Beiträge

Kornelkirsche als Wildobst

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Die Kornelkirsche (Cornus mas) ist als Wildobst wenig bekannt.

Abbildungen auf Wikipedia hier und hier.

Die roten kirschähnlichen Kornelkirschen haben einen feinherb-säuerlichen Geschmack und werden deshalb meist verarbeitet gegessen. Sie sind schmackhaft im Kompott und Gebäck, im Saft und Likör. Für eine Konfitüre kann die Kornelkirsche mit säurearmen Früchten wie Birne, Apfel und Holunder kombiniert werden, Kornelkirsche passt als Wildobst süßsauer eingelegt auch zu Wild. Aus noch unreifen orangefarbenen Kornelkirschen können „falsche Oliven“ hergestellt werden: Sie verlieren ihre Bitterstoffe und werden weich, wenn sie in Salzwasser eingelegt und mit Lorbeerblättern und Fenchelsamen gewürzt werden.
Die Kornelkirsche wird auch Herlitze oder Gelber Hartriegel genannt. Sie ist in Mittel- und Südeuropa sowie in Westasien beheimatet, ist ein Hartriegelgewächs und nicht mit der Kirsche verwandt.

Für Insekten ist der Baum als Nahrungsquelle wichtig, weil er sehr früh im Jahr blüht. Die roten ovalen Früchte reifen ab September und werden gerne von Vögeln gefressen, die ihre Steinkerne so auch weiter verbreiten.

Das Fruchtfleisch der Kornelkirsche enthält zahlreiche günstige Inhaltsstoffe – darunter reichlich Kalium und Vitamin C, aber auch B-Vitamine, Kalzium, Phosphor, Magnesium und Eisen.

Die Früchte der Kornelkirsche reifen in der Regel über einen Zeitraum von vier bis fünf Wochen. Darum wird empfohlen, den Baum in regelmäßigen Abständen zu schütteln und die reifen Früchte aufzulesen.

Noch nicht ganz reif gepflückte Früchte kann man ein bis zwei Tage bei Zimmertemperatur nachreifen lassen. Rohe Kornelkirschen lassen sich nur schwer entsteinen. Kocht man die Kerne mit, lassen sie sich leichter ablösen.

Quelle:

http://www.aid.de/presse/aktuell.php?mode=beitrag&id=6627

Kommentar & Ergänzung:

Aus ökologischen Gründen ist die Anpflanzung der Kornelkirsche empfehlenswert, weil sie im Gegensatz zu der aus China stammenden und als Vorfrühlingsblüher oft angepflanzten Forsythie wertvolle Nahrung für Insekten bietet. Die Kornelkirsche ist eine gute Bienentrachtpflanze im Frühling.

Die Kornelkirsche wird immer wieder als Heilpflanze in Büchern der Hildegard-Medizin empfohlen. Keine der Empfehlungen ist aber nachvollziehbar oder gar belegt.

Das Holz der Kornelkirsche war früher wegen seiner Festigkeit und Zähigkeit begehrt.

Beispiel:

„Im Altertum erhielt das Holz der Kornelkirsche militärtechnische und letztlich historische Bedeutung, als König Philipp II. die Phalanx als neue Schlachtordnung der makedonischen Infanterie etablierte. Deren bis zu sechs Meter lange Lanzen (Sarissen) konnten nur aus diesem speziellen Holz gefertigt werden; der erfolgreiche Einsatz der Phalangen gegen die persische Kavallerie wurde zu einem wesentlichen Faktor, der Philipps Sohn, Alexander dem Großen, seine Eroberungen ermöglichte.

Wegen seiner Festigkeit und Zähigkeit war das Holz des Kornelbaums wie kaum ein anderes (Eibe) zur Herstellung von Speeren und Lanzen geeignet.“

(Quelle: Wikipedia)

