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Zitronenmelisse-Extrakt beruhigt nervöse Herzen

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Melissenextrakt hilft laut einer iranischen Studie bei Herzstolpern.

Die Melisse (Melissa officinalis) wurde früher oft auch „Herztrost“ genannt und ihre beruhigende Wirkung wurde bereits von Ärzten des Altertums und Mittelalters wie Theophrastos und Paracelsus beschrieben. Daher ist es naheliegend, diese altbewährte Heilpflanze auch im Hinblick auf eine mögliche Wirksamkeit bei nervösen Herzbeschwerden zu untersuchen.

Inwiefern ein Melissenextrakt Patienten mit regelmäßig auftretendem gutartigen Herzrasen helfen kann, untersuchten nun Wissenschaftler im Iran mit einer kleinen Studie. Die Teilnehmer wurden per Zufallsentscheid in zwei Gruppen unterteilt, die über den Studienzeitraum von zwei Wochen entweder zwei Mal täglich eine Kapsel mit 500 mg Melissenextrakt oder aber Placebokapseln erhielten.

Erfasst wurden psychische Symptome wie Angstgefühle, depressive Verstimmungen, Schlaflosigkeit, Somatisierung und psychosoziale Belastungen.

Bei den Patienten in der Melissenextraktgruppe konnten die Vorfälle des Herzrasens um mehr als ein Drittel vermindert werden. Auch die Angstzustände und damit verbundene (Ein-)Schlafstörungen gingen bei diesen Patienten im Vergleich zu jenen, die Placebokapseln bekamen, deutlich zurück. Der Melissenextrakt wurde von den Probanden insgesamt gut vertragen.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/zitronenmelisse-beruhigt-nervoese-herzen.html

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874115000781?via%3Dihub

http://dx.doi.org/10.1016/j.jep.2015.02.007

 

Kommentar & Ergänzung:

Herzbeschwerden brauchen natürlich eine ärztliche Untersuchung. Bei nervös bedingten, funktionellen Herzbeschwerden können beruhigend wirkende Heilpflanzen wie Melisse oder Lavendel durchaus sinnvoll als Teil einer Behandlung eingesetzt werden.

Die Studie aus dem Iran ist interessant, wirft aber eine ganze Reihe von Fragen auf. An der beruhigenden Wirkung von Melisse dürfte das ätherische Melissenöl beteiligt sein, insbesondere sein Bestandteil Citronellal. Allerdings wird Melissenöl im hier untersuchten wässrigen Trockenextrakt aus Melisse kaum in relevanter Konzentration vorhanden sein. Darüber hinaus gibt es Hinweise aus Tierexperimenten, wonach Rosmarinsäure beruhigende und antidepressive Effekte auslösen kann. Ob sich diese Erkenntnisse auf die Anwendung beim Menschen übertragen lassen, ist aber ungeklärt. Rosmarinsäure kommt zudem nicht nur in Melisse vor, sondern auch in anderen Lippenblütlern wie Salbei oder Rosmarin, die dann eigentlich auch beruhigend wirken müssten.

Siehe dazu:

Was ist Rosmarinsäure?

Ich kann die Qualität und Aussagekraft der iranischen Studie nicht detailliert beurteilen. Klar ist allerdings, dass die Zahl der Teilnehmenden mit 71 ziemlich klein ist. Zudem haben nur 55 davon die Studie bis zum Abschluss mitgemacht. Diese Aussteigerquote von 16 scheint mir etwas gar hoch.

Ich habe zudem bei Studien aus dem Iran immer ein Wort von Roman Huber in Erinnerung. Der Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg wies in einem Interview darauf hin, dass aus dem Iran genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen kommen. Das ist nicht sehr vertrauenserweckend (Interview siehe hier).

 

Die untersuchten Melissenextrakt-Kapseln sind bei uns nicht im Handel.

Ein wässriger Trockenextrakt aus Melisse ist Bestandteil von Baldriparan (zusammen mit Baldrianextrakt und Hopfenextrakt). Ein alkololischer Trockenextrakt aus Melisse ist Bestandteil von Dormiplant (zusammen mit Baldrianextrakt). Ich würde bei nervösen Herzbeschwerden aber durchaus auch Melissentee empfehlen, auch wenn es dafür keine Belege aus Studien gibt. Das kostet fast nichts und hat noch einen Ritualcharakter.

Klosterfrau Melissengeist enthält mir zuviel Alkohol. Siehe dazu:

Klosterfrau Melissengeist & Alkoholismus

Wenn ich in deser Art auf kritische Punkte von Studien hinweise, werde ich manchmal gefragt, warum ich das mache. Ich könne doch froh sein, dass Studien gemacht werden und dadurch die Phytotherapie an Stärke gewinnt.

