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Zimt gegen Entzündungen?

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Die österreichische Zeitung „Kurier“ empfiehlt Gewürze als Entzündungshemmer:

„Zimt, Knoblauch, Ingwer und Kurkuma genießen unter den Gewürzen einen Sonderstatus. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass sie Entzündungen im Körper gezielt bekämpfen.“

Schauen wir uns das Beispiel Zimt genauer an:

„Zimt ist ein Allroundtalent. Das Pulver aus der getrockneten Zimtbaumrinde kann sowohl für süße als auch für pikante Speisen verwendet werden. Im Haferbrei oder Backwaren sorgt Zimt für eine angenehm herbe Note, mariniert man Fleisch oder würzt Saucen damit, erhält man ein duftendes, weihnachtliches Aroma.

Zimt wurde von der Wissenschaft eine desinfizierende und krampflösende Wirkung attestiert. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird das beliebte Gewürz gerne bei Kältegefühl verwendet, da es die „innere Kälte“ durch gesteigerte Durchblutung vertreiben kann. Auch die blutzuckersenkende und stimmungsaufhellende Wirkung des Gewürzes wird betont. Wissenschaftler des Rush University Medical Centers haben in einer Studie mit Zimt und Mäusen zudem eine deutliche Steigerung der Gehirnleistung festgestellt.“

Quelle der Zitate:

https://kurier.at/wellness/zimt-kurkuma-ingwer-knoblauch-wie-sie-ihr-gewuerzregal-gesund-haelt/247.739.154

Kommentar & Ergänzung:

Zimt ist ein feines Gewürz, das Verdauungsbeschwerden lindern kann. Die ESCOP bestätigt als Anwendungsbereiche für die Zimtrinde:

Dyspeptische Beschwerden wie Bauchkrämpfe, Blähungen und Flatulenz; Appetitlosigkeit, Durchfall.

Die blutzuckersenkenden Wirkung wurde in Laborexperimenten im Reagenzglas und an Mäusen festgestellt. Diese Einschränkung fehlt im Artikel des „Kuriers“.

Das Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt:

„Zur blutzuckersenkenden Wirkung von Zimtrinde liegen In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen an Mäusen vor, in denen eine antidiabetische Wirkung eines wässrigen Extrakts gezeigt werden konnte, doch ist die Übertragbarkeit auf eine therapeutische Anwendbarkeit beim Menschen schwierig.“

Die klinischen Studien zur Wirksamkeit von Zimt bei Diabetespatienten sind bisher nicht überzeugend. Siehe dazu:

Zimt zur Senkung des Blutzuckers bei Diabetes?

Einschränkung sind auch angebracht bezüglich der Studie zur Steigerung der Gedächtnisleistung bei Mäusen. Auch hier ist alles andere als klar, ob das Gehirn von Menschen von Zimtgaben profitieren kann und welche Dosierungen dazu nötig wären.

Ich habe zu diesem Experiment hier schon einen Beitrag geschrieben:

Zimt verbessert Lernvermögen bei Labormäusen

Auch die erwähnte entzündungswidrige Wirkung der Zimtrinde wurde in Laborexperimenten festgestellt. Ob Zimt gegen Entzündungen im menschlichen Organismus wirksam ist und welche Zimtmengen dazu nötig wären, bleibt offen.

Der Beitrag im „Kurier“ ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht sehr sinnvoll ist, Laboreffekte aneinanderzureihen, ohne auf die begrenzte Aussagekraft solcher Experimente für den Menschen hinzuweisen.

Chinesischer Zimt (Cinnamomum cassia, Cassia-Zimt) enthält übrigens erhebliche Konzentrationen an Cumarin, das auf längere Sicht die Leber belasten könnte. Im Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum) sind die Cumarin-Werte viel tiefer. Ich würde also Ceylon-Zimt vorziehen. Allerdings sollte man diese Gefahr nicht dramatisieren. Wikipedia schreibt dazu:

„Einen eindeutigen Beleg für die angebliche Gefährlichkeit von Cumarin beim normalen Gebrauch von cumarinhaltigen Gewürzen gibt es allerdings bis zum heutigen Tage nicht. In allen Studien trat eine gesundheitschädigende Wirkung erst nach extremen Überdosierungen bei Versuchen an Ratten auf.“

Siehe auch:

Zimt & Cumarin: Ceylon-Zimt unproblematischer als Cassia-Zimt

Stollen, Glühwein, Zimtsterne: Schadet Zimt der Gesundheit?

Zimt ist ein tolles Gewürz mit verdauungsfördernden Eigenschaften. Im Artikel des „Kuriers“ wird Zimt aber „überverkauft“, das heisst mit unrealistischen Versprechungen angepriesen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

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Die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet über die Bewertung von Erkältungsmitteln durch die „Stiftung Warentest“ und vergleicht die Empfehlungen mit der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Bei den Hustenmitteln haben dabei die Phytopharmaka (Heilpflanzen-Präparate) eine überraschend gute Stellung.

Werden Schleimlöser oder Hustenstiller gewünscht, können laut Stiftung Warentest bei Reizhusten Dextromethorphan oder zur Schleimlösung Acetylcystein (ACC) oder Ambroxol zur Anwendung kommen.

ACC und Ambroxol allerdings nur mit Einschränkung, da ihre Wirksamkeit nicht bewiesen sei. Aus dem selben Grund rät die DEGAM-Leitlinie „Husten“ von ACC und Ambroxol ab, für Hustenstiller sieht sie nur in Ausnahmefällen eine Berechtigung, zum Beispiel nachts, um besser schlafen zu können.

In der Bewertung der „Stiftung Warentest“ finden sich auch Phytopharmaka, nämlich Spitzwegerichextrakt gegen Hustenreiz und Schleimlöser mit Efeu oder Thymian. Aber auch sie werden nur mit Einschränkung empfohlen, da sie nicht ausreichend erforscht seien.

Die DEGAM-Leitlinie dagegen steht den Phytopharmaka offener gegenüber. Sie anerkennt insbesondere für Myrtol Hinweise auf positive Effekte. Myrtol wird von der „Stiftung Warentest“ gar nicht erwähnt. Auch Kombipräparaten von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt wird in der DEGAM-Leitlinie durchaus ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis zugeschrieben. Sie schreibt deshalb, dass bei entsprechendem Therapiewunsch des Patienten diese Phytopharmaka zur moderaten Symptomlinderung bzw. – verkürzung bei Erkältungshusten bzw. akuter Bronchitis erwogen werden können.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2015/erkaltungsmittel-gut-und-gunstig-und-leitliniengerecht

Kommentar & Ergänzung:

Dann will ich mal versuchen, nachfolgend bei den aufgeführten Hustenmittteln Phytopharmaka und synthetische Mittel gegenüber zu stellen.

Die Hustenstiller:

Bei Hustenstillern und insbesondere bei Schleimlösern stehen die Phytopharmaka im Vergleich mit den synthetischen Wirkstoffen gut da, was die wissenschaftlichen Belege und die Sicherheit angeht.

Mag sein, dass Spitzwegereichextrakt als Hustenstiller nicht ausreichend erforscht ist. Aber schauen wir uns einmal die synthetische Alternative Dextromethorphan an. Die Wirksamkeit von Dextromethorphan ist zumindestens fragwürdig. Der WDR hat den Forschungsstand am 15. 12. 2014 zusammengefasst und beruft sich dabei auf die renommierte Cochrane Collabortion:

„Die Cochrane Collaboration hat insgesamt 26 Studien zu Codein- und Dextromethorphan-haltigen Präparaten beurteilt. Das Fazit: Die Studienlage ist insgesamt uneinheitlich: Oft zeigten unterschiedliche Studien widersprüchliche Ergebnisse. Daher kann das Expertengremium keine wirkliche Empfehlung für oder gegen Hustenstiller aussprechen. Zudem wirkte Honig in vielen Studien sogar besser als Dextromethorphan.“

Quelle: http://www1.wdr.de/themen/wissen/erkaeltungsmittel114.html

Sehr überzeugend tönt das nicht, wenn sogar Honig besser wirkt als Dextromethorphan.

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 1:1

Dazu kommt aber noch die Frage nach den Risiken: Beim Spitzwegerichextrakt sind Risiken nicht bekannt und auch nicht zu erwarten.

Bei Dextromethorphan sieht das ganz anders aus:

„Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom-P450-Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Dextromethorphan zeigt zudem Wechselwirkungen insbesondere mit bestimmten Antidepressiva und mit Alkohol.

Und dann gibt es noch ein Missbrauchsrisiko:

„Dextromethorphan wird auch missbräuchlich eingenommen, da es in hohen Dosen dissoziative und anderweitig berauschende Effekte hat (ähnlich der bei niedrig dosiertem Ketamin). Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose nach sich ziehen, unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbst- oder Fremdgefährdung führen. Regelmäßige missbräuchliche Einnahme kann zur Suchterkrankung führen, unter Umständen ist auch mit Hirnschäden zu rechnen.

Direkt durch Dextromethorphan bedingte Todesfälle sind theoretisch möglich, dafür aber müsste es in einer derart hohen Dosis eingenommen werden, wie es in der Praxis kaum möglich ist. In der Kombination mit Paracetamol sind jedoch Todesfälle bekannt. Zum Missbrauch vom Dextromethorphan sind nur wenige Studien verfügbar. Die bekannteste Arbeit zum Thema stellt wohl die DXM-FAQ von William E. White, einem amerikanischen Dextromethorphan-Forscher, dar. Seine Thesen stützen sich teilweise auf Berichte von mehreren Hundert Konsumenten.“

Quelle: Wikipedia

Das spricht gegen Dextromethorphan und für Spitzwegerichextrakt.

Fazit:

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 2:1

Und nun zu den Schleimlösern:

Halten wir fest: Die Wirksamkeit der oft konsumierten synthetischen Wirkstoffe Acetylcystein und Ambroxol ist nicht belegt.

Acetylcystein ist beispielsweise enthalten in ACC Sandoz® (früher ACC eco®), Ecomucyl®, Fluimucil®, Mucostop® und Solmucol®;

Ambroxol beispielsweise in Mucosolvon® und Bisolvon Ambroxol®.

Gut belegt sind dagegen verschiedene Phytopharmaka als Schleimlöser:

Kombipräparate von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt, ausserdem Myrtol (enthalten in Gelomyrtol®).

Spielstand Schleimlöser: Phytopharmaka : Acetylcystein / Ambroxol 1 : 0

Fazit Hustenmittel insgesamt: Phytopharmaka : Synthetika 3 : 1

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Omega-3-Fettsäuren gegen Depressionen: Wirkung überzeugt nicht

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Omega-3-Fettsäuren werden seit Jahren als natürliche Helfer gegen Depressionen propagiert.

Eindeutige Belege dafür, dass diese Wirkung tatsächlich existiert, gibt es aber bisher nicht.

Wissenschaftler des Cochrane Netzwerks haben die Effekte nun mit einer systematischen Analyse (Metastudie) untersucht – mit ernüchterndem Resultat: Die Wirkung könnte verschwindend klein sein.

Die Forscherin Katherine Appleton und ihre Kollegen untersuchten 26 Studien aus den USA, Südamerika, Kanada, Asien, Australien und Europa, in denen die Wirksamkeit von Omega-3-Präparaten gegen Depressionen an 1478 Testpersonen überprüft wurde. 25 Studien untersuchten den Effekt von Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo). Eine Studie, an der allerdings nur 40 Personen beteiligt waren, überprüfte die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren im vergleich zu Antidepressiva.

Appleton und ihr Team schliessen aus ihren Resultaten dass die Fettsäuren eine leichte Wirkung gegen Depressionen besitzen. Möglicherweise sei diese Wirkung jedoch auch verschwindend gering, schränken die Wissenschaftler ein.

Der tatsächliche Therapieeffekt lasse sich nur schwer abschätzen, weil die Studienlage lückenhaft sei und es grosse Unterschiede zwischen den Ergebnissen gebe.

In den untersuchten Einzelstudien haben die jeweiligen Forscher ihre Daten nämlich unterschiedlich protokolliert und die untersuchten Patienten verschieden klassifiziert. In den meisten Fällen war die Zahl der Testpersonen zu klein, um repräsentative Resultate zu erhalten. Appleton und ihr Team warnen daher vor einer Überinterpretation der Daten.

Solange die klinische Studienlage weiterhin keine ausreichenden Belege für den Einsatz von Omega-3-Fettsäuren liefert, sollte die Selbstmedikation stets kritisch hinterfragt werden.

Derzeit sind auch noch Fragen offen zur optimalen Dosierung oder zur wirksamen Fettsäuren-Zusammensetzung.

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand richten Omega-3-Fettsäure-Präparate wohl kaum Schäden an, sind gut verträglich und auch klinisch relevante Wechselwirkungen mit Medikamenten sind nicht bekannt. Ein ärztlich-kontrollierter Therapieversuch zusätzlich zu einer antidepressiven Standardtherapie scheine im Einzelfall akzeptabel, schreibt Dr. André Said in der Deutschen Apotheker Zeitung (46/15).

Omega-3-Fettsäuren sollen sich sogar günstig auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken, weil sie die Fließgeschwindigkeit des Blutes verbessern und den Cholesterinspiegel beeinflussen. Doch auch in diesen Bereichen ist die Studienlage noch lückenhaft. Bei Überdosierung können Omega-3-Fettsäuren zu Übelkeit führen und durch ihre blutverdünnenden Eigenschaften für Menschen mit einer schlechten Blutgerinnung gefährlich werden.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2015/11/12/omega-3-fettsaeuren-nutzen-nur-wenig/17161.html

http://onlinelibrary.wiley.com/enhanced/doi/10.1002/14651858.CD004692.pub4

Kommentar & Ergänzung:

Untersucht wurden in dieser Studie Omega-3-Fettsäure-Präparate, die als Nahrungsergänzungsmittel im Handel sind. Omega-3-Fettsäuren kommen aber auch in vielen Nahrungsmitteln vor.

Sie sind in Algen, Pflanzen und Fischen enthalten.

Pflanzen enthalten beinahe ausschließlich α-Linolensäure, während in Fettfischen – wie Aal, Karpfen, Lachs, Sardine – und in Algen, beispielsweise Rotalgen, insbesondere Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) vorkommen können. Pflanzenöle mit hohem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren sind Leinöl (56 – 71%), Chiaöl (bis c. 64%) und Perillaöl (ca. 60%), aber auch Hanföl (ca. 17%), Walnussöl (ca. 13%), Rapsöl ca. 9%) und Sojabohnenöl ca. 8%) sind nutzbare Quellen. Bei den Fischen zeigen Atlantischer Lachs (1,8%), Sardellen (1,7%), Sardinen (1,4%) und Atlantischer Hering (1,2%) vergleichsweise hohen Omega-3-Gehalt, etwas tiefer liegen Makrele (1%) und Weisser Thun“ (0,7%).

(Quelle: Wikipedia)

Omega-3-Fettsäuren gegen Depressionen – das ist ein gutes Beispiel für ein Phänomen, das immer wieder zu beobachten ist:

Ein interessantes Präparat, das viele Hoffnungen weckt. Scheinbar endlich eine Möglichkeit, Depressionen ohne Antidepressiva zu behandeln – und dann läuft die Vermarktung schon auf vollen Touren, während die zahlreichen offenen Fragen noch nicht einmal ansatzweise geklärt sind.

Vor allem bei Nahrungsergänzungsmitteln kann man solche Entwicklungen immer wieder sehen, weil sie im Markt zugelassen werden, ohne vorgängig eine Wirksamkeit belegen zu müssen.

Bei Arzneimitteln sind die Bedingungen strenger. Sie müssen bei Neuzulassungen Studien liefern, die eine Wirksamkeit belegen. Das gilt für „chemische“ Arzneimittel und für Phytopharmaka. Traditionelle Pflanzenheilmittel, sowie generell Homöopathika und Anthroposophika werden dagegen zugelassen ohne Wirksamkeitsnachweis.

Und auch bei vielen älteren „chemischen“ Arzneimitteln sind die vorliegenden Studien oft von schlechter Qualität und daher nicht sehr glaubwürdig.

Fazit: Uns werden sehr viele Präparate für die Gesundheit verkauft, die nicht sehr überzeugend sind, wenn es um Belege für ihre Wirksamkeit geht. Genau hinschauen und sich informieren lohnt sich.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen bei Makula-Degeneration?

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Gibt es Heilpflanzen-Anwendungen zur unterstützenden Therapie bei Makula-Degeneration (AMD)?

Professor Karin Kraft (Lehrstuhl für Naturheilkunde, Universität Rostock) hat im Phyto-Forum der „Aerztezeitung“ zu dieser Frage Stellung genommen und dabei Ginkgo-Extrakt und Safran erwähnt. Nachfolgend zwei Zitate mit nachfolgendem Kommentar:

„Die vielfältigen günstigen pharmakologischen Wirkungen von Ginkgo biloba dürften auch für die in eine Cochrane-Analyse zur Phytotherapie bei AMD eingeschlossenen randomisierten Studien ausschlaggebend gewesen sein. Es sind insgesamt 119 Personen über jeweils 6 Monate untersucht worden.

In der einen Studie wurden 20 Patienten mit 2×80 mg Ginkgo biloba-Extrakt (EGb 761) oder Placebo behandelt, in der anderen Studie, in die nur Patienten mit trockener AMD eingeschlossen wurden, wurden Tagesdosierungen von 240mg und 60 mg Extrakt (EGb 761) verglichen. Beide Studien ergaben Hinweise auf eine Verbesserung der Sehschärfe bei Einnahme von Ginkgo biloba-Extrakt.“

Kommentar:

Das ist eine schmale Basis – aber Ginkgo-biloba-Extrakt wirkt antioxidativ und dürfte die arterielle Durchblutung günstig beeinflussen. Ein positiver Effekt ist daher zwar nicht eindeutig belegt, aber auch nicht abwegig.

Zitat:

„In einer interventionellen offenen Pilotstudie nahmen 29 Patienten (55-85 Jahre) mit einem frühen Stadium der AMD ein Präparat mit einer Tagesdosis von 20 mg Safran ein. Nach drei Monaten wurden eine Verbesserung der retinalen Sensitivität auf der Basis der Elektroretinographie um im Mittel 0.3 log-Einheiten und einer um zwei Snellen-Linien verbesserten Sehschärfe beobachtet.

Diese Verbesserungen waren auch in der anschließenden Langzeitstudie über 14 (±2) Monate stabil. Für die beobachtete Wirkung sollen zwei in Safran enthaltene antioxidativ wirksame Inhaltsstoffe, Crocin und Crocetin, verantwortlich sein.“

Kommentar:

Es gibt hier eine kleine Placebo-kontrollierte Studie über drei Monate aus dem Jahr 2010, bei der das Safran-Präparat dem Placebo überlegen war:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20688744

Dann gibt es die Langzeitstudie über rund 14 Monate ohne Placebokontrolle, wobei sich der Effekt stabil zeigte:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22852021

Grundsätzlich geht es hier nur um ein frühes Stadium der AMD. Ob der gefundene Effekt klinisch relevant ist, kann ich nicht beurteilen.

Keine Selbstmedikation mit dem Safran-Gewürz, da die Gefahr einer Überdosierung besteht. Bei missbräuchlicher Verwendung als Abortivum (Abtreibungsmittel) traten schwere Vergiftungen auf.

Ergänzung:

Mir selber kommt beim Stichwort Makula-Degeneration zuerst Myrtaven® in den Sinn, ein rezeptpflichtiges Präparat, das Anthocyane (blaue Farbstoffe) aus der Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) enthält, welche die Brüchigkeit und Durchlässigkeit der Blutkapillaren günstig beeinflussen und zudem antioxydativ wirken. Das legt eine günstige Wirkung nahe. Dazu gibt es auch entsprechende augenärztliche Erfahrungsberichte. Siehe dazu hier – was allerdings nur ein Bericht in der Zeitschrift „Schweizer Familie“ ist. Eine Publikation in einer Fachzeitschrift wäre glaubwürdiger.

Fundierte Studien zur Wirkung von Myrtaven® bei Makula-Degeneration fehlen meines Wissens.

Fachinformation Myrtaven®:

http://www.compendium.ch/mpro/mnr/2011/html/de#7100

Quelle der Zitate:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/874585/phyto-forum-hilft-makula-degeneration.html?sh=15&h=-1384503515

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zum Interaktionspotential von Ginkgo-biloba-Präparaten

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Eine Studie untersuchte das Interaktionspotential eines Ginkgo-Extraktes und kam zum Schluss, dass das Präparat in der empfohlenen Dosierung sicher ist.

Ginkgo-biloba-haltige Präparate wie der standardisierte Extrakt EGb 761 (Tebonin®, In CH: Tebofortin, Tebokan ) bergen als pflanzliche Arzneimittel grundsätzlich dass Risiko von Interaktionen mit anderen Medikamenten. Diese Interaktionen (= Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten) sind jedoch überschaubar, so lange das Phytopharmakon nicht überdosiert wird. Das ist das Resultat einer Untersuchung von Privatdozent Dr. Mattias Unger, Pharmazeutischer Chemiker von der Universität Würzburg, die jetzt im Fachjournal «Drug Metabolism Reviews» publiziert wurde.

Unger ging darin Hinweisen aus früheren Untersuchungen auf den Grund, in denen verschiedene hoch dosierte Ginkgo-biloba-Extrakte in vitro (also im Reagenzglas) sowohl eine Hemmung als auch eine Induktion diverser metabolischer Enzyme und Transportproteine bewirkt hatten. In vivo ( = im lebenden Organismus) bei der Anwendung am Menschen bestätigten sich diese Resultate aber nicht. Für EGb 761 konnte Unger auch bei der empfohlenen Maximaldosierung von 240 mg täglich kein klinisch relevantes Potenzial für Wechselwirkungen nachweisen. Erst eine Überdosierung von Ginkgo-biloba-Präparaten bewirkte eine leichte CYP2C19-Induktion sowie eine schwache CYP3A4-Inhibition.

Die Einnahme des Ginkgo-biloba-Extraktes EGb 761 zusammen mit anderen synthetischen Arzneistoffen scheint demnach sicher zu sein, so lange die Maximaldosis des Ginkgo-Extrakts von 240 mg pro Tag nicht überschritten wird, so die Schlussfolgerung Ungers. Unsicher sei allerdings, ob dieses Ergebnis auch für andere Ginkgo-Extrakte zutreffe. Bei ungenau gekennzeichneten Ginkgo-Extrakten, wie sie etwa in Nahrungsergänzungsmitteln zu finden sind, könne aber ein relevantes Interaktionspotenzial nicht ausgeschlossen werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=48389

http://informahealthcare.com/doi/abs/10.3109/03602532.2013.815200

Kommentar & Ergänzung:

Ginkgo-Präparate werden vor allem von älteren Menschen verwendet, die oft noch weitere Medikamente benötigen zum Beispiel gegen Diabetes, Bluthochdruck oder Herzschwäche. Daher ist es wichtig, die möglichen Interaktionen von Ginkgo-biloba-Extrakten abzuklären.

Interessant ist in der vorliegenden Untersuchung, dass sie wieder einmal zeigt, dass in-vitro Ergebnisse aus dem Labor sich eben nicht immer auch in-vivo zeigen, also im lebenden Organismus.

Zurecht wird im Beitrag darauf hingewiesen, dass diese Ergebnisse sich nicht einfach auf andere Ginkgo-biloba-Zubereitungen übertragen lassen.

Als heikel wird in der Phytotherapie-Fachliteratur die Anwendung von Ginkgotee eingeschätzt, weil bei dieser Zubereitungsart weder die Wirksamkeit noch die Sicherheit ausreichend geklärt ist.

Siehe dazu:

Ginkgotee nicht ohne Risiko

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Süssmittel Stevia nicht gesünder als andere Zuckerersatzstoffe

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Das Süßmittel Stevia ist für Diabetespatienten nicht besser oder schlechter geeignet als andere Zuckerersatzstoffe. Das schreibt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Pressemitteilung. Stevia sei eine weitere Alternative zu Zucker, die keine Kalorien enthalte, sagt Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der DDG, und er ergänzt: „Nicht mehr und nicht weniger.“

Seit der Entfernung von Diabetikerprodukten aus dem Handel gelte, dass alle gesunden Lebensmittel grundsätzlich gleichermaßen geeignet seien für Diabetespatienten wie für Nicht-Diabetespatienten, schreibt die DDG. Lediglich für Menschen, die an der angeborenen Stoffwechselstörung Phenylketonurie leiden und zugleich Süßstoffe brauchen, sei Stevia eine gute Alternative, betont  Matthaei.

Steviolglycoside, umgangssprachlich „Stevia“ genannt, sind seit Dezember 2011 in der Europäischen Union unter der Bezeichnung „Lebensmittelzusatzstoff E 960“ als Süßungsmittel zugelassen. Stevia wird aus der Pflanze „Stevia rebaudiana“ gewonnen, auch bekannt als „Süßkraut“ oder „Honigkraut“. Stevia ist zweihundert- bis dreihundertmal süßer als Zucker und dabei aber praktisch energiefrei. Die Einnahme von Steviolglycosiden gilt bei Einhaltung der duldbaren Tagesdosis (ADI) von vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag als unbedenklich. Ob das Risiko einer Überdosierung besteht, ist gegenwärtig noch ungeklärt. Stevia wirkt weder kariesfördernd noch krebserregend, schädigt nicht das Erbgut und stört auch nicht die Fruchtbarkeit oder Entwicklung des Ungeborenen.

Dies gelte in gleicher Weise für andere Süßungsmittel, erklärt Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der DDG aus Tübingen. So hat die amerikanische Diabetes Gesellschaft „American Diabetes Association“ fünf künstliche Süßungsmittel untersucht und für unbedenklich erklärt: Acesulfam, Aspartam, Saccharin, Sucralose und Neotam. Es gebe keinerlei belastbare wissenschaftliche Belege, die zeigten, dass diese Süßstoffe in den zum Verzehr empfohlenen Mengen krebsfördernd seien, sagt Fritsche.

Der DDG Experte widerspricht auch der immer wieder geäußerten Behauptung, wonach Süßstoffe oder eine angeblich damit verbundene Insulinausschüttung Hungerattacken auslösen und sogar süchtig machen können. Wenn überhaupt, vermittle Insulin bei schlanken Menschen ein Sättigungssignal ans Gehirn, erklärt Fritsche.

Bei Übergewichtigen dagegen sei das Gehirn vermutlich unempfindlich gegenüber Insulin. Daher komme das Sättigungssignal möglicherweise nicht mehr im Gehirn an. Nach allem, was derzeit wissenschaftlich bekannt sei, könne weder Zucker noch Süßungsmittel süchtig machen, erklärt Fritsche. Unabhängig davon sollte aber jeder Mensch darauf achten, nicht mehr als die empfohlenen Mengen Süßstoff oder mehr als 50 Gramm Zucker täglich zu konsumieren.

Nur für Menschen, die unter der sehr seltenen Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie leiden und zugleich aufgrund von Diabetes Süßstoffe brauchen, sei Stevia eine gute Alternative. Wer an Phenylketonurie erkrankt sei, vertrage die Aminosäure Phenylalanin nicht. Weil das Süßungsmittel Aspartam Phenylalanin enthält, müssen Betroffene es meiden – Stevia dagegen ist wie auch weitere Süßstoffe frei von Phenylalanin. Insgesamt dürfte das aber nicht mehr als ein Dutzend Menschen in Deutschland betreffen, so Fritsche.

Geklärt ist inzwischen, weshalb Stevia nicht nur süß, sondern auch bitter schmeckt. Dafür sorgen die beiden Geschmacksrezeptoren hTAS2R4 und hTAS2R14, wie Forscher der Technischen Universität München und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam Rehbrücke (DIfE) entdeckt haben. In hoher Konzentration löst Stevia lakritzartige, bittere Geschmacksempfindungen aus.

Quelle:

http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse/pressemeldungen/meldungen-detailansicht/article/stevia-ist-nicht-gesuender-als-andere-zuckerersatzstoffe-1.html?cHash=58e8736bc44c944e677f3e94a668916e

Kommentar & Ergänzung:

Stevia ist ein interessantes Süssmittel und die Steviolglycoside sind interessante Naturstoffe. Die Aussage der DDG, dass Stevia nicht gesünder sei als andere Zuckeraustauschstoffe, dürfte vielen Stevia-Freunden nicht gefallen. Man muss dazu meiner Ansicht nach festhalten, dass ein Stoff nicht einfach nur schon dadurch gesünder ist, weil er aus der Natur stammt.

Ausserdem werden synthetische Zuckerersatzstoffe wie Aspartam meinem Eindruck nach auch ein Stück weit Verschwörungstheorie-artig dämonisiert.

Ich denke aber, man sollte einfach mit all diesen Stoffen vernünftig umgehen und den Gebrauch nicht masslos übertreiben.

Stevia rebaudiana ist in Paraguay heimisch und gehört zur Familie der Asteraceen (Korbblütler). Die stark süßende Wirkung der Pflanze ist den Ureinwohnern seit Jahrhunderten bekannt. Im Jahr 1887 entdeckte Moises Giacomo Bertoni, ein Schweizer Botaniker, die Pflanze und gab ihr 1905 den Namen Stevia rebaudiana Bertoni. Er erkannte ebenfalls die süßende Wirkung und beschrieb schon 1901, dass ein paar kleine Blätter genügen, um eine Tasse starken Kaffees oder Tees zu süßen.

Steviablätter in kleinen Dosen eignen gut zum Süssen von Kräutertees.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schmerzmittel Diclofenac birgt Risiko

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Der Wirkstoff Diclofenac ist populär, birgt jedoch Risiken.

Wissenschaftler fragen sich daher, weshalb Ärzte trotzdem häufig noch Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Diclofenac verschreiben, obwohl eine harmlosere Alternative verfügbar ist.

Diclofenac kann Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen. Harmloser sei dagegen der Wirkstoff Naproxen, der viel seltener verschrieben wird. Die Forscher aus London und Toronto stellten fest, dass Diclofenac in 74 Ländern der Erde auf einer Liste der unentbehrlichen Arzneimittel steht. Auf solchen Listen finden sich Präparate, die stets in angemessener Form und zu einem bezahlbaren Preis verfügbar sein sollten. Naproxen dagegen sei nur in 27 Ländern auf dieser Liste.
Weshalb das so ist, haben die Wissenschaftler nicht untersucht oder herausgefunden. Sie verlangen jedoch, Diclofenac von diesen Listen zu streichen und die Mediziner besser zu informieren.

Die Studie des William-Harvey-Forschungsinstituts in London und der Universität Toronto wurde im Fachjournal „PLoS Medicine“ veröffentlicht.

(DOI: 10.1371/journal.pmed.1001388)

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=190393

Diclofenac ist in manchen Situationen zweifellos ein wirksames Medikament, doch sind auch die Risiken in den letzten Jahren zunehmend ins Blickfeld geraten.

Handelsnamen von Präparaten auf der Basis von Diclofenac:

„Das ursprüngliche Präparat der Firma Geigy trug und trägt den Namen ‚Voltaren’. Ferner sind im Handel: Agilomed (A), Algefit (A), Allvoran (D), Arthrex (D), Dedolor (A), Deflamat (A), Deflamm (A), Diclac (D), Diclo (D), Difene (A), Difen-Stulln (D, CH), Dolostrip (A), Dolpasse (A), Ecofenac (CH), Effekton (D), Effigel (CH), Fenisole (CH), Flam-X (CH), Flector (D, CH), Fortenac (CH), Inflamac (CH), Jutafenac (D), Monoflam (D), Olfen (CH), Pennsaid (A), Primofenac (CH), Relowa (CH), Rewodina (D), Sandoz Schmerzgel (D), Solaraze (D, A), Tonopan (CH), Tratul (A), Vifenac (CH), Voltaren (D, A, CH), Voltfast (CH), zahlreiche Generika (D, A, CH)“

(Quelle: Wikipedia)

Der Hinweis auf die weniger riskante Alternative Naproxen ist zwar interessant.

Ich bin aber auch immer ein bisschen vorsichtig, wenn für ein heikles Medikament eine angeblich weniger riskante alternative Angeboten wird. Ich erinnere mich noch gut daran, dass als Alternative zum nierenschädigenden Phenacetin über längere Zeit das „harmlosere“ Paracetamol empfohlen wurde. Es hat einige Jahre gedauert, bis auch das Risikopotential von Paracetamol – zum Beispiel Leberschäden vor allem bei Überdosierung – klarer wurde.

Vielleicht erwartet uns da bei Naproxen auch noch die eine oder andere Überraschung.

Zu den gegenwärtig bekannten möglichen Nebenwirkungen von Naproxen:

„ Nebenwirkungen können auftreten. Nachfolgend die wichtigsten:

Leber- und Nierenstörungen

Magen/Darm-Geschwüre

Übelkeit, Erbrechen

Hautreizungen (allg. Allergische Reaktionen wie beispielsweise Urtikaria)

Schwellungen im Gesicht

Asthma

Durchfall

Blutungen der Magenschleimhaut (können tödlich sein)

Zentralnervöse Störungen Benommenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Sehstörungen (Blitze vor dem Auge) Schwindel

Erhöhtes Risiko für Schlaganfall“

(Quelle: Wikipedia)

Aber als Alternative zu Diclofenac ist diese Substanz trotzdem interessant.

Handelsnamen von Präparaten mit Naproxen:

„Alacetan (D), Aleve (D, CH), Apranax (CH), Dolormin für Frauen (D), Dolormin GS (D), Dysmenalgit (D), Miranax (A), Mobilat Schmerztabletten (D), Naprobene (A), Proxen (D, A, CH), zahlreiche Generika (D, A, CH)“

(Quelle: Wikipedia)

Ob Diclofenac oder Naproxen:

Bei Medikamenten dieses Kalibers sollte der Grundsatz lauten: Nur wenn nötig, nicht länger als nötig, nicht höher dosiert als nötig.

Zu Diclofenac siehe zudem:

Schmerzmittel steigern Risiko für Herz-Rhythmus-Störung

Entzündungshemmer Diclofenac mit ökologischen Nebenwirkungen

Diclofenac-Vergiftung: Geierbestand in Indien erholt sich leicht

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Antitussiva (Hustenstiller / Hustenblocker) bei trockenem Husten

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Was hilft bei trockenem Husten?

„Trockener Husten ist meist das erste Symptom eines Virusinfekts der oberen Luftwege oder tritt in Kombination mit anderen Erkältungssymptomen auf. Diese Art des Hustens erfolgt manchmal nur als Hüsteln oder Räuspern gemeinsam mit Heiserkeit, vor allem in den ersten Tagen einer Erkältung. So genannte Antitussiva – Hustenstiller – dienen zur Unterdrückung des Hustenreizes und werden bei trockenem Husten eingesetzt. Sie werden in der Regel 2 bis 3 Tage lang eingenommen. Zu den pflanzlichen Antitussiva zählen Spitzwegerich, Eibischwurzel, Königskerze, Isländisch Moos, während die Wirkstoffe Pentoxyverin, Benproperin oder Dextromethorphan zu den chemischen Antitussiva zählen. Ebenso können Lutschtabletten zur Minderung des Hustenreizes herangezogen werden, wie etwa pflanzliche Pastillen oder Lokalanästethika. Generell sollten Sie auf ausreichend Luftfeuchtigkeit achten – feuchte Handtücher auf der Heizung können helfen – sowie auf das Sprechen mit normaler, nicht lauter aber auch nicht flüsternder Stimme.“

Quelle: „Die Apotheke“ Nr. 9 / 2012

Kommentar & Ergänzung:

Zu den pflanzlichen Antitussiva würde ich noch die Malvenblüten (von Malva silvestris) hinzufügen.

Ein bewährtes Hausmittel sind zudem Inhalationen mit Kamillenblüten und Thymiankraut 1 : 1 gemischt oder mit Kochsalz.

Dazu zwei Liter Wasser zum Kochen bringen. Entweder eine Handvoll der Mischung von Kamilleblüten und Thymiankraut oder drei gehäufte Esslöffel Kochsalz dazugeben. Gesicht über die Schüssel halten, mit Handtuch abdecken und zehn Minuten inhalieren. Die Kamille wirkt desinfizierend und dämpft Entzündungen. Kochsalz wirkt schleimlösend.

Von den erwähnten synthetischen Wirkstoffen kommt in der Schweiz als Hustenblocker häufig Dextromethorphan zur Anwendung. Beispielsweise in Bexin®, Bexomed®, Calmperphan®, Clemesin®, Dextro-Med®, Pretuval® Pulmofor®, Vicks Medinait®.

Bei starkem Reizhusten kann Dextromethorphan temporär Sinn machen, die Anwendung in einem Kombipräparat wie Pretuval oder Vicks Medinait ist allerdings fragwürdig.

Siehe:

Erkältungsmittel: Hände weg von Kombipräparaten

Dextromethorphan kann allerdings problematische Nebenwirkungen haben, die zu wenig bekannt sind:

„ Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom P450 Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Infolge der erwähnten pharmakogenetischen Schwäche des Cytochrom P450 Enzyms CYP2D6 gibt es einen geringen Prozentsatz von Menschen, die den Wirkstoff Dextromethorphan sehr langsam abbauen. Dadurch verlängert sich die Plasmahalbwertszeit von Dextromethorphan, so dass schon bei therapeutischen Dosen ein starker Rauschzustand ausgelöst werden kann, der einer Psychose ähnelt.

Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose zur Folge haben, wobei unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbstgefährdung oder Fremdgefährdung führen kann. Bei regelmäßiger, missbräuchlicher Einnahme kann sich eine Suchterkrankung entwickeln, unter Umständen muss auch mit Hirnschäden gerechnet werden.

Dextromethorphan sollte nicht in der Schwangerschaft angewendet werden, da es in Verdacht steht, die fetale Hirnentwicklung negativ zu beeinflussen.

Für ein rezeptfrei verkauftes Arzneimittel sind das ziemlich happige Risiken, die zur Vorsicht mahnen.

Möglichst zu meiden sind synthetische Hustenblocker bei produktivem Husten (= Husten mit Auswurf), weil sie das Abhusten des Schleims behindern.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Umckaloabo®: Leberschäden unwahrscheinlich

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Zu diesem Schluss kommt eine Analyse aller Spontanmeldungen von Leberschäden, die nun publiziert wurde (Regulatory Toxicology and Pharmacology 2012; 63 (1): 1).

Vor einem halben Jahr schreckte die Meldung über mögliche Leberschäden nach Anwendung des Phytotherapeutikums Umckaloabo® Verbraucher, Ärzte und Apotheker auf.

Umckaloabo (Pelargonium sidoides) ist eine Heilpflanze, die als schleimlösendes Mittel bei Husten und weiteren Erkältungskrankheiten eingesetzt wird.

Die Analyse aller Spontanmeldungen von Leberschäden zeigte nun, dass in keinem Fall ein Kausalzusammenhang zwischen Einnahme von Umckaloabo® und Leberschäden wahrscheinlich ist.

Für die Studie untersuchten Wissenschaftler der Universität Frankfurt am Main total 15 Verdachtsfälle, die der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und dem BfArM gemeldet worden waren wegen einer möglichen Leberschädigung duch Pelargonium sidoides. Ein Pelargonium-sidoides-Extrakt wird zur Herstellung des Phytotherapeutikums Umckaloabo® verwendet.

Die Forscher beurteilten den Kausalzusammenhang mit einer Leberschädigung anhand der leberspezifischen Skala des Councils for International Organizations of Medical Sciences (CIOMS).

Darüber hinaus werteten sie den Zeitpunkt der Einnahme des Phytotherapeutikums und den Zeitpunkt des Auftretens der Beschwerden aus, sowie die Werte von Alaninaminotransferase und alkalischer Phosphatase als eindeutige Kriterien für eine Leberschädigung.

Die Datenlage sei in fast allen berichteten Fällen schlecht gewesen, stellen die Wissenschaftler fest.

Nur bei einer Minderheit der untersuchten Fälle sei es möglich gewesen, auf andere Lebererkrankungen Bezug zu nehmen. Beispielsweise hätten nur für drei Patienten Daten zu bildgebenden Untersuchungen des Gallentraktes vorgelegen.

Daten zum Ausschluss von Virusinfektionen (Hepatitis A-C) seien nur in vier Fällen, zum Ausschluss von Cytomegalie- und Eppstein-Barr-Viren sogar nur in einem Fall zur Verfügung gestanden, so die Wissenschaftler.

Sie kommen zum Schluss, dass ein überzeugender Beweis fehle, dass Pelargonium sidoides bei den analysierten Fällen ein potenzielles Hepatotoxin (Lebergift) gewesen sei.

In fast allen Fällen (mit Ausnahme einer Dauermedikation über 13,5 Monate) sei Umckaloabo  nur wenige Tage angewandt worden – meist als Tropfen. Hinweise auf eine tägliche Überdosierung seien nicht vorhanden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/809584/datenanalyse-umckaloabo-kein-hepatotoxin.html

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0273230012000359

Kommentar & Ergänzung:

Die Vorgänge rund um diese Warnungen vor Leberschäden durch Umckaloabo® werfen einige Fragen auf.

Ausser Frage steht, dass auch bei pflanzlichen Heilmitteln mit unerwünschten Nebenwirkungen und Risiken gerechnet werden muss. Was Wirkungen hat, kann auch Nebenwirkungen haben.

Und Heilmethoden, die niemals unerwünschte Nebenwirkungen haben sollen, stehen im Verdacht, auch keine Hauptwirkung zu haben.

Aber nun konkret zu dieser „Umckaloabo-Geschichte“:

Wenn sagen wir einmal 500 000 Menschen ein bestimmtes Medikament X nehmen, dann wird immer eine gewisse Anzahl Menschen zeitgleich oder zeitnah eine Lebererkrankung bekommen. Einfach schon deshalb, weil jedes Jahr eine bestimmte Anzahl Menschen aus unterschiedlichen Gründen an der Leber erkrankt.

Wenn man dann unreflektiert und ungeprüft als Ursache für diese Lebererkrankungen Medikament X „beschuldigt“, macht man möglicherweise einen Post-hoc-ergo-propter-Fehlschluss.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Das ist genauso kurzschlüssig, wie wenn ich annehme:

Ich bin krank – ich nehme Medikament Y. – Ich werde gesund – Folglich: Medikament Y. hat mich geheilt. (Wer heilt hat Recht – lautet dann der voreilige Schnellschluss)

Es gibt viele andere Faktoren, die für die Heilung (mit)verantwortlich sein könnten.

Es kann aber auch nicht gelten:

Ich bin krank – ich nehme Medikament X.  – ich erkranke an der Leber – Medikament X. schädigt meine Leber.

Auch hier sind alle anderen möglichen Auslösefaktoren zu prüfen.

Solche Datenanalysen – wie sie nun die Forschergruppe der Universität Frankfurt vorlegt, sollten gemacht werden, bevor eine Warnung wie „Umckaloabo macht Leberschäden“ gross via Medien verbreitet wird.

Und wenn eine solche Warnung erfolgt, dann sollte die Datenlage schon einigermassen wasserdicht sein.

Sonst grenzt eine solche Meldung an Rufmord.

Dumm ist in solchen Fällen nämlich, dass die Warnung in der Regel intensiv verbreitet wird, die Entwarnung aber in irgendeiner Fachzeitschrift vor sich her gammelt und nur von wenigen Leuten überhaupt gelesen wird. So bleibt immer etwas hängen.

Oder hat die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und die BfArM ihre Warnung nun zurückgenommen oder relativiert? Jedenfalls nicht dass ich wüsste.

Solche medialen „Schnellschüsse“ sind eigentlich nur akzeptabel in Situationen, in denen eine sehr akute Gefahr abgewendet werden muss.

Allerdings ist zugunsten der Arzneimittelbehörden zu sagen, dass potenzielle Risiken oft auch nicht einfach, eindeutig und schnell eingeschätzt werden können. Und dass die Öffentlichkeit eine Behörde „aufhängt“, wenn sie eine Warnung unterlässt, und dadurch jemand Schaden erleidet. Ich selber möchte nicht in dieser Verantwortung stehen.

Zu Umckaloabo siehe auch:

Übersichts-Studie zu Umckaloabo zieht positives Fazit

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Phytotherapie: Umckaloabo (Pelargonium sidoides) bei Erkältungen

Leberschaden durch Umckaloabo?

Umckaloabo wegen möglicher Leberschäden unter Kritik

Kein Grund auf Umckaloabo zu verzichten

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuter und ihre Wirkung: Wermut

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„Die Kleine Zeitung“ veröffentlichte eine Zusammenstellung von Kräutern und ihren Wirkungen.

Zum Wermut steht dort:

„Wermut (Artemisia absinthium)

Die bewusstseinerweiternde Wirkung des Absinth kennt man schon seit Alters her. Was viele vielleicht nicht wissen: Wermut passt auch gut zu fettem Fleisch und Eintöpfen. Der Aufguss des sogenannten Wurmkrauts hilft bei Appetitlosigkeit, Gallen- und Verdauungsbeschwerden. Schädliche Insekten nehmen nach einem „Wermut-Bad“ aus dem Garten reißaus.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=26860&_vl_backlink=/magazin/wellness/2750944/arzneitees-dem-garten.story

Kommentar & Ergänzung:

Wermutkraut enthält ätherisches Öl mit Thujon und zahlreichen anderen Monoterpenen, Bitterstoffe vom Sesquiterpenlacton-Typ, Flavonoide und Phenolcarbonsäuren.

Bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden (Verdauungsbeschwerden mit leichten Krämpfen im Magen-Darm-Bereich) gilt die Wirkung von Wermutkraut als medizinisch anerkannt. Wermut gehört zu den Amara aromatica, zu den Heilpflanzen also, die zugleich Bitterstoffe und ätherisches Öl enthalten.

Zum „Absinth“ schreibt die Kooperation Phytopharmaka:

„Alkoholische Wermutauszüge und Lösungen des ätherischen Öls in Alkohol (Absinth-Liköre, „Grüne Fee“ u.a.) waren wegen ihrer schädlichen Wirkungen (gastrointestinale Probleme, nervenschädigende Wirkung, psychische Erkrankungen – bis hin zum Suizid) insbesondere bei Dauerkonsum in vielen Staaten verboten. Man macht dafür das in der Droge enthaltene Thujon verantwortlich, das bei Überdosierung u.a. zu einer erhöhten Krampfneigung führt. Heute sind Absinth-Getränke wieder zugelassen, aber mit oberen Grenzwerten für Thujon (höchstens 35 mg pro Liter). Man verwendet für deren Herstellung eine Thujon-arme Artemisia-Art.“

Quelle: http://koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/wermut.php

Weitere Informationen zum „Absinth“:

Absinth – was ist das genau?

Und zu den Artemisia-Arten:

Blick ins Pflanzenlexikon: Artemisia

Wermut hat eine interessante Kulturgeschichte:

„Wermut ist ein westgermanisches Wort unbekannter Herkunft: *wermoda-; ahd. wer(i)muota, wer(i)muot, ae. wermod as. wermoda.

Der englische Name wormwood (wörtl. ‚Wurmholz‘) ist eine volksetymologische Umdeutung des altenglischen Namens wermod und deutet darauf hin, dass man dem Wermut anti-parasitäre Eigenschaften zuschrieb. Andere [Namens-]Formen wiederum sind an ‚warm‘ angelehnt wegen der ‚wärmenden‘ Eigenschaft des Wermutabsudes.

Der lateinische Name Artemisia absinthium deutet auf die Namensgeberschaft der antiken Göttin Artemis (griechischer Name der Diana) hin. Pseudo-Apuleius, Autor eines Kräuterbuchs aus dem 5. Jahrhundert – und nicht zu verwechseln mit dem Autor Apuleius des 2. Jahrhundert – schreibt (de virtutibus herbarum 10): ‚eines der Kräuter, das wir als Artemisia bezeichnen und von denen gesagt wird, dass Diana sie fand und dem Zentauren Chiron verabreichte, der sie wiederum Diana zu Ehren nach ihr benannte‘.

Mehrfach wird Wermut in der Bibel erwähnt, einer Version nach entsprang er auf dem Weg, den die Schlange bei der Vertreibung aus dem Paradies nahm.“

(Quelle: Wikipedia)

In symbolischer oder poetischer Sprache steht der Name Wermut häufig auch für Bitterkeit und Trauer.

Und was ist gemeint mit dem „Wermutstropfen“?

„Der Ausdruck ‚Wermutstropfen‘ spielt auf die Bitterkeit des Wermuts an und beschreibt Dinge oder Erfahrungen, die eine Spur von Bitterkeit (als Synonym für Schmerz oder Unangenehmes) in an sich Schönes bringen, so wie ein Tropfen Wermut auch einem süßen Getränk eine Spur Bitterkeit verleiht.“

(Quelle: Wikipedia)

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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