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Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

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Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ bringt ein Gespräch mit dem Dermatologen Franz Legat, dem Leiter der Juckreizambulanz in Graz.

Dabei wird als Mittel gegen Juckreiz (Pruritus) unter anderem auch Menthol erwähnt.

Zitat:

„Auch Cremes mit speziellen Inhaltsstoffen, etwa mit Urea, also Harnstoff, oder Menthol können helfen. Eine Therapie in Kältekammern oder die Phototherapie, also die Therapie mit UV-Strahlen, kann juckreizlindernd wirken.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000057056706/Pruritus-Im-Juck-Kratz-Zyklus-sein

Kommentar & Ergänzung:

Menthol ist ein Bestandteil des Pfefferminzöls und dort in einem Anteil von 35 – 70 % vorhanden. Man kann also grob davon ausgehen, dass Pfefferminzöl etwas zur Hälfte aus Menthol besteht.

Bei der Anwendung von Menthol ist die Konzentration wichtig.

Um Juckreiz zu lindern sind Konzentrationen von 0,1 – 1% Menthol wirksam. Rechnet man bei Pfefferminzöl mit einen Mentholgehalt von etwa 50%, könnte man deshalb 1 – 2 % Pfefferminzöl in einer Salbengrundlage oder in fettem Öl (z. B. Mandelöl) applizieren.

Als Counterirritant zum Beispiel gegen Spannungskopfschmerzen beträgt die empfohlene Konzentration 1,25 – 16% Menthol. Üblich ist hier eine 10%ige Pfefferminzöl-Lösung auf alkoholischer Basis.

Urea (Harnstoff) ist eine organische Verbindung und bei Säugetieren ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt, das mit dem Urin und dem Schweiß ausgeschieden wird. In Salben und Lotionen dient er als Feuchtigkeitsspender und wird zu diesem Zweck synthetisch hergestellt.

Wissenschaftsgeschichtlich gilt Harnstoff als die erste aus anorganischen Ausgangsstoffen synthetisierte organische Verbindung.

Das widersprach der damals verbreiteten Vorstellung, dass organische Substanzen grundsätzlich nur von Lebewesen durch die so genannte vis vitalis (Lebenskraft) hergestellt werden könnten. Die erste Synthese von Harnstoff im Jahr 1828 durch Friedrich Wöhler gilt daher als Geburtsstunde der Biochemie. Durch diese Entwicklung galt der vitalistische Ansatz in der Biologie zunehmend als überholt.

Der Vitalismus nahm als Grundlage aller Lebensvorgänge als eigenständiges Prinzip eine Lebenskraft an. Die Hernstoffsynthese zeigte, dass zur Herstellung organischer Substanzen die Annahme einer Lebenskraft nicht notwendig ist.

Erwähnen möchte ich noch einen anderen interessanten Aspekt, der im Gespräch mit Franz Legat zu Sprache kommt:

Ein Juckreiz kann chronisch werden und sich dann von der ursprünglichen Ursache lösen. Zitat:

„Es entsteht ein Juck-Kratz-Zyklus, und der wird zu einer eigenen Juckreizerkrankung, die dann oft mit speziellen juckenden Hautveränderungen in einer sogenannten chronischen Prurigo mündet. In diesem Stadium bringt dann auch die Behandlung der auslösenden Ursache keine Hilfe mehr.“

Das scheint mir ähnlich zu sein wie bei chronischen Schmerzen. Auch sie können sich von der ursprünglichen Ursache lösen und zur eigenständigen Schmerzkrankheit werden.

Starker Juckreiz kann genauso stark belasten wie chronischer Schmerz.

In der Medizin kommen gegen Juckreiz oft Arzneimittel zur Anwendung, die eigentlich gegen andere Erkrankungen entwickelt wurden. Im Interview erwähnt werden als Optionen die Wirkstoffe Gabapentin und Pregabalin, die die Wahrnehmung und Weiterleitung von Juckreiz hemmen und bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz oder mit Nervenschäden meist gut wirken sollen.

Auch der Neurokinin-1-(NK1)-Antagonist Aprepitant habe sich als gutes Mittel gegen schweren chronischen Pruritus erwiesen, sei aber eigentlich zugelassen, um die Übelkeit bei stark wirksamen Chemotherapien zu lindern. Das Mittel sei teuer, und die Erfahrungen mit Langzeitbehandlungen seien derzeit noch gering.

Es gebe derzeit noch kein Medikament, das gegen Juckreiz zugelassen sei, sagt Legat.

In der Phytotherapie wird als Option bei Juckreiz noch der Paprika-Wirkstoff Capsaicin äusserlich angewendet. Siehe dazu:

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Meerrettich als „Penicillin des Gartens“?

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Der Bayerische Rundfunk berichtete kürzlich sehr informativ über Meerrettich und seine Wirkungen. „Penicillin des Gartens“ werde der Meerrettich auch genannt. Das ist zwar etwas gar gross ausgedrückt, doch kann der Meerrettich tatsächlich antimikrobielle Wirkungen entfalten.

Dr. rer. nat. Iris Eisenmann-Tappe, Sommerhausen wird in dem Beitrag zur Wirkung des Meerrettichs folgendermassen zitiert:

„Wo er oft gebraucht wird, das sind Blasenentzündungen. Wenn man merkt, oh je, das geht schon wieder los, dann muss man nicht gleich mit dem Antibiotikum schießen, sondern dann kann man auch auf den Meerrettich zurückgreifen – Wenn man das so nicht zu sich nehmen möchte, eben dann die ausreichende Anzahl von Kapseln nehmen. Und in diesem modernen Medikament bekommt der Meerrettich mit seinen Senfölen auch Hilfe von einem Partner, der Kapuzinerkresse, die auch Senföle produziert und jetzt haben wir dann eine Kombination, die zusammen sehr schlagkräftig ist.“

Quelle:

http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/gesundheit/meerrettich-heilpflanze-gesundheit-100.html

Kommentar & Ergänzung:

Von der Meerrettichwurzel können antimikrobielle Wirkungen in den Atemwegen (Bronchitis) und in den Harnwegen (Blasenentzündung) erwartet werden. Die Tagesdosis beträgt 20 g frische Meerrettichwurzel gerieben und über den Tag verteilt in mehreren Portionen. Eine scharfe Sache, die nicht allen behagt, aber gemischt mit Quark, geraffelten Äpfeln, geraffelten Karotten oder ähnlichem geht das für viele Menschen schon. Das im Zitat erwähnte Präparat heisst Angocin und ermöglicht die Anwendung von antimikrobiellen Senfölen auch Personen, denen die direkte Meerretticheinnahme zu scharf ist. Eine Filmtablette enthält allerdings nur 80 mg Meerrettichwurzelpulver und 200 mg Kapuzinerkressenkrautpulver. Das ist nicht gerade viel und man muss daher eine stattliche Anzahl Tabletten einnehmen, um eine wirksame Dosis zu erreichen (3-5mal täglich je 4-5 Filmtabletten für Erwachsene). In der Schweiz ist Angocin nicht als Arzneimittel angemeldet, kann aber durch die Apotheke auf Kundenverlangen aus Deutschland bestellt werden. Ich selber würde im Bedarfsfall die frische Meerrettichwurzel vorziehen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Phytotherapie ist plausibel….

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„Phytotherapie ist plausibel, denn pflanzliche Mittel enthalten pharmakologisch aktive Inhaltsstoffe. Die Wirkung einiger Phytopharmaka ist recht gut durch klinische Studien belegt.“

Quelle:

http://praxis.medscapemedizin.de/artikel/4900614

Kommentar & Ergänzung:

Das Zitat stammt aus einem Interview mit Prof. Dr. med. Edzard Ernst auf dem Portal „medscapemedizin.de“.

Edzard Ernst ist emeritierter Professor für Alternativmedizin der Universität Exeter (Grossbritannien) und hat komplementäre Therapien mit wissenschaftlichen Methoden untersucht.

Der Aussage von Prof. Ernst kann ich nur zustimmen – natürlich. Phytotherapie basiert auf der Wirkung pharmakologisch aktiver Inhaltsstoffe.

Deshalb gibt es meines Erachtens auch keinen plausiblen Grund, Phytotherapie zur Komplementärmedizin zu zählen, wie das heute oft unreflektiert gemacht wird. Phytotherapie gehört am ehesten zur klassischen Naturheilkunde und ist damit ein (randständiger) Bereich der Medizin.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde – was ist das?

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Und ja:

„Die Wirkung einiger Phytopharmaka ist recht gut durch klinische Studien belegt.“

Das heisst aber auch:

Die Wirkung einiger Phytopharmaka ist nur schwach oder gar nicht durch klinische Studien belegt. Was heisst das nun?

Wir müssen einen sorgfältigen Umgang finden mit solchen Phytopharmaka, die nur schwach oder gar nicht klinisch belegt sind. Man kann nicht davon ausgehen, dass solche Präparate zum Vorneherein unwirksam sind. Vielleicht fehlt nur einfach das Geld für hochwertige Forschung, die zu verlässlichen Ergebnissen führt.

Meines Erachtens darf man auch Phytopharmaka anwenden oder empfehlen, die nur schwach oder gar nicht durch klinische Studien belegt sind. Eine plausible Begründung für die Anwendung zum Beispiel aufgrund von Wirkstoffen würde ich aber voraussetzen.

Allerdings sollte man sich oder anderen keine Sicherheit punkto Wirksamkeit vorspiegeln, die bei solchen Präparaten nicht vorhanden ist.

Es geht dabei um Transparenz. Ich muss wissen, auf welchem Boden ich mit einer Heilpflanzen-Anwendung stehe und dann kann ich entscheiden, ob ich ein Präparat anwende, auch wenn die Wirkung nicht durch Studien gesichert ist.

Wer Arzneimittel verkauft, empfiehlt oder verschreibt, sollte diese Transparenz gegenüber den Patientinnen und Patienten bieten können und nicht eine Sicherheit versprechen, wenn es sie nicht gibt. Es ist wichtig, auch mit unvollständiger Gewissheit umgehen zu können – unter anderem nur schon deshalb, weil die Gewissheit oft deutlich kleiner ist, als wir uns das vorstellen und gerne hätten.

