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Olbas Tropfen – ein Gemisch von ätherischen Ölen – getestet auf antimikrobielle Wirkung

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Olbas Tropfen – ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel – enthalten ein Destillat aus einer Mischung von Pfefferminzöl, Cajeputöl, Eukalyptusöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl im Verhältnis von 53 : 21 : 21 : 3 : 2.

Das Präparat wird traditionell zur Einnahme und Inhalation bei Erkältungskrankheiten (Husten, Schnupfen, Heiserkeit) empfohlen, zur Einnahme bei leichten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, zur äußerlichen Anwendung bei leichten Kopfschmerzen, beispielsweise bei Verspannungszuständen, sowie zur äußerlichen Anwendung bei umschriebenen (lokalen) Muskelschmerzen nach Überanstrengung / Fehlbelastung. Darüber hinaus ist es auch bekannt für seine Anwendung bei diversen Sportverletzungen.

Die „Pharmazeutische Zeitung“ hat den Stand der Forschung zu Olbas zusammengestellt. Daraus lassen sich interessante Schlüsse ziehen. unter anderem auch bezüglich der antimikrobiellen Wirkungen der einzelnen ätherischen Öle, die Bestandteil der Olbas-Mischung sind.

Zahlreiche Laboruntersuchungen (in-vitro) belegen zweifelsfrei die antimikrobielle Wirkung von ätherischen Ölen. Viele Bakterien, Pilze und Viren reagieren äusserst sensibel auf ätherische Öle.

Solche positiven Resultate lassen den unterstützenden oder zum Teil alleinigen Einsatz von ätherischen Ölen in der Phytotherapie und Aromatherapie bei Haut- und Wundinfektionen sowie bei Erkältungskrankheiten plausibel erscheinen.

Eine In-vitro-Studie untersuchte das antimikrobielle Potenzial von Olbas im Vergleich zu seinen individuellen Basisölen (Cajeputöl, Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl). Die Ergebnisse zeigen, dass Olbas ein relativ breites Wirkungsspektrum mit insgesamt guter bis sehr guter antimikrobieller Wirkung gegen alle Testkeime besitzt, einschließlich Methicillin-resistenter (MRSA) Stämme und Vancomycin-resistenter Enterococcus (VRE) Stämme. Besonders hervorgehoben wird von den Autoren die relativ hohe Sensibilität der Bakterien Acinetobacter baumanii, Escherichia coli und Pseudomonas aeruginosa sowie des Hefepilzes Candida albicans gegen Olbas. Die genannten Bakterien bewirken Wundinfektionen sowie Spitalinfektionen und erweisen sich oft als multiresistent gegen verschiedene Antibiotika. Im Fall der erwähnten Untersuchung war Pseudomonas aeruginosa gegen die Antibiotika Ampicillin und Vancomycin resistent. Interessant ist die Wirksamkeit gegen Pseudomonas aeruginosa, weil dieser Keim gegen zahlreiche ätherische Öle eine stark verminderte Sensibilität aufweist. Dies hängt damit zusammen, dass Pseudomonas aeruginosa über sogenannte MDR-Effluxpumpen verfügt, die in der Lage sind, eingedrungene Monoterpene (= Bestandteile vieler ätherischer Öle) wieder aus der Zelle zu schleusen.

Vergleicht man die Wirksamkeit der einzelnen Basisöle mit derjenigen der Olbas-Kombination, dann sind nur die antimikrobiellen Aktivitäten von Pfefferminzöl und Cajeputöl erwähnenswert. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die antimikrobielle In-vitro-Wirkung von Olbas weitgehend auf derjenigen von Pfefferminzöl beruht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51283

Kommentar & Ergänzung:

Für mich sind vor allem die Vergleichswerte der verschiedenen ätherischen Öle interessant. Die detaillierten Werte sind im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ in einer Tabelle zusammengestellt.

Bemerkenswert ist für mich die klare Überlegenheit von Pfefferminzöl gegen Bakterien. Nur gegen Pseudomonas aeruginosa ist Cajeputöl sehr deutlich und Eukalyptusöl deutlich wirksamer. Und gegen Streptococcus pyogenes und Streptococcus oralis ist Pfefferminzöl gleichauf mit Cajeputöl an der Spitze. Auch gegen Hefepilze (Candida albicans) zeigt Pfefferminzöl von den untersuchten Einzelöle die beste Wirkung.

Cajeputöl (aus Melaleuca leucadendra) ist botanisch verwandt mit Teebaumöl (aus Melaleuca alternifolia).

Generell muss zu diesen Untersuchungsergebnissen gesagt werden:

Dass ätherische Öle zum Teil bemerkenswerte antimikrobielle Wirkungen haben und in dieser Hinsicht angesichts zunehmender Antibiotika-Resistenzen vermehrte Beachtung verdienen, steht ausser Frage.

Man muss aber wissen, dass solche eindrücklichen Ergebnisse wie in der beschriebenen Untersuchung im Labor stattfinden, in dem ätherische Öle in eine Bakterien- oder Pilzkultur appliziert werden. Das ist ein sehr direkter Kontakt mit hoher Konzentration.

Mir fällt einfach auf, dass in der Aromatherapie-Literatur solche In-vitro-Ergebnisse oft sehr schnell auf die Anwendung von Aromaölen im Alltag übertragen werden. Beispielsweise wird dann einem ätherischen Öl, das im Labor in einer Bakterienkultur einen Spitalkeim abtöten kann, auch zugetraut, dass es diesen Spitalkeim genauso hemmt, wenn man es im Spital als Duft einsetzt. Das sind aber zwei völlig unterschiedliche Kontexte und es wird beim Verdunstenlassen im Raum einfach nicht annähernd die Konzentration erreicht, die in der Bakterienkultur direkt wirksam wird.

Der Kontext, in dem eine Erkenntnis gewonnen wurde, darf bei der Beurteilung nicht ausser acht gelassen werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Curcumin wirkt gegen Hepatitis-C-Viren

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Curcumin verleiht Curry seine leuchtend gelbe Farbe und kommt in der Pflanze Gelbwurzel vor (= Kurkuma, Curcuma longa).

Curcumin ist jedoch nicht nur Farbgeber, es hat auch Heilwirkungen. Forscher aus Hannover konnten nun nachweisen, dass der gelbe Farbstoff gegen Hepatitis-C-Viren wirkt. Curcumin hindert die Viren daran, in die Leberzellen einzudringen. Außerdem hemme der Farbstoff den Übergang der Viren von einer Zelle zur nächsten, schreiben die Wissenschaftler. Sie erzielten nach eigenen Angaben gute Resultate, wenn sie Curcumin mit den handelsüblichen Medikamenten kombiniert verabreichten.

Ein Problem allerdings gebe es: Curcumin werde im Körper rasch abgebaut und wirkt deshalb nur kurze Zeit. Die Forscher arbeiten nun daran die Verweildauer zu verlängern.

Weltweit sollen rund 130 Millionen Menschen mit den Hepatitis-C-Viren infiziert sein Nach Angaben der Wissenschaftler aus Hannover ist die Infektionskrankheit die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation.

Quelle:

http://www.dradiowissen.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=258090

Kommentar & Ergänzung:

Curcumin ist ein sehr interessanter Naturstoff, der intensiv erforscht wird.

Ich habe versucht, über diese Forschung in Hannover mehr in Erfahrung zu bringen, obwohl eine genaue Quellenangabe fehlt.

Es dürfte sich wohl um diese Publikation handeln:

http://gut.bmj.com/content/early/2013/07/31/gutjnl-2012-304299.abstract

Im Text auf DRadio Wissen fehlt meines Erachtens der Hinweis, dass es sich hier um Laborexperimente an Zellen handelt. Von solchen In-vitro-Experimenten ist es nohc ein riesiger Schritt bis hin zu einer allenfalls wirksamen Therapie in der Leber von Hepatitispatienten. Nicht nur die kurze Verweildauer von Curcumin im Körper ist dabei ein Problem. Curcumin wird auch schlecht aufgenommen aus dem Verdauungstrakt und es müsste noch geklärt werden, ob es möglich ist, Curcumin in ausreichend hoher Konzentration in die Leber von Hepatitiskranken zu bringen.