Die Phytotherapie gewinnt aber nur wirklich durch starke, gut gemachte Studien. Es ist sehr wichtig sich klarzumachen, dass es viele Studien gibt, die nur sehr geringe Aussagekraft haben und zum Teil einfach von schlechter Qualität sind. Das gilt für Studien in der klassischen Pharmaforschung mit synthetischen Arzneistoffen genauso wie für Studien im Bereich von Komplementärmedizin und Naturheilkunde.

„Eine Studie hat gezeigt, dass……“ ist also eine Satz, die noch gar nichts aussagt, wenn man sich nicht die Qualität der Studie anschaut.

Siehe dazu auch:

Qualitätssicherung in der Phytotherapie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Honig gegen Husten wirksam

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Laut einer Empfehlung des American College of Chest Physicians sollten Patienten mit einem erkältungsbedingten Husten vor allem erst einmal abwarten. Oft angewendete medikamentöse Therapien mit ACC, NSAR oder Dextrometorphan kommen für die Wissenschaftlerr bei Erkältungshusten nicht infrage. Zu diesem fazit kommt zumindest ein Forscher-Team um Professor Mark Malesker von der Pharmazeutischen Fakultät der Creighton University. Die Wissenschaftler werteten randomisierte klinische Studien (RCT) aus und bewerteten in der Zusammenschau die aktuell verfügbaren Daten zum Thema Erkältungshusten.

Dabei untersuchten sie auch die Datenlage zur Wirksamkeit von Honig und analysierten RCTs, die sich mit Honig als Hustentherapie bei Kindern beschäftigten. Die Forscher zogen daraus den Schluss, dass Honig durchaus einen guten Effekt bei akutem Husten erzielen könne, da es vergleichbar gut hustenlindernd wirke wie Dextrometorphan und verglichen mit Placebo sogar wirksamer sei.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/12/12/honig-essen-zink-nehmen-und-auf-acc-verzichten/chapter:1

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine weitere Bestätigung für die Wirksamkeit von Honig bei Husten. Interesssant wäre noch zu wissen, ob es Unterschiede zwischen verschiedenen Honigsorten gibt und ob die Wirksamkeit an spezifischen Inhaltsstoffen hängt oder eher durch die enthaltenen Zuckerarten ausgelöst wird.

Wenn Honig gleich gut hustenreizlindernd wirkt wie Dextrometorphan, dann spricht viel für Honig, weil Dextrometorphan doch einige Risiken und unerwünschte Nebenwirkungen hat.

Honig soll allerdings nicht bei Kindern unter einem Jahr angewendet werden (Risiko Botulismus durch Clostridium botulinum Sporen) und den Zähnen schaden kann (Karies).

Siehe auch:

Hausmittel: Heisse Milch mit Honig gegen Husten

Erkältungen: Honig hilft gegen Husten

 

Erkältungsmittel, Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

Heilpflanzen lindern Husten bei Kindern

Honig lindert Erkältungen bei Kleinkindern

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aromatherapie und Massage zur Linderung von Symptomen bei Krebspatienten

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Menschen mit Krebs können unter Symptome wie Schmerzen, Angstzustände oder Stress leiden. Massagen mit oder ohne Aromatherapie können zur Linderung dieser Symptome beitragen. Massagen bestehen in der Anwendung von Druck auf den Körper. Dabei kann ein fettes Massageöl verwendet werden. Werden dem fetten Öl ätherische Öle wie zum Beispiel Lavendelöl oder Rosenöl zugegeben, wird diese Anwendung Aromatherapie-Massage genannt.

Im August 2015 suchte eine Gruppe von Forschenden nach klinischen Studien, die die Wirksamkeit von Massagen mit oder ohne Aromatherapie zur Symptomlinderung bei Krebspatienten untersuchen.

Sie fanden 19 kleine Studien (1274 Teilnehmer) von sehr niedriger Qualität.

Schlussfolgerung der Wissenschaftler:

„Einige kleine Studien deuteten darauf hin, dass Massage ohne Aromatherapie die Linderung von kurzfristigen Schmerzen und Angstzuständen bei Krebspatienten unterstützt. Anderen kleinen Studien zufolge kann die Aromatherapie-Massage eine mittel- oder langfristige Linderung dieser Symptome bewirken.“

Die Qualität der Evidenz sei jedoch sehr niedrig und die Resultate nicht schlüssig. Die Autoren schreiben abschliessend:

„Wir können nicht sicher sein, dass diese Behandlungen einen Nutzen bringen.“

Quelle:

http://www.cochrane.org/de/CD009873/aromatherapie-und-massage-zur-symptomlinderung-bei-krebspatienten

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD009873.pub3/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Die Cochrane Collaboration ist ein weltweites, renommiertes Netz von Wissenschaftlern und Ärzten mit dem Ziel, systematische Übersichtsarbeiten (Meta-Analysen) zur Bewertung von medizinischen Therapien zu erstellen, sie aktuell zu halten und zu verbreiten. Dass Cochrane sich dem Thema Massage und Aroma-Massage annimmt, ist eher überraschend.

Natürlich sind von Massgen und Aromatherapie-Massagen bei Krebspatienten keine Wunder zu erwarten. Dass sie aber vielen Betroffenen gut tun können, liegt meines Erachtens auf der Hand und muss nicht noch speziell durch Studien belegt werden.

Trotzdem wäre es selbstverständlich wünschenswert, wenn die Wirksamkeit besser belegt werden könnte.

Es ist jedoch eher unwahrscheinlich, dass zu dieser Fragestellung grosse und aufwendige Studien gemacht werden können. Im Gesundheitswesen wird vor allem dort in grossem Stil in die Forschung investiert, wo Firmen dadurch patientierbare Produkte auf den Markt bringen können. Nur so lässt sich ein hoher Forschungsaufwand wieder hereinspielen. Dass die Qualität der Studien zum Thema Massage und Aromatherapie-Massage gering ist, dürfte daher nicht zuletzt mit den geringen finanziellen Anreizen zusammenhängen.

Zudem ist es kaum möglich, solche Studien doppelblind mit Placebokontrolle durchzuführen und damit die höchsten Standards der klinischen Forschung zu erfüllen.

Für eine Tablette lässt sich ein identisches Placebo herstellen für die Vergleichsgruppe, für eine Massage nicht.

Das erwähnte Lavendelöl ist bewährt als beruhigender Zusatz in Massageölen. Lavendelöl ist sowohl in der Aromatherapie als auch in der Phytotherapie eines der wichtigsten ätherischen Öle.

Weitere Informationen zur Wirkung und Anwendung von Lavendelöl finden Sie in der Broschüre „Ätherische Öle in der Pflege“.

Echtes Rosenöl ist sehr teuer. Es besitzt eine ausgeprägt antimikrobielle Wirkung. Zu Rosenöl siehe auch:

Aromatherapie / Phytotherapie: Rosenöl

Für Aroma-Massagen eignen sich neben Lavendelöl und Rosenöl eine ganze Reihe von weiteren ätherischen Ölen, zum Beispiel Jasminöl, Melissenöl, Rosmarinöl, Sandelholzöl, Wacholderöl oder Mandarinenöl. Die Auswahl des angewendeten ätherischen Öls wird beeinflusst von unterschiedlichen Wirkungen und von den Vorlieben und Abneigungen der behandelten Person. Die ätherischen Öle werden in der Regel nicht unverdünnt angewendet, sondern in einer Konzentration von meisten etwa 1 – 3 % gemischt mit einem fetten Trägeröl (z. B. Mandelöl, Jojobaöl).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hirtentäschelkraut reduziert in Studie Blutungen nach der Geburt

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Ergänzend zu Oxytocin zeigte sich die Gabe eines Extraktes von Capsella bursa-pastoris (Hirtentäschel) zur Linderung postpartaler Hämorrhagie (Blutungen nach der Geburt) gegenüber Placebo als überlegen.

Starke Blutungen nach einer Geburt können zu einem kritischen Gesundheitszustand führen. Als Folge des hohen Blutverlustes und anhaltender Blutungen können Anämie, Infektionen, Nierenprobleme, die Erfordernis von Bluttransfusionen oder einer Gebärmutterentfernung auftreten. Im schlimmsten Fall kann die postpartale Hämorrhagie sogar tödlich enden. Das vom menschlichen Körper produzierte Hormon Oxytocin kommt als Standardtherapie zur Eindämmung übermäßiger postpartaler Blutungen und zur Gebärmutterrückbildung zur Anwendung. Hebammen setzen in verschiedensten Kulturkreisen seit jeher die Kräuterheilkunde ein zur Begleitung von Schwangeren und Wöchnerinnen. Eine fast über die ganze Erde verbreitete Heilpflanze, die traditionell zur Stillung von Blutungen eingesetzt wird, ist das Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris).

