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Interessantes zum Nocebo-Effekt

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Kennen Sie den Nocebo-Effekt?

Damit sind unerwünschte Nebenwirkungen gemeint, die aufgrund einer negativen Erwartungshaltung (z. B. Befürchtungen) entstehen.

Der Nocebo-Effekt ist quasi der böse Bruder des Placebo-Effekts (= erwünschte Wirkungen durch eine Erwartungshaltung).

Alles, was beim Patienten den Eindruck erweckt, medizinisch behandelt zu werden, kann Placebo- und Noceboeffekte auslösen: ein Gespräch, Handauflegen, mit Nadeln stechen, eine Spritze, eine Tablette, ein Wickel, ein Kräutertee…einfach alles, was im Auge des Patienten nach Therapie aussieht.

Während die Placebo-Wirkung zunehmend erforscht und in den Medien thematisiert wird, ist dies beim Nocebo-Effekt weniger der Fall.

Das ist schade, denn genauso wie der Placebo-Effekt ist auch der Nocebo-Effekt faszinierend und zugleich sehr bedeutsam in verschiedener Hinsicht.

Eindrücklich beobachten lässt sich der Nocebo-Effekt In randomisiert-kontrollierten Studien.

In solchen Studien bekommt eine Patientengruppe das zu testende Medikament verabreicht und eine andere Patientengruppe zur Kontrolle ein Scheinmedikament. Welcher Gruppe sie zugeteilt werden, wissen die Probanden dabei nicht. Noceboeffekte sind nun jene Nebenwirkungen, die sich in der Patientengruppe mit dem Scheinmedikament zeigen. Obwohl diese Patienten also gar keinen Wirkstoff bekommen, können die Nebenwirkungen heftig und häufig sein; so heftig, dass Teilnehmer aus diesem Grund die Studie beenden müssen: Zwischen sechs und zwölf Prozent der Probanden in der Placebogruppe leiden an so starken Nebenwirkungen, dass sie die Studie vorzeitig abbrechen. Der Noceboeffekt kann also massive gesundheitliche Einschränkungen bewirken. Gemäss einer Meta-Analyse leiden rund die Hälfte aller Studienteilnehmer in der Placebogruppe Nebenwirkungen, der Wert schwankt jedoch stark in den einzelnen Studien

Interessant ist daran vor allem, dass die Nebenwirkungen der Scheinbehandlung zu den Nebenwirkungen des jeweils getesteten Medikaments passen, also sehr spezifisch sind.

Der Grund dafür liegt darin, dass alle Teilnehmer einer Studie vor Studienbeginn die gleiche Aufklärung bekommen, egal ob sie anschliessen per Zufallentscheid der Vergleichsgruppe (Placebogruppe) mit dem Scheinmedikament oder der Gruppe mit dem richtigen Medikament zugeteilt werden. Zur notwendigen Aufklärung zählen auch die Informationen über mögliche Nebenwirkungen. Die Probanden wissen also, welche Nebenwirkungen sie zu erwarten haben – und genau diese treten dann bei einigen der Placebogruppen-Teilnehmer auch auf. Die Erwartungshaltung bewirkt diese Nebenwirkungen.

Quelle und weitere Infos zum Nocebo-Effekt:

http://www.medizin-transparent.at/nocebo-wenn-nichts-schadet

Kommentar & Ergänzung:

Nocebo-Effekte sind allgegenwärtig und sehr bedeutsam.

Beispiele:

1. Nebenwirkungslisten in Beipackzetteln von Medikamenten

Ellenlange Nebenwirkungslisten in Beipackzetteln von Medikamenten dürften wohl dazu beitragen, dass aufgeführte Nebenwirkungen tatsächlich vermehrt auftreten. Patientinnen und Patienten müssen selbstverständlich über mögliche Nebenwirkungen informiert sein. Wenn aber viele auch sehr selten auftretende Nebenwirkungen aufgeführt werden, nährt dies Befürchtungen, die zu negativen Erwartungshaltungen und damit zu Nocebo-Effekten führen können.

2. Nocebo-Effekte beim Thema „Amalgam“

Nocebo-Effekte spielen auch eine wichtige gesundheitliche Rolle ausserhalb von medizinischen Therapieverfahren, beispielsweise beim Stichwort „Amalgam“.

Siehe dazu auch:

Forschungsprojekt verneint Risiko durch Amalgam-Füllungen

Ich will nicht grundsätzlich ausschliessen, dass Amalgam möglicherweise in Einzelfällen gesundheitliche Auswirkungen haben könnte, obwohl eindeutige Belege dafür fehlen. Klar scheint mir allerdings, dass in diesem Bereich Nocebo-Effekte sehr grosse Bedeutung haben. Auffallend ist jedenfalls, dass alle nur irgendwie möglichen psychischen und körperlichen Beschwerden auf Amalgam zurückgeführt werden. Das deutet auf einen „Super-Nocebo-Effekt“ hin. Davon profitieren in grossem Stil naturheilkundliche „Ausleitverfahren“ und die „ganzheitliche Zahnmedizin“.

Wenn die Beschwerden, die dem Amalgam angelastet werden, nichts mit dieser Substanz zu tun haben, dann folgt daraus allerdings nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Die Beschwerden sind echt.

3. Nocebo-Effekte beim Thema „Elektrosmog“

Beim Thema „Elektrosmog“ (umgangssprachlich für nichtionisierende Strahlung) scheint mir die Situation in vielem ähnlich wie beim Thema „Amalgam“.

Ich würde Warnungen bezüglich „Elektrosmog“ nicht einfach generell auf die leichte Schulter nehmen und halte es für sinnvoll, wenn die Entwicklung in diesem Bereich kontinuierlich mittels wissenschaftlicher Studien auf allfällige gesundheitliche Risiken überprüft wird. Substanzen wie PCB, DDT, Lindan, Asbest etc. wurden schliesslich auch jahrzehntelang als unproblematisch betrachtet.

Ein Beispiel für solche Forschungen war das nationale Forschungsprogramm NFP 57 des Nationalfonds, das den Einfluss nichtionisierender Strahlung (NIS) auf Umwelt und Gesundheit unter die Lupe nahm.

Siehe dazu:

Entwarnung, aber kein grünes Licht

Dass Nocebo-Effekte beim Thema Elektrosmog eine wichtige Rolle spielen, ist allerdings überaus deutlich erkennbar.

Testet man nämlich „elektrosensible“ Menschen, können sie nicht mit überzufälliger  Trefferquote sagen, ob eine Antenne, deren Strahlung sie ausgesetzt sind, eingeschaltet ist oder nicht.

„An der englischen Universität Essex wurde in einer über drei Jahre dauernden Studie das Verhalten von 44 Versuchspersonen untersucht, die glauben, elektrosmogsensibel zu sein, sowie gleichzeitig 114 Personen, die noch nie negative Auswirkungen durch Mobilfunk an sich bemerkt hatten. In einem Labor wurden diese Personen in verschiedenen Experimenten elektromagnetischen Strahlen mit Frequenzen im GSM- und UMTS-Bereich ausgesetzt. In der Doppelblindstudie wurde den Versuchsteilnehmern gesagt, dass eine Antenne mit der entsprechenden Strahlung für 50 Minuten in Betrieb sei. Die Probanden, die sich für strahlungssensibel hielten, klagten anschließend über Übelkeit, Kopfschmerzen oder grippeähnliche Symptome. Ebenso konnten die Ärzte bei den Betroffenen Änderungen der Herzfrequenz und der Hautfeuchtigkeit messen. Diese subjektiv empfundenen Beschwerden und messbaren Symptome waren allerdings ganz unabhängig davon, ob die Antenne tatsächlich in Betrieb war oder nicht. Zwölf Personen mussten wegen massiver gesundheitlicher Beschwerden den Test beenden.“

Quelle: http://www.psiram.com/ge/index.php/Elektrosmog

Zum Thema Elektrosmog siehe auch die Übersicht auf Wikipedia.

Ein vorsichtiger Umgang mit Elektrosmog macht meines Erachtens schon Sinn. Das Wissen um die grosse Rolle von Nocebo-Effekten erlaubt aber auch eine gewisse Entdramatisierung.

Denn auch hier profitiert eine ganze Branche davon, Pseudo-Schutzmassnahmen gegen Elektrosmog zu verkaufen.

Massnahmen notabene, die unwirksam sind und unnötig, weil die damit angeblich bekämpften Beschwerden durch Nocebo-Effekte ausgelöst werden, welche die Branche mit ihren Warnungen selbst „gezüchtet“ hat.

Auch hier gilt aber: Wenn Beschwerden, die auf Elektrosmog zurückgeführt werden, auf Nocebo-Effekten basieren, dann folgt daraus nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Die Beschwerden sind echt. Nocebo-Effekte sind nicht = Einbildung.  Ausserdem werden oft echte Beschwerden, die durch anderweitige Störungen verursacht werden, irrtümlich dem Elektrosmog (oder dem Amalgam) zugeschrieben. Auch in diesen Fällen sind die Beschwerden echt, nur die Erklärung dazu ist falsch.

4. Nocebo-Effekte bei homöopathischen Arzneimittelprüfungen

Nocebo-Effekte beeinflussen in starkem Mass viele homöopathische Arzneimittelprüfungen und damit die Arzneimittelbilder, auf deren Grundlage Homöopathika eingesetzt werden.

Um ihren Anwendungsbereich festzulegen, werden Homöopathika an Gesunden getestet. Dazu müssen die Probanden genau protokollieren, welche Beschwerden und Veränderungen des Befindens während der Einnahme des Mittels auftreten.

