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Gewichtsreduktion mit Bockshornklee – Studienlage ungenügend, aber was heisst das nun?

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Die Arzneimittelinformationsplattform „Gute Pillen, Schlechte Pillen“ (GPSP) hat die Studienlage zum Thema „Abnehmen mit Bockshornklee“ unter die Lupe genommen und die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ berichtete darüber:

„Die aktuelle Forschungslage wurde geprüft. Bislang haben sich nur zwei wissenschaftliche Studien mit diesem Thema beschäftigt. Und auch die boten aufgrund ihrer geringen Zahl an Probanden keine vernünftige Bewertungsgrundlage.“

„Der Standard“ weißt zudem auf den Widerspruch hin, dass Bockshornklee auch gegen Appetitlosigkeit empfohlen wird:

„Auch Appetitlosigkeit ließe sich damit heilen. Wie paradox klingt es dann, dass Firmen damit werben, man könne mit ihren Produkten, die Bockshornklee enthalten, abnehmen.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000053654073/Schmaeh-Abnehmen-mit-Bockshornklee

Kommentar & Ergänzung:

Bockshornkleesamen werden für alles Mögliche empfohlen – von Haarausfall bis Impotenz – und wie im „Standard“ erwähnt gegen Appetitlosigkeit und als Schlankheitsmittel. Solche „Indikationslyrik“ ist immer mehr oder weniger fragwürdig und ein Grund, genauer hinzuschauen.

Komplementärmedizin: Indikationslupe unter die Lupe nehmen!

Ich möchte hier allerdings zeigen, dass die Sachlage nicht so einfach und eindeutig ist, wie GPSP und der „Standard“ sie darstellen.

Die Einschätzung von GPSP trifft zu: Es gibt keine guten Studien, die eine Wirkung von Bockshornkleesamen zur Gewichtsreduktion beweisen.

Vor allem der „Standard“ lässt sich aber zu Aussagen hinreissen, die genauso fragwürdig sind:

„Schmäh: Abnehmen mit Bockshornklee.

Die unabhängige Plattform ‚Gute Pillen – schlechte Pillen’ entlarvt Bockshornklee als untauglich zur Gewichtsreduktion, es fehlt jeder Beweis. Es ist der alte Traum von Übergewichtigen: Wer sich zu dick fühlt, nimmt ein einen Wirkstoff aus der Natur und verliert Gewicht, weil auch der Hunger weg ist. Diese Illusionen werden mitunter auch ausgenutzt. So gibt es Produkte mit Bockshornkleesamen, die genau das versprechen.“

„Schmäh“, „entlarvt“ und „Illusionen werden ausgenutzt“ – das sind ziemlich unwissenschaftliche moralische Urteile. Gibt es dafür eine Basis? Meines Erachtens nein.

Die Tatsache, dass es keine guten, grossen Studien gibt, die eine Wirksamkeit von Bockshornklee zur Gewichtsabnahme belegen, bedeutet genau das und nur das: Es gibt für diese Wirkung keine Belege.

Das schliesst nicht aus, dass es trotzdem eine Wirkung geben könnte.

„Der Standard“ fordert:

„Weil Bockshornklee seit Jahrzehnten als heilsames Multitalent vermarktet wird, müssten endlich hochwertige Studien den Erfolg nachweisen – und somit für Verbraucherinnen und Verbraucher auch den Sinn der Geldausgabe rechtfertigen.“

Genau hier liegt aber ein Hund begraben und es wäre fair, wenn der „Standard“ das auch aufzeigen würde: Die Forderung nach hochwertigen Studien ist ziemlich naiv und kann wohl nur von jemandem stammen, der keine Ahnung hat von Forschung mit Heilpflanzen.

Hochwertige Studien sind sehr teuer. Bockshornkleesamen sind billig und nicht patentierbar. Kein Verkäufer von Bockhornkleesamen wird es sich leisten können, eine Million Franken in die Forschung zu stecken, damit ein paar grosse, hochwertige Studien durchgeführt werden können, die eine Grundlage bieten für eine gute Metastudie. Jeder Konkurrent, der ebenfalls Bockshornklee verkauft, könnte von dieser Forschung profitieren und seine Produkte ohne Forschungsaufwand viel billiger vermarkten. Die Chance, dass es zu Bockshornkleesamen jemals hochwertige Studien gibt, die den Ansprüchen der Evidence Based Medicine genügen, ist nahezu Null.

Gleichzeitig kritisiert GPSP aber natürlich zu Recht, wenn Bockshornkleesamen-Verkäufer grossartige Versprechungen betreffend Gewichtsreduktion machen, die durch keinerlei Belege plausibel gemacht werden können.

