Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

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Viele Beeren enthalten hohe Konzentrationen an roten und blauen Farbstoffen, den so genannten Anthocyanen. Ihnen werden viele gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben. Regensburger Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass neben den schon bisher bekannten Schutzmechanismen die Anthocyane noch weitere Schutzfunktionen für Zellen übernehmen.

Mitarbeiter vom Lehrstuhl für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Regensburg berichten in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Pharmacological Research, dass die Farbstoffe gleichzeitig als Hemmstoffe von zwei Enzymen fungieren, die für den Gehirnstoffwechsel eine bedeutende Rolle spielen. In Untersuchungen an total 25 verschiedenen Beereninhaltsstoffen fanden sich mehrere Farbstoffe, die einen hemmenden Effekt auf die Monoaminooxidasen (MAO) A und B entfalteten.

MAO-Hemmstoffe gehören seit langem zu den bewährten Medikamenten in der Behandlung von Morbus Parkinson und von Depressionen. Zwar erreichten die Beerenwirkstoffe nicht die Wirkungsstärke von handelsüblichen Arzneimitteln, doch es sei vorstellbar, dass ihre Einnahme mit der Nahrung gesundheitliche Vorteile biete, meinen die Forscher. Die Enzyme MAO A und B wirken in den Mitochondrien, den Energiekraftwerken der Zelle. Ihre Hemmung führt zum verlangsamten Abbau verschiedener Neurotransmitter wie Noradrenalin, Dopamin und Serotonin sowie einiger Hormone wie zum Beispiel Adrenalin. Das bewirkt, dass im Gehirnstoffwechsel dann vermehrt Neurotransmitter zur Signalübertragung bereit stehen.

Ungeklärt ist zur Zeit noch, welche Menge Beeren täglich zu essen wären, um eine messbare Hemmung von MAO A und B in der Praxis herbeizuführen. Speziell reich an Anthocyanen sind Heidelbeeren und Holunderbeeren, welche davon je zwischen 600 und 1400mg pro 100g enthalten. Als weitere Nahrungsquellen mit hohem Anthocyananteil erwähnendwert sind blaue Weintrauben, Kirschen und Rotkohl bzw. Blaukraut.

Quelle:
Pressestelle Universität Regensburg / http://idw-online.de

Kommentar:
Reich an Anthocyanen ist auch Cassis (Schwarze Johannisbeere).
Natürlich handelt es sich hier nur um ein Laborexperiment und es wäre völlig überzogen, daraus schon auf konkrete Wirkungen von Anthocyanen aus der Nahrung auf Krankheitsprozesse wie Morbus Parkinson oder Depressionen zu schliessen.

Daran, dass anthocyanreiche Beeren wertvolle Nahrungsbestandteile sind, kann aber meines Erachtens kaum gezweifelt werden. Zubereitungen mit 25 – 35 % Anthocyanosiden aus Heidelbeeren werden innerlich eingesetzt bei krankhaft erhöhter Durchlässigkeit der Kapillaren, vor allem bei diabetischer Retinopathie, zur Verbesserung der Nachtsehleistung und zur Epithelregenerierung bei Magengeschwüren und Darmgeschwüren sowie äusserlich zur Förderung der Vernarbung von Wunden.
An diesem Beispiel zeigt sich wieder einmal, dass die Übergänge zwischen Nahrungspflanzen und Heilpflanzen oft fliessend sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Komplementärmedizin-Abstimmung: Kritische Anmerkungen zur Anthroposophischen Medizin

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In einem Blog-Text habe ich vor ein paar Tagen in Frage gestellt, ob “Anthroposophische Medizin” staatlich gefördert werden soll, wie die Befürworter der Vorlage vom 17. Mai es verlangen. Dies auf dem Hintergrund von anthroposophischen Karma-Theorien, wonach Krankheit und Behinderung durch moralisches Versagen in früheren Leben bewirkt werden, und von anthroposophischen Wurzelrassentheorien, wonach die Arier an der Spitze der Menschheitsentwicklung stehen.
Beide Konzepte halte ich für hoch problematisch.

Den Ursprungs-Blogbeitrag finden Sie hier:

http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/2009/04/03/volksabstimmung-zur-foerderung-der-komplementaermedizin-ja-oder-nein.html

Auf diesen Beitrag habe ich einen Kommentar bekommen von Christopher Wichert, für den ich mich bedanke. Ich gebe diesen Kommentar hier wieder und werde daran anschliessend ausführlich antworten, weil ich das Thema für wichtig erachte:

“Hallo,
vielleicht darf ich einiges korrigierend hinzufügen. Steiners Karma Ausführungen haben in der Medizinischen Praxis überhaupt nichts zu suchen und zwar schon aus „rein anthroposophischen“ Gründen. Nach Steiner sind Karmaverhältnisse jeweils im Einzelfall zu erforschen eine Ableitung aus Generalisierungen ist methodisch unzulässig. Das würde für Ihr Beispiel Lungenentzündung bedeuten: Seinen Untersuchungen hat sich ergeben, dass Lungenentzündung meist die und die karmischen Ursachen hat. Es ist aber nicht zulässig zu schließen, hier liegt eine Lungenentzündung vor, also….
Zweitens und wohl noch wichtiger: für jede Krankheit soll die Heilung gessucht werden, wie auch immer die karmischen Ursachen sein mögen. Karmische Gesichtspunkte dürfen den Heil-willen in keiner Weise beeinflussen.
Zur Rassen Frage: könnten Sie die Beiträge von Lorenzo Ravagli zur Kenntnis nehmen. Zumindest wird da deutlich, dass Steiner klarer und entschiedener als die meisten seiner Zeitgenossen abgelehnt hat, Menschen aufgrund ihrer „Rassezugehörigkeit“ zu beurteilen oder gar zu bewerten.

