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Grüntee vorbeugend gegen Krebs?

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Hier ein “Fundstück” zur oft diskutierten Frage, ob Grüntee vorbeugend gegen Krebs wirksam ist:

“Die Polyphenole, die besonders im Grünen Tee reichlich enthalten sind, haben antimutagene und antioxidative Wirkung und hemmen im Tierversuch die Entstehung und das Wachstum von Tumoren. Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass auch beim Menschen das Risiko, an Tumoren zu erkranken, durch regelmässigen Teegenuss verringert wird, allerdings in für einen Mitteleuropaer ungewöhnlich hohen Dosen (10 Tassen/Tag und mehr). Kritiker weisen darauf hin, dass die scheinbaren Wirkungen des Teegenusses auf die Häufigkeit des Auftretens von Tumoren möglicherweise auch auf die unterschiedlichen Essgewohnheiten von Teetrinkern und Menschen, die keinen Tee trinken, zurückzuführen sind.”

Dieses Zitat stammt aus dem Fachbuch “Biogene Arzneimittel” von Teuscher, Melzig und Lindequist.

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2012.

Details zu diesem Buch und eine Bestellmöglichkeit finden Sie im Buchshop. Es handelt sich um ein Fachbuch, das sich fundiert mit der Wirkstoffkunde befasst, die der Phytotherapie zugrunde liegt.

 

Kommentar & Ergänzung:

Das wichtigste der Polyphenole, die für die Wirkung von Grüntee verantwortlich gemacht werden, heisst Epigallocatechingallat (EGCG).

Siehe dazu:

Grüntee-Inhaltsstoff EGCG als Therapieoption gegen Krebs erforscht

 

Experimente im Reagenzglas und Tierversuche können allerdings niemals die Wirksamkeit bei krebskranken Menschen belegen. Auch epidemiologische Studien verschaffen keine Gewissheit. Sie vergleichen Bevölkerungsgruppen. Dabei lässt sich zeigen, dass in den Gruppen mit hohem Grüntee-Konsum weniger Tumorerkrankungen auftreten als in Gruppen mit tiefem oder fehlendem Grüntee-Konsum.

Aber – das Zitat weist darauf hin, ein relevanter Unterschied zeigt sich bei sehr hohen Dosen von etwa 10 Tassen pro Tag. Ausserdem ist bei epidemiologischen Studien nie auszuschliessen, dass für die Unterschiede andere, noch unbekannte Faktoren verantwortliche sind. Grüntee-Trinker unterscheiden sich möglicherweise an mehreren entscheidenden Punkten von Nicht-Grüntee-Trinkern (Lebensstil, Ernährungsweise).

Es spricht viel dafür, dass Grüntee gesund ist und wer ihn gerne trinkt, kann das auch gerne weiter tun. Allerdings werden oft Gesundheitsversprechungen mit dem Grüntee-Konsum verbunden, die sich so nicht belegen lassen. Ein Wundermittel zum Beispiel gegen Krebs ist leider auch der Grüntee nicht.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Gewichtsreduktion mit Bockshornklee – Studienlage ungenügend, aber was heisst das nun?

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Die Arzneimittelinformationsplattform „Gute Pillen, Schlechte Pillen“ (GPSP) hat die Studienlage zum Thema „Abnehmen mit Bockshornklee“ unter die Lupe genommen und die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ berichtete darüber:

„Die aktuelle Forschungslage wurde geprüft. Bislang haben sich nur zwei wissenschaftliche Studien mit diesem Thema beschäftigt. Und auch die boten aufgrund ihrer geringen Zahl an Probanden keine vernünftige Bewertungsgrundlage.“

„Der Standard“ weißt zudem auf den Widerspruch hin, dass Bockshornklee auch gegen Appetitlosigkeit empfohlen wird:

„Auch Appetitlosigkeit ließe sich damit heilen. Wie paradox klingt es dann, dass Firmen damit werben, man könne mit ihren Produkten, die Bockshornklee enthalten, abnehmen.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000053654073/Schmaeh-Abnehmen-mit-Bockshornklee

Kommentar & Ergänzung:

Bockshornkleesamen werden für alles Mögliche empfohlen – von Haarausfall bis Impotenz – und wie im „Standard“ erwähnt gegen Appetitlosigkeit und als Schlankheitsmittel. Solche „Indikationslyrik“ ist immer mehr oder weniger fragwürdig und ein Grund, genauer hinzuschauen.

Komplementärmedizin: Indikationslupe unter die Lupe nehmen!

Ich möchte hier allerdings zeigen, dass die Sachlage nicht so einfach und eindeutig ist, wie GPSP und der „Standard“ sie darstellen.

Die Einschätzung von GPSP trifft zu: Es gibt keine guten Studien, die eine Wirkung von Bockshornkleesamen zur Gewichtsreduktion beweisen.

Vor allem der „Standard“ lässt sich aber zu Aussagen hinreissen, die genauso fragwürdig sind:

„Schmäh: Abnehmen mit Bockshornklee.

Die unabhängige Plattform ‚Gute Pillen – schlechte Pillen’ entlarvt Bockshornklee als untauglich zur Gewichtsreduktion, es fehlt jeder Beweis. Es ist der alte Traum von Übergewichtigen: Wer sich zu dick fühlt, nimmt ein einen Wirkstoff aus der Natur und verliert Gewicht, weil auch der Hunger weg ist. Diese Illusionen werden mitunter auch ausgenutzt. So gibt es Produkte mit Bockshornkleesamen, die genau das versprechen.“

„Schmäh“, „entlarvt“ und „Illusionen werden ausgenutzt“ – das sind ziemlich unwissenschaftliche moralische Urteile. Gibt es dafür eine Basis? Meines Erachtens nein.

Die Tatsache, dass es keine guten, grossen Studien gibt, die eine Wirksamkeit von Bockshornklee zur Gewichtsabnahme belegen, bedeutet genau das und nur das: Es gibt für diese Wirkung keine Belege.

Das schliesst nicht aus, dass es trotzdem eine Wirkung geben könnte.

„Der Standard“ fordert:

„Weil Bockshornklee seit Jahrzehnten als heilsames Multitalent vermarktet wird, müssten endlich hochwertige Studien den Erfolg nachweisen – und somit für Verbraucherinnen und Verbraucher auch den Sinn der Geldausgabe rechtfertigen.“

Genau hier liegt aber ein Hund begraben und es wäre fair, wenn der „Standard“ das auch aufzeigen würde: Die Forderung nach hochwertigen Studien ist ziemlich naiv und kann wohl nur von jemandem stammen, der keine Ahnung hat von Forschung mit Heilpflanzen.

Hochwertige Studien sind sehr teuer. Bockshornkleesamen sind billig und nicht patentierbar. Kein Verkäufer von Bockhornkleesamen wird es sich leisten können, eine Million Franken in die Forschung zu stecken, damit ein paar grosse, hochwertige Studien durchgeführt werden können, die eine Grundlage bieten für eine gute Metastudie. Jeder Konkurrent, der ebenfalls Bockshornklee verkauft, könnte von dieser Forschung profitieren und seine Produkte ohne Forschungsaufwand viel billiger vermarkten. Die Chance, dass es zu Bockshornkleesamen jemals hochwertige Studien gibt, die den Ansprüchen der Evidence Based Medicine genügen, ist nahezu Null.

Gleichzeitig kritisiert GPSP aber natürlich zu Recht, wenn Bockshornkleesamen-Verkäufer grossartige Versprechungen betreffend Gewichtsreduktion machen, die durch keinerlei Belege plausibel gemacht werden können.

Die unabhängige Plattform „Medizin Transparent“ hat die Studienlage zur Wirksamkeit von Bockshornklee als Mittel zur Gewichtsreduktion ebenfalls untersucht und schreibt:

„Wir fanden nur eine einzige Untersuchung, in der die Teilnehmenden nach sechs Wochen kein Gewicht verloren hatten. Der Untersuchungszeitraum der Studie ist jedoch sehr kurz, die Teilnehmeranzahl gering und die Qualität mittelmäßig. Es bleibt daher unklar, ob Bockshornklee-Samen längerfristig helfen können, Gewicht zu verlieren.“

Quelle: http://www.medizin-transparent.at/bockshornklee-samen-abnehmen

Bockshornkleesamen als Mittel gegen Appetitlosigkeit?

Interessant ist der Hinweis von GPSP und „Standard“, dass Bockshornkleesamen eigenartigerweise auch gegen Appetitlosigkeit empfohlen werden.

Tatsächlich taucht die Indikation „Appetitlosigkeit“ auch in den Monografien der Qualitätssicherungsgremien „Kommission E“ und „ESCOP“ auf . Als wissenschaftlicher Beleg liegt dafür allerdings nur ein Tierversuch vor: Ein fett- und eiweissfreier Bockshornkleesamenextrakt führte bei Ratten zu einer signifikanten Steigerung der Fresslust und der Nahrungsaufnahme. Es gibt aber auch Erfahrungen aus der Tiermedizin mit der Anwendung von Bockshornkleepulver als Mittel zur Steigerung der Fresslust. Und in Nordafrika nehmen Frauen Bockshornkleesamen zu sich, wenn sie sich als zu mager empfinden und Gewicht zulegen möchten.

Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17333802

Die Empfehlung von Bockshornkleesamen gegen Appetitlosigkeit ist zwar auch nicht zweifelsfrei belegt. Insgesamt sprechen aber mehr Argumente für die Anwendung bei Appetitlosigkeit als für die Anwendung zur Gewichtsreduktion.

GPSP und der „Standard“ finden es „paradox“, dass Bockshornkleesamen sowohl gegen Appetitlosigkeit als auch zur Gewichtsreduktion empfohlen wird – und das ist es wahrscheinlich auch.

Aber auch hier muss man etwas tiefer in die Heilpflanzenkunde einsteigen:

Eine solche gegensätzliche Wirkung ist bei Heilpflanzen-Anwendungen nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Heilpflanzen enthalten verschiedene Wirkstoffe. Je nach Art der Zubereitung und Dosierung können daraus auch unterschiedliche Wirkungen folgen. Beim Bockshornklee könnten beispielsweise Schleimstoffe ein Sättigungsgefühl auslösen und dadurch zur Gewichtsreduktion beitragen, während Bitterstoffe in moderater Dosis den Appetit anregen. Aber das ist jetzt wirklich reine Spekulation und nur als illustrierendes Beispiel gedacht, um zu zeigen, dass die Fragen manchmal komplizierter sind, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Johanniskraut: Hyperforin als Basis für neue Antidepressiva im Fokus

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Der antidepressive Wirkstoff Hyperforin aus Johanniskraut (Hypericum perforatum) soll weiterentwickelt werden, teilt die Universität Erlangen-Nürnberg mit.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstütze das Vorhaben im europäischen Forschungsverbund „HYPZITRP“ für die kommenden drei Jahre mit 184.000 Euro.

Hyperforin unterscheidet sich im Wirkungsmechanismus von den anderen Antidepressiva, die sich gegenwärtig auf dem Markt befinden. Es reguliert Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, indem es einen Ionenkanal, den TRPC6-Kanal, aktiviert.

