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Grüntee gegen Zahnfleischentzündung

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Mundspülungen mit Grüntee schützen genauso effektiv vor Zahnbelag und Zahnfleischentzündung wie Chlorhexidin.

Chronische Gingivitis (Zahnfleischentzündung) infolge einer verstärkten Anlagerung von krankmachenden Bakterien an Zähnen und Zahnfleisch betrifft weltweit 50 bis 90 % der Erwachsenen.

Insbesondere bei Personen mit einer entsprechenden Anfälligkeit kann sich daraus eine Parodontitis entwickeln, eine Entzündung des Zahnhalteapparats. Konsequente, gründliche Mundhygiene kann frühzeitig der Entstehung von Plaques und Zahnfleischentzündung vorbeugen.

Dabei können ergänzend zur mechanischen Reinigung mit Zahnbürste, Zahnseide und Co. Mundspülungen mithelfen. Die Substanz Chlorhexidin gehört aufgrund ihrer antimikrobiellen Wirksamkeit zur Standardlösung im Kampf gegen bakterielle Entzündungen im Mundraum. Allerdings wird Chlorhexidin nicht für eine Langzeitanwendung empfohlen und kann Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühl, Schwellungen und Schleimhautreizungen bewirken. Zudem kann es die Zähne, Füllungen und die Zunge bräunlich verfärben. Es sind allerdings auch Produkte erhältlich, welche keine Verfärbungen verursachen.

Verschiedene Mundspülungen auf pflanzlicher Basis werden als Alternative zu Chlorhexidin bereits angeboten.

Grüntee von der Teepflanze Camellia sinensis besitzt aufgrund seiner verschiedenen Inhaltsstoffe eine vielfältige gesundheitsfördernde Wirkung und kann auch als antibakterielles Mittel eingesetzt werden.

Eine iranische Wissenschaftlergruppe untersuchte nun in einer randomisierten Studie die Wirksamkeit einer Mundspülung auf der Basis von Grüntee gegen Chlorhexidin.

Die Studie umfasste 40 Teilnehmer, Medizinstudenten im Alter von 18 bis 25 Jahren. Sie wurden zu Beginn der Studie hinsichtlich ihres mundhygienischen Zustandes untersucht (Entzündungen des Zahnfleisches, Zahnfleischbluten, Ausmaß des Zahnbelags Plaque, Verfärbungen der Zähne). Danach wurden Zahnbeläge, Zahnstein und Verfärbungen entfernt und die Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe bekam eine Mundspüllösung auf Basis von Grüntee, welche speziell für die Studie mit einem Tanningehalt von 1 % hergestellt wurde, die andere Gruppe bekam eine Mundspülung mit Chlorhexidin (0,12 %).

Die Studie war doppelblind. Das heisst: Die Testpersonen beider Gruppen wurden nicht darüber informiert, welche Lösung sie erhalten hatten, und auch die untersuchenden Ärzte wussten nicht, zu welcher Gruppe die Probanden gehörten.

Die Teilnehmer bekamen die Anweisung, über einen Zeitraum von vier Wochen zusätzlich zu ihrer normalen Zahnreinigung zweimal täglich eine Minute lang mit 15 ml der jeweiligen Lösung den Mund durchzuspülen.

Nach einer Woche und am Studienende wurden wiederum die zu Beginn untersuchten mundhygienischen Parameter durch ein und denselben Arzt überprüft.

Zu allen drei Überprüfungszeitpunkten liessen sich keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellen. In beiden Gruppen fanden die Untersucher nach einer bzw. vier Wochen Anwendung der Mundspülungen weniger Zahnbelag, Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischbluten im Vergleich zum Befund beim Studienbeginn. Das bedeutet, dass die Spülungen mit Grüntee genauso wirksam waren wie jene mit Chlorhexidin. Mit Grüntee-Spülungen kam es zudem weniger zu Zahnverfärbungen als mit Chlorhexidin.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/gruener-tee-gegen-rotes-zahnfleisch.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26272266

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie ist mit 40 Probanden ziemlich klein und daher in ihrer Aussagekraft begrenzt. Es gibt aber weitere Hinweise auf eine günstige Wirkung von Grüntee bei Zahnfleischentzündungen, zum Beispiel die Beobachtungsstudie hier:

Grüntee fördert gesundes Zahnfleisch

Wobei Beobachtungsstudien nur Hinweise auf mögliche Wirkungen geben, aber nie solche belegen können.

Die Gerbstoffe machen eine Wirksamkeit des Grüntees bei Zahnfleischentzündungen auch plausibel. Dabei dürfte eine direkte entzündungswidrige Wirkung im Vordergrund stehen – im Gegensatz zum Chlorhexidin, das indirekt Entzündungen hemmt über die bakterientötende Wirkung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Kieselsäure / Kieselerde zur Stärkung von Nägeln, Haaren und Knochen?

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Silizium-Präparate wie Kieselerde sollen die Knochen stärken, Nägel und Haare festigen und die Haut elastischer machen.

Bei brüchigen Nägeln zum Beispiel wird häufig Kieselerde empfohlen.

Kieselerde ist ein unscharf verwendeter Begriff, der Mineralien und Sedimente mit hohem Gehalt an natürlichen Siliziumverbindungen umfasst.

Nach Angaben im Internet wird Kieselerde zum Aufbau von Zähnen, Knochen, Gewebe und für alle schnellwachsenden Körperzellen benötigt, zum Beispiel für schöne Haut, gesunde Haare oder stabile Nägel. Kieselerde beuge einem Kieselsäuremangel vor und schütze vor Osteoporose, heisst es.

Vor vielen Jahren als Drogist habe ich immer wieder Kieselsäure-Präparate verkauft. Später versuchte ich herauszufinden, ob ein Kieselsäuremangel tatsächlich existiert und ob die versprochenen positiven Wirkungen dieser Produkte auf Nägel, Haut, Haare und Knochen auch real sind.

Das Ergebnis war ernüchternd. Plausible Belege fand ich keine.

Es war und ist bis heute nicht einmal klar, ob unser Organismus Silizium überhaupt benötigt.

Vor kurzem nun hat sich die österreichische Plattform „Medizin transparent“ mit der Frage befasst, ob die Einnahme von Silizium-Verbindungen gesundheitliche Vorteile bringe.

Auch „Medizin transparent“ kommt zum Schluss: Antwort unklar.

Ein Nachweis, dass Silizium-Verbindungen die Gesundheit fördern können, fehle bisher. Zudem sei unklar, ob Silizium als Spurenelement im Körper überhaupt eine biologische Rolle spiele.

Ein Siliziummangel sei in der medizinischen Fachliteratur nicht bekannt. Möglicherweise sei Silizium für den Körper sogar nutzlos. Folgerichtig gebe es auch keine Empfehlungen für eine tägliche Mindestmenge.

Es sei zwar richtig, dass größere Mengen des Elements besonders in Haaren, Nägeln und der Haut zu finden seien. Im Körper eines Erwachsenen finden sich insgesamt ein bis zwei Gramm Silizium. Das sei jedoch kein Beweis dafür, dass Silizium ein für die Gesundheit essentielles Spurenelement ist.

Möglicherweise habe die Forschung die biologische Aufgabe von Silizium bloß noch nicht entdeckt. Genauso denkbar sei jedoch, dass sich das Element nur zufällig im Körper ansammelt. Schließlich nehme der Mensch mit der Nahrung täglich zwischen zehn und 25 Milligramm pro Tag zu sich – auch ohne auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen.

Der Grund liege darin, dass wasserlösliche Siliziumverbindungen in unserer Nahrung relativ verbreitet seien. Sie kommen in Wasser genauso vor wie in Getreide, vielen Früchten und Gemüsesorten. Einen relativ großen Anteil an gelöstem Silizium habe übrigens Bier.

Ein wissenschaftlicher Nachweis für gesundheitliche Vorteile von Silizium-Verbindungen existiere nicht, schreibt „Medizin transparent“:

„Beispielsweise finden sich zur möglichen Wirkung von Silizium auf die Knochen lediglich zwei klinische Studien. Beide sind von so geringer Aussagekraft, dass nach wie vor unklar bleibt, ob lösliche Siliziumverbindungen überhaupt eine Auswirkung auf die Knochendichte haben.“

Ebenfalls unbelegt sei die Behauptung, Silizium könne die Haarstruktur verbessern, die Haut verjüngen oder die Brüchigkeit von Fingernägeln vermindern. Zwei Studien dazu seien von zu geringer Qualität, um diese Behauptungen zu bestätigen.

Es kursieren auch Versprechungen, dass Siliziumverbindungen die Fähigkeit haben, Alzheimer vorzubeugen oder zu bessern. Sie sollen Aluminium-Ablagerungen im Gehirn verhindern können, die angeblich die Ursache für die Demenzerkrankung sind. Die Verlässlichkeit der einzigen bisher dazu durchgeführten Studie ist sei aber zu gering, um diese Theorie zu stützen, schreibt das Team von „Medizin transparent“. Allerdings könne die momentane Studienlage nicht einmal bestätigen, dass Aluminium überhaupt an der Entstehung von Alzheimer beteiligt ist.

Auch Behauptungen, denen zufolge Silizium die Herzgesundheit fördern soll, den Magen vor zu viel Magensäure schützt oder die Bildung von Kollagen und Bindegewebe unterstützt, bleiben unbelegt.

Quelle: http://www.medizin-transparent.at/silizium

(dort weitere Informationen und die Studien im Detail)

Kommentar & Ergänzung:

Kieselerde besteht in der Regel aus Schalen abgestorbener Kieselalgen, die v.a. aus Siliziumdioxid bestehen. Als reines chemisches Element kommt Silizium kaum vor, in Form chemischer Verbindungen ist es auf der Erde aber weitverbreitet.

Die Recherche von „Medizin transparent“ zum Stand des Wissens bezüglich Kieselerde kommt zu harten Schlüssen. Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse über einen gesundheitlichen Nutzen von Kieselerde. Gemessen an den grossen Versprechungen, mit denen diese Produkte vermarktet werden, ist das niederschmetternd.

