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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Zur Wirkung von Chinakraut / Wilfords Dreiflügelfrucht bei Rheumatoider Arthritis

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Chinakraut (Tripterygium wilfordii) wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin zur Behandlung diverser Autoimmunerkrankungen eingesetzt.

Extrakte der Wurzeln, nicht der Frucht, zeigen entzündungshemmende und immunsuppressive Effekte.

In vitro – also im Reagenzglas – hemmen Extrakte der Pflanze die Freisetzung von TNFα, IL-2, und INFγ. Sie blockieren die Prostaglandin-Bildung durch Hemmung der COX-2.

Auch suppressive Wirkungen auf Adhäsionsmoleküle wie E-Selectin und Interzelluläres Adhäsions-Molekül (ICAM) wurden beschrieben. Weit mehr als 100 Inhaltsstoffe wurden bisher isoliert und zum Teil charakterisiert.

Für die in vitro belegten Glucocorticoid-ähnlichen Wirkungen werden hauptsächlich die Diterpenoide Triptolid und Tripdiolid sowie das sehr potente Chinontriterpen Celastrol verantwortlich gemacht.

In insgesamt sieben, teilweise auch Sulfasalazin-kontrollierten Studien mit bis zu 121 Patienten wurde über eine signifikante Verbesserung von Gelenkschwellungen, Schmerz, Morgensteifigkeit und Funktionseinschränkungen vor allem bei Rheumatoider Arthritis berichtet.

China-Kraut bzw. Wilfords Dreiflügelfrucht enthält mit Triptolid und Celastrol pharmakologisch hochwirksame Inhaltsstoffe. Es handelt sich um ein klinisch wirksames Antiphlogistikum (Entzündungshemmer) mit Glucocorticoid-ähnlicher immunsuppressiver Wirkung, das mit zahlreichen Zytokinen. China-Kraut weist allerdings ein relativ hohes Nebenwirkungspotential auf.

Relativ oft traten dabei jedenfalls Nebenwirkungen auf wie Durchfälle, Übelkeit, Dyspepsie und abdominale Schmerzen, Amenorrhoe, Osteoporose und Reizungen der Schleimhäute.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?type=0&id=40814

Kommentar & Ergänzung:

China-Kraut ist also ein Entzündungshemmer mit Glucocortikoid-ähnlicher Wirkung, hat aber auch ein hohes Risiko für Nebenwirkungen. So die Meldung.

Das mit dem Nebenwirkungsrisiko ist nicht überraschend. Schliesslich kann man davon ausgehen:

Keine Wirkung – keine unerwünschten Nebenwirkungen;

Milde Wirkung – geringes Risiko für ernste Nebenwirkungen;

Starke Wirkung – deutliches Risiko für ernsthafte Nebenwirkung.

Mag sein, dass es von dieser Regel auch Ausnahmen gibt, aber überwiegend dürfte sie zutreffen. Wenn eine Arznei eben beispielsweise ähnliche Effekte hat wie Kortison, muss auch potenziell mit unerwünschten Nebenwirkungen ähnlicher Art gerechnet werden.

Das Beispiel Chinakraut zeigt aber auch: Nicht alles, was eine Tradition von hunderten von Jahren beansprucht, ist sanft und harmlos. Es ist nämlich kaum anzunehmen, dass in der langen (und heterogenen) Tradition  in China systematisch nach Nebenwirkungen gesucht worden wäre. Systematische Pharmakovigilanz ist eine ziemlich neue Entwicklung.

Es gibt wertvolle Heilpflanzen im der chinesischen  Arzneikunde, aber auch viele unwirksame und risikobehaftete Kräuter. Und über den grössten Teil der chinesischen Heilkräuter fehlen ganz einfach gesicherte Erkenntnisse. Von tierischen Heilmitteln wie Nashorn-Horn, getrocknete Ameisen, Saiga-Antilopen-Horn oder Bärengalle einmal ganz abgesehen.

Siehe:

China: Widerstand gegen Entnahme von Bärengalle steigt

Saiga-Antilope durch TCM-Heilmittel bedroht

Traditionelle Medizin bedroht Nashörner

Tradition allein ist noch keine Bestätigung, weil Tradition sich sehr häufig auch irrt.

Siehe:

Komplementärmedizin – hat Tradition recht?

Es braucht sorgfältige Auseinandersetzung mit traditionellen Heilmethoden, damit sich klären lässt, welche Empfehlungen sinnvoll sind und welche nicht.

Und es ist oft sehr anspruchsvoll, Überlieferungen aus Kulturkreisen, die uns wie der chinesische sehr fremd sind, zu übersetzen und zu deuten. Wenn beispielsweise in dieser Meldung steht, dass Wilfords Dreiflügelfrucht in der Traditionellen Chinesischen Medizin gegen Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird, dann ist das zumindestens fragwürdig. Es spricht nämlich sehr viel dafür, dass die Traditionelle Chinesische Medizin das Konzept der Autoimmunkrankheiten, so wie es heute definiert ist, nicht gekannt hat. Wir unterstellen hier rasch Ähnlichkeiten, die nur in unserem Kopf existieren.

Die Phytotherapie nimmt auch traditionelle Heilpflanzen aus allen Weltgegenden auf, sofern die Wirksamkeit und Sicherheit ausreichend dokumentiert ist. Beispiele sind Ginkgo biloba (Asien), Teufelskralle (Afrika) oder Hamamelis (Nordamerika).

Bevor Chinakraut (möglicherweise) in die westliche Phytotherapie integriert werden kann, braucht es noch vertiefte Studien und viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Es braucht beispielsweise standardisierte Extrakte mit gleichbleibendem Wirkstoffgehalt und einen Prozess der Dosisfindung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Migros: Fragwürdige Geschäfte mit Sanactiv Teufelskrallen-Gel

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Der Grossverteiler Migros baut sein Sortiment mit Heilmitteln (Liste E), Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetika auf der Basis von Heilpflanzen kontinuierlich aus.

Migros entdeckt die Heilpflanzen – darüber könnte man sich möglicherweise sogar freuen.

Aber: Verkauf geht dabei offensichtlich vor Wirksamkeit.

Ein Beispiel dafür ist der Sanactiv Teufelskrallen-Gel.

Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist eine Heilpflanze, deren Wirksamkeit gegen Gelenkbeschwerden bei Rheuma bzw. Arthrose und gegen Rückenschmerzen in den letzen Jahren zunehmend belegt werden konnte. Allerdings ging und geht es dabei immer um innerliche Anwendung als Teufelskrallentee, Teufelskrallentinktur und Teufelskrallenextrakt.

Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit gibt es nur für Teufelskrallenextrakte.

Der ganze Ruf der Teufelskralle als Rheumamittel basiert also auf der Einnahme via Verdauungstrakt.

Nun kommt die Migros und verkauft Teufelskrallen-Gel zum Einreiben.

Es gibt aber keine seriösen Hinweise darauf, dass die Teufelskrallen-Wirkstoffe durch die Haut aufgenommen werden. Die Wirkstoffe sind wasserlöslich und zudem als Molekül relativ gross , was eine Aufnahme durch die Haut praktisch ausschliesst.

Der Ruf der Teufelskralle – basierend auf innerlicher Anwendung – wird hier einfach frech ausgenutzt und auf den Teufelskrallen-Gel übertragen. Die Kundinnen und Kunden lesen Teufelskralle und assoziieren Rheuma – und schon läuft das Geschäft.

Der Teufelskrallen-Gel enthält neben Teufelskrallenextrakt Menthol, Rosmarinöl,  Eukalyptusöl und Wintergrünöl (aus Gaultheria procumbens). Mag sein, dass diese Inhaltsstoffe noch ein wenig durchblutungsfördernd wirken. Das mit der Teufelskralle aber ist ein Marketing-Schachzug, mit dem die Migros Kundinnen und Kunden fängt.

Viele Apotheken und Drogerien sind allerdings nicht besser – sie verkaufen Teufelskrallen-Gel von Alpinamed.

Die Migros wiederum verkauft auch noch „Kneipp Badeöl Teufelskralle“.

Auch hier erscheint es als ausgeschlossen, dass die Teufelskralle als Badezusatz  wirksam wird.

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) würde sich zudem wundern über dieses Teufelskrallen-Badeöl, das von der Migros unter seinem Namen verkauft wird. Die Teufelskralle ist in der Wüste Kalahari (Südafrika und Namibia) zuhause. Erst 1904 wurde in Namibia der ehemalige Soldat und spätere Farmer G. H. Mehnert von der einheimischen Bevölkerung auf die Teufelskralle und ihre Heilwirkungen aufmerksam gemacht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Heilpflanze dann auch in Europa eingeführt. Sebastian Kneipp kann die Teufelskralle also gar nicht gekannt haben.