„Große Popularität hat das Holz der Kornelkirsche in Deutschland durch einen Spazierstock gefunden, den sogenannten Ziegenhainer. Da ihr Holz so fest ist, stellten die Bauern des Dorfes Ziegenhain südöstlich der Universitätsstadt Jena aus den geschälten Ästen besonders haltbare Knotenstöcke her. Sie wurden zunächst von den Jenaer Studenten getragen, kamen dann sehr in Mode und wurden etwa zum Ausgang des 19. Jahrhunderts in ganz Deutschland bekannt. Daneben gab es noch andere, preisgünstigere, die aus dem weniger harten und weit häufigeren Weißdorn gefertigt wurden. Der von den Studenten getragene Stock, damals Stenz genannt, hatte eine zweifache Verwendung: Einmal als Spazier- und Wanderstock, dann als Bestandteil der damals häufigen studentischen Duelle, und zwar in Händen der Sekundanten.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Süssholzwurzeltee schützt Magenschleimhaut

Diesen Artikel teilen:

Das Magazin „Focus“ schreibt zur Wirkung von Süssholzwurzel:

„Die Süßholzwurzel hemmt Entzündungen, schützt die Magenschleimhaut und entkrampft den Magen. Hauptwirkstoff ist das Saponin Glycyrrhizin, das auch der Lakritze ihren charakteristischen Geschmack verleiht.

Für den Tee die Süßholzwurzel in kleine Stücke schneiden und kurz aufkochen lassen. Wer mag, kann auch etwas Fenchel dazugeben. Dann fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Je süßer der Tee werden soll, desto länger muss er ziehen. Schluckweise über den Tag verteilt trinken.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/magen/tid-21554/hausmittel-magenkraempfe-entspannung-fuer-den-magen_aid_605248.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist soweit korrekt. Häufiger als bei Magenschleimhautentzündung wird Süssholz allerdings als schleimlösendes Mittel bei Husten eingesetzt.

Süssholz ist ein häufiger Bestandteil von Hustentee-Mischungen („Brusttee“), beispielsweise zusammen mit Thymiankraut, Schlüsselblumenblüten, Spitzwegerichkraut, Anisfrüchten, Malvenblüten oder Königskerzenblüten.

Die Süssholzpflanze (Glycyrrhiza glabra) gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und ist im Mittelmeergebiet und in Westasien beheimatet (Abbildung auf Wikipedia).

Mit verschiedenen Varietäten besiedelt die Pflanze eine große Region vom südöstlichen Europa über Vorderasien, Ukraine, Mittelrussland, südliches Sibirien, Afghanistan bis zum westlichen China.

Die stark süß schmeckende Süssholzwurzel enthält Glycyrrhizin, ein Triterpensaponin, das etwa die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker (Saccharose) besitzt.

Die Wurzeln werden zur Gewinnung von „Süßholzsaft“ (Liquiritiae succus) verwendet, der in die weltweit beliebten Lakritz-Süßwaren eingearbeitet wird. Zu diesem Zweck werden die frischen Wurzeln zerkleinert und mit Wasser viele Stunden ausgekocht. Der so gewonnene Saft wird anschliessend ganz langsam bis zur zähflüssigen Konsistenz eingedickt. Bei diesem Vorgang bildet sich das so charakteristische Lakritzaroma. Der zähflüssige Extrakt wird zu 5% bis maximal 50% zusammen mit Zucker, Mehl, Stärke und/oder Gelatine sowie Geruchs- und Geschmacksstoffen zu Lakritzwaren verarbeitet.

Bei längerer Anwendung und höherer Dosierung kann Lakritze Störungen im Mineralstoffhaushalt bewirken: mineralokortikoide Effekte in Form einer Natrium- und Wasser-Retention, Kaliumverlust mit Bluthochdruck, Ödeme (Wasseransammlung in Geweben) und in seltenen Fällen Myoglobinurie (Eiweiß des Muskelgewebes im Harn).

Während der Schwangerschaft ist Lakritze zu meiden.

Siehe auch:

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft?

Und sonst noch zu Süssholz bzw. Lakritze:

Amorfructine aus Süssholz gegen Diabetes

Fundstück: Rezept für hausgemachte Lakritze

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Süssholzwurzeltee bei Magenbeschwerden

Diesen Artikel teilen:

Das Magazin „Focus“ veröffentlichte eine Serie mit bewährten Hausmitteln gegen Verdauungsprobleme.

Die vorgestellten Tipps aus Naturheilkunde und Phytotherapie waren erfreulich fundiert, was ganz und gar nicht selbstverständlich ist.

„Süßholzwurzeltee

Die Süßholzwurzel hemmt Entzündungen, schützt die Magenschleimhaut und entkrampft den Magen. Hauptwirkstoff ist das Saponin Glycyrrhizin, das auch der Lakritze ihren charakteristischen Geschmack verleiht. Für den Tee die Süßholzwurzel in kleine Stücke schneiden und kurz aufkochen lassen. Wer mag, kann auch etwas Fenchel dazugeben. Dann fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Je süßer der Tee werden soll, desto länger muss er ziehen. Schluckweise über den Tag verteilt trinken.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/tid-21554/hausmittel-magenkraempfe-entspannung-fuer-den-magen_aid_605248.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Süssholzwurzel stammt von Glycyrrhiza glabra, einer Pflanzenart aus der Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Die Süssholzpflanze ist in der Mittelmeerregion und in Westasien beheimatet.

Die Süssholzwurzel wird in der Phytotherapie vor allem angewendet bei Husten, Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Magengeschwür (Ulcus ventriculi) und Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni).

Aus der Süssholzwurzel wird Lakritze gewonnen, eine vor allem in Nordeuropa (Holland, Finnland….) ausgesprochen beliebte Süssigkeit.

Während der Schwangerschaft sollte man Lakritze besser meiden, da es Hinweise gibt für eine schädliche Wirkung auf das ungeborene Kind.

Siehe dazu:

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft

Eine interessante Wirkung zeigte Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung:

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Giftigkeit: Schwarzer Holunder – Roter Holunder – Zwerg-Holunder

Diesen Artikel teilen:

Rund um die verschiedenen Holunderarten gibt es immer wieder Verwirrung und auf Heilkräuterexkursionen tauchen dazu oft Fragen auf, insbesondere auch zur Giftigkeit.

Hier eine kleine Übersicht:

Schwarzer Holunder

Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) ist eine der in Mitteleuropa häufigsten Straucharten. Seine Blüten und Früchte werden vielfach angewendet als Heilmittel, Lebensmittel und Farbstoff. In den Alpen ist der Schwarze Holunder bis in die mittlere Gebirgslage von etwa 1500 Metern ü.M. anzutreffen.

Zur Giftigkeit schreibt Wikipedia:

Sowohl in den Blättern, der Rinde, unreifen Beeren und in den Samen reifer Beeren ist das cyanogene Glycosid Sambunigrin enthalten. Über die Giftigkeit beim Menschen gibt es unterschiedliche Angaben. Sie reichen von ungiftig bis ‚zu vermeiden‘. Bei Kindern und sensiblen Personen führt der Verzehr zu Symptomen von Erbrechen und leichten Krämpfen bis hin zu starkem Durchfall oder Magenbeschwerden. Bei Schweinen, Hunden, Hasen, Kaninchen, Meerschweinchen und Hamstern kommt es zu Erbrechen, Durchfall und Atembeschwerden. Vögel zeigen bei Aufnahme unreifer Beeren und anderer Pflanzenteile Verdauungsstörungen und Erbrechen, bei ihnen kann die Aufnahme großer Mengen sogar zum Tod führen.

Durch Erhitzen zerfällt Sambunigrin und die Beeren verlieren ihre Giftigkeit.“

(Quelle: Wikipedia, Literaturangaben dort)

Roter Holunder

Der Rote Holunder (Sambucus racemosa) wird auch Hirsch-Holunder, Trauben-Holunder oder Berg-Holunder genannt. Er wächst gerne an schattigen Orten in Wäldern und Waldrändern in Europa und Westasien, auch in Gebüschen und auf Lichtungen ist er zu finden. In Mitteleuropa ist er hauptsächlich in höheren Lagen zu finden. Roter Holunder ist nämlich resistent gegen Kälte und Wind.

Zur Toxikologie (Giftigkeit) schreibt Wikipedia:

„Roh und unreif sind die Früchte des Roten Holunders giftig. Sie führen zu Brechdurchfall und wurden deshalb früher volkstümlich auch als Brech- und Abführmittel eingesetzt. Auf jeden Fall müssen die Steinkerne entfernt werden, da das Gift der Samen nicht durch Kochen unschädlich gemacht wird.“

Wie beim Schwarzen Holunder lassen sich die Beeren des Roten Holunders zu Gelee, Marmelade, Saft und ähnlichem verarbeiten. Sie sind allerdings nicht jedem zuträglich.

Zwerg-Holunder

Der Zwerg-Holunder oder Attich (Sambucus ebulus) enthält Bitterstoffe und Blausäureglykosid und ist giftig. Hauptsächlich die Beeren sollen frisch gegessen Durchfall und Erbrechen auslösen. Zwerg-Holunder hat einen widerlichen Geruch. Er kommt im Mittelmeerraum, im warmgemäßigten Europa bis einschließlich Mittel-Deutschland sowie im Nord-Iran und in Turkmenien vor. Zwerg-Holunder wächst an Gebüsch- und Waldrändern, auf Lichtungen und Ödland, auf frischen Waldschlägen und in ruderalen Staudenfluren. Im Tiefland tritt der Attich bzw. Zwerg-Holunder nur vereinzelt auf, ebenso in kalkarmen Gebieten, sonst wächst sie zerstreut und ist meist bestandsbildend.

P.S.:  Wer Pflanzen in der Natur kennenlernen und unterscheiden lernen möchte, findet dazu viele Möglichkeiten in meinen Natur-Seminaren und Kräuterwanderkursen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Sind Goldmelisse und Zitronenmelisse botanisch verwandt?

Diesen Artikel teilen:

Diese Frage wird mir in der Phytotherapie-Ausbildung und in Heilpflanzenkursen immer wieder gestellt.

Goldmelisse (Monarda didyma)  und Zitronenmelisse (Melissa officinalis) gehören zwar beide zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), doch näher verwandt sind sie nicht.

Nachfolgend ausgewählte Angaben dazu aus Wikipedia.

Zur Goldmelisse

„Die Goldmelisse (Monarda didyma), auch Indianernessel, Scharlach-Monarde genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Monarda in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).“

Merkmale der Goldmelisse:

„Die Goldmelisse ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit einem Rhizom, die Wuchshöhen von 80 bis 150 Zentimeter erreicht. Die Pflanze duftet nach Zitrone. Die aufrechten Stängel sind vierkantig. Die gegenständigen Laubblätter sind einfach, rau, und nur kurz gestielt. Die Blattspreite weist eine Länge von 15 cm und eine Breite von 5 cm auf. Der Blattrand ist gesägt.

Etwa 30 Blüten stehen in terminalen Blütenständen mit roten Hochblättern zusammen. Die zittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig. Der Kelch ist 10 bis 14 Millimeter lang und am Schlund kahl oder nur schwach behaart. Die rote, behaarte Krone ist 30 bis 45 Millimeter lang. Die Kronenoberlippe ist kahl oder nur spärlich behaart. Es sind nur zwei Staubblätter vorhanden. Der Griffel endet mit zwei Narbenästen.

Die Blütezeit reicht von Juni bis September.“

Vorkommen der Goldmelisse

„Die Goldmelisse kommt im Osten der USA in feuchten Wäldern und Gebüschen vor.“

Nutzung der Goldmelisse

„Die Goldmelisse wird als Zierpflanze genutzt. Die Wildform wird selten, gezüchtete Sorten zerstreut für Rabatten, Staudenbeete und als Schnittblumen verwendet. In Nordamerika wird diese Art darüber hinaus als Heil- und Duftpflanze genutzt. Sie ist seit 1737 oder 1756 in Kultur. Die zahlreichen Sorten sind entweder Abkömmlinge von Monarda didyma oder von Hybriden aus Monarda didyma und Monarda fistulosa. Sie unterscheiden sich in Blütenfarbe, Wuchshöhe und Mehltauresistenz, ein Teil der Sorten hat auffällige Hochblätter.

Die Blätter können frisch und gegart gegessen werden. Mit den Blättern kann man Nachspeisen würzen.

Aus den frischen und getrockneten Blättern und Blütenständen kann man guten Tee („Oswego Tea“) aufgießen.

Die Oswego-Indianer kannten eine Teezubereitungsart. Ende des 18. Jahrhunderts boykottierten amerikanische Kolonisten den aus England eingeführten Tee. Sie tranken Oswego-Tee.

