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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Ökotest beurteilt Heilpflanzen-Präparate

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Das Magazin Ökotest hat erneut Phytopharmaka (Heilpflanzen-Präparate) untersucht. Diesmal wurden Hustenmittel, Johanniskrautpräparate, Prostata- und Venenmittel unter die Lupe genommen. Die Resultate sind unterschiedlich: Bei den Johanniskrautpräparaten schnitten alle getesteten Produkte mit der Schulnote „sehr gut“ oder „gut“ ab, bei den Venenmitteln gab es mit „mangelhaft“ einen einzigen negativen Ausreißer. Gemischt waren die Resultate dagegen bei Husten- und Prostatamitteln.

Mit „Sehr gut“ bewerteten die Tester wegen der klinisch nachgewiesenen Wirksamkeit die Johanniskrautpräparate Jarsin 450mg (Cassella med), Laif 900 Balance (Steigerwald) und Neuroplant Aktiv 600mg (Dr. Willmar Schwabe). Bei den übrigen Johanniskraut-Präparaten fehlten produktspezifische Wirksamkeitsnachweise. Bei Cesradyston 425mg (Cesra) kritisiert Ökotest die Verwendung des Farbstoffs Gelborange S (E 110). Allgemein empfehlen die Tester den Kauf apothekenpflichtiger Präparate, da freiverkäufliche Johanniskraut-Produkte häufig zu wenig Wirkstoff enthielten.
Bei den Venenmitteln vergaben die Tester zehnmal die Note „sehr gut“, darunter Aescorin forte (Steigerwald), Noricaven (Bionorica) und Venentabs-Ratiopharm. Mit „Gut“ wurden die Antistax Venenkapseln (Boehringer Ingelheim) bewertet. Laut Ökotest ist die Wirksamkeit dieses Präparats, das nicht wie die anderen 13 auf Rosskastaniensamen-Extrakt, sondern auf roten Weinrebenblätternextrakt basiert, nicht so gut belegt. Bei den Präparaten Plissamur (Ardeypharm) und Venostasin retard (Astellas) gab es wegen des Farbstoffs Chinolingelb (E 104) ebenfalls Punktabzug und somit die Schulnote „gut“. Die Note „Mangelhaft“ bekam Aescuven forte (Cesra). Hier vermissten die Tester Angaben zum Droge-Extrakt-Verhältnis und zum Extraktionsmittel. Zudem sei der von der EU als fortpflanzungsgefährdend eingestufter Weichmacher Dibuthylphthalat enthalten, kritisiert Ökotest.

Von den Hustenmitteln erhielt keines die Note „sehr gut“, weil Hustenmittel laut Ökotest unabhängig vom Wirkstoff bestenfalls unterstützend wirken. Um das Abhusten zu erleichtern, sei hauptsächlich ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Neunmal vergaben die Tester die Schulnote „gut“, zum Beispiel für Aspecton DS Hustensaft (Krewel Meuselbach), Bronchostad Hustenlöser Sirup (Stada) und Sinuc Akut (Hexal). Minuspunkte gab es für Husten-Präparate mit Alkoholkonzentrationen von mehr als 1 Volumenprozent. „Befriedigend“ schnitten darum unter anderem Bronchipret Saft TE (Bionorica) und Umckaloabo (W. Spitzner) ab. Als „ausreichend“ wurden Bronchicum Elixir und Melrosum Hustensirup (beide Cassella med) und Phytohustil Hustenreizstiller (Steigerwald) benotett.
Auch bei den Prostatamitteln wurde die Bestnote nicht vergeben. Keins der untersuchten Prostata-Präparate könne eine vergrößerte Prostata rückgängig machen, kritisierten die Tester. Für die Heilpflanzen-Präparate, deren Wirksamkeit bei der Linderung der Symptome klinisch belegt sind, gab es jeweils die Schulnote „gut“; unter anderem für Bazoton Uno 459mg (Abbott) und Talso uno N 320mg (Sanofi-Aventis). Prostata Fink forte 500mg (GlaxoSmithKline) bekam wie fünf weitere Präparate „befriedigend“ – hier sahen die Tester die Wirksamkeit nur zum Teil belegt. Utk Uno 460mg (TAD Pharma) wurde zusammen mit drei weiteren Präparaten als „ausreichend“ bewertet. Mit „Mangelhaft“ benotete Ökotest Pollstimol (Strathmann) wegen nicht ausreichend belegter Wirksamkeit. GranuFink Prosta (GlaxoSmithKline) bekam wegen zusätzlicher Deklarationsmängel ein „ungenügend“.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/Nachrichten/Wissenschaft+und+Forschung/15342.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Resultate sind nur zum kleinen Teil auf die Schweiz übertragbar, weil die meisten der untersuchten Heilpflanzen-Präparate bei uns nicht erhältlich sind.

Und auch für Deutschland gilt die Einschränkung, dass nur eine Auswahl von Produkten untersucht wurde. Zudem kann man über die angewandten Kriterien geteilter Meinung sein.

Positiv an solchen Untersuchungen ist, dass sie das Bewusstsein schärfen für Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten.

Genau genommen kann man nämlich nicht sagen, „Johanniskraut hilft gegen Depressionen“, oder „Thymian lindert den Husten“. Genauso wichtig ist nämlich, in welcher Form die entsprechende Heilpflanze zur Anwendung kommt. Und hier gibt es sehr grosse Qualitätsunterschiede.

Auffallend ist im übrigen, dass bei den pflanzlichen Prostatamitteln grosse Pharmakonzerne als Hersteller auftauchen: Abbott, GlaxoSmithKline, Sanofi-Aventis.

Viele Pharmakonzerne haben schon lange eine „Phyto-Tochter“.

Das hat durchaus Vorteile, denn dadurch fliesst Geld und Know-how in die Heilpflanzen-Forschung, wobei allerdings die Resultate überwiegend den eigenen Produkten zugute kommen.

Aus Komplementärmedizin und Naturheilkunde hört man immer wieder Befürchtungen oder gar Verschwörungstheorien, wonach die Pharmaindustrie die Naturheilmittel eliminieren will.

So simpel ist die Realität allerdings nicht. Die Hersteller von Komplementärheilmitteln und Phytopharmaka sind längst ein Teil der Pharmaindustrie und die Pharmaindustrie investiert längst in den boomenden Bereich der Komplementärheilmittel und Phytopharmaka.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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