Herzliche Grüße
C.Wichert”

Sehr geehrter Herr Wichert

Ich bin mir Ihren Aussagen nicht einverstanden und werde unter Punkt 1 antworten auf
die Aussage, dass Steiner‘s Karma-Aussagen in der Medizinischen Praxis nichts zu suchen haben.

Unter Punkt 2 folgt dann weiter unten die Antwort auf Ihre Aussage, dass Rudolf Steiner es abgelehnt habe, Menschen aufgrund ihrer “Rassenzugehörigkeit” zu beurteilen oder gar zu bewerten.

Punkt 1: Karmavorstellungen als Ursache für Behinderung und Krankheit sind für Anthroposophie und Anthroposophische Medizin zentral.

Der lupenreine Anthroposoph Adolf Baumann nennt die Karmaidee in seinem “ABC der Anthroposophie” gar das Herzstück der anthroposophischen Weltanschauung (Bern 1986).

Michaela Glöckner, die langjährige Leiterin der Medizinischen Sektion am Goetheanum schreibt im von ihr herausgegebenen Buch “Anthroposophische Medizin” (Verlag Freies Geistesleben, 1993, S. 27/28):

“Rudolf Steiners bedeutendste Leistung war es, zu der blossen Annahme von wiederholten Erdenleben, wie sie von vielen Menschen geteilt wird (z. B. Goethe, Lessing, Friedrich der Grosse, Stefan Zweig, Wilhelm Busch), mit Hilfe seiner Geistesforschung zu einer umfassenden Darstellung der Gesetzmässigkeit zu kommen, nach denen sich die wiederholten Erdenleben vollziehen.
Erst die Kenntnis dieser Gesetzmässigkeiten macht ein vollbewusstes Mitarbeiten am Krankheitsschicksal möglich.”

Deutlicher könnte man die Bedeutung des Karmas in der “Anthroposophischen Medizin” meines Erachtens kaum ausdrücken – auch für die Gegenwart.

Michaela Glöckler schreibt nicht nur immer wieder zu diesem Thema. Sie hält auch Vorträge wie beispielsweise am 03.02.2005:
“Krankheit und Schicksal. Zur Aktualität des Karma-Gedankens in der heutigen Medizin” (Quelle: Schweiz. Zschr. GanzheitsMedizin Jg.16, Heft 7/8, November 2004).

Und Glöckler ist nicht irgendwer, sondern mit ihrer Stellung am Goetheanum die zentrale Figur in der Anthroposophischen Medizin.

In Ausbildungen und Weiterbildungen für anthroposophische Ärzte und Ärztinnen taucht das Thema Karma & Krankheit regelmässig auf – oft ausdrücklich mit Bezug auf Band 120 der Gesamtausgabe, in dem Steiner ausführlich über dieses Thema spricht.

Bei Steiner taucht Karma als Verursacher von Krankheit und Behinderung immer wieder auf.
Beispielsweise im Buch “Die Offenbarungen des Karma” (Gesamtausgabe Bd. 120), Vortrag vom 18. Mai 1910: Krankheit und Gesundheit in Beziehung zu Karma; Vortrag 19. Mai 1910: Heilung und Unheilbarkeit von Krankheiten in Beziehung zu Karma; Vortrag 20. Mai 1910: Natürliche und zufällige Erkrankungen in Beziehung zu Karma.

Eine Hauptursache von Krankheit und Behinderung sieht Steiner darin, dass der entsprechende Mensch zu locker oder zu stark inkarniert ist. Hier hat eine wahrhaft anthroposophische Therapie anzusetzen.

Kommt man mit Anthroposophischer Medizin in Kontakt, kommt das Thema Arbeit am Karma allerdings oft gar nicht oder dann eher in einer späteren Phase auf den Tisch. Steiner sah seine Lehre als Geheimwissenschaft. Er betonte, dass gewisse Teile der “Geheimkunde” auch heute nur solchen mitgeteilt werden können, die sich den Prinzipien der Einweihung unterwerfen. Das Thema “Karma” würde wohl auch einige Leute erschrecken, die nur auf der Suche nach einer natürlichen und “ganzheitlichen” Therapie sind, aber ohne spezielles Interesse am anthroposophischen Weltbild.

In ihrem Buch “Begabung und Behinderung” (Verlag Freies Geistesleben, 2004) schreibt Michaela Glöckler:

“Entsprechend prägt sich im heutigen physischen Leib ab, was als Ätherleib im vorigen Erdenleben erlebt hat und in diesem wiederum, was den Astralleib im vorigen Leben bewegte. Angesichts dieser Gesetzmässigkeit, dass im nächst niederen Wesensglied die Arbeitsergebnisse des nächsthöheren aufgenommen und ins unbewusste Körperleben integriert werden, wird auch verständlich, warum es nur begrenzt sinnvoll ist, die Ursachen für Krankheiten und Behinderungen in diesem einen Erdenleben beziehungsweise allein in Konstitution, Vererbung und Umwelt zu suchen. Ihren wirklichen Grund haben sie in längst vergangenen Erdenleben, ja, was den physischen Leib betrifft, reichen sie in das vierte vorige Leben zurück.”
(S. 49/50, Schrägsetzung im Original)

Und auf Seite 71:

“Neid, auch maskierter Neid, der sich im Hang zu kritisieren darlebt” bewirkt im “späteren Leben seelische Schwäche, Unselbständigkeit und die Neigung, sich immer häufiger rat bei anderen zu suchen; konstitutionelle Schwäche im nächsten Leben.”

“Neigung zur Lügenhaftigkeit bewirkt im späteren Leben, dass man anderen Menschen nicht mehr unmittelbar in die Augen schauen kann. Im nächsten Leben hat man es schwerer, zu seiner Umgebung in ein gutes Verhältnis zu kommen. Man leidet darunter, nicht verstanden zu werden…Disposition, dass die Organfunktionen weniger aufeinander angestimmt sind.”

Seite 74:

“Kein Interesse an den Himmelsvorgängen, insbesondere an den Sternen” bewirkt nach Wiedergeburt “Bindegewebeschwäche, schlaffer Körperbau”.

“Kein Interesse an Musik” führt in einem nächsten Leben zu “Asthma, Neigung zu Lungenkrankheiten”.

Seite 76:

“Egoistischer Erwerbssinn” bewirkt “Disposition zu Infektionskrankheiten im nächsten Leben”. Nun weiss ich endlich, weshalb es in Afrika so viele AIDS-Kranke gibt. Nicht etwa wegen dem Kondom-Verbot des Papstes – nein! Das waren in ihrem vorherigen Leben alles Egoisten!

Seite 77:

“Gewohnheitsmässiges egoistisches Handeln disponiert im nächsten Leben zu frühem Altern” – Wie schön, diese ausgleichende Gerechtigkeit im Kosmos. Darum geht es wohl in der Anthroposophie: Allen Verhältnissen und Geschehnissen einen von Steiner vorgekauten Sinn zu geben – egal wie ungerecht oder zufällig sie sein mögen.

Das halte ich politisch für hoch fragwürdig und diskriminierend für Behinderte und Kranke. Dieses Krankheitsverständnis soll meiner Ansicht nach nicht vom Staat gefördert werden, wie es die Befürworter der Vorlage vom 17. Mai erwarten.

In einem Artikel zur Infektionskrankheit Sars schreibt Michaela Glöckler:

“Was hier für den Zusammenhang von Gesundheit und Krankheit in ein und demselben Erdenleben erforscht worden ist, gilt
gemäß den Gesetzmäßigkeiten von Reinkarnation und Karma auch von einem Leben zum nächsten beziehungsweise
übernächsten (siehe Kasten mit Zitat von Rudolf Steiner).”
(in: Das Goetheanum 20/2003)

Im Steiner-Zitat, auf das Glöckler verweist, heisst es dann:
(überspringen Sie das Zitat, wenn Steiner Sie langweilt)

“…. Was Sie in diesem Leben wiederholt erleben, das
kommt in Ihrem folgenden Leben als Grundcharakter. Ein melancholisches Tempera-
ment kommt daher, daß der Mensch im vorigen Leben viele traurige Eindrücke gehabt
hat, die ihn immer wieder in eine traurige Stimmung versetzt haben; dadurch hat eben der
nächste Ätherleib eine Neigung für eine traurige Stimmung. Umgekehrt ist es bei denen,
die allem im Leben eine gute Seite abgewinnen, die dadurch in ihrem Astralleib Lust und
Freude, frohe Erhebung erzeugt haben; das gibt im nächsten Leben eine bleibende Cha-
raktereigenschaft des Ätherleibes und bewirkt ein heiteres Temperament. Wenn der
Mensch aber, trotzdem ihn das Leben in eine harte Schule nimmt, all das Traurige kraft-
voll überwindet, dann wird im nächsten Leben sein Ätherleib geboren mit einem choleri-
schen Temperament. Man kann also, wenn man all das weiß, geradezu sich seinen Äther-
leib für das nächste Leben vorbereiten. Diejenigen Eigenschaften nun, die der Ätherleib in
dem einen Leben hat, die erscheinen im nächsten Leben im physischen Leib. Wenn also
jemand schlechte Gewohnheiten und Charaktereigenschaften hat und nichts dagegen tut,
sie sich abzugewöhnen, tritt das im nächsten Leben als eine Disposition des physischen
Leibes auf, und das ist tatsächlich die Disposition zu Krankheiten. So sonderbar sich das
auch für Sie anhören mag, aber diese Disposition für bestimmte Krankheiten, und beson-
ders für Infektionskrankheiten, rührt tatsächlich her von schlechten Gewohnheiten im
vorhergehenden Leben.»
(Hervorhebung von mir, M.K.)
Aus: Rudolf Steiner: Menschheitsentwicklung und Christus-Erkenntnis (GA 100), Vortrag vom 22. Juni 1907.

Ergänzend noch ein paar Zitate von Rudolf Steiner zu diesem Thema – weil es eigentlich nur Rudolf Steiner ist, der in der Anthroposopischen Medizin etwas zu sagen hat.

Wen die Steiner-Zitate langweilen, der oder die kann auch direkt zum Punkt 2 springen, aber erhellend sind die Zitate des „Menschheitsführers“ schon.