Diese Produkte sind keine Ausnahme. Bei der Mehrzahl der Präparate, die als Naturheilmittel angepriesen werden – mit Schlagworten wie „natürlich“ oder „rein pflanzlich“ – handelt es sich schlichtweg um Fake. Der Verweis auf pflanzliche Inhaltsstoffe dient nur dem Verkauf. Eine Wirkung ist von diesen Pflanzenstoffen nicht zu erwarten – wegen unsinniger Zusammensetzung oder ungenügender Dosierung.

Versprechungen top, Wirkungen flop. Das gilt vor allem für Produkte aus dem Internethandel, aber auch für Supermärkte, Apotheken und Drogerien.

Nur eine Minderheit der pflanzlichen Naturheilmittel sind wirksam und die Werbung verschleiert die Unterschiede.

Der Markt der Naturheilmittel und Komplementärtherapeutika ist vollkommen intransparent, was Qualität und Wirksamkeit angeht.

Wenn Sie lernen wollen, wie sich die Spreu vom Weizen trennen lässt, dann empfehle ich Ihnen die Phytotherapie-Ausbildung oder das Heilpflanzen-Seminar.

Man muss einiges wissen, damit man sich eine eigene fundierte Meinung bilden kann, und nicht alles glauben muss. Was die Werbung oder irgendwelche Experten verkünden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weiterbildung Palliative Care & Onkologie-Pflege: Bitterstoffe bei Mundtrockenheit

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ schildert Heilpflanzen-Anwendungen bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum – konkret von Mundhöhle (Stomatitis), Zahnfleisch (Gingivitis), Zahnhalteapparat (Parodontitis), Rachen (Pharyngitis), Zunge (Glossitis) oder Mandeln (Angina tonsillaris).

Ein Abschnitt, der auch für Palliative Care und Onkologie-Pflege interessant ist, gilt der Anwendung von Bitterstoffen bei Mundtrockenheit:

„Bitterstoffdrogen wie Tausendguldenkraut, Bitterkleeblätter und

Enzianwurzel wirken tonisierend auf die Schleimhaut und regen

über den bitteren Geschmack beim Gurgeln die Speichel- und

Schleimsekretion an. Sie werden daher bei Mundtrockenheit ein-

gesetzt, die häufig im höheren Lebensalter sowie nach Bestrahlun-

gen der Mundhöhle auftritt. Mit wässrigen Zubereitungen wird

mehrmals täglich gespült“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/DA/DA-2012/DA-2012-02.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Damit keine Missverständnisse aufkommen: „Drogen“ sind im Kontext der Phytotherapie einfach getrocknete Heilpflanzen, also nicht wie heute gebräuchlich „psychotrope Substanzen“.

Bitterstoffpflanzen regen nicht nur die Speichelproduktion an, sondern auch die Magensaftproduktion und oft auch den Gallenfluss. Sie wirken dadurch gegen Völlegefühl nach Mahlzeiten und gegen Appetitlosigkeit.

Weitere Informationen zu den Bitterstoffen:

Wirkstoffe der Heilpflanzen: Bitterstoffe

Bitterstoffe sind im Pflanzenreich weit verbreitet. Sie dienen der Pflanze vor allem als Abwehrmittel gegen Fressfeinde.

Weitere Bittterstoffpflanzen mit Anwendung hauptsächlich im Verdauungstrakt sind: Wermut, Kalmus, Schafgarbe, Angelikawurzel (Engelwurz), Löwenzahn, Artischocke,

Ausserdem gibt es Bitterstoffpflanzen, die aufgrund von anderen Wirkstoffen ausserhalb des Verdauungstraktes zur Anwendung kommen. Zum Beispiel:

Hopfen (wird vor allem als Schlafhilfe eingesetzt),

Teufelskralle (wird vor allem bei Rheuma, Arthrose etc. eingesetzt),

Isländisch Moos (wird vor allem gegen trockenen Reizhusten eingesetzt)

Eine Weiterbildung „Heilpflanzen-Anwendungen in Palliative Care und Onkologie-Pflege“ finden Sie hier.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wickelanwendungen auf der Intensivstation – evidenzbasiert?

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Vor kurzem wurde ich von einer Pflegefachfrau gefragt, ob es Studien gibt zur Anwendung von Wickeln auf der Intensivstation und ob die Anwendung von Wickeln evidenzbasiert sei.

Bevor ich auf die Frage eingehe zuerst ein Abschnitt zum Thema „Was ist Evidenzbasierte Medizin?“

(wer das schon weiss, kann den Abschnitt  locker überspringen….)

