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Ingwer unterstützt Heilungsprozess bei Mandel-Operation

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Die Einnahme von Ingwer-Pulver nach einer Entfernung der Gaumenmandeln kann im Vergleich zu Placebo den Schmerz signifikant lindern und die Epithelisierung im Wundbereich beschleunigen. Das ist das Resultat einer kleinen Studie, die kürzlich im Fachmagazin «Clinical and Experimental Otorhinolaryngology» publiziert wurde.

An der prospektiven Studie beteiligten sich 49 Patienten im Alter von 18 bis 45 Jahren. Nach dem Eingriff bekamen sie alle standardmäßig eine antibiotische Behandlung bestehend aus Amoxicillin und Clavulansäure (zweimal täglich 1000 mg) sowie dreimal pro Tag 500 mg Paracetamol zur Schmerzlinderung. 29 Patienten erhielten zusätzlich über sieben Tage zweimal täglich Ingwerwurzel in Kapselform (500 mg Ginger Root, Solgar). Ein Facharzt begutachtete und dokumentierte den Heilungsprozess jeweils nach 1, 4, 7 und 10 Tagen. An denselben Tagen wurde das Schmerzempfinden mittels einer visuellen Analogskala erfasst. Das Schmerzempfinden war unter der Ingwer-Gabe an allen Untersuchungszeitpunkten signifikant geringer als in der Vergleichsgruppe. Ausserdem war die Epithelisierung (Wundheilung) nach 7 beziehungsweise 10 Tagen in der Ingwer-Gruppe deutlich weiter fortgeschritten als unter der alleinigen Standardbehandlung: Bei 74 Prozent der Patienten mit der Ingwer-Zusatzbehandlung war die Wundfläche schon zu mehr als 75 Prozent mit Epithel bedeckt. In der Vergleichsgruppe war dies nur bei 24 Prozent der Fall war. Auch die Nahrungsaufnahme konnte in der Ingwer-Gruppe deutlich früher wieder einsetzen. Bei der Häufigkeit postoperativer Übelkeit und Erbrechen sowie von Blutungen waren zwischen den beiden Gruppen keine relevanten Unterschiede feststellbar.

Die Autoren um Dr. İlker Koçak von der Koç Universität in Instanbul führen die Resultate auf spezifische Wirkungen des Ingwers zurück, insbesondere auf entzündungswidrige und wundheilungsverbessernde Eigenschaften, die bereits experimentell in Studien gezeigt werden konnten. Größere Untersuchungen seien jedoch notwendig, um den Effekt zu bestätigen.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=73567

https://www.e-ceo.org/journal/view.php?doi=10.21053/ceo.2017.00374

DOI: 10.21053/ceo.2017.00374

Kommentar & Ergänzung:

Das Thema dieser Studie ist für die Phytotherapie sehr interessant.

Wenn es tatsächlich so ist, dass Ingwer in einer Dosis von 1 g / Tag in einer akuten Situation schmerzlindernd wirkt und vor allem auch noch die Wundheilung verbessert, dann ist das sehr bemerkenswert.

Ich habe mir die Originalstudie kurz angeschaut.

Die Patienten wurden randomisiert, das heisst per Zufall auf die zwei Gruppen verteilt. Das ist wichtig, weil es Manipulationsmöglichkeiten reduziert. Die Patienten wussten nicht, dass die Ingwer-Kapsel auf schmerzlindernde Wirkung getestet werden sollte und der Befund-erhebende Hals-Nasen-Ohren-Arzt wurde im unklaren darüber gelassen, zu welcher Gruppe der jeweils untersuchte Patient gehört. Das sind Qualitätsmerkmale für eine Studie. Die Zahl der Studienteilnehmer ist aber sehr klein und reicht nicht, um eine Wirksamkeit einwandfrei zu belegen. Und die Qualität der statistischen Berechnungen kannich nicht beurteilen.

Im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ ist die Rede von standardisiertem Ingwer-Extrakt. Das stimmt nicht. In der Originalarbeit ist von Ingwerpulver die Rede. Das untersuchte Produkt ist ein schlichtes Nahrungsergänzungsmittel. Damit ist es nicht patentierbar und braucht für die Zulassung am Markt auch keine Wirksamkeitbelege zu liefern, wie das bei eiinem Arzneimittel der Fall wäre. Aus diesen zwei Gründen werden wohl die grösseren Untersuchungen, die von den Studienautoren angeregt werden, kaum zustande kommen.

1000 mg Ingwerwurzelpulver entspricht inm Bereich der Phytopharmaka, also der pflanzlichen Arzneimittel, vier Kapseln Zintona pro Tag.

Dass Ingwer entzündungswidrig wirken kann, dafür gibt es schon seit einiger Zeit experimentelle Hinweise aus dem Labor, aber nur wenige konkrete Erkenntnisse bei Patienten. Und in der Ayurvedischen Medizin wird Ingwer mit Erfolg in der Behandlung von Migräne eingesetzt. Das kommt dem Thema Schmerzreduktion zumindestens nahe.

Ingwertherapie zeigte in einer Metaanalyse eine signifikante Schmerzreduktion gegenüber Placebo bei Arthrose. Dabei variierte die Behandlungsdauer aber zwischen drei und zwölf Wochen, während an der besprochen Studie nach Mandel-OP die schon kurzfristig auftretende Wirkung auffällt.

Neu für die Phytotherapie-Fachliteratur ist die mögliche Förderung der Wundheilung durch Ingwer bei peroraler Anwendung. Wenn das bestätigt werden könnte, wäre das sehr interessant. Dann könnte man darüber nachdenken, bei welchen Wunden das sonst noch Sinn macht und das gäbe eine ganze Palette von Einsatzmöglichkeiten. Aber eben: Da hat es noch einige ‚wenn’ und ‚könnte’….