“Und da zeigt die Geisteswissenschaft, dass ein flatterhaftes Leben, das keine Hingabe und keine Liebe kennt, dass ein oberflächliches Leben in der einen Verkörperung sich ausdrückt in dem Hang zur Lügenhaftigkeit in der nächsten Verkörperung; und der Hang zur Lügenhaftigkeit zeigt sich in der zweitnächsten Inkarnation in den unrichtig gebauten Organen. – So können wir drei aufeinanderfolgende Inkarnationen in ihren Wirkungen karmisch verfolgen: Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit in der ersten Inkarnation, Hang zur Lügenhaftigkeit in der zweiten und physische Krankheitsdisposition in der dritten Inkarnation.”
(GA Bd 120, Seite 74, Vortrag “Krankheit und Gesundheit in Beziehung zu Karma”)

Tja, das wäre dann so etwas wie eine anthroposophische Theorie zur Entstehung körperlicher Behinderung – das mit den unrichtig gebauten Organen aufgrund von Flatterhaftigkeit und Lügenhaftigkeit?

“Nehmen wir zum Beispiel eine solche Krankheit wie die Lungenentzündung. Sie ist eine Wirkung in der karmischen Folge, welche dadurch entsteht, dass der Betreffende während seiner Kamalokazeit zurückblicken kann auf einen Charakter, der in sich hatte Hang und Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen, der in sich hatte sozusagen ein Bedürfnis, sinnlich zu leben……Denn gerade in der Überwindung der Lungenentzündung, in der Selbstheilung, welche dabei vom Menschen angestrebt wird, wirkt die menschliche Individualität entgegen luziferischen Mächten, führt einen förmlichen Krieg gerade gegen die luziferischen Mächte. Daher ist in der überwindung der Lungenentzündung eine Gelegenheit, dasjenige abzulegen, was ein Charaktermangel in einer vorherigen Inkarnation war. So sehen wir förmlich wirken in der Lungenentzündung den Kampf des Menschen gegen die luziferischen Mächte.”
(GA 120, S. 87, Vortrag von Rudolf Steiner “Heilung und Unheilbarkeit von Krankheiten in Beziehung zu Karma”)

Was lernen wir daraus?
1. Pass auf, wenn du das Bedürfnis sinnlich zu leben hast. Kann zu Lungenentzündung führen. Allerdings erst im übernächsten Leben…
2. Typisch anthroposophisch: Es geht immer irgendwie um Engel und Dämonen, Luzifer und Ahriman…der ewige Kampf zwischen hellen und dunklen Mächten, manichäisch eben.

Ergiebig bezüglich Karma und Behinderung ist der Band „Lebensfragen im Lichte von Reinkarnation und Karma“ (GA 125). Lydie und Andreas Baumann-Bay, zwei ausgestiegene Anthroposophen, schreiben dazu in ihrem Buch „Achtung Anthroposophie – ein kritischer Insider-Bericht“ (Zürich 2000):

„Wer als Jugendlicher neidisch war, wird im Alter (also noch in der gleichen Inkarnation) mit Unselbständigkeit gestraft, und in der nächsten Verkörperung als schwächliches Kind geboren. Aber demit noch nicht genug! Weil die Schicksalsmächte nichts dem Zufall überlassen, wird dieses Kind nicht einfach irgendwann und irgendwo geboren, sondern ausgerechnet bei den Menschen, die es im Vorigen Leben beneidet hat. Steiner wörtlich: ‚So werden wir unter diejenigen Menschen hineingeboren, die wir beneidet haben, oder die wir getadelt haben‘ (S. 197)
Wenn also meine Nachbarin auf mich oder mein neues Auto neidisch ist, so geht sie das Risiko ein, im nächsten Leben mein Kind zu werden. Und damit sie auch recht abhängig von mir wird, wird sie mit einer schwächlichen Konstitution ausgestattet.
Schlimmer noch ergeht es einem lügenhaften Menschen. Er wird nach Steiner im Alter zunächst scheu und im folgenden Leben als geistig Behinderter geboren: ‚Da tritt das Kind nicht nur schwach auf, sondern so, dass es überhaupt kein rechtes Verhältnis zu seiner Umgebung gewinnen kann, dass es schwachsinnig ist.‘ (S. 197) Wenn also mein Ehepartner mich ständig belügt, läuft er Gefahr, im nächsten Leben mein schwachsinniges Kind zu werden.“

Soviel zum Thema: Lügen als Grund für geistige Behinderung:
Was meinen Behindertenverbände dazu, dass eine solche Weltanschauung nun an Universitäten und in der Weiterbildung von Aerzten und Aerztinnen geleht werden soll?

Und zu Schluss nochmals:

“Denn es ist schon interessant, zu sehen, dass moralische Defekte, die mit dem Karma zusammenhängen, dass diese so starke Kräfte sind, wo karmische Immoralität ist, dass sie unweigerlich in Deformationen des physischen Organismus auftreten.” (GA 317, Heilpädagogischer Kurs, S. 57)

Wieder ein Beitrag zur anthroposophischen Theorie der Entstehung von körperlicher Behinderung?

Ich kann mich nur wiederholen: Ich finde, dass solch fragwürdige Fantasien staatlicherseits nicht unterstützt werden sollten.

Punkt 2: Abwertende Aussagen von Rudolf Steiner
Nun noch zu Ihrer Aussage, Herr Wichert, dass Steiner es abgelehnt habe, Menschen aufgrund ihrer “Rassenzugehörigkeit” zu beurteilen oder gar zu bewerten.