„Evidenzbasierte Medizin (EbM, von englisch evidence-based medicine ‚auf Beweismaterial gestützte Heilkunde’) ist eine jüngere Entwicklungsrichtung in der Medizin, die ausdrücklich die Forderung erhebt, dass bei einer medizinischen Behandlung patientenorientierte Entscheidungen nach Möglichkeit auf der Grundlage von empirisch nachgewiesener Wirksamkeit getroffen werden sollen.

Die Bezeichnung Evidenz wird in diesem Zusammenhang auf das Begriffsfeld von evidence im Englischen bezogen und so als „Nachweis“ oder „Beleg“ verstanden, was nicht mit der Bedeutung von „Evidenz“ im Deutschen übereinstimmt.

Definiert wird evidenzbasierte Medizin (EbM oder EBM) ursprünglich als der bewusste, ausdrückliche und wohlüberlegte Gebrauch der jeweils besten Informationen für Entscheidungen in der Versorgung eines individuellen Patienten. EbM beruht demnach auf dem jeweiligen aktuellen Stand der klinischen Medizin auf der Grundlage klinischer Studien und medizinischen Veröffentlichungen, die einen Sachverhalt erhärten oder widerlegen – die sogenannte externe Evidenz.

In der klinischen Praxis der EbM bedeutet dies die Integration individueller klinischer Expertise mit der besten, verfügbaren, externen Evidenz aus systematischer Forschung; sie schließt auch die Patientenpräferenz mit ein.

EbM kann auch den Verzicht auf Therapie beinhalten, d. h. zu wissen, wann keine Therapie (anzubieten / vorzuschlagen) besser ist für den Patienten als das Anbieten / Vorschlagen einer bestimmten Therapie.“

Quelle: Wikipedia (dort weitere Ausführungen)

Nun zur Frage, ob Wickelanwendungen auf der Intensivstation  evidenzbasiert seien:

Ich kenne keine Studien zum Thema „Wickelanwendungen auf der Intensivstation“, habe aber auch nicht speziell danach gesucht. Es erstaunt mich aber nicht, dass die Studienlage in diesem Bereich mehr als dürftig ist.

Mir scheint allerdings, dass man dieses Thema aus einem grundsätzlicheren Blickwinkel betrachten sollte:

1. Die Bestrebungen, medizinische Massnahmen nach EBM-Kriterien auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen, halte ich für sehr wertvoll.

2. EBM ist aber nicht überall der einzige und letzte Massstab.

3. Möglicherweise gibt es ja irgendwo eine kleinere Studie zu diesem Thema, die zum Schluss kommt, dass Wickelanwendungen auf der Intensivstation das Befinden verbessern. Für dieses Fazit brauche es aber keine Studie. Das sagt auch der gesunde Menschenverstand. Ausserdem wird eine solche Studie nach EBM-Kriterien kaum einen höheren Evidenzgrad erreichen. Dem stellen sich nämlich nur schon vom Studienaufbau her einige Probleme entgegen. Mir ist zum Beispiel schleierhaft, wie man zur Wickelanwendung ein Placebo für eine Kontrollgruppe machen könnte. Auch die Doppelverblindung dürfte sehr schwierig werden. Allenfalls könnte man bei bewusstlosen Patienten eine Wickelanwendung machen und dann Veränderungen bestimmter Messwerte ablesen? Aber kommt da nicht schon die Ethikkommission mit dem Einwand, dass der Patient informiert und einverstanden sein muss?

4. Um nach EBM-Kriterien auf eine hohe Evidenzebene zu kommen braucht es mindestens eine, ausreichend grosse, methodisch hochwertige randomisierte, kontrollierte Studie (Klasse Ib), oder besser noch mindestens eine Meta-Analyse auf der Basis mehrerer solcher Studien (Klasse Ia). Solche Studien sind aufwändig und kosten viel Geld. Investiert wird soviel Geld fast nur von Firmen, die mit den Ergebnissen dieser Studien ihr patentiertes Produkt verkaufen wollen. In der Phytotherapie gibt es einige Hersteller, die auf diese Weise erfolgreich ihre patentierten Spezialextrakte aus Heilpflanzen verkaufen (z. B. Zeller, Schwabe, Bionorica). Im Bereich dieser Forschung haben einige Heilpflanzen(extrakte) einen hohen Evidenzgrad erreicht. Zum Beispiel Extrakte aus Johanniskraut, Teufelskralle, Weidenrinde, Pestwurz, Mönchspfeffer.Für die Erforschung von Kräutertees beispielsweise gibt es aber bereits kaum mehr Investitionen in die Forschung, weil ein Patentschutz fehlt.