An der Shahid Beheshti University of Medical Sciences in Teheran wurde im Rahmen einer Doktorarbeit erstmals mit einer klinischen Studie untersucht, inwieweit die Verabreichung eines wässrig-alkoholischen Extraktes von Capsella bursa-pastoris den postpartalen Blutverlust bei Frauen mit vaginaler Entbindung reduzieren kann.

Jeweils 50 Frauen wurden per Zufallsentscheid zwei Gruppen zugeordnet (= randomisiert), die entweder Hirtentäschelkraut-Extrakt oder Placebo-Flüssigkeit bekamen.

Nach vollständiger Entfernung der Nachgeburt wurden den Studienteilnehmerinnen sublingual (= unter die Zunge) 10 Tropfen der jeweiligen Testflüssigkeit verabreicht. Alle Frauen bekamen als Standardbehandlung eine Infusion mit 20 U Oxytocin in 1 l Ringerlösung.

Der Blutverlust in den ersten drei Stunden nach der Geburt wurde durch das Wiegen unbenutzter und der benutzten (blutgetränkten) Hygienevorlagen erfasst. Ausserdem wurden in diesem Zeitraum in regelmäßigen Abständen die Vitalwerte der Probandinnen dokumentiert. Zu Geburtsbeginn und 6 Stunden nach der Entbindung wurden Blutproben der Frauen auf den Hämoglobin- und den Hämatokrit-Gehalt untersucht. In einer 40-tägigen Follow-up-Phase befragte die Studienleiterin die Teilnehmerinnen telefonisch zu ihrem Wohlbefinden und zu speziellen Vorkommnissen (Blutungen, Krankenhausaufenthalte, sonstige Komplikationen bei der Mutter oder beim Kind).

Verglichen mit der Kontrollgruppe (Oxytocin + Placebo) verlor die Behandlungsgruppe (Oxytocin + Capsella) total durchschnittlich 35 ml weniger Blut. Die Differenz erwies sich im statistischen Test für den Gesamtverlust und für die Messungen zur ersten, zweiten und dritten Stunde nach der Geburt als signifikant (p < 0.0001). Sowohl die Hämoglobin- als auch der Hämatokrit-Werte lagen bei den Frauen der Hirtentäschelkraut-Gruppe höher als in der Placebo-Gruppe. Die Teilnehmerinnen in der Hirtentäschelkraut-Gruppe waren mit ihrer Behandlung deutlich zufriedener als die Frauen der Placebo-Gruppe.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/hirtentaeschelkraut-gegen-blutungen-nach-der-entbindung.html

Ghalandari S, Kariman N, Sheikhan Z, Mojab F, Mirzaei M, Shahrahmani H. Effect of hydroalcoholic extract of Capsella bursa patoris on early postpartum hemorrhage: a clinical trial study. J Altern Complement Med 2017; 23(10):794-799.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28590768

 

Kommentar & Ergänzung:

Hirtentäschelkraut hat eine lange Tradition als Mittel gegen starke Blutungen in der Gynäkologie. Aber die Belege für eine Wirksamkeit sind bisher schwach. Auf diesem Hintergrund ist diese Studie aus dem Iran ziemlich überraschend und interessant.

Allerdings habe ich zu Studien aus dem Iran noch eine Aussage von Roman Huber in Erinnerung, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Universitätsklinik Freiburg:

„Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

Quelle dazu  siehe hier: Lavendelöl lindert Menstruationsbeschwerden

Wie es die Wissenschaft normalerweise fordert, müsste diese Studie nun von einer unabhängigen Forschungsgruppe wiederholt und das Resultat bestätigt werden, damit die Wirksamkeit anerkannt werden kann.

Interessant an diesem Bereicht ist ausserdem, dass die Verabreichung des Hirtentäschelextrakts sublingual erfolgte.

„Bei der sublingualen Einnahme gelangt der Wirkstoff schneller in den Blutkreislauf, da das venöse Blut aus der Mundschleimhaut direkt in die obere Hohlvene fließt. Bei der oralen Einnahme muss der Wirkstoff erst die Leber passieren, um in den großen Kreislauf zu gelangen, wobei er eventuell chemisch verändert wird. Dies ist bei der sublingualen Einnahme nicht der Fall, die Leber wird umgangen.“

Quelle: Wikipedia

Hirtentäschelkraut soll laut dem Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ ein Peptid enthalten, das in-vitro (= im Reagenzglas) eine dem Oxytocin ähliche Wirkung zeigt. Das könnte eine Erklärung sein für eine allenfalls vorhandene blutstillende (hämostyptische) Wirkung.

Auch hier gilt es allerdings festzuhalten, dass eine Wirkung im Labor nicht unbedingt einer Wirkung im menschlichen Organismus entspricht.

