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Zitronenmelisse-Extrakt beruhigt nervöse Herzen

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Melissenextrakt hilft laut einer iranischen Studie bei Herzstolpern.

Die Melisse (Melissa officinalis) wurde früher oft auch „Herztrost“ genannt und ihre beruhigende Wirkung wurde bereits von Ärzten des Altertums und Mittelalters wie Theophrastos und Paracelsus beschrieben. Daher ist es naheliegend, diese altbewährte Heilpflanze auch im Hinblick auf eine mögliche Wirksamkeit bei nervösen Herzbeschwerden zu untersuchen.

Inwiefern ein Melissenextrakt Patienten mit regelmäßig auftretendem gutartigen Herzrasen helfen kann, untersuchten nun Wissenschaftler im Iran mit einer kleinen Studie. Die Teilnehmer wurden per Zufallsentscheid in zwei Gruppen unterteilt, die über den Studienzeitraum von zwei Wochen entweder zwei Mal täglich eine Kapsel mit 500 mg Melissenextrakt oder aber Placebokapseln erhielten.

Erfasst wurden psychische Symptome wie Angstgefühle, depressive Verstimmungen, Schlaflosigkeit, Somatisierung und psychosoziale Belastungen.

Bei den Patienten in der Melissenextraktgruppe konnten die Vorfälle des Herzrasens um mehr als ein Drittel vermindert werden. Auch die Angstzustände und damit verbundene (Ein-)Schlafstörungen gingen bei diesen Patienten im Vergleich zu jenen, die Placebokapseln bekamen, deutlich zurück. Der Melissenextrakt wurde von den Probanden insgesamt gut vertragen.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/zitronenmelisse-beruhigt-nervoese-herzen.html

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874115000781?via%3Dihub

http://dx.doi.org/10.1016/j.jep.2015.02.007

 

Kommentar & Ergänzung:

Herzbeschwerden brauchen natürlich eine ärztliche Untersuchung. Bei nervös bedingten, funktionellen Herzbeschwerden können beruhigend wirkende Heilpflanzen wie Melisse oder Lavendel durchaus sinnvoll als Teil einer Behandlung eingesetzt werden.

Die Studie aus dem Iran ist interessant, wirft aber eine ganze Reihe von Fragen auf. An der beruhigenden Wirkung von Melisse dürfte das ätherische Melissenöl beteiligt sein, insbesondere sein Bestandteil Citronellal. Allerdings wird Melissenöl im hier untersuchten wässrigen Trockenextrakt aus Melisse kaum in relevanter Konzentration vorhanden sein. Darüber hinaus gibt es Hinweise aus Tierexperimenten, wonach Rosmarinsäure beruhigende und antidepressive Effekte auslösen kann. Ob sich diese Erkenntnisse auf die Anwendung beim Menschen übertragen lassen, ist aber ungeklärt. Rosmarinsäure kommt zudem nicht nur in Melisse vor, sondern auch in anderen Lippenblütlern wie Salbei oder Rosmarin, die dann eigentlich auch beruhigend wirken müssten.

Siehe dazu:

Was ist Rosmarinsäure?

Ich kann die Qualität und Aussagekraft der iranischen Studie nicht detailliert beurteilen. Klar ist allerdings, dass die Zahl der Teilnehmenden mit 71 ziemlich klein ist. Zudem haben nur 55 davon die Studie bis zum Abschluss mitgemacht. Diese Aussteigerquote von 16 scheint mir etwas gar hoch.

Ich habe zudem bei Studien aus dem Iran immer ein Wort von Roman Huber in Erinnerung. Der Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg wies in einem Interview darauf hin, dass aus dem Iran genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen kommen. Das ist nicht sehr vertrauenserweckend (Interview siehe hier).

 

Die untersuchten Melissenextrakt-Kapseln sind bei uns nicht im Handel.

Ein wässriger Trockenextrakt aus Melisse ist Bestandteil von Baldriparan (zusammen mit Baldrianextrakt und Hopfenextrakt). Ein alkololischer Trockenextrakt aus Melisse ist Bestandteil von Dormiplant (zusammen mit Baldrianextrakt). Ich würde bei nervösen Herzbeschwerden aber durchaus auch Melissentee empfehlen, auch wenn es dafür keine Belege aus Studien gibt. Das kostet fast nichts und hat noch einen Ritualcharakter.

Klosterfrau Melissengeist enthält mir zuviel Alkohol. Siehe dazu:

Klosterfrau Melissengeist & Alkoholismus

Wenn ich in deser Art auf kritische Punkte von Studien hinweise, werde ich manchmal gefragt, warum ich das mache. Ich könne doch froh sein, dass Studien gemacht werden und dadurch die Phytotherapie an Stärke gewinnt.

