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Lebensgefährliche Vergiftung durch Verwechslung von Fingerhutblättern mit Beinwellblättern

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Dumm gelaufen: Ihre Schlaflosigkeit wollte eine 63-jährige Frau aus Grossbritannien mit einem Tee aus Beinwellblättern lindern. Jemand aus dem Freundeskreis hatte ihr dazu geraten.

Die Frau ging zum Markt und kaufte dort vermeintlich Blätter von Beinwell (Symphytum officinale). Zu Hause übergoss sie die Pflanzenteile mit heißem Wasser und hoffte auf eine beruhigende, schlaffördernde Wirkung des Tees. 18 Stunden später wurde sie mit Übelkeit, Herzrasen und Benommenheit in die Notaufnahme des King’s College Hospital in London eingeliefert. Die behandelnden Ärzte Mathew Kurian Vithayathil und Matthew Edwards berichten im Fachblatt „BMJ Case Reports“ von ihrem Fall.

In der medizinischen Vorgeschichte der Patientin liess nichts auf Herzprobleme schliessen. Im Elektrokardiogramms (EKG) fanden die Ärzte aber klare Auffälligkeiten. Die Blutwerte waren dagegen normal: Der Elektrolythaushalt war in Ordnung, die Entzündungsmarker waren nicht erhöht.

Die Mediziner wollten sich in einer nationalen toxikologischen Datenbank über Beinwell informieren, doch gibt es dort keinen Eintrag für die Pflanze. In einem anderen Online-Nachschlagewerk fanden sie aber einen Eintrag, der die Beinwellpflanze mit einer Lebervenen-Verschlusskrankheit in Verbindung bringt. Die Symptome der Patientin passen jedoch überhaupt nicht zu diesem Leiden.

Berichte, in denen Beinwell im Zusammenhang mit Herzkrankheiten oder Herzrhythmusstörungen genannt wird, fanden die Ärzte keine.

Dennoch hielten sie den Tee weiterhin für die wahrscheinlichste Ursache für die Symptome der Patientin und setzten deshalb ihre Recherche mit einer Bildersuche im Internet fort. Dabei fiel ihnen auf, dass die Blätter der Beinwellpflanze ähnlich aussehen wie die Blätter der Fingerhutpflanze (Digitalis purpurea, engl. foxglove).

Erneut untersuchen die Mediziner das Blut der Frau und konnten erhöhte Digoxin-Werte nachweisen – eine Substanz, die im Fingerhut vorkommt. Das Herzglykosid Digoxin bewirkt im menschlichen Organismus, dass sich das Herz kraftvoller zusammenzieht und langsamer schlägt.

Wegen dieser Wirkungen wurde die Substanz schon früh als Medikament bei Herzschwäche eingesetzt eingesetzt. Digoxin hat allerdings eine kleine therapeutische Breite, wodurch die Grenze zur Vergiftung rasch überschritten werden kann. Das führt dann zu Symptomen, die auch die britische Patientin hatte.

Nachdem der Auslöser der Vergiftung bekannt war, konnte die Frau mit einem Gegenmittel behandelt werden, mit dem das Digoxin unschädlich gemacht wurde. Das Herz kehrte wieder in seinen gewohnten Rhythmus zurück und die Frau konnte nach fünf Tagen die Klinik ohne bleibende Schäden verlassen.

Die Mediziner baten die Patientin noch, dem Händler auf dem Wochenmarkt mitzuteilen, welche Verwechslung ihm unterlaufen ist. Außerdem regen sie an, dass Beinwell nun doch in die nationale toxikologische Datenbank aufgenommen wird – wegen der möglichen Verwechslung mit Fingerhut.

Quelle:

http://derstandard.at/2000049373482/Selbstgemachter-Kraeutertee-Riskante-Mischung

http://www.t-online.de/lifestyle/gesundheit/id_79729294/raetselhafter-medizinfall-frau-stirbt-fast-an-beruhigendem-kraeutertee.html

http://casereports.bmj.com/content/2016/bcr-2016-216995

 

Kommentar & Ergänzung:

1. Ja, Pflanzen (auch Heilpflanzen) sind nicht immer harmlos. Man sollte sie gut kennen, bevor man sie direkt aus der Natur, aus dem Garten oder vom Markt anwendet. Andernfalls bezieht man sie besser aus Apotheken oder Drogerien.

2. Beinwell gegen Schlaflosigkeit, das ist eine Empfehlung, die weder durch seriöse Phytotherapie-Fachliteratur gedeckt noch sonst wie plausibel ist. Gute Ratschläge aus dem Freundeskreis nicht unbesehen übernehmen, sondern mit seriöser Fachliteratur überprüfen.

3. Digoxin aus dem Roten Fingerhut war über längere Zeit ein zentrales Medikament bei Herzschwäche. Das zeigt die Bedeutung, die Naturstoffe für die Medizin hatten und in vielen Bereichen auch heute noch haben. Aufgrund der kleinen therapeutischen Breite (geringer Abstand zwischen wirksamer und toxischer Dosis) wird Digoxin aus Fingerhut isoliert eingesetzt. Mit einem Fingerhut-Tee könnte Digoxin nicht präzis genug dosiert werden. Digoxin-Präparate sind rezeptpflichtig und haben inzwischen stark an Bedeutung verloren. Also bitte keine Selbstversuche mit Fingerhut!

4. Der geschilderte Fall ist eindrücklich. Im allgemeinen kann man aber auch feststellen, dass Vergiftungen mit Pflanzen heute eher selten vorkommen, vor allem im Vergleich zu Vergiftungen mit Medikamenten und Chemikalien.

5. Beinwell enthält Pyrrolizidinalkaloide, die unter anderem Lebererkrankungen auslösen können. Das erklärt die Erwähnung einer Lebervenen-Verschlusskrankheit im Artikel. Beinwell wird deshalb nur zur Anwendung äusserlich auf intakter Haut empfohlen, zum Beispiel als Salbe oder Gel bei Verstauchungen, Prellungen, Quetschungen, Sehnenscheidenentzündungen etc. Meist werden dazu Auszüge aus den Beinwellwurzeln verwendet (zum Beispiel in Kytta-Salbe), seltener aus den Blättern.