Solche Probleme gibt es im Labor an isolierten Zellen nicht.

Den beteiligten Forschern sind dies Einschränkungen klar, aber in der Medienberichterstattung gehen sie oft unter, so dass ein zu optimistischen Bild transportiert wird.  Es macht dann oft den Eindruck, man stehe hier kurz vor einem therapeutischen Durchbruch.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturkunde: Mauerpfeffer (Sedum)

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Auf Alpenblumen-Exkursionen sind Mauerpfeffer immer wieder faszinierende Entdeckungen. Hier deshalb eine kleine Einführung als „Hommage“ an die kleinen Wunder am Wegrand.

Mauerpfeffer ( = Fetthennen, Sedum) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae).

Die Mauerpfeffer sind mehr oder weniger sukkulent. Vor allem die fleischigen Laubblätter speichern Wasser.

Hier als Beispiele einige Informationen zu vier interessanten einheimischen Sedum-Arten:

Sedum acre – Scharfer Mauerpfeffer

(Foto auf Wikipedia)

Der Scharfe Mauerpfeffer eignet sich als Zierpflanze z. B. zur Dachbegrünung und ist auch für Wildpflanzengärten zu empfehlen.

Die Blätter der Pflanze schmecken nach einigem Kauen meist scharf, wovon sich auch der Name Mauerpfeffer ableitet. Der scharfe Geschmack geht beim Trocknen allerdings verloren.

Der Scharfe Mauerpfeffer ist eine alte Heilpflanze, die schon 300 v. Chr. genutzt wurde. Um das Jahr 70 n. Chr. beschreibt der griechische Arzt Dioscurides die Verwendung des reizenden und ätzenden Saftes der Pflanze. Im 16. Jahrhundert wurde der Scharfe Mauerpfeffer in verschiedenen Kräuterbüchern erwähnt, unter anderem bei Lonicerus, Matthiolus und Dodoneaus. In den nachfolgenden Jahren setzten berühmte Mediziner wie Albrecht von Haller und Christoph Wilhelm Hufeland die Pflanze als Heilmittel ein.

Das war möglicherweise nicht gerade ohne Risiko, denn durch Versuche des französischen Toxikologen Mathieu Orfila wurde die Giftigkeit von Sedum acre nachgewiesen. Durch Tierexperimente wies der Pharmakologe Jüngst 1888 nach, dass die Pflanze ein ausgesprochenes Gift für das Zentralnervensystem ist. Er isolierte ein Alkaloidgemisch, welches er Sedin nannte. 1945 isolierte der Kanadier Marion, geringe Mengen Nikotin und Sedamin, das erste Sedumalkaloid, aus dem Scharfen Mauerpfeffer. Danach wurden noch zahlreiche weitere Alkaloide in der Pflanze entdeckt. Als weitere Wirkstoffgruppen im Scharfen Mauerpfeffers wurden im 20. Jahrhundert Flavonoide bzw. deren Glycoside nachgewiesen.

Der Scharfe Mauerpfeffer ist eindrücklich austrocknungsresistent. Die Pflanze wächst nach dem Pressen im Herbarium weiter, wenn sie nicht vorher zum Beispiel abgebrüht wird.

Sedum album – Weisser Mauerpfeffer (Weisse Fetthenne)

Foto auf Wikipedia.

Der Weisse Mauerpfeffer dient verschiedenen Schmetterlingen als Raupenfutterpflanze. Dazu gehören vor allem folgende Arten: Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion) und Apollofalter (Parnassius apollo).

Der Weisse Mauerpfeffer ist gärtnerisch bedeutsam als Bodendecker für extreme Standorte. Er wurde früher auch als Salat- und Arzneipflanze angebaut.