An drei Punkten wäre es aber wichtig, möglichst hohe Gewissheit zu haben und auf Belegen für die Wirksamkeit auf der Basis von klinischen Studien zu bestehen:

 

  1. Über die Grundversicherung der Krankenkassen sollen nur Präparate abgerechnet werden können, deren Wirksamkeit mit hohem Evidenzlevel belegt ist. Andernfalls könnte man alles und jedes über die Grundversicherung abrechnen.

 

  1. Wenn das Präparat entscheidend ist für die Behandlung einer gefährlichen Krankheit. In solchen Situationen sollten Therapien bevorzugt werden, deren Wirksamkeit möglichst gut belegt ist.

 

  1. Wenn das Präparat sehr teuer ist. Es gibt viele teuer verkaufte Naturheilmittel, die weder plausibel noch in ihrer Wirksamkeit belegt sind. Da liegt der Verdacht auf Abzocke einfach nahe.

 

Phytopharmaka sind interessante Arzneimittel – wenn man sich kritisch, jedoch ohne Vorurteile mit ihnen auseinandersetzt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Fenchelfrüchte bei Völlegefühl, Blähungen und krampfartigen Bauchbeschwerden

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Auf n-tv.de hat Heidi Driesner gerade einen informativen Beitrag veröffentlicht zur Verwendung von Fenchel als Gewürz, Gemüse und Heilpflanze.

Zitat zu den Wirkungen des Fenchels als Heilpflanze:

„Richtig dosiert aber lindern die ätherischen Öle in den Samen tatsächlich Blähungen und Koliken. Besonders reich sind die Samen an Anethol, es bewirkt den anisartigen Duft und Geschmack des Fenchels (befindet sich auch in Anis). Anethol steigert die Bewegung der Muskulatur in Magen und Darm und wirkt zusätzlich krampflösend. Beides zusammen hilft bei Völlegefühl, Blähungen und krampfartigen Bauchbeschwerden. Es regt außerdem den Appetit an und fördert die Verdauung. Schon Sebastian Kneipp wusste Bauchschmerzen mit Fenchel zu vertreiben. Er empfahl, 1 Esslöffel Fenchelsamen mit 150 Milliliter Milch aufzukochen und möglichst heiß in kleinen Schlucken zu trinken.

Das Fenchon im Fenchel dagegen schmeckt bitter und kampferartig. Diesem ätherischen Öl wird eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben, so dass Fenchel auch dazu beitragen kann, Bakterien und Pilze im Wachstum zu hindern.“

Quelle:

http://www.n-tv.de/leute/essen/Ein-Kraut-fuers-ganze-Leben-article14582226.html

Kommentar & Ergänzung:

Der Abschnitt umreisst die Wirkungen und Anwendungsbereiche der Fenchelfrüchte gut.

Interessant ist die Empfehlung von Sebastian Kneipp, die Fenchelfrüchte mit Milch aufzukochen.

Das Abkochen mit Milch dürfte zwar geschmacklich nicht jedermanns Sache sein, doch hat diese Variante der Teezubereitung einen interessanten Vorteil.

Weil Milch fetthaltig ist und ätherische Öle sich besser in Fett als in Wasser lösen, wird die Ausbeute an ätherischem Öl etwa doppelt so hoch sein als bei der Zubereitung mit Wasser. Allerdings muss dazu Vollmilch verwendet werden. Bei teilentrahmter Milch ist der Fettanteil zu tief.

Der letzte Abschnitt im Zitat ist etwas verwirrlich. Wenn das ätherische Fenchelöl entzündungswidrig wirkt, folgt daraus nicht die bakterienhemmende und pilzhemmende Wirkung. Das sind zwei unabhängige Wirkungen.

Die antimikrobielle Wirkung von Fenchelöl gegen Bakterien und Pilze ist aber in zahlreichen Testsystemen bestätigt worden.

Was im Zitat noch fehlt ist die schleimlösende (= expektorierende) Wirkung von Fencheltee und Fenchelöl. Sie regen die Flimmerhärchen in den Bronchien an und wirken so auswurffördernd.

Anethol und Fenchon vermindern zudem nach Inhalation die Dichte des Bronchialsekrets und verflüssigen die Atemwegsflüssigkeit.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Akupunktur und Scheinakupunktur lindern Knieschmerzen – vorübergehend

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Eine Akupunktur-Behandlung hat in einer randomisierten Studie die Schmerzen bei einer chronischen Gonarthrose (Kniegelenkarthrose) nur vorübergehend gelindert. Publiziert wurde die Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; doi: 10.1001/jama.2014.12660).

Knieschmerzen zählen nach dem 50. Lebensjahr zu den häufigen Beschwerden und zahlreiche Patienten probieren zur Linderung deer Schmerzen auch Methoden der Alternativmedizin oder Komplementärmedizin. Dabei zählt die Akupunktur zu den beliebtesten Angeboten – auch in Australien, dem Durchführungsort der Studie.