Eine Wickelanwendung lässt sich nun aber auch nicht so einfach patentieren. Woher also soll das Geld kommen für grosse, methodisch saubere Studien?

5. Wickelanwendungen lassen sich meines Erachtens daher nicht mit EBM-Kriterien begründen. Wickelanwendungen sind nicht Evidenz-basiert und werden es meines Erachtens wohl auch kaum je sein.

6. Wickelanwendungen sind aber auf einem sehr hohen Level GMV-basiert. Ich würde daher mit GMV-Kriterien argumentieren (GMV = Gesunder Menschenverstand). Wickel bieten eine Art von Zuwendung in ritualisierter Form, was in einer sehr technisch geprägten Intensivstation von besonderem Wert ist. Wickelanwendungen sind dem Patienten möglicherweise aus seiner Kindheit oder aus seinem Alltag vertraut, was in der fremden IPS-Umgebung gut tut. Solche Argumente müssten meines Erachtens jedem Menschen einleuchten.

7. Wissenschaftliche Argumente für Wickelanwendungen könnten am ehesten greifen, wenn Wickel mit bestimmten Pflanzen angewendet werden, zum Beispiel mit Lavendelöl. Für die beruhigende Wirkung von Lavendelöl gibt es einige Belege.

Siehe: http://www.phytotherapie-seminare.ch/index.php?file=220&lang=de&ses=ec890fc9ecd4

Solche Belege aus Studien beziehen sich dann aber in der Regel auf das Lavendelöl, nicht spezifisch auf einen Lavendelwickel.

Und es gibt auch hier keinen sehr hohen Evidenzlevel. Allenfalls könnte man sagen, Lavendelöl zur Beruhigung ist sciencebasiert, aber nicht Evidenz-basiert.

Als Fazit würde ich sagen: Selbstverständlich gehören Wickel auf die Intensivstation – GMV-basiert.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weidenrinde kann Kopfschmerzen reduzieren

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Bereits der griechische Arzt Hippokrates setzte auf die Kraft der Weidenrinde bei Schmerzen aller Art – und das nicht ohne Grund: Weidenrinde enthalte Salicin, eine Vorstufe der im Schmerzmittel Aspirin verwendeten Acetylsalicylsäure und habe deshalb entzündungshemmende, schmerzlösende und fiebersenkende Eigenschaften, sagt Miriam Ortiz, Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Allerdings warnt sie wegen der ungewissen Wirkstoffmenge davor, Weidenrinde aus dem eigenen Garten zu verwenden.

Sie rät bei leichten Schmerzen bekannter Ursache unter anderem zu Weidenrindentee oder zu Weidenrinden-Präparaten aus der Apotheke: Erwachsene dürfen bei akuten Beschwerden bis zu fünfmal täglich eine Tasse als Aufguss von einem Teelöffel Weidenrinde (ca. 1,5 g) zu sich nehmen, sagt die Expertin Die Tagesdosis bei Fertigpräparaten liege bei 60 bis 120 Milligramm. Bei akuten Beschwerden sei kurzfristig eine Steigerung auf bis zu 240 Milligramm pro Tag möglich.

Dauerhaft solle man Weidenrinde – wie alle Arzneipflanzen – nicht einnehmen, betont die Allgemeinmedizinerin: Weidenrindentee und Weidenrinden-Präparate empfiehlt sie auch nicht für Kinder bis zwölf Jahren und bei einer bekannten Salicylsäureüberempfindlichkeit. Gerinnungsstörungen wie beim Aspirin werden in Untersuchungen zur Weidenrinde zwar nicht beschrieben. Trotzdem sollte die Einnahme bei zusätzlicher Therapie mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/weidenrinde-kann-kopfschmerzen-lindern-054147039.html

Kommentar & Ergänzung:

Erwähnenswert ist meines Erachtens noch, dass die Wirkung von Weidenrinde im Vergleich zu Aspirin langsamer einsetzt und dafür länger anhält.

Salicin ist keine Vorstufe von Acetylsalicylsäure (ASS), sondern eine verwandte Substanz, die im Organismus ebenfalls zu Salicylsäure umgewandelt wird, die ihrerseits entzündungswidrig, fiebersenkend und schmerzlindernd wirkt.

Salicin beeinflusst aber die Thrombozytenaggregation nicht. Weidenrinde ist deshalb ungeeignet als Ersatz für Aspirin Cardio.

