht nur in der breiten Bevölkerung vermehrt geschätzt und angewendet – sondern auch intensiv wissenschaftlich untersucht. Allerdings fällt es nicht leicht, sich im Dschungel der Meinungen, Behauptungen und Versprechungen zurecht zu finden. Am “Seminar für Integrative Phytotherapie” (SIP) in Winterthur werden zwei Lehrgänge angeboten, in denen interessierte Personen das Rüstzeug für eine eigene fundierte Meinung erwerben können.

Zahlreiche Heilpflanzen werden seit vielen Jahrhunderten genutzt. Doch wer blind auf Tradition vertraut, kann sich gewaltig täuschen. Auch Tradition kann sich irren und tut es nicht selten über Jahrhunderte. Ein möglicher Ausweg: Wir halten uns an das, was wissenschaftlich belegt ist. Aber halt: Auch wissenschaftliche Studien können sich widersprechen – und sie tun es oft. Auch werden vor allem Heilpflanzen erforscht, die kommerziell interessant sind, während unabhängige Forschung rar ist.
Was also tun angesichts dieser nicht gerade einfachen Ausgangslage?
Wir können uns resignierend aus diesem komplexen Terrain verabschieden – und uns Bereichen zuwenden, die (scheinbare) Gewissheiten in Aussicht stellen. Oder wir können es uns einfach machen, indem wir das glauben, was unseren Bedürfnissen am nächsten kommt, und was wir darum gerne glauben wollen.
Wir können jedoch auch lernen, uns mit komplexen Situationen auseinanderzusetzen und mit ihnen umzugehen. Denn wer präziser hinschaut erkennt: Die einfachen Gewissheiten sind eine Täuschung. Es ist die Wirklichkeit selbst, die in der Regel komplex ist – und dafür aber auch spannend.
Für die Heilpflanzenkunde bedeutet das: Wir müssen jedes Thema möglichst von allen Seiten unter die Lupe nehmen, kritische Fragen stellen und uns erst danach eine eigene Meinung bilden. Eine Meinung im übrigen, die immer vorläufig bleibt, weil neue Erkenntnisse zu anderen Schlüssen führen können.
Wer Lust hat, sich in diesem Sinne eigene Kompetenz zu erwerben, kann dies am “Seminar für Integrative Phytotherapie” (SIP). Für alle am Thema “Heilpflanzen” Interessierten werden hier Tagesseminare und Wochenendkurse angeboten und für vertieftes Wissen das “Heilpflanzen-Seminar”, ein Lehrgang über sechs Wochenenden. Besonders beliebt ist dieser Kurs bei Lehrpersonen und bei Berufsleuten aus Landwirtschaft und Gärtnerei, aber auch bei Eltern, welche Heilpflanzen kompetent und sicher im familiären Umfeld anwenden wollen.
Menschen aus medizinischen Grundberufen wie Krankenpflege, Medizin oder Heilpraktik können am SIP den Lehrgang in “Integrativer Phytotherapie” belegen. Im Rahmen von 15 mal 2 Tagen über einen Zeitraum von zirka 20 Monaten erwerben sie sich damit das nötige Wissen, um Heilpflanzen in ihrem beruflichen Bereich professionell einzusetzen. Weitere Informationen zum Angebot am SIP finden Sie auf www.phytotherapie-seminare.ch . Wer Heilpflanzen und Alpenblumen in der Natur kennen lernen will, findet dort auch ein vielfältiges Programm an Tages- oder Wochenendkursen. Im Sommerhalbjahr werden Heilpflanzen-Exkursionen in den Bergen angeboten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenheilkunde: Schwache Begründungen nicht einfach schlucken!

