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Interessantes zum Gelben Enzian, zum Enzianschnaps und zum Germer

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In der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (5/2017) präsentiert Univ.-Doz. Dr. Reinhard Länger einen informativen Beitrag über den Gelben Enzian (Gentiana lutea, Bild: Gelber Enzian).

 

Die Wirkung des Gelben Enzians ist verbunden mit dem hohen Gehalt an Bitterstoffen. Er wird angewendet bei Verdauungsbeschwerden wie Appetitlosigkeit und Völlegefühl.

Ausserdem wird aus den Enzianwurzeln der Enzianschnaps hergestellt. Die Pflanze wird bis zu 150 cm hoch, erreicht ein Alter von bis zu 60 Jahren und die Enzianwurzel kann in Kultur frühestens nach 4 bis 5 Jahren geerntet werden.

Enzianwurzel hat einen Bitterwert von mindestens 10 000. Der Bitterwert macht eine Aussage dazu, wie stark eine Substanz verdünnt werden muss, damit der bittere Geschmack noch wahrnehmbar ist.

Reinhard Länger hat diesen Bitterwert des Gelben Enzians in anschauliche Beispiele umgerechnet:

„Im Fall von Enzianwurzel bedeutet dies, dass 1g Enzianwurzel 10 Liter Wasser bitter machen kann. Die Bitterstoffe sind gemäß ihrer chemischen Struktur Secoiridoide. Mengenmäßig dominiert Gentiopikrosid (Bitterwert 12 000), die Substanz mit dem höchsten Bitterwert ist Amarogentin (Bitterwert 58 000.000, d. h. 1 g Amarogentin macht 58 000 000ml (= 58m3) Wasser bitter, dies entspricht einem großen Eisenbahn-Kesselwaggon)!“

Eine bitterere Substanz als Amarogentin ist kaum vorstellbar.

Zum Enzianschnaps erklärt Länger den Unterschied zwischen destilliertem und angesetzem Produkt:

„Für die Bereitung von destilliertem Enzianschnaps werden die frischen Wurzeln fermentiert und je nach Rezeptur mit Wasser eingemaischt oder Obstmaische zugesetzt. Die Bitterstoffe sind nicht flüchtig und gelangen daher nicht in das klare Destillat. Anders bei angesetzten Schnäpsen: die Inhaltstoffe werden extrahiert, der Schnaps ist daher braun und stark bitter.“

Der Text geht ausserdem auf Unterschiede zwischen dem Gelben Enzian und dem giftigen Germer (Veratrum album) ein:

„Blattrosetten des Enzian ähneln entfernt jenen des stark giftigen Germer. Beim heimlichen, unerlaubten Graben in der Dämmerung können daher Verwechslungen passieren. Die Alkaloide des Germer sind ebenfalls nicht flüchtig und würden daher auch nicht in ein Destillat übergehen. Bei Ansatzschnäpsen werden sie aber extrahiert. Im Fall einer Vergiftung tritt meist rasch Erbrechen ein, weshalb tödlich verlaufende Vergiftungen in letzter Zeit nicht aufgetreten sind. Bei Tageslicht sollte die Differenzierung von Enzian und Germer kein Problem darstellen: die Blätter des Enzian sind kreuz-gegenständig angeordnet, jene des Germer wechselständig.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0517.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessant ist hier die Angabe, dass sowohl beim Enzianschnaps die Bitterwirkung als auch beim Germer die Giftwirkung von der Herstellungsweise abhängig ist.

Gelber Enzian und Germer unterscheiden sich auch in der Blattfärbung. Die Blätter des Gelben Enzians haben einen grünlich-bläulichen Ton, Germer dagegen einen grünlich-gelblichen Ton. Um diesen Unterschied sicher zu erkennen, muss man die Pflanzen möglichst nebeneinander in der Natur sehen

Sehr viele Gelben Enziane und Germer können Sie kennenlernen auf meinen Kräuterwanderungen im Berner Oberland – in Lenk im Simmental und in Mürren im Lauterbrunnental.

 

Der Germer ist unter der Bezeichnung Veratrum album ein wichtiges Mittel in der Homöopathie. Weil bei der Herstellung der Globuli die Pflanze so stark verdünnt wird, bis praktisch keine Wirkstoffe mehr verhanden sind, sind die Präparate ungiftig (zum Beispiel D6 = 1: 1 000 000 oder D12 = 1: 1 000 000 000 000).

Hauptanwendungsgebiete sind zum Beispiel Erschöpfung, schwacher Kreislauf, Kollaps, Kreislaufbeschwerden, Erbrechen und Durchfall. Veratrum album wird in der Homöopathie oft auch als Hauptmittel bei Cholera erwähnt. Das sind allerdings sehr grosse Versprechungen für ein Produkt, für dessen Wirksamkeit es – wie bei Homöopathika generell – keinerlei Belege für eine spezifische Wirksamkeit gibt.

Der Germer hat im Übrigen sehr schön geformte Blätter. Foto hier.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Rotes Weinlaub und Rosskastanien-Extrakt gegen Krampfadern – ja, aber in welcher Form?

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T-online hat einen Artikel zum Thema „Venenschwäche“ veröffentlicht mit dem Titel „Krampfadern vorbeugen: So zögern Sie sie hinaus.“

Darin gibt es eine Reihe nützlicher, aber auch schon ziemlich bekannter Tipps. Beispielsweise zu Risikofaktoren für Krampfadern wie:

langes Stehen

langes Sitzen

Bewegungsmangel

Übergewicht

Rauchen

Antibabypille

Hormonersatztherapien etwa in den Wechseljahren.

 

Auch wird auf die Bedeutung ausreichender Bewegung hingewiesen.

In einem Nebensatz kommt dazu noch netterweise eine Empfehlung zweier Heilpflanzen:

„In der Naturheilkunde werden auch Cremes und Umschläge aus rotem Weinlaub- oder Rosskastanien-Extrakt gegen Krampfadern eingesetzt.“

Damit trifft t-online im selben Satz voll ins Schwarze und voll daneben.

Rotes Weinlauf und Rosskastanien-Extrakt, das sind zusammen mit Buchweizenkraut (Rutin) tatsächlich die Favoriten der Phytotherapie, wenn es um Venenschwäche und Krampfadern geht.

Zwei Punkte laufen aber schief:

  1. Studien, die eine Wirksamkeit zeigen, gibt es beim Roten Weinlaub und beim Rosskastanien-Extrakt nur für Präparate zum Einnehmen, zum Beispiel in Kapselform. Dass die Wirkstoffe aus Rotem Weinlauf (Flavonoide) und aus Rosskastanien-Extrakt (Aescin) durch die Haut in relevanten Mengen aufgenommen werden, ist sehr unwahrscheinlich und nicht einmal ansatzweise belegt. Umschläge mit Roten Weinlaub oder Rosskastaniensalben sind daher als Anwendungsform sehr fragwürdig
  1. Es gibt keine fundierten Hinweise darauf, dass Präparate aus Rotem Weinlaub oder Rosskastanien-Extrakt vorbeugend oder gar heilend wirken bei Krampfadern, wie es der Text nahelegt. Belegt wurde eine Linderung der Beschwerden bei Venenschwäche bzw. Krampfadern. Venöse Stauungen (Ödeme) und das Gefühl schwerer Beine wurden reduziert. Das ist wertvoll, aber es ist eben nicht die Vorbeugung oder gar Heilung, die von der Werbung oft versprochen wird.

Darüber hinaus enthält der Text auf t-online noch Tipps zur Ernährung, zum Beispiel:

„Fördern Sie die Venendurchblutung mit Gewürzen wie Ingwer, Pfeffer und Chili.“

Nichts gegen Ingwer, Pfeffer und Chili, aber so ganz nachvollziehbar ist diese Empfehlung nicht. Der Wirkstoff im Chili (Capsaicin) wirkt beispielsweise auf der Haut durchblutungsfördernd und erweitert dazu kleine Kapillargefässe. Aber ob ich eine solche Wirkung auch auslösen kann durch Einnahme von Chili ist sehr fraglich. Wieviel Chili müsste ich denn täglich einnehmen, damit der Wirkstoff in relevanter Konzentration in kleinen Venen gelangt und sie erweitert. Und wäre das überhaupt sinnvoll für einen besseren venösen Rückfluss oder eher kontraproduktiv?

Quelle der Zitate:

http://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_46399962/krampfadern-vorbeugen-mit-sport-und-richtiger-ernaehrung.html

Siehe auch:

Empfehlungen zur Behandlung chronischer Venenleiden

Venenerkrankungen: Wirksamkeit von Rosskastanienextrakt erneut bestätigt

Cochrane-Studie zu Rosskastanien-Extrakt bei Venenbeschwerden

 

 

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Hausmittel und Medikamente gegen Halsschmerzen

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Spiegel online schreibt zum Thema „Was Husten, Schnupfen, Heiserkeit lindert“.

Gegen Halsschmerzen wird empfohlen:

„Gegen Halsweh gibt es Lutschtabletten oder Sprays, die den Rachenraum kurzzeitig oberflächlich betäuben. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (Degam) rät in ihrer Patienteninformation „Halsschmerzen“ bei starken Beschwerden eher zu Schmerzmitteln mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol. Sie wirken demnach besser, wenn man sie in den betroffenen Tagen regelmäßig einnimmt und nicht nur ab und zu. Salbeibonbons befeuchten zusätzlich den Hals. Ein bewährtes Hausmittel ist, mit Salzwasser zu gurgeln. Dazu 1/4 Teelöffel Kochsalz in einem Glas Wasser auflösen.“

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/erkaeltungen-das-hilft-gegen-husten-schnupfen-heiserkeit-a-1176650.html

Kommentar & Ergänzung:

„Salbeibonbons befeuchten zusätzlich den Hals.“

Ja, aber das wird wohl jedes Bonbon machen. Ich würde mit Salbeitee gurgeln, alle 2 Stunden jeweils mindestens 2 Minuten. Und pro Tasse Salbeitee würde ich ¼ Teelöffel Kochsalz beigeben. Salbeitee und Kochsalz ist eine gute Kombination.

Salbeitee enthält ätherisches Öl, das zumindestens in Laboruntersuchungen antimikrobielle Eigenschaften gezeigt hat, und Gerbstoffe mit entzündungswidriger Wirkung.

Schmerzmittel auf der Basis von Ibuprofen oder Paracetamol sind mir als Behandlungsoption bei Halsschmerzen eine ziemlich fremde Vorstellung und ich denke, das kann nur bei starken Halsschmerzen temporär Sinn machen. Vielleicht kann ich mich aber da auch einfach nicht so gut einfühlen, weil ich bisher selber kaum je Halsscherzen hatte…….

Dass örtlich betäubende Lutschtabletten oder Sprays auf der Basis von Oxybuprocain, Lidocain oder Ambroxol nicht viel bringen, scheint mir plausibel. Phytotherapeutisch lokalanästhetisch wirkt Menthol, die Hauptkomponente des Pfefferminzöls (Menthol-Lutschbonbons). Aber auch hier ist der Effekt begrenzt, wenn die Halsschmerzen stark sind.

Manchmal lindern bei Halsschmerzen auch Schleimstoffe, zum Beispiel GeloRevoice oder Lindenblütentee (lang ziehen lassen).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Arzneiformen in der Phytotherapie

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Phytotherapie basiert auf dem Wissen über die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen. Zentral ist dabei natürlich die Frage, welche Heilpflanze für bestimmte Beschwerden am sinnvollsten, passendsten und wirksamsten ist.

Genauso wichtig und oft unterschätzt ist aber die Frage nach der besten Arzneiform. Es reicht nicht zu wissen, dass beispielsweise Thymian bei produktivem Husten schleimlösend wirkt. Mindestens so wichtig ist die Wahl der Arzneiform.

Thymiantee?

Thymiantinktur? Frischpflanzentinktur oder Tinktur aus getrockneten Pflanzen?

Thymianöl?

Thymian-Frischpflanzenpresssaft?

Thymianbad?

Thymian-Einreibung?

Thymianextrakt?

Die Wahl der Arzneiform bestimmt wesentlich mit, welche Wirkstoffe gelöst werden und in welcher Menge.

Die Frage nach der geeigneten Arzneiform sollte daher auf keinen Fall unterschätzt werden.

Ich habe dazu einen Text verfasst und auf Info-Phytotherapie veröffentlicht:

Arzneiformen in der Phytotherapie

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Heidelbeeren aus dem Supermarkt – betreffend Wirkstoffgehalt fragwürdig

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Heidelbeeren haben gerade Saison. Im Supermarkt bekommt man allerdings kaum die wildwachsende Waldheidelbeere, sondern viel häufiger eine Kulturheidelbeere.

Heidelbeeren gehören zur Pflanzenfamilie der Heidekrautgewächse.

Kulturheidelbeeren wie Vaccinium corymbosum unterscheiden sich beträchtlich von der wild wachsenden Waldheidelbeere (Vaccinium myrtillus). Die Waldheidelbeere wächst europaweit in lichten Nadelwäldern, Hochmooren und Heiden, in den Bergregionen gern im subalpinen Nadelwald als Unterwuchs. Der Halbstrauch wird bis zu 50 cm hoch. Die schwarzblauen Beeren sind erbsengroß und schmecken sehr aromatisch. Der Heidelbeersaft aus Vaccinium myrtillus ist aufgrund des blauen Farbstoffs Anthocyan intensiv blau gefärbt. Anthocyane sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zu den Antioxidanzien gehören, die den Körper vor schädlichen freien Radikalen schützen. Weitere wertvolle Inhaltsstoffe der Waldheidelbeere sind Ballaststoffe, Fruchtsäuren, Mangan, Mineralstoffe wie Magnesium, Vitamin E und Vitamin C.

Die Kulturheidelbeere Vaccinium corymbosum ist ursprünglich in Nordamerika beheimatet und stammt nicht von der heimischen Waldheidelbeere ab. Ihre Früchte sind grösser als diejenigen der Waldheidelbeere, wachsen an bis zu zwei Meter hohen Sträuchern und haben einen deutlich süßeren, aber weniger intensiven Geschmack. Ihr Fruchtfleisch ist fest und hat nur wenige Kerne. Bei den Mineralstoffen und Vitaminen bestehen kaum größere Unterschiede zwischen Waldheidelbeere und Kulturheidelbeere. Der blaue Farbstoff Anthocyan steckt bei der Kulturheidelbeere allerdings nur in der Haut, während Saft und Fruchtfleisch farblos sind. Dadurch bekommt man beim Essen kaum blaue Zähne.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/heidelbeere-30444.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Für die Phytotherapie sind als Wirkstoffe in der Heidelbeere relevant die Gerbstoffe und die Anthocyane.

Getrocknete Heidelbeeren werden wegen der Gerbstoffe zum Beispiel gegen Durchfall eingesetzt.

