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Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

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Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ bringt ein Gespräch mit dem Dermatologen Franz Legat, dem Leiter der Juckreizambulanz in Graz.

Dabei wird als Mittel gegen Juckreiz (Pruritus) unter anderem auch Menthol erwähnt.

Zitat:

„Auch Cremes mit speziellen Inhaltsstoffen, etwa mit Urea, also Harnstoff, oder Menthol können helfen. Eine Therapie in Kältekammern oder die Phototherapie, also die Therapie mit UV-Strahlen, kann juckreizlindernd wirken.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000057056706/Pruritus-Im-Juck-Kratz-Zyklus-sein

Kommentar & Ergänzung:

Menthol ist ein Bestandteil des Pfefferminzöls und dort in einem Anteil von 35 – 70 % vorhanden. Man kann also grob davon ausgehen, dass Pfefferminzöl etwas zur Hälfte aus Menthol besteht.

Bei der Anwendung von Menthol ist die Konzentration wichtig.

Um Juckreiz zu lindern sind Konzentrationen von 0,1 – 1% Menthol wirksam. Rechnet man bei Pfefferminzöl mit einen Mentholgehalt von etwa 50%, könnte man deshalb 1 – 2 % Pfefferminzöl in einer Salbengrundlage oder in fettem Öl (z. B. Mandelöl) applizieren.

Als Counterirritant zum Beispiel gegen Spannungskopfschmerzen beträgt die empfohlene Konzentration 1,25 – 16% Menthol. Üblich ist hier eine 10%ige Pfefferminzöl-Lösung auf alkoholischer Basis.

Urea (Harnstoff) ist eine organische Verbindung und bei Säugetieren ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt, das mit dem Urin und dem Schweiß ausgeschieden wird. In Salben und Lotionen dient er als Feuchtigkeitsspender und wird zu diesem Zweck synthetisch hergestellt.

Wissenschaftsgeschichtlich gilt Harnstoff als die erste aus anorganischen Ausgangsstoffen synthetisierte organische Verbindung.

Das widersprach der damals verbreiteten Vorstellung, dass organische Substanzen grundsätzlich nur von Lebewesen durch die so genannte vis vitalis (Lebenskraft) hergestellt werden könnten. Die erste Synthese von Harnstoff im Jahr 1828 durch Friedrich Wöhler gilt daher als Geburtsstunde der Biochemie. Durch diese Entwicklung galt der vitalistische Ansatz in der Biologie zunehmend als überholt.

Der Vitalismus nahm als Grundlage aller Lebensvorgänge als eigenständiges Prinzip eine Lebenskraft an. Die Hernstoffsynthese zeigte, dass zur Herstellung organischer Substanzen die Annahme einer Lebenskraft nicht notwendig ist.

Erwähnen möchte ich noch einen anderen interessanten Aspekt, der im Gespräch mit Franz Legat zu Sprache kommt:

Ein Juckreiz kann chronisch werden und sich dann von der ursprünglichen Ursache lösen. Zitat:

„Es entsteht ein Juck-Kratz-Zyklus, und der wird zu einer eigenen Juckreizerkrankung, die dann oft mit speziellen juckenden Hautveränderungen in einer sogenannten chronischen Prurigo mündet. In diesem Stadium bringt dann auch die Behandlung der auslösenden Ursache keine Hilfe mehr.“

Das scheint mir ähnlich zu sein wie bei chronischen Schmerzen. Auch sie können sich von der ursprünglichen Ursache lösen und zur eigenständigen Schmerzkrankheit werden.

Starker Juckreiz kann genauso stark belasten wie chronischer Schmerz.

In der Medizin kommen gegen Juckreiz oft Arzneimittel zur Anwendung, die eigentlich gegen andere Erkrankungen entwickelt wurden. Im Interview erwähnt werden als Optionen die Wirkstoffe Gabapentin und Pregabalin, die die Wahrnehmung und Weiterleitung von Juckreiz hemmen und bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz oder mit Nervenschäden meist gut wirken sollen.

Auch der Neurokinin-1-(NK1)-Antagonist Aprepitant habe sich als gutes Mittel gegen schweren chronischen Pruritus erwiesen, sei aber eigentlich zugelassen, um die Übelkeit bei stark wirksamen Chemotherapien zu lindern. Das Mittel sei teuer, und die Erfahrungen mit Langzeitbehandlungen seien derzeit noch gering.

Es gebe derzeit noch kein Medikament, das gegen Juckreiz zugelassen sei, sagt Legat.

In der Phytotherapie wird als Option bei Juckreiz noch der Paprika-Wirkstoff Capsaicin äusserlich angewendet. Siehe dazu:

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Meisterwurztinktur bei Schwächezuständen?

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Meisterwurztinktur helfe allen Menschen bei Schwächezuständen, schreibt ein Verkäufer von Meisterwurztinktur (den ich hier nicht nenne, weil ich ihn nicht noch kostenlos bekannter machen will).

Nichts gegen Meisterwurz (Peucedanum ostruthium). Er hat in der traditionellen Pflanzenheilkunde einen grossen Ruf und riecht eindrücklich aromatisch durch den Gehalt an ätherischen Ölen.

An der erwähnten Aussage lässt sich jedoch vor allem zeigen, woran sich unseriöse Heilungsversprechungen erkennen lassen.

Meisterwurztinktur hilft also angeblich allen Menschen mit Schwächezuständen.

Zwei Punkte sind an dieser Aussage kritisch:

  1. Das Wort „alle“.

Diese Verallgemeinerung kommt einer Garantie gleich. Garantien sind in der Heilkunde immer ein Grund zu Skepsis. Der menschliche Organismus ist zu komplex für Garantien. Bei einem Staubsauger ist eine Garantie angemessen, beim Menschen nicht.

  1. „allen Menschen mit Schwächezuständen.“

Das bedeutet dann auch: Bei allen Arten von Schwächezuständen.

Schwächezustände können aber ganz unterschiedliche Ursachen haben. Es ist kaum vorstellbar, dass Meisterwurztinktur in allen Fällen helfen kann, unabhängig von der zugrunde liegenden Ursache.

Aber nun einmal abgesehen von der unseriösen absoluten Formulierung des Herstellers: Kann Meisterwurztinktur bei Schwächezuständen helfen?

Dazu gibt es keine verlässlichen Daten. In der Phytotherapie taucht Meisterwurz kaum auf und schon gar nicht mit der Indikation „Schwächezustände“.

In der Antike war Meisterwurz als Heilpflanze unbekannt. Im 16. Und 17. Jahrhundert dagegen galt die Wurzel dagegen als Universalmittel und wurde in den Kräuterbüchern oft genannt.

Matthiolus (1500 – 1577) schreibt zum Beispiel:

„Sie zertheilen und verzehren die groben, zähen, kalten flüsse im Leibe. Dienen wider den Husten. Sie zertrennen auch den schleimigen Lungenkoder und fürdern ihn zum aussreuspern.“

Quelle: „Arzneipflanzen in der Traditionellen Medizin“, Kooperation Phytopharmaka (Hrsg.), 2000.

Husten ist in den alten Kräuterbüchern ein häufig genanntes Anwendungsgebiet für Meisterwurz. Die Pflanze ist aber auch ein gern eingesetzter Bestandteil von Kräuterschnäpsen.

Aufgrund ihres Gehalts an ätherischem Öl und Bitterstoffen ist eine verdauungsfördernde Wirkung plausibel.

Und die Schwächezustände? Denkbar wäre eine anregende Wirkung des ätherischen Öls im Sinne einer Aromatherapie, aber das ist reine Spekulation und experimentell zeigt die Pflanze offenbar eher leicht beruhigende Effekte (nach „Handbuch Phytotherapie“ von Jänicke / Grünwald / Brendler (2003).

 

Es spricht viel dafür, dass die Indikation „Schwächezustände“ für die Meisterwurztinktur eher auf der verkaufsfördernden Fantasie des Verkäufers beruht als auf fundierten Erkenntnissen. Denn wer fühlt sich schon nicht gelegentlich schlapp und könnte dann eine solche Pflanzentinktur brauchen?

Und abschliessend: Wenn schon Meisterwurz, dann würde ich den Tee der Tinktur vorziehen. Er ist günstiger zu kaufen und führt mehr Wirkstoffe zu.

Siehe dazu:

Pflanzentinkturen oder Kräutertees?

Und ausserdem:

Meisterwurz (Imperatoria) als Antidot?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Warzenmittel im Test

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Das Verbraucherschutzmagazin Öko-Test (Juli 2016) hat 17 Mittel gegen Warzen untersucht, die ohne Rezept in Apotheken oder Drogeriemärkten erhältlich sind. Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung dieses Berichts mit Anmerkungen zu pflanzlichen Warzenmitteln und zur Warzentherapie nach Huckleberry Finn.

Alle von Öko-Test untersuchten Warzenmittel bekämpfen lediglich Symptome, nicht aber die Ursache der Hautläsionen – humane Papillomaviren.

Die Gesamtnote „gut“ ging ausschließlich an Salicylsäure-haltige Mittel aus der Apotheke, weil für diese Substanz die Wirksamkeit am besten durch Studien belegt ist, begründet Öko-Test das Urteil.

Ameisensäure, Monochloressigsäure und Vereisung erklärt der Oeko-Test-Experte zu Mitteln zweiter Wahl. Die Datenlage sei schlechter als bei Salicylsäure, lautet die Begründung. Die entsprechenden Präparate wurden mit der Note „befriedigend“ bewertet.

Flüssiger Stickstoff, wie er in Hautarztpraxen zur Warzenvereisung eingesetzt wird, solle nach Ansicht des Oeko-Test-Experten bevorzugt werden. Er ist wesentlich kälter als die Präparate für die Selbstmedikation und daher potenziell wirksamer.

Beim Umgang mit Monochlor-und Trichloressigsäure ist große Vorsicht geboten, da sie deutlich stärker hautreizend sind als Salicylsäure.

Von chirurgischen Eingriffen rät der Öko-Test-Experte ab, da sie tiefe offene Wunden hinterlassen können.

Oeko-Test weist darauf hin, dass die meisten Hautwarzen ungefährlich sind und nicht zwingend behandelt werden müssen. In aller Regel heilen sie irgendwann von selber ab, was allerdings Wochen, Monate, aber auch Jahre dauern könne.

Öko-Test orientiert sich bei der Beurteilung an wissenschaftlichen Kriterien, zeigt sich gegenüber alternativen Hausmitteln wie Schöllkraut, Schneckenschleim, Zwiebeln, Zitronensaft, Bananenschalen oder Eigenurin jedoch aufgeschlossen, solange Nebenwirkungen wie Hautreizungen beachtet werden. Was hilft, habe seine Berechtigung, heißt es. So verschwinden Warzen oft von selbst und zudem könne Autosuggestion wie beim Besprechen möglicherweise das Immunsystem stärken und so helfen. Man müsse nur fest genug daran glauben, so wie Huckleberry Finn in Mark Twains Roman „Tom Sawyers Abenteuer“:

„Na, du nimmst deine Katze und gehst auf ’nen Friedhof, kurz vor Mitternacht, dahin, wo jemand, der ’n schlechter Mensch gewesen ist, begraben liegt, und wenn’s Mitternacht ist, kommt ’n Teufel oder vielleicht auch zwei oder drei (…), und wenn sie den Kerl wegholen, schmeißte deine Katze hinterher und sagst: ‚Teufel folg Leiche, Katze folg Teufel, Warzen folg Katze, ich bin euch los!‘ Das bringt dir jede Warze weg.“

Die Verbraucherschützer raten Huckleberry Finn allerdings, es besser ohne tote Katze zu versuchen.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/06/30/was-hilft-gegen-warzen/chapter:1

Kommentar & Ergänzung:

Salicylsäure wirkt keratolytisch (hornhautauflösend) und wird auch in der Fachliteratur als Mittel der ersten Wahl empfohlen.

Da Warzen selbstlimitierend sind – irgendwann also von alleine verschwinden – ist die Beurteilung von Behandlungserfolgen im Einzelfall schwierig. Verschwindet eine Warze im Verlaufe einer Behandlung, weiss man nie mit Sicherheit, ob sie wegen der Behandlung verschwunden ist, oder weil einfach der natürliche Zeitpunkt ihres Verschwindens gerade erreicht war.

Eindrücklich ist zudem, wie stark Warzen oft über Suggestion beeinflussbar sind. Das zeigen alle diese überlieferten Rituale mit Besprechen, schwarzen Katzen etc., aber auch die unübersehbare Zahl verschiedenster Hausmittel, die offenbar nicht selten Erfolg haben.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde hat Schöllkrautsaft einen Ruf als Warzenmittel: Zweimal täglich den gelb-orangen Saft aus Blatt oder Stängel frisch auftragen und eintrocknen lassen.

Klinische Untersuchungen, die eine solche Wirkung überprüft hätten, gibt es keine. Das ist nicht weiter erstaunlich. Wer würde schon Geld investieren in die Forschung für ein pflanzliches Warzenmittel, das an jeder Ecke wächst, und das sich daher kaum patentieren und kommerzialisieren lässt.

Immerhin wurden die Wirkstoffe im Schöllkraut untersucht. Es handelt sich dabei vor allem um Alkaloide, bei denen mögliche Erklärungen für eine Wirksamkeit gegen Warzen gefunden wurden. Dazu ein paar Zitate aus der Phytotherapie-Fachliteratur:

„Die quartären Alkaloide, wie Sanguinarin, Chelerythrin und Berberin, reagieren mit nukleophilen bzw. anionischen Gruppen von Eiweissen sowie Nukleinsäuren, hemmen dadurch zahlreiche Enzyme und durch Interkalation in die DNA auch die Zellteilung. Sie sind antimikrobiell und zytostatisch wirksam…Ihre zytostatische Wirkung wird möglicherweise bei der in der Volksmedizin übichen lokalen Anwendung des frischen Milchsafts zur Behandlung von Warzen ausgenutzt.“

Quelle: Teuscher / Melzig / Lindequist, Biogene Arzneimittel, 2012

 

„Äusserlich werden heute noch einige Tropfen des aus der Pflanze gepressten Milchsaftes auf Warzen aufgetragen. Das Wirkprinzip ist unklar; zytostatisch effektive Alkaloide oder Proteasen werden diskutiert.“

Quelle: Dingermann / Hiller / Schneider / Zündorf, Arzneidrogen, 2004

 

„Die Alkaloide sind viruzid….Berberin und Sanguinarin sind starke DNA-interkalierende Substanzen und wirken deshalb cytotoxisch, antimikrobiell und antiviral.“

Quelle: Van Wyk / Wink / Wink, Handbuch der Arzneipflanzen, 2015

 

Zusammengefasst: Alkaloide aus Schöllkraut wirken gegen Viren, hemmen die Zellteilung und spalten Eiweisse. Das sind Erklärungen für eine mögliche Wirksamkeit gegen Warzen. Allerdings muss dabei eingeschränkt werden, dass diese Aussagen auf Experimenten im Labor basieren. Wenn in einer Pflanze Inhaltstoffe vorhanden sind, die im Labor gewisse Effekte zeigen, kann man daraus noch nicht schliessen, dass solche Effekte auch im lebenden Organismus gegen bestimmte Erkrankungen wirksam wird – zum Beispiel gegen Warzen.

Es bleibt also bei sorgfältiger Interpretation noch offen, ob das immer wieder beobachtete Verschwinden von Warzen während einer Schöllkrautsaftkur durch Inhaltstoffe verursacht wurde, durch den natürlichen Verlauf oder durch suggestive Einflüsse. Bei letzterem könnte man sagen, dass Schöllkrautsaft nicht ein Wirkstoffträger ist, sondern ein Bedeutungsträger.

Noch schwieriger als Schöllkraut sind die anderen erwähnten Warzenmittel Schneckenschleim, Zwiebeln, Zitronensaft, Bananenschalen oder Eigenurin:

Schneckenschleim soll antibakteriell wirken. Schnecken schützen sich damit gegen bakterielle Infektionen. Das erklärt keine Wirkung gegen Warzenviren.

Auch Zwiebel wirkt antibakteriell. Traditionell legt man rohe, gesalzene Zwiebelscheiben auf die Warzen auf – erklärt aber auch keine Wirkung gegen Warzenviren. Hautreizende Wirkung mit Durchblutungssteigerung und Verbesserung der Abwehrlage? Alles Spekulation.

Zitronensaft? Keine einleuchtende Erklärung.

Bananenschale? Man soll die Innenseite einer Bananenschale zuschneiden, auf die Warze auflegen und mit einem Heftpflaster befestigen. Das ist eine interessante Idee. Eine plausible Erklärung dafür habe ich aber bisher noch keine gehört.

Eigenurin? Nicht nachvollziehbar – und das Phänomen, dass Eigenurin völlig unkritisch zur Behandlung von unzähligen Krankheiten empfohlen wird, macht die Sache erst recht nicht glaubwürdig. Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Indikationslyrik unter der Lupe

 

Also wenn Sie mich fragen: Trotz fehlender Belege – Schöllkraut ist doch einen Versuch wert. Kostenlos, verfügbar, interessantes Ritual.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Gerichtsentscheid zu Kava-Kava: Widerruf der Zulassung war rechtswidrig

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Kava-Kava (Rauschpfeffer) ist ein Strauch, der hauptsächlich auf Inseln des südlichen Pazifiks vorkommt und dessen Wurzelstock dort traditionell als wässriger Aufguss eingenommen wird. Kava-Kava-haltige Arzneimittel waren in Kapsel-, Tabletten- oder Tropfenform zur Behandlung von nervösen Angst-, Spannungs- und Unruhezuständen auf dem Markt.

Aufgrund von Verdachtsfällen auf Leberschädigung in der Schweiz hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein Stufenplanverfahren eingeleitet und 2002 ein Ruhen der Zulassung angeordnet. Nachdem das BfArM und die Hersteller sich nicht darauf einigen konnten, welche Studien vorgelegt werden müssen, wurde die Zulassung im Dezember 2007 widerrufen. Ausgenommen von diesem Entscheid waren homöopathische Zubereitungen mit einer Endkonzentration ab D5 und Arzneimittel, die nach der spagyrischen Verfahrenstechnik nach Zimpel hergestellt werden. Sie enthalten keine Wirkstoffe in relevanter Konzentration, so dass auch keine Risiken erwartet werden.

Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen (OVG) hat nun das Urteil der Vorinstanz (VG im Mai 2014) bestätigt: Das BfArM habe die Zulassungen zu Unrecht widerrufen. Bevor es ein Comeback des Kava-Kava-Extrakts geben kann, muss sich allerdings womöglich noch das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) mit dem Fall beschäftigen.

Die Voraussetzungen für einen Widerruf der Zulassung seien nicht erfüllt, so die Richter des OVG: Das Nutzen-Risiko-Verhältnis sei nicht ungünstig, wenn bestimmte Änderungen in den Zulassungen vorgenommen würden, um die Risiken bestmöglich einzudämmen, stellen sie fest.

Die Kava-Arzneimittel hätten eine therapeutische Wirksamkeit und für ihren Nutzen spreche auch, dass es sich bei Angststörungen um eine ernsthafte, weitverbreitete und behandlungsbedürftige psychische Erkrankung handele.

Zwar gebe es Anwendungsrisiken in Form hepatotoxischer Ereignisse. Die Zahl der gemeldeten Fälle sei jedoch im Verhältnis zum Anwendungsvolumen der Arzneimittel gering und das Ursache-Wirkungs-Verhältnis vielfach fraglich.

Entscheidend sei, dass die lebertoxischen Risiken bei Beachtung bestimmter Maßnahmen auf ein vertretbares Maß vermindert werden könnten, erklären die Richter. Hierzu gehören die seit 2002 bestehende Verschreibungspflicht, die Begrenzung der maximalen Tagesdosis und der Anwendungsdauer, die regelmäßige Bestimmung der Leberwerte und die Vermeidung von Alkohol und von bestimmten begleitenden Medikamenten wie vor allem Betablocker, Antidepressiva und Migränemittel.

Quellen:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/nachricht-detail-wissenschaft/kava-kava-eine-runde-vor-dem-comeback-apotheke-arzneimittel-phyto-pharmaka/

http://www.juraforum.de/recht-gesetz/widerruf-der-zulassung-von-kava-kava-arzneimitteln-rechtswidrig-508477

Kommentar & Ergänzung:

Keine Frage: Auch bei Heilpflanzen ist das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen zu beachten. Dass beim Widerruf der Zulassung von Kava-Kava-Präparaten die Abwägung von Nutzen und Risiken fragwürdig vonstatten gegangen ist, bestätigt nun auch das Oberverwaltungsgericht.

Wenn während einer Behandlung mit Kava-Kava eine Leberstörung auftritt, ist noch nicht klar, dass Kava-Kava für diese unerwünschte Nebenwirkung auf verantwortlich ist.

Wenn 100 000 Menschen ein synthetisches oder pflanzliches Medikament X nehmen, dann wird ein gewisser Prozentsatz dieser Menschen innert eines Jahres eine Lebererkrankung bekommen, einfach deshalb, weil von 100 000 Menschen innert eines Jahres dieser Prozentsatz eine Lebererkrankung bekommt. Es besteht nun aber ein durchaus reales Risiko, dass ungerechtfertigterweise das Medikament für die Lebererkrankung verantwortlich gemacht wird. Das Zusammentreffen (die Korrelation) der Medikamenteneinnahme und der Lebererkrankung ist in diesem Fall zufällig, nicht kausal in dem Sinne, dass das Medikament die Ursache der Lebererkrankung ist.

Wird Korrelation irrtümlich als Kausalität eingestuft, haben wir es mit einem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss zu tun, und den zu verstehen und zu vermeiden kann ziemlich wichtig sein Leben.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss

Zum Vorentscheid des Verwaltungsgerichts Köln und zu einem ausführlicheren Kommentar von mir geht es hier:

Kava-Kava: Verwaltungsgericht Köln beurteilt Widerruf der Zulassung als rechtswidrig 

Ausserdem:

Studie stellt Beurteilung der Lebertoxizität von Pflanzenextrakten in Frage 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Komplementärmedizin bei Reizdarmsyndrom

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Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung: Das sind die typischen Symptome des Reizdarmsyndroms (RDS).

Über neue Erkenntnisse zur Pathologie und Behandlung des Reizdarmsyndroms diskutierten Gastroenterologen beim Kongress für Viszeralmedizin Mitte September in Leipzig.

Beim Reizdarmsyndrom leiden die Patientinnen und Patienten unter chronischen Darmbeschwerden, obwohl sich definitionsgemäss keine körperliche Ursache finden lässt und die Auslöser immer noch ungeklärt sind. Organische Darmerkrankungen müssen daher durch eine ärztliche Untersuchung ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose Reizdarm gestellt wird. Eine Standardtherapie im eigentlichen Sinne gibt es beim Reizdarmsyndrom nicht. Die Behandlung orientiert sich an Leitsymptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung.

Die „Pharmazeutische Zeitung“ berichtet vom Kongress in Leipzig und schreibt zum Thema „Komplementärmedizin bei Reizdarmsyndrom“:

„Für die Wirksamkeit komplementärmedizinischer Verfahren gibt es bisher keine ausreichende Evidenz. Eine der wenigen Ausnahmen bildet Pfefferminzöl, dessen Wirksamkeit in Studien gezeigt werden konnte. Akupunktur ist dagegen nicht wirksam; ein Cochrane-Review konnte auch keinen Nutzen von homöopathischen Behandlungsansätzen nachweisen. Langfristige Effekte lassen sich aber mit psychologischen Verfahren erzielen. Psychische Einflussfaktoren wie Stress im Beruf oder in der Familie, Angst und Depressivität sowie die Tendenz zu Somatisierung sollten berücksichtigt werden.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=54548

 

Kommentar & Ergänzung:

Zum Thema Akupunktur und Reizdarmsyndrom wurden zwar ein paar kleinere Studien gemacht, zum Beispiel am Universitätsklinikum Heidelberg. Die Probanden bekamen entweder eine echte (Verum-)Akupunktur oder eine Schein-Anwendung, bei der die Akupunktur nur simuliert wird (Placebo-Akupunktur), ohne dass Muskelzellen und Nerven von der Nadelspitze in der Tiefe berührt werden.
 Die Lebensqualität der Probanden verbesserte sich in beiden Behandlungsgruppen, ohne dass zwischen ihnen ein wesentlicher Unterschied feststellbar war.

Durch Messungen im Speichel der Probanden fanden die Forscher allerdings heraus, dass unter Akupunktur der Parasympathikus gestärkt wird und der Spiegel des Stresshormons Kortisol absinkt.
An der Studie nahmen allerdings nur 43 Patienten teil. Interessant wäre zudem noch gewesen, wenn eine weitere Gruppe mit Sham-Akupunktur behandelt worden wäre (dabei wird „gestochen“, aber an Punkten, die von den klassischen chinesischen Akupunkturpunkten entfernt liegen).

Quellen zur Studie in Heidelberg:

http://gut.bmj.com/content/55/5/649.abstract

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/29368/Akupunktur-wirkt-bei-Reizdarmsyndrom

Eine Cochrane-Metaanalyse, bei der sechs Studien zum Thema Akupunktur bei Reizdarmsyndrom ausgewertet wurden, kommt zum selben Schluss wie der Beitrag in der Pharmazeutischen Zeitung:

„Most of the trials included in this review were of poor quality and were heterogeneous in terms of interventions, controls, and outcomes measured. With the exception of one outcome in common between two trials, data were not combined. Therefore, it is still inconclusive whether acupuncture is more effective than sham acupuncture or other interventions for treating IBS.“

Quelle: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17054239

Und hier Schlussfolgerungen der Cochrane-Metastudie zum Thema Homöopathie & Reizdarmsyndrom:

„A pooled analysis of two small studies suggests a possible benefit for clinical homeopathy, using the remedy asafoetida, over placebo for people with constipation-predominant IBS. These results should be interpreted with caution due to the low quality of reporting in these trials, high or unknown risk of bias, short-term follow-up, and sparse data. One small study found no statistically difference between individualised homeopathy and usual care (defined as high doses of dicyclomine hydrochloride, faecal bulking agents and diet sheets advising a high fibre diet). No conclusions can be drawn from this study due to the low number of participants and the high risk of bias in this trial. In addition, it is likely that usual care has changed since this trial was conducted. Further high quality, adequately powered RCTs are required to assess the efficacy and safety of clinical and individualised homeopathy compared to placebo or usual care.“

Quelle:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24222383

Die Autoren bemängeln vor allem die schlechte Qualität der vorliegenden Studien.

Zur Wirksamkeit von Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom 

Für die Anwendung von Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom liegen positive Studien vor. Pfefferminzöl lindert bei Reizdarmsyndrom krampfartige Bauchschmerzen.

Festgehalten werden muss aber, dass Pfefferminzöl für diesen Anwendungsbereich nur in Form von magensaftresistenten Kapseln eingesetzt werden soll.

Siehe:

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd 

Reizdarmsyndrom – Flohsamen und Pfefferminzöl top, Kleie flop

Phytotherapie: Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom 

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Reizdarm: Chronische Bauchschmerzen bei Kindern 

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm: Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen

Mögliche Ursache des Reizdarmsyndroms entdeckt

Ballaststoffe bessern Reizdarmsyndrom 

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Magnesium gegen Wadenkrämpfe wirksam?

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Etwa jeder dritte Erwachsene kennt nächtliche Wadenkrämpfe aus eigener Erfahrung, bei Betagten ist es sogar jeder zweite. Wadenkrämpfe treten scheinbar ohne erkennbare Ursache auf, manchmal aber auch nach ungewohnter Muskelarbeit oder nach Elektrolyt- und Wasserverlust (Dehydration).

Wer unter Wadenkrämpfen leidet, wird eher früher als später den Tipp bekommen, es doch mit Magnesium zu versuchen. In korrekter Dosierung sind Magnesiumsalze in der Regel gut verträglich – sie können allenfalls den Stuhl weich machen und in höherer Dosierung zu Durchfall führen.

Schwieriger zu beantworten ist die Frage, ob Magnesiumsalze auch wirksam sind gegen Wadenkrämpfe.

Wadenkrämpfe sind kurz andauernde unwillkürliche Muskelkontraktionen, die häufig nachts und häufig bei älteren Menschen auftreten, unangenehm und schmerzhaft sind und den Schlaf stören. Die Ursache nächtlicher Wadenkrämpfe ist oft unklar, die Beschwerden sind aber gutartig.

Tritt das Problem häufiger auf, ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll, weil es verschiedene Ursachen gibt, die das Auftreten von Wadenkrämpfen begünstigen können. Beispielsweise (Quelle: Pharmawiki):

Chronisch-venöse Insuffizienz, bei Frauen in der Schwangerschaft (häufig!), Urämie, Diabetes mellitus, Vergiftungen, Schilddrüsenerkrankungen, Dialyse, Elektrolytstörungen (Hypomagnesiämie, Hypocalciämie, Hyponatriämie, Hypokaliämie), Gefässerkrankungen, neuromuskuläre Erkrankungen, Medikamente (z. B. Diuretika, Nifedipin, Morphin, H2-Antihistaminika, SERM, Statine, Lithium, Beta2-Sympathomimetika).

Die ärztliche Untersuchung soll also feststellen, ob eine Krankheit, Mangelzustände oder Medikamente die Wadenkrämpfe verursachen. Zudem sollen Krankheiten ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome hervorrufen (Z. B. Restless-Legs-Syndrom, Neuropathien).

Aber wie schon erwähnt: In den meisten Fällen ist keine klare Ursache festzustellen. Dann stellt sich die Frage, ob ein Versuch mit Magnesiumsalzen sinnvoll ist.

Dazu gibt es ein paar kleinere Studien, doch nur bei schwangeren Frauen zeigen Magnesiumverbindungen in einem Teil der Studien bessere Wirkung als Placebo. Ausserhalb von Schwangerschaft ist eine Überlegenheit gegenüber Placebo nicht belegt.

Angesichts der sehr verbreiteten Empfehlung magnesiumhaltiger Präparate bei Wadenkrämpfen ist die Studienlage also ziemlich desolat.

Fragwürdig ist auch die oft anzutreffende Empfehlung von Schüssler Salzen wie Magnesium phosphoricum D6 (Schüsslersalz Nr. 7)  bei Wadenkrämpfen. Da steht zwar Magnesium phosphoricum drauf, doch weil das Magnesiumsalz 1 : 1 Mio mal verdünnt ist enthalten die Präparate kein Magnesium als Wirkstoff. Nach den Berechnungen einer Schüssler-Salz-Herstellerin braucht es 193 kg Schüsslersalz Nr. 7 Magnesium phosphoricum, um gleich viel Magnesiumionen aufzunehmen wie in einem Liter Mineralwasser enthalten sind (siehe dazu hier).

Allerdings erklären sich die Schüsslersalz-AnhängerInnen die Wirkung des nichtvorhandenen Magnesiumphosphats anders:

„Die Schüßler-Salze verhelfen – vereinfacht ausgedrückt – im Sinne einer Information die für den Menschen wichtigen Mineralstoffe dorthin zu leiten, wo sie benötigt werden. Das Schüßler-Salz Magnesium phosphoricum hilft also, das über die Nahrung aufgenommene Magnesium besser zu verwerten. Magnesium phosphoricum D6 ist das Schüßler- Salz gegen Krämpfe aller Art, vor allem aber auch gegen Wadenkrämpfe.“

Quelle des Zitats: http://burgenland.orf.at/radio/stories/2542446/

 

Das ist eine schöne, aber völlig faktenfreie Behauptung. Es gibt keinerlei konkrete Hinweise dafür, dass Schüsslersalze die Mineralstoffe dorthin leiten, wo sie gebraucht werden. Es handelt sich hier um eine dogmatische Setzung, die in der „Szene“ nicht in Frage gestellt wird, und die man glauben kann oder nicht. Zur Wirksamkeit von Schüsslersalzen gibt es keine Studien. Da diese Präparate vom Wirksamkeitsnachweis befreit sind, brauchen die Hersteller nicht in Forschung zu investieren.

Und warum berichten AnwenderInnen von „konventionellen“ und „schüsslerischen“ Magnesiumpräparaten dann von Besserungen?

Dafür dürften eine ganze Reihe von Faktoren verantwortlich sein: Placeboeffekt, anderweite Einflüsse (Lebensweise? Ernährung?) natürliche Schwankungen in der Intensität der Beschwerden.

Die Schlussfolgerung, dass eine spezifische Wirksamkeit der Präparate für die Besserung verantwortlich ist, dürfte wohl auf einem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss beruhen.

Ausserdem:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Dazu kommt noch eine selektive Berichterstattung, wie sie schon Georg Christoph Lichtenberg (1792 -1799) beschrieben hat:

„Wenn man einmal Nachrichten von Patienten gäbe, denen gewisse Bäder und Gesundheitbrunnen nicht geholfen haben, und zwar, mit eben der Sorgfalt, womit man das Gegenteil tut, es würde niemand mehr hingehen, wenigstens kein Kranker.“

(aus: Aphorismen, Sudelbücher Heft K, 262)

Zudem haben solche Präparate den Vorteil, dass sie uns aus der Ohnmacht herausholen: Man kann etwas tun. Allein das schon bewirkt eine veränderte Wahrnehmung der Beschwerden und verschafft oft Erleichterung. Und das ist nicht nichts.

Was darüber hinaus bei Wadenkrämpfen noch bleibt sind unspektakuläre Tipps zur nicht-medikamentösen Behandlung:

„Im akuten Anfall kann der Fuss rückwärts in Richtung Schienbein gebeugt werden. Auch Kühlen oder Wärmen, Massieren und Umhergehen hilft. Ob Stretching eine zuverlässig vorbeugende Wirkung hat, ist umstritten. Es kann im akuten Anfall die Beschwerden lindern. Es wurde empfohlen, so zu schlafen, dass der Fuss wie beim Stehen im rechten Winkel zum Bein steht, zum Beispiel durch Anlehnen an den Bettrahmen.“

Quelle des Zitats: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Naechtliche_Wadenkraempfe

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Antidepressiva als Analgetika

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Die Österreichische Apothekerzeitung befasst sich in der Ausgabe Nr. 16 / 2014 unter anderem mit Psychopharmaka. Herausheben und kurz kommentieren möchte ich daraus die folgende Passage:

„Univ.-Prof. Dr. Michael Bach, Chiemseeblick Fachklinik für Psychosomatik, beleuchtete das Thema Psychopharmaka und Schmerz und räumte mit so manchen falschen Annahmen vor allem in Bezug auf Antidepressiva als Analgetika auf. So impliziert eine klinisch signifikante Schmerzreduktion durch ein Antidepressivum keineswegs eine „Psychogenese“ des Schmerzsyndroms; vielmehr sind die antinozizeptiven Eigenschaften unabhängig von der Ätiologie des Schmerzes.“

Quelle:

ÖAZ 16 / 2014-08-15

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2014/OAZ-2014-16.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Schon niedrige Dosierungen von Antidepressiva können bei chronischen Schmerzen analgetisch (schmerzstillend) wirken. Offenbar verändern diese Substanzen über komplexe chemische Vorgänge die Schmerzempfindlichkeit der Nervenfasern oder hemmen Übertragungsvorgänge an den Umschaltstationen des Rückenmarks. Die analgetischen Wirkungen der Antidepressiva treten in der Regel schon bei Dosierungen auf, die weit unterhalb derjenigen liegen, die man für eine antidepressive Wirkung braucht.

In diesem Zusammenhang werden bei chronischen Schmerzen manchmal auch Johanniskraut-Extrakte empfohlen, die man als phytotherapeutische Antidepressiva bezeichnen kann. Allerdings sind mir keine Studien bekannt, die speziell eine analgetische Wirkung von Johanniskrautpräparaten untersucht hätten. Die antidepressive Wirkung von Johanniskraut-Extrakt wurde dagegen in zahlreichen Studien dokumentiert.

Nun zu obigem Zitat:

Verschreibt oder empfiehlt man Antidepressiva bzw. auch Johanniskraut bei chronischen Schmerzen mit einer analgetischen Absicht, braucht es dazu eine klare Kommunikation.

Allzu leicht kommt bei den Betroffenen nämlich die Botschaft an, ihr Leiden sei „nur psychisch“. Chronische Schmerzpatienten haben oft einen langen Leidensweg hinter sich, auf dem sie in verschiedenen Formen immer wieder zu hören bekommen, dass bei ihnen keine klare körperliche Ursache fassbar sei. Statt „wir finden nichts“ kommt dann mit der Zeit nicht selten an: „Sie haben nichts“ – und die Betroffenen fühlen sich in die „Psycho-Ecke“ geschoben (wobei aber natürlich auch psychische Leiden real sind).

Verordnet oder empfiehlt man in solchen Schmerzsituationen ohne genauere Erläuterungen ein Antidepressivum, schlägt das in die gleiche Kerbe. Es kommt als „Psychologisierung“ an.

Darum muss in diesen Fällen die Absicht präzis erklärt werden: Dass es um eine Modulation der Schmerzverarbeitung geht – und nicht um einen antidepressiven Effekt.

Genau diesen Unterschied drückt das Zitat aus der „Österreichischen Apothekerzeitung“ aus.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Anmassende Ratschläge für Kranke – leider kein seltenes Übel

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Wer krank ist, bekommt oft ungefragt Ratschläge jeder Art.

Ist jemand schwer krank oder gar unheilbar krank, werden die Ratschläge nicht selten eine Stufe aufdringlicher und aggressiver. Und sie sind häufig gekoppelt mit dem Vorwurf, dass die kranke Person halt selber schuld ist, wenn sie nicht auch noch Mittel X und Y probiert. „Die will ja gar nicht wirklich gesund werden“, lautet dann die mehr oder weniger durchscheinende Schlussfolgerung. Viele schwerkranke Menschen könnten ein Buch schreiben mit solchen Erfahrungen.

Melanie Schickedanz – selber an Myalgischer Enzephalomyelitis erkrankt – hat in „The Huffington Post“ die Ratschlaggeber in vier Typen unterteilt:

 

„Typ 1 – Die Person, die von etwas hört, nachfragt und wirklich helfen möchte“

Mit diesem Typ, schreibt Melanie Schickedanz, hat man als Erkrankter kein Problem.

Die folgenden Typen zählt sie zu den „schwierigen Mitmenschen“:

„Typ 2 – Die Person, die von etwas hört und einem erklärt, dass das hilft“

„Typ 3 – Vertreter von Produkten, die sich ihre Abnehmer im Bekanntenkreis und in den Medien suchen“

„Typ 4 – Der Scharlatan, der mit dem Leid und der Hoffnung kranker Menschen Geld scheffelt“

 

Quelle:

http://www.huffingtonpost.de/melanie-schickedanz/kranke-menschen-gepeinigt-scharlatane-gesundheits-vertreter_b_5521119.html?utm_hp_ref=gesundheit

Kommentar & Ergänzung:

Mir fällt auf, wie häufig solch anmassende Ratschläge aus dem Feld von Alternativmedizin / Komplementärmedizin / Naturheilkunde stammen.

Meinem Eindruck handelt es sich dabei nur in wenigen Fällen um Leute, die gezielt mit den Hoffnungen von Schwerkranken Geld scheffeln wollen und dabei genau wissen, dass sie den Patientinnen und Patienten Schrott andrehen.

Scheinbar fühlen sich hier aber sehr viele Leute kompetent mitzureden, die ganz offensichtlich kaum eine Ahnung haben. Und nicht wenige sind beseelt von einer Mission und 200% überzeugt von ihrem Wundermittel. Sie können einfach nicht anders, als die ganze Welt mit ihren lebensrettenden Botschaften zu beglücken. Das ist gar nicht so viel anders wie wenn Missionare den armen Heiden die frohe Botschaft aufoktroyieren wollen – und gar nicht fragen, ob diese auch gewünscht wird (ein Teil der Missionare hat da aber dazugelernt).

Langjährig penetrant sind in dieser Hinsicht esoterische Theorien, die jeder Krankheit als Ursache einen psychischen Defekt oder Konflikt unterstellen. Folgerichtig muss sich der Kranke nur ernsthaft genug mit sich auseinandersetzen, um gesund zu werden. Geht die Krankheit nicht weg, ist das ein Hinweis, dass der Kranke gar nicht gesund werden will. „Blame the victim“ heisst das auf Englisch.

Neben diesem esoterischen Dauerbrenner gibt es im Ratschläger-Sammelsurium immer wieder auch aktuellere Modeströmungen. Gegenwärtig sind in dieser Hinsicht gerade am aufdringlichsten die AnhängerInnen des Miracle Mineral Supplement (MMS) unterwegs. Mit ihrem angeblichen Wundermittel glauben sie AIDS, Krebs, Malaria, Tuberkulose, Lungenentzündung, Herpes, Autismus, Hepatitis, Borreliose etc, etc. heilen zu können. MMS ist eigentlich die Lösung aller Gesundheitsprobleme. Nur schon dieser grössenfantasiegeschwängerte Anspruch sollte stutzig machen.

Auch diese Welle wird aber vorbei gehen und durch ein neues Wundermittel ersetzt werden, weil es genug Leute gibt, die den Glauben an solche Wundermittel brauchen.

Um das klar zu stellen:

Ich schreibe diesen Kommentar nicht einfach aus einer Laune heraus, um mal wieder ein paar Seitenhiebe zu verteilen oder ein bisschen herumzunörgeln.

Mir ist es mit diesem Thema sehr ernst.

Die oft anmassende bis aggressive Art, wie Schwerkranken „gute“ Ratschläge aufgedrängt werden, halte ich für eine Form psychischer Misshandlung.

Zu MMS siehe:

BfArM veröffentlicht Warnung vor Miracle Mineral Supplement (MMS)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schmerzmittel Tramadol in afrikanischer Heilpflanze entdeckt

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Tramadol (Tramal®) ist ein schmerzlindernder Wirkstoff aus der Gruppe der Opioide zur Therapie von mittelstarken bis starken Schmerzen verschiedener Ursache. Nach neuesten Erkenntnissen wird das vermeintlich nur synthetisch hergestellte Schmerzmittel auch in der Natur gebildet.

Ein Wissenschaftlerteam um Michel De Waard und Ahcène Boumendjel am Institut für Neurowissenschaften in Grenoble hat entdeckt, dass Tramadol in großen Mengen in einer afrikanischen Heilpflanze vorkommt. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden nun im Fachjournal «Angewandte Chemie» publiziert. Die französisch-kamerunische Forschergruppe konnten das Vorhandensein von Tramadol in der Wurzelrinde von Nauclea latifolia belegen. Die Tramadol-Konzentration in Extrakten aus getrockneter Rinde lag zwischen 0,4 und 3,9 Prozent. Aus 1 Kilogramm getrockneter Wurzelrinde des Baums konnte bis zu 10 Gramm Tramadol extrahiert werden.

In den oberen Pflanzenteilen konnte das Molekül nicht nachgewiesen werden.

Tramadol wurde in den 1970er-Jahren von der Pharmafirma Grünenthal entwickelt und unter dem Präparatenamen Tramal® in den Handel gebracht. Nach Angaben der französischen Wissenschaftler ist dies das erste Mal, dass ein vollsynthetisch hergestellter Wirkstoff in so hoher Konzentration in einer natürlichen Quelle entdeckt wurde. Zur Bestätigung testeten die Forscher mit verschiedenen Verfahren die Echtheit des natürlichen Ursprungs. Drei unabhängige Labors kamen zudem zu identischen Resultaten. Um die Möglichkeit einer unbeabsichtigten Verunreinigung der Proben durch synthetisches Tramadol auszuschließen, entnahmen die Wissenschaftler frisches Material aus dem Inneren der Wurzeln und konnten auch hier das Vorhandensein des Wirkstoffs bestätigen.

Nauclea latifolia zählt zur Familie der Rubiaceen (Rötegewächse) und wird in Afrika auch als Pin Cushion Tree bezeichnet. Die immergrüne Pflanze ist in der Sub-Sahara weit verbreitet und wird hauptsächlich in Kamerun in der traditionellen Medizin als Heilpflanze angewendet, beispielsweise bei Epilepsie, Fieber, Malaria und nicht zuletzt bei Schmerzen. Da in Afrika bis zu zehn verschiedene Arten dieses Strauchs bekannt sind, wollen die Wissenschaftler nun untersuchen, in welchen Gattungen sich das Analgetikum Tramadol noch finden lässt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=49048&Nachricht_Title=Nachrichten_Nat%FCrliches+Tramadol+entdeckt&type=0

http://www.scienceticker.info/2013/09/18/baum-produziert-synthetisches-schmerzmittel/

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/anie.201305697/abstract;jsessionid=7F6F7BE28229A363A9F6A9574BADB516.f04t03

Kommentar & Ergänzung:

Tramal® und seine Generika sind als Schmerzmittel sehr bedeutend. Als Opioide gehören sie zur Abgabekategorie A (verschärft rezepturpflichtig).

Es ist schon sehr speziell, dass ein Wirkstoff zuerst synthetisch entwickelt wurde und erst viele Jahre später in der Natur entdeckt wird. Meistens läuft es ja umgekehrt: Ein Wirkstoff wird in der Pflanzenwelt gefunden und später im Labor synthetisiert.

Wer sich aufgrund dieser Forschungen nun vorstellt, man könne Tramadol einfach durch einen Kräutertee oder einen Extrakt aus der Wurzelrinde von Nauclea latifolia ersetzen, macht es sich aber wohl zu einfach, weil dieser Wirkstoff nicht harmlos ist.

Zwar gilt das Risiko für die Entwicklung einer Atemdepression oder einer Abhängigkeit bei der Anwendung von Tramadol als gering. Tramadol kann jedoch Entzugssymptome auslösen und als Rauschmittel missbraucht werden.

Der Wirkstoff hat wegen seiner Biotransformation über die Enzymsysteme CYP3A4 und CYP2D6 ein hohes Potential für Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln.  Zu den häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen zählen Übelkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit, Erbrechen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Schwitzen und Erschöpfung.

Bei Wirkstoffen mit solchen Risiken ist es in der Regel sicherer, wenn sie isoliert angewendet werden, weil sie sich dann genauer dosieren lassen.

Ergänzung Oktober 2014: Doch kein Tramadol aus Pflanzenproduktion

 

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Curcumin wirkt gegen Hepatitis-C-Viren

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Curcumin verleiht Curry seine leuchtend gelbe Farbe und kommt in der Pflanze Gelbwurzel vor (= Kurkuma, Curcuma longa).

Curcumin ist jedoch nicht nur Farbgeber, es hat auch Heilwirkungen. Forscher aus Hannover konnten nun nachweisen, dass der gelbe Farbstoff gegen Hepatitis-C-Viren wirkt. Curcumin hindert die Viren daran, in die Leberzellen einzudringen. Außerdem hemme der Farbstoff den Übergang der Viren von einer Zelle zur nächsten, schreiben die Wissenschaftler. Sie erzielten nach eigenen Angaben gute Resultate, wenn sie Curcumin mit den handelsüblichen Medikamenten kombiniert verabreichten.

Ein Problem allerdings gebe es: Curcumin werde im Körper rasch abgebaut und wirkt deshalb nur kurze Zeit. Die Forscher arbeiten nun daran die Verweildauer zu verlängern.

Weltweit sollen rund 130 Millionen Menschen mit den Hepatitis-C-Viren infiziert sein Nach Angaben der Wissenschaftler aus Hannover ist die Infektionskrankheit die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation.

Quelle:

http://www.dradiowissen.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=258090

Kommentar & Ergänzung:

Curcumin ist ein sehr interessanter Naturstoff, der intensiv erforscht wird.

Ich habe versucht, über diese Forschung in Hannover mehr in Erfahrung zu bringen, obwohl eine genaue Quellenangabe fehlt.

Es dürfte sich wohl um diese Publikation handeln:

http://gut.bmj.com/content/early/2013/07/31/gutjnl-2012-304299.abstract

Im Text auf DRadio Wissen fehlt meines Erachtens der Hinweis, dass es sich hier um Laborexperimente an Zellen handelt. Von solchen In-vitro-Experimenten ist es nohc ein riesiger Schritt bis hin zu einer allenfalls wirksamen Therapie in der Leber von Hepatitispatienten. Nicht nur die kurze Verweildauer von Curcumin im Körper ist dabei ein Problem. Curcumin wird auch schlecht aufgenommen aus dem Verdauungstrakt und es müsste noch geklärt werden, ob es möglich ist, Curcumin in ausreichend hoher Konzentration in die Leber von Hepatitiskranken zu bringen.

Solche Probleme gibt es im Labor an isolierten Zellen nicht.

Den beteiligten Forschern sind dies Einschränkungen klar, aber in der Medienberichterstattung gehen sie oft unter, so dass ein zu optimistischen Bild transportiert wird.  Es macht dann oft den Eindruck, man stehe hier kurz vor einem therapeutischen Durchbruch.

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