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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Aromatherapie: Ätherische Öle gegen Einsamkeit und Langeweile?

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Beim Recherchieren bin ich gerade auf eine Aromatherapie-Internetseite gestossen, die eine ganze Reihe von fragwürdigen Empfehlungen enthält.

So werden zum Beispiel unter dem Titel „Einsamkeit und Langeweile“ passende ätherische Öle angepriesen:

Bergamotte, römische Kamille, Weihrauch, Rose, Muskatellersalbei, Palo Santo.

Das wirft eine ganze Reihe von grundsätzlichen Fragen auf. Deshalb kommentiere ich es hier:

 

1. Die Grundhaltung ist fragwürdig

Mir scheint es fundamental fragwürdig, für Einsamkeit und Langeweile ätherische Öle als Lösungsstrategie zu propagieren. Da wird das Heil bei persönlichen Herausforderungen in einem Mittel gesehen, das gekauft, von aussen zugeführt und konsumiert wird. Selbst wenn das funktionieren würde, wäre es fragwürdig.

Offenbar braucht es keine eigene Aktivität und Auseinandersetzung – beduften lassen genügt. Von der Haltung unterscheidet sich das nicht gross vom Einwerfen einer Tablette.

 

2. Die Wirksamkeit lässt sich im Einzelfall nicht überprüfen

Angenommen ich wende Muskatellersalbei an und die Einsamkeit bessert sich – was habe ich dann gelernt? Dass Muskatellersalbei gegen Einsamkeit hilft? Das ist keineswegs gewiss – die Einsamkeit könnte auch von selbst oder aus anderen Gründen verschwunden sein.

3. Quellenangaben und Begründungen fehlen

Fragwürdig ist auch, dass zu den aufgeführten ätherischen Ölen jede Erklärung und Begründung dazu fehlt, auf welcher Grundlage die Empfehlungen zustande kommen.

Bergamotte, Muskatellersalbei, Weihrauch, römische Kamille, Palo Santo, Rose – stehen ohne weitere Informationen auf der Liste.

Wie soll ich mir ein Urteil bilden dazu, ob die Angaben fundiert und glaubwürdig sind oder nicht? Das kann ich nur, wenn ich weiss, wie die Empfehlung zustande kommt.

Wer hat das empfohlen und aufgrund welcher Erfahrungen, Experimenten, Studien, Überlieferungen etc.

Solche Quellenangaben fehlen in der Aromatherapie-Literatur auch sonst an allen Ecken und Enden. So kann ich eine Empfehlung nur blind glauben oder blind ablehnen – und das halte ich für unwürdig.

4. Undifferenzierte Auszählungen sind nicht hilfreich

Eine rein quantitative, undifferenzierte Aufzählung – Bergamotte, Weihrauch, Muskatellersalbei, Palo Santo, römische Kamille, Rose – ist wenig hilfreich. Es müssten dazu qualitative Bewertungen mitgeliefert werden: Welches der aufgeführten ätherischen Öle ist in welcher Situation und in welcher Anwendungsform am wirksamsten? Und das auch noch möglichst mit Begründung.

5. Auf welche Art und Weise die Wirkung zustande kommen soll, ist vollkommen intransparent.

Nehmen wir einmal an, Weihrauch, Bergamotte, Muskatellersalbei, römische Kamille, Palo Santo und Rose hätten tatsächlich eine spezifische Wirkung bei Einsamkeit. Ich halte das für äusserst unwahrscheinlich, aber gehen wir einfach quasi „übungshalber“ davon aus, es sei so.

Dann wäre es wichtig zu wissen, wie genau die Beeinflussung der Psyche stattfindet, weil damit in ein psychodynamisches Kräftefeld eingegriffen wird, was auch negative Konsequenzen haben könnte.

Wird nur das Gefühl der Einsamkeit eliminiert, aber die Situation sonst ändert sich nicht? Das wäre fragwürdig, reine Symptombekämpfung und nicht weit entfernt vom Einsatz eines Tranquilizers. Mit psychischer Abhängigkeit müsste gerechnet werden.

Oder greifen römische Kamille, Bergamotte, Weihrauch, Muskatellersalbei, Rose und Palo Santo ursächlich ein zur Überwindung von Einsamkeit. Schwer vorstellbar, schliesslich gibt es ganz unterschiedliche Ursachen für Einsamkeit. Ist jemand einsam aus Schüchternheit und traut sich infolgedessen nicht, auf andere Menschen zuzugehen? Oder verhält sich jemand so unmöglich, dass niemand mit ihm zu tun haben will, und wird dadurch einsam? Oder ist jemand zwar von vielen Menschen umgeben, hat aber zu niemandem wirklich Kontakt und fühlt sich deshalb allein in der Masse?

Wo setzen da Muskatellersalbei, Bergamotte, Weihrauch, römische Kamille, Palo Santo und Rose genau an? Und könnte dieses Eingreifen nicht unerwünschte Nebenwirkungen haben?

Ähnliche Fragen wären zu stellen bezüglich der versprochenen Wirkungen dieser ätherischen Öle gegen Langeweile.

 

Auf der gleichen Website werden in diesem Aromatherapie-Portal zudem ätherische Öle propagiert bei Ärger, Angst, mangelndem Vertrauen, Depressionen, Müdigkeit, Erschöpfung, Burn-out, Trauer, Reizbarkeit, Unsicherheit, Panik und Panikattacken, Stress, Gedächtnisschwäche, Konzentrationsmangel, sowie für Frieden und Glück.

Selber schuld, wer noch irgendwelche Probleme hat….

 

Als Fazit kann ich nur feststellen: Hier wird leere Luft verkauft.

Damit will ich aber nicht bestreiten, dass ätherische Öle therapeutische Wirkungen haben können. Es gibt sinnvolle Anwendungsbereiche für ätherische Öle, doch sind diese begrenzt und sollten auch so beschrieben werden.

Aber dieses Allumfassend-heilende, das für jede Befindlichkeitsstörung eine Lösung vorgaukelt, ist zutiefst fragwürdig. Fragwürdig daran ist also vor allem die zugrunde liegende Haltung – und weniger das Produkt.

Konsumentinnen und Konsumenten möchte ich ans Herz legen, solche Empfehlungen und Versprechungen nicht einfach zu schlucken, sondern genau und kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Den Link zu diesem Aromatherapie-Internetportal habe ich im Übrigen absichtlich weggelassen, weil ich für solchen Schrott nicht auch noch Werbung machen will. Sie finden ähnliche Empfehlungen in grosser Zahl im Internet und es geht mir mit diesem Kommentar auch mehr um Grundsätzliches als konkret um dieses Beispiel.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Weihrauch als Tee gegen Rheuma?