Samuel Hahnemann (1755 – 1843) betonte, dass sämtliche Befindlichkeiten der Probanden während der Wirkungszeit des Mittels als durch dieses ursächlich hervorgerufen gelten müssten, selbst wenn der Prüfer Ähnliches in anderen Zusammenhängen beobachtet habe. In seinem Hauptwerk, dem „Organon der Heilkunst“, schreibt der Begründer der Homöopathie:

„Alle Beschwerden, Zufälle und Veränderungen des Befindens der Versuchsperson während der Wirkungsdauer einer Arznei […] rühren bloß von dieser her und müssen als deren eigentümlich zugehörig, als ihre Symptome angesehen werden und aufgezeichnet werden; gesetzt auch die Person hätte ähnlich Zufälle vor längerer Zeit bei sich von selbst wahrgenommen.“ (6. Auflage, §138).

Hahnemann negiert vollständig die Möglichkeit, dass

A. Veränderungen und Beschwerden während der Testphase am Gesunden auch unabhängig vom zu prüfenden Präparat auftreten können und

B. dass negative Erwartungen zu Nocebo-Effekten führen können.

Das führt dazu, dass Nocebo-Effekte und zufällig gleichzeitig auftretende, unabhängige Veränderungen in die Arzneimittelbilder einfliessen und diese zu willkürlichen Konstrukten machen.

Allfällige spezifische Wirkungen des Homöopathikums könnte man nur von den beiden Möglichkeiten in Punkt A und B unterscheiden durch eine Kontrollgruppe, die unbehandelte Globuli (Scheinpräparate) bekommt – also mit einem Doppelblind-Test. Das wurde in neuerer Zeit auch gemacht. Siehe dazu beispielsweise hier:

Arzneimittelprüfung Belladonna C30 / Belladonna D60

Dabei zeigte sich in der Arzneimittelprüfung am Gesunden allerdings kein Unterschied zwischen dem Homöopathika und dem Scheinpräparat. Daher steht in Frage, ob Belladonna C30 / Belladonna D60 überhaupt ein Homöopathika ist.

Zumindestens bei Belladonna C30 / Belladonna D60 dürfte das Arzneimittelbild bei Prüfungen ohne Kontrollgruppe jedenfalls aus Nocebo-Effekten und spontanen Veränderungen bestehen, die unabhängig vom zu prüfenden Präparat auftreten. Das gibt eine massive Verfälschung der Basis, auf welcher die Anwendung von Belladonna C30 / Belladonna D60 steht, so dass in Frage steht, ob solche Präparate nach en Regeln der Homöopathie überhaupt als Homöopathika gelten können.

Ein vergleichbares Ergebnis lieferte die doppelblinde Überprüfung des Arzneimittelbildes von Okoubaka aubrevillei. In der Homöopathie erfreuen sich Potenzen von Okoubaka aubrevillei großer Beliebtheit bei der Behandlung von Magen-Darm-Problemen. Die Forscher fanden bei der Arznimittelprüfung am Gesunden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen dem Homöopathika aus Okoubaka und dem Scheinglobuli bezüglich der Anzahl der als charakteristisch eingestuften Symptome. Auch bei Okoubaka scheint also das Arzneimittelbild aus Nocebo-Effekten und zufällig mit einfliessenden Veränderungen zu bestehen.

Siehe dazu:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/moderne-arzneimittelpruefung-mit-okoubaka.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23561008

Fazit:

Die Beispiele aus den Punkten 1 – 4 zeigen, welch grossen Einfluss Nocebo-Effekte in unserem Alltag haben können.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Wirkstoffkunde: Was ist Cineol / 1,8-Cineol?

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1,8-Cineol ist ein wichtiger Bestandteil verschiedener ätherischer Öle. In hoher Konzentration kommt es vor in Eukalyptusöl, das ungefähr 85% Cineol enthält, und im ätherischen Lorbeeröl (45%). In tieferen Konzentrationen ist Cineol vorhanden in Minzöl, Salbeiöl, Thymianöl, Basilikumöl und im Teebaumöl.

Cineol lässt sich in großen Mengen gewinnen durch fraktionierte Destillation aus Eukalyptusöl.

Cineol wirkt auswurffördernd, antiseptisch und antiparasitär.

1,8-Cineol wird eingesetzt bei Atemwegserkrankungen in der Humanmedizin, aber auch in der Veterinärmedizin. Parfümindustrie nutzt Cineol als Aromastoff, die Zahnmedizin  bei der Revision von Wurzelfüllungen.

In der Lunge und den Nebenhöhlen wirkt Cineol beim Menschen schleimlösend und bakterizid.

Es hemmt zudem bestimmte Neurotransmitter, die für die Verengung der Bronchien verantwortlich sind. Bei Asthmatikern kann reines Cineol unter ärztlicher Kontrolle die Lungenfunktion verbessern, wobei es allerdings nur in Ausnahmefällen eine Alternative zu Corticosteroiden darstellt, die als Inhalation lokal und nebenwirkungsarm angewandt werden können. Auch bei der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD kann reines Cineol als Zusatzmedikation zur Standardbehandlung unter Umständen die Lungenfunktion verbessern und auf diese Weise Exazerbationen vermindern.

(Exazerbation = deutliche Verschlechterung des Krankheitsbildes bei chronisch verlaufenden Erkrankungen)

Die Hauptanwendungsbereiche von Cineol beim Menschen sind Bronchitis, Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Husten, Schnupfen.

Cineol kann angewendet werden in Form von Teeaufgüssen cineolhaltiger Heilpflanzen, wobei aber die Konzentration im Teewasser sehr beschränkt bleibt.

Meistens kommt Cineol daher via Inhalation, via Haut als Bestandteil von Erkältungssalben oder innerlich in Form von dünndarmlöslichen Kapseln zur Anwendung.

In der Schweiz ist Cineol Bestandteil zahlreicher Kombinationspräparate, zum Beispiel Inhalant®, Nasobol®, Olbas®, Parapic®, Rectoseptal®, Transpulmin®, Pulmex Inhalation, Gelomyrtol® Kapseln.

In Deutschland gibt es das Monopräparat Soledum Kapseln mit reinem Cineol.

Interaktionen (Wechselwirkungen): Cineol kann nach der Einnahme die Entgiftungsgeschwindigkeit der Leber für einige Arzneistoffe beschleunigen, so dass deren Wirkung angeschwächt wird.

Cineol und cineolhaltige Präparate nicht ohne ärztliche Konsultation länger als eine Woche einnehmen. Atemwegserkrankungen, die länger als 7 Tage anhalten, sollten ärztlich abgeklärt werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Ätherische Öle gegen Bakterien

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Viele ätherischen Öle hemmen das Wachstum von Bakterien. Sie könnten in manchen Fällen eine Alternative zu Antibiotika sein.

Patrick Warnke, Professor für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, hatte als Student in Australien beobachtet, dass unangenehm riechende Klimaanlagen durch Einsprühen von Eukalyptusöl geruchfrei wurden.

Daran erinnerte er sich an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel und probierte die gleiche Strategie bei Patienten mit übel riechenden Tumoren im Gesichts- und Halsbereich.

„Zweimal täglich wurden die Geschwüre mit einer Mischung aus ätherischen Ölen gespült, die überwiegend Eukalyptus enthielt. Schon am dritten oder vierten Tag war der faulige Geruch verschwunden. Auch die Entzündungen gingen zurück.

Die Kranken mussten nicht mehr isoliert werden und konnten wieder nach Hause zu ihren Angehörigen. Für die Patienten war dies ein großer Gewinn an Lebensqualität.
Der Kieferchirurg entschloss sich dazu, der Sache auf den Grund zu gehen. Am Kieler Institut für Infektionsmedizin ließ er verschiedene ätherische Öle auf ihre antimikrobielle Wirksamkeit untersuchen und mit herkömmlichen Antiseptika wie Chlorhexidin und Polyvidon-(PVP-)Jod (z. B. Betadine) sowie mit 70-prozentigem Alkohol vergleichen.
Die Tests zeigten, dass manche ätherische Öle das Wachstum von Bakterien und Pilzen hemmen, erläutert der Kieler Mikrobiologe Professor Rainer Podschun. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift für Zahnärztliche Implantologie berichten, zeigen die ätherischen Öle von Eukalyptus, Teebaum, Thymian, Zitronen, Zitronengras und Nelken deutliche Hemmeffekte bei Staphylokokken, Streptokokken und Candida-Pilze.
Ätherische Öle wirksam gegen Problemkeime
Professor Warnke, sieht seine Vermutung bestätigt, dass die geruchsstoppende Wirkung der ätherischen Öle auf ihren antimikrobiellen Eigenschaften basiert. Besonders beeindruckend sei die intensive Wirkung gegen klinische Problemkeime wie den Methicillinresistenten Staphylococcus aureus (MRSA), die auf herkömmliche Antibiotika nicht mehr ansprechen. Diese Keime verursachen häufig gefährliche Wundinfektionen. Auch der Pilz Candida krusei, der bei immungeschwächten Patienten zu lebensbedrohlichen Infektionen führen kann, wurde im Laborexperiment gehemmt.

Mit ihrer Studie bestätigen die Kieler Wissenschaftler naturheilkundliche Erfahrungen:

Die Ureinwohner Australiens etwa verwenden Teebaumöl seit Jahrhunderten als Wundheilungsmittel, Nelkenöl nutzten bereits unsere Vorfahren als Hausmittel bei Zahnschmerzen und Entzündungen der Mundschleimhaut.

Ätherische Öle können aber noch mehr,  erklärt Professor Hildebert Wagner vom Zentrum für Pharmaforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Sie wirken nicht nur antimikrobiell, sondern auch entzündungshemmend und krampflösend“. Daher eignen sie sich ausgezeichnet zur Behandlung von Atemwegsinfekten und können eine Antibiotikatherapie sinnvoll unterstützen.
Gegen Erkältungskrankheiten existieren viele Fertigpräparate mit ätherischen Ölen zum Einnehmen, Gurgeln, Inhalieren und Einreiben. „Für viele ätherische Öle, beispielsweise aus Eukalyptus und Thymian, liegen umfassende wissenschaftliche Daten vor“, erklärt Heilpflanzen-Experte Wagner.

Die Wirksamkeit von Teebaumöl dagegen wurde längere Zeit kontrovers beurteilt. „Mit unserer Studie konnten wir aber zeigen, dass es tatsächlich wirkt“, erklärt Warnke. „Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten der Wundbehandlung.“
Ätherische Öle – interessant für die Zahnmedizin
Hauptsächlich ihre Effizienz gegen Problemkeime macht die ätherischen Öle als Alternative zu herkömmlichen Antibiotika therapeutisch interessant. Allerdings eignen sich ätherische Öle bisher ausschliesslich zur lokalen Anwendung.

„Äußerlich angewandt, könnten sie zur Therapie von oberflächlichen Wundinfektionen dienen oder die Zahl der Problemkeime auf Schleimhäuten reduzieren“, erklärt Mikrobiologe Rainer Podschun.

Er sieht aber noch viel Forschungsbedarf: „Bisher haben wir nur die Wirkung auf bestimmte grampositive Bakterien getestet, aber nicht auf gramnegative und anaerobe Keime“, stellt Podschun fest. Aus Laborversuchen könne zudem nicht abgeleitet werden, wie ätherische Öle wirken, wenn sie beim Menschen zur Anwendung kommen.

Auch für die Zahnmedizin ergeben sich interessante Perspektiven. Ätherische Öle könnten zur Desinfektion eingesetzt werden – zum Beispiel, wenn bei Zahnimplantaten Infektionen an der Kontaktfläche auftreten. Weil zunehmend mehr Implantate gesetzt werden, treten auch solche Infektionen häufiger auf, sagt Kieferchirurg Warnke. Bisher gebe es dafür noch keine überzeugende Therapie.

Zahnmediziner suchen darum nach Alternativen. Sollten sich die antimikrobiellen Wirkungen bei den entsprechenden Keimen bestätigen, könnten die ätherischen Öle für ein neues Therapiekonzept zur lokalen Behandlung implantatbedingter Entzündungen zur Anwendung kommen. Problematisch bei der Anwendung in der Mundhöhle sei allerdings der starke, oft bittere Eigengeschmack.

Fertigpräparate mit ätherischen Ölen für die Wundbehandlung wird es so rasch nicht geben, weil das teure und aufwendige Studien erfordern würde, die gegenwärtig niemand finanzieren möchte. Für die traditionellen Anwendungsgebiete, wie Erkältungen, Zahnschmerzen, kleinere Wunden, oder auch nur als Wohlfühlduft sind in der Apotheke hochwertige ätherische Öle und Mischungen erhältlich.

„In seltenen Fällen verursachen sie jedoch Allergien und Hautreizungen“, sagt der pharmazeutische Biologe Wagner. Stark riechende Substanzen wie Eukalyptusöl und Pfefferminzöl können bei Säuglingen und Kleinkindern zudem lebensbedrohlichen Atemstörungen führen auslösen. Auch Zahnarzt Warnke rät: „Lassen Sie sich vor der Anwendung ätherischer Öle in Ihrer Apotheke beraten.“

Zur Qualität der ätherischen Öle:

Bei handelsüblichen ätherischen Ölen sind große qualitative Unterschiede festzustellen: „Duftmischungen enthalten oft synthetische Aromastoffe und zeigten in unserer Studie keine antibakterielle Wirksamkeit“, erklärt Kieferchirurg Professor Patrick Warnke. In der Apotheke werden ätherische Öle angeboten, welche die strengen Anforderungen des Deutschen Arzneibuchs erfüllen.

Quelle:

http://www.apotheken-umschau.de/Alternative-Medizin/Aetherische-Oele-gegen-Bakterien-106113.html

Kommentar & Ergänzung:

Dass sehr viele ätherische Öle gute antimikrobielle Eigenschaften haben ist schon seit langem bekannt.

Trotzdem braucht es noch viel Forschung, um offene Fragen zu klären, beispielsweise bezüglich der Verträglichkeit und der optimalen Konzentration der Anwendungen.

Für den Entscheid, welches ätherische Öl in einer bestimmten Situation vorzuziehen ist,  ist neben der Wirksamkeit gegen die vorliegenden Keime auch die Verträglichkeit bedeutsam.

Zu begrüssen ist meines Erachtens, wenn man dabei nicht immer nur auf dem trendigen Teebaumöl verharrt, sondern auch andere antimikrobielle ätherische Öle einbezieht wie Thymianöl oder Eukalyptusöl.

Das ist in den beschriebenen Untersuchungen geschehen.

Der Text wird am Schluss etwas gar stark zu Apothekenpropaganda – nicht besonders erstaunlich für eine Apothekenkundenzeitschrift. Ich würde jedenfalls nicht so weit gehen zu sagen, dass man nur in der Apotheke ätherische Öle in guter Qualität kaufen kann – und ebenso wenig, dass man in der Apotheke ausnahmslos gute Qualität bekommt.