Bemerkenswert ist auch, dass sich keine Abnahme bei der Häufigkeit von postoperativer Übelkeit und Erbrechen zeigte. Ingwer wurde mehrfach zur Linderung von Übelkeit nach Operationen bzw. Narkosen untersucht und zeigte dabei widersprüchliche Ergebnisse. Das Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt dazu:

„Nach einem überblick über die publizierten Doppelblindstudien zur Verhinderung von postoperativer Übelkeit und Erbrechen besteht zwischen Ingwer und Placebo kein Unterschied, jedoch ein Effekt bei Schwangerschaftserbrechen und der Reisekrankheit. Dennoch wird von verschiedenen Seiten die Anwendung bei Schwangeren wegen fehlender umfangreicher Daten und der unklaren Thromboxan-Synthesehemmung durch Ingwer nicht empfohlen.“

Siehe auch:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als ‚Gut‘ bewertet

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

 

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Ingwer bei Erkältungen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Demenzvorbeugung: US-Neurologen empfehlen Sport statt Medikamente

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Mediziner sollen Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) zu sportlichen Aktivitäten ermuntern, statt sie mit Medikamenten zu behandeln, deren Wirksamkeit gemäss einer überarbeiteten Leitlinie der American Academy of Neurology (AAN) nicht belegt ist. Publiziert wurden die Empfehlungen in Neurology (2017; doi: 10.1212/WNL.0000000000004826). Sie umfassen auch die Suche nach modifizierbaren Risikofaktoren, deren Vermeidung die kognitiven Fähigkeiten der Patienten oft verbessern kann.

Leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI) kommen im Alter oft vor.

Die Beeinträchtigungen werden von den Betroffenen zunächst kaum bemerkt. Sie haben Schwierigkeiten, komplexe Aufgaben zu erledigen, oder verstehen Informationen, die sie gelesen haben, nicht mehr. Die Grenze zur Demenz ist erreicht, wenn Probleme mit alltäglichen Aufgaben wie Ankleiden, Baden und Essen auftreten.

Eine MCI entwickelt sich nicht immer zur Demenz weiter. Der Verfall der kognitiven Fähigkeiten kann aber schnell verlaufen: Bei 14,9 Prozent der MCI-Patienten kommt es innerhalb von zwei Jahren zu einer Demenzdiagnose.

Gegenwürtig existieren keine Medikamente, die die Entwicklung stoppen können.

Cholinesterase-Hemmer wie Donepezil, Rivastigmin, Tacrin oder Galantamin, die für die symptomatische Therapie der Alzheimer-Demenz zugelassen sind, sind für die Behandlung der MCI nicht angezeigt. Die AAN rät daher in ihrer Leitlinie von der Anwendung von Cholinesterase-Hemmern ab. Wenn die Mediziner sie den MCI-Patienten dennoch anbieten, sollten sie vorgängig auf die nicht nachgewiesene Wirkung hinweisen.

Für die Wirksamkeit von Sport existieren dagegen erste Belege. Zwar seien bisher noch keine Langzeitstudien durchgeführt worden, erklären die Leitlinien-Autoren. Sechsmonatige Studien würden aber darauf hinweisen, dass das zweimal wöchentliche Training das Gedächtnis verbessern kann.

Die Mediziner können den Patienten auch kognitives Training empfehlen, schreiben die Leitlinien-Autoren. Die Hinweise, dass die Denksport-Übungen den Patienten helfen, stufen sie jedoch als schwach ein.

Eine wichtige Aufgabe der Mediziner besteht nach Einschätzung der Leitlinien in der Suche nach beeinflussbaren Risikofaktoren. Dazu zählen die Nebenwirkungen von Medikamenten, Schlafstörungen oder Depressionen. Durch Wechsel der Medikation, verbesserte Schlafhygiene und die Behandlung von Depressionen können oft die Symptome der MCI gelindert und die Lebensqualität der Patienten verbessert werden.

Quelle:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/87286/Demenzpraevention-US-Neurologen-raten-zu-Sport-statt-Medikamenten

http://n.neurology.org/content/early/2017/12/27/WNL.0000000000004826

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine Bestätigung für Empfehlungen, die schon aus verschiedenen Quellen verlautet sind.

Galantamin ist übrigens ein Wirkstoff, der ursprünglich aus dem Schneeglöckchen stammt.

Siehe dazu:

Wirksamkeit von Galantamin bei Demenz bestätigt

Aus phytotherapeutischer Sicht gibt es bei leichter und mittelgradiger Alzheimer-Demenz sowie bei vaskulärer Demenz laut einer S3-Leitline Hinweise auf einen kognitiven Nutzen für den Ginkgo-Extrakt EgB 761 (Tebokan, Tebofortin, in D: Tebonin). Ein vorbeugender Effekt konnte dagegen nicht hinreichend belegt werden.

Siehe dazu:

S3-Leitlinie „Demenzen“: Empfehlung für Ginkgo-Extrakt

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kartoffelwickel bei Husten

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Das Magazin „Focus“ hat Hausmittel gegen Husten vorgestellt, darunter auch den Kartoffelwickel:

„Wickel um die Brust haben gleich zwei positive Effekte. Sie wärmen und sie transportieren beim Atmen Heilsubstanzen zu den entzündeten Bronchien. Probieren Sie bei sich selbst oder ihrem Kind warme Kartoffelwickel aus. Dafür die Kartoffeln garkochen, dann zerdrücken und den Brei in eine Mullwindel geben. Legen Sie sich zuerst ein Handtuch auf die Brust und darauf dennoch ordentlich warmen Kartoffelwickel. Das Handtuch ist wichtig, damit Sie sich nicht verbrennen. Fixieren Sie den Wickel mit einem Wollschal. Der sorgt für zusätzliche Wärme und hält alles fest.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/praxistipps/video/omas-hausapotheke-aerztin-verraet-die-drei-besten-mittel-gegen-husten-stehen-schon-in-ihrer-kueche_id_7910407.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Ein Kartoffelwickel kann immer dann in Betracht gezogen werden, wenn eine intensive Wärmeanwendung erwünscht ist. Er kann zum Beispiel Krämpfe oder Muskelverspannungen lindern. Kartoffeln können die Wärme sehr lange speichern. Man muss darum gut auf die Temperatur aufpassen, vor allem bei Kindern. Die Hitze kann nach dem Auflegen noch steigen. Das ist aber der einzige heikle Punkt. Sonst sind Kartoffelwickel sehr verträglich.