Die Phytotherapie gewinnt aber nur wirklich durch starke, gut gemachte Studien. Es ist sehr wichtig sich klarzumachen, dass es viele Studien gibt, die nur sehr geringe Aussagekraft haben und zum Teil einfach von schlechter Qualität sind. Das gilt für Studien in der klassischen Pharmaforschung mit synthetischen Arzneistoffen genauso wie für Studien im Bereich von Komplementärmedizin und Naturheilkunde.

„Eine Studie hat gezeigt, dass……“ ist also eine Satz, die noch gar nichts aussagt, wenn man sich nicht die Qualität der Studie anschaut.

Siehe dazu auch:

Qualitätssicherung in der Phytotherapie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Schlafmittel können natürlichen Schlaf nicht ersetzen

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Bei Schlafstörungen sorgen Schlaftabletten zwar meist für die ersehnte Nachtruhe, doch ist diese grundsätzlich nicht so erholsam wie natürlicher Schlaf. Das trifft auf die meisten Schlafpräparate zu.

Durch Schlaftabletten lässt sich der natürliche Schlaf nicht ersetzen.

Manche Patienten hoffen zwar, durch einen Wechsel des Schlafmedikaments lasse sich das ändern.

Das sei jedoch nicht richtig, erklärt die Landesapothekerkammer Hessen.

Über längere Zeit eingenommene Schlaftabletten können zudem dazu führen, dass der Betroffene Konzentrationsschwierigkeiten entwickeln oder unsicher im Straßenverkehr werden. Außerdem besteht bei rezeptpflichtigen Schlafmitteln ein Risiko, nach kurzer Zeit davon abhängig zu werden.

Empfehlenswert ist es grundsätzlich, die Ursachen für Einschlafstörungen oder Durchschlafprobleme so früh wie möglich zu erkunden. Neben Stress, chronischer Erschöpfung und einer ungesunden Lebensweise kommen auch Krankheiten als Ursache in Frage. Schlaftabletten sind dann häufig nicht das angemessene Mittel gegen die Probleme mit der Nachtruhe. Wer beispielsweise wegen Muskelschmerzen oder rheumatischer Beschwerden nicht schlafen kann, sollte besser eine Schmerztherapie ins Auge fassen, empfiehlt die Landesapothekerkammer. Auch bei Kopfschmerzen, die zum Aufwachen führen, könnten andere medizinische Möglichkeiten sinnvoller sein. Darüber hinaus können auch andere Medikamente für den gestörten Schlaf verantwortlich sein.

Quelle:

https://de.nachrichten.yahoo.com/wechsel-des-schlafmittels-verbessert-schlafqualität-nicht-145107503.html

Kommentar & Ergänzung:

Hier fehlen Optionen der Phytotherapie. Mit pflanzlichen Schlafmitteln lassen sich nicht alle Schlafstörungen erfolgreich behandeln, aber als Option, als Wahlmöglichkeit, sollten sie ernst genommen werden. Schliesslich gibt es bei pflanzlichen Schlafmitteln kein Risiko von Abhängigkeit, keine erhöhte Sturzgefahr, kein Hang-over am nächsten Tag und keine relevante Störung der Schlafarchitektur.

Zudem bietet die Phytotherapie bei Schlafstörungen verschiedene Ansatzpunkte:

– Kräutertees wie Orangenblütentee oder Zitronenmelissentee. Zwar gibt es für Kräutertees keine klinischen Studien, weil hier mangels Patentierbarkeit niemand Geld investiert. Doch Kräutertees haben ihre eigene Qualität nicht zuletzt dadurch, dass sie sich gut als Abendritual eignen und sinnliche Aspekte nutzen (warmes Teewasser, Duft).

– Ätherische Öle wie Lavendelöl und Melissenöl können auf verschiedene Arten zur Anwendung kommen (inhalativ, als Bad, als Einreibung).

– Trockenextrakte zum Beispiel aus Baldrian, Hopfen und Passionsblume eignen sich zur Anwendung als Schlafdragée, wobei oft Kombipräparate Baldrianextrakt / Hopfenextrakt oder Mono-Präparate aus Baldrianextrakt eingesetzt werden.

Hier gibt es für einige Kombi-Präparate und Mono-Präparate klinische Studien, die eine Wirksamkeit zeigen, wobei es allerdings in der Regel 2 – 3 Wochen geht, bis die Wirkung der Heilpflanzen-Extrakte besser ist als bei einem Scheinpräparat (Placebo).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aromatherapie / Phytotherapie: Ätherische Öle bei Schlafstörungen

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Ätherische Öle können bei milden Schlafstörungen eine Alternative zu Schlaftabletten sein und werden zu diesem Zweck in Aromatherapie und Phytotherapie eingesetzt.

Forscher haben nun in einer aktuellen Übersichtsarbeit, in der 15 Einzelstudien zusammengefasst worden sind, den Nutzen von ätherischen Ölen bei Schlafstörungen aufzeigen können. Am häufigsten wurde Lavendelöl in den Studien eingesetzt (10 Studien).