Tatsache ist aber: In Apotheken und Drogerien (ich Rede von der Schweiz) kann man ätherische Öle in Arzneibuchqualität kaufen – wenn man dies verlangt. Viele Apotheken und Drogerien verkaufen aber auch ätherische Öle, die nicht den Vorschriften des Arzneibuches für Arzneimittel entsprechen.

Die Vorschriften des Arzneibuches kann man tatsächlich als eine Qualitätssicherung betrachten. Sie sagen allerdings nichts über die Anbaubedingungen aus (Bio oder nicht) und leider gibt es nur eine relativ beschränkte Zahl von ätherischen Ölen nach den Vorschriften des Arzneibuches. Aber zum Beispiel bei Thymianöl, Pfefferminzöl, Eukalyptusöl und Lavendelöl ziehe ich Arzneibuchqualität vor.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Asthma: Bessere Kontrolle durch Eukalyptusöl / Cineol

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Eine beim Pneumologen-Kongress als Poster präsentierte, randomisiert-kontrollierte Multicenterstudie hat den Effekt einer sechsmonatigen Behandlung mit dreimal 200 mg Cineol im Vergleich zu Placebo bei 247 Patienten mit persistierendem Asthma untersucht. Cineol ist ein antiinflammatorisch (= entzündungshemmend) wirksamer Bestandteil des Eukalyptusöls.

Primärer Endpunkt der Studie war ein kombinierter Score, in den Häufigkeit und Intensität der Asthmasymptome, außerdem Lebensqualität und FEV1 einflossen. Hier zeigte sich ein hoch signifikanten Vorteil zugunsten der Cineol-Gruppe.

Auch wenn nächtliche Asthmasymptome, asthmabezogene Lebensqualität und Einsekundenkapazität (FEV1) separat betrachtet wurden, war Cineol jeweils signifikant überlegen gegenüber Placebo.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/asthma/article/649661/bessere-kontrolle-asthma-durch-eukalyptus.html?sh=86&h=-1436656583

Kommentar & Ergänzung:

Cineol als Hauptinhaltsstoff des Eukalyptusöls ist ein hochinteressanter Stoff.

Hier ein paar zusätzliche Informationen über Cineol aus Wikipedia:

„1,8-Cineol gehört zu den bicyclischen Epoxy-Monoterpenen, genauer den Limonenoxiden. Die organische Verbindung liegt als farblose Flüssigkeit vor. Es findet Anwendung bei Atemwegserkrankungen wie Asthma und Heuschnupfen.

Vorkommen: 1,8-Cineol kommt in größeren Mengen in Eukalyptus (Eukalyptusöl enthält ungefähr 85 % Cineol) und Lorbeer vor. Weniger stark vorhanden ist es in Minze, Heilsalbei, Thymian, Basilikum und im Teebaum.

Verwendung: 1,8-Cineol wird einerseits bei Atemwegserkrankungen des Menschen, vorwiegend aber in der Veterinärmedizin verwendet. Andererseits kommt es als Aromastoff in der Parfümindustrie zum Einsatz. In der Zahnmedizin wird es bei der Revision von Wurzelfüllungen verwendet.

Physiologische Wirkungen: 1,8-Cineol wirkt beim Menschen in der Lunge und den Nebenhöhlen schleimlösend und bakterizid. Außerdem hemmt es bestimmte Neurotransmitter, die für die Verengung der Bronchien verantwortlich sind. Bei Asthmatikern kann unter ärztlicher Kontrolle durch Gabe von reinem Cineol die Lungenfunktion verbessert werden. Cineol stellt jedoch nur in Ausnahmefällen eine Alternative zu Corticosteroiden dar, die als Inhalation örtlich und nebenwirkungsarm angewandt werden können.

Von 1,8-Cineol sind außer leichter Stuhlverflüssigung und eventuell leichter Übelkeit bisher keine Nebenwirkungen bekannt. Beides tritt nur bei oraler Aufnahme auf.

Medizinische Anwendung: Die Einnahme erfolgt durch orale Zufuhr von Kapseln, die sich erst im Dünndarm auflösen, durch Inhalation oder durch Zubereitung entsprechender den Wirkstoff enthaltender Pflanzen als Tee.“

(Quelle: Wikipedia)

In der beschriebenen Studie wurde Cineol in Form von dünndarmlöslichen Kapseln eingesetzt.

Offenbar wurde die Studie bisher erst an einem Pneumologen-Kongress als Poster präsentiert. Jedenfalls enthält der Bericht keine Literaturangabe bezüglich Publikation in einer Fachzeitschrift. Eine Publikation in einer Zeitschrift mit Peer-Review wäre aber ein Qualitätszeichen, obwohl auch das Peer-Review-Verfahren nicht ohne Tücken ist.

Was ist Peer-Review?

„ Im akademisch-wissenschaftlichen Bereich sind Peer-Reviews von Zeitschriftenartikeln üblich, bei denen einer oder mehrere Experten des entsprechenden Gebietes den zur Veröffentlichung vorgeschlagenen Artikel bewerten. Üblicherweise schickt der Autor seinen Artikel als Manuskript an einen Verantwortlichen (z. B. den Herausgeber) einer Zeitschrift. Wenn dieser den Artikel für grundsätzlich geeignet hält, wählt er Gutachter aus, die nach inhaltlicher Prüfung ein Votum abgeben, ob der Artikel in der eingereichten Form veröffentlicht, zur Überarbeitung an den Autor zurückgeschickt oder endgültig abgelehnt werden sollte. Diese auch Reviewer oder Referee genannten Experten dürfen beim Peer-Review nicht aus dem Umfeld des Autors stammen. Die Unabhängigkeit des Gutachters vom zu bewertenden Objekt ist das wesentliche Kriterium eines Peer-Reviews. Anonymität des Gutachters ist dagegen nicht erforderlich, aber oftmals gegeben. In einem weiteren Sinn wird Peer-Review auch für andere wissenschaftliche Publikationsformen verwendet. Der Gutachter erbringt seine Tätigkeit meistens freiwillig und unentgeltlich. Bleiben sowohl Gutachter als auch Begutachteter anonym, so wird meist von doppelt verdecktem Gutachten gesprochen.

Die Anonymität dient dazu, dem Gutachter das Äußern von Kritik und den Hinweis auf Mängel der Publikation zu ermöglichen, ohne dass er die Revanche des möglicherweise hierarchisch oder an Reputation und Einfluss höher stehenden Autors fürchten muss. Das soll eine gründliche und unvoreingenommene Überprüfung ohne Ansehen der Person des Autors sichern und letztlich ein höheres Niveau an wissenschaftlicher Qualität erreichen lassen. Das Prinzip der Anonymität des Gutachters ist jedoch nicht unumstritten. Vereinzelt wird kritisiert, dass es ein überzogenes, destruktives Kritisieren begünstige. Etablierte Stars eines Teilgebiets der Wissenschaft könnten durch unfundiert-abwertende Gutachten das Eindringen von Konkurrenten in ihre „Nische“ verhindern, und müssten sich dank der Anonymität dafür nicht namentlich rechtfertigen. Die Anonymität der Gutachter fördere so das ‚Revierverhalten‘ und behindere einen effizienten Qualitätswettbewerb.

Die Anonymität des Gutachters kann jedoch ebenso zu Beurteilungen führen, die aus Zeitmangel oder ungenügendem Interesse oder Wissen nicht gewissenhaft genug erstellt wurden. So kann ein schlechter Artikel durch das Begutachtungsverfahren rutschen, ohne dass der Gutachter um seinen guten Ruf in der Wissenschaftsgemeinde fürchten muss. Teilweise wird auch der zu begutachtende Artikel anonymisiert, um einer möglichen Voreingenommenheit des Gutachters zu begegnen (‚double-blind‘-Verfahren). Die Autoren werden gebeten, im Text Passagen zu vermeiden, die der Anonymität zuwiderlaufen könnten (z.B. Selbstzitierungen in der ersten Person). In vielen Fällen können jedoch anhand der Referenzen, der experimentellen Möglichkeiten etc. die Autoren trotzdem erraten werden, zumal wenn das betreffende Spezialgebiet von einer überschaubaren Anzahl von Leuten weltweit erforscht wird. Daher und aus anderen Gründen wird vielfach auf die Verdeckung der Autorennamen verzichtet.

Das Peer-Review ist im Allgemeinen keine Methode, um Fälschungen oder in betrügerischer Absicht gemachte Experimente aufzudecken. Der Gutachter muss auf den guten Willen und die Angaben des Autors vertrauen. Er kann nur die Signifikanz und Aktualität der Fragestellung, die Originalität und Validität des Lösungsansatzes und die Plausibilität der Resultate im Kontext überprüfen sowie auf methodische Fehler hinweisen.

Der Sinn der Begutachtung liegt vor allem in einer Bewertung der Qualität eines eingereichten Manuskripts, die dem Herausgeber der Fachzeitschrift Anhaltspunkte liefert, ob dieses als Artikel darin veröffentlicht werden kann. Durch die hohe Anzahl von wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Fachgebieten sind die Bewertungsmaßstäbe oft sehr unterschiedlich und richten sich nach dem Leserkreis und der Reputation des Fachjournals. In der Regel wird der Gutachter das Manuskript nach offensichtlichen Defiziten oder Verbesserungsmöglichkeiten bewerten und nur gelegentlich auf Rechtschreibfehler oder sprachliche Unzulänglichkeiten hinweisen. Sehr detaillierte Gutachten, inklusive Prüfung der verwendeten Methoden, werden vor allem von Artikeln verlangt, die Themen in umstrittenen oder prestigeträchtigen Fachgebieten (z.B. Stammzellenforschung) behandeln oder von außerordentlich hohem Interesse für einen großen Leserkreis sind (z. B. in Nature oder Science).