Und es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Langzeiteinnahme von Kieselerde für  die Nieren schädlich sein könnte:

„Schon vor mehr als zehn Jahren beurteilte eine Kommission des damaligen Bundesgesundheitsamtes Kieselsäure (bzw. Siliziumdioxid) negativ: ‚Aufgrund des fehlenden klinischen Erkenntnismaterials, insbesondere zu Dosierung und Dauer der Anwendung, kann Siliciumdioxyd zur Therapie für die beanspruchten Anwendungsgebiete nicht empfohlen werden.'(2) Gleichzeitig warnte die Kommission vor einer möglichen Nierenschädigung, wenn Kieselerde langfristig und hoch dosiert eingenommen wird: ‚In Einzelfällen (ist) die Bildung von siliciumhaltigen Nierensteinen möglich‘.(2)

(2) Aufbereitungsmonographie Siliciumdioxyd: Pharmaz. Ztg. 1994; 139: 482″

Quelle: http://gutepillen-schlechtepillen.de/actilife-kieselerde-und-radioaktivitaet/

 

Siehe auch:

Bier – eine gute Quelle für Kieselsäure

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Detox-Rezepturen & Entgiftungsmittel meiden

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Das Magazin „Focus“ präsentiert 50 Regeln des amerikanischen Krebsarztes David Agus für ein langes und gesundes Leben. In Regel 41 wendet sich Agus gegen Detox-Kuren und Entgiftungsmittel:

„Ihr Körper versteht es, dank Nieren, Leber, Schweißdrüsen, Lunge und Verdauungssystem hervorragend zu entgiften. Detox-Rezepturen und andere Entgiftungsmittel braucht er dafür sicher nicht. Diese Mittel sind Unsinn, manche von ihnen sogar gefährlich. Reinigen sollten wir nur unsere Haut, Haare, Zähne – und gelegentlich wohl auch unsere Garagen.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/antiaging/50-regeln-fuer-ein-laengeres-leben-was-sie-vermeiden-sollten_id_3763476.html

Kommentar & Ergänzung:

Dem ist meines Erachtens nur beizupflichten. Der ganze Detox-Kult ist ausgesprochen fragwürdig. Lustig ist allerdings, dass „Focus“ auf der Website unmittelbar unter diesem Abschnitt themenverwandte Beiträge einblendet. Und was steht da?

„Detox – Reinigung von Körper und Seele: Legen Sie für Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden den Hebel um und schalten Sie auf Detox! In unserem handlichen PDF finden Sie Tipps für Entgiftungskuren und alles Wichtige rund ums Fasten. Klicken Sie HIER für mehr Informationen und den Download.“

Was stimmt denn nun, liebe Focus-Redaktion? Anything goes? So oder so, das ist egal – Hauptsache, wir haben darüber geschrieben?

Der Download der angepriesenen Tipps über Entgiftungskuren kostet übrigens eine Kleinigkeit…..

Hier finden Sie ein paar Gratisinformationen über Detox, Entgiftung, Entschlackung etc.:

Michèle Binswanger im Tagesanzeiger über Entgiftung und Detox für Deppen

Entgiftungsdiäten / Detox-Diäten: Bodenlose Versprechungen

Darmreinigung: Mehr Schaden als Nutzen durch Entgiftungskur

Darmreinigung ist überflüssig bis gefährlich

Fasten & Entschlacken

Entgiften und entschlacken — höchst fragwürdige Versprechungen

Entschlackung – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schwarztee hemmt Karies

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Das Magazin „Focus“ stellt 10 Irrtümer über Zahnpflege richtig.

Irrtum Nr. 10: „Teetrinken schadet den Zähnen“.

Zitat:

„Schwarzer Tee kann zwar zu unschönen Verfärbungen führen. In dem aromatischen Getränk stecken aber äußerst zahnfreundliche Stoffe. Dazu gehören neben Fluor auch die sogenannten Tannine. Diese Bitterstoffe hemmen das Enzym Amylase, das im Speichel vorhanden ist und Stärke zu kariesförderndem Zucker umwandelt.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/zaehne/vorbeugung/irrtuemer/teetrinken-ist-schlecht-fuer-die-zaehne_aid_15608.html

Kommentar & Ergänzung:

Stimmt wahrscheinlich, dass Schwarztee karieshemmend wirkt, jedenfalls wenn man ihn regelmässig trinkt. Allerdings lösen sich die Tannine nur langsam im Teewasser und man muss den Schwarztee daher lange ziehen lassen, um einen hohen Tannin-Gehalt zu bekommen (8 – 10 Minuten). Ein Genusstee ist das dadurch entstehende Getränk für die meisten Menschen dann aber wohl kaum mehr. Je bitterer der Schwarztee, desto höher der Tannin-Gehalt und desto höher die karieshemmende Wirkung.

Die karieshemmenden Tannine im Schwarztee bewirken zwar eine bittere Geschmacksempfindung, laufen phytotherapeutisch allerdings nicht unter der Wirkstoffgruppe „Bitterstoffe“, sondern unter „Gerbstoffe“. Sie verbinden sich mit Eiweiss. Und weil das Enzym Amylase auch zu den Eiweissen gehört, ist ein karieshemmender Effekt auf diesem Weg denkbar.

Gerbstoffe aus Schwarztee (und aus Grüntee) hemmen zudem die Gluconyltransferase. Mit diesem Enzym produziert das Kariesbakterium Streptococcus mutans Dextrane. Die klebrigen Dextrane helfen dem Bakterium, sich an der spiegelglatten Zahnoberfläche festzumachen. Mindestens ein Teil der Antikaries-Wirkung von Schwarztee und Grüntee dürfte also darauf zurückzuführen sein, dass die plaquebildenden Kariesbakterien weniger gut anhaften können.

Dass Teetrinker weniger unter Karies leiden, dafür sprechen mehrere epidemiologische Studien, wobei meines Wissens vor allem Grüntee erfasst wurde.

Solche Studien haben aber immer einen Haken:

Wenn bei Grüntee-Trinkern weniger Karies auftritt

( = Korrelation, gleichzeitiges Auftreten von zwei Faktoren: Hoher Grünteekonsum, wenig Karies),

…..dann heisst das noch nicht, dass weniger Karies wegen dem Grünteekonsum auftritt (Kausalität).

