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Bäder und Wickel als Hausmittel bei Bronchitis

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Ein Apotheken-Portal empfiehlt Bäder und Wickel als Hausmittel bei Bronchitis. Schauen wir uns die Empfehlungen mal genauer an.

Im Text wird einleitend darauf hingewiesen, dass Bäder und Wickel seit Jahrhunderten als wirksame Hausmittel gegen Bronchitis eingesetzt werden.

Die Wärme wirke entspannend auf die Bronchien und die beigesetzten Öle oder Substanzen könnten dabei helfen, den Schleim in den Bronchien zu lösen.

Konkret werden folgende Anwendungen empfohlen:

„Ansteigendes Fußbad mit Thymian und Schachtelhalm: Kochen Sie jeweils einen Liter Thymian- und Schachtelhalmtee, indem Sie je acht Teelöffel der beiden Kräuter mit einen Liter kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Diese beiden Tees schütten Sie mit etwas kaltem Wasser in eine Fußbadewanne, bis das Gemisch eine Temperatur von 33 Grad hat. Nachdem Sie die Füße in die Wanne gestellt haben, gießen Sie allmählich heißes Wasser hinzu, bis eine Temperatur von 42 Grad erreicht ist.“

Das „ansteigende Fussbad“ ist eine Wasseranwendung nach Kneipp. Über eine Wirksamkeit des „ansteigenden Fussbads“ bei Bronchitis gibt es meines Wissens keine gesicherten Belege. Zu den empfohlenen Zusätzen kann ich aber zumindestens etwas sagen:

Thymian enthält ätherisches Thymianöl, das grundsätzlich über die Haut aufgenommen werden kann und bei einem Fussbad auch inhalativ aufnehmbar ist.

Acht Teelöffel Thymiankraut werden aber wohl zuwenig Thymianöl freisetzen, um eine schleimlösende Wirkung in den Bronchien zu erzielen. Ein paar Tropfen reines Thymianöl emulgiert in Kaffeerahm (Sahne) oder Vollmilch wären mit Sicherheit effektiver.

Schachtelhalm als Zusatz überzeugt mich gar nicht. Er enthält weder passende Wirkstoffe, die über die Haut aufgenommen werden, noch flüchtiges ätherisches Öl, das inhalativ wirken könnte.

„Bienenwachswickel (aus der Apotheke): Erwärmen Sie das Wachstuch auf Körpertemperatur und legen Sie den warmen Wickel direkt auf die Brust. Den Wickel können Sie mit einem Unterhemd oder einem Wickeltuch fixieren und eine bis drei Stunden auf der Brust belassen.“

Der Bienenwachswickel ist eine reine Wärmeanwendung.

„Vollbad mit Teebaumöl: Lösen Sie fünf Tropfen Teebaumöl und fünf Tropfen Kamilleöl in einem Teelöffel 50-prozentigen Alkohol und geben Sie diese Mischung ins Badewasser.“

Ätherische Öle in einem Vollbad kommen vor allem inhalativ zur Wirkung. Kamillenöl wirkt entzündungswidrig und Teebaumöl antimikrobiell. Ob sie bei der Anwendung in einem Vollbad in den Bronchien eine genügend hohe Konzentration erreichen, um dort Wirksamkeit zu entfalten, bleibt aber offen. Ich würde statt Teebaumöl Eukalyptusöl oder Thymianöl vorziehen. Sie besitzen beide neben der antimikrobiellen Wirkung noch schleimlösende Eigenschaften und sind an diesem Punkt dem Teebaumöl überlegen.

Interessant ist die Empfehlung, die ätherischen Öle mit 50-prozentigem Alkohol zu mischen. Ich weiss nicht, wie gut das funktioniert. Meistens wird empfohlen, die ätherischen Öle vor der Zugabe ins Badewasser mit Kaffeerahm (Sahne) oder Vollmilch zu emulgieren.

Quelle der Zitate:

http://www.apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/blogads-welche-hausmittel-helfen-gegen-bronchitis/

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Thymian als Antibiotikum bei Infekten?

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Unter dem Titel „Pflanzliche Antibiotika bei Infekten & Co“ berichtet die „Carstens-Stiftung“ über Alternativen zu Antibiotika aus der Phytotherapie.

Das ist ein sehr interessantes Thema und die „Carstens-Stiftung“ weißt zu Recht auf die grossen Probleme hin, die der leichtfertige Einsatz von Antibiotika mit sich bringt. Die Antibiotika-Resistenzen nehmen weltweit dramatisch zu:

„Das ist auch der Grund, warum jedes Jahr Hunderttausende in Krankenhäusern an Infekten sterben, die durch antibiotikaresistente Keime verursacht werden, und die Zahl der resistenten Bakterien nimmt stetig zu. Die Wissenschaftler forschen weltweit nach Alternativen und finden diese in der Natur.“

Der Artikel stellt dann beispielhaft „einige pflanzliche Antibiotika“ vor, „deren Wirkung wissenschaftlich zum Teil nachgewiesen werden konnte.“

Von diesen Beispielen möchte ich hier den Abschnitt über Thymian herausgreifen und kommentieren:

„Wissenschaftler wiesen die keimtötende Wirkung von Thymian in einer Versuchsreihe mit Streptococcus pyogenes nach. Diese Bakterien sind Hauptverursacher von Mandelentzündungen. Durch die Zugabe von Thymian verringerte sich ihre Zahl drastisch. Der Effekt ist nahezu vergleichbar mit dem eines Antibiotikums wie Amoxicillin. In einer weiteren Studie fanden Forscher heraus, dass Mundspülungen, die Thymian enthielten, ebenfalls die Zahl der schädlichen Bakterien stark dezimieren und so Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches lindern. Auch bei Bronchitis, Husten, fieberhaften Infekten und Grippe kann Thymian helfen: Das ätherische Öl des Thymians löst sogar festsitzenden Schleim in den Atemwegen, wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend, krampflösend und schweißtreibend. Thymian gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen: als Öl, Körperöl, Pastillen, Saft, Tropfen, Erkältungsbad, Salbe oder Tee.“

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/pflanzliche-antibiotika-bei-infekten.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin mit der Stossrichtung dieser Beschreibung einverstanden. Thymian zeigt in vielen Experimenten gute Wirkungen gegen Bakterien.

Allerdings ist diese Aussage recht ungenau. Bei dieser „Versuchsreihe mit Streptococcus pyogenes“ und beim Vergleich mit dem Antibiotikum Amoxicillin handelt es sich um Untersuchungen im Labor. Mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit wurde dabei nicht „Thymian“ (als Thymiankraut) zugegeben, sondern das ätherische Thymianöl oder sein Hauptbestandteil Thymol – und das ist ganz und gar nicht das selbe wie „Thymian“, weil die Konzentration der antibakteriellen Wirkstoffe dadurch viel höher ist. Wenn da also zur Wirkung gegen Streptococcus pyogenes geschrieben steht: „Durch die Zugabe von Thymian verringerte sich ihre Zahl drastisch“, so ist das irreführend.

Auch die Aussage: „Der Effekt ist nahezu vergleichbar mit dem eines Antibiotikums wie Amoxicillin“, ist heikel, wenn nicht klar gesagt wird, dass es sich um ein Experiment im Reagenzglas mit Thymianöl oder Thymol handelt. Leserinnen und Leser ziehen dann nämlich möglicherweise den Schluss, dass Thymian bei Infektionen im menschlichen Organismus „nahezu vergleichbar“ mit dem Antibiotikum Amoxicillin wirkt. Dann könnte man auch auf die Idee kommen, bei einer Infektion Amoxicillin durch Thymiantee zu ersetzen. Es gibt aber keinerlei Hinweise darauf, dass „Thymian“ systemisch gegeben bei einer Infektion antibiotisch wirkt. Im Labor an Bakterienkulturen lassen sich mit vielen ätherischen Ölen eindrückliche antibakterielle Effekte zeigen. Dort trifft das ätherische Thymianöl direkt mit den Bakterien zusammen – face to face quasi. Die Situation im „Biotop“ Mensch sieht aber sehr anders aus. Bereite ich mir einen Thymiantee, geht schon mal nur ein Teil des wasserscheuen ätherischen Öls ins Teewasser über.

Wird dann trotzdem ätherisches Öl aus dem Verdauungstrakt aufgenommen, passiert es zuerst die Leber und wird dort möglicherweise umgebaut, damit die Nieren es ausscheiden können. Unwahrscheinlich, dass auf diesem Weg Konzentrationen im Organismus erreicht werden, die systemisch antibakteriell wirken und mit Amoxicillin vergleichbar sind.

Denkbar ist eine systemische antibakterielle Wirkung, wenn ätherische Öle konzentriert in magensaftresistenten Kapseln eingenommen werden, zum Beispiel als Gelomyrtol / Gelodurat, einer Kombination von Eukalyptusöl mit verschiedenem anderen ätherischen Ölen. So können relevante Mengen an ätherischem Öl peroral zugeführt werden. Dass davon ein gewisser Teil die Leber „übersteht“ zeigt sich darin, dass nach der Einnahme die Atemluft nach Eukalyptusöl riecht. Eine antibakterielle Wirkung in den Atemwegen ist so denkbar, vielleicht sogar eine antibakterielle Wirkung in den Harnwegen, wenn Bestandteile des ätherischen Öls dort ausgeschieden werden (das ist aber reine Spekulation). Aber auch bei der hochdosierten Einnahme von ätherischem Öl in Kapselform dürfte eine antibakteriell wirksame Konzentration nur in den Ausscheidungswegen (Atemwege, vielleicht Harnwege) erreichbar sein, nicht systemisch im ganzen Organismus.

Denkbar sind zudem antibakterielle Wirkungen von Thymianöl bei Anwendung als Inhalation.

Fazit: Viele ätherische Öle zeigen antibakterielle Wirkung, doch braucht es dazu eine gewisse Mindestkonzentration, die wohl nur erreicht wird bei örtlicher Anwendung auf Haut oder Schleimhaut. Wie Thymianöl im ganzen Körper antibiotisch gegen Infekte wirken soll, ist unklar.

Die Phytotherapie schreibt dem Thymian eine auswurffördernde Wirkung bei Husten zu. Auch hier ist es aber entscheidend, eine wirksame Anwendungsform einzusetzen.

Der Nutzen einer Anwendung von Thymian bei „fieberhaften Infekten und Grippe“, wie sie der Text empfiehlt, ist unklar. Was soll damit erreicht werden? Bekämpfung der Grippeviren oder Rhinoviren? Thymianöl wirkt zwar im Labor auch gegen Viren (z. B. gegen Herpes-Viren), doch stellt sich auch die Frage, ob eine wirksame Konzentration im ganzen Organismus erreicht werden kann. Das ist eher fraglich….

Und eine schweisstreibende Wirkung von Thymian taucht in der Phytotherapie-Fachliteratur nirgends auf.

 

Meiner Ansicht nach wäre es klarer, im Zusammenhang mit Heilpflanzen-Anwendungen von antimikrobiellen, antibakteriellen, antimykotischen oder antiviralen Mitteln zu sprechen, aber nicht von „pflanzlichen Antibiotika“. Dieser Begriff ist mir zu aufgeplustert und weckt falsche Erwartungen. Seht her, wir haben auch Antibiotika aus der Natur, ganz sanfte, ohne Nebenwirkungen und Resistenzbildung…..

Das schliesst aber nicht aus, dass man in bestimmten, begrenzten Bereichen Antibiotika durch antibakterielle Heilpflanzen-Anwendungen ersetzen kann und vielleicht manchmal auch soll. Die Grenzen sollten jedoch auch abgesteckt werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Bei Rhinosinusitis Nasenspülungen oder Dampfinhalationen?

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Bei chronischer oder wiederkehrender Rhinosinusitis (Nasenebenhöhlenentzündung) werden als Hausmittel oft Nasenspülungen mit Salzwasser oder Wasserdampfinhalationen empfohlen. Dampfinhalationen erwiesen sich in der Studie als weitgehend wirkungslos, während Nasenspülungen immerhin eine moderate Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bewirkten.

Die Studie war randomisiert, das heisst, die Probanden wurden per Zufallsentscheid auf vier Gruppen unterteilt (das ist ein Qualitätsmerkmal für Studien).

Es beteiligten sich 871 Erwachsene mit chronischer oder rezidivierender Rhinosinusitis und einem „mittelschweren bis schweren Einfluss von Sinussymptomen auf die Lebensqualität“.

Die teilnehmenden Personen wurden in ihrer Hausarztpraxis instruiert, sechs Monate lang täglich entweder die Nase mit 150 ml 2%iger Kochsalzlösung zu spülen (n = 219) oder fünf Minuten lang unter einem Handtuch Wasserdampf zu inhalieren (n =232) bzw. beide Maßnahmen durchzuführen(n=210). Die Kontrollgruppe (n = 210) bekam keine dieser Empfehlungen (n sagt aus, wieviele Probanden in dieser Gruppe sind).

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/917299/hausmittel-test-spuelungen-dampf-rhinosinusitis.html

CMAJ 2016, online 18. Juli

http://www.cmaj.ca/content/early/2016/07/18/cmaj.160362

 

Kommentar & Ergänzung:

Grundsätzlich ist es schon mal positiv zu werten, dass einfache Hausmittel wie Nasenspülungen und Dampfinhalationen in einer doch recht grossen Studie untersucht wurden. Weil sich an diesen Hausmitteln kaum etwas zu verdienen lässt, ist es in der Regel schwierig, solche Studien zu finanzieren.

Wie bei praktisch jeder Studie bleiben auch hier eine Reihe von Fragen offen.

Die Anleitung zur Nasenspülung erfolgte zum Beispiel nur über ein kurzes Video. Haben die Teilnehmenden diese Massnahmen wirklich konsequent über 6 Monate durchgeführt? Da habe ich doch ein bisschen Zweifel.

Interessant ist auch, dass mit 2%iger Kochsalzlösung gespült wurde (hypertone Lösung). Als Spüllösung werden sonst meistens isotone Salzlösungen verwendet (0,9% NaCl-Lösung, physiologische Kochsalzlösung) verwendet. (etwa neun Gramm Kochsalz = zwei gestrichene Teelöffel auf einen Liter Wasser.

Hier gibt es aber einen weiteren Bericht über eine positive Studie mit hypertoner Salzlösung:

Rhinosinusitis: Hypertone Salzlösung unterstützt Behandlung

Siehe ausserdem hier:

Nasenduschen mit Salzwasser günstig bei chronischen Rhinosinusititen

Hypertone Salzlösungen bei Schnupfen

Akuter Schnupfen bei Kindern: Nasenspülungen sind wirksam

 

 

Bei den Dampfinhalationen wurden in der Studie aus Southampton offenbar mit Wasserdampf inhaliert. Hier wäre interessant, ob die Inhalation mit Kochsalzlösung (isotonisch? hypertonisch?) allenfalls besseere Resultate gebracht hätte.

Siehe:

Inhalation mit Salzlösung – die ideale Begleittherapie bei Husten

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2012/11/13/inhalation-mit-salzlosung-die-ideale-begleittherapie-bei-husten.html

Ausserdem lassen sich Dampfinhalationen mit Wasserdampf oder mit Kochsalzlösung zusätzlich mit Heilpflanzen anreichern. Man kann zum Beispiel eine Mischung von Kamillenblüten und Thymiankraut mit dem kochenden Wasser beziehungsweise Salzwasser übergiessen und damit inhalieren. Dabei wirkt Kamille mehr entzündungswidrig und Thymian mehr antimikrobiell.

Interessant ist zudem die Idee von Ingwer-Inhalationen. Siehe dazu:

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Heiserkeit: Inhalieren mit Kamille und Salbei

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Salbei bei übermässigem Schwitzen (Hyperhidrose)

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Im Phyto-Forum der „Ärztezeitung“ nahm vor kurzem Professor Karin Kraft (Lehrstuhl für Naturheilkunde, Universität Rostock) Stellung zur Frage nach pflanzlichen Optionen für Patienten mit Hyperhydrose:

„Als pflanzliche Option werden bei Hyperhidrose vor allem Zubereitungen aus dem dalmatinischen Salbei (Salvia officinalis L.) verwendet. Das antihidrotische Wirkprinzip ist nicht genau bekannt, möglicherweise sind die enthaltenen Gerbstoffe daran beteiligt.“

Bei generalisiertem Schwitzen seien Teeaufgüsse mit Salbeiblättern hilfreich, schreibt Kraft:

„Einen Teelöffel geschnittene Blätter (2g) bzw. einen Filterbeutel mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen, dreimal täglich über zwei bis vier Wochen eine Tasse des abgekühlten Tees trinken.“

Prof. Kraft geht in ihrem Beitrag auch auf die Studienlage ein:

„Die erhältlichen klinischen Studien sind stets offen, die meisten davon wurden schon in den 1930er Jahren bei Patienten mit zum Beispiel Tb oder auch bei gesunden Freiwilligen durchgeführt.“

Sie schreibt zudem, dass alle Studien die langjährige Annahme unterstützen, dass wässrige Salbeiblätterextrakte die Schweißsekretion bei Hyperhidrose hemmen.

Als Beispiel erwähnt Kraft eine offene, unkontrollierte Studie, in der 40 Patienten mit idiopathischer Hyperhidrose einen wässrigen Trockenextrakt (440mg, entsprechend 2,6g Salbeiblättern) erhielten und weitere 40 Patienten Salbeitee (4,5g Blätter / Tag). Die Schweißsekretion sank bei beiden Gruppen auf weniger als 50 Prozent ab.

Ein Therapieversuch mit Salbeiblätterextrakt sei somit bei Patienten mit generalisierter Hyperhidrose durchaus gerechtfertigt.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/866623/phyto-forum-salbei-hyperhidrose.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Salbei ist unbestritten das Mittel gegen übermässiges Schwitzen in der Phytotherapie. Aber es ist so wie bei sehr vielen Themen: Bohrt man etwas in die Tiefe, zeigen sich eine ganze Reihe von offenen Fragen.

Auch der Hersteller eines Salbeipräparates (Salvysat) schreibt im Beipackzettel:

„Die hydrophile Salbeifraktion mit ihrem Wirkungsträger Rosmarinsäure als wichtigsten Lamiaceengerbstoff beinhaltet die antihidrotische Wirksamkeit.“

Ich bin nicht überzeugt, dass Gerbstoffe hier relevant sind. Lamiaceengerbstoffe bzw. Rosmarinsäure gibt es auch in Melissenblättern, Thymiankraut, Rosmarinblättern und anderen Lippenblättlern ( = Lamiaceen). Dann müssten diese Heilpflanzen auch antihydrotisch wirken. Davon ist aber nichts bekannt (Was sind Lamiaceengerbstoffe? Was ist Rosmarinsäure?).

Und wird Rosmarinsäure ausreichend aus dem Verdauungstrakt aufgenommen? – Gerbstoffe werden normalerweise kaum resorbiert (wobei Lamiaceengerbstoffe allerdings eine spezielle Variante sind).

Rosmarinsäure ist jedoch wesentlich an der antientzündlichen Wirkung von Salbei beteiligt – zum Beispiel bei Zahnfleischentzündungen und Mundschleimhautentzündungen.

Offene Fragen gibt es auch bezüglich: Wie schnell kommt die Wirkung und wie lange hält sie an?

Im Phytokodex steht dazu:

„Salbeiinfus hemmt die dermale Wasserausscheidung bei gesunden Testpersonen bis zu 52 %. Die Wirkung setzt zwischen dem ersten und vierten Behandlungstag ein und läßt nach neun Tagen wieder nach. Auch eine durch Pilocarpin induzierte Schweißbildung wird rasch antagonisiert.“

Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Salbeiblatt.html

Reinhard Länger – der auch für den „Phytokodex“ mitverantwortlich ist – wird im „Standard“ (2001) so zitiert:

„’Eine Studie aus dem Jahr 1998 belegte z.B., dass Patientinnen, die unter Hitzewallungen in der Menopause litten, auf die Behandlung mittels Salbei ansprachen‘, erklärte Univ.-Prof. Dr. Reinhard Länger vom Institut für Pharmakognosie an der Universität Wien. ‚Ein Trockenextrakt des Salbeis würde innerhalb von zwei bis drei Stunden wirken. Zu empfehlen sind 120 Milligramm drei Mal täglich‘, meinte Länger.“

Quelle: http://derstandard.at/927178

Das ist also ein viel rascherer Wirkungseintritt und deckt sich mit Gessner / Orzechowski, „Gift- und Arzneipflanzen von Mitteleuropa“ (1974): „Die antihydrotische Wirkung tritt rasch ein, erreicht ihr Maximum nach 2 – 2 ½ Std. und kann sogar mehrere Tage anhalten.“ Quelle für diese Angabe ist allerdings eine Dissertation aus dem Jahr 1896 (M. Krahn, Greifswald).

Wirkt Salbei jetzt also nach 2 Stunden oder erst nach ein paar Tagen? Und ist eine Anwendung über vier Wochen sinnvoll, wenn die Wirkung nach neun Tagen nachlässt?

Schade ist natürlich, dass es offenbar keine placebokontrollierten Studien gibt zu diesem Thema. Überraschend ist das allerdings nicht. Salbei lässt sich nicht patentieren. Und was sich nicht patentieren lässt, ist kaum attraktiv für intensivere Investitionen in die Forschung, weil alle Ergebnisse frei von allen anderen Anbietern genutzt werden könnten.

Interessant ist ein Hinweis im Buch „Biogene Arzneimittel“ von Eberhard Teuscher, Matthias F. Melzig und Ulrike Lindequist (Stuttgart 2012):

„Die antihydrotische, d.h. die Schweisssekretion hemmende Wirkung, ist bei Präparaten aus Frischpflanzen besonders ausgeprägt. Die für diese Wirkung verantwortlichen Stoffe sind nicht bekannt.“

Leider fehlen genauere Angeben dazu, aufgrund welcher Erkenntnisse die Autoren zur Aussage kommen, dass Frischpflanzenpräparate für diesen Anwendungsbereich besonders gut wirksam sind. Das ist nämlich nicht selbstverständlich. Frischpflanzenpräparate sind nicht grundsätzlich wirksamer.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Süssholzwurzeltee schützt Magenschleimhaut

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Das Magazin „Focus“ schreibt zur Wirkung von Süssholzwurzel:

„Die Süßholzwurzel hemmt Entzündungen, schützt die Magenschleimhaut und entkrampft den Magen. Hauptwirkstoff ist das Saponin Glycyrrhizin, das auch der Lakritze ihren charakteristischen Geschmack verleiht.

Für den Tee die Süßholzwurzel in kleine Stücke schneiden und kurz aufkochen lassen. Wer mag, kann auch etwas Fenchel dazugeben. Dann fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Je süßer der Tee werden soll, desto länger muss er ziehen. Schluckweise über den Tag verteilt trinken.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/magen/tid-21554/hausmittel-magenkraempfe-entspannung-fuer-den-magen_aid_605248.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist soweit korrekt. Häufiger als bei Magenschleimhautentzündung wird Süssholz allerdings als schleimlösendes Mittel bei Husten eingesetzt.

Süssholz ist ein häufiger Bestandteil von Hustentee-Mischungen („Brusttee“), beispielsweise zusammen mit Thymiankraut, Schlüsselblumenblüten, Spitzwegerichkraut, Anisfrüchten, Malvenblüten oder Königskerzenblüten.

Die Süssholzpflanze (Glycyrrhiza glabra) gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und ist im Mittelmeergebiet und in Westasien beheimatet (Abbildung auf Wikipedia).

Mit verschiedenen Varietäten besiedelt die Pflanze eine große Region vom südöstlichen Europa über Vorderasien, Ukraine, Mittelrussland, südliches Sibirien, Afghanistan bis zum westlichen China.

Die stark süß schmeckende Süssholzwurzel enthält Glycyrrhizin, ein Triterpensaponin, das etwa die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker (Saccharose) besitzt.

Die Wurzeln werden zur Gewinnung von „Süßholzsaft“ (Liquiritiae succus) verwendet, der in die weltweit beliebten Lakritz-Süßwaren eingearbeitet wird. Zu diesem Zweck werden die frischen Wurzeln zerkleinert und mit Wasser viele Stunden ausgekocht. Der so gewonnene Saft wird anschliessend ganz langsam bis zur zähflüssigen Konsistenz eingedickt. Bei diesem Vorgang bildet sich das so charakteristische Lakritzaroma. Der zähflüssige Extrakt wird zu 5% bis maximal 50% zusammen mit Zucker, Mehl, Stärke und/oder Gelatine sowie Geruchs- und Geschmacksstoffen zu Lakritzwaren verarbeitet.

Bei längerer Anwendung und höherer Dosierung kann Lakritze Störungen im Mineralstoffhaushalt bewirken: mineralokortikoide Effekte in Form einer Natrium- und Wasser-Retention, Kaliumverlust mit Bluthochdruck, Ödeme (Wasseransammlung in Geweben) und in seltenen Fällen Myoglobinurie (Eiweiß des Muskelgewebes im Harn).

Während der Schwangerschaft ist Lakritze zu meiden.

Siehe auch:

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft?

Und sonst noch zu Süssholz bzw. Lakritze:

Amorfructine aus Süssholz gegen Diabetes

Fundstück: Rezept für hausgemachte Lakritze

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

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Phytotherapie: Pflanzenmedizin gegen Husten

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ ( Nr. 7 / 2012) fasst aktuelle Empfehlungen bezüglich Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten zusammen:

„Atemwegsinfekte sind der häufigste Anlass für Krankschreibungen. Gerade gegen Husten bietet die Pflanzenmedizin aber gut verträgliche Hilfen an, deren Evidenz inzwischen auch in Leitlinien wissenschaftlicher Gremien Anerkennung fand. So hat die Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin gleich zwei Pflanzenkombinationen in ihre Therapieempfehlungen aufgenommen, die in der Leitlinie zu »Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten« genannt werden. Sie stufte die Wirksamkeit von Thymiankraut und Efeublättern und Thymiankraut und Primelwurzeln als wissenschaftlich nachgewiesen ein. Ursache eines akuten Hustens sind fast immer Viren. Eine antibiotische Therapie – die bekanntlich nur gegen Bakterien wirken kann – ist deshalb nur in Ausnahmefällen indiziert. Die pflanzlichen Präparate bewirken dagegen erwiesenermaßen eine schnellere Linderung des Hustens im Vergleich zu Placebo.

Als schleimlösende Mittel (Expectorantien) werden von den Lungen- und Atemwegsspezialisten Extrakte aus Anis, Myrtol, Pfefferminz, Eukalyptus, Thymian, Efeublättern und Primelwurzeln aufgezählt. Hustenstillende Eigenschaften weisen laut Leitlinie Extrakte aus Thymian, Spitzwegerich, Drosera und Wollblumen auf. Allerdings entsprechen längst nicht alle Präparate, die derartige Pflanzen enthalten, den geforderten wissenschaftlichen Qualitätskriterien. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker. Pflanzliche Hustenmittel gelten auch in der Behandlung von Kindern als besonders geeignet.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Empfehlungen in den Leitlinien sind erfreulich und nachvollziehbar. Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten können es jedenfalls oft auch aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel bei einer Gesamtbetrachtung durchaus mit synthetischen Präparaten aufnehmen.

Bei den synthetischen Expectorantien (Schleimlöser) ist zum Beispiel beim Klassiker N-Acetylcystein (Fluimucil) die Studienlage sehr widersprüchlich und die Wirksamkeit nicht eindeutig belegt, obwohl das Präparat oft verkauft und eingenommen wird.

Bei den synthetischen Antitussiva (Hustenstiller) unterscheidet man Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt, Risiko von Nebenwirkungen) und Nicht-Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt):

– Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

– Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

Berücksichtigt man sowohl Wirkungen als auch unerwünschte Nebenwirkungen für die Beurteilung, so schneiden die erwähnten Heilpflanzen-Anwendungen im Vergleich zu den synthetischen Substanzen gut ab.

Allerdings stimmt auch der Hinweis im Zitat, dass längst nicht alle Präparate, welche die erwähnten Heilpflanzen enthalten, den geforderten Qualitätskriterien genügen.

Es gibt sehr grosse Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten.

P.S.

– Mit Drosera ist Sonnentau gemeint, eine insektenfressende Pflanze, die im Hochmoor wächst.

– Efeublätter nicht als Tee verwenden, sondern nur als Fertigpräparat, das auf einen bestimmten Wirkstoffgehalt eingestellt ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Antitussiva (Hustenstiller / Hustenblocker) bei trockenem Husten

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Was hilft bei trockenem Husten?

„Trockener Husten ist meist das erste Symptom eines Virusinfekts der oberen Luftwege oder tritt in Kombination mit anderen Erkältungssymptomen auf. Diese Art des Hustens erfolgt manchmal nur als Hüsteln oder Räuspern gemeinsam mit Heiserkeit, vor allem in den ersten Tagen einer Erkältung. So genannte Antitussiva – Hustenstiller – dienen zur Unterdrückung des Hustenreizes und werden bei trockenem Husten eingesetzt. Sie werden in der Regel 2 bis 3 Tage lang eingenommen. Zu den pflanzlichen Antitussiva zählen Spitzwegerich, Eibischwurzel, Königskerze, Isländisch Moos, während die Wirkstoffe Pentoxyverin, Benproperin oder Dextromethorphan zu den chemischen Antitussiva zählen. Ebenso können Lutschtabletten zur Minderung des Hustenreizes herangezogen werden, wie etwa pflanzliche Pastillen oder Lokalanästethika. Generell sollten Sie auf ausreichend Luftfeuchtigkeit achten – feuchte Handtücher auf der Heizung können helfen – sowie auf das Sprechen mit normaler, nicht lauter aber auch nicht flüsternder Stimme.“

Quelle: „Die Apotheke“ Nr. 9 / 2012

Kommentar & Ergänzung:

Zu den pflanzlichen Antitussiva würde ich noch die Malvenblüten (von Malva silvestris) hinzufügen.

Ein bewährtes Hausmittel sind zudem Inhalationen mit Kamillenblüten und Thymiankraut 1 : 1 gemischt oder mit Kochsalz.

Dazu zwei Liter Wasser zum Kochen bringen. Entweder eine Handvoll der Mischung von Kamilleblüten und Thymiankraut oder drei gehäufte Esslöffel Kochsalz dazugeben. Gesicht über die Schüssel halten, mit Handtuch abdecken und zehn Minuten inhalieren. Die Kamille wirkt desinfizierend und dämpft Entzündungen. Kochsalz wirkt schleimlösend.

Von den erwähnten synthetischen Wirkstoffen kommt in der Schweiz als Hustenblocker häufig Dextromethorphan zur Anwendung. Beispielsweise in Bexin®, Bexomed®, Calmperphan®, Clemesin®, Dextro-Med®, Pretuval® Pulmofor®, Vicks Medinait®.

Bei starkem Reizhusten kann Dextromethorphan temporär Sinn machen, die Anwendung in einem Kombipräparat wie Pretuval oder Vicks Medinait ist allerdings fragwürdig.

Siehe:

Erkältungsmittel: Hände weg von Kombipräparaten

Dextromethorphan kann allerdings problematische Nebenwirkungen haben, die zu wenig bekannt sind:

„ Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom P450 Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Infolge der erwähnten pharmakogenetischen Schwäche des Cytochrom P450 Enzyms CYP2D6 gibt es einen geringen Prozentsatz von Menschen, die den Wirkstoff Dextromethorphan sehr langsam abbauen. Dadurch verlängert sich die Plasmahalbwertszeit von Dextromethorphan, so dass schon bei therapeutischen Dosen ein starker Rauschzustand ausgelöst werden kann, der einer Psychose ähnelt.

Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose zur Folge haben, wobei unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbstgefährdung oder Fremdgefährdung führen kann. Bei regelmäßiger, missbräuchlicher Einnahme kann sich eine Suchterkrankung entwickeln, unter Umständen muss auch mit Hirnschäden gerechnet werden.

Dextromethorphan sollte nicht in der Schwangerschaft angewendet werden, da es in Verdacht steht, die fetale Hirnentwicklung negativ zu beeinflussen.

Für ein rezeptfrei verkauftes Arzneimittel sind das ziemlich happige Risiken, die zur Vorsicht mahnen.

Möglichst zu meiden sind synthetische Hustenblocker bei produktivem Husten (= Husten mit Auswurf), weil sie das Abhusten des Schleims behindern.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Thymian und Efeu gegen trockenen Husten?

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Bei Hustenreiz seien Teeaufgüsse aus Thymian und Efeu empfehlenswert. Sie sollen zugleich hustenstillend und hustenlösend wirken. Das empfiehlt Wolfgang Hornberger vom Berufsverband Deutscher HNO-Ärzte. Zur Linderung des Hustenreizes geeignet seien Eibischwurzel bzw. Eibischblätter, Spitzwegerich, Malve oder Isländisch Moos.

Generell sei es bei Reizhusten wichtig, viel zu trinken, die Stimme nicht zu stark zu strapazieren, das Husten nicht zu provozieren und Rauchen sowie zu kalte Luft zu meiden, erläutert Hornberger. Die Raumluft sollte nicht zu trocken sein. Regelmäßiges Stoßlüften und Wasserschalen auf der Heizung können hier eine Verbesserung bringen.

Hält sich ein trockener Husten länger als eine Woche, ist er schmerzhaft, oder treten andere Beschwerden wie Fieber oder Halsschmerzen auf, solle ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden. Denn möglicherweise stecke eine Infektion der oberen Atemwege hinter dem Husten, die mit Medikamenten therapiert werden müsse.

Quelle:

http://www.abendblatt.de/ratgeber/gesundheit/article110027515/Thymian-und-Efeu-lindern-trockenen-Husten.html

Kommentar & Ergänzung:

Schön, dass der Präsident der HNO-Ärzte Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten empfiehlt.

Festzuhalten ist dazu allerdings noch:

Efeublätter und Thymiankraut wirken vor allem schleimlösend und werden daher vorzugsweise bei produktivem Husten eingesetzt, weniger bei trockenem Husten.

Bei den Efeublättern ist die Phytotherapie-Fachliteratur gegenüber der Anwendung in Teeform überwiegend skeptisch. Der „Leitfaden Phytotherapie“ von Heinz Schilcher, Tankred Wegener und Susanne Kammerer schreibt dazu:

„Vor der Zubereitung eines Teeaufgusses oder einer Teeabkochung aus selbstgesammelten Efeublättern ist zu warnen. Die richtige Blätterdosierung ist schwierig zu handhaben. Die therapeutisch wichtigen Efeu-Saponine wirken bei richtiger Dosierung hervorragend expektorierend, können aber bei falscher Dosierung  Erbrechen auslösen. Deshalb ausschliesslich standardisierte Fertigpräparate einnehmen.“

Auch beim Thymian ist fraglich, ob der Tee die optimale Anwendungsform ist. Inhalationen mit Thymianöl dürften in vielen Fällen die überlegene Option sein. Mit dem Thymianöl vergleichbare Wirkung zeigen Eukalyptusöl und Anisöl).

Eibisch, Spitzwegerich, Malve und Isländisch Moos sind als Schleimpflanzen bei trockenem Husten dagegen passend. Ich würde Eibischwurzel (Kaltauszug) oder Malvenblüten (aus Malva silvestris) vorziehen.

Isländisch Moos enthält neben Schleimstoffen auch Bitterstoffe. Ein Tee aus Isländisch Moos ist daher nur tauglich bei Menschen, die den bitteren Geschmack tolerieren. Spitzwegereich fällt im Schleimgehalt gegenüber Eibischwurzel und Malvenblüten ab, hat dafür aber noch Wirkstoffe mit leicht entzündungswidriger und antibakterielle Wirkung (Iridoide wie Aucubin und Catalpol).

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Heilpflanzen bei produktivem Husten

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Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten sollten dem Hustenstadium angepasst sein.

Bei trockenem Reizhusten sind Schleimpflanzen wie Malvenblüten, Eibischwurzel, Spitzwegerich und Isländisch Moos empfehlenswert.

Zur  Behandlung von produktivem Husten (Husten mit Auswurf) schreibt die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 9 / 2012):

„Bei dem feuchten oder produktiven Husten ist es von großer Bedeutung, dass der Schleim verflüssigt und abgehustet wird. Der Auswurf kann eine grün-gelbliche Farbe haben und im Laufe einer Erkältung mit anderen Beschwerden auftreten. Diese Art des Hustens wird mit so genannten Expektorantien behandelt. Sie lösen einerseits das Bronchialsekret und haben zusätzlich eine krampflösende Wirkung. Die Einnahme wird für etwa 7 Tage empfohlen. Zusätzlich sollte viel warme Flüssigkeit getrunken werden. Beispiele für pflanzliche Expektorantien sind Thymiankraut, Efeublätter(-extrakt) oder Eukalyptus, chemische etwa Ambroxol, Bromhexin oder Acetylcystein.“

Kommentar & Ergänzung:

Zu den pflanzlichen Expektorantien zählen ausserdem: Anisfrüchte, Fenchelfrüchte, Schlüsselblumenwurzel, Senegawurzel.

Thymiankraut, Eukalyptusblätter, Anisfrüchte und Fenchelfrüchte verdanken ihre schleimlösende Wirkung ihrem Gehalt an ätherischem Öl. Sie können daher auch gut via Inhalation angewendet werden oder als Erkältungsbad.

Ambroxol ist ein Metabolit von Bromhexin (Bisolvon®), das seinerseits von Vasicin abgeleitet ist, einem pflanzlichen Inhaltsstoff aus der Arzneipflanze Adhatoda vasica.

Acetylcystein ist Inhaltsstoff von Fluimucil.

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Heilpflanzen bei Schnupfen

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 1 / 2012) veröffentlichte einen Beitrag zum Thema Schnupfenbehandlung. Dabei kamen auch Heilpflanzen-Anwendungen zum Zug:

„Aus der Pflanzenheilkunde ergeben sich wirksame Möglichkeiten, den gewöhnlichen Schnupfen in den Griff zu bekommen. Beispielsweise ist die Verwendung ätherischer Öle in Form von Tropfen oder Sprays empfehlenswert. Um die Beweglichkeit der in den Atemwegen befindlichen Flimmerhärchen nicht einzuschränken, sollte auf eine hydrophile, d.h. wässrige Zusammensetzung – statt fettreicher Salben – geachtet werden. Durch den Einsatz ätherischer Öle in dieser Form kann eine Verbesserung der Nasenluft-Passage erzielt werden. Weiters bewirkt auch der aus Pflanzen gewonnene Wirkstoff Myrtol die Verflüssigung und den anschließenden Abtransport von Schleimansammlungen.  Auch die Kombination aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüte, Sauerampferkraut, Holunderblüte und Eisenkraut ist bei Erkrankungen der oberen Atemwege wirksam.“

Kommentar & Ergänzung:

Bei den ätherischen Ölen stehen für die Schnupfenbehandlung im Vordergrund Eukalyptusöl, Thymianöl und Pfefferminzöl. Man kann von einem dieser ätherischen Öle ein paar Tropfen auf ein Papiertaschentuch geben und dieses im Raum deponieren.

Oder man gibt einen Tropfen auf einen Topf mit heissem Wasser und atmet die Dämpfe direkt ein.

Ätherische Öle sollten bei Säuglingen und Kleinkindern nicht in der Nähe von Mund und Nase appliziert werden.

Wer keine isolierten ätherischen Öle anwenden will, kann auch Kamillenblüten und Thymiankraut mischen, kochendes Wasser darüber giessen und den Dampf inhalieren.

Kamille und Thymian eignen sich gut als Inhalationsmischung.

Der Hinweis auf den Wirkstoff Myrtol bezieht sich auf das Phytopharmakon Gelomyrtol®. Die magensaftresistenten Kaseln werden eingenommen und enthalten Myrtol, ein Destillat aus einer Mischung von Eukalyptusöl, Süssorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen zählen die Monoterpene Limonen, Cineol und α-Pinen.

Gelomyrtol® wird angewendet bei akuter und chronischer Bronchitis und akuter und chronischer Sinusitis bei Erwachsenen und Kindern ab 4 Jahren.

Der Hinweis auf die Kombination aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüte, Sauerampferkraut, Holunderblüte und Eisenkraut bezieht sich auf das Präparat Sinupret®. Das pflanzliche Kombinationspräparat wird vor allem eingesetzt bei Entzündungen der Nasennebenhöhlen.

Der Schnupfen (Rhinitis) ist aber auch das klassische Anwendungsgebiet der Nasenspülung mit Kochsalzwasser. Einer Studie zufolge, bei der eine isotonische Salzlösung eingesetzt wurde, war bei Kindern in der Akutphase einer Rhinitis das Ausmaß der Nasenschleimhautschwellung und der Nasensekretion im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Nasenspülung signifikant vermindert. In der Präventionsphase zeigten sich weniger Sekretion, Halsschmerzen und Husten, es mussten weniger fiebersenkende oder abschwellende Medikamente eingesetzt werden und zudem fielen signifikant weniger Krankheitstage an. Eine Studie aus Deutschland kommt bei Erwachsenen zu einem vergleichbaren Resultat.

Nasenspülungen mit physiologischer Kochsalzlösung sind billig, unschädlich und wirksam.

Siehe auch:

Ätherische Öle bei Schnupfen

Menthol bei Schnupfen

Tägliche Inhalation mit Salzwasser beugt Erkältungen vor

Salzwasser-Inhalationen als Mittel gegen Erkältungen, Schweinegrippe & Co.

Akuter Schnupfen bei Kindern: Nasenspülungen sind wirksam

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