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Zimt gegen Entzündungen?

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Die österreichische Zeitung „Kurier“ empfiehlt Gewürze als Entzündungshemmer:

„Zimt, Knoblauch, Ingwer und Kurkuma genießen unter den Gewürzen einen Sonderstatus. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass sie Entzündungen im Körper gezielt bekämpfen.“

Schauen wir uns das Beispiel Zimt genauer an:

„Zimt ist ein Allroundtalent. Das Pulver aus der getrockneten Zimtbaumrinde kann sowohl für süße als auch für pikante Speisen verwendet werden. Im Haferbrei oder Backwaren sorgt Zimt für eine angenehm herbe Note, mariniert man Fleisch oder würzt Saucen damit, erhält man ein duftendes, weihnachtliches Aroma.

Zimt wurde von der Wissenschaft eine desinfizierende und krampflösende Wirkung attestiert. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird das beliebte Gewürz gerne bei Kältegefühl verwendet, da es die „innere Kälte“ durch gesteigerte Durchblutung vertreiben kann. Auch die blutzuckersenkende und stimmungsaufhellende Wirkung des Gewürzes wird betont. Wissenschaftler des Rush University Medical Centers haben in einer Studie mit Zimt und Mäusen zudem eine deutliche Steigerung der Gehirnleistung festgestellt.“

Quelle der Zitate:

https://kurier.at/wellness/zimt-kurkuma-ingwer-knoblauch-wie-sie-ihr-gewuerzregal-gesund-haelt/247.739.154

Kommentar & Ergänzung:

Zimt ist ein feines Gewürz, das Verdauungsbeschwerden lindern kann. Die ESCOP bestätigt als Anwendungsbereiche für die Zimtrinde:

Dyspeptische Beschwerden wie Bauchkrämpfe, Blähungen und Flatulenz; Appetitlosigkeit, Durchfall.

Die blutzuckersenkenden Wirkung wurde in Laborexperimenten im Reagenzglas und an Mäusen festgestellt. Diese Einschränkung fehlt im Artikel des „Kuriers“.

Das Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt:

„Zur blutzuckersenkenden Wirkung von Zimtrinde liegen In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen an Mäusen vor, in denen eine antidiabetische Wirkung eines wässrigen Extrakts gezeigt werden konnte, doch ist die Übertragbarkeit auf eine therapeutische Anwendbarkeit beim Menschen schwierig.“

Die klinischen Studien zur Wirksamkeit von Zimt bei Diabetespatienten sind bisher nicht überzeugend. Siehe dazu:

Zimt zur Senkung des Blutzuckers bei Diabetes?

Einschränkung sind auch angebracht bezüglich der Studie zur Steigerung der Gedächtnisleistung bei Mäusen. Auch hier ist alles andere als klar, ob das Gehirn von Menschen von Zimtgaben profitieren kann und welche Dosierungen dazu nötig wären.

Ich habe zu diesem Experiment hier schon einen Beitrag geschrieben:

Zimt verbessert Lernvermögen bei Labormäusen

Auch die erwähnte entzündungswidrige Wirkung der Zimtrinde wurde in Laborexperimenten festgestellt. Ob Zimt gegen Entzündungen im menschlichen Organismus wirksam ist und welche Zimtmengen dazu nötig wären, bleibt offen.

Der Beitrag im „Kurier“ ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht sehr sinnvoll ist, Laboreffekte aneinanderzureihen, ohne auf die begrenzte Aussagekraft solcher Experimente für den Menschen hinzuweisen.

Chinesischer Zimt (Cinnamomum cassia, Cassia-Zimt) enthält übrigens erhebliche Konzentrationen an Cumarin, das auf längere Sicht die Leber belasten könnte. Im Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum) sind die Cumarin-Werte viel tiefer. Ich würde also Ceylon-Zimt vorziehen. Allerdings sollte man diese Gefahr nicht dramatisieren. Wikipedia schreibt dazu:

„Einen eindeutigen Beleg für die angebliche Gefährlichkeit von Cumarin beim normalen Gebrauch von cumarinhaltigen Gewürzen gibt es allerdings bis zum heutigen Tage nicht. In allen Studien trat eine gesundheitschädigende Wirkung erst nach extremen Überdosierungen bei Versuchen an Ratten auf.“

Siehe auch:

Zimt & Cumarin: Ceylon-Zimt unproblematischer als Cassia-Zimt

Stollen, Glühwein, Zimtsterne: Schadet Zimt der Gesundheit?