Es könnte sein, dass ein dritter, unbeachteter Faktor mitspielt, der für den verminderten Kariesbefall verantwortlich ist.

Beispiel: Grünteetrinker konsumieren vielleicht weniger zuckerhaltige Cola. Für den tieferen Kariesbefall könnte dann der Wegfall von Cola-Getränke auslösend sein, und nicht der Grünteekonsum.

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Allergien durch Chlorhexidin

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Das Antiseptikum Chlorhexidin kann potenziell schwere Allergien verursachen. Das BfArM rät darum zur genauen Aufklärung sensibilisierter Personen.

Chlorhexidin wird u.a. für Mundspüllösungen, zur Desinfektion von Haut, Schleimhäuten und Händen, in Spüllösungen für Blasenkatheter, in Augen-, Nasentropfen, Wundpflastern und Kosmetika verwendet. Allerdings kann es bei der Anwendung von Chlorhexidin zu Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zur Anaphylaxie kommen. Inzwischen liegen dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 147 Berichte über anaphylaktische Reaktionen in Deutschland vor.

Deshalb empfehlen die Fachleute: Wenn es zu einer Überempfindlichkeitsreaktion gegen Chlorhexidin gekommen ist, muss der Patient über die Risiken einer erneuten Anwendung aufgeklärt werden und er muss die Substanz in Zukunft meiden. Das gelte auch nach Sensibilisierungen bei medizinischem Personal. In Zweifelsfällen sei eine allergologische Testung indiziert.

Quelle:

Meldung des BfArM, Bonn, 2013

http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/chlorhexidin-macht-allergien.html

Kommentar & Ergänzung:

Chlorhexidin ist ein wirksames Desinfektionsmittel, das vor allem in der Zahnheilkunde eingesetzt wird. Es bleibt lange auf Zähnen und Mundschleimhaut haften, was ihm eine langanhaltende Wirkung verleiht. Chlorhexidin bekämpft sehr effektiv die bakterielle Plaque und wirkt dadurch gegen Karies und Gingivitis (Zahnfleischentzündung).

Im Mund sollte es jedoch in der Regel nicht länger als 10 Tage angewendet werden, weil es die Zähne verfärben und zu Geschmacksstörungen führen kann. Diese unerwünschten Nebenwirkungen sollen allerdings reversibel sein.

Anaphylaxie scheint als Reaktion auf Chlorhexidin zwar sehr selten zu sein. Tritt sie aber ein, dann ist das ein Notfall, der tödlich enden kann.

Neben dem BfArM hat sich auch Swissmedic zu dieser Frage geäussert:

„Eine Anaphylaxie äussert sich meist in Haut- und oder Schleimhautaffektionen, die mit weiteren Organdysfunktionen wie Atemstörung, Blutdruckabfall, Übelkeit oder Brechreiz einhergehen und kurz nach einem möglichen Allergenkontakt auftreten. Der Anaphylaxie liegt eine Degranulation von Basophilen und Mastzellen mit konsekutiver Freisetzung von Histamin, Leukotrienen, Zytokinen und anderen Mediatoren zugrunde (1, 2).

Es ist davon auszugehen, dass anaphylaktische Reaktionen unter Chlorhexidin sehr selten sind. Die genaue Häufigkeit ist nicht bekannt,  jedoch sind eine Zunahme sowie ein „Underreporting“ sehr wahrscheinlich (3). Swissmedic liegen 18 Meldungen innerhalb der letzten 8 Jahre über schwer­wiegende anaphylaktische Reaktionen durch chlorhexidinhaltige Arzneimittel vor; bei 9 Patienten bestand Lebensgefahr, ein Patient verstarb. Chlorhexidin wurde intraurethral (Katheterisierung), als Mundspüllösung oder topisch angewendet.

Darüber hinaus liegen Swissmedic 6 Meldungen von Vorfällen in den letzten 12 Jahren vor, bei denen zum Teil lebensgefährliche anaphylaktische Reaktionen nach Anwendung von Medizinprodukten auftraten, welche zuvor mit chlorhexidinhaltigen Desinfektionsmitteln gereinigt wurden.“

Quelle: http://www.swissmedic.ch/marktueberwachung/00091/00092/02421/index.html?lang=de

Mit Chlorhexidin verhält es sich so wie mit vielen anderen Arzneimitteln: Es mag in bestimmten, genau definierten Situationen sinnvoll sein, sollte aber nicht unbedacht und über längere Zeit angewendet werden, sofern es nicht nötig ist.

Problematisch scheint mir, dass viele Menschen Chlorhexidin langfristig anwenden und keine Ahnung davon haben, weil sie die Zusammensetzung der verwendeten Produkte nicht kennen (z. B. bei Mundspüllösungen), und dass Chlorhexidin auch in Präparaten auftaucht, in denen ein Nutzen meinem Eindruck nach fragwürdig ist (z. B. in Schnupfenspray und Halsweh-Lutschtabletten).

Und dann könnte man noch über pflanzliche Alternativen nachdenken.

Als Desinfektionsmittel im Mundraum ist Teebaumöl eine Option (Tebodont). Teebaumöl ist allerdings geschmacklich alles andere als ansprechend und kann ebenfalls Allergien bewirken.