Die unabhängige Plattform „Medizin Transparent“ hat die Studienlage zur Wirksamkeit von Bockshornklee als Mittel zur Gewichtsreduktion ebenfalls untersucht und schreibt:

„Wir fanden nur eine einzige Untersuchung, in der die Teilnehmenden nach sechs Wochen kein Gewicht verloren hatten. Der Untersuchungszeitraum der Studie ist jedoch sehr kurz, die Teilnehmeranzahl gering und die Qualität mittelmäßig. Es bleibt daher unklar, ob Bockshornklee-Samen längerfristig helfen können, Gewicht zu verlieren.“

Quelle: http://www.medizin-transparent.at/bockshornklee-samen-abnehmen

Bockshornkleesamen als Mittel gegen Appetitlosigkeit?

Interessant ist der Hinweis von GPSP und „Standard“, dass Bockshornkleesamen eigenartigerweise auch gegen Appetitlosigkeit empfohlen werden.

Tatsächlich taucht die Indikation „Appetitlosigkeit“ auch in den Monografien der Qualitätssicherungsgremien „Kommission E“ und „ESCOP“ auf . Als wissenschaftlicher Beleg liegt dafür allerdings nur ein Tierversuch vor: Ein fett- und eiweissfreier Bockshornkleesamenextrakt führte bei Ratten zu einer signifikanten Steigerung der Fresslust und der Nahrungsaufnahme. Es gibt aber auch Erfahrungen aus der Tiermedizin mit der Anwendung von Bockshornkleepulver als Mittel zur Steigerung der Fresslust. Und in Nordafrika nehmen Frauen Bockshornkleesamen zu sich, wenn sie sich als zu mager empfinden und Gewicht zulegen möchten.

Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17333802

Die Empfehlung von Bockshornkleesamen gegen Appetitlosigkeit ist zwar auch nicht zweifelsfrei belegt. Insgesamt sprechen aber mehr Argumente für die Anwendung bei Appetitlosigkeit als für die Anwendung zur Gewichtsreduktion.

GPSP und der „Standard“ finden es „paradox“, dass Bockshornkleesamen sowohl gegen Appetitlosigkeit als auch zur Gewichtsreduktion empfohlen wird – und das ist es wahrscheinlich auch.

Aber auch hier muss man etwas tiefer in die Heilpflanzenkunde einsteigen:

Eine solche gegensätzliche Wirkung ist bei Heilpflanzen-Anwendungen nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Heilpflanzen enthalten verschiedene Wirkstoffe. Je nach Art der Zubereitung und Dosierung können daraus auch unterschiedliche Wirkungen folgen. Beim Bockshornklee könnten beispielsweise Schleimstoffe ein Sättigungsgefühl auslösen und dadurch zur Gewichtsreduktion beitragen, während Bitterstoffe in moderater Dosis den Appetit anregen. Aber das ist jetzt wirklich reine Spekulation und nur als illustrierendes Beispiel gedacht, um zu zeigen, dass die Fragen manchmal komplizierter sind, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

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Baldrian bei Schlafstörungen

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Die österreichische Zeitung „Kurier“ berichtet über Kräuter gegen Schlafstörungen.

Zum Stichwort „Baldrian“ heisst es da:

„Er gehört zur Familie der Baldriangewächse und wächst im Halbschatten auf feuchtem Boden. Das Kraut hat eine sehr entspannende Wirkung, wenn man die Wurzel als Tee zu sich nimmt oder in ein Baldrian-Bad steigt. Baldrian verbessert auch die Tiefe des Schlafs. Das ist aber nicht die einzige Wirkung von Baldrian, ganz im Gegenteil, die Pflanze wirkt herzberuhigend, krampflösend, schmerzstillend und gegen Blähungen.“

Quelle:

https://kurier.at/wellness/die-fuenf-besten-schlafkraeuter/252.547.803

Kommentar & Ergänzung:

Das ist nicht gerade falsch, aber auch nicht sehr genau.

Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) hat für Baldrianwurzel die Anwendung zur Besserung leichter nervöser Anspannung und bei Schlafstörungen als „medizinisch allgemein anerkannt“ („well-established medicinal use“) akzeptiert. Das HMPC) ist auf europäischer Ebene für die Beurteilung der Zulassung pflanzlicher Arzneimittel (Phytopharmaka) zuständig.

Weniger gut belegt oder gar nicht belegt sind die erwähnten herzberuhigenden, krampflösenden, schmerzstillenden und blähungswidrigen Wirkungen. Eine krampflösende Wirkung konnte zum Beispiel für den isolierten Inhaltsstoff Valerensäure gezeigt werden, doch lässt sich dieses experimentelle Resultat nicht so einfach auf die Anwendung von Baldrian als ganzes Wirkstoff-„Team“ übertragen.

Wichtig scheint mir aber noch ein anderer Aspekt: Es genügt nicht festzustellen, dass Baldrian entspannend wirkt und „die Tiefe des Schlafs“ verbessert. Mindestens so wichtig sind in der Phytotherapie genauere Angaben zur geeigneten Anwendungsform und zur Dosierung.

Eine Möglichkeit ist der erwähnte Baldriantee. Zubereitung: 1 bis 2 Teelöffel geschnittene Baldrianwurzeln mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergießen und bedeckt stehen lassen. Nach 10 bis 15 Minuten absieben. Mehrmals täglich eine Tasse trinken. Baldriantee ist allerdings geschmacklich sehr gewöhnungsbedürftig.

Baldriantinktur wird oft verwendet, ist aber auch in der üblicherweise empfohlenen Dosierung von einem Teelöffel als Einzeldosis bezüglich Wirkstoffgehalt unterdosiert, da in der Tinktur die Inhaltsstoffe der Baldrianwurzel im Verhältnis von ca. 1 : 5 verdünnt vorliegen.

Beim erwähnten Baldrianbad (100g Baldrianwurzel pro Vollbad) kommt nur das ätherische Baldrianöl allenfalls via Inhalation zur Wirkung, während nichtflüchtige Wirkstoffe wie zum Beispiel die Lignane wegen mangelnder Aufnahme keine Effekte erzeugen können.

Klinische Studien gibt es insbesondere mit lipophilen Baldrianextrakten in einer Dosis von etwa 600 mg pro Tag.

Die klinischen Studien mit Extraktpräparaten weisen darauf hin, dass eine schlaffördernde Wirkung von Baldrian erst nach etwa 14 Tagen zu erwarten ist. Bei Badriantee, Baldriantinktur und Baldrianbad könnte allerdings ein rascherer Effekt über die Duftebene ausgelöst werden (ätherisches Baldrianöl). Duftwirkungen treten schnell ein, weil sie direkt im Limbischen System ansetzen.

Baldrianextrakt wird oft kombiniert mit Hopfenextrakt.

Dass Baldrian als Schlafhilfe verwendet wird, ist im Übrigen sehr vielen Leuten bekannt. Wie die Pflanze aussieht und wo sie wächst, wissen aber leider nur wenige. Auf vielen meiner Kräuterwanderungen können Sie Baldrian in Natura kennenlernen, zum Beispiel in der „Petite Camargue“ bei Basel am 20. Mai 2017. Zur Ausschreibung hier: Kräuterwanderung Petite Camargue bei Basel.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Bullshit zu Aromapflege und Aromatherapie

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Bullshit redet, wer wohlklingende Worte äussert, die nichts aussagen. Ein Beispiel für solchen Bullshit sind meines Erachtens folgende Sätze über Aromapflege und Aromatherapie:

„Aromapflege und Aromatherapie folgen den Prinzipien der Naturheilkunde. Sie wollen die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken. Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht. Sie bewirken eine seelische Umstimmung, regulieren aus der Balance Geratenes und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden. Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=50130

Kommentar und Ergänzung:

Hier werden wohlklingende Begriffe aneinandergereiht, die kaum irgendwelche konkreten Inhalte haben.

⇒ Die „Prinzipien der Naturheilkunde“ sind nicht so klar definiert, wie das hier aussieht. Der Autor müsste konkrete Beispiele bringen um zu illustrieren, was genau er damit meint. Aber wenn man konkret wird, stösst man schnell an Grenzen oder verwickelt sich in Widersprüche. Bleibt man schön im wohlklingenden Allgemeinen, lässt sich diese Schwierigkeit vermeiden.

„Lebenskraft“ ist ein schillernder Begriff, der spontan oft klar und einleuchtend klingt, aber sofort schwierig wird, wenn man genau erklären soll, was damit gemeint ist.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Begriff Lebenskraft war in seiner Entstehungszeit sehr populär und wurde oft auch wenig spezifisch gebraucht, als weit verbreiteter Platzhalterbegriff für unverstandene körperliche Vorgänge……

Die Vorstellung einer Lebenskraft wurde als Gesundheits- und Krankheitskonzeption von Christoph Wilhelm Hufeland Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts differenziert beschrieben…..

Hufeland sah als Grundursache aller Lebensvorgänge und als Selbsterhaltungsprinzip des Organismus eine allgemeine Lebenskraft mit weiteren Teilkräften:

  • eine erhaltende Kraft,
  • eine regenerierende und neubildende Kraft,
  • eine besondere Lebenskraft des Blutes,
  • eine Nervenkraft,
  • eine Kraft, die eine allgemeine Reizfähigkeit des Körpers bewirke, sowie
  • eine Kraft, die eine spezifische Reizfähigkeit des Körpers bewirke.

Krankheit sei eine Beeinträchtigung der Lebenskraft beziehungsweise der Lebenskräfte durch krankmachende Reize. Sichtbare Zeichen der Krankheit seien Heilreaktionen der Lebenskraft auf solche Krankheitsreize. Die Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und die Lebenskraft seien wesensgleich, wenn nicht identisch. Jedes therapeutische Handeln des Arztes wie auch jede Selbstbehandlung durch den Patienten solle die individuelle Lebenskraft unterstützen. Insgesamt habe sich das ärztliche Handeln am Prinzip des contraria contrariis zu orientieren. Dabei empfahl Hufeland neben der vorsichtigen Anwendung von Medikamenten die Beachtung diätetischer Regeln und physikalische Therapien (zum Beispiel als Wasseranwendungen).