Im Vortrag vom 22. Nov. 1907 (GA 100, S. 240 / 241) ist die Rede von den Europäern. Sie “sind hinaufgestiegen zu einer höheren Kulturstufe, während die Indianer stehengeblieben und dadurch in Dekadenz gekommen sind”. Dazu gibt es eine Zeichnung: Eine aufsteigende Linie beschriftet mit “Entwickelung der Menschheit”, die an der Spitze zu den Europäern führt. Dazu zwei seitlich-waagrechte Abzweigungen, eine Beschriftet mit “Affengeschlecht, dekadente Abzweigung” und (weiter oben) “Indianer, dekadente Abzweigung”. Steiner erklärt dazu: “Die Seitenzweige, die nicht mehr in die Verhältnisse hineinpassen, werden dekadent. Wir haben also einen geraden Entwickelungsstamm und abgehende Seitenzweige, die verfallen (siehe Zeichnung).”

Die Originalzeichnung (Tafelbild)  können Sie hier sehen (aus GA 100, Vortrag 22. Nov. 1907, S. 240 / 241:

http://rudolf-steiner.blogspot.com/2008/09/augen-zu-und-drucken.html

Keine Beurteilung, keine Abwertung mit dem Begriff “Dekadente Abzweigung” für Indianer??

Im selben Vortrag Seite 243 eine Zeichnung mit aufsteigender Entwicklungslinie, angeschrieben mit Mensch, an der Spitze mit Arier. Auf hier zahlreiche Abzweigungen von der Entwicklung zum Arier, zum Beispiel Fische, Reptilien Säugetiere, Affen, Indianer.
Dazu passend in GA 11, S. 32 / 33: Nach Steiner “obliegt es in der Gegenwart den Ariern, die Denkkraft und das, was zu ihr gehört, zu entwickeln.”
“Nicht etwa deshalb, weil es den Europäern gefallen hat, ist die indianische Bevölkerung ausgestorben, sondern weil die indianische Bevölkerung die Kräfte erwerben musste, die sie zum Aussterben führten.” (Rudolf Steiner, GA 121, S. 79)

Die Ausrottung der Indianer wird hier als karmische Notwendigkeit dargestellt – eine glatte Leugnung europäischer Ausrottungspolitik. Aber auch hier: Karmisch ist offenbar alles in Ordnung. Wie schön.

“ Die Menschen würden ja, wenn die Blauäugigen und Blondhaarigen aussterben, immer dümmer werden, wenn sie nicht zu einer Art Gescheitheit kommen würde, die unabhängig ist von der Blondheit. Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit. Geradeso wie sie wenig in das Auge hineinschicken, so bleiben sie im Gehirn mit ihren Nahrungssäften, geben ihrem Gehirn die Gescheitheit. Die Braunhaarigen und Braunäugigen, und die Schwarzhaarigen und Schwarzäugigen, die treiben das, was die Blonden ins Gehirn treiben, in die Augen und Haare hinein Daher werden sie Materialisten, gehen nur auf dasjenige, was man sehen kann,….”
(GA 348, S. 98 / 99 Vortrag 13. 12. 1922)

Diese auf den ersten Blick nur absurden Sätze bekommen eine erschreckende Dimension, wenn man weiß, daß zur gleichen Zeit ein gewisser Lanz von Liebenfels, ein geistiger Wegbereiter Hitlers, ganze Bücher mit seinen Fantasien von der Herrschaft der Blondhaarigen und Blauäugigen füllte. Fantasien, die in den 30er Jahren grausame Wirklichkeit werden sollten. Lanz von Liebefels und Rudolf Steiner holten sich ihre Rassenvorstellungen aus der Theosophie. Hitler und seine engsten Mitstreiter schöpften die ihren letztlich aus den selben Quellen.

Ich kann Ihnen gerne noch weitere Aussagen von Rudolf Steiner liefern mit ausgesprochen abwertenden Aussagen gegenüber Chinesen, Japanern (die so dumm sind, dass sie ein Schiff, das von Europäern konstruiert wurde, nur im Kreis herum steuern können, GA 354, S. 85/86/87) , Slawen (die sich weigern, von den Germanen zu lernen, GA 174b, S. 42)……
Oder die Negern. Lesen Sie doch mal den ganzen Vortrag vom 3. März 1923 (GA 349). Da können Sie erfahren, dass die Neger Egoisten sind, weil sie eine schwarze Haut haben und darum alle Wärme zurückhalten, dafür kochen sie dann innerlich und besitzen ein starkes Triebleben und Instinktleben.

Sehen Sie da keine Beurteilung und Bewertung, Herr Wichert?
Solche Zitate entspringen im übrigen nicht einfach irgendwelchen Launen des Meisters, sondern seiner Wurzelrassenlehre, bei welcher die Arier an der Spitze der geistigen Entwicklung stehen.

Gutes Material zu diesem Thema gibt es auch bei der “Aktion Kinder des Holocausts”:
http://www.akdh.ch/archiv.html#anthroposophie

Ich stelle die Frage, ob ein “Seher”, der derart absurde Behauptungen aufgestellt hat, glaubwürdig ist in seinen medizinischen Aussagen.

Die Anthroposophische Medizin basiert ja fast ausschliesslich auf seinen Erkenntnissen aus höheren, übersinnlichen Welten (Akasha-Chronik).Wenn der Mann aber dort tatsächlich auch die Indianer als dekadente Abzweigung in der Entwicklung der Menschheit (und viel ähnlichen Bullshit) gehen hat, scheinen mir seine medizinischen “Erkenntnisse” auch nicht sehr überzeugend.

Weitere Beiträge:

Kritische Fragen zur Förderung der Anthroposophischen Medizin

Anthroposophische Pflege – offene Fragen

Freundliche Grüsse

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Falschaussage von Simonetta Sommaruga zur Komplementärmedizin-Abstimmung

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Ich selber habe mich – als Naturheilkundler – noch nicht entschieden, ob ich am 17. Mai Ja oder Nein stimmen soll und verfolge die Äusserungen zu diesem Thema mit grossem Interesse.

Ständerätin Simonetta Sommaruga (SP, BE) hat in der Tagesschau vom 9. April, 19.30 nun aber eine Aussage gemacht, die so irreführend und falsch ist, dass sie meiner Meinung nach nicht einfach so im Raum stehen gelassen werden sollte. Darum hier ein paar Fragen an Simonetta Sommaruga:

Sehr geehrte Frau Sommaruga

Ich schätze Ihre Politik in der Regel, gerade weil sie nicht so von einseitigem Lagerdenken geprägt ist, sondern differenziert argumentiert.
Im Bereich der Komplementärmedizin vermisse ich aber in Ihren Äusserungen dieses differenzierte Denken vollständig.

In der Tagesschau SF1 vom 9. April 2009, 19.30 Uhr, sagten Sie:

“Wenn Bundesrat Couchepin aber die Zulassungsverfahren korrekt anwendet und umsetzt und unvoreingenommen prüft, dann gehe ich heute davon aus, dass die fünf Methoden wieder in die Grundversicherung zugelassen werden, weil sie nämlich wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sind, das haben alle wissenschaftlichen Studien gezeigt.”

Die Aussage, dass alle wissenschaftlichen Studien zeigen, dass die fünf Methoden (gemeint: Homöopathie, Anthroposophische Medizin, TCM, Phytotherapie, Neuraltherapie) wirksam sind, ist einfach nicht wahr.

Oder wie verwenden Sie den Begriff “wirksam sein” im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Studien?

1. Der Patient oder die Patientin findet, dass es ihm / ihr besser geht?
Dann müssten Sie konsequenterweise auch Scientology und Uriella als Heilmethode über die Grundversicherung zulassen. Sehr viele Patientinnen und Patienten sind dort begeistert von den “Erfolgen”. Und ich mag es zwar jedem Menschen gönnen, wenn es ihm besser geht – Mit Wissenschaft hat da aber noch kaum etwas zu tun.

2. Oder heisst “wissenschaftlich wirksam” für Sie, der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin sind von der Wirkung überzeugt?
Das wäre meines Erachtens sehr “arztgläubig” und naiv.

3. Oder verstehen Sie unter “wirksam sein”, dass auch unterschieden wird zwischen der Methode oder dem Heilmittel als solchem und den in allen Fällen mitwirkenden Faktoren wie Placebo-Effekt, natürliche Selbstheilungsprozesse und natürliche Auf- und Abs bei chronischen Verläufen. Das wäre dann ja etwa das, was Wissenschaft unter anderem mit Studien mehr oder weniger erfolgreich versucht zu unterscheiden.

Wenn mit der Aussage, dass alle wissenschaftlichen Studien die Wirksamkeit zeigen Punkt 1 und/oder 2 meinen, dann ist höchst fraglich, ob man von “wissenschaftlich” reden kann.

Wenn Sie Punkt 3 meinen, dann ist Ihre Aussage krass falsch.

Es stimmt einfach nicht, dass alle wissenschaftlichen Studien für alle fünf Methoden die Wirksamkeit belegen.
Es gibt diesbezüglich Differenzen, Widersprüche, grosse Unterschiede….

Wer nicht einfach aus einem komplementärmedizinischen Lagerdenken auf das Feindbild Schulmedizin starrt, sieht meines Erachtens, dass beispielsweise die Studienlage im Bereich “Homöopathie” und “Anthroposophische Medizin” desolat ist.
Hier nur zwei Links dazu (es gäbe Dutzende):

http://www.evimed.ch/AGORA/HTZ000/downloads/asthmahomoeopathie.pdf
Diese Studie berücksichtigt auch die homöopathischen Regeln der individuellen Arzneimittelfindung und damit einen der häufigsten Einwände der Homöopathie-“Szene” gegen die Überprüfung mit Studien.

Was halten Sie, Frau Sommaruga, von dieser Studie?

Halten Sie trotzdem fest an Ihrer Aussage, dass alle wissenschaftlichen Studien die Wirksamkeit der Komplementärmedizin zeigen?
Dann wäre diese Studie also einfach für Sie keine Wissenschaft? Mit welcher Begründung?

http://www.bernerzeitung.ch/schweiz/standard/Homoeopathie-ist-eine-widerlegte-Methode/story/16361064

Die Reaktionen auf diesen Artikel in der Öffentlichkeit sind übrigens sehr typisch. Jeder, der irgendwo eine kritische Anmerkung macht im Bereich der Komplementärmedizin, muss sich die Unterstellung anhören, er sei von der Pharmaindustrie gekauft (das kenne ich selber zur Genüge). So laufen halt die Feindbilder. Und so muss man sich auch nicht mit den Argumenten auseinandersetzen.

Halten Sie entgegen den Arbeiten von Professor Ernst an Ihrer Aussage fest, dass alle wissenschaftlichen Studien die Wirksamkeit der Komplementärmedizin zeigen?
Mit welcher Begründung?