Berichte über Nebenwirkungen gab es dabei nicht.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/schlafen-im-duftparadies.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24720812

Lillehei AS, Halcon LL. A systematic review of the effect of inhaled essential oils on sleep. J Altern Complement Med. 2014 Jun;20(6):441-51.

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Meldung sagt insgesamt nicht viel aus und die Qualität dieser Übersichtarbeit kann ich nicht beurteilen. Klar ist aber, dass Lavendelöl am besten untersucht und belegt ist zur Behandlung von Schlafstörungen. Daher wird Lavendelöl in Aromatherapie, Aromapflege und Phytotherapie auch oft angewendet für diesen Indikationsbereich.

Interessant zur Behandlung von Schlafstörungen ist auch Melissenöl aus Melissa officinalis (Zitronenmelisse). Melissenöl ist aber viel teurer als Lavendelöl.

Wenn in der Übersichtsstudie steht, dass keine Nebenwirkungen berichtet wurden, heisst das nicht, dass Nebenwirkungen ausgeschlossen sind. Ätherische Öle können zum Beispiel Allergien auslösen. Dieses Risiko ist unterschiedlich bei den verschiedenen ätherischen Ölen. Lavendelöl gilt als in der Regel gut verträglich, doch kann es auch hier vereinzelt zu allergischen Hautreaktionen kommen.

Zu den Wirkungen und Anwendungsbereichen von Lavendelöl finden Sie hier eine Broschüre:

Ätherische Öle in der Pflege – Grundlagenwissen über ätherische Öle – Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Melisse zur Duftpflanze des Jahres 2014 gewählt

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Die Vereinigung für Aromapflege und gewerbliche Aromapraktiker (Vaga) hat die Melisse (= Zitronenmelisse, Melissa officinalis) zur Duftpflanze des Jahres 2014 gewählt.

„DiePresse“ geht auf die medizinischen Wirkungen der Melisse ein und zitiert dazu Prof. Rudolf Bauer, Vorstand des Instituts für pharmazeutische Wissenschaften, Department Pharmakognosie, der Karl-Franzens-Universität Graz:

„Melissenextrakt hat einen leicht cholesterinsenkenden Effekt, auch der Zuckerspiegel geht damit herunter.“ Zu diesem Schluss soll eine Studie aus Deutschland gekommen sein.

Ich kenne diese Studie nicht und in der gängigen Phytotherapie-Fachliteratur taucht eine Reduktion von Cholesterin und Blutzuckerspiegel als Wirkung von Melissenextrakt nicht auf. Ob diese Angaben für Patientinnen und Patienten relevant sind, kann ich daher nicht einschätzen. Interessant sind diese Angaben aber schon.

Bekannt seit der Antike indes sei die beruhigende Wirkung von Melisse, schreibt „DiePresse“, und fährt fort:

„Den Lippenblütler kennen wohl viele auch durch Klosterfrau-Melissengeist, seit dem 17. Jahrhundert beliebtes Volksarzneimittel, das bei Magen- und Darmbeschwerden, Erkältung, Appetitlosigkeit und innerer Unruhe eingesetzt wird.“

Eine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung habe die mehrjährige Pflanze – etwa in Form von Tee, Badezusatz oder Extrakt – unter anderem auch bei nervös bedingten Einschlaf- sowie bei psychovegetativen Störungen.

Die Anwendung als Beruhigungsmittel und als Hilfe bei Einschlafstörungen ist der etablierteste Einsatzbereich der Melisse.

Bauer ergänzt:

„„Die Rosmarinsäure und gewisse Gerbstoffe der Melisse wirken zudem antibakteriell und antiviral.“ – Darauf beruht die Anwendung von Melissensalbe bei Fieberbläschen (Herpes-simplex-Infektion), wobei nur im Anfangsstadium eine Wirksamkeit erwartet werden kann.

Quelle:

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/1563184/Gekurte-Pflanzenstars-mit-viel-Wirkung?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

Zu Wirkungen der Melisse siehe auch:

Heilpflanzen: Melisse gegen Herpes, als Beruhigungsmittel und für’s Gedächtnis

Die Beschreibung der Melissen-Wirkungen in „DiePresse“ ist fundierter als die letztjährige Präsentation von Thymian als Duftpflanze des Jahres 2013 in der selben Zeitung.

