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Silibinin aus Mariendistel als Wirkstoff gegen Hirntumore erforscht

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Wissenschaftler aus München haben einen Wirkstoff entdeckt, der in Tiermodellen und in menschlichem Tumorgewebe bei der Behandlung von Morbus Cushing erfolgreich ist.

 

Morbus Cushing ist eine seltene, hormonelle Erkrankung, die durch einen Tumor in der Hirnanhangdrüse ausgelöst wird. Die Wissenschaftler haben ein Patent auf diese Anwendung des Wirkstoffs eingereicht und wollen nun Silibinin in einer klinischen Studie prüfen.

Sie hoffen, dass Patienten künftig dank der neuen Behandlungsmöglichkeit auf eine Hirn-Operation verzichten können.

 

Morbus Cushing, nicht zu verwechseln mit dem Cushing-Syndrom, wird ausgelöst durch einen Tumor in der Hirnanhangdrüse. Das Tumorgewebe stellt große Mengen des Stresshormons Adrenocorticotropin (ACTH) her, welches die Freisetzung von Cortisol aus der Nebennierenrinde bewirkt.

 

Durch die übermäßige Freisetzung von Cortisol kommt es zu rascher Gewichtszunahme, erhöhten Blutdruck und Muskelschwäche. Die Patienten haben ein grösseres Risiko für Osteoporose und Infektionskrankheiten und können kognitive Defizite erleiden oder sogar Depressionen entwickeln.

Bei 80 bis 85 Prozent der Patienten lässt sich der Tumor durch eine Hirn-Operation entfernen, aber bei den übrigen Betroffenen ist eine Operation nicht durchführbar. Generell fürchten sich viele Patienten vor dem Eingriff. Gegenwärtig ist als Alternative zur Operation nur ein Medikament zugelassen, welches allerdings bei über 20 Prozent der behandelten Patienten starke Nebenwirkungen wie Überzucker (Hyperglykämie) verursacht.

Erfolgreicher Wirkstoff Silibinin aus Mariendistel

Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie und des Helmholtz-Zentrums (beide in München) haben nun den pflanzlichen Wirkstoff Silibinin auf eine mögliche Wirksamkeit bei der Behandlung von Morbus Cushing untersucht.

Dabei zeigten sich in der Zellkultur, in Tiermodellen und in menschlichem Tumorgewebe Hinweise auf eine günstige Wirkung von Silibinin.

Der Wirkstoff Silibinin aus den Samen der Mariendistel ist für Menschen ausgesprochen gut verträglich und wird in der Medizin gegen Lebervergiftung durch den Knollenblätterpilz eingesetzt.

Nach der Behandlung mit Silibinin normalisierte sich die Produktion von ACTH durch die Tumorzellen, das Tumorwachstum verlangsamte sich und die für Morbus Cushing charakteristischen Symptome klangen bei Mäusen ab.

Nur 5,5 von 100.000 Menschen leiden an Morbus Cushing, aber bei Haustieren tritt die Krankheit sehr häufig auf (Hunde: 4 %, Pferde 7%).

Die Forscher wollen jetzt in klinischen Studien spezielle Rezepturen testen, aus denen Silibinin langsam freigesetzt wird.

Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler setzt die Wirkung von Silibinin am Glukokortikoidrezeptor an. Sie hoffen daher, dass Silibinin nicht nur eine nicht-invasive Therapie bei Morbus Cushing sein könnte, sondern auch günstige Wirkungen zeigen könnte bei anderen Krankheiten, bei denen die Glukokortikoidrezeptoren eine Rolle spielen, zum Beispiel bei Lungenkrebs, akuter lymphatischer Leukämie oder Multiplen Myelomen.

Quelle:

http://derstandard.at/2000011466463/Silibinin-Pflanzlicher-Wirkstoff-gegen-Hirntumore

Originalveröffentlichung:

A C–terminal HSP90 inhibitor restores glucocorticoid sensitivity and relieves a mouse allograft model of Cushing disease.

http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/full/nm.3776.html

Kommentar & Ergänzung:

Silibinin ist ein Hauptbestandteil des Flavonoid-Gemischs Silymarin (zusammen mit Silychristin und Silydianin).

Mit Silibinin laufen seit längerem Forschungen in verschiedenen Bereichen.

Siehe:

Silibinin aus Mariendistel unterstützt Standardtherapie bei chronischer Hepatitis C

Silymarin aus Mariendistel bei chronischer therapieresistenter Hepatitis C ohne Wirkung 

Silibin / Legalon jetzt zur Hepatitis-C-Therapie 

Mariendistel hat auch antivirale Wirkung

Silibin in in eine Form zu bringen, aus der es nur langsam freigesetzt wird, dürfte eine gute Strategie sein. Diese Flavonoide werden nämlich in der Regel sehr schnell wieder ausgeschieden (was aber auch zu ihrer guten Verträglichkeit beiträgt).

Wie so oft muss aber auch zu diesen Forschungen zur Anwendung von Silibinin bei Morbus Cushing gesagt werden, dass Ergebnisse aus Zellkulturen, Tiermodellen und menschlichem Tumorgewebe sich nicht so einfach auf die Behandlungssituation beim erkrankten Menschen übertragen lassen. Was in diesen experimentellen Kontexten eindrückliche Ergebnisse zeigt, kann bei Patienten vollkommen versagen.

Darum ist es in der Regel noch ein weiter Weg, bis aus solchen Forschungsresultaten tatsächlich eine fundierte Therapie entsteht (falls überhaupt). Aber nichtsdestotrotz: Silibinin & Silymarin aus der Mariendistel sind interessante Pflanzeninhaltsstoffe.

In der Phytotherapie wird nicht isoliertes Silibinin, sondern das Flavonoid-Gemisch Silymarin verwendet.

Silymarin ist Bestandteil von Trockenextrakten aus Mariendistelfrüchten. Es gibt aber auch Präparate mit dem reinen Silymarin.

Silymarin wird als Leberschutz eingesetzt und als Begleittherapie bei verschiedenen Lebererkrankungen.

Mariendisteltee ist allerdings keine geeignete Zubereitungsform, da Silymarin schlecht wasserlöslich ist. Und in einer Mariendisteltinktur dürfte der Silymaringehalt vernachlässigbar sein.

Daher braucht es Trockenextrakte oder das reine Silymarin-Gemisch als sinnvolle Zubereitungsform.

Siehe auch:

Leberentgiftung unmöglich

Phytotherapie: Mariendistel unterstützend bei Lebererkrankungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Mistel gegen Bluthochdruck?

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Mistel gegen Bluthochdruck – diese Empfehlung liest man immer wieder. So auch auf Kleinezeitung.at:

„Auch in der Naturheilkunde spielt die Mistel seit Hildegard von Bingen eine große Rolle: Sie wirkt blutdrucksenkend, harntreibend und tumorhemmend.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/3489478/stachelige-schoenheiten-fuer-den-advent.story

Kommentar & Ergänzung:

In diesem kleinen Abschnitt ist fast alles fragwürdig.

– Die immer wieder erwähnte Wirkung der Mistel gegen Bluthochdruck ist alles andere als überzeugend:

„Bisher konnte noch keine der aus der Mistel isolierten Verbindungen der immer wieder beschriebenen, aber nicht bewiesenen blutdrucksenkenden Wirkung von Mistelauszügen zugeordnet werden.
Für die Anwendung von Misteltee als einer unterstützenden Maßnahme bei Bluthochdruck gibt es daher keine echte Begründung, obwohl zahlreiche Untersuchungen mit dem Ziel durchgeführt wurden, eine antihypertone Wirkung nachzuweisen. Die Ergebnisse bei Tierversuchen sind recht widersprüchlich und lassen keine Übertragung auf die Humanmedizin zu. Zwar erwiesen sich die isolierten Viscotoxine bei parenteraler Gabe als hypotensiv wirksam, als Wirkprinzip kommen sie jedoch nicht in Betracht, da sie oral nicht resorbiert werden.“

Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Mistelkraut.html

– Eine harntreibende Wirkung der Mistel?  Ist nicht im Ansatz fassbar.

– Eine tumorhemmende Wirkung? – Die gibt es bei Mistelextrakt gut dokumentiert im Labor, wenn damit isolierte Krebszellen behandelt werden. Im lebenden Organismus – also bei Krebspatienten – ist dieser Effekt nicht annähernd klar belegt. Mistelextrakt kann bei Tumorpatienten das unspezifische Immunsystem aktivieren.

„In niedriger, nichttoxischer Dosierung dominiert die immunstimulierende Wirkung der Mistellektine, aus der nicht auf eine Hemmung des Tumorwachstums geschlossen werden darf. Erst in höheren Konzentrationen, die bereits deutliche unerwünschte Wirkungen hervorrufen, zerstören Lektine und Viscotoxine Zellen.“

Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Mistelkraut.html

Präzisiert werden muss zudem, dass Misteltee und Misteltinktur schon zum Vorneherein zur Tumorbehandlung unwirksam sind, weil allfällige Wirkstoffe beim Weg über den Verdauungstrakt nicht aufgenommen werden. Fallls die Mistel eine Wirkung auf Tumore haben sollte, dann nur via Injektion.

Zum Thema Mistel in der Krebstherapie siehe auch:

Misteltherapie gegen Krebs – wirksam?

Interessante kulturhistorischen und botanischen Aspekte der Mistel (Viscum album) hat die „Kleine Zeitung“ übrigens auch noch beschrieben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Krebstherapie & Lebensqualität

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Der österreichische „Standard“ publizierte gerade einen informativen Artikel zum Thema „Krebstherapie & Lebensqualität“.

Die Lebensqualität der Patienten in der Krebsmedizin werde bis heute nicht systematisch erfasst. Sie hänge vielmehr vom eigenen Engagement, dem der Ärzte und Pfleger ab.

Dass Patienten, denen es unter ihrer Behandlung gutgeht, deutlich länger leben als jene, die daran zu zerbrechen drohen, hätten Studien inzwischen mehrfach gezeigt.

Zitat:

„Denn bis heute bemisst sich der Erfolg einer Therapie oder die Zulassung eines Medikaments maßgeblich am Schrumpfen des Tumors. Das Befinden des Patienten steht angesichts der verheerenden Folgen der bösartigen Wucherungen im Körper im Hintergrund. Was bisher zählte, war, den Krebs zu vernichten. Doch ist es wirklich hilfreich, wenn das Tumorwachstum gestoppt, der Patient sich aber über Monate vor Schmerzen krümmt, weil die Chemotherapie den Körper zerstört? Sind es tatsächlich gewonnene Lebensmonate, wenn ein Mensch geistig debil durch einen Pillencocktail vor sich hin dämmert?“

Diese Erkenntnis aber erreiche die verantwortlichen Gesundheitssysteme und damit auch die Pharmaindustrie nur schleppend.

„Medizinische Fachgesellschaften aus England und Deutschland werfen den Systemen immer wieder vor, das Befinden des Patienten bei der Bewertung neuer Medikamente nur unzureichend zu beachten.“

Selbst beim Verband der deutschen forschenden Arzneimittelindustrie vfa heiße es, dass die aktuelle Praxis die Hersteller nicht unbedingt ermutige, der Erfassung von Lebensqualität eine noch größere Aufmerksamkeit zu schenken.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

http://derstandard.at/1375626575880/Therapie-um-jeden-Preis

Kommentar & Ergänzung:

Ich stelle die Bedeutung der Medizin und auch der Chemotherapie in der Krebsbehandlung nicht in Frage. Die Diskussion betreffend „Lebensqualität“ scheint mir aber wichtig.

Phytotherapie hat im Kernbereich der Onkologie keine Bedeutung.

Zur Lebensqualität der Patientinnen und Patienten kann sie aber beitragen.

Ersten durch Linderung von Nebenwirkungen der Krebstherapie wie Übelkeit und Mundschleimhautentzündung.

Zweitens indem viele Heilpflanzenanwendungen neben den direkten Wirkungen auch einen Ritualcharakter haben, mit dem auch ein Stück Zuwendung verbunden sein kann.

Falls Sie mit den Bereichen Onkologie oder Palliative Care zu tun haben, schauen Sie sich doch einmal das Tagesseminar vom 23. Oktober 2013 an:

Heilpflanzen-Anwendungen in Palliative Care und Onkologiepflege

Oder, falls Sie es umfassender haben möchten:

Phytotherapie-Ausbildung für Pflegende

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wirkstoffe aus afrikanischen Heilpflanzen können Tumorwachstum stoppen

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Heilpflanzen aus Afrika enthalten Wirkstoffe, die das Wachstum von Krebszellen stoppen können. Das konnten Forscher der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) in Laborversuchen nachweisen. Die Pflanzeninhaltsstoffe sollen nun weiter erforscht werden, damit ihr therapeutischer Nutzen abgeschätzt werden kann. Die identifizierten Wirkstoffe aus afrikanischen Heilpflanzen seien in der Lage, Krebszellen, die gegen mehrere Medikamente resistent sind, abzutöten. Sie sollen eine hervorragende Grundlage bieten, um neue Verfahren für die Behandlung von Tumoren zu entwickeln, die sich mit herkömmlicher Chemotherapie nicht mehr bekämpfen lassen. Das teilte Univ.-Prof. Dr. Thomas Efferth mit, der am Institut für Pharmazie und Biochemie – Therapeutische Lebenswissenschaften der JGU arbeitet. Er erforscht seit vier Jahren gemeinsam mit dem Biochemiker Dr. Victor Kuete von der University of Dschang, Kamerun, die Wirkstoffe afrikanischer Pflanzen wie Riesenkugeldistel, Kap-Pfeffer, Silberhaargras und Mohrenpfeffer.

Die Multidrug-Resistenz oder Vielmedikamenten-Resistenz ist eines der gefürchtetsten Probleme in der Krebsbehandlung, weil in solchen Fällen die meisten der im klinischen Alltag etablierten Krebsmedikamente ungenügend wirksam sind und sich damit die Heilungschancen drastisch verringern. Durch eine Steigerung der Dosis ist das Problem meist nicht zu lösen, weil die Nebenwirkungen sich entsprechend verstärken. Die Wissenschaftler suchen daher nach neuen Substanzen, um Tumorresistenzen einerseits und Nebenwirkungen andererseits zu umgehen, erklärt Efferth, der auch mit Heilpflanzen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin arbeitet.

Zahlreiche Pflanzen enthalten toxische Stoffe, mit denen sie sich gegen Fraßfeinde und gegen mikrobielle Erkrankungen schützen. Diese Moleküle wurden über Jahrmillionen in der Evolution des Lebens auf der Erde ausselektiert, damit die Pflanzen ihre Nachteile gegenüber ihren Feinden – Unbeweglichkeit und fehlendes Immunsystem – kompensieren können. Für die Pharmakologen besteht die Herausforderung nun darin, Pflanzeninhaltsstoffe mit einer heilenden Wirkung zu unterscheiden von jenen, die nur toxisch und gefährlich sind.

Der Forscher Victor Kuete aus Kamerun hat im Rahmen der Zusammenarbeit mit Mainz seit 2009 über 100 Gewürze und Pflanzen seiner Heimat auf ihre zytotoxische Wirkung gegen Krebszellen untersucht. Mit einem Humboldt-Forschungsstipendium kann der kamerunische Wissenschaftler  seine Untersuchungen in der Arbeitsgruppe von Thomas Efferth fortsetzen und erweitern. Wie Efferth erklärt, habt dioe Arbeitsgruppe schon eine ganze Reihe von Benzophenonen und anderen Phytochemikalien entdeckt, die die Resistenzmechanismen umgehen können und zahlreiche neue Ansätze zur weiteren Erforschung bieten.

In ihrer jüngsten von bislang total acht gemeinsamen Publikationen zeigten die Forscher, dass vier natürlich vorkommende Benzophenone die Ausbreitung der getesteten Krebszelllinien, darunter auch multidrug-resistente Linien, verhindern konnten. Die untersuchten Benzophenone seien potenziell zytotoxische Substanzen, die in Zukunft noch genauer erforscht werden könnten, um neuartige Krebsmedikamente gegen sensitive und resistente Tumore zu entwickeln, schreiben die Wissenschaftler in dem Beitrag für das Fachmagazin Phytomedicine.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=40816

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Literaturhinweise:

Victor Kuete et al.

Cytotoxicity and modes of action of four naturally occuring benzophenones:

2,2_,5,6_-Tetrahydroxybenzophenone, guttiferone E, isogarcinol and isoxanthochymol

Phytomedicine, April 2013

DOI: 10.1016/j.phymed.2013.02.003

ttp://dx.doi.org/10.1016/j.phymed.2013.02.003 (Article in Phytomedicine)

Victor Kuete et al.

Anticancer Activities of Six Selected Natural Compounds of Some Cameroonian Medicinal Plants

PLoS ONE, August 2011

DOI:10.1371/journal.pone.0021762

Kommentar & Ergänzung:

So spannend solche Forschungsergebnisse auch sind: Von Laborversuchen über klinische Erprobung an Patienten bis hin zur erfolgreichen Anwendung in der Krebstherapie ist noch ein weiter Weg, auf dem vieles schief gehen kann.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Breusskur gegen Krebs?

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Kürzlich sprach mich an einem Vortrag jemand auf die Breusskur an.

Die Breusskur (Breuss-Diät) geht zurück auf den österreichischen Elektromonteur und Heilpraktiker Rudolf Breuß (1899 – 1990) aus Bludenz. Es versprach Krebsheilung durch seine Säftekur:

„Der Krebs lebt nur von festen Speisen, die der Mensch zu sich nimmt. Wenn man also 42 Tage nur Gemüsesaft + Tee trinkt, so stirbt die Krebsgeschwulst ab, der Mensch hingegen kann dabei noch gut leben.“

Und wie soll das gehen?

„Durch die Säftekur wird die Eiweißzufuhr von außen abgestoppt, das heißt, das Eiweiß wird in der täglichen Nahrung ausgeschaltet. Da aber der Organismus ohne diesen Stoff nicht leben kann, nagt nun das eiweißhungrige Blut im Körper an allem Überflüssigen, Wucherungen, Schlackenansammlungen und Geschwülsten. Es ist dies eine Operation ohne Messer,…“

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Das Tumorzentrum Freiburg am Universitätsklinikum hat einen Patientenratgeber „Komplementäre Verfahren“ veröffentlicht.

Zur Breuss-Kur steht dort:

“Rudolf Breuss, Heilpraktiker aus Österreich, ist der Meinung „dass Krebs nur von festen Speisen lebt“, während dem Menschen selbst flüssige Nahrung ausreicht. Wenn man 42 Tage nur einen halben bis einen Liter Gemüsesaft und Tee trinkt, stirbt die Krebsgeschwulst ab, während man dabei noch gut leben kann. Die Ernährung umfasst nur Saftmischungen aus roten Rüben und Karotten, Sellerie, Rettich und eventuell einer kleinen Kartoffel, immer in Kombination mit besonderen Teesorten. Die ‚Krebskur- total‘  n. Breuss kann gefährlich sein, da diese Fastenkur zu erheblicher Mangelernährung und damit einer zusätzlichen Schwächung der körpereigenen Abwehr führt. Es kann zwar unter dem Fasten zu einer Verringerung oder einem  Stillstand des Tumorwachstums kommen, nach Wiederaufnahme einer normalen Ernährung kann sich das Krebswachstum jedoch sogar beschleunigen!“

Quelle: http://www.uniklinik-freiburg.de/tumorzentrum/live/Patienten-Info/Broschueren/komplementaere_verfahren_pat2006.pdf

Für die Ansicht von Breuss, dass Krebserkrankungen durch ein Aushungern und durch Verzicht auf feste Speisen geheilt werden könnten, gibt es keine unabhängige Belege.

Recherchiert man allerdings im Internet, taucht da eine ganze Reihe von Heilungsgeschichten mit der Breuss-Kur auf.

Leider fehlen bei solchen Schilderungen in aller Regel viele Informationen, die zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Krebsheilung unverzichtbar sind. Beispielsweise: Wer hat wann mit welchen Methoden die Krebsdiagnose gestellt? Wer hat wann mit welcher Methode die Heilung festgestellt? Was wurde neben der Breuss-Kur sonst noch alles unternommen?

In Krebsforen finden sich zudem immer wieder Beiträge folgender Art:

Eintrag 1: Madeleine, 52, Brustkrebs, lehnt medizinische Behandlung ab, will Breuss-Kur durchführen und im Forum über den Verlauf ihrer Krankheit berichten.

Eintrag 2: Sechs Monate später berichtet Madeleine, dass sie die Breuss-Kur gemacht hat und dass es ihr super gehe.

Weitere Berichte von Madeleine gibt es keine. Zwei Jahre später erkundigt sich ein Teilnehmer im Forum nach Madeleine und fragt, wie es ihr gehe und ob sie über den weiteren Verlauf berichten könne. Eine Antwort von Madeleine kommt nicht. Die Website, welche Madeleine in ihrem Profil angab, ist ausser Betrieb.

Das spricht nicht für einen positiven Verlauf. Madeleine hätte allergrösster Wahrscheinlichkeit berichtet, wenn es ihr weiterhin gut gegangen wäre. Solche Erfolge teilt man gerne mit anderen.

Den Krebs mit einer Breuss-Kur weghungern wollte auch Carola Zimmermann Frey. Die Mutter von vier Kindern, darunter einem mit Down-Syndrom, entschied sich bei der Diagnose Brustkrebs gegen eine medizinische Behandlung und setzte auf die Breuss-Kur und auf eine Kinesiologie-Behandlung. Das Schweizer Fernsehen sendete darüber einen Film der Reporterin Nathalie Rufer, die Carola Zimmermann Frey begleitet hat, auch zum alternativen Zahnarzt Peter Schmid, der bei der Krebspatientin eine Amalgamvergiftung diagnostiziert und bei ihre angeblich Quecksilber ausleitet……

Den Film sehen Sie hier:

http://www.youtube.com/watch?v=ptO2GBhoSuQ

Hier die Beschreibung des Films auf SF:

„Carola Zimmermann Frey, Mutter von vier Kindern, ist mit einer niederschmetternden Diagnose konfrontiert. Der Knoten in ihrer Brust erwies sich als bösartig, die Ärzte raten zu Amputation der rechten Brust. Carola Zimmermann entscheidet sich gegen eine Operation und damit gegen die dringenden Empfehlungen der Schulmedizin. Sie wählt einen alternativen Weg und entschliesst sich, das Krebsgeschwür mit einer rigorosen Fastenkur zu bekämpfen.

Hält die gelernte Psychiatrieschwester die sechswöchige Null-Diät durch? Bleibt sie auf dem eingeschlagenen Weg? Nathalie Rufer begleitet die 47jährige während ihres schwierigen und riskanten Kampfes gegen den Krebs.“

Am 11. Mai 2012 folgt ein Film von Röbi Koller mit Carola Zimmermann Frey.

Hier die Beschreibung auf SF:

„Zwei Jahre später meldet sich der Knoten in Carola Zimmermanns Brust zurück. Trotzdem will die 49jährige ihrer Überzeugung treu bleiben und sich weiterhin allein auf die Alternativmedizin abstützen. Auch Lydia, eine Leidensgenossin aus Genf, traut den herkömmlichen Methoden der Mediziner nicht. Zusammen mit Carola macht sie sich Mut und sucht die Heilung bei Kinesiologen und Heilpraktikern.

Weitere zwei Jahre später ist alles anders: Lydia aus Genf ist gestorben und bei Carola hat sich der Krebs im ganzen Körper ausgebreitet. Das hat Carola bewogen, sich nun doch schulmedizinisch behandeln zu lassen.

Würde Carola Zimmermann wieder gleich entscheiden? Hadert sie manchmal? Carola Zimmermann ist zusammen mit ihrem Partner Ralf Kohlmann im Gespräch bei Röbi Koller.“

Den Film von 2012 sehen Sie hier:

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=a6733b26-2aae-47c9-a2f0-7e6a09ded280

Eine weitere Sendung mit Carola Zimmermann Frey brachte das Nachtcafé der ARD am 28. 9. 2012: „Diagnose Krebs – wie damit umgehen.“

Diesen Film sehen Sie hier:

http://www.ardmediathek.de/swr-fernsehen/nachtcaf/nachtcaf-diagnose-krebs-wie-damit-umgehen?documentId=11912278

Die Geschichte von Carola Zimmermann Frey zeigt eindrücklich das Risiko, wenn man bei einer Krebserkrankung einseitig auf Breusskuren, Kinesiologie & Co. setzt.

Mir ist vor allem aufgefallen, wie stark Carola Zimmermann Frey betont hat, dass es ihr wichtig sei, die Ursache für den Brustkrebs zu finden. Bei dieser Ursachensuche vertraute sie offenbar der Alternativmedizin, während die „Schulmedizin“ sich nicht um Ursachen kümmert und nur Symptome behandelt. So lautet jedenfalls eine verbreitete Überzeugung in Alternativmedizin und Komplementärmedizin: „Wir behandeln die Ursachen der Krankheiten – die Schulmedizin nur die Symptome.“

Das halte ich für sehr einseitig und auch anmassend.

Erstens gibt es durchaus Situationen, in denen man die medizinische Behandlung als ursächlich bezeichnen könnte. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass die Ursachenlage einer Krankheit oft sehr vielschichtig ist. An der Entstehung einer Grippe beispielsweise dürfte wohl nicht nur das Influenzavirus beteiligt sein, sondern auch die aktuelle Abwehrlage. Und da jede Ursache wieder eine oder mehrere Ursachen hat, kommt man mit dem ursächlichen Ansatz gar nicht so einfach an einen Schlusspunkt und landet nicht selten in sehr nebulösen und spekulativen Gefilden.

Das gilt aber natürlich auch für Komplementärmedizin und Alternativmedizin. Wenn also jemand behauptet, er oder sie behandle die Ursache(n), dann steht damit nicht schon einfach fest, dass es sich tatsächlich um reale Ursachen handelt. In Komplementärmedizin und Alternativmedizin werden in dieser Hinsicht oft Ursachen dogmatisch gesetzt, die nachher angeblich behandelt werden: Übersäuerung, Candida-Pilz im Darm,  Amalgamvergiftung, Leberschwäche,….

Häufig wird eine Ursache angenommen und fraglos als entscheidend gesetzt. Wenn man die „Ursache“ selbst festlegt, kann man leicht „ursächlich“ behandeln. Bei Carola Zimmermann Frey hat die Suche nach den Ursachen aber offenbar in eine Sackgasse geführt, wodurch wertvolle Zeit für die Behandlung verloren ging.

Es ist in den Filmen aber auch eindrücklich zu sehen, mit welcher Selbstüberschätzung ein „ganzheitlicher“ Zahnarzt, eine Kinesiologin und ein Heilpraktiker die Patientin in ihrer Suche nach den angeblichen Ursachen unterstützten und damit in diesem Irrweg  bestärkten.

Im übrigen ist diese Krankheitsgeschichte kein Einzelfall. Es ist ein Tabu im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin, dass eine nicht geringe Zahl von Therapeutinnen und Therapeuten Hoffnung auf Heilung suggerieren, die sie nicht einlösen können. Bei Misserfolgen wird dann in der Regel der Patient oder die Patientin verantwortlich geamcht, die „noch nicht so weit sind“, „noch nicht gesund werden wollen“ oder die Anweisungen für die Therapie nicht eingehalten haben.

Diese unkritische Selbstüberschätzung von Behandlerinnen und Behandlern kostet einer nicht genauer erfassten, aber nicht unbedeutenden Zahl von Kranken das Leben.

Aus diesem Grund kann nicht genug betont werden wie wichtig es ist, Heilungsversprechungen kritisch zu prüfen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Grüntee-Inhaltsstoff EGCG als Therapieoption gegen Krebs erforscht

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Epigallocatechingallat (EGCG) – ein Polyphenol aus dem Grüntee – hemmt das Tumorwachstum und ist möglicherweise eine Grundlage für neue Behandlungsoptionen. Das haben Forscher der schottischen University of Strathclyde in Glasgow untersucht – allerdings bisher nur im Mausmodell. Ihre neue Studie wurde veröffentlicht im Fachjournal Nanomedicine.

Epigallocatechingallat macht etwa ein Drittel der Trockenmasse des Grüntees aus und wird für zahlreiche gesundheitsfördernde Eigenschaften des Tees verantwortlich gemacht. Neben einer entzündungshemmenden und anderen Wirkungen soll dieses Antioxidans vor allem die Angiogenese (Wachstum von Blutgefässen) beeinflussen. Die Angiogenese ist ein Vorgang, der beim Tumorwachstum eine wichtige Rolle spielt.

Obwohl die potenziell antitumoröse Wirkung des EGCG schon bekannt war, scheiterten die Behandlungsversuche laut den Forschern meist daran, dass der Stoff über eine übliche intravenöse Applikation den Ort des Tumors meist nicht in genügender Konzentration erreichte. Doch die Wissenschaftler aus Glasgow, schafften es, das Catechin-Derivat so zu verpacken, dass es am Tumorgewebe wirksam werden konnte.

Mit Hilfe von Vesikeln, die normalerweise das Plasmaprotein Transferrin transportieren, gelangte Epigallocatechingallat in die Krebszellen von Mäusen, die an unterschiedlichen Hauttumoren erkrankt waren. Am Ende der Versuche erreichten die Forscher mit den Epigallocatechingallat-Vesikeln eine signifikante Tumorsuppression.

So verringerte sich die Tumormenge bei rund 40 Prozent der an Epidermoid-Karzinomen oder Melanomen erkrankten Versuchstiere. Weitere zehn Prozent beider Tumorarten stabilisierten sich und vergrösserten sich nicht weiter. Auch überlebten die Mäuse durch die EGCG-Therapie länger. Durchschnittlich lag die verlängerte Lebenszeit im Vergleich zu nicht behandelten Mäusen bei 20 Tagen.

Die Forscher hoffen, dass die Erkenntnisse aus dieser Studie neue Wege in der Krebstherapie weisen können.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51383/Komponenten-im-gruenen-Tee-moegliche-Therapieoption-gegen-Krebs

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22891867

Kommentar & Ergänzung:

EGCG zeigte schon in verschiedenen Laborexperimenten eine Wirkung gegen Krebszellen. Allerdings sind solche Laborergebnisse noch meilenweit von der erfolgreichen Anwendung bei Krebskranken entfernt.

Eine wichtige offene Frage ist in solchen Fällen nämlich immer, ob die aktive Substanz auch in ausreichender Konzentration ins Tumorgewebe eines Menschen gelangen kann.

Hier nun scheinen die Forscher aus Glasgow einen Schritt weiter gekommen zu sein.

Allerdings sind auch diese Mäuseexperimente noch weit weg von der Anwendung bei Menschen mit Tumorkrankheiten.

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Misteltinktur gegen Krebs?

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Ich bin immer wieder entsetzt, wieviel „Schrott“ im Internet unter den Etiketten „Alternativmedizin“ „Komplementärmedizin“ und „Naturheilkunde“ verkauft wird, weil hier jede Qualitätskontrolle fehlt.

Da verkauft beispielsweise ein österreichischer „Spezialist für ganzheitliche Gesundheit, Figur und Fitness“ Misteltinktur mit der Begründung, Mistel besitze immunverändernde Eigenschaften und könne bei manchen Krebsarten das Tumorwachstum hemmen.

Unterschlagen wird dabei, dass die immunstimulierenden Inhaltsstoffe der Mistel (Lektine, Viscotoxine) hochmolekular sind und aus dem Verdauungstrakt nicht in den Körper aufgenommen werden. In der anthroposophischen Krebstherapie wird die Mistel deshalb in Form von Injektionen verabreicht (z. B. als Iscador). Und selbst so ist die Wirkung alles andere als geklärt.

Siehe dazu:

Misteltherapie gegen Krebs  –  wirksam?

Misteltinktur (genauso wie Misteltee) ist jedoch auf jeden Fall eine ungeeignete Anwendungsform.

Aber wen interessiert das schon?

Weder die Verkäufer noch die Patientinnen und Patienten wollen das offenbar so genau wissen.

Wenn Sie lernen wollen, wie sich leere Versprechungen von glaubwürdigen Aussagen unterscheiden lassen, dann können Sie das bei mir im Heilpflanzen-Seminar oder in der Phytotherapie-Ausbildung.

Siehe auch:

Naturheilkunde: Woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen?

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Misteltherapie: Verzerrte Darstellung in der Boulevardzeitung „Blick“

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Viele Medienberichte zum Thema Komplementärmedizin sind irreführend und verzerrt. Ein Beispiel dafür liefert die Boulevardzeitung „Blick“ in einem Beitrag zur Misteltherapie („Blick“-Zitate kursiv).

Zitat:

„ Was bewirkt das Präparat?

Das Mistelextrakt enthält Eiweissstoffe, die im Körper des Kranken die Produktion von Endorphinen anregen. Das sind Stoffe, die unsere Schmerzen lindern und die Stimmung aufhellen. Zudem stärkt das Heilmittel die körpereigenen Abwehrkräfte, indem es die Produktion der weissen Blutkörperchen anregt. Mit der Misteltherapie lässt sich das Immunsystem so gut stimulieren, dass es auch zur Unterstützung von Chemo- und Strahlentherapie oder Krebsoperationen verwendet wird. In hoher Dosierung tötet das Mittel Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem – im Gegensatz zur Chemotherapie, die Krebszellen tötet und als Nebenwirkung das Immunsystem schwächt.“

Der entscheidende Satz ist dieser:

„In hoher Dosierung tötet das Mittel Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem – im Gegensatz zur Chemotherapie, die Krebszellen tötet und als Nebenwirkung das Immunsystem schwächt.“

Mistel tötet also in hoher Konzentration Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem.

Chemotherapie tötet Krebszellen und schwächt dabei das Immunsystem.

Keine Frage: Gemäss dieser Darstellung ist die Misteltherapie der Chemotherapie vorzuziehen.

Was der Satz verschweigt:

Misteltherapie tötet in hoher Konzentration Krebszellen im Labor an isolierten Geweben oder Zellen. Beim lebenden Menschen ist eine solche Wirkung leider nicht belegt.

Chemotherapie dagegen tötet Krebszellen beim Patienten, schädigt aber leider dabei auch das Immunsystem und andere gesunde Zellen.

Im Labor an isolierten Geweben und Zellen kann man Mistel tatsächlich in sehr hoher Konzentration einwirken lassen. Solche Ergebnisse lassen sich aber nicht einfach auf die Anwendung bei Krebspatienten übertragen.

Wenn man die Angabe „im Labor“ weglässt, erweckt man einen geschönten Eindruck und führt Krebspatientinnen und –patienten in die Irre.

Im weiteren schreibt „Blick“:

„Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?

Die Behandlung ist risikoarm. Selten gibt es allergische Reaktionen: Rötung und Schwellung bei der Einstichstelle sind positive Reaktionen, die zur idealen Dosierung des Präparates beitragen.“

Eine sehr geschönte Darstellung.

Hier die andere, vom „blick“ ausgeklammerte Seite:

„In niedriger, nichttoxischer Dosierung dominiert die immunstimulierende Wirkung der Mistellektine, aus der nicht auf eine Hemmung des Tumorwachstums geschlossen werden darf. Erst in höheren Konzentrationen, die bereits deutliche unerwünschte Wirkungen hervorrufen, zerstören Lektine und Viscotoxine……..Lektine und Viscotoxine sind nach parenteraler Applikation extrem giftig. Die akute Toxizität ist möglicherweise nicht nur auf die direkte Cytotoxizität der Lektine und Viscotoxine, sondern auch auf die provozierte Ausschüttung von Mediatoren des Immunsystems zurückzuführen.“

(Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Mistelkraut.html)

Oder bei Wikipedia:

„Unerwünschte Wirkungen der Misteltherapie betreffen das Herz-Kreislauf-System (Blutdruckabfall oder -anstieg, Verlangsamung des Herzschlags), den Magen-Darm-Trakt (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Dehydratation), das zentrale Nervensystem (Verwirrtheit, Halluzinationen, epileptische Anfälle) sowie das Immunsystem (Fieber, Anstieg der weißen Blutkörperchen im Blut). In der bisher einzigen randomisierten kontrollierten Studie zur Wirksamkeit des Mistelpräparates Iscador wurde ein beunruhigendes Ausmaß an Toxizität beobachtet. Vor allem fiel eine Zunahme von Gehirnmetastasen beim Iscador-Patientenkollektiv im Vergleich zur Kontrolle auf. Lokale Entzündungsreaktionen an der Injektionsstelle (wie Rötung, Schwellung, Schmerzen) sind häufig. Schwerwiegende Komplikationen sind selten, jedoch wurden einige Todesfälle berichtet. Ursache hierfür können allergische Reaktionen sein, die zu einem anaphylaktischen Schock führen können. Nicht angezeigt ist die Misteltherapie während der Schwangerschaft und in der Stillzeit.“  (Quelle: wikipedia)

Solche Nebenwirkungen scheinen allerdings selten von schwerwiegender Natur zu sein.

Problematischer sind Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass eine Misteltherapie bei bestimmten Tumorarten das Wachstum des Tumors steigern könnte.

„Konsequente Grundlagenforschung in den letzten Jahren zeigte, dass die durch Mistellektin I (besser: Viscum album Agglutinin I = VAA I) vermehrt freigesetzten Zytokine in vitro und in vivo (Tiermodelle) die Proliferation von Zellen verschiedener Tumore, Leukämien und Lymphome stimulieren können. In der Literatur finden sich Berichte über negative Effekte von Mistelextrakten bzw. Lektin in der Zellkultur, in Tumorexplantaten, in Tierversuchen und bei klinischer Anwendung. Experimentelle Befunde verweisen auf die realistische Möglichkeit einer Gefährdung zumindestens einzelner Patienten bei bestimmten Tumorarten und/oder -stadien durch lektinbezogene) Mistelanwendung. Die Annahme, dass eine Erhöhung der Serumspiegel dieser Botenstoffe zumindestens bei einzelnen Tumorpatienten negativ mit einer kürzeren Lebenserwartung korreliert ist, hat sich für verschiedene Malignome bestätigt.“

(Quelle: Barbara Burkhard, Anthroposophische Medizin, Pharmazeutische Zeitung, Govi-Verlag 2000).

Ähnlich schreibt Dr. med Jutta Hübner, Sprecherin des Arbeitskreises komplementäre Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft:

„ Die direkte Wirkung auf den Tumor wurde leider noch nicht bewiesen. Unklar ist, ob eine Beeinflussung des Tumorwachstums stattfindet. Mistelextrakt kann das Absterben von Tumorzellen im Reagenzglas fördern. In Tierexperimenten konnte durch die Gabe von Mistel die Ausbreitung von Tumoren vermindert werden. Es liegen aber auch Untersuchungen vor, die für einige Tumorarten im Laborexperiment eine wachstumsfördernde Wirkung zeigten. Auch bei Untersuchungen an Patienten ergaben sich zum Teil ungünstige Ergebnisse…….Bei bestimmten Tumoren wie Melanom, Nierenkarzinom, Lymphom und Leukämien sollte die Mistel auf keinen Fall eingesetzt werden“

(aus: Aloe, Ginkgo, Mistel & Co., Schattauer 2009)

Im weiteren schreibt „Blick“:

„ Was ist das stärkste Argument gegen die Mistelanwendung?

Die Schulmedizin kritisiert, dass die Therapie nie in Doppelblindstudien untersucht wurde. So lange diese wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweise fehlen, gelten Mistelpräparate nicht als Heilmittel gegen Krebs.“

Der Satz: „Die Schulmedizin kritisiert, dass die Therapie nie in Doppelblindstudien untersucht wurde“, ist eine einzige Lüge. Die Misteltherapie wurde in einer ganzen Reihe von Doppelblindstudien untersucht. Die „Schulmedizin“ kritisiert, dass die Qualität der meisten Studien schlecht ist und die Ergebnisse insgesamt nicht überzeugen. Und diese Einschätzung dominiert nicht einfach nur  in der „Schulmedizin“. Man findet sie auch in der Phytotherapie-Fachliteratur und bei Jutta Hübner.

„Blick“ verbiegt das „stärkste Argument gegen die Mistelanwendung“.

Sie auch:

Misteltherapie gegen Krebs wirksam?

Weshalb stellt „Blick“ die Misteltherapie derart verzerrt dar?

Zu vermuten ist, dass sich die Zeitung einseitig auf die Angaben der Mistel-Propagandisten stützt. Ausserdem schreibt „Blick“ wohl einfach, was die Leserinnen und Leser gerne hören. Heilungsversprechungen kommen immer gut an. Sie lindern die Angst vor Krebs.

Wer Heilungsversprechungen in Frage stellt, hat da zum vorneherein einen schwereren Stand.

Quelle der „Blick“-Zitate:

http://www.blick.ch/life/ratgeber/das-muessen-sie-ueber-die-therapie-wissen-186039

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Traubensilberkerze & Wechseljahrsbeschwerden

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Die Zeitschrift für Phytotherapie (6/2010) hat in der Ausgabe vom Dezember 2010 das Schwerpunktthema „Gynäkologie“. Zwei Heilpflanzen haben in den letzten Jahrzehnten in der Gynäkologie quasi Karriere gemacht: Mönchspfeffer (Keuschlamm, Vitex agnus-castus) und Traubensilberkerze (Wanzenkraut, Cimicifuga racemosa). Unter dem Titel „Selektive Estrogenrezeptor-Modulatoren (SERMs)“ schreibt die Phytohormonspezialistin Dana Seidlova-Wuttke zum Thema „Traubensilberkerze“:

„In früheren Jahren glaubte man, dass auch Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze SERMs enthalten. Heute wissen wir, dass diese Extrakte keine Östrogene, also auch keine SERMs enthalten. Die ohne Zweifel vorhandenen positiven Effekte auf klimakterische Beschwerden werden über nachgewiesene dopaminerge und serotoninerge Prinzipien erklärbar, die im Hypothalamus – dem Ort der Entstehung von Hitzewallungen – wirken. Im Knochen scheinen spezifische Saponine hemmend auf die Entwicklung einer Osteoporose zu wirken, deren Wirkmechanismen noch nicht aufgeklärt sind.“

In der selben Ausgabe der Zeitschrift für Phytotherapie schreibt Prof. Axel Brattström einen Beitrag mit dem Titel „Extrakte aus Cimicifuga racemosa – eine Behandlungsalternative bei Beschwerden der Wechseljahre“. Zitat:

„Der Einsatz von Pflanzenextrakten bei Wechseljahresbeschwerden hat zunehmend an Bedeutung gewonnen, wobei die Mehrzahl der Extrakte (Rotklee, Hopfen, Soja und daraus gewonnene Isoflavonpräparate) ihre Wirkungen, zumindest teilweise, über die Bindung an Östrogenrezeptoren erreichen. Die klinische Relevanz dieser Extrakte (»Phytoöstrogene«) ist nicht unumstritten. Wegen der Aktivierung von Östrogenrezeptoren kann mit ihrem Einsatz die Stimulation östrogensensitiver Geschwülste erfolgen. Abgegrenzt von der Gruppe der Phytoöstrogene ist der Extrakt aus Cimicifuga racemosa zu bewerten. Seine Wirkungen auf die psychischen und vegetativen Befindlichkeiten während der Wechseljahre sind klinisch belegt; sie werden überwiegend über das Zentralnervensystem vermittelt. Durch Östrogen stimuliertes Tumorwachstum wird sogar unterdrückt. Eine mit der klinischen Wirksamkeit verbundene Inhaltsstoffgruppe sind Triterpenglykoside. Es gibt Hinweise, dass mit einer Erhöhung des Gehalts an Triterpenglykosiden im Extrakt auch dessen klinische Wirksamkeit gesteigert wird.“

Kommentar & Ergänzung:

Es zeichnete sich schon längere Zeit ab, dass die Wirkung von Traubensilberkerze gegen Wechseljahrsbeschwerden wie Wallungen nicht auf einer östrogenen Ebene zustande kommt, sondern durch Einwirkung im Hypothalamus. Das dürfte bezüglich der Sicherheit von Cimicifuga-Extrakten bedeutsam sein, vor allem für Frauen mit östrogenabhängigen Tumoren. Festzuhalten ist allerdings, dass es bei den Heilpflanzen-Präparaten aus Traubensilberkerze sehr grosse Qualitätsunterschiede gibt. Es kommt also nicht einfach darauf an, Traubensilberkerze zu nehmen. Wichtig ist auch, in welcher Form.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Mistel-Therapie gegen Krebs – wirksam?

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Die Krebsbehandlung mit Mistelpräparaten ist beliebt. Fachleute sind allerdings skeptisch: Die Wirksamkeit der Misteltherapie ist nicht belegt.

Den Anstoß zur Therapie von Krebserkrankungen mit Mistelpräparaten gab der Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, im Jahr 1916.

1917 entwickelte die Ärztin Ita Wegman das erste Mistelpräparat – seitdem hat sich die Mistelbehandlung zur häufigsten alternativen Krebsbehandlungsmethode im deutschsprachigen Raum entwickelt.

In der Schweiz liegen dem Bundesamt für Gesundheit zurzeit Gesuche von fünf Methoden der Komplementärmedizin vor, in denen es um deren Aufnahme in die Grundversicherung der Krankenkassen geht.

Laut Krankenversicherungsgesetz müssen die Methoden wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein, um in die Grundversicherung aufgenommen zu werden (WZW-Kritierien).

Für die Anthroposophische Medizin ist dabei die Misteltherapie zentral, weil zu dieser viele Studien vorliegen, die nach Ansicht der Anthroposophen die Wirksamkeit belegen. Die Vertreterinnen und Vertreter der Anthroposophischen Medizin sind jedenfalls überzeugt, dass ihr Gesuch die  WZW-Kriterien belegt. So schreibt zum Beispiel Danielle Lemann, Fachärztin FMH für Allgemeine und Anthroposophische Medizin, in einem Leserbrief im Tages-Anzeiger vom 13. 10. 2010:

„Der neue Antrag ans Bundesamt für Gesundheit (BAG) enthält einen fundierten Wirksamkeitsnachweis, selbst der von den Schulmedizinern geforderte Doppelblindversuch ist gebührlich berücksichtigt.“

Das scheint mir Wunschdenken zu sein. Bezüglich der Misteltherapie jedenfalls fällt die Bewertung durch Fachleute nicht so eindeutig aus.

Aus Studien lassen sich Hinweise darauf finden, wonach Misteltherapie das Immunsystem stärken und die Lebensqualität verbessern kann.

„In der Regel wird dem Patienten während oder nach einer konventionellen Krebstherapie täglich ein Mistelpräparat unter die Haut gespritzt. Dabei finden Mistelpräparate unterschiedlicher Wirtsbäume Verwendung“(1), erklärt Gunver Kienle, Ärztin am Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie (IFAEMM) in Freiburg.

„Die Behandlung kann über einige Wochen, aber auch über Jahre erfolgen – häufig mit dem Ziel, den Organismus und das Immunsystem zu stärken und möglicherweise auch das Tumorwachstum zu reduzieren.“(1)

Paradoxerweise gehört die Mistelbehandlung zwar zu den am besten erforschten Behandlungsansätzen der Komplementärmedizin, eine eindeutige Aussage über ihre Wirksamkeit lässt sich aber bis heute nicht treffen. „Nach streng wissenschaftlichen Kriterien, die man auch bei der Überprüfung neuer Medikamente anlegen würde, lässt sich bisher keine verlässliche Wirkung auf das Tumorwachstum oder die Überlebenszeit bei Krebspatienten nachweisen“(1), stellt Markus Horneber fest, Leiter der Arbeitsgruppe Biologische Krebstherapie am Klinikum Nürnberg.

Gemeinsam mit Forschern aus Berlin, Freiburg und München hat der Mediziner im Jahr 2008 Studien zur Misteltherapie aus den letzten 30 Jahren analysiert. Gerade einmal 21 zuverlässige Untersuchungen spürten die Wissenschaftler auf. Sie deuten allerdings auf eine Verbesserung der Lebensqualität und eine generell gute Verträglichkeit der Mistelbehandlung hin.

„Insgesamt ist es schwierig, eine Gesamtaussage über die Wirksamkeit von Mistelextrakten zu treffen, denn die Studien zu diesem Thema unterscheiden sich stark in ihrer Methodik, den verwendeten Mistelextrakten und der Art der Anwendung“(1), erläutert Horneber. „Allerdings zeigen vielfache ärztliche Erfahrungen, dass Mistelextrakte durchaus Wirkungen haben, zum Beispiel auf das Immunsystem.“(1)

Dies zeigten auch die Untersuchungen von Gunver Kienle, die sich seit 1994 wissenschaftlich mit der Mistelbehandlung beschäftigt. „Aus tierexperimentellen Studien wissen wir, dass Mistelextrakte Immunprozesse stimulieren, was eine Relevanz für die Tumorabwehr hat“, berichtet Kienle. „Weiterhin wurde auch ein direkter hemmender Einfluss auf das Wachstum von Krebszellen dokumentiert.“(1)

Für eine längere Überlebenszeit von Krebspatienten oder eine Rückbildung von Tumoren hat aber auch Kienle keine definitiven Belege gefunden. „Allerdings zeigt sich in vielen Studien, dass die Therapie die Lebensqualität der Patienten verbessern kann: Sie fühlen sich kräftiger und weniger müde, haben weniger Infekte und berichten über weniger Übelkeit, Angst und niedergeschlagene Stimmung“(1), sagt die Forscherin.

In einigen Studien haben Wissenschaftler die Mistelextrakte auch direkt in oder um den Tumor gespritzt und dabei offenbar eine Verkleinerung beobachtet. „Allerdings sind Mistelpräparate für diese Applikation nicht zugelassen, so dass sie nur in sorgfältig kontrollierten Untersuchungen eingesetzt werden sollten“, erklärt Kienle. „Um die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Anwendung zu überprüfen, sind wesentlich mehr Untersuchungen notwendig.“(1)

In einem Interview äusserte sich kürzlich auch Dr. med. Jutta Hübner zur Misteltherapie. Sie leitet die Palliativmedizin, die komplementäre und supportive Onkologie am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main. Auf die Frage, was sie von der umstrittenen Misteltherapie halte, antwortet die Expertin:

„Ich empfehle sie nicht, weil mir die im Moment vorhandenen Daten nicht ausreichen. Möchte eine Patientin gerne Mistel nehmen, kann ich sie über die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse informieren. In einigen Fällen, wie zum Beispiel bei Leukämien und Lymphomen, sollte eine Misteltherapie nicht angewendet werden. Bei Patientinnen, die nach einer Chemotherapie dann einen Versuch mit einer Misteltherapie machen möchten, um ihre Lebensqualität zu verbessern, spricht meist nichts dagegen.“ (2)

In der Zeitschrift „Der Hausarzt“ schreibt Dr. med. Berthold Musselmann,

Facharzt für Allgemeinmedizn mit Ausbildung in Naturheilverfahren:

„ Der subkutane, seltener der intravenöse Einsatz bei Krebs als komplementäre und palliative Therapie wirkt leistungssteigernd, stimmungsverbessernd und immunstimulierend.  Eine Lebensverlängerung bei Krebserkrankungen durch Mistel konnte in Studien allerdings nicht nachgewiesen werden.“ (3)

Die Cochrane Collaboration erstellt systematische Übersichtsarbeiten (systematic reviews) zur Bewertung von medizinischen Therapien.

Zur Misteltherapie existiert ein Cochrane Database of Systematic Reviews 2008:

„Studien zeigen verbesserte Lebensqualität bei Brustkrebspatientinnen während der Chemotherapie durch standardisierte Mistelextrakttherapie. Diese Daten müssen bestätigt werden!” (4)

Selbst die Verbesserung der Lebensqualität ist also noch ungenügend gesichert.

Und hier die Zusammenfassung einer neueren Cochrane Übersichtsstudie von 2010 aus der Österreichischen Apothekerzeitung:

„Ein Cochrane Review (Horneber M, 2010) analysierte Studien zu Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von Mistelpräparaten bei Krebspatienten. Die betrachteten Endpunkte der eingeschlossenen Studien (21; 3484 Patienten) waren u.a. Gesamtüberleben, Tumoransprechen, Lebensqualität und diverse psychologische Outcome-Parameter. Die Autoren schlussfolgern, dass die vorliegende Evidenz schwach ist, um die Annahme zu unterstützen, dass Mistelextrakte einen Einfluss auf die Gesamtüberlebenszeit haben, die Fähigkeit, den Krebs zu bekämpfen, erhöhen und die Verträglichkeit konventioneller Krebstherapien verbessern. Es gibt Evidenz zu einem positiven Einfluss standardisierter Mistelpräparate auf die Lebensqualität von Patientinnen mit Mammakarzinom und Chemotherapie. Die meisten Studien hatten jedoch methodische Schwachstellen, die laut amerikanischem National Cancer Institute (NCI), Zweifel an der Richtigkeit und Verallgemeinerbarkeit aufkommen lassen: geringe Patientenzahlen, hohe Therapieabbruch-Raten, inadäquate Kontrollgruppen und Randomisierung, Unklarheiten zur Dosierung und Anwendungsart sowie häufige Subgruppenanalysen. Aufgrund der vorliegenden Evidenz empfiehlt das NCI die Anwendung von Mistelpräparaten nur im Rahmen kontrollierter klinischer Studien (NCI PDQ Mistletoe extracts).“ (5)

Quellenangaben:

(1) http://www.welt.de/gesundheit/article10529435/Misteln-gegen-Krebs-Humbug-oder-Heilsbringer.html

(2) http://www.apotheken-umschau.de/Brustkrebs/Brustkrebs-Was-kann-ich-selbst-tun-77401.html

(3) Der Hausarzt, 2010/14:  31-36, http://www.springermedizin.de/abc-der-klassischen-phytotherapie/275054.html

(4) Quelle: http://www.tumorzentrum.uk-erlangen.de/e1846/e3928/e4113/inhalt4749/Sinnvolletherapiebegleitende_20100707.pdf

(5) Quelle: http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2010/OAZ-2010-25.pdf,  Österreichische Apothekerzeitung 25 / 2010,   Autor:   Mag. pharm. Gunar Stemer

Kommentar & Ergänzung:

Rudolf Steiner prophezeite, dass die Mistel das Messer des Chirurgen einst ersetzen würde. Schaut man sich die Bewertungen der Studienlage durch die zitierten Fachleute an, scheint dieser Anspruch doch sehr überzogen. Und es handelt sich dabei nicht um Experten, die der Komplementärmedizin feindlich gesinnt sind. Das IFAEMM in Freiburg, an dem Gunver Kienle arbeitet, ist gar ein anthroposophisches Institut.

Für den Entscheid, ob man als Tumorpatientin oder Tumorpatient eine Misteltherapie nutzen will oder nicht, scheint mir die Kenntnis dieser Bewertungen wichtig.

Kennen sollte man mögliche Stärken bezüglich Verbesserung der Lebensqualität, aber auch die deutliche Schwäche wenn es um den Nachweis einer  Verlängerung der Lebenszeit geht. Informiert werden sollten Krebspatienten auch über die von Jutta Hübner, erwähnte Einschränkung, dass Mistelpräparate bei einigen Tumorarten wie zum Beispiel Leukämien und Lymphomen nicht angewendet werden sollten.

Wichtig zu wissen ist auch: Wenn Gunver Kienle von einem dokumentierten, direkten hemmenden Einfluss der Mistel auf das Wachstum von Krebszellen spricht, dann handelt es sich dabei um Laborexperimente an isoliertem Gewebe. Ob ein solcher Effekt auch im krebskranken Menschen stattfindet, ist damit keineswegs klar. Im Labor lassen sich sehr oft Wirkungen beobachten, die im lebenden Organismus nicht zu erzielen sind.

Dass Krebspatienten jede mögliche Therapieoption prüfen, ist sehr gut verständlich. Eine Stärke der Misteltherapie scheint mir darin zu liegen, dass sie ein Gefühl der Unterstützung vermittelt. Chemotherapien sind sehr einschneidend, aggressiv und von vielfältigen Nebenwirkungen begleitet. Sie als positive, hilfreiche Heilmittel zu erleben, dürfte dadurch vielen Betroffenen nicht leicht fallen. Die Misteltherapie bietet hier ein ganz anderes Konzept. Hier wird ein Mittel angeboten, das als gut verträglicher, unterstützender Helfer erlebt werden kann. Dass dieser zusätzliche positive Support wertvoll für Krebspatienten sein kann, scheint mir auf der Hand zu liegen.

Die Misteltherapie wird von den Krankenkassen aus der Grundversicherung bezahlt, auch wenn dafür eine gesetzliche Grundlage nicht ersichtlich ist und der Wirksamkeitsnachweis nie erbracht wurde. Präparate der Anthroposophischen Medizin sind genauso wie Präparate der Homöopathie vom Wirksamkeitsnachweis pauschal befreit.

Ob Heilmittel der Komplementärmedizin aus der Grundversicherung bezahlt werden oder nicht, ist ein Entscheid, der unabhängig bleibt vom jetzt bevorstehenden BAG-Entscheid, welche Komplementärmedizin-Methoden von der Grundversicherung bezahlt werden sollen.

Hoch problematisch ist meines Erachtens, dass die Anthroposophische Medizin regelmäßig „Präkanzerosen“ (= Vorstadium eines Krebses) als Ergebnis eines “Blutkristallisationstests” diagnostiziert, von dem völlig ungeklärt ist, ob er überhaupt etwas relevantes aussagt. Konkret besteht hier ein Risiko, dass nicht existierende Krebskrankheiten „entdeckt“ werden. Als Folge dieser angsterzeugenden Diagnose wird den Patienten in der Regel und rein vorsorglich zu Mistelinjektionen geraten. Mit den dabei meisteingesetzten Mistel-Präparaten “Iscador” (Weleda) und “Iscucin” (Wala), werden Millionenumsätze erzielt. Es besteht hier die Gefahr, dass Menschen durch die Anthroposophische Medizin medikalisiert werden: Es wird ihnen ein (real nicht vorliegender) Krankheitsbefund unterschoben, der anschliessend therapiert wird.

Wer sich für eine Misteltherapie interessiert, sollte meines Erachtens auch wissen, dass die Anthroposophische Medizin Krebserkrankungen mit Deutungen belegt, die durchaus fragwürdig sind.

Rudolf Steiner sprach nach Aussagen von Johannes Hoffmann, dem früheren ärztlichen Leiter der „Lukas Klinik zur Behandlung Geschwulstkranker auf anthroposophischer Erkenntnisbasis“, in den späteren Jahren vom Krebs immer als von einer ahrimanischen Erkrankung. Und die Mistel „mit ihrer Fähigkeit, Entzündungen hervorzurufen, hat mindestens ebenso viele luziferische wie ahrimanische Anteile, wenn man das überhaupt so formulieren will.“

(Quelle: http://www.windstosser.ch/museum/manuskript/allgem_u_historisch/6_1.pdf).

Ahriman (6) und Luzifer sind zwei anthroposophische Widersachermächte.

Rudolf Steiner in einem Vortrag zum Thema Ahriman und Karzinombildung:

„Denn nehmen Sie einmal an, es gelingt den ahrimanischen Mächten, im menschlichen

physischen Körper einen Sieg zu erringen über die luziferischen Mächte, über diejenigen Mächte, die den Menschen ganz durchsetzen wollen mit dem, was nur an der Oberfläche in den Sinnen sein soll, dann verfällt der Mensch durch diesen Sieg der ahrimanischen Mächte in solche Erkrankungen, wie Geschwulstbildungen, Karzinombildungen oder Stoffwechselkrankheiten, wie Diabetes, Zuckerkrankheit.

Wenn irgendwo in einer physichen Menschennatur diese Krankheiten auftreten, dann hat Ahriman gegen Luzifer einen Sieg errungen, der aber damit verknüpft ist, dass die physische Natur des Menschen zeitweilig ruiniert ist. Dann taugt diese physische Natur dem Ahriman nicht dazu, die Instinkte, Triebe herauszureissen und sein eigenes Geschlecht daraus zu bilden. Daraus bekommen Sie eine vielleicht paradoxe, aber richtige Ansicht von der Krankheit. Sie ist in vielen Fällen das einzige Mittel der guten Mächte, den Menschen vor den Fängen von Ahriman zu retten.“

(GA 218, Vortrag 16. 11. 1922))

Es steht jedem Menschen frei, solche Geistergeschichten zu glauben, doch wäre es meines Erachtens aus Gründen der Transparenz wünschenswert, wenn die Anthroposophische Medizin die Voraussetzungen, von denen aus sie operiert, offen legen würde. Das gilt auch für einen zweiten zentralen Glaubenssatz der Anthroposophischen Medizin, der Überzeugung, dass Krankheit und Behinderung durch moralisches Versagen in einem früheren Leben verursacht werden. Diese Aspekte der Anthroposophischen Medizin müssten in der Öffentlichkeit diskutiert werden, wenn es um die Frage geht, ob dieser Ansatz von den Krankenkassen via Grundversicherung bezahlt werden soll.

Weiter Info:

Abstimmung Komplementärmedizin – kritische Fragen an Simonetta Sommaruga zur Förderung der Anthroposophischen Medizin

Komplementärmedizin-Abstimmung: Kritische Fragen zur anthroposophischen Medizin

Anthroposophische Pflege – offene Fragen

(6) Die Anthroposophie sieht in Ahriman ein Wesen, das in schädlicher Überspitzung des materialistisch-technischen Verstandes den Gegenpol zum rauschhaft schwelgenden, weltflüchtigen Luzifer bildet. Der Mensch müsse in sich mit Christi Hilfe die Mitte zwischen den beiden Wesen und deren Qualitäten halten.

Ahriman sei ein Geist, begabt mit einer die menschliche Fassungskraft übersteigenden, durchdringenden aber kalten Intelligenz, die er jedoch begierig in sich verschließe. Im Gegensatz zu Luzifer erscheine er daher als der Geist der Finsternis und der Widermächte, welcher der Menschenseele den Zugang zur seelisch-geistigen Welt verdunkeln und versperren möchte, um ihr Bewusstsein immer mehr an die physische Leiblichkeit zu ketten und einzuschränken.

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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