Sedum atratum – Dunkler Mauerpfeffer

Foto auf Wikipedia

Der Dunkle Mauerpfeffer gehört zu den wenigen einjährigen Hochgebirgspflanzen (einjährig überwinternd). Seine Samen keimen schon im Herbst und überwintern als Keimlinge unter der Schneedecke.

Der Anteil der einjährigen Pflanzen nimmt im Gebirge mit zunehmender Höhe ab. Durch die kurze Vegetationszeit in den Bergen werden mehrjährige Pflanzen begünstigt, die im Frühjahr mit Reserven aus dem Vorjahr starten können. Einjährige Pflanzen starten dagegen als Samen mit sehr wenig „Proviant“ und müssen den ganzen Lebenszyklus in kurzer Zeit vollenden. Der Dunkle Mauerpfeffer ist im Gebirge daher ein Überlebenskünstler.

Sedum rupestre ( = Sedum reflexum) – Felsen-Mauerpfeffer ( = Felsen-Fetthenne, Tripmadam)

Foto auf Wikipedia.

Der Name Tripmadam ( = Dickmadam) spielt wie „Fetthenne“ auf die dickfleischigen Blätter an.

Tripmadam spielt eine Rolle als säuerlich schmeckendes Küchenkraut (Blätter und Spitzen nichtblühender Triebe) für Suppen oder Salate. Sie wird dann auch als „Grüne Tripmadam“ bezeichnet.

Als Zierpflanze genutzt (Beeteinfassungen).

Anpassung an Trockenheit: CAM-Stoffwechsel

Die meisten Mauerpfefferarten sind CAM-Pflanzen.

Der Crassulaceen-Säurestoffwechsel (kurz CAM von Crassulacean Acid Metabolism) ist ein spezieller Stoffwechsel verschiedener Pflanzen.

Die meisten Pflanzen führen die Aufnahme und die Fixierung von Kohlenstoffdioxid am Tag durch. Bei CAM-Pflanzen sind diese Vorgänge zeitlich voneinander getrennt. Das für die Photosynthese benötigte Kohlenstoffdioxid wird dabei in der Nacht aufgenommen und chemisch in Form von Äpfelsäure in den Vakuolen der Zelle gespeichert. Am folgenden Tag wird das Kohlenstoffdioxid aus der Äpfelsäure wieder freigesetzt und dem Aufbau von Kohlenhydraten im Calvin-Zyklus zugeführt.

Der Vorteil des CAM-Mechanismus besteht darin, dass die Pflanze während der (heißen) Tagesstunden ihre Spaltöffnungen geschlossen lassen kann, wodurch sie deutlich weniger Wasser durch Transpiration verliert und trotzdem Kohlenstoffdioxid immer in genügender Menge im Calvin-Zyklus zur Verfügung hat.

Die Mauerpfefferarten sind spannende und zugleich schöne Pflanzen.

Wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenstoffe in der Krebsforschung: Betulinsäure

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Betulinsäure findet sich in zahlreichen Pflanzenarten, vor allem in der Rinde von Bäumen aus den Familien der Platanengewächse, der Birkengewächse und der Ebenholzgewächse, bspw. mit etwa 2,5 Prozent in Rinde von Platanen (Platanus acerifolia) und zu einem geringen Prozentsatz in dem getrockneten Rindensaft von Birken (lat. Betula, deshalb der Name Betulinsäure).

Die Zeitung „Der Standard“ berichtet über die Betulinsäure-Forschung von Simone Fulda und ihrem Team am Frankfurter Institut für experimentelle Tumorforschung. Zu ihren Forschungsinteressen gehört es, nach Naturstoffen aus Pflanzen zu suchen, die in der Lage sind, Zelltodmechanismen zu beeinflussen.

Es geht dabei um den programmierten Zelltod – die sogenannte Apoptose. Jede gesunde Körperzelle besitzt ein solches eigenes „Selbstmord-Programm“. Es wird aktiviert, sobald es zu fehlerhaften Abläufen in der Zelle kommt. „Zellen entarten erst, wenn dieses Programm nicht mehr funktioniert“, erläutert Fulda. Zwar ist dieser Mechanismus sämtlichen Krebserkrankungen gemeinsam, aber er funktioniert tumorspezifisch und muss daher auch separat in den verschiedenen Tumoren untersucht werden.

Einer der Naturstoffe mit Wirkung auf die Apoptose ist die Betulinsäure. Sie findet sich in der Rinde von Platanen und Birken und könnte hauptsächlich Kindern mit Hirntumoren Heilungschancen bringen.

Bösartige Erkrankungen im Gehirn und Rückenmark bilden eine große Gruppe solider Tumore im Kindesalter, und die Prognose ist in zahlreichen Fällen nach wie vor schlecht – hauptsächlich darum, weil viele Tumore nicht operabel sind. Im Labor hat die Betulinsäure ihren tödlichen Effekt auf Tumorzellen bereits gezeigt. Nun sind klinische Studien mit der Substanz geplant. Die Wirksamkeit der Betulinsäure bei Patienten mit Neuroblastomen und Glioblastomen soll geprüft werden. Was die Betulinsäure zusätzlich auszeichnet: Sie hat nur wenig Einfluss auf gesunde Zellen und könnte verglichen mit anderen zytostatischen Substanzen geringere Nebenwirkungen hervorrufen.

Quelle:

http://derstandard.at/1336435207120/Schwerpunkt-Krebs-Warum-auch-Kinder-an-Krebs-erkranken

Hier die Angaben zur Verwendung der Betulinsäure bei Wikipedia:

„Betulinsäure wirkt im Laborversuch hemmend gegenüber Melanomzellen (durch Einleitung des Zelltod-Programms), und HI-Viren (durch Hemmung der reversen Transkriptase). Sie bildet die Ausgangssubstanz für weiterentwickelte AIDS-Medikamente wie Bevirimat (PA-457), welches zur Zeit klinisch getestet wird. Die Wirksamkeit von Betulinsäure gegen Dermatophyten und Plasmodien deutet auf den ursprünglichen Nutzen des Stoffes gegen Pilz- und Plasmodienbefall der Pflanze. Für die medizinische Anwendung gegen Malaria sind die erforderliche Dosis bzw. deren Nebenwirkungen aber zu hoch.“

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt eine sehr grosse Zahl von Naturstoffen, die für die Forschung interessant sind und grosses Potenzial haben – auch im Bereich der Tumorforschung. Betulinsäure ist eine solche Substanz.

Festgehalten werden muss aber: Wenn für eine Substanz erst positive Resultate aus Laborversuchen an isolierten Zellen oder Geweben vorliegen, ist eine zurückhaltende, vorsichtige Interpretation angebracht. Vorschnelle Versprechungen sind zu vermeiden, weil noch völlig unklar ist, ob die Substanz im lebenden Organismus von Patienten ebenfalls eine positive Wirkung zeigt. Entscheidend sind die Resultate von klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten.

Grundsätzlich sind aber natürlich in der Tumorforschung Substanzen sehr interessant, die Krebszellen töten können, gesunde Zellen aber möglichst schonen. Und eine solche Differenzierung tönt der Artikel im „Standard“ für die Betulinsäure an.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Rosmarintinktur bei Blutarmut?

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Kürzlich ging ich hier in Winterthur in die Naturdrogerie. Auf dem Ladentisch sah ich ein Plakat, auf dem Rosmarintinktur bei Blutarmut empfohlen wurde. Ich stutzte, weil in der ganzen Phytotherapie-Fachliteratur kein Hinweis auf eine solche Wirkung von Rosmarintinktur existiert. Auf dem Schild stand ausserdem: Fragen Sie unser kompetentes Personal. Und so fragte ich nach…

„Wie wirkt denn die Rosmarintinktur genau gegen Blutarmut?“

Die Drogistin macht einen sehr überraschten Eindruck. Offenbar stellen Kunden normalerweise keine so dummen Fragen. Dann versucht sie zu erklären, dass die Rosmarintinktur die Aufnahme von Eisen in die Zelle verbessert. Immerhin, offenbar eine spontan entwickelte Idee, denn im welche Zellen Rosmarintinktur die Eisenaufnahme erhöht, kann sie nicht sagen. Und woher sie diese Idee hat, auch nicht.