Sehr gut eigenen sich die duftenden Blätter zum Aromatisieren von Tee und Obstsalat. Auch zum Garnieren finden sie Verwendung.“

Zur Zitronenmelisse

„Die Zitronenmelisse oder Melisse (Melissa officinalis) ist eine aus dem östlichen Mittelmeergebiet stammende Pflanzenart aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).“

Inhaltsstoffe der Zitronenmelisse

„Melissenblätter enthalten 4 bis 7 % Hydroxyzimtsäure-Derivate, vor allem Rosmarinsäure (die sogenannten Labiatengerbstoffe), aber auch Chlorogensäure, Kaffeesäure u. a. Ätherisches Öl ist zu 0,05 bis 0,3 %, in Zuchtsorten bis zu 0,8 % enthalten. Die wichtigsten Komponenten sind Citral (mit 40 bis 70 %, als Gemisch aus Geranial und Neral), Citronellal (1 bis 20 %) und β-Caryophyllen (5 bis 15 %). Weitere Bestandteile sind Caryophyllenepoxid, Germacren D, Methylcitronellal, 6-Methyl-5-hepten-2-on, Geranylacetat, α-Copaen und Nerol. Die Zusammensetzung des ätherischen Öls ist von der Herkunft und den Klimabedingungen, vom Erntezeitpunkt und dem Alter der Pflanze abhängig.

Melisse enthält ätherisches Öl (Hauptbestandteile Citral und Citronellal, Linalool, Geraniol und Aldehyde) aber auch Gerbstoffe (hauptsächlich Rosmarinsäure), Bitterstoffe, Harz, Schleimstoffe, Glykoside, Saponine und Thymol. Der Vitamin-C-Gehalt der frischen Pflanze pro 100 Gramm Frischgewicht beträgt 253,0 Milligramm.“

Namensherkunft

„Der Gattungsname Melissa leitet sich vom griechischen meliteion = Zitronen-Melisse ab, das mit meli = Honig (Genitiv melitos) zusammenhängt. Er bezieht sich auf die Nutzung als Bienenweide. Das Art-Epitheton officinalis bedeutet offizinell, als Arznei verwendet.“

Verbreitung der Zitronenmelisse

„Die Zitronen-Melisse ist im Östlichen Mittelmeergebiet und in Westasien beheimatet. Das natürliche Areal reicht von Anatolien über den Kaukasus, Irak und Iran bis Pakistan. Heute wird sie weltweit in den gemäßigten und warmen Zonen kultiviert und verwildert regelmäßig.

In Mitteleuropa ist sie verwildert vor allem auf Waldschlägen und an Forststraßen zu finden.

Sie wächst bevorzugt auf nährstoffreichen, warmen und trockenen Standorten mit humusreichem sandigem Lehm- oder lehmigem Sandboden.“

Nutzung der Zitronenmelisse

„Die Zitronen-Melisse wird als Gewürz-, Arznei- und als Bienenweidepflanze angebaut. Die Blätter werden als Küchengewürz verwendet. Extrakte aus den Blättern werden zu Kräuterlikören verarbeitet. Zum Aromatisieren von kalten Getränken, Salaten und Saucen sowie Kompotten wird Melisse verwendet. Tee und Wein kann man aus ihr herstellen. Melissentee soll beruhigend wirken und verdauungsfördernd sein.

Als Droge werden die Blätter (Melissae folium) verwendet. Die traditionelle Verwendung ist die Unterstützung der Magenfunktion und bei nervlicher Belastung. Präparate wie Teeaufgüsse, Flüssig- oder Trockenextrakte aus der Melisse wirken sedativ und spasmolytisch. Sie werden bei Einschlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Häufig werden sie in Teemischungen mit anderen beruhigend wirkenden Drogen eingesetzt. Bäder werden bei Entzündungen der Haut und der Genitalorgane eingesetzt, aber auch als Entspannungsbäder. Weitere Anwendungsgebiete sind Gallenleiden und hypertone Dyskinesie.

Aufgrund des Gehaltes an Phenolcarbonsäurederivaten, v. a. Rosmarinsäure, haben Melissenblätter eine antimikrobielle und antivirale Wirkung. Dies wird in Salben zur Behandlung von Herpes simplex eingesetzt.

In der Volksmedizin wird die Zitronenmelisse auch gegen Erkältungskrankheiten und Kreislaufschwäche eingesetzt.

Im Handel ist reines Melissenöl aufgrund des hohen Preises (rund 6000 EUR pro kg) selten erhältlich, meist sind es Ersatzöle wie Citronellaöl, Lemongrasöl oder Verfälschungen (Indisches Melissenöl).“

(Quelle: Wikipedia)

Kommentar & Ergänzung:

Goldmelissentee wird in der Pflanzenheilkunde als Einschlaftee vor allem für Kinder empfohlen und ist wegen seiner roten Farbe und dem angenehmen Aroma beliebt. Auch Goldmelissensirup kommt zur Anwendung.

Eine Wirksamkeit ist allerdings für Goldmelissentee und Goldmelissensirup nicht dokumentiert. Das spricht nicht gegen den Gebrauch, wenn man Goldmelissentee oder Goldmelissensirup gern hat und danach gut schlafen kann.

Das ätherische Öl in den Goldmelissenblüten ähnelt in der Zusammensetzung an manchen Punkte  dem Thymian. Es enthält zum Beispiel wie Thymian Thymol und Carvacrol.

Goldmelissenblüten sind ziemlich teuer, wenn man sie in der Apotheke oder Drogerie kauft.

Für die Wirkung der Zitronenmelisse als Einschlafmittel gibt es deutlich bessere Belege. Untersucht wurde in dieser Hinsicht vor allem das ätherische Öl. Melissenöl wird über die Atemwege angewendet, als Melissenbad oder als Einreibung gemischt mit fettem Öl oder Bodylotion. Melissentee = Zitronenmelissentee würde ich aus frischen Melissenblättern zubereiten. Die Melissenblätter verlieren beim Trocknen rasch an ätherischem Öl.

Melissenöl und Melissenextrakt sind ausserdem wirksam gegen Herpes-simplex-Viren. Sie werden deshalb bei Lippenherpes (Fieberbläschen) angewendet.

Über’s Ganze gesehen  setzt die Phytotherapie stärker auf die Zitronenmelisse und auf das Melissenöl als auf die Goldmelisse. Goldmelisse wird aber gerne empfohlen als bewährtes Hausmittel und auch als Genusstee.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Phytotherapie: Petersilie gegen Juckreiz?

Diesen Artikel teilen:

Kurztipp:

Im „Handbuch der Arzneipflanzen“ von van Wyk / Wink / Wink wird empfohlen:

„Petersilienblätter können äusserlich als juckreizlindernder Umschlag bei Hautproblemen genutzt werden.“

Leider wird diese Empfehlung nicht weiter begründet. Petersilienblätter gelten aber als bewährtes Hausmittel bei Insektenstichen (Mückenstiche, Wespenstiche, Bienenstiche).

Der Insektenstich bzw. die Stichstelle wird mit Petersilienblättern eingerieben.

Die Petersilie ist eine Kulturpflanze, deren Heimat im östlichen Mittelmeergebiet bis Westasien vermutet wird.

Petersilie wurde im antiken Griechenland als heilige Pflanze angesehen, jedoch nicht deutlich vom Sellerie unterschieden. In der Odyssee wird Petersilie als Schmuck der Insel der Nymphe Kalypso angesehen. Petersilien-Kränze wurden den Siegern der Isthmischen und Nemëischen Spiele übergeben. In Mitteleuropa wurde Petersilie zunächst als Heilpflanze in mittelalterlichen Klöstern anpflanzt und daraufhin auch in der Küche eingesetzt. Um eine Verwechslung mit der giftigen, jedoch ähnlich aussehenden Hundspetersilie zu vermeiden, wurden Sorten mit krausen Blättern gezüchtet.

Die Petersilie enthält ein ätherisches Öl mit Myristicin und Apiol. Petersilienöl ist in höheren Dosierungen giftig. Reines Apiol führt in hoher Dosis zur Abtreibung. Myristicin ist das anregende und halluzinogene Prinzip im Muskatnussöl aus der Muskatnuss (Myristica fragrans).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Schwarzkümmelöl gegen Allergien, Ekzeme, Asthma wirksam?

Diesen Artikel teilen:

Der Echte Schwarzkümmel (Nigella sativa), häufig nur Schwarzkümmel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Schwarzkümmel ist also nicht mit Kümmel und Kreuzkümmel verwandt.