Auf Hufelands Konzept gehen Impulse für die Entwicklung der Naturheilkunde im 19. Jahrhundert zurück.“

⇒  Die „Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken“ tönt auch immer gut. Die Selbstheilung des Menschen ist faszinierend. Daran wirken aber tausende von Vorgängen im Organismus mit, die sich je nach Krankheit beträchtlich unterscheiden können. Die Selbstheilungskräfte als feststehende Grösse wird es daher kaum geben. Auch hier wären detaillierte Angaben vorzuziehen. Welche Prozesse beeinflusst das ätherische Öl genau und wie? Aber auch hier gilt: Sobald man genaue Aussagen macht, können diese auch in Frage gestellt, kritisiert und widerlegt werden. „Die Selbstheilungskräfte“ dagegen bieten keine Angriffsfläche für konkrete Einwände.

 „Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht.“ – „Tief“ tönt immer gut. Aber was heisst „tief“ genau in diesem Zusammenhang? Eingreifend? Tief eingreifend in die Psyche? Könnte das, wenn es stimmt, nicht gefährlich werden? Oder ist nur immer und ausschliesslich eine positive Wirkung zu erwarten im Sinne einer Förderung des Gleichgewichts. Ist das nicht etwas gar viel Wunschdenken?

 „Sie bewirken eine seelische Umstimmung…“  Wenn das stimmt, kann das nicht auch schiefgehen? Oder muss ich mir das einfach immer positiv vorstellen? In Sinne von: Das ätherische Öl weiss schon, was es machen muss? Ist das nicht allzu schön um plausibel zu sein?

„…regulieren aus der Balance Geratenes…“ Da haben wir sie wieder, die umfassende Regulation. Damit kann man nie schiefliegen.

 „…und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden.“    Das ist eine sehr weitreichende Versprechung. Wie machen die ätherischen Öle das und was sollen wir verstehen unter dem „eigentlichen Nährboden“ einer Krankheit: Auch hier: Wer nicht konkret wird, versteckt sich vor möglichen konkreten Einwänden.

„Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“ Das tönt immer gut, sagt aber auch nichts Konkretes aus.

Diese Kritik richtet sich nicht generell gegen Aromatherapie und Aromapflege. Ätherische Öle sind im vielen Bereichen interessante und wirksame Heilmittel. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ich in Texten über Aromatherapie und Aromapflege auf derartigen Worthülsen treffe.

Das ist meines Erachtens immer ein Anlass für genaues, kritisches Nachfragen, auch wenn es um andere Bereiche als Aromapflege und Aromatherapie geht – zum Beispiel um Texte in der Pflanzenheilkunde.

Vorgänge und Begriffe möglichst genau zu beschreiben ist eine Grundvoraussetzung guter Kommunikation und fachlicher Auseinandersetzung. Mit schwammigen Begriffen wie sie das oben aufgeführte Zitat enthält, redet man weitgehend aneinander vorbei. Das gilt auch für Vorträge, Kurse und Ausbildungen. Haken Sie nach, wenn Sie in Lehrveranstaltungen mit wohlklingenden, aber schwammigen Begriffen „gefüttert“ werden.

Wer leere Worthülsen einfach schluckt, weil sie so gut tönend daherkommen, lässt sich einlullen oder lullt sich selber ein. Wer dagegen genau nachfragt, klärt die Begriffe so weit es geht und bekommt dadurch einen stabileren Stand in der Welt.

Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt hat übrigens ein lesenswertes Büchlein geschrieben mit dem Titel „Bullshit“ (Suhrkamp Verlag).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Anwendungen bei Neandertalern?

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Die Neandertaler (Homo neanderthalensis) starben vor etwa 40.000 Jahren aus – etwa zur selben Zeit, als sich der moderne Mensch (Homo sapiens) in Europa ausbreitete.

Forscher um Laura Weyrich und Alan Cooper von der australischen University of Adelaide untersuchten Neandertaler-Zähne aus zwei Höhlen im heutigen Belgien und Spanien.

Insgesamt analysierte die Wissenschaftler Erbgut aus dem Zahnstein von vier Neandertalern, wovon zwei aus der Höhle El Sidrón in der nordspanischen Region Asturien stammten.

Der Neandertaler „El Sidrón 1″ aus Spanien wurde wegen seines guten Erhaltungszustands besonders eingehend analysiert.

