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Öko-Test beurteilt Schleimlöser bei Husten: Heilpflanzen-Präparate top

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Öko-Test hat 24 frei verkäufliche Arzneimittel gegen Husten unter die Lupe genommen, davon 9 Hustenreizdämpfer und 15 Schleimlöser.

Die Fachleute halten nur für wenige Produkte eine lindernde Wirkung aus wissenschaftlicher Sicht hinreichend belegt. Darum schneidet die Mehrzahl der Hustenmittel im Test auch nur „ausreichend“ und schlechter ab.

Auffallend und erfreulich ist aber, dass bei den Schleimlösern Heilpflanzen-Präparate (Phytopharmaka) am besten abschneiden:

«Bei den Schleimlösern ist die Auswahl an sehr guten Produkten schon etwas größer: „Bronchipret TP, Filmtabletten“ (9,90 Euro/20 Stück), „GeloMyrtol Forte, Weichkapseln“ (10,19 Euro/20 Stück), „Soledum Kapseln Forte“ (9,90 Euro/20 Stück). Für die „Umckaloabo-Tropfen hat es immerhin noch für ein „gut“ gereicht (10,20 Euro/20 ml).»

Quelle:

https://www.n-tv.de/ratgeber/Diese-Mittel-helfen-bei-Husten-article20206388.html

Kommentar & Ergänzung:

Wir haben es hier mit ganz unterschiedlichen Phytopharmaka zu tun, die aber alle gut durch Studien in ihrer Wirksamkeit belegt sind.

– Bronchpret Filmtabletten enthalten Thymiankraut-Trockenextrakt und Primelwurzel-Trockenextrakt.

– GeloMyrtol Forte enthält ein ein Destillat aus einer Mischung von Eukalyptusöl, Süssorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl enthält. In der Schweiz gibt es dazu eine kassenzulässige Variante: GeloDurat (wird von der Grundversicherung bezahlt, wenn ärztlich verschrieben).

– Soledum Kapseln Forte besteht zu 100% aus Cineol, dem Hauptbestandteil von Eukalyptusöl. Dieses Präparat ist in Deutschland auf dem Markt, nicht jedoch in der Schweiz.

– Umckaloabo (flüssig) ist da einzige mit Studien belegte Präparat aus Kapland-Pelargonie. In der Schweiz gibt es dazu eine kassenzulässige Variante: Kaloabo (wird von der Grundversicherung bezahlt, wenn ärztlich verschrieben).

„Mangelhaft“ abgeschnitten haben synthetische Schleimlöser auf der Basis von ACC bzw. NAC (Acetylcystein) – nicht ganz unerwartet, weil ihre Wirksamkeit nur mangelhaft belegt ist.

Wikipedia schreibt zu ACC:

„Die Wirksamkeit hinsichtlich einer schleimverflüssigenden Wirkung von Acetylcystein ist für einfache Atemwegsinfekte nicht belegt. Die therapeutische Wirksamkeit bei Bronchitis ist umstritten, da die aus den 1980er Jahren stammenden Studien heutigen Ansprüchen an ein Studiendesign nicht standhalten. Dementsprechend gibt es nach der DEGAM-Leitlinie auch keine Empfehlung für ACC bei der Behandlung eines grippalen Infektes oder einer akuten Bronchitis, da in randomisierten doppelblinden placebokontrollierten Studien keine signifikanten Effekte auf Lungenfunktion, Bronchialschleim, systemische Oxygenierung und/oder Beatmungsnotwendigkeit nachgewiesen werden konnten. Der Einsatz von ACC als Schleimlöser wird aus medizinischer Sicht deshalb kritisch hinterfragt.“

Das ist bemerkenswert, weil ACC-Präparate sehr oft gegen Husten verkauft werden. Wikipedia führt als Präparate auf:

Monopräparate

ACC (D, A, CH), Acemuc (D), Acemucol (CH), Acetyst (D), Aeromuc (A), Dynamucil (CH), Ecomucyl (CH), Fluimucil (D, A, CH), Helvetussin (CH), Mucobene (A), Mucofluid (CH), Myxofat (D), NAC (D), Secresol (CH), Solmucol (CH), diverse Generika (D, CH)

Kombinationspräparate

Alvesin (D), Aminopäd (D), Aminoplasmal (D), Deltamin (D), Infesol (D), Nephrotec (D), Periplasmal (D, A), Pädamin (A), Rinofluimucil (CH), Salviamin (D), Solmucalm (CH)

 

Bei den Schleimlösern wird also den Phytopharmaka von „Öko-Test“ eine besser belegte Wirksamkeit attestiert als den synthetischen Präparaten. Diese Beurteilungen und Belege gelten allerdings nur für die entsprechenden Produkte und können nicht auf andere Heilpflanzen-Anwendungen übertragen werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Akute Bronchitis: Phytopharmaka sind antiviral wirksam ohne Resistenz

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Weil Virustatika nur gegen Influenza (Grippe) zugelassen sind, können pflanzliche Arzneimittel bei Atemwegsinfekten eine Alternative sein.

Atemwegsinfekte sind die Auslöser für rund 20 Prozent der Fälle von Arbeitsunfähigkeit (AU) und rund 10 Prozent der AU-Tage. Zur Behandlung kommen Phytotherapeutika aus der Kapland-Pelargonie wie Umckaloabo® in Frage.

An einer Veranstaltung, die vom Umckaloabo®-Hersteller Schwabe unterstützt wurde, sagte Professor Matthias Tisch, Leiter der Poliklinik am Bundeswehrkrankenhaus Ulm:

„Der in Umckaloabo® enthaltene Spezialextrakt EPs® 7630 bewirkt laut Studien eine signifikante Verkürzung der Krankheitsdauer um zwei bis drei Tage.“

In-vitro-Tests (also Untersuchungen im Reaganzglas) zum Wirkmechanismus des Extrakts ergaben, dass er auf verschiedene Weise antiviral wirkt. So reduziert EPs® 7630 die Freisetzung vervielfältigter Viren aus infizierten Zellen durch seinen Einfluss auf komplexe Virusproteine, die diesen Prozess steuern.

Ausserdem wurde ein zytoprotektiver Effekt festgestellt sowie eine Aktivierung der Immunabwehr gegen Viren bei einer Infektion.