Salicin ist im übrigen wohl nicht der einzige Wirkstoff in der Weidenrinde. An der Wirkung dürften Polyphenole mitbeteiligt sein.

Weidenrinden-Extrakt wird auch eingesetzt bei leichteren Gelenkschmerzen, zum Beispiel bei Arthrose.

Siehe auch:

Weidenrinde lindert Kopfschmerzen und Rheumabeschwerden

Phytotherapie bei Spannungskopfschmerzen, Migräne, Pfefferminzöl, Weidenrinde, Pestwurz

Weidenrinde und Aspirin nicht in einen Topf werfen

Naturheilmittel: Weidenrinde in der Schmerztherapie

Phytotherapie & Arthrose: Weidenrinde, Teufelskralle & Co.

Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheumabeschwerden

Rheuma-Behandlung: Teufelskrallenwurzel und Weidenrinde empfohlen

Weidenrinden-Extrakte lindern Arthritis

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Was blüht gerade? – Ährige Teufelskralle

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In Wäldern und Hochstaudenfluren blüht zur Zeit die Ährige Teufelskralle ( = Ährige Rapunzel, Phyteuma spicatum).

Foto auf Wikipedia

Die Pflanze ist unverwechselbar. Ihre Blüten werden gerne von Schwebfliegen bestäubt. In den Bergen gibt es mehrere blaue Teufelskrallenarten.

Die Phyteuma-Arten gehören zur Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae).

In der Pflanzenheilkunde hat die Ährige Teufelskralle heute keine Bedeutung.

Die Blätter eignen sich aber gut als Wildgemüse („Waldspinat“). Ebenso ist der Wurzelstock essbar und die Blütenknospen.

Die jungen Triebe und Blätter werden von April bis Mai als Brotbelag, zu Salaten oder Gemüsegerichten genutzt. Die Blüten von Mai bis Juni für Wildsalate und Gemüsegerichte. Phyteuma-Wurzeln von September bis in den Winter für Gemüsegerichte. Die noch geschlossenen Blütentriebe nutzt man im Mai zu Spargelgemüse.

Der Name Teufelskralle kommt von den krallenförmig gebogenen Einzelblüten bzw. Griffel. Unsere einheimische Ährige Teufelskralle hat nichts zu tun mit der Teufelskralle Harpagophytum procumbens, die in Südafrika und Namibia in der Wüste wächst und in der Phytotherapie als Heilpflanzen-Präparat bei Arthrose eingesetzt wird.

Wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.

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Weidenrinde lindert Kopfschmerzen und Rheumabeschwerden

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Weidenrinde kann gegen Kopfschmerzen und Rheumabeschwerden angewendet werden.

Genau wie viele synthetische Schmerzmittel enthalte die Rinde Salizylsäure, die die Bildung von Schmerz-, Entzündungs- und Fieberbotenstoffen im Körper hemme, erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg.

Im Gegensatz zur synthetisch produzierten Acetyl-Salizylsäure (ASS) greife die Weidenrinde nicht die Magenschleimhaut an. Sie kann gemäss Mayer deshalb über längere Zeit eingenommen werden. Allerdings wirke Weidenrinde nicht so rasch wie ihr chemisches Pendant ASS. Außerdem könne ASS vor Herzinfarkten und Schlaganfall schützen, weil sie die Verklumpung der Blutplättchen verhindere, sagt Mayer. Diese Wirkung habe Weidenrinde nicht.

Quelle:

http://www.aachener-zeitung.de/news/gesundheit-detail-az/2287258

Forschergruppe Klostermedizin

Kommentar & Ergänzung:

Das Glykosid Salicin aus der Weidenrinde ist chemisch zwar ähnlich aufgebaut wie die Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), aber eben nicht identisch. Deshalb sind auch die Wirkungen der beiden Substanzen nicht deckungsgleich.

Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin macht eine wichtige Differenzierung, die sonst oft in Artikeln über die Weidenrinde nicht klar dargestellt wird:

Acetylsalicylsäure (Aspirin Cardio®) hemmt die Verklumpung der Bluttplättchen (Hemmung der Thrombozytenaggregation).

Salicin und damit die Weidenrinde hat diesen Effekt weder als therapeutische Wirkung noch als unerwünschte Nebenwirkung.

Siehe auch:

Weidenrinde und Aspirin nicht in einen Topf werfen

Weidenrinde – Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin)

Naturheilmittel: Weidenrinde in der Schmerztherapie

Heilpflanzen gegen Kopfschmerzen

Phytotherapie bei Arthrose: Weidenrinde & Teufelskralle

Phytotherapie: Heilpflanzen zur Schmerzbehandlung

Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheumabeschwerden

Rheuma-Behandlung: Teufelskrallenwurzel und Weidenrinde empfohlen

Weidenrindenextrakte lindern Arthritis

Aspirin schützt offenbar nicht vor (erstem) Herzinfarkt

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Heilpflanzen-Präparate bei Rheuma

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In der „Pharmazeutischen Zeitung“ publizierte Professor Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena einen informativen Beitrag zur Rheumabehandlung mit Phytopharmaka.

Zur Bedeutung dieser Heilpflanzen-Präparate schreibt er einleitend:

„ Zur (Begleit-)Therapie rheumatischer Erkrankungen inklusive degenerativer Gelenkerkrankungen und milder bis mittelstarker Muskel- und Rückenschmerzen stehen ausgewählte Phytopharmaka zur Verfügung.

Diese sind insbesondere als alternative oder komplementäre Therapie-Optionen zur klassischen medikamentösen Behandlung mit steroidalen und nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) von Bedeutung.

Ob Teufelskralle, Weidenrinde, Brennnessel oder Weihrauch, ob Cannabis, Hagebutte oder Mutterkraut: Nahezu jeder Rheuma-Patient bedient sich pflanzlicher Antiphlogistika, nicht zuletzt, da er die Nebenwirkungen chemisch definierter Arzneimittel und hier insbesondere der Glucocorticoide fürchtet.

Für ihre Effektivität spricht auch und gerade die Tatsache, dass Zubereitungen entzündungshemmender Kräuter seit Jahrtausenden in der Volksmedizin angewandt werden.

Für zahlreiche Pflanzen(-präparationen), die als Interna zur Entzündungs- und auch Schmerzhemmung bei diversen Krankheitsbildern wie Rheumatoide Arthritis oder Osteoarthrose genutzt werden, liegen, wie bei chemisch definierten Arzneistoffen, wissenschaftliche Daten sowie Hinweise auf Wirkmechanismen und Targets in der menschlichen Entzündungspathogenese vor.

Dennoch wird ihre Effektivität von einigen Fachleuten in Frage gestellt, gilt die klinische Wirksamkeit dieser Phytopharmaka als umstritten. Durch die mangelnde Anerkennung und wenig konsequente Weiterverfolgung der hier bereits vorliegenden Erkenntnisse zu Forschungs- und Therapie-Potenzialen werden große Chancen vertan.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?type=0&id=40814

Kommentar & Ergänzung:

Heilpflanzen-Präparate können in vielen Situationen für die Behandlung von Arthritis und Arthrose von Nutzen sein. Heikel ist es allerdings, wenn bei schweren Entzündungen ausschliesslich auf Phytoparmaka oder andere Naturheilmittel gesetzt wird. In solchen Fällen braucht es oft starke Entzündungshemmer (z. B. Glucocorticoide, NSAR), um Schaden von den betroffenen Gelenken abzuwenden und die Schmerzen erträglich zu machen. Diese starken Entzündunghemmer sind bei langdauerndem Gebrauch und bei hohen Dosierungen aber mit einigen ernsthaften Risiken verbunden. Bei abklingenden Entzündungen und in Zwischenphasen können Phytopharmaka wie Weihrauch, Teufelskralle, Weidenrinde, Hagebutte oder Brennessel mithelfen, die Dosierungen von Glucocorticoiden oder NSAR herunterzufahren. Es geht also nicht um ein Gegeneinander von synthetischen Medikamenten und Naturheilmitteln, sondern um eine stadiengerechte Behandlung mit der jeweils besten Option.

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Schmerzmittel steigern Risiko für Herz-Rhythmus-Störung

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Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) steigern das Risiko für bestimmte Herz-Rhythmus-Störungen – hauptsächlich zu Behandlungsbeginn. Zu diesem Resultat kommen dänische Wissenschaftler in einer aktuell im «British Medical Journal» veröffentlichten Studie. Die Forscher der Universität Aarhus werteten die Daten von mehr als 32000 Patienten aus, die zwischen 1999 und 2008 zum ersten Mal die Diagnose «Vorhofflimmern» oder «Vorhofflattern» bekommen hatten. Als Vergleichsgruppe dienten rund zehnmal so viele Personen ohne Herz-Rhythmus-Störungen.