Beim Kartoffelwickel ist es allerdings fraglich, ob er tatsächlich „Heilsubstanzen zu den entzündeten Bronchien“ transportiert. Dieser Effekt kann wirksam sein bei Wickel und Auflagen mit ätherischen Ölen, z. B. bei Auflagen oder Einreibungen mit Thymianöl / Eukalyptusöl gemischt mit einem fetten Öl wie Mandelöl. Auch beim Zwiebelwickel verdunsten Substanzen, die zur Heilwirkung beitragen können.

Die Wirkung des Kartoffelwickels kommt aber wohl ausschliesslich durch die intensive Wärmezufuhr zustande.

 

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Zitronenmelisse-Extrakt beruhigt nervöse Herzen

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Melissenextrakt hilft laut einer iranischen Studie bei Herzstolpern.

Die Melisse (Melissa officinalis) wurde früher oft auch „Herztrost“ genannt und ihre beruhigende Wirkung wurde bereits von Ärzten des Altertums und Mittelalters wie Theophrastos und Paracelsus beschrieben. Daher ist es naheliegend, diese altbewährte Heilpflanze auch im Hinblick auf eine mögliche Wirksamkeit bei nervösen Herzbeschwerden zu untersuchen.

Inwiefern ein Melissenextrakt Patienten mit regelmäßig auftretendem gutartigen Herzrasen helfen kann, untersuchten nun Wissenschaftler im Iran mit einer kleinen Studie. Die Teilnehmer wurden per Zufallsentscheid in zwei Gruppen unterteilt, die über den Studienzeitraum von zwei Wochen entweder zwei Mal täglich eine Kapsel mit 500 mg Melissenextrakt oder aber Placebokapseln erhielten.

Erfasst wurden psychische Symptome wie Angstgefühle, depressive Verstimmungen, Schlaflosigkeit, Somatisierung und psychosoziale Belastungen.

Bei den Patienten in der Melissenextraktgruppe konnten die Vorfälle des Herzrasens um mehr als ein Drittel vermindert werden. Auch die Angstzustände und damit verbundene (Ein-)Schlafstörungen gingen bei diesen Patienten im Vergleich zu jenen, die Placebokapseln bekamen, deutlich zurück. Der Melissenextrakt wurde von den Probanden insgesamt gut vertragen.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/zitronenmelisse-beruhigt-nervoese-herzen.html

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378874115000781?via%3Dihub

http://dx.doi.org/10.1016/j.jep.2015.02.007

 

Kommentar & Ergänzung:

Herzbeschwerden brauchen natürlich eine ärztliche Untersuchung. Bei nervös bedingten, funktionellen Herzbeschwerden können beruhigend wirkende Heilpflanzen wie Melisse oder Lavendel durchaus sinnvoll als Teil einer Behandlung eingesetzt werden.

Die Studie aus dem Iran ist interessant, wirft aber eine ganze Reihe von Fragen auf. An der beruhigenden Wirkung von Melisse dürfte das ätherische Melissenöl beteiligt sein, insbesondere sein Bestandteil Citronellal. Allerdings wird Melissenöl im hier untersuchten wässrigen Trockenextrakt aus Melisse kaum in relevanter Konzentration vorhanden sein. Darüber hinaus gibt es Hinweise aus Tierexperimenten, wonach Rosmarinsäure beruhigende und antidepressive Effekte auslösen kann. Ob sich diese Erkenntnisse auf die Anwendung beim Menschen übertragen lassen, ist aber ungeklärt. Rosmarinsäure kommt zudem nicht nur in Melisse vor, sondern auch in anderen Lippenblütlern wie Salbei oder Rosmarin, die dann eigentlich auch beruhigend wirken müssten.

Siehe dazu:

Was ist Rosmarinsäure?

Ich kann die Qualität und Aussagekraft der iranischen Studie nicht detailliert beurteilen. Klar ist allerdings, dass die Zahl der Teilnehmenden mit 71 ziemlich klein ist. Zudem haben nur 55 davon die Studie bis zum Abschluss mitgemacht. Diese Aussteigerquote von 16 scheint mir etwas gar hoch.

Ich habe zudem bei Studien aus dem Iran immer ein Wort von Roman Huber in Erinnerung. Der Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg wies in einem Interview darauf hin, dass aus dem Iran genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen kommen. Das ist nicht sehr vertrauenserweckend (Interview siehe hier).

 

Die untersuchten Melissenextrakt-Kapseln sind bei uns nicht im Handel.

Ein wässriger Trockenextrakt aus Melisse ist Bestandteil von Baldriparan (zusammen mit Baldrianextrakt und Hopfenextrakt). Ein alkololischer Trockenextrakt aus Melisse ist Bestandteil von Dormiplant (zusammen mit Baldrianextrakt). Ich würde bei nervösen Herzbeschwerden aber durchaus auch Melissentee empfehlen, auch wenn es dafür keine Belege aus Studien gibt. Das kostet fast nichts und hat noch einen Ritualcharakter.

Klosterfrau Melissengeist enthält mir zuviel Alkohol. Siehe dazu:

Klosterfrau Melissengeist & Alkoholismus

Wenn ich in deser Art auf kritische Punkte von Studien hinweise, werde ich manchmal gefragt, warum ich das mache. Ich könne doch froh sein, dass Studien gemacht werden und dadurch die Phytotherapie an Stärke gewinnt.

Die Phytotherapie gewinnt aber nur wirklich durch starke, gut gemachte Studien. Es ist sehr wichtig sich klarzumachen, dass es viele Studien gibt, die nur sehr geringe Aussagekraft haben und zum Teil einfach von schlechter Qualität sind. Das gilt für Studien in der klassischen Pharmaforschung mit synthetischen Arzneistoffen genauso wie für Studien im Bereich von Komplementärmedizin und Naturheilkunde.

„Eine Studie hat gezeigt, dass……“ ist also eine Satz, die noch gar nichts aussagt, wenn man sich nicht die Qualität der Studie anschaut.

Siehe dazu auch:

Qualitätssicherung in der Phytotherapie

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Hausmittel: Rettichsirup gegen Husten

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Rettichsirup ist ein altbewährtes Hausmittel gegen Husten. Das Magazin „Focus“ hat dazu ein Rezept veröffentlicht:

„Von innen können Sie den Husten mit selbstgemachtem Hustensaft lindern. Ein Beispiel dafür ist der Rettich-Honig. Dafür schneiden Sie einen schwarzen Rettich der Länge nach auf, höhlen ihn mit einem Löffel aus und füllen beide Hälften mit Honig. Anschließend lassen sie es zwölf Stunden ziehen. Dabei entzieht der Honig dem Rettich Wasser und es entsteht ein Hustensaft. Davon können Sie drei Mal täglich einen Esslöffel zu sich nehmen. Den Rest bewahren Sie im Kühlschrank auf.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/praxistipps/video/omas-hausapotheke-aerztin-verraet-die-drei-besten-mittel-gegen-husten-stehen-schon-in-ihrer-kueche_id_7910407.html

Kommentar & Ergänzung:

Wie genau die Wirkung von Rettichsirup zustande kommt, wurde nie genauer untersucht. Umfangreichere Forschungsarbeiten sind hier qauch nicht zu erwarten. Wer investiert schon in Studien für ein Hausmittel, das sich nicht patentieren lässt, und das jeder Mensch billig selber herstellen kann.

Mehr zum Rettichsirup hier:

Hausmittel: Rettichsirup gegen Husten

Bekannt ist immerhin, dass Rettich Senfölglykoside (= Glukosinolate) enthält, die auch charakteristische Inhaltsstoffe von Meerrettich und Kapuzinerkresse sind.

Senfölglykoside bzw. Senföle wirken antimikrobiell und möglicherweise auch schleimlösend bei Husten.

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside und welche Wirkung haben sie?

Bekannt ist zudem, dass Honig den Hustenreiz lindern kann. Das haben inzwischen auch Studien bestätigt.

Siehe dazu:

Honig gegen Husten wirksam

 

Obwohl Studien fehlen, gibt es also einige Argumente, die für eine Wirksamkeit des Rettichsirups sprechen. Und weil dieses Hausmittel zudem billig und leicht verfügbar ist, kann man eigentlich nur empfehlen, es bei der nächsten Gelegenheit auszuprobieren.

 

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Aromatherapie und Massage zur Linderung von Symptomen bei Krebspatienten

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Menschen mit Krebs können unter Symptome wie Schmerzen, Angstzustände oder Stress leiden. Massagen mit oder ohne Aromatherapie können zur Linderung dieser Symptome beitragen. Massagen bestehen in der Anwendung von Druck auf den Körper. Dabei kann ein fettes Massageöl verwendet werden. Werden dem fetten Öl ätherische Öle wie zum Beispiel Lavendelöl oder Rosenöl zugegeben, wird diese Anwendung Aromatherapie-Massage genannt.

Im August 2015 suchte eine Gruppe von Forschenden nach klinischen Studien, die die Wirksamkeit von Massagen mit oder ohne Aromatherapie zur Symptomlinderung bei Krebspatienten untersuchen.

Sie fanden 19 kleine Studien (1274 Teilnehmer) von sehr niedriger Qualität.

Schlussfolgerung der Wissenschaftler:

„Einige kleine Studien deuteten darauf hin, dass Massage ohne Aromatherapie die Linderung von kurzfristigen Schmerzen und Angstzuständen bei Krebspatienten unterstützt. Anderen kleinen Studien zufolge kann die Aromatherapie-Massage eine mittel- oder langfristige Linderung dieser Symptome bewirken.“

Die Qualität der Evidenz sei jedoch sehr niedrig und die Resultate nicht schlüssig. Die Autoren schreiben abschliessend:

„Wir können nicht sicher sein, dass diese Behandlungen einen Nutzen bringen.“

Quelle:

http://www.cochrane.org/de/CD009873/aromatherapie-und-massage-zur-symptomlinderung-bei-krebspatienten

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD009873.pub3/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Die Cochrane Collaboration ist ein weltweites, renommiertes Netz von Wissenschaftlern und Ärzten mit dem Ziel, systematische Übersichtsarbeiten (Meta-Analysen) zur Bewertung von medizinischen Therapien zu erstellen, sie aktuell zu halten und zu verbreiten. Dass Cochrane sich dem Thema Massage und Aroma-Massage annimmt, ist eher überraschend.

Natürlich sind von Massgen und Aromatherapie-Massagen bei Krebspatienten keine Wunder zu erwarten. Dass sie aber vielen Betroffenen gut tun können, liegt meines Erachtens auf der Hand und muss nicht noch speziell durch Studien belegt werden.

Trotzdem wäre es selbstverständlich wünschenswert, wenn die Wirksamkeit besser belegt werden könnte.