6. Im Bericht der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ über diesen Fall wird irrtümlich anstelle von Digoxin als Inhaltsstoff von Fingerhut Dioxin erwähnt. Das schreibt sich zwar ähnlich, ist aber genauso eine Verwechslung wie der Konsum von Fingerhut- anstelle von Beinwellblättern. Schon blöd, wenn man einen Artikel über Verwechslung schreibt, und dann selber eine macht. Dioxin steht im allgemeinen Sprachgebrauch für eine Gruppe von gefährlichen Umweltgiften, die sich über die Nahrungskette anreichern.

7. Dass die Mediziner offenbar nur die Patientin baten, den Händler auf dem Markt über seinen Irrtum aufzuklären, scheint mir ungenügend. In einem solchen Fall würde ich erwarten, dass diese Meldung über einen offiziellen Kanal läuft, bei dem überprüft werden kann, ob der Händler identifiziert und die Warnung angekommen ist. Bei uns hat die Gewerbepolizei die Aufsicht über den Markt und die kennen ihre Marktfahrer. Das wäre meiner Meinung nach die sichere Variante. Zwar wird es selten vorkommen, dass jemand Beinwellblätter zur Teezubereitung kauft, aber manche Leute verwenden sie als Wildgemüse. Und das würde dann auch reichen für eine veritable Vergiftung, wenn statt Beinwellblätter irrtümlich Fingerhut verkauft wird.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Zur Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen / Blasenentzündung

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Bei Harnwegsinfektionen – insbesondere bei Blasenentzündungen – fragen Betroffene häufig nach einem pflanzlichen Präparat. Nützliche Tipps für die Beratung in der Apotheke gab es im POP-Symposium „Pharmakotherapie von Harnwegsinfektionen“ auf der INTERPHARM.

Apothekerin Dr. Kirsten Dahse aus Gröbenzell und Dr. med. Johanna Lerner aus München zeigten dabei auf, wann eine Selbstbehandlung nicht angebracht und eine ärztliche Konsultation nötig ist:

– Bei Risikofaktoren wie Schwangerschaft, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz oder Immunsuppression.

– Außerdem bei Fieber, Schmerzen in der Nierengegend, Blut im Urin, zunehmenden Beschwerden sowie Symptomen, die länger als fünf Tage andauern.

Schmerzmittel sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, weil damit eine beginnende Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), die meist mit Fieber und Schmerzen einhergeht, verschleiert werden kann.

Die Referentinnen stellten für die Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen eine ganze Reihe von Präparaten vor, bei denen jedoch auch Nebenwirkungen und Kontraindikationen zu beachten sind:

☛ Bei Bärentraubenblättern und Bärentraubenextrakten resultiert die Anwendungsbeschränkung „nicht häufiger als fünfmal pro Jahr und jeweils nicht länger als ein Woche“ aus einem potenziellen kanzerogenen Risikos des Hydrochinons. Dieses sei aber wahrscheinlich sehr gering, zumal die Verbindung rasch konjugiert und abgebaut werde.

Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut enthalten Senfölglykoside und die Referentinnen wiesen darauf hin, dass sie bei Personen mit Nierenfunktionsstörungen und Magengeschwüren nicht empfohlen werden sollten. Kapuzinerkressekraut sei zudem wegen des Gehalts an Vitamin K für Patienten unter Phenprocoumon nicht geeignet.

Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel werden erwähnt als Mittel, die zur Durchspülungstherapie zugelassen sind. Zurückhaltung sei dabei jedoch geboten bei Patienten mit Herz- und Niereninsuffizienz wegen der hierfür notwendigen größeren Trinkmengen. Die Cumarine im Liebstöckelkraut können eine Photosensibilisierung bewirken.

☛ Nach Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie werde in der Apotheke häufig gefragt, um damit pathogene Keime aus den Harnwegen auszuschwemmen. Neben Bärentraubenblättern enthalten solche Teemischungen in verschiedenen Kombinationen insbesondere Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut. Vor einer Empfehlung von Tees mit Birkenblättern sollte die Kundin oder der Kunde nach einer Birkenpollenallergie gefragt werden.

☛ Zubereitungen aus der Großfrüchtigen Moosbere, besser bekannt als Cranberry, werden seit einigen Jahren sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie von wiederkehrenden Infektionen der Harnwege empfohlen. Allerdings konnte in einem Cochrane-Review (Metaanalyse) bezüglich der Vorbeugung keine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt werden.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/03/21/wann-selbstmedikation-wann-zum-arzt

Kommentar & Ergänzung:

Die beschriebenen Grenzen der Selbstbehandlung bei Blasenentzündungen kann man nur unterstreichen. Steigt eine Blasenentzündung in die Nieren auf, kann die Infektion sich rasch gefährlich entwickeln. In solchen Fällen braucht es ärztliche Behandlung und in der Regel ein Antibiotikum.

Zu den empfohlenen Heilpflanzen gibt es einiges zu ergänzen:.

1. Zu den Bärentraubenblättern: Teezubereitung als Kaltauszug ist magenverträglicher und geschmacklich akzeptabler (tieferer Gerbstoffgehalt). Auf ausreichende Dosierung achten: 10 g Bärentraubenblätter (= 4 – 5 Teebeutel pro Tag) als Bärentraubenblättertee. Pulverisierte Form (z. B. als Beuteltee) ist wirksamer als geschnittene Bärentraubenblätter (Wirkstoffe werden besser gelöst, wenn die Pflanzenteile kleiner sind).

2. Zu Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut: Die Referentinnen beziehen sich hier wohl auf Angocin® – das sind Filmtabletten mit Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut. Wer Meerrettich liebt, kann auch die frisch geraffelte Wurzel gemischt mit Joghurt, Quark, geraffeltem Apfel etc. essen und kommt so rasch auf höhere Senfölglykosid-Mengen, als es mit Angocin® der Fall ist. Als Tagesdosis werden 10 – 20 g geraffelte Merrrettichwurzel empfohlen, verteilt auf 4 – 5 Portionen über den Tag hinweg.

