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Zimt gegen Entzündungen?

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Die österreichische Zeitung „Kurier“ empfiehlt Gewürze als Entzündungshemmer:

„Zimt, Knoblauch, Ingwer und Kurkuma genießen unter den Gewürzen einen Sonderstatus. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass sie Entzündungen im Körper gezielt bekämpfen.“

Schauen wir uns das Beispiel Zimt genauer an:

„Zimt ist ein Allroundtalent. Das Pulver aus der getrockneten Zimtbaumrinde kann sowohl für süße als auch für pikante Speisen verwendet werden. Im Haferbrei oder Backwaren sorgt Zimt für eine angenehm herbe Note, mariniert man Fleisch oder würzt Saucen damit, erhält man ein duftendes, weihnachtliches Aroma.

Zimt wurde von der Wissenschaft eine desinfizierende und krampflösende Wirkung attestiert. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird das beliebte Gewürz gerne bei Kältegefühl verwendet, da es die „innere Kälte“ durch gesteigerte Durchblutung vertreiben kann. Auch die blutzuckersenkende und stimmungsaufhellende Wirkung des Gewürzes wird betont. Wissenschaftler des Rush University Medical Centers haben in einer Studie mit Zimt und Mäusen zudem eine deutliche Steigerung der Gehirnleistung festgestellt.“

Quelle der Zitate:

https://kurier.at/wellness/zimt-kurkuma-ingwer-knoblauch-wie-sie-ihr-gewuerzregal-gesund-haelt/247.739.154

Kommentar & Ergänzung:

Zimt ist ein feines Gewürz, das Verdauungsbeschwerden lindern kann. Die ESCOP bestätigt als Anwendungsbereiche für die Zimtrinde:

Dyspeptische Beschwerden wie Bauchkrämpfe, Blähungen und Flatulenz; Appetitlosigkeit, Durchfall.

Die blutzuckersenkenden Wirkung wurde in Laborexperimenten im Reagenzglas und an Mäusen festgestellt. Diese Einschränkung fehlt im Artikel des „Kuriers“.

Das Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt:

„Zur blutzuckersenkenden Wirkung von Zimtrinde liegen In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen an Mäusen vor, in denen eine antidiabetische Wirkung eines wässrigen Extrakts gezeigt werden konnte, doch ist die Übertragbarkeit auf eine therapeutische Anwendbarkeit beim Menschen schwierig.“

Die klinischen Studien zur Wirksamkeit von Zimt bei Diabetespatienten sind bisher nicht überzeugend. Siehe dazu:

Zimt zur Senkung des Blutzuckers bei Diabetes?

Einschränkung sind auch angebracht bezüglich der Studie zur Steigerung der Gedächtnisleistung bei Mäusen. Auch hier ist alles andere als klar, ob das Gehirn von Menschen von Zimtgaben profitieren kann und welche Dosierungen dazu nötig wären.

Ich habe zu diesem Experiment hier schon einen Beitrag geschrieben:

Zimt verbessert Lernvermögen bei Labormäusen

Auch die erwähnte entzündungswidrige Wirkung der Zimtrinde wurde in Laborexperimenten festgestellt. Ob Zimt gegen Entzündungen im menschlichen Organismus wirksam ist und welche Zimtmengen dazu nötig wären, bleibt offen.

Der Beitrag im „Kurier“ ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht sehr sinnvoll ist, Laboreffekte aneinanderzureihen, ohne auf die begrenzte Aussagekraft solcher Experimente für den Menschen hinzuweisen.

Chinesischer Zimt (Cinnamomum cassia, Cassia-Zimt) enthält übrigens erhebliche Konzentrationen an Cumarin, das auf längere Sicht die Leber belasten könnte. Im Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum) sind die Cumarin-Werte viel tiefer. Ich würde also Ceylon-Zimt vorziehen. Allerdings sollte man diese Gefahr nicht dramatisieren. Wikipedia schreibt dazu:

„Einen eindeutigen Beleg für die angebliche Gefährlichkeit von Cumarin beim normalen Gebrauch von cumarinhaltigen Gewürzen gibt es allerdings bis zum heutigen Tage nicht. In allen Studien trat eine gesundheitschädigende Wirkung erst nach extremen Überdosierungen bei Versuchen an Ratten auf.“

Siehe auch:

Zimt & Cumarin: Ceylon-Zimt unproblematischer als Cassia-Zimt

Stollen, Glühwein, Zimtsterne: Schadet Zimt der Gesundheit?

Zimt ist ein tolles Gewürz mit verdauungsfördernden Eigenschaften. Im Artikel des „Kuriers“ wird Zimt aber „überverkauft“, das heisst mit unrealistischen Versprechungen angepriesen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Medizin-Nobelpreis für Naturstoffe gibt Phytomedizin Auftrieb

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Die diesjährige Vergabe des Medizin-Nobelpreises wird in manchen Kreisen als großartige Entscheidung für die Pflanzenheilkunde aufgefasst. Es sei bemerkenswert und ein großes Glück für das gesamte Feld der Phytomedizin, dass der Naturstoff Artemisinin durch die Preisverleihung ins Scheinwerferlicht der akademischen und der allgemeinen Öffentlichkeit gelangt ist, sagt Univ.-Prof. Dr. Thomas Efferth von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Das Nobelkomitee habe mit seiner Entscheidung die Naturstoffe in den Fokus gerückt und damit ein wichtiges Signal für künftige Forschungsfelder und Aufgaben gegeben, erklärt der Mainzer Wissenschaftler, der selbst auf dem Gebiet arbeitet.

Artemisinin ist nicht nur für die Malaria-Behandlung bedeutend, sondern auch ein vielversprechender Wirkstoff für die Krebstherapie.

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, so die vollständige Bezeichnung, ging 2015 zur Hälfte an William C. Campbell und Satoshi Ōmura für ihre Arbeiten zur Behandlung von Infektionen, die durch Fadenwürmer ausgelöst werden, mit einem Wirkstoff auf der Basis von Avermectin aus Bakterienkulturen.

Zur anderen Hälfte ging der Preis an die chinesische Wissenschaftlerin Youyou Tu für ihre Entdeckungen zur Therapie von Malaria. Youyou Tu hatte Heilkräuter untersucht, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit über 2000 Jahren für die Therapie von Fieber und Erkältungen eingesetzt werden. Sie entdeckte dabei, dass Auszüge von Einjährigem Beifuß (Artemisia annua) mit seinem Wirkstoff Artemisinin effektiv gegen Malariaerreger angewendet werden können.

Eine beträchtliche Anzahl von Arzneistoffen für die klinische Praxis werde heute schon aus natürlichen Ressourcen gewonnen. Avermectin und Artemisinin seien zwei wunderbare Beispiele dafür, sagt Efferth:

„Wir sind zuversichtlich, dass die Nobelpreis-Vergabe zur Förderung der Phytomedizin beiträgt und wir in Zukunft weitere Anwendungen sehen werden.“

Efferth selbst forscht seit etwa 20 Jahren auf diesem Gebiet und konnte gleichzeitig mit Forschern in den USA und den Niederlanden Mitte der 1990er Jahre erstmals zeigen, dass Artemisinin auch bei Krebs wirksam ist. Eine neuere Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit Medizinern der University of London und kam zum Schluss, dass Derivate von Artemisinin tatsächlich die Lebenszeit von Patienten mit Darmkrebs verlängern können. „Wir haben damit den klinischen Nachweis erbracht. Aber wir müssen Artemisia annua noch weiter entwickeln und ein Profil erstellen, bei welchen Tumorarten die Substanz wirksam ist“, sagt Efferth. Artemisia scheint jedoch nicht nur bei Krebserkrankungen von Nutzen zu sein, sondern auch bei Infektionen mit dem humanen Cytomegalie-Virus (HCMV) und anderen Virusinfektionen sowie bei Bilharziose.

Artemisia annua, der Einjährige Beifuß, zählt zu einer Gattung mit über 200 Arten weltweit, ist jedoch nicht mit dem in Mitteleuropa verbreiteten Ackerunkraut, dem Gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris), zu verwechseln.

In der Pharmazeutischen Biologie der Universität Mainz erforscht ein internationales Team von 20 Mitarbeitern Pflanzeninhaltsstoffe von Heilpflanzen aus 30 Ländern auf ihre Wirksamkeit gegen Krebs.

Quelle:

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=46784

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Naturstoff-Forschung wird durch diesen Nobelpreis wohl tatsächlich verdienter massen mehr Aufmerksamkeit bekommen. Es gibt hier sehr spannende Forschung, die oft auch der Phytotherapie Nutzen bringt.

Gerade bei der Naturstoff-Forschung gegen Krebs ist allerdings festzuhalten, dass im Labor oft eindrückliche Ergebnisse erzielt werden. Ob ein erfolgreich im Labor untersuchter Naturstoff jedoch auch im realen Leben bei realen Krebskranken wirksam ist, steht damit noch keineswegs fest. Vorschnelle Versprechungen sollten da besser unterbleiben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Rheumatoide Arthritis: Studie vergleicht Wilfords Dreiflügelfrucht (Tripterygium wilfordii) mit Methotrexat

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Wilfords Dreiflügelfrucht (Lei Gong Teng, Tripterygium wilfordii), eine Heilpflanze der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), scheint dem Basistherapeutikum Methotrexat bei rheumatoider Arthtitis ebenbürtig zu sein. Darauf deuten die Resultate einer Studie hin, die im Fachjournal »Annals of the Rheumatic Diseases« publiziert wurde. Die Studie war allerdings weder verblindet noch placebokontrolliert.

Alle Pflanzenteile der in Ostasien beheimateten Kletterpflanze Wilfords Dreiflügelfrucht (Triptery­gium wilfordii) sind hochgiftig.

In der TCM werden die Wirkstoffe aus der Pflanze in niedrig dosierten Extrakten bei Gelenkschmerzen, Fieber, Ödemen und lokalen Entzündungen. In vitro (= im Reagenzglas) und in vivo (= im Tierexperiment) sind ausgeprägte entzündungshemmende und immunsuppressive Effekte dokumentiert. Welche der rund 300 Inhaltsstoffe dafür verantwortlich sind, ist allerdings nicht geklärt.

Nachdem bereits frühere Studien einen günstigen Effekt von Lei Gong Teng bei rheumatoider Arthritis dokumentiert hatten, wurde das TCM-Mittel jetzt in einer offenen, randomisierten Studie gegen das Standardmedikament Methotrexat geprüft, den Goldstandard unter den Basistherapeutika.

Die Studie wurde als Koproduktion chinesischer Zentren und dem US-amerikanischen National Institute of Arthritis and Musculoskeletal Skin Diseases durchgeführt.

Durchgeführt wurde die Studie am Peking Union Medical College Hospital (PUMCH), einer Klinik der tertiären Schwerpunktversorgung, an der jedes Jahr mehr als 30.000 Patienten mit rheumatoider Arthritis behandelt werden.

Total 207 Patienten mit aktiver rheumatoider Arthritis (RA) wurden in drei Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe wurde mit Methotrexat in einer Dosis von 12,5 mg einmal pro Woche behandelt, die zweite Gruppe bekam 20 mg Tripterygium-Extrakt als Tabletten dreimal pro Tag, und bei der dritten Gruppe wurden beide Therapien kombiniert angewendet.

Eine Überprüfung nach sechs Monaten ergab folgende Resultate: 55 Prozent der Patienten, denen die Lei Gong Teng gegeben wurde, kamen auf eine deutliche Besserung. Beim Medikament Methotrexat allein waren es nur 46 Prozent. Am besten schnitt die Gruppe ab, die eine Kombination aus beiden bekommen hatte: Beinahe 77 Prozent dieser Patienten erreichten eine deutliche Verbesserung.

Durch Kombination beider Ansätze kann demnach eine deutliche Verbesserung der therapeutischen Wirksamkeit erreicht werden.

Die Studie hat allerdings ein paar Schwachstellen, welche die Aussagekraft einschränken.

Die Studie war zwar randomisiert, das heisst, die Teilnehmenden wurden per Zufallsprinzip auf die drei Gruppen verteilt. Es fehlt aber eine Placebo-Gruppe, da nach Auskunft keine geeigneten Placebo-Tabletten zur Verfügung standen.

Die behandelnden Ärzte und Patienten wussten also, welches Medikament ihnen verabreicht wurde. Darüber hinaus war der Untersuchungszeitraum zu kurz, um eine Aussage darüber zu machen, ob die Heilpflanze die Krankheit auch stoppen konnte oder ob sie nur die Symptome linderte. Zudem war die Methotrexat-Dosis geringer als in westlichen Ländern üblicherweise verabreicht.

Wilfords Dreiflügelfrucht ist zwar ein Naturheilmittel, doch gilt es einige kritische Punkte bezüglich Verträglichkeit zu beachten. Insbesondere muss mit Nebenwirkungen im Verdauungstrakt gerechnet werden, die in dieser Studie allerdings meist milde ausfielen (und auch bei Methotrexat auftraten) . Eine weitere Nebenwirkung von Tripterygium wilfordii sind Fertilitätsstörungen (Störungen der Fruchtbarkeit). Alle Teilnehmenden mit Kinderwunsch wurden daher von der Studie ausgeschlossen. Das selbe galt auch für Schwangere und Stillende, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass Wilfords Dreiflügelfrucht auch eine teratogene Wirkung entfaltet. Teratogen = Fehlbildungen bewirkend.

Quellen:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51988&no_cache=1&sword_list%5B0%5D=dreiflügelfrucht

http://www.salzburg.com/nachrichten/gesundheit/sn/artikel/heilpflanze-wirksamer-gegen-rheuma-als-gaengiges-medikament-102896/

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/58360/Rheumatoide-Arthritis-Chinesisches-Phytopharmakon-haelt-Vergleich-mit-Methotrexat-stand?s=wilfords

http://ard.bmj.com/content/early/2014/03/18/annrheumdis-2013-204807

 

Kommentar & Ergänzung:

Fragwürdige Propaganda als Krebsheilmittel

Wilfords Dreiflügelfrucht wird im Internet auf einer ganzen Reihe von fragwürdigen Websites mit hanebüchenen und haltlosen Versprechungen propagiert wie: Zerstört Krebs in 40 Tagen. Und das auch noch mit der grossartigen Attitüde des Aufdeckens unterdrückter Erkenntnisse.

Dass es sich dabei um Zellexperimente und Tierversuche an Mäusen handelt, die sich nicht einfach auf die Situation von Krebspatienten übertragen lassen, geht dabei unter. Und dass für diese Mäuseexperimente ein Inhaltsstoff der Pflanze durch einen chemischen Trick in eine nicht giftige Form gebracht wird, verschweigen die „Aufdecker“ sowieso. Es werden einfach ein paar interessante Ergebnisse aus der Grundlagenforschung zu einer Sensation aufgeblasen, bevor das Mittel seine Tauglichkeit bei Krebspatienten gezeigt hat. Dass die Situation nicht so einfach ist, ergibt sich auch aus der Beschreibung des relevanten Inhaltsstoffs von Wilfords Dreiflügelfrucht – Triptolid – auf Wikipedia:

„Gegenüber einer Reihe von Krebszelllinien (in vitro), als auch im Modellorganismus (in vivo) zeigt Triptolid eine hohe zytostatische Wirksamkeit. So ist es in der Lage das Wachstum von Tumoren und Metastasen zu verringern. Triptolid ist dabei in Konzentrationen von 2 bis 10 ng/ml (in vitro) wirksam und zeigt dabei eine höhere Wirksamkeit als beispielsweise Chemotherapeutikum Paclitaxel (Taxol). Als Folge dieser Erkenntnisse wurden verschiedene klinische Studien mit Triptolid als Chemotherapeutikum begonnen. Durch die hohe Toxizität haben Triptolid und seine verwandten Inhaltsstoffe von T. wilfordii nur eine kleine therapeutische Breite. Um die Toxizität zu reduzieren, wurden verschiedene Derivat hergestellt. Mit Hilfe von Aspergillus niger wurden strukturelle Modifikationen erhalten, die in vitro eine hohe Wirksamkeit gegenüber humanen Krebszelllinien zeigen. Ein wasserlösliches Triptolid-Derivat mit der Bezeichnung PG490-88 befindet sich derzeit in der klinischen Phase-I zur Behandlung solider Tumoren.“

Wenn im Internet also Wilfords Dreiflügelfrucht als Kräuterpräparat gegen Krebs propagiert wird, fehlt dem eine verlässliche Basis.

 

Wilfords Dreiflügelfrucht bei rheumatoider Arthritis möglicherweise wirksam

 

Beim Anwendungsbereich rheumatoide Arthritis gibt es dagegen einige Studien, die eine Wirksamkeit nahelegen, wenn auch nicht zweifelsfrei belegen. Elend ist allerdings, dass eine solcherart vorsichtige Formulierung nicht besonders gut ankommt. Viel attraktiver sind Schlagzeilen wie „TCM-Heilpflanze wirksamer als gängiges Rheumamedikament“.

Die fehlende Verblindung und die fehlende Placebo-Vergleichsgruppe sind bei der beschriebenen Studie unübersehbare Schwachpunkte. Theoretisch zu mindestens wäre es möglich, dass alle festgestellten Verbesserungen in allen drei Gruppen Placebo-Effekte sind. Die Placebo-Hypothese verträgt sich sogar mit der besseren Wirksamkeit der Kombitherapie. Die Erwartungshaltung der Patienten steigt, wenn sie zugleich ein chinesisches und ein westliches Medikament bekommen.

Siehe auch:

Zur Wirkung von Chinakraut / Wilfords Dreiflügelfrucht bei rheumatoider Arthritis 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Halloween-Blödsinn

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Auf „Cicero online“, dem Magazin für politische Kultur, stellt Alexander Kissler den Halloween-Kult als „nerviges Fest der Fantasielosigkeit“ fulminant in Frage:

„Die Gruselmode zählt zu den dümmsten Importen, die je den Großen Teich überwunden hat. An Halloween werden kleine Kinder von der harten Rute des Kapitalismus gezüchtigt. Sie ziehen plärrend, schreiend, nervend von Haus zu Haus und belästigen, aufwendig verkleidet, friedliche Bürger mit der dümmsten aller Drohungen: „Süßes oder Saures!“ Unmengen von Süßigkeiten wollen sich die Knaben und Mädchen erschnorren, indem sie Ungemach androhen. Wer nach dieser tumben Devise keine Kariesbomben herausrückt – und zwar subito -, den wünschen sie zum Teufel. Manchmal verkleben sie Briefkästen oder zerdrücken Zahnpastatuben.“

Quelle:

http://www.cicero.de/salon/halloween-ein-nerviges-fest-der-fantasielosigkeit/56268

Kommentar & Ergänzung:

Kinder müssten halt ihre Kreativität ausdrücken können, sagte kürzlich eine Bekannte zugunsten von Halloween.

Mir kommt diese „Kreativität“ allerdings sehr normiert vor. Jedes Kind, das am letzten Halloween an meiner Haustüre läutete, sah etwa gleich maskiert aus und hatte etwa die gleichen Sprüche drauf.

Und dann hört man immer wieder den bedeutungsschweren Hinweis auf die uralten keltischen Wurzeln von Halloween.

Dazu gibt es eine interessante Passage auf Wikipedia:

„Die österreichische Ethnologin Editha Hörandner sieht die allfällig behaupteten keltischen oder heidnischen Ursprünge als historische Projektion, die regelrecht den Charakter eines Gütesiegels habe. Von Interesse für die Forschung sei weniger die längst widerlegte These einer ungebrochenen Kontinuität bis ins Altertum, sondern vor allem, wie sich die moderne Sehnsucht nach fiktiven keltischen Traditionen ausbilde und was darob verbreitet würde. Die verbreitete Praxis des Festes Halloween habe dabei mit diesen Vorstellungen wenig oder gar nichts zu tun und sei keineswegs heidnisch oder keltisch geprägt. Interessanter sei allemal die aktuelle Entwicklung von Halloween als Re-Import aus den USA.“

Die Kelten müssen immer wieder als Begründung für mehr oder weniger plausible Behauptungen herhalten. Sie sind die perfekte Begründungsinstanz. Weil niemand von den Lebenden dabei war und historisches Wissen über diese Periode auch nicht gerade weit verbreitet ist,  lassen sich solche Behauptungen naturgemäss schwer überprüfen.

Darum muss man bei solchen Begründungen immer sehr genau hinschauen. Das gilt im übrigen auch, wenn Heilmethoden mit uraltem Wissen begründet werden, wie beispielsweise bei Hildegard-Medizin, TCM oder Indianermedizin.

Nicht alles, was alt daherkommt, ist auch authentisch.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Vortrag Zürich: Wie Akupunktur in China verboten und im Westen neu erfunden wurde

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Referent: Dr. med. Hanjo Lehmann

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat in den letzten Jahren in Mitteleuropa stark an Bedeutung gewonnen. Eher marginal geblieben ist aber das Verständnis für die Geschichte der Traditionellen Chinesichen Medizin und ihren Transfer in den Westen. In diesem Vortrag geht es um die Geschichte der Akupunktur – eines Teilbereichs der TCM.

Die Akupunktur hat die traditionelle chinesische Medizin (TCM) im Westen bekannt gemacht. Darum glaubt man bei uns, dass sie stets im Zentrum der TCM stand hat. Das ist jedoch ein Irrtum. Tatsächlich war die Akupunktur in China klinisch stets nebensächlich. Kaum eine Handvoll der ca. 400 Kaiser in Chinas Geschichte wurde jemals mit Akupunktur therapiert. 1822 wurde die Akupunktur am Kaiserhof gar “für alle Zeiten” verboten. Ihre Wiederbelebung nach dem Jahr 1954 – mit anatomisch definierten Punkten, dünnen sterilen Stahlnadeln und Hautdesinfektion – war keine Fortsetzung alter Tradition, sondern in Wirklichkeit eine Neuerfindung.

Die größte Zeit der Akupunktur war deshalb nicht die Jin- oder Yuan-Dynastie, sondern ist die Gegenwart.

Dr. med Hanjo Lehmann lernte 1980-1985 an der Tongji-Universität in Shanghai Chinesisch und Akupunktur, eröffnete 1986 eine Akupunkturpraxis, dann Medizinstudium an der FU Berlin und ärztliche Approbation. Er hat eine ganze Reihe von Publikationen veröffentlicht zur Akupunktur.

Datum: 28. Oktober 2013

Ort: Literaturhaus Zürich, Limmatquai 62, 8001 Zürich, Debattierzimmer

Zeit: 18:30 Uhr Türöffnung / 19:00 Uhr Beginn

Eintritt: 10.- CHF / 5.- CHF

Quelle: www.skeptiker.ch

Kommentar & Ergänzung:

Ich selber kenne mich nicht aus mit Akupunktur. Ich befasse mich aber seit vielen Jahren  mit den Unterschieden zwischen westlichem und chinesischem Denken – unter anderem mit den Schriften von François Jullien und mit Studienreisen in verschiedene Regionen Chinas.

Mich erstaunt immer wieder, wie klein das Wissen und das Interesse für die kulturellen und historischen Hintergründe  der Traditionellen Chinesischen Medizin bei vielen Menschen ist, die TCM im Westen anbieten oder konsumieren.  Solches Hintergrundwissen scheint mir unverzichtbar, wenn man eine Methode einordnen will.

Der Vortrag von Hanjo Lehmann dürfte hier wohl  wertvolle Informationen liefern.

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Veranstaltungstipp Zürich: Vortrag von Paul U. Unschuld am 3. Oktober 2013

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Am 3. Oktober 2013 spricht Paul U. Unschuld in Zürich zum Thema „Die Grenzen von Skepsis und Vertrauen“.

Der deutsche Sinologe und Medizinhistoriker hat sich um die Vermittlung der traditionellen chinesischen Medizin und Pharmakologie an die westliche klassische Medizin Verdienste erworben.

Sein Vortrag in Zürich hat folgende Thematik zum Inhalt:

«Chinesische Medizin» war in ihrer Vorstellung vom Aufbau des Organismus und der Eigenart von Kranksein und Gesundheit eng mit den politischen Realitäten der chinesischen Antike und der Sozialphilosophie eines Teils der seinerzeitigen chinesischen Intellektuellen verbunden. Gegenwärtig wird die so genannten Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in westlichen Industrienationen als legitime Fortsetzung jener antiken Heilkunde praktiziert, obschon sie sich sehr weit von den chinesischen Ursprüngen entfernt hat.

Zwei zentrale gesundheitspolitische Fragen lauten deshalb: Wie ist mit einer Heilkunde umzugehen, die das Vertrauen zahlreicher Menschen gefunden hat, obwohl sie zum einen wissenschaftlich nicht legitimierbar ist und zum anderen auf Grund einer kreativen Rezeption auch nur noch sehr begrenzt beanspruchen kann, in der Tradition der chinesischen Medizin zu stehen. Kann man verlangen, dass Menschen angesichts existentieller Bedrohung durch Kranksein, Behinderung oder gar der Möglichkeit frühen Todes «rational» handeln, oder müssen wir anerkennen, dass auch die Emotionalität in solchen Situationen das Verhalten lenkt?

Die Veranstaltung wird von den Skeptikern Schweiz zusammen mit dem Universitären Forschungsschwerpunkt Asien und Europa der Universität Zürich durchgeführt.

Datum, Zeit: 3. Oktober 2013, 18:30 – 21:30 Uhr (Türöffnung 18:00)

Ort: Universität Zürich, Raum HAH E-11, Häldeliweg 2, 8044 Zürich

Eintritt: Freiwilliger Unkostenbeitrag

Quelle: www.skeptiker.ch

Kommentar:

Ich finde die Publikationen von Paul U. Unschuld sehr anregend, vor allem „Was ist Medizin – Westliche und östliche Wege der Heilkunst“, aber auch die kleine Einführung „Chinesische Medizin“, beide aus dem C. H. Beck Verlag.

Daher nehme ich an, dass auch sein Vortrag interessant sein wird.

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Greenpeace: TCM-Kräuter stark mit Pestiziden belastet

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Kräuter der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seien stark mit Rückständen von Pestiziden belastet. Das schreibt Greenpeace in einer Mitteilung.

Die Umweltorganisation erklärt, dass die gesetzlichen Höchstmengen in hohem Maß überschritten werden.

Regelrechte Pestizidcocktails seien in 32 von 36 Proben gefunden worden – mit mehr als drei Wirkstoffen pro Probe.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufe einige der Pestizidwirkstoffe als höchst gefährlich ein, denen Verbraucher der TCM in Deutschland ausgesetzt seien. Das ist das Resultat einer Untersuchung, die Greenpeace in Auftrag gegeben hat. Die Proben dafür stammten aus Deutschland, Großbritannien, Kanada, Frankreich, USA, Italien und den Niederlanden.

Bereits das zweite Mal bekommen die TCM von Greenpeace derart schlechte Noten. In China, dem Ursprungsland der Produkte, hatte Greenpeace vor kurzem ähnlich alarmierende Pestizidrückstände festgestelt. In Deutschland fand Greenpeace 38 unterschiedliche Pestizide in gerade mal fünf Proben. In 23 Fällen überstiegen die gefundenen Rückstände die gesetzliche Höchstmenge. Drei der untersuchten TCM- Produkte hätten gar nicht verkauft werden dürfen.

Bei Menschen, die über einen längeren Zeitraum Pestizidrückstände mit der Nahrung einnehmen, können sich die toxischen Chemikalien im Organismus ansammeln. Das kann zu chronischen Vergiftungen führen, die unter anderem Lernschwierigkeiten, Hormonstörungen oder Fortpflanzungsanomalien zur Folge haben können.

Die aktuellen Pestizidfunde zeigen nach Ansicht von Greenpeace, dass in der Landwirtschaft zu viele giftige Chemikalien zum Einsatz kommen. Das treffe den Menschen, belaste aber auch wichtige Nutztiere wie zum Beispiel Bienen, die bei der Bestäubung von Pflanzen unersetzlich sind.

Während importierte Spezialprodukte wie chinesische Heilkräuter noch stark mit Pestiziden belastet sind, ist Obst und Gemüse laut Greenpeace inzwischen ziemlich sauber: In Deutschland werde bei weniger als fünf Prozent die gesetzliche Höchstmenge überschritten.

Quelle:

http://www.greenpeace.de/themen/chemie/nachrichten/artikel/chinesische_heilkraeuter_in_deutschland_mit_pestiziden_belastet/

Kommentar & Ergänzung:

Pestizidrückstände in TCM-Kräutern sind schon seit Jahren ein Thema und es ist davon auszugehen, dass die Situation in der Schweiz nicht besser ist als in Deutschland.

Ein ähnliches Problem gibt es mit Ayurveda-Heilmitteln bezüglich übermässiger Belastung mit Schwermetallen:

„Schwermetalle, besonders Blei, verunreinigen nicht selten Medikamente traditioneller indischer Medizinrichtungen; über Vergiftungen durch ayurvedische Medikamente gibt es medizinische Berichte. Offenbar kontrollieren einige Hersteller in Indien die unter Verwendung von Pflanzenaschen gewonnenen Präparate nicht ausreichend auf Schwermetallbelastungen. In einem dargestellten Fall wurden sieben Monate lang Weihrauchpillen aus Indien gegen chronische Polyarthritis eingenommen und führten zum Bild einer schweren Blei-Intoxikation mit Verdauungsstörungen, hämolytischer Anämie und Lähmungen bei einem Bleigehalt des Blutes von 852 µg/l; der obere Grenzwert ist 100 µg/l.[6] Stichproben des ARD-Magazins Plusminus ergaben 2006 und 2007 mehrmals giftige Konzentrationen von Arsen und Quecksilber.“

(Quelle: Wikipedia)

Sicherer ist es jedenfalls, einheimische Kräuter aus kontrolliert-biologischem Anbau vorzuziehen.

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Vogelgrippe in China: TCM-Heilmittel Färberwaid boomt

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Gegen das in Ostchina aufgetretene Vogelgrippevirus H7N9 versuchen sich offenbar zahlreiche Chinesinnen und Chinesen mit der Wurzel des Färberwaids zu schützen. Die Färberwaidwurzel (chinesisch Banlangen) ist in Geschäften in Shanghai und in den Provinzen Jiangsu, Zhejiang und Anhui vielerorts ausverkauft.

Der in den gemäßigten Breiten ganz Eurasiens heimische Färberwaid (Isatis tinctoria) hat seine ehemals große Bedeutung als Färberpflanze („europäischer Indigo“) verloren. In China spielt er jedoch noch eine wichtige Rolle als Heilpflanze. Die Wurzel wird gegen Fieber („Hitze im Blut“) und fiebrige Infektionen im Hals-Rachen-Bereich eingesetzt, also beispielsweise bei Angina, Tonsillitis oder Grippe. Die Nachfrage nach Banlangen ist teilweise auf das Zehnfache gestiegen.

Der Preis für eine Packung banlan-gen liegt bei rund  9 bis 10 Yuan (ca. 1,10 bis 1,20 Euro. Die Preiskontrollbehörde in Nanjing (Provinz Jiangsu) hat aber nun ein Preismoratorium für sämtliche Medikamente der traditionellen chinesischen Medizin verfügt, solange eine Epidemie der Vogelgrippe droht. Damit sollen Preissteigerungen aufgrund der Vogelgrippe verhindert werden.

Obwohl die postulierten Wirkungen der Färberwaidwurzel nicht durch experimentelle Untersuchungen belegt sind, empfiehlt das Gesundheitsamt der Provinz Jiangsu deren Anwendung gegen das H7N9-Virus, zumal auch synthetische Virustatika hier wenig ausrichten können.

Quelle:

http://german.china.org.cn, Meldung vom 11.4.2013

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2013/04/11/mit-waid-gegen-vogelgrippe/9841.html

Kommentar & Ergänzung:

Der Färberwaid gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und er enthält deshalb auch die für diese Familie charakteristischen Glukosinolate (Senfölglykoside). Viele Vertreter dieser Wirkstoffgruppe zeigen gute antimikrobielle Eigenschaften, vor allem gegen Bakterien und Pilze, teilweise wohl auch gegen Viren. Ob von diesem Färberwaid-Präparat der Traditionellen Chinesischen Medizin eine Wirkung auf das Vogelgrippevirus zu erwarten ist, dazu gibt es allerdings keine Belege.

Glukosinolate mit antimikrobieller Wirkung sind auch bekannt aus der Meerrettichwurzel und aus der Kapuzinerkresse.

Siehe dazu auch:

Phytotherapie: Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt

Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1

Glukosinolate aus Brokkoli & Co im Fokus der Forschung

Senfölglykoside gegen Infektionen

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Glukosinolate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen

Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Phytotherapie: Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zur Wirkung von Chinakraut / Wilfords Dreiflügelfrucht bei Rheumatoider Arthritis

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Chinakraut (Tripterygium wilfordii) wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin zur Behandlung diverser Autoimmunerkrankungen eingesetzt.

Extrakte der Wurzeln, nicht der Frucht, zeigen entzündungshemmende und immunsuppressive Effekte.

In vitro – also im Reagenzglas – hemmen Extrakte der Pflanze die Freisetzung von TNFα, IL-2, und INFγ. Sie blockieren die Prostaglandin-Bildung durch Hemmung der COX-2.

Auch suppressive Wirkungen auf Adhäsionsmoleküle wie E-Selectin und Interzelluläres Adhäsions-Molekül (ICAM) wurden beschrieben. Weit mehr als 100 Inhaltsstoffe wurden bisher isoliert und zum Teil charakterisiert.

Für die in vitro belegten Glucocorticoid-ähnlichen Wirkungen werden hauptsächlich die Diterpenoide Triptolid und Tripdiolid sowie das sehr potente Chinontriterpen Celastrol verantwortlich gemacht.

In insgesamt sieben, teilweise auch Sulfasalazin-kontrollierten Studien mit bis zu 121 Patienten wurde über eine signifikante Verbesserung von Gelenkschwellungen, Schmerz, Morgensteifigkeit und Funktionseinschränkungen vor allem bei Rheumatoider Arthritis berichtet.

China-Kraut bzw. Wilfords Dreiflügelfrucht enthält mit Triptolid und Celastrol pharmakologisch hochwirksame Inhaltsstoffe. Es handelt sich um ein klinisch wirksames Antiphlogistikum (Entzündungshemmer) mit Glucocorticoid-ähnlicher immunsuppressiver Wirkung, das mit zahlreichen Zytokinen. China-Kraut weist allerdings ein relativ hohes Nebenwirkungspotential auf.

Relativ oft traten dabei jedenfalls Nebenwirkungen auf wie Durchfälle, Übelkeit, Dyspepsie und abdominale Schmerzen, Amenorrhoe, Osteoporose und Reizungen der Schleimhäute.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?type=0&id=40814

Kommentar & Ergänzung:

China-Kraut ist also ein Entzündungshemmer mit Glucocortikoid-ähnlicher Wirkung, hat aber auch ein hohes Risiko für Nebenwirkungen. So die Meldung.

Das mit dem Nebenwirkungsrisiko ist nicht überraschend. Schliesslich kann man davon ausgehen:

Keine Wirkung – keine unerwünschten Nebenwirkungen;

Milde Wirkung – geringes Risiko für ernste Nebenwirkungen;

Starke Wirkung – deutliches Risiko für ernsthafte Nebenwirkung.

Mag sein, dass es von dieser Regel auch Ausnahmen gibt, aber überwiegend dürfte sie zutreffen. Wenn eine Arznei eben beispielsweise ähnliche Effekte hat wie Kortison, muss auch potenziell mit unerwünschten Nebenwirkungen ähnlicher Art gerechnet werden.

Das Beispiel Chinakraut zeigt aber auch: Nicht alles, was eine Tradition von hunderten von Jahren beansprucht, ist sanft und harmlos. Es ist nämlich kaum anzunehmen, dass in der langen (und heterogenen) Tradition  in China systematisch nach Nebenwirkungen gesucht worden wäre. Systematische Pharmakovigilanz ist eine ziemlich neue Entwicklung.

Es gibt wertvolle Heilpflanzen im der chinesischen  Arzneikunde, aber auch viele unwirksame und risikobehaftete Kräuter. Und über den grössten Teil der chinesischen Heilkräuter fehlen ganz einfach gesicherte Erkenntnisse. Von tierischen Heilmitteln wie Nashorn-Horn, getrocknete Ameisen, Saiga-Antilopen-Horn oder Bärengalle einmal ganz abgesehen.

Siehe:

China: Widerstand gegen Entnahme von Bärengalle steigt

Saiga-Antilope durch TCM-Heilmittel bedroht

Traditionelle Medizin bedroht Nashörner

Tradition allein ist noch keine Bestätigung, weil Tradition sich sehr häufig auch irrt.

Siehe:

Komplementärmedizin – hat Tradition recht?

Es braucht sorgfältige Auseinandersetzung mit traditionellen Heilmethoden, damit sich klären lässt, welche Empfehlungen sinnvoll sind und welche nicht.

Und es ist oft sehr anspruchsvoll, Überlieferungen aus Kulturkreisen, die uns wie der chinesische sehr fremd sind, zu übersetzen und zu deuten. Wenn beispielsweise in dieser Meldung steht, dass Wilfords Dreiflügelfrucht in der Traditionellen Chinesischen Medizin gegen Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird, dann ist das zumindestens fragwürdig. Es spricht nämlich sehr viel dafür, dass die Traditionelle Chinesische Medizin das Konzept der Autoimmunkrankheiten, so wie es heute definiert ist, nicht gekannt hat. Wir unterstellen hier rasch Ähnlichkeiten, die nur in unserem Kopf existieren.

Die Phytotherapie nimmt auch traditionelle Heilpflanzen aus allen Weltgegenden auf, sofern die Wirksamkeit und Sicherheit ausreichend dokumentiert ist. Beispiele sind Ginkgo biloba (Asien), Teufelskralle (Afrika) oder Hamamelis (Nordamerika).

Bevor Chinakraut (möglicherweise) in die westliche Phytotherapie integriert werden kann, braucht es noch vertiefte Studien und viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Es braucht beispielsweise standardisierte Extrakte mit gleichbleibendem Wirkstoffgehalt und einen Prozess der Dosisfindung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Saiga-Antilope durch TCM-Heilmittel bedroht

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Die Saiga-Antilope (Saiga tatarica)  sieht aus wie ein Phantasietier –  eine Mischung aus Antilope und Elefant oder Schildkröte.

Foto auf Wikipedia

Der Lebensraum dieser Tierart liegt in Russland, Zentralasien und der Mongolei, während sie in China nicht mehr vorkommt. Doch gerade in China ist sie beliebt, denn ihren gedrehten Hörnern wird eine heilsame Wirkung zugeschrieben. Wie das Magazin „Asian Scientist“ schreibt, wird das Horn der Tiere auf zahlreichen Märkten für Traditionelle Chinesische Medizin angeboten, auch im Stadtstaat Singapur. Neuerdings finde sich das Hornpulver sogar in Erfrischungsgetränken, die angeblich Fieber senken sollen.

Wie es in der Zeitschrift heißt, gehört die Saiga-Antilope zu den bedrohten Tierarten. Die Händler wüssten nicht, dass die wilden Tiere ihres Horns wegen getötet würden. Sie nähmen an, dass die Antilopen aus einer Zucht stammen und ihr Horn ohnehin verlören, so wie Hirsche ihr Geweih.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=135068

http://www.asianscientist.com/topnews/chinese-tcm-cooling-drinks-endangered-saiga-antelope-horns-2012/

Kommentar & Ergänzung:

Die Saiga-Antilope droht auszusterben, weil ihre Hörner in der Traditionellen Chinesischen Medizin als so wertvoll gelten. Sie erzielen hohe Preise, die mit denjenigen der Hörner des Nashorns vergleichbar sind.

Der WWF schreibt zur Bedrohungslage:

„Die bernsteinfarbenen, 20 bis 50 Zentimeter langen Hörner sind eine weitere Besonderheit der Saiga. Sie wurden ihnen zum Verhängnis, da sie in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) begehrte Mittel gegen Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit sind. Unkontrollierte und illegale Jagd dezimierte die Bestände innerhalb von nur 20 Jahren auf ein zwanzigstel der ursprünglichen Größe. Da nur die männlichen Tiere Hörner tragen, werden sie bevorzugt gejagt. Die Folge sind Populationen, in denen das Geschlechterverhältnis heute so stark verschoben ist, dass auf ein Männchen hundert Weibchen kommen.“

Quelle: http://wwf-arten.wwf.de/detail.php?id=170

Wikipedia fasst die Situation so zusammen:

„Seit den 1970er Jahren sanken die Bestandszahlen jedoch abermals drastisch durch Lebensraumverlust, schlechtes Management, zu starke Bejagung und Wilderei. Der Zusammenbruch der Sowjetunion hat zusätzlich dafür gesorgt, dass die Schutzbestimmungen nicht mehr eingehalten wurden. Weil in der Traditionellen Chinesischen Medizin eine starke Nachfrage nach den angeblich heilsamen Hörnern der Männchen besteht und die Käufer extrem hohe Preise zu zahlen bereit sind, brachen alle Bestände durch Wilderei in einem Maß ein, das kaum für möglich gehalten worden war. Weil es in ganzen Regionen keine Männchen mehr gab, konnten sich die Tiere nicht vermehren und blieben ohne Nachkommen. Allein in Kasachstan gingen binnen weniger Jahre die Bestände von 1,2 Millionen auf 30.000 zurück. Die Gesamtpopulation der nominalen Unterart (Saiga tatarica tatarica) wurde um das Jahr 2000 auf 26.000 geschätzt, was die IUCN dazu veranlasste, 2002 den Status der Unterart und damit gleichzeitig die gesamte Art von lower risk (gering gefährdet) auf critically endangered (vom Aussterben bedroht) zu ändern. Derzeit finden sie sich nur noch in der russischen Kalmückensteppe und in drei Gebieten Kasachstans. In China und der südwestlichen Mongolei ist sie ausgestorben.“

Bisher gibt es offenbar keinerlei Belege für die Wirksamkeit des Saiga-Horns gegen Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit. Es dürfte sich hier um einen Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss handeln.

Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit verschwinden in den meisten Fällen auch von selbst wieder. Verabreicht man ein Heilmittel, ist eine hohe Erfolgsquote garantiert,

weil diese spontane Besserung fast immer dem Mittel „gutgeschrieben“ wird.

Fazit: Tradition hat nicht immer Recht.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Ungesunde TCM-Kräuter

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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