Den Forschern zufolge war er ziemlich krank. Sein Verdauungstrakt war von Parasiten befallen, er hatte Durchfall und litt an einem Zahnabszess. Gegen letzteres wusste sich der Neandertaler aber offenbar zu helfen. In seinem Zahnstein fanden die Forscher DNA-Reste der Westlichen Balsam-Pappel (Populus trichocarpa). „Er aß Pappel, die das Schmerzmittel Salicylsäure enthält“, erläutert dazu Studienleiter Cooper. Auf Abkömmlingen der Salicylsäure basiert das Arzneimittel Acetylsalicylsäure (ASS) – besser bekannt unter dem Handelsnamen Aspirin. „Offenbar kannten sich die Neandertaler gut mit medizinischen Pflanzen aus und kannten ihre entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung“, kommentiert Cooper.

Jean-Jacques Hublin, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der an der Studie nicht beteiligt war, hält die Schlussfolgerung, dass der Neandertaler gezielt schmerzstillende Pappel aß für „ziemlich überzeugend“. Die Hauptschwäche der Studie liege aber darin, dass nur vier Neandertaler von zwei Fundstellen untersucht wurden.

http://www.n-tv.de/wissen/Neandertaler-assen-natuerliche-Schmerzmittel-article19740070.html

Kommentar und Ergänzung:

Da nur vier Skelette untersucht wurden und nur bei „El Sidrón 1“ diese Kombination von Zahnabszess und Pappelkonsum gefunden wurde, lässt sich daraus natürlich noch nicht schliessen, dass die Pappel bei den Neandertalern als Schmerzmittel quasi zur „Höhlenapotheke“ gehörte. Allerdings ist Pappel weder besonders schmackhaft noch nährstoffreich und darum ist schwer vorstellbar, wozu „El Sidrón 1“ über längere Zeit Pappel gekaut haben soll.

In der heutigen Phytotherapie wird als Salicylat-Pflanze vor allem die Weidenrinde verwendet. Ihr Gesamtsalicylgehalt sollte mindestens 1 % sein, wird jedoch von vielen Arten nicht erreicht. Hohe Gehalte findet man in Salix purpurea (6-8,5 %), Salix daphnoides (4,9-5,6 %) und Salix fragilis (3,9-10,2 %).

Im Unterschied zu Acetylsalicylsäure (Aspirin) beeinflussen Weidenrindenextrakte die Thrombozytenfunktion nicht. Die Salicinverbindungen der Weidenrinde bewirken im Unterschied zu Aspirin keine Verzögerung der Blutgerinnung, weshalb sie auch zur Schmerzbehandlung nach Operationen verwendet werden können.

Leider wurde das am besten wissenschaftlich geprüfte Weitenrindenextrakt-Präparat „Assalix“ vom Hersteller Bionorica aus dem Markt genommen – aus „portfoliostrategischen Gründen“ (was auch immer das bedeuten mag).

Pappelblätter und Pappelrinde aus der Zitterpappel (Espe) sind Bestandteil der „Phytodolor Tinktur“ (neben Goldrutenkraut und Eschenrinde). Das Präparat wird zur Linderung leichter Gelenkschmerzen bei Arthrose eingesetzt. Phytodolor ist in Deutschland und Österreich im Handel, nicht jedoch in der Schweiz.

Da haben wir also wieder einmal diesen schönen grossen Bogen von den Heilpflanzen-Anwendungen aus den Anfängen der Menschheit bis zur modernen Phytotherapie.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Grüntee zur Gewichtsreduktion?

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Grüntee wird immer wieder diskutiert und empfohlen zur Unterstützung einer Gewichtsreduktion. Kann Grüntee die Versprechungen erfüllen?

Die Studienlage zu dieser Frage ist ziemlich ernüchternd. Die Cochrane Collaboration hat dazu im Jahr 2012 in einer Metaanalyse 12 Studien ausgewertet. Die Autoren kommen zum Schluss, dass die erreichte Gewichtsreduktion klein ist und wohl klinisch nicht relevant, zu gering also, um Gesundheitsrisiken zu reduzieren.

Für ein gesundes, langfristiges Abnehmen zur Reduktion von Gesundheitsrisiken wäre eine Gewichtsreduktion um mindestens fünf Prozent nötig.

Aus der Metastudie der Cochrane Collaboration:

„AUTHORS‘ CONCLUSIONS:

Green tea preparations appear to induce a small, statistically non-significant weight loss in overweight or obese adults. Because the amount of weight loss is small, it is not likely to be clinically important. Green tea had no significant effect on the maintenance of weight loss. Of those studies recording information on adverse events, only two identified an adverse event requiring hospitalisation. The remaining adverse events were judged to be mild to moderate.“

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23235664

 

Da Grüntee keine Kalorien enthält ist jedoch klar, dass er im Hinblick auf eine Gewichtsreduktion zuckerhaltigen Getränken vorzuziehen ist. Zudem hat Grüntee wohl durchaus noch ein paar positive Effekte für die Gesundheit – auch wenn diesbezügliche Versprechungen manchmal gar arg ins Kraut schiessen. Wer Grüntee gern hat, soll ihn doch trinken. Wer ihn nicht gern hat, soll sich aber nicht dazu zwingen, nur weil überall zu hören ist, wie gesund dieses Getränk sei.