3. Der Empfehlung von Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel liegt wohl ein Präparat zugrunde, das nur in Deutschland auf dem Markt ist und genau diese drei Heilpflanzen enthält (CANEPHRON N Dragees). Dieses Präparat überzeugt mich nicht. Nur der Liebstöckelwurzel schreibt die Phytotherapie eine leicht harntreibende Wirkung zu. Tausengüldenkraut ist eine Bitterstoffpflanze, deren Nutzen im Harntrakt ungeklärt ist. Und in Rosmarinblättern ist zwar entzündungswidrige Rosmarinsäure enthalten. Ob davon aber in den Harnwegen eine wirksame Menge ankommt, ist sehr fraglich, zumal das Präparat nur je 18mg von den drei Heilpflanzen in Pulverform enthält. Das ist ausgesprochen (!) wenig, wenn man zum Beispiel vergleicht mit einem Teebeutel, der normalerweise etwa 2000 mg pulverisierte Heilpflanze enthält (als 2g). Zwar geht bei der Teezubereitung der Wirkstoff nicht vollständig ins Teewasser über, aber der Unterschied zu diesen 18 mg im Dragee ist doch riesig. Ein Tee wäre wohl überlegen.

4. Bei den häufig verwendeten Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie sind die Mischungen oft fragwürdig, zum Beispiel wenn Bärentraubenblätter mit harntreibenden Heilpflanzen wie Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut kombiniert sind. Bei einer akuten Blasenentzündung sind die Bärentraubenblätter in solchen Mischungen oft zu tief dosiert. Es braucht dann Bärentraubenblättertee pur in einer Menge von 4 – 5 Tassen täglich, um auf eine wirksame Dosis zu kommen. Dagegen ist in einem Durchspülungstees zur Rückfallprophylaxe die Bärentraube unpassend, weil es dann um eine längerfristige Anwendung geht und wahrscheinlich auch über lange Zeiträume gar keine Bakterien verhanden sind, die bekämpft werden müssten.

5. Bei Cranberry ist die Datenlage tatsächlich nicht so positiv, wie sie oft dargestellt wird. Die erwähnte Cochrane-Metaanalyse ist sogar klar negativ. Allerdings muss man dazu folgendes wissen: Cranberry- wie auch Preiselbeer-Präparate gibt es in sehr unterschiedlichen Zubereitungen mit grossen Unterschieden in der Wirkstoffkonzentration. Diese sehr heterogene Ausgangslage macht es schwierig, eine Metaanalyse zu erstellen, die dann auch für alle geprüften Präparate gültige Aussagen machten kann. Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 4 / 2015) schreibt dazu:

„Selbst im neuen Cochrane-Review wurde nur für 3 der 24 eingeschlossenen Studien ein für sinnvoll erachteter PAC-Gehalt > 36 mg/d oder die Angabe des Typ-APAC-Gehalts erfüllt.“

Die Autoren weisen darauf hin, dass man das nicht den Cochrane-Autoren anlasten könne, sondern der oft ungenügenden Publikationskultur phytotherapeutischer Studien.

Wer als Konsumentin oder Konsument Cranberry- oder Preiselbeerpräparate anwenden möchte, sollte auf eine Mindestzufuhr von 36 mg Proanthocyanidinen (PAC) pro Tag achten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräutertee: Zerkleinerungsgrad bei der Teezubereitung beeinflusst Wirkstoffausbeute

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Bei der Zubereitung eines Kräutertees spielt der Zerkleinerungsgrad der verwendeten Heilpflanze eine wichtige Rolle. Dazu hier ein Zitat aus dem Buch „Teedrogen und Phytopharmaka“ von Max Wichtl (2009), das Sie im Buchshop anschauen können:

„Untersuchungen zur Freisetzung von Rosmarinsäure aus Salbeiblättern in einem Heisswasserauszug ergab für verschiedene Schnittgrössen deutliche Unterschiede; eine optimale Ausbeute (50%) wurde mit gepulverter Droge und 10 min Extraktionszeit erzielt. Bei Lindenblüten ergibt ein mit geschnittener Droge hergestellter Teeaufguss eine Ausbeute von 60% an Flavonoiden, ein mit gepulverter Droge bereiteter Tee jedoch eine solche 80 %. Bei Faulbaumrinde und Cascararinde lassen sich aus pulverisierter Droge fast 90% der Anthraderivate in ein Teegetränk überführen, bei Verwendung von grob geschnittener Droge hingegen nur 30 %.“

Kommentar & Ergänzung:

Vorneweg, damit keine Missverständnisse auftreten: Wenn hier von „Drogen“ die Rede ist, dann sind damit getrocknete Heilpflanzen gemeint, und nicht etwa entsprechend der heute gebräuchlicheren Bedeutung von „Rauschmittel“ oder „Betäubungsmittel“.

Das Zitat zeigt zwei interessante Aspekte:

  1. In der Phytotherapie ist es nicht nur wichtig zu überlegen, welche Heilpflanzen gegen bestimmte Beschwerden am besten eingesetzt werden sollen. Genauso wichtig ist es zu überlegen, in welcher Form diese Heilpflanze am besten zur Anwendung kommen soll – zum Beispiel als Kräutertee, Pflanzentinktur oder Pflanzenextrakt. Und beim Kräutertee kommt dann die Zubereitungsweise (Aufguss? Abkochung? Kaltauszug?) und eben der Zerkleinerungsgrad ins Spiel.
  1. Es ist nicht überraschend, dass ein grösserer Zerkleinerungsgrad zu besserer Wirkstoffausbeute führt. Je kleiner die Pflanzenteile, desto grösser die Oberfläche, an der das Wasser eindringen kann, um Wirkstoffe zu herauszulösen. Eindrücklich ist vor allem, dass der Unterschied bei den Rinden derart gross ist, also bei harten Pflanzenteilen. Bei Wurzeln würde das Ergebnis wohl vergleichbar ausfallen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Fenchelfrüchte bei Völlegefühl, Blähungen und krampfartigen Bauchbeschwerden

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Auf n-tv.de hat Heidi Driesner gerade einen informativen Beitrag veröffentlicht zur Verwendung von Fenchel als Gewürz, Gemüse und Heilpflanze.