Es ist jedoch eher unwahrscheinlich, dass zu dieser Fragestellung grosse und aufwendige Studien gemacht werden können. Im Gesundheitswesen wird vor allem dort in grossem Stil in die Forschung investiert, wo Firmen dadurch patientierbare Produkte auf den Markt bringen können. Nur so lässt sich ein hoher Forschungsaufwand wieder hereinspielen. Dass die Qualität der Studien zum Thema Massage und Aromatherapie-Massage gering ist, dürfte daher nicht zuletzt mit den geringen finanziellen Anreizen zusammenhängen.

Zudem ist es kaum möglich, solche Studien doppelblind mit Placebokontrolle durchzuführen und damit die höchsten Standards der klinischen Forschung zu erfüllen.

Für eine Tablette lässt sich ein identisches Placebo herstellen für die Vergleichsgruppe, für eine Massage nicht.

Das erwähnte Lavendelöl ist bewährt als beruhigender Zusatz in Massageölen. Lavendelöl ist sowohl in der Aromatherapie als auch in der Phytotherapie eines der wichtigsten ätherischen Öle.

Weitere Informationen zur Wirkung und Anwendung von Lavendelöl finden Sie in der Broschüre „Ätherische Öle in der Pflege“.

Echtes Rosenöl ist sehr teuer. Es besitzt eine ausgeprägt antimikrobielle Wirkung. Zu Rosenöl siehe auch:

Aromatherapie / Phytotherapie: Rosenöl

Für Aroma-Massagen eignen sich neben Lavendelöl und Rosenöl eine ganze Reihe von weiteren ätherischen Ölen, zum Beispiel Jasminöl, Melissenöl, Rosmarinöl, Sandelholzöl, Wacholderöl oder Mandarinenöl. Die Auswahl des angewendeten ätherischen Öls wird beeinflusst von unterschiedlichen Wirkungen und von den Vorlieben und Abneigungen der behandelten Person. Die ätherischen Öle werden in der Regel nicht unverdünnt angewendet, sondern in einer Konzentration von meisten etwa 1 – 3 % gemischt mit einem fetten Trägeröl (z. B. Mandelöl, Jojobaöl).

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Zwiebelsirup gegen Husten

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Zwiebelsirup ist ein altbewährtes Hausmittel gegen Husten. Das Magazin „Focus“ hat dazu ein Rezept veröffentlicht:

„Für einen einfachen Hustensaft nehmen Sie 100 Gramm gehackte Zwiebeln und 100 Gramm feinen Kandiszucker. Beides wird so lange zusammen gekocht, bis sich der Zucker völlig aufgelöst hat. Dann können Sie den Saft abseihen und auch täglich drei Mal einen Esslöffel zu sich nehmen. Den Rest ebenfalls im Kühlschrank aufbewahren.“

Quelle:

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Kommentar & Ergänzung:

Wie genau die Zwiebel gegen Husten wirksam sein soll, ist nicht bekannt.

Die Zwiebel enthält, wie ihre Verwandten, beispielsweise der Knoblauch, viele schwefelhaltige Verbindungen, die für den charakteristischen Geruch verantwortlich sind. Diese schwefelhaltigen Verbindungen sind es, welche den charakteristischen Zwiebelgeruch auslösen und eine antibakterielle Wirkung entfalten.

Inzwischen ist es möglich, die antibakteriellen Zwiebel-Verbindungen im Labor konzentriert herzustellen. Auch konnten Forscher bei Versuchen mit Bakterienkulturen zeigen, dass die Substanzen manche Erreger effektiv bekämpfen.

Ein Potential der Zwiebel als Hausmittel gegen Erkältungen lässt sich daraus allerdings nicht direkt ableiten. Möglicherweise werden die Inhaltsstoffe nach dem Zwiebelgenuss so schnell abgebaut, dass sie nicht wirken können. Oder sie erreichen nicht jene Stellen im Körper, an denen die Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger sitzen.

Günstig ist allerdings, dass der menschliche Organismus die schwefelhaltigen Inhaltsstoffe der Zwiebel nicht über die Verdauungsorgane ausscheidet, sondern über den Atem. So gelange die Abbauprodukte via Lunge und Bronchien nach aussen und können dort möglicherweise Bakterien hemmen.

Die meisten Erkältungen sind allerdings viral bedingt.

Der Zwiebelsirup könnte auch über eine schleimlösende Wirkung den Husten lindern. Untersuchungen dazu gibt es allerdings nicht. Ein so einfaches und billiges Mittel kann man aber auch einfach mal ausprobieren.

Hier gibt es noch mehr Infos zum Zwiebelsirup:

Zwiebelsaft oder Zwiebelsirup lindert Husten

 

Zwiebelsirup als Hausmittel gegen Husten

Zwiebelsirup gegen Husten

Zwiebelsirup und andere Hausmittel bei Husten

Zwiebelsirup gegen Husten

Pflanzenheilkunde: Zwiebelsirup löst Schleim bei Husten

Zwiebel gegen Bakterien wirksam

Zwiebeltee als Hausmittel gegen Erkältungen

 

 

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Hirtentäschelkraut reduziert in Studie Blutungen nach der Geburt

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Ergänzend zu Oxytocin zeigte sich die Gabe eines Extraktes von Capsella bursa-pastoris (Hirtentäschel) zur Linderung postpartaler Hämorrhagie (Blutungen nach der Geburt) gegenüber Placebo als überlegen.

Starke Blutungen nach einer Geburt können zu einem kritischen Gesundheitszustand führen. Als Folge des hohen Blutverlustes und anhaltender Blutungen können Anämie, Infektionen, Nierenprobleme, die Erfordernis von Bluttransfusionen oder einer Gebärmutterentfernung auftreten. Im schlimmsten Fall kann die postpartale Hämorrhagie sogar tödlich enden. Das vom menschlichen Körper produzierte Hormon Oxytocin kommt als Standardtherapie zur Eindämmung übermäßiger postpartaler Blutungen und zur Gebärmutterrückbildung zur Anwendung. Hebammen setzen in verschiedensten Kulturkreisen seit jeher die Kräuterheilkunde ein zur Begleitung von Schwangeren und Wöchnerinnen. Eine fast über die ganze Erde verbreitete Heilpflanze, die traditionell zur Stillung von Blutungen eingesetzt wird, ist das Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris).

An der Shahid Beheshti University of Medical Sciences in Teheran wurde im Rahmen einer Doktorarbeit erstmals mit einer klinischen Studie untersucht, inwieweit die Verabreichung eines wässrig-alkoholischen Extraktes von Capsella bursa-pastoris den postpartalen Blutverlust bei Frauen mit vaginaler Entbindung reduzieren kann.

Jeweils 50 Frauen wurden per Zufallsentscheid zwei Gruppen zugeordnet (= randomisiert), die entweder Hirtentäschelkraut-Extrakt oder Placebo-Flüssigkeit bekamen.

Nach vollständiger Entfernung der Nachgeburt wurden den Studienteilnehmerinnen sublingual (= unter die Zunge) 10 Tropfen der jeweiligen Testflüssigkeit verabreicht. Alle Frauen bekamen als Standardbehandlung eine Infusion mit 20 U Oxytocin in 1 l Ringerlösung.

Der Blutverlust in den ersten drei Stunden nach der Geburt wurde durch das Wiegen unbenutzter und der benutzten (blutgetränkten) Hygienevorlagen erfasst. Ausserdem wurden in diesem Zeitraum in regelmäßigen Abständen die Vitalwerte der Probandinnen dokumentiert. Zu Geburtsbeginn und 6 Stunden nach der Entbindung wurden Blutproben der Frauen auf den Hämoglobin- und den Hämatokrit-Gehalt untersucht. In einer 40-tägigen Follow-up-Phase befragte die Studienleiterin die Teilnehmerinnen telefonisch zu ihrem Wohlbefinden und zu speziellen Vorkommnissen (Blutungen, Krankenhausaufenthalte, sonstige Komplikationen bei der Mutter oder beim Kind).

Verglichen mit der Kontrollgruppe (Oxytocin + Placebo) verlor die Behandlungsgruppe (Oxytocin + Capsella) total durchschnittlich 35 ml weniger Blut. Die Differenz erwies sich im statistischen Test für den Gesamtverlust und für die Messungen zur ersten, zweiten und dritten Stunde nach der Geburt als signifikant (p < 0.0001). Sowohl die Hämoglobin- als auch der Hämatokrit-Werte lagen bei den Frauen der Hirtentäschelkraut-Gruppe höher als in der Placebo-Gruppe. Die Teilnehmerinnen in der Hirtentäschelkraut-Gruppe waren mit ihrer Behandlung deutlich zufriedener als die Frauen der Placebo-Gruppe.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/hirtentaeschelkraut-gegen-blutungen-nach-der-entbindung.html

Ghalandari S, Kariman N, Sheikhan Z, Mojab F, Mirzaei M, Shahrahmani H. Effect of hydroalcoholic extract of Capsella bursa patoris on early postpartum hemorrhage: a clinical trial study. J Altern Complement Med 2017; 23(10):794-799.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28590768

 

Kommentar & Ergänzung:

Hirtentäschelkraut hat eine lange Tradition als Mittel gegen starke Blutungen in der Gynäkologie. Aber die Belege für eine Wirksamkeit sind bisher schwach. Auf diesem Hintergrund ist diese Studie aus dem Iran ziemlich überraschend und interessant.

Allerdings habe ich zu Studien aus dem Iran noch eine Aussage von Roman Huber in Erinnerung, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Universitätsklinik Freiburg:

„Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

Quelle dazu  siehe hier: Lavendelöl lindert Menstruationsbeschwerden

Wie es die Wissenschaft normalerweise fordert, müsste diese Studie nun von einer unabhängigen Forschungsgruppe wiederholt und das Resultat bestätigt werden, damit die Wirksamkeit anerkannt werden kann.

Interessant an diesem Bereicht ist ausserdem, dass die Verabreichung des Hirtentäschelextrakts sublingual erfolgte.

„Bei der sublingualen Einnahme gelangt der Wirkstoff schneller in den Blutkreislauf, da das venöse Blut aus der Mundschleimhaut direkt in die obere Hohlvene fließt. Bei der oralen Einnahme muss der Wirkstoff erst die Leber passieren, um in den großen Kreislauf zu gelangen, wobei er eventuell chemisch verändert wird. Dies ist bei der sublingualen Einnahme nicht der Fall, die Leber wird umgangen.“

Quelle: Wikipedia

Hirtentäschelkraut soll laut dem Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ ein Peptid enthalten, das in-vitro (= im Reagenzglas) eine dem Oxytocin ähliche Wirkung zeigt. Das könnte eine Erklärung sein für eine allenfalls vorhandene blutstillende (hämostyptische) Wirkung.

Auch hier gilt es allerdings festzuhalten, dass eine Wirkung im Labor nicht unbedingt einer Wirkung im menschlichen Organismus entspricht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Giftmischerin produziert und testet Rizin im Altersheim

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Diese ziemlich verrückte Geschichte ging vor kurzem durch die Medien:

Eine 70-jährige Seniorin aus dem US-Bundesstaat Vermont hat auf eigene Faust hochgefährliches Pflanzengift Rizin produziert – und an ihren Mitbewohnern im Altersheim getestet.

Wie das US-Justizministerium mitteilte, wurde durch die Machenschaften der 70-jährigen Betty Miller aber offenbar kein Bewohner der idyllischen Seniorenresidenz in Shelburne im Bundesstaat Vermont getötet.

Die US-Bundespolizei FBI war den Angaben zufolge aufgrund einer möglicherweise gefährlichen Substanz in Millers Appartement alarmiert worden. Die Polizisten entdeckten in der Wohnung eine Flasche mit der Aufschrift „Rizin“. Untersuchungen bestätigten, dass es sich um das hochgefährliche Pflanzengift handelte. Rizin lähmt die Atemwege und kann bei Verschlucken schon in kleinsten Dosen tödlich wirken.

Die Giftmischerin wurde festgenommen. Sie habe angegeben, „Interesse an Giftstoffen auf Pflanzenbasis zu haben“, erklärte das Justizministerium. Nach einer Internet-Recherche produzierte sie das Rizin in ihrer Küche. Um seine Wirksamkeit zu prüfen, mischte sie das Gift in Speisen und Getränke ihrer Mitbewohner.

Millers Wohnung wurde von FBI-Fachleuten für „Massenvernichtungswaffen“ durchsucht. Die Polizisten entdeckten dort noch mehr Rizin und Pflanzenbestandteile etwa von Äpfeln, Kirschen, Rizinus, Fingerhut und Hefe, aus denen nach Einschätzung der Fachleute ebenfalls Gift hergestellt werden kann. Eine Gefahr bestehe nun jedoch nicht mehr.

Das Altersheim sprach von einem Einzelfall. Um die toxikologisch interessierte Bewohnerin des Appartements kümmern sich nun die Strafverfolgungsbehörden. In die Seniorenresidenz wird sie nicht zurückkehren.

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/giftkueche-im-altenheim–seniorin-braut-hochgefaehrliches-rizin-7771444.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Keine Ahnung, wie genau die Frau Rizin produziert hat.

Rizin ist vor allem enthalten in Rizinussamen.

Wikipedia schreibt dazu:

„Rizin oder Ricin ist ein äußerst giftiges Protein aus den Samen des Wunderbaums (Ricinus communis) aus der Familie der Wolfsmilchgewächse. Chemisch ist das Protein Rizin ein Lektin, das aus einer zellbindenden und einer giftigkeitsvermittelnden Komponente besteht. Seine Giftigkeit wird auf eine Hemmung der eukaryotischen Proteinbiosynthese zurückgeführt.

Gelangt das Gift in den menschlichen Organismus, so bringt es die kontaminierten Zellen zum Absterben. Für eine tödliche Vergiftung eines Menschen genügen (bei oraler Aufnahme) 0,3–20 Milligramm isoliertes Rizin pro Kilogramm Körpergewicht entsprechend etwa acht Samenkörnern, deren Größe und Gehalt jedoch stark schwankt. Bei Kindern kann, je nach Alter und Konstitution, schon ein halbes Samenkorn tödlich wirken. Allerdings wird auch berichtet, dass selbst nach Einnahme von 40 bis 60 Samen eine Überlebenschance besteht. Dabei kommt es darauf an, zu welchem Zeitpunkt das Erbrechen einsetzt. Bei intravenöser, inhalativer oder subkutaner Aufnahme wirken wesentlich geringere Mengen letal, so bei subkutaner Gabe schon 43 μg/kg Körpergewicht.

Rizin ist in der Kriegswaffenliste des deutschen Kriegswaffenkontrollgesetzes aufgeführt.“

Für den Einsatz von Rizin als Biowaffe gibt es eine Reihe von Fallbeispielen. Dazu wieder bei Wikipedia:

„Bekanntheit erlangte der Mordanschlag mit Rizin als ‚Regenschirmattentat’ auf den bulgarischen Schriftsteller und Dissidenten Georgi Markow in London 1978.

1991 wurden in Minnesota mehrere Mitglieder der rechtsextremistischen Gruppe Patriot’s Council festgenommen, weil sie für einen Anschlag auf Bundespolizisten eine Menge an Rizin hergestellt hatten, die für die Tötung von über 100 Menschen ausreichend gewesen wäre. Vier von ihnen wurden gemäß dem ‚Biological Weapons Anti-Terrorism Act’ von 1989 für schuldig befunden, sie waren die ersten nach diesem Gesetz Verurteilten überhaupt. 1995 wurde an der Grenze von Alaska ein ebenfalls dem rechtsextremistischen Lager zugerechneter Mann festgenommen beim Versuch, 130 Gramm pulverisiertes Rizin nach Kanada einzuschmuggeln.

Die Londoner Times berichtete am 16. November 2001, dass in verlassenen Al-Qaida-Häusern in Kabul Herstellungsanleitungen für Rizin gefunden worden waren, allerdings kein Rizin selbst. Im August 2002 gaben US-amerikanische Behörden bekannt, dass die islamistische Terrororganisation Ansar al-Islam Versuche mit Rizin und anderen chemischen und biologischen Kampfstoffen im Nord-Irak angestellt habe.

Am 9. Januar 2003 meldete die dpa, dass in London kleinere Mengen Rizin sowie Geräte zu seiner Herstellung gefunden worden waren. In diesem Zusammenhang wurden sechs Algerier festgenommen. Im April 2005 wurden bis auf einen alle Beteiligten freigesprochen. Ein Angeklagter wurde wegen Mordes an einem Polizisten, den er während einer Hausdurchsuchung erstochen hatte, zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Ermittlungsbehörden gaben in dem Verfahren entgegen früheren Meldungen an, kein Rizin, sondern lediglich amateurhafte Anweisungen zu seiner Herstellung gefunden zu haben.

Im Februar 2008 wurde in einem Hotelzimmer in Las Vegas Rizin gefunden. Die dortige Polizei erklärte, eine schwer vergiftete Person sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden und schwebe in Lebensgefahr. Trotz des Fundes von Waffen und ‚anarchistischer Literatur’ glaube man nicht an einen terroristischen Hintergrund.

Am 12. August 2011 berichtete die New York Times über geheimdienstliche Erkenntnisse bezüglich des Versuchs zur Herstellung von Rizin durch den regionalen Arm von Al-Qaida im Jemen. Demnach sei die US-Regierung besorgt, dass dort Rizin für Anschläge gegen die USA hergestellt werden könne.

Am 16. April 2013 wurde je ein Brief mit Rizin an den republikanischen US-Senator Roger Wicker und den US-Präsidenten Barack Obama abgefangen. Am 30. Mai 2013 wurde bekannt, dass am 24. bzw. 26. Mai 2013 zwei Briefe mit Rizin an den amtierenden New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg abgefangen worden waren. Als Absenderin der Briefe an Bloomberg und Obama wurde die Schauspielerin Shannon Guess Richardson ermittelt; sie gestand dies. Sie wurde zu 18 Jahren Haft und 367.222 Dollar Entschädigungszahlung verurteilt.

Anfang September 2014 wurden in einem US-amerikanischen Labor schlecht gesicherte Rizinrestbestände aus Waffenexperimenten im Ersten Weltkrieg gefunden, zusammen mit Pest- und Botulismus-Erregern.“

Ein ziemlich gruseliger Giftstoff, dieses Rizin

Aus Rizinussamen gewinnt man das fette Rizinusöl, das in der Phytotherapie als Abführmittel (Laxans) eingesetzt wird. Für medizinische Zwecke wird Rizinusöl durch Kaltpressung hergestellt und raffiniert, das heisst entschleimt, entsäuert und mit Wasserdampf behandelt. Raffiniertes Rizinusöl enthält kein Rizin mehr.

Das Fachbuch „Pharmakognosie / Phytopharmazie“ schreibt zur Anwendung als Abführmittel:

„Innerlich als Laxans: Je nach Dosis tritt die laxieerende Wirkung unterschiedlich rasch ein: nach Einnahme von 1 Teelöffel voll nach etwa 8 h, nach Einnahme von 15 – 30 g (1 – 2 Esslöffel) innerhalb von 2 – 4 h. Unerwünschte Wirkungen: Es können sich dyspeptische Beschwerden einstellen. In Stadien fortgeschrittener Schwangerschaft können höhere Dosen die Wehen auslösen.“

Wegen der wehenauslösenden Wirkung ist Rizinusöl auch Bestandteil von sogenannten „Wehencocktails“. Siehe dazu:

Rizinusöl zur Geburtseinleitung

Rizinusöl als Abführmittel & Wehenmittel – Wirkung via Prostaglandinrezeptor

In Kosmetik und Dermatologie wird Rizinusöl zudem wegen seiner guten Löslichkeit in Alkohol als Fettzusatz in alkoholhaltigen Externa eingesetzt, insbesondere in Haartonika.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Nelkenöl lindert Zahnschmerzen

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Das Magazin „Stern“ berichtet über die schmerzlindernde Wirkung von Gewürznelken bzw. von Nelkenöl.

In einer kleinen Studie verglichen Wissenschaftler die Wirkung von Gewürznelken mit der eines lokalen Betäubungsmittels, das direkt im Mund angewendet wird und gaben den Patienten im Anschluss zwei Spritzen. Tatsächlich empfanden die Versuchspersonen die Nadelstiche als weniger schmerzhaft. Die „echte“ Betäubung und das Nelkenöl zeigten in etwa den gleichen Effekt; die in der Studie verwendeten Placebos bewirkten dagegen nichts. Die Fachleute der Kommission E schreiben der Gewürznelke eine lokal betäubende Wirkung zu, die akute Zahnschmerzen lindern kann. Nelkenöl wirkt außerdem antiseptisch: Es tötet Bakterien, Pilze und Viren ab.

Der „Stern“ empfiehlt folgende Anwendungsformen:

„Einen Nelkenstängel auf den schmerzenden Zahn legen und warten, bis die Symptome nachlassen.

Ätherisches Nelkenöl wirkt ebenfalls schmerzstillend: Dafür ein paar Tropfen auf einen kleinen Wattebausch tröpfeln und auf den Zahn legen.“

Die Behandlung mit Nelken sei lediglich eine Erste-Hilfe-Maßnahme. Bei Schmerzen soll die betroffene Person besser so bald wie möglich zum Zahnarzt gehen, damit die Ursache des Problems behoben werden.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/erkaeltung–ohrenschmerzen–halsschmerzen–diese-hausmittel-helfen-6565438.html#mg-1_1507550313623

 

Kommentar & Ergänzung:

Nelkenöl besteht zu etwa 85 – 95% aus Eugenol und wirkt gut antimikrobiell und lokal schmerzstillend.

Es eignet sich auch zur Linderung des Juckreizes bei Insektenstichen (Laut dem Fachbuch „Leitfaden Phytotherapie„: pur oder in 10%iger alkoholischer Lösung, Alkohol 70% verwenden).

In konzentrierter Form kann Nelkenöl aber auch gewebereizend wirken.

Früher wurde Nelkenöl bzw. Eugenol auch in der Zahnmedizin angewendet. Das Fachbuch „Biogene Arzneimitel“ schreibt dazu:

„Eugenol…und Nelkenöl wurden wegen der antiseptischen, leicht ätzenden und anästhetischen Eigenschaften früher in grossem Umfang in der Stomatologie als Zusatz zu Wurzelkanalfüllmaterialien eingesetzt (mit ZnO zu festem Zinkeugenolat erhärtend). Die Verwendung zu diesem Zweck wird heute wegen möglichem Eindringen in periapikale Gewebe und dadurch bedingte Entzündung und mögliche Sensibilisierung kritisch betrachtet.“

Siehe ausserdem:

Nelkenöl gegen Zahnschmerzen

Eugenol – der Hauptbestandteil im Nelkenöl

Gewürznelken – Nelkenöl

Gewürznelke lindert Schmerzen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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