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ADHS: Wirkungen und Risiken von Ritalin weiter unklar

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Die größte Metastudie zu Methylphenidat zeigt insbesondere Lücken und fehlendes Wissen.

Schlechte Daten und zahlreiche Nebenwirkungen: Wie gut der Ritalin-Wirkstoff Methylphenidat wirklich gegen ADHS hilft, bleibt auch weiterhin ungeklärt.

Die bisher umfangreichste Metastudie bestätigt nämlich insbesondere die Vielzahl der Nebenwirkungen. Wegen extrem schlechter Qualität der bisherigen Studien sei jedoch weder das Ausmaß der günstigen Effekte noch das Risiko für schwerwiegende Folgen einzuschätzen, so die Wissenschaftler der Cochrane Collaboration. Sie legen den Ärzten daher besondere Vorsicht nahe bei der Verschreibung des Wirkstoffs.

Bei Kindern und Jugendlichen ist die Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung ADHS inzwischen die häufigste psychische Störung – etwa fünf Prozent von ihnen sind davon betroffen. Um die Symptome dieser Störung zu lindern, erhalten zahlreiche ADHS-Betroffene den Wirkstoff Methylphenidat verschrieben, der unter dem Markennamen Ritalin bekannt ist. Doch dieses mit Amphetaminen verwandte Präparat greift tief in den Hirnstoffwechsel ein – und verursacht deshalb auch akute Nebenwirkungen.

Längerfristige Folgen von Ritalin unklar

Welche Folgen die Einnahme von Ritalin und Co insbesondere längerfristig hat, ist bisher zum grossen Teil unklar. Einige Untersuchungen deuten auf verstärkte Schlafprobleme und Appetitlosigkeit durch Methylphenidat hin. Bei Ratten löst dieser Wirkstoff bei Einnahme im Jugendalter sogar bleibende Defizite in der Lernfähigkeit und Plastizität des Gehirns aus, wie Wissenschaftler entdeckten.

Um diese ungewisse Situation zu klären hat nun die Cochrane Collaboration die bisher umfangreichste Metaanalyse zu Methylphenidat bei ADHS durchgeführt. Die Wissenschaftler um Ole Jakob Storebø von der Universität von Süddänemark werteten dafür 185 randomisierte Studien aus, an denen insgesamt über 12.000 Kinder und Jugendliche teilgenommen hatten. Neben den Resultaten zu den Nebenwirkungen und Folgen prüften die Forscher dabei auch die Qualität der Studien.

Wenig harte Belege für die Wirkung von Ritalin & Co

Das Resultat der Metastudie deutet darauf hin, dass Methylphenidat zumindest gegen die Symptome der ADHS zu wirken scheint – wenn auch nicht überzeugend stark.

Die Mehrheit der ausgewerteten Studien kam zwar zum Schluss, dass sich durch Methylphenidat das Verhalten und die Lebensqualität der Kinder verbesserten. Durchschnittlich bewirkte die Behandlung aber nur eine Besserung um 9,6 Punkte auf der 72-stufigen ADHS-Skala, wie die Wissenschaftler schreiben.

Das ist nicht viel, denn eine Veränderung von 6,6 Punkten gilt als das Minimum, ab dem überhaupt eine Wirkung zugesprochen wird.

Hinzu komme, wie die Cochrane-Wissenschaftler betonen, dass die niedrige Qualität der zugrundeliegenden Belege bedeute, „dass wir nicht sicher sein können, wie groß dieser Effekt tatsächlich ist“.

Auch Koautorin Camilla Groth von der dänischen Herlev Universitätsklinik sagt:

„Unsere Erwartungen an diese Therapie sind wahrscheinlich größer als sie sein sollten.“

Die Forscher vermuten, das diese Behandlung zwar einigen Kindern helfen könnte. Sie können aber nicht sagen, bei welchen das der Fall sein wird.

Nebenwirkungen von Methylphenidat wahrscheinlich unterschätzt

Ähnlich präsentiert sich die Lage bei den Nebenwirkungen: Die Metaanalyse bestätigte, dass Kinder, die mit Ritalin behandelt werden, 60 Prozent öfter unter Schlaflosigkeit und 266 Prozent öfter unter Appetitstörungen leiden. Ebenso treten Kopfschmerzen, Zwangshandlungen, Ticks und obsessives Grübeln bei Gabe von Methylphenidat vermehrt auf, wie die Wissenschaftler feststellten.

Schwere Nebenwirkungen wie Psychosen, Infekte oder Ohnmachten sollen dagegen nicht häufiger vorkommen.

Nur neun von 185 Studien gaben jedoch überhaupt an, ob es schwere Nebenwirkungen gegeben hatte. Daher können die Forscher nicht ausschließen, dass die negativen Folgen schlimmer sind als sie berichten.

Eine bereits begonnene zweite systematische Metaanalyse deute jedenfalls darauf hin, dass durchaus schwere Nebenwirkungen bei Ritalingabe auftreten können. In einem Fall erhöhte sich sogar das Risiko für plötzliche Todesfälle bei Jugendlichen, berichten die Wissenschaftler.

Langzeitfolgen weiterhin ungenügend geklärt

Bei den nun ausgewerteten Studien bekamen die Kinder und Jugendlichen maximal sechs Monate lang Methylphenidat, oft aber auch deutlich kürzer.

Belege für die Langzeit-Effekte von Methylphenidat auf Kinder und Jugendliche mit ADHS fehlen, stellen die Forscher fest. Es sei gut möglich, dass die positive Wirkung bei längerer Einnahme zurückgehe und das Risiko für schädliche Folgen steige.

Wenn man die tatsächlichen Wirkungen der Ritalin-Therapie bei ADHS einschätzen wolle, brauche es dringend besser entworfene und längere Studien.

Die Forscher sprechen ein konkretes Qualitätsproblem vieler Studien an: Bei den meisten Methylphenidat-Studien sei es trotz Verblindung möglich, zu erkennen, ob ein Kind zur Therapie oder zur Kontrollgruppe gehört – nur schon aufgrund der enorm häufigen Nebenwirkungen. Wenn aber die behandelten Kinder, ihre Eltern oder die verschreibenden Ärztinnen und Ärzte erkennen, wer das Medikament bekommt und wer das Placebo, dann verfälscht das die Ergebnisse.

Verschreibung von Ritalin & Co. gut abwägen

Aufgrund der Ergebnisse ihrer Metastudie empfehlen die Forscher den Ärzten, bei der Verschreibung von Methylphenidat sehr vorsichtig zu sein. Sie sollten die schlechte Qualität der Daten berücksichtigen, die Behandlung sehr sorgfältig überwachen und die Vorteile und Risiken gut abwägen.