Für mich selber sind Salbei und Tormentill (Blutwurz) in diesem Bereich aber überzeugender und auch sympathischer. Vor allem wenn es um Entzündungen im Mundraum geht, scheint mir die reine Desinfektionswirkung oft zu eingleisig und eine Ergänzung mit Gerbstoffen sinnvoll. Gerbstoffe wirken zusammenziehend, festigend und entzündungswidrig auf die Schleimhaut.

Salbei enthält antimikrobiell wirkendes Salbeiöl und entzündungswidrigen Lamiaceen-Gerbstoff. Tormentill entfaltet eine starke Gerbstoffwirkung.

Auch Salbei und Tormentill würde ich nicht unbedacht über längere Zeit anwenden und sie ersetzen Chlorhexidin nicht in allen Fällen. Solche Entscheidungen können nur individuell gefällt werden. Über Alternativen nachzudenken, scheint mir aber sinnvoll.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Nelkenöl gegen Zahnschmerzen

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Nelkenöl enthält Eugenol, das antiseptische und antimikrobielle Wirkungen entfaltet. Im Phyto-Forum der Aerztezeitung  beantwortete Professor Karen Nieber vor kurzem Fragen zur Anwendung und Dosierung von Nelkenöl

Nelkenöl wirke vor allem stark antiseptisch und antimikrobiell. Es wirke nachweislich bei Entzündungen im Mund und im Rachen und könne wegen des schmerzstillenden Effekts örtlich bei Zahnschmerzen und Zahnfleischschmerzen eingesetzt werden, schreibt Nieber:

„Der wirksamkeitsbestimmende Inhaltstoff des Nelkenöls ist das Eugenol. Eugenol ist ein ätherisches Öl, das im Europäischen Arzneibuch als Eugenolum beschrieben wird. Das flüchtige Öl wirkt gegen Bakterien, Pilze und Viren, wirkt zudem betäubend und schmerzstillend.“

Eugenol zeigt tatsächlich eine prägnante und breite antimikrobielle Wirkung gegen Bakterien, Pilze und Viren und auch bezüglich dem lokal schmerzstillenden Effekt wird es wohl kaum von einem anderen Bestandteil ätherischer Öle übertroffen.

Eugenol ist der Hauptbestandteil des Nelkenöls, das aus Gewürznelken gewonnen wird. Die Formulierung „Eugenol ist ein ätherisches Öl…“ ist allerdings falsch, weil das Nelkenöl sich aus sehr vielen Bestandteilen zusammensetzt und Eugenol in dieser Mischung nur der wichtigste Einzelstoff ist.

Nieber weiss auch darauf hin, dass Nelkenöl hautreizende und allergene Eigenschaften besitzt:

„Eugenol wirkt zytotoxisch und gentoxisch; die gentoxischen Effekte sind abhängig von Aktivierung durch das Enzym P450. Es ist sowohl ein Antioxidans als auch ein Prooxidans; auf Letzterem beruht wahrscheinlich seine (schleim)hautreizende, allergiefördernde Wirkung.“

Früher sei Eugenol in großem Umfang als Zusatz für Wurzelkanalfüllmaterialien eingesetzt worden Da es gewebereizend wirken könne, werde es heute jedoch kritischer betrachtet. Speziell bei Schmerzen rund um die Zähne werde das Nelkenöl meist unverdünnt angewendet.

Nelkenöl verändere den Austausch von Stoffen wie Kalzium innerhalb der Zellen, in dem es direkt auf die Zellwände wirke, wodurch der betäubende und schmerzstillende Effekt eintrete.

Es müsse dringend darauf hingewiesen werden, schreibt Karen Nieber,  dass bei größeren als haushaltsüblichen Mengen oder bei oraler Einnahme des Nelkenöls Vorsicht geboten sei.

Nelkenöl sei nämlich in konzentrierter Form gewebereizend. Größere Mengen beziehungsweise die Einnahme von Nelkenöl könnten zu schweren Vergiftungen führen.

Da reines Nelkenöl Haut und Schleimhäute reize und allergische Reaktionen der Haut auslösen könne, solle es zur Selbstbehandlung nicht unkritisch verwendet werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hno-krankheiten/article/842631/phyto-forum-nelkenoel-wirkt-entzuendungen-mund.html?sh=1&h=-1982822842

Kommentar & Ergänzung:

Nelkenöl wird aus den Gewürznelken gewonnen. Dabei handelt es sich um die getrockneten Blütenknospen des Gewürznelken-Baumes (Syzygium aromaticum), eine Pflanzenart, die zur Familie der Myrtengewächse (Myrtaceen) gehört und ursprünglich auf den Molukken beheimatet ist.

Nelkenöl hat sehr interessante Eigenschaften, doch weißt Karen Nieber sehr zu Recht darauf hin, dass damit sorgfältig umgegangen werden muss. Es gibt bei den ätherischen Ölen grosse Unterschiede bei der Verträglichkeit. Nelkenöl gehört diesbezüglich jedenfalls zu den heikleren ätherischen Ölen. Wo möglich sollte es daher durch verträglichere ätherische Öle ersetzt werden.

So scheint es mit zum Beispiel nicht sinnvoll, die pilzhemmende Wirkung von Nelkenöl gegen Fusspilz zu nutzen. Lavendelöl ist hier eine gute und verträglichere Alternative.

Bei Zahnschmerzen wird traditionell empfohlen, die auf Gewürznelken zu beissen oder die schwmerzende Stelle mit Nelkenöl zu betupfen. Allerdings ist auch hier zu beachten, dass Reizungen am Zahnfleisch auftreten könnten.