Siehe:

Thymian zur Duftpflanze des Jahres 2013 gewählt

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen: Melisse gegen Herpes, als Beruhigungsmittel und für’s Gedächtnis

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Die „Welt online* stellt verschiedene Heilpflanzen vor, darunter auch die Zitronenmelisse (Melissa officinalis):

„Melisseöle hemmen das Wachstum von Viren; Herpesbläschen verschwinden schneller, wenn man sie täglich mehrmals damit abtupft. Vergleichsstudien belegen zudem, dass Melissebäder (60 g Melisseblätter per Leinensäckchen in der Badewanne deponieren) als Beruhigungsmittel wirken. Was nicht heißen soll, dass die Pflanze uns einnebelt. Laut Studien der englischen Northumbria-Universität mobilisiert sie den Hirnbotenstoff Acetylcholin und dadurch das Denk- und Erinnerungsvermögen.“

Quelle:

http://www.welt.de/wissenschaft/article13771012/Weihrauch-ist-eine-Wissenschaft-fuer-sich.html

Kommentar & Ergänzung:

Melissenöl zeigt im Labor tatsächlich eine gute Wirkung gegen Herpesviren, die Fieberbläschen auslösen. Das billigere Pfefferminzöl entfaltet diesen Effekt aber auch. Alle lokal aufgetragenen antiviralen Massnahmen bei Fieberbläschen sind allerdings nur in Anfangsstadium wirksam und ob die Infektion bei Lippenbläschen mit Melissenöl oder Pfefferminzöl konkret gestoppt oder der Verlauf relevant verkürzt werden kann, ist nicht eindeutig belegt.

Antiviral bei Herpesinfektion wirkt auch eine Salbe mit Melissenextrakt, wobei in dieser Anwendungsform der Lamiaceen-Gerbstoff als Wirkstoff gilt.

Der Tipp mit dem Melissenbad zur Entspannung, als Beruhigungsmittel und auch als Abendbad bei Einschlafstörungen ist sinnvoll.

Die Meldung über die Forschungen mit Melisse an der Northumbria-Universität betreffend Mobilisierung des Hirnbotenstoffs Acetylcholin ging schon vor Jahren durch die Medien. Melisse soll einem Experiment zufolge das Denk- und Erinnerungsvermögen verbessert haben. Wegen dem Einfluss der Melisse auf den Hirnbotenstoff Acetylcholin wurde in diesen Meldungen eine mögliche Anwendung bei Alzheimer in den Raum gestellt.

Bei den erwähnten Experimenten an der Northumbria-Universität wurde diese Wirkung allerdings an gesunden Studenten festgestellt , denen getrocknete Melisse in Kapselform verabreicht wurde. Im Vergleich zu Placebo sollen die „Melisse-Studenten“ Stunden später in Gedächtnistests besser abgeschnitten haben.

Abstract der Studie: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12888775

Das ist interessant, aber von einer Einmaldosis bei jungen, gesunden Studenten hin zu einer erfolgreichen Anwendung bei Alzheimer-Patienten sind es dann schon noch ein paar Schritte….

Es gibt allerdings auch eine kleine klinische Studie aus dem Iran zur Anwendung von Melisse bei Patienten mit beginnender Demenz vom Alzheimer-Typ. Dabei zeigte sich bei innerlicher Anwendung von Melissenextrakt über vier Monate im Vergleich zu Placebo eine bessere kognitive Leistung und weniger Unruhe.

Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1738567/

Dazu kommt mir jedoch ein Satz von Roman Huber in den Sinn, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde an der Uniklinik in Freiburg im Breisgau:

„Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

Siehe dazu: Phytotherapie: Passionsblume – Studien mit unterschiedlicher Qualität

Deshalb gilt in der Wissenschaft der Grundsatz, dass ein Studienresultat erst überzeugt, wenn es von anderen, unabhängigen Wissenschaftlern durch eine Reproduktion der Studie bestätigt wurde. Das ist meines Wissens mit der Studie aus Teheran bisher nicht geschehen.

Festgehalten werden muss auf jeden Fall, dass an der Northumbria-Universität und auch in der iranischen Studie Melissenblatt bzw. Melissenextrakt verwendet wurde, nicht Melissenöl.

Daher spricht einiges dafür, dass es sich um einen nichtflüchtigen Wirkstoff handeln müsste.

Im Zusammenhang mit der Behandlung von Demenzerkrankungen wurden in den letzten Jahren neben der Melisse auch zwei weitere Vertreter der Lippenblütler (Lamiaceen) intensiver untersucht, nämlich Salbei (Salvia officinalis) und Rosmarin (Rosmarinus officinalis). Das Spektrum an Inhaltsstoffen, die für eine neuroprotektive Wirkung verantwortlich sein könnten, ist in bei den Lippenblütlern sehr ähnlich. Die Blätter der drei erwähnten Pflanzen produzieren ein ätherisches Öl, das reich an Monoterpenen mit schwacher Acetylcholinesterase-hemmender Wirkung ist, beispielsweise Citral. Für die nichtflüchtigen Phenylacrylsäuren wie die Rosmarinsäure konnte nachgewiesen werden, dass sie verschiedene Ereignisse vermindern können, die durch β-Amyloid verursacht werden, wie etwa die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und Tau-Hyperphosphorylierung. Nach der Anwendung von Lamiaceaen-Präparaten konnten zwischenzeitlich günstige Effekte bei kleineren Gruppen von Alzheimer-Patienten gezeigt werden. Rosmarinsäure wäre also ein Kandidat für eine positive Wirkung auf das Gedächtnis bzw. bei leichten Formen von Alzheimer. Sie wurde zum Beispiel nachgewiesen in Pfefferminzblatt (3,5 – 4,5%), Salbeiblatt (2 – 6%), Rosmarinblatt (1 – 2 %), Melissenblatt (0,5 – 1,8%) und Thymianblatt (o,2 – 1,4%). Tierversuche mit Rosmarinsäure deuten auf eine antidepressive und sedative Wirkung hin. Fraglich scheint mir allerdings, ob und allenfalls in welchem Mass Rosmarinsäure überhaupt peroral in den menschlichen Organismus aufgenommen wird. Dazu finde ich in der Phytotherapie-Fachliteratur keine Angaben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Antidepressiva und Schlafmittel reduzieren Verkehrstüchtigkeit

