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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Pfefferminzöl als Appetithemmer?

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Die österreichische Zeitung „Die Presse“ hat kürzlich über Aromapflege berichtet.

Der Artikel ist ein gutes Beispiel für schlechten Journalismus – mit zahlreichen Fehlinformationen und leeren Behauptungen.

Schauen wir uns nur ein kurzes Zitat daraus genauer an:

„Und wer mit ätherischen Ölen abnehmen oder keinesfalls zunehmen will, wähle Pfefferminzöl. Dessen Duft soll appetithemmende Wirkung haben und kann zusätzlich die Gallenproduktion anregen, die für die Fettverbrennung verantwortlich ist.“

Quelle:

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/4630761/Aromapflege_Die-Therapie-der-Tropfen?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

1. Hat Pfefferminzöl als Duft eine appetithemmende Wirkung?

Nie gehört. Nie in der Phytotherapie-Fachliteratur davon gelesen.

Im Fachbuch „Aromatherapie“ von Wabner / Beier (Hrsg.) steht zu Pfefferminzöl:

„Erfahrungsheilkundliche Anwendungsgebiete: Pfefferminzöl kommt zur Anwendung bei Appetitlosigkeit, Mundgeruch, Zahnschmerzen, Muskelschmerzen, Asthma, Durchfall, Ohnmacht, Schock, Schwindel, Tuberkulose, Gelbfieber, Cholera.“

Diese Aufzählung ist zwar in den meisten Punkten sehr zweifelhaft (Tuberkulose! Cholera!…). Aber was steht denn da als erstes Anwendungsgebiet? Ausgerechnet Appetitlosigkeit! Dann müsste Pfefferminzöl ja appetitsteigernd wirken!

Die Behauptung, dass Pfefferminzöl appetithemmend wirkt, steht sehr im luftleeren Raum. Und wer eine solche exotische Behauptung in die Zeitung stellt, sollte genauer darlegen, wie die Aussage zustande kommt. Wer hat das wo, wann und wie festgestellt? Nur so kann man sich als Leserin oder Leser eine eigene Meinung bilden, ob die Aussage glaubwürdig ist.

2. Kann Pfefferminzöl-Duft die Gallenproduktion anregen?

Sehr unwahrscheinlich. Die Phytotherapie-Fachliteratur schreibt den Pfefferminzblättern bzw. dem Pfefferminztee eine Steigerung der Gallenproduktion zu, wobei für diese Wirkung vor allem Inhaltsstoffe verantwortlich sein sollen, die nicht flüchtig sind – die Phenolcarbonsäuren Chlorogen- , Kaffee- und Rosmarinsäure. Und was nicht flüchtig ist geht bei der Wasserdampfdestillation auch nicht ins ätherische Öl über.

Es spricht sehr viel dafür, dass mit dieser Aussage – Pfefferminzöl als Duft regt die Gallenproduktion an – ganz simpel Wirkungen des Pfefferminztees bei Anwendung im Verdauungstrakt auf die Anwendung von Pfefferminzöl als Duft übertragen worden sind.

3. Ist die Gallenproduktion für die Fettverbrennung zuständig?

Nein, das ist medizinisch total falsch. Die Gallenflüssigkeit trägt zur Fettverdauung bei. Mit der Fettverbrennung hat sie nichts zu tun.

Fazit:

– So viel Fragwürdiges in nur zwei Sätzen – das ist kaum zu übertreffen. „Die Presse“ sieht sich als Qualitätszeitung. Dieser Artikel erfüllt den Anspruch nicht.

– Niemals einfach glauben, was in den Medien und im Internet geschrieben wird. Sich zur Gewohnheit machen, kritische Fragen zu stellen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Anmassende Ratschläge für Kranke – leider kein seltenes Übel

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Wer krank ist, bekommt oft ungefragt Ratschläge jeder Art.

Ist jemand schwer krank oder gar unheilbar krank, werden die Ratschläge nicht selten eine Stufe aufdringlicher und aggressiver. Und sie sind häufig gekoppelt mit dem Vorwurf, dass die kranke Person halt selber schuld ist, wenn sie nicht auch noch Mittel X und Y probiert. „Die will ja gar nicht wirklich gesund werden“, lautet dann die mehr oder weniger durchscheinende Schlussfolgerung. Viele schwerkranke Menschen könnten ein Buch schreiben mit solchen Erfahrungen.

Melanie Schickedanz – selber an Myalgischer Enzephalomyelitis erkrankt – hat in „The Huffington Post“ die Ratschlaggeber in vier Typen unterteilt:

 

„Typ 1 – Die Person, die von etwas hört, nachfragt und wirklich helfen möchte“

Mit diesem Typ, schreibt Melanie Schickedanz, hat man als Erkrankter kein Problem.

Die folgenden Typen zählt sie zu den „schwierigen Mitmenschen“:

„Typ 2 – Die Person, die von etwas hört und einem erklärt, dass das hilft“

„Typ 3 – Vertreter von Produkten, die sich ihre Abnehmer im Bekanntenkreis und in den Medien suchen“

„Typ 4 – Der Scharlatan, der mit dem Leid und der Hoffnung kranker Menschen Geld scheffelt“

 

Quelle:

http://www.huffingtonpost.de/melanie-schickedanz/kranke-menschen-gepeinigt-scharlatane-gesundheits-vertreter_b_5521119.html?utm_hp_ref=gesundheit

Kommentar & Ergänzung:

Mir fällt auf, wie häufig solch anmassende Ratschläge aus dem Feld von Alternativmedizin / Komplementärmedizin / Naturheilkunde stammen.

Meinem Eindruck handelt es sich dabei nur in wenigen Fällen um Leute, die gezielt mit den Hoffnungen von Schwerkranken Geld scheffeln wollen und dabei genau wissen, dass sie den Patientinnen und Patienten Schrott andrehen.

Scheinbar fühlen sich hier aber sehr viele Leute kompetent mitzureden, die ganz offensichtlich kaum eine Ahnung haben. Und nicht wenige sind beseelt von einer Mission und 200% überzeugt von ihrem Wundermittel. Sie können einfach nicht anders, als die ganze Welt mit ihren lebensrettenden Botschaften zu beglücken. Das ist gar nicht so viel anders wie wenn Missionare den armen Heiden die frohe Botschaft aufoktroyieren wollen – und gar nicht fragen, ob diese auch gewünscht wird (ein Teil der Missionare hat da aber dazugelernt).