Ich selber bin nicht der Meinung, dass Studien immer das letztgültige Mass sein sollten.

In meinem eigenen Fachgebiet – der Phytotherapie – sind nur etwa ein Dutzend Heilpflanzen aus wissenschaftlicher Sicht ausreichend fundiert. Das mindert den Wert für mich keineswegs.

Ich bin aber strikt dagegen, offene Fragen, Widersprüche und Defizite in der Komplementärmedizin auszublenden, nur weil “Komplementärmedizin” eine sympathische Sache ist. Diese Scheuklappen sehe ich bisher bei fast allen Befürworterinnen und Befürworter der Vorlage vom 17. Mai. Hauptsache mehr Komplementärmedizin!

Das erschwert es mir sehr, mich für ein “JA” zu entscheiden.

In über 25 Jahren Lehrtätigkeit im Terrain Naturheilkunde / Kompelmentärmedizin habe ich nämlich auch zur Genüge mitbekommen, wie verbreitet hier Allmachtsdenken, gefährliche Selbstüberschätzung und sektiererische Tendenzen sind – und wie massiv die Probleme bezüglich Qualitätssicherung.

So pauschale, absolute und irreführende Aussagen wie die Ihre in der Tagesschau verhindern genau die konstruktive Zusammenarbeit zwischen “Schulmedizin” und Komplementärmedizin, die mir am Herzen liegt. So werden gegenseitige Feindbilder gefestigt, statt aufgeweicht.

Und noch eine letzte Frage:

Falls Studien nicht zur Unterscheidung von Wirksamkeit und Unwirksamkeit herangezogen werden sollen: Welche Kriterien dann?
Oder geben Sie diese Unterscheidung ganz auf? Dann sind wir aber wieder bei Scientology und Uriella.

Freundliche Grüsse

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Komplementärmedizin-Abstimmung: Beda Stadler blogt….

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Der Berner Immunologe Beda Stadler blogt neu auf www.nzz.ch zur Abstimmung über den Verfassungsartikel betreffend Förderung der Komplementärmedizin am 17. Mai 2009.

Das finde ich grundsätzlich begrüssenswert, existiert doch eine fundierte Auseinandersetzung über dieses wichtige Thema bisher kaum.

Allerdings kommen die Beiträge von Beda Stadler, wie ich sie bisher kenne, hauptsächlich krass polemisch, aber dafür sehr faktenarm bis faktenfrei daher.

Ein Schuss Polemik mag gewiss manchmal wie Salz & Pfeffer in der Suppe wirken.
Aber von Beda Stadler, der für sich eine rationalistische Position in Anspruch nimmt, erwarte ich vor allem präzise, fundierte Argumente. Den ersten Stadler-Beitrag im NZZ-Blog vom 14. April würde ich in die Kategorie fakten- und argumentefrei einordnen.

Aber wer weiss – da gibt es ja vielleicht noch Steigerungspotenzial.

Beda Stadler als reiner Polemiker – das wäre übrigens ist das Beste, was den VertreterInnen von Homöopathie und Anthroposophie passieren kann: Ein lupenreines Feindbild, welches das eigene Lager schön zusammenhält und dann auch motivieren wird, an die Urne zu gehen.

So werden doch die alten Gräben zwischen AnhängerInnen von Komplementärmedizin und “Schulmedizin” schön gepflegt und befestigt, bewährte Feindbilder restauriert und konserviert. So bleibt immer gewährleistet, dass keine Seite auf die Idee kommt, dass sie von der anderen vielleicht sogar etwas lernen könnte…..

Auf dieser Ebene möchte ich eine solche Auseinandersetzung lieber nicht führen.
Ich warte aber gespannt auf präzise Argumente in verständlicher Form.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Komplementämedizin-Abstimmung: Fragen an Ständerat Büttiker

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Ständerat Rolf Büttiker gibt auf
http://bazonline.ch/schweiz/standard/Natuerlich-nuetzt-Homoeopathie/story/23650760

ein Interview zur Abstimmung über den Verfassungsartikel zur Förderung der Komplementärmedizin vom 17. Mai 2009.

Da meines Erachtens bisher jede seriöse Auseinandersetzung mit dieser Vorlage fehlt, hier ein paar Fragen an Rolf Büttiker:

Sehr geehrter Herr Büttiker

Es ist immer schön und gut, für mehr Komplementärmedizin zu plädieren. Aber entscheidende Fragen, werden meines Erachtens auch in diesem Interview weder gestellt noch beantwortet.

Beispiel:

Frage der Journalistin: Es ist umstritten, ob die Komplementärmedizin überhaupt wirkt. Muss die Allgemeinheit zahlen, was gar nichts nützt? ?
Antwort von Rolf Büttiker: “Natürlich nützt sie. Komplementärmedizin ist wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich – wie es das Gesetz verlangt.”

Pauschaler geht es meiner Ansicht nicht mehr. Man kann doch nicht undifferenziert und allumfassend sagen, dass Komplementärmedizin (jede?) wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich ist.

Bestimmte Methoden oder Heilmittel der Komplementärmedizin sind bei gewissen Krankheiten wirksam, zweckmässig und/oder wirtschaftlich.

Bestimmte Methoden oder Heilmittel der Komplementärmedizin sind bei gewissen Krankheiten unwirksam, unzweckmässig und/oder unwirtschaftlich.