Es bleibt ein grosses Fragezeichen. Eine andere Drogistin versucht mir dann zu erklären, dass ich halt zur „Schulmedizin“ müsse, wenn ich Beweise wolle. Ich habe aber keine Beweise verlangt, sondern nur nach Begründungen gefragt. Das ist nicht das selbe.

Aber ich lerne daraus: Wer in dieser Drogerie Naturheilmittel kauft, ist mit Fragen fehlt am Platz und soll einfach vertrauensvoll glauben, was der Tinkturenhersteller als Heilwirkung seiner Produkte behauptet. Hauptsache der Rubel rollt. Mit fachlicher Beratung hat das aber nichts zu tun, vielmehr ist es ein Ausdruck von Willkürlichkeit.

Meine Empfehlung: Stellen Sie Fragen, wenn Sie in Apotheken oder Drogerien Naturheilmittel kaufen. Verlangen Sie Begründungen für versprochene Wirkungen.

Versprechungen sind nämlich sehr leicht gemacht. Dafür braucht es kein Fachpersonal. Das kann ein Kiosk auch.

P.S: Hier die Anwendungsbereiche von Rosmarin, wie sie in der Phytotherapie von den Qualitätssicherungsgremien (Kommission E, ESCOP-Monografien) akzeptiert wurden:

„Rosmarinblätter

Innerlich bei dyspeptischen Beschwerden; äußerlich zur unterstützenden Therapie rheumatischer Erkrankungen; Kreislaufbeschwerden (Kommission E); zur Verbesserung der Leber- und Gallefunktion sowie bei dyspeptischen Beschwerden; äußerlich zur unterstützenden Therapie rheumatischer Erkrankungen und bei Kreislaufbeschwerden sowie als leichtes Antisepticum zur Förderung der Wundheilung (ESCOP).“

Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/rosmarin.php

Das sind also die anerkannten Anwendungsgebiete des Rosmarins.

Rosmarin ist als Gewürz und als Heilpflanze beliebt und auch geschätzt. Kritisch muss zu den oben erwähnten Anwendungsbereichen allerdings angemerkt werden, dass die Angaben ziemlich vage bleiben: Dyspeptische Beschwerden, damit sind Verdauungsbeschwerden gemeint. Aber „Verdauungsbeschwerden“ ist alles andere als präzis. Präziser und meines Erachtens auch vertretbar wäre „Blähungen“ und „Völlegefühl“.

Genauso vage ist der Begriff „Kreislaufbeschwerden“. Rosmarinöl gilt als belebend bei Hypotonie (niedriger Blutdruck).

Von einer Wirkung von Rosmarintee oder Rosmarintinktur bei Blutarmut ist in der Phytotherapie-Fachliteratur aber keine Rede.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“. Sie lernen dabei unter anderem Versprechungen von Herstellern und Verkäufern von Naturheilmitteln auf den Zahn zu fühlen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Johanniskraut: Wechselwirkung mit Kontrazeptiva

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Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurden vor kurzem folgende Fragen gestellt:

„Gibt es Interaktionen von Johanniskraut mit Kontrazeptiva und anderen Arzneien?

Macht Johanniskraut sonnenlichtempfindlich?

Gibt es Studien zu Rezeptoreninteraktionen oder Hinweise auf Einflüsse aus Transportproteinen?

Die Antworten darauf verfasste Professor Karen Nieber.

Zur Frage der Interaktionen (Wechselwirkungen) mit Kontrazeptiva („Pille“):

„Die Frage zu Interaktionen von Johanniskraut mit Kontrazeptiva ist nicht mit ja und nein zu beantworten. Nach meinen Recherchen ist die klinische Relevanz der Interaktion mit Kontrazeptiva vom Gehalt des Hypericins abhängig. Unumstritten ist eine Interaktion von Johanniskraut mit dem CYP-System und mit P-Glycoprotein. Diese Interaktionen sind vielfach in vitro nachgewiesen. Die klinischen Studien sind sehr differenziert.