 

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Meerrettich als „Penicillin des Gartens“?

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Der Bayerische Rundfunk berichtete kürzlich sehr informativ über Meerrettich und seine Wirkungen. „Penicillin des Gartens“ werde der Meerrettich auch genannt. Das ist zwar etwas gar gross ausgedrückt, doch kann der Meerrettich tatsächlich antimikrobielle Wirkungen entfalten.

Dr. rer. nat. Iris Eisenmann-Tappe, Sommerhausen wird in dem Beitrag zur Wirkung des Meerrettichs folgendermassen zitiert:

„Wo er oft gebraucht wird, das sind Blasenentzündungen. Wenn man merkt, oh je, das geht schon wieder los, dann muss man nicht gleich mit dem Antibiotikum schießen, sondern dann kann man auch auf den Meerrettich zurückgreifen – Wenn man das so nicht zu sich nehmen möchte, eben dann die ausreichende Anzahl von Kapseln nehmen. Und in diesem modernen Medikament bekommt der Meerrettich mit seinen Senfölen auch Hilfe von einem Partner, der Kapuzinerkresse, die auch Senföle produziert und jetzt haben wir dann eine Kombination, die zusammen sehr schlagkräftig ist.“

Quelle:

http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/gesundheit/meerrettich-heilpflanze-gesundheit-100.html

Kommentar & Ergänzung:

Von der Meerrettichwurzel können antimikrobielle Wirkungen in den Atemwegen (Bronchitis) und in den Harnwegen (Blasenentzündung) erwartet werden. Die Tagesdosis beträgt 20 g frische Meerrettichwurzel gerieben und über den Tag verteilt in mehreren Portionen. Eine scharfe Sache, die nicht allen behagt, aber gemischt mit Quark, geraffelten Äpfeln, geraffelten Karotten oder ähnlichem geht das für viele Menschen schon. Das im Zitat erwähnte Präparat heisst Angocin und ermöglicht die Anwendung von antimikrobiellen Senfölen auch Personen, denen die direkte Meerretticheinnahme zu scharf ist. Eine Filmtablette enthält allerdings nur 80 mg Meerrettichwurzelpulver und 200 mg Kapuzinerkressenkrautpulver. Das ist nicht gerade viel und man muss daher eine stattliche Anzahl Tabletten einnehmen, um eine wirksame Dosis zu erreichen (3-5mal täglich je 4-5 Filmtabletten für Erwachsene). In der Schweiz ist Angocin nicht als Arzneimittel angemeldet, kann aber durch die Apotheke auf Kundenverlangen aus Deutschland bestellt werden. Ich selber würde im Bedarfsfall die frische Meerrettichwurzel vorziehen.

 

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Vaginalcreme mit Fenchel gegen Scheidentrockenheit

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Eine Vaginalcreme mit Fenchel reduzierte in einer Studie die Symptome postmenopausaler Scheidentrockenheit.

Während der Wechseljahre wird die Östrogenproduktion im weiblichen Organismus vermindert. Dabei kommt es bei beinahe 40 % der Frauen zu Symptomen wie Brennen, Jucken, Scheidentrockenheit und Dyspareunie (Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs). Der pH-Wert in der Vagina erhöht sich, was dazu führt, dass Krankheitserreger sich leichter ansiedeln und Entzündungen auslösen können. Sexuelle Aktivität kann dieser Entwicklung entgegen wirken, doch zahlreichen Frauen bleibt nur der Griff zu Cremes und Gleitmitteln.

Fenchelfrüchte aus Foeniculum vulgare werden sowohl in der traditionellen Medizin als auch in der modernen Phytotherapie eingesetzt. In einer Studie wurde untersucht, ob sich Scheidentrockenheit mit einer lokal anwendbaren Fenchelcreme lindern lässt.

Für die Studie wurde eine speziell hergestellte 5-prozentige Fenchelcreme an 30 postmenopausalen Frauen getestet. Die Probandinnen der Kontrollgruppe in dieser randomisierten Doppelblindstudie bekamen dagegen eine Placebo-Creme. Die Symptome Brennen, Jucken, Trockenheit, Färbung der Vagina und Dyspareunie wurden in ihrer Ausprägung vor Behandlungsbeginn sowie nach zwei, vier und acht Wochen erfasst.

Ein Abstrich diente der zytologischen Untersuchung und wurde beim Start und acht Wochen nach der Behandlung durchgeführt, ebenso wie eine Messung des pH-Wertes im Scheidenmilieu.

Im Vergleich zur Placebo-Creme führte die Fenchelcreme sowohl zu einer der Verbesserung zytologischen Parameter als auch zu einer signifikanten Verminderung der Symptome. Keine der 30 Frauen in der „Fenchelcreme-Gruppe“ litt nach der 8-wöchigen Behandlung unter Juckreiz oder Trockenheit, lediglich eine Probandin berichtete von leichtem Brennen und zwei von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Der pH-Wert, der vor der Behandlung bei allen Frauen über pH 5 lag, war am Schluss der Behandlungsphase bei allen Frauen in der Fenchelcremegruppe tiefer als pH 5.

