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Placebo-Effekt: Studie zeigt, weshalb teurer Wein scheinbar besser schmeckt

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Preise von Produkten beeinflussen die Wahrnehmung: Der gleiche Wein schmeckt Testpersonen besser, wenn er mit einem höheren Preis angeschrieben ist. Forscher der INSEAD Business School und der Universität Bonn konnten zeigen, dass das Belohnungszentrum im Gehirn eine positive Geschmackswahrnehmung verstärkt. Dabei sind hautsächlich das Frontalhirn und das ventrale Striatum beteiligt. Die Resultate wurden nun im Fachjournal „Scientific Reports“ publiziert.

Ein höherer Preis zum Beispiel für Schokolade oder Wein steigert die Erwartung, dass das Produkt auch besser schmeckt. Unklar war bisher allerdings, wie die Preisinformation im Gehirn letztlich dazu führt, dass teurer Wein auch als besser schmeckend wahrgenommen wird.

Das Phänomen, dass identische Produkte durch verschiedene Preise unterschiedlich wahrgenommen werden, wird aauch „Marketing-Placebo-Effekt“ genannt. Wie bei einem Scheinmedikament Placebo) entfaltet er nur schon durch zugeschriebene Eigenschaften eine Wirkung.

Die Forscher untersuchten an 30 Testpersonen – davon 15 Frauen und 15 Männer im Durchschnittsalter von rund 30 Jahren – wie unterschiedliche Preise im Gehirn in entsprechende Geschmackserfahrungen übersetzt werden, wenn sich der degustierte Wein nicht unterscheidet.

Die Weindegustation fand liegend im Kernspintomografen statt, mit dem die Aktivität der Gehirnregionen erfasst wurde.

Zunächst wurde den Probanden der Preis des Weines eingeblendet. Anschliessend wurde nur rund ein Milliliter der unterschiedlichen Weine über einen Schlauch in den Mund der Testpersonen zugeführt. Darauf bestimmten die Teilnehmer mit einem Knopf auf einer neunteiligen Skala, wie gut ihnen der Wein geschmeckt hat. Danach wurde der Mund mit einer neutralen Flüssigkeit gespült und die nächste identische Weinprobe zur Degustation zugeführt. Alle Experimente fanden im Hirnscanner des Life & Brain Zentrums an der Universität Bonn statt.

Der Marketing-Placebo-Effekt habe aber auch seine Grenzen, sagen die Wissenschaftler. Wird ein qualitativ minderwertiger Wein für 100 Euro angeboten, bliebe er absehbar aus. Deshalb führten die Forscher die Versuche mit einem Rotwein durch, für den im französischen Handel eine Flasche etwa zwölf Euro kostete. Im Kernspintomografen wurde den Testpersonen hierfür zufällig als Preis drei, sechs und 18 Euro eingeblendet. Um die Studie möglichst realistisch zu gestalten, erhielten die Probanden ein Startguthaben von 45 Euro. Pro Degustation wurde der angezeigte Betrag in manchen Versuchsabläufen von diesem Konto abgebucht.

Wie erwartet gaben die Teilnehmenden an, dass der Wein mit dem höheren Preis besser schmeckt als ein scheinbar günstigerer. Es spielte jedoch keine Rolle, ob die Probanden den Wein auch bezahlen mussten, oder ob sie ihn kostenlos erhielten. Identischer Wein führt also zu einem besseren geschmacklichen Erlebnis, wenn damit preisbedingt eine höhere Erwartung verbunden ist.

Interessanterweise zeigte sich das auch im Kernspintomografen.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei höheren Preisen hauptsächlich das Frontalhirn und zudem auch das ventrale Striatum stärker aktiviert wurden. Während das Frontalhirn vor allem am Preisvergleich und damit der Erwartung beteiligt zu sein scheint, gehört das ventrale Striatum zum Belohnungs- und Motivationssystem. Die Forscher konnten zeigen, dass das Belohnungssystem bei höheren Preisen deutlich stärker aktiviert wird und auf diese Weise offenbar das Geschmackserlebnis verstärkt.

Das Belohnungs- und Motivationssystem spielt uns also offenbar einen Streich und gaukelt uns bei höheren Preisen einen Geschmack vor, der durch den Wein selbst an sich nicht gerechtfertigt ist, weil es sich ja bei allen Degustationen objektiv um das identische Produkte handelte.

Quelle:

https://idw-online.de/de/news679479

Publikation: Liane Schmidt, Vasilisa Skvortsova, Claus Kullen, Bernd Weber und Hilke Plassmann, How context alters value: The brain’s valuation and affective regulation system link price cues to experienced taste pleasantness, Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-017-08080-0

http://www.nature.com/articles/s41598-017-08080-0

 

Kommentar & Ergänzung:

Wein hat ja nur im sehr weit gefassten Sinn eine Bedeutung für die Phytotherapie. Aber diese Studie ist auch interessant für Medizin und Phytotherapie. Teurer = besser – diese Vorstellung wurde nämlich auch in der Schmerztherapie untersucht. Auch hier zeigte sich als Resultat, dass teure Placebos besser schmerzlindernd wirken als billige. Siehe dazu:

Überraschender Placebo-Erfolg bei Schmerztherapie

Die Wirkung jedes wirksamen Arzneimittels besteht aus einem pharmakologischen Anteil (durch Wirkstoffe vermittelt) und einem Placebo-Anteil. Das gilt für synthetische Medikamente genauso wie für Phytopharmaka. Dass teurere Präparate von einem ausgeprägteren Placebo-Anteil profitieren, ist natürlich unlogisch. Es zeigt aber auch, dass Heilung nicht nur rationale Anteile hat.

Ich selber bin oft skeptisch gegenüber teuren Heilpflanzen-Zubereitungen. Es gibt Phytopharmaka, bei denen mir ein höherer Preis gerechtfertigt schein, zum Beispiel wenn damit hohe Forschungs- und Entwicklungskosten verbunden waren. Aber oft sind hohe Preise durch nichts gerechtfertigt und einfach nur Abzocke. Solchen Produkten missgönne ich dann quasi den höheren Placobo-Effekt.

Wenn billige Heilpflanzen-Präparate unbewusst weniger Ernst genommen werden, könnte das auf Kosten der Kräutertees gehen. Sie sind von Preisniveau her oft sehr moderat und deutlich tiefer als Pflanzentinkturen auf alkoholischer Basis. Viele Konsumentinnen und Konsumenten sind überzeugt, dass Pflanzentinkturen viel konzentrierter als Kräutertees sind. Berücksichtigt man aber die in der Regel damit zugeführte Dosis, lassen sich mit preisgünstigen Kräutertees meistens deutlich mehr Wirkstoffe zuführen als mit teureren Pflanzentinkturen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

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Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ bringt ein Gespräch mit dem Dermatologen Franz Legat, dem Leiter der Juckreizambulanz in Graz.

Dabei wird als Mittel gegen Juckreiz (Pruritus) unter anderem auch Menthol erwähnt.

Zitat:

„Auch Cremes mit speziellen Inhaltsstoffen, etwa mit Urea, also Harnstoff, oder Menthol können helfen. Eine Therapie in Kältekammern oder die Phototherapie, also die Therapie mit UV-Strahlen, kann juckreizlindernd wirken.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000057056706/Pruritus-Im-Juck-Kratz-Zyklus-sein

Kommentar & Ergänzung:

Menthol ist ein Bestandteil des Pfefferminzöls und dort in einem Anteil von 35 – 70 % vorhanden. Man kann also grob davon ausgehen, dass Pfefferminzöl etwas zur Hälfte aus Menthol besteht.

Bei der Anwendung von Menthol ist die Konzentration wichtig.

Um Juckreiz zu lindern sind Konzentrationen von 0,1 – 1% Menthol wirksam. Rechnet man bei Pfefferminzöl mit einen Mentholgehalt von etwa 50%, könnte man deshalb 1 – 2 % Pfefferminzöl in einer Salbengrundlage oder in fettem Öl (z. B. Mandelöl) applizieren.

Als Counterirritant zum Beispiel gegen Spannungskopfschmerzen beträgt die empfohlene Konzentration 1,25 – 16% Menthol. Üblich ist hier eine 10%ige Pfefferminzöl-Lösung auf alkoholischer Basis.

Urea (Harnstoff) ist eine organische Verbindung und bei Säugetieren ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt, das mit dem Urin und dem Schweiß ausgeschieden wird. In Salben und Lotionen dient er als Feuchtigkeitsspender und wird zu diesem Zweck synthetisch hergestellt.

Wissenschaftsgeschichtlich gilt Harnstoff als die erste aus anorganischen Ausgangsstoffen synthetisierte organische Verbindung.

Das widersprach der damals verbreiteten Vorstellung, dass organische Substanzen grundsätzlich nur von Lebewesen durch die so genannte vis vitalis (Lebenskraft) hergestellt werden könnten. Die erste Synthese von Harnstoff im Jahr 1828 durch Friedrich Wöhler gilt daher als Geburtsstunde der Biochemie. Durch diese Entwicklung galt der vitalistische Ansatz in der Biologie zunehmend als überholt.

Der Vitalismus nahm als Grundlage aller Lebensvorgänge als eigenständiges Prinzip eine Lebenskraft an. Die Hernstoffsynthese zeigte, dass zur Herstellung organischer Substanzen die Annahme einer Lebenskraft nicht notwendig ist.

Erwähnen möchte ich noch einen anderen interessanten Aspekt, der im Gespräch mit Franz Legat zu Sprache kommt:

Ein Juckreiz kann chronisch werden und sich dann von der ursprünglichen Ursache lösen. Zitat:

„Es entsteht ein Juck-Kratz-Zyklus, und der wird zu einer eigenen Juckreizerkrankung, die dann oft mit speziellen juckenden Hautveränderungen in einer sogenannten chronischen Prurigo mündet. In diesem Stadium bringt dann auch die Behandlung der auslösenden Ursache keine Hilfe mehr.“

Das scheint mir ähnlich zu sein wie bei chronischen Schmerzen. Auch sie können sich von der ursprünglichen Ursache lösen und zur eigenständigen Schmerzkrankheit werden.

Starker Juckreiz kann genauso stark belasten wie chronischer Schmerz.

In der Medizin kommen gegen Juckreiz oft Arzneimittel zur Anwendung, die eigentlich gegen andere Erkrankungen entwickelt wurden. Im Interview erwähnt werden als Optionen die Wirkstoffe Gabapentin und Pregabalin, die die Wahrnehmung und Weiterleitung von Juckreiz hemmen und bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz oder mit Nervenschäden meist gut wirken sollen.

Auch der Neurokinin-1-(NK1)-Antagonist Aprepitant habe sich als gutes Mittel gegen schweren chronischen Pruritus erwiesen, sei aber eigentlich zugelassen, um die Übelkeit bei stark wirksamen Chemotherapien zu lindern. Das Mittel sei teuer, und die Erfahrungen mit Langzeitbehandlungen seien derzeit noch gering.

Es gebe derzeit noch kein Medikament, das gegen Juckreiz zugelassen sei, sagt Legat.

In der Phytotherapie wird als Option bei Juckreiz noch der Paprika-Wirkstoff Capsaicin äusserlich angewendet. Siehe dazu:

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Fibromyalgie: Erstmals körperliche Ursachen entdeckt

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Fibromyalgie ist eine mysteriöse Krankheit mit vielfältigen Symptomen. Ihre Auslöser sind unbekannt, die Diagnose ist schwer zu stellen. Wissenschaftler am Universitätsklinikum Würzburg konnten nachweisen, dass bei Fibromyalgie Schäden im Bereich der kleinen Nervenfasern vorliegen.

Bei der Suche nach den Auslösern der typischen Fibromyalgie-Schmerzen konzentrierten sich die Forscher auf sogenannte kleinkalibrige schmerzleitende Nervenfasern (small fibers), deren Endigungen in der Haut lokalisiert sind. Sie sind für die Wahrnehmung von Schmerzen und für das Temperaturempfinden verantwortlich.

Die Untersuchungen zeigten bei Patienten mit einem Fibromyalgie-Syndrom deutliche Zeichen für eine Schädigung der kleinen Nervenfasern. Über die Resultate der Studie berichtet die Fachzeitschrift Brain.

Organische Grundlage des Fibromyalgie-Schmerzes identifiziert

Die Resultate der Studie fordern nach Ansicht der Autoren das bisherige pathophysiologische Konzept der Fibromyalgie heraus. Sie seien deshalb von beträchtlicher Relevanz. Mit dem Nachweis einer Beeinträchtigung der kleinen Nervenfasern bei Patienten mit Fibromyalgie erfülle Schmerz bei dieser Krankheit nun die Kriterien von neuropathischen Schmerzen, also von Schmerzen, die durch eine Schädigung oder Erkrankung des Nervensystems ausgelöst werden.

Mediziner hätten nun erstmals ein objektiv messbares Kriterium an der Hand, an dem sie sich bei der Diagnosestellung orientieren können.

Die Studie

Nurcan Üçeyler und Prof. Claudia Sommer haben in ihrer Studie 35 Patienten untersucht. 25 der Probanden litten an einer Fibromyalgie, zehn waren an einer Depression erkrankt – einer Krankheit, die Fibromyalgiepatienten oft zugeschrieben wird, weil es bisher an Kriterien für eine verlässliche Diagnose fehlte. Unter Schmerzen litten diese zehn Patienten nicht. Dazu rekrutierten die Wissenschaftler für jede Untersuchung passende Kontrollgruppen.

Die Medizinerinnen untersuchten die Studienteilnehmer mit drei spezifischen Testverfahren:

– Mit der quantitativen sensorischen Testung (QST) werden unter anderem thermische Wahrnehmungs- und Schmerzschwellen der kleinen Nervenfasern bestimmt.

– Durch die Ableitung Schmerz-assoziierter evozierter Potenziale (PREP) ergeben sich Erkenntnisse über die elektrische Erregbarkeit der Nervenfasern.

– Stanzproben aus der Haut gestatten die Analyse der Morphologie unter dem Mikroskop.

Mit diesen drei Methoden stehen objektive Verfahren zur Verfügung, die sich bei der Beurteilung der kleinen Nervenfasern ergänzen und deren mehrdimensionale Analyse gestatten.

Die Resultate der Studie

Das Untersuchungsresultat war eindeutig. In allen drei Testverfahren fanden die Medizinerinnen bei Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom deutliche Zeichen für eine Schädigung der kleinen Nervenfasern.

Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom reagierten in der QST weniger empfindlich auf Temperaturreize.

In den PREP-Ableitungen zeigten sie schwächere Antworten auf die Schmerzreize. Und auch unter dem Mikroskop fanden die Forscherinnen deutliche Veränderungen. In der Hautstanzbiopsie war die Anzahl der kleinen Fasern deutlich vermindert – ein Befund, der charakteristisch ist für Erkrankungen mit small-fiber-Beteiligung.

Besonders interessant für die Forscherinnen war die Erkenntnis, dass sich Fibromyalgie-Patienten in den Untersuchungsresultaten nicht nur von gesunden Studienteilnehmern unterschieden, sondern auch von den Patienten, die an einer Depression erkrankt waren, jedoch nicht unter Schmerzen litten – letztere zeigten ähnliche Resultate wie Gesunde. Obwohl Fibromyalgie-Patienten ähnlich zahlreiche depressive Symptome aufwiesen wie die depressiven Studienteilnehmer, zeigten nur sie eine Beeinträchtigung ihrer kleinen Nervenfasern.

Für die Wissenschaftlerinnen ist das Resultat der Studie eindeutig: Auch wenn noch nicht bekannt sei, weshalb es zu einer Schädigung der small fibers bei Fibromyalgie komme, könnten die Resultate die Basis für die Neudefinition des Fibromyalgie-Syndroms als Erkrankung schaffen.

Fibromyalgie was ist das?

Rund zwei bis vier Prozent der erwachsenen Bevölkerung westlicher Staaten leiden an einem Fibromyalgie-Syndrom. Es ist gekennzeichnet durch chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen und ausserdem durch weitere Beschwerden wie Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit und depressive Symptome.

Frauen leiden häufiger am Fibromyalgie-Syndrom als Männer. Die Einbusse an Lebensqualität ist enorm.

Die Diagnose wird mittels der charakteristischen Beschwerdeschilderung der Patienten gestellt sowie nach Ausschluss von alternativen Diagnosen.

Bei der Untersuchung von Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom lassen sich charakteristischerweise weder klinisch noch laborchemisch noch mittels apparativer Zusatzdiagnostik krankhafte Befunde nachweisen.

Deshalb ist das Fibromyalgie-Syndrom bis heute noch nicht als „Krankheit“ anerkannt: Es mangelt am Nachweis des krankmachenden Auslösers beziehungsweise einer fassbaren Pathologie.

Fibromyalgie-Patienten werden daher in der Praxis oft nicht ernst genommen werden. Sie müssen sich häufig Bemerkungen wie „Fibromyalgie? Gibt es nicht.“ anhören.

Nicht selten werden sie auch mit der Ansicht konfrontiert, dass ihre Beschwerden Ausdruck einer Depression sind. Tatsächlich finden sich bei Fibromyalgie-Patienten oft auch depressive Symptome. Diese könnten allerdings genauso gut die Folge ihrer chronischen Schmerzen sein. Wegen dieser „Fehldiagnosen“ dauert es häufig Jahre, bis eine Fibromyalgie diagnostiziert und die Symptome therapiert werden.

Für Betroffene und Ärzte ist die lange Odyssee der Patienten oft ausgesprochen frustrierend und zudem mit hohen Kosten für das Gesundheitssystem verbunden.

Quelle:

http://www.uni-wuerzburg.de/sonstiges/meldungen/single/artikel/fibromyalg/

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Forschung und informative Pressemeldung zum Thema Fibromyalgie.

Für Fibromyalgie-Betroffene ist es enorm wertvoll, wenn endlich organische Auslöser für ihre Beschwerden gefunden werden können.

Aus der Phytotherapie im weiteren Sinn habe ich gehört, dass manche Fibromyalgie-Patienten Linderung durch Cannabis finden, unter anderem auch in Form von Dronabinol.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Placebo wirksam gegen Ekel und Angst

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Zahlreiche Menschen leiden an Phobien, also an extremen Ekel- oder Angstreaktionen. Ein Experiment belegt nun: Bereits eine harmlose Pille ohne jeden Wirkstoff kann gegen diese Gefühle wirksam sein. Das Scheinmedikament lindert die negativen Reaktionen deutlich und verändert auch die Wahrnehmung und die Gehirnaktivität. Diese Erkenntnis liefert wertvolle neue Ansätze für Behandlungsmöglichkeiten bei Phobien.

Abwehrreaktionen gegen Fäkalien, Spinnen und Blut – die „Ekel-Top 3“ –  sind bis zu einem gewissen Grad natürlich. Verbindet sich die Abscheu jedoch mit Angst und nimmt exzessive Ausmaße an, kann das zu einer Phobie führen, die das ganze Leben beherrscht.

Das kann die Lebensqualität reduzieren und mitunter auch psychische Störungen auslösen. Anne Schienle von der Karl-Franzens-Universität Graz konnte nun in einer Studie zeigen, dass der Schlüssel dazu im Gehirn sitzt – und das bereits ein Placebo genügt, um Angst und Ekel zu überwinden.

Wirkstofflose Pille vermindert Ekelgefühle

An der Studie beteiligten sich 34 Frauen mit überdurchschnittlicher Ekelempfindlichkeit. Ihnen wurde gesagt, sie erhielten Angostura, ein altes südamerikanisches Heilmittel gegen Ekelsymptome wie Übelkeit und Erbrechen. Tatsächlich bekamen sie aber Pillen mit reiner Kieselerde – und damit ein Placebo. Erstaunlicherweise empfanden alle Teilnehmerinnen in den Tests nur noch halb so viel Abscheu wie vor der vermeintlichen Angostura-Behandlung.

„Wir konnten eindeutige Veränderungen der Gehirnaktivität und des Zusammenspiels einzelner Gehirnareale feststellen“, erläutert die Psychologin. Auch visuelle Verarbeitungsregionen seien von Veränderungen betroffen gewesen. Gemäss Schienle sollen die Probandinnen die vorgeführten Ekel-Bilder tatsächlich anders gesehen haben.

Die Resultate der Untersuchung könnten wichtige Ansätze für neue Therapiemöglichkeiten liefern. Gezielte Placebos könnten zum Beispiel als erster Schritt in Psychotherapien zur Anwendung kommen. Der Effekt könnte dann dazu beitragen, den Patienten nach der entsprechenden Aufklärung ihre Selbstheilungskräfte zu veranschaulichen.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-16337-2013-06-28.html

Karl-Franzens-Universität Graz

Kommentar & Ergänzung:

Mit Placebo-Effekten lassen sich selbstverständlich nicht alle Krankheiten heilen, aber es ist immer wieder erstaunlich, welche Wirkungen sie auslösen können.

Placebo-Effekte gibt es im übrigen auch bei Tieren und Kleinkindern und es ist nicht nötig, dass man an einen Mittel glaubt, um einen Placebo-Effekt zu bekommen.

Selbst wenn die Patientinnen und Patienten wissen, dass sie ein Placebo bekommen, ist noch ein Effekt feststellbar.

Siehe dazu:

Placebo wirkt auch wenn man weiss, dass man ein Scheinmedikament nimmt

Placebo auch ohne Täuschung wirksam

Überraschender Placebo-Erfolg bei Schmerztherapie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wahrnehmung: Blindheit gegenüber dem Offensichtlichen

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Das Konzept der Unaufmerksamkeitsblindheit sagt aus, dass unsere Wahrnehmungskapazität schrumpft, je mehr Aufmerksamkeit eine andere Aufgabe verlangt. Je mehr unsere Wahrnehmung also schon zu tun hat, umso weniger kann sie Neues aufnehmen.

Auch Mediziner sehen dabei häufig den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wissenschaftler baten Radiologen, Lungenscans auf Anzeichen für Krebs zu untersuchen. Auf einigen Scans versteckten die Forscher Abbildungen eines Gorillas. Während die winzigen Tumorknoten entdeckt wurden, blieb der Riesenaffe erstaunlicherweise unbeachtet.

Für die Studie wurden 24 Radiologen beauftragt, kleine weiße Krebsknoten auf Lungenscans zu finden und per Mausklick zu markieren. Computertomographie-Scans setzen sich im Gegensatz zu früheren Röntgenaufnahmen aus mehreren hundert Bildern oder Schichten zusammen.

Die Wissenschaftler setzten den Spezialisten drei Scans zu je 239 Bildern vor. Auf fünf aufeinanderfolgenden Bilder der letzten Lunge schummelten sie das Abbild eines Gorillas ein. Verglichen mit den weißen Knoten, auf die die Radiologen achten sollten, waren die Affenbilder 48 Mal so groß.

83 Prozent der Radiologen bemerkten den Gorilla im Scan nicht.

Nachdem die Probanden die Scans durchsucht hatten, stellten die Versuchsleiter ihnen Fragen wie, ob ihnen bei der letzten Untersuchung etwas Ungewöhnliches aufgefallen sei oder ob sie den Gorilla in der letzten Untersuchung gesehen haben. Nur vier der 24 Versuchspersonen gaben an, einen Gorilla gefunden zu haben. Auf dessen Existenz dieser Abbildungen hingewiesen, erkannten allerdings alle Probanden, dass der Affe deutlich zu sehen war. Eine Untersuchung des Blickmusters ergab, dass zwölf der 20 Radiologen, die keinen Gorilla entdeckten, die Abbildung durchschnittlich sogar länger als eine halbe Sekunde mit den Augen fixiert hatten.

Eine weitere Testgruppe mit 24 Versuchspersonen, die keinerlei medizinische Ausbildung hatte, bekam einen Crashkurs im Aufspüren des Tumorgewebes und wurde vor die gleiche Aufgabe wie die Radiologen gestellt. Niemand aus dieser Laiengruppe konnte am Ende über einen Gorilla berichten.

Diese Versuchsanordnung scheint etwas künstlich, denn es wird wohl kaum je in einem Scan ein Gorilla auftauchen. Das Phänomen ist aber sehr relevant, den der Gorilla könnte im Ernstfall eine lebensgefährliche Anomalie sein, die unentdeckt bleibt.

Der Versuch zeigt, dass wir vor allem das Erwartete finden, wenn unsere Wahrnehmung stark gefordert ist.

Die Forscher hoffen, mit ihren Erkenntnissen zur Verbesserung solcher Diagnosemethoden beizutragen.

Dass ausgerechnet eine Gorilla-Abbildung in den Scans versteckt wurde, ist eine Anlehnung an ein schon fast klassisch gewordenes Vorläufer-Experiment:

Die berühmte Studie von Simons und Chabris aus dem Jahr 1999 wurde unter dem Titel „Gorillas in unserer Mitte“ bekannt. Testpersonen werden aufgefordert, sich ein Video von Basketballspielern anzusehen und die Ballkontakte zu zählen. Mitten durch die Szene spaziert ein Mann im Gorillakostüm. Fragt man die Probanden anschließend, ob ihnen etwas Ungewöhnliches aufgefallen sei, kann die überwältigende Mehrheit nichts nennen. Dieses Phänomen heisst „Inattentional Blindness“ oder Unaufmerksamkeitsblindheit.

Das Video mit dem Gorilla-Experiment können Sie hier sehen:

http://www.theinvisiblegorilla.com/videos.html

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1712683/

Christopher Chabris und Daniel Simons haben zu diesem Thema ein lesenswertes Buch geschrieben:

Der unsichtbare Gorilla – wie unser Gehirn uns täuschen lässt, Piper Verlag 2010

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuter kennenlernen in der Schweiz 2013

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Wer Heilkräuter, Wildblumen und Alpenblumen kennenlernen möchte, kann bei mir eine kürzere oder längere „Lehrzeit“ machen in der Natur.

Dabei gibt es viele kleine Wunder am Wegrand zu entdecken. Kräuter kennenlernen, das ist nicht nur nützlich zur Behandlung von verschiedenen gesundheitlichen Beschwerden und für Wildsalate.

Es ist auch ein ästhetisches Erlebnis und es bereichert damit unsere Wahrnehmung der Welt, in der wir leben.

Tagesexkursionen:

– Sonntag 5. Mai 2013: Heilpflanzen und Wildblumen entdecken in Quinten am Walensee am Fusse der Churfirsten. Ein Ausflug mitten in den Frühling.

– Sonntag 12. Mai 2013: Von Trin nach Versam in die imposante Rheinschlucht.

Die Rheinschlucht im Kanton Graubünden ist eine der faszinierendsten Landschaften der Schweiz und bietet für unsere Kräuterexkursion eine vielfältige Pflanzenwelt.

– Pfingstsamstag 18. Mai 2013: Heilpflanzenexkursion in die Petite Camargue bei Basel. Auenwald und Trockenstandorte mit seltenen Orchideen. Und mit etwas Glück wird uns die Nachtigall mit ihrem Gesang begleiten.

– Pfingstmontag 20. Mai 2013: Heilpflanzen, Wildblumen und seltene Orchideen im Schaffhauser Randen. Eine blumenreiche Wanderung von Hemmental nach Merishausen. Auf dem Randen wachsen farbenprächtige Magerwiesen mit einer Pflanzenvielfalt, wie man sie im Flachland nur noch selten antrifft.

– Sonntag 26. Mai 2013: Heilpflanzen, Wildblumen, Schmetterlinge in Jeizinen (Wallis) oberhalb von Gampel. Die intensive Sonneneinstrahlung begünstigt wärmeliebende Pflanzen und bietet ein südländisches Ambiente.

– Sonntag 2. Juni 2013: Naturentdeckungen im Eriztal (bei Thun, Kanton Bern). Das Eriztal ist ein botanischer Geheimtipp.

Wir besuchen ein Hochmoor und treffen dort unter anderem den Sonnentau, eine insektenfressende Hustenpflanze.

– Sonntag 23. Juni 2013: Alpenpflanzen, Orchideen und Heilkräuter in Feldis (Domleschg, Graubünden). Wanderung auf der Mutta-Hochebene. Das Bergdorf Feldis liegt inmitten von blumenreichen Matten und auf dem Mutta gibt es eine tolle Aussicht und eine vielfältige Alpenflora.

– Samstag 13. Juli 2013: Alpenblumen und Heilkräuter auf Sunnbüel ob Kandersteg (Berner Oberland). Das eindrückliche Hochtal Sunnbüel ist der Zugang zum Gemmipass, welcher ins Wallis führt.

Kräuterwanderwochen:

Wer sich ein paar Tage auf Bergwanderungen intensiver mit der Pflanzenwelt auseinandersetzen möchte, kann das auf meinen Kräuterwanderwochen im Berner Oberland.

Und zwar in:

Lenk im Simmental vom 29. Juni bis 4. Juli 2013,

und in

Mürren vom 6. bis 11. Juli 2013.

Kräuter kennenlernen – das lohnt sich in vielerlei Hinsicht.

Genauere Informationen zu diesen Ausflügen in die Natur finden Sie in den Ausschreibungen, die via Kurskalender zu finden sind.

Beachten Sie dort auch die Phytotherapie-Ausbildung für Pflegende aus Spitex, Palliative Care, Spital, Pflegeheim und Psychiatrie und das Heilpflanzen-Seminar für Menschen, die sich vertieft mit einer Weiterbildung in Pflanzenheilkunde befassen möchten.

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Heilpflanzen-Exkursionen als ästhetische Bildung

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Tönt vielleicht ein bisschen hochgestochen, dieser Titel. Aber eigentlich ist etwas einfaches damit gemeint.

Auf Heilpflanzen-Exkursionen lernt man, woran man die Pflanzen erkennen kann und wofür sie gut sind. Das ist ziemlich direkt Nutzen orientiert und drückt sich aus in der auf Exkursionen relativ häufigen Frage: „Und wofür kann man diese Heilpflanze brauchen?“ – Dagegen ist auch nichts einzuwenden.

Allerdings scheint mir, dass diese Nutzenorientierung nicht der einzige Aspekt sein sollte, um den sich auf einer Heilpflanzen-Exkursion alles dreht.

Genauso wichtig finde ich, was Rolf Göppel so formuliert hat:

„Ich möchte also unter „ästhetischer Bildung“ hier etwas sehr Grundlegendes verstehen: Die Erziehung zur Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Genussfähigkeit, die Pflege der Fähigkeit zu staunen, die Sensibilisierung der Aufmerksamkeit dafür, welche Umgebung „der eigenen Seele gut tut“, die Ausbildung eines liebevoll-achtsamen Verhältnisses zu den natürlichen Erscheinungen, die einem zum Beispiel den Duft einer Blume oder den Gesang eines Vogels wertvoll sein lassen, auch wenn diese ‚zu nichts nütze’ sind und die einem die Beobachtung der Fortbewegungsart einer Raupe oder des Baus eines Spinnennetzes zum spannenden Erlebnis werden lassen, auch wenn dabei herzlich wenig ‚action’ geschieht.“

Rolf Göppel, Umwelterziehung, in: Walter Sauer (Hrsg.); Verlassene Wege zur Natur, Die Graue Edition 1992

Dieses Zitat drückt ganz präzis aus, was mir bei Exkursionen in der Natur wichtig und wertvoll ist und über den direkten Nutzen hinausgeht.

Ein nutzenorientierter Umgang mit der Natur zeigt sich in verschiedenen Varianten, nicht nur in der direkten Frage, wofür eine bestimmte Heilpflanze gut ist. Viel subtiler ist eine weit heute weit verbreitete, esoterisch eingefärbte Nutzenorientierung gegenüber der Natur.

Im Zentrum steht dabei eine Haltung, die von der Natur Ratschläge und Hinweise aller Art erwartet. Die Natur soll uns mitteilen, was für uns gut ist, was uns gesund macht oder unsere Entwicklung fördert. Überall in der Natur sollen uns Pflanzendevas oder Pflanzensignaturen geheime Zeichen geben, die es nur zu erkennen gibt. Die Natur soll uns zudem Energie und Lebenssinn liefern.

Ich halte das – mit Verlaub gesagt – für eine ziemlich ausgeprägte Konsumhaltung. Und der Mensch stellt sich nach meinem Geschmack dabei viel zu stark in den Mittelpunkt.

Siehe auch:

Signaturen der Pflanzen – Bemerkungen zu Bedeutung und Hintergründen

Rolf Göppel beschreibt eine ganz andere Art des Kontaktes zur Natur. Hier wird nicht passiv Hilfe, Rat, Gesundheit und Energie erwartet. Die Entwicklung, welche wir in und mit der Natur machen können, entsteht aus dem Kontakt, aus der Begegnung mit Pflanzen und Tieren. Sie entsteht in uns selber, insofern wir uns auf die Natur einlassen. Mir scheint, dass diese Haltung reifer, konstruktiver und in einem guten Sinn bereichernd ist. Und ich begleite auf meinen Heilpflanzen-Exkursionen und Natur-Seminaren sehr gerne Menschen, die auf solche Art Kontakt und Begegnung mit  Pflanzen, Tieren und Landschaften suchen. Das ist für ein wichtigster Aspekt, den ich mit den Exkursionen vermitteln möchte.

Alle aktuellen Exkursionsdaten finden Sie im „Kurskalender“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Quietschende Kreide wirkt im Gehirn als Alarmsignal

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Das Quietschen von Kreide auf einer Tafel, das Kratzen eines Messers auf Glas oder das Quietschen eines bremsenden Fahrrads empfinden die meisten Menschen als äusserst unangenehm. Mit Hilfe von Hirnscans stellten nun britische und deutsche Forscher fest, dass Töne zwischen 2.000 und 5.000 Hertz – das entspricht einem hohen Piepen – im Gehirn als Alarmauslöser wirken.

In der gleichen Tonlage liegen auch hohes Kreischen und Schreien, das in der Natur oft eine Gefahr anzeigt, schreiben die Wissenschaftler.

Ihre Studie wurde im Fachmagazin „Journal of Neuroscience“ veröffentlicht.

Die Wahrnehmung solcher Töne löse eine Alarmreaktion aus. Dadurch werde unser Hörzentrum noch sensibler gegenüber dem potenziell Gefahr anzeigenden Laut und bewirke gleichzeitig instinktiv negative Gefühle. Es kommt sogar zu Körperreaktionen wie Zusammenzucken, Gänsehaut und dem Impuls, die Ohren zuzuhalten.

Bei dieser Reaktion setzt etwas sehr Primitives ein, schreibt Erstautor Sukhbinder Kumar von der Universität Newcastle, der die Forschungsarbeiten zusammen mit Kollegen vom Wellcome Trust Centre for Neuroimaging in London und vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig durchgeführt hat.

Wenn wir solche als unangenehm empfundenen Töne wahrnehmen,  schalte sich direkt das für Emotionen zuständige Hirnzentrum ein, die Amygdala (Mandelkern). Die Amygdala – ein Teil des Limbischen Systems – übernehme dann die Steuerung der Hörrinde und beeinflusse direkt unser Empfinden beim Hören solcher hochfrequenter Quietschtöne.

Die neuen Erkenntnisse könnten nach Ansicht der Wissenschaftler auch zur Klärung der Frage beitragen, warum zum Beispiel Menschen mit Migräne oder Autismus häufig speziell geräuschempfindlich sind. Die Forscher vermuten, dass bei diesen Menschen die Amygdala möglicherweise besonders stark reagiert und so verfrüht die Abwehrreaktion und Überempfindlichkeit auslöst.

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler 13 Versuchspersonen 74 verschiedene, kurze Geräusche vorgespielt – vom Kratzen von Messer oder Gabel auf Glas über den Schrei einer Frau bis hin zu eher angenehmen Geräuschen wie dem Plätschern von Wasser. Die Probanden lagen unterdessen in einem Magnetresonanztomographen, dieser Hirnscanner zeichnete jeweils die Aktivität verschiedener Hirnbereiche auf. Nach jedem Ton sollten die Versuchpersonen auf einer Skala von 1 bis 5 festhalten, wie angenehm oder unangenehm sie das Geräusch empfanden.

Von den 74 Geräuschen am negativsten stuften die Probanden das Geräusch eines Messers oder einer Gabel auf Glas ein. Dicht dahinter an dritter Stelle folgte das berüchtigte Quietschen von Kreide auf einer Tafel. Auf den sechsten Platz schaffte es das Kreischen einer Frau, an achter Stelle folgte das Quietschen von Fahrradbremsen und immerhin an neunter das Weinen eines Babys.

Donner überraschend als angenehm empfunden

Klar als angenehm beurteilten die Versuchspersonen dagegen Babylachen, Applaus und seltsamerweise auch Donner. Die Analyse der akustischen Eigenschaften der als negativ empfundenen Geräusche zeigte ein klares Muster: Als sehr negativ empfundene Töne wiesen hohe Frequenzen und nur geringe Schwankungen im Laufe des Tons auf. Am stärksten seien die negativen Reaktionen bei hohen Tönen zwischen 2.000 und 5.000 Hertz ausgefallen, schreiben die Wissenschaftler.

In den Gehirnscans zeigten sich ebenfalls klare Zusammenhänge, berichten die Forscher: Je höher der Ton und je geringer die Modulation, desto stärker fiel auch die Reaktion der Amygdala in der rechten Gehirnhälfte aus. Dieses Emotionszentrum verarbeite sowohl die akustischen Eigenschaften der Töne und Geräusche als auch deren möglicherweise bedrohliche Bedeutung. Letztere löse schliesslich die instinktive Abwehrreaktion aus. Das erkläre, warum bei Geräuschen, welche die Versuchspersonen subjektiv als unangenehm einstuften, auch ihre Amygdala besonders aktiv war.

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article109842774/Warum-uns-quietschende-Kreide-erschaudern-laesst.html

http://science.orf.at/stories/1706429/

http://www.jneurosci.org/content/32/41/14184

Kommentar & Ergänzung:

Endlich einmal eine Neuroforschung, die ich – via Gänsehaut – direkt nachvollziehen kann.

Die Frage, welche Geräusche als angenehm und welche als unangenehm empfunden werden, hat aber auch eine ganz lebenspraktische Bedeutung.

Da gibt es offenbar evolutionsbedingt festgelegte Kategorien, bestimmt aber auch kulturell und individuell geprägte Präferenzen.

Ich nehme mir jedenfalls vor, diesen Aspekten mehr Beachtung zu schenken und gelegentlich mal eine Liste zu erstellen mit für mich angenehmen und unangenehmen Geräuschen.

Dass Donner als positiv erlebt wird, hat mich zuerst auch überrascht. Ich glaube aber, dass hier der Kontext entscheidend ist. Als isolierte Erfahrung in einem Hirnscanner verliert der Donner jede Gefährlichkeit.  Zudem gibt es sehr unterschiedliche Qualitäten von Donner. Wenn ein Gewitter sich von Ferne mit Donnergrollen ankündigt, dann spricht mich das auch noch überwiegend positiv an. Eine umfassende, „ganzheitliche“ Gewittererfahrung auf einem Berggipfel würde dem Donner aber eine andere Konnotation verleihen.

Das ist mir allerdings zum Glück noch nie passiert. Wer bei einem Gewitter noch auf einem Berggipfel steht, hat etwas falsch gemacht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Honig lindert Erkältungen bei Kleinkindern

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Schon ab dem Alter von einem Jahr lindert Honig Erkältungssymptome vor dem Schlafengehen. Zu diesem Schluss kamen Wissenschaftler aus Israel in einer Studie, die in der Fachzeitschrift Pediatrics publiziert wurde (Pediatrics 2012; online 6. August).

200 hustende und schniefende Kinder erhielten vor dem Schlafengehen 10 g Eukalyptushonig, Zitronenblütenhonig oder Honig von Lippenblütlern (Thymian, Melisse oder Salbei).

70 ebenfalls erkältete Kinder bekamen stattdessen Silan-Dattel-Extrakt, der in Farbe und Konsistenz dem Honig ähnelt. Das Mindestalter der Kinder betrug ein Jahr, das mittlere Alter lag bei zweieinhalb Jahren.

Alle drei Honigsorten schienen die Erkältungssymptome zu lindern, jedenfalls in der Wahrnehmung der Eltern.

Auf einer 7-Punkte-Skala notierten die Eltern für die Hustenfrequenz nach einer Nacht eine Verbesserung um 1,77 Punkte durch den Eukalyptushonig, um 1,95 Punkte durch den Zitronenblütenhonig und um 1,82 Punkte durch Lippenblütlerhonig.

Auch das süß schmeckende Placebo-Präparat hatte bewirkt, dass die Kinder nachts weniger husteten, der Effekt war allerdings deutlich geringer als beim Honig.

Alle drei Honigsorten hatten zudem die Hustenstärke reduziert, nämlich um 1,78, 1,77 und 1,94 Punkte (Placebo: 0,99). Die Kinder, die Honig bekommen hatten, mussten sich weniger quälen und schliefen deutlich besser durch.

Die heilsame Wirkung von Honig soll auf seinen antioxidativen und antimikrobiellen Eigenschaften beruhen. Auch ein zentraler hustendämpfender Effekt wird vermutet.

Dieser Effekt könnte auch bei dem Dattel-Placebo eine Rolle gespielt haben. Unerwünschte Nebenwirkungen waren nach Einnahme der drei Honigsorten nicht häufiger beobachtet worden als mit Placebo.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/820595/husten-honig-guter-erkaeltungssaft.html

http://pediatrics.aappublications.org/content/early/2012/08/01/peds.2011-3075.abstract

Kommentar & Ergänzung:

Das altbewährte Hausmittel und Naturheilmittel Honig bekommt durch diese Studie Support.

Wobei offen bleibt, wodurch die günstige Wirkung von Honig bei Erkältungen bzw. Husten zustande kommt.

Und die Unterschiede zwischen Eukalyptushonig, Zitronenblütenhonig und Lippenblütlerhonig scheinen nicht sehr relevant.

Wenn der Silan-Dattel-Extrakt in dieser Studie als Placebo fungiert, ist dies allerdings nicht ganz korrekt. Ein Placebo darf selber keine Wirkung haben. Dattel-Extrakt enthält wie Honig bestimmt verschiedene Zuckerarten und ist dadurch nicht unwirksam, wie ja auch die Studie gezeigt hat.

Beachtet werden sollte das Kariesrisiko bei der abendlichen Verabreichung von Honig.

Zum Thema Honig siehe ausserdem:

Honig zeigt Wirkung gegen multiresistente Bakterien

Honig als Wundheilmittel

Honig gegen Mundschleimhautentzündung (Mucositis) bei Chemotherapie / Bestrahlung

Wundheilmittel: Honig gegen resistente Bakterien

Honig: Altes Wundheilmittel im Aufwind

Honig verkürzt Wundheilung bei Brandwunden

Naturheilmittel: Wundbehandlung mit Manuka-Honig

Honig heilt entzündetet Nasenhöhlen – stimmt das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Riesenbärenklau: Risiko von Hautentzündungen

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Im Garten wuchernder Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum, syn. Heracleum giganteum,) sollte jetzt im Frühsommer entfernt werden. Der auch als Herkulesstaude bekannte Doldenblütler verdrängt nicht nur andere Gewächse, sondern führt unter Einwirkung von Sonnenlicht bei Kontakt mit dem Saft auch zu starken Hautreaktionen. Erkennbar ist der bis zu vier Meter hohe Riesenbärenklau an seinen weißen Blütendolden mit bis zu 100 Zentimetern Durchmesser, den tief eingeschnittenen Blättern und an dem bis zu 10 Zentimeter starken, knotigen Stängel.

Foto auf Wikipedia,

Alle Pflanzenteile enthalten phototoxisch wirkende Furanocumarine, die in Kombination mit Sonnenlicht zu schweren Hautreaktionen führen. Auf der Haut entwickeln sich nach dem Kontakt mit dem Gift häufig erst mit einer Verzögerung von zwei oder drei Tagen Blasen, die an eine schwere Verbrennung erinnern. Hauptsächlich Kinder sind gefährdet, warnt der Landesverband Hamburg und Sachsen des Naturschutzbundes Deutschland (NABU).

Kommen Kinder mit Pflanzensaftspritzern in Kontakt, sollten gemäss NABU die betroffenen Hautstellen gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und mit Sonnencreme eingerieben werden. Zwei bis drei Tage sollte das Kind die Sonne meiden. Bei starken Reaktionen ist ärztliche Behandlung nötig.

Beim Eliminieren der Stauden müssen zuerst die Blütendolden abgehackt werden. Dies muss sehr vorsichtig durchgeführt werden, da andernfalls Samen abfallen und nachreifen können. Eine Riesenbärenklau-Pflanze kann bis zu 10.000 Samen entwickeln. Deshalb sollten die Dolden auch keinesfalls auf dem Kompost entsorgt werden.

Den Rest der Pflanze muss man abhacken und ie Wurzel bis in etwa 15 Zentimeter Tiefe abstechen. Hat sich die Pflanze schon weit ausgebreitet, ist Mähen am sinnvollsten. Dies muss allerdings mehrmals im Abstand von zirka zehn Tagen wiederholt werden, da sich immer wieder Blüten ausbilden können. Während der Arbeit, die möglichst in der Dämmerung oder bei starker Bewölkung durchgeführt wird, sind lange Kleidung, Handschuhe und Gesichtsschutz nötig.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/riesenbärenklau-gefahr-von-hautreaktionen-090012248.html

Kommentar & Ergänzung:

Zusammen der Ambrosia, (Ambrosia artemisiifolia), die schwere Allergien auslösen kann, ist der Riesenbärenklau bei uns wohl der medizinisch problematischste Neophyt (Neueinwanderer). Sein natürliches Verbreitungsgebiet liegt im Kaukasus.

Und wie kam die Pflanze nach Mitteleuropa?

„ Die Ausbreitung in Mitteleuropa geht auf den russischen Zaren Alexander I. zurück. Er schenkte dem Fürsten Metternich nach dem Wiener Kongress (1815) eine riesige Malachitvase voll Samen des Riesen-Bärenklaus. Der Fürst wiederum pflanzte diese in den Treibhäusern seiner Sommerresidenz in Böhmen im Schloss Königswart als Zierpflanze an.

Im restlichen Europa wurde der Riesen-Bärenklau etwa 1890 als Zierpflanze eingeführt und zuerst in den Parks des englischen Königshofs angepflanzt. Als Zierpflanze wird er noch heute gelegentlich in Gärten und Parks verwendet.

Zur mitteleuropäischen Ausbreitung des Riesen-Bärenklaus hat wesentlich beigetragen, dass der Pflanze ein wirtschaftlicher Nutzen unterstellt wurde. Imkern wurde er in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederholt als Bienenweide empfohlen, und in der Forstwirtschaft verwendete man sie, weil man mit den dichten Beständen dieser Pflanze dem Wild zusätzliche Deckung geben wollte und man der Überzeugung war, mit dieser Pflanze Böschungen befestigen zu können.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Bedeutung des Riesenbärenklaus als invasiver Neophyt schreibt Wikipedia:

„ Der Riesen-Bärenklau wird als invasiver (=eindringender) Neophyt eingestuft und seine Ausbreitung häufig sehr emotional wahrgenommen oder reißerisch in der Presse kommentiert. Diese Reaktion ist teilweise darauf zurückzuführen, dass die Pflanze erhebliche gesundheitliche Risiken in sich birgt und bereits bloße Berührungen ernsthafte gesundheitliche Schädigungen nach sich ziehen können.

Neben gesundheitlichen Gefährdungen, die durch den Riesen-Bärenklau verursacht werden, gibt es noch folgende:

In Schweden kam es durch hohe Riesen-Bärenklau-Stauden an Straßenrändern zu Sichtbeschränkungen im Straßenverkehr.

Da die Wurzeln des Riesen-Bärenklaus keine böschungsbefestigende Wirkung haben, diese Pflanze jedoch häufig am Rand von Fließgewässern gedeiht, kann von ihnen eine erhöhte Erosionsgefahr ausgehen.

Erosionsgefährdung trat auch an den Hängen von Hohlwegen auf.

Zu Ertragsverlusten kann es kommen, wenn Riesen-Bärenklau-Stauden sich auf Äckern und Wiesen etablieren.

Standorte, die von Riesen-Bärenklau dominiert werden, weisen im Vergleich zur benachbarten Vegetation ein geringeres Artenspektrum auf. Er breitet sich vorwiegend an solchen Standorten aus, die durch menschliche Eingriffe stark verändert sind – in der Botanik werden solche als „anthropogen gestörte Standorte“ bezeichnet. Arten, die sich wegen ihrer Gefährdung auf der Roten Liste befinden, sind auf solchen Standorten selten zu finden. Vereinzelt dringt der Riesen-Bärenklau in gefährdete Biotope ein und konkurriert mit seltenen Arten oder behindert Pflegemaßnahmen des Naturschutzes.

Der ökologische Schaden, der vom Riesen-Bärenklau ausgeht, ist verglichen mit anderen invasiven Neophyten wie beispielsweise der Späten Traubenkirsche oder der Gewöhnlichen Robinie eher gering. Die breite öffentliche Wahrnehmung des Riesen-Bärenklaus als problematischer Neophyt resultiert daher vor allem aus den Risiken für die menschliche Gesundheit.“

(Quelle: Wikipedia)

Was gibt es sonst noch für relevante Neophyten?

Ein weiterer bedeutender Neophyt ist die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), die in Feuchtgebieten epidemisch auftreten kann, dabei viele andere Pflanzenarten verdrängt und mit viel Aufwand entfernt werden muss. Immerhin könnte man sie in Nieren-Blasentees verwenden und für Insekten ist sie noch spät im Sommer eine gute Nahrungsquelle.

An Flussufern verbreitet sich gern das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera), das ursprünglich aus Indien stammt. Es wurde als Zierpflanze eingeführt.

Problematisch ist auch der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica). Er stammt ursprünglich aus Ostasien und ist in China, Korea und Japan heimisch. Die Pflanze wurde um 1825 von Philipp Franz von Siebold als Zierpflanze und Viehfutterpflanze nach Europa gebracht. Auch in der Forstwirtschaft wurde der Japanische Staudenknöterich gezielt angepflanzt. Das Gewächs sollte als Äsungspflanze für Rotwild sowie als Deckungspflanze für Fasane dienen. Es hat sich allerdings gezeigt, dass der Japanische Staudenknöterich als Äsung nicht angenommen wird und dass er als Deckungspflanze, auf Grund des Blattfalls im Winter, wenig geeignet ist. Großzügig an seiner Ausbreitung beteiligt waren zudem Imker, weil der Staudenknöterich noch im Frühherbst eine exzellente Bienenweide ist.

Siehe auch:

Ambrosia-Allergie – Ambrosia-Bekämpfung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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