Der Wurzelextrakt wurde in Studien mit über 10.000 Patienten untersucht, darunter knapp 4000 Kinder und Jugendliche. Die Anwendungsgebiete waren nicht nur akute Bronchitis, sondern auch akute Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Pharyngitis (Rachenentzündung) und Tonsillitis (Mandelentzündung) gehörten dazu.

Franz D. Daschner, ehemals Professor an der Uni Freiburg, sagte:

„Die pflanzlichen Inhaltsstoffe des Extraktes besitzen antiinfektive Eigenschaften ohne eine Resistenzbildung hervorzurufen, da sie nicht in den Erregerstoffwechsel eingreifen.“

Dass heute immer noch etwa 60 bis 70 Prozent der bei Atemwegsinfekten verschriebenen Medikamente Antibiotika enthalten, sbezeichnete er als „Kunstfehler“.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/870263/akute-bronchitis-phytos-antiviral-wirksam-resistenz.html?sh=8&h=-1886162606

 

Kommentar & Ergänzung:

Umckaloabo® ist das am besten untersuchte Präparat auf der Basis von Kapland-Pelargonie.

Weitere Beiträge dazu finden Sie über die Suchfunktion auf dieser Website unter dem Stichwort „Umkaloabo“.

Insbesondere bei aktuer Bronchitis sind die Studien mit Patienten ziemlich gut, was die auswurffördernde Wirkung betrifft.

Bei akuter Sinusitis, Pharyngitis und Tonsillitis ist die Studienlage meinem Eindruck nach weniger überzeugend.

Positiv ist die breite Erfahrung mit Studien bei Kindern. Das ist nicht selbstverständlich. Viele Phytopharmaka, aber auch synthetische Pharmaprodukte, weisen hier Lücken auf und sind bei Kindern nur schlecht dokumentiert.

Etwas Vorsicht scheint mir angebracht bei der Beurteilung der antiviralen Wirkung. Was im Labor im Reagenzglas Viren hemmen kann, muss dies noch lange nicht im menschlichen Organismus ebeno können.

Dass bei aktuer Bronchitis immer noch zu viele Antibiotika verschrieben werden, ist in der medizinischen Fachliteratur wiederholt kritisiert worden. Insbesondere bei viraler Ursache können Antibiotika gegen die Auslöser nicht wirksam werden, weil sie nur Bakterien bekämpfen.

In manchen Fällen ist die Behandlung mit Antibiotika allerdings trotzdem nötig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Erkältung: Welche Therapien wirklich helfen

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Das Angebot an konventionellen und alternativen Präparaten zur Behandlung von Erkältungskrankheiten ist sehr gross. Die Studien zur Wirksamkeit sind aber oft nicht sehr überzeugend.

Erwachsene machen pro Jahr zwei bis vier Erkältungsepisoden durch, Kinder sogar sechs bis acht. Entsprechend umfangreich ist der Umsatz an Präparaten, mit denen Ärzte oder die Patienten selbst versuchen, den Verlauf der meist viralen Infektionen abzuschwächen und zu verkürzen. Von welchen Behandlungen nach derzeitigem Wissensstand wirklich Hilfe zu erwarten ist und von welchen eher nicht, das haben Miriam Croessmann vom Sana Klinikum Offenbach und Professor Markus Rose von der Universität Frankfurt / Main in der Fachzeitschrift „Pneumologe“ zusammengefasst (Pneumologe 2016: 13: 262–273). Dabei steht die Anwendung bei Kindern im Zentrum.

Die „Ärzte Zeitung“ hat den Text zusammengefasst.

Ich greife nachfolgend die pflanzlichen Präparate als Zitate heraus und kommentiere sie stellenweise.

Zu den schleimlösenden Mitteln (Sekretolytika / Mukolytika) steht da:

„Sie sollen bei erkältungsbedingter Bronchitis den Schleim verflüssigen und das Abhusten erleichtern. Unter Acetylcystein kann ein erhöhtes Volumen von verflüssigtem Bronchialsekret auftreten, das unter anderem von jungen Kindern schlecht abgehustet werden kann. Von Efeupräparaten ist dies nicht zu befürchten. Sekretolytika / Mukolytika sollten vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern eine strenge Indikationsstellung erfahren.“

Hier werden also das synthetische Acetylcystein und die pflanzlichen Efeupräparate erwähnt. Zur Wirksamkeit wird nichts gesagt, aber die Efeupräparate sind an einem Punkt verträglicher. Das am besten dokumentierte Efeupräparat ist Prospan® (zugelassen für Kinder ab zwei Jahren). Das beste Mukolytikum sei eine gute Befeuchtung der Atemwege und reichlich trinken, heisst es in dem Beitrag.

Dann geht es noch um ätherische Öle als Einreibemittel:

„ Vapor rub mit den Wirkkomponenten Kampfer, Menthol, Eukalytpusöl hat bei Kindern keine Wirkung auf Husten oder Schnupfen, aber Kind und Eltern schlafen besser. Eltern müssen aufgeklärt werden, dass Einreibemittel und Tropfen auf Basis ätherischer Öle zu Atemwegsreizungen bis zum Bronchospasmus führen können.“

Gemeint ist hier wohl „Wick Vaporub“ (D) bzw. „Vicks vaporub“ (CH). Menthol ist der Hauptbestandteil von Pfefferminzöl. Es löst auf der Haut und an der Nasenschleimhaut ein Kältegefühl aus, das nicht physikalisch durch tiefe Temperatur, sondern durch Bindung an einen Kälterezeptor ausgelöst wird. In der Nase wird dadurch der Luftstrom intensiver wahrgenommen, wodurch eine subjektive Empfindung des Besser-durchatmen-könnens entsteht. Sie lässt sich nicht objektivieren, das heisst, man kann nicht durch Messung nachweisen, dass mehr Luft durch die Nase geht. Aber immerhin wirkt das erleichternd auf die Beschwerden der verstopften Nase, so dass nachvollziehbar ist, dass erkältete Kinder besser schlafen. Dass auch die Eltern besser schlafen, ist wohl ein erwünschter Nebeneffekt.

Ich würde allerdings bei Säuglingen und Kleinkindern als Einreibemittel nur mentholfreie Produkte verwenden. Als Regel gilt zudem, dass bei Säuglingen und Kleinkindern ätherische Öle nicht konzentriert in der Nähe der Atemöffnungen eingesetzt werden sollten.

Interessanterweise ist die Wirksamkeit von Honig gegen Hustenreiz recht gut belegt:

„Honig: Bei Kindern im Alter über einem Jahr kann ein Löffel Honig am Abend Husten und Nachtschlaf günstig beeinflussen.“

Siehe:

Erkältungen: Honig hilft gegen Husten

Hausmittel: Heisse Milch mit Honig gegen Husten

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser

Honig lindert Erkältungen bei Kleinkindern

 

Und dann kommt Knoblauch:

„Knoblauch: Laut einer Cochrane-Analyse können Knoblauchtabletten möglicherweise Erkältungen vorbeugen, haben aber keinen Einfluss auf die Dauer von Erkältungen.“

Diese Cochrane-Analyse ist sehr interessant. Sie basiert aber auf nur einer Studie.

Siehe:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

 

Für Kinder dürfte Knoblauch zur Prophylaxe von Erkältungen geruchlich allerdings wohl etwas schwierig sein.

Dann der Klassiker der pflanzlichen Immunstimulantien: Echinacea / Sonnenhut:

„Echinacea: Es gibt keine überzeugenden Daten für den therapeutischen Einsatz von Echinacea bei Erkältungen, allenfalls für eine leichte prophylaktische Wirkung.“

Diese Einschätzung ist ziemlich ernüchternd. Sie beruht wohl auf dem Cochrane-Review von 2014:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24554461

Meinem Eindruck nach gibt es schon Leute, die von einer Echinacea-Einnahme profitieren. Klar scheint mir aber auch, dass die Erwartungen, die von der Werbung geweckt werden, durch die Studienlage nicht gedeckt sind.

Und dann weiter zu „Umckaloabo“, der alten Zulu-Heilpflanze aus Südafrika:

„Umckaloabo: Der Extrakt aus Pelargonium sidoides soll immunstimulierend, hustenstillend und schleimlösend wirken. In RCTs ist die Wirksamkeit bei Erwachsenen mit Erkältung oder akuter Rhinosinusitis sowie bei Erwachsenen und Kindern mit akuter Bronchitis gezeigt worden. Die Qualität der Evidenz sei niedrig, so Croessmann und Rose.“

„Umckaloabo“ ist auch als „Kapland-Pelargonie“ im Handel. Die relevanten Studien wurden alle mit dem Extrakt bzw. Präparat „Umckaloabo®“ durchgeführt (in der Schweiz nach ärztlicher Verordnung kassenpflichtig als Kaloabo®). Die Ergebnisse können nicht auf andere Produkte mit Kapland-Pelargonie übertragen werden, die zum Beispiel als Hausspezialitäten in Apotheken und Drogerien angeboten werden.

Bei Kindern seien günstige Effekte auf nasale Symptome und auf den Verbrauch von Dekongestiva durch Meerwasser-Spülungen dokumentiert, heisst es im Beitrag weiter (Dekongestiva hier = Abschwellende Nasentropfen).

Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass für Vitamin C keine eindeutigen therapeutischen Effekte bei Erkältungen belegt sind. Das konnte für die Normalbevölkerung schon durch eine ganze Reihe von Studien belegt werden. Eine Ausnahme scheinen Sportler darzustellen, bei Ihnen kann die vorbeugende Einnahme die Erkältungshäufigkeit auf rund die Hälfte reduzieren. Siehe dazu auf „Medizin transparent“:

Vitamin C beinahe nutzlos gegen Erkältungen

Zum Nutzen der Luftbefeuchtung seien die Studienergebnisse widersprüchlich, wird im Artikel vermerkt.

Die Originalpublikation in der Zeitschrift „Der Pulmologe“ fasst als Ergebnis für Kinder zusammen:

„Bei Kindern gibt es für häufig als Erkältungsmittel angewandte Substanzen wie Hustensäfte oder Echinaceapräparate keine konsistente Datenlage. Potenziell nützlich sind ätherische Einreibungen (Vapor rub, cave: Reizungen), Zink, Pelargonium sidoides und Honig.“

Quellen

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/922746/erkaeltung-helfen-diese-20-therapien-wirklich.html

Der Pneumologe, Juli 2016, Volume 13, Issue 4, pp 262–273

http://link.springer.com/article/10.1007/s10405-016-0052-3

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytopharmaka in der Europäischen Leitlinie zur Behandlung von Rhinosinusitis

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Die europäische Leitlinie zur Behandlung der Rhinosinusitis ist gegenwärtig die aktuellste Therapieempfehlung von HNO-Ärzten für die Behandlung viraler Atemwegsinfektionen (»Erkältung«). Sie enthält auch Empfehlungen für pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka), die in einem Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ beschrieben werden:

„Cineol und Myrtol, aber auch Pelargonium-Extrakte kommen zur Therapie viraler Atemwegsinfekte infrage….. In klinischen Studien konnten im Vergleich zu Placebo die Symptome bei einer akuten viralen Rhinosinusitis ab dem vierten Tag gelindert werden Auch die Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) konnte in einer neueren, Placebo-kontrollierten klinischen Studie positive Effekte auf die Symptome einer akuten Rhinosinusitis zeigen. Die Effektstärke war vergleichbar mit der Stärke der Wirkstoffe, die in der europäischen Leitlinie bereits diskutiert wurden (Cineol, Myrtol, Pelargonium)“

Die Effektstärke der genannten Therapeutika sei in den Studien nicht sehr groß gewesen und die Wirkung sei erst mit Verzögerung (vier bis sieben Tage) eingetreten.

„Dennoch gelten diese ausgewählten pflanzlichen Arzneimittel als angemessene und wirksame Apothekenempfehlung, auch ergänzend zur akut symptomatischen Therapie.“

Für die traditionelle chinesische Medizin spricht die Europäische Leitlinie aufgrund unzureichender Daten explizit keine Empfehlung aus.

Für Echinacea-haltige Präparate schätzt sie die Datenlage als widersprüchlich ein und empfiehlt sie aus diesem Grund ebenfalls nicht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59826

Kommentar & Ergänzung:

In die Leitlinien aufgenommen zu werden ist so etwas wie eine Auszeichnung, weil es dazu positive Ergebnisse aus klinischen Studien braucht.

Und damit solche Ergebnisse zustande kommen, braucht es Firmen, die Geld in die Forschung stecken. Das ist nicht ganz einfach für Phytopharmaka, weil grosse Investitionen in die Forschung sich nur lohnen für patentierte Produkte. Die Mehrzahl der Heilpflanzen-Präparate ist aber nicht patentiert.

Leitlinien sind für die Phytotherapie meines Erachtens nicht das einzige oder letzte Mass. Sie bieten aber trotzdem eine wichtige Orientierung.

Bei der in den Leitlinien erwähnten Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) handelt es sich im „Sinupret®“. Die Zusammensetzung dieses Präparats ist nicht sehr plausibel, doch gibt es dafür positive klinische Studien. Myrtol ist als „Gelomyrtol®“-Kapseln im Handel, Pelargonium als „Umckaloabo®“ und „Kaloabo®.

Siehe auch:

Phytopharmaka gehören in die Leitlinien

S3-Leitlinie bestätigt Empfehlung für Johanniskraut als Erstlinientherapie der unipolaren Depression

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Europäische Fachleute warnen vor Antibiotika-Resistenz

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Problematisch sei nicht nur die zu häufige und falsche Verschreibung, sondern auch der intensive Einsatz in der Landwirtschaft.

In Europa sei zwischen 2010 und 2013 der Anteil gegen Antibiotika resistenter Bakterien teilweise gestiegen. Das zeigt der neueste Bericht des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle (ECDC) in Stockholm.

ECDC-Direktor Marc Sprenger unterstrich in diesem Zusammenhang die komplexen Ursachen von Antibiotikaresistenzen. Dazu gehören insbesondere zu viel Verwendung, auch bei „falschen“ Krankheiten (Virusinfektionen), in der Humanmedizin, nicht ausreichende Dosierung und Einnahmedauer richtig verschriebener Antibiotika und die Verwendung in großen Mengen für Humanmedizin-fremde Ziele.

Letzteres betrifft hauptsächlich die Agrarindustrie. Eine spezielle Problematik sind dabei auch Spitalhygiene und sogenannte Spitalkeime, die besonders häufig Resistenzen aufweisen. Obwohl der größte Teil des Antibiotikaverbrauchs außerhalb von Kliniken stattfinde, sei der Antibiotikagebrauch in den Kliniken der hauptsächliche Faktor für die Verbreitung multiresistenter Bakterien, die Infektionen im Gesundheitseinrichtungen selbst auslösen, erläutert Sprenger.

Die Situation sei unterschiedlich von Antibiotikum zu Antibiotikum und von Keimart zu Keimart. Gleichzeitig seien Antibiotikaresistenzen häufig lokaler (nationaler) Natur, weil sie direkt mit der häufig sehr unterschiedlichen Verwendung in Verbindung stehen. Ein Beispiel sei der Anteil der Klebsiella pneumoniae-Keime, die zum Beispiel gegen die häufig verwendeten Fluorchinolone, Cephalosporine der dritten Generation und Aminoglykoside unempfindlich geworden sind.

Die früher als „Wunderantibiotika“ für den Spitalsbereich bezeichneten Carpabeneme sind eine der letzten Möglichkeiten bei sonst resistenten Klebsiella pneumoniae und E. coli-Keimen. Hier zeichnet sich haupsächlich bei den Klebsiellen eine Verschlechterung der Situation ab.

In den vergangenen 20 Jahren sind als Spitalkeime auch die sogenannten methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Bakterien (MSRA) wichtig geworden. Hier haben in den vergangenen Jahren entsprechende Gegenmaßnahmen für eine Reduktion der Problematik gesorgt. Die Verminderung des Anteils der resistenten Erreger zwischen 2010 und 2013 in Europa war jedoch geringer als davor.

ECDC verlangt in diesem Zusammenhang einen vorsichtigen Gebrauch der Arzneimittel von der Versorgung von Patienten mit bakteriellen Infektionen im Akutfall bis hin zur Langzeitpflege sowie entsprechende Hygienemaßnahmen, um Infektionen überhaupt zu vermeiden.

Quelle:

http://derstandard.at/2000008243550/Europaeische-Experten-warnen-vor-Antibiotika-Resistenz

 

Kommentar & Ergänzung:

Eine Massentierhaltung, die auf die flächendeckende, kontinuierliche Antibiotika-Gabe angewiesen ist, ist nicht nachhaltig und gehört in dieser Form abgeschafft. Schärfere Regeln sind nötig. Das gilt allerdings auch für die Medizin, die wider besseres Wissen offensichtlich nicht in der Lage ist, falsche und unnötige Antibiotika-Verschreibungen von sich aus in den Griff zu bekommen. Es braucht hier harte gesetzliche Regelungen, wenn möglich weltweit.

Das schreibe ich nicht aus Feindschaft gegenüber den Antibiotika, sondern weil ich den unschätzbaren Wert dieser Medikamente anerkenne. Und dass sich Antibiotika nicht einfach durch Heilpflanzen ersetzen lassen, braucht gar nicht erst speziell betont zu werden.

In ganz bestimmten Teilbereichen könnten Heilpflanzen allerdings schon zur Reduktion des Antibiotika-Verbrauchs beitragen. Jedenfalls kommen mir dazu einige Möglichkeiten in den Sinn. So könnte beispielsweise die gute antimikrobielle Wirkung vieler ätherischer Öle bei örtlicher Einwirkung besser genutzt werden (z. B. Korianderöl, Lavendelöl, Teebaumöl).

Senfölglykoside (Glukosinolate) aus Meerrettich, Kapuzinerkresse und Brunnenkresse entfalten antibakterielle Wirkungen bei Infektionen der Harnwege (Blasenentzündung) und der Atemwege (akute Bronchitis) und lassen sich gut einsetzen, wenn man auch ihre Grenzen kennt. Und die Kapland-Pelargonie (Umckaloabo®) ist ein bewährtes Mittel bei unkomplizierter, viraler Bronchitis, einem Krankheitsbild, bei dem immer noch Antibiotika eingesetzt werden, obwohl diese bei viralen Erkrankungen gar nicht wirksam sind.

Eine weitere Option ist Myrtol / Eukalyptusöl in Kapselform (Gelomyrtol®) – vor allem bei Infektionen der Atemwege (Bronchitis, Sinusitis).

Siehe auch:

Jedes dritte Antibiotikum unnötig verordne

Phytotherapie: Infektabwehr aus der Natur (Pelargonium-Extrakt) 

Übersichtsstudie zu Umckaloabo zieht positives Fazit 

Kinderärzte warnen vor Antibiotikaresistenz 

Akute Bronchitis – Myrtol meist sinnvoller als Antibiotika 

Myrtol / Gelomyrtol bei Husten und Bronchitis

Metaanalyse zeigt: Umckaloabo lindert Atemwegsinfekte 

Senfölglycoside gegen Infektionen

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Meerrettich – Breitbandantibiotikum aus der Natur 

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur 

Myrtol bei Bronchitis und Sinusitis

 

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Metaanalyse zeigt: Umckaloabo lindert Atemwegsinfekte

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Ein Extrakt aus Pelargonium sidoides (Umckaloabo) ist ein geeignetes Arzneimittel bei akuten Atemwegsinfekten. Zu diesem Schluss kommt eine Metaanalyse, die an der 29. Schweizerischen Jahrestagung für Phytotherapie in Winterthur vorgestellt wurde.

Bei akuten Atemwegsinfekten ist der Einsatz von Antibiotika in der Regel nicht sachgerecht. Darum sind pflanzliche Alternativen wie der Extrakt aus der Kapland-Pelargonie (Umckaloabo) interessant.

Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Umckaloabo-Extraktes wurden nun erneut in einer Metaanalyse untersucht. Die Resultate dieser Metanalyse wurden bei der 29. Schweizerischen Jahrestagung für Phytotherapie in Winterthur vorgestellt.

Für die Metaanalyse wurde in der Datenbank Medline nach Placebo-kontrollierten, randomisierten klinischen Studien gesucht, in denen der Pelargonium-Extrakt (Umckaloabo®) bei Patienten mit akuter Bronchitis, akuter Rhinosinusitis oder akuter Tonsillopharyngitis angewendet wurde.

13 Studien, sechs davon mit Kindern, mit total annähernd 3400 Teilnehmern wurden gefunden. In die Metaanalyse konnten zehn Untersuchungen einbezogen werden. In allen drei Indikationen war der Pelargonium-Extrakt gegenüber Placebo deutlich überlegen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/?sid=868088

Kommentar & Ergänzung:

Für eine Metaanalyse werden geeignete Studien zu einem bestimmten Thema zusammengefasst und ausgewertet. Dadurch soll gegenüber einzelnen Studien eine Aussage mit grösserer Relevanz gewonnen werden. Metaanalysen haben daher bei der Bewertung von Evidenz grosses Gewicht. Aber auch Metaanalysen sind nicht über jeden Zweifel erhaben. So ist es zum Beispiel entscheidend, nach welchen Kriterien Studien in die Metaanalyse eingeschlossen oder ausgeschlossen werden.

Die Qualität der beschriebenen Metaanalyse kann ich nicht beurteilen. Die Beschreibung in der Aerztezeitung liefert dazu auch kaum brauchbare Informationen. Wer hat die Metaanalyse durchgeführt? Wurde sie in einer Fachzeitschrift vollständig veröffentlicht und wenn ja, wo und wann?

Unabhängig davon spricht aber viel dafür, dass Umckaloabo bei akuten Atemwegsinfekten tatsächlich eine interessante Alternative zu den bei dieser Indikation in der Regel unnötigen Antibiotika ist.

Siehe auch:

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Übersichtsstudie zu Umckaloabo zieht positives Fazit

Phytotherapie: Umckaloabo (Pelargonium sidoides) bei Erkältungen 

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Extrakt aus Pelargonium sidoides (Umckaloabo) wirksam gegen HIV-1

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Pelargonium sidoides (Umckaloabo) ist eine Geranienart aus Südafrika, die seit einigen Jahren in Europa vermehrt zur Behandlung von Erkältungskrankheiten eingesetzt werden. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums in München haben überraschend eine Wirksamkeit gegen das HI-Virus festgestellt.

Extrakte aus Pelargonium sidoides inaktivieren das HI-Virus vom Typ 1 und verhindern seine Vermehrung in menschlichen Zellen. Sie stellen eine potentielle neue Wirkstoffklasse für die Behandlung von AIDS dar, schreiben Forscher des Helmholtz Zentrums München in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals ‚PLOS ONE‘.

Extrakte aus den Wurzeln der Heilpflanze Pelargonium sidoides (PS) enthalten Substanzen, die das Humane Immundefizienz Virus Typ 1 (HIV-1) angreifen und es daran hindern, sich zu vermehren. Die Forscher um Dr. Markus Helfer und Prof. Dr. Ruth Brack-Werner vom Institut für Virologie am Helmholtz Zentrum München (HMGU) sowie Prof. Dr. Philippe Schmitt-Kopplin von der Abteilung Analytische Biogeochemie (BGC) am HMGU haben die antivirale Wirkung der PS-Extrakte in Zellkulturen untersucht. Sie entdeckten dabei, dass diese Pflanzenextrakte Blut- und Immunzellen vor einer Infektion mit HIV-1 schützen. Die Inhaltsstoffe blockieren das Andocken der Viren an ihre Wirtszellen und verhindern so ihr Eindringen. Chemische Analysen der Forscher zeigten, dass die antivirale Wirkung der Pelargonium-Extrakte durch Polyphenole zustande kommt.

Aus den Extrakten isolierte Polyphenolmischungen erwiesen sich als hochwirksam gegen HIV-1  und waren dabei zellschonender als das grobe Extrakt. Pflanzliche Arzneimittel aus Pelargonium sidoides seien zudem bereits verfügbar und als verträglich und sicher für den Menschen zugelassen, schreibt das Helmholtz Zentrum in einer Pressemitteilung.

Die Resultate der Forscher zur anti-HIV-1-Wirkung von Pelargonium sidoides liefern nach Aussage der Arbeitsgruppenleiterin Brack-Werner die ersten Hinweise, dass Geranienextrakte genutzt werden können, um eine neuartige, wissenschaftlich fundierte Pflanzenmedizin gegen HIV-1 zu entwickeln.

Zitat Brack-Werner:

„Da PS-Extrakte das Virus auf eine Art und Weise angreifen, die sich von allen bisher klinisch eingesetzten Medikamenten gegen HIV-1 unterscheidet, wäre eine solche Phytomedizin eine wertvolle Ergänzung zu den bereits etablierten Anti-HIV-Therapien. Denkbar ist auch der Einsatz von Geranienextrakten in Ressourcen-armen Gebieten mit beschränktem Zugang zu konventionellen Anti-HIV-1 Medikamenten,  da sie einfach herzustellen und sehr haltbar sind.“

In weiteren Untersuchungen müsse nun die Wirksamkeit dieser Pelargonium-Extrakte gegen HIV im menschlichen Organismus bestätigt werden.

Quelle:

http://www.helmholtz-muenchen.de/aktuelles/pressemitteilungen/2014/pressemitteilung/article/23412/index.html

http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0087487;jsessionid=45989588E197E4F67E74FC14365E554A

Kommentar & Ergänzung:

Das ist natürlich eine ausgesprochen spannende Entdeckung. Trotzdem muss aber festgehalten werden, dass es sich um Laborergebnisse handelt. Wenn hier schon eine neue HIV-Therapie in Aussicht gestellt wird, scheint mir das etwas gar schnell.  Solche Laborergebnisse sind meilenweit von einer erfolgreichen Anwendung beim Menschen entfernt.

Die „Welt“ schreibt, dass die Entdeckung der Anti-HIV-Wirkung der Pelargonium-Extrakte einem Zufall zu verdanken ist:

„Der Erstautor der Studie, Markus Helfer, hatte das Erkältungsmittel Umckaloabo dabei, das auf dem Extrakt basiert – und probierte die Reste seiner Arznei kurzerhand an den Testzellen im Labor aus.“

So seien sie überhaupt erst darauf gekommen, speziell diesen Wirkstoff zu testen, sagt Brack-Werner.

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article124382368/Geranienextrakt-hemmt-die-Vermehrung-von-HIV.html

Schöner Zufall – und lobenswert, dass die Forscher diesem ersten Hinweis nachgegangen sind. Dazu ist allerdings noch zu ergänzen, dass viele Pflanzenextrakte im Labor antivirale Wirkungen zeigen.  Gerade Polyphenole sind in dieser Hinsicht geradezu prädestiniert.

Es könnte gut sein, dass eine ganze Reihe von pflanzlichen Extrakten ähnliche Wirkungen zeigen. Der Zufall würde dann nicht darin liegen, dass zufällig eine ganz spezielle Wirkung des Pelargoium-Extraktes entdeckt wurde, sondern dass zufällig gerade dieser Extrakt untersucht wurde.

Zur Anwendung von Umckaloabo gegen Bronchitis siehe:

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Phytotherapie: Umckaloabo / Pelargonium sidoides bei Erkältungen

Übersichtsstudie zu Umckaloabo zieht positives Fazit

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Erkältungen: Honig hilft gegen Husten

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Bei akutem Erkältungshusten werden zahlreiche Arzneimittel angewendet, aber nur wenige sind wirklich indiziert und hilfreich. Antibiotika werden zwar sehr oft verordnet, aber der Husten klinge durch sie nicht früher ab, erklärte Dr. Peter Kardos, Frankfurt, beim Pharmacon in Meran.

Ansonsten gesunde Patienten mit akutem Husten nach einem bakteriellen Infekt hätten ebenfalls keinen Nutzen von Antibiotika, sagte Kardos. Anders verhalte es sich bei bakteriellen Sekundärinfekten, doch trete auch hier der Effekt nicht unmittelbar ein.

Positive Studiendaten für Honig, Efeu / Thymian, Umckaloabo und Cineol

Für das Hausmittel Honig liege eine Studie vor, die für einen Nutzen bei nächtlichem Husten von Kindern zeigt, sagte der Experte, der federführend an der Ausarbeitung der aktuellen Husten-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie 2010 beteiligt war. Auch für einige Phytopharmaka, beispielsweise Zubereitungen aus Thymian & Efeu (ein Kombinationspräparat), Pelargonium sidoides (Umckaloabo) oder Cineol, lägen positive Studiendaten vor. Der Arzt bedauerte allerdings auch, dass es viele Vorurteile gegenüber Phytopräparaten gebe. Sie würden trotz Studien oft nicht in Leitlinien aufgenommen.

Bei einem akuten Erkältungshusten, der definitionsgemäss bis zu acht Wochen anhalten kann, sind Sekretolytika und Antitussiva wie Codein laut Kardos kaum wirksam.

Codein sei in der 60-mg-Dosierung als Arzneimittel aber nützlich bei nicht-erkältungsbedingtem Husten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=46625&Nachricht_Title=Nachrichten_Erk%E4ltungshusten%3A+Honig+hilft&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Beim Erkältungshusten gibt es einige Phytopharmaka, die mit Studien gut belegt sind, und es diesbezüglich mit synthetischen Wirkstoffen aufnehmen können.

Siehe dazu auch:

Wirkstoffkunde: Was ist Cineol / 1,8-Cineol?

Myrtol / Gelomyrtol® bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant und Sibrovita – Unterschied?

Myrtol bei Bronchitis & Sinusitis

Akute Bronchitis: Myrtol meist sinnvoller als Antibiotika

Phytotherapie: Eukalytusöl / Myrtol bei Husten

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Phytotherapie: Umckaloabo (Pelargonium sidoides) bei Erkältungen

Phytotherapie bei Husten: Wirksamkeit in Studien nachgewiesen

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Studie stellt Beurteilung der Lebertoxizität von Pflanzenextrakten in Frage

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In den letzten Jahren gab es immer wieder Diskussionen über mögliche Lebertoxizität von Heilpflanzen. Beispielsweise bezüglich Kava-Kava oder Umckaloabo.

Siehe dazu:

Leberschäden durch Umckaloabo?

Umckaloabo wegen möglicher Leberschäden unter Kritik

Umckaloabo®: Leberschäden unwahrscheinlich

Das Thema potenzieller Lebertoxizität ist nicht einfach.

Einerseits gehört es zum sorgfältigen Umgang mit Heilpflanzen, dass man sich auch mit allfälligen Risiken auseinandersetzt.

Andererseits sollten aber Risiken auch nicht unnötigerweise aufgebauscht werden. Was meinem Eindruck nach nicht selten vorkommt.

Eine interessante Studie aus Frankfurt hat nun überprüft, wie zuverlässig die bisherigeBeurteilung der Lebertoxizität von Pflanzenextrakten ist.

Die Studie unter Beteiligung des Frankfurter Universitätsklinikums belegt, dass die gängigen Algorithmen, mit denen leberschädigende pflanzliche Substanzen identifiziert werden, nicht zuverlässig sind. Publiziert wurde die Studie im März im Fachmagazin „Expert Opinion on Drug Safety“.

Die Leber wird oft durch Nahrungsbestandteile, Arzneimittel, Gifte oder Infektionen beeinträchtigt. Die Identifizierung solcher Stoffe ist jedoch nicht immer zuverlässig.

Um die Qualität der Einschätzungen zu prüfen, haben sich die Wissenschaftler publizierte Fälle angeschaut, in denen ein bestimmter Pflanzenextrakt als Auslöser für Leberschäden angegeben wurde. Die Wissenschaftler kamen dabei zum Schluss, dass viele Beurteilungen fehlerhaft sind. So wurden zum Teil falsche Substanzen als problematisch bewertet, während wirklich schädliche möglicherweise unentdeckt geblieben sind.

Ursachenzusammenhänge sind schwierig einzuschätzen

Die ersten charakteristischen Anzeichen einer Leberschädigung – das Ansteigen der Serumkonzentrationen von Leberenzymen – sind sehr unspezifisch. Sie kommen so oft vor, dass sie nur als Indikatoren nützlich sind. Die Bandbreite der Auslöser für einen solchen Anstieg reicht von Infektionen über Entzündungen, Stoffwechselstörungen, Ernährungsbesonderheiten, Gallensteinen und Giften bis zur Medikamenteneinnahme. Um zu belegen, dass ein Arzneimittel oder ein Pflanzeninhaltsstoff für einen Leberschaden verantwortlich ist, genügt ein einfacher zeitlicher Zusammenhang nicht. Eine gute Bewertung verlangt zusätzlich den Ausschluss von anderen Ursachen. Diese Prüfungen nennt man Kausalitätsbewertungen.

Eine gute Grundlage, um ein Pflanzenpräparat vom Markt zu nehmen oder ergänzende Gebrauchseinschränkungen in der Packungsbeilage zu machen besteht dann, wenn gut belegte Fälle eines gesicherten oder sehr wahrscheinlichen Zusammenhangs zwischen dem spezifischen Produkt und einer Leberschädigung bekannt sind. Wenige, aber gut belegte Fälle seien dabei aussagekräftiger als eine große Anzahl von unzuverlässig bewerteten Fällen, erläutert Prof. Johannes Schulze vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt und einer der Autoren der Studie. Fehleinschätzungen wiederum können ernsthafte Konsequenzen haben. Im schlimmsten Fall werde dabei eine lebertoxische Substanz übersehen, in der falschen Annahme, die ursächliche Substanz gefunden zu haben. Die nicht erkannte Gefährdung bestehe dann weiter, warnt Prof. Schulze.

Studie stellt gegenwärtigen Prüfverfahren schlechtes Zeugnis aus

Die jetzt publizierte Studie kommt zu dem Resultat, dass bei den untersuchten Fällen zahlreiche Fehleinstufungen vorlagen, häufig wegen ungenauer Beschreibungen oder einer unvollständigen Präsentation der Datenlage. Alternative Auslöser wie Hepatitis oder Alkoholmissbrauch wurden nur unvollständig oder gar nicht ausgeschlossen. Die publizierten Schlussfolgerungen zur Kausalität waren in zahlreichen Fällen nicht nachvollziehbar. In Einzelfällen liess sich der angeblich erkannte Zusammenhang sogar ausschliessen.

Empfehlung für zuverlässigere Tests

Die Autoren zeigen in der Studie auch, wie sich die Beurteilungen verbessern lassen. Die Beurteilung von leberschädigenden Substanzen soll durch ein nachvollziehbares Verfahren geschehen. Sie empfehlen dazu einen als CIOMS-Skala bezeichneten Algorithmus, der von jedem Arzt auch selbstständig angewendet werden kann. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, eine Kausalitätsbewertung durch das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt vornehmen zu lassen.

Die Studie:

Rolf Teschke, Alexander Schwarzenboeck, Axel Eickhoff et al.

Clinical and causality assessment in herbal hepatotoxicity. Expert Opinion on Drug Safety, posted online on March 5th 2013, doi:10.1517/14740338.2013.774371

Quelle:

Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=40258

Kommentar & Ergänzung:

Interessant ist die Kausalitätsbewertung. Hier geschieht oft eine Verwechslung von Korrelation mit Kausalität

Wenn 100 000 Menschen ein synthetisches oder pflanzliches Medikament X nehmen, dann wird ein gewisser Prozentsatz dieser Menschen innert eines Jahres eine Lebererkrankung bekommen, einfach deshalb, weil von 100 000 Menschen innert eines Jahres dieser Prozentsatz eine Lebererkrankung bekommt. Es besteht nun aber ein durchaus reales Risiko, dass ungerechtfertigterweise das Medikament für die Lebererkrankung verantwortlich gemacht wird. Das Zusammentreffen (die Korrelation) der Medikamenteneinnahme und der Lebererkrankung ist in diesem Fall zufällig, nicht kausal in dem Sinne, dass das Medikament die Ursache der Lebererkrankung ist.

Wird Korrelation irrtümlich als Kausalität eingestuft, haben wir es mit einem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss zu tun, und den zu verstehen und zu vermeiden kann ziemlich wichtig sein  Leben.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss

Ein Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss liegt aber nicht nur vor, wenn einem Medikament wie oben geschildert ungerechtfertigterweise eine unerwünschte Nebenwirkung zugeschrieben wird, sondern auch, wenn einem Medikament ungerechtfertigterweise eine erwünschte Wirkung zugeschrieben wird.

Beispiel: Ich bin krank, ich nehme ein Heilmittel XY, ich werde gesund. Schlussfolgerung: Heilmittel XY hat mich gesund gemacht. Das kann stimmen. Dann liegt Kausalität vor. Oder es kann nicht stimmen, weil andere Faktoren wie beispielsweise meine Selbstheilungskräfte mich gesund gemacht haben – das dürfte bei vielen einfacheren Beschwerden die Regel sein. Wer automatisch einen Kausalitätsschluss zieht, negiert daher andere mögliche Faktoren wie eben beispielsweise die Selbstheilungskräfte.

Aus diesem Grund ist auch der oft benutzte „Kampfspruch“ „Wer heilt hat Recht“ in der Regel eine fragwürdige Simplifizierung. Wer heilt hat nur Recht, wenn alle anderen Faktoren ausser der therapeutischen Intervention als Ursache der Besserung ausgeschlossen wurden.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht? (2)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Umckaloabo®: Leberschäden unwahrscheinlich

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Zu diesem Schluss kommt eine Analyse aller Spontanmeldungen von Leberschäden, die nun publiziert wurde (Regulatory Toxicology and Pharmacology 2012; 63 (1): 1).

Vor einem halben Jahr schreckte die Meldung über mögliche Leberschäden nach Anwendung des Phytotherapeutikums Umckaloabo® Verbraucher, Ärzte und Apotheker auf.

Umckaloabo (Pelargonium sidoides) ist eine Heilpflanze, die als schleimlösendes Mittel bei Husten und weiteren Erkältungskrankheiten eingesetzt wird.

Die Analyse aller Spontanmeldungen von Leberschäden zeigte nun, dass in keinem Fall ein Kausalzusammenhang zwischen Einnahme von Umckaloabo® und Leberschäden wahrscheinlich ist.

Für die Studie untersuchten Wissenschaftler der Universität Frankfurt am Main total 15 Verdachtsfälle, die der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und dem BfArM gemeldet worden waren wegen einer möglichen Leberschädigung duch Pelargonium sidoides. Ein Pelargonium-sidoides-Extrakt wird zur Herstellung des Phytotherapeutikums Umckaloabo® verwendet.

Die Forscher beurteilten den Kausalzusammenhang mit einer Leberschädigung anhand der leberspezifischen Skala des Councils for International Organizations of Medical Sciences (CIOMS).

Darüber hinaus werteten sie den Zeitpunkt der Einnahme des Phytotherapeutikums und den Zeitpunkt des Auftretens der Beschwerden aus, sowie die Werte von Alaninaminotransferase und alkalischer Phosphatase als eindeutige Kriterien für eine Leberschädigung.

Die Datenlage sei in fast allen berichteten Fällen schlecht gewesen, stellen die Wissenschaftler fest.

Nur bei einer Minderheit der untersuchten Fälle sei es möglich gewesen, auf andere Lebererkrankungen Bezug zu nehmen. Beispielsweise hätten nur für drei Patienten Daten zu bildgebenden Untersuchungen des Gallentraktes vorgelegen.

Daten zum Ausschluss von Virusinfektionen (Hepatitis A-C) seien nur in vier Fällen, zum Ausschluss von Cytomegalie- und Eppstein-Barr-Viren sogar nur in einem Fall zur Verfügung gestanden, so die Wissenschaftler.

Sie kommen zum Schluss, dass ein überzeugender Beweis fehle, dass Pelargonium sidoides bei den analysierten Fällen ein potenzielles Hepatotoxin (Lebergift) gewesen sei.

In fast allen Fällen (mit Ausnahme einer Dauermedikation über 13,5 Monate) sei Umckaloabo  nur wenige Tage angewandt worden – meist als Tropfen. Hinweise auf eine tägliche Überdosierung seien nicht vorhanden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/809584/datenanalyse-umckaloabo-kein-hepatotoxin.html

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0273230012000359

Kommentar & Ergänzung:

Die Vorgänge rund um diese Warnungen vor Leberschäden durch Umckaloabo® werfen einige Fragen auf.

Ausser Frage steht, dass auch bei pflanzlichen Heilmitteln mit unerwünschten Nebenwirkungen und Risiken gerechnet werden muss. Was Wirkungen hat, kann auch Nebenwirkungen haben.

Und Heilmethoden, die niemals unerwünschte Nebenwirkungen haben sollen, stehen im Verdacht, auch keine Hauptwirkung zu haben.

Aber nun konkret zu dieser „Umckaloabo-Geschichte“:

Wenn sagen wir einmal 500 000 Menschen ein bestimmtes Medikament X nehmen, dann wird immer eine gewisse Anzahl Menschen zeitgleich oder zeitnah eine Lebererkrankung bekommen. Einfach schon deshalb, weil jedes Jahr eine bestimmte Anzahl Menschen aus unterschiedlichen Gründen an der Leber erkrankt.

Wenn man dann unreflektiert und ungeprüft als Ursache für diese Lebererkrankungen Medikament X „beschuldigt“, macht man möglicherweise einen Post-hoc-ergo-propter-Fehlschluss.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Das ist genauso kurzschlüssig, wie wenn ich annehme:

Ich bin krank – ich nehme Medikament Y. – Ich werde gesund – Folglich: Medikament Y. hat mich geheilt. (Wer heilt hat Recht – lautet dann der voreilige Schnellschluss)

Es gibt viele andere Faktoren, die für die Heilung (mit)verantwortlich sein könnten.

Es kann aber auch nicht gelten:

Ich bin krank – ich nehme Medikament X.  – ich erkranke an der Leber – Medikament X. schädigt meine Leber.

Auch hier sind alle anderen möglichen Auslösefaktoren zu prüfen.

Solche Datenanalysen – wie sie nun die Forschergruppe der Universität Frankfurt vorlegt, sollten gemacht werden, bevor eine Warnung wie „Umckaloabo macht Leberschäden“ gross via Medien verbreitet wird.

Und wenn eine solche Warnung erfolgt, dann sollte die Datenlage schon einigermassen wasserdicht sein.

Sonst grenzt eine solche Meldung an Rufmord.

Dumm ist in solchen Fällen nämlich, dass die Warnung in der Regel intensiv verbreitet wird, die Entwarnung aber in irgendeiner Fachzeitschrift vor sich her gammelt und nur von wenigen Leuten überhaupt gelesen wird. So bleibt immer etwas hängen.

Oder hat die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und die BfArM ihre Warnung nun zurückgenommen oder relativiert? Jedenfalls nicht dass ich wüsste.

Solche medialen „Schnellschüsse“ sind eigentlich nur akzeptabel in Situationen, in denen eine sehr akute Gefahr abgewendet werden muss.

Allerdings ist zugunsten der Arzneimittelbehörden zu sagen, dass potenzielle Risiken oft auch nicht einfach, eindeutig und schnell eingeschätzt werden können. Und dass die Öffentlichkeit eine Behörde „aufhängt“, wenn sie eine Warnung unterlässt, und dadurch jemand Schaden erleidet. Ich selber möchte nicht in dieser Verantwortung stehen.

Zu Umckaloabo siehe auch:

Übersichts-Studie zu Umckaloabo zieht positives Fazit

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Phytotherapie: Umckaloabo (Pelargonium sidoides) bei Erkältungen

Leberschaden durch Umckaloabo?

Umckaloabo wegen möglicher Leberschäden unter Kritik

Kein Grund auf Umckaloabo zu verzichten

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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