Mit der Laser-Akupunktur bieten zahlreiche Heilpraktiker eine Art „High-Tech“-Variante an, die ohne Einstiche arbeitet. Die Wirksamkeit der Akupunktur ist umstritten.

Ein Team um Rana Hinman vom Centre for Health, Exercise and Sports Medicine an der Universität Melbourne untersuchte diese Frage in einer Studie.

282 Patienten mit chronischen Knieschmerzen wurden per Zufallsprinzip auf vier Gruppen verteilt und bekamen dementsprechend:

– keine Akupunktur,

– Scheinakupunktur (bei der die Nadeln nicht eingestochen werden),

– konventionelle Akupunktur mit Nadeln,

– Laser-Akupunktur.

 

Nach Abschluss der 12-wöchigen Behandlungsphase wurden die Probanden erneut untersucht.

In allen drei Studienarmen, in denen die Patienten Akupunktur-Sitzungen erhielten (also auch nach der Scheinakupunktur), hatten sich die Schmerzen und die Funktion des Kniegelenks leicht verbessert, was Hinman auf die Erwartungen der Patienten und die vermehrte Aufmerksamkeit und die Empathie, die die Patienten durch den Akupunkteur erhielten, zurückführt.

Bei einer erneuten Untersuchung nach einem Jahr war dieser positive Effekt, nicht mehr nachweisbar.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/60320/Akupunktur-gegen-Knieschmerzen-nicht-wirksam

http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1910110

Kommentar & Ergänzung:

Dass Akupunktur gewisse Wirkungen zeigt, Scheinakupunktur aber mehr oder weniger gleich wirksam ist, hat sich schon in einer ganzen Reihe von Studien gezeigt.

Beispiel:

Brustkrebs: Akupunktur kann Nebenwirkungen der Hormontherapie lindern – Scheinakupunktur aber auch 

Akupunktur wirkt bei Übelkeit nach Bestrahlung – Scheinakupunktur aber auch 

Akupunktur bei Spannungskopfschmerzen und Migräne

In-vitro-Fertilisation: Scheinakupunktur besser als echte Akupunktur 

Bei Knieschmerzen ist aber auch die Wirksamkeit vieler medizinischer Interventionen fraglich:

Kniegelenkarthrose: Injektionen und Spiegelungen häufig wirkungslos  

Weitere Studie verneint Wirkung von Glucosamin bei Kniearthrose 

Zitat des Tages von Eckart von Hirschhausen (Zum Thema Knieoperationen)

Arthroskopie bei Arthrose des Kniegelenks: Therapeutischer Nutzen nicht belegt 

 

Insgesamt ziemlich ernüchternd.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturheilkunde in der Onkologie

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Der „Wiesbadener Kurier“ veröffentlichte ein Interview mit Professor Dr. Franz-Josef Prott, dem Leiter des Zentrums für Radiologie und Strahlentherapie am St.-Josefs-Hospital in Wiesbaden. Das Gespräch drehte sich um Risiken der Alternativmedizin und Möglichkeiten der Naturheilkunde bei Krebserkrankungen.

Zitat zu den Risiken:

„Viele Patienten, die die Diagnose Krebs erhalten, schrecken vor der Therapie mit Operation, Chemo- und Strahlentherapie zurück und wenden sich Alternativmethoden zu. Die Folgen sind fatal. Wir behandeln oft besonders Frauen mit Brustkrebs, die bei der Diagnose zuerst heilbar gewesen wären und dann, wenn sie zu uns kommen, können wir nur noch palliativ die Symptome behandeln.“

Zitate zu den Möglichkeiten der Naturheilkunde:

„Selen senkt beispielsweise die Nebenwirkungen am Darm bei Bauchbestrahlungen. Wir wenden Selen hoch dosiert sehr gerne bei Patientinnen an, die nach Bestrahlung der Lymphabflusswege bei Brustkrebs einen Lymphstau des Arms bekommen haben. Salbei, Ingwer und Honig haben wir fest im Programm bei Beschwerden der Hals- und Rachenregion.“

„Ja, unseren Patienten, die wir im Kopf- und Halsbereich bestrahlen, raten wir gerne, einen Löffel voll Honig zwischendurch einzunehmen und warmen Salbeitee stets griffbereit zu haben. Salbei wirkt antibakteriell und ist fester Bestandteil unserer Mundspülungen. Zudem helfen Traubensilberkerzenextrakte gegen Hitzewallungen, die bei einer Anti-Hormon-Therapie von Brustkrebspatientinnen oft auftreten können.“

Quelle:

http://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/es-gibt-leider-viel-hokuspokus_14496638.htm

Kommentar & Ergänzung:

Zu den Risiken:

Leider kommt es immer wieder vor, dass Menschen mit einer Krebserkrankung trotz guter Prognose eine Behandlung mit Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie ausschlagen und stattdessen auf leere Heilungsversprechungen aus der Alternativmedizin setzen. Natürlich kann jeder Mensch in der Regel selber entscheiden, ob er oder sie sich einer bestimmten Behandlung unterziehen will. Eine Krebsdiagnose setzt Menschen aber stark unter Druck (emotional, zeitlich) und das macht anfällig für Heilungsversprechungen. Umso schlimmer ist es, wenn Scharlatane diese Situation ausnutzen, den Betroffenen wirkungslose Mittel andrehen und sie manchmal sogar aktiv von wirksamen Therapien abhalten. Dass es in Situationen, in denen das Leben zu Ende geht, auch sinnvoll sein kann, auf weitere invasive Therapien zu verzichten, ist ein ganz anderes Thema.

Zu den Möglichkeiten:

Selen ist ein starkes Antioxidans (Radikalfänger). Es linderte in verschiedenen Untersuchungen Lymphödeme nach Strahlentherapie und nach Operationen. Selen soll zudem die Wirkung gewisser Chemotherapeutika verbessern und Nebenwirkungen von Chemotherapeutika lindern können. Manche Kliniken befürworten daher die Gabe von Selen parallel zu Chemotherapie und Strahlentherapie. Es gibt aber auch Einwände, die bedenkenswert sind: Chemotherapie und Strahlentherapie bewirken eine vermehrte Bildung von freien Radikalen, die sowohl für die Wirkung als auch für die Nebenwirkungen der Behandlung zentral zu sein scheinen. Ein Antioxidans wie Selen könnte daher nicht nur die Nebenwirkungen, sondern auch die therapeutische Wirkung von Chemotherapie und Strahlentherapie abschwächen:

„Antioxidantien und andere Mikronährstoffe während einer Chemo- oder Radiotherapie werden kontrovers diskutiert, da bei einer Kombination eine Abschwächung der konventionellen Tumortherapien nicht ausgeschlossen ist.“

Quelle: http://www.medicalforum.ch/docs/smf/2014/37/de/smf-02036.pdf

Ich bin nicht in der Lage, in dieser Kontroverse um Wirksamkeit und Sicherheit einer Selengabe parallel zu Chemotherapie und Strahlentherapie fundiert Stellung zu nehmen. Mich macht es allerdings eher skeptisch zu sehen, wie viele unterschiedliche positive Wirkungen dem Selen zugeschrieben werden. Das ist aber eine grundsätzliche Reaktion. Derart umfassende Fähigkeiten zum Heilen und Lindern machen mich immer skeptisch, weil sie einfach oft nicht realistisch sind. Vielleicht tue ich da dem Selen aber auch Unrecht…

Jedenfalls würde ich empfehlen, Selengaben während Chemotherapie und Strahlentherapie immer vorgängig mit dem behandelnden Onkologen, der behandelnden Onkologin zu besprechen.

 

Honig gegen Mucositis (Mundschleimhautentzündung) ist eine interessante Option. Siehe:

Palliative Care & Onkologiepflege: Honig bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Honig gegen Mundschleimhautentzündung (Mucosits) bei Chemotherapie / Bestrahlung

 

Salbei ist ein Klassiker für Spülungen bei Mundschleimhautentzündungen. Neben antimikrobiellem ätherischem Öl enthält das Salbeiblatt auch entzündungshemmende Lamiaceen-Gerbstoffe. Es gibt in diesem Bereich aber noch ein paar weitere interessante Optionen: Bei den Gerbstoffpflanzen vor allem Tormentilltinktur, ausserdem reizlindernde Schleimpflanzen (z. B. Eibischwurzel).

Siehe:

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Gerbstoffe bei Mundschleimhautentzündung

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Schleimstoffe bei Mundschleimhautentzündung 

 

– Der Anwendungsbereich für Ingwer bleibt im Interview etwas gar vage. Ingwer wird in der Onkologie hauptsächlich verwendet zur Linderung von Übelkeit.

Siehe:

Onkologie & Palliative care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen 

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Traubensilberkerzenextrakt gegen Hitzewallungen bei Anti-Östrogen-Therapie von Brustkrebspatientinnen: Das ist leider nicht so gut belegt. Traubensilberkerze (Actaea racemosa, Cimicifuga racemosa) gilt in der Phytotherapie zwar als hilfreich bei leichteren Hitzewallungen in den Wechseljahren. Die Hitzewallungen bei Anti-Östrogen-Therapie sind aber ein spezieller Fall. Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde der Universität Rostock schrieb dazu in der Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 6 / 2010):

„….für Cimicifuga ergab sich….bei dieser Personengruppe keine Überlegenheit hinsichtlich der Menopausensymptomatik gegenüber Placebo.“

Mehr dazu hier:

Phytoöstrogene und hormonrezeptorpositiver Brustkrebs

Insgesamt bietet die Naturheilkunde und vor allem auch die Phytotherapie eine ganze Reihe von interessanten Optionen zur Linderung der Nebenwirkungen von Krebstherapien.

 

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Zitat des Tages von Eckart von Hirschhausen

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Eckart von Hirschhausen ist Arzt und Kabarettist. Vor kurzem hat er dem „Tagesspiegel“ ein Interview gegeben. Zitat:

„Der Gedanke, dass die Menschen nur die nötigen Informationen brauchen, um sich nach dem aktuellen Stand des Wissens richtig zu entscheiden, der ist auf eine erschreckende Art und Weise schiefgegangen. Und das sieht man nicht nur im Bereich Medizin, aber da kenne ich mich am besten aus. Wenn wir krank sind, sind wir viel zu schnell bereit, alles, was wir über geprüftes Wissen und gute Entscheidungen gelernt haben, über Bord zu schmeißen und dubiosen Ideen zu folgen. Kristall, Kügelchen, Bachblüten sind ein Beispiel dafür. Das ist eine Ersatzreligion, das sind Glaubensinhalte geworden, das merkt man an der Vehemenz und Dogmatik, mit der beispielsweise Impf-Gegner ihren Standpunkt verteidigen. Dabei ist das eine der besten und wirksamsten Präventionsmaßnahmen, die in der Medizingeschichte entwickelt wurden. Dass wir in Deutschland wieder Kinder haben, die an Masern sterben, ist so unnötig, dass mir dafür die Worte fehlen. Wenn wir also mit Vernunft alleine offenbar nicht weiterkommen, müssen wir in der Medizin wieder mehr Magie wagen und näher ran an die irrationalen Bedürfnisse. Die Heilkunst ist durch die Jahrtausende immer auch Unterhaltungskunst gewesen, wenn man an Medizinmänner und Jahrmarktsheiler denkt. Wir brauchen heilsamen Zauber, aber wir müssen die Leute trotzdem warnen, dass sie nicht auf Scharlatane reinfallen, die ihre Sehnsucht nach Magie nutzen, um ihnen jeden Scheiß zu verkaufen. Man kann Krebs nicht mit Aprikosenkernen behandeln.“

Quelle:

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/dr-eckart-von-hirschhausen-verglichen-mit-van-gogh-geht-es-mir-blendend/10370898.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Damit bin ich grösstenteils einverstanden.

Die Gratwanderung zwischen „vor Scharlatanerie warnen“ einerseits und „mehr Magie“ beziehungsweise „näher ran an die irrationalen Bedürfnisse“ andererseits, scheint mir allerdings nicht gerade einfach.

Zudem müsste noch geklärt werden, was genau mit „Magie“ gemeint ist. An diesem Punkt kann man leicht aneinander vorbeireden, wenn der Begriff nicht konkretisiert wird.

Meiner Ansicht nach braucht es allerdings nicht „mehr Magie“ und auch kein „näher ran an irrationale Bedürfnisse“.

Ernstnehmen und genügend Zeit haben bringen schon sehr viel.

„Magische“ Geschichten kommen oft dann ins Spiel, wenn die Medizin an Grenzen kommt. Und die Medizin kommt zwangsläufig an vielen Punkten immer wieder an Grenzen, weil nicht alles heilbar und machbar ist.

Das ist oft nicht einfach zu akzeptieren, vor allem wenn man selber der Betroffene ist. Wir haben weit verbreitet ein Gesundheitsideal, das Störungen und Beschwerden nicht mehr als Teil des Lebens verstehen kann. Beschwerdefreiheit und Schmerzfreiheit werden dann als Anrecht eingefordert. Natürlich ist es jedem Mensch zu gönnen, wenn er oder sie lebenslang ohne Schmerzen und sonstige Beschwerden bleibt.

Realistisch ist es in den meisten Fällen aber wohl nicht.

„Magische“ Verfahren kommen oft dann zum Zug, wenn die Medizin diesen Anspruch auf Beschwerdefreiheit und Schmerzfreiheit nicht einlösen kann. Im weiten Feld von Komplementärmedizin und Alternativmedizin kann man lange nach immer wieder neuen Angeboten suchen. Das sind dann allerdings oft eher „Plomben“, die eine Lücke stopfen

Ernst nehmen und Zeithaben würden da oft genauso gut helfen. Genauso wie ein paar Rituale, die Zeit und Zuwendung vermitteln – ein Kräutertee etwa, eine Einreibung, ein Wickel.

Das kann noch ganz und gar „unmagisch“ bleiben, hat aber oft doch eine sehr günstige Wirkung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen bei Diabetes

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Diabetes ist ein schwieriges Gebiet für die Phytotherapie. Es schwirren zwar viele Ideen herum, aber es sind wenige fundierte Daten dazu vorhanden.

Soll ich dazu überhaupt einen Beitrag verfassen oder es bleiben lassen?

Meiner Ansicht nach ist es unseriös, immer nur Tolles zu berichten, und die Widersprüche, die offenen Fragen und die schwierigeren Terrains einfach auszulassen.

So verhalten sich jedenfalls eher manche Verkäufer oder Missionare.

Ein eigenständiges, realitätsnahes Bild kann sich aber nur machen, wer umfassend und differenziert über ein Gebiet informiert ist. Und dazu gehören eben auch Widersprüche, Lücken, offene Fragen etc.

 

Und daher lesen Sie hier manchmal auch kritische Texte, in denen Grenzen der Pflanzenheilkunde aufscheinen.

Wer nämlich immer nur tolle Heilungsgeschichten vorgesetzt bekommt, wird an der Nase herumgeführt.

 

Und nun zum Thema „Heilpflanzen und Diabetes“.

Professor Edzard Ernst aus Exeter in Großbritannien präsentierte beim Diabeteskongress in Berlin eine Reihe systematischer Reviews zur Wirksamkeit von komplementärmedizinischer Ansätzen bei Diabetes mellitus.

Ernst bezeichnete das Vorgehen vieler Befürworter der Komplementärmedizin, erwünschte Schlussfolgerungen aus Studien überzubetonen und widersprechende Evidenz nicht zu berücksichtigen, als „Rosinenpickerei“.

Ausserdem kritisierte er, dass meist nur Daten aus In-vitro-Untersuchungen und Tiermodellen vorlägen, bzw. dass die Studien von schlechter Qualität seien und nur geringe Effektgrößen zeigten.

Valide klinische Studien in diesem Bereich seien Mangelware.

Und was bleibt dann noch übrig:

 

„Ein systematisches Review, das 31 Studien (meist schlechter Qualität) einschloss, zeigte einen potenziellen Benefit bei Diabetes für Chrom, Ballaststoffe, Grünen Tee und Bockshornklee. Suksomboon et al. (J Ethnopharmacol 2011) konnten Effekte auf den HbA1c-Wert für Mariendistel und Bockshornklee, nicht aber für Süßkartoffel und Zimt zeigen. Eine Cochrane-Analyse von 7 randomisierten klinischen Studien zu ayurvedischen Ansätzen, kam zu dem Schluss, dass aufgrund der methodischen Defizite der Untersuchungen keine Bewertung möglich sei.“

 

Quelle:

 

http://www.springermedizin.de/ddg-kongress_valide-daten-zu-alternativen-behandlungsoptionen-sind-mangelware/5152590.html

(mehr Quellenangaben dort)

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Bei Diabetes sind eine adäquate Ernährungsgestaltung, Reduktion von Übergewicht und ausgiebige Bewegung wichtiger als Heilpflanzen-Anwendungen. Das sind aber eigentlich auch Bereiche der Naturheilkunde.

Ballaststoffe sind im Zitat oben pauschal aufgeführt. Sie verlangsamen die Aufnahme von Glukose. Gemeint sein könnten zum Beispiel:

– Haferkleie:

„Hafer-Beta-Glucan bildet im Magen und Dünndarm eine zähflüssige Konsistenz, die eine verlangsamte Resorption der Nährstoffe aus der gelartigen Masse zur Folge hat. Dies führt zu einem weniger starken und zeitverzögerten Anstieg des Blutglucosespiegels.“

(Quelle: Wikipedia)

– Guarkernmehl

– Johannisbrotkernmehl

– Flohsamen

– Bockshornkleesamen

 

Mariendistel ist bekannt als Leberschutzpflanze und zur unterstützenden Behandlung bei chronischen Lebererkrankungen, wobei allerdings nur Präparate wirksam sind, die einen hohen Wirkstoffgehalt aufweisen (hochkonzentrierte Extrakte, reine Silymarin-Präparate). Mariendisteltee und Mariendisteltinktur liegen mit ihrem Silymaringehalt deutlich zu tief.

 

Interessant und neu für mich ist die Erwähnung der Mariendistel im Zusammenhang mit Diabetes bzw. dem HbA1c-Wert.

 

Was ist der HbA1c-Wert:

„HbA1c ist ein Glykohämoglobin, das heißt eine Form des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), an den Glukose gebunden ist (Glykierung). Die Kopplung von Glukose an das Hämoglobin A findet ohne Enzyme statt (Amadori-Umlagerung), daher handelt es sich nicht um eine Glykosylierung.

Der Anteil des HbA1c am gesamten Hämoglobin (Hb) kann bei Blutuntersuchungen festgestellt werden. Er gibt Auskunft über die Blutzuckerwerte der letzten vier bis zwölf Wochen (im Durchschnitt acht Wochen, das ist ungefähr das mittlere Alter der Erythrozyten) und wird daher umgangssprachlich auch als Langzeit-Blutzucker oder Blutzuckergedächtnis bezeichnet.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu Zimt & Diabetes siehe:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2014/06/06/zimt-zur-senkung-des-blutzuckers-bei-diabetes.html

Zum Thema „Rosinenpicken“ hier ein Zitat von Goethe und ein paar Erläuterungen zum Single-Study-Syndrom.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Kann man Studien noch trauen?

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Es gibt Studien, die nicht vollständig offengelegt werden. Und Studien, die gar nicht publiziert werden, weil die Resultate den Sponsoren nicht genehm sind. Dann gibt es einfach schlecht gemachte, fehlerhafte Studien etc. etc.

Daher liegt die Frage auf der Hand: Kann man Studien noch trauen?

In einem Interview für die Zeitung „Der Standard“ hat Gerald Gartlehner zu diesem Thema Stellung genommen. Er ist Experte für Evidenzbasierte Medizin (EBM):

„Ja, wenn man die Gesamtheit der Studien betrachtet. Deshalb ist es so wichtig, die Industrie zu zwingen, alle Daten auf den Tisch zu legen. Auch ethisch betrachtet. Patienten, die an Studien teilnehmen, tun es ja im Glauben, die Wissenschaft zu fördern. Wenn Ergebnisse verschwinden, werden Patienten irregeführt. Das Fehlen von Evidenz mit Nichtwirksamkeit gleichzusetzen, ist aber auch ein kompletter Irrtum. Es bedeutet nur, dass es keine Studien gibt. Man muss sich bewusst sein, dass es viel Unsicherheit in der Medizin gibt. Wichtig ist es deshalb, Dinge laufend zu hinterfragen.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000004271664/Evidenzbasierte-Medizin-Den-Wohlfuehlfaktor-erhoehen

Kommentar & Ergänzung:

Die Gesamtheit der Studien betrachten, nicht nur einzelne „Rosinen“ picken. Das ist tatsächlich ein zentraler Grundsatz.

Siehe dazu auch:

Zitat von Johann Wolfgang Goethe (u. a. zum Single-Study-Syndrom)

Dass alle Daten von Studien auf den Tisch müssen, verlangt eine Petition von alltrials.

Mehr dazu hier:

Medizinische Forschung: Petition fordert volle Transparenz

(mit Informationen zum „Publikationsbias“)

Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem noch dieser Abschnitt:

„Das Fehlen von Evidenz mit Nichtwirksamkeit gleichzusetzen, ist aber auch ein kompletter Irrtum. Es bedeutet nur, dass es keine Studien gibt. Man muss sich bewusst sein, dass es viel Unsicherheit in der Medizin gibt. Wichtig ist es deshalb, Dinge laufend zu hinterfragen.“

Wir haben nämlich in der Phytotherapie Bereiche, in denen es Studien gibt, und Bereiche, in denen Studien fehlen. Oft sind es eher günstige, einfache Zubereitungen wie Kräutertees, für die keine Studien gemacht werden, weil sie nicht patentierbar sind.

Für Johanniskraut-Extrakte zum Beispiel gibt es Patente und damit Firmen, die in Studien investieren, weil der Forschungsaufwand dem Produkt wieder zugute kommt Für Johanniskrauttee investiert niemand relevant in die Forschung, weil er nicht patentierbar ist.

Es ist daher wichtig festzuhalten, dass die Nicht-Existenz von Studien noch nicht bedeutet, dass keine Wirkung vorhanden ist, sondern nur, dass man diesbezüglich wenig Sicheres weiss. Und gerade in diesem Bereich, wenn keine Studien vorliegen, ist es aber auch wichtig, kritisch zu hinterfragen, weil man sonst leicht Fremd- und Selbsttäuschungen unterliegt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zitat des Tages zum Krieg in der Ukraine

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Kommentar der konservativen Tageszeitung „Neatkariga Rita Avize“ aus Lettland zur Verschärfung des Konflikts in der Ukraine:

„In Europa herrscht Krieg. Man kann so tun, als ob es sich nur um einen weiteren lokalen Konflikt handelt. Doch die Situation ist viel ernster. Das Fundament der existierenden Weltordnung ist zerstört. Internationale Rechtsnormen zählen fast gar nichts mehr. Die Welt kehrt zurück zur Machtpolitik, bei der alles vom militärischen Potenzial bestimmt wird und von der Bereitschaft, dieses anzuwenden. Russische Panzer dringen in den Süden der Ukraine ein. Allein diejenigen, die sich hartnäckig weigern, das Offensichtliche anzuerkennen, bewahren sich die Möglichkeit, weiterhin den Kopf in den Sand zu stecken.“

Quelle:

http://www.focus.de/politik/ausland/ukraine-im-news-ticker-obama-wuetet-gegen-putin-will-aber-nicht-eingreifen_id_4093825.html

Putin bezeichnet die eroberten Gebiete in der Ostukraine inzwischen offen als „Neurussland“. Neue Ehrlichkeit ausgebrochen nach Monaten der Verschleierung und der Lügen?

Meiner Ansicht nach wäre nun eine breite Bewegung aus der Zivilgesellschaft angebracht, um Putin auf der sportlichen Ebene zu isolieren.

Dem Warlord Putin sollte keine Plattform geboten werden – zum Beispiel an der Fussball-WM 2018 in Russland. Die FIFA soll die Austragung an ein anderes Land vergeben. Das wäre zwar nur von symbolischer Bedeutung, aber auch ein deutliches Zeichen ist besser als keine Reaktion. Schweigen passt jedenfalls nicht mehr.

Hier geht’s zum Kontaktformular der FIFA, mit dem Sie dieses Anliegen dem Fussballverband mitteilen können:

http://de.fifa.com/contact/form.html

 

Wichtig wäre aber auch, die Sponsoren unter Druck zu setzen und zu fragen, ob sie wirklich in diesem kriegerischen Umfeld werben wollen:

Coca-Cola, Adidas, Hyundai, Visa.

Und ideal wäre eigentlich ein Netzwerk von Gruppen, die diesen Druck aufbauen. Und als Kern dieses Netzwerks wäre eine fussballnahe Gruppe ideal.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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