Anthocyane hemmen Entzündungen, werden jedoch nur schlecht in den Organismus aufgenommen. Daher sind insbesondere Untersuchungen zur Wirksamkeit bei Darmentzündungen interessant – in diesen Fällen braucht es die Aufnahme in den Körper nicht.

Siehe dazu:

Farbstoffe: Auch Heidelbeeren hemmen Entzündungen

 

Interessant wären genaue Angaben bezüglich den Unterschieden im Gehalt an Anthocyanen und Gerbstoffen zwischen Kulturheidelbeeren und Waldheidelbeeren. Dazu finde ich in der Phytotherapie-Fachliteratur keine brauchbaren Informationen.

Weil die Kulturheidelbeere im Inneren nicht blau gefärbt ist, liegt es allerdings auf der Hand, dass sie weniger Anthocyane enthält als die Waldheidelbeere. Ich würde jedenfalls als Heilpflanze die Waldheidelbeere vorziehen.

Laut ESCOP-Monografie können anthocyanangereicherte Extrakte aus Heidelbeeren angewendet werden für die „symptomatische Behandlung bei Problemen von Krampfadern wie schmerzende und schwere Beine, periphere Durchblutungsstörungen, kapillare Durchblutungsstörungen des Auges.“

Der „Leitfaden Phytotherapie“ führt Indikationen aus der WHO-Monografie auf. Darunter ist ein Hinweis, der interessant ist, weil er aus der Reihe tanzt:

„symptomatische Behandlung von Dysmenorrhö bei prämenstruellem Syndrom“

Die Plausibilität dieser Angabe ist schwer einzuschätzen, weil sie sonst in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht auftaucht (Dysmenorrhö = schmerzhafte Menstruation).

 

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Welche Heilpflanzen fürs Schlafkissen


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Der MDR stellt Hausmittel gegen Schlafstörungen vor und empfiehlt dazu ein Schlafkissen:

„Man nehme einen kleinen Kissenbezug, fülle diesen fünf bis sieben Zentimeter dick mit getrockneten Kräutern wie Lavendel, Kamille, Melisse oder Pfefferminze. Den Bezug gut verschließen und zum Schlafen auf das Kopfkissen oder unter den Nacken legen. Um die Wirkung zu verstärken, kann man auch noch ein bis zwei Tropfen ätherisches Lavendelöl auf das Kissen geben. Der Duft der Kräuter und ihre Inhaltsstoffe werden über die Atemwege und die Haut vom Körper aufgenommen.“

Quelle:

http://www.mdr.de/hauptsache-gesund/hg-schlaf-stoerungen-100.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Gute Idee. Die Zusammensetzung des Schlafkissens würde ich individuell so wählen, dass es vom Duft her angenehm ist. Pfefferminze scheint mir allerdings eher fraglich, dann Pfefferminzöl eher belebend wirkt. Hopfen könnte noch passen, weil er ebenfalls leicht beruhigend wirkt und offenbar flüchtige Wirkstoffe enthält.. Waldmeister und Steinklee (= Honigklee) kommen als Cumarin-Pflanzen ebenfalls in Frage, wenn man Heuduft als angenehm und beruhigend empfindet.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Arzneipflanzen – Arzneidrogen, Botanik – Eigenschaften – Anwendung von Bettina Lube-Diedrich

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Arzneipflanzen-ArzneidrogenVerlagsbeschreibung

Dieses Lehrbuch vermittelt praxisnah die botanischen Grundlagen für die Identifizierung relevanter Arzneipflanzen und porträtiert die wichtigsten Drogen.
Im ersten Teil werden die notwendigen Kenntnisse für makroskopische und mikroskopische Identitätsprüfungen von Drogen aufbereitet. Zahlreiche schematische und mikroskopische Aufnahmen sowie Merksätze helfen, sich den Lehrstoff anzueignen.
Die Drogen werden nach Indikationsgebieten sortiert vorgestellt. Die Monographien definieren die Drogen, stellen deren Eigenschaften, Anwendungsgebiete, Wirkungen und mögliche Dosierungen vor. Farbbilder der arzneilich verwenden Droge erleichtern die Identifizierung in der Praxis. Inhaltsstoffe können zusätzlich in einer Tabelle nachgeschlagen werden. Patientenhinweise, Beispiele für Fertigarzneimittel und sinnvolle Teemischungen ergänzen die Monographien.
An alle Bereiche schließen sich prüfungsrelevante Aufgaben für PTA und Pharmaziestudenten an (mit Lösungen am Ende des Buches).
Zum Shop

 

Kommentar von Martin Koradi

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wenn in der Verlagsbeschreibung von „Drogen“ oder „Arzneidrogen“ die Rede ist, dann sind damit „getrocknete Arzneipflanzen“ gemeint. In dieser Bedeutung wird das Wort „Droge“ in der Phytotherapie eingesetzt.

Das Buch „Arzneipflanzen – Arzneidrogen“ von Bettina Lube-Diedrich wendet sich in erster Linie an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Apotheke. Das zeigt sich zum Beispiel an den Abschnitten zur Identifikation von Arzneidrogen und an den Fotos getrockneter Arzneipflanzen, wie sie in der Apotheke vorrätig sind und verkauft werden.

Das Buch eignet sich aber gut für weitere interessierte Kreise über die Apotheke hinaus.

Es ist klar geschrieben und fachlich auf dem aktuellen Stand. Meinem Eindruck nach wurden medizinische Fachausdrücke sparsam verwendet, so dass auch interesserte medizinische Laien von dem Buch profitieren können.

Speziell für ein Phytotherapie-Fachbuch ist das ausgedehnte Botanik-Kapital, das auf rund 90 Seiten die botanischen Grundlagen der Arzneipflanzenkunde vermittelt.

Die wichtigen Heilpflanzen werden anschliessend mit ihren Wirkstoffen, Wirkungen, Anwendungsbereichen, Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Dosierungen im Detail vorgestellt. Die Hinweise zur Patientenberatung in der Apotheke sind auch für Leserinnen und Leser nützlich.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen.

 

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Weissdornbeeren für Sirup und Kompott

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Wenn der Herbst ins Land zieht, leuchten die Früchte des Weissdorns rot in den Hecken. Dass die Beeren essbar sind, ist nur wenigen bekannt. Roh hat das Fruchtfleisch allerdings eine mehlige Konsistenz. Erst nach der Verarbeitung zu Kompott, Gelee, Saft, Sirup oder Chutney entfalten die Früchte ein angenehm süß-säuerliches Aroma. Sie lassen sich auch gut mit anderem Obst wie Äpfeln, Quitten und Holunderbeeren kombinieren. Ein Mus aus Weißdornbeeren kann als Brotbelag verwendet werden und gibt Müsli, Joghurt und Quark einen speziellen Geschmack. Dafür werden die Weissdornfrüchte in etwas Wasser für acht bis zehn Minuten weichgekocht, danach abgegossen und durch ein Sieb gestrichen. Wer es gerne süsser hat, kann einen Teelöffel Agavensirup oder Honig beigeben.

Auch in der traditionellen Pflanzenheilkunde ist der Weissdorn bekannt. Schon Pfarrer Sebastian Kneipp empfahl den Weißdorn als Heilpflanze für Herz und Kreislauf. Bei Bluthochdruck und Schwindel soll ein Weissdorntee aus den getrockneten Blüten und Blättern helfen. Die Früchte enthalten unter anderem viel Vitamin C und Provitamin A sowie den Ballaststoff Pektin.

Weissdornfrüchte reifen zwischen August und Oktober. Beim Pflücken sollte man Vorsicht walten lassen und Handschuhe tragen, da Weißdorn sehr dicht wächst und mit zahlreichen Dornen bestückt ist. Ausserdem können die roten Beeren unschöne Flecken auf Textilien hinterlassen. Vor der Zubereitung werden die Weissdornfrüchte vom Stiel abgezogen und vor der weiteren Verarbeitung gründlich gewaschen. Ein paar Früchte sollten jedoch am Strauch bleiben, da sie über 30 verschiedenen Vogelarten als Nahrung dienen. Auch für zahlreiche Insektenarten und kleine Säugetiere ist der Weißdornstrauch eine gute Lebensgrundlage.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/weissdorn-30849.html

 

Kommentar & Ernährung:

Erfreulich, dass das „Bundeszentrum für Ernährung“ (BzfE) die Weissdornfrüchte als Nahrungsmittel vorstellt.

Die Phytotherapie verwendet meistens Weissdornblüten und Weissdornblätter als Weissdorntee, Weissdorntinktur oder Weissdornextrakt.

Weissdornfrüchte (genauer: Scheinfrüchte) werden selten eingesetzt, kaum als Tee, manchmal aber als Tinktur.

Die Weissdornfrüchte enthalten wie Blüten und Blätter die typischen Wirkstoffe des Weissdorns – Flavonoide und oligomere Poranthocyanidine – allerdings tendenziell in geringerer Konzentration. Gemäss den Standardwerken „Biogene Arzneimittel“ und „Teedrogen und Phytophamaka“ nimmt der Wirkstoffgehalt der Weissdornfrüchte mit zunehmender Reife ab.

Das dürfte die Wirksamkeit der Früchte einschränken, zumal Weissdorn über längere Zeit in recht hohen Dosierungen engenommen werden muss.

Diese nötige hohe Zufuhr an Wirkstoffen kann bei Weissdorntee und Weissdornextrakt aus Blüten und Blättern erreicht werden, kaum jedoch mit Weissdorntinktur.

Siehe dazu:

Pflanzentinkturen oder Kräutertees?

Bei Sirup oder Kompott aus Weissdornfrüchten müsste man wohl unrealistisch hohe Dosen täglich über lange Zeiträume einnehmen, um eine relevante Wirkstoffzufuhr zu erzielen. Als Heilmittel für Herz & Kreislauf sind Weissdornkompott und Weissdornsirup sehr fraglich, vor allem auch, weil dazu reife Früchte verwendet werden.

Zurecht weißt der Beitrag der BzfE auf die hohe Bedeutung des Weissdornstrauch als Nahrung für Vögel hin. Weissdorn ist bezüglich des Nutzens für die Tierwelt einer der besten einheimischen Sträucher.

Heikel ist allerdings, dass Weissdorn zu den Wirtspflanzen des Feuerbrands gehört, einer gefählichen Pflanzenkrankheit, die durch das Bakterium Erwinia amylovora verursacht wird und vor allem Kernobst befällt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Curcuma: Wechselwirkungen mit Antikoagulantien? Wirkungen?

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Curcuma, auch „indischer Safran“ genannt, ist ein bekanntes Gewürz von intensiv gelber Farbe, welches vor allem in Currymischungen zur Anwendung kommt. Es wird aus dem Wurzelstock von Curcuma longa, einer asiatischen Heilpflanze aus der Familie der Ingwergewächse, gewonnen.

Curcuma enthält reichlich antioxidativ wirksame Polyphenole aus der Gruppe der Curcuminoide, insbesondere Curcumin.

Traditionellerweise wird Curcuma aufgrund seiner antioxidativen, magenstärkenden, gallenflussfördernden und vor allem auch entzündungswidrigen Eigenschaften verwendet.

Curcumin kann die Aktivität der Proteinkinase C reduzieren, welche als Schlüsselenzym am Entzündungsprozess von vielen chronischen Erkrankungen beteiligt ist. Curcuma bzw. Curcumin wird auch als alternative Therapie bei diversen Krankheiten propagiert. Dazu zählen Arthritis, Arthrose, rheumatoide Polyarthritis, Multiple Sklerose, Krebs oder neurologische Erkrankungen (Alzheimer).

Laut bestimmten Literaturquellen hemmt Curcumin in vitro (= im Reagenzglas) die Thrombozytenaggregation (Zusammenballung der Blutplättchen). Eine Hemmung der Thrombozytenaggregation kann die Blutfliesseigenschaften verbessern, aber damit auch die Blutstillung verlangsamen.

Aus diesem Grund ist bei antikoagulierten Patienten Vorsicht angebracht: Die gleichzeitige Einnahme grösserer Curcumamengen und Antikoagulantien könnte die blutverdünnende Wirkung verstärken und das Blutungsrisiko steigern.

Zugrundeliegende Literatur:

VIDAL Le guide des compléments alimentaires p171

Le Moniteur des pharmacies Moniteur 3110/2016/p57

Micromedex® online

 

Quelle:

 

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5455&NMID=5455&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Heilpflanzen können in bestimmten Situationen andere Arzneimittel in ihrer Wirkung beeinflussen – zum Beispiel die Wirkung verstärken oder abschwächen. Man spricht in solchen Fällen von Wechselwirkungen (Interaktionen), wie sie auch sonst zwischen Medikamenten vorkommen.

Darum ist es wichtig, diesen Aspekt auch bei der Anwendung von Heilpflanzen im Auge zu behalten. Allerdings ist es oft gar nicht so einfach, dazu sichere Aussagen zu machen.

Wenn Curcumin in einem Laborexperiment im Reagenzglas die Thrombozytenaggregation hemmt, lässt sich daraus noch nicht der Schluss ziehen, dass diese Interaktion auch im lebendigen menschlichen Organismus auftritt und auch nicht, dass deswegen ernsthafte Störungen der Blutungsstillung bei Menschen auftreten.

Curcumin wird nämlich nur sehr schlecht aus dem Verdauungstrakt in den Organismus aufgenommen. Es ist deshalb ungeklärt, ob Curcumin in einer Konzentration in den Körper gelangen kann, die dort zu solchen Wechselwirkungen führt, ob solche Wechselwirkungen klinisch relevant sind und wieviel Curcuma man einnehmen müsste, um Störungen auszulösen. Die aktuelle Phytotherapie-Fachliteratur vermerkt jedenfalls bei Curcuma unter dem Punkt „Interaktionen“: „keine“.

Man muss aber auch erwähnen, dass diese Einschänkung möglicher Interaktionen auch für die Wirkungen von Curcuma gilt. Auch bei den Wirkungen kann man nicht einfach von (oft beeindruckenden) Laborergebnissen auf die Wirksamkeit bei Menschen schliessen.

Und wenn oben erwähnt aufgeführt ist, dass Curcuma bei Arthritis, Arthrose, rheumatoide Polyarthritis, Multiple Sklerose, Krebs oder neurologische Erkrankungen (Alzheimer) propagiert wird, dann geht oft unter, dass diese Empfehlungen weitgehend auf Laborexperimenten basieren und dass die limitierte Aufnahmefähigkeit in den Organismus die Aussagekraft dieser Ergebnisse einschränkt.

Im Reagenzglas zeigt Curcumin zum Beispiel eindrückliche entzündungswidrige Effekte und tötet Krebszellen ab. Das belegt aber noch nicht, dass es auch gegen Entzündungen oder gegen Krebserkrankungen im menschlichen Körper wirksam ist. Dazu sind belastbare Ergebnisse aus Patientenstudien nötig.