Langjährig penetrant sind in dieser Hinsicht esoterische Theorien, die jeder Krankheit als Ursache einen psychischen Defekt oder Konflikt unterstellen. Folgerichtig muss sich der Kranke nur ernsthaft genug mit sich auseinandersetzen, um gesund zu werden. Geht die Krankheit nicht weg, ist das ein Hinweis, dass der Kranke gar nicht gesund werden will. „Blame the victim“ heisst das auf Englisch.

Neben diesem esoterischen Dauerbrenner gibt es im Ratschläger-Sammelsurium immer wieder auch aktuellere Modeströmungen. Gegenwärtig sind in dieser Hinsicht gerade am aufdringlichsten die AnhängerInnen des Miracle Mineral Supplement (MMS) unterwegs. Mit ihrem angeblichen Wundermittel glauben sie AIDS, Krebs, Malaria, Tuberkulose, Lungenentzündung, Herpes, Autismus, Hepatitis, Borreliose etc, etc. heilen zu können. MMS ist eigentlich die Lösung aller Gesundheitsprobleme. Nur schon dieser grössenfantasiegeschwängerte Anspruch sollte stutzig machen.

Auch diese Welle wird aber vorbei gehen und durch ein neues Wundermittel ersetzt werden, weil es genug Leute gibt, die den Glauben an solche Wundermittel brauchen.

Um das klar zu stellen:

Ich schreibe diesen Kommentar nicht einfach aus einer Laune heraus, um mal wieder ein paar Seitenhiebe zu verteilen oder ein bisschen herumzunörgeln.

Mir ist es mit diesem Thema sehr ernst.

Die oft anmassende bis aggressive Art, wie Schwerkranken „gute“ Ratschläge aufgedrängt werden, halte ich für eine Form psychischer Misshandlung.

Zu MMS siehe:

BfArM veröffentlicht Warnung vor Miracle Mineral Supplement (MMS)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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BfArM veröffentlicht Warnung von „Miracle Mineral Supplement“ (MMS)

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„Miracle Mineral Supplement“ wird gemeinsam mit einer verdünnten Säure als Mittel etwa gegen Krebs, Malaria oder chronische Infektionen propagiert.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Berlin warnt in einer Pressemitteilung Patienten vor der Anwendung von Natriumchlorit als Arzneimittel.

Natriumchlorit werde derzeit verstärkt über Spam-E-Mail und unsichere Internet-Quellen unter dem Namen „Miracle Mineral Supplement“ (MMS) gemeinsam mit einer verdünnten Säure als Mittel gegen Krebs, Malaria, chronische Infektionen und weitere Krankheiten beworben, heisst es in der Mitteilung.

Das BfArM stellt klar, dass diese und vergleichbare Produkte mit Natriumchlorit als arzneilich wirksamer Bestandteil in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen sind.

Als Arzneimittel werden Produkte nur dann zugelassen, wenn ein behördliches Zulassungsverfahren zum Schluss kommt, dass ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis vorliegt. Aus Natriumchlorit und der verdünnten Säure entwickelt sich bei der MMS-Anwendung Chlordioxid, ein giftiges Gas, das auf Haut und Schleimhaut je nach Konzentration reizend bis ätzend wirkt. Die Anwendung von MMS kann zu erheblichen Gesundheitsgefahren führen.

http://www.bfarm.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/mitteil2014/pm08-2014.html

Kommentar & Ergänzung:

Na ja. Gesund ist Chlordioxid ganz sicher nicht. Die überwiegende Mehrzahl der Anwender wird MMS bei korrekter Anwendung allerdings ohne akute Nebenwirkungen vertragen. Unser Körper hält einiges aus.

Viel schlimmer finde ich die absurden Heilungsversprechungen, mit denen MMS propagiert wird. Wenn ein (angebliches) Heilmittel gleichzeitig Diabetes, AIDS, Malaria, Hepatitis, Borreliose, Tuberkulose, Autismus, Krebs, Demenz, Herpes und vieles weitere mehr heilen soll, dann müssten eigentlich alle Alarmglocken läuten. Dass ein solches Super-Wunderheilmittel vollkommen unrealistisch ist, sollte klar sein.

Hier werden Hoffnungen von Schwerkranken missbraucht.

Am interessantesten am Phänomen MMS ist die Frage, wie es dazu kommt, dass so viele Leute diese leeren Versprechungen für glaubwürdig halten.

Auf kritische Einwände reagieren MMS-AnhängerInnen in der Regel mit Beleidigungen, Unterstellungen und Verschwörungstheorien, statt mit Argumenten und Fakten. Das wird so sicher wie das Amen in der Kirche auch hier geschehen.

Siehe auch:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/mms-quacksalber-werben-auf-kongress-in-hannover-a-967307.html

http://news.doccheck.com/de/48042/miracle-mineral-supplement-chlorreichen-luegen/

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Malaria-Forschung: Afrikanische Heilpflanzen im Fokus

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Die überwiegende Mehrzahl der gegenwärtigen Malaria-Therapien basiert auf dem Wirkstoff Artemisinin, einem Pflanzenstoff, der in den Blüten und Blättern des Einjährigen Beifußes (Artemisia annua) vorkommt. Immer mehr Malaria-Parasiten sind jedoch resistent gegen Artemisinin.

Die Resistenz der Malaria-Parasiten gegen Artemisinin breitet sich in Südostasien immer stärker aus und einiges spricht dafür, dass sie auch Südamerika bereits erreicht hat. In Afrika könnte es in wenigen Jahren soweit sein, dass Artemisinin seine Wirksamkeit gegen Malaria-Parasiten verliert.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der Medizinischen Universität Wien und der Universität Ouagadougou in Burkina Faso erforschen in einem gemeinsamen Projekt Heilpflanzen aus der traditionellen afrikanischen Medizin, die bei Malaria eingesetzt werden.

Sie gehen davon aus, dass die Resistenzentwickklung in spätestens fünf Jahren soweit ist, dass es neue Medikamente braucht, die auf einem anderen Wirkstoff als Artemisinin basieren.

Aline Lamien Meda aus Burkina Faso, die an der Vetmeduni Vienna im Rahmen eines APPEAR-Projekts (Austrian Partnership Programme in Higher Education and Research for Development) an der Entwicklung eines Arzneibuchs traditioneller Malariamedikamente arbeitet, untersucht gemeinsam mit Harald Nödl, Malaria-Experte der MedUni Wien, rund 50 Pflanzen und Kräuter, die in der traditionellen afrikanischen Medizin bei Malaria angewendet werden, auf ihre Wirksamkeit und ihr mögliches Potenzial als Malaria-Medikament. Bei einigen dieser Kräuter sei bekannt, dass sie die Symptome der Malaria bekämpfen, nicht aber, ob sie den Malaria-Parasiten wirkungsvoll bekämpfen können, sagt Nödl.

Untersucht wird die Wirksamkeit im Labor an gezüchteten Malaria-Parasiten. Es sei zu erwarten, erklärt Nödl, dass nur eine Handvoll der untersuchten Pflanzen für eine sinnvolle, kommerzielle Verwendung in der Malaria-Therapie geeignet ist.

 

Täglich 2000 Malaria-Opfer

Täglich sterben rund 2000 Menschen an Malaria (total etwa 655 000 jährlich), einer Krankheit, die hauptsächlich mit Armut assoziiert ist. Die meisten Opfer fordert Malaria in Afrika und hier vor allem unter den Schwächsten, den Kindern. In den meisten Fällen verläuft die Krankheit ohne Komplikationen, wenn sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Kommt es allerdings zu Komplikationen, ist die Sterblichkeit nach wie vor extrem hoch. Malaria ist auch heute noch, hauptsächlich in Afrika, Asien und Lateinamerika, eine der häufigsten Todesursachen von Kindern unter fünf Jahren.

Quelle:

http://www.meduniwien.ac.at/homepage/news-und-topstories/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=4711&cHash=96e5436e4a284f425834c7d392f9807f

Kommentar & Ergänzung:

Die Malaria-Forschung verdient und braucht angesichts der weltweiten gesundheitlichen und ökonomischen Bedeutung dieser Krankheit hohe Priorität. Von Malaria sind vor allem arme Menschen betroffen, die über wenig Kaufkraft verfügen. Für Pharmakonzerne ist das kein attraktiver Markt. Ökonomisch lohnt es sich für diese Firmen viel mehr, in die Forschung zu investieren bei Krankheiten der Reichen, obwohl dies vergleichsweise weniger dringlich ist. Als Reaktion auf die mangelnde finanzielle Unterstützung der Malaria-Forschung hat Bill Gates 2005 angekündigt, dass er zu diesem Zweck 258,3 Millionen Dollar zur Verfügung stellen werde.

Zu Artemisinin siehe auch:

Malaria: Artemisia-Pflanze möglicherweise wirksamer als isoliertes Artemisinin

 

Heilpflanzen der traditionellen afrikanischen Medizin

Dass nun in Wien Malariapflanzen der traditionellen afrikanischen Medizin untersucht werden, ist sehr sinnvoll. Tradition irrt sich zwar auch oft – siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Doch gibt es immer wieder auch überzeugende Beispiele für Heilpflanzen-Anwendungen, die auf traditioneller Erfahrung basieren.

Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) mit seinem Inhaltsstoff Artemisinin gehört dazu.

Wenn nun traditionelle Heilpflanzen aus Afrika auf ihre Eignung zur Malariabehandlung untersucht werden, so bleibt zu hoffen, dass daraus nicht ein weiteres Beispiel für Biopiraterie entsteht. Unter Biopiraterie versteht man die kommerzielle Weiterentwicklung natürlich vorkommender biologischer Materialien, wie zum Beispiel pflanzliche Substanzen oder genetische Zelllinien, durch ein technologisch fortgeschrittenes Land oder eine Organisation ohne eine faire Entschädigung der Länder bzw. Völker, auf deren Territorium diese Materialien ursprünglich entdeckt wurden.

(Siehe Wikipedia-Artikel Biopiraterie)

Die schwierige Lage bezüglich Malariabehandlung – zum Beispiel die mangelnden finanziellen Ressourcen, die desolaten Gesundheitssysteme – schaffen ideale Bedingungen für Scharlatane aller Art, die simple Lösungen für anspruchsvolle Probleme anpreisen.

Forschung ist dazu ganz und gar unnötig. Es reicht Selbstüberschätzung, Verblendung und eine gehörige Portion Dreistigkeit. Beispiele dafür gibt es zuhauf: Manche Homöopathinnen und Homöopathen, die zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria Globuli empfehlen und damit Leben und Gesundheit von Menschen aufs Spiel setzen – zum Beispiel die unsäglichen „Homöopathen ohne Grenzen“, aber auch Jim Humbel mit seinem vermeintlichen Wundermittel MMS (Miracle Mineral Supplement), das neben Malaria gleich auch noch Krebs, Autismus, AIDS, Tuberkulose, Demenz und vieles andere mehr heilen soll – eine ziemlich grosse Aufgabe für ein Präparat, das ganz simpel aus dem Bleich- und Desinfektionsmittel Natriumchlorit besteht.

Siehe dazu auch:

Artikel zu Miracle Mineral Supplement im Verbraucherschutzportel Psiram.

Warnung vor Miracle Mineral Supplement (MMS) 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Der Weltuntergang 2012 nach dem Mayakalender – Kommentar zu einem irren Phänomen

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Ätzend, dieser Hype um den angeblichen Weltuntergang am 21. Dezember 2012 aufgrund angeblicher Vorhersagen eines Mayakalenders.

Ich habe mich gefragt, ob ich auch noch etwas dazu schreiben soll, oder ob es besser wäre, diesen esoterischen Blödsinn gar nicht zu beachten.

Interessant ist nicht die Frage, ob diese bescheuerte Prophezeiung wahr ist oder nicht – die Welt wird am 21. Dezember 2012 nicht untergehen.

Interessant ist vielmehr das Phänomen, wie solche Prophezeiungen konstruiert werden.

Unser Gehirn ist, wenn es auf „Welt“ trifft, ständig auf der Suche nach Ordnung und Zusammenhängen. Das ist auch bei vielen Tierarten schon so.

Besonders in unübersichtlichen Situationen neigt unser Gehirn dazu, auch dort Ordnung und Zusammenhänge zu sehen, wo gar keine sind.  Offenbar ziehen wir notfalls selbst konstruierte Ordnungen dem Chaos vor. Menschen,  die stark zu selbst konstruierten Zusammenhängen neigen, finden sich besonders häufig in den Bereichen der Esoterik und der Verschwörungstheorien. Das hat ganz einfach damit zu tun, dass diese Bereiche auf solchen Konstrukten basieren.

Stärker werden solche Konstrukte beispielsweise, wenn viele Menschen die selbst geschaffenen Ordnungen und Zusammenhänge einer passenden Führerperson übernehmen. Auf dieser Basis entstehen Sekten, Gurusysteme, fundamentalistische Ideologien, Verschwörungstheorien. Sie alle interpretieren die Welt entlang von forciert konstruierten Zusammenhängen und setzen ihre Interpretation absolut.

Rupert Lay hat dieses Phänomen prägnant beschrieben:

„In Situationen objektiver oder subjektiver Orientierungslosigkeit basteln wir Menschen oft die phantastischsten Theorien zusammen. Sie sind um so phantastischer, als sich der Grund oder die Erklärung eines Sachverhaltes oder einer Beziehung zwischen zwei oder mehreren Sachverhalten nicht gleich aus dem Repertoire des eigenen oder sozialvermittelten Lernens anbietet. Unser Vertrauen in die Richtigkeit dieser selbsterstellten Theorie ist nahezu unerschütterlich, und das um so mehr, je grösser der Aufwand bei ihrer Erstellung war und je sonderbarer sie ist. Informationen, die dieser Theorie widersprechen, führen in der Regel nicht zu Korrekturen, sondern zur weiteren Ausarbeitung und Verfeinerung der absurden Erklärung.“

(aus: Philosophie für Manager, Econ Verlag 1991)

Verschwörungstheorien, Weltuntergangs-Prophezeiungen und esoterische Konstrukte sind offenbar Phänomene, die ziemlich stark im menschlichen Hirn verwurzelt sind. Katzen produzieren wohl kaum solche Geschichten (wer weiss…?).

Erstaunlich ist es aber schon, dass  fast ohne reale Fakten, nur basierend auf konstruierten Zusammenhängen, ein solcher weltweiter Hype wie diese Weltuntergangs-Prophezeiung nach dem Mayakalender entstehen kann. „Maya“ genügt offenbar vielen Menschen als Qualitätslabel, das den Wahrheitsgehalt einer Behauptung bestätigt.

Für das Qualitätslabel „Maya“ spricht der Traditions-Bonus (Tradition hat bekanntlich immer Recht) und der Exoten-Bonus (Je exotischer, desto überzeugender – was man nicht kennt, eignet sich besser als weisse Leinwand für die Projektion eigener Wünsche und Bedürfnisse)…..

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Und schwup, schon übernehmen offenbar ganze Heerscharen ein irres Konstrukt, das nichts enthält als erhitzte Luft. Dabei ist diese Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung ja noch vergleichsweise harmlos. Gut, einige Leute verdienen sich daran wohl eine goldene Nase, wie das im Esoterikmarkt mit seinen überrissenen Margen halt so üblich ist. Und einige Leute steigern ihren Eso-Kultstatus, indem sie sich durch Einsicht in diese tiefen Zusammenhänge und in uralte Weisheiten von der breiten, unerleuchteten Masse abheben. Heikler wird es, wenn Menschen im Hinblick auf den bevorstehenden Weltuntergang ihr Haus verkaufen, den Job kündigen, ihre Beziehung aufgeben oder sich und ihre Kinder umbringen, um den Horror eines Weltuntergangs nicht miterleben zu müssen. Das sind alles ganz reale Begleiterscheinungen bisheriger Weltuntergangsszenarien. Wer solche Prophezeiungen weiterverbreitet, trägt dafür Mitverantwortung.

Wer sich detailliert für die Fakten rund um diese angeblichen Wahrsagungen des Mayakalenders zum Weltuntergang interessiert, findet alles dazu hier:

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/weltuntergang-2012-fragen-und-antworten.php

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), den ich sehr schätze, hat zur Wahrsagerei geschrieben:

„Vom Wahrsagen lässt sich wohl leben, aber nicht vom Wahrheit sagen.“

Wobei er aber wohl nicht eine absolute, zweifelsfreie Wahrheit gemeint hat, schreibt er doch auch:

„Wir irren allesamt, nur irret jeder anders.“

Faktenferne Konstrukte in der Politik

Richtig beunruhigend finde ich aber, dass vergleichbare Phänomene auch auf der politischen Ebene zu beobachten sind.  Bei Silvio Berlusconi beispielsweise – einem „exzellenten“ Verschwörungstheoretiker – liess sich sehr gut beobachten, dass seine Fantasien über hintergründige feindliche Einflüsse immer verstiegener wurden, je mehr er in Bedrängnis kam.

Konstruierte Zusammenhänge, die kollektive Bedeutung erlangten, waren aber auch zentral beteiligt am Hexenwahn (rund um den „Schadenzauber“) und im Sündenbocksystem der Nationalsozialisten (die Juden als Ursache für alles Übel). Wenn ich sehe, wie leicht und massenhaft Menschen auf diese Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung abfahren – ein leeres Konstrukt ohne Faktenbasis – dann scheint mir das vor allem aus gesellschaftspolitischer Sicht bedenklich..

Für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaftsform ist es unabdingbar, dass Bürgerinnen und Bürger den Willen und die Fähigkeit haben, angebotene Konstrukte auf ihren Faktengehalt hin abzuklopfen.

Die Überschwemmung mit esoterischen Konstrukten – wie beispielsweise dieser Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung – unterminiert meines Erachtens diese Fähigkeit und ist darum gesellschaftspolitisch schädlich.

Faktenferne oder faktenwidrige Konstrukte in der Komplementärmedizin

Faktenferne oder faktenwidrige Konstrukte spielen auch in der Komplementärmedizin eine grosse Rolle und werden vom Markt bestens aufgenommen. Faktenfreiheit ist dafür vielleicht sogar vorteilhaft. Ein gewisser Realitätsgehalt könnte auch dazu betragen, dass Konstrukte an der Erfahrung scheitern.

Dazu zwei Beispiele:

Borreliose-Behandlung mit Kardentinktur

Borreliose ist eine schwierig zu diagnostizierende und –  jedenfalls in späteren Stadien – schwer behandelbare Krankheit. Bei den späten Stadien der Borreliose kommt die Medizin an Grenzen (sie kommt immer wieder an Grenzen, weil selbstverständlich nicht alles machbar ist).

Jedenfalls kann Medizin in solchen Fällen meist keine Heilung versprechen, sondern allenfalls die Beschwerden lindern.

Wo die ganze Wissenschaft und Medizin weltweit an Grenzen stösst, weiss ein Buchautor die Lösung: Kardentinktur heilt Borreliose. Antibiotika sind unnötig und unwirksam. Unzählige Borreliosepatienten setzen ihre Hoffnung (vergeblich) auf Kardentinktur.

Endlich frei von „Schulmedizin“. Kultstatus für Wolf-Dieter Storl als Entdecker dieser natürlichen Behandlung. Schöne Umsätze für den AT-Buchverlag, der keine Skrupel hat, solche fahrlässigen Heilungsversprechungen zu vermarkten.

Wolf-Dieter Storl beschreibt, dass er vor vielen Jahren eine Wanderröte hatte (d. h.: er hatte offenbar Kontakt mit Borreliose-Erregern), sich mit Kardetinktur behandelte und immer noch gesund ist. Was Wolf-Dieter Storl verschweigt: Bei der grossen Mehrheit der Menschen, die Kontakt mit Borrelien haben, entwickelt sich auch ohne Behandlung keine Borreliose. Die Chance ist ausgesprochen gross, dass Storl zu dieser glücklichen Gruppe gehört. Nur eine kleine Minderheit erkrankt an Borreliose, sofern nicht im Frühstadium mit Antibiotika behandelt wird. Für diese kleine Minderheit ist die Antibiotika-Behandlung aber wichtig und die Behandlung mit Kardentinktur anstelle von Antibiotika fatal. Verpasst man nämlich die Antibiotika-Behandlung im Frühstadium, und die Krankheit entwickelt sich weiter, lassen sich die Borreliose-Erreger nur noch  schwer oder gar nicht mehr durch Antibiotika bekämpfen.

Die ganze Geschichte mit der Borreliosetherapie durch Kardentinktur basiert offensichtlich auf einer Fehlinterpretation der Storl’schen „Eigenheilung“  (ein Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss, siehe unten) und auf wunschbasiertem Denken.

Es handelt sich um ein faktenfernes Konstrukt mit hohem Risiko, wenn sich Menschen mit Wanderröte einzig darauf verlassen.

Mehr Details dazu hier:

Karde & Borreliosetherapie nach Storl

Miracle Mineral Supplement (MMS)

Ein Oxidations- und Reinigungsmittel, das in manchen Gegenden auch zur Trinkwasserchlorierung verwendet wir, soll gegen Malaria, Tuberkulose, Diabetes, Krebs, AIDS und vieles andere mehr helfen. Interessant ist hier, dass MMS auch gerne verwendet wird von Menschen, die aus Überzeugung Antioxidantien („Radikalfänger“) schlucken gegen freie Radikale. MMS entwickelt aber freie Radikale (Chlordioxid).

Auch hier haben wir es meines Erachtens mit einem faktenfreien Konstrukt zu tun.

Siehe auch:

Warnung: Miracle Mineral Supplement (MMS)

Faktenferne Konstrukte wie die Borreliose-Kardentinktur-Story und das Miracle Mineral Supplement werden jeweils gestützt durch zahlreiche Heilungsanekdoten. Dabei wird aber der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss nicht beachtet.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-procter-hoc-Fehlschluss

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Warum wir gesund werden

Jede Besserung wird also vorschnell und ungeprüft dem angewandten Mittel zugeschrieben. Placeboeffekt, Selbstheilung, temporäre Besserung im Verlauf chronischer Krankheit und andere mögliche Einflüsse werden ausgeblendet.

Es gibt einen ziemlich egozentrischen „Erfahrungsfundamentalismus“, der die eigene Erfahrung als Massstab unbezweifelbarer Wahrheit betrachtet. Dass die Interpretation der eigenen Erfahrung sehr komplex und mit vielfältigen Selbsttäuschungsmöglichkeiten behaftet ist, geht dabei völlig unter.

Wer um diese Selbsttäuschungsmöglichkeiten weiss wird bescheidener, setzt seine eigenen Erfahrung nicht mehr absolut und wird auch im Bereich Komplementärmedizin genau hinzuschauen und Heilungsversprechungen kritisch hinterfragen.

Und zu guter letzt:

Sollten dereinst Argumente auftauchen, die für eine Wirksamkeit von Kardentinktur bei Borreliose oder von Miracle Mineral Supplement sprechen (äusserst unwahrscheinlich, aber aus grundsätzlichen Überlegungen nicht mit letzter Gewissheit auszuschliessen), werde ich sie genau prüfen und nötigenfalls meine Ansichten modifizieren. Aber mit grossspurigen Geschichten allein kann man mich nicht überzeugen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Selbstbehandlung mit Heilpflanzen-Anwendungen

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Zum Thema Selbstbehandlung mit Heilpflanzen brachte die „Sprechstunde“ auf dradio eine interessante Aussage von Andreas Michalsen,  Internist und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Berliner Charité:

„Pflanzliche Arzneien, wie der Lavendel, werden in der Regel genutzt, ohne den Arzt oder Apotheker zu fragen. Diese ‚Selbstmedikation’ ist immer ein bisschen ambivalent, sagt Professor Michalsen, der auch Chefarzt am Zentrum für Naturheilkunde des Berliner Immanuel-Krankenhauses ist:

’Natürlich achten wir als Ärzte immer darauf zu sagen, man sollte, wann auch immer ein warnendes Symptom oder eine Beschwerde ausgeprägt ist, zum Arzt gehen, damit Schlimmeres nicht übersehen wird und damit kein Zeitverzug entsteht. Andererseits haben wir in Deutschland inzwischen ein anderes Problem, nämlich dass wir quasi überhaupt nicht mehr in der Lage sind, auch kleinere Befindlichkeitsstörungen ohne Arzt auszuhalten, und da ist die Pflanzentherapie sicherlich so: Die ist geeignet für die Selbstbehandlung, und da wird einfach der Mittelweg, der Königsweg noch ein bisschen zu beschreiben sein.’“

Quelle:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sprechstunde/1599331/

Kommentar & Ergänzung:

Tatsächlich sind heute viele Menschen nicht mehr in der Lage, kleinere Befindlichkeitsstörungen ohne Arzt auszuhalten oder sie mit einfachen Hausmitteln zu behandeln. Das trägt zur Überlastung des Gesundheitssystems bei und macht zudem abhängig vom Gesundheitssystem.

Andererseits gibt es auch zunehmend Menschen, die glauben, mit irgendeinem simplen Wundermittel alle Krankheiten heilen zu können. Ein Beispiel dafür ist Miracle Mineral Supplement (MMS), das angeblich gegen AIDS, HIV, Krebs, Diabetes, Malaria, Lungenentzündung, Herpes, Tuberkulose und alles Mögliche mehr helfen soll.

Phytotherapie kann hier ein gutes Angebot machen. Fundierte Heilpflanzen-Anwendungen fördern die Kompetenz, einfachere Beschwerden selber zu behandeln. Eine sorgfältige Phytotherapie weist aber auch wo nötig auf die Grenzen der Selbstbehandlung hin und vermeidet überrissene und grossspurige Heilungsversprechungen.

Wenn Sie sich aktuelles und fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben wollen, können Sie das im Heilpflanzenseminar

oder in der Phytotherapieausbildung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Homöopathische Grippeimpfung: Irreführende Versprechung

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In den letzten Grippeperioden stellte die Arzneimittelbehörde Swissmedic vermehrt fest, dass von Medizinal- und Fachpersonen nebst der “normalen“ Grippeimpfung eine “homöopathische Grippeimpfung“ empfohlen wurde. Solche Empfehlungen seien irreführend und für Risikopersonen gesundheitsgefährdend schreibt Swissmedic im Newsletter.

Aus Sicht von Swissmedic ist der Begriff „homöopathische Grippeimpfung“ irreführend. Homöopathische Präparate, welche zur Behandlung bestimmter Grippesymptome empfohlen werden, haben nichts mit einer herkömmlichen Impfung zu tun. Gemäss den Grundlagen der klassischen Homöopathie haben Homöopathika in der Regel keine vorbeugende Wirkung.

Sie sollten nach den homöopathischen Vorstellungen also eigentlich erst dann eingesetzt werden, wenn bestimmte krankheitsbezogene Symptome bereits in Erscheinung getreten sind (Auswahl entsprechend Simile- Regel und dem entsprechenden Arzneimittelbild durch eine Medizinal- oder Fachperson mit entsprechender Bewilligung)

Auf die beiden wichtigsten Homöopathika, welche fälschlicherweise teilweise auch von Medizinal- und Fachpersonen in Apotheken und Drogerien als „homöopathische Grippeimpfung“ verkauft werden, geht Swissmedic im Newsletter kurz ein:

„Influenzinum

Bei der Herstellung des homöopathischen Präparats Influenzinum bzw. Influenzinum Nosode wird in der Regel ein Grippeimpfstoff entsprechend den homöopathischen Vorschriften verarbeitet und schrittweise potenziert. Alle homöopathischen Influenzinum-Präparate, welche sich mit einer Swissmedic-Zulassungsnummer im Handel befinden, wurden gemäss der Komplementär- und Phytoarzneimittelverordnung ohne Indikation zugelassenen. Sie dürfen folglich nicht mit Angaben zur Indikation oder Dosierung beworben werden. Werbemittel, wie z. B. Inserate, Handzettel, Packungsbeilagen oder Abgabeständer, Thekensteller und Aufkleber, die diesbezügliche Angaben enthalten, sind unzulässig.

Dies gilt auch für die Influenzinum-Präparate, die sich aktuell noch im Rahmen der Übergangsbestimmungen in Verkehr befinden. Homöopathische Präparate, die ohne Indikationen zugelassen wurden, dürfen nur im Rahmen einer Individualtherapie durch eine entsprechende Medizinal- oder Fachperson gemäss dem passenden Arzneimittelbild empfohlen oder abgegeben werden.

Die Auslobung, die Bewerbung und der Verkauf von Influenzinum als ‚homöopathische Grippeimpfung’ ist folglich nicht zulässig.“

Neben „Influenzinum“ geht Swissmedic auch noch auf „Oscillococcinum“ ein:

„Oscillococcinum

Bei der Herstellung des Präparates werden Entenleber und –herz verarbeitet und entsprechend den homöopathischen Vorschriften schrittweise potenziert (Anas barbariae hepatis et cordis extractum 200K). Das Präparat ist gemäss Patienteninformation für folgende Anwendung zugelassen: ‚Gemäss homöopathischem Arzneimittelbild kann Oscillococcinum zur Vorbeugung einer Grippe, bei beginnenden grippalen Beschwerden sowie bei eingetretener Grippeerkrankung angewendet werden’. Der Verkauf von Oscillococcinum als ‚homöopathische Grippeimpfung’ durch die Vertriebsfirma oder durch den Detailhandel ist nicht zulässig. Diese Angabe deckt sich nicht mit der Zulassung durch Swissmedic. Sie suggeriert, dass das Präparat dieselbe Wirkung wie eine echte Grippeimpfung aufweist. Ein echter Grippeimpfstoff enthält jedoch bestimmte, von der WHO in jedem Jahr neu festgelegte, inaktivierte Influenza-Viren oder deren Bestandteile, löst eine spezifische Immunantwort mit der Produktion spezifischer Antikörper gegen diese Influenza-Viren aus und sorgt dadurch für eine spezifische Schutzwirkung. Oscillococcinum kann diese spezifische Immunantwort nicht auslösen. In der Patienteninformation zu Oscillococcinum wird indirekt auf diesen wichtigen Unterschied aufmerksam gemacht, indem Risikogruppen empfohlen wird, einen Arzt oder eine Ärztin zu konsultieren.“

Quellen:

Swissmedic Schweizerisches Heilmittelinstitut / Newsletter

http://www.sprechzimmer.ch/sprechzimmer/Pharmazeutika/Homoeopathische_Grippeimpfung_Irrefuehrend_und_risikobehaftet.php

Kommentar & Ergänzung:

Zu Influenzinum schreibt das Pharmawiki:

„Influenzinum 9CH (Globuli, Boiron SA) ist ein Arzneimittel aus der Gruppe der Homöopathika, das zur Vorbeugung der Grippe angewandt wird. Aus rational-naturwissenschaftlicher Sicht kann das Medikament nicht wirksam sein. Es handelt sich nicht um eine Impfung.“

Zu Oscillococcinum schreibt das Pharmawiki:

„Oscillococcinum® (Boiron SA) ist in Form von Globuli zu je 6 Dosen x 1 g im Handel. Das Mittel wurde nach dem 1. Weltkrieg vom französischen Arzt Joseph Roy erfunden. Er glaubte im Blut von Grippetoten sogenannte Oscillokokken entdeckt zu haben, die aus zwei Kugeln bestanden und rasch vibrierten. Die Existenz dieser Bakterien konnte später jedoch nie belegt werden. Was genau Roy unter dem Mikroskop sah, ist unbekannt – die Grippe wird bekanntlich von Influenzaviren verursacht, die im Lichtmikroskop unsichtbar bleiben. Oscillococcinum® ist in Frankreich sehr beliebt und gehört dort zu den meistverkauften Arzneimitteln.

Oscillococcinum® Globuli enthalten eine homöopathische Zubereitung der Leber und des Herzens der Ente Anas barbaria, im Jargon bezeichnet als Anas barbariae hepatis et cordis extractum 200 K. Biologisch ist der Speziesname falsch, gemeint ist eigentlich die Moschusente Cairina moschata (frz. Canard de Barbarie), die zur Gattung Cairina und nicht Anas gehört. Bestandteile der Tierorgane sind im fertigen Produkt aufgrund der 200fachen Verdünnung nach Korsakov mit keinem einzigen Molekül mehr enthalten: Die Globuli bestehen aus Zucker und Milchzucker. Gemässs homöopathischem Arzneibild haben die Wirkstoffe eine Art „Abdruck“ hinterlassen, der die Wirkungen vermitteln soll.“

Zu Oscillococcinum siehe auch:

Oscillococcinum gegen Schweinegrippe

Im Bereich Komplementärmedizin fehlt es weitgehend an verbindlichen Qualitätsstandards und Therapieleitlinien.  Daher ist es nicht so erstaunlich, wenn  die Empfehlungen immer wieder einmal ins Nebulöse oder Grenzenlose abtriften. Die Rede von der „Homöopathischen Grippeimpfung“ ist meines Erachtens eine Täuschung der Konsumentinnen und Konsumenten. Gefährlicher wird es, wenn in Entwicklungsländern Homöopathie zur Malariaprophylaxe, gegen AIDS, Tuberkulose oder Durchfall propagiert wird. Für die Wirksamkeit dieser Behandlungen gibt es keinerlei Belege. Bei solchen Erkrankungen handelt es sich aber um derart ernste Situationen, dass zugunsten der Kranken darauf bestanden werden sollte, dass ausschliesslich Heilmittel eingesetzt werden, deren Wirksamkeit belegt ist. Fragwürdige Organisationen wie die „Homöopathen ohne Grenzen“ machen meines Erachtens auf der Basis von Allheilphantasien Menschenversuche in Entwicklungsländern.

Siehe:

WHO-Warnung vor Homöopathie in Entwicklungsländern

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Marienkäfer-Wirkstoff tötet Malariaerreger

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Die Körperflüssigkeit des Asiatischen Marienkäfers wirkt antimikrobiell und kann dadurch erfolgreich Malaria- und Tuberkuloseerreger abwehren. Ob sich aus der Käfer-Hämolymphe ein Heilmittel für den Menschen herstellen lässt, ist noch offen.

Eine Substanz aus der Körperflüssigkeit des Asiatischen Marienkäfers bekämpft erfolgreich Malariaparasiten und andere Krankheitserreger. Das haben Gießener Wissenschaftler bei der Untersuchung der Körperflüssigkeit des Marienkäfers entdeckt, der sogenannten Hämolymphe. Die Forscher um Jochen Wiesner und Andreas Vilcinskas von der Fraunhofer-Projektgruppe Bioressourcen stellen ihre Laborversuche in den britischen „Biology Letters” vor.

Weltweit stirbt alle 30 Sekunden ein Kind an Malaria. Gemeinsam mit Tuberkulose und Aids zählt Malaria zu den häufigsten tödlichen Infektionen. Eine Malaria-Impfung steht nicht zur Verfügung und ist auch nicht in Sicht. Sehr problematisch ist, dass die Malariaparasiten gegen einst wirksame Medikamente mehr und mehr resistent geworden sind. Mediziner suchen deshalb dringend nach neuen Medikamenten gegen die Parasiten.

Bei dieser Suche stießen die Gießener Wissenschaftler auf den Asiatischen Marienkäfer, der in zahlreichen Gegenden der Erde als natürlicher Schädlingsbekämpfer eingeführt wurde und in Europa seither die einheimischen Siebenpunkt-Marienkäfer und Zweipunkt-Marienkäfer verdrängt. Der Erfolg des Einwanderers beruht nach Angaben der Wissenschaftler mindestens zum Teil darauf, dass seine Hämolymphe stark antimikrobiell wirkt und den Käfer so weniger anfällig für Krankheitskeime macht.

Die Forscher identifizierten die Verbindung Harmonin als zentralen antimikrobiellen Wirkstoff der Hämolymphe. In Laborversuchen tötete Harmonin sowohl den Tuberkuloseerreger Mycobacterium tuberculosis als auch den Malariaparasiten Plasmodium falciparum. Besonders überraschend sei dabei, dass auch die gegen gängige Malariamittel besonders widerstandsfähigen geschlechtlichen Stadien des Parasiten abgetötet worden seien, betonen die Forscher. Nur diese Stadien könnten im Darm der Anopheles-Mücke überleben und nach einem Stich die Infektion auslösen.

Sollte es gelingen, eine Arznei auf Harmonin-Basis zu entwickeln, könnten damit sowohl die ungeschlechtlichen Parasiten-Stadien aus dem Blut von Patienten entfernt, als auch durch das Abtöten der geschlechtlichen Stadien die Übertragung auf unifizierte Menschen verhindert werden, hoffen die Wissenschaftler. Allerdings sei Harmonin derzeit nur mit grossem Aufwand künstlich herzustellen – für die Produktion seien 30 komplizierte chemische Reaktionsschritte nötig. Die Forscher erhoffen sich eine einfachere Herstellung durch die gezielte genetische Umprogrammierung gewisser Bakterien. Zudem wirkte Harmonin in den Laborversuchen in antimikrobieller Konzentration auch toxisch für menschliche Zelllinien und bestimmte Zelllinien von Insekten. Wie der Marienkäfer dem Zellgift widersteht, ist noch ungeklärt.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Marienkaefer-toetet-Malaria-article4386071.html

Kommentar & Ergänzung:

Na, dass die wirksame Verbindung ausgerechnet „Harmonin“ heissen muss. Das tönt ja eher nach Wellness als nach Malaria.

Von einem einsatzbereiten und zugelassenen Medikament ist dieses Forschungsprojekt allerdings noch sehr weit entfernt.

Zudem ist es ein häufiges Ereignis in der Naturstoff-Forschung, dass eine Substanz im Labor starke Wirkungen zeigt, dass sie aber in therapeutischen Konzentrationen im menschlichen Organismus toxisch wäre und daher nicht eingesetzt werden kann.

Marienkäfer gehören zu den beliebtesten Insekten. Aber wussten Sie, dass die Familie der Marienkäfer in Europa mehr als 250 Marienkäferarten und –unterarten umfasst? Dabei kommen Arten vor mit  2, 4, 5, 7, 10, 11, 13, 14, 16, 17, 18, 19, 22 und 24 Punkten.

Inzwischen ist übrigens eine Malaria-Impfung zumindestens in Sicht:

„Impfstoff gegen Malaria in Reichweite. Hoffnung für Millionen Kinder: Ein Mittel gegen Malaria hat sich in einer Studie mit Schweizer Beteiligung als wirksam erwiesen. Es wäre der erste Impfstoff gegen die Tropenkrankheit. Der Wirkstoff namens RTS,S habe das Erkrankungsrisiko bei kleinen Kindern etwa halbiert, teilte das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK)….mit. An RTS,S wird seit Jahren geforscht, er galt schon länger als aussichtsreicher Kandidat für eine erste Impfung gegen Malaria überhaupt. Von März 2009 bis Januar 2011 waren über 15 000 Kinder aus sieben afrikanischen Ländern südlich der Sahara in die Phase-III-Studie einbezogen worden – der letzten klinischen Versuchsreihe vor einer möglichen Zulassung als Arzneimittel.

Die Studienergebnisse wurden vom «New England Journal of Medicine» veröffentlicht. Daran beteiligt war ein Team um Marcel Tanner, den Direktor des Schweizerischen Tropen- und Public-Health Institut (Swiss TPH), das der Universität Basel assoziiert ist.“

Quelle: http://www.20min.ch/wissen/gesundheit/story/27318024

Verlassen Sie sich übrigens nicht auf Malariaprophylaxe auf der Basis von Homöopathie, wie sie verantwortungsloserweise immer wieder propagiert wird Es gibt keinerlei auf nur einigermassen plausible Gründe dafür, dass eine solche Massnahme wirksam ist. Das gilt im übrigen auch für das angebliche Wundermittel Miracle Mineral Supplement (MMS).

Siehe:

Warnung: Miracle Mineral supplement (MMS)

Wenn Sie in ein Malariarisikogebiet reisen, machen Sie eine Malariaprophylaxe nach Stand des medizinischen Wissens.

Mit Malaria ist nicht zu spassen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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WHO schlägt Alarm wegen Antibiotikaresistenzen

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Immer mehr Bakterien entwickeln Antibiotikaresistenzen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt. Grund für diese gefährliche Entwicklung seien die zu häufige und allzu sorglose Anwendung von Antibiotika. «In Ermangelung dringender Korrektur- und Schutzmaßnahmen steuert die Welt auf ein post-antibiotisches Zeitalter zu, in dem viele gewöhnliche Infektionen nicht mehr geheilt werden und, noch einmal, unvermindert töten», erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan.

In den EU-Ländern sterben nach den Angaben der WHO-Europazentrale in Kopenhagen jährlich 25 000 Menschen durch Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien, die häufig bei Krankenhausbehandlungen entstanden sind. Im vergangenen Jahr wurden gemäss WHO rund 440 000 neue Tuberkulose-Fälle in fast 70 Ländern gemeldet, gegen die eine Vielzahl von Medikamenten unwirksam blieben.

Das Problem der Resistenzen ist aber nicht auf Bakterien beschränkt: Malaria-Parasiten würden immer widerstandsfähiger gegen die neusten Medikamente, und auch bei speziellen Medikamenten gegen HIV tauche das Problem immer öfters auf.

«Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt, weil die Resistenz gegen vorhandene Antibiotika beispiellose Ausmaße erreicht hat und neue Antibiotika nicht schnell genug bereitgestellt werden können», warnte die europäische WHO-Chefin Zsuzsanna Jakab. Die Organisation verlangt deshalb unter anderem von den einzelnen Staaten, den Arzneimitteleinsatz zu regulieren, sowie mehr Forschung.

Für die 53 Mitgliedsländer der WHO-Europaregion existiert keine gemeinsame Statistik über Todesfälle durch Antibiotikaresistenzen. Die Lage sei jedoch häufig «noch schlimmer» als in der EU, weil es in zahlreichen Staaten keine regulierte Anwendung antibiotischer Medikamente gebe.

Als Negativbeispiel erwähnt die WHO, dass Antibiotika in 14 von 21 osteuropäischen Ländern ohne ärztliches Rezept frei verkäuflich sind. Das würden unter anderem Landwirte nutzen, die ihren Tieren Antibiotika prophylaktisch verabreichten. Zahlreiche Ärzte würden Antibiotika außerdem «leichtfertig und unangemessen» zur Behandlung von Virus-Infekten wie Grippe und simplen Erkältungen verschreiben, obwohl diese gar nicht damit behandelt werden könnten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=4194&Nachricht_ID=37501&Nachricht_Title=Nachrichten_WHO+schl%E4gt+Alarm%3A+Die+Welt+ohne+Antibiotika&type=0&folder_id=37352

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin weit davon entfernt, ein fundamentalistischer Antibiotikafeind zu sein. Diese Medikamente sind zu wichtig für pauschale Feindbild-Spielchen.

Gerade wer den Wert dieser Arzneimittelgruppe erkennt muss aber tief besorgt sein über die gegenwärtige Entwicklung. Und es scheint, dass auch die seit vielen Jahren ertönenden Warnungen vor dem unkontrollierten Antibiotika-Einsatz ohne grosse Wirkung verpuffen.

Nötig wären schärfere Regeln und Kontrollen  in der Landwirtschaft, in der Veterinärmedizin und in der Humanmedizin.

In Teilbereichen, in denen Antibiotika weder nötig noch sinnvoll sind, könnten auch Heilpflanzen-Präparate als Alternative eine Rolle spielen.

Allerdings haben wir es hier mit einem weltweiten Problem zu tun.

Ich bin oft in China unterwegs und bin immer wieder entsetzt, wie dort ziemlich routinemässig Antibiotika ohne Rezept in Apotheken verkauft werden bei Indikationen, die einfach unsinnig sind. Eine sorgfältige Diagnostik muss Basis jeder Antibiotika-Therapie sein.

Das ist allerdings wohl nicht so einfach realisierbar in Ländern, in denen grosse Teile der Bevölkerung sich eine ärztliche Behandlung nur im Notfall leisten können.

Es ist daher sehr zu begrüssen, dass die WHO das Thema Antibiotikaresistenzen mit Nachdruck auf die Traktandenliste setzt.

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