In der Kontrollgruppe dagegen erfuhren die Studienteilnehmerinnen nur eine leichte Besserung mancher Symptome, der pH-Wert und die zytologischen Werte veränderten sich im Vergleich zu den Ausgangswerten nur geringfügig.

In keiner der beiden Gruppen zeigten sich unerwünschte Nebenwirkungen durch die Anwendung der Cremes.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/fenchelcreme-gegen-scheidentrockenheit.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26617271

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist eine Überraschung, weil Fenchel in der Phytotherapie bisher hauptsächlich zur Linderung von Verdauungsstörungen und als schleimlösendes Mittel bei Husten eingesetzt wird. Im Zusammenhang mit Scheidentrockenheit taucht Fenchel bisher nicht auf. Allerdings zeigen Inhaltsstoffe des Fenchels im Labor östrogene Eigenschaften und das dürfte auch der Hintergrund dieser Studie sein.

Die untersuchte Fenchelcreme ist bisher nicht im Handel erhältlich und leider ist aus dem Abstract nicht ersichtlich, welche Art von Fenchelzubereitung genau verwendet wurde. Eigentlich müsste Fenchelöl in einer Basiscreme passen, da die östrogenen Inhaltsstoffe Bestandteil dieses ätherischen Öls sind. Zu klären wäre dann allerdings die adäquate Konzentration. Bis auf der Basis dieser Studie ein Präparat mit belegter Wirksamkeit und geprüfter Verträglichkeit vorliegt, dürfte es also noch einige Forschungsanstrengungen brauchen.

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Alternative Krebstherapie mit Amygdalin (bittere Aprikosenkerne / „Vitamin B17“): unwirksam und toxisch

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Bittere Aprikosenkerne enthalten einen verhältnismässig hohen Anteil an Amygdalin. Das cyanogene Glycosid Amygdalin spaltet während der Verdauung hochgiftige Blausäure ab.

Bittere Aprikosenkerne werden insbesondere zur alternativen Krebsbehandlung angepriesen, wobei dieser Einsatz in keiner Weise wissenschaftlich belegt ist und Amygdalin für die Krebstherapie als toxische Substanz ohne Effekte einzustufen ist.

Vom europäischen EFSA, vom deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM und von Tox Info Suisse wurden schon mehrere Warnhinweise veröffentlicht.

Nach Angaben von Tox Info Suisse wird Verbrauchern dringend empfohlen, wenn überhaupt maximal ein bis zwei bittere Aprikosenkerne täglich zu essen oder besser ganz darauf zu verzichten.

Produkte mit Amygdalin oder seinen Abkömmlingen (Mandelonitril oder Amygdalonitril, Laetrile) haben in der Schweiz keine Zulassung und werden als bedenklich eingestuft. Dennoch werden sie seit einiger Zeit wieder verstärkt als alternatives Heilmittel für die Krebstherapie und zur Tumorprophylaxe beworben und eingesetzt – auch unter der irreführenden Bezeichnung „Vitamin B17“.

Literatur:

– EFSA: Aprikosenkerne bergen Risiko einer Cyanidvergiftung, 27.04.2016

– Tox Info Suisse: Gefahr durch bittere Aprikosenkerne: die Menge macht‘s, 12.02.2015

– BfArM Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ausgabe 3 – September 2014

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5098&NMID=5144&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Dass Krebskranke nach alternativen Behandlungsmethoden suchen ist gut nachvollziehbar. Dass sie dabei anfällig sind für Täuschungen, zeigt sich allerdings nur allzu oft. Das Internet überquellt von unseriösen Angeboten zur Krebsheilung, von denen jede garantierten Erfolg verspricht. Skepsis ist angebracht. Wenn die Versprechungen nur zu einem allerkleinsten Teil wahr wären, hätten wir keine Probleme mehr mit Krebserkrankungen.

Bittere Aprikosenkerne sind seit Jahren ein Renner in der alternativen Krebsheilerszene, obwohl es keinerlei fundierte Hinweise auf eine Wirksamkeit gibt. Man kann nur immer wieder dazu auffordern, nicht alles zu glauben, sondern Behauptungen kritisch zu prüfen – Fact checking heisst das ja neuerdings….

Rolf Thesen schreibt in der Pharmazeutischen Zeitung:

„Nach derzeitigem Kenntnisstand fehlen klinische Belege für die Wirksamkeit von Amygdalin in der Krebstherapie. Angebliche positive Belege von In-vitro-Zellexperimenten oder Tiermodellen sind für einen Wirksamkeitsnachweis nicht ausreichend, ebensowenig wie eine Vielzahl von Berichten über Einzelfälle und Fallserien mit angeblichen therapeutischen Erfolgen. Nur kontrollierte klinische Studien könnten diesen Nachweis erbringen. Die fehlen aber. Zudem gibt es eine Vielzahl von Berichten über erfolglose Behandlungen mit Amygdalin. Auch der häufig beworbene Nutzen von Amygdalin zur Krebsprophylaxe, etwa durch das Kauen von Aprikosenkernen, konnte nicht belegt werden.“

(http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=54542)

Eine gute Übersicht zum Stand des Wissens bietet ein Text im „Bulletin zur Arzneimittelsicherheit“ des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM):

http://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Bulletin/2014/3-2014.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Siehe auch:

Krebsmittel Amygdalin / „Vitamin B17″ – oft propagiert, aber unwirksam

Unsinnige Krebstherapie mit bitteren Aprikosenkernen

 

Zitat des Tages von Eckart von Hirschhausen

Eckart von Hirschhausen zur Frage: Sind Wunderheiler Scharlatane?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Coffein und Thein – unterschiedlich oder dasselbe?

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Letzte Woche wurde ich an einem Seminar wieder einmal gefragt, was der Unterschied sei zwischen dem Thein im Schwarztee & Grüntee, und dem Coffein im Kaffee.

Coffein und Thein sind nur zwei verschiedene Bezeichnungen für die gleiche Substanz. Heute spricht man meistens auch bei Grüntee und Schwarztee von Coffein.

Die Substanz Coffein verhält sich allerdings anders im Tee und im Kaffee.

Im Kaffee ist Coffein an einen Chlorogensäure-Kalium-Komplex gebunden, wird nach dem Kontakt mit der Magensäure unmittelbar freigesetzt und wirkt daher rasch.

Im Schwarztee und Grüntee hingegen ist das Coffein an Polyphenole gebunden und wird erst im Darm freigesetzt, wodurch die Wirkung später eintritt und länger anhält.

Lässt man Schwarztee oder Grüntee nur kurz ziehen – zum Beispiel 2 Minuten – lösen sich nur geringe Mengen an Polyphenolen. Damit bleibt mehr Coffein ungebunden und bewirkt den anregenden Effekt.

Lässt man Schwarztee oder Grüntee länger ziehen – etwa 10 Minuten – lösen sich mehr Polyphenole. Coffein wird dadurch stärker gebunden und die anregende Wirkung wird abgeschwächt. Der Tee wird dadurch geschmacklich bitterer und seine Wirksamkeit gegen Durchfall und äusserlich gegen Hautentzündungen steigt.

Beim Kaffee hängt der Coffeingehalt entscheidend von der Zubereitungsart ab.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Oeko-Test beurteilt Hustensäfte für Kinder

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Die Zeitschrift „Oeko-Test“ hat Hustensäfte für Kinder beurteilt. Dabei kamen auch Heilpflanzen-Präparate zu guten Bewertungen.

Bei den Schleimlösern (Expektorantien) schnitten unter den Thymian-Präparaten Aspecton Hustensaft und Abtei Bronchial Sirup mit „gut“ ab. Thymiverlan, Tussamag zuckerfrei und Bronchicum Elixier (Thymian/ Primel) bekamen wegen des Alkoholgehalts nur ein „ausreichend“. Mit „mangelhaft“ wurde Eucabal Hustensaft (Thymian / Spitzwegerich) bewertet.

Überzeugt haben auch die Efeu-Säfte Prospan, Hedelix, Bronchostad und Sinuc , sowie die ätherischen Öle in Gelomyrtol forte und Soledum Kapseln.

Untersucht wurden auch Hustenstiller (Antitussiva). Ein „sehr gut“ vergaben die Experten für Schoenenberger Heilpflanzensaft Spitzwegerich Bio.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/oeko-test-punkte-abzug-fuer-alkohol-und-konservierungsmittel-in-hustensaeften-kinder/?tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=1&cHash=f01ad2b9823c1f5225db568a9a9775cb

 

Kommentar & Ergänzung:

Punktabzug gab es für Alkoholgehalt und für den Zusatz von Konservierungsmitteln wie Propylparaben und Benzoesäure. Den beiden Konservierungsstoffe Propylparaben und Benzoesäure  werden schädliche Wirkungen zugeschrieben: Paraben soll hormonell wirksam und reproduktionstoxisch sein, Benzoesäure könne im Extremfall Gehirnschäden bewirken.

Nicht ersichtlich wird aus dem Bericht, wie die Wirksamkeit der Präparate beurteilt wurde.

Festzuhalten ist noch, dass die Beurteilung dieser Heilpflanzen-Präparate nicht auf andere Produkte mit den selben Bestandteilen übertragen werden kann. Thymian-Präparate zum Beispiel gibt es eine ganze Reihe und sie sich nur sehr eingeschränkt vergleichbar.

Die Präparate sind nur zum Teil in der Schweiz im Handel, zum Beispiel Prospan (Efeuextrakt) und Gelomyrtol (Gemisch aus ätherischen Ölen, vor allem Eukalyptusöl).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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