Bei Arthrose kam eine Übersichtsstudie (Metaanalyse), in der mehrere Einzelstudien ausgewertet wurden zum Schluss, dass Cucurmin sowohl die Schmerzen verringern als auch die Beweglichkeit verbessern kann.

Siehe dazu http://online.liebertpub.com/    doi/10.1089/jmf.2016.3705

Bei Krebs dagegen kommt das Portal Medizin-Transparent zu Schluss, dass sich die Wirksamkeit von Curcumin auf der Basis der vorliegenden Patientenstudien nicht belegen lässt.

Siehe dazu: https://www.medizin-transparent.at/curry-gewurz-gegen-krebs

Am ehesten denkbar sind solche Effekte bei Entzündungen oder allenfalls auch Tumoren im Verdauungstrakt, weil Cucurmin so direkt an den Wirkungsort gelangen kann und nicht resorbiert werden muss.

Siehe dazu:

Kurkuma bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

 

Seit einiger Zeit gibt es aber interessante Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit dem Ziel, die Resorbierbarkeit von Curcumin zu verbessern.

Siehe dazu:

Forschung zur Optimierung der Curcumin-Wirkung gegen Krebs

Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs

Wikipedia fasst die Bemühungen um eine verbesserte Bioverfügbarkeit von Curcumin so zusammen:

„Da Curcumin schwer wasserlöslich ist, wird es im Magen-Darm-Trakt nur in einem sehr geringen Maß absorbiert. Durch Erhitzen oder Auflösung in Öl wird die Bioverfügbarkeit von in Lebensmitteln enthaltenem Curcumin erhöht.

Unter Anwendung von Absorptions-Faktoren werden mehrere Ansätze für eine erhöhte Bioverfügbarkeit untersucht. Ein Curcumin-Phospholipid-Komplex hat eine 29-fach höhere Bioverfügbarkeit als herkömmliches Curcumin. Schwarzer-Pfeffer-Extrakt (Piperin) bewirkt eine 20-fache Bioverfügbarkeit von Curcumin und wird in den meisten Nahrungsergänzungsmitteln mit Curcumin eingesetzt.

In einem von der Bundesregierung geförderten Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim durchgeführt, wurde Curcumin in Micellen eingebettet, die vom Körper leichter aufgenommen werden, ohne das die Wirkstoffe hierbei chemisch verändert wurden. Vielmehr erzeugt das patentierte Verfahren eine der Natur analoge Struktur dieser Substanzen mit dem Ergebnis, dass die Bioverfügbarkeit gegenüber herkömmlichen Curcumin-Pulvers um das ca. 180-fache höher ist, einhergehend mit einer ca. 6.8-fach schnelleren Absorption im Organismus.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Curcumin (Literatur dort)

Die Bioverfügbarkeit sagt etwas aus über den Anteil eines Wirkstoffes, der unverändert im systemischen Kreislauf (insbesondere im Blutkreislauf) zur Verfügung steht. Sie gibt an, wie rasch und in welchem Mass ein Arzneistoff resorbiert wird und am Wirkort zur Verfügung steht.

Bis ein optimal bioverfügbares und in seiner Wirksamkeit gut belegtes Curcumin-Präparat im Handel ist, düfte es allerdings noch einiges an Entwicklungs- und Forschungsarbeit brauchen.

 

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Placebo-Effekt: Studie zeigt, weshalb teurer Wein scheinbar besser schmeckt

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Preise von Produkten beeinflussen die Wahrnehmung: Der gleiche Wein schmeckt Testpersonen besser, wenn er mit einem höheren Preis angeschrieben ist. Forscher der INSEAD Business School und der Universität Bonn konnten zeigen, dass das Belohnungszentrum im Gehirn eine positive Geschmackswahrnehmung verstärkt. Dabei sind hautsächlich das Frontalhirn und das ventrale Striatum beteiligt. Die Resultate wurden nun im Fachjournal „Scientific Reports“ publiziert.

Ein höherer Preis zum Beispiel für Schokolade oder Wein steigert die Erwartung, dass das Produkt auch besser schmeckt. Unklar war bisher allerdings, wie die Preisinformation im Gehirn letztlich dazu führt, dass teurer Wein auch als besser schmeckend wahrgenommen wird.

Das Phänomen, dass identische Produkte durch verschiedene Preise unterschiedlich wahrgenommen werden, wird aauch „Marketing-Placebo-Effekt“ genannt. Wie bei einem Scheinmedikament Placebo) entfaltet er nur schon durch zugeschriebene Eigenschaften eine Wirkung.

Die Forscher untersuchten an 30 Testpersonen – davon 15 Frauen und 15 Männer im Durchschnittsalter von rund 30 Jahren – wie unterschiedliche Preise im Gehirn in entsprechende Geschmackserfahrungen übersetzt werden, wenn sich der degustierte Wein nicht unterscheidet.

Die Weindegustation fand liegend im Kernspintomografen statt, mit dem die Aktivität der Gehirnregionen erfasst wurde.