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Die Einnahme zahlreicher zentral wirksamer Medikamente reduziert die Verkehrstüchtigkeit. Gemäss einer im British Journal of Clinical Pharmacology 2012; doi: 10.1111/j.1365-2125.2012.04410.x) publizierten Fall-Kontroll-Studie sind davon neben den klassischen Benzodiazepinen auch Antidepressiva sowie Schlafmittel und Beruhigungsmittel betroffen.

Der Epidemiologe Hui-Ju Tsai vom National Health Research Institutes in Zhunan, Taiwan, verglich die Arzneimittelverordnungen von 5.183 Erwachsenen, die wegen eines Verkehrsunfalls medizinisch versorgt wurden, mit der sechsfachen Anzahl von nicht verunglückten Kontrollen.

Diese Fall-Kontroll-Studie aus Taiwan gestattet zwar keine Zuordnung der Unfallursache im Einzelfall. Eine häufigere Verordnung gewisser Medikamente zeigt jedoch ein gesteigertes Risiko an. Hui-Ju Tsai konnte es für die klassischen Benzodiazepine belegen. Für diese Medikamentengruppe ist eine erhöhte Gefährdung schon lange bekannt. Ein erhöhtes Risiko zeigte sich aber auch für trizyklische Antidepressiva und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), bei denen der Zusammenhang nicht so klar ist.

Auch die sogenannten „Z-Substanzen“ Zolpidem, Zolpiclon und Zaleplon, die heute anstelle von Benzodiazepinen als Schlafmittel und Beruhigungsmittel angewendet werden, waren mit einem gesteigerten Unfallrisiko verbunden. Bei allen Medikamenten war es egal, ob die Ärzte die Präparate für einen Monat, eine Woche oder nur für einen Tag verschrieben hatten. Tsai konnte sogar eine Dosis-Wirkungsbeziehung aufzeigen: Je höher die Präparate dosiert waren, desto größer war das Risiko auf einen (schweren) Unfall, der eine ärztliche Behandlung nötig machte.

Eine auffallende Ausnahme waren die Antipsychotika, die auch bei einer erhöhten Dosierung nicht mit vermehrten Verkehrsunfällen verbunden waren. Die Fachinformationen empfehlen den Patienten in der Regel von der aktiven Teilnahme am Straßenverkehr ab. Nach den Resultaten von Tsai wird das Risiko hier möglicherweise überschätzt. Die Studie untersuchte die Medikamente allerdings nur gruppenweise und nicht als einzelne. Mit dem Design dieser Studie kann ein Risiko einzelner Substanzen darum nicht ausgeschlossen werden.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51648/Mehr-Verkehrsunfaelle-unter-Antidepressiva-und-Schlafmitteln

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1365-2125.1989.tb03505.x/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt Situationen, in denen synthetische Beruhigungsmittel, Schlafmittel oder Antidepressiva nötig sind. Aber es gibt auch viele Situationen, in denen pflanzliche Antidepressiva (Johanniskraut) oder pflanzliche Beruhigungsmittel oder Schlafmittel (Baldrian, Passionsblume, Hopfen, Lavendel, Zitronenmelisse) eine gute Option sind.

Ein grosser Vorteil dieser Phytopharmaka ist ihre gute Verträglichkeit und das fehlende Abhängigkeitsrisiko.

Siehe dazu auch:

Beeinträchtigen Baldrian, Melisse & Co. Fahrtüchtigkeit & Reaktionsfähigkeit?

Schlafstörungen ohne Hangover mit Heilpflanzen-Präparaten behandeln

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzliche Schlafmittel führen nicht zu „Hang-over“

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Schlafstörungen sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Daher zählen Schlaf anstoßende Medikamente zu den am meisten verordneten Arzneien.

Schätzungen zufolge leiden mehr als 30 Prozent der Bevölkerung unter Schlafstörungen und zehn Prozent zeigen dadurch verursachte Leistungseinbußen am Tage. Sechs bis zehn Prozent aller Erwachsenen nahmen einer aktuellen Studie gemäss Schlafmittel ein, um sich zu einem besseren Schlaf zu verhelfen.

Neben der Klassifizierung der Schlafstörung und der Behandlung ihrer Ursachen können auch einfache schlaffördernde Maßnahmen und die temporäre Anwendung schlafanstoßender Arzneimittel sinnvoll sein. Pflanzliche Arzneimittel stellen dabei eine wissenschaftlich gut belegte Alternative zu zahlreichen chemisch-synthetischen Schlafmitteln dar.

Die Heilpflanzen-Präparate bieten neben ihrer milden schlafanstossenden Wirkung weitere Vorteile, beispielsweise die Erhaltung eines natürlichen Schlafprofils und den Wegfall des Risikos von Abhängigkeit oder eines „Hang-over“ am nächsten Tag.

Gut belegt ist zum Beispiel ein Kombinationspräparat methanolischer Trockenextrakte aus Baldrian und Hopfen bei Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen.

Die adenosinerge Wirkung von Baldrian verbessert die Schlafbereitschaft und wird durch die melatonerge Wirkung des Hopfens ergänzt, die den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützt.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/schlafstoerungen/article/812692/pflanzliche-schlafmittel-frei-hang-over.html?sh=2&h=658195823

Kommentar & Ergänzung:

Pflanzliche Schlafhilfen wirken nicht in jedem Fall von Schlafstörungen. Aber aufgrund der guten Verträglichkeit und dem Fehlen riskanter Nebenwirkungen sind sie in vielen Situationen eine gute Option.

Neben Baldrian und Hopfen kommen als Phytosedativa auch Lavendelblüten bzw. Lavendelöl, Melissenblätter bzw. Melissenöl,  sowie Passionsblumenkraut.

Als Abendtee beliebt in Pflegeheimen und im Spital ist der Orangenblütentee.

Siehe auch:

Beeinträchtigen Baldrian, Melisse & Co. Fahrtüchtigkeit und Reaktionsfähigkeit?

Pflanzliche Schlafmittel: Weder Hang-over noch Entzugssymptome

Phytotherapie: Baldrian bei Schlafstörungen

Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

Kräuter und ihre Wirkung: Zitronenmelisse

Passionsblume ist Arzneipflanze des Jahres 2011

Baldrian als verträgliche Schlafhilfe für Senioren bestätigt

Phytotherapie: Passionsblume als Angstlöser

Interessantes zu Hopfen und Hopfenzapfen (Lupuli strobulus)

Baldrian, Hopfen und Johanniskraut sind keine Dauerlösung

Heilpflanzen-Präparat aus Baldrian und Hopfen löst Einschlafprobleme

Pflanzenheilkunde: Kräuterkissen für gesunden Schlaf

Studie zeigt: Auch Schulkinder schlafen mit Baldrian besser

Süchtig nach Schlafmitteln – Phytotherapie bietet gesunde Alternativen

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Beeinträchtigen Baldrian, Melisse & Co. Fahrtüchtigkeit / Reaktionsfähigkeit?

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Diese Frage wird mir in Heilkräuterkursen und auch in der Phytotherapie-Ausbildung immer wieder einmal gestellt.

Dazu zwei interessante Zitate vom Komitee Forschung Naturmedizin, zuerst aus einer Untersuchung mit einem Kombipräparat aus Baldrianextrakt und Melissenextrakt:

„Marianne Albrecht und Mitarbeiter von der Forschungsgemeinschaft für Verkehrssicherheit in Köln prüften in einer kontrollierten Doppelblind-Studie, wie sich ein pflanzliches Beruhigungsmittel aus Baldrian- und Melisse-Extrakt auf die Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Reaktionszeit im Verkehr auswirkt. Das Ergebnis: Im Gegensatz zu Benzodiazepinen verursacht das Phytopharmakon keine messbaren Beeinträchtigungen der motorischen oder mentalen Leistungen. Auch unter Alkoholeinfluss sind solche Effekte durch das Phytopharmakon nicht zu erwarten (nachzulesen in ZFA 16,71. Jahrgang. 20.8.1995: 1215-1228).“

Und hier noch zu einer Studie mit Baldrian-Extrakt und Flunitrazepam (Handelsnamen Fluninoc (D), Guttanotte (A), Rohypnol (D, A, CH), Somnubene (A) und einige Generika):

„Die Arbeitsgruppe von J. Kuhlmann und W. Berger von der Gesellschaft für Interdisziplinäre Medizinische Forschung (IMF) in Köln untersuchte die Baldrianwirkung bei 102 freiwilligen gesunden Versuchspersonen in einer doppelblinden Studie. Dabei sah man, dass sich die Reaktionsgeschwindigkeit von Probanden, die Flunitrazepam bekommen haben, deutlich verringerte. Baldrian-Extrakt beeinträchtigte dagegen die Fahrtüchtigkeit auch bei längerfristiger Anwendung nicht.“

Weitere Infos zu pflanzlichen Schlafhilfen siehe:

Pflanzliche Schlafmittel – weder Hang-over noch Entzugssymptome

Phytotherapie: Baldrian bei Schlafstörungen

Kräuter und ihre Wirkung: Zitronenmelisse

Interessantes zu Hopfen und Hopfenzapfen (Lupuli strobulus)

Phytotherapie: Schlafstörungen bei Kindern

Heilpflanzen-Präparat aus Baldrian und Hopfen löst Einschlafprobleme

Hausmittel: Heilpflanzen bei Schlafstörungen

Baldrian als Schlafhilfe auf Langstreckenflügen ungeeignet

Phytotherapie bei Schlafstörungen

Schlafstörungen ohne Hangover mit Heilpflanzen-Präparaten behandeln

Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

Phytotherapie: Baldrian verbessert Schlafqualität

Viele Kinder im Einschulungsalter leiden an Schlafstörungen

Süchtig nach Schlafmitteln – Phytotherapie bietet gesunde Alternativen

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Pflanzliche Schlafmittel: Weder Hang-over noch Entzugssymptome

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Im Phyto-Forum der Aerztezeitung antwortete Dr. Rainer C. Görne auf die Frage nach dem generellen Unterschied zwischen pflanzlichen Schlafmitteln und synthetischen Präparaten.

Als unerwünschte Nebenwirkung der abendlichen Einnahme von Schlafmitteln kann es zu Müdigkeit am folgenden Tag kommen, die auch als „Hang-over“ bezeichnet wird. Ein solcher „Hang-over“ ist vor allem bekannt nach der Einnahme von Abkömmlingen der Barbitursäure (Barbiturate) und verwandten Verbindungen wie Piperidindion-Derivaten (Glutethimid, Methyprylon, Thalidomid), halogenierten Harnstoff-Derivaten (Bromisoval, Carbromal) und Chloralhydrat.

Auch nach der Einnahme von Benzodiazepinen mit langer Halbwertszeit (HWZ) oder Benzodiazepinen, deren Metabolite eine lange Halbwertszeit aufweisen, wurden Hang-over-Effekte beobachtet.

Dies gelte für das schnell verstoffwechselte Benzodiazepin-Derivat Flurazepam (HWZ: 2 bis 3 Stunden), dessen Hauptmetabolite eine HWZ von bis zu 100 Stunden aufweisen können, ebenso, wie für die langsam verstoffwechselten Derivate Nitrazepam (HWZ: ca. 24 Stunden) und Diazepam (HWZ: bis zu 48 Stunden), deren Metabolite Halbwertszeiten von bis zu 100 Stunden aufweisen können.

Das Auftreten solcher Hang-over-Phänomene sei neben den bekannten unerwünschten Effekten wie Toleranzentwicklung, Abhängigkeit und Entzugsproblemen übrigens auch der Grund, weshalb zahlreiche der beschriebenen chemisch-synthetischen Hypnotika inzwischen ihre Zulassung als Arzneimittel verloren haben oder ihre Verwendung als obsolet (überholt, veraltet) zu bewerten ist.

Im Gegensatz hierzu seien für Hypnotika, die Extrakte verschiedener Pflanzen, wie Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Johanniskraut, Melissenblätter oder Passionsblumenkraut, enthalten, weder Hang-over-Effekte noch Toleranzentwicklung, Abhängigkeit und Entzugsprobleme beschrieben worden.

Eine mögliche Ursache dafür sieht der Autor darin,  dass die pflanzlichen Schlafmittel in den verwendeten Dosierungen verglichen mit den chemisch-synthetischen Arzneistoffen relativ schwach hypnotisch wirken.

Fazit:

„Daher eignen sich pflanzliche Präparate eher zur Beruhigung und Schlafeinleitung als zur Förderung des Schlafes im Sinne von Durchschlafmitteln. Dies ist für den Gebrauch in der Selbstmedikation als entscheidender Vorteil, neben der guten Verträglichkeit, zu bewerten.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/schlafstoerungen/article/815353/entzug-gibts-phyto-schlafmitteln-nicht.html?sh=9&h=269785939

Kommentar & Ergänzung:

Mit pflanzlichen Schlafmitteln lässt sich nicht jedes Schlafproblem lösen. Ihre gute Verträglichkeit legt aber nahe, sie als wichtige Option in die therapeutischen Überlegungen einzubeziehen. Insbesondere bei älteren Personen erhöhen pflanzliche Schlafhilfen im Gegensatz zu synthetischen Produkten nicht die Sturzgefahr – ein wichtiger Pluspunkt.