Kritik:

Das Peer-Review-Verfahren wird aus zwei Gründen kritisiert:

Es dauert meist etliche Monate, in manchen Fällen sogar Jahre, bis ein Fachartikel erscheint.

Die Neutralität der Gutachter ist nicht garantiert. Es gibt keine Gewähr, dass die Gutachter nicht ihren eigenen Standpunkt zu strittigen Fragen als Entscheidungsgrundlage heranziehen.

Eine Studie (Ioannidis 2005) über das Peer-Review-Modell in medizinischen Veröffentlichungen hat ergeben, dass in fast einem Drittel der Studien zwischen 1990 und 2003, die nach einer Begutachtung veröffentlicht wurden, die Resultate entweder übertrieben worden waren oder später als widersprüchlich erkannt wurden. Von den untersuchten Artikeln erhielten 16 % keine Zustimmung, und weitere 16 % wurden in Folgestudien nicht bestätigt. Ioannidis räumte ein, dass viele Faktoren, wie andere oder bessere Versuchsanordnungen der zu wiederholenden Untersuchungen, die Unstimmigkeiten begünstigt haben könnten. Der Prozess des Reviews ist unter den 10.000 medizinischen Zeitschriften weltweit nicht standardisiert. Die Ergebnisse der Studie ließen Zweifel an der Zuverlässigkeit des Peer-Review aufkommen. Die in der Regel externen und nicht bezahlten Gutachter bewerten die Stichhaltigkeit des Artikels, ihre Kommentare und Identität werden jedoch vertraulich gehalten. Einige Herausgeber befürworteten daraufhin, die Gutachter öffentlich beim Namen zu nennen und zu bezahlen, andere versichern hingegen, dass das aktuelle Peer-Preview-Modell die Veröffentlichung vor fehlerhaften Details und unsicheren medizinischen Anweisungen bewahrt.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aromatherapie in der Zahnmedizin

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In der Sympathikotherapie, auch endonasale Reflextherapie genannt, werden die endonasalen Reflexzonen therapeutisch nutzt.

Mit ätherischen Ölen werden bei dieser Behandlungsmethode regulatorische Punkte des sympathischen Nervensystems stimuliert. Die behandelnde Person führt dabei ein mit ätherischen Ölen imprägniertes Stäbchen in jedes Nasenloch ein und stimuliert so die Reflexzonen der Nasenschleimhaut. Die Nasenschleimhaut weist eine hohe Dichte an sensorischen und neurovegetativen Fasern auf.

Die Sympathikotherapie ist eine schmerzfreie Therapiemethode, welche mit Erfolg in der Zahnmedizin angewendet wird. Eine Indikation ist zum Beispiel Angst vor der zahnärztlichen Behandlung. Die Applikation einer Mischung ätherischer Öle aus Basilikum, Lavendel und Majoran in Mandelöl wirkt neuroregulatorisch auf den Organismus. Auf die Patientinnen und Patienten wirkt dies beruhigend und entspannend.

Quelle:
La phytothérapie européenne, no49 spécial Pharmagora, avril 2009, p13 : Aromathérapie dans la pratique dentaire, Dr Jean-Paul Velu.
www.pharmavista.net / 6. Mai 2009

Kommentar:

Der Newsletter von Pharmavista bringt in letzter Zeit immer wieder interessante Meldungen aus der französischen Phytotherapie, die bei uns in der deutschsprachigen Schweiz viel zu wenig zur Kenntnis genommen wird. An dieser Stelle also ein Sträusschen an Pharmavista.
Dieser Hinweis auf endonasale Anwendungsmöglichkeiten von ätherischen Ölen wie Basilikum, Lavendel und Majoran zur Beruhigung und Entspannung ist sehr bemerkenswert. Er regt jedenfalls zum Nachdenken darüber an, wo denn ein solcher Effekt auch ausserhalb der Zahnmedizin eingesetzt werden könnte.
Wir haben aus der Krankenpflege zum Beispiel positive Erfahrungen mit Lavendelöl bei unruhigen Personen mit Demenz, inhalativ oder 1 – 2 Tropfen Lavendelöl auf einem Würfelzucker eingenommen. Es wäre sehr interessant zu klären, ob die endonasale Anwendung in solchen Fällen erfolgreich ist.
Leider enthält die Kurzmeldung keine Angaben zur Konzentration von Lavendelöl, Majoranöl und Basilikumöl in dem als Basis verwendeten Mandelöl. Auch die Anwendungsdauer fehlt und der genaue Applikationsort in der Nase.
Auf die als Quelle erwähnte französische Phytotherapie-Zeitschrift habe ich im Moment keinen Zugriff, werde aber noch eine Recherche starten und die Augen offen halten an diesem Punkt. Und falls jemand aus der Leserschaft dieses Blogs Erfahrungen hat mit der endonasalen Anwendung von ätherischen Ölen steht die Kommentarfunktion für eine Mitteilung offen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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