Und natürlich geht es dabei nur um eine kurzzeitige Schmerzlinderung, welche keine zahnärztliche Behandlung ersetzt.

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Tiger sterben immer noch für traditionelle Medizin

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Tiger sind vom Aussterben bedroht.

Nur noch etwa 3000 Tiger leben in freier Wildbahn. Und obwohl der Handel mit Tigerprodukten untersagt ist, blüht das Geschäft mit den majestätischen Tieren. Die Organisation „Traffic“ berichtet, dass Wilderer jedes Jahr 110 Tiger töten. „Traffic“ kämpft gegen Tier- und Menschenschmuggel. Seit dem Jahr 2000 seien in Asien über 1400 Produkte beschlagnahmt worden, die aus getöteten Tigern hergestellt wurden: Knochen, Zähne, Felle, Krallen. In Asien gilt Paste aus Tigerknochen als Heilmittel der traditionellen Medizin.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=198357

Den Bericht von „Traffic“ finden Sie hier:

http://www.traffic.org/species-reports/traffic_species_mammals73.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt keinerlei ernstzunehmende Hinweise dafür, dass „Tiger-Heilmittel“ über den Placebo-Effekt hinaus eine spezifische Wirkung haben.

Wir haben es hier mit einem eindrücklichen Beispiel dafür zu tun, dass Irrtümer sich in der traditionellen Medizin über Jahrhunderte oder  gar Jahrtausende halten können – auch in der traditionellen europäischen Medizin selbstverständlich.

Die Beschäftigung mit traditionellen Heilmethoden kann sehr faszinierend und lehrreich sein. Nötig ist dabei allerdings eine sorgfältige und kritische Auseinandersetzung, die zu unterscheiden versucht, welche Teile der Tradition wertvoll sind und welche irrtümlich und überholt.

Siehe dazu auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schmutzige Schokolade – Kindersklaverei in der Kakaoproduktion

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Schokolade ist zwar eine Kalorienbombe, aber mit Mass konsumiert ein eher harmloses Genussmittel, wenn man danach die Zähne putzt…. Habe ich bisher gedacht. Aber vielleicht täusche ich mich da.

Die Ankündigung des Films „Schmutzige Schokolade II“ im ARD-Fernsehen hat mich jedenfalls sehr überrascht. In der Kakaoproduktion in Westafrika soll Kindersklaverei ein verbreitetes Phänomen sein. Hoppla – davon habe ich bisher nichts gewusst, obwohl „fairtrade“ und „bio“ für mich schon lange ein Thema sind.

Worum geht’s also?

Hilfsorganisationen verdächtigen die Schokoladenindustrie schon seit längerer Zeit, von Kinderhandel und ausbeuterischer Kinderarbeit in Afrika zu profitieren und damit Straftaten zu verschleiern. Der Journalist und Filmemacher Miki Mistrati ist diesem Verdacht nachgegangen und mit seinem Kameramann nach Mali gereist und von dort weiter in die Elfenbeinküste, dem weltgrößten Produzenten von Kakaobohnen. Im Interview mit NDR.de sagt Mistrati, dass allein in der Elfenbeinküste 100.000 Kinder illegal arbeiten.

Mistrati hat seine Recherchen mit einem Film dokumentiert, der im Oktober 2010 erstmal ausgestrahlt wurde.

Den Film können Sie hier sehen (drei Möglichkeiten):

http://vimeo.com/19848128

http://www.youtube.com/watch?v=V4tc-PT3FXI

http://www.ardmediathek.de/das-erste/reportage-dokumentation/schmutzige-schokolade?documentId=8577084

Der Film zeigt das System der Kinderhändler auf den Kakaofarmen.

Seitdem bekannt wurde, dass Kindersklaverei zum Alltag auf den Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste gehört, kämpfen die großen Schokoladenhersteller wie Nestlé, Mars oder Cargill um das Vertrauen der Verbraucher. Sie versprachen Schulen, medizinische Versorgung, Bildungsprogramme für Kinder und Kakaobauern. Dadurch soll das Leben der Kinder und der Bauern vor Ort erträglicher werden, damit die Konsumenten Schokolade wieder ohne schlechtes Gewissen genießen können.

Miki Mistrati wollte sich ein eigenes Bild machen von all diesen versprochenen Hilfsprojekten der Schokoladenindustrie an der Elfenbeinküste. Doch er durfte nicht einreisen. Denn die Botschaft wollte das Visum nur erteilen, wenn eine Einladung der Schokoladenindustrie vorliegt. Doch alle Schokoladenfirmen und Verbände verweigerten dem Journalisten diese Einladung. Das allein schon lässt vermuten, dass die Schokoladenindustrie etwas zu verstecken hat. Mistrati kann aber ein Team zu verschiedenen Projekten schicken, das dort recherchiert und Aufnahmen macht.

Daraus ist der Film „Schmutzige Schokolade II“ entstanden.

Diesen Film können Sie hier sehen:

http://vimeo.com/55819713

Der Film zeigt: Die Schokoladeindustrie macht viele leere Versprechungen. Projekte werden zur Imagepflege in den Konsumentenländern schön präsentiert, die Situation in der Elfenbeinküste sieht aber ganz anders aus. Kindersklaverei und Kinderarbeit sind immer noch anzutreffen.

Sehr ernüchternd und schockierend.

Was nachhaltig für eine Verbesserung der Situation sorgen könnte:

– Druck der Konsumentinnen und Konsumenten auf die Schokoladehersteller; und vor allem

– Ein fairer Kakaopreis, der die Kakaobauern aus der Armut holen würde.