Weitere Infos zu pflanzlichen Schlafmitteln:

Phytotherapie: Baldrian bei Schlafstörungen

Kräuter und ihre Wirkung: Zitronenmelisse

Interessantes zu Hopfen und Hopfenzapfen (Lupuli strobulus)

Phytotherapie: Schlafstöungen bei Kindern

Heilpflanzen-Präparat aus Baldrian und Hopfen löst Einschlafprobleme

Passionsblume ist Arzneipflanze des Jahres 2011

Baldrian als Schlafhilfe auf Langstreckenflügen ungeeignet

Phytotherapie bei Schlafstörungen

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Heilpflanzen-Präparate für erholsamen Schlaf

Phytotherapie: Baldrian verbessert Schlafqualität

Studie zeigt: Auch Schulkinder schlafen mit Baldrian besser

Süchtig nach Schlafmitteln: Phytotherapie bietet gesunde Alternativen

Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Bei Schlafstörungen Schlafhygiene beachten

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Die „Pharmazeutische Zeitung“ publizierte einen informativen Beitrag zur Behandlung von Schlafstörungen. Dabei wurden auch die wichtigsten Regeln der Schlafhygiene erwähnt:

„Regeln für einen gesunden Schlaf:

– nach dem Mittagessen kein Coffein

– Alkohol weitgehend vermeiden

– keine schweren Mahlzeiten am Abend

– regelmäßige körperliche Aktivität

– körperliche und geistige Anstrengungen abends allmählich verringern

– persönliches Einschlafritual angewöhnen

– kühles, dunkles Schlafzimmer

– Bett nur zum Schlafen oder zum Sex benutzen

– nachts nicht auf die Uhr sehen

– tagsüber nicht schlafen

– jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41861&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Gelegentlich mal eine schlaflose Nacht, das kennt wohl fast jeder Mensch. Das gehört wahrscheinlich einfach zum Leben und braucht nicht weiter zu beunruhigen.

Chronische Schlafstörungen sind aber etwas ganz anderes.

Erstes ist es wichtig, sie medizinisch abzuklären, weil sie durch körperliche oder psychische Erkrankungen verursacht sein können, die adäquater Behandlung bedürfen.

Zweitens ist es bei chronischen Schlafstörungen sinnvoll, das Potenzial nichtmedikamentöser Massnahmen auszuschöpfen. Dazu gehören die oben aufgeführten Regeln der Schlafhygiene.

„Hygiene“ ist hier gemeint im Sinne einer Gesundheitslehre oder Gesundheitspflege – im Sinne einer Lebensordnung (nach Sebastian Kneipp eine der fünf Säulen der Naturheilkunde), also nicht im Sinn von „sauber und keimfrei“. Hygeia oder Hygieia war in der griechischen Mythologie eine Göttin der Gesundheit. Die Tochter des Asklepios (Gott der Heilkunst) gilt als Schutzpatronin der Apotheker. Das Wort Hygiene leitet sich von ihr ab.

Drittens gibt es medikamentöse Schlafhilfen.

Synthetische Schlafmittel wirken für den Moment oft prompt und können vorübergehend eine adäquate Lösung sein.

Alle synthetischen Substanzen sind aber mit mehr oder weniger gravierenden Nebenwirkungen und Risiken behaftet: Bei zu kurzer Halbwertszeit wacht der Patient mitten in der Nacht wieder auf. Bei langer Halbwertszeit droht am nächsten Tag ein Hangover, der bei älteren Patienten durch eine verzögerte Ausscheidung noch verstärkt sein kann und sie im Alltag mitunter gefährdet (z. B. durch erhöhte Sturzgefahr). Dieser Aspekt, der vor allem Benzodiazepine betrifft, wird in der Praxis viel zu wenig berücksichtigt. Zudem kommt es nach einiger Zeit zu einer Toleranzentwicklung gegenüber diesen Stoffen, denn der Körper vermindert entweder die Zahl der Rezeptoren, an die der Arzneistoff bindet oder er verstoffwechselt die Stoffe durch Enzyminduktion schneller.

Phytopharmaka – also Heilpflanzen-Anwendungen – sind vor allem deshalb eine prüfenswerte Option, weil die beschriebenen Risiken der synthetischen Schlafmittel bei ihnen wegfallen (z. B. keine Toleranzentwicklung, kein Abhängigkeitspotential, keine erhöhte Sturzgefahr). Allerdings wirken sie nicht in jedem Fall verlässlich genug.

Zu den bekanntesten Heilpflanzen, die bei Schlafproblemen in der Phytotherapie zur Anwendung kommen, gehören Baldrian, Hopfen, Passionsblume (Passiflora), Melisse (= Zitronenmelisse) und Lavendel.

Die beruhigende und schlafanstossende Wirkung dieser Heilpflanzen ist auch wissenschaftlich untersucht und dokumentiert.

Beliebt als Schlaftee sind aber auch Orangenblüten bzw. Orangenblütentee und die Goldmelisse (Goldmelissentee oder Goldmelissensirup, vor allem für Kinder). Bei Orangenblüten und Goldmelissenblüten fehlt die wissenschaftliche Dokumentation bezüglich Wirksamkeit. Da sie als Abendtee jedoch angenehm zu trinken und bestens verträglich sind, spricht gar nichts gegen eine Versuch mit ihnen.

Sehr ungeklärt ist die Wirksamkeit der Hafertinktur, die manchmal gegen Schlafstörungen empfohlen wird.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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