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Kürzlich wurde ich an einem Kurs gefragt, ob Weihrauch gegen Rheuma als Tee verwendet werden könne. Das geht nicht, aber Weihrauchharz lässt sich sehr unterschiedlich einsetzen. Daher hier ein Blick ins Weihrauch-Thema:

In der indischen Medizin (Ayurveda) wird Weihrauch als „Salai gugal“ seit langem bei vielen Beschwerden eingesetzt.

Die Phytotherapie-Forschung hat diese Tradition aufgenommen und im Labor und mit klinischen Studien überprüft.

Es gibt Studien mit positiven Ergebnissen bei Arthritis, Colitis ulcerosa, Asthma bronchiale, Morbus Crohn, Arthrose. Allerdings sind die Ergebnisse nicht eindeutig genug für eine abschliessende Beurteilung.

Am besten abgesichert ist offenbar, dass Weihrauchkapseln Bewegungseinschränkungen bei altersbedingter Abnützung (Arthrose) der Kniegelenke lindern können. Der Effekt ist nicht besonders groß, jedoch merkbar und gut abgesichert.

Quelle: http://www.medizin-transparent.at/weihrauch-heilig-und-heilsam

Dieser Hinweis von „Medizin Transparent“ auf eine Wirksamkeit von Weihrauch bei Arthrose ist vor allem deshalb interessant, weil die Phytotherapie-Fachliteratur bisher Weihrauch eher im Bereich Arthritis ansiedelt.

Alle diese Studien haben Weihrauch peroral untersucht – also die Einnahme von Weihrauchpulver oder Weihrauchextrakt. Inzwischen gibt es auch Weihrauchsalbe und Weihrauchbäder, doch gibt es keine plausiblen Hinweise darauf, dass die Wirkstoffe durch die Haut aufgenommen werden.

Weihrauchharz ist aber selbstverständlich auch seit Urzeiten ein Räuchermittel.

Weihrauchharz (in Tränenform) kann pur gekaut werden bei Schleimhautentzündungen des Mundes (Quelle: Teedrogen und Phytopharmaka, Max Wichtl, 2009, Seite 472, anzuschauen im Buchshop).

Dann gibt es noch das ätherische Weihrauchöl. Seine Zusammensetzung unterscheidet sich sehr von derjenigen des Weihrauchharzes. So muss auch von einer unterschiedlichen Wirkung ausgegangen werden.

Über die Wirkung von ätherischem Weihrauchöl zirkulieren sehr unterschiedliche und vor allem sehr spekulative Angaben.

So zählt zum Beispiel Christian Wabner im „Lexikon der Aromatherapie“ folgende „Körperliche Indikationen“ auf:

„Akne, Asthma, Blutungen, (chronische) Bronchitis, chronischer Durchfall, Geschwüre, Gonorrhoe, Grippe, Harnblasenentzündung, reife, trockene oder faltige Haut, Hautpflege, Husten, Immunschwäche, Karbunkel, Katarrh, Kehlkopfentzündung, Krampfadergeschwür, Menstruationsschmerzen, Narben, Nasennebenhöhlenentzündung, Pickel, Rachenentzündung, Rheumatismus, Schnupfen, Schwangerschaftsstreifen (auch vorbeugend), Skrofulose, Spermatorrhoe, Verdauungsstörungen, Verletzungen, Weissfluss, Wunden, Zwischenblutungen.“

Das ist eine sehr weitläufige Aufzählung. Wie kommt sie zustande?

In der Einleitung schreibt Wabner, dass die Indikationen „der zum Teil jahrhundertealten Literatur entnommen und um eigene Erfahrungen ergänzt“ wurden.

Nun sind Tradition und jahrhundertelange Anwendung noch keine Garanten für Wirksamkeit. Tradition kann sich auch jahrhundertelang täuschen und die Medizingeschichte zeigt, dass Irrtümer sich sehr zäh über lange Zeit halten können.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Auch die eigene Erfahrung, auf die sich Wabner beruft, ist täuschungsanfällig.

Siehe:

Pflanzenheilkunde -Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

In der Einleitung schreibt Wabner, dass die aufgeführten Eigenschaften und Indikationen „allgemeine Hinweise“ darstellen und „keinesfalls als Rezepturvorschläge zu verstehen“ sind.

Gut, aber was nützen denn „allgemeine Hinweise“, die offenbar nicht als Empfehlung aufgefasst werden sollen? Was fängt der Leser oder die Leserin damit an, vor allem wenn Fachkenntnisse fehlen, die eine eigene Einschätzung möglich machen würden?

Und die Aufzählung steht unter dem Titel „Körperliche Indikationen“.

„Indikationen“ sind aber nicht einfach „allgemeine Hinweise“!

Wikipedia definiert „Indikationen“ so:

„Der medizinische Begriff Indikation (von lateinisch indicare „anzeigen“), Synonym: Heilanzeige, steht grundsätzlich dafür, welche medizinische Maßnahme bei einem bestimmten Krankheitsbild angebracht ist und zum Einsatz kommen soll: Bei Krankheitsbild „X“ ist das Heilverfahren „Y“ indiziert, also angebracht.“

Stutzig macht auch ein weiterer Hinweis in der Einleitung:

„Es ist zu beachten, dass eine Anzahl von Eigenschaften und Indikationen aus der Phytotherapie übernommen wurden, wo sie meist für die Anwendung der ganzen Pflanze geschrieben sind.“

Das ist ein sehr problematischer Fehler, der in Aromatherapie-Büchern nicht selten anzutreffen ist. Indikationen (Anwendungsbereiche) oder Wirkungen aus der Phytotherapie, die sich auf die ganze Pflanze zum Beispiel als Tee oder Extrakt beziehen, auf die Anwendung von ätherischen Ölen in der Aromatherapie zu übertragen, führt meistens zu irreführenden Angaben.

Die ganze Pflanze – zum Beispiel als Kräutertee oder Pflanzenextrakt verwendet, enthält in der Regel eine ganze Reihe von Wirkstoffen, die nicht flüchtig und daher im ätherischen Öl nicht vorhanden sind – zum Beispiel Gerbstoffe, Schleimstoffe, Glykoside.

Daher kann man die Wirkungen und Indikationen nicht gleichsetzen!

