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Heilpflanzen lindern Husten bei Kindern

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 9 / 2012) publizierte einen Abschnitt über Heilpflanzen zur Linderung von Husten bei Kindern:

„Bei Kindern gilt zu bedenken, dass die Atemwege noch eng und somit sehr empfindlich sind. Hat Ihr Kind Schwierigkeiten beim Einatmen, deutet dies auf eine Entzündung des Kehlkopfes, des Rachens oder der Luftröhre hin. Bei Problemen beim Ausatmen kann eine Bronchitis, Bronchiolitis – Entzündung der kleinsten, knorpellosen Bronchien – oder Asthma bronchiale vorliegen. Im Allgemeinen können Kinder mit Hustenmitteln versorgt werden, ein Arztbesuch ist aber notwendig, wenn Atemprobleme wie Rasseln, Husten bei körperlicher Belastung oder Husten ohne Erkältungserscheinungen auftreten. Auch wenn Ihr Kind wenig trinkt oder der Husten plötzlich beginnt, sollte dies abgeklärt werden. Denn Ihr Kind könnte auch einen Fremdkörper verschluckt haben. Auch Inhalationen in Form eines Kopfdampfbades oder Omas Zwiebelwickel können helfen. Zwiebelstreifen dazu erhitzen, in ein Leinentuch wickeln und auf Hals oder Brust legen. Achtung: Alkoholhaltige Hustensäfte über 5% sind für Kinder nicht geeignet! Besser: eine Teemischung aus Eibischwurzel, Huflattich, Thymian und Spitzwegerich. Im Allgemeinen sollten Antitussiva und Expektorantien nicht kombiniert werden. Expektorantien sollen den Schleim lösen, während Antitussiva den Hustenreiz unterdrücken – nimmt man beide ein, wird der Schleim nicht abgehustet und ein Sekretstau kann sich bilden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, tagsüber Schleimlöser einzunehmen und abends für einen besseren Schlaf Hustenreizdämpfer.“

Kommentar & Ergänzung:

Ich selber würde Huflattich durch Malvenblüten ersetzen. Huflattich enthält sehr geringe Mengen an lebertoxischen und krebsfördernden Pyrrolizidinalkaloiden. Zwar ist nicht geklärt, ob damit für den Menschen bei der Anwendung von Huflattich ein konkretes Risiko verbunden ist. Doch kann man sicherheitshalber den Huflattich durch Malvenblüten ersetzten. Sie enthalten ebenfalls Schleimstoffe, aber keine Pyrrolizidinalkaloide.

Was genau sind Antitussiva?

Antitussiva sind hustenreizlindernde Medikamente, die bei trockenem Reizhusten eingesetzt werden. Zu den am häufigsten verwendeten Substanzen zählen Codein und Dextromethorphan. Diese Wirkstoffe können unerwünschte Nebenwirkungen verursachen, sind anfällig für Arzneimittel-Wechselwirkungen und können als Rauschmittel missbraucht werden. Sie sind nicht für alle Patienten geeignet und sollen vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern mit Vorsicht oder nicht eingesetzt werden. Antitussiva sollen die Häufigkeit und Intensität von Hustenanfällen vermindern. Ob sie wirklich wirksam sind, ist umstritten.

Die wichtigsten Antitussiva:

Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

– Heilpflanzen mit antitussiver Wirkung:

Eibisch, Spitzwegerich, Malve, Isländisches Moos und Sonnentau sind besser verträglich als die synthetischen Wirkstoffe und eine gute Alternative, hauptsächlich bei Kindern. Auch einige pflanzliche Expektorantien wie Guaifenesin zeigen zusätzlich eine antitussive Wirkung.

– Honig:

In einer klinischen Studie bei Kindern und Jugendlichen zwischen 2 und 18 Jahren erwies sich Honig vor dem Zubettgehen als wirksamer gegen nächtlichen Husten im Vergleich zu Dextromethorphan (Paul et al., 2007). Die Dosierung lag je nach Alter bei einem halben bis zu 2 Teelöffel Buchweizenhonig. Honig soll allerdings nicht bei Kindern unter einem Jahr angewendet werden (Risiko Botulismus durch Clostridium botulinum Sporen) und den Zähnen schaden kann (Karies). Die Studienmethodik von Paul et al. wurde allerdings auch in Frage gestellt.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Antitussiva

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Natürliche Abführmittel: Sennesblätter und Leinsamen

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Die ZDF-Sendung „Volle Kanne“ kümmerte sich vor einiger Zeit um menschliche Verdauungsprobleme. Dabei ging es auch um das Thema Verstopfung. Schauen wir uns die Tipps einmal genauer an:

„Dr. Brigitte Bäuerlein warnt: ‚Abführmittel aus der Apotheke sollten erst dann zum Einsatz kommen, wenn eine Ernährungsumstellung auf ballaststoffreichere Kost kombiniert mit einer erhöhten Flüssigkeitszufuhr sowie eine Änderung des Lebensstils mit mehr Bewegung zu keiner Verbesserung der Verstopfungen geführt haben!’ Zudem sollte die Einnahme von Abführmitteln immer medizinisch abgeklärt werden. Gleiches gelte für die Verwendung von Glaubersalzen oder Rizinusöl. ‚Das ist wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen’, sagt die Expertin – zu viel des Guten also, wenn man eigentlich nur die Verdauung unterstützen möchte.

Sie empfiehlt stattdessen Sennesblätter, die schon lange als sanftes Abführmittel bekannt sind. Die Blätter stammen von einem afrikanischen Strauch. Die darin enthaltenen Wirkstoffe (Sennoside) wirken direkt am Ende des Dickdarms, etwa acht bis zwölf Stunden nach der Einnahme. In Apotheken gibt es die Blätter bereits als fertige Teemischung.“

Kommentar:

Na, Sennesblätter als sanftes Abführmittel zu bezeichnen ist schon ein bisschen gewagt. Sennesblätter gehören zu den „Drastika“. Sie können als unerwünschte Nebenwirkung kolikartige Krämpfe auslösen und bei länger dauernder Einnahme zur Gewöhnung führen. Der Wirkungseintritt ist gemäss Phytotherapie-Fachliteratur nach 8 – 10 Stunden zu erwarten

„Auch Leinsamen wirken leicht abführend. In der Schale befinden sich Schleimstoffe, die mithilfe des Wassers im Darm aufquellen und die Darmentleerung erleichtern. Die Schleimstoffe kleiden auch die Magenwände aus und fungieren somit als natürliche Säurebarriere. Einfach zwei Esslöffel ganzen Leinsamen 30 Minuten lang in etwas Flüssigkeit (Wasser oder Joghurt) einweichen und anschließend ins Müsli geben. Reichlich dazu trinken!“

Kommentar: Leinsamen könnte im Gegensatz zu den Sennesblättern zu recht als sanftes Abführmittel bezeichnet werden. Mit Leinsamen gibt es keine Gewöhnungsgefahr, auch nicht bei jahrelanger Einnahme. Gegen Verstopfung würde ich die Leinsamen allerdings nicht vorquellen lassen. Die Quellung erst im Dünndarm soll wirksamer sein (gemäss: Schilcher; Leitfaden Phytotherapie). Ob Joghurt günstig ist zum Quellen, würde ich bezweifeln. Von Milch rät „Schilcher“ nämlich ab, weil sich die Milch nicht gut in die Schleimstruktur einlagert. Wasser bzw. wässrige Zubereitungen wie Kräutertee sind wohl besser.

Wird der Leinsamen für den Schutz der Magenschleimhaut eingesetzt, ist Vorquellen lassen natürlich eine Bedingung für die Wirksamkeit. Nur so ist der Schleim im Magen schon „bereit“.

Quelle der Zitate:

http://vollekanne.zdf.de/ZDFde/inhalt/23/0,1872,8169111,00.html?dr=1

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Blasenentzündung & Cranberry-Saft

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Bei einer beginnenden Blasenentzündung (Zystitis) kann die Empfehlung, viel zu trinken, Schlimmerem vorbeugen. Kräutertees und Cranberry-Saft sind dazu eine gute Option.

Blasentees enthalten meist Heilpflanzen wie Birkenblätter und Bärentraubenblätter, Brennnessel und Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Schachtelhalm und Wacholderbeeren, welche die Harnbildung und Harnausscheidung fördern. Goldrutenkraut und Orthosiphonblätter zeigen zudem eine entkrampfende und entzündungshemmende Wirkung.

Empfehlenswert sind Heilpflanzen-Präparate aus der Apotheke, denn sie enthalten die pflanzlichen Bestandteile in ausgewogenen Mischungen und in Arzneibuchqualität. Ala Alternative zu den Fertigtees kann den Patienten auch eine Teemischung auf einem Privatrezept aufgeschrieben werden, zum Beispiel aus 40 g Bärentraubenblättern und je 30 g Goldrutenkraut und Wacholderfrüchten.

Noch einem weiteren Getränk wird eine vorbeugende Wirkung bei Harnwegsinfektionen nachgesagt: Preiselbeer-Saft, und mehr noch dem Cranberry-Saft aufgrund der darin enthaltenen Proanthocyanidine.

So hat eine Analyse von zehn kontrollierten Studien mit über 1000 Teilnehmern gezeigt, dass Cranberries als Fruchtsaft getrunken oder als Extrakt in Kapsel- oder Tablettenform eingenommen die jährliche Inzidenz von Infektionen des Harntrakts um insgesamt 35 Prozent reduzieren (Cochrane Database Syst http://www2.cochrane.org/reviews/en/ab001321.htmlRev 2008, Ausgabe 1).

Am stärksten profitieren Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen. Hier wurde eine signifikante Reduktion der Infektrate um 39 Prozent ermittelt. Cranberry-Saft/Tabletten werden auch als Möglichkeit zur Rückfallprophylaxe in der Leitlinie Harnwegsinfekt der Frau aufgeführt.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/article/652285/tees-beeren-zaehmen-zystitis.html?sh=9&h=68944998

http://www2.cochrane.org/reviews/en/ab001321.html

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-009.html

Kommentar & Ergänzung:

Cranberrysaft oder Preiselbeersaft hat sich in den letzten Jahren zunehmend durchgesetzt zur Rückfallprophylaxe bei Blasenentzündung (Zystitis).

Das positive Resultat der Cochrane-Metastudie ist erfreulich.

Allerdings zeigt sich einmal mehr, dass auch Studien sehr oft nicht endgültige, in Stein gemeisselte, für immer über jeden Zweifel erhabene Erkenntnisse liefern – sondern dass der Diskussionsprozess namens Forschung in der Regel weiter läuft.

Da kommt doch nun tatsächlich eine neuere Studie aus Amerika, die dem Cranberry-Saft keine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus zubilligt.

„Glaubt man den Resultaten einer aktuellen prospektiven, randomisierten placebokontrollierten Studie mit 319 College-Studentinnen, dann scheint Cranberry-Saft nicht wirksamer zu sein als andere Vitamin-C-haltigen Säfte.

Die Teilnehmerinnen, alle mit einem akuten Infekt der unteren Harnwege,  tranken zweimal pro Tag über einen Zeitraum von sechs Monaten oder bis zum Rezidiv  (Rückfall) entweder 8 oz (etwa 230 ml) Cranberry-Saft oder ein Placebo. Von den Frauen, die den Cranberry-Saft tranken, erlitten 20% einen Rückfall, in der Placebogruppe waren es 14 %.“

Mit anderen Worten: In der Cranberry-Gruppe war die Rückfallrate höher als in der Placebogruppe, was ziemlich irritierend ist.

Über mögliche Gründe für das gute Abschneiden der Placebogruppe machte sich die Studienautorin Gedanken:

„Wir hatten eigentlich in der Placebogruppe eine Rezidivrate von etwa 30% erwartet“, erklärt Betsy Foxman von der University of Michigan School of Public Health in Ann Arbor. „Eventuell enthielt der Placebo-Saft ungewollt Stoffe, die ebenfalls das Risiko für einen Harnwegsinfekt senken, denn beide Säfte enthielten Vitamin C.“ Eine andere Erklärung für das gute Abschneiden der Placebogruppe sehen die Autoren in der Tatsache, dass die Teilnehmerinnen mehr tranken als sonst und darum öfters zur Toilette mussten. Das vermindert das Bakterienwachstum und die Symptomatik.

Quelle: SpringerMedizin.de basierend auf: Barbosa- Cesnik et al. Cranberry Juice Fails to Prevent Recurrent Urinary Tract Infection: Results From a Randomized Placebo-Controlled Trial. Clin Infect Dis (2011) 52 (1): 23-30. doi: 10.1093/cid/ciq073

http://www.springermedizin.de/cranberry-saft-bei-harnwegsinfekte-wirkungslos/318888.html

Kommentar & Ergänzung:

Sehr eigenartig, dass das Placebo Vitamin C enthielt, welches den Urin ansäuert und damit eine pharmakologische Wirkung bei Blasenentzündung entfalten kann.

Placebos müssen pharmakologisch inaktiv sein, wenn sie ihre Funktion erfüllen sollen.

Ohne die Studie damit einfach vom Tisch wischen zu wollen, ist das ein kritischer Punkt

Cranberrysaft ist damit jedenfalls nicht erledigt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Komplementärmedizin – woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen?

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Komplementärmedizin stösst auf zunehmendes Interesse – auch in den Medien. Dadurch werden wir allerdings permanent überschwemmt mit Ratschlägen, Versprechungen und Behauptungen zu diesem Thema. Sich in dieser Vielfalt zu orientieren ist keine leichte Aufgabe.

Im Bereich der Komplementärmedizin fehlt es nämlich weit gehend an unabhängiger Qualitätskontrolle – bei Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten, im Bereich der Ausbildungsinstitute, aber auch bei Apotheken und Drogerien. Papier ist sowieso geduldig. Gedruckt wird praktisch alles, was sich verkaufen lässt. Und im Internet findet sich neben hochwertiger Information auch jede Menge Schrott. Konsumentinnen und Konsumenten sind darum zum grösstenteils auf sich allein gestellt, wenn sie sich in diesem Dschungel eine eigene Meinung bilden wollen. Sie finden hier 14 Prüfsteine, die zur Orientierung und Klärung beitragen können – und das nicht nur im Bereich der Komplementärmedizin.

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 1: Quellenangaben verlangen

Wenn Sie Ratschläge, Versprechungen oder Behauptungen auf Glaubwürdigkeit prüfen wollen, verlangen Sie konsequent Quellenangaben: Wer hat was, wann und wo gesagt oder geschrieben?

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 2: Begründungen verlangen

Akzeptieren Sie keine reinen Behauptungen. Verlangen Sie Begründungen. Auf Grund welcher Erfahrungen, Beobachtungen oder Überlegungen kommt jemand zu einer Aussage?
Wenn Sie Quelle und Begründungen kennen, lässt sich die Glaubwürdigkeit einer Behauptung eher einschätzen.
Skepsis ist angebracht, wenn Begründungen durch Schlagworte ersetzt werden. Ein häufig gehörtes Beispiel dafür ist der Spruch: “Wer heilt hat recht!” – Er fegt scheinbar die Notwendigkeit von plausiblen Begründungen vom Tisch. Ausgeklammert bleibt dabei, ob die Heilung spezifisch mit der Behandlung zusammenhängt, oder ob sie auf die Selbstheilungskräfte des Organismus zurück zu führen ist, oder auf den Placebo-Effekt, der bei jeder Behandlung mitwirkt.

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 3: Verständlichkeit verlangen

Verlangen Sie verständliche Begründungen. Erstarren Sie nicht vor Ehrfurcht, wenn Sie eine Erklärung nicht verstehen. Unverständlichkeit wird manchmal als Folge besonders tief greifender oder gar höherer Erkenntnis aufgefasst. Genauso gut kann sie jedoch Resultat wirrer Gedankengänge sein.

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 4:  Bestätigung durch Fachwelt

Steht die zu prüfende Behauptung isoliert da oder wird sie von anderen Fachleuten oder Büchern geteilt? Zwar wird eine Meinung nicht unbedingt wahr dadurch, dass Sie von zahlreichen Personen geteilt wird – auch viele können sich irren. Von einer isoliert dastehenden Behauptung müssen aber besonders plausible Gründe verlangt werden. Die Glaubwürdigkeit einer Aussage steigt dagegen, wenn sie die kritische Diskussion in der Fachwelt “überlebt” hat.
Schwierig an diesem Punkt ist allerdings, dass im Bereich Komplementärmedizin gar nicht so eindeutig auf der Hand liegt, wer oder was nun zur “Fachwelt” zählt und was nicht. Kriterien dazu fehlen. Die anderen Komplementärmedizin-Prüfsteine können aber diesbezüglich Hinweise geben.

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 5:  Suspekte Heilungsgarantien

Vorsicht bei absoluten Heilungsversprechen, die beispielsweise mit “immer” oder “nie mehr” daher kommen. Menschliche Gesundheit und Krankheit sind viel zu komplex, als dass Garantien abgegeben werden könnten. Wer dies trotzdem tut, gehört wohl zu den “terrible simplificateurs”, den “schrecklichen Vereinfachern”.

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 6:  Feindbilder meiden!

Im Bereich der Komplementärmedizin können Sie immer wieder Leute antreffen, die Sie mit ihren eigenen Feindbildern gegen die “Schulmedizin” abfüllen wollen. Man erkennt solche Personen an ihrem Schwarz-Weiss-Denken: Hier die gute, lebens- und menschenfreundliche Komplementärmedizin, dort die schädliche, menschenverachtende „Schulmedizin“. Notwendig wäre dagegen eine kritisch-differenzierte Auseinandersetzung mit Medizin und Komplementärmedizin. Wer nur kritisch gegenüber der sogenannten “Schulmedizin” auftritt, in der Komplementärmedizin aber blauäugig alles wunderbar findet, ist nicht wirklich kritisch, sondern nur verhaftet in den eigenen Feindbildern.

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 7:
Werden Misserfolge, unerwünschte Nebenwirkungen und Grenzen thematisiert?

Wer nur von Heilerfolgen redet oder schreibt, nie aber von Misserfolgen und Grenzen der eigenen Methoden, der blendet einen wichtigen Bereich der Realität aus. Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass es jemals eine Heilmethode gab oder geben wird, die weder Misserfolge noch Grenzen kennt.
Fragwürdig ist auch, wenn zum Beispiel in einem Heilpflanzenbuch nur von wunderbaren Heilwirkungen, nie jedoch von unerwünschten Nebenwirkungen die Rede ist. Es spricht viel dafür, dass, was therapeutische Wirkung entfaltet, auch unerwünschte Nebenwirkungen zeigen kann. Das gilt auch für Behandlungen mit Heilpflanzen.

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 8:
Arbeitsteilig entstandenes Wissen bevorzugen

Vorsicht ist angezeigt, wenn ein einzelner Mensch ein scheinbar geniales, aber durch andere unüberprüfbares Heilsystem aus dem Hut zaubert. Daraus entsteht häufig die Grundlage für ein Guru-System. Solche Angaben kann man nur glauben oder nicht. Arbeitsteilig in kleinen Schritten gewonnene Erkenntnisse dagegen sind zwar viel weniger spektakulär, stehen dafür aber auf sichererem Fundament. Ein einzelner Mensch ist anfälliger für Irrtum und (Selbst-)Täuschung. Narzissmus und Selbstüberschätzung können beispielsweise dazu verführen, eigene Deutungen zum Beispiel von Heilpflanzen für allgemeingültig zu erklären, statt klar zu stellen, dass es sich um Interpretationen handelt.

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 9:

Vorsicht bei grossen Versprechungen

Je grösser die Versprechungen, desto mehr Belege sind zu fordern! Achten Sie auf Leute mit Grössenphantasien. Charakteristisch für solche Personen ist, dass sie sich und ihren Methoden grundsätzlich alles zutrauen. Das äussert sich zum Beispiel in Sprüchen wie: “Gegen jede Krankheit ist ein Kräutchen gewachsen” oder “Die Schulmedizin behandelt nur Symptome, wir dagegen behandeln die Ursachen”. Letzteres trieft vor Arroganz, ist doch das Finden der letztendlichen Ursachen einer Krankheit ein äusserst schwieriges, wenn nicht gar oft unmögliches Unterfangen.

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 10:

Diffuse Begriffe in Frage stellen!

In der Komplementärmedizin gibt es eine “Szene”, die mit äusserst vagen Begriffen operiert und damit zahlreiche leicht gläubige Leute einnebelt. So wird zum Beispiel gern vom “Wesen der Pflanzen” gesprochen, welches erkannt werden müsse, wenn Heilpflanzen erfolgreich angewendet werden sollen. Der bedeutungsschwer tönende Begriff vom “Wesen der Pflanzen” bleibt dabei weitestgehend ungeklärt. So kann jeder Mensch seine eigenen Vorstellungen damit verbinden. Werden diese nie thematisiert, reden die beteiligten Personen vollkommen aneinander vorbei, während sie zugleich glauben, sie würden sich gut verstehen. Unter dem Etikett des “Wesens” der Pflanzen werden dann eigene Deutungen als allgemein gültig verkauft. Anstelle eines sorgfältigen “so sehe ich diese Pflanze” gilt dann ein dogmatisierendes “so ist diese Pflanze”.

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 11:
Transparenz verlangen!

Akzeptieren Sie es nicht, wenn Ihnen die Zusammensetzung eines Heilmittels, einer Teemischung oder eines anderen Präparates, verschwiegen wird. Mündige und aufgeklärte Patientinnen und Patienten wissen, was sie einnehmen.

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 12:
Popularität ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit Qualität

Lassen Sie sich nicht täuschen von hohen Buchauflagen und grosser Bekanntheit. Beides entsteht hauptsächlich, wenn ein Buch oder ein Mensch Bedürfnisse weiter Kreise bedient. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die vertretenen Ansichten richtig und die Therapie wirksam sein muss. Oder halten Sie McDonalds qualitativ für das beste Restaurant? Cola für das wertvollste Getränk? Eben.

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 13:

Vorsicht bei Heilungsgeschichten

Bleiben Sie skeptisch bei überschwänglichen Heilungsgeschichten. Dabei werden oft Placebo-Effekte und Selbstheilungsvorgänge ausgeblendet.

Komplementärmedizin-Prüfstein Nr. 14:
„Erfahrung” genügt nicht als Begründung

Oft werden Ratschläge und Heilungsversprechungen nur begründet mit Aussagen wie: “Es wirkt doch, ich habe es selbst erlebt”. Dieser simple Rückgriff auf “Erfahrung” ist naiv, weil es keine reine Erfahrung geben kann, die uns unmittelbar etwas sagt. Wir kommen nur mit bereits (durch uns) wahrgenommener und interpretierter Erfahrung in Kontakt. Und jede Erfahrung ist bereits durch unsere vorgängigen Theorien und Überzeugungen beeinflusst. Erfahrung allein zählt zudem nicht, man muss auch aus ihr gelernt haben. Dazu braucht es Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen, Vergleiche mit den Erfahrungen anderer Leute in ähnlichen Situationen etc.

Diese vierzehn Komplementärmedizin-Prüfsteine garantieren nicht, dass Sie sicher die Spreu vom Weizen trennen können. Sie schärfen jedoch die Wahrnehmung für Qualitätsunterschiede. Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen! Prüfen Sie Behauptungen, Meinungen und Versprechungen.

Weitere Informationen mit einer Kritik am Begriff Komplementärmedizin:

Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräutertee auf der Haut lindert Akne

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Tipp: Akne-Patienten sind meist froh, wenn sie ihre strapazierte Haut auf milde Art beruhigen können. Unterstützend zu einer Behandlung können Sie ihnen beispielsweise die tägliche äußerliche Anwendung von Kräutertee-Auszügen empfehlen.

Durch ihre entzündungswidrige und bakterienhemmende Wirkung eignen sich dazu nach Angaben von Dr. Ella Stancu von der Hautklinik Freiburg etwa Kamille, Rosmarin oder Thymian. Gut soll auch eine Mischung wirken aus je drei Teilen Kamille und Thymian und je zwei Teilen Salbei, Rosmarin und Schachtelhalm.
Speziell mild sei zudem Malve. Die Kräutertee-Auszüge werden hergestellt, indem ein Eßlöffel Kraut oder Teemischung mit einem viertel Liter heißen Wassers übergossen wird. Der Aufguß soll zehn Minuten ziehen. Danach wird ein Baumwolltuch – etwa ein Taschentuch – mit dem lauwarmen Kräutertee getränkt und zehn Minuten auf die von Akne betroffenen Hautareale gelegt.

Quelle: www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:
Netter Tipp aus der Ärztezeitung!
Kamille, Thymian, Salbei und Rosmarin wirken tatsächlich bakterienhemmend (Ätherische Öle) und entzündungswidrig (Lamiaceengerbstoff).

Die Teemischung scheint mit etwas zu kompliziert. Ich würde Thymian / Kamille zu gleichen Teilen mischen oder Rosmarin / Kamille oder Salbei / Kamille.
Diese zwei „Partner“ ergänzen sich jeweils gut.

Schachtelhalm fällt hier etwas aus dem Rahmen. Er enthält zwar Kieselsäure, deren Nutzen bei Akne ist aber alles andere als belegt.
Schachtelhalm wird wohl weder baktierienhemmend noch entzündungswidrig wirken.

Malve enthält viel Schleimstoffe, die reizlindernd und schützend auf Haut und Schleimhäute wirken. Antibakteriell wirkt sie aber nicht und entzündungswidrig wohl nur indirekt über den reizlindernden Effekt.

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