Zitat zu den Wirkungen des Fenchels als Heilpflanze:

„Richtig dosiert aber lindern die ätherischen Öle in den Samen tatsächlich Blähungen und Koliken. Besonders reich sind die Samen an Anethol, es bewirkt den anisartigen Duft und Geschmack des Fenchels (befindet sich auch in Anis). Anethol steigert die Bewegung der Muskulatur in Magen und Darm und wirkt zusätzlich krampflösend. Beides zusammen hilft bei Völlegefühl, Blähungen und krampfartigen Bauchbeschwerden. Es regt außerdem den Appetit an und fördert die Verdauung. Schon Sebastian Kneipp wusste Bauchschmerzen mit Fenchel zu vertreiben. Er empfahl, 1 Esslöffel Fenchelsamen mit 150 Milliliter Milch aufzukochen und möglichst heiß in kleinen Schlucken zu trinken.

Das Fenchon im Fenchel dagegen schmeckt bitter und kampferartig. Diesem ätherischen Öl wird eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben, so dass Fenchel auch dazu beitragen kann, Bakterien und Pilze im Wachstum zu hindern.“

Quelle:

http://www.n-tv.de/leute/essen/Ein-Kraut-fuers-ganze-Leben-article14582226.html

Kommentar & Ergänzung:

Der Abschnitt umreisst die Wirkungen und Anwendungsbereiche der Fenchelfrüchte gut.

Interessant ist die Empfehlung von Sebastian Kneipp, die Fenchelfrüchte mit Milch aufzukochen.

Das Abkochen mit Milch dürfte zwar geschmacklich nicht jedermanns Sache sein, doch hat diese Variante der Teezubereitung einen interessanten Vorteil.

Weil Milch fetthaltig ist und ätherische Öle sich besser in Fett als in Wasser lösen, wird die Ausbeute an ätherischem Öl etwa doppelt so hoch sein als bei der Zubereitung mit Wasser. Allerdings muss dazu Vollmilch verwendet werden. Bei teilentrahmter Milch ist der Fettanteil zu tief.

Der letzte Abschnitt im Zitat ist etwas verwirrlich. Wenn das ätherische Fenchelöl entzündungswidrig wirkt, folgt daraus nicht die bakterienhemmende und pilzhemmende Wirkung. Das sind zwei unabhängige Wirkungen.

Die antimikrobielle Wirkung von Fenchelöl gegen Bakterien und Pilze ist aber in zahlreichen Testsystemen bestätigt worden.

Was im Zitat noch fehlt ist die schleimlösende (= expektorierende) Wirkung von Fencheltee und Fenchelöl. Sie regen die Flimmerhärchen in den Bronchien an und wirken so auswurffördernd.

Anethol und Fenchon vermindern zudem nach Inhalation die Dichte des Bronchialsekrets und verflüssigen die Atemwegsflüssigkeit.

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Heilpflanzen gegen Blähungen

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Das „Bayerische Fernsehen“ kümmert sich um unsere Verdauungsbeschwerden:

„Blähungen entstehen, wenn sich im Darm zu viele Gase bilden. Der sogenannte „3-Winde-Tee“ hilft, dass die Gase den Darm möglichst schnell wieder verlassen. Er besteht aus Kümmel, Fenchel- und Anissamen. Kümmel löst Krämpfe und fördert die Verdauung. Deswegen wird er auch häufig blähenden Speisen, wie z. B. Krautsalat, zugesetzt. Fenchel hilft ebenfalls gegen Blähungen und Krämpfe. Deshalb wird er schon Säuglingen gegeben. Und auch Anis hilft, indem er den Magen anregt, mehr Magensaft zu produzieren, was wiederum die Verdauung fördert.“

Kommentar:

Kümmel, Fenchel und Anis sind bewährte Heilpflanzen bei Völlegefühl und Blähungen. Sie können auch gut gemischt werden. Fenchel und vor allem auch Anis haben über den Verdauungstrakt hinaus noch eine schleimlösende Wirkung bei Husten.

Den Ausdruck „3-Winde-Tee“ habe ich noch nie gehört. Bekannter ist ein „Vier-Winde-Tee“, eine Mischung von Kamille, Pfefferminze, Kümmel und Fenchel.

Zur Zubereitung des „3-Winde-Tees“ schreibt der BR:

„Zubereitung: Kümmel, Fenchel- und Anissamen zu gleichen Teilen mischen. Einen gestrichenen Teelöffel pro Tasse mit heißem Wasser übergießen. 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen.

Anwendung: Bei auftretenden Blähungen in kleinen Schlucken trinken. Falls Sie regelmäßig an Blähungen leiden, können Sie auch täglich ein bis zwei Tassen zur Vorbeugung trinken.“

Kommentar:

Sinnvoll wäre es, Kümmelfrüchte, Anisfrüchte und Fenchelfrüchte vor der Teezubereitung in einem Mörser zu zerstossen. Das heisse Teewasser kann dadurch die Wirkstoffe besser lösen. Es handelt sich dabei um ätherische Öle, die allerdings nur schlecht wasserlöslich sind. Die Löslichkeit dürfte sich verbessern lassen, wenn zur Teezubereitung dem Wasser etwas Vollmilch zugesetzt wird.

Quelle der Zitate:

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/wir-in-bayern/service/adelheid-lingg-service-kraeuter-gegen-magenprobleme-100.html

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Heilpflanzenkunde: Riesengoldrute (Solidago gigantea)

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Gigantisch, wie bereits der lateinische Name der Pflanze Solidago gigantea beschreibt, präsentiert sich das Riesengoldrutenkraut in charakteristischer Blüte im Auenwald und an heimischen Uferrändern. (Foto auf Wikipedia).

Die Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) wird bis über zwei Meter hoch.

Das Auftreten in dichten Beständen und der typische gelbe Blütenstand in Form einer pyramidenförmigen Rispe machen das Riesengoldrutenkraut unübersehbar. Die ursprüngliche Heimat von Solidago gigantea liegt in Nordamerika. Als Neophyt hat das Riesengoldrutenkraut erst spät Beachtung als Heilpflanze gefunden.

Ursprünglich war die Riesengoldrute im Heilpflanzenhandel als Verfälschung der einheimischen Echten Goldrute (Solidago virgaurea)  verpönt und wurde erst im Laufe der Zeit als Ersatz dieser Art anerkannt. Der höhere Gehalt an Flavonoiden und Saponinen im Riesengoldrutenkraut wurde als Rechtfertigung zur Verwendung als Arzneipflanze herangezogen.

Goldruten-Extrakte fördern Aktivität der Glutathion-STransferasen (GST)

Als Hauptinhaltsstoffe im Riesengoldrutenkraut wurden bis zu 3,8 % Flavonoide als Quercetin, Kämpferol und Isorhamnetin und deren Abkömmlinge nachgewiesen. Triterpensaponine um die 10 % stellen die zweite Wirkstoffgruppe der Riesengoldrute dar. Ausserdem sind ätherisches Öl und Phenolkarbonsäuren wie Kaffee-, Ferula- oder Salizylsäure gefunden worden.

Extrakte der Goldrute fördern die Aktivität der Glutathion-STransferasen (GST), die eine entscheidende Rolle in der Entgiftung des menschlichen Organismus darstellen.

Sie fördern die Umwandlung von gewebsschädigenden Stoffen in hydrophile Metaboliten, die dann via Nieren und Harnwege ausgeschieden werden können. Diese Enzymaktivierung regt den körpereigenen Schutz gegen toxische und mutagene Effekte an. Mittels alkoholischer, flavonoidreicher Extrakte aus Solidago canadensis ( = Kanadische Goldrute) konnte diese Wirkung in vitro ( = im Reagenzglas) nachgewiesen werden. Auch die entzündungswidrige und gewebsschützende Wirkung von Extrakten aus der Riesengoldrute wurde getestet. Verglichen mit Diclofenac zeigte der hochkonzentrierte Extrakt die gleiche Wirkung.

Die Anwendung des Goldrutenkrauts setzt die Erhöhung der Harnmenge voraus. Goldrute kommt als Teezubereitung bei entzündlichen Erkrankungen der Blase und der ableitenden Harnwege, bei Nierengrieß und zur vorbeugenden Behandlung bei Harnsteinen zur Anwendung. Die gesteigerte Durchspülung der Niere und der Harnwege hemmt pathogene Keime.

In der Volksmedizin ist das Riesengoldrutenkraut und auch das Echte Goldrutenkraut als krampflösend und entzündungshemmend bekannt. Die krampflösende Wirkung ist beim Riesengoldrutenkraut etwas geringer als beim echten Goldrutenkraut.

Volksheilkundliche Anwendungen des Goldrutentees finden sich bei Rheuma und bei Gicht. Zudem wird ein abgekühlter Teeaufguss als Spülung zur unterstützenden Behandlung entzündeter Hautbereiche und bei Zahnfleischproblemen empfohlen.

Quelle:

Pharmaceutical Tribune Nr. 17/2011

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=110366&dspaid=954740

Kommentar & Ergänzung:

Goldrutenkraut gilt als Mittel zur Steigerung der Harnausscheidung, genauer: der Wasserausscheidung (Aquaretikum).

Das interessanteste Ergebnis aus der Goldruten-Forschung ist die Förderung der Aktivität der Glutathion-STransferasen (GST) mit der damit möglicherweise verbundenen Verbesserung der Entgiftungsfunktion.

Allerdings muss dabei beachtet werden, dass es sich dabei um Laboruntersuchungen im Reagenzglas handelt.

Ob diese Effekte in klinisch relevanter Art und Weise auch im menschlichen Organismus auftreten, ist ungeklärt. Es ist ein häufig gemachter Interpretationsfehler, vorschnell von Laborergebnissen auf Wirkungen im Menschen zu schliessen.

Zu erwähnen ist noch, dass die Riesengoldrute und die Kanadische Goldrute als Neophyten an vielen Standorten problematisch sind, andererseits aber noch im Spätsommer vielen Insekten als ergiebige Nahrungsquelle dienen.

Was sind Neophyten?

Neophyten sind Pflanzenarten, die (in)direkt durch Menschen in Gebiete eingeführt werden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommen. Als Neophyten werden Pflanzen bezeichnet, die erst seit der Entdeckung Amerikas (1492) bei uns vorkommen. Der Ausdruck „Neophyten“ bedeutet wörtlich «neue Pflanzen». Diese gebietsfremden Pflanzen sind zum grösstenteils harmlos (bspw. die Rosskastanie oder das Kleine Springkraut). Einige der neuen Pflanzen verhalten sich allerdings invasiv: Sie verwildern, breiten sich stark aus und verdrängen dabei die einheimische Pflanzenwelt. Bestimmte Neophyten sind sogar gefährlich für unsere Gesundheit, zum Beispiel Ambrosia (Allergien), Riesen-Bärenklau (Hautentzündungen durch Photosensibilisierung), andere können Bachufer destabilisieren oder Bauten schädigen. Solche Problempflanzen bezeichnet man als invasive Neophyten. Gegenwärtig gelten in der Schweiz 24 Pflanzenarten als nachweislich schädliche invasive Neophyten und 22 Arten als potentiell schädliche invasive Neophyten.

Die Kanadische Goldrute und die Riesen-Goldrute können durch Eindringen in schützenswerte Pflanzenbestände die natürliche Artenzusammensetzung stören. So werden vor allem Licht liebende Pflanzenarten durch die dichten Goldrutenbestände verdrängt.

Weitere invasive Neophyten:

Drüsiges Springkraut, Riesen-Bärenklau, Ambrosia, Japanischer Staudenknöterich, Essigbaum, Sommerflieder, Robinie, Kirschlorbeer, Götterbaum, Riesenaronstab.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Arzneitees überzeugen Öko-Test nur mässig

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Kräutertees sind beliebt. Sie werden beispielsweise getrunken, um Husten zu lindern oder den Magen zu beruhigen. Öko-Test hat 23 Arzneitees untersucht.

Unter die Lupe genommen wurden je fünf Blasen- und Nierentees, Magen- und Darmtees, Schlaf- und Beruhigungstees und acht Husten- und Bronchialtees. Die Teemischungen wurden auf ihre Wirksamkeit und Qualität hin untersucht.

Die Husten- und Bronchialtees – darunter die drei in Apotheken erhältlichen Tees von H&S, Heumann (Winthrop) und Sidroga – bekamen alle das Urteil „ausreichend“. Die Wirksamkeit bei Husten stuft Öko-Test allerdings durchweg mit „wenig überzeugend“ ein. In allen Arzneitees wurden Spuren von Ochratoxin A festgestellt, bei den Tees von H&S und Heumann sogar ein erhöhter Wert des Pilzgiftes.

Zudem stellten die Tester Pestizide fest.

Eine Höchstgrenze werde zwar nicht überschritten.

Mehrfachrückstände hinterließen jedoch ein ungutes Gefühl, bei denen niemand wisse, ob sie harmlos seien, hält Öko-Test fest.

Auch die Magen-Darm-Tees sowie die Schlaf- und Beruhigungstees wurden allesamt nur mit „ausreichend“ beurteilt.

Unter anderem untersucht wurden „Salbeiblätter“ von H&S und „Kamillenblüte“ von Bombastus sowie der „Magen-Darm-Beruhigungstee“ von Sidroga. Sowohl bei den Tees gegen Einschlafstörungen als auch gegen Magen-Darm-Beschwerden beurteilt Öko-Test die Wirksamkeit mit „nicht überzeugend“. Bei dem Magen-Darm-Tee von H&S kam als Manko noch hinzu, dass in der Verpackung PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe gefunden wurden.

Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der untersuchten Kräutertees würden im Wesentlichen aus der traditionellen Anwendung, ärztlicher Erfahrung und Anwendungsbeobachtungen abgeleitet, schreiben die Öko-Test-Experten. Sie kritisieren, dass moderne klinische Studien im Bereich der Arzneitees Mangelware. Seien. Sie stufen die Arzneitees gerade noch als ‚wenig überzeugend‘ und nicht als ’nicht nachgewiesen‘ ein. Die Bedeutung des Rituals der Teezubereitung sei nicht zu unterschätzen, stellt Öko-Test fest. Darüber hinaus sei die subjektiv empfundene Verbesserung der Befindlichkeit bei leichten Beschwerden wichtig.

Nur die Blasen- und Nierentees wurden etwas besser beurteilt. Die drei in Apotheken erhältlichen Tees bekamen die Noten „ungenügend“ (H&S), „befriedigend“ (Heumann) und „gut“ (Sidroga). In dem Tee von H&S, der unter den Blasentees am schlechtesten abschnitt, wurden diverse Pestizide festgestellt. Ausserdem wurden in der Verpackung PVC//PVDC/chlorierte Kunststoffe gefunden. Auch wurden Gegenanzeigen nicht aufgeführt.

Bei Patienten mit Herz- oder Nierenschwäche, die sich unter anderem in Wassereinlagerungen im Gewebe äußern können, sei eine Durchspülungstherapie nicht angezeigt. Einen entsprechenden Warnhinweis vermissen die Öko-Test-Experten beim H&S Blasen- und Nierentee. Sie weisen zudem darauf hin, das der Tee Bärentraubenblätter enthalte, in denen Arbutin enthalten sei. Aus Arbutin entstehe Hydrochinon, ein krebserregender Stoff.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/arzneitees-ueberzeugen-oeko-test-nicht

Kommentar & Ergänzung:

Die Einschätzung von Öko-Test scheint mir im Grossen und Ganzen nachvollziehbar. Tatsächlich gibt es kaum Studien zur Wirksamkeit von Kräutertees. Die meisten Studien in der Phytotherapie werden mit Spezialextrakten durchgeführt, die von den Herstellerfirmen patentiert wurden. Hier lohnt sich für die Hersteller die Investition in die Forschung, weil die Resultate nur für diese bestimmten Extrakte verwendbar sind.

Forschung  im Bereich von Kräutertees, die in der Regel keinen Patentschutz haben, ist dagegen für die Firmen nicht lukrativ.

Bei den Arzneiteemischungen sind die Rezepturen oft sehr willkürlich und kaum fachlich begründbar. Es gibt nur wenige Kräuterteemischungen, die wirklich überzeugen und Sinn machen.

Ein Arzneitee kann auch bezüglich Wirkstoffgehalt in vielen Situationen überzeugen, doch würde ich in den meisten Fällen einen gut ausgewählten Einzeltee vorziehen.

Zu Recht erwähnt Öko-Test die Bedeutung des Teerituals. Diesen Aspekt sollte man meines Erachtens nicht gering schätzen. Teetrinken ist in dieser Hinsicht mehr als eine Pille schlucken. Es ist zum Beispiel ein sinnliches Erlebnis.

Zum Bärentraubenblättertee bei Blasenentzündung:

In Nieren-Blasen-Teemischungen, die über längere Zeit zur Durchspülungstherapie angewendet werden, sind Bärentraubenblätter fehl am Platz. Bärentraubenblättertee macht nur Sinn, wenn eine akute Blasenentzündung vorliegt, und in einem solchen Fall würde ich ihn als Einzeltee anwenden, damit eine ausreichende Dosis zustande kommt. Die Anwendungsdauer wird dabei auf sieben Tage beschränkt – sicherheitshalber, wegen dem Hydrochinon. Wenn eine Blasenentzündung nicht rasch wieder abklingt, braucht es aber eine ärztliche Untersuchung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Heilpflanzen bei Blasenentzündung

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Schmerzen beim Wasserlassen und ständiger Harndrang sind typische Symptome einer Blasenentzündung (Zystitis).

Ein Betrag in der Fachzeitschrift „Die PTA in der Apotheke“ (08 / 2011) empfiehlt Heilpflanzen-Anwendungen:

„Für die Selbstmedikation eignen sich pflanzliche Aquaretika als fertige Teezubereitungen oder in Form von Kapseln, Dragees und Tropfen. Sie enthalten wassertreibende, teilweise zusätzlich auch krampflösende, entzündungshemmende und desinfizierende Heilkräuter wie beispielsweise Brennnessel-, Birken- und Orthosiphonblätter, Goldruten- und Ackerschachtelhalmkraut.

Bewährt haben sich vor allem Arzneimittel mit Bärentraubenblättern, die antibakteriell und desinfizierend wirken. Raten Sie betroffenen Frauen viel zu trinken, um die Keime schneller wieder loszuwerden – mindestens zwei Liter sollten es täglich sein, sofern keine Herz- oder Nierenerkrankungen dagegen sprechen. Ruhe und lokale Wärmeanwendungen wie Wärmflasche oder Kirschkernkissen helfen zusätzlich, die Schmerzen zu lindern.“

Kommentar & Ergänzung:

Bärentraubenblättertee wirkt antibakteriell in den Harnwegen. Zu beachten ist:

Nur bei aktuter Zystitis anwenden, nicht  länger als eine Woche am Stück einnehmen und nicht mehr als fünf Wochen pro Jahr. Dosierung muss ausreichend hoch sein: 4 Tassen Bärentraubenblättertee pro Tag. Kaltauszug ist magenverträglicher. Nicht für Kinder unter 12 Jahren.

Achtung:

„Von der Selbstmedikation ausgeschlossen sind Diabetikerinnen, Schwangere, Patientinnen mit geschwächtem Immunsystem, mit Niereninsuffizienz sowie grundsätzlich auch Kinder und Männer mit Blasenproblemen……. Bessert sich die Infektion nicht nach wenigen Tagen, sollten Sie zum Arztbesuch raten. Der Mediziner wird gegebenenfalls ein Antibiotikum verordnen. Weisen Sie Ihre Kundinnen bei der Abgabe darauf hin, dass das Präparat nicht vorzeitig abgesetzt werden darf. Denn dies könnte zu resistenten Erregern führen.“

Kommentar & Ergänzung:

Auch wenn gleichzeitig Fieber eintritt oder Schmerzen in der Nierengegend, ist eine ärztliche Abklärung nötig.

Abschliessend ein Tipp zur Vorbeugung von Blasenentzündungen:

„Um Blaseninfekten vorzubeugen, sollten Frauen im Alltag grundsätzlich auf eine ausreichende Trinkmenge achten und ihre Blase immer vollständig entleeren. Gut geeignet, um Bakterien auszuschwemmen, noch bevor es zur Entzündung kommt, sind Produkte mit Cranberries. Die darin enthaltenen Proanthocyanidine verhindern das Andocken der pathogenen Keime an den Wänden des Harnwegtraktes.“

Kommentar & Ergänzung:

Es braucht aber auch hier konsequente Anwendung über längere Zeit und zudem ein Cranberry-Präparat mit ausreichend hohem Gehalt an Proanthocyanidinen.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Quelle der Zitate:

http://www.pta-aktuell.de/praxis/news/7383-Was-tun-wenn-s-brennt/

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

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Heilkräuter halten die Verdauung in Schwung…..

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Die Sonntagszeitung „PrimaSonntag“ veröffentlichte ein Interview mit Prof. Dr. Michael Geißler, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und Allgemeine Innere Medizin an den Städtischen Kliniken in Esslingen a. N. und Dr. Andre Schumacher, niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin in Düsseldorf zum Thema „Verdauungsbeschwerden“. Dabei kam auch die Anwendung von Heilpflanzen zur Sprache:

„primaSo: Lässt sich die Funktion der Verdauungsorgane durch bestimmte pflanzliche Arzneistoffe fördern?

Dr. Schumacher: Ja, weil die in pflanzlichen Arzneimitteln enthaltenen Natur- oder Bitterstoffe bestimmte Abschnitte der Verdauungskette durchaus positiv beeinflussen. So wirken Anis, Kümmel und Fenchel Blähungen entgegen, Rosmarin gilt als appetitanregend, Pfefferminz und Oregano fördern die Gallenaktivität. Ingwer, Kardamom, Muskat sowie Löwenzahn und Enzian regen die Magen- und Darmtätigkeit an.
primaSo: Wie wirken Artischocke, Mariendistel, Kümmel, Wermutskraut und Co. auf die Verdauung? Wo liegen die Unterschiede?

Dr. Schumacher: Die Unterschiede liegen in der Wirkungsweise. Artischocke fördert die Fettverdauung, unterstützt somit auch eine cholesterinbewusste Ernährung und regt die Leber-Galletätigkeit an. Mariendistel stärkt die Verdauungsfunktion der Leber und fördert die Regenerationsfähigkeit der Leberzellen, Kümmel wirkt entblähend, während Wermutkraut eine allgemein anregende Wirkung auf die Funktion der Verdauungsorgane hat.“

Quelle:

http://www.kanal8.de/default.aspx?ID=11431&showNews=950360

http://www.primaso.de/default.aspx?ID=4560&showNews=950360

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt unzählige Heilpflanzen mit Wirkung im Verdauungstrakt. In diesem Interview werden einige daraus vorgestellt und ihre Wirkung zwar knapp, aber eigentlich recht treffend charakterisiert.

Wie immer in der Phytotherapie stellt sich aber noch die Frage, in welcher Form eine Heilpflanze optimal eingesetzt werden kann (Kräutertee, Pflanzentinktur, Extrakt) und welcher Pflanzenteil verwendet werden soll.

So werden von der Mariendistel beispielsweise nur die Mariendistelfrüchte verwendet. Mariendisteltee ist allerdings eine ungeeignete Zubereitungsform, weil der Hauptwirkstoff Silymarin schlecht wasserlöslich ist. Mit Mariendisteltinktur wird der nötige Silymaringehalt meistens nicht erreicht, so dass als sinnvolle Zubereitungsform hier nur der Mariendistelextrakt oder Präparate mit reinem Silymarin bzw. Silibinin bleiben.

Kümmel, Fenchel und Anis eignen sich zur Teezubereitung, doch sollten die Früchte vorher gequetscht werden.

Von der Artischocke verwendet man in der Phytotherapie nur das Blatt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd

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Das im Pfefferminzöl enthaltene Menthol aktiviert einen Anti-Schmerz-Kanal im Dickdarm.

Schon Kinder ist bekannt: Wenn man Bauchschmerzen hat, erhält man eine Tasse Pfefferminztee, ob man will oder nicht. Doch die Pfefferminze ist nicht nur eines der bekanntesten Hausmittel, sie hat sich in jüngster Zeit auch als erstaunlich wirksam für Menschen mit einem Reizdarmsyndrom erwiesen – jener bisher unerklärlichen Überempfindlichkeit des Darms, die sich in Beschwerden wie Durchfall, Verstopfung, Blähungen und damit einhergehenden Schmerzen äußert. Verantwortlich dafür wurde bisher hauptsächlich der entkrampfende Wirkung der Heilpflanze gemacht: Sie stimuliert einen Einstrom von Kalziumionen in die Zellen der glatten Muskulatur des Magen-Darm-Traktes und sorgt dadurch für deren Entspannung. Doch das scheint nicht die ganze Geschichte zu sein, haben australische Wissenschaftler nun in einer Studie mit Mäusen herausgefunden: Das Menthol in der Pfefferminze aktiviert zusätzlich offenbar einen Anti-Schmerz-Kanal in den Wänden des Dickdarms und dämpft dadurch die Schmerzwahrnehmung.

Der betreffende Kanal hat den sperrigen Namen TRPM8 und ist ein Verwandter eben jenes Rezeptors, der auf den Chili-Scharfmacher Capsaicin reagiert und bei Kontakt mit selbigem das charakteristische Brennen bewirkt. TRPM8 ist im Gegensatz zum Capsaicin-Rezeptor auf Kältereize spezialisiert – sowohl auf solche, die auf tiefe Temperaturen zurückzuführen sind als auch auf diejenigen, die durch kühlende Substanzen wie etwa Menthol ausgelöst werden. Trotz ihres eher gegensätzlichen Charakters kommen TRPM8 und TRPV1 in manchen Nervenenden gemeinsam vor, zum Beispiel in der Harnblase, hatten Wissenschaftler schon früher herausgefunden. Darum fragten sich Andrea Harrington vom Royal Adelaide Hospital und ihre Kollegen nun, ob eine solche Koexistenz möglicherweise auch im Darm vorliegt – und ob sie der schon oft beobachteten Schmerzlinderung zugrunde liegt, die zahlreiche Reizdarmpatienten nach der Einnahme von Pfefferminzöl verspüren.

Bei verschiedenen Experimenten mit Mäusen, denen unter anderem der extrem stark kühlende Wirkstoff Icilin verabreicht wurde, konnten die Wissenschaftler zeigen: Es existieren tatsächlich auch in der muskulösen Dickdarmwand Nervenenden, die sowohl TRPM8 als auch TRPV1 enthalten. Zusätzlich kommt manchmal sogar noch ein dritter Vertreter der TRP-Familie namens TRPA1 vor, der hauptsächlich auf mechanische Reize reagiert. Diese drei scheinen miteinander in engem, teilweise sogar direktem molekularen Kontakt zu stehen, konnten die Forscher weiter nachweisen: Stimulierten sie TRPM8 mit Hilfe des Kühlmittels, sank kurz darauf die Empfindlichkeit der beiden anderen Rezeptoren.

Genau das ist nach Ansicht der Wissenschaftler das Geheimnis der Pfefferminze. Ein Reizdarmsyndrom, erklären sie, entsteht oft nach einer akuten Entzündung im Verdauungstrakt. Eine solche Entzündung hinterlässt die Nervenenden bekanntermaßen übersensibel – sie reagieren schon auf die kleinste Reizung. Gibt man nun Menthol in den Darmtrakt, dockt es an TRPM8 an und aktiviert dadurch den Kälte-Rezeptor. Dieser fängt an, seine beiden Cousins zu beruhigen und ihre Empfindlichkeit stark zu reduzieren. Die Folge davon ist genau die beabsichtigte Wirkung: Die übersteigerte Sensibilität verschwindet, und die schmerzerzeugende Aktivität der beiden Rezeptoren wird reduziert. Als nächstes wollen die Forscher nun untersuchen, ob es sich bei diesem Effekt um eine Dreiecksbeziehung handelt, bei der TRPM8 mit seinen beiden Verwandten gleichzeitig wechselwirkt, oder ob der Kälte-Kanal nur einen der beiden bremst und dieser dann auf den anderen einwirkt. So hoffen sie, ein Medikament entwickeln zu können, das im Prinzip wie die Pfefferminze wirkt, jedoch einen stärkeren Effekt zeigt.

Quellen:

http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/313387.html

Andrea Harrington (Royal Adelaide Hospital, Adelaide) et al.: Pain, Online-Vorabveröffentlichung, doi: doi:10.1016/j.pain.2011.01.027

http://www.sciencedirect.com/science?_ob=ArticleURL&_udi=B6T0K-52M3TCB-1&_user=10284175&_coverDate=04%2F13%2F2011&_alid=1725231066&_rdoc=1&_fmt=high&_orig=search&_origin=search&_zone=rslt_list_item&_cdi=4865&_sort=r&_st=13&_docanchor=&view=c&_ct=3&_acct=C000047720&_version=1&_urlVersion=0&_userid=10284175&md5=f553e9468e32e4e195316379fd32b4df&searchtype=a

Kommentar & Ergänzung:

Die günstige Wirkung von Pfefferminzöl bei Reizdarm wurde in mehreren klinischen Studien belegt. Interessant an den Forschungen aus Adelaide ist nun, dass ein möglicher schmerzstillender Wirkungsmechanismus beschrieben wird. Bisher wurden dafür die krampflösenden Effekte des Pfefferminzöls verantwortlich gemacht.

Allerdings: Der Text auf „wissenschaft.de“ steht unter dem Titel:

„Warum Pfefferminztee gegen Bauchschmerzen hilft“

Das wirft einige Fragen auf. Die klinischen Studien zur Linderung von Reizdarm-Beschwerden wurden alle mit Pfefferminzöl in Kapselform durchgeführt. Und zwar mit Kapseln, die sich erst im Dünndarm auflösen.

Pfefferminzöl ist schlecht wasserlöslich und löst sich daher nur begrenzt im Wasser bei der Teezubereitung. Zudem ist bei der Einnahme von Pfefferminztee nicht geklärt, ob das Pfefferminzöl bis in die tieferen Darmabschnitte gelangt, oder schon weiter oben in den Körper aufgenommen wird.

Von Maus-Experimenten auf die Wirkung von Pfefferminztee zu schliessen, wie es die „wissenschaft.de-Redaktion“ tut, scheint mir daher etwas gar vorschnell. In der Studie selbst dürfte dieser Schluss wohl nicht stehen (obwohl ich das nicht überprüft habe).

Und übrigens: Pfefferminztee hat durchaus interessante Wirkungen. Er hilft zum Beispiel bei Übelkeit und Erbrechen und fördert den Gallenfluss.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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