Bei der oben aufgeführten Indikationsliste für Weihrauch sind also offenbar Angaben aus Phytotherapie (die sich in der Regel auf Weihrauchharz beziehen) und Angaben für Weihrauchöl vermischt. Es ist unklar, auf welche Anwendungsform sich die Angaben beziehen, doch werden die meisten Leserinnen und Leser wohl davon ausgehen, dass es sich um Angaben für das ätherische Öl handelt. Denn schliesslich stehen sie ja im „Taschenlexikon der Aromatherapie“.

Dazu kommt noch:

Keiner der Anwendungsbereiche in der Indikationsliste für Weihrauch ist auch nur einigermassen glaubwürdig belegt.

Und viele der Angaben sind vollkommen fragwürdig – zum Beispiel die Indikation (Heilanzeige!) Gonorrhoe (Tripper) für Weihrauch.

Wie genau soll ich mir das vorstellen? Ätherisches Weihrauchöl einatmen oder einreiben? Weichrauchharz einnehmen? Räuchern? – Auf keinem dieser Wege ist eine Wirksamkeit von Weihrauchöl gegen Tripper auch nur ansatzweise plausibel.

Und dann ist Gonorrhoe eine ernste Erkrankung, die antibiotische Behandlung genötigt. Meiner Ansicht nach müsste das erwähnt werden.

Solche Fragen könnte man fast zu jeder Indikation auf der Liste stellen.

Die Liste ist besonders deshalb irritierend, weil das Buch einen wissenschaftlichen Anspruch erhebt und der Autor einen Professorentitel führt.

Daraus kann man lernen, dass ein Professorentitel noch keine Qualitätsgarantie ist.

Auf dem Cover des „Taschenlexikons der Aromatherapie“ wird Aromatherapie als eigenständiger „Bereich der Phytotherapie“ bezeichnet. Aber die Qualitätssicherungssysteme der Phytotherapie (z. B. Monografien von Kommission E und ESCOP) spielen in dem Buch keine Rolle. Fundierte Phytotherapie würde sich auf die Indikationen Arthritis, Colitis ulcerosa, Asthma bronchiale, Morbus Crohn und Arthrose beschränken – Bereiche, für die es zu mindestens Hinweise auf eine Wirksamkeit gibt – wenn Weihrauchharz eingenommen wird.

Aber die Liste der Indikationen im „Taschenlexikon der Aromatherapie“ kommt sehr viel eindrücklicher daher (Gonorrhoe! Krampfadergeschwür!…).

Es braucht sehr viel mehr kritische Auseinandersetzung mit solchen Aussagen (was ich hiermit versucht habe…).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Alternativmedizin bei Rheuma kommentiert

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Eine Pressemeldung zum 43. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) kommentiert die Möglichkeiten und Grenzen der Alternativmedizin bei Rheuma und kommt zum Schluss, die Wirksamkeit mehrerer komplementärer Methoden sei inzwischen wissenschaftlich belegt. Im Text wird jedoch für eine kritische Gewichtung plädiert, da es auch einige «schwarze Schafe» auf dem Markt gebe.

Eine Fastendauer von sieben bis zehn Tagen einmal pro Jahr unterstütze nachweislich die medikamentöse Therapie entzündlicher Prozesse, sagt Professor Dr. Andreas Michalsen. Er arbeitet als Chefarzt der Abteilung für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus in Berlin und wendet derzeit vor allem eine Fastentherapie bei rheumatoider Arthritis an.
Schmerzlindernd wirken gemäss Michalsen auch die Kneipp’sche Hydrotherapie sowie Stressreduktion, Entspannungsübungen und Achtsamkeitsübungen. Allein, dass Betroffene sich mit ihrem Körper beschäftigen, führe oft zu einem gesünderen Lebensstil, sagt der Internist.

Die Homöopathie bewertet Michalsen wegen mangelnder Evidenz eher zurückhaltend. Er hält dazu fest, dass im Einzelfall der Placebo-Effekt die Schmerzen lindern könne und dass zumindest Nebenwirkungen in der Regel nicht zu befürchten seien.

Kritisch sieht der Fachmann in dieser Hinsicht – bezüglich Nebenwirkungen – den Einsatz verschiedener asiatischer Kräuter. Auch sei die Qualität von Arzneipflanzen aus Asien nicht immer gesichert.

Pflanzliche Mittel wie Ingwer, Grüner Tee, Granatapfel, Walnüssen oder Leinsamen zeigen laut Michalsen in Grundlagenstudien zwar entzündungshemmende Effekte. Er kommt aber zum Schluss, dass die Wirksamkeit dieser Mittel bei rheumatoider Arthritis bisher jedoch nicht belegt werden konnte.

Milde Effekte hätten sich gezeigt bei Borretschöl, Nachtkerzenöl und Katzenkralle. Die Nebenwirkungen dieser Mittel im Langzeitgebrauch seien aber noch nicht geprüft.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59151

Kommentar & Ergänzung:

Dass Fasten temporär Entzündungsprozesse abschwächen kann, scheint mir gut belegt.

Und auch mit Hydrotherapie lassen sich manchmal Schmerzen und Entzündungen lindern, wobei die Massnahmen individuell und stadiengerecht angepasst sein müssen.

Stressreduktion, Entspannungsübungen und Achtsamkeitsübungen wirken zwar nicht direkt gegen die rheumatoide Arthritis, helfen den Patientinnen und Patienten aber oft in anspruchsvollen Umgang mit ihrer chronischen Erkrankung. Und das ist nicht wenig.

Asiatische Kräuter sind tatsächlich oft nur ungenügend auf mögliche Nebenwirkungen untersucht. Das fällt bei Thema Rheuma speziell ins Gewicht, weil in der Regel Langzeitanwendungen nötig sind. Und vor allem bei asiatischen Pflanzenpräparaten, die über das Internet bezogen werden. wurden bei Stichproben immer wieder nichtdeklarierte „chemische“ Arzneistoffe entdeckt (z. B. NSAR), die risikobehaftet sind.

Bei Ingwer, Grünem Tee, Granatapfel, Walnüssen und Leinsamen gibt es Hinweise auf günstige Wirkungen bei rheumatoider Arthritis, aber keine Gewissheit. Es fehlen grosse, einwandfreie Studien mit Patienten, die eine Wirksamkeit belegen könnten.

Bei Borretschsamenöl und Nachtkerzenöl bin ich eher skeptisch, ob das Anwendungsgebiet „rheumatoide Arthritis“ sinnvoll ist. Die Phytotherapie-Fachliteratur erwähnt bei Nachtkerzenöl und Borretschsamenöl als Anwendungsbereich Neurodermitis (Atopische Dermatitis), insbesondere zur Juckreizlinderung. Zu dieser Indikation gibt es einige Studien mit positiven Ergebnissen, deren Aussagekraft allerdings auch kritisiert wird und die überwiegend sehr Hersteller-abhängig sind. gäbe es belastbare Daten aus klinischen Studien für den Anwendungsbereich rheumatoide Arthritis, würde die relevante Phytotherapie-Fachliteratur diesen Anwendungsbereich aufführen. Nachtkerzenöl und Borretschsamenöl sind zudem nicht gerade billig und müssten sehr langfristig eingenommen werden. Eine allfällige Wirkung tritt erst nach 4 – 12 Wochen ein und ist schwierig zu beurteilen, da in der Regel die Gabe von Borretschsamenöl oder Nachtkerzenöl nicht die einzige therapeutische Massnahme ist.

Katzenkralle

Bei der Katzenkralle (Uncaria tomentosa) ist die Lage komplex. Inhaltsstoffe der Katzenkrallenwurzel zeigen im Experiment Wirkungen auf das Immunsystem. Sie nehmen direkt auf die T-Lymphozyten Einfluss, die bei rheumatoider Arthritis die Knorpelzellen in den Gelenken angreifen. Diese überaktiven Abwehrzellen werden beruhigt, während gleichzeitig die Bildung von harmlosen Abwehrzellen angeregt wird.
Verantwortlich für diese Effekte sind pentazyklische Oxindolalkaloide. Diese Wirkungen werden dosisabhängig durch tetrazyklische Oxindolalkaloide abgeschwächt.
Darum müssen Präparate aus Katzenkralle einen standardisierten Gehalt an pentazyklischen Oxindolalkaloiden aufweisen und frei sein von tetrazyklischen Oxindolalkaloiden. Das ist bei vielen Nahrungsergänzungsmitteln aus Katzenkralle, die im Handel sind und vor allem über das Internet vermarktet werden, keineswegs garantiert. Als Arzneimittel zugelassen ist ein standardisiertes Katzenkrallen-Präparat gegenwärtig aber nur in Österreich und untersteht dort der Rezeptpflicht.
Von Teezubereitungen aus Katzenkralle ist aufgrund des aus genetischen Gründen schwankenden Alkaloidgehalts dringend abzuraten.

Genetisch bedingt bilden nämlich nicht alle Pflanzen der Art Uncaria tomentosa die für die Wirksamkeit relevanten pentazyklischen Oxindolalkaloide. Es existieren Chemotypen die andere Inhaltsstoffe, überwiegend tetrazyklische Oxindolalkaloide, bilden.

Das in Österreich als Arzneimittel zugelassene Katzenkrallen-Präparat ist offenbar an der Uniklinik Innsbruck in einer kleinen Studie an Patienten untersucht worden, die darüber hinaus mit einer antirheumatischen Basistherapie behandelt wurden:

„Die Studie wurde drei Jahre lang an 40 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren durchgeführt. Die Personen hatten bereits etwa sieben Jahre an der »aktiven chronischen Polyarthritis« gelitten. Durch diese Erkrankung kommt es zu einer schmerzhaften Schwellung mehrerer Gelenke. 20 Patienten wurden im Zuge der klinischen Untersuchung 24 Wochen lang mit Placebos behandelt, die andere Hälfte mit dem Verum. Während sich bei diesen bereits eine Besserung der Beschwerden einstellte, verspürte die erste Gruppe keine positiven Effekte, wie Muhr erläuterte. Anschließend erhielten alle Patienten für die Dauer von sieben Monaten die südamerikanische Heilpflanze Krallendorn – Uncaria tomentosa. Die Zahl der geschwollenen Gelenke sowie die Morgensteifigkeit habe dadurch bei allen Betroffenen nachweislich abgenommen.
Im Gegensatz zu den verbreiteten Rheumatherapien gibt es bei der Einnahme von Krallendorn kaum Nebenwirkungen. Der Wirkstoff nimmt direkt auf die T-Lymphozyten Einfluss, die bei Rheumatismus die Knorpelzellen in den Gelenken angreifen. Diese überaktiven Abwehrzellen werden beruhigt, gleichzeitig wird die Bildung von harmlosen Abwehrzellen angeregt.“
Quelle:

http://web.archive.org/web/20070928015611/http://www.oeaz.at/zeitung/3aktuell/2003/01/info/info01_2003tiro.html

Diese placebokontrolliert geführte Studie wurde Original publiziert im Journal of Rheumatology (2002;29:678 – 681). Ihre Aussagekraft ist sehr eingeschränkt durch die kleine Probandenzahl. Darüber hinaus gibt es eine Anwendungsbeobachtung mit 112 Patienten, der aber die Placebokontrolle fehlt. Ein klinischer Wirkungseintritt bei der rheumatoiden Arthritis kann erst nach 3-4 Monaten erwartet werden. Eine kürzere Einnahmedauer von Krallendorn ist daher nicht sinnvoll.
Zentrale Werke der Phytotherapie-Fachliteratur zeigen sich von diesen klinischen Studien allerdings nicht sehr überzeugt und bewerten ihre Aussagekraft kritisch (z. B. Schilcher, Leitfaden Phytotherapie; Wyk / Wink / Wink, Handbuch der Arzneipflanzen).

Damit dürfte deutlich geworden sein, wie komplex die Geschichte mit der Katzenkralle ist.

Mir fehlt in der Pressemeldung ein Kommentar zum Thema „Weihrauch bei rheumatoider Arthritis“. Da gibt es ebenfalls einige Patientenstudien, die auf eine Wirksamkeit hinweisen, aber auch keine Gewissheit verschaffen.

Begriff klären: Alternativmedizin, Komplementärmedizin, Naturheilkunde

Darüber hinaus bietet die Pressemeldung eine Illustration dafür, wie vage und unklar Begriffe wie Alternativmedizin, Komplementärmedizin und Naturheilkunde oft verwendet werden.
Prof. Andreas Michalsen ist Chefarzt einer Abteilung für Naturheilkunde.
Klassische Naturheilkunde lässt sich etwa umreissen mit den 5 Säulen nach Kneipp:

Ernährung
Heilpflanzen-Anwendungen
Hydrotherapie
Bewegung, Luft, Licht
Lebensordnung

Das von Michalsen erwähnte Fasten gehört zweifellos zur Naturheilkunde.
Ebenso Achtsamkeitsübungen, Entspannungsübungen und Stressreduktion, die samt und sonders zur Lebensordnung gezählt werden können. Und dass die aufgeführten pflanzlichen Präparate zur Naturheilkunde gehören, steht ausser Frage.
Aufgeführt werden die erwähnten Verfahren aber unter den Begriffen Alternativmedizin und Komplementärmedizin, die ihrerseits auch nicht differenziert werden.

Meiner Ansicht nach gibt es aber keine plausiblen Argumente, um Verfahren der Naturheilkunde zu den Bereichen Alternativmedizin oder Komplementärmedizin zu zählen. Naturheilkunde ist meines Erachtens klar ein (randständiger) Bereich der Medizin. Alle „Säulen“ der Naturheilkunde sind grundsätzlich kompatibel mit wissenschaftlich-medizinischem Denken.

Siehe auch:
Naturheilkunde – was ist das?
Demgegenüber gehört Homöopathie nicht zur Naturheilkunde. Sie setzt keine „Wirkfaktoren“ aus der Natur ein, sondern – glaubt man Hahnemann – eine „geistartige Kraft“, die nicht in der Natur vorkommt und durch ein spezielles Ritual – schrittweise Verdünnung, Verschüttelung – ausgelöst wird. Und da Homöopathie den Grundlagen von Physik, Chemie und Biologie widerspricht und daher mit wissenschaftlich-medizinischem Denken nicht kompatibel ist, gehört sie in die Bereiche Komplementärmedizin oder Alternativmedizin – je nach dem, wie Alternativmedizin und Komplementärmedizin definiert werden und welche Vorstellungen von Homöopathie man vertritt.

Wenn Begriffe wie Naturheilkunde, Komplementärmedizin und Alternativmedizin ungeklärt und ohne klare Definition wild durcheinander gemixt verwendet werden, dann redet man aneinander vorbei, weil jede und jeder sich etwas anderes darunter vorstellt.

Darum bin ich immer vorsichtiger geworden mit ihrer Verwendung.
Das gibt auch für den unsäglichen Begriff „Schulmedizin“.

Siehe dazu:
Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Studie zu Weihrauch bei Multipler Sklerose (MS)

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Auf einem Kongress von europäischen und amerikamischen MS-Gesellschaften in Boston stellte die deutsche Neurologin Dr. Klarissa Hanja Stürner die Resultate ihrer Forschungsgruppe am Institut für Neuroimmunologie und Klinische Multiple-Sklerose-Forschung in Hamburg vor. Dort erhielten 37 Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose acht Monate lang kein Kortison oder Interferon, sondern Kapseln mit Weihrauch verabreicht.

Die im Weihrauch-Extrakt enthaltenen Boswelliasäuren wirken entzündungshemmend und haben im Vergleich zu synthetischen Medikamenten weit weniger Nebenwirkungen. Deshalb ist die Forschung schon seit längerem damit befasst, die Wirksamkeit zu klären, zum Beispiel bei Polyarthritis, Asthma und Colitis ulcerosa.

Bei Multipler Sklerose zeigte die Studie aus Hamburg folgende Ergebnisse:

Die Zahl der Nervenschäden bei den bisher ausgewerteten 25 Patienten verminderte sich um knapp 60 Prozent, die jährliche Rate von neuen Schüben ging von 0,94 auf 0,32 zurück. Weihrauch sei gut verträglich und die Ergebnisse lieferten gute Gründe für weitere Studien, erklärte Dr. Stürner auf dem Kongress in Boston.

Finanziert wurde die Forschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article135378026/Gegen-welche-Krankheiten-Weihrauch-hilft.html

Kommentar & Ergänzung:

Hauptanwendungsgebiete von Weihrauchextrakt in der Phytotherapie sind bisher rheumatische Entzündungen (vor allem Polyarthritis) und chronische Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa.

Wichtiger Nachsatz: Es geht dabei um die Einnahme von Weihrauchextrakt, nicht um Räucherungen.

Dass eine Gruppe von Forscherinnen und Forschern dem Thema Weihrauch und Multiple Sklerose nachgeht, ist sehr interessant.

Allerdings ist diese Studie von der Patientenzahl her sehr klein und es fehlt eine Placebogruppe zur Kontrolle. Offenbar wurden die Resultate auch noch nicht von einer Fachzeitschrift publiziert, denn es fehlen dazu Quellenangaben – auch in der „Ärztezeitung“, die ebenfalls vom Kongress in Boston berichtete. Eine Publikation in einer guten Fachzeitschrift wäre jedenfalls als Qualitätszeichen höher zu bewerten als eine Präsentation auf einem Kongress.

Die Studie gibt offenbar positive Hinweise auf eine Wirksamkeit, belegt aber noch nichts.

Die „Welt“ stellt die Resultate etwas allzu fraglos dar.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Greenpeace: TCM-Kräuter stark mit Pestiziden belastet

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Kräuter der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seien stark mit Rückständen von Pestiziden belastet. Das schreibt Greenpeace in einer Mitteilung.

Die Umweltorganisation erklärt, dass die gesetzlichen Höchstmengen in hohem Maß überschritten werden.

Regelrechte Pestizidcocktails seien in 32 von 36 Proben gefunden worden – mit mehr als drei Wirkstoffen pro Probe.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufe einige der Pestizidwirkstoffe als höchst gefährlich ein, denen Verbraucher der TCM in Deutschland ausgesetzt seien. Das ist das Resultat einer Untersuchung, die Greenpeace in Auftrag gegeben hat. Die Proben dafür stammten aus Deutschland, Großbritannien, Kanada, Frankreich, USA, Italien und den Niederlanden.

Bereits das zweite Mal bekommen die TCM von Greenpeace derart schlechte Noten. In China, dem Ursprungsland der Produkte, hatte Greenpeace vor kurzem ähnlich alarmierende Pestizidrückstände festgestelt. In Deutschland fand Greenpeace 38 unterschiedliche Pestizide in gerade mal fünf Proben. In 23 Fällen überstiegen die gefundenen Rückstände die gesetzliche Höchstmenge. Drei der untersuchten TCM- Produkte hätten gar nicht verkauft werden dürfen.

Bei Menschen, die über einen längeren Zeitraum Pestizidrückstände mit der Nahrung einnehmen, können sich die toxischen Chemikalien im Organismus ansammeln. Das kann zu chronischen Vergiftungen führen, die unter anderem Lernschwierigkeiten, Hormonstörungen oder Fortpflanzungsanomalien zur Folge haben können.

Die aktuellen Pestizidfunde zeigen nach Ansicht von Greenpeace, dass in der Landwirtschaft zu viele giftige Chemikalien zum Einsatz kommen. Das treffe den Menschen, belaste aber auch wichtige Nutztiere wie zum Beispiel Bienen, die bei der Bestäubung von Pflanzen unersetzlich sind.

Während importierte Spezialprodukte wie chinesische Heilkräuter noch stark mit Pestiziden belastet sind, ist Obst und Gemüse laut Greenpeace inzwischen ziemlich sauber: In Deutschland werde bei weniger als fünf Prozent die gesetzliche Höchstmenge überschritten.

Quelle:

http://www.greenpeace.de/themen/chemie/nachrichten/artikel/chinesische_heilkraeuter_in_deutschland_mit_pestiziden_belastet/

Kommentar & Ergänzung:

Pestizidrückstände in TCM-Kräutern sind schon seit Jahren ein Thema und es ist davon auszugehen, dass die Situation in der Schweiz nicht besser ist als in Deutschland.

Ein ähnliches Problem gibt es mit Ayurveda-Heilmitteln bezüglich übermässiger Belastung mit Schwermetallen:

„Schwermetalle, besonders Blei, verunreinigen nicht selten Medikamente traditioneller indischer Medizinrichtungen; über Vergiftungen durch ayurvedische Medikamente gibt es medizinische Berichte. Offenbar kontrollieren einige Hersteller in Indien die unter Verwendung von Pflanzenaschen gewonnenen Präparate nicht ausreichend auf Schwermetallbelastungen. In einem dargestellten Fall wurden sieben Monate lang Weihrauchpillen aus Indien gegen chronische Polyarthritis eingenommen und führten zum Bild einer schweren Blei-Intoxikation mit Verdauungsstörungen, hämolytischer Anämie und Lähmungen bei einem Bleigehalt des Blutes von 852 µg/l; der obere Grenzwert ist 100 µg/l.[6] Stichproben des ARD-Magazins Plusminus ergaben 2006 und 2007 mehrmals giftige Konzentrationen von Arsen und Quecksilber.“

(Quelle: Wikipedia)

Sicherer ist es jedenfalls, einheimische Kräuter aus kontrolliert-biologischem Anbau vorzuziehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Was ist Myrrhentinktur?

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Myrrhentinktur ist eine gelblichbraune klare Flüssigkeit, die zur Behandlung leichter Entzündungen der Mundschleimhaut und der Rachenschleimhaut eingesetzt wird.

Sie wird hergestellt aus Myrrhe, dem Harz des Baumes Commiphora myrrha (syn. Commiphora molmol, Balsambaumgewächse). Nach Verletzung der Zweige und Stämme des Myrrhenstrauchs tritt ein Gummiharz aus, das getrocknet wird (Myrrha).

Hergestellt wird die Myrrhentinktur aus 1 Teil Myrrhe und 5 Teilen 90 %igem Alkohol (Äthanol) durch Mazeration.

Historische Erwähnungen der Myrrhe als Heilmittel gehen bis in das 15. Jahrhundert zurück, wo sie in der Andechser Apothekenliste erwähnt wird.

Inhaltsstoffe

Myrrhentinktur enthält hauptsächlich Furanosesquiterpene wie Furanoeudesma-1,3-dien (Hauptbestandteil), Furanoeudesma-1,4-dien-6-on, Lindestren, Curzerenon, Furanodien, 2-Methoxyfuranodien und 4,5-Dihydrofuranodien-6-on, zusammen mit Sesquiterpenen wie alpha-Copaen, Elemen und Bourbonen. Furanoeudesma-1,3-dien zeigte analgetische Wirkungen, die durch Naloxon wieder aufgehoben werden konnten, was auf eine Bindung an Opioidrezeptoren hindeutet. Des Weiteren konnten wachstumshemmende Wirkungen bei verschiedenen Bakterien nachgewiesen werden.

Anwendungsbereiche

Myrrhentinktur wird hauptsächlich bei Entzündungen von Zahnfleisch und Mundschleimhaut (Gingivitiden, Stomatitiden) eingesetzt. Auch Prothesendruckstellen können mit Myrrhentinktur behandelt werden. Sie wird unverdünnt auf die entsprechenden Stellen aufgetupft oder mit Wasser verdünnt zum Spülen oder Gurgeln im Mund und Rachenbereich eingesetzt.

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Myrrhe wird schon sehr lange als Heilmittel genutzt:

„Im alten Ägypten nutzte man bereits vor 3000 Jahren Myrrhe zur Einbalsamierung. Das getrocknete, gelb-braune Harzgranulat wird seit Jahrtausenden vor allem in Jemen, Äthiopien, Sudan und Somalia verwendet. Im Judentum gehörten Myrrhe und Aloe zur ordnungsgemäßen Bestattung des Leichnams; sie waren aber auch Bestandteil von kultischen Salbungen (griechisch: „Χριστός“, latinisiert „Christus“ – hebräisch: „Messias“ bedeutet „der Gesalbte“). Vor Christus wurde Myrrhe unter anderem als Aphrodisiakum verwendet. Frauen und Männer trugen es als Parfum, Betten wurden vor dem Geschlechtsverkehr damit beträufelt.“

(Quelle: Wikipedia)

Zusammensetzung des Harzes:

2-10 % ätherisches Öl (zum grossen Teil Sesquiterpene)

Harz mit Phenolen, Triterpenen, Proteinen, Schleime.

Wasserlösliche Gummen zwischen 30 und 60 %.

Wirkung:

Adstringierend (= zusammenziehend) und desinfizierend..

In der Phytotherapie wird Myrrhentinktur bei Mundschleimhautentzündung, Rachenschleimhautentzündung und Aphthen eingesetzt, gerne auch 1:1 gemischt mit Tormentilltinktur (aus Potentilla erecta, Aufrechtes Fingerkraut, Blutwurz).

Myrrhe ist auch Bestandteil des altehrwürdigen Zeller Balsams, zusammen mit Weihrauch (Olibanum), Wermutkraut (Absinthii herba), Zimtrinde (Cinnamomi cortex), Guajakholz (Guaiaci lignum), Schafgarbenkraut (Millefolii herba), Klatschmohnblüten (Rhoeados flos), Blutwurz (Tormentillae rhizoma), Tolubalsam (Balsamum tolutanum), Benzoe (Benzoe tonkinensis).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hilft Weihrauch bei Clusterkopfschmerz?

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In einer sehr kleinen Studie konnte Häufigkeit und Intensität der Schmerzattacken bei Clusterkopfschmerz reduziert werden. Eine placebokontrollierte Studie ist in Planung.

Eine österreichische Wissenschaftlergruppe hat unter der Leitung von Christian Lampl zeigen können, dass die Behandlung mit Weihrauch (Boswellia serrata) eine Option für Menschen mit Clusterkopfschmerzen sein könnte. Hauptsächlich dann, wenn andere Standard-Prophylaktika erfolglos geblieben sind. Sowohl Häufigkeit als auch Intensität der Schmerzattacken konnte vermindert werden. Clusterkopfschmerzen gehören zu den schmerzhaftesten Erkrankungen überhaupt. Bei rund zehn Prozent der Betroffenen entwickelt sich eine chronische Verlaufsform.

Die Wissenschaftler verabreichten vier Patienten, die an chronischen Clusterkopfschmerzen litten, zusätzlich zur bestehenden Medikation dreimal täglich 350 Milligramm Weihrauch. Bei allen Patienten waren davor mindestens drei Standard-Prophylaktika erfolglos geblieben und die Hälfte der Schmerzanfälle trat während des Schlafes auf. In der Studie zeigte sich, dass die orale Gabe von Weihrauch sowohl die Häufigkeit, als auch die Intensität der Schmerzattacken langfristig reduzieren konnte.

Schon nach einer Woche zeigte sich eine deutliche Verbesserung.

Studienautorin Christine Schweiger vom Konventhospital Barmherzige Brüder in Linz erklärt, dass die rasche Verbesserung der Schmerzattacken während der Nacht jenen Daten ähnelt, die aus Studien an Krebspatienten bekannt seien, die mit Weihrauch behandelt wurden.

Auch die Schlafqualität der Patienten soll sich deutlich verbessert haben. Der Langzeiteffekt wurde durch Schilderungen der Patienten und durch Schlaf- und Schmerzprotokolle dokumentiert. Während der Therapiestudie erwies sich Weihrauch als gut verträglich mit nur wenigen Nebenwirkungen. Die Wissenschaftler planen für die Zukunft eine größere Studie, die auch placebokontrolliert sein soll.

Quelle:

http://derstandard.at/1350258699797/Weihrauch-hilft-bei-Clusterkopfschmerz

Kommentar & Ergänzung:

Es wäre ja sehr erwünscht, wenn mit dem Weihrauch ein zusätzliches Mittel zur Linderung des Clusterkopfschmerzes zur Verfügung stehen würde.

Und Weihrauch ist eine interessante Heilpflanze, die es Wert ist, intensiv erforscht zu werden.

Allerdings ist diese Studie sehr klein und weil eine Placebo-Kontrolle fehlt, auch nur beschränkt aussagekräftig.

Meldungen auf einer so schmalen Basis sind zwar durchaus interessant, doch wecken sie manchmal auch verfrühte Hoffnungen, die dann mit den grösseren, placebo-kontrollierten Studien enttäuscht werden.

Zur Weihrauch als Heilpflanze siehe auch:

Weihrauch-Forschung: Boswelliasäuren hemmen Entzündungen

Weihrauch als Heilpflanze bei Rheuma und Darmentzündungen

Weihrauch-Forschung zu Polyarthritis, Osteoarthritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Asthma bronchiale

Weihrauch bei chronischen Darmerkrankungen

Weihrauch als Heilpflanze gegen Stress, Angst und Depressionen?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weihrauch-Forschung: Boswelliasäuren hemmen Entzündungen

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Weihrauch gehörte bereits zu den Geschenken der drei Weisen aus dem Morgenland: Neben Myrrhe und Gold brachten sie für das neugeborene Jesuskind auch Weihrauch mit. Seit der Antike zählt der aromatische Duft des verbrennenden Weihrauchharzes zu verschiedensten religiösen Zeremonien und ist bis in die Gegenwart in der Kirche Ausdruck besonderer Festlichkeit. Weihrauch kann aber noch mehr: „Das aus dem Stamm des Weihrauchbaumes gewonnene Harz enthält entzündungshemmende Substanzen“, erklärt Prof. Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Diese machen Weihrauch als Arzneimitten unter anderem für die Behandlung von Krankheiten wie Asthma, Rheumatoider Arthritis oder Neurodermitis hochinteressant.

Allerdings sucht man Arzneimittel mit Weihrauchwirkstoffen in deutschen Apotheken bislang vergebens. Denn die pharmakologischen Grundlagen der Wirkung des Weihrauchs sind erst wenig untersucht. „Auch wenn Weihrauchharz schon seit Jahrtausenden beispielsweise in der ayurvedischen Medizin genutzt wird, reichen die bisher durchgeführten klinischen Studien für eine Zulassung in Deutschland und Europa nicht aus“, sagt Prof. Werz.
Das könnte sich nun aber ändern. Im Rahmen eines Verbundprojekts mit Partnern der Uni Saarbrücken und einem Startup-Unternehmen sind Prof. Werz und sein Team dem Wirkmechanismus des Weihrauchs auf der Spur. Dabei konnten die Wissenschaftler zeigen, an welcher Stelle die für die Wirkung des Weihrauchharzes verantwortlichen Inhaltsstoffe, die Boswelliasäuren, in den Entzündungsvorgang eingreifen.

„Boswelliasäuren interagieren mit verschiedenen Eiweißen, die an entzündlichen Reaktionen beteiligt sind. Insbesondere jedoch mit einem Enzym, das für die Synthese von Prostaglandin E2 verantwortlich ist“, erklärt Oliver Werz. Prostaglandin E2 zählt zu den Vermittlern der Immunantwort und spielt unter anderem im Entzündungsvorgang sowie bei der Entstehung von Fieber und Schmerzen eine entscheidende Rolle. „Boswelliasäuren hemmen dieses Enzym sehr potent und verringern so die Entzündungsreaktion“, sagt der Jenaer Pharmazeut. Damit sei nicht nur ein gezielter Einsatz in der Behandlung von Entzündungserkrankungen vorstellbar. Boswelliasäuren ließen auch weniger Nebenwirkungen erwarten, als gegenwärtig verwendete  Entzündungshemmer wie Diclofenac oder Indometacin. Diese wirken weniger spezifisch und können bei längerer Anwendung das Risiko für Magengeschwüre steigen und die Nierenfunktion stören.

In ihrer aktuellen Studie haben die Wissenschaftler um Prof. Werz zudem das Harz verschiedener Weihraucharten verglichen und in seiner entzündungshemmenden Wirkung untersucht. Weltweit kommen mehr als zehn verschiedene Arten von Weihrauch vor. Am bekanntesten und verbreitetsten sei der in Nordindien und Zentralindien beheimatete Weihrauch Boswellia serrata. „Wie wir jetzt gesehen haben, ist jedoch das Harz von Boswellia papyrifera um den Faktor zehn wirksamer“, nennt Prof. Werz ein weiteres Resultat der Untersuchung. Diese Weihrauchart kommt hauptsächlich im Nordosten Afrikas (Äthiopien, Somalia) und auf der arabischen Halbinsel (Jemen, Oman) vor.

Ob sich Weihrauch als Medikament in Zukunft tatsächlich durchsetzen kann, hängt allerdings nicht nur vom Ausgang der noch ausstehenden klinischen Überprüfung ab. „Boswelliasäuren kommen ausschließlich im Harz des Weihrauchbaumes vor und lassen sich nur schwer synthetisch herstellen“, betont Werz. Damit sind diese Bäume die einzige Quelle für den aussichtsreichen Wirkstoff. Weihrauchbäume sind in ihrem Bestand aber stark bedroht. Vielerorts werden sie einfach als Brennmaterial genutzt. Prof. Werz warnt deshalb: „Ohne nachhaltigen Schutz sind damit nicht nur Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, sondern es gehen der Medizin auch vielversprechende Wirkstoffe verloren.“

Quelle:

Friedrich-Schiller-Universität Jena

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=38018

Kommentar & Ergänzung:

Interessant scheint mir vor allem die Aussage, dass Boswellia papyrifera 10mal wirksamer sein soll als der Indische Weihrauch. Das bekannteste Weihrauchpräparat, Gufic H15, besteht nämlich aus Indischem Weihrauch.

Bezüglich dem Wirkungsmechanismus des Weihrauchharzes  gibt es in den Forschungsergebnissen und in der Phytotherapie-Fachliteratur unterschiedliche Erklärungsansätze. Boswelliasäuren galten vor allem auch als Leukotrien-Hemmer.

Eine Zusammenfassung der Diskussion gibt es im Pharmawiki:

„Lange Zeit war die 5-Lipoxygenase, das Schlüsselenzym der Leukotrienbiosynthese, als selektiver Angriffspunkt der Boswelliasäuren identifiziert worden. Allerdings wurde in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Hemmung der 5-Lipoxygenase nicht das zugrunde liegende Wirkprinzip des Weihrauchs ist. Zwar hemmen die Boswelliasäuren die Leukotrienbildung in vitro, aber die dazu notwendigen Konzentrationen sind sehr hoch und in vivo kaum erreichbar, insbesondere wegen der starken Bindung an Plasmaproteine. Die folgenden Angriffspunkte werden für die entzündungshemmenden Eigenschaften der Boswelliasäuren verantwortlich gemacht:

Hemmung der 12-Lipoxygenase

Hemmung der Leukozytenelastase

Hemmung des NFκB-Signalwegs

Hemmung des Cathepsin G

Die antientzündliche Wirkung kann also über ein weites Spektrum an entzündungshemmenden Einflüssen erklärt werden. Ein Angriff an direkt entzündungsfördernden Proteinen wie den Lipoxygenasen und auch Cyclooxygenasen scheint im Organismus eher von untergeordneter Rolle zu sein. Ein Eingriff in den NFκB-Weg stellt im Gegensatz zum direkten Angriff an den Lipoxygenasen eine indirekte Hemmung der Entzündung durch Modulation der „Steuerung“ des Entzündungsgeschehens dar. So werden Botenstoffe, die zur Ausweitung der Entzündung von Immunzellen ausgeschüttet werden, durch Hemmung des NFκB-Weges vermindert gebildet…… Vermutlich ist nicht ein einzelner Angriffspunkt für das Wirkungsbild von Weihrauchharzextrakten verantwortlich, sondern es werden mehrere Mechanismen der Entzündungsregulation beeinflusst, die dann gemeinsam zu einer Entzündungshemmung führen. Trotzdem wird bis heute weitläufig die Hemmung der Leukotriensynthese durch Boswelliasäuren als „das Wirkprinzip“ des Weihrauchs angeführt.“

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Weihrauch

Möglicherweise verschieben die Arbeiten an der Universität Jena dem Focus nun verstärkt auf die Prostaglandinhemmung.

Entscheidender als die Erforschung des Wirkungsmechanismus im Labor ist allerdings die Wirksamkeit in klinischen Studien mit Patienten.

Im Zentrum solcher Studien steht die chronische Polyarthritis, aber auch Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

In diesen Bereichen liegen positive Studienresultate vor, die allerdings wegen methodischer Diskussionspunkte kontrovers beurteilt werden.

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Weihrauch als Heilpflanze bei Rheuma und Darmentzündungen

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Die „Welt“ publizierte einen informativen Beitrag über Weihrauch.

Dabei kam auch die medizinische Wirkung zur Sprache:

„Sogar eine kleine medizinische Renaissance könnte das Weihrauchharz erleben, nachdem es als Arzneimittel weitgehend durch wirksamere synthetische Stoffe ersetzt worden war. In den 90er-Jahren fanden Pharmakologen im Harz eine Reihe von Substanzen, unter anderem die Boswellia-Säuren, die eine entzündungshemmende Wirkung haben sollen. So könnten sie möglicherweise Rheuma, chronische Darmentzündungen, Multiple Sklerose, Schuppenflechte, Asthma und die Beschwerden von Hirntumoren lindern

Die Forschung, in Deutschland vor allem an den Unis in Tübingen und Saarland, ist aber noch nicht abgeschlossen, es gibt erst wenige Studien mit Patienten. Eine Arzneimittelzulassung gibt es nicht.“

Quelle:

http://www.welt.de/wissenschaft/article13771012/Weihrauch-ist-eine-Wissenschaft-fuer-sich.html

Kommentar & Ergänzung:

In der Schweiz ist ein Weihrauchpräparat (H 15 Gufic) im Kanton Appenzell als Heilmittel zugelassen. Bei Rheuma (Arthritis) und Darmentzündungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) kommt Weihrauch in Tablettenform innerlich zur Anwendung. Weihrauchsalben, die seit einiger Zeit ebenfalls im Handel sind, eignen sich allenfalls bei Hautentzündungen (Neurodermitis, Psoriasis), aber nicht bei Rheuma. Es ist nämlich völlig ungeklärt, ob die Wirkstoffe durch die Haut aufgenommen werden können und auf diesem Weg eine Wirkung entfalten.

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