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Quittensirup bei Schwangerschaftsübelkeit?

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Die Carstens-Stiftung beschreibt eine iranische Studie, wonach Quittensirup schwangerschaftsinduzierte Übelkeit besser reduziert als standardmäßig verabreichtes Vitamin B6. Das ist interessant, wirft aber auch einige Fragen auf.

Acht von zehn Schwangeren leiden an Übelkeit und Erbrechen und bei besonders stark ausgeprägtem Verlauf spricht man von Hyperemesis gravidarum. Der anhaltende Brechreiz kann mehrmals täglich zur Erbrechen und infolgedessen zu teils gravierendem Flüssigkeits- und Nährstoffverlust führen. Eine Anpassung der Ernährung, der Ausgleich des entstehenden Flüssigkeits- und Nährstoffmangels und die Behandlung der Symptome mittels medikamentöser Verfahren sowie eine Vitamin B6-Supplementierung (Pyridoxin) zählen zur Standardbehandlung der Hyperemesis gravidarum. Da vor allem in der frühen Schwangerschaftsphase wegen möglicher Komplikationen und Schädigungen des ungeborenen Kindes auf synthetische Arzneimittel möglichst verzichtet werden sollte, wird zunehmend auf pflanzliche Mittel wie z.B. Pfefferminze und Ingwer zurückgegriffen, um die Schwangerschaftsübelkeit zu reduzieren

Unbekannt ist bei uns bisher die Anwendung von Quittensirup.

In der Traditionellen Iranischen Medizin wird die Quitte unter anderem als Magentonikum zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen sowie als Mittel zur Appetitanregung empfohlen. Auf dieser Basis führten iranische Wissenschaftler eine Studie durch, um die Wirkung von Quittensirup im Vergleich mit Vitamin B6 bei Frauen mit Schwangerschaftsübelkeit zu untersuchen. Die Studie wurde an fünf klinischen Zentren in Teheran und Qom durchgeführt. Aufgenommen wurden 90 Frauen in der Gestationsphase zwischen der 6. bis 14. Woche und einer therapiebedürftigen, schwangerschaftsinduzierten Übelkeit von 3 bis 12 Punkten auf der PUQE-Skala (PUQE = Pregnancy-Unique Quantification of Emesis) mit und ohne Erbrechen. Per Zufallsprinzip wurden die Studienteilnehmerinnen in eingeteilt und bekamen über die Therapiephase von einer Woche dreimal täglich jeweils vor den Mahlzeiten entweder einen Esslöffel des eigens für die Studie hergestellten Quittensirups oder aber eine Tablette mit einem Gehalt von 20 mg Vitamin B6 pro Einheit.

Die Einnahme zusätzlicher Arzneimittel war nicht gestattet. Darüber hinaus wurden die Probandinnen zu einer Vermeidung von fettem Essen und dem Verzehr regelmäßiger kleiner Mahlzeiten angehalten. Während der einwöchigen Therapiephase und der nachfolgenden, ebenfalls siebentägigen Nachbeobachtungszeit dokumentierten die teilnehmenden Frauen mittels PUQE-24-Fragebogen die Dauer, Häufigkeit und Intensität ihrer Übelkeit und des auftretenden Erbrechens. Ausserdem wurden die Probandinnen zur Erfassung auftretender Nebenwirkungen angehalten.

In die Auswertung flossen Daten von 76 Patientinnen ein. In der Quittensirup-Gruppe konnte im Vergleich mit der Vitamin B-Gruppe nach 7 Tagen schon eine klinisch signifikante Besserung um rund 4,3 Punkte auf der PUQE-Skala festgestellt werden, die noch eine Woche nach Beendigung der Behandlung anhielt. In der Vitamin B6-Gruppe betrug die Punktedifferenz nach 7 Tagen lediglich 1,1 Punkte – mit sinkender Tendenz nach 14 Tagen. Zudem wiesen die Probandinnen der Quittensirup-Gruppe zu Studienbeginn eine höhere Punktezahl auf der PUQE-Skala auf (9.55, Standardabweichung 2.05) als die Frauen in der Vitamin B-Gruppe (8.44, Standardabweichung 1.87). Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Quittensirup-Intervention sich auch bei schwereren Verläufen erfolgreich ist. Keine der teilnehmenden Frauen klagte über das Auftreten von Nebenwirkungen.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/gar-nicht-uebel-quittensirup-bei-schwangerschaftsuebelkeit.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28631509

 

Kommentar & Ergänzung:

Da Schwangerschaftsübelkeit für die betroffenen Frauen oft eine starke Belastung ist und Quittensirup ein billiges und darüber hinaus gesundes Mittel, kann diese Studien aus dem Iran berechtigtes Interesse wecken. Jedenfalls sind mir keine Gründe bekannt, die gegen einen Versuch mit Quittensirup sprechen würden.