Allerdings ist Johanniskraut-Extrakt nicht so intensiv wirksam, dass er auch starke Depressionen lindert, sondern maximal mittlere. Außerdem verstärkt er die Bildung des Enzyms CYP3A4 in der Leber, das Fremdstoffe abbaut. Dadurch kann es zu problematischen Wechselwirkungen mit manchen Medikamenten kommen, die schneller abgebaut werden. Zudem ist Hyperforin instabil, wenn es aus dem Extrakt isoliert wird.

Deshalb wollen die Wissenschaftler Hyperforin-Analoga entwickeln, die deutlich stabiler und wirksamer sind als der natürliche Wirkstoff und weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zeigen.

Die Wirksamkeit soll unter anderem an Zellmodellen und im Tierversuch untersucht werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/depressionen/article/870103/depression-johanniskraut-basis-neue-antidepressiva.html?sh=8&h=1429287594

 

Kommentar & Ergänzung:

Bin sehr gespannt, wie das raus kommt.

In der Phytotherapie werden in der Regel die Wirkstoffe einer Heilpflanze als „Team“ oder als „Orchester“ eingesetzt.

Dadurch können mehrere Zielstrukturen im Organismus beeinflusst werden. In diesem Zusammenhang ist häufig die Rede von einer Multi-Target-Therapie (Target = Ziel). Dieser breite Ansatz bei moderater Intensität könnte ein Grund sein für Vorteile von Phytopharmaka in Bezug auf die Verträglichkeit. Die Forscher in Erlangen-Nürnberg wollen also nun einen „Solisten“ aus dem „Wirkstoffteam“ des Johanniskrautes – Hyperforin – isoliert optimieren. Die Phytotherapie dagegen orientiert sich am Grundsatz: „Der Extrakt ist der Wirkstoff“. An der antidepressiven Gesamtwirkung des Johanniskraut-Extraktes sind mehrere Inhaltsstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen verantwortlich. Neben Hyperforin tragen auch Hypericin und Pseudohypericin zur Wirkung bei. Proanthocyanidine, Flavonolglykoside und das Biflavonoid Amentoflavon unterstützen die Gesamtwirkung zum Beispiel durch Lösungsvermittlung. Der Gesamtextrakt ist daher offenbar in der Wirksamkeit einzelnen Inhaltsstoffen mit klarem pharmakologischem Profil überlegen.

Daraus folgt meines Erachtens:

Falls es den Forschern an der Universität Erlangen-Nürnberg tatsächlich gelingen sollte, aus einem veränderten Hyperforin-Molekül ein neues Antidepressivum zu entwickeln – was noch ein langer Weg ist – dann wird sich dieses Medikaments fundamental in seiner Wirkung von Johanniskraut-Extrakt unterscheiden. Es wird ein anderes Wirkungsprofil haben, vielleicht stärker wirken, aber möglicherweise auch Nebenwirkungen aufweisen, die beim Hyperforin im Kontext des Johanniskraut-Extraktes nicht auftreten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Dill (Anethum graveolens) als Gewürz und Heilpflanze

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Die Zeitschrift „Phytotherapie“ publizierte vor kurzem einen informativen Beitrag zu Wirkung und Anwendungsmöglichkeiten von Dill, einer alten Heilpflanze, die heute vor allem als Gewürz verwendet wird. Nachfolgend eine Zusammenfassung.

Die historischen Angaben zur medizinische Nutzung des Dills bei Albertus Magnus (1200 – 1280) und Paracelsus (1493 – 1541) gleichen sich weitgehend. Dill wird empfohlen als Karminativum (gegen Blähungen), Stomachikum (magenstärkendes Mittel), Galaktagogum (milchbildungsförderndes Mittel), Schmerzmittel, gegen Übelkeit, Mundgeruch, Hämorrhoiden, Kondylome und Schlaflosigkeit. Auf die weitverbreitete Nutzung des Dills verweist die Bemerkung, dass er »allen luten sy wolbekant« in einem der ersten gedruckten Kräuterbücher, dem Gart der Gesundheit (1485). Dem aromatischen Geruch verdankt der Dill seinen Ruf als Pestpflanze. So wurden die Früchte in Peststuben geräuchert und innerlich als Bestandteil des Tugendpulvers, als Roborans (Kräftigungsmittel) und Pesttherapeutikum verwendet.

Gegenwärtig wird Dill nur noch selten in der westlichen Phytotherapie genutzt, meist in Form von Dillwasser oder Sirup als Karminativum für Kinder, hauptsächlich in Großbritannien. In der Volksmedizin wurde Dill gegen eine Vielzahl von Beschwerden eingesetzt: Hämorrhoiden (als Presssaft), Skorbut (Vitamin-C-Gehalt des Krautes!), die Früchte gegen Zyklusstörungen und Erbrechen, das Kraut gegen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Niere, Harnwege, bei Schlafstörungen und Krämpfen, außerdem bei Tumoren, Kondylomen, Indurationen, Husten, Schluckauf, Bauchschmerzen, Brustgeschwüren, Prellungen, Wassersucht, Gelbsucht und als Diuretikum. Als Galaktagogum wird Dilltee auch heute noch angewendet.

Inhaltsstoffe

Ein großer Teil der Dill-Produktion wird für die industrielle Herstellung von eingelegtem Gemüse genutzt, vor allem von Gurken. Dillkraut enthält getrocknet 0,12 – 1,9% ätherisches Öl mit 6- 44% (+)-Carvon, Limonen, Dillether und Myristicin. Neben anderen Komponenten sind hauptsächlich Dillether, α-Phellandren, Limonen und Myristicin für das charakteristische Dillaroma verantwortlich. Die Zusammensetzung des ätherischen Öls, vor allem dessen Gehalt an (+)-Carvon schwankt stark. Außerdem enthält das Kraut Flavonolglykoside mit Quercetin und Isorhamnetin als Aglyka und es wurde Scopoletin nachgewiesen.

Dillfrüchte enthalten 2,5 – 4% ätherisches Öl. Es besteht im Wesentlichen aus (+)-Carvon, (+)-Limonen und α- Phellandren.

Ausserdem enthalten Dillfrüchte Furano- und Hydroxycumarine wie Bergapten und Umbelliferon, Flavonolglykoside, die sich vom Kämpferol, Isorhamnetin und Quercetin ableiten, sowie 10–20% fettes Öl.

Durch Wasserdampfdestillation der getrockneten Samen gewinnt man das schwach gelbe, kümmelähnlich riechende Dillöl (Anethi aetheroleum).

Wirkungen

Aus der Dillpflanze hergestellte Arzneimittel werden heute in der westlichen Medizin nur noch selten angewendet. Wissenschaftlich anerkannt ist der Einsatz von Dillfrüchten (Anethi fructus) Verdauungsbeschwerden (dyspeptische Bescherden). Sie wirken krampflösend auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts und schützen die Magenschleimhaut Auch in der vietnamesischen Medizin wird der Dill bei Darmkrankheiten eingesetzt. Die Kommission E bewertete den Einsatz bei dyspeptischen Beschwerden als positiv, jedoch kommt den Kümmelfrüchten durch ihre stärkere Wirkung auch eine größere Bedeutung zu. Dillfrüchte sind aber bei Blähungen, Völlegefühl und ähnlichen Verdauungsbeschwerden eine Alternative für Menschen mit einer Abneigung gegen den Kümmelgeschmack.

Die im ätherischen Öl von Dillkraut (Anethi herba) vorkommenden (+)-Carvon, Dillether und Limonen führen im Tierversuch zu einem Anstieg der Glutathion-S-Transferase in der Leber und der Dünndarmschleimhaut Dieses Enzym spielt bei der Entgiftung von organischen Substanzen im Körper eine bedeutende Rolle.

Durch viele Studien sind die antibakteriellen und fungistatischen Effekte des ätherischen Öls der Früchte und des Krautes belegt. Die antimikrobielle Aktivität einiger Inhaltsstoffe des Dills könnte ein Grund für dessen vielseitige Verwendung als Gewürz sein, da dadurch die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängert wird.

Das fruchtreife oberirdische Dillkraut entfaltet insektizide ( = insektentötende) und repellierende ( = insektenvertreibende) Wirkungen, u.a. durch die im ätherischen Öl enthaltenen Myristicin und Dillapiol.

Quelle:

Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 5/2013

Online

http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1349763

Kommentar & Ergänzung:

Von der Wirkung her gehört Dill in die Nähe von Fenchel, Kümmel und Anis. Er gilt in der Wirkung gegen Verdauungsbeschwerden aber als schwächer. Eine Wirksamkeit als Galaktagogum ist nicht belegt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bockshornklee im Stilltee?

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Im der Zeitschrift „Phytotherapie Austria“ (Nr. 1 / 2013) hat Reinhard Länger einen informativen Artikel geschrieben zum Thema Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum). Der Autor geht darin auch auf die Anwendung von Bockshornklee als Laktagogum ( = Milchfluss steigerndes Mittel) in Stilltees ein:

„Samen des Bockshornklees erfreuen sich auch als Komponente in sogenannten Stilltees großer Beliebtheit. Vereinzelt finden sich in der Literatur Hinweise, dass die Samen traditionell als Laktagogum verwendet wurden, die Datenlage dazu ist aber äußerst dürftig. Obwohl die Mengen an Bockhornkleesamen in den Teemischungen eher gering sind, können Auswirkungen auf den mütterlichen und kindlichen Blutzuckerspiegel sowie eventuelle Auswirkungen der Steroide am kindlichen Organismus nicht abgeschätzt werden. Daher sollten diese Samen nicht in Stilltees zum Einsatz kommen.“

Kommentar & Ergänzung:

Bockshornklee in Stilltees – diese Anwendung steht tatsächlich auf wackligen Füssen – auch wenn sie immer wieder vorkommt – zum Beispiel im Weleda Stilltee.

Ein Einfluss auf den mütterlichen und kindlichen Blutzuckerspiegel kann ich mir allerdings nicht recht vorstellen. Von den Polysacchariden im Bockshornklee ist ein solcher Einfluss jedenfalls nicht zu erwarten. Sie verzögern zwar die Glukoseaufnahme. Dazu wären aber viel grössere Mengen nötig, als mit einem Stilltee zugeführt werden. Länger schreibt:

„Die Polysaccharide dürften, sofern sie in sehr großen Mengen aufgenommen werden (im Tierversuch waren 2 x täglich 50 g notwendig!), die Resorption von Glukose, Triglyceriden und Cholesterin aus dem Darm reduzieren.“

Allerdings kann Bockshornkleesamenextrakt durch Förderung der Insulinausschüttung hypoglykämisch wirken, also den Blutzuckerspiegel senken.

Heikler scheinen mir eher die Steroide:

„Daneben sind auch etwa 2-3 Prozent Steroide enthalten (Grundstruktur des Diosgenins).“

Diosgenin ist ein Steroidsaponin, das auch in der Yamswurzel vorkommt und als Ausgangsprodukt für die Herstellung von Progesteron verwendet wurde – einem Sexualhormon. Bei der Einnahme findet diese Umwandlung im Körper allerdings nicht statt (schreibt „Pharmawiki“).

Bockshornklee wird zudem in vielen Ländern im Nahen Osten, in Afrika und  in Spanien als Nahrungsmittel verwendet. Ausserdem ist er ein wesentlicher Bestandteil des Currypulvers.

Alles in allen ist es schwer vorstellbar, dass mit einem Anteil von Bockshornklee im Stilltee ein Risiko verbunden sein könnte, 100%ige Gewissheit gibt es in dieser Hinsicht aber nicht. Weil ein Nutzen des Bockshornklee als Laktagogum jedoch nicht glaubwürdig ist, macht es Sinn, auf seine Anwendung zu verzichten.

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Passionsblume: Angstlinderung ohne Abhängigkeit und Entzugsprobleme

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Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurde vor kurzen die Frage gestellt, ob es bei Extrakten aus Passionsblume, die gegen Spannungs- und Angstzustände wirken sollen, wie bei Benzodiazepinen eine Abhängigkeits- bzw. Entzugssymptomatik gebe.

Die Antwort verfasste Dr. Rainer C. Görne, Facharzt für Klinische Pharmakologie und Toxikologie.

Sowohl tierexperimentelle als auch klinische Untersuchungen belegen gemäss Görne für Pflanzenextrakte aus der Passionsblume (Passiflora incarnata L.) eine angstlösende Wirkung. Diese werde im Zusammenhang mit Inhaltsstoffen gesehen, die an Benzodiazepin-Rezeptoren binden können.

Einer dieser Passiflora-Inhaltsstoffe sei das Flavon Chrysin (5,7-di-OH-Flavon). Chrysin könne das Flunitrazepam aus seiner Bindung am Benzodiazepin-Rezeptor verdrängen und dessen Bindung an den Benzodiazepin-Rezeptor von Rezeptor-Antagonisten wie Ro 15-1788 aufheben.

Ebenso könne auch die angstlösende Wirkung von Chrysin durch den Antagonisten Ro 15-1788 im Tierversuch antagonisiert werden.

Diese Befunde belegen laut Görne, dass zumindest ein Teil der anxiolytischen Wirkung von Pflanzenextrakten aus der Passionsblume über Benzodiazepin-Rezeptoren zustande kommt.

Keine Abhängigkeit, keine Toleranzentwicklung, keine Entzugsprobleme durch Passionsblume

Im Unterschied zu synthetisch hergestellten Benzodiazepinen seien nach der Einnahme von Passionsblumenextrakten weder eine Toleranzentwicklung, noch Abhängigkeit oder Entzugsprobleme beobachtet worden.

Verglichen mit dem natürlichen Flavon Chrysin haben synthetische Benzodiazepine oder deren Metaboliten lange Halbwertszeiten (HWZ), schreibt Görne.

Dies gelte für das rasch verstoffwechselte Benzodiazepin-Derivat Flurazepam (HWZ: 2 – 3 Stunden), dessen Hauptmetabolite eine HWZ von bis zu 100 Stunden aufweisen können, ebenso wie für die langsam verstoffwechselten Derivate Nitrazepam (HWZ: ca. 24 Stunden) und Diazepam (HWZ: bis zu 48 Stunden), deren Metabolite Halbwertszeiten von bis zu 100 Stunden haben können.

Nach oraler Gabe von 400 mg Chrysin wurde gemäss Görne bei gesunden Testpersonen dagegen eine mittlere Halbwertzeit von nur 4,6 Stunden festgestellt.

Ein weiterer Aspekt, der die Möglichkeit von Toleranzentwicklung, Abhängigkeit oder Entzugssymptomen nach Einnahme von Passionsblumenextrakt als unwahrscheinlich einschätzen lasse, sei die Tatsache, dass bei therapeutisch üblichen Dosen des Pflanzenextraktes nur sehr geringe Mengen von Benzodiazepin-Agonisten aufgenommen werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/angst/default.aspx?sid=840772&sh=44&h=-1654632450&ticket=ST-1071-p4pmYxpn4Sjg4LQBNrnO4CGBZi2bmUav4yN-20

Kommentar & Ergänzung:

Tatsächlich hat der Passionsblumenextrakt den grossen Vorteil, dass kein Risiko besteht für Toleranzentwicklung, Abhängigkeit und / oder Entzugssymptome.

Das macht diese Phytopharmaka zu einer interessanten Option.

Allerdings muss eingeschränkt werden, dass mit Passionsblumenextrakt nicht jede Angsterkrankung adäquat behandelt werden kann.

Klinische Belege, die für eine Wirksamkeit sprechen, gibt es im übrigen nur für Passionsblumenextrakt, nicht jedoch für Passionsblumentee und Passionsblumentinktur.

Gegen leichte Angststörungen kann auch Lavendelöl helfen.

Siehe dazu:

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

Orangenöl, Lavendelöl bei Zahnarztangst

Weitere Infos zur Passionsblume:

Passionsblume bei Angst, Unruhe und Schlafstörungen

Pflanzliche Schlafmittel: Weder Hang-over noch Entzugssymptome

Passionsblume ist Arzneipflanze des Jahres 2011

Phytotherapie: Passionsblume als Angstlöser

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Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

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Das Burnout-Syndrom (englisch burn out = ausbrennen) wird als Zustand emotionaler Erschöpfung

mit verminderter physischer und intellektueller Leistungsfähigkeit beschrieben. Die „Internationale Klassifikation der Erkrankungen“ (ICD) beschreibt das Syndrom als „Ausgebrannt Sein“ und „Zustand der totalen Erschöpfung“.

Das Burnout-Syndrom gilt nicht als Behandlungsdiagnose, auf deren Grundlage die Entwicklung und Zulassung spezieller Arzneimittel möglich wäre.

Deshalb gibt es gegenwärtig auch keine Arzneien mit der Indikation „Burn-out-Syndrom“.

Zentral in der Behandlung ist ohnehin eine langfristig ausgelegte Änderung der Lebensführung.

Auf diesem Hintergrund kann Phytotherapie bei Burnout nur einen kleinen Beitrag leisten im Rahmen eines umfassenderen Therapiekonzepts.

Einigen Heilpflanzen und daraus hergestellten Zubereitungen werden „adaptogene“ Wirkungen zugeschrieben.

Solche „Adaptogene“ sollen die Widerstandsfähigkeit des Organismus gegenüber physikalischen, chemischen und biologischen und psychischen „Stressoren“ steigern.

Der Endokrinologe Hans Selye hat schon 1946 ein Adaptations-Modell mit den Stufen „Alarm“, „Widerstand“ und „Erschöpfung“ beschreiben.

Die Erschöpfungs-Phase entspricht weitgehend dem heutigen „Burnout-Syndrom“.

Nach Hans Selye sollten adaptogene Wirkstoffe die therapeutischen Qualitäten „unschädlich“, „unspezifisch“ und „normalisierend“ aufweisen.

Diese Ideal-Vorstellungen erfüllt bis heute noch kein einziges Mittel.

Einige Phytopharmaka kommen diesem Ideal jedoch nahe:

Ginsengwurzel

An erster Stelle ist dabei die Wurzel des Ginseng (Panax ginseng) zu erwähnen, die seit rund 2000 Jahren einen festen Platz in der traditionellen Heilkunde Ostasiens belegt. Die Kommission E formulierte im Resultat ihrer Aufbereitung das bis heute unverändert gültige Anwendungsgebiet: „Als Tonikum zur Stärkung und Kräftigung bei Müdigkeits- und Schwächegefühl, nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie in der Rekonvaleszenz”.

Taigawurzel  („Sibirische Ginseng”, Eleutherococcus senticosus),

Zu den pflanzlichen Adaptogenen gehört auch der „Sibirische Ginseng” (Eleutherococcus senticosus), ein im Norden Russlands heimischer, bis etwa 2 bis 3 m hoch werdender Strauch, der entfernt mit dem asiatischen Ginseng verwandt ist. Eleutherococcus-Wurzel ( = „Taigawurzel“) wurde in den 60iger Jahren in der damaligen Sowjetunion als Ersatzpflanze für den asiatischen Ginseng intensiv erforscht. Die mit Eleutherococcus-Extrakt durchgeführten Untersuchungen entsprechen nach Anlage und Resultaten weitgehend den mit Ginseng-Extrakt durchgeführten Studien. Deshalb empfiehlt die Monographie „Eleutherococci radix (Eleutherococcus-senticosus-Wurzel)” der Kommission E folgerichtig auch identische Anwendungsbereiche wie für Ginsengwurzel.

Rosenwurz (Rhodiola rosea)

Im letzten Jahrzehnt ist in Europa die Rosenwurz (Rhodiola rosea) zunehmend bekannter geworden. Die mehrjährige Sukkulente gehört zur Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) und stammt aus dem nördlichen Polarkreis. Zubereitungen aus der Rosenwurz werden traditionell in Skandinavien und in Sibirien als Mittel zur universellen Stärkung und Erhöhung der Widerstandskraft verwendet. Ähnlich wie die Teaigawurzel soll Rosenwurz hauptsächlich stressmindernde und leistungssteigernde Eigenschaften, daneben jedoch auch antioxidative und kardioprotektive Wirkungen haben.

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/105051184007801_7809_Abstracts-f2.pdf

Phytotherapie Austria 5 / 2011

Kommentar & Ergänzung:

„Adaptogene“ ist ein nicht sehr klar definierter Begriff.

So beschreibt Wikipedia die Adaptogene:

„ Adaptogen ist eine alternativmedizinische Bezeichnung für pflanzliche Zubereitungen und Drogen, die dem Organismus helfen sollen, sich an Stresssituationen anzupassen und einen positiven Effekt bei Stress-induzierten Krankheiten ausüben. Ähnliche Bezeichnungen sind Verjüngungsmittel und (im Ayurveda) Rasayana. Der Körper bzw. das Immunsystem soll an den Stress angepasst, also adaptiert werden. Der russische Forscher Nicolai Vasilevich Lazarev hat den Begriff 1958 geprägt. Adaptogene sollen völlig ungiftig und mit breiter positiver Wirkung ausgestattet sein.

Beispiele für Pflanzen, denen solche Wirkungen nachgesagt werden sind Ginseng, Morinda citrifolia (Noni), Shiitake, Reishi/Ling-Zhi, Maitake, Klapperschwamm, Mandelpilz, Schisandra, Rosenwurz, Ashwaganda, Schlafbeere, Tulsi, Jiaogulan, Maca,Kalmegh und Marihuana.“

Der Begriff „Drogen“ meint im Kontext der Phytotherapie „getrocknete Heilpflanze“ und nicht wie heute üblich „Betäubungsmittel“.

Mit dem fragwürdigen Begriff „Verjüngungsmittel“ würde ich Adaptogene nicht in Verbindung bringen. Die Wikipedia-Liste mit Beispielen für adaptogene Pflanzen ist etwas fragwürdig. Sie enthält viele Heilpflanzen, deren Profil ganz und gar nicht klar ist.

In der Phytotherapie-Fachliteratur haben meiner Einschätzung nach Ginsengwurzel, Taigawurzel und Rosenwurz am meisten „Fleisch am Knochen“.

Im Phytokodex wird die adaptogene Wirkung von Ginseng so beschrieben:

„ Adaptogene Effekte (unspezifische Erhöhung der körpereigenen Abwehr gegenüber exogenen Noxen und Stressoren physikalischer, chemischer und biologischer Natur): Ginsengextrakte zeigten im Tierversuch positive Effekte bei Einwirkung sowohl physikalischer Stressoren (Hitze, Kälte, Elektroschock) als auch chemischer Noxen (Alkohol). Die radioprotektive Wirkung konnte sowohl im Tierexperiment als auch an Patienten unter Strahlentherapie bewiesen werden, die Leuko-, Thrombo- und Erythrozytenzahl stieg signifikant, blutzellbildende Stammzellen regenerierten beschleunigt.“

Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Ginsengwurzel.html

Zu erwähnen ist noch, dass es bei Ginsengwurzel, Taigawurzel und Rosenwurz Produkte mit sehr unterschiedlicher Qualität gibt. Das ist aber bei Heilpflanzen-Präparaten oft der Fall. Man kann nicht einfach pauschal eine Heilpflanze wie zum Beispiel Johanniskraut empfehlen – man muss immer noch dazu sagen, welches die geeignete Anwendungsform ist – zum Beispiel Kräutertee, Pflanzentinktur, Trockenextrakt – und auch innerhalb dieser Anwendungsformen gibt es unterschiedliche Qualitäten, zum Beispiel verschiedene Verfahren zur Herstellung einer Pflanzentinktur oder eines Extraktes.

Diese Vielfalt trägt mit dazu bei, dass Phytotherapie ein spannendes Wissensgebiet ist.

Siehe auch:

Taigawurzel – Ginseng – Rosenwurz & Co. – was sind Adaptogene?

Ginseng als Adaptogen

Rosenwurz (Rhodiola rosea, Orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus (Taigawurzel)

Modewort Burn-out ist zu ungenau

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Radiotipp: Ginseng-Geschichten aus der Mandschurei

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Der Ginseng (Panax ginseng) ist von zahlreichen Mythen und Geschichten umrankt und seinen Wurzeln werden fast magische Heilkräfte nachgesagt. Doch die Wildpflanze wächst nur an ganz wenigen Orten der Welt, beispielsweise in der Mandschurei im Nordosten Chinas.

Mareile Flitsch, die Ethnologin und Direktorin des zürcherischen ethnologischen Museum, hat die Geschichten, die zu Hunderten um diese alte Heilpflanze ranken, gesammelt und untersucht.

Die Radiosendung auf DRS2 können Sie hier hören (55.40 Minuten).

Kommentar & Ergänzung:

Die Sendung gibt einen schönen Einblick in die Kulturgeschichte des Ginsengs in Nordostchina.

Die Ofenbetten, von denen Mareile Flitsch in der Sendung spricht, habe ich selber im Februar 2012 in Nordostchina noch gesehen (in Yabuli bei Harbin). „Firebed“ sagte Yue.

Der allergrösste Teil der Ginsengwurzeln wird heute aus Anbau gewonnen und vor allem auch aus Südkorea importiert.

Ginseng gehört zur Familie der Efeugewächse (Araliaceae).

Er wird sowohl in der traditionellen chinesischen Medizin als auch in der westlichen Phytotherapie eingesetzt.

In der westlichen Phytotherapie gilt Ginseng als Adaptogen.

Was ist ein Adaptogen?

„ Adaptogen ist eine alternativmedizinische Bezeichnung für pflanzliche Zubereitungen und Drogen, die dem Organismus helfen sollen, sich an Stresssituationen anzupassen und einen positiven Effekt bei Stress-induzierten Krankheiten ausüben. Ähnliche Bezeichnungen sind Verjüngungsmittel und (im Ayurveda) Rasayana. Der Körper bzw. das Immunsystem soll an den Stress angepasst, also adaptiert werden. Der russische Forscher Nicolai Vasilevich Lazarev hat den Begriff 1958 geprägt. Adaptogene sollen völlig ungiftig und mit breiter positiver Wirkung ausgestattet sein. Beispiele für Pflanzen, denen solche Wirkungen nachgesagt werden sind Ginseng, Morinda citrifolia (Noni), Shiitake, Reishi/Ling-Zhi, Maitake, Klapperschwamm, Mandelpilz, Schisandra, Rosenwurz, Ashwaganda, Schlafbeere, Tulsi, Jiaogulan, Maca, Kalmegh und Marihuana.“

Quelle: Wikipedia

Mit dem fragwürdigen Begriff „Verjüngungsmittel“ würde ich Adaptogene nicht in Verbindung bringen.

Im Phytokodex wird die adaptogene Wirkung von Ginseng so beschrieben:

„ Adaptogene Effekte (unspezifische Erhöhung der körpereigenen Abwehr gegenüber exogenen Noxen und Stressoren physikalischer, chemischer und biologischer Natur): Ginsengextrakte zeigten im Tierversuch positive Effekte bei Einwirkung sowohl physikalischer Stressoren (Hitze, Kälte, Elektroschock) als auch chemischer Noxen (Alkohol). Die radioprotektive Wirkung konnte sowohl im Tierexperiment als auch an Patienten unter Strahlentherapie bewiesen werden, die Leuko-, Thrombo- und Erythrozytenzahl stieg signifikant, blutzellbildende Stammzellen regenerierten beschleunigt.“

Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Ginsengwurzel.html

Als anerkannte medizinische Anwendungsgebiete für Ginsengwurzel gelten Müdigkeits- und Schwächegefühl, nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie in der Rekonvaleszenz (Kommission E, ESCOP).

Darüber hinaus wird Ginseng aber auch für alle möglichen Beschwerden empfohlen, wodurch eine fragwürdige Indikationslyrik entsteht.

Voraussetzungen für die Wirksamkeit sind aber ausreichende Dosierung und ein qualitativ hochstehendes Ginsengpräparat mit standardisiertem Gehalt an Ginsenosiden. Viele Ginsengprodukte vor allem aus dem Internethandel sind von fragwürdiger Qualität.

Von den anderen erwähnten Adaptogenen sind nur wenige gut untersucht.

Siehe dazu auch:

Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz & Co. – was sind Adaptogene?

Rosenwurz (Rhodiola rosea, orpin rose) gegen Stress und Müdigkeit

Ginseng als Adaptogen

Die Noni-Frucht – dürftige Belege für grosse Versprechungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Cannabis-Wirkstoff gegen Epilepsie erforscht

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Für Cannabis sativa könnte es bald ein weiteres Anwendungsgebiet geben, schreiben Wissenschaftler der University of Reading im „British Journal of Pharmacology“. Sie haben gezeigt, dass das Cannabinoid mit dem Namen Cannabidivarin zur Therapie von Epilepsie eingesetzt werden könnte.

Der nicht psychoaktive Cannabis-Wirkstoff hatte im Tierversuch eine krampflösende Wirkung gezeigt. Klinische Studien sollen Ende des Jahres beendet werden.

In Deutschland sind Cannabis-Extrakte bislang in dem Fertigarzneimittel Sativex (Almirall) enthalten. Als Rezeptursubstanz gibt es darüber hinaus das synthetisch hergestellte Dronabinol. Sativex ist zur Therapie spastischer Beschwerden von Multiple-Sklerose-Patienten indiziert. Auch als Antiemetikum (Mittel gegen Erbrechen) oder zur Appetitsteigerung in der Krebstherapie und AIDS-Behandlung findet die Cannabispflanze Verwendung.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/cannabis-gegen-epilepsie

Kommentar & Ergänzung:

Na, dann warten wir doch einmal die Ergebnisse der klinischen Studien Ende Jahr ab.

Nur die klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten geben fundierte Hinweise darauf, ob der Cannabis-Wirkstoff Cannabidivarin tatsächlich zur Epilepsie-Therapie geeignet ist. Studien am Tier sind hier nur begrenzt aussagekräftig.

Zu Dronabinol siehe auch:

Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Cannabis als Heilmittel zulassen!

Zu Sativex siehe auch:

Cannabis als Heilmittel: Zulassung für Sativex®-Spray in Deutschland

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Wozu sind Glockenblumen gut?

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Das fragte mich vor kurzem eine Zuhörerin an einem Vortrag. Gemeint hat sie damit: Kann man Glockenblumen als Heilpflanzen brauchen oder kann man sie essen?

In der heutigen Phytotherapie spielen Glockenblumen (Campanula) keine Rolle und auch in den alten Kräuterbüchern tauchen sie selten auf.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird eine Pflanze aus der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae) verwendet:

Die Ballonblume (Platycodon grandiflorus, Syn.: Campanula glauca, Campanula grandiflora, Platycodon glaucus, Platycodon grandiflorum), auch Großblütige Ballonblume oder Chinesische Glockenblume genannt.

Foto bei Wikipedia.

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kikyo_06c1347s.jpg&filetimestamp=20060704111637

Die Ballonblume wird verwendet bei Husten, Schmerzen, Entzündungen, Fieber, Nervenleiden, Krebs und zur Immunstimulation. Verwendet wird die Wurzel. Die Wurzeln werden zudem gegart in Suppen als kräftigendes Gemüse gegessen. Hauptsächlich in der Koreanischen Küche kommen die Wurzeln als „bellflower roots“ vor.

Die Wurzeln gelten aber auch als giftig.

Es gibt Laborexperimente und Tierversuche mit der Ballonblume:

„Im Tierversuch verstärken Extrakte aus der Pflanze die Aktivität von B-Zellen und die Zytokin-Produktion. Saponine aus der Wurzel (Platycodin A-E) zeigen im Labor entzündungshemmende Wirkung.“

(Quelle: Wikipedia)

Fundierte Studien mit Patienten, die relevanter für die Beurteilung einer allfälligen Wirksamkeit wären, liegen offenbar nicht vor.

Die Heimat der Ballonblume liegt in Nordostasien in China, in Ostsibirien, Mongolei, Korea und Japan. Sie wird auch als Zierpflanze angebaut.

Alle Campanula-Arten in Mitteleuropa sind essbar. Die Blüten werden unmittelbar nach dem Aufblühen als essbare Dekoration verwendet, die jungen Sprosse im Frühling zu Spargelgemüse, die Blätter im Frühjahr als Zugabe in Salaten.

Und natürlich gibt es eine Vielfalt an gärtnerischen Kulturformen der Glockenblumen.

Unsere einheimischen Glockenblumenarten sind auch für den Wildpflanzengarten zu empfehlen.

Die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) beispielsweise ist Pollenspender für Wildbienen (Sandbienen, Scherenbienen, Glanzbienen, Sägehornbienen, Mauerbienen, Keulhornbienen, Maskenbienen, Furchenbienen, Blattschneiderbienen), Tagfalter und Hummeln.

So gibt es zum Beispiel die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi), deren Weibchen beim Pollensammeln streng auf Campanula-Arten spezialisiert sind. Die Männchen übernachten oft in Glockenblumenblüten – schön trocken und windgeschützt – und sind damit praktischerweise schon an einem Ort mit hoher Weibchenfrequenz.

Wenn Sie Glockenblumen sowie viele andere Wildpflanzen und Heilkräuter in der Natur kennenlernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilpflanzenexkursionen und Naturseminare.

http://heilpflanzen-info.ch/cms/kurse

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