Will Shahab und Mitarbeiter haben keine Interaktion nachgewiesen. Sie verwendeten Ze 117 (0,2  Hypericin) 500 mg/d und Lovella (0,02 mg Ethinylestradiol plus 0,15 mg Desogestrel).

Ausgewertet wurde nach drei Monaten Ethinylestradiol und 3-Ketodesogestrel. Murphy et al. untersuchten Loestin 1/10 (0,02  mg Norethindron / 0,15 mg Ethinylestradiol) und 300 mg Johanniskraut dreimal täglich. Sie fanden eine erhöhte Metabolisierung von Norethindron und Ethinylestradiol.

Auch Pfrunder et al. verwendeten ein Niedrigdosis-Kontrazeptivum wie Will-Shahab. Allerdings höher dosiertes Hypericin (Jarsin 0,3 %). Sie fanden keinen Einfluss auf die Ovulation, aber eine verminderte Serumkonzentration von 3-Ketodesogestrel. Bei den Studien wurden allerdings immer nur 16 bis 18 Personen eingeschlossen, sodass es sich um kleine Studien handelt. Dadurch ist natürlich die Aussagekraft eingeschränkt.“

Kommentar:

Dass es Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut-Präparaten und der „Pille“ gibt, steht ausser Frage. Wie stark diese Interaktionen bei den verschiedenen Johanniskraut-Präparaten ausfallen und wie relevant sie in der konkreten Situation sind, das wird immer noch sehr kontrovers diskutiert. Karin Nieber irrt sich allerdings, wenn sie für die Interaktion zwischen Johanniskraut und Kontrazeptiva den Hypericin-Gehalt als massgebend aufführt.

Die Phytotherapie-Fachliteratur sieht hier Hyperforin als entscheidenden Inhaltsstoff.

„Hyperforin, ein Inhaltsstoff von Johanniskraut, induziert dosisabhängig die Aktivität der Enzyme CYP3A4, CYP2C9, CYP2C19 und von P-Glykoprotein. Das bedeutet, dass alle Arzneistoffe, bei deren Metabolismus die genannten Proteine eine Rolle spielen, bei gleichzeitiger Gabe von Johanniskraut-Präparaten beschleunigt abgebaut werden, verminderte Blutspiegel sind das Resultat.“

(Quelle: Praktische Aspekte zur Anwendung von Johanniskrautpräparaten, Univ.-Doz. Dr. Reinhard Länger, PHYTOTherapie Austria 4 / 2010)

Reinhard Länger ist ein Top-Experte für die Wirkungen, Interaktionen und Nebenwirkungen von Johanniskraut, während Karin Nieber schon anderweitig fragwürdig aufgefallen ist.

Siehe: Laborstudie mit negativem Ergebnis für Homöopathie

Ein Professorentitel ist also noch kein Garant für Glaubwürdigkeit.

Zum Thema „Johanniskraut & Pille“ siehe auch:

Johanniskraut und Anti-Baby-Pille – Warnungen gerechtfertigt?

Generell zu Wechselwirkungen von Johanniskraut:

Phytotherapie: Wechselwirkungen von Johanniskraut

Phytotherapie: Johanniskraut-Wechselwirkungen

Zur Frage, ob Johanniskraut die Sonnenempfindlichkeit steigert, schreibt Karin Nieber:

„Die zweite Frage ist klar zu beantworten. Johanniskraut hat eine phototoxische Wirkung, Der Angriffspunkt sind wahrscheinlich die Mitochondrien der Zelle.“

Kommentar: Für diese Wirkung ist Hypericin verantwortlich.

Siehe dazu:

Risiko der Photosensibilisierung durch Johanniskraut wird überschätzt

Meiner Ansicht nach sollte man das Thema der Photosensibilisierung durch Johanniskraut weder dramatisieren noch unter den Tisch wischen.

Quelle des Betrages im Phyto-Forum:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/article/661761/phyto-forum-interagiert-johanniskraut-kontrazeptiva.html?sh=73&h=-1436656583

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