Heimisch ist der Schwarzkümmel in Südeuropa, Westasien, Indien und Nordafrika.
Als pfefferartiges Gewürz und Medizin wird Schwarzkümmel im Orient bereits seit mehr als 2.000 Jahren verwendet. Punkto Geschmack erinnert Schwarzkümmel leicht an Sesam mit einer leichten Kreuzkümmelnote. Die schwarzen Samen, die im asiatischen Raum auch als „black onion seed“ („schwarzer Zwiebelsamen“) bezeichnet werden, streut man heute noch ähnlich wie Sesam auf Fladenbrot. Die Beliebtheit der Schwarzkümmelsamen als Brotgewürz führte zur Bezeichnung “Brotwurz”. Im Handel ist Schwarzkümmel häufig unter der Panjabi-Bezeichnung Kalonji erhältlich.

In der islamischen Welt kam der Schwarzkümmel zu grosser Popularität. Das soll auf einen Spruch Mohammeds (570 – 632 n. u. Z.) im Hadith (Buchari) zurückgehen: “Schwarzkümmel heilt jede Krankheit – ausser den Tod.”

Schwarzkümmelöl: grosse Versprechungen – viele offene Fragen

Schwarzkümmelöl ist ein fettes Öl, wird durch Pressung gewonnen und enthält daher auch ätherisches Öl. Es enthält neben gesättigten Fettsäuren die ungesättigten Fettsäuren Linolsäure und Ölsäure. Der Gehalt an Gamma-Linolensäure ist im Vergleich zum Nachtkerzenöl und zum Borretschsamenöl verhältnismässig gering.

Reines Schwarzkümmelöl wird in der Naturheilkunde als Heilmittel vor allem zur Linderung von Allergien (z. B. Heuschnupfen), Neurodermitis (Atopische Dermatitis), Psoriasis (Schuppenflechte), zur Regulierung des Immunsystems, gegen Asthma, in Begleitung von Chemotherapien zur Linderung der Nebenwirkungen, bei Verdauungsproblemen, Bluthochdruck sowie in der Tiermedizin empfohlen. In der indischen Heilkunde gilt Schwarzkümmelöl als bevorzugtes Mittel zu Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden. Schwarzkümmelöl wird in Flaschen abgefüllt oder verkapselt. Die Kapseln können besser dosiert werden und sind länger haltbar. Schwarzkümmelöl ist in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern erhältlich.

Die beste Qualität soll das kaltgepresste Öl aus ägyptischen Schwarzkümmelsamen besitzen, welche im trocken-heißen Klima Oberägyptens auf sandigen Böden gereift sind (Al-Baraka-Qualität); und auch in Österreich, speziell im Marchfeld (Wittau, Niederösterreich), wird Schwarzkümmel erfolgreich angebaut, geerntet und daraus kaltgepresstes Schwarzkümmelöl produziert.

Wichtig zu wissen ist: Schwarzkümmelöl ist als Nahrungsergänzungsmittel im Handel und nicht als Heilmittel zugelassen. Die Heilungsversprechungen, mit denen Schwarzkümmelöl zum Teil propagiert werden, sind daher nicht behördlich überprüft.

Bisher gibt es im wesentlichen tierexperimentelle Untersuchungen und Laborexperimente (in-vitro), in welchen antimikrobielle, antitumorale und immunmodulierende Effekte beschreiben wurden. Ob sich solche Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, bleibt dabei offen, weil valide klinische Studien mit Patienten bisher fehlen.

Bezüglich der Wirksamkeit von Schwarzkümmelöl bleiben also viele Fragen offen.
Nicht sehr überzeugend erscheint mir jedenfalls ein Ersatz von Nachtkerzenöl oder Borretschsamenöl durch Schwarzkümmelöl, wenn es um die Behandlung von atopischer Dermatitis (Neurodermitis) geht, weil zu diesem Zweck die Gamma-Linolensäure wesentlich ist. Der Gehalt an Gamma-Linolensäure ist jedenfalls im Nachtkerzenöl und im Borretschsamenöl wesentlich höher als im Schwarzkümmelöl.

Quellen:
Wikipedia;
Heilpflanzenlexikon von Dietrich Frohne (siehe Buchshop)
Biogene Nahrungsergänzungsmittel von Hans-Peter Hannssen, Angelika Koch, Rita Richter (siehe Buchshop)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

Diesen Artikel teilen:

Indische Anästhesiologen haben möglicherweise ein einfaches Mittel gegen die häufigen Rachenirritationen nach Intubationsnarkosen entdeckt. Gemäss ihrer Studie – publiziert in Anesthesia & Analgesia (2009; 109: 77-81) – senkt ein fünfminütiges Gurgeln mit einer Lakritzlösung unmittelbar vor der Operation die Inzidenz eines postoperativen “sore throats” (POST).