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Im vergangenen Sommer auf einer Heilpflanzen-Exkursion in den Bergen: Wir treffen auf Augentrost, eine hübsche Pflanze, die traditionell als Augenbad oder Umschlag bei leichteren Bindehautentzündungen eingesetzt wird. Eine teilnehmende Heilpraktikerin sagt mit grosser Überzeugung: “Augentrosttee trinken hilft bei Entzündungen aller Art!” – Ich stutze weil die innerliche Anwendung von Augentrost sehr unüblich ist und frage nach, wie sie zu dieser Aussage kommt. Wir sollten meines Erachtens wenn immer möglich ungewöhnliche Aussagen über Heilpflanzen nicht sofort reflexartig ablehnen, sondern nach den Hintergründen fragen. Die Dame erklärt also, dass sie dies so in ihrer Phytotherapie-Ausbildung gelernt habe. Mich überrascht das, weil dieser Anwendungsbereich des Augentrosts in der Phytotherapie nicht bekannt ist. Also frage ich nach, wie diese Aussage begründet wurde. Wenn wir wissen, wie jemand zu einer Überzeugung gekommen ist, können wir sie besser beurteilen und uns eine eigene Meinung bilden. Die Erklärung lautete folgendermassen: “Im Hitzesommer 2003 litten aussergewöhnlich viele Menschen an Entzündungen. Und genau in diesem Sommer wuchsen auch besonders viele Augentrostpflanzen.” – Das häufigere Auftreten des Augentrosts wurde also als Zeichen gedeutet dafür, dass er gegen die ebenfalls häufigeren Entzündungen helfen soll. Der Augentrost kommt zu uns, wenn wir ihn brauchen. Diese Begründung hat mich ziemlich erschüttert. Erstens leite ich seit 1986 jeden Sommer Heilpflanzen-Exkursionen in den Bergen und mir ist nicht aufgefallen, dass der Augentrost im Jahr 2003 überdurchschnittlich häufig zu sehen war. Auch mit den vermehrten Entzündungen im Sommer 2003 kann ich nicht so recht etwas anfangen.
Aber selbst wenn dieses gehäufte Auftreten von Augentrost und Entzündungen im Sommer 2003 tatsächlich stattgefunden hätte, bliebe der daraus konstruierte Zusammenhang immer noch höchst fragwürdig.
Wenn der Augentrost in einem bestimmten Jahr besonders häufig auftritt, dann kommt das meines Erachtens daher, weil die Bedingungen für seine Entwicklung besonders günstig waren. Es geht dabei um ihn selbst und nicht um uns und unsere Krankheiten.
Ich höre ähnliches immer wieder: Die Pflanzen, die zu mir in den Garten kommen, sind genau diejenigen, die ich auch brauche. Es gibt da offenbar eine geheime Verständigung zwischen Pflanze und Mensch. Sie kommt zu mir, weil sie mir helfen will. Ich halte diese Vorstellung für hoch anthropozentrisch. Der Mensch steht hier im Mittelpunkt der “Veranstaltung” Natur und die Heilpflanzen kümmern sich um ihn. Eine schöne Vorstellung, die unserem Narzissmus gehörig schmeichelt. Etwas mehr Demut gegenüber der Natur wäre angebracht.
Die Idee, dass ich genau diejenige Heilpflanze brauche, die zu mir in den Garten kommt, hat über die narzisstischen Streicheleinheiten hinaus aber noch einen weiteren grossen Vorteil: Es ist immer fraglos klar, welche Pflanzen ich gerade nötig habe. Es gibt keinen Zweifel und ich muss auch nicht darüber nachdenken und mich damit auseinandersetzen. Es zeigt sich ohne all diese Mühen.
In diesem Sinne haben wir es hier meines Erachtens nicht nur mit einer narzisstischen, sondern auch mit einer denkfaulen Haltung zu tun.
Weil ich solche Ansichten immer mal wieder höre, sagen sie meiner Meinung nach etwas aus über das erschreckend naive Argumentationsniveau in manchen Kreisen der Pflanzenheilkunde. Nur immer schön das Gehirn ausgeschaltet lassen. Das ist ja ein Körperteil, der nicht zur Ganzheitlichkeit gehört……
Wenn nun ein Mensch für sich selber solche Ansichten pflegt und sich danach richtet, ist das ja sein gutes Recht. Wenn aber dann auf diese Art Patientinnen und Patienten behandelt werden, scheint mir das höchst fahrlässig.
Schauen Sie also genau und kritisch hin, wenn Sie sich in diesem Terrain bewegen. Es kann nicht sein, dass Ansichten und Haltungen nur schon deswegen kritikimmun sind, weil sie als natürlich daher kommen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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