Genau wie bestimmte Methoden oder Heilmittel der “Schulmedizin” bei gewissen Krankheiten wirksam, zweckmässig und/oder wirtschaftlich sind.

Und bestimmte Methoden oder Heilmittel der “Schulmedizin” bei gewissen Krankheiten unwirksam, unzweckmässig und/oder unwirtschaftlich sind.

Allerdings gibt es in der “Schulmedizin” Kriterien, nach denen bespielsweise die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit beurteilt werden kann. Kriterien die (zumindestens potentiell) transparent sind, wenn auch nicht fehlerfrei.

Die entscheidende Frage ist nun: Wenn Sie, Herr Büttiker, wissenschaftliche Kriterien wie Studien für die Komplementärmedizin nicht anwenden wollen, welche Kriterien verwenden Sie dann?

Auf diese Frage hätte ich gerne eine konkrete Antwort, bevor ich mich für ein Nein oder Ja am 17. Mai entscheide.

Bestimmt einfach jede Komplementärmethode für sich selber, was wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich ist?
Nach welchen Kriterien genau?

Reichen ein paar begeisterte Berichte von Patientinnen und Patienten? Wird bei der Bewertung solcher Berichte unterschieden zwischen Placebo-Effekt, natürlicher Selbstheilung und natürlichem Auf- und Ab- im Krankheitsverlauf chronischer Beschwerden (wie es die “Schulmedizin” mit Studien versucht)?

Oder hat diese Unterscheidung für Sie keine Bedeutung?

Dann müssten aber konsequenterweise auch die als Heilmittel propagierten Wässerchen der Uriella-Sekte über die Grundversicherung abgerechnet werden? Diese Frage ist ernstgemeint, nicht nur als Provokation.

Es kann sein, dass diese Unterscheidung für den Patienten oder die Patientin nicht so wichtig ist. Aber ist sie Ihrer Meinung nach auch irrelevant betreffend Zulassung zur Grundversicherung?

Kann ich selber dann auch eine Heilmethode zur Grundversicherung anmelden, wenn ich begeisterte Patientenberichte vorweisen kann? – Oder kommt es dann vor allem oder ausschliesslich auf geschicktes Lobbying an, wer zur Grundversicherung zugelassen wird und wer nicht?

Weiter unten im Interview sagen Sie, Herr Büttiker:
“Arzt und Patient sollen entscheiden, welche Methode sinnvoll ist.”

Das ist ja schön, das hört man als Patient immer gerne, darauf habe ich schon lange gewartet.
Für meine Rückenbeschwerden haben sich Spiraldynamik und Pilates als sehr wirksam erwiesen. Physiotherapie und Chiropraktik, die von der Grundversicherung übernommen werden, haben nur begrenzt geholfen.

Ich könnte meinen Hausarzt mit guten Argumenten überzeugen, mir Spiraldynamik oder Pilates zu verschreiben.
Warum werden diese Methoden nicht auch in die Grundversicherung aufgenommen?

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, dass Physiotherapie, Homöopathie, Anthroposophische Medizin etc. von der Grundversicherung bezahlt werden soll, Spiraldynamik und Pilates aber nicht? Ich nehme ja nicht an, das Sie einfach alles in die Grundversicherung nehmen wollen, was Arzt und Patient sinnvoll finden. Ihre Kriterien würden mich sehr interessieren.

Heilmittel aus der Phytotherapie müssen in Studien zeigen, dass sie über den Placebo-Effekt, die natürliche Selbstheilung und das natürliche Auf- und Ab der Beschwerden bei chronischen Verläufen hinaus eine Wirkung haben, wenn sie als Heilmittel zugelassen werden wollen. Einer ganzen Anzahl von Phytotherapeutika ist dieser Qualitätsnachweis auch gelungen. Sie werden heute schon von der Grundversicherung bezahlt.

Homöopathische und Anthroposophische Heilmittel werden von den Behörden bevorzugt, indem sie von jedem Wirkungsnachweis befreit sind.
Wie begründen Sie, Herr Büttiker, diese Ungleichbehandlung?

Wenn man einen Teil der komplementärmedizinischen Pharma-Industrie vom Wirksamkeitsnachweis befreit, warum nicht auch die “normale” Pharma-Industrie? Zur Klarstellung: Es ist nicht meine Position, dass man Novartis, Roche und Co. vom Wirkungsnachweis befreien soll. Bei dem hübschen Sümmchen, das Herr Vasella sich nimmt, braucht er nicht noch zusätzliche Geschenke.

Aber mich würden die Kriterien interessieren, mit denen Sie diese Ungleichbehandlung begründen. Als Liberaler müssten Sie doch für Gleichbehandlung aller Marktteilnehmer sein?

Ich bin dafür, dass alle Heilmittel, ob komplementärmedizinische oder “schulmedizinische”, die über die Grundversicherung abgerechnet werden sollen, überzeugend aufzeigen müssen, dass sie einen Effekt haben über den Placebo-Effekt, die natürlichen Selbstheilungsvorgänge und das natürliche Auf- und Ab- chronischer Verläufe hinaus.
Nun werden Sie wohl sagen, dass man das bei komplementärmedizinischen Heilmitteln mit wissenschaftlichen Methoden eben nicht kann. Ganz abgesehen davon, dass diese Vorstellung meistens nicht stimmt und eine Schutzbehauptung zur Immunisierung gegen Kritik ist:
Mich interessiert, nach welchen Kriterien Sie diese Unterscheidung dann machen wollen.

Freundliche Grüsse

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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