Mir ist nach diesem Film fürs erste die Lust auf Schokolade vergangen.

Im Migrosgestell habe ich gesehen, dass die meisten Schokoladen von Chocolat Frey zentrifiziert sind mit dem UTZ-Label. Schön, aber auch auf UTZ-Plantagen fand das Filmteam arbeitende Kinder, die nicht aus der Gegend stammten.

Muss ich auch bei UTZ-zertifizierter Migrosschokolade damit rechnen, dass bei der Kakaoernte Kindersklaverei involviert ist? – Das halte ich für unakzeptabel.

Mein Entscheid nach diesem Schokoladen-Schock: Ich esse nur noch Schokolade mit Fairtrade-Label (Max Havelaar, Claro Fairtrade). Die 100%ige Garantie wird es da auch nicht geben, aber es kommt nur noch das schärfste Label in Frage.

Weitere Infos:

Die NDR-Dokumentation zum Thema:

http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/schmutzigeschokolade137.html

Kontinuierlich mit dem Thema Schokolade und Kindersklaverei setzt sich die Erklärung von Bern (EvB) auseinander. Die EvB hat alle Schweizer Schokolade-Hersteller unter die Lupe genommen und mit einem Fragebogen konfrontiert. Die Ergebnisse wurden von der Erklärung von Bern in informativen Firmenporträts zusammengefasst, die Aufschluss geben über den Stellenwert, den der Hersteller den Themen Kindersklaverei und faire Produktionsbedingungen gibt.

Sehr erhellend, aber auch ernüchternd.

Porträtiert werden folgende Schokolade-Hersteller:

Barry Callebaut

Chocolat Alprose SA

Chocolat Bernrain

Chocolats Camille Bloch SA

Chocolats & Cacaos Favarger SA

Chocolat Frey AG

Chocolats Halba

Chocolat Stella SA

Confiserie Sprüngli AG

Confiseur Läderach AG

Gysi AG Chocolatier Suisse

Kraft Foods

Lindt & Sprüngli AG

Maestrani

Max Felchlin AG

Nestlé SA – Cailler

Pfister Chocolatier

Villars Maître Chocolatier

Tja dann, tschüss „Lindt & Sprüngli“, tschüss „Ragusa“ und tschüss „Mars“ sowieso……

Hier der Link zur EvB-Schokolade-Kampagne und zu diesen Porträits:

http://www.evb.ch/p15939.html

– Auf Infosperber hat Urs P. Gasche einen Artikel zum Thema veröffentlicht „Für Nestle arbeiten weiterhin verschleppte Kinder“.

Über den ARD-Film hinaus ist hier interessant die fragwürdige Begründung des „Schweizer Fernsehens“, weshalb es den Film von Miki Mistrati nicht zeigt. Angst vor der Schoggi-Industrie?

Wo kommen wir denn da hin, wenn nach Swissair-Pleite und UBS-Debakel auch noch die Schweizer Schoggi in den Schmutz gezogen wird? – Da bleiben ja nur noch Swatch, Rolex und das Schweizer Armeesackmesser Victorinox unbefleckt…..ach ja, und Roger Federer, aber der ist momentan auch nicht mehr so überzeugend wie früher.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Heilpflanzen lindern Husten bei Kindern

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 9 / 2012) publizierte einen Abschnitt über Heilpflanzen zur Linderung von Husten bei Kindern:

„Bei Kindern gilt zu bedenken, dass die Atemwege noch eng und somit sehr empfindlich sind. Hat Ihr Kind Schwierigkeiten beim Einatmen, deutet dies auf eine Entzündung des Kehlkopfes, des Rachens oder der Luftröhre hin. Bei Problemen beim Ausatmen kann eine Bronchitis, Bronchiolitis – Entzündung der kleinsten, knorpellosen Bronchien – oder Asthma bronchiale vorliegen. Im Allgemeinen können Kinder mit Hustenmitteln versorgt werden, ein Arztbesuch ist aber notwendig, wenn Atemprobleme wie Rasseln, Husten bei körperlicher Belastung oder Husten ohne Erkältungserscheinungen auftreten. Auch wenn Ihr Kind wenig trinkt oder der Husten plötzlich beginnt, sollte dies abgeklärt werden. Denn Ihr Kind könnte auch einen Fremdkörper verschluckt haben. Auch Inhalationen in Form eines Kopfdampfbades oder Omas Zwiebelwickel können helfen. Zwiebelstreifen dazu erhitzen, in ein Leinentuch wickeln und auf Hals oder Brust legen. Achtung: Alkoholhaltige Hustensäfte über 5% sind für Kinder nicht geeignet! Besser: eine Teemischung aus Eibischwurzel, Huflattich, Thymian und Spitzwegerich. Im Allgemeinen sollten Antitussiva und Expektorantien nicht kombiniert werden. Expektorantien sollen den Schleim lösen, während Antitussiva den Hustenreiz unterdrücken – nimmt man beide ein, wird der Schleim nicht abgehustet und ein Sekretstau kann sich bilden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, tagsüber Schleimlöser einzunehmen und abends für einen besseren Schlaf Hustenreizdämpfer.“

Kommentar & Ergänzung:

Ich selber würde Huflattich durch Malvenblüten ersetzen. Huflattich enthält sehr geringe Mengen an lebertoxischen und krebsfördernden Pyrrolizidinalkaloiden. Zwar ist nicht geklärt, ob damit für den Menschen bei der Anwendung von Huflattich ein konkretes Risiko verbunden ist. Doch kann man sicherheitshalber den Huflattich durch Malvenblüten ersetzten. Sie enthalten ebenfalls Schleimstoffe, aber keine Pyrrolizidinalkaloide.

Was genau sind Antitussiva?

Antitussiva sind hustenreizlindernde Medikamente, die bei trockenem Reizhusten eingesetzt werden. Zu den am häufigsten verwendeten Substanzen zählen Codein und Dextromethorphan. Diese Wirkstoffe können unerwünschte Nebenwirkungen verursachen, sind anfällig für Arzneimittel-Wechselwirkungen und können als Rauschmittel missbraucht werden. Sie sind nicht für alle Patienten geeignet und sollen vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern mit Vorsicht oder nicht eingesetzt werden. Antitussiva sollen die Häufigkeit und Intensität von Hustenanfällen vermindern. Ob sie wirklich wirksam sind, ist umstritten.

Die wichtigsten Antitussiva:

Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

– Heilpflanzen mit antitussiver Wirkung:

Eibisch, Spitzwegerich, Malve, Isländisches Moos und Sonnentau sind besser verträglich als die synthetischen Wirkstoffe und eine gute Alternative, hauptsächlich bei Kindern. Auch einige pflanzliche Expektorantien wie Guaifenesin zeigen zusätzlich eine antitussive Wirkung.

– Honig:

In einer klinischen Studie bei Kindern und Jugendlichen zwischen 2 und 18 Jahren erwies sich Honig vor dem Zubettgehen als wirksamer gegen nächtlichen Husten im Vergleich zu Dextromethorphan (Paul et al., 2007). Die Dosierung lag je nach Alter bei einem halben bis zu 2 Teelöffel Buchweizenhonig. Honig soll allerdings nicht bei Kindern unter einem Jahr angewendet werden (Risiko Botulismus durch Clostridium botulinum Sporen) und den Zähnen schaden kann (Karies). Die Studienmethodik von Paul et al. wurde allerdings auch in Frage gestellt.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Antitussiva

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weiterbildung Palliative Care & Onkologie-Pflege: Gerbstoffe bei Mundschleimhautentzündung

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ schildert Heilpflanzen-Anwendungen bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum – konkret von Mundhöhle (Stomatitis), Zahnfleisch (Gingivitis), Zahnhalteapparat (Parodontitis), Rachen (Pharyngitis), Zunge (Glossitis) oder Mandeln (Angina tonsillaris).

Ein Abschnitt, der auch für Palliative Care und Onkologie-Pflege interessant ist, gilt der Anwendung von Gerbstoffen:

„Gerbstoffe wirken entzündungshemmend, schwach antiseptisch und wundheilungsfördernd. Gerbstoffe bewirken im Mund ein »zusammenziehendes« (adstringierendes) Gefühl und entzündete Schleimhäute werden oberflächlich unempfindlich gegenüber äußeren Reizen. Gerbstoffe sind gut wasserlöslich – zur einfacheren Anwendung wird meist die Tinktur (Tormentillwurzel, Ratanhiawurzel, Eichenrinde) vorgezogen, die verdünnt als Gurgellösung oder unverdünnt zur Pinselung eingesetzt werden kann. Die Rhabarberwurzel enthält neben den abführend wirkenden Anthrachinonen Gerbstoffe. In geringer Konzentration überwiegt die adstringierende Wirkung der Gerbstoffe, weshalb sie zur Pinselung entzündeter Mundschleimhäute eingesetzt wird.“

Quelle: http://www3.apoverlag.at/pdf/files/DA/DA-2012/DA-2012-02.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Für Palliative Care und Onkologie-Pflege sind Gerbstoffpflanzen wie Tormentill (Blutwurz) interessant  bei Entzündungen im Mundraum und gegen Hautentzündungen.

Gerbstoffe wirken relativ intensiv und rasch entzündungswidrig und werden im Mundraum über begrenzte Zeit eingesetzt, weil sie sonst austrocknend wirken können. Deshalb wird nachfolgend oft auf Schleimpflanzen umgestellt (Leinsamen, Eibischwurzel), die reizlindernd und beruhigend auf Schleimhäute wirken.

Die erwähnte Rhabarberwurzel ist Bestandteil von Pyralvex® , einer Lösung zur lokalen Behandlung von:

– Akuten und chronischen Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches

– Aphthen, Eiterfluss der Zahnhöhlen und beim Durchbruch der Zähne

Die Gerbstoffe der Rhabarberwurzel wirken auch gegen Herpesviren und werden deshalb in Salben gegen Fieberbläschen eingesetzt (Parsenn Herpescreme = Phytovir; kombiniert mit Salbeiextrakt)

Eine weitere interessante Gerbstoffpflanze ist der Schwarztee. Er hat den Vorteil, in jeder Pflegeinstitution vorhanden zu sein.Schwarztee dient nicht nur innerlich als Genussmittel. Er lässt sich gut einsetzen äusserlich gegen Schleimhautentzündungen und Hautreizungen. Dazu muss der Tee aber lange ziehen (etwa 10 Minuten).

Siehe auch:

Gerbstoffe: Eichenrinde bei Durchfall, Parodontitis, Hämorrhoiden,

Wirkstoffe in der Phytotherapie: Gerbstoffe

Eine Weiterbildung “Heilpflanzen-Anwendungen in Palliative Care und Onkologie-Pflege“ finden Sie hier.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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