Zunächst wurde den Probanden der Preis des Weines eingeblendet. Anschliessend wurde nur rund ein Milliliter der unterschiedlichen Weine über einen Schlauch in den Mund der Testpersonen zugeführt. Darauf bestimmten die Teilnehmer mit einem Knopf auf einer neunteiligen Skala, wie gut ihnen der Wein geschmeckt hat. Danach wurde der Mund mit einer neutralen Flüssigkeit gespült und die nächste identische Weinprobe zur Degustation zugeführt. Alle Experimente fanden im Hirnscanner des Life & Brain Zentrums an der Universität Bonn statt.

Der Marketing-Placebo-Effekt habe aber auch seine Grenzen, sagen die Wissenschaftler. Wird ein qualitativ minderwertiger Wein für 100 Euro angeboten, bliebe er absehbar aus. Deshalb führten die Forscher die Versuche mit einem Rotwein durch, für den im französischen Handel eine Flasche etwa zwölf Euro kostete. Im Kernspintomografen wurde den Testpersonen hierfür zufällig als Preis drei, sechs und 18 Euro eingeblendet. Um die Studie möglichst realistisch zu gestalten, erhielten die Probanden ein Startguthaben von 45 Euro. Pro Degustation wurde der angezeigte Betrag in manchen Versuchsabläufen von diesem Konto abgebucht.

Wie erwartet gaben die Teilnehmenden an, dass der Wein mit dem höheren Preis besser schmeckt als ein scheinbar günstigerer. Es spielte jedoch keine Rolle, ob die Probanden den Wein auch bezahlen mussten, oder ob sie ihn kostenlos erhielten. Identischer Wein führt also zu einem besseren geschmacklichen Erlebnis, wenn damit preisbedingt eine höhere Erwartung verbunden ist.

Interessanterweise zeigte sich das auch im Kernspintomografen.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei höheren Preisen hauptsächlich das Frontalhirn und zudem auch das ventrale Striatum stärker aktiviert wurden. Während das Frontalhirn vor allem am Preisvergleich und damit der Erwartung beteiligt zu sein scheint, gehört das ventrale Striatum zum Belohnungs- und Motivationssystem. Die Forscher konnten zeigen, dass das Belohnungssystem bei höheren Preisen deutlich stärker aktiviert wird und auf diese Weise offenbar das Geschmackserlebnis verstärkt.

Das Belohnungs- und Motivationssystem spielt uns also offenbar einen Streich und gaukelt uns bei höheren Preisen einen Geschmack vor, der durch den Wein selbst an sich nicht gerechtfertigt ist, weil es sich ja bei allen Degustationen objektiv um das identische Produkte handelte.

Quelle:

https://idw-online.de/de/news679479

Publikation: Liane Schmidt, Vasilisa Skvortsova, Claus Kullen, Bernd Weber und Hilke Plassmann, How context alters value: The brain’s valuation and affective regulation system link price cues to experienced taste pleasantness, Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-017-08080-0

http://www.nature.com/articles/s41598-017-08080-0

 

Kommentar & Ergänzung:

Wein hat ja nur im sehr weit gefassten Sinn eine Bedeutung für die Phytotherapie. Aber diese Studie ist auch interessant für Medizin und Phytotherapie. Teurer = besser – diese Vorstellung wurde nämlich auch in der Schmerztherapie untersucht. Auch hier zeigte sich als Resultat, dass teure Placebos besser schmerzlindernd wirken als billige. Siehe dazu:

Überraschender Placebo-Erfolg bei Schmerztherapie

Die Wirkung jedes wirksamen Arzneimittels besteht aus einem pharmakologischen Anteil (durch Wirkstoffe vermittelt) und einem Placebo-Anteil. Das gilt für synthetische Medikamente genauso wie für Phytopharmaka. Dass teurere Präparate von einem ausgeprägteren Placebo-Anteil profitieren, ist natürlich unlogisch. Es zeigt aber auch, dass Heilung nicht nur rationale Anteile hat.

Ich selber bin oft skeptisch gegenüber teuren Heilpflanzen-Zubereitungen. Es gibt Phytopharmaka, bei denen mir ein höherer Preis gerechtfertigt schein, zum Beispiel wenn damit hohe Forschungs- und Entwicklungskosten verbunden waren. Aber oft sind hohe Preise durch nichts gerechtfertigt und einfach nur Abzocke. Solchen Produkten missgönne ich dann quasi den höheren Placobo-Effekt.

Wenn billige Heilpflanzen-Präparate unbewusst weniger Ernst genommen werden, könnte das auf Kosten der Kräutertees gehen. Sie sind von Preisniveau her oft sehr moderat und deutlich tiefer als Pflanzentinkturen auf alkoholischer Basis. Viele Konsumentinnen und Konsumenten sind überzeugt, dass Pflanzentinkturen viel konzentrierter als Kräutertees sind. Berücksichtigt man aber die in der Regel damit zugeführte Dosis, lassen sich mit preisgünstigen Kräutertees meistens deutlich mehr Wirkstoffe zuführen als mit teureren Pflanzentinkturen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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