Die Studie ist allerdings mit 90 teilnehmenden Frauen ziemlich klein, was ihre Aussagekraft einschränkt. Wir treffen hier auf ein Problem, das in der Forschung mit Naturheilmitteln oft vorkommt:

Für eine grosse, beweisende Studie, die entsprechend teuer und aufwendig ist, wird sich kaum ein Sponsor finden, wenn das untersuchte Produkt nicht patentierbar sondern billig im Haushalt herzustellen ist. Bei solchen Hausmitteln fehlt einfach oft (und ökonomisch nachvollziehbar) das kommerzielle Interesse für Investitionen in die Forschung.

Fragen wirft auch der Vergleich von Quittensirup versus Vitamin B6-Gabe auf.

Die Wirksamkeit von Vitamin B6 bei Schwangerschaftsübelkeit ist selber nicht zweifelsfrei geklärt. Pharmawiki schreibt dazu:

„Die Verwendung von Pyridoxin gegen Übelkeit geht vermutlich auf kleine, unkontrollierte Studien aus den 1940er Jahren zurück (z.B. Willis et al., 1942). Moderne Zulassungsstudien sind nicht verfügbar. Wir haben in der neueren wissenschaftlichen Literatur lediglich zwei kleine randomisierte und placebokontrollierte klinische Studien aus den 1990er Jahren identifiziert, ausschliesslich in der Indikation Schwangerschaftserbrechen (Sahakian, 1991; Vutyavanich, 1995). Aus unserer Sicht gibt es Hinweise für eine mögliche Wirksamkeit, sauber wissenschaftlich nachgewiesen ist sie bisher jedoch nicht. Ein Therapieversuch ist aufgrund der guten Verträglichkeit möglich.“

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Pyridoxin%20gegen%20Übelkeit

 

Und die Pharmazeutische Zeitung verweist auf eine Cochrane-Metaanalyse:

„Forscher der Cochrane Collaboration haben in einer aktuellen Übersichtsarbeit Studien zu Arzneimitteln zusammengefasst, die bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft empfohlen werden. Ihr Fazit: In Anbetracht der hohen Prävalenz der Beschwerden ist die Studienlage erstaunlich schlecht. So fanden sich beispielsweise für die vielfach empfohlenen Ingwer- oder Pyridoxinpräparate nur sehr wenige Daten aus qualitativ hochwertigen klinischen Studien. Ingwer und Pyridoxin (Vitamin B6) scheinen aber besser als Placebo morgendliche Übelkeit zu lindern. Bei der Reduktion von Erbrechen zeigte nur Ingwer einen leichten Nutzen, während sich die Symptome mit Vitamin B6 nicht eindeutig verbesserten.“

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=36523

Wenn für die Vergleichsgruppe mit der Vitamin B6-Gabe eine Intervention gewählt wird, die selber nicht eindeutig in ihrer Wirksamkeit ist, dann kann der Quittensirup diese Vergleichgruppe verhältnismässig leicht übertreffen. Aussagekräftig wäre zudem eine dritte Gruppe gewesen, die ein Placebo bekommen hätte.

Aber eben, das ist alles auch eine Frage der Ressourcen.

Interessant schein mir noch die überlegung, welcher Wirkungsvorgang der Anwendung von Quittensirup bei Schwangerschaftsbelkeit zugrunde liegen könnte.

Die Quittenfrucht enthält „viel Vitamin C, Kalium, Natrium, Zink, Eisen, Kupfer, Mangan und Fluor, Tannine (Catechin und Epicatechin), Gerbsäure, organische Säuren, viel Pektin und Schleimstoffe.“ (Quelle: Wikipedia)

Am interessantesten scheinen mit hier Pektin und Schleimstoffe zu sein. Sie könnten möglicherweise über eine Eindickung der Nahrung dem Erbrechen entgegenwirken. Das kennt man auch von Johannisbrotkernmehl (z. B. als Nestargel) gegen Erbrechen bei Säuglingen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde werden eher die reifen Quittensamen verwendet. Unzerkleinerte Quittensamen nutzt man für die Zubereitung eines Schleims, der gegen Hustenreiz, als mildes Abführmittel und gegen Entzündungen von Haut und Schleimhäuten eingesetzt wird.

Quittensirup gibt es meines Wissens nicht als Fertigprodukt zu kaufen, doch existieren viele Rezepte zur Zubereitung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Weidenröschen bei gutartiger Prostatavergrösserung

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Das „Weidenröschen“ wird in der Pflanzenheilkunde empfohlen als Mittel gegen die Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie, BPH), wobei in Apotheken und Drogerien oft ausdrücklich das „Kleinblütige Weidenröschen“ (Epilobium parviflorum) verlangt wird.

Mag. pharm. Dr. Siegrun Gerlach hat in der Zeitschrift „PHYTO Therapie“ (2/2016) der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie interessante Informationen dazu publiziert, von denen ich hier einige weitergeben möchte, ergänzt mit eigenen Bemerkungen.

Das Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) der Europäischen Arzneimittelbehörde (European Medicines Agency – EMA) hat im November 2015 die Monographie „Epilobium angustifolium L. und/ oder Epilobium parviforum Schreb., herba“ veröffentlicht.

Die Publikation einer Monographie bedeutet die Anerkennung als traditionell verwendete Heilpflanze und damit die Möglichkeit einer Registrierung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel in der EU (traditionelle pflanzliche Arzneimittel sind vom Wirkungsnachweis befreit).

Die Empfehlung von gezielt kleinblütigen Arten ist auf die österreichische Kräuterbuchautorin Maria Treben zurück zu führen, die allerdings bei der Bestimmung der Weidenröschenarten nicht sehr genau war. So ist nicht klar, ob sie wirklich die botanische Art „Kleinblütiges Weidenröschen“ (Epilobium parviflorum) empfehlen wollte oder einfach alle kleinblütigen Weidenröschenarten.

Eine Diplomarbeit an der Universität Wien (Lachinger 2004) konnte in der Zwischenzeit aufzeigen, dass die Inhaltsstoffe und deren Konzentration der in Österreich vorkommenden Weidenröschenarten vergleichbar sind.

Die von Maria Treben getroffene Unterscheidung der „kleinblütigen“ Weidenröschenarten als wirksam und der „großblütigen“ als unwirksam lässt sich nach diesen Resultaten nicht nachvollziehen.

Auf der Suche nach wirksamen Inhaltsstoffen der Weidenröschen glaubte man in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts bei den Flavonoiden fündig geworden zu sein. Das sind in Epilobium parviflorum und verwandten Weidenröschenarten:

Quercetin, Myricetin und Kämpferol, sowie die entsprechenden Glykoside, in Mengen von 1 – 2 Prozent. Als Prostaglandinsynthese-Hemmer können diese Inhaltsstoffe potenziell entzündungshemmend wirken.

Das Institut für Pharmakognosie der Universität Graz beschäftigte sich ausgiebig mit der Flavonoidfraktion aus Weidenröschenarten. Hiermann et al. stellten im Labor fest, dass Myricetin-3-O-glucuronid aus Epilobium bis zu 500mal stärker entzündungswidrig wirkt als der synthetische Wirkstoff Indomethacin.

Als weitere Inhaltsstoffe wurden in Weidenröschen bis zu 0,55 Prozent Phytosterole (β-Sitosterol, Sitosterolglucoside und Sitosterolester) gefunden. Diese Stoffgruppe gilt als wirksamkeitsmitbestimmend bei der Anwendung von Kürbissamen, Sägepalmenfrüchten und Brennnesselwurzel bei der gutartigen Prostatavergrösserung, was eine Anwendung von Weidenröschen bei der gleichen Indikation plausibel erscheinen lässt.

Einige Jahre später wurde dann die erste Arbeit publiziert, in der Oenothein A und B als Wirkstoffe vorgestellt wurden (Lesuisse et al., 1996).

Diese Gallussäurederivate (hydrolysierbare Tannine), strukturell in die Gruppe der Gerbstoffe einzuordnen, lassen sich in Mengen von 4 – 14 Prozent in Epilobium finden. In der Studie wurden verschiedene Inhaltsstoff-Fraktionen aus Weidenröschen hinsichtlich ihrer 5α-Reductase- Hemmwirkung getestet, wobei sich Oenotheine als die wirksamsten Substanzen erwiesen. 5α-Reductase- Hemmer sind etablierte Medikamente bei gutartiger Prostatavergrösserung (z.B. Finasterid, das aber beträchtliche Nebenwirkungen haben kann).

Oenotheine wurden weiter im Labor (=in vitro) untersucht. Dabei zeigte sich, dass sie nicht nur 5α-Reductase-Hemmstoffe sind, sondern in vitro auch Aromatase-Hemmstoffe.

Die Kombination der Prostaglandinsynthese-Hemmung durch Flavonoide mit der 5α-Reductase- und Aromatase-Hemmung durch Oenotheine macht den Einsatz von Weidenröschen bei benigner Prostatahyperplasie plausibel.

Die Autorin Siegrun Gerlach geht in ihrem Beitrag abschliessend noch auf Hürden für eine zukünftige Vermarktung von Weidenröschen ein:

„1. Ist nur die Anwendung als Tee traditionell belegt. „Weidenröschenextrakt“ als Basis einer galenischen Zubereitung würde, vielen europäischen Zulassungsbehörden zufolge, eine Vollzulassung mit klinischen Studien bedeuten und somit (weil teuer) unrentabel wer- den. Und 2.: Ob der Name „Weidenröschen“ sich gut als Männerarznei vermarkten ließe, wurde schon angezweifelt.“

Neben Kürbissamen, Sägepalmenfrüchten und Brennnesselwurzel stellt die Anwendung von Weidenröschenkraut nach Ansicht der Autorin eine interessante Option bei der Behandlung der BPH dar und bereichert den pflanzlichen Arzneischatz.

Quelle:

PHYTO Therapie 2|16

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0216.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Am interessantesten ist für mich die Bestätigung, dass die Inhaltsstoffe der verschiedenen Weidenröschenarten sich nicht wesentlich unterscheiden. Damit ist es plausibel, dass auch das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) verwendet werden kann, wenn Weidenröschentee gewünscht wird. Das Schmalblättrige Weidenröschen ist zudem häufiger und eindeutiger zu bestimmen als das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum).

Zum Schmalblütigen Weidenröschen beschreibt Siegrun Gerlach im übrigen eine interessante Anwendung als Tee in östlichen Ländern:

„Die frischen oder getrockneten Blätter des Schmalblättrigen Weidenröschens (Epilobium angustifolium) wer- den besonders in östlichen Ländern zur Bereitung eines wohlschmeckenden Tees verwendet (Koptischer Tee, Ivans Tee, Kapor Tee), der u. a. auch zur Behandlung von gastrointestinalen Beschwerden empfohlen wird.“

Bezüglich der Wirksamkeit von Weidenröschentee bei gutartigen Prostatabeschwerden überzeugt mich der Artikel allerdings nicht.

Maria Treben ist keine verlässliche Empfehlerin. Ihre Bücher sind voll von falschen, unsinnigen und gefährlichen Angaben.

Und die Resultate der Laboruntersuchungen zu den Inhaltsstoffen sind zwar interessant, sagen aber wenig Handfestes aus. Schön, wenn Flavonoide in vitro (= im Reagenzglas) entzündungswidrig wirken. Aber werden sie bei peroraler Anwendung auch in relevanter Menge aufgenommen in den Körper und erreichen sie in der Prostata wirklich eine Konzentration, die Entzündungen hemmt?

Desgleichen bei den Oenotheinen als 5α-Reductase-Hemmstoffe und Aromatase-Hemmstoffe – im Labor. Und wenn Oenotheine strukturell zu den Gerbstoffen gerechnet werden, dann ist es wohl nicht unwesentlich, dass Gerbstoffe im Allgemeinen kaum resorbiert werden.

Zum Gehalt an Phytosterolen in den Weidenröschen ist anzumerken, dass er mit bis zu 0,55% verhältnismässig gering ist (Kürbissamen: etwa 1 %). Laut klinischen Studien braucht es als Initialtherapie bei BPH 60mg Phytosterol pro Tag und für Langzeittherapie 30 mg pro Tag. Rechnet man mit diesen bis zu 0,55 Prozent, hat es 60 mg Phytosterole in rund 11 g Weidenröschenkraut und 30 mg in rund 5,5 g.

Die Monografie des Monografie des HMPC gibt als Tagesdosis an: 1,5 – 2,0 g Weidenröschenkraut / 250 ml Wasser als Aufguss, 2 x täglich, 1 Teelöffel entspricht rund 0,8 g.

Damit kommt man nicht ganz auf die 5,5 g Weidenröschenkraut, in denen die für Langzeittherapie nötigen 30 mg Phytosterole grundsätzlich vorhanden sein sollten. Aber: Phytosterole sind kaum wasserlöslich. Sie werden nicht oder nur zu einem sehr kleinen Teil ins Teewasser übergehen. Daher ist es fragwürdig, bei einer Heilpflanze, die als Kräutertee angewendet wird, mit Phytosterolen zu argumentieren.

Dazu kommt noch: Bei normaler, westeuropäischer Ernährung werden täglich 160–360 mg an Phytosterolen aufgenommen. Ob da eine zusätzliche Gabe von 30 mg noch einen Einfluss ausübt, kann als fraglich angesehen werden.

Fazit: Über die Wirksamkeit von Weidenröschentee gegen gutartige Prostatavergrösserung lässt sich so gut wie nichts Sicheres aussagen. Entscheidend wäre die Bestätigung der Wirksamkeit in klinischen Studien mit BPH-Patienten. Solche Studien gibt es aber nicht. Und leider – Siegrun Gerlach spricht das in ihrem Text an – wird es sie auch wohl kaum je geben. Für nicht patentierbare Arzneimittel wie Weidenröschentee und Weidenröschenextrakt lohnt es sich für keine Firma, mit der grossen Kelle in Forschung zu investieren.

Aber das ist natürlich ein Fazit, das kaum jemand hören will.

Dass Männer den Weidenröschentee aufgrund des Namens ablehnen, kann ich mir nicht recht vorstellen. Nicht ganz einfach dürfte es dagegen sein, ältere Männer dafür zu motivieren, 2 – 3 mal täglich eine Tasse Kräutertee zu trinken – und das über 6 bis 12 Monate. Die Studien mit pflanzlichen Prostatamitteln haben nämlich gezeigt: Falls sich eine Wirksamkeit besser als Placebo feststellen lässt, zeigt sich der Unterschied erst nach 6 bis 12 Monaten.

Ich selber würde bei Prostatabeschwerden wohl am ehesten Kürbissamen einnehmen, weil sie neben einer möglichen Linderung auch ein gesunder Bestandteil für die Ernährung sind. Als pflanzliches Arzneimittel würde ich ein Kombipräparat mit Brennesselwurzel & Sabalfrüchten (Prostagutt) in Betracht ziehen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schwarztee hemmt Karies

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Das Magazin „Focus“ stellt 10 Irrtümer über Zahnpflege richtig.

Irrtum Nr. 10: „Teetrinken schadet den Zähnen“.

Zitat:

„Schwarzer Tee kann zwar zu unschönen Verfärbungen führen. In dem aromatischen Getränk stecken aber äußerst zahnfreundliche Stoffe. Dazu gehören neben Fluor auch die sogenannten Tannine. Diese Bitterstoffe hemmen das Enzym Amylase, das im Speichel vorhanden ist und Stärke zu kariesförderndem Zucker umwandelt.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/zaehne/vorbeugung/irrtuemer/teetrinken-ist-schlecht-fuer-die-zaehne_aid_15608.html

Kommentar & Ergänzung:

Stimmt wahrscheinlich, dass Schwarztee karieshemmend wirkt, jedenfalls wenn man ihn regelmässig trinkt. Allerdings lösen sich die Tannine nur langsam im Teewasser und man muss den Schwarztee daher lange ziehen lassen, um einen hohen Tannin-Gehalt zu bekommen (8 – 10 Minuten). Ein Genusstee ist das dadurch entstehende Getränk für die meisten Menschen dann aber wohl kaum mehr. Je bitterer der Schwarztee, desto höher der Tannin-Gehalt und desto höher die karieshemmende Wirkung.

Die karieshemmenden Tannine im Schwarztee bewirken zwar eine bittere Geschmacksempfindung, laufen phytotherapeutisch allerdings nicht unter der Wirkstoffgruppe „Bitterstoffe“, sondern unter „Gerbstoffe“. Sie verbinden sich mit Eiweiss. Und weil das Enzym Amylase auch zu den Eiweissen gehört, ist ein karieshemmender Effekt auf diesem Weg denkbar.

Gerbstoffe aus Schwarztee (und aus Grüntee) hemmen zudem die Gluconyltransferase. Mit diesem Enzym produziert das Kariesbakterium Streptococcus mutans Dextrane. Die klebrigen Dextrane helfen dem Bakterium, sich an der spiegelglatten Zahnoberfläche festzumachen. Mindestens ein Teil der Antikaries-Wirkung von Schwarztee und Grüntee dürfte also darauf zurückzuführen sein, dass die plaquebildenden Kariesbakterien weniger gut anhaften können.

Dass Teetrinker weniger unter Karies leiden, dafür sprechen mehrere epidemiologische Studien, wobei meines Wissens vor allem Grüntee erfasst wurde.

Solche Studien haben aber immer einen Haken:

Wenn bei Grüntee-Trinkern weniger Karies auftritt

( = Korrelation, gleichzeitiges Auftreten von zwei Faktoren: Hoher Grünteekonsum, wenig Karies),

…..dann heisst das noch nicht, dass weniger Karies wegen dem Grünteekonsum auftritt (Kausalität).

Es könnte sein, dass ein dritter, unbeachteter Faktor mitspielt, der für den verminderten Kariesbefall verantwortlich ist.

Beispiel: Grünteetrinker konsumieren vielleicht weniger zuckerhaltige Cola. Für den tieferen Kariesbefall könnte dann der Wegfall von Cola-Getränke auslösend sein, und nicht der Grünteekonsum.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hamamelis & Lidocain lindern Beschwerden bei Hämorhoiden

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Die Gerbstoffe, Tannine, Proanthocyanidine und ätherischen Öle aus der Zaubernuss (Hamamelis virginiana) können das Fortschreiten eines Hämorrhoidalleidens verlangsamen. Der Zusatz von Lidocain reduziert die Schmerzen.

Seit zahlreichen Jahren werden Zubereitungen mit dem Phytopharmakon Hamamelis eingesetzt. Die Hamamelis, auch virginische Zaubernuss genannt, ist Bestandteil vieler Cremes und Salben.

Zur Anwendung kommen in der Regel Auszüge (Extrakte) aus Blättern, Zweigen und der Rinde des Strauches. Als Inhaltsstoffe enthalten sie Gerbstoffe, Flavonoide und ätherische Öle. Sie vermindern Juckreiz und bringen leichte Entzündungen der Haut zum Abklingen.

Rinde und Blätter der Hamamelis virginiana wirken zusammenziehend und entzündungshemmend. Sie können Beschwerden bei Hämorrhoiden und oberflächlichen Venenerkrankungen reduzieren.

Auch juckende Hautreaktionen nach einem Insektenstich oder andere juckende Hautausschläge lassen sich durch Hamamelis-Extrakte behandeln.

Die Gerbstoffe findet man allerdings nur in den Hamamelisextrakten, nicht im oft eingesetzten Destillat. Das Wasserdampfdestillat aus den Hamamelis-Zweigen enthält nur ätherische Öle, keine Tannine und keine Gerbstoffe.

Aufgrund des Gehalts an Gerbstoffen ziehen Hamamelis-Extrakte die oberen Gewebeschichten zusammen und steigern die Widerstandfähigkeit der Haut. Hamamelis-Auszüge können so auch kleinere Blutungen stillen und die Wundheilung fördern.

Die Hamamelistannine bilden mit den Eiweissen der Haut oder Schleimhaut Komplexe, welche die Durchblutung in den feinen Kapillargefäßen reduzieren und entzündliche Hautreaktionen abschwächen; unterstützt werden diese Vorgänge durch Hemmung entzündlicher Reaktionen im Zellstoffwechsel.

Proanthocyanidine wiederum steigern die Zellteilung der Keratinozyten und senken den transepidermalen Wasserverlust.

Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte empfahl die äußere Anwendung von Hamamelisblättern und Hamamelisrinde bei leichten Hautverletzungen, lokalen Entzündungen der Haut und der Schleimhäute sowie bei Hämorrhoiden und Krampfaderbeschwerden.

Bei diesen Erkrankungen kommt Hamamelis hauptsächlich in Form von Salben, Lösungen oder Zäpfchen zur Anwendung.

Der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) schließt sich diesen Empfehlungen der Kommission E an, geht aber noch weiter.

Die ESCOP befürwortet auch die innerliche Anwendung der Hamamelisblätter und Hamamelisrinde zur symptomatischen Therapie von Problemen bei Krampfadern sowie Hämorrhoiden.

Bei der Therapie von Hämorrhoiden wird die juckreizstillende, antibakterielle, wundheilungsfördernde und antioxidative Wirkung von Hamamelis virginiana genutzt.

Bei Einhaltung der Dosierungsvorschriften sind keine Interaktionen von Hamamelis-Extrakten mit anderen Medikamenten bekannt. Darum ist auch eine Kombination mit Lidocain oder Derivaten (Quinisocainhydrochlorid) möglich.

Oft wird eine kombinierte Therapie mit Hamamelis und Lidocain empfohlen. Lidocain dämpft, wenn es als Creme, Gel, Paste oder Salbe auf die Haut oder Schleimhaut aufgetragen wird, Schmerzen, Brennen und Juckreiz.

In Zäpfchen und Cremes verarbeitet, bringt Lidocain deshalb Linderung von schmerzhaften Beschwerden bei Hämorrhoiden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/venenerkrankungen/article/816176/hamamelis-lidocain-haemorrhoiden.html?sh=65&h=-1436656583

Kommentar & Ergänzung:

Hamamelis ist eine gut verträgliche Heilpflanze, die kaum Allergien auslöst.

Bei Lidocain dagegen besteht ein Risiko für die Entwicklung von Kontaktallergien.

Lidocain (Handelsnamen zum Beispiel Xylocain) ist ein Lokalanästhetikum (örtliches Betäubungsmittel).

Obwohl die innerliche Anwendung von Hamamelis bei Krampfadern und schweren Beinen von der ESCOP akzeptiert ist, überzeugt mich das nicht so ganz. Innerlich halte ich Rosskastanien (bzw. Aescin), Buchweizenkraut (Rutin) und Rotes Weinlaub (Flavonoide) für geeigneter zur Linderung von Venenbeschwerden, Krampfadern und Hämorrhoiden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Blick ins Pflanzenlexikon: Salbei (Salvia)

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Salbei (Salvia) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Der Name (lateinisch salvare ‚heilen‘) bezieht sich jedoch auch auf den für Küche und Medizin wichtigen Küchensalbei oder Heilsalbei (Salvia officinalis).

Die Gattung Salvia ist auf der ganzen Erde verbreitet von tropischen bis in gemäßigte Gebiete. Sie umfasst 800 bis 1100 Arten, davon zum Beispiel etwa 84 Arten in China.

Viele Salbei-Arten zeichnen sich aus durch einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen, was für ihre Verwendung als Heilpflanzen bedeutsam ist. Auch Gerbstoffe sind an der Wirkung von Salbei-Arten oft beteiligt ( sogenannte Lamiaceen-Gerbstoffe).

Zur Verwendung von Salbei schreibt Wikipedia:

„ Der Name Salvia stammt vom lateinischen Wort salvare für heilen und deutet auf dessen Heilkraft hin. Salbei war bereits im Altertum bekannt und wurde im Mittelalter von Mönchen über die Alpen gebracht.

Durch den hohen Anteil ätherischer Öle in diversen Salbeiarten gibt es unterschiedliche Verwendungen. So wird der Echte Salbei (S. officinalis) einerseits als Küchengewürz und andererseits auch in der Heilkunde verwendet, etwa bei Halsschmerzen als Kräutertee oder gegen übermäßiges Schwitzen. Außerdem soll der Salbeitee auch bei Magen- und Darmschmerzen Linderung bewirken, beispielsweise nach einer Antibiotika-Therapie. Enthaltene trizyklische Diterpene wie Carnosol und Carnosolsäure besitzen eine antioxidative, antimikrobielle sowie chemoprotektive Wirkung gegen Karzinogene.

Heilend wirken neben den Ölen auch die Gerbstoffe (Tannine). Andere Arten wie Azteken-Salbei (Salvia divinorum) enthalten halluzinogene Stoffe, die teilweise ebenfalls genutzt werden. Bei Räucherungen entsteht ein marihuanaähnlicher Duft. Der in Deutschland verbreitete Wiesensalbei enthält kaum ätherische Öle und wird deswegen nicht genutzt. Eine Heilwirkung von Inhaltsstoffen dieser Pflanze wurde im Jahre 2008 in Untersuchungen am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg an mehreren Tumorzelllinien bestätigt.

Einige Arten und ihre Sorten werden als Zierpflanzen verwendet.“

(Quelle: Wikipedia)

Nachfolgend ein paar wichtige Vertreter aus der Gattung Salbei:

Echte Salbei (Salvia officinalis, Garten-Salbei) ist im Mittelmeerraum heimisch, wurde von Mönchen über die Alpen in die Klostergärten geholt und gelangte von dort in die Bauerngärten. Salvia officinalis ist diejenige Salbeiart, die bei uns hauptsächlich als Gewürz und Heilpflanze angewendet wird, zum Beispiel gegen Halsschmerzen, Mundschleimhautentzündungen, Aphthen, Zahnfleischentzündungen, sowie innerlich gegen Schwitzen in den Wechseljahren (also bei Wallungen).

Salbeiblüten sind eine hervorragende Bienenweide. Sie übertreffen beim Honigertrag sogar Pflanzen wie den Raps, die als gute Bienenweiden bekannt sind.

Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) besitzt nicht die Heilwirkungen der Echten Salbei. Sie wird daher in der Pflanzenheilkunde nicht verwendet, ist aber eine Zierde in der Natur, vor allem wenn sie in Wiesen zahlreich wächst. Die Blüten werden vor allem von Hummeln bestäubt.

(Klammerbemerkung: Zur Zeit fliegen wieder die Hummelköniginnen. Woran erkennt man eine Hummelkönigin?)

Klebriger Salbei (Salvia glutinosa) blüht von Juli bis September im Laubwald und im Mischwald und beeindruckt durch schöne, grosse, gelbe Blüten und citronelligen Duft.

Die Raupe der Messingeule (Noctuidae, Eulenfalter, ein Nachtfalter, ernährt sich (unter anderem) von Klebriger Salbei. Über Heilwirkungen liegt keinerlei gesichertes Wissen vor.

Weisser Salbei (Indianischer Räuchersalbei, Salvia apiana) kommt vor allem im Südwesten der USA (Nevada, Kalifornien, Mojave-Wüste und Sonora-Wüste) und im Nordwesten von Mexiko vor.

Bereits die Ureinwohner Amerikas brauchten „white sage“ als Räucherwerk. Weisser Salbei ist Bestandteil der so genannten „Smudge sticks“: Kräuterbündel, die an einem Ende angezündet werden; die Flamme wird dann ausgeblasen und der Glut Luft zugefächert.

Azteken-Salbei (Salvia divinorum, zu deutsch „Göttersalbei“ oder „Wahrsagesalbei“) ist ursprünglich in der Sierra Mazateca im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca beheimatet. Dort wird er von den einheimischen Mazateken seit langer Zeit zu schamanischen Zeremonien genutzt. Von den Curanderos, den mazatekischen Heilern, wird er auf zwei Arten eingesetzt. In niedrigen, nicht-halluzinogenen Dosierungen dient er der Behandlung verschiedener körperlicher Beschwerden. In deutlich höheren Dosierungen dient die Azteken-Salbei der Induktion eines Rauschzustandes mit lebhaften Visionen. Salvia divinorum wird von den Mazateken nur im Rahmen dieser Heil- und Wahrsagerituale verwendet.

In der westlichen Welt ist seit den 1980er Jahren ein deutlicher Anstieg des Interesses an Salvia divinorum festzustellen.

Zu den Inhaltsstoffen und zur Wirkung von Azteken-Salbei schreibt Wikipedia:

„Der Azteken-Salbei enthält terpenoide Salvinorine, von denen sechs Derivate (A-F) bekannt sind. Das Salvinorin A ist ein potentes dissoziatives Halluzinogen, mit einer Wirkdosis ab 0,2 mg.[3][4] Die Pharmakologie des Salvinorin A unterscheidet sich deutlich von LSD-artigen Halluzinogenen: Es wirkt als κ-Opioid-Rezeptor-Agonist.“

In Deutschland ist Salvia divinorum nach dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) rechtlich ein nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel. Zur Rechtslage in anderen Ländern schreibt Wikipedia:

„Zu Salvia divinorum gibt es in Liechtenstein, Österreich und den meisten anderen Ländern der Welt keine strafgesetzliche Reglementierung, somit ist der Besitz legal. Der legale Status wurde eingeschränkt bzw. aufgehoben in Israel (2003), Australien (2004), Italien (2005), Deutschland (2008), Schweiz (2010) und Dänemark. In Norwegen ist Salvia divinorum verschreibungspflichtig.

Mehlige Salbei (Salvia farinacea, auch Ähriger Salbei, Ähren-Salbei oder Mehl-Salbei) ist beheimatet in Texas und New Mexiko. In den Gemäßigten Breiten wird er als einjährige Pflanze kultiviert und als Zierpflanze in Parks und Gärten besonders in Sommerrabatten angepflanzt.

Chia (Salvia hispanica) wird wegen seiner Samen kommerziell angebaut, da sie einen sehr hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und hochwertigem Protein, Vitaminen, Antioxidantien und Mineralien aufweisen. Das Chiaöl wird aus den Samen des Chia gewonnen und besteht aus rund 60 % alpha-Linolensäure, 17 bis 26 % Linolsäure, einfach ungesättigten Fettsäuren wie Ölsäure, Stearinsäure und Palmitinsäure, und Vitaminen, Mineralien und Antioxidantien. Die Eigenschaften von Chiaöl ähneln denjenigen von Rapsöl.

Rotwurzel-Salbei (Salvia miltiorrhiza) Seine auch als Danshen bezeichneten getrockneten Wurzeln finden vor allem in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) Anwendung.

Zu den Inhaltsstoffen schreibt Wikipedia:

„ In der Wurzel des Rotwurzelsalbeis konnten Flavonoide, Diterpene, Triterpene, Salvianolsäuren, Phenylpropane, Chinone, Lignane, Steroide und Tannine nachgewiesen werden. Von allen biologisch aktiven Inhaltsstoffen gelten die Diterpenoide und die Salvianolsäuren als am besten untersucht. Zu den charakteristischen Diterpenoide des Rotwurzelsalbeis zählen Tanshinone und Isotanshinone, wie beispielsweise Tanshinon I, Tanshinon IIA, Tanshinon IIB und Cyptotanshinon. Darüber hinaus sind in der Wurzel die biologisch aktiven Diterpenoide Miltiron und Salviol enthalten. Die Salvianolsäuren des Rotwurzelsalbeis, wie Salvianolsäure A, Lithospermsäure B und Rosmarinsäure gelten als Abkömmlinge der (R)-a,3,4-Trihydroxyphenylpropionsäure (Danshensu).“

Und zu den Anwendungsgebieten:

„ Die Wurzel des Rotwurzelsalbeis wird in der chinesischen Medizin insbesondere zur Behandlung von Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen und Durchblutungsstörungen, wie beispielsweise Angina pectoris, Hyperlipidämie und Schlaganfall eingesetzt. Traditionell wird die Wurzel darüber hinaus bei Menstruationsbeschwerden, Husten, Schlafstörungen, stechende Schmerzen im Unterleib und der Brust und Hepatosplenomegalie verwendet. Die Wirksamkeit dieser Droge gilt nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin als nicht ausreichend belegt.“

Muskatellersalbei (Salvia sclarea, auch Muskat-Salbei, Römischer Salbei, Scharlachsalbei oder Scharlei) kommt in Mittel- und Ost-Europa und West-Asien vor. Er wird als Zierpflanze, Heilpflanze und Gewürz genutzt.

„Die Wirkung vom Muskateller-Salbei kommt der des Echten Salbeis gleich. In der griechischen und römischen Antike wurde er bei Kopfschmerzen eingesetzt. Blätter und Blüten können roh oder gegart gegessen werden. Die Blüten werden zur Aromatisierung von Wermutweinen verwendet, früher wurden sie auch anderen Weinen zugesetzt. Diese Verwendung prägte den Begriff „Muskatellerwein“. Das Öl der Pflanze wird in der Parfüm- und Kosmetikindustrie verarbeitet.Die Blüten des Muskatellersalbeis sind zugleich eine verhältnismäßig gute Bienenweide. Auf einer mit ihm bestandenen Fläche von einem Hektar kann sich pro Blühsaison ein Honigertrag von 107 bis 174 kg ergeben.