Zimt ist ein tolles Gewürz mit verdauungsfördernden Eigenschaften. Im Artikel des „Kuriers“ wird Zimt aber „überverkauft“, das heisst mit unrealistischen Versprechungen angepriesen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Grüntee gegen Zahnfleischentzündung

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Mundspülungen mit Grüntee schützen genauso effektiv vor Zahnbelag und Zahnfleischentzündung wie Chlorhexidin.

Chronische Gingivitis (Zahnfleischentzündung) infolge einer verstärkten Anlagerung von krankmachenden Bakterien an Zähnen und Zahnfleisch betrifft weltweit 50 bis 90 % der Erwachsenen.

Insbesondere bei Personen mit einer entsprechenden Anfälligkeit kann sich daraus eine Parodontitis entwickeln, eine Entzündung des Zahnhalteapparats. Konsequente, gründliche Mundhygiene kann frühzeitig der Entstehung von Plaques und Zahnfleischentzündung vorbeugen.

Dabei können ergänzend zur mechanischen Reinigung mit Zahnbürste, Zahnseide und Co. Mundspülungen mithelfen. Die Substanz Chlorhexidin gehört aufgrund ihrer antimikrobiellen Wirksamkeit zur Standardlösung im Kampf gegen bakterielle Entzündungen im Mundraum. Allerdings wird Chlorhexidin nicht für eine Langzeitanwendung empfohlen und kann Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühl, Schwellungen und Schleimhautreizungen bewirken. Zudem kann es die Zähne, Füllungen und die Zunge bräunlich verfärben. Es sind allerdings auch Produkte erhältlich, welche keine Verfärbungen verursachen.

Verschiedene Mundspülungen auf pflanzlicher Basis werden als Alternative zu Chlorhexidin bereits angeboten.

Grüntee von der Teepflanze Camellia sinensis besitzt aufgrund seiner verschiedenen Inhaltsstoffe eine vielfältige gesundheitsfördernde Wirkung und kann auch als antibakterielles Mittel eingesetzt werden.

Eine iranische Wissenschaftlergruppe untersuchte nun in einer randomisierten Studie die Wirksamkeit einer Mundspülung auf der Basis von Grüntee gegen Chlorhexidin.

Die Studie umfasste 40 Teilnehmer, Medizinstudenten im Alter von 18 bis 25 Jahren. Sie wurden zu Beginn der Studie hinsichtlich ihres mundhygienischen Zustandes untersucht (Entzündungen des Zahnfleisches, Zahnfleischbluten, Ausmaß des Zahnbelags Plaque, Verfärbungen der Zähne). Danach wurden Zahnbeläge, Zahnstein und Verfärbungen entfernt und die Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe bekam eine Mundspüllösung auf Basis von Grüntee, welche speziell für die Studie mit einem Tanningehalt von 1 % hergestellt wurde, die andere Gruppe bekam eine Mundspülung mit Chlorhexidin (0,12 %).

Die Studie war doppelblind. Das heisst: Die Testpersonen beider Gruppen wurden nicht darüber informiert, welche Lösung sie erhalten hatten, und auch die untersuchenden Ärzte wussten nicht, zu welcher Gruppe die Probanden gehörten.

Die Teilnehmer bekamen die Anweisung, über einen Zeitraum von vier Wochen zusätzlich zu ihrer normalen Zahnreinigung zweimal täglich eine Minute lang mit 15 ml der jeweiligen Lösung den Mund durchzuspülen.

Nach einer Woche und am Studienende wurden wiederum die zu Beginn untersuchten mundhygienischen Parameter durch ein und denselben Arzt überprüft.

Zu allen drei Überprüfungszeitpunkten liessen sich keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellen. In beiden Gruppen fanden die Untersucher nach einer bzw. vier Wochen Anwendung der Mundspülungen weniger Zahnbelag, Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischbluten im Vergleich zum Befund beim Studienbeginn. Das bedeutet, dass die Spülungen mit Grüntee genauso wirksam waren wie jene mit Chlorhexidin. Mit Grüntee-Spülungen kam es zudem weniger zu Zahnverfärbungen als mit Chlorhexidin.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/gruener-tee-gegen-rotes-zahnfleisch.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26272266

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie ist mit 40 Probanden ziemlich klein und daher in ihrer Aussagekraft begrenzt. Es gibt aber weitere Hinweise auf eine günstige Wirkung von Grüntee bei Zahnfleischentzündungen, zum Beispiel die Beobachtungsstudie hier:

Grüntee fördert gesundes Zahnfleisch

Wobei Beobachtungsstudien nur Hinweise auf mögliche Wirkungen geben, aber nie solche belegen können.

Die Gerbstoffe machen eine Wirksamkeit des Grüntees bei Zahnfleischentzündungen auch plausibel. Dabei dürfte eine direkte entzündungswidrige Wirkung im Vordergrund stehen – im Gegensatz zum Chlorhexidin, das indirekt Entzündungen hemmt über die bakterientötende Wirkung.

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[Buchtipp] „Was tun – Demokratie versteht sich nicht von selbst“, von Gabriele von Arnim, Christiane Grefe, Susanne Mayer

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Was-tun-demokratie-verstehenVerlagsbeschreibung:

Ein Gefühl geht um in Europa: die Demokratie ist in Gefahr!
Nationalisten sind auf dem Vormarsch, und viele Bürger erleben zum ersten Mal, dass die liberale Demokratie keineswegs so selbstverständlich ist, wie man immer geglaubt hat, sondern ein fortwährender Prozess. Etwas, das man schützen, bewahren und mit Energie versorgen muss. Aber wie?
Fünf renommierte Journalistinnen geben in diesem kompakten Buch eine Antwort aus fünf unterschiedlichen Perspektiven. Ein Crash-Kurs in Staatsbürgerkunde, der mit Analysen, Informationen, Argumenten und Erfolgsgeschichten die Leser motiviert, sich für die Demokratie stark zu machen.
Gabriele von Arnim schreibt einen Liebesbrief an die Demokratie. Christiane Grefe erzählt davon, wie durch die Globalisierung Staat und Politik zugunsten der Wirtschaft so geschwächt wurden, dass viele Bürger das Vertrauen verloren haben. Aber das ist kein Naturgesetz: Wenn Bürger Druck machen, müssen Regierungen das Gemeinwohl wieder stärken. Elke Schmitter erinnert an demokratische Utopien, die schon vorhanden sind, man hat sie nur aus dem Auge verloren. Evelyn Roll zeigt, wie überlebenswichtig es für die Demokratie ist, eine Lüge wieder eine Lüge zu nennen, und wie man Realität und Erfindung auseinanderhalten kann. Und Susanne Mayer erzählt von positiven und gelungenen Beispielen demokratischen Engagements. Zum Shop

Zu den Autorinnen Gabriele von Arnim, Christiane Grefe, Susanne Mayer, Evelyn Roll, Elke Schmitter:

Gabriele von Arnim, 1946 geboren, studierte Politik und Soziologie. Als freiberufliche Journalistin arbeitete sie für Hörfunk, Fernsehen und Zeitungen. Sie lebte zehn Jahre in New York, unter anderem als Korrespondentin für „art“. Seit mehreren Jahren moderiert sie „Wortwechsel“ (SWR).

Christiane Grefe, Jahrgang 1957, Journalistenschule in München, Politik-Studium, Redakteurin bei Zeit, Süddeutsche Zeitung, Magazin, Wochenpost und GEO-Wissen. Seit 1999 Redakteurin und Reporterin im Berliner Büro der Zeit. Bücher: Ende der Spielzeit.

Susanne Mayer, geboren 1952, studierte Literaturwissenschaft. Kulturreporterin, Literaturkritikerin und Autorin seit 1986 bei DIE ZEIT.

Evelyn Roll, geboren 1952, Politologin und Theodor-Wolff-Preisträgerin, arbeitet als Reporterin und Autorin der „Süddeutschen Zeitung“ in Berlin.

Elke Schmitter, geboren 1961, studierte Philosophie in München und arbeitet als Journalistin für die taz, DIE ZEIT und die Süddeutsche Zeitung, seit 2001 für DER SPIEGEL.

Kommentar von Martin Koradi:

Dieses kleine Buch ist gut zu lesen und sehr anregend, um über Demokratie nachzudenken. Und das ist nötig, weil liberale Demokratien stark gefährdet sind und die Unterstützung von Demokratinnen und Demokraten brauchen.

Mir gefällt der Aufsatz von Christiane Grefe, in dem sie den Ursachen für die Anziehungskraft des Populismus nachgeht. Zitat:

„Wenn man verstehen will, woher die weltweite Anziehungskraft der Populisten, der drohende Zerfall Europas und die Hoffnung auf starke Männer und Staaten rühren, dann fordert das auch einen Blick zurück auf die Erfahrungen im globalen Finanzkasino und eine verfehlte Form der Globalisierung…..Rund um den Globus hat die einseitige Fixierung auf den Markt die sozialen Sicherheiten und Solidarstrukturen untergraben, Gemeinschaften, Kulturen und natürliche Ressourcen zerstört, den ökologischen Umbau des westlichen Wirtschaftsmodells aufgehalten. Und dabei wurden zugleich Politik und Staat so heruntergeredet und geschwächt, dass viele Bürger heute beiden misstrauen.“

Gabriele von Arnim präsentiert in ihrem Text zwei Zitate, die mich angesprochen haben. Eines davon stammt von Sylke Tempel, der Chefredaktorin der Zeitschrift „Internationale Politik“, die am 5. Oktober 2017 während des Sturmtiefs Xavier durch einen umstürzenden Baum ums Leben gekommen ist:

„Hinführung zur Demokratie ist immer auch Hinführung zur Komplexität. Der Reflexionsprozess ist wichtig. Die Demokratie ist kein Billy-Regal, das man einmal zusammenschraubt, an die Wand stellt und das war’s. In einer Demokratie gibt es einen inneren Zusammenhalt von Unverhandelbarem. Einen Wertekanon. Das sind keine absoluten Wahrheiten, nur relative. Wir müssen die Paradoxien hinkriegen.Es gibt keine perfekten Lösungen, immer nur eine Annäherung ans Ziel. Mehr schaffen wir nicht.“

Das zweite Zitat stammt von Lorraine Daston, der Direktorin des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte:

„Leider hat man das Recht zu wählen abgekoppelt von der Pflicht, sich zu informieren. Und ohne den informierten Bürger funktioniert keine Demokratie.“

Auch die zwei Beiträge von Evelyn Roll sind sehr ansprechend. Sie gibt „Tipps für den Umgang mit Demokratieverächtern“ und zeigt auf, wie im Informations- und Cyberkrieg mit Lügen und Faktenzersetzung die Grundlagen der Demokratie angegriffen werden.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz).

 

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Offene Gesellschaft oder geschlossene Gesellschaft – wohin geht die Reise?

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Weltweit sind offene, liberale Demokratien unter Druck geraten durch Linkspopulismus und Rechtspopulismus, iliberale Demokratien und autokratische Regime. Karl Poppers Unterscheidung zwischen einer offenen Gesellschaft und einer Geschlosssenen Gesellschaft gibt wertvolle Anregungen zur Verteidigung der offenen, liberalen Demokratie.

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[Buchtipp] „Gut durch die Krebstherapie“ von Josef Beuth

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KrebstherapieVerlagsbeschreibung

Was Sie jetzt schützt und stärkt.
Sie fühlen sich schlapp, Ihre Gelenke schmerzen oder Ihre Haut juckt? Eine Strahlen- oder Chemotherapie ist belastend und mit vielfältigen Nebenwirkungen verbunden. Gegen die 70 häufigsten Beschwerden im Rahmen einer Krebstherapie können Sie aber einiges tun: Enzyme gegen Lymphödem, Leinsamen-Bäder beim Hand-Fuß-Syndrom oder Bromelain bei Thrombose.
Prof. Dr. med. Josef Beuth, Leiter des Instituts zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren der Universität zu Köln, erklärt die wirksamsten komplementärmedizinischen Möglichkeiten von A-Z. Die bewährten Praxistipps sind sanft und ganzheitlich – ohne Ihre Therapie zu hemmen. So können Sie Ihre akuten Beschwerden kurzfristig in den Griff zu bekommen und Ihr Wohlbefinden langfristig zu steigern. Zum Shop

Zum Autor Josef Beuth

Prof. Dr. med. Josef Beuth ist Leiter des Instituts zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Uni Köln.

Kommentar von Martin Koradi

Im Kern der Krebstherapie – bei der direkten Bekämpfung der Krebserkrankung – haben Heilpflanzen keine Bedeutung – auch wenn immer wieder anderes behauptet wird. Jedenfalls gibt es keine seriösen Belege, dass alleine mit Heilpflanzen-Anwendungen Krebs geheilt werden kann. Das ist bedauerlich, doch braucht es hier eine klare Aussage anstelle von fragwürdigen Versprechungen.

Heilpflanzen-Anwendungen können aber zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen, in dem sie unerwünschte Nebenwirkungen der Chemotherapie oder der Strahlentherapie lindern oder Beschwerden bessern, die mit der Krebskrankheit verbunden sind.

Josef Beuth gibt dazu nützlich Empfehlungen und führt dabei auch eine Reihe von Heilpflanzen an.

Das Buch „Gut durch die Krebstherapie“ ist verständlich geschrieben und eignet sich gut als Patientenratgeber. Es kann aber auch für Fachleute aus medizinischen Berufen (z. B. aus Palliative Care und Onkologiepflege) nützliche Anregungen und Informationen vermitteln

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterkursen und Kräuterwanderungen.

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