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Bullshit zu Aromapflege und Aromatherapie

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Bullshit redet, wer wohlklingende Worte äussert, die nichts aussagen. Ein Beispiel für solchen Bullshit sind meines Erachtens folgende Sätze über Aromapflege und Aromatherapie:

„Aromapflege und Aromatherapie folgen den Prinzipien der Naturheilkunde. Sie wollen die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken. Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht. Sie bewirken eine seelische Umstimmung, regulieren aus der Balance Geratenes und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden. Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=50130

Kommentar und Ergänzung:

Hier werden wohlklingende Begriffe aneinandergereiht, die kaum irgendwelche konkreten Inhalte haben.

⇒ Die „Prinzipien der Naturheilkunde“ sind nicht so klar definiert, wie das hier aussieht. Der Autor müsste konkrete Beispiele bringen um zu illustrieren, was genau er damit meint. Aber wenn man konkret wird, stösst man schnell an Grenzen oder verwickelt sich in Widersprüche. Bleibt man schön im wohlklingenden Allgemeinen, lässt sich diese Schwierigkeit vermeiden.

„Lebenskraft“ ist ein schillernder Begriff, der spontan oft klar und einleuchtend klingt, aber sofort schwierig wird, wenn man genau erklären soll, was damit gemeint ist.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Begriff Lebenskraft war in seiner Entstehungszeit sehr populär und wurde oft auch wenig spezifisch gebraucht, als weit verbreiteter Platzhalterbegriff für unverstandene körperliche Vorgänge……

Die Vorstellung einer Lebenskraft wurde als Gesundheits- und Krankheitskonzeption von Christoph Wilhelm Hufeland Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts differenziert beschrieben…..

Hufeland sah als Grundursache aller Lebensvorgänge und als Selbsterhaltungsprinzip des Organismus eine allgemeine Lebenskraft mit weiteren Teilkräften:

  • eine erhaltende Kraft,
  • eine regenerierende und neubildende Kraft,
  • eine besondere Lebenskraft des Blutes,
  • eine Nervenkraft,
  • eine Kraft, die eine allgemeine Reizfähigkeit des Körpers bewirke, sowie
  • eine Kraft, die eine spezifische Reizfähigkeit des Körpers bewirke.

Krankheit sei eine Beeinträchtigung der Lebenskraft beziehungsweise der Lebenskräfte durch krankmachende Reize. Sichtbare Zeichen der Krankheit seien Heilreaktionen der Lebenskraft auf solche Krankheitsreize. Die Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und die Lebenskraft seien wesensgleich, wenn nicht identisch. Jedes therapeutische Handeln des Arztes wie auch jede Selbstbehandlung durch den Patienten solle die individuelle Lebenskraft unterstützen. Insgesamt habe sich das ärztliche Handeln am Prinzip des contraria contrariis zu orientieren. Dabei empfahl Hufeland neben der vorsichtigen Anwendung von Medikamenten die Beachtung diätetischer Regeln und physikalische Therapien (zum Beispiel als Wasseranwendungen).

Auf Hufelands Konzept gehen Impulse für die Entwicklung der Naturheilkunde im 19. Jahrhundert zurück.“

⇒  Die „Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken“ tönt auch immer gut. Die Selbstheilung des Menschen ist faszinierend. Daran wirken aber tausende von Vorgängen im Organismus mit, die sich je nach Krankheit beträchtlich unterscheiden können. Die Selbstheilungskräfte als feststehende Grösse wird es daher kaum geben. Auch hier wären detaillierte Angaben vorzuziehen. Welche Prozesse beeinflusst das ätherische Öl genau und wie? Aber auch hier gilt: Sobald man genaue Aussagen macht, können diese auch in Frage gestellt, kritisiert und widerlegt werden. „Die Selbstheilungskräfte“ dagegen bieten keine Angriffsfläche für konkrete Einwände.

 „Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht.“ – „Tief“ tönt immer gut. Aber was heisst „tief“ genau in diesem Zusammenhang? Eingreifend? Tief eingreifend in die Psyche? Könnte das, wenn es stimmt, nicht gefährlich werden? Oder ist nur immer und ausschliesslich eine positive Wirkung zu erwarten im Sinne einer Förderung des Gleichgewichts. Ist das nicht etwas gar viel Wunschdenken?

 „Sie bewirken eine seelische Umstimmung…“  Wenn das stimmt, kann das nicht auch schiefgehen? Oder muss ich mir das einfach immer positiv vorstellen? In Sinne von: Das ätherische Öl weiss schon, was es machen muss? Ist das nicht allzu schön um plausibel zu sein?

„…regulieren aus der Balance Geratenes…“ Da haben wir sie wieder, die umfassende Regulation. Damit kann man nie schiefliegen.

 „…und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden.“    Das ist eine sehr weitreichende Versprechung. Wie machen die ätherischen Öle das und was sollen wir verstehen unter dem „eigentlichen Nährboden“ einer Krankheit: Auch hier: Wer nicht konkret wird, versteckt sich vor möglichen konkreten Einwänden.

„Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“ Das tönt immer gut, sagt aber auch nichts Konkretes aus.

Diese Kritik richtet sich nicht generell gegen Aromatherapie und Aromapflege. Ätherische Öle sind im vielen Bereichen interessante und wirksame Heilmittel. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ich in Texten über Aromatherapie und Aromapflege auf derartigen Worthülsen treffe.

Das ist meines Erachtens immer ein Anlass für genaues, kritisches Nachfragen, auch wenn es um andere Bereiche als Aromapflege und Aromatherapie geht – zum Beispiel um Texte in der Pflanzenheilkunde.

Vorgänge und Begriffe möglichst genau zu beschreiben ist eine Grundvoraussetzung guter Kommunikation und fachlicher Auseinandersetzung. Mit schwammigen Begriffen wie sie das oben aufgeführte Zitat enthält, redet man weitgehend aneinander vorbei. Das gilt auch für Vorträge, Kurse und Ausbildungen. Haken Sie nach, wenn Sie in Lehrveranstaltungen mit wohlklingenden, aber schwammigen Begriffen „gefüttert“ werden.

Wer leere Worthülsen einfach schluckt, weil sie so gut tönend daherkommen, lässt sich einlullen oder lullt sich selber ein. Wer dagegen genau nachfragt, klärt die Begriffe so weit es geht und bekommt dadurch einen stabileren Stand in der Welt.

Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt hat übrigens ein lesenswertes Büchlein geschrieben mit dem Titel „Bullshit“ (Suhrkamp Verlag).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Bewegung bessert Schlafstörungen – aber nur längerfristig

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Oft wird Menschen mit Schlafstörungen geraten, sie sollen mehr Sport treiben. Falsch wäre es dabei allerdings zu erwarten, dass mehr Sport die Schlafstörungen sofort lindert. Wissenschaftler aus den USA haben in einer Studie herausgefunden, dass es etwa vier Monate dauern kann, bis sich mehr Bewegung positiv auf den Schlaf auswirkt.

Die Forscher der Feinberg School of Medicine an der  Northwestern University in Chicago schreiben, man müsse mit dem Sport eine langfristige Beziehung eingehen. Denn Menschen mit Schlafstörungen hätten eine höhere Gehirnaktivität und es dauere einige Monate, bis diese durch den Sport auf ein normales Level gesunken sei.

Die Forscher fanden auch heraus, dass Menschen, die wenig schlafen, auch weniger Sport treiben, weil sie sich zu erschöpft fühlen. Man müsse aber auch dann Sport machen, wenn man kaum geschlafen habe, um einen langfristigen Effekt zu erreichen

Die Resultate der Studie wurden im Journal of Clinical Sleep Medicine publiziert.

Quelle:

http://www.dradiowissen.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=253984

http://www.aasmnet.org/JCSM/ViewAbstract.aspx?pid=29078

Kommentar & Ergänzung:

„Bewegung“ gehört zu den klassischen Therapie-Elementen der Naturheilkunde, genauso wie beispielsweise Pflanzenheilkunde, Ernährung oder Hydrotherapie (Wasseranwendungen).

Der Begriff „Naturheilkunde“ wir heute leider ziemlich unreflektiert auf alles mögliche angewendet.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Interessiert an einer Naturheilkunde-Ausbildung?

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Wenn Sie interessiert sind an einer Ausbildung in Naturheilkunde, dann lohnt es sich genau zu klären, was Sie lernen möchten.

Naturheilkunde ist nämlich ein Begriff, der sehr ungenau und ziemlich willkürlich benutzt wird.

Versteht man den Begriff Naturheilkunde auch von seiner Geschichte her, bezeichnet er ein Spektrum verschiedener Methoden, welche die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung (Spontanheilung) aktivieren sollen und die sich vorzugsweise in der Natur vorkommender Mittel oder Reize bedienen. Dazu zählen (nach einer Definition von Alfred Brauchle 1952) die Sonne, das Licht, die Luft, die Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, die Kälte, die Erde, die Atmung, die Gedanken, die Gefühle und Willensvorgänge. In einem weiter gefassten Verständnis gehören auch “natürliche” Arzneimittel, vor allem Heilpflanzen und deren Zubereitungen zur Naturheilkunde.

Zur “klassischen” Naturheilkunde werden im Allgemeinen die folgenden Naturheilverfahren gezählt:

– Hydrotherapie und Balneotherapie (Wasseranwendungen)

– Bewegungstherapie

– Diätetik (Unterstützung der Behandlungen durch eine gesunde Ernährung und eine dem

dem Krankheitsbild angepasste Diät)

– Ordnungstherapie (ausgewogene Lebensführung im regelmäßigen Rhythmus und im Einklang mit

der Natur)

– Phytotherapie (Einsatz von Heilpflanzen)

Diese fünf Naturheilverfahren sind auch bekannt geworden als die fünf Säulen des Sebastian Kneipp.

Grundsätzlich sind diese Methoden kompatibel mit dem wissenschaftlichen Weltbild.

Oft werden auch folgende Methoden der Alternativmedizin zur Naturheilkunde gezählt, die aber auf eigenen Lehrgebäuden basieren und darum nicht so leicht mit medizinischem Denken und Handeln zu verbinden sind:

Homöopathie

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Ayurvedische Medizin

Anthroposophische Medizin

(Quelle: Wikipedia, Artikel „Naturheilkunde“, gekürzt und überarbeitet)

Siehe auch:

Naturheilkunde – was ist das?

Es gibt im Bereich der Naturheilkunde-Ausbildungen keine Qualitätsstandards und keine verbindlichen Lehrpläne.

Wenn Sie sich Fragen stellen zur Qualität einer Naturheilkunde-Ausbildung – und das ist sehr wichtig, wenn Sie einer Ausbildung in diesem Bereich machen wollen –  dann hilft Ihnen vielleicht folgende Checkliste weiter:

Naturheilkunde-Ausbildung: Was sie wissen sollten

Ausserdem:

Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

Falls Sie aus diese weiten und vielfältigen Feld der Naturheilkunde eine Ausbildung oder Weiterbildung im Teilbereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde ins Auge fassen, finden Sie dazu meine aktuellen Angebote oben unter dem Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

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Alternativmedizin und Naturheilkunde nicht in einen Topf werfen!

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Um die Begriffe Alternativmedizin, Komplementärmedizin und Naturheilkunde herrscht ein veritables Durcheinander. Colin Goldener hat im Humanistischen Pressedienst einen Text veröffentlicht, der einige Unterschiede zwischen Alternativmedizin und Naturheilkunde aufzeigt. Ich übernehme diesen Text hier abschnittweise (kursiv) mit dazwischen geschalteten Kommentaren:

„Aus Apotheken-Rundschauen, Hausfrauenpostillen und Lifestylemagazinen sind den Lesern Dutzende von Verfahren geläufig, die sie für besonders sanft und natürlich halten: Alternativheilkunde und Naturheilkunde werden insofern häufig ineinsgesetzt. Tatsächlich haben sie überhaupt nichts miteinander zu tun…..Zu den wirklichen Naturheilverfahren – allesamt Teil der Schulmedizin – zählen Luft- und Lichttherapie, Wasseranwendungen, Entspannungs- und Bewegungsübungen, bewusste Ernährung und allgemein »gesündere Lebensführung«; pharmakologisch auch der Einsatz wirkbelegter Pflanzenpräparate. Im Gegensatz zu diesen bewährten Verfahren können die Alternativheilverfahren keinerlei tragfähigen Wirkbeleg vorweisen, ein Umstand, der mit Hilfe suggestiver Begleitbegriffe wie »unkonventionell«, »komplementär« oder auch »ganzheitlich« vertuscht wird. Wären die Alternativheilverfahren wirkbelegt, wären sie längst Teil der Schulmedizin.“

Die Verfahren der Naturheilkunde lassen sich auch gut umschreiben mit den 5-Säulen nach Sebastian Kneipp: Hydrotherapie, Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Bewegung / Luft / Licht, Ordnungstherapie.

Die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) gehört zur Naturheilkunde, nicht zur Komplementärmedizin oder Alternativmedizin.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde – was ist das?

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

„Der große Zuspruch, den die Alternativheilkunde erfährt, begründet sich darin, daß ihre Anbieter sich dem jeweiligen Patienten und seinen Problemen meist sehr viel intensiver zuwenden, als Schulmediziner dies tun. Es ist ein erhebliches Manko des schulmedizinischen Versorgungssystems, dass viel zu wenig Zeit aufgewandt wird, dem Patienten wirklich zuzuhören und persönlich auf ihn einzugehen. Eben deshalb wenden sich rat- und hilfesuchende Menschen gerne an Heilpraktiker und Homöopathen, bei denen sie sich allein schon des anamnestischen Zeitaufwandes wegen sehr viel ernster genommen fühlen als in der regulären Arztpraxis oder Klinik. Die Alternativheilverfahren selbst erscheinen attraktiv, da sie – auch wenn dies nicht zutrifft – als »natürlich wirksam« und damit »nebenwirkungsfrei« angepriesen werden. Der Umstand, dass viele davon auf magisch-okkulte Wirkkräfte abstellen – Geistheilung, Reiki, Touch for Health – tut ein übriges.“

Verfahren der Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin decken darüber hinaus oft auch Sinnbedürfnisse, in dem sie eine Krankheit in einen grösseren Zusammenhang stellen, während eine wissenschaftliche Medizin sich solcher Sinndeutungen enthält. Dazu ist allerdings zu sagen, dass die komplementärmedizinischen Sinnzuschreibungen oft hoch spekulativ sind und leicht in Schuldzuweisungen umschlagen. Vorgegebene „Instant-Sinnangebote“ sind sowieso ziemlich problematisch und stehen oft einer eigenen, autonomen Sinnfindung eher im Wege.

„Es spricht überhaupt nichts dagegen, bei kleineren Beschwerden und Mißbefindlichkeiten, auch zur Vor- und Nachsorge, naturheilkundliche Verfahren einzusetzen. Abzuraten ist indes von sämtlichen Verfahren und Praktiken der sogenannten Alternativheilkunde, die, wie gesagt, mit Naturheilverfahren überhaupt nichts zu tun haben.

Skepsis ist allemal geboten, wenn von »Schwingungen« oder »Lebensenergien« die Rede ist, die da »gesteigert« oder »harmonisiert« werden sollen; desgleichen, wenn das jeweilige Verfahren als »unkonventionelle«, »komplementäre«, »ganzheitliche« oder sonstig alternative »Erfahrungsheilkunde« angepriesen wird, die insofern der »Schulmedizin« turmhoch überlegen – oder zumindest ebenbürtig – und zudem völlig nebenwirkungsfrei sei. Letzteres kann nur für jene Verfahren gelten, die, wie z.B. Bachblütentherapie, überhaupt keine Wirkung haben. Einige der Alternativheilpraktiken, Akupunktur etwa oder Neuraltherapie, bergen ungeahnte Risiken, und selbst vermeintliche Harmlosverfahren wie Aromatherapie sind keineswegs risikofrei. Ansonsten besteht das Hauptrisiko alternativer Heilverfahren darin, daß der rechte Zeitpunkt zum Einsatz einer verfügbaren und sinnvollen Therapie verpaßt wird, wodurch sich das jeweilige Problem massiv verschärfen kann.“

Die Inflation aufgeblasener Worthülsen wie „energetisierte Heilpflanzen“, „Wesen der Pflanzen“, „Lebensenergie“ etc. ist tatsächlich eine hoch fragwürdige Angelegenheit. Die Schwierigkeit dabei ist, dass solche gut tönenden Schlagworte verwendet werden, ohne dass auch nur ansatzweise geklärt wird, was der sprechende oder schreibende Mensch damit meint. Damit haben dann alle Beteiligten sich möglicherweise gut unterhalten, reden aber ziemlich sicher aneinander vorbei, weil jede und jeder sehr unterschiedliche Vorstellungen mit diesen Begriffen verbindet.

„Abstand zu halten ist von Anbietern, die ihre diagnostischen oder heilerischen Fähigkeiten von »höherer Warte« – von Engeln, Jesus oder »aus dem Kosmos« – bekommen haben wollen oder die Praktiken verwenden, die die Gesetze von Physik, Chemie oder des »gesunden Menschenverstandes« außer Kraft setzen. Göttliche Heilkräfte und Engelsenergien gibt es nicht, ebensowenig diagnostisch brauchbare Aussagen aus dem astrologischen Horoskop oder solche, die mit Pendel und Wünschelrute gewonnen wurden.“

Jedenfalls laufen hunderte von durchgeknallten Heilerinnen und Heiler mit der hoch narzisstischen Phantasie herum, direktes Sprachrohr einer höheren Macht zu sein.

„Auch das vielzitierte Schlagwort »Wer heilt, hat recht« kann nicht zur Bestätigung der Alternativheilverfahren herangezogen werden. Tatsächlich heilen diese – über einen allemal möglichen Placeboeffekt hinaus – gar nichts. Vielmehr beruhen ihre »Erfolge« darauf, dass unterschiedlichste Beeinträchtigungen der Gesundheit nach einer Zeit »von selbst« wieder verschwinden. Menschen mit derlei Beeinträchtigung suchen häufig »alternative« Heiler auf, die dann, ebenso wie sie selbst, natürliche oder spontane Heilungsverläufe bzw. zyklische Besserungen als Ergebnis der jeweiligen »Behandlung« interpretieren. Eine »irgendwann« eintretende Besserung kann dann der jeweiligen Behandlung zugute geschrieben werden, auch wenn diese mit dem Heilungsverlauf überhaupt nichts zu tun hat.“

„Wer heilt hat recht“ ist tatsächlich ein zwar oft gebrauchter, aber nicht desto trotz ziemlich dummer Kampfspruch. Denn er unterschlägt in der Regel alle anderen Einflüsse auf den Genesungsprozess wie Placebo-Effekt, Selbstheilungkräfte, natürliche Schwankungen der Beschwerden bei chronischen Krankheiten, veränderte Lebensumstände. Es ist wirklich sehr simpel, naiv und unbescheiden, jede Besserung sogleich dem eigenen Heilmittel zuzuschreiben.

„Insofern spielen auch Realitätsverzerrungen eine Rolle: Selbst wenn keine Verbesserung nachweisbar ist, können Anhänger alternativer Heilverfahren davon überzeugt sein, dass ihnen geholfen wurde, allein, weil sie sich besser fühlen. Es kann dieses »Gefühl der Besserung« ein durchaus bedeutsamer Genesungsfaktor sein, der allerdings nichts mit dem angewandten Verfahren zu tun hat. Keine Besserung zu erhalten, nachdem man viel Zeit, Geld und guten Glauben in eine alternative Behandlung investiert hat, führt oft auch dazu, dass ein ausbleibender Erfolg konstruiert wird, allein schon, um das ansonsten notwendige Eingeständnis zu vermeiden, einem Quacksalberverfahren aufgesessen zu sein. Wider jede Vernunft und mit oftmals nachgerade fanatischem Glaubenseifer werden jede Kritik und Selbstkritik abgewehrt.“

Der Umgang mit Kritik ist ein Prüfstein für Methoden der Komplementärmedizin. Je offener die Auseinandersetzung mit argumentativer Kritik, desto höher die Glaubwürdigkeit. Je fanatischer und missionarischer das Auftreten, desto mehr Vorsicht ist geboten.

„Grundsätzlich abzuraten ist von Anbietern, die über kein akademisches Fachstudium verfügen. Ausreichende Qualifikation des Therapeuten und Wirksamkeitsnachweis des eingesetzten Verfahrens geben zwar keine Garantie für einen Erfolg, aber das Risiko seitens des Patienten ist minimiert. Besondere Vorsicht ist insofern walten zu lassen bei der Konsultation von Heilpraktikern. Diese verfügen zwar über eine formale Berechtigung zur Ausübung der Heilkunde, ihre Ausbildung kann indes dem Anspruch seriöser Heilbehandlung nicht ansatzweise genügen.“

Da ich selber keine universitäre Ausbildung absolviert habe, finde ich die pauschale Beschränkung auf Leute mit akademischer Fachausbildung naturgemäss etwas eng, wobei ich mich allerdings auch nicht als Therapeuten oder Heiler bezeichnen würde. Und dann sind ja bekannterweise einige der durchgeknalltesten Heilgurus Akademiker bzw. Mediziner.

Für mich sind einfach andere Kriterien wichtiger, zum Beispiel, ob jemand die Grenzen seiner Methoden kennt.

Zu sagen ist allerdings, dass im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin eine Qualitätssicherung, welche diesen Namen verdient, kaum existent ist.

Und im nichtärztlichen Bereich gibt es punkto Ausbildung sehr grosse Unterschiede. Eine Bezeichnung wie „Naturheilpraktikerin“ oder „Naturarzt“ kann auf einer absoluten Schnellbleiche, oder auch auf einer vierjährigen Vollzeitausbildung basieren. Und es gibt für die Ausbildungen selber keine Qualitätskriterien.

„Im Übrigen werden Alternativheilverfahren nicht brauchbarer dadurch, dass sie vielfach auch in Arztpraxen und Kliniken anzutreffen sind und dass einige davon sogar in die offizielle Aus- und Fortbildung von Ärzten Eingang gefunden haben.“

Stimmt. Das ist auch kein Qualitätskriterium.

„Gegen die Quacksalberverfahren der Alternativheilkunde zu sein, heißt keineswegs, der Schulmedizin oder Pharmaindustrie blind zu vertrauen. Ganz im Gegenteil: Kritik ist auch und gerade hier unabdingbar.“

Ja, Kritik an der „Schulmedizin“ oder an der Pharmaindustrie ist nötig. Sie muss allerdings präzis und argumentengestützt sein. Pauschale Kritik, wie sie oft zu hören ist, entstammt eher einer Feindbildhaltung.

„Es darf die notwendige Kritik an Mediziner- und Pharmalobby allerdings nicht dazu führen, windigen Heilpraktikern mit ihren erwiesenermaßen unbrauchbaren Alternativheilverfahren auf den Leim zu gehen.“

Ja, das passiert leider nur allzu oft.

Quelle: Humanistischer Pressedienst, www.hpd.de

Fazit: Ein Artikel mit stellenweise harter Formulierung, aber im Kern sehr bedenkenswerten und ernst zu nehmende Aussagen. Sehr wichtig scheint mir der Versuch, Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin einerseits und Naturheilkunde andererseits zu unterscheiden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Immunsystem stärken gegen Erkältungskrankheiten – Naturheilkunde überzeugt….

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Auf www.internisten-im-netz.de veröffentlicht der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) Tipps zur Stärkung des Immunsystems zur Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten. Schaut man sich die Tipps genauer an, handelt es sich um ein ziemlich umfassendes Konzept auf der Basis einer Naturheilkunde, wie sie beispielsweise Sebastian Kneipp schon vertreten hat.
Das zeigt, dass Naturheilkunde und Medizin kompatibel sind, was bei Komplementärmedizin und Medizin oft nicht der Fall ist.
Hier die Empfehlungen des BDI (Text von mir leicht modifiziert bei gleichbleibenden Aussagen):

Zwar können tiefere Temperaturen, wie sie im herannahenden Herbst bevorstehen, das Immunsystem schwächen und damit Schnupfen und andere Infekte begünstigen. “Jedoch sollte man sich nicht zu warm anziehen und nicht nur heiß duschen, da dies den Körper noch empfindlicher gegenüber niedrigen Temperaturen macht. Stattdessen können regelmäßige kalte Güsse und kalte Waschungen des Oberkörpers zum Beispiel 2- bis 3-mal in der Woche bereits im Spätsommer die Immunabwehr für den Herbst stärken“, empfielt Dr. Wolfgang Wesiack, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). “Saunabesuche einmal in der Woche oder regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft haben einen ähnlichen Trainingseffekt.“
Menschen, die zu wenig Schlaf bekommen, sind anfälliger für Infektionen durch Bakterien und Viren. „Es ist zwar individuell verschieden, wie viel Schlaf man benötigt, wichtig ist es jedoch, alle Tiefschlafphasen zu durchlaufen um einen Erholungseffekt zu erreichen. Am besten sind für die meisten Menschen 7 bis 8 Stunden Schlaf“, rät Dr. Wesiack. „Nach einer kurzen Nacht sollte man zur Regeneration ein paar ruhigere Tage einplanen.“

Auch die Psyche wirkt stark auf das Immunsystem. “So kann positiver Stress, wie etwa beim Sport, dem Ausüben eines Hobbys oder des Erlernen neuer Fähigkeiten das Immunsystem stimulieren. Lang anhaltende seelische Belastung hingegen schwächt die Abwehrkräfte“, erläutert der BDI-Vorsitzende. Ein Gefühl der Geborgenheit in der Umwelt sowie ein ausgeglichenes Gefühlleben wirken stabilisierend auf das Immunsystem. “So können Meditation, autogenes Training und Yoga die Zahl der Antikörper erheblich steigern.“
Eine ausgewogene und vielseitige Ernährung stellt dem Immunsystem die Bausteine zur Verfügung, um eine wirkungsvolle Abwehr aufbauen zu können. “Viel Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Fisch versorgen den Organismus am besten mit gesunden Nährstoffen. Bei Obst und Gemüse sollte man darauf achten, den Speiseplan möglichst bunt zu gestalten, da die in grünen, orangegelben und blauen Früchten enthaltenen Farbstoffe verschiedene positive Effekte auf die Gesundheit haben“, erklärt Dr. Wesiack.
Nicht zuletzt kann Sport die Immunabwehr aktivieren. “Durch regelmäßige Bewegung wird beispielsweise gewährleistet, dass Fremdstoffe über die Lymphe in die Lymphknoten transportiert werden, wo sich die Abwehrzellen auf einen möglichen Erreger einstellen können. Um das Immunsystem zu unterstützen, sind insbesondere Ausdauersportarten wie Walking, Joggen, Radfahren oder Schwimmen geeignet. Drei Trainingseinheiten von 30 Minuten haben bereits einen deutlichen positiven Effekt“, rät der BDI-Experte. “Übertreiben sollte man es allerdings als Sportanfänger nicht, denn völlige Verausgabung bewirkt eine Schwächung des Immunsystems.“

Quelle:

http://www.internisten-im-netz.de/

Kommentar & Ergänzung:

Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 – 1897) vertrat ein Fünf-Säulen-Prinzip der Naturheilkunde:

– Lebensordnung
– Wasseranwendungen ?(Hydrotherapie)
– Bewegung?
– Ernährung?
– Heilkräuter

Den Begriff der Lebensordnung könnte man heute im Sinne einer Psychosomatik oder einer Salutogenese übersetzen.
Zur Salutogenese siehe die Buchbesprechung zu „Wie Gesundheit entsteht“ im unserem Buchshop.

Der BDI-Text geht auf die Säulen Lebensordnung, Wasseranwendungen (Güsse, Waschungen), Bewegung und Ernährung ein.
Einzig die Heilkräuter kommen im Naturheilkunde-Konzept des BDI nicht vor.

Zu den Heilpflanzen, die zur Stärkung des Immunsystems empfohlen werden, gehören vor allem Echinacea (Sonnenhut) und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie). Das sind aber nur die beiden Heilpflanzen mit den meisten klinischen Studien. Im Labor zeigen zahlreiche andere Heilpflanzen immunstimulierende Eigenschaften, zum Beispiel Ringelblume oder Eibischwurzel. Allerdings ist unklar, ob sich solche Laborbefunde auf den Menschen übertragen lassen.

Allzuviel darf man sich von pflanzlichen Immunstimulanzien nicht erhoffen. Würden sie nämlich das Immunsystem wirklich stark aktivieren, wäre dies allenfalls sogar riskant.
Mit einem allzu aggressiven Immunsystem jedenfalls ist der Organismus auch nicht gut bedient.
Die vier anderen im BDI-Text erwähnten Bereiche – Lebensordnung, Wasseranwendungen, Bewegung, Ernährung – sind für ein gesundes, wirksames Immunsystem wohl deutlich zentraler.

Die fünf Säulen nach Kneipp eignen sich ausgezeichnet als Brücke zwischen Naturheilkunde und Medizin, weil sie schon von ihren Grundlagen her mit medizinischem Denken kompatibel sind. Es ist sehr schade, dass sie in den gegenwärtigen politischen Bestrebungen zur Aufwertung der Komplementärmedizin kaum eine Rolle spielen – abgesehen von der Säule “Heilkräuter”, die in neuzeitlicher Form als Phytotherapie im Gespräch ist.

Fundierte Informationen im Tagesseminar:
Erkältungskrankheiten und grippale Infekte – Prophylaxe und Therapie mit Heilpflanzen
Details hier:
www.phytotherapie-seminare.ch/index.php

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Mittelmeerdiät plus Walnüsse kann metabolisches Syndrom vermindern

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Erhöhte Blutfette, hohe Blutzuckerwerte, Bluthochdruck und Übergewicht mit großem Bauchumfang – dieses “tödliche Quartett” wird als metabolisches Syndrom bezeichnet. In Deutschland sind schätzungsweise 12 Millionen Personen davon betroffen. Eine mediterrane Ernährung, ergänzt durch Nüsse – vornehmlich Walnüsse -, kann offenbar mithelfen, dieses Syndrom zu reduzieren. Das sind die 1-Jahres-Resultat der groß angelegten Studie PREDIMED an zehn spanischen Universitäten.

Die Teilnehmergruppe, welche sich mediterran ernährte und zusätzlich Nüsse, vornehmlich Walnüsse, aß, konnte die Häufigkeit des metabolischen Syndroms um 13,7% reduzieren. Eine fettarme Ernährung dagegen führte nur zu einer Verminderung um 2%.

Quelle: www.journalmed.de

Originalpublikation:
Effect of a Mediterranean Diet Supplemented With Nuts on Metabolic Syndrome Status
Archives of Internal Medicine
Arch Intern Med. 2008;168(22):2449-2458.
http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/short/168/22/2449

Kommentar & Ergänzung:
Das schöne an der sogenannten “Mittelmeerdiät” ist ja, dass man mit ihr verhältnismässig einfach eine gesunde Ernährung mit Genuss verbinden kann.
Ernährung ist eine wichtige Säule in der traditionellen Naturheilkunde, gemeinsam mit Hydrotherapie (Wasseranwendungen), Pflanzenheilkunde, Licht, Luft und vor allem Bewegung. Nach Sebastian Kneipp kommt noch “Lebensordnung” dazu, was moderner ausgedrückt als Einbezug von psychosomatischen Faktoren gesehen werden kann.

Leider wimmelt es im Bereich der Ernährungslehren aber auch von starr-dogmatischen Regeln und von Heilslehren aller Art.
Statt unzählige Normen aufzustellen über richtige und falsche Ernährung, scheint mir ein optionaler Ansatz empfehlenswert. Nicht Verbote oder Gebote stehen dabei im Zentrum, sondern Wahlmöglichkeiten, welche aufgezeigt werden: Optativ statt normativ – so lautet dann die Leitlinie. Jedenfalls immer dann, wenn Normen nicht zwingend nötig sind.
Die Mittelmeerdiät jedenfalls ist in vielen Fällen eine attraktive Option.

Und dass Walnüsse gesund sind, haben inzwischen schon einige Studien gezeigt:

Omega-3-Fettsäuren aus Walnüssen und Fisch: unterschiedliche günstige Effekte

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Naturheilkunde – was ist das?

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Naturheilkunde, Komplementärmedizin, Alternativmedizin – das sind Begriffe, die schwer zu fassen sind und sich zum Teil auch überschneiden. Doch wenn wir sie nicht einigermassen definieren und klären, was wir damit meinen, dann reden wir ganz einfach aneinander vorbei.
Naturheilkunde lässt sich in Anlehnung an Wikipedia etwa so zusammenfassen:

Der Begriff Naturheilkunde bezeichnet ein Spektrum verschiedener Methoden, welche die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung (Spontanheilung) aktivieren sollen und die sich vorzugsweise in der Natur vorkommender Mittel oder Reize bedienen. Dazu zählen (nach einer Definition von Brauchle 1952) die Sonne, das Licht, die Luft, die Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, die Kälte, die Erde, die Atmung, die Gedanken, die Gefühle und Willensvorgänge. In einem weiter gefassten Verständnis gehören auch “natürliche” Arzneimittel, vor allem Heilpflanzen und deren Zubereitungen zur Naturheilkunde.

Dass diese Definition nicht problemlos ist, zeigen folgende Beispiele: die Impfung mit einem gentechnologisch hergestellten Heptitis-B-Impfstoff wirkt prophylaktisch durch Aktivierung des körpereigenen Immunsystems oder Penicillin ist ein Stoff natürlichen Ursprungs. Zur Naturheilkunde zählt keines der beiden Beispiele, obwohl sie die oben genannten Definitionskriterien erfüllen.

Die Naturheilkunde wird heute großenteils zum Bereich der Alternativmedizin und im engeren Sinne zur Komplementärmedizin gezählt (d. h. zu den wissenschaftlich nicht anerkannten, die Schulmedizin ergänzenden Verfahren). Als ein bedeutender Pionier der Naturheilkunde gilt der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland. 1888 erschien von Friedrich Eduard Bilz mit seinem Bilz-Buch ein Standardwerk der Naturheilkunde.

Naturheilverfahren

Zur “klassischen” Naturheilkunde werden im Allgemeinen die folgenden Naturheilverfahren gezählt:

– Hydrotherapie und Balneotherapie (Wasseranwendungen)
– Bewegungstherapie
– Diätetik (Unterstützung der Behandlungen durch eine gesunde Ernährung und eine dem
dem Krankheitsbild angepasste Diät)
– Ordnungstherapie (ausgewogene Lebensführung im regelmäßigen Rhythmus und im Einklang mit
der Natur)
– Phytotherapie (Einsatz von Heilpflanzen)

Diese fünf Naturheilverfahren sind auch bekannt geworden als die fünf Säulen des Sebastian Kneipp. Grundsätzlich sind diese Methoden kompatibel mit dem wissenschaftlichen Weltbild.
Oft werden auch folgende Methoden der Alternativmedizin zur Naturheilkunde gezählt, die aber auf eigenen Lehrgebäuden basieren und darum nicht so leicht mit medizinischem Denken und Handeln zu verbinden sind:

Homöopathie
Traditionelle Chinesische Medizin
Ayurvedische Medizin
Anthroposophische Medizin

Quelle: Wikipedia, Artikel “Naturheilkunde” (gekürzt und überarbeitet)

Kommentar:

Klassische Naturheilkunde aufwerten!

Weil die fünf Säulen nach Kneipp mit dem wissenschaftlichen Denken und handeln kompatibel sind, eignen sie sich ausgezeichnet zum Brückenbau zwischen Medizin und Komplementärmedizin. In Teilbereichen sind denn auch Phytotherapie, Hydrotherapie, Bewegungstherapie, Diätetik und Ordnungstherapie (moderner ausgedrückt: Psychosomatik) auch wissenschaftlich untersucht und bestätigt worden.

Meiner Ansicht nach sind diese fünf klassischen Naturheilverfahren sehr zu Unrecht etwas in den Hintergrund geraten.
Wahrscheinlich sind sie für die heutige Zeit einfach zuwenig schrill, zuwenig exotisch, zu simpel.
Zum Beispiel Bewegung? – Es gibt kaum etwas Gewöhnlicheres und viel zu verdienen ist auch nicht damit. Dabei ist Bewegung hoch wirksam für unsere Gesundheit und wohl wertvoller als alle Nahrungsergänzungsmittel zusammen, die viele Leute tagaus tagein konsumieren.

Wahrscheinlich decken die klassischen Naturheilverfahren auch die hohen Sinnbedürfnisse des heutigen Menschen nicht mehr so gut.

Methoden wie beispielsweise Anthroposophische Medizin, Ayurvedische Medizin oder Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) legen ein Sinngefüge in die Krankheiten. Das kann für manche Patientinnen und Patienten erleichternd wirken.

Allerdings sind es heteronome (= von aussen stammende) Sinngebungen, die sehr genau auf ihre psychologischen, philosophischen und politischen Konsequenzen hin unter die Lupe genommen werden sollten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Bewegung reduziert Brustkrebsrisiko nach den Wechseljahren

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Das Brustkrebsrisiko von Frauen, die nach den Wechseljahren regelmäßig körperlich aktiv sind, ist um etwa ein Drittel tiefer als das ihrer eher inaktiven Geschlechtsgenossinnen. Das zeigte eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Mehrere Untersuchungen deuteten bereits darauf hin, dass regelmäßige körperliche Aktivität das Brustkrebsrisiko von Frauen vermindert. Unbekannt war aber bisher, wie viel Sport die Frauen in welcher Lebensphase treiben müssen, um von dem Schutzeffekt zu profitieren. Außerdem war wenig untersucht, welche Art von Brusttumoren durch die körperliche Aktivität beeinflusst wird.

Antworten auf diese Fragen geben nun die Resultate der MARIE-Studie: Bei dieser Untersuchung wurden 3 464 Brustkrebs-Patientinnen und 6 657 gesunde Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren auf Zusammenhänge zwischen Lebensstil und Brustkrebsrisiko befragt. Die Teilnehmerinnen der Studie, welche Professorin Jenny Chang-Claude im Deutschen Krebsforschungszentrum und in der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf leitete, gaben Auskunft über ihre körperliche Aktivität während zweier Lebensphasen: vom 30. bis zum 49. Lebensjahr sowie vom 50. Lebensjahr an.
Der Vergleich von Kontrollen und Brustkrebspatientinnen ergab, dass die Frauen der Kontrollgruppe körperlich aktiver gewesen waren als die Patientinnen. Die Wissenschaftler ermittelten daraufhin die relativen Brustkrebsrisiken, in denen auch der Einfluss anderer Risikofaktoren berücksichtigt wurde. Dabei zeigte sich, dass das Risiko, nach den Wechseljahren an Brustkrebs zu erkranken, für die körperlich aktivsten MARIE-Teilnehmerinnen um rund ein Drittel tiefer war als für Frauen, die sich insgesamt wenig körperlich betätigten (Cancer Epidemiology Biomarkers & Prevention 17, 2008, 3402).

Schon alltägliche Aktivitäten wie zu Fuß gehen oder Rad fahren reichen zur Risikoreduktion

Für diese Risikoreduktion musste sich niemand im Fitnessstudio quälen: Die Frauen der körperlich aktivsten Gruppe gingen beispielsweise täglich zwei Stunden zu Fuß und fuhren eine Stunde Rad, während die inaktivsten Studienteilnehmerinnen nur etwa 30 Minuten pro Tag zu Fuß unterwegs waren. Die Epidemiologinnen erkannten darüber hinaus, dass hauptsächlich die körperliche Betätigung nach den Wechseljahren dazu beiträgt, das Brustkrebsrisiko zu reduzieren.

Bei der genauen Untersuchung der Art der Brustkrebsfälle zeigte sich, dass bei den körperlich aktiven Frauen vor allem solche Tumoren seltener vorkommen, welche Rezeptoren für die beiden weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron ausbilden. Solche bösartigen Hormonrezeptor-positiven Tumoren machten rund 63 Prozent der Brustkrebsfälle unter den MARIE-Teilnehmerinnen aus. Bei anderen Tumormarkern, wie die Ausbildung des HER2-Rezeptors oder der Grad der Differenzierung der Krebszellen, fand sich kein Zusammenhang mit der körperlichen Aktivität.
Der positive Effekt der körperlichen Aktivität war unabhängig von Gewichtszunahme, Gesamtenergiezufuhr oder vom Body Mass Index. Die Wissenschaftler vermuten deshalb, dass körperliche Aktivität das Krebsrisiko über hormonelle Mechanismen senkt, und nicht, wie häufig angenommen, nur durch eine Reduktion des Körperfetts oder andere Veränderungen der Körperkonstitution.

Privatdozentin Karen Steindorf aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum, die leitende Wissenschaftlerin dieser Analysen, hält fest: “ Es muss ja gar nicht immer Sport sein. In unseren Berechnungen haben wir auch Aktivitäten wie Gartenarbeit, Radeln oder den Fußweg zum Einkaufen berücksichtigt.” Sie rät allen Frauen daher:
„Bleiben oder werden Sie körperlich aktiv – auch in der zweiten Lebenshälfte. Sie senken nicht nur Ihr Brustkrebsrisiko, sondern auch Knochen, Herz und Gehirn profitieren nachweislich davon.“

Quelle: Ärzte Zeitung online, 15.01.2009

Kommentar:

Wieder einmal zeigt sich der Wert von regelmässiger, unspektakulärer, in den Alltag integrierter Bewegung. Das liegt übrigens ganz auf einer naturheilkundlichen Linie. Ein Beispiel dafür ist das klassische 5-Säulen-Prinzip nach Sebastian Kneipp. Danach beruht die Naturheilkunde auf den Säulen:

Hydrotherapie (Wasseranwendungen)
Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Ernährung
Bewegung
Lebensordnung

Für die unspektakuläre, in den Alltag integrierte Bewegung gibt es keine grossen Werbekampagnen, weil damit kaum Geld zu verdienen ist. Auch ein grosser Teil der “Naturheilkunde-Szene” fährt lieber auf angeblich sensationelle Wunderprodukte ab – wie beispielsweise auf Aloe vera (eine Heilpflanze, welche im Bereich Wundheilung durchaus Qualitäten hat). Da geht dann “Bewegung” als simples Heilmittel und Prophylaktikum oft einfach unter.

Wenn nun aber mehr “Bewegung” propagiert wird, müsste auch die Frage nach deren Qualität gestellt werden.
Wirkt eine rein mechanisch ausgeführte Bewegung gleich gut wie Bewegungen, die in sinnvolle Tätigkeiten eingebettet sind?
Ich stelle diese Frage auch ein bisschen aus Eigeninteresse.

Heilkräuter-Exkursionen bewegen Körper, Geist und Seele

Heilkräuter-Exkursionen scheinen mir mit optimaler Bewegungsqualität verbunden. Sie aktivieren nicht nur isoliert die Muskeln und Gelenke. Sie vermitteln gleichzeitig Erlebnisse und Natur-Erfahrungen, welche auch der Psyche gut tun. Und sie fordern und fördern auch geistige Aktivität, wenn es um die Bestimmung der Heilpflanzen oder um ihre Wirkungen und Anwendungen geht.
Heilkräuter-Exkursionen aktivieren darum in optimaler Weise Körper, Geist und Seele zugleich.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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