ADHS-Betroffenen raten die Wissenschaftler allerdings dringend davon ab, Ritalin nun eigenmächtig abzusetzen. Bevor sie einen solchen Schritt tun, sollten Patienten und ihre Eltern dies unbedingt mit ihrem Arzt besprechen.

Es könne auch gute klinische Gründe geben, eine solche Behandlung fortzusetzen, wenn ein Kind oder Jugendlicher gute Erfahrungen mit Methylphenidat gemacht hat und keine Nebenwirkungen erfährt.

(Cochrane Database of Systematic Reviews, 2015; doi: 10.1002/14651858.CD009885.pub2)

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19568-2015-11-25.html

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD009885.pub2/abstract;jsessionid=C0148E7D718051EEAC110C1A03556B2C.f03t01

Kommentar & Ergänzung:

Rund um den Einsatz von Ritalin werden heftige Auseinandersetzungen geführt, wobei sich nicht selten ein Pro- und ein Contra-Lager ziemlich unversöhnlich gegenüber stehen.

Wahrscheinlich sind Extrempositionen nicht hilfreich und es spricht viel dafür, ein Medikament wie Ritalin nur in sehr gut begründeten Fällen einzusetzen, aber auch nicht total zu Verteufeln.

Erstaunlich ist aber schon, dass die renommierte Cochrane Collaboration die Datenlage als derart schlecht einstuft und die Langzeitfolgen derart schlecht geklärt sind. Das ist eine ziemlich harte Kritik.

Es gibt ja immer wieder einmal Kritik an den wissenschaftlichen Belegen zur Wirksamkeit von Heilpflanzen und wer sich mit Phytotherapie befasst, sollte sich damit auseinandersetzen.

Aber wie das Beispiel Ritalin zeigt, gibt es auch scheinbar etablierte synthetische Medikamente, bei denen die wissenschaftlichen Belege durchaus fragwürdig sind.

ADHS ist aber auch ein schwieriges Thema – mit einem Dschungel von Ratschlägen, deren Qualität oft nur schwer zu durchschauen ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Aspirin (ASS) : Vorteil zur Krebsprävention unklar

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„Die regelmässige Einnahme von Aspirin über längere Zeit senkt das Risiko für verschiedene Arten von Krebs – für Darmkrebs sogar um 40 Prozent.“ – Das schreibt die Zeitung „Schweizerbauer“.

Quelle:

http://www.schweizerbauer.ch/vermischtes/allerlei/erbgut-aspirin-bremst-alterung-16952.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Schlagzeilen und Meldungen dieser Art sind mir in letzter Zeit häufiger aufgefallen.

Was nun? – Ab in die Apotheke und Aspirin-Grosspackungen kaufen für die Langzeit-Krebsprophylaxe?

So eindeutig ist die Sache nicht.

Das Portal „medizin-transparent“ stellt den Stand des Wissens differenziert dar:

Die tägliche Einnahme von Aspirin (ASS, Acetylsalicylsäure) über mehrere Jahre scheint das Risiko, an Krebs zu sterben, tatsächlich etwas vermindern zu können. Allerdings erhöht sich dabei das Risiko für starke innere Blutungen und Magenbeschwerden.

Die Risikoreduktion besteht allerdings nur für sogenannte Adenocarcinome, bestimmte Krebswucherungen, die sich aus Drüsengewebe entwickelt haben. Hauptsächlich Todesfälle durch Dickdarmkrebs und Speiseröhrenkrebs scheinen durch die Einnahme von ASS etwas seltener aufzutreten.

Allerdings muss die Einnahme von ASS täglich über mindestens vier bis fünf Jahre geschehen, damit sich ein solcher Schutzeffekt zeigt. Wird das Arzneimittel nur jeden zweiten Tag eingenommen, scheint es möglicherweise zu keiner Reduktion des Krebsrisikos mehr zu kommen.

Die Langzeiteinnahme von Aspirin kann bekanntlich ernsthafte Nebenwirkungen verursachen. ASS greift den Magen an, was Magenirritationen und Magenblutungen zur Folge haben kann. Zudem vergrössert der Wirkstoff das Risiko für schwere innere Blutungen wie etwa im Darm oder im Gehirn. Ob der geringe Vorteil, den die langfristige Aspirin-Einnahme für die Krebsvorbeugung hat, die Nachteile bezüglich Risiken und Nebenwirkungen überwiegt, ist gemäss „medizin-transparent“ fraglich.

Medizinische Wissenschaftler des britischen Nationalen Gesundheits-Service NHS raten deshalb von einer täglichen Einnahme von Aspirin bzw. Acetylsalicylsäure selbst in geringer Dosierung ab, wenn dies nicht ausdrücklich von einem Arzt verschrieben wurde.

Quelle & weitere Infos zum Thema:

http://www.medizin-transparent.at/vorteil-von-aspirin-ass-im-kampf-gegen-krebs-unklar#more-2117

Der Text im „Schweizerbauer“ basiert auf einer Pressemitteilung der Universität Basel. Dort erforscht eine Arbeitsgruppe, wie die krebshemmende Wirkung von ASS genau zustande kommt. Einer der beteiligten Forscher betont ebenfalls, noch sei es zu früh, um Aspirin ohne Rücksprache mit dem Hausarzt nur zum Zweck der Krebsprävention einzunehmen, weil Aspirin auch zu schweren Nebenwirkungen wie etwa Magen-Darm-Blutungen führen könne.

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Leinsamen als Blutdrucksenker?

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Eine Ernährung reich an Leinsamen soll gemäss einer Studie den Blutdruck senken.

Leinsamen enthält einen hohen Anteil an gesunden Omega-3-Fettsäuren, vor allem Alpha-Linolensäure, sowie Ballaststoffe und Lignane, die eine potente Kombination zur Erhaltung der Herzgesundheit sein könnten. Hauptsächlich für Patienten mit hohem Blutdruck (Hypertonie) und Arteriosklerose – eine Kombination, die oft schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall auslöst, könnten von der gefäßerweiternden Wirkung einer gesunden Ernährung mit Leinsamen Vorteile erlangen.

Forscher untersuchten nun im Rahmen einer Doppelblindstudie (FLAX-PAD-Studie), ob der tägliche Konsum von 30 g geschrotetem Leinsamen über einen Zeitraum von sechs Monaten den Blutdruck von Arteriosklerose-Patienten reduzieren kann. Gut die Hälfte der 110 Testpersonen verzehrte täglich Nahrungsmittel, die jeweils 30 g Leinsamen enthielten. Der Ernährungsplan enthielt unter anderem Bagels, Muffins, Riegel, Brötchen, Pasta und Biskuits. Die andere Hälfte der Probanden nahm die gleichen Nahrungsmittel zu sich, die aber kein Leinsamen, sondern geschroteten Weizen enthielten. Im Verlauf der Studie wurden die Probanden angehalten, wegen einer möglichen Verzerrung des Resultate nicht mehr als zwei Fischmahlzeiten pro Woche zu sich zu nehmen. Die Befolgung dieser Vorgabe durch die Testpersonen wurde regelmäßig durch die Untersuchung des Blutplasmas auf Docosahexaensäure, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure, überprüft.

Nach sechs Monaten zeigten die Messungen, dass der obere (systolische) Blutdruck in der Leinsamen-Gruppe im Mittel signifikant von 143 auf 136 mm Hg vermindert war, während die Werte sich in der Placebo-Gruppe sogar leicht erhöht hatten (von 142 auf 146 mm Hg). Auch hinsichtlich des unteren (diastolischen) Blutdrucks profitierten die Probanden in der Interventionsgruppe vom täglichen Konsum Leinsamen-haltiger Lebensmittel (Reduktion um rund 10 %). Bei den Probanden der Placebo-Gruppe veränderten sich diese Werte so gut wie nicht.

Der Studienleiter Dr. Rodriguez schlussfolgert, dass durch die Anreicherung des täglichen Lebensmittelverzehrs mit 30 g Leinsamen die Hälfte der Schlaganfälle und ein Drittel der Herzinfarkte vermeidbar wären.

Verantwortlich für die blutdrucksenkende Wirkung des Leinsamens machen die Forscher das synergistische Zusammenspiel der Wirkkomponenten Alpha-Linolensäure, Enterolignan, Ballaststoffe und Peptide. Den genauen Wirkmechanismus, die langfristigen Effekte und Vorteile einer mit Leinsamen angereicherten Ernährung für die Herzgesundheit müssen allerdings in weiteren Studien noch genauer untersucht werden.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/blutdrucksenker-leinsamen.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24126178

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21616170

Kommentar & Ergänzung:

Einen „ausgewachsenen“ Bluthochdruck wird man mit einer Leinsamen-Supplementation kaum unter Kontrolle bringen und Blutdrucksenker nicht vermeiden können. Nicht auszuschliessen wäre aber, dass sich über längere Zeit eingenommen damit eine Blutdrucksenkung erzielen lässt, die eine Reduktion der Medikamente möglich macht.

Auch bei einer grenzwertigen Hypertonie könnte eine Leinsamen-Zulage sinnvoll sein.

Wenn der Studienleiter schlussfolgert, mit 30 g Leinsamen pro Tag könnten ein Drittel der Herzinfarkte und die Hälfte aller Schlaganfälle vermieden werden, dann scheint mir das sehr optimistisch und es wäre wohl eine Nobelpreis-würdige Entdeckung, wenn es wirklich so wäre.

Schlussfolgern ist hier einfach, belegen schwierig.

Einen (Blutdruck-)Messwert zu verändern mag ja schön und gut sein. Entscheidender wäre aber der Zielpunkt, dass weniger Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall auftreten. Um so etwas zu belegen, müsste die Studie aber wohl deutlich länger andauern und mit einer deutlich grösseren Probandenzahl durchgeführt werden.

P. S. Wenn Sie die positiven Wirkungen von Leinsamen auf den Blutdruck nutzen möchten, müssen Sie – wie in der Studie – geschrotete Leinsamen verwenden. Aus ganzen Leinsamen werden keine Omega-3-Fettsäuren in den Organismus aufgenommen.

Aus geschroteten Leinsamen werden zudem Phytoöstrogene aus der Gruppe der Lignane aufgenommen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Verstärken Fieber-Medikamente Grippewellen?

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Fiebersenkende Medikamente werden in grosser Menge konsumiert. Beispiele sind Acetylsalicylsäure (Aspirin®) und Paracetamol (z. B. Dafalgan®). Sie sind häufig auch in Kombinationspräparaten enthalten, die bei Erkältungen eingesetzt werden (z. B. NeoCitran®, Pretuval®, Vicks MediNait®). Solche Kombinationspräparate enthalten mehrere sich ergänzende Wirkstoffe und werden von Fachleuten unter anderem aufgrund des erhöhten Risikos für unerwünschte Wirkungen und für Interaktionen mit anderen Medikamenten umstritten, während sie bei den Patienten sehr beliebt sind. Eine Studie aus Kanada nimmt nun unerwünschte Folgen dieser Medikamente auf die Grippe-Ausbreitung unter die Lupe.

Eine Grippe zwingt Patientinnen und Patienten meist ins Bett – es sei denn, die Betroffenen unterdrücken ihre Symptome mit fiebersenkenden Medikamenten. Für die Ausbreitung der Infektion könnte das allerdings problematische Folgen haben, schreiben Forscher aus Kanada.

Fieber-Medikamente verstärken laut Wissenschaftlern aus Kanada möglicherweise die jährlichen Grippe-Epidemien.

Weil durch sie mehr Viren überleben und der Kontakt der Erkrankten zu Mitmenschen verlängert wird, können sie möglicherweise die Zahl der Infektionen um rund fünf Prozent erhöhen und zu Tausenden von Toten führen. Zu diesem Schluss kommen kanadische Mathematiker in den „Proceedings B“ der britischen Royal Society.

Die Wissenschaftler um David Earn von der McMaster University in Hamilton berücksichtigten für die Analyse Daten vergangener Influenza-Epidemien sowie Resultate medizinischer Studien zur Grippe.

Für ihre Berechnungen gingen die Forscher davon aus, dass die in zahlreichen Grippe-Medikamenten enthaltenen fiebersenkenden Substanzen auch unerwünschte Folgen haben:

Sie hemmen die natürliche Funktion des Fiebers, das Wachstum von Bakterien und Viren zu verlangsamen und das Immunsystem wirksamer arbeiten zu lassen. Zudem dämpfen Erkrankte ihre Symptome mit Fiebersenkern und kehren dadurch oft früher an ihren Arbeitsplatz, in die Schule oder allgemein in die Öffentlichkeit zurück.

Die Fieber-Medikamente steigern so die Wahrscheinlichkeit, dass die Grippekranken aktive Viren an andere weitergeben und die Epidemie so verstärken. Das Team um David Earn kommt zum Schluss,  dass Fiebersenker (Antipyretika) jährlich möglicherweise fünf Prozent mehr Infizierte zur Folge haben. Was allein in Nordamerika mehr als 1000 zusätzliche Todesfälle bedeute.

Die Wissenschaftler geben aber zu bedenken, dass die Statistik noch sehr ungenau sei und möglicherweise nur einen Mindestwert zeige.

Um die tatsächlichen Folgen von Fieber-Medikamenten herauszufinden, seien gezielte epidemiologische Studien nötig.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Fieber-Medikamente-verstaerken-Grippewellen-article12116481.html

http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/281/1778/20132570

Kommentar & Ergänzung:

Zwar handelt es sich bei dieser Studie nur um mathematische Berechnungen. Die Grundannahmen sind aber durchaus plausibel.

Fieber-Medikamente können in manchen Situationen zweifellos ihren Nutzen haben. Die Ergebnisse dieser Studie weisen aber deutlich auf die wunden Punkte dieser Präparate hin.

Daraus folgt meines Erachtens ein weiterer Hinweis darauf, dass alte Hausmittel wie Essigsocken und Lindenblütentee eben sehr wohl ihren Sinn haben, auch wenn es dazu mangels Sponsoren keine relevanten Studien gibt.

Unabhängig von ihrer Wirksamkeit handelt es sich bei ihnen jedenfalls um eine risikofreie Bewältigungsstrategie.

Siehe auch:

Lindenblüten aktivieren Immunsystem

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Lebensstiländerungen können Bluthochdruck senken

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Die österreichische Zeitung „Der Standard“  hat einen Artikel veröffentlicht zum Thema Bluthochdruck. Der Beitrag geht auch auf die positiven Wirkungen von Lebensstiländerungen ein.

Zum  Thema Bewegung empfehle die Europäische Leitlinie zur Behandlung von Bluthochdruck:

„Mindestens 30 Minuten an fünf bis sieben Tagen der Woche spazieren zu gehen, zu schwimmen, Rad zu fahren oder zu joggen….So ein aerobes Ausdauertraining kann den oberen Blutdruckwert um 6,9 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) senken. Medikamente drücken den Wert um 8 bis 10 mmHg.“

Die Leitlinie rate zudem, mit dem Rauchen aufzuhören und Übergewicht zu reduzieren. Jedes Kilo Übergewicht weniger senke den oberen Druckwert um 2 mmHg, sagt  dazu Thomas Lüscher, Chef-Kardiologe am Universitätsspital Zürich.

Gut belegt sei auch der günstige Effekt einer mediterranen Ernährung mit viel Gemüse und Obst, Olivenöl statt tierischer Fette, kaum Fleisch und mäßig Alkohol. Man müsse nicht wie ein Mönch leben, aber wenn man gestresst sei, ungesund esse und wenig Sport treibe, seien die Gefäße am Limit, sagt Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus in Berlin und Professor für Naturheilkunde an der Charité. Schlanke Menschen, die regelmässig Sport treiben, bräuchten beim Essen weniger vorsichtig sein, den ihre Blutgefässe seien gesünder.

Michalsen empfiehlt eine vegetarische Ernährung. Das senke nicht nur den Blutdruck, sondern schütze auch die Niere vor möglichen Schäden.

Schokolade in Maßen sei für Bluthochdruckpatienten im übrigen durchaus erlaubt. Vor allem dunkle Schokolade enthalte den blutdrucksenkenden Inhaltsstoff Epicatechin

Andere blutdrucksenkende Nahrungsmittel seien Hibiskus- und Grüntee, Roter-Rüben-Saft, Soja-Nahrungsergänzungsmittel oder Olivenblätterextrakt.

Allerdings sei bisher nicht geklärt, wie lange der Effekt solcher naturheilkundlicher Massnahmen anhalte. Eine wirksame Therapie sollte den Blutdruck nicht nur zu einem beliebigen Zeitpunkt senken, sondern auch langfristig Komplikationen vermeiden, sagt Michael Wolzt von der Bluthochdruck-Ambulanz am AKH Wien. Bei Medikamenten sei dies klar belegt, während bei der Naturheilkunde keine Langzeitstudien mit solchen Ergebnissen vorliegen.

Michalsen entgegnet auf diesen Einwand, dass es für solche Untersuchungen leider keine Milliarden an Forschungsgeldern gebe, wie sie die Pharmaindustrie für Arzneimittelstudien bereitstellt. Daher gehe die Forschung nur schleppend voran.

Quelle:

http://derstandard.at/1381369307866/Bluthochdruck-Den-Druck-aushalten

Kommentar & Ergänzung:

In diesem Artikel werden klassische Ansätze der Naturheilkunde empfohlen wie Bewegung, Ernährung und Heilpflanzen. Das ist erfreulich.

Siehe auch:

Lebensstil ändern senkt Bluthochdruck ohne Medikamente

Es spricht viel dafür, dass bei leicht erhöhtem Blutdruck Blutdrucksenker oft unnötig und oft unwirksam sind. Ob auf sie verzichtet werden soll und kann, hängt aber von einer Gesamtbeurteilung des Risikos ab, für die eine fundierte medizinische Diagnostik und Beratung nötig ist.

Siehe dazu:

Leicht erhöhter Blutdruck: Medikamente oft unnötig und oft ohne Wirkung

Gemäss diesem Bericht hat es bei leicht erhöhtem Blutdruck keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Herzinfarkt, Schlaganfall und Todesfällen, ob die Patienten Blutdrucksenker schlucken oder nicht.

Das unterstreicht die Wichtigkeit von Lebensstil-bezogenen Massnahmen.

Klar ist zudem, dass bei einem „ausgewachsenen“ hohen Blutdruck naturheilkundliche bzw. phytotherapeutische Massnahmen nicht ausreichen, und dass in solchen Situationen synthetische Blutdrucksenker im Zentrum stehen.

Aus der Perspektive der Pflanzenheilkunde finde ich Hibiskus (Karkadetee) und Rote-Beete-Saft (in der Schweiz = Randensaft) am interessantesten.

Siehe dazu:

Karkadetee senkt systolischen Blutdruck um 13 mmhg

Rote Beete (CH = Randen) reduziert Blutdruck

Rote Beete (Randen) reduziert Blutdruck

Randensaft / Rote Beete senkt Blutdruck

Zwischenbemerkungen:

1.) Der Einwand von Michael Wolzt kann nicht einfach vom Tisch gewischt werden. Die Senkung eines Messwertes wie dem Blutdruck in einer Studie ist noch kein Beleg für eine therapeutische Wirksamkeit. Um therapeutische Wirksamkeit zu belegen müssten in Langzeitstudien die Raten von Herzinfarkt, Schlaganfall oder Todesfall gesenkt werden.

2.) Zur Wirkung von Karkadetee und Randensaft bei Bluthochdruck gibt es zwar kleinere Studien. Für grosse klinische Langzeitstudien fehlen aber genau jene Forschungsgelder, von denen Michalsen spricht.

Siehe dazu:

Forschung ist nicht neutral

Weitere interessante Möglichkeiten aus der Pflanzenwelt:

Schwarztee senkt Blutdruck

Grüntee steht im Zentrum intensiver Forschung und entsprechender Werbung. Schwarztee wird dagegen wohl zu Unrecht unterschätzt und hat durchaus gesundheitliches Potenzial. Die blutdrucksenkende Wirkung ist aber gering.

Blaue Kartoffeln reduzieren den Blutdruck

Die Studie mit den Blauen Kartoffeln war allerdings sehr klein und dauerte nur einen Monat.

Der Artikel im „Standard“ erwähnt als Möglichkeiten noch Soja und Olivenblätterextrakt.

Zu Soja:

Eine kleine Studie hat gezeigt: Bei Frauen nach den Wechseljahren mit erhöhtem oder normalem Blutdruck können zusätzliche Sojaproteine  die Blutdruckwerte reduzieren (Arch Intern Med 2007;167:1060-1067 – Welty FK et al).

Zum Olivenblätterextrakt:

Die Wirksamkeit bei Bluthochdruck ist nicht belegt. Es liegen zwar Hinweise für eine solche Wirkung aus tierexperimentellen Untersuchungen vor, doch lassen sich solche Ergebnisse nicht einfach auf Menschen mit Bluthochdruck übertragen. Olivenblätterextrakt hat mich bisher nicht überzeugt.

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Thromboembolie-Risiko: Frankreich nimmt Diane®-35 vom Markt

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Die französische Arzneimittelaufsicht (ANSM) hat entschieden, die Zulassung des oft als Verhütungsmittel verschriebenen Akne-Medikaments „Diane®-35“ (Bayer) zu sistieren. Die ANSM liess dazu verlauten, dass neue Daten ein vierfach erhöhtes Risiko von Thromboembolien zeigten. Zur Behandlung von Akne gebe es auch Alternativen. Die Behörde sieht allerdings eine Übergangszeit von drei Monaten vor, um den Patientinnen den Umstieg zu erleichtern.

Das Bayer-Medikament enthält eine Wirkstoffkombination aus Ethinylestradiol und Cyproteron und besitzt eine Zulassung zur Anwendung bei Frauen mit Akne, leicht verstärkter Körperbehaarung und bei Haarausfall. Weil Diane®-35 wegen der enthaltenen Hormone zudem eine empfängnisverhütende Wirkung hat, wird es aber auch als Antibabypille eingenommen. Damit einher geht allerdings das erhöhte Risiko von Thrombosen.

Die ANSM hatte ein Neubewertungsverfahren eingeleitet, nachdem in Frankreich vier Todesfälle mit der Einnahme des Medikaments in Zusammenhang gebracht wurden. Nun verkündete die Behörde als Resultat ihrer Überprüfung, dass das  Risiko den Nutzen überwiege. Sie beschloss deshalb die Aussetzung der Genehmigungen für das Inverkehrbringen des Akne-Mittels sowie seiner Nachahmerpräparate (Generika) nach Ablauf von drei Monaten.

Patientinnen sollten die Behandlung mit Diane®-35 nicht abrupt abbrechen, empfiehlt die Behörde, sondern die nächsten Schritte mit ihrem Arzt bzw. ihrer Ärztin besprechen. Bis zum nächsten Konsultation könnten sie weiterhin ihre gewohnte Behandlung fortsetzen.

Hersteller Bayer hatte am Sonntagabend in einer Erklärung betont, dass Diane 35 nur zur Behandlung von Akne verschrieben werden dürfe. Als Mittel zur Empfängnisverhütung werde das Präparat nicht empfohlen. Der Beipackzettel von Diane 35 weise zudem deutlich auf das Risiko einer Thrombose hin. Bei Thrombosen handelt es sich um Blutgerinnsel, die Lungenembolien und Schlaganfälle verursachen können.

Diane 35 ist weltweit in 135 Ländern zugelassen – auch in der Schweiz. Dass die Einnahme von Antibabypillen das Thromboserisiko steigern kann, ist grundsätzlich bekannt.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2013/01/30/dianeR-35-wird-in-frankreich-vom-markt-genommen/9311.html

http://bazonline.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Frankreich-verbietet-Antibabypille-Diane-35/story/30593041

Kommentar & Ergänzung:

Dass Medikamente, die stark in den Organismus eingreifen, auch ein grösseres Risiko für ernsthafte Nebenwirkungen mit sich bringen, geht manchmal etwas vergessen.

Dieses Risiko spricht nicht grundsätzlich und fundamental gegen stark eingreifende Medikamente, aber jeder gravierende Zwischenfall verdeutlicht, dass Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen und wenn möglich risikoärmere Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden müssen.

Dazu gehören in vielen Fällen auch Phytopharmaka.

Allerdings sollte man bezüglich „Naturmedizin“ nicht in Naivität schwelgen. Auch Pflanzenmedizin kann Nebenwirkungen auslösen, wenn auch bei fachlich sorgfältiger Anwendung selten in schwerem Ausmass.

Sehr kritisch betrachten würde ich komplementärmedizinische Präparate, die als gänzlich nebenwirkungsfrei angepriesen werden. Es spricht nämlich sehr viel dafür, dass auch keinerlei therapeutische Wirkung hat, was grundsätzlich und absolut frei von Nebenwirkungen sein soll.

Diese Einsicht hat es allerdings nicht leicht, den der Wunsch nach einem hochwirksamen, aber zugleich gänzlich sanften, risikofreien Heilmittel scheint sehr stark und weit verbreitet.

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Fischöl-Kapseln unwirksam gegen Schlaganfall und Herzinfarkt

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Fischöl-Kapseln sollen vorbeugen gegen Herzinfarkt oder Schlaganfall, sollen Blutfett abbauen und Gefäßverkalkungen verhindern. Verantwortlich für diese Wirkungen sollen Omega-3-Fettsäuren sein, die in fettigem Fisch wie Lachs, Sardelle oder Makrele vorkommen. Wissenschaftler aus den USA bestreiten die Wirksamkeit aufgrund ihrer Metaanalyse.. Im Fachmagazin „Journal of the American Medical Association“ schreiben sie, dass die Fischöl-Kapseln nicht wirksam sind.

Die Forscher um Evangelos Rizos haben nach eigenen Angaben 20 verschiedene Studien ausgewertet, an den total etwa 70.000 Patienten beteiligt waren. Ihr Resultat: Ob die Probanden Fischöl-Kapseln nahmen oder nicht, machte keinen Unterschied. Weder Herzinfarkt, noch Schlaganfälle oder Todesfälle seien seltener geworden unter der Fischöl-Medikation.

Fischöl-Präparate sind beliebt und in vielen Apotheken, Drogerien und Reformhäusern erhältlich. Millionen vor Menschen schlucken weltweit Fischöl-Kapseln. Studien zur Wirksamkeit widersprechen sich oft. Mal wird den Kapseln eine Wirkung bescheinigt, mal nicht.

Um in solchen strittigen Fragen Klarheit zu gewinnen, ist eine Metaanalyse hilfreich, wie sie nun Evangelos Rizos & Mitarbeiter vorgelegt haben. Für eine Metaanalyse werden die Rohdaten aus den besten Studien untersucht, zusammengefasst und ausgewertet.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=135643

http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1357266

Kommentar & Ergänzung:

Sehr vielen, was uns als gesund angepriesen wird, ist ganz offensichtlich nur Fake.

Erfreulich, dass man sich offenbar auch die nicht gerade billigen und geschmacklich eher unangenehmen Fischöl-Präparate sparen kann.

Es stellt sich nun die Frage, ob dieses Ergebnis einen Einfluss hat auf die Empfehlung, zweimal wöchentlich Fisch zu essen.

Die „Süddeutsche“ schreibt dazu:

„ Ernährungsexperten und Kardiologen sind sich dennoch einig, dass zweimal in der Woche Fisch statt Fleisch gesund für Herz und Gefäße ist. Womöglich verhält es sich mit den neuen Daten zu Fischöl ähnlich wie mit jenen Erkenntnissen, die über Vitamine bekannt sind: Während Vitamine in allem, was natürlich gewachsen ist – sei es Obst, Gemüse, Getreide oder Fleisch – gesund sind, schaden Vitaminpräparate mehr als dass sie nutzen. Ein Apfel enthält tausend Substanzen, ein Multivitaminpulver hingegen nur ein gutes Dutzend. Gesund sind offenbar nicht die Einzelsubstanzen im Pulver, sondern die natürlich abgestimmten Wechselwirkungen der Stoffe. Auch die gesundheitsfördernde Eigenschaft von Fisch lässt sich offenbar nicht einfach isolieren und in Kapseln pressen.“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/fischoel-zur-infarkt-vorbeugung-fruchtloser-tran-1.1465467

Die Aussage in diesem Zitat kommt übrigens einem phytotherapeutischen Verständnis sehr nahe: Besser wirksam als ein isolierter Einzelstoff ist das Zusammenwirken verschiedener Inhaltsstoffe.

Wobei aber auch diese Aussage nicht absolut genommen werden sollte. Zudem ist Fischöl auch nicht einfach nur eine isolierte Einzelsubstanz….

Und so sind wieder einmal viele Fragen offen. Hat Fisch nun wirklich vorbeugende Wirkungen auf Herz und Kreislauf – Fischöl-Präparate aber nicht?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Leicht erhöhter Blutdruck – Medikamente oft unnötig und ohne Wirkung

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Eine Übersichtsstudie aus den USA kommt zum Schluss: Zahlreiche Menschen, die ein gesundes Herz, jedoch leicht erhöhten Blutdruck haben, erhalten Medikamente, die ihnen nichts nützen.

Hoher Blutdruck kommt häufig vor und ganz besonders häufig ein nur leicht erhöhter Blutdruck. Als „mild“ oder „Grad 1“ wird der Bluthochdruck bezeichnet, wenn der erste (systolische) Messwert zwischen 140 und 159 und/oder der zweite (diastolische) Wert zwischen 90 und 99 liegt. Häufig wird den Patienten bereits bei dieser Diagnose ein blutdrucksenkendes Medikamente verschrieben. Und das hauptsächlich mit der Absicht, hochdruckbedingte Gefäßschäden und damit Herzinfarkt und Schlaganfall zu vermeiden.

Eine industrieunabhängige Untersuchung zeigt nun aber, dass herzgesunde Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck von einer medikamentösen Behandlung nicht nachweislich profitieren. Die Metaanalyse wurde von Diana Diao von der Universität von British Columbia in Vancouver und ihren Kollegen im Auftrag der Cochrane-Organisation durchgeführt. Die Cochrane-Organisation wertet wissenschaftliche Untersuchungen aus und stellt die Resultate in Übersichtsarbeiten in ihre Datenbank ein. Die beteiligten Forscher bekommen kein Geld von Pharmafirmen.

Diao wertete vier Studien mit total 9.000 Patienten aus. Die Probanden wurden über vier bis fünf Jahre mit verschiedenen Medikamenten therapiert. Resultat: Ob die Studienteilnehmer Blutdrucksenker schluckten oder nicht, machte bei der Häufigkeit von Herzinfarkt, Schlaganfall oder Todesfällen keine deutliche Differenz. Beinahe jeder zehnte Patient in der Medikamentengruppe brach die Therapie allerdings wegen Nebenwirkungen ab. Die Wissenschaftler erklären als Fazit, dass sie nicht wissen, ob der Nutzen der Behandlung den Schaden aufwiegt.

Quelle:

http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2012-08/milder-bluthochdruck-behandlung

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin kein fundamentalistischer Prediger gegen jegliche synthetische Medikamente und das pauschale Feindbild der bösen Pharmamafia ist mir fremd.

Es gibt Situationen, in denen Abwarten und Kräutertee trinken dumm ist und eine medikamentöse Intervention Leben rettet.

Aber es gibt auch eine grosse Menge sinnlos verordneter und geschluckter Medikamente, die mehr Schaden als Nutzen bringen und nur den Herstellern und Verkäufern Gewinn in die Kassen spülen.

Ein Problem ist in diesem Zusammenhang, dass viele Studien finanziell stark von Pharmafirmen abhängig sind, was die Resultate verfälschen kann.

Die pharmaunabhängigen Übersichtsstudien der Cochrane Collaboration geniessen daher nicht umsonst eine ausgezeichnete Glaubwürdigkeit.

Wirksame von unwirksamen Medikamenten zu unterscheiden, das ist Patientenschutz im besten Sinn und das gilt natürlich auch für Präparate aus Komplementärmedizin, Naturheilkunde und Phytotherapie.

Für einen „ausgewachsenen“ Bluthochdruck hat die Phytotherapie keine überzeugenden Lösungen anzubieten. Es gibt überhaupt nur wenige Studien mit Heilpflanzen in diesem Bereich. Leicht erhöhtem Blutdruck könnten Heilpflanzen allenfalls eine Option sein.

Interessant ist die leicht blutdrucksenkende Wirkung von Karkade (Hibiscus sabdariffa):

Karkadetee senkt systolischen Blutdruck um 13 mmHg

Karkadetee ist jedenfalls gesund und schmackhaft und ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Ausserdem:

Randensaft (Rote Beete) senkt Blutdruck

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Misteltherapie: Verzerrte Darstellung in der Boulevardzeitung „Blick“

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Viele Medienberichte zum Thema Komplementärmedizin sind irreführend und verzerrt. Ein Beispiel dafür liefert die Boulevardzeitung „Blick“ in einem Beitrag zur Misteltherapie („Blick“-Zitate kursiv).

Zitat:

„ Was bewirkt das Präparat?

Das Mistelextrakt enthält Eiweissstoffe, die im Körper des Kranken die Produktion von Endorphinen anregen. Das sind Stoffe, die unsere Schmerzen lindern und die Stimmung aufhellen. Zudem stärkt das Heilmittel die körpereigenen Abwehrkräfte, indem es die Produktion der weissen Blutkörperchen anregt. Mit der Misteltherapie lässt sich das Immunsystem so gut stimulieren, dass es auch zur Unterstützung von Chemo- und Strahlentherapie oder Krebsoperationen verwendet wird. In hoher Dosierung tötet das Mittel Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem – im Gegensatz zur Chemotherapie, die Krebszellen tötet und als Nebenwirkung das Immunsystem schwächt.“

Der entscheidende Satz ist dieser:

„In hoher Dosierung tötet das Mittel Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem – im Gegensatz zur Chemotherapie, die Krebszellen tötet und als Nebenwirkung das Immunsystem schwächt.“

Mistel tötet also in hoher Konzentration Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem.

Chemotherapie tötet Krebszellen und schwächt dabei das Immunsystem.

Keine Frage: Gemäss dieser Darstellung ist die Misteltherapie der Chemotherapie vorzuziehen.

Was der Satz verschweigt:

Misteltherapie tötet in hoher Konzentration Krebszellen im Labor an isolierten Geweben oder Zellen. Beim lebenden Menschen ist eine solche Wirkung leider nicht belegt.

Chemotherapie dagegen tötet Krebszellen beim Patienten, schädigt aber leider dabei auch das Immunsystem und andere gesunde Zellen.

Im Labor an isolierten Geweben und Zellen kann man Mistel tatsächlich in sehr hoher Konzentration einwirken lassen. Solche Ergebnisse lassen sich aber nicht einfach auf die Anwendung bei Krebspatienten übertragen.

Wenn man die Angabe „im Labor“ weglässt, erweckt man einen geschönten Eindruck und führt Krebspatientinnen und –patienten in die Irre.

Im weiteren schreibt „Blick“:

„Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?

Die Behandlung ist risikoarm. Selten gibt es allergische Reaktionen: Rötung und Schwellung bei der Einstichstelle sind positive Reaktionen, die zur idealen Dosierung des Präparates beitragen.“

Eine sehr geschönte Darstellung.

Hier die andere, vom „blick“ ausgeklammerte Seite:

„In niedriger, nichttoxischer Dosierung dominiert die immunstimulierende Wirkung der Mistellektine, aus der nicht auf eine Hemmung des Tumorwachstums geschlossen werden darf. Erst in höheren Konzentrationen, die bereits deutliche unerwünschte Wirkungen hervorrufen, zerstören Lektine und Viscotoxine……..Lektine und Viscotoxine sind nach parenteraler Applikation extrem giftig. Die akute Toxizität ist möglicherweise nicht nur auf die direkte Cytotoxizität der Lektine und Viscotoxine, sondern auch auf die provozierte Ausschüttung von Mediatoren des Immunsystems zurückzuführen.“

(Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Mistelkraut.html)

Oder bei Wikipedia:

„Unerwünschte Wirkungen der Misteltherapie betreffen das Herz-Kreislauf-System (Blutdruckabfall oder -anstieg, Verlangsamung des Herzschlags), den Magen-Darm-Trakt (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Dehydratation), das zentrale Nervensystem (Verwirrtheit, Halluzinationen, epileptische Anfälle) sowie das Immunsystem (Fieber, Anstieg der weißen Blutkörperchen im Blut). In der bisher einzigen randomisierten kontrollierten Studie zur Wirksamkeit des Mistelpräparates Iscador wurde ein beunruhigendes Ausmaß an Toxizität beobachtet. Vor allem fiel eine Zunahme von Gehirnmetastasen beim Iscador-Patientenkollektiv im Vergleich zur Kontrolle auf. Lokale Entzündungsreaktionen an der Injektionsstelle (wie Rötung, Schwellung, Schmerzen) sind häufig. Schwerwiegende Komplikationen sind selten, jedoch wurden einige Todesfälle berichtet. Ursache hierfür können allergische Reaktionen sein, die zu einem anaphylaktischen Schock führen können. Nicht angezeigt ist die Misteltherapie während der Schwangerschaft und in der Stillzeit.“  (Quelle: wikipedia)

Solche Nebenwirkungen scheinen allerdings selten von schwerwiegender Natur zu sein.

Problematischer sind Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass eine Misteltherapie bei bestimmten Tumorarten das Wachstum des Tumors steigern könnte.

„Konsequente Grundlagenforschung in den letzten Jahren zeigte, dass die durch Mistellektin I (besser: Viscum album Agglutinin I = VAA I) vermehrt freigesetzten Zytokine in vitro und in vivo (Tiermodelle) die Proliferation von Zellen verschiedener Tumore, Leukämien und Lymphome stimulieren können. In der Literatur finden sich Berichte über negative Effekte von Mistelextrakten bzw. Lektin in der Zellkultur, in Tumorexplantaten, in Tierversuchen und bei klinischer Anwendung. Experimentelle Befunde verweisen auf die realistische Möglichkeit einer Gefährdung zumindestens einzelner Patienten bei bestimmten Tumorarten und/oder -stadien durch lektinbezogene) Mistelanwendung. Die Annahme, dass eine Erhöhung der Serumspiegel dieser Botenstoffe zumindestens bei einzelnen Tumorpatienten negativ mit einer kürzeren Lebenserwartung korreliert ist, hat sich für verschiedene Malignome bestätigt.“

(Quelle: Barbara Burkhard, Anthroposophische Medizin, Pharmazeutische Zeitung, Govi-Verlag 2000).

Ähnlich schreibt Dr. med Jutta Hübner, Sprecherin des Arbeitskreises komplementäre Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft:

„ Die direkte Wirkung auf den Tumor wurde leider noch nicht bewiesen. Unklar ist, ob eine Beeinflussung des Tumorwachstums stattfindet. Mistelextrakt kann das Absterben von Tumorzellen im Reagenzglas fördern. In Tierexperimenten konnte durch die Gabe von Mistel die Ausbreitung von Tumoren vermindert werden. Es liegen aber auch Untersuchungen vor, die für einige Tumorarten im Laborexperiment eine wachstumsfördernde Wirkung zeigten. Auch bei Untersuchungen an Patienten ergaben sich zum Teil ungünstige Ergebnisse…….Bei bestimmten Tumoren wie Melanom, Nierenkarzinom, Lymphom und Leukämien sollte die Mistel auf keinen Fall eingesetzt werden“

(aus: Aloe, Ginkgo, Mistel & Co., Schattauer 2009)

Im weiteren schreibt „Blick“:

„ Was ist das stärkste Argument gegen die Mistelanwendung?

Die Schulmedizin kritisiert, dass die Therapie nie in Doppelblindstudien untersucht wurde. So lange diese wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweise fehlen, gelten Mistelpräparate nicht als Heilmittel gegen Krebs.“

Der Satz: „Die Schulmedizin kritisiert, dass die Therapie nie in Doppelblindstudien untersucht wurde“, ist eine einzige Lüge. Die Misteltherapie wurde in einer ganzen Reihe von Doppelblindstudien untersucht. Die „Schulmedizin“ kritisiert, dass die Qualität der meisten Studien schlecht ist und die Ergebnisse insgesamt nicht überzeugen. Und diese Einschätzung dominiert nicht einfach nur  in der „Schulmedizin“. Man findet sie auch in der Phytotherapie-Fachliteratur und bei Jutta Hübner.

„Blick“ verbiegt das „stärkste Argument gegen die Mistelanwendung“.

Sie auch:

Misteltherapie gegen Krebs wirksam?

Weshalb stellt „Blick“ die Misteltherapie derart verzerrt dar?

Zu vermuten ist, dass sich die Zeitung einseitig auf die Angaben der Mistel-Propagandisten stützt. Ausserdem schreibt „Blick“ wohl einfach, was die Leserinnen und Leser gerne hören. Heilungsversprechungen kommen immer gut an. Sie lindern die Angst vor Krebs.

Wer Heilungsversprechungen in Frage stellt, hat da zum vorneherein einen schwereren Stand.

Quelle der „Blick“-Zitate:

http://www.blick.ch/life/ratgeber/das-muessen-sie-ueber-die-therapie-wissen-186039

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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Schlankheitsmittel & Sexpillen

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Nicht alles, was als „natürlich“ vermarktet wird, ist es auch…

Bei den allermeisten Schlankheitsmitteln und Sexpillen, die über das Internet verkauft werden ist sehr fraglich, ob sie eine sinnvolle Wirkung haben.

Darüber hinaus sind viele dieser Mittel aber auch riskant.

Die Verbraucherzentrale hat daher wieder einmal gewarnt, dass sie krebserregende und blutdrucksteigernde Inhaltsstoffe enthalten können.

Fast jedes dritte Nahrungsergänzungsmittel ausländischer Herkunft, das Figur- und Fitnessfans im Internet bestellen, enthält – für Käufer nicht erkennbar – illegale und hochgradig gesundheitsschädliche Stoffe. Das zeigte eine Untersuchung der Verbraucherzentrale NRW.

Die Verbraucherschützer bestellten für ihre Tests 78 Präparate auf deutschsprachigen Internetseiten oder bei Plattformen, darunter auch bei „Ebay“ und „Amazon“. Sie wählten dabei Produkte aus den Kategorien Gewichtsreduktion, Potenz- und Libido-Steigerung sowie Fitnessmittel für Freizeitsportler. Die Pillen und Pülverchen sollten angeblich nur natürliche Inhaltsstoffen enthalten.

Resultat: Obwohl alle Präparate als natürliche Nahrungsergänzungsmittel im Internet angepriesen wurden, enthielten 13 von 21 Schlankheitsmitteln, acht von 13 Libido- und Potenzmitteln sowie sechs von 21 Sportlerprodukten verbotene und gefährliche Substanzen.

Die bedenklichsten Präparate enthielten sogar verschreibungspflichtige Wirkstoffe wie Sibutramin und Tadalafil oder Stimulanzien wie Ephedrin und Amphetamin. Der Arzneiwirkstoff Sibutramin, bei der Untersuchung aufgespürt in Diät-Pillen, kann erhöhten Blutdruck, eine gesteigerte Herzfrequenz und starke Übelkeit verursachen, erklären die Verbraucherschützer.

Das in Schlankmachern ebenfalls aufgefundene Phenolphthalein gilt als potenziell krebserregend. Tadalafil, das sich als Bestandteil in angeblich rein pflanzlichen Potenzmitteln fand, wird zur Behandlung von Impotenz angewendet und kann bei einer falschen Medikation einen Kollaps auslösen.

Stimulanzien, die im Großteil der angeblich natürlichen Fitnessprodukte gefunden wurden, spenden dem Organismus keine neue Energie, sondern beuten die Energiereserven im Gegenteil bis zur totalen Erschöpfung aus, warnt die Verbraucherzentrale. Eine Überdosierung könne bei Freizeitsportlern Muskelblockaden verursachen, im Extremfall sogar zum Tod führen.

Abenteuerlich ist laut Verbraucherschützern zudem, dass neun von zehn Präparaten wegen gravierender Kennzeichnungsmängel (Warnhinweise fehlen, nur in Fachchinesisch beschriftet) in Deutschland überhaupt nicht verkauft werden dürften.

Ausserdem würden sich einige Firmen dreist gefälschter Gütesiegel bedienen – etwa von Stiftung Warentest oder von hiesigen Apotheken.

Als riskante Produkte stellt die Verbraucherzentrale folgende Beispiele vor:

– Das Potenzmittel Super Lover enthält das verschreibungspflichtige Potenzmittel Tadalafil und ist gefährlich bei Herzerkrankungen, Blutdruckproblemen. Es darf in Deutschland nicht verkauft werden.

– Das Schlankheitsmittel Lipro Diet Pills enthält das krebserregende Abführmittel Phenolphthalein und den verschreibungspflichtigen Appetithemmer Sibutramin.

– Im Potenzmittel Passion Plus steckt das nicht zugelassene Potenzmittel Icariin. Es darf in Deutschland nicht verkauft werden.

– Der Schlankmacher Perfect Slim enthält den verschreibungspflichtigen Appetithemmer Sibutramin, der im Jahr 2010 europaweit wegen massiver Nebenwirkungen mit Todesfällen vom Markt genommen wurde.

– Das im Sportlerprodukt ERY Speed Booster enthaltene Ephedrin kann Nebenwirkungen wie Angst, Schlaflosigkeit, Zittern, Pulsrasen und Krämpfe verursachen, es darf in Deutschland nicht verkauft werden.

– Im Sportlerprodukt Crack steckt die illegale Dopingsubstanz Methylhexanamin. Es darf in Deutschland nicht verkauft werden.

Quelle:

http://www.bz-berlin.de/ratgeber/vorsicht-vor-diesen-diaet-und-sexpillen-article1302328.html

Kommentar & Ergänzung:

Stossend ist vor allem, dass solche Produkte als „natürlich“ vermarktet werden und damit der Eindruck erweckt wird, sie seinen harmlos. Obwohl selbst das nicht stimmt, denn „natürlich“ bedeutet nicht immer auch „harmlos“.

Ist gibt eine zunehmende Medikalisierung aller Lebenslagen, auch mit tatsächlichen oder angeblichen Naturheilmitteln. Sexualität, Sport, Älter werden, Abnehmen, Intelligenter werden……für alles scheint es eine Pille zu geben. Für die Befindlichkeit und das Gefühlsleben sind Bachblüten und Schüssler-Salze zuständig….

Woher kommt denn eigentlich diese Sucht nach Pillen, Tropfen, Tabletten, Globuli & Co.?

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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