Dem in Lakritze enthaltenen Inhaltsstoff Glycyrrhizinsäure werden expektorierende (= auswurffördernde), sekretolytische und sekretomotorische (schleimlösende) Wirkungen nachgesagt. Lakritze ist daher bei Husten und Erkältungen ein altes Hausmittel. Sie soll auch bei Entzündungen im Rachenraum lindernd wirken.

Dies bewog Anil Agarwal vom Sanjay Gandhi Post Graduate Institute of Medical Sciences in Indien, die Wirkung der Lakritze bei einem häufigen Problem in der Anästhesiologie zu untersuchen: Die meisten Patienten klagen nach dem Erwachen über eine Reizung der Schleimhaut in Pharynx (Rachen) und Larynx (Kehlkopf), was eine Folge der Intubation ist. Weil die Patienten vor der Operation nichts essen oder trinken sollen, baten die Anästhesisten 20 Patienten unmittelbar vor der Operation 5 Minuten lang mit einer Lakritzlösung zu gurgeln und diese dann auszuspucken. Zwanzig andere Patienten gurgelten mit einer Wasserlösung. Nach der Operation klagten 15 Patienten, die mit Wasser gegurgelt hatten, jedoch nur 4 Patienten, die Lakritze angewendet hatten, über eine POST. Zudem wurde auch der postoperative Hustenreiz gelindert. Die Studie von Anil Agarwal war allerdings nicht doppelblind: Zwar wussten die Ärzte nicht, ob die Patienten Wasser oder Lakritzlösung angewerndet hatten, die Patienten werden dies jedoch zweifellos am Geschmack erkannt haben.

Die Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen identisch. Agarwal hält das Gurgeln mit Lakritz darum für eine einfache und kostengünstige Therapie bzw. Prophylaxe. Komplikationen könnten allenfalls auftreten, wenn die Patienten sich vor der Operation verschlucken.

Quelle: www.aerzteblatt.de

Originalpublikation:
http://www.anesthesia-analgesia.org/cgi/content/abstract/109/1/77

Kommentar& Ergänzung:

Lakritze ist eingedickter, wässriger Extrakt aus der Süssholzwurzel. Im süddeutschen Sprachraum, in der Schweiz und in Österreich wird die Lakritze mundartlich häufig auch Bärendreck genannt, weil der Ulmer (später Nürnberger) Süßwarenfabrikant Karl Bär auf viele Lakritzarten teilweise europaweite Patente besass.

Süssholz (Glycyrrhiza glabra) ist eine ausdauernde, bis 2 m hohe Staude aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).
Süssholz ist im Mittelmeergebiet, in Russland und Westasien heimisch.
Die Pflanze wird hauptsächlich in Russland, der Türkei, dem Iran, Spanien, Italien, Frankreich, Griechenland, Ägypten, Brasilien, Australien und China kultivert.

Die im “Ärzteblatt” zusammengefasste Studie zur Anwendung von Lakritze gegen Rachenentzündungen nach Intubationsnarkosen ist sehr interessant, weil sie möglicherweise ein neues Anwendungsgebiet für die Lakritze eröffnet. Dass die Studie nicht doppelblind war, die Patienten also wussten, ob sie Lakritze oder Wasserlösung anwandten, schränkt die Aussagekraft allerdings etwas ein. Die Erwartungshaltung und die Interpretation des Befindens kann dadurch beeinflusst werden.

Dieses Beispiel zeigt zweierlei:
1. Phytotherapie-Forschung ist eine internationale Angelegenheit.
2. Phytotherapie ist nicht ein fixes Lehrgebäude, das durch irgendeine guruhafte Gründerfigur ein für alle mal festgelegt wurde. Phytotherapie entwickelt sich laufend weiter. Deshalb kann man sich nicht einfach an traditionellen Überlieferungen festklammern. Unser Wissen um die Wirkungen der Heilpflanzen ändert sich. Das bedeutet, dass wir uns zwar mit den Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde interessiert auseinandersetzen – und sie zugleich aber auch immer an neuen Erkenntnissen messen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: