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Ingwer: Wie eine tolle Heilpflanze unseriös als Wundermittel gegen Krebs vermarktet wird

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Angst vor Krebs, das kennen wohl die meisten Menschen mehr oder weniger ausgeprägt.

Toll also, wenn eine Website uns auf ein rein pflanzliches Krebsheilmittel hinweist, das 10 000 mal effektiver ist als Chemotherapie und das zudem noch ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Wie dankbar müssen wir dieser Website sein, die uns solch wertvolle Informationen aufdeckt, die von der bösen Pharmaindustrie natürlich unterdrückt werden.

Ingwer soll 10 000 mal effektiver gegen Krebs wirken als Chemotherapie. So verspricht es ein Webportal für Frauen, dessen Name ich lieber nicht erwähnen will, weil ich für diesen Schrott nicht noch Werbung machen möchte, und weil hunderte Websites im Netz zu finden sind, die solche oder ähnliche Versprechungen verbreiten.

Ingwer sei eine natürliche und schonende Therapie gegen bestimmte Krebsarten, vor allem gegen Brustkrebs. Wer regelmäßig Ingwer esse, könne Krebs sogar vorbeugen. Das bestätige unter anderem die Studie einer spanischen Universität.

Liest man dann, was über die erwähnte Studie geschrieben steht, wird rasch klar: Es geht dabei um Laborexperimente mit Krebszellen von Mäusen und Menschen.

Es ist einfach beelendend mit solchen Websites, die einerseits auf kritisch gegenüber der wissenschaftlichen Medizin machen, aber andererseits jedes wissenschaftliche Ergebnis aus dem Reagenzglas schamlos nutzen, um daraus ein neues Wundermittel gegen Krebs zu machen.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Wenn ein pflanzlicher Wirkstoff in Reagenzglas eine Wirkung auf Krebszellen zeigt, heisst das noch lange nicht, dass man damit auch einen Tumor im menschlichen Organismus heilen kann. Die Situation im Körper eines Krebspatienten ist um ein vielfaches komplexer als die Situation im Reagenzglas. Und es ist in diesem Stadium der Forschung immer noch eine Vielzahl von Fragen ungeklärt.

Wie gelangen die Wirkstoffe in den Körper? Werden sie aus dem Darm in genügender Menge resorbiert oder müssen sie gespritzt werden? Gelingt es, im Organismus eine wirksame Konzentration aufzubauen über die nötige Zeit? Wieviel Ingwer müsste ich täglich dazu essen und ist das realistisch?  Und besteht dann, wenn es gelingt, eine wirksame Konzentration im Organismus aufzubauen, die Krebszellen tötet, nicht auch das Risiko von Schädigungen an gesunden Zellen?

Es gibt Tausende von Naturstoffen, die im Reagenzglas eindrückliche Effekte auf Krebszellen zeigen. Und die allermeisten dieser Substanzen scheitern dann, wenn es um den Nachweis von Wirkungen im lebenden Organismus von Krebspatienten geht. Das ist zugegebener massen jedesmal enttäuschend, aber es wäre ehrlich das so zu sagen.

Stattdessen blenden die Heilstrompeter im Internet diese Begrenzungen aus und machen ihre Geschäfte mit den Ängsten und Hoffnungen von gesunden Menschen und Krebskranken.

Darum kann man nur sagen: Lasst Euch nicht an der Nase herum führen und schaut genau hin.

Das ist nötig in jedem Bereich – unabhängig davon, ob die Aussagen und Versprechungen aus den Bereichen Medizin,

Komplementärmedizin, Alternativmedizin, Naturheilkunde oder woher auch sonst kommen.

Und es gilt sich immer wieder klar zu machen, dass es im Internet keine Qualitätskontrolle gibt. Jeder und jede kann dort (fast) alles publizieren. Das hat einerseits Vorteile, bringt aber auch massive Probleme mit sich.

Wer lernen will, wie sich Bullshit von Ernst zu nehmender Information unterscheiden lässt, kann das übrigens mindestens ein Stück weit in meinen Lehrgängen (Phytotherapie-Ausbildung, Heilpflanzen-Seminar).

Und Ingwer ist im Übrigen durchaus eine interessante Heilpflanze.

 

Nur damit ich jetzt nicht wieder Vorwürfe bekomme, ich sei ein „Ingwerfeind“ und von der Pharmaindustrie oder der „Krebsmafia“ gekauft – hier ein paar „positivere“ Texte zur Wirkung von Ingwer:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als „gut“ bewertet

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Ingwer-Extrakt reduziert möglicherweise den Blutzucker

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegenÜbelkeit bei Chemotherapie

Phytotherapie: Ingwer gegen Infektionen?

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen

Ingwer schädigt Prostatakrebszellen

(aber eben: in Laborexperimenten an Zellen und in Tierversuchen; das tönt einfach nicht so heiss wie: Ingwer heilt Prostatakrebs)

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer lindert Muskalkater

 

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen?

 

Huch, das reicht jetzt als Beleg, dass ich kein Ingwerfeind bin…, oder? Solche Vorwürfe kommen nämlich regelmässig, wenn man etwas kritisches über Heilpflanzen schreibt. Es gibt dann immer Leserinnen und Leser, die meinen, sie müssten die angegriffene Heilpflanze verteidigen. Das ist aber ein Missverständnis. Ich kritisiere ja nicht die Heilpflanze Ingwer, sondern die fragwürdigen bis verantwortungslosen Versprechungen, die mit ihr in die Welt gesetzt werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Knoblaucharoma in Muttermilch fördert Appetit des Säuglings

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Lebensmittelchemiker der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnten erstmals belegen, dass die Einnahme von Knoblauch durch stillende Frauen sich im Geruch der Muttermilch niederschlägt. Verantwortlich dafür ist die Substanz Allylmethylsulfid (AMS) – ein Stoffwechselprodukt, das erst im mütterlichen Organismus verstärkt gebildet wird. Ob das Aroma allerdings beeinflusst, welche Ernährungspräferenzen die Kinder entwickeln, ob sie also Knoblauch später mögen, ist noch ungeklärt.

Prof. Dr. Andrea Büttner vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie der Universität Erlangen-Nürnberg sagt dazu: „Allerdings wissen wir noch recht wenig über den Einfluss von Nahrungsmitteln, die Mütter zu sich nehmen, auf die Ernährungsprägung der Säuglinge. Einige Forscher nehmen jedoch an, dass Kinder solche Lebensmittel bevorzugen, die ihre Mütter während der Stillzeit konsumieren, da sie vermuten, dass die Milch dann genauso oder zumindest ähnlich schmeckt.“

Die Resultate der Studie wurden jetzt im Online-Journal Metabolites des renommierten Multidisciplinary Digital Publishing Institute (MDPI) publiziert.

Dass das Knoblaucharoma die Säuglinge vom Trinken der Muttermilch abhalten könnte, ist allerdings nicht zu befürchten. Knoblaucharoma scheint im Gegenteil sogar den Appetit anzuregen, wie eine anderen Studie an Säuglingen gezeigt hat, die mehr Milch tranken, wenn die Mutter Knoblauch gegessen hatte.

Prof. Büttner befasst sich seit Jahren damit, wie Aromen vom Stoffwechsel des Menschen verarbeitet werden. Was den Einfluss auf die Muttermilch betrifft, kommt die Forscherin zu eher nüchternen Resultaten, denn einige Aromastoffe sind sehr labil und können im Körper des Menschen zu Derivaten verstoffwechselt werden, die wenig mit den für das Lebensmittel charakteristischen Ausgangsprodukten zu tun haben. So konnte Büttners Team in früheren Untersuchungen zum Beispiel nachgewiesen, dass etwa die Einnahme von Fischöl und Stilltee das Aromaprofil der Muttermilch nicht verändert. Eukalyptusölkapseln, die auch während der Stillzeit bei Erkältungskrankheiten eingenommen werden, geben der Muttermilch jedoch eine deutliche Eukalyptusnote. Allerdings ist hier nicht nur der ursprüngliche geruchsaktive Wirkstoff Eukalyptol in der Milch zu finden, sondern auch eine Vielzahl von Derivaten, die der mütterliche Organismus aus Eukalyptol erst herstellt.

Quelle:

https://idw-online.de/de/news655930

Kommentar & Ergänzung:

Stilltee – oft basierend auf den Früchten von Anis, Kümmel und Fenchel – verändert also das Aromaprofil der Muttermilch nicht. Knoblauch aber schon.

Schade, dass in der Pressemitteilung keine Quellenangabe zu der Studie aufgeführt ist, die offenbar verstärktes Trinken feststellte, wenn die Mutter Knoblauch gegessen hat.

Bei den erwähnten Eukalyptusölkapseln könnte es sich um „Soledum“ handeln, das zu 100% aus Eukalyptol ( = Cineol) besteht. Dieses Präparat ist in Deutschland im Handel, nicht jedoch in der Schweiz.

Eukalyptusöl ist aber auch enthalten im Kombinationspräparat GeloMyrtol ( = Gelodurant).

Dass Aromastoffe aus Eukalyptusölkapseln in der Muttermilch auftauchen zeigt zudem, dass die damit zugeführten Wirkstoffe in den menschlichen Organismus aufgenommen werden. Dafür spricht auch, dass nach der Einnahme solcher Kapseln die Ausatmungsluft nach Eukalyptusöl riecht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Detox entschlankt nur den Geldbeutel

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Früher war die Rede von Frühlingskuren.

Seit einigen Jahren nun haben jeden Frühling Detox-Programme aller Art Hochkonjunktur. Das tönt schon mal viel hyper.

Da werden detaillierte Entgiftungkuren mit Gemüsesäften und grünen Smoothies propagiert und zum Teil teuer verkauft.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Die ganzen Detox-Konzepte basieren auf falschen Vorstellungen. Uns werden nicht existierende Probleme eingeredet, damit man uns passende (Schein)Lösungen verkaufen kann.

Detox-Programme um unseren Organismus von Giftstoffen zu befreien sind unwirksam und unnötig. Wo dies möglich ist, schafft unser Organismus die Entgiftung nämlich ganz alleine. Diese Kompetenz sollte man unserem Organismus nicht absprechen.

Die österreichische Zeitung „Kurier“ hat sich mit dem Thema Detox befasst. Der Artikel zitiert den US-amerikanischen Mediziner Timothy Caulfield und den Ernährungswissenschaftler Jürgen König von der Universität Wien.

Hier eine kurze Zusammenfassung:

Der US-amerikanische Mediziner Timothy Caulfield hat ein viel zitiertes Buch geschrieben, in dem er die Beauty- und Gesundheitstipps der Stars anzweifelt. Darin stellt er fest: „Ohne die Befürwortung von Prominenten wären Trends wie glutenfreie Ernährung, Saftkuren und Detox nicht mal annähernd so beliebt.“

Wissenschaftlich gesehen hat der Entgiftungshype jedenfalls keine Berechtigung.

Timothy Caulfield:

„Aus medizinischer Sicht gibt es absolut keinen Grund für ‚Detox‘. Es ist auf so vielen Ebenen absurd: Unser Körper braucht keine Entschlackungskur und es gibt keinen Beweis dafür, dass die vorgeschlagenen Produkte irgendetwas bringen. Das ist totaler Quatsch.“

Caulfield kritisiert die Saftkuren, die auch hierzulande immer beliebter werden. Firmen wie „Frank Juice“ oder „Detox Delight“ bieten gepresste Gemüsesäfte und -suppen an, die für einen bestimmten Zeitraum nachhause geliefert werden. Entschlankt wird dabei insbesondere das Konto: Säfte für eine fünftägige Detox-Kur sind ab 200 Euro zu bekommen. „Sparen Sie Ihr Geld lieber und legen Sie Wert auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung“, empfiehlt Caulfield.

Die Idee hinter dem Detox-Hype lässt sich schnell erklären: Gemäss Oxford Dictionary bezeichnet „Detoxification“, kurz Detox, den Prozess, den Körper von giftigen Substanzen zu befreien.

Alles Unsinn, meint dazu Univ.-Prof. Jürgen König, Leiter des Department für Ernährungswissenschaften an der Uni Wien. Entgiften sei eine der Hauptaufgaben unseres Körpers – die Leber filtert Giftstoffe aus dem Blut, Nieren und Darm sorgen dafür, dass Schadstoffe über Urin und Stuhl ausgeschieden werden:

„Wenn wir uns halbwegs vernünftig ernähren, können wir unseren Organismus so am Laufen halten, dass er automatisch Giftstoffe ausscheidet“, stellt König fest, und ergänzt:

„Wenn der Stoffwechsel grundsätzlich gut funktioniert, muss man die Entgiftung nicht fördern. Es gibt auch keine Nährstoffe, die den Körper besonders dazu befähigen, zu entgiften. “

Der einzige Weg, wie wir unserem Körper beim Entgiften helfen können, sei trinken, trinken, trinken:

„Wir brauchen Wasser, um Giftstoffe auszuschwemmen. Im Wesentlichen geht es um die Flüssigkeitszufuhr. Dann braucht man nichts Zusätzliches.“

Jürgen König unterstreicht zudem, dass normalgewichtigen Frauen eine Saftkur mehr schaden als nutzen kann:

„Wenn eine ohnehin schlanke Person noch weniger isst, kann es zu Mangelerscheinungen kommen.“

Denn eine Saftkur bedeutet für den Organismus eine extrem einseitige Ernährung: Die kaltgepressten Smoothies weisen einen hohen Fruchtzuckeranteil auf und enthalten häufig zu wenig Ballaststoffe.

Viel-Essern könne die kurzzeitige Saftkur gut tun, sagt König. Das sei dann aber kein Entgiftungs- oder Detox-Effekt, sondern eine Auswirkung dessen, dass man weglässt, was man sonst zu viel isst. Ob man eine Saftkur mache oder eine Woche nur Gemüse esse, mache aber keinen Unterschied:

„Die Menschen fühlen sich besser, weil sie sich besser ernähren.“

Die zusätzliche Aufnahme von Nährstoffen habe keinen positiven Effekt, warnt Ernährungswissenschaftler König. Im Gegenteil:

„Bei extrem hoher Aufnahme von Beta-Carotin (u. a. in Karotten und Paprika enthalten, Anm.) kann es so weit gehen, dass freie Radikale gefördert werden, statt dass man geschützt wird.“

Laut König sollte man auch den psychologischen Effekt nicht außer Acht lassen:

„Man gibt ein paar hundert Euro aus, dann will man auch, dass es etwas bringt. Im Endeffekt ist es ein super Geschäft. Die Rohmaterialien kosten kaum etwas, mit der richtigen Vermarktung kann man eine sehr hohe Gewinnspanne erzielen.“

Statt viel Geld für cleveres Marketing auszugeben, helfe auf Dauer nur ein gesunder Lebensstil, erklärt Jürgen König: ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, keine Zigaretten, wenig Alkohol. Und dazu, auch wenn es viele Leute nicht hören wollen: Verzicht.

„Unsere Ernährung ist eigentlich so gut, dass wir uns keine Gedanken machen müssen. Wenn, dann ist es das Zuviel, das uns Sorge machen müsste. Das kann man aber nicht mit Säften ausschwemmen. Man muss es einfach nur weglassen.“

Quelle:

http://kurier.at/wellness/der-detox-schmaeh-warum-saftkuren-nur-ins-geld-gehen/196.906.712

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt natürlich schon Schadstoffe, die unser Organismus nicht ausscheiden kann. Zum Beispiel fettliebende Umweltchemikalien, die sich im Fettgewebe ablagern. Diese Stoffe lassen sich aber auch mit Detox-Programmen nicht eliminieren.

Die wichtigste Aussage von Jürgen König ist für mich aber, dass unser Hauptproblem ernährungsmässig ein „Zuviel“ ist, und nicht ein Mangel. Das gerät immer wieder leicht in Vergessenheit. Wir haben diesbezüglich eigentlich vor allem Luxusprobleme – insbesondere wenn man vergleicht mit vielen anderen Weltgegenden. Auch die vielen Nahrungsergänzungsmittel, die viele Leute bei uns konsumieren zu müssen glauben, sich ein Luxusproblem. Wer überzeugt davon ist, solche Detox-Programme zu brauchen, der soll sie halt konsumieren. Ausreden muss man das niemandem.

Nur wenn solche Entgiftungskuren als „gesund“ und „unumgänglich nötig“ propagiert werden, dann ist Einspruch angebracht. Wenn die Ansicht propagiert wird, dass alle Menschen „Detox“ brauchen, dann sollte klar gestellt werden, dass davon vor allem die Hersteller und Verkäufer profitieren.

Siehe auch:

Detox – Fragwürdiger Trend mit Entgiftungskuren

Detox-Kuren – eingebildete Lösungen für nicht existierende Probleme

Detox-Rezepturen: Entgiftungsmittel meiden

Michèle Binswanger im Tages-Anzeiger über Entgiftung und Detox für Deppen

Entgiftungsdiäten / Detox-Diäten – Bodenlose Versprechungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Efeuextrakt gegen Husten: Neuer Hinweis auf Wirkungsweise aus Laborstudie

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Efeublätterextrakt wird in der Phytotherapie eingesetzt als schleimlösendes Mittel bei produktivem Husten. Eine Laborstudie gibt nun weitere Hinweise dazu, wie diese Wirkung zustande kommen könnte.

Der Efeublätter-Trockenextrakt EA 575® (Prospan®) reduziert die Konzentration des Entzündungsmediators Interleukin-6 (IL-6) signifikant. In hohen Konzentrationen war der entzündungshemmende Effekt von EA 575 sogar ähnlich stark wie der von Corticosteron – zumindest im Reagenzglas. Das ist das Resultat einer In-vitro-Studie einer Wissenschaftlerguppe um den Bonner Professor für Zellbiologie und molekulare Wirkstoffforschung Dr. Hanns Häberlein. Das schreibt die Firma Engelhard in einer Pressemitteilung.

Um eine Entzündung zu simulieren, fügten die Forscher Lipopolysaccharide zu murinen Makrophagen hinzu. Diese setzten infolgedessen Zytokine frei, darunter auch IL-6. Das Forscherteam quantifizierte das Ausmaß der IL-6-Produktion in Anwesenheit verschiedener Konzentrationen des Efeuextrakts EA 575. Als Vergleichssubstanz für die Positivkontrolle wurde das Pregnan-Derivat Corticosteron verwendet.

Häberlein und Kollegen stellten fest, dass die IL-6-Produktion schon ab einer Konzentration von 80 µg/ml des Efeublätter-Trockenextrakts signifikant sinkt. Bei einer Konzentration von 400 µg/ml war der Reduktionseffekt vergleichbar mit dem, der sich durch den Zusatz von 1,7 µg Corticosteron bewirken ließ.

Die entzündungshemmende Wirkung des Efeuextrakts EA 575 könnte durch den Inhaltsstoff α-Hederin unterstützt werden, vermuten die Wissenschaftler. α-Hederin bremst die Internalisierung von Betarezeptoren und steigert dadurch indirekt die Konzentration von β-Arrestin. Dieses hemmt wiederum die Wirkung des Transkriptionsfaktors NF-ƘB und damit schlussendlich die Produktion von IL-6. Dieser Ansatz soll nun in weiteren Studien untermauert werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=62743

http://pharmazie.govi.de/s9_71_3_158_5835.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Aufklärung solcher Wirkungsmechanismen im Labor ist interessant. Man muss sich dabei aber immer darüber klar bleiben, dass Ergebnisse im Labor nicht 1:1 auf die Verhältnisse bei Patientinnen und Patienten übertragen werden können.

Entscheidend ist, ob ein Präparat in qualitativ fundierten klinischen Studien an Patienten Wirksamkeit gezeigt hat. Das ist bei Efeuextrakt der Fall.

Die Wirksamkeit von definierten Efeuextrakten zur Linderung der Beschwerden bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen ist laut HMPC durch klinische Studien belegt. Die Anwendung als auswurfförderndes Mittel (Expektorans) bei produktivem Husten gilt als „medizinisch allgemein anerkannt“ („well-established use“). Das gilt für Efeupräparate in Form von Trockenextrakten (DEV 3-8:1), Dickextrakten (DEV 2,2-2,9:1) und Flüssigextrakten (DEV 1:1).

Im Jahr 2010 wurde Efeu vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres ernannt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

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Ingwerpulver scheint Schmerzen bei Frauen mit Menstruationsbeschwerden (primärer Dysmenorrhö) zu lindern. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse von sieben kontrollierten Studien.

Mit NSAR (Schmerzmittel) gelingt es eigentlich zahlreichen Frauen ganz gut, die Menstruationsschmerzen zu lindern.

Ein Viertel der Frauen spreche allerdings auf Dauer nicht genügend auf solche Arzneimittel an, anderen wiederum machten Nebenwirkungen wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit zu schaffen. Das schreiben Dr. James Daily vom gleichnamigen US-amerikanischen Vitamin- und Kräuterpräparate-Händler in Rockwell sowie Ernährungswissenschaftler der Universität in Asan in Südkorea in einer Metastudie (Pain Med 2015, online 14. Juli).

Der Unternehmer und die Wissenschaftler haben die englischsprachige, chinesische und koreanische Fachliteratur nach Studien durchsucht, in denen Ingwerpulver zur Linderung der Regelschmerzen eingesetzt wurde.

Die Forscher berücksichtigten für ihre Untersuchung nur randomisiert-kontrollierte Studien zu primärer Dysmenorrhö unter der Bedingung, dass die Schmerzen mit einer visuellen Analogskala erfasst worden waren.

Sieben Studien mit insgesamt 651 Frauen im Alter von über 18 Jahren erfüllten diese Voraussetzungen. Davon wurden zwei Studien als qualitativ hochwertig bewertet – die Wahrscheinlichkeit für Verzerrungen und Fehlannahmen sei hier klein. Vier Studien bescheinigten die Forscher eine moderate und einer eine geringe Qualität.

Sechs Studien wurden im Iran durchgeführt, eine in Indien. Fünf Studien verglichen Ingwerpulver gegen Placebo, eine gegen Placebo und Zinksulfat und eine gegen zwei verschiedene NSAR.

Durchschnittlich erhielten die Frauen in den Verumgruppen zwischen 0,75 und 2 g Ingwerpulver pro Tag über die ersten drei bis vier Tage des Zyklus hinweg. Die Studien erstreckten sich meist über zwei Monatszyklen.

Wegen qualitativer Mängel berücksichtigten die Autoren für die Beurteilung der Wirksamkeit nur vier Studien mit zusammen 494 Patientinnen.

In diesen vier Studien konnten die Beschwerden dann auf der 10-Punkte-Analogskala mit Ingwerpulver im Schnitt um 1,9 Punkte signifikant stärker reduziert werden als in den Kontrollgruppen.

Nach Ausschluss einer Studie, in der die Kontrollgruppe an speziellen Übungen teilnahm, reduzierte Ingwerpulver in den verbliebenen drei Studien die Schmerzen um 2,6 Punkte besser als Placebo. Zu diesen drei Studien zählten immerhin die beiden qualitativ hochwertigen Untersuchungen.

Nebenwirkungen der Behandlung wurden nur in einer der Studien festgestellt. Es wurde dabei berichtet von vermehrtem Auftreten von Kopfschmerzen und Sodbrennen – allerdings sowohl in der Verum- als auch in der Kontrollgruppe. Drei der Studien hatten sich gar nicht die Mühe gemacht, Nebenwirkungen zu erfassen, und in drei Studien wurden keine Nebenwirkungen beobachtet.

In den Studien mit einem aktiven Kontrollmedikament habe Ingwerpulver eine vergleichbar gute Wirksamkeit gezeigt wie herkömmliche Schmerzmittel, schreiben Daily und Ko-Autoren.

Trotz verschiedener Einschränkungen wie kleiner Probandenzahl sehen sie in ihren Resultaten Hinweise auf eine deutliche Schmerzlinderung durch Ingwerpulver. Da in den Studien kein Dosiseffekt zu erkennen war, raten sie mit 0,75 g/Tag anzufangen und die Dosis bei Bedarf zu steigern.

Der Ingwerwurzelstock enthält als Inhaltsstoffe Gingerole und Shoagole

Die Gingerole bewirken eine Hemmung der Expression des Enzyms Cyclooxygenase 2. Shoagole beeinflussen Ionenkanälen, die eine wichtige Rolle bei Schmerzen haben. Dies könnte einen schmerzlindernden Effekt von Ingwer erklären.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/894546/metaanalyse-ingwer-lindert-regelschmerzen.html

Kommentar & Ergänzung:

Ingwer ist eine interessante Heilpflanze. Die Phytotherapie verwendet Ingwer vor allem gegen Übelkeit und Erbrechen – zum Beispiel bei Reisekrankheit (Kinetosen), während Chemotherapie und nach Operationen.

Ingwer wird aber auch seit langem schon eingesetzt zur Linderung von Verdauungsbeschwerden und Erkältungskrankheiten.

Diese Metastudie zur Linderung von Menstruationsbeschwerden durch Ingwerpulver ist bemerkenswert, auch wenn eine ganze Reihe von offenen Fragen bleiben.

Dieser Kräuterpräparate-Hersteller steht etwas gar zu stark im Zentrum der Metastudie, was Fragen aufwirft bezüglich der Unabhängigkeit

Zudem kommen sechs von sieben erfassten Studien aus dem Iran. Das erinnert mich an eine Bemerkung von Roman Huber, Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg, in einem Interview: „Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“ (Das ganze Interview handelt von der Passionsblume und ist hier nachzulesen).

Auffällig ist zudem, dass sich kein Dosiseffekt zeigt. Normalerweise wäre bei höherer Dosierung ein stärkerer Effekt zu erwarten.

Trotz aller Einwände und Schwächen: Wenn ich Menstruationsbeschwerden hätte – was natürlich nicht der Fall ist – dann würde ich Ingwerpulver wahrscheinlich ausprobieren. Teuer ist diese Anwendung nicht. Ingwerpulver ist auch in Kapselform im Handel (zum Beispiel als Zintona® mit 0,25 g Ingwerpulver pro Kapsel). Ein allfälliger Effekt müsste sich rasch zeigen, nicht erst bei Langzeitgebrauch. Ich würde zwei Tage vor der erwarteten Menstruation mit der Einnahme beginnen und damit fortfahren, solange die Beschwerden anhalten.

 

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Medizin-Nobelpreis für Naturstoffe gibt Phytomedizin Auftrieb

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Die diesjährige Vergabe des Medizin-Nobelpreises wird in manchen Kreisen als großartige Entscheidung für die Pflanzenheilkunde aufgefasst. Es sei bemerkenswert und ein großes Glück für das gesamte Feld der Phytomedizin, dass der Naturstoff Artemisinin durch die Preisverleihung ins Scheinwerferlicht der akademischen und der allgemeinen Öffentlichkeit gelangt ist, sagt Univ.-Prof. Dr. Thomas Efferth von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Das Nobelkomitee habe mit seiner Entscheidung die Naturstoffe in den Fokus gerückt und damit ein wichtiges Signal für künftige Forschungsfelder und Aufgaben gegeben, erklärt der Mainzer Wissenschaftler, der selbst auf dem Gebiet arbeitet.

Artemisinin ist nicht nur für die Malaria-Behandlung bedeutend, sondern auch ein vielversprechender Wirkstoff für die Krebstherapie.

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, so die vollständige Bezeichnung, ging 2015 zur Hälfte an William C. Campbell und Satoshi Ōmura für ihre Arbeiten zur Behandlung von Infektionen, die durch Fadenwürmer ausgelöst werden, mit einem Wirkstoff auf der Basis von Avermectin aus Bakterienkulturen.

Zur anderen Hälfte ging der Preis an die chinesische Wissenschaftlerin Youyou Tu für ihre Entdeckungen zur Therapie von Malaria. Youyou Tu hatte Heilkräuter untersucht, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit über 2000 Jahren für die Therapie von Fieber und Erkältungen eingesetzt werden. Sie entdeckte dabei, dass Auszüge von Einjährigem Beifuß (Artemisia annua) mit seinem Wirkstoff Artemisinin effektiv gegen Malariaerreger angewendet werden können.

Eine beträchtliche Anzahl von Arzneistoffen für die klinische Praxis werde heute schon aus natürlichen Ressourcen gewonnen. Avermectin und Artemisinin seien zwei wunderbare Beispiele dafür, sagt Efferth:

„Wir sind zuversichtlich, dass die Nobelpreis-Vergabe zur Förderung der Phytomedizin beiträgt und wir in Zukunft weitere Anwendungen sehen werden.“

Efferth selbst forscht seit etwa 20 Jahren auf diesem Gebiet und konnte gleichzeitig mit Forschern in den USA und den Niederlanden Mitte der 1990er Jahre erstmals zeigen, dass Artemisinin auch bei Krebs wirksam ist. Eine neuere Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit Medizinern der University of London und kam zum Schluss, dass Derivate von Artemisinin tatsächlich die Lebenszeit von Patienten mit Darmkrebs verlängern können. „Wir haben damit den klinischen Nachweis erbracht. Aber wir müssen Artemisia annua noch weiter entwickeln und ein Profil erstellen, bei welchen Tumorarten die Substanz wirksam ist“, sagt Efferth. Artemisia scheint jedoch nicht nur bei Krebserkrankungen von Nutzen zu sein, sondern auch bei Infektionen mit dem humanen Cytomegalie-Virus (HCMV) und anderen Virusinfektionen sowie bei Bilharziose.

Artemisia annua, der Einjährige Beifuß, zählt zu einer Gattung mit über 200 Arten weltweit, ist jedoch nicht mit dem in Mitteleuropa verbreiteten Ackerunkraut, dem Gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris), zu verwechseln.

In der Pharmazeutischen Biologie der Universität Mainz erforscht ein internationales Team von 20 Mitarbeitern Pflanzeninhaltsstoffe von Heilpflanzen aus 30 Ländern auf ihre Wirksamkeit gegen Krebs.

Quelle:

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=46784

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Naturstoff-Forschung wird durch diesen Nobelpreis wohl tatsächlich verdienter massen mehr Aufmerksamkeit bekommen. Es gibt hier sehr spannende Forschung, die oft auch der Phytotherapie Nutzen bringt.

Gerade bei der Naturstoff-Forschung gegen Krebs ist allerdings festzuhalten, dass im Labor oft eindrückliche Ergebnisse erzielt werden. Ob ein erfolgreich im Labor untersuchter Naturstoff jedoch auch im realen Leben bei realen Krebskranken wirksam ist, steht damit noch keineswegs fest. Vorschnelle Versprechungen sollten da besser unterbleiben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Desinfektion: Mit Zitronensaft gegen Noroviren?

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Hinter heftigen, plötzlich einsetzenden Magen-Darm-Beschwerden stecken oft Krankheitserreger aus der Familie der Noroviren. Sie sind die überwiegenden Auslöser von Gastroenteritis-Ausbrüchen in Kranken­häusern oder Schulen oder etwa auf Kreuzfahrtschiffen.

Die Krankheitssymptome entwickeln sich innerhalb weniger Stunden bis Tage und bestehen hauptsächlich aus einer Gastroenteritis mit plötzlich auftretendem Durchfall und Erbrechen, die zu markanten Flüssigkeitsverlusten (Exsikkose) führen können. Deshalb sind vor allem Kinder und ältere Menschen gefährdet. Meist entwickelt sich ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen.

Forscher aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) berichten nun, dass Zitronensaft sich als sicheres, gesundheitlich unbedenkliches Desinfektionsmittel gegen Noroviren eignen könnte. Das schreiben sie in der Zeitschrift Virology (doi 10.1016/j.virol.2015.07.009).

Das Norovirus ist sehr ansteckend und wird fäkal-oral übertragen, also über kontaminierte Hände oder verunreinigte Lebensmittel.

Daher sei es wichtig, ein sicheres und gesundheitlich unbedenkliches Desinfektionsmittel zur Verfügung zu haben, erklärt Grant Hansman, der Leiter der sogenannten C.H.S.-Nachwuchsgruppe Noroviren am DKFZ und der Universität Heidelberg.

Das Wissenschaftlerteam konnte zeigen, dass Viruspartikel durch die Bindung an Citrat ihre Gestalt verändern. Per Röntgenstrukturanalyse fanden die Forscher heraus, dass das Citrat – aus Zitronensaft oder aus Citrat-haltigen Desinfektionsmitteln – genau an die Stelle bindet, mit der das Virus beim Infektionsvorgang mit den Körperzellen in Kontakt tritt.

Die Resultate zeigen laut den Wissenschaftlern, warum Citrat die Infektionsfähigkeit von Noroviren vermindert.

Hansmann schätzt, dass die Citratmenge im Saft einer Zitrone genügen könnte, um etwa die Hände zu dekontaminieren.

Vielleicht seien ja die paar Tropfen Zitronensaft, die man üblicherweise auf eine Auster träufelt, eine guter Infektionsschutz“, spekuliert der Forscher. Seine Arbeitsgruppe will nun untersuchen, ob Zitronensäure auch bei schon erfolgter Norovirus-Infektion die Symptome lindern kann.

Quellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63966/Zitronensaft-koennte-Noroviren-ausschalten

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59435

Kommentar und Ergänzung:

Dass Zitronensaft möglicherweise wirksam ist als Desinfektionsmittel gegen Noroviren, ist sehr überraschend. Natürlich sind an diesem Punkt noch viele Fragen offen, aber wenn ein derart einfaches Mittel wie Zitronensaft sich als effektiv erweisen würde, wäre das sehr erfreulich.

Interessant wäre zudem die Frage, ob eine solche Desinfektionswirkung auch bei anderen Virenarten erwartet werden könnte.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

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Honig verhindert Schleimhautentzündung (Mukositis)

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Werden Patienten mit HNO-Tumoren bestrahlt, kann Honig offenbar einer Schleimhautentzündung im Mund-Rachen-Bereich vorbeugen. Zudem scheint Honig auch vor Gewichtsverlust zu schützen.

Eine Mukositis im Mund-Rachenbereich gehört zu den Komplikationen bei Strahlentherapie und Chemotherapie im HNO-Bereich (HNO = Hals-Nasen-Ohren).

Diese Schleimhautentzündungen können dazu führen, dass die Bestrahlung nicht in der gewünschten Dosis oder in den erforderlichen Intervallen erfolgen kann, was die Erfolgsaussichten vermindert. Darüber hinaus kann die Mukositis zu Infektionen mit Bakterien und Pilzen führen, aber auch zu Schmerzen und Problemen beim Essen und Trinken, wodurch ein deutlicher Gewichtsverlust eintreten kann.

Auf diese Folgen weisen Wissenschaftler um Dr. Hye Kyung Cho von der Gachon-Universität in Incheon hin (Laryngoscope 2015, online 16. März).

Da inzwischen oft Honig als nebenwirkungsarmes Mittel zur unterstützenden Wundheilung bei Verbrennungen, Hauttransplantationen, Ulzera und postoperativen Wundinfektionen eingesetzt wird, haben die Wissenschaftler um Cho untersucht, ob es entsprechende Studien auch zur vorbeugenden Anwendung bei Patienten mit Kopftumoren und Halstumoren gibt.

Die Wissenschaftler fanden neun Studien, in denen oral verabreichter Honig gegen Placebo oder gegen keine Therapie verglichen wurde, bei Patienten, die aufgrund eines Kopftumors oder Halstumors eine Strahlentherapie oder Radiochemotherapie (Kombination von Strahlentherapie und Chemotherapie) bekamen.

An den neun Studien hatten total 476 Patienten teilgenommen.

Patienten mit Honigtherapie entwickelten insgesamt signifikant seltener eine moderate bis schwere Mukositis als bei Prophylaxe mit Placebo oder keiner Behandlung.

Die Heterogenität der analysierten Studien war allerdings sehr hoch – in einigen Studien zeigten sich also sehr ausgeprägte Effekte, in anderen praktisch keine.

Die Wissenschaftler trennten nun die Patienten in solche mit Radiochemotherapie und solche mit alleiniger Strahlentherapie. Dabei schienen nur die Patienten mit Radiotherapie signifikant von der Honigprophylaxe zu profitieren, nicht jedoch die mit Radiochemotherapie.

Entwickelte sich eine Mukositis, so trat diese bei Honigtherapie in den ersten drei Behandlungswochen signifikant seltener auf, danach aber nicht mehr.

Mit Honigtherapie seltener Gewichtsverlust

Keine statistisch belastbaren Differenzen zwischen Patienten mit und ohne Honig zeigten sich bei Superinfektionen mit Bakterien und Pilzen, allerdings trat in den Honiggruppen hochsignifikant seltener ein Gewichtsverlust auf.

Hier fand sich in den Resultaten auch keine bedeutsame Heterogenität. Für alle statistisch signifikanten Ergebnisse fanden die Wissenschaftler einen klinisch relevanten Effekt.

Eine orale Honigtherapie vor oder nach Strahlentherapie scheine also in der Lage zu sein, die negativen Auswirkungen einer Strahlentherapie auf Mund- und Rachenschleimhaut zu mildern, schreiben die Wissenschaftler.

Den ausbleibenden Effekt auf das Auftreten von Superinfektionen erklären sich die Forscher damit, dass in den Placebogruppen oft Zuckersirup eingesetzt wurde, der aufgrund seiner osmotischen Eigenschaften möglicherweise ebenfalls das Bakterien- und Pilzwachstum hemmt.

Da an den meisten der Studien nur sehr wenige Patienten teilgenommen hatten, sollten die Resultate mit einer gewissen Zurückhaltung betrachtet und möglichst durch größere Untersuchungen überprüft werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/885541/hno-radiatio-honig-verhindert-mukositis.html

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/lary.25233/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Der Apitherapie (Therapie mit Bienenprodukten) werden sehr viele Heilwirkungen zugesprochen, die zum teil auch fragwürdig sind. Es gibt aber auch sehr interessante Anwendungsbereiche, die zunehmend auch wissenschaftlich erforscht werden.

Dazu gehört auch die Anwendung von Honig gegen Mukositis.

Siehe auch:

Palliative Care & Onkologiepflege: Honig bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Honig bei Mundschleimhautentzündung infolge Chemotherapie

Palliative Care: Myrrhentinktur bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Vorbeugung von Mukositis bei Chemotherapie

 

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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„Naturheilkunde: Wenn Eltern ihre Kinder gefährden“

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Unter dieser Schlagzeile publizierte die „Süddeutsche“ kürzlich einen Bericht zur Verhandlung des Bundesgerichtshofes gegen eine Mutter und ihren Lebenspartner, die ihren Kilian mit stundenlanger Meditation, strenger Diät und Ananas-Papayasaft, aber ohne wirksame Medikamente gegen seine Krankheit kämpfen liessen, wodurch seine Lunge mehr und mehr verschleimte. Der Junge litt an Mukoviszidose und wäre dringend auf Medikamente angewiesen gewesen.

Ausserdem musste Kilian immer wieder fasten, obwohl bei Mukoviszidose kalorienreiche Ernährung nötig ist. Er wog schließlich nur noch knapp 30 Kilogramm – 20 Kilo weniger als für seine Größe normal.

Nur die Flucht zu seinem leiblichen Vater habe den damals 15-Jährigen vor dem sicheren Tod bewahrt, so der Richter – und die Medikamente, die er dann wieder bekam.

Die Mutter und ihr Lebensgefährte hätten sich der schweren Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig gemacht, fand das Gericht. Sie müssen wegen Misshandlung ins Gefängnis.

Der Angeklagte ist als „Guru von Lonnerstadt“ bekanntgeworden. Er bezeichnet sich selbst als „Lehrer der zeitlosen Weisheit“. Offenbar waren er und seine Partnerin davon überzeugt, die Krankheit mit ihren Naturheilverfahren heilen zu können – was sich als fataler Irrtum erwies.

Eingesehen haben sie ihren Irrtum und ihre Schuld aber noch nicht.

Und hier kommt die Schlagzeile der „Süddeutschen“ ins Spiel: Können Eltern ihre Kinder durch Naturheilkunde gefährden?

Eine Antwort darauf gibt im Beitrag Edzard Ernst, emeritierter Professor für Alternativmedizin an der Universität im britischen Exeter:

„Viele Alternativbehandlungen sind harmlos. Aber leider sind die Behandler nicht immer harmlos.“

Nämlich dann, wenn sie ihre Kompetenzen überschreiten, Diagnosen verkennen oder lebensrettende schulmedizinische Behandlungen unterlassen.

 

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/naturheilkunde-glauben-mit-nebenwirkungen-1.2594935

http://www.infranken.de/regional/erlangenhoechstadt/Guru-aus-Lonnerstadt-erneut-vor-Gericht;art215,1109588

 

Kommentar & Ergänzung:

Edzard Ernst bringt es auf den Punkt: Es sind weniger die Behandlungen selbst, die mit Risiken verbunden sind (obwohl auch das möglich ist). Entscheidender ist die Haltung der Behandlerinnen oder Behandler. Und dazu muss ich sagen, dass mir im Verlaufe von rund 30 Jahren, in denen ich mich in den Bereichen Naturheilkunde, Komplementärmedizin und Alternativmedizin bewege, wirklich viele Behandlerinnen und Behandler über den Weg gelaufen sind, bei denen ich grosse Zweifel habe, ob sie ihre Grenzen kennen. Ich vermisse in diesen Bereichen über weite Strecken eine ernsthafte Auseinandersetzung und Diskussion über Grenzen der eigenen Methoden. Ich treffe auf Allmachtsvorstellungen noch und noch und auf narzisstisch verstiegene Guru-Figuren wie diesen unsäglichen selbsternannten „Lehrer der zeitlosen Weisheit“, der in seiner Verblendung das Leben eines Kindes aufs Spiel setzt.

Konsumentinnen und Konsumenten kann man da nur entschieden zu kritischer Wachsamkeit raten. Je grösser die Versprechungen, desto unseriöser in der Regel das Angebot.

Siehe auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Komplementärmedizin: Woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen?

Heilpflanzenkurse: Die Checkliste – so prüfen Sie Qualität

Komplementärmedizin: Mehr Argumente, weniger fraglose Gläubigkeit

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Eibischwurzel im Kaltauszug zubereiten – mit welcher Begründung?

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Eibischwurzel wird in der Phytotherapie empfohlen bei trockenem Reizhusten.

In Kräuterbüchern und in der Phytotherapie-Fachliteratur findet man oft den Hinweis, dass Tee aus der Eibischwurzel mit einem Kaltauszug hergestellt werden sollte. Und oft liest man den Hinweis, dass schleimhaltige Heilpflanzen generell kalt ausgezogen werden müssten, weil die Schleimstoffe hitzeempfindlich seien.

Was hat es damit auf sich?

Reinhard Länger hat dazu schon vor einigen Jahren in der Zeitschrift „PhytoTherapie austria“ (1 / 2007) gute Informationen weitergegeben:

„Im Zusammenhang mit schleimhaltigen Hustenmitteln war die optimale Zubereitungsart des Arzneitees über viele Jahre ein Diskussionsthema. Es wurde vermutet, dass heißes Wasser die Polysaccharide zerstören könnte. Deshalb findet man in der Literatur meist den Hinweis, dass Eibischtee mit kaltem Wasser angesetzt werden sollte. Allerdings regten sich gewisse Bedenken wegen der mikrobiellen Qualität derartiger Zubereitungen. Kaltes Wasser reduziert im Gegensatz zu heißem die natürliche Keimbesiedlung der Arzneidrogen nicht, und Polysaccharide bieten darüber hinaus einen guten Nährboden für Mikroorganismen. Eine Dissertation am Department für Pharmakognosie der Universität Wien schuf diesbezüglich Klarheit: die physikalischen Bedingungen bei der Teebereitung mit heißem Wasser schaden den langkettigen Polysacchariden nicht.“

Was bedeutet dies genau für Eibisch:

„Eibischblätter, die ohnehin meist in Mischungen mit anderen Arzneidrogen angewendet werden, können als ganz herkömmlicher Teeaufguss zubereitet werden (ca. 1 Teelöffel Tee mit 150 ml heißem Wasser übergießen, ca. 10 Minuten ziehen lassen, abseihen, nicht zu heiß trinken).

Eibischwurzel sollte, sofern sie in einer Teemischung angewendet wird, in der gleichen Art zubereitet werden. Ein Tee, der nur aus Eibischwurzel besteht, sollte hingegen mit kaltem Wasser angesetzt werden (Tagesbedarf: ca. 3 Teelöffel mit 1⁄2 Liter kaltem Wasser ansetzen, etwa 90 Minuten unter gelegentlichem Umrühren stehen lassen, abseihen, leicht erwärmt trinken). Der Grund: Eibischwurzel enthält sehr viel Stärke, die bei Kontakt mit heißem Wasser verkleistert. Die Wurzelstückchen sind daher sofort von einer „Isolierschicht“ umzogen, die wertvollen Schleime werden nur mehr zu einem Bruchteil extrahiert.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0107.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Diese Hinweise tragen meines Erachtens viel zur Klärung bei.

Die generelle Empfehlung, schleimhaltige Heilpflanzen kalt zuzubereiten, lässt sich nicht aufrechterhalten, wenn Schleimstoffe stabil gegen Hitze sind. Die erwähnte Dissertation am Department für Pharmakognosie der Universität Wien trägt hier tatsächlich zur Klärung bei.

Die Empfehlung, Eibischwurzel kalt anzusetzen, basiert also nicht auf der Wärmeempfindlichkeit der Schleimstoffe, sondern darauf, dass beim Erhitzen die Stärke in der Eibischwurzel verkleistert und dadurch den Auszug der Schleimstoffe reduziert. Diese Erklärung findet sich an mehreren Stellen in der Phytotherapie-Fachliteratur.

 

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