Speziell die erstmalige Einnahme von nicht selektiven NSAR oder selektiven Hemmstoffen der Cyclooxygenase 2 (COX-2-Hemmer, Coxibe) steigerte das Risiko für Vorhofflimmern oder Vorhofflattern. Patienten, welche erstmalig ein Rezept über ein anderes NSAR als Acetylsalicylsäure eingelöst hatten, erkrankten um mehr als 40 Prozent häufiger an einer dieser Herz-Rhythmus-Störungen als die Vergleichspersonen. Der Start einer Behandlung mit Coxiben steigerte die Anzahl der Neuerkrankungen (Inzidenz) sogar um etwa 70 Prozent. Das höchste Erkrankungsrisiko zeigten ältere Personen sowie Patienten mit chronischen Nierenleiden oder rheumatoider Arthritis. Patienten mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern sollten Ärzte NSAR oder COX-2-Hemmer deshalb nicht leichtfertig verordnen, folgern die Autoren der Studie.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=38527&Nachricht_Title=Nachrichten_Schmerzmittel+erh%F6hen+Risiko+f%FCr+Herz-Rhythmus-St%F6rung&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Was genau sind Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)?

Im Pharmawiki wird diese Arzneimittelgruppe so beschrieben:

„Nicht-steroidale Entzündungshemmer sind Schmerzmittel mit vielfältigen Wirkungen. Sie wirken schmerzstillend, fiebersenkend, entzündungshemmend und können die Blutgerinnung hemmen. Dementsprechend werden sie bei Schmerzen verschiedener Ursache, bei Fieber, entzündlichen Erkrankungen und zur Blutverdünnung verwendet. Eine längerfristige Einnahme der Medikamente ist problematisch und kann unter anderem zu Kopfschmerzen, Geschwüren im Magen und im Darm und zu Nierenerkrankungen führen. Deshalb sollen sie kurzfristig und wenn möglich in tiefer Dosis angewandt werden.“

Beispiele für NSAR (auch NSAID genannt) in der Schweiz:

Mefenaminsäure (Ponstan®, Mefenacid)

Flufenaminsäure (Assan®)

Etofenamat (Rheumon®, Traumalix®)

Acemetacin (Tilur®)

Bufexamac (Parfenac®)

Diclofenac, Diclofenac-Gel (Voltaren®)

Indometacin (Indocid®)

Nepafenac (Nevanac®)

Phenazon

Aminophenazon

Propyphenazon

Metamizol (Novalgin®)

Phenylbutazon

Ich bin kein fundamentalistischer Gegner „chemischer“ Medikamente. Dieses einseitige Schwarz-Weiss-Denken – hier die böse „Chemie“, dort die sanfte „Naturmedizin“  – in Komplementärmedizin und Alternativmedizin leider verbreitet – halte ich für bescheuert. Es braucht anstelle dieses unseligen „Lagerdenkens“ eine optionale Grundhaltung. Das heisst: Alle Wahlmöglichkeiten (Optionen) sollen dargelegt und geprüft werden, um die jeweils beste zu wählen. So können auch NSAR in manchen Situationen wichtig und richtig sein, beispielsweise im hoch entzündlichen Polyarthritisschub, bei Hexenschuss (Lumbago, Ischias-Syndrom) oder starken Zahnschmerzen.

Aber es braucht auch mildere Mittel für leichtere Entzündungen und leichtere Schmerzen, bei denen der Einsatz von NSAR nicht notwendig ist. Vor allem der langfristige Einsatz von NSAR ist nicht risikolos, wie unter anderem die oben beschriebene Studie gezeigt hat.

In diesem milderen Segment können Naturheilmittel (Wickel, Heilpflanzen-Anwendungen) eine wichtige Rolle spielen.

„Pharmawiki“ erwähnt übrigens unter der Rubrik „Pflanzliche NSAID“ die Weidenrinde (Salix spec.)  und die Spierblume (Spierstaude, Mädesüss, Wiesen-Geissbart, Filipendula ulmaria).

Vor allen Weidenrinden-Extrakt ist als leichtes Schmerzmittel gut dokumentiert und wird zum Beispiel bei Arthrose eingesetzt.

Siehe auch:

Heilpflanzen-Präparate bei Rheuma

Heilpflanzen gegen Kopfschmerzen

Phytotherapie bei Arthrose: Weidenrinde, Teufelskralle

Phytotherapie bei Schmerzen

Phytotherapie: Heilpflanzen zur Schmerzbehandlung

Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheumabeschwerden

Weidenrinden-Extrakte lindern Arthritis

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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