Artikel mit Schlagwort ‘Tee’

[Buchtipp] Wie Gesundheit entsteht, Salutogenese. Schatzsuche statt Fehlerfahndung von Eckhard Schiffer

Mittwoch, September 8th, 2010

Verlagsbeschreibung

Dabei stützt sich der Autor zum einen auf das Salutogenese-Konzept des amerikanisch-israelischen Gesundheitsforschers Aaron Antonovsky und dessen Ausführungen zum >Kohärenzgefühl< des Menschen. Zum anderen bezieht er so unterschiedliche Geschichten wie >Tausenundeine Nacht<, >Pu der Bär< und Auf der Suche nach der verlorenen Zeit< in sein Erklärungskonzept ein und ebenso die Biografien von Künstlern und Schriftstellern wie Joan Miró, Jean-Jacques Rousseau oder Albert Camus. >Alles das, was in der :schönen9 Literatur schon lange bekannt ist, soll anhand neuer Modelle zur Gesundheit bzw. Gesundheitsförderung weiter verdeutlicht werden. Seit geraumer Zeit richtet sich nämlich das Interesse nicht mehr nur auf die Entstehung von Krankheit (Pathogenese), sondern auch auf die Entstehung von Gesundheit (Salutogenese).< Oder anders formuliert: >Was haben eigentlich :Gute Nacht-Geschichten mit Gesundheit, und die Unfähigkeit zum Dialog9 mit Krankheit zu tun? Eckhard Schiffer Zum Shop

Kommentar:

Wie Gesundheit entsteht – Salutogenese: Schatzsuche statt Fehlerfahndung

 Dieses Buch ist eine gut verständliche und anregende Einführung in das Konzept der Salutogenese. Begründet hat das Salutogenese-Modell der israelische Medizinsoziologe Aron Antonovsky (1923 – 1994). Er kritisierte am herkömmlichen medizinischen Denken, dass es sich bloss daran orientiert, wie krankmachende (pathogene) Faktoren vermieden oder bekämpft werden können, an gesundheitsförderlichen (salutogenetischen) Kräften aber nicht interessiert ist. Wichtig sei aber, beides ernstzunehmen: das, was krankmacht („pathogenetisches Modell“) und das, was gesund macht beziehungsweise gesund erhält („salutogenetisches Modell“).

Antonovsky unterscheidet zwischen inneren und äusseren (soziokulturellen) gesundheitsförderlichen Faktoren. Für die Gesundheit eines jeden Menschen ist Kohärenzgefühl beziehungsweise Kohärenzsinn entscheidend. Was damit gemeint ist, beschreibt Eckhard Schiffer so:

„ Das Kohärenzgefühl meint eine Grundstimmung oder Grundsicherheit, innerlich zusammengehalten zu werden, nicht zu zerbrechen und gleichzeitig auch in äusseren Anbindungen Unterstützung und halt zu finden. Der Kohärenzsinn beschreibt eine mit diesem Gefühl einhergehende und an gedankliche Aktivität geknüpfte Weltsicht:

Meine Welt ist verständlich, stimmig, geordnet; auch Probleme und Belastungen, die ich erlebe, kann ich in einem grösseren Zusammenhang begreifen (Verstehbarkeit).

Das Leben stellt mir Aufgaben, die ich lösen kann. Ich verfüge auch über innere und äussere Ressourcen (Hilfsquellen), die ich zur Meisterung meines Lebens, meiner aktuellen Probleme einsetzen kann (Handhabbarkeit).

Für meine Lebensführung ist Anstrengung sinnvoll. Es gibt Ziele und Projekte, für die es sich zu engagieren lohnt (Sinndimension).“

Schiffer vermittelt das Salutogenese-Modell anhand von praktischen Beispielen, zum Beispiel mit Schilderungen aus der Biografie des Malers Juan Mirò. Und er erläutert die Bedeutung von Spiel, Kreativität, Dialog und mitmenschlichem Zusammenhalt für die Gesundheit.

Aus der Perspektive der Salutogenese ist Gesundheit weit gehend ein soziokulturelles Produkt.

In diesem Sinne scheint mir die Salutogenese auch für die Naturheilkunde wertvolle Anregungen zu bieten.

Allzu oft geht es meiner Erfahrung nach nämlich auch hier vor allem um die Verabreichung der richtigen Tröpfli, Chügeli, Pulver, Kräutertees etc.

Und allzu oft geht darüber der Kontext vergessen, in dem ein Mensch im Spannungsfeld zwischen Gesundheit und Krankheit steht. Es reicht aber natürlich nicht, einen kranken Menschen nur von den passenden Heilpflanzen zu überzeugen. Das macht ein Verkäufer auch. Es hat mit Heilkunde aber noch nichts zu tun.

Das Buch von Eckhard Schiffer kann dazu beitragen, den Blick über Tröpfli, Chügeli, Pulver und Tees hinaus zu erweitern.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde, Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

Anti-Aging mit Salbei?

Dienstag, August 17th, 2010

„Salbei: Hervorragende Anti-Aging-Substanz“, so titelt die österreichische Zeitung „Die Presse“.

Schauen wir uns doch einmal genauer an, was sich hinter diesem etwas gar  reisserischen Titel versteckt.

Hier zuerst eine bearbeitete Zusammenfassung und anschliessend einen Kommentar:

„Rosmarin, Thymian und Co bekämpfen freie Radikale und Entzündungen. Reichlicher und regelmäßiger Gebrauch ist aber Voraussetzung. Auch Tee und Olivenöl haben viele positive Wirkungen“, so beginnt der Text, und fährt dann fort:

„’Wie kann ein Mann sterben, der Salbei in seinem Garten hat?’, fragte sich einst Avicenna, einer der größten persischen Ärzte, um das Jahr 1000. Salbei ist in der Tat ein wahrer Gesundheitsstar unter den Gewürzen, weiß die heutige Wissenschaft, die immer mehr Pflanzen immer öfter mit modernen Methoden analysiert.“

„Salbei ist wirklich eine hervorragende Anti-Aging-Substanz“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Markus Metka. „Wahrscheinlich“, ergänzt der Präsident der Anti-Aging-Gesellschaft Österreichs, „liegt das Geheimnis der Langlebigkeit von Kretern nicht nur in Olivenöl, Fisch, Gemüse und Rotwein; die gesunden Wirkungen von Gewürzen wurden bisher viel zu wenig beachtet.“

Auch Schutz vor Krebs?

Neben Salbei sollen auch noch Rosmarin, Thymian und Knoblauch besonders wertvolle gesundheitliche Vorteile für uns Menschen aufweisen. Aber auch die meisten anderen Gewürze haben günstige Effekte. Die beruhen, grob gesagt, auf drei Wirkmechanismen: Ihre sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sind antioxidativ, bekämpfen also schädliche freie Radikale, und wirken antientzündlich. Metka sagt dazu: „Erst in den letzten Jahren ist bewusst geworden, dass permanente stille, schleichende Entzündungen im Körper mit den Jahren fatale Folgen haben können, von Diabetes und Herzinfarkt über Schlaganfall bis zu Alzheimer und Krebs.“ Aus der antioxidativen und antiinflammatorischen (=entzündungshemmenden) Wirkung heraus folge auch ein Schutz vor Krebserkrankungen (Chemoprävention).

Antidiabetikum Oregano

Grundsätzlich sollen mehr oder weniger alle Gewürze diese dreifache Gesundheitswirkung aufweisen, die einen mehr, die anderen weniger, Salbei etwas viel mehr. Allerdings: „Mit einer Prise ist’s nicht getan, diese Menge ist medizinisch absolut wirkungslos. Erst der reichliche und regelmäßige Gebrauch von Gewürzen bringt einen Nutzen hinsichtlich Anti-Aging und Krankheitsvorbeugung“, hält Metka fest.

Zu den kraftvollen Gewürzen gehören auch Zimt und Oregano, „die sind quasi Antidiabetika und beeinflussen den Glukosestoffwechsel äußerst positiv.“ Aber auch indische Gewürze wie etwa Kurkuma zählen zur Kategorie „Würzmedizin“ (Kurkuma kann bis zu einem gewissen Grad Darmkrebs und Morbus Alzheimer vorbeugen).

Und beim Grüntee-Inhaltsstoff Epigallat kommt Metka fast ins Schwärmen: „Unglaublich antioxidativ, großartig antiinflammatorisch, stark in der Chemoprävention.“ Wobei – so der Fachmann – der Schwarztee „nicht schlecht ist“, der Grüne Tee „schon sehr gut“ und der Matcha (der hochwertigste Tee Japans, zu Pulver gemahlener Grüntee) „der absolute Star“ sei. Matcha soll in seiner antioxidativen und antientzündlichen Wirkung zehnmal stärker als der normale Grüntee sein. Matcha, in Japan traditionell für die Teezeremonie eingesetzt, sei wahrscheinlich einer der wesentlichen Gründe, weshalb die Japaner die höchste Lebenserwartung haben.

Olivenöl gegen Schmerzen

In der Riege der gesunden Pflanzen dürfe freilich die Olive, respektive das Olivenöl, nicht fehlen. „Sein Inhaltsstoff Hydroxityrosol bekämpft freie Radikale 100-mal stärker als etwa Vitamin C. Außerdem ist diese Substanz enorm entzündungshemmend, kann sogar als Schmerzmittel verwendet werden“, erklärt Metka. Allerdings könne das nur ein qualitativ wirklich hochwertiges Öl mit reichlich Polyphenolen. Woran jedoch erkennt man die gesundheitsfördernde Qualität?

„Eine neue Dimension in Bezug auf Qualität und gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe sind die nach der Veronelli-Methode produzierten sortenreinen Jahrgangs-Olivenöle“, sagt Metka. Das Entscheidende an dieser Methode sei aber, dass die Oliven vor der Pressung entkernt werden. „Diese aufwendige Methode wurde bereits in der Antike wegen der wesentlich längeren Haltbarkeit des Olivenöls angewendet. Heute gilt als wissenschaftlich bewiesen, dass Olivenöl von entkernten Oliven wesentlich höhere Anteile an gesundheitsfördernden Polyphenolen aufweist als konventionell produziertes Olivenöl, bis zum zehnfachen Wert allein an Hydroxytyrosolen. Es gilt als gesichert, dass der Kern der Olive Enzyme beinhaltet, die sich negativ auf den Polyphenolgehalt auswirken.“

Auch am Preis könne man gute Öle erkennen, betont Metka: Unter 15,20 Euro pro Liter sei ein gesundheitlich hochwertiges Olivenöl nicht zu bekommen. Außerdem sei bei guten Ölen der Gehalt von Polyphenolen angegeben.

Quelle:

http://diepresse.com/home/gesundheit/545008/index.do?_vl_backlink=/home/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Artikel scheint mir erstens ziemlich reisserisch und zweitens auch noch völlig „wischiwaschi“.

Es ist nur schon sehr fraglich, ob man einfach so allgemein sagen kann, Rosmarin, Thymian, Salbei und Co. seien gesund. Grundsätzlich, generell gesund. Sie sind allenfalls gesund in einem bestimmten Bereich, bezogen auf bestimmte Beschwerden. Thymian beispielsweise bei produktivem Husten, Salbei bei Schleimhautentzündungen im Mund oder bei Halsschmerzen.

Und dass nun auch noch die Heilpflanzen und die unschuldige Salbei für das unsägliche Anti-Aging-Theater herhalten müssen, das musste ja so kommen.

Mit Salbei kann man sich also gegen das Älterwerden stemmen? Wie denn genau? Dreimal täglich gurgeln? Oder sich überwiegend von Salbei ernähren?

Und wie genau vertreibt Salbei das Alter?

Im Text wird vor allem auf antioxidative Eigenschaften hingewiesen (Radikalfänger).

Nun sind die Radikalfänger seit einigen Jahren der Renner im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel. Ihnen wird alles zugetraut. Sie sollen gegen Krebs und  viele andere Krankheiten schützen und halt auch allgemein vor dem Alterungsprozess. Die Forschungsergebnisse sind da wesentlich weniger eindeutig als die Versprechungen. Inzwischen weiss man, dass die vielgescholtenen freien Radikale auch positive Eigenschaften haben und dass allzu hohe Dosen von Antioxidantien  schädlich wirken können.

Ausserdem strotzen Früchte und Gemüse vor Antioxidantien und am gesündesten ist wohl einfach die Vielfalt, wenn man es schon so pauschal ausdrücken will.

Reisserisch ist auch der Abschnitt über Antidiabetika. Bei Zimt gibt es positive Hinweise auf eine günstige Wirkung bei Altersdiabetes, was aber noch weiterer Prüfung bedarf. Die Empfehlung von Oregano schwebt irgendwo in der Luft ohne fundierte Belege.

Skeptisch machen sollten in diesem Artikel die vielen Superlative:

Hervorragende Anti-Aging-Substanz, äusserst positiv, unglaublich antioxidativ, großartig antiinflammatorisch, stark in der Chemoprävention, enorm entzündungshemmend, der absolute Star.

So reden Verkäufer, Propagandisten, allenfalls Missionare. Täusche ich mich, oder ist der Artikel ein Werbetext für ein bestimmtes Olivenöl?

Dieser Text ist meines Erachtens ein Beispiel dafür, wie kritisch man Gesundheitsinformationen lesen sollte, weil in den meisten Medien jede Qualitätskontrolle fehlt.

Übrigens: Meines Wissens folgt in einem alten Kräuterbuch auf den beliebten Satz: „Warum soll der Mensch sterben, wenn doch Salbei in seinem Garten wächst“, der Nachsatz: „Gegen den Tod ist kein Kräutchen gewachsen.“ Womit die Sache wieder in die richtige –menschliche – Relation gerückt wird. Quelle habe ich allerdings nicht mehr gefunden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

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Kaffee kann Angst auslösen

Sonntag, August 8th, 2010

Wenn Menschen nach dem Kaffeekonsum Angst verspüren, sind oft ihre Gene dafür verantwortlich. Bei regelmäßigen Kaffee- oder Teetrinkern schwächt sich diese Wirkung allerdings ab.

Nicht alle Menschen vertragen problemlos Kaffee; bei einigen kann das Koffein sogar Angstsymptome verursachen. Verantwortlich dafür ist eine kleine Variante im Erbgut der betroffenen Personen. Ihre Wirkung kann durch regelmäßigen Kaffeekonsum allerdings abgemildert werden.

Kaffee ist und bleibt offensichtlich das Lieblingsgetränk der Deutschen. 1,3 Milliarden Tassen haben sie nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbands im vergangenen Jahr konsumiert. Oder anders gesagt: Durchschnittlich hat sich jeder Deutsche 150 Liter Kaffee übers Jahr verteilt schmecken lassen.

Was Getränke wie Kaffee und Tee, aber auch Cola und Kakao weltweit so beliebt macht, ist hauptsächlich ihre anregende Wirkung. Die macht manchen Menschen allerdings zu schaffen: Sie verspüren nach dem Konsum von koffeinhaltigen Getränken Herzrasen, Schweißausbrüche, Unruhezustände und Einschlafstörungen; viele von ihnen erleben auch eine unbestimmte Angst. Gerade Patienten, die an einer Angsterkrankungen leiden, trinken deswegen oft keinen Kaffee mehr oder vermindern den Konsum.

Würzburger Forscher unter der Leitung des Psychiaters Professor Jürgen Deckert haben mit einer Arbeitsgruppe um Peter Rogers von der Universität Bristol jetzt herausgefunden, dass das Ausmaß der Ängstlichkeit auch von der Regelmäßigkeit des Kaffeekonsums abhängt. Über ihre Untersuchung berichtet die Fachzeitschrift Neuropsychopharmacology in ihrer neuesten Ausgabe.

Veränderungen im Erbgut als Auslöser

Veränderungen im Erbgut sind dafür verantwortlich, dass bestimmte Menschen mit Angst auf eine Tasse Kaffee oder Tee reagieren. „Wir konnten zeigen, dass eine Variante im Gen des Adenosin-A2A-Rezeptors eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielt“, erklärt Jürgen Deckert. Normalerweise dockt der Botenstoff Adenosin in bestimmten Regionen des Gehirns an diesen Rezeptor an und löst damit eine beruhigende Reaktion aus. Ist das Rezeptor-Gen aber verändert, kann Koffein das Adenosin verdrängen und somit dessen beruhigende Wirkung blockieren.

Dafür müssen die betroffenen Personen das veränderte Gen allerdings sowohl auf dem väterlichen als auch auf dem mütterlichen Chromosom tragen. „Wir haben in einer Untersuchung an freiwilligen Probanden in Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Harriet de Wit von der Universität Chicago festgestellt, dass nur die Probanden, die auf dem langen Arm beider Chromosomen 22 jeweils die gleiche Genvarianten besaßen, auf eine mittlere Dosis von Koffein mit Angst reagierten“, erläutert Deckert. Dieser Effekt war – genauso wie die anregende Wirkung von Koffein – vorübergehend; mit der Zeit ließ er nach und war nach einigen Stunden vollständig abgeklungen.

Auch bei Koffein gilt: Auf die Dosis kommt es an

Die Angstreaktion trat allerdings nur dann auf, wenn die Versuchspersonen eine mittlere Dosis von Koffein zu sich nahmen – nämlich 150 Milligramm, das entspricht ungefähr zwei Tassen Kaffee. Bei einer tieferen Dosis (50 Milligramm) reagierte keine der Versuchspersonen mit Angst, bei einer hohen Dosis (400 Milligramm) hingegen zeigten alle Versuchspersonen eine gesteigerte Ängstlichkeit – so das Resultat einer weiteren Untersuchung mit Forschern der Universität Chicago. Die genetische Variation ist also nur im mittleren Dosisbereich für die Entwicklung von Angst bedeutsam.

„Das Resultat überrascht nicht. Ähnliche Verläufe findet man auch in anderen Bereichen“, hält Deckert fest. Ein Beispiel dafür: Bei einem Liebesfilm fürchtet sich üblicherweise kein Zuschauer, bei einem Horrorfilm jeder. Bei der „mittleren Dosis“ – einem Krimi – empfinden nur diejenigen Angst, die dafür sensibel sind.

Regelmäßiger Koffein-Konsum macht unempfindlich

Wer einmal mit Angst auf Kaffee reagiert, muss dies allerdings nicht sein Leben lang tun. „Wir sind in unserer jüngsten Untersuchung zusammen mit Peter Rogers von der Universität Bristol der Frage nachgegangen, ob sich die Höhe des täglichen Koffeinkonsums der Probanden auf den Geneffekt auswirkt“, berichtet Deckert. Dabei zeigte sich: Bei Personen, die regelmäßig eine mittlere oder hohe Dosis Koffein zu sich nahmen, ist der Geneffekt schwächer. Mit anderen Worten: „Wahrscheinlich kann sich die anlagebedingte Unverträglichkeit bei schrittweiser Steigerung der Dosis und regelmäßigem Konsum zurückbilden“, erklärt der Mediziner. Deckert wertet das Resultat dieser Untersuchungen als weiteren Beleg dafür, wie komplex Gen-Umwelt-Interaktionen sein können.

Der Zusammenhang mit Angsterkrankungen

Dieselbe genetische Variante, die zu einer gesteigerten Ängstlichkeit nach dem Konsum von Koffein führt, konnten die Würzburger Wissenschaftler in Kooperation mit Forschern der Universität Bonn um Markus Nöthen bereits vor einigen Jahren als genetische Risikovariante für Angsterkrankungen identifizieren. Alleine kann sie aber wohl nicht der Auslöser einer Angsterkrankung sein. „Hier braucht es sicher zusätzlich Umweltfaktoren wie beispielsweise den Genuss von Koffein oder traumatische Lebensereignisse“, erklärt Jürgen Deckert.

Diese komplexen Interaktionen von Koffein und anderen indirekt auf den Adenosin-A2A-Rezeptor einwirkenden Substanzen werden gegenwärtig von den Würzburger Forschern in Zusammenarbeit mit einer Münsteraner Arbeitsgruppe um Katharina Domschke im Rahmen des Sonderforschungsbereiches SFB TRR 58 „Furcht, Angst, Angsterkrankungen“ untersucht.

Quellen:

“Association of the Anxiogenic and Alerting Effects of Caffeine with ADORA2A and ADORA1 Polymorphisms and Habitual Level of Caffeine Consumption”, Peter J Rogers, Christa Hohoff, Susan V Heatherley, Emma L Mullings, Peter J Maxfield, Richard P Evershed, Jürgen Deckert and David J Nutt. Neuropsychopharmacology (2010) 35, 1973–1983, doi:10.1038/npp.2010.71

http://idw-online.de/pages/de/news381874

Kommentar & Ergänzung:

Dass Koffein Angst verstärken kann, ist schon länger bekannt. Neu scheint nun offenbar, dass für diesen Effekt eine bestimmte Genvariante verantwortlich ist.

Diese Ergebnisse sind nicht nur bezüglich Kaffeekonsum relevant. Ein zunehmendes Problem sind die zahlreichen Varianten koffeinhaltiger Getränke („Energy Drinks“ etc.). Vielen Konsumentinnen und Konsumenten solcher Getränke ist kaum mehr bewusst, dass sie sich damit erhebliche Koffeinmengen zuführen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Grosse Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten

Sonntag, August 1st, 2010

Die Zeitschrift „Viamedici“ spricht ein wichtiges Thema an: Die Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten:

„ Johanniskraut gegen Depressionen, Mistel bei Krebs, Weißdorn bei Herzinsuffizienz … – so oder ähnlich lauten die Headlines in naturheilkundlichen Ärztezeitschriften. “Gesundheitssendungen” im Fernsehen schüren das Interesse der Patienten und erwecken oft ungerechtfertigte Hoffnungen. Gerade im Bereich der Phytotherapie die Spreu vom Weizen trennen zu können, ist keine leichte Aufgabe für Ärztin oder Arzt. Es gibt durchaus Phytotherapeutika, deren klinische Wirksamkeit und Unbedenklichkeit weitgehend nach schulmedizinischen Kriterien nachgewiesen sind. Ein Problem bei der Bewertung von Pflanzenpräparaten ist jedoch die Standardisierung. Denn die Pflanzenextrakte sind Vielstoffgemische, die von Präparat zu Präparat variieren – je nach Zusammensetzung, Konzentration und Extraktionsverfahren. Johanniskrautpräparat ist also nicht gleich Johanniskrautpräparat. Auf einen standardisierten Extrakt, eine klare Deklaration der Inhaltsstoffe und eine exakte Dosierung kommt es an.“

Quelle:

http://www.thieme.de/viamedici/medizin/alternativ/phytotherapie1.html#anker2

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Hinweis ist für die Phytotherapie sehr wesentlich. Genau genommen kann man also nicht sagen:

Johanniskraut wirkt gegen Depressionen

Weissdorn lindert Herzschwäche

Echinacea steigert die Aktivität des Immunsystems

Mariendistel schützt die Leber

Etc…….

Man müsste sagen: Weissdorn in dieser bestimmten Form (Tinktur, Extrakt, Tee), dieser bestimmten Konzentration und Dosierung, verbessert die Arbeit des Herzmuskels.

Das heisst: Es geht in der Phytotherapie nicht nur darum zu lernen, welche Heilpflanze gegen welches Leiden wirksam ist. Wir müssen (oder dürfen) uns auch sehr genau damit auseinandersetzen, in welcher Form die entsprechende Heilpflanze optimal zur Anwendung kommen soll. Die Wichtigkeit dieser Frage ist aber vielen Leuten nicht klar. Daher werden auch zahlreiche Heilpflanzen-Präparate entwickelt, verkauft und konsumiert, die in ihrer Wirksamkeit sehr fraglich sind.

Falls Sie lernen wollen, wie sich die Spreu vom Weizen unterscheiden lässt, empfehle ich meine Lehrgänge „Heilpflanzen-Seminar“ oder „Integrative Phytotherapie“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Quickfinder Pflanzenheilkunde, Der schnellste Weg zur richtigen Behandlung. Einfache Selbstdiagnose mit Diagramm-Tafeln. Sanfte Selbsthilfe bei Beschwerden von Kopf bis Fuss. Mit Hinweisen auf wirksame Präparate — von Jörg Grünwald, Iris Hardewig, Christof Jänicke

Donnerstag, Juli 29th, 2010

Verlagsbeschreibung

Die Pflanzenheilkunde ist wunderbar geeignet zur Selbstbehandlung von Alltagsbeschwerden, doch oft fällt es schwer, selbst den passenden Tee oder das beste Präparat auszuwählen. Wer einen sicheren und schnellen Weg zum richtigen Behandlung sucht, ist mit dem neuartigen Konzept des Quickfinders optimal bedient. Mit Hilfe von übersichtlichen Diagramm-Tafeln wird die Selbstdiagnose sehr viel einfacher. In der kurzen, prägnanten Einführung erfährt der Leser alles, was er über Pflanzenheilkunde wissen muss. Im umfangreichen Beschwerdenkapitel, das nach Beschwerden von Kopf bis Fuß unterteilt ist, findet er die richtigen Pflanzen und die besten Darreichungsformen. Neben Tees und anderen traditionellen Formen wie Inhalationen oder Bäder spielen hier die pflanzlichen Präparate eine besonders wichtige Rolle, weil sie oft wirksamer und zudem einfacher einzunehmen sind. Im Anhang finden sich genaue Anwendungshinweise sowie Pflanzenporträts. Zum Shop

Kommentar:

Quickfinder Pflanzenheilkunde

Wer kurz, prägnant, übersichtlich, fundiert und kostengünstig Angaben zu den Wirkungen der wichtigsten Heilpflanzen haben will, ist mit dem Quickfinder Pflanzenheilkunde gut bedient. Wer sich als Laie umfangreicheres Wissen im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde anlesen will, greift wohl besser zur „Grünen Apotheke“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

[Buchtipp] Praktische Tee-Therapie, von Volker Fintelmann

Montag, Juli 26th, 2010

Verlagsbeschreibung

“Gibt es nicht etwas Pflanzliches?”, fragen Patienten oft ihren Arzt bzw. Apotheker. Ein medizinischer Tee ist bei Beschwerden wie Magenschleimhautentzündung, Laryngitis oder Harnwegsproblemen die optimale Antwort!

Der erfahrene Arzt und langjährige Vorsitzende der Kommission E (Phytotherapie) erläutert

– Grundlagen zur optimalen Anwendung,

– wichtige, für eine Tee-Therapie prädestinierende Indikationen,

– die Zubereitung von offenem Tee, als Einzeldrogen oder in bewährten Mischungen, sowie mithilfe von Teebeuteln anhand von Beispielen der Firma Sidroga.

Heilen und Vorbeugen in großer therapeutischer Breite und guter Verträglichkeit? Medizinische Tees in pharmazeutischer Qualität gehören zum Handwerkszeug von Arzt, Apotheker und Heilpraktiker. Zum Shop

Kommentar:

Praktische Tee-Therapie

Der Arzt Volker Fintelmann ist ein langjähriger und bewährter Experte im Bereich der Phytotherapie / Pflanzenheilkunde. Die medizinisch-wissenschaftlich ausgerichtete Phytotherapie befasst sich seit einigen Jahrzehnten vor allem mit Extraktpräparaten aus Heilpflanzen, weil dafür Forschungsgelder der Hersteller zu Verfügung stehen, die ihre Extrakte patentieren können. Weil einfache Kräutertees nicht patentierbar sind, werden für diesen Bereich kaum Forschungsmittel bereit gestellt und es wird auch kaum Werbung gemacht für konkrete Wirkungen von Heilkräutern in Teeform. Dadurch ist die Tee-Therapie in vielen Bereichen etwas in den Hintergrund gerückt. In vielen Bereichen haben zwar hoch konzentrierte Extraktpräparate die stärkere Wirkung oder sind jedenfalls viel besser dokumentiert. Heilkräuter-Tees haben aber auch ihre Stärken. Verglichen mit der Einnahme von Heilpflanzen in Kapselform bieten sie sinnliche Erlebnisse (Wärme, Geschmack, Geruch) und ein Teeritual, das durchaus auf unser Wohlbefinden einwirken kann.

Auf diesem Hintergrund ist es begrüssenswert, wenn Volker Fintelmann ein Buch vorlegt, in dem der Heilkräuter-Tee im Zentrum steht.

Fintelmann beschreibt die wichtigen zu Teeanwendung geeigneten Heilpflanzen fundiert und gibt auch Rezepturbeispiele für Teemischungen, welche zum Teil auf den „Altmeister“ der Phytotherapie in Deutschland, den Internisten Rudolf Fritz Weiss, zurückgehen.

Die Beschreibungen der Wirkungen und Anwendungsbereiche der Heilpflanzen enthalten zahlreiche medizinische Fachwörter und sind von Laien wohl nur mit einem medizinischen Wörterbuch nutzbar. Das ist schade, denn vom Thema her wäre das Buch durchaus auch für Laien attraktiv und die meisten dieser Begriffe könnte man ohne Verlust an Information auch in deutscher Sprache ausdrücken.

Unbefriedigend ist es für mich immer, wenn Dosierungsangaben einfach aus den Monografien der Kommission E übernommen werden. Ich zweifle nicht daran, dass die Dosierungen angemessen sind, aber was fängt die Teetrinkerin konkret mit einer Angabe an wie: „Die mittlere Einzeldosis beträgt 1 g Droge, die mittlere Tagesdosis 3 g Droge.“ Brauche ich zur Zubereitung eines Kräutertees nun eine Mettler-Präzisionswaage? Da scheint mir doch die zwar zweifellos ungenauere Angabe in Teelöffeln näher bei der Konsumentin.

Das Buch enthält einige allerdings eher schlichte Fotos der beschriebenen Heilpflanzen.

Und um einem immer wieder auftretenden Missverständnis vorzubeugen: Der Begriff „Droge“ wird hier verwendet in seiner ursprünglichen Bedeutung als „getrocknete Heilpflanze“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

[Buchtipp] Rationale Phytotherapie, Ratgeber für Aerzte und Apotheker – von Rudolf Hänsel, Volker Schulz

Montag, Juli 26th, 2010

Verlagsbeschreibung

Der bewährte Ratgeber für die ärztliche Praxis und die Apotheke bietet eine praxisorientierte Einführung in die moderne Phytotherapie. Systematisch nach Organsystemen und Anwendungsgebieten gegliedert, gibt das Buch einen raschen Überblick über Dosierung, Applikationsform und Wirkung der wichtigsten pflanzlichen Arzneimittel. In der 5. Auflage dieses Standardwerkes findet der Leser jetzt auch ein Kapitel über die Zulassung als Arzneimittel sowie eine pharmapolitische Bewertung pflanzlicher Arzneimittel neben synthetischen in der ärztlichen Verordnung. Sämtliche besprochene Drogen wurden im Hinblick auf Wirkung und Zulassung aktualisiert sowie die Tabellen-Inhalten dem Stand von 2002 angepasst. Zum Shop

Kommentar:

Rationale Phytotherapie

Dieses Buch ist nach Anwendungsgebieten aufgebaut. Es fasst die bekannten Fakten zur Wirksamkeit fundiert zusammen und stützt sich dabei auf experimentelle Ergebnisse und auf Studien mit Patientinnen und Patienten. Wer wissenschaftlich belegte Wirkungen der Heilpflanzen sucht, bekommt sie in diesem Buch kompetent vermittelt.

In einem allgemeinen Teil geht es um die Herstellung und Qualitätssicherung bei pflanzlichen Heilmitteln, vor allem um Extrakte, sowie um „Arzneitees heute“ (beispielsweise um die Unterschiede zwischen offenem Teekraut und Tee in Portionenbeuteln).

„Rationale Phytotherapie“ beschreibt ausschliesslich wissenschaftlich belegte Heilpflanzen. Damit sinkt die Zahl der besprochenen Pflanzen gegenüber von Werken, die auch Heilpflanzen aufnehmen, die in der traditionellen Heilkunde verwendet werden, ohne dass sie wissenschaftlich belegt sind. Dafür sind diejenigen Heilpflanzen, die hier aufgeführt sind, sehr präzis dargestellt – mit Quellenangaben zu den jeweiligen Studien.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Rheuma-Behandlung: Teufelskrallenwurzel und Weidenrinde empfohlen

Freitag, Dezember 4th, 2009

Auf www.bild.de ist soeben ein Beitrag zum Thema “Rheumatherapie” erschienen. Dabei wird auch auf die Phytotherapie hingewiesen und auf die Heilpflanzen Teufelskralle, Weidenrinde und Brennessel:

“Die Europäische Fachgesellschaft für Phytotherapie empfiehlt auf diesem Gebiet in erster Linie die Teufelskrallenwurzel und die Weidenrinde. Seit Vielen Jahrhunderten wird aber auch die Brennessel zur Rheuma-Behandlung eingesetzt. Deren Wirkung ist jedoch eher gering einzustufen.”

Quelle: www.bild.de, 4. 12. 2009

Kommentar & Ergänzung:

Grundsätzlich korrekte Empfehlung, allerdings ist nur schon der Begriff “Rheuma” problematisch, weil in diesem Sammeltopf sehr unterschiedliche Erkrankungen zusammengefasst werden. Darum ist es eigentlich fragwürdig pauschal zu sagen, diese oder jene Heilpflanze wirke gegen “Rheuma”.

Teufelskralle beispielsweise gehört mehr in den Bereich Arthrose, wenn man die Studien anschaut, die mit dieser Heilpflanze durchgeführt wurden. Weihrauch dagegen – hier nicht erwähnt – wird wegen seiner Hemmwirkung auf entzündungsauslösende Leukotriene bei Polyarthritis erforscht.

Brennnessel wird tatsächlich schon seit Jahrhunderten gegen Rheuma verwendet, hat aber in der Zwischenzeit das “Profil” geändert. Früher dachte man, dass Brennnessel über eine Ausscheidung von Giftstoffen (Entschlackung) Rheuma heilen kann. Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Irrtum, weil diese angeblichen Giftstoffe oder Schlacken, die für “Rheuma” verantwortlich sein sollen, bisher ein Phantom geblieben sind. Allenfalls könnte man bei Gicht die Harnsäure als “Schlacke” bezeichnen, doch macht Gicht einen marginal kleinen Anteil unter den Rheumakrankheiten aus.

In den Blättern der Brennessel wurden allerdings entzündungswidrige Stoffe entdeckt (Prostaglandin-Hemmer). Vielleicht ist ja die Erfahrung aus der traditionellen Pflanzenheilkunde mit der Brennessel als Rheumapflanze richtig, aber die damalige Erklärung war möglicherweise falsch.

Wichtig ist aber ausserdem, dass es nicht nur darauf ankommt, die richtige Heilpflanze anzuwenden. Mindestens so entscheidend ist, in welcher Form dies geschieht (z. B. Tee, Tinktur, Extrakt), weil es bei Naturheilmitteln sehr grosse Qualitätsunterschiede gibt.

Zur Weidenrinden-Forschung weitere Erläuterungen im “Infodienst Forschende Phytotherapie”:
moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Hilft Grüntee gegen Mundkrebs-Vorstufe?

Montag, November 16th, 2009

Dem Grüntee haben Mediziner schon verschiedenste gesundheitsförderliche Eigenschaften bescheinigt. Nun konnten US-Wissenschaftler einen Aspekt ergänzen: Ein Grüntee-Extrakt kann offenbar im Kampf gegen die Vorstufe von Mundkrebs wirksam sein.

Der bösartigen Krebserkrankung im Mundraum geht in oft eine sogenannte orale Leukoplakie voraus. Das ist eine weißliche Veränderung der Mundschleimhaut. Nicht in jedem Fall entwickelt sich aus ihr Mundkrebs. Doch Ärzte betrachten sie als mögliches “Frühwarnsignal” und Betroffene gelten darum häufig als Risikopatienten.

Forscher der University of Texas haben Menschen dieser Risikogruppe mit einem Grüntee-Extrakt behandelt. Dieser zeigte eine deutliche Auswirkung auf die Veränderungen der Mundschleimhaut und die günstige Wirkung war nicht von schweren Nebenwirkungen begleitet, wie es bei anderen Behandlungsansätze der Fall ist. In hohen Dosen kann der Grüntee-Extrakt lediglich zu Schlafstörungen führen. Er wirkt jedoch nicht giftig auf den Organismus. Weitere Forschung ist notwendig, um die Heilungsfähigkeiten des Grüntee-Extrakts präzis einzugrenzen. Es wird vermutet, dass die im Grüntee enthaltenen Antioxidantien (Polyphenole) für den krebshemmenden Effekt verantwortlich sind.

Quelle:

http://de.news.yahoo.com/12/20091105/thl-gruentee-als-helfer-gegen-mundkrebs-d343981.html

Kommentar & Ergänzung:

Grüntee kann man mit Fug und Recht zu den Heilpflanzen zählen (wie Schwarztee natürlich auch). Es ist aber oft sehr schwierig, bei der Grüntee-Forschung zu unterscheiden, was nun für Patientinnen und Patienten wirklich relevant ist, und was vorläufig nur experimentellen Charakter hat.

Bei dieser interessanten Meldung fehlen konkreten Angaben, die eine genauere Beurteilung ihrer Bedeutung und Fundiertheit möglich machen würden:
Wer genau? “Forscher der University of Texas” genügt nicht.
Wurde die Studie in einer Fachzeitschrift publiziert? Das könnte ein gewisses Qualitätsmerkmal sein.
Hinweise auf eine günstige Wirkung von Grüntee auf Mundkrebs-Vorstufen gibt es aber schon aus früheren Untersuchungen.

Der Wissenschaftliche Informationsdienst Tee (www.teeverband.de) erwähnt dazu eine Arbeitsgruppe von J. Chen, nach der die als Krebsvorformen der Haut geltenden Leukoplakien der Mundhöhle nach 6-monatiger Behandlung mit Tee, eingenommen oder auf die Schleimhaut aufgebracht, um etwa 38% zurückgehen. Die Publikation dieser Ergebnisse erfolgte durch Li 1999:
Li, N., S. Zheng, C. Han, J. Chen: The chemopreventive effects of tea on human oral
precancerous mucosa lesions. In: Proceedings of the Society for Experimental Biology and Medicine 220 (1999)

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Phytotherapie: Efeu zur Arnzeipflanze des Jahres 2010 ernannt

Montag, November 16th, 2009

Der Würzburger Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde hat den Efeu zur Arzneipflanze des Jahres 2010 bestimmt. Efeublätter-Extrakt wird bei Entzündungen der Atemwege angewendet.

Je nach Entwicklungsstadium zeigt Efeu (Hedera helix) zwei verschiedene Blattformen. In der Phytotherapie werden die gelappten Blätter von jungen, noch nicht blühenden Pflanzen verwendet. Sie werden im Frühjahr und Frühsommer geerntet.

Als wirkungsbestimmenden Inhaltsstoffe gelten die Triterpensaponine (2,5 bis 6%) mit der Hauptkomponente Hederasaponin C. In experimentellen Studien wurde sowohl eine breite antimikrobielle Wirkung des Efeu-Extraktes als auch eine krampflösende Wirkung einzelner Triterpensaponine nachgewiesen. Die Wirksamkeit der Extrakte bei akuten Katarrhen der Atemwege und bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen konnte in klinischen Studien belegt werden.

Efeu ist in geringem Maße giftig: Die frischen Blätter können allergische Kontaktdermatitiden auslösen und der Genuss der Beeren kann Übelkeit, Durchfall und Erbrechen verursachen.
Efeu ist der einzige einheimische Vertreter der Efeugewächse (Araliaceae), zu denen auch der Ginseng zählt und eine der wenigen immergrünen Pflanzen Mitteleuropas. Efeu galt als Symbol der Treue und des ewigen Lebens. In diesem Sinne wurde er gern auf Grabmälern dargestellt.

Eine ältere Schreibweise für Efeu ist “Epheu”, das als “Epp-heu” ausgesprochen wurde. Wie die Blätter anderer Gehölze sammelte und trocknete man früher Efeublätter im Sommer, um sie im Winter als Laubheu ans Vieh zu verfüttern. Der Artname “helix” leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet “Windung”, wie im Zeitalter der Gentechnologie allgemein bekannt ist. Allerdings klettert der Efeu nicht hoch, indem er sich um seine natürlichen oder künstlichen Stützen herumwindet. Er verschafft sich mit Haftwurzeln Halt.

Quelle:
http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de
Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin Würzburg

Kommentar & Ergänzung:

Efeu hat sich als Heilpflanze geben verschiedene Arten von Husten bewährt und “verdient” daher die Ernennung zur Arzneipflanze des Jahres 2010.
Festgehalten werden soll noch:
Efeu nicht in Form von Tee oder Tinktur verwenden, sondern Efeu-Extrakte, die präzis dosiert werden können.
Efeu ist entgegen von verbreiteten “Vorurteilen” weder ein Schmarotzer noch ein Halbschmarotzer. Efeu ernährt sich vollständig selbst. Efeu ist für viele Insekten wie Bienen, Wespen oder Schwebefliegen eine wichtige Nahrungsquelle im Herbst.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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