Beiträge

Arzneiformen in der Phytotherapie

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Phytotherapie basiert auf dem Wissen über die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen. Zentral ist dabei natürlich die Frage, welche Heilpflanze für bestimmte Beschwerden am sinnvollsten, passendsten und wirksamsten ist.

Genauso wichtig und oft unterschätzt ist aber die Frage nach der besten Arzneiform. Es reicht nicht zu wissen, dass beispielsweise Thymian bei produktivem Husten schleimlösend wirkt. Mindestens so wichtig ist die Wahl der Arzneiform.

Thymiantee?

Thymiantinktur? Frischpflanzentinktur oder Tinktur aus getrockneten Pflanzen?

Thymianöl?

Thymian-Frischpflanzenpresssaft?

Thymianbad?

Thymian-Einreibung?

Thymianextrakt?

Die Wahl der Arzneiform bestimmt wesentlich mit, welche Wirkstoffe gelöst werden und in welcher Menge.

Die Frage nach der geeigneten Arzneiform sollte daher auf keinen Fall unterschätzt werden.

Ich habe dazu einen Text verfasst und auf Info-Phytotherapie veröffentlicht:

Arzneiformen in der Phytotherapie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Schleimlöser bei Husten: Schlüsselblumenblüten oder Schlüsselblumenwurzel?

Diesen Artikel teilen:

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) ist eine wichtige Heilpflanze bei produktivem Husten. Sie wird bei dieseer Indikation als Schleimlöser (Expectorans) eingesetzt wird.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Wirkstoffgehalt in der Schlüsselblumenwurzel deutlich höher ist als in den Schlüsselblumenblüten.

Präzis beschrieben hat dies vor kurzem ein Beitrag auf Apotheke-Adhoc:

„In der Phytotherapie finden sowohl die Blüten als auch die Wurzel Anwendung. Die Schlüsselblumenblüten enthalten jedoch weitaus weniger wirksame Inhaltsstoffe als die Wurzel. Bislang konnte nur ein geringer Anteil an Triterpensaponinen nachgewiesen werden. Ätherisches Öl ist zu etwa 0,1 Prozent enthalten, Flavonoide zu etwa 3 Prozent. Die Blüten werden volkstümlich bei Reizbarkeit, Ruhelosigkeit und Angstzuständen eingesetzt. Auch wenn die Wirksamkeit nicht belegt ist, kommen die Blüten außerdem bei Neuralgien, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit zum Einsatz.

Die Wurzel enthält weitaus mehr Triterpensaponine, insgesamt können es bis zu 12 Prozent der Pflanzeninhaltsstoffe sein. Der Großteil bezieht sich auf das Aglykon Protoprimulagenin A und die dazugehörigen Glykoside – die Primulasaponine. Primverin und Primulaverin sind als Phenolgylkoside die Hauptkomponenten.“

Apotheke-adhoc geht auch auf den Wirkungsmechanismus der Schlüsselblume ein, also auf die Frage, wie die schleimlösende Wirkung der Saponine zustande kommt:

„Die Wirkung ist auf die Triterpensaponine zurückzuführen. Sie reizen die Magenschleimhaut und regen die Bronchialschleimhaut durch die Reizweiterleitung über Nervenfasern dazu an, mehr Schleim zu produzieren. Somit verdünnt sich das Sekret und kann leichter abgehustet werden. Als Nebenwirkungen können vereinzelt Magenreizungen oder Übelkeit auftreten. Die Wurzel kann als Expektoranz zum Beispiel mit Thymian, Spitzwegerich, Fenchel oder Süßholz kombiniert werden.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/arzneipflanzen-primula-veris-fruehblueher-gegen-husten/

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein fachlich kompetenter Text. Bei der Schlüsselblume steht heute tatsächlich die schleimlösende Wirkung im Zentrum.

Die erwähnten volkstümlichen Anwendungen der Schlüsselblumenblüten bei Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Angstzuständen, Neuralgien, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit sind nicht plausibel. Schlüsselblumenblüten eignen sich aber gut zur Teeverschönerung. Sie sind auch enthalten im Präparat „Sinupret“, das bei Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) eingesetzt wird.

Bei Husten ist aber wegen des höheren Saponin-Gehalts mit grosser Wahrscheinlichkeit die Schlüsselblumenwurzel wirksamer. Allerdings ist sie einzeln nicht nicht fundiert auf ihre Wirksamkeit untersucht worden. Es gibt aber gute Studien zur Wirksamkeit einer Kombination von Thymianextrakt und Schlüsselblumenwurzelextrakt. Dieses Kombipräparat wird sogar in den Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) empfohlen.

Siehe dazu hier:

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

Schlüsselblume als Hustenmittel

 

Heilpflanzen-Extrakte aus Schlüsselblume und Thymian helfen beim abhusten

Den beschriebenen Wirkungsmechanismus der Triterpensaponine nennt man auch gastropulmonalen Reflex. Er ist nicht spezifisch für die Schlüsselblume, sondern tritt auch bei anderen Heilpflanzen auf, die Triterpensaponine enthalten.

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) steht im Übrigen unter Naturschutz. Zu Heilzwecken kauft man sie besser in der Apotheke oder Drogerie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Diesen Artikel teilen:

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

Diesen Artikel teilen:

Die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet über die Bewertung von Erkältungsmitteln durch die „Stiftung Warentest“ und vergleicht die Empfehlungen mit der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Bei den Hustenmitteln haben dabei die Phytopharmaka (Heilpflanzen-Präparate) eine überraschend gute Stellung.

Werden Schleimlöser oder Hustenstiller gewünscht, können laut Stiftung Warentest bei Reizhusten Dextromethorphan oder zur Schleimlösung Acetylcystein (ACC) oder Ambroxol zur Anwendung kommen.

ACC und Ambroxol allerdings nur mit Einschränkung, da ihre Wirksamkeit nicht bewiesen sei. Aus dem selben Grund rät die DEGAM-Leitlinie „Husten“ von ACC und Ambroxol ab, für Hustenstiller sieht sie nur in Ausnahmefällen eine Berechtigung, zum Beispiel nachts, um besser schlafen zu können.

In der Bewertung der „Stiftung Warentest“ finden sich auch Phytopharmaka, nämlich Spitzwegerichextrakt gegen Hustenreiz und Schleimlöser mit Efeu oder Thymian. Aber auch sie werden nur mit Einschränkung empfohlen, da sie nicht ausreichend erforscht seien.

Die DEGAM-Leitlinie dagegen steht den Phytopharmaka offener gegenüber. Sie anerkennt insbesondere für Myrtol Hinweise auf positive Effekte. Myrtol wird von der „Stiftung Warentest“ gar nicht erwähnt. Auch Kombipräparaten von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt wird in der DEGAM-Leitlinie durchaus ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis zugeschrieben. Sie schreibt deshalb, dass bei entsprechendem Therapiewunsch des Patienten diese Phytopharmaka zur moderaten Symptomlinderung bzw. – verkürzung bei Erkältungshusten bzw. akuter Bronchitis erwogen werden können.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2015/erkaltungsmittel-gut-und-gunstig-und-leitliniengerecht

Kommentar & Ergänzung:

Dann will ich mal versuchen, nachfolgend bei den aufgeführten Hustenmittteln Phytopharmaka und synthetische Mittel gegenüber zu stellen.

Die Hustenstiller:

Bei Hustenstillern und insbesondere bei Schleimlösern stehen die Phytopharmaka im Vergleich mit den synthetischen Wirkstoffen gut da, was die wissenschaftlichen Belege und die Sicherheit angeht.

Mag sein, dass Spitzwegereichextrakt als Hustenstiller nicht ausreichend erforscht ist. Aber schauen wir uns einmal die synthetische Alternative Dextromethorphan an. Die Wirksamkeit von Dextromethorphan ist zumindestens fragwürdig. Der WDR hat den Forschungsstand am 15. 12. 2014 zusammengefasst und beruft sich dabei auf die renommierte Cochrane Collabortion:

„Die Cochrane Collaboration hat insgesamt 26 Studien zu Codein- und Dextromethorphan-haltigen Präparaten beurteilt. Das Fazit: Die Studienlage ist insgesamt uneinheitlich: Oft zeigten unterschiedliche Studien widersprüchliche Ergebnisse. Daher kann das Expertengremium keine wirkliche Empfehlung für oder gegen Hustenstiller aussprechen. Zudem wirkte Honig in vielen Studien sogar besser als Dextromethorphan.“

Quelle: http://www1.wdr.de/themen/wissen/erkaeltungsmittel114.html

Sehr überzeugend tönt das nicht, wenn sogar Honig besser wirkt als Dextromethorphan.

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 1:1

Dazu kommt aber noch die Frage nach den Risiken: Beim Spitzwegerichextrakt sind Risiken nicht bekannt und auch nicht zu erwarten.

Bei Dextromethorphan sieht das ganz anders aus:

„Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom-P450-Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Dextromethorphan zeigt zudem Wechselwirkungen insbesondere mit bestimmten Antidepressiva und mit Alkohol.

Und dann gibt es noch ein Missbrauchsrisiko:

„Dextromethorphan wird auch missbräuchlich eingenommen, da es in hohen Dosen dissoziative und anderweitig berauschende Effekte hat (ähnlich der bei niedrig dosiertem Ketamin). Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose nach sich ziehen, unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbst- oder Fremdgefährdung führen. Regelmäßige missbräuchliche Einnahme kann zur Suchterkrankung führen, unter Umständen ist auch mit Hirnschäden zu rechnen.

Direkt durch Dextromethorphan bedingte Todesfälle sind theoretisch möglich, dafür aber müsste es in einer derart hohen Dosis eingenommen werden, wie es in der Praxis kaum möglich ist. In der Kombination mit Paracetamol sind jedoch Todesfälle bekannt. Zum Missbrauch vom Dextromethorphan sind nur wenige Studien verfügbar. Die bekannteste Arbeit zum Thema stellt wohl die DXM-FAQ von William E. White, einem amerikanischen Dextromethorphan-Forscher, dar. Seine Thesen stützen sich teilweise auf Berichte von mehreren Hundert Konsumenten.“

Quelle: Wikipedia

Das spricht gegen Dextromethorphan und für Spitzwegerichextrakt.

Fazit:

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 2:1

Und nun zu den Schleimlösern:

Halten wir fest: Die Wirksamkeit der oft konsumierten synthetischen Wirkstoffe Acetylcystein und Ambroxol ist nicht belegt.

Acetylcystein ist beispielsweise enthalten in ACC Sandoz® (früher ACC eco®), Ecomucyl®, Fluimucil®, Mucostop® und Solmucol®;

Ambroxol beispielsweise in Mucosolvon® und Bisolvon Ambroxol®.

Gut belegt sind dagegen verschiedene Phytopharmaka als Schleimlöser:

Kombipräparate von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt, ausserdem Myrtol (enthalten in Gelomyrtol®).

Spielstand Schleimlöser: Phytopharmaka : Acetylcystein / Ambroxol 1 : 0

Fazit Hustenmittel insgesamt: Phytopharmaka : Synthetika 3 : 1

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Diesen Artikel teilen:

Hilft Thymian gegen Husten?

Diesen Artikel teilen:

Diese Frage versucht das Portal „medizin-transparent“ zu beantworten und bewertet dazu die auffindbaren wissenschaftlichen Daten.

Als Antwort auf ihre Ausgangsfrage ziehen die Autoren den Schluss: unklar.

Die Autorinnen und Autoren von „medizin-transparent“ recherchieren und bewerten die Studien zu Thymian wie gewohnt sorgfältig.

Die Formulierung der Frage halte ich aber für suboptimal.

Die Frage, ob Thymian gegen Husten hilft, ist meiner Ansicht nach so gar nicht beantwortbar.

 

Es wird nämlich nicht „Thymian“ gegen Husten angewendet, sondern Thymiantee, Thymiantinktur (Frischpflanzentinktur oder Tinktur aus getrocknetem Thymian), Thymianextrakt (unterschiedlich produziert je nach Hersteller), Thymian-Frischpresssaft, ätherisches Thymianöl.

 

Violà. Und diese verschiedenen Anwendungsformen unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung und damit auch in ihrer Wirksamkeit.

Die optimale Anwendungsform für jeden Fall zu finden ist in der Phytotherapie genauso wichtig, wie die passendste Heilpflanze zu einer bestimmten Krankheit.

Sinnvoller sind daher konkretere Fragen:

Wirkt Thymiantee gegen Husten?

Wirkt Thymianöl gegen Husten?

Wirkt Frischpflanzentinktur aus Thymian gegen Husten?

Wirkt der Thymianextrakt der Firma XY gegen Husten?

 

„Medizin-transparent“ kommt aufgrund der Recherchen zum Schluss,

„dass die wenigen neueren Studien nicht Thymian oder Thymianbestandteile alleine testen, sondern Kombipräparate – einerseits Thymian und Efeublätter, andererseits Thymian und Primelwurzel. Solche Kombinationen konnten in je einer Studie ihre Überlegenheit gegenüber Placebo beweisen. Beispielsweise reduzierte die Thymian-Efeu Kombination in einer Studie mit insgesamt 361 Patienten die Hustenanfälle nach rund einer Woche um 68,7 Prozent, das Placebo nur um 47,6 Prozent. Die Studie ist zwar vom Hersteller finanziert, aber methodisch korrekt durchgeführt. Außerdem wurde in der Gruppe, die das Präparat erhielt, eine 50-prozentige Reduktion der Hustenanfälle zwei Tage früher erreicht als in der Placebogruppe. Ähnlich gute Ergebnisse zeigt die Studie mit der Kombination aus Thymian und Primelwurzel; beide Studien zeigen zudem eine gute Verträglichkeit, ernste Nebenwirkungen wurden keine beobachtet.“

 

Quelle:

http://www.medizin-transparent.at/ein-kraut-gegen-husten#ref1

Kommentar & Ergänzung:

Das ist gut nachvollziehbar. Auf recht hohem Niveau belegt ist die Wirksamkeit eines Kombipräparats mit Thymianextrakt & Efeuextrakt sowie eines Kombipräparats Thymianextrakt & Primelextrakt. Folgerichtig tauchen solche Kombipräparate auch in den Leitlinien der Lungenärzte zur Behandlung von Husten auf.

Für die Wirksamkeit von Thymian allein gibt es dagegen kaum Belege. Für Thymiantee und Thymiantinktur meines Wissens gar keine.

Für Thymianöl existieren Laborversuche, die eine gute antibakterielle und antivirale Wirkung zeigen. Klinische Studien mit Patienten fehlen. Bei Thymianöl wäre ausserdem noch zu unterscheiden zwischen einer inhalativen Anwendung und einer Anwendung peroral. Thymianöl unterscheidet sich zudem fundamental von andren Thymian-Anwendungen, weil es nur den flüchtigen Anteil der Thymian-Inhaltsstoffe enthält.

Und Thymianextrakt allein wurde auch nie systematisch mit klinischen Studien untersucht.

So kommt also „medizin-transparent“ korrekt zum Schluss, die Wirksamkeit von Thymian (für sich allein) sei „unklar“.

 

„Medizin-transparent“ geht nicht darauf ein, weshalb es zu Thymian allein – in all seinen Formen – keine klinischen Studien gibt, was aber für das Verständnis dieser Situation nützlich wäre.

 

In der Phytotherapie wird Geld in grösseren Mengen in der Regel nur dann in Forschung investiert, wenn es sich um ein patentierbares oder patentiertes Produkt handelt. Das ist zum Beispiel bei Spezialextrakten der Fall. Patentschutz und Markenschutz gegen den Herstellern die Sicherheit, dass die Forschungsaufwendungen dem eigenen Produkt zugute kommen.

In die Erforschung von Thymiantee, Thymiantinktur oder Thymianöl – wie sie jede andere Firma auch herstellen kann – zu investieren, ist dagegen kaum interessant. Das kann man bedauern, aber so funktioniert unsere Wirtschaft.

Das bedeutet nun nicht unbedingt, dass Thymiantee, Thymiantinktur oder Thymianöl unwirksam sind. Es heisst nur, dass wir darüber kaum handfeste Belege aus Studien auf einem hohen Evidenzlevel haben. Das bedeutet auch nicht, dass diese Anwendungsformen nicht eingesetzt werden können. Es ist allerdings wichtig, dass man weiss, in welchem „Terrain“ man mit ihnen steht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Phytotherapie bei Kindern mit Erkältungskrankheiten

Diesen Artikel teilen:

Pflanzliche Arzneimittel gelten als sicher und nebenwirkungsarm, was besonders wichtig ist für den Einsatz bei Kindern. „Phytotherapie bei Kindern“ war daher auch ein Thema bei den 24. Südtiroler Herbstgesprächen für Pharmazeuten.

Akute Infektionen der Atemwege sind die häufigsten Auslöser für einen Arztkontakt im Kindessalter – bis zu 60 Prozent aller Arztkontakte sind darauf zurückzuführen. Im Vorschulalter treten jährlich vier bis zwölf Infekte auf, bei Schulaustritt höchstens vier Infekte pro Jahr. 90 Prozent der unkomplizierten Atemwegsinfekte werden durch Viren verursacht. Univ.-Doz. DDr. Ulrike Kastner sagte dazu: „Die typische Symptomatik ist Erkältung mit Schnupfen, Halsweh und Husten oder der grippale Infekt – mit mäßig hohem Fieber Frösteln, Halsschmerzen, Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen.“

Wichtig bei der Behandlung mit Phytopharmaka ist, nicht die Gefahr einer Kinderkrankheit (Masern, Mumps, Varizellen oder Scharlach) bzw. den Beginn einer schweren viralen oder bakteriellen Infektion (Meningitis, Sepsis oder Pneumonie) zu übersehen. Zum Einsatz können traditionelle Hausmittel wie Wickel, Schwitzkuren oder Überwärmungsbäder ebenso gelangen wie Heilpflanzen-Präparate (Medizinaltee, ätherische Öle und Phytopharmaka), aber auch Synthetika und Produkte aus der Komplementärmedizin. „Ein Problem bei Phytopharmaka ist die Dosierung“, erklärte Doz. Kastner: „Es gibt meist keine klaren Richtlinien bei der Dosierung oder – auch im Austria Codex – Angaben mit großen Schwankungsbreiten.“ Als Möglichkeit sieht Doz. Kastner die Anwendung von Dosisberechnungen. Sie empfiehlt als eine Option die Faustregel fünf Prozent der Erwachsenendosis pro Lebensjahr.
Problem Alkohol?
Oftmals werden auch die alkoholischen Zubereitungen in der Kinderheilkunde kritisiert. Viele Mütter lehnen alkoholhältige Tropfen wie zum Beispiel Pflanzentinkturen ganz einfach ab. Doz. Kastner dazu: „Vorsichtig sollte man eigentlich nur bei Säuglingen und Neugeborenen bis zum 6. Monat sein. Denn bis dahin ist die Aktivität der Alkoholdehydrogenase sehr gering oder fehlt sogar noch ganz.“ Aber auch bei anderen Trägermitteln ist Vorsicht nötig. Bei Propylenglykol oder Sorbitol besteht das Risiko einer Intoxikation.

Welche Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten?

Wann sollen jedoch welche Phytopharmaka eingesetzt werden.? Doz. Kastner rät im trockenen Stadium einer Erkältung Immunmodulatoren (Echinacea, Pelargonium sidoides oder Bakterienlysate).
Im Akutstadium mit seröser und zäher Sekretion sind Rhinologika (ätherische Öle), Muzilaginosa (Schleimhaltige Heilpflanzen). Expektoranzien (= Auswurffördernde Mittel, ätherische Öle, Saponoine) und Antitussiva (Hustenreiz-Stiller) empfehlenswert. Als konkreten Tipp rät Doz. Kastner bei einer Rhinitis (Schnupfen) im Säuglingsalter Baby Luuf-Balsam, eine Mischung aus Eukalyptusöl, Kampfer, Terpentinöl und ätherischem Majoranöl, oder Babix-Inhalationslösung (Kajeputöl, Latschenkieferöl und Eukalyptusöl). Bei Husten im Säuglingsalter sei die Anwendung von Pilka-Tropfen sinnvoll, einer äthanolischen Lösung mit Drosera-Extrakt (Sonnentau) und Thymianextrakt. Für die adjuvante Behandlung einer Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) bei Schulkindern und Jugendlichen empfiehlt Doz. Kastner Sinupret, eine Kombination aus Enzian, Primel, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut. Es wirkt sekretolytisch (schleimlösend), antiphlogistisch (entzündungshemmend) und antiviral.

Doz. Kastner hält jedoch auch fest: „Wichtig ist in jedem Fall der frühzeitige Einsatz der Phytotherapeutika, aber auch die Beachtung von gewissen Anwendungsbeschränkungen. Vor allem bei anhaltendem Fieber, Atemnot, Kopfschmerzen oder Nackensteifigkeit sollte der Arzt oder das Spital eingeschaltet werden.“

Quelle:

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=100985&dspaid=833722

24. Südtiroler Herbstgespräche –
Wissenschaftliche Fortbildung zur
Phytotherapie; Bozen, Oktober 2009

Kommentar & Ergänzung:

Die erwähnten Fertigpräparate sind grösstenteils österreichischer Herkunft und daher in der Schweiz nicht erhältlich. Wobei es bei uns ähnliche Heilpflanzen-Präparate gibt.

Die erwähnten Heilpflanzen entsprechen etwa dem aktuellen Wissensstand in der Phytotherapie.

Zur Frage des Alkoholgehaltes in Pflanzentinkturen:

Pflanzentinkturen enthalten zwar etwa 60% Alkohol, doch fällt dies bei den wenigen Tropfen, die jeweils angewendet haben, tatsächlich nicht ins Gewicht. Ich schliesse mich hier aber dem „Schilcher“ an (Leitfaden Phytotherapie), der unterhalb von 8 Lebensmonaten den absoluten Verzicht auf alkoholhaltige Arzneiformen wie zum Beispiel Pflanzentinkturen fordert. Ich selber würde im ersten Lebensjahr nach alkoholfreien Alternativen suchen, zum Beispiel Frischpflanzenpresssäfte.

Falls Sie sich Kompetenz im Bereich der Selbstbehandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen erwerben möchten:

Einen guten Überblick über die Behandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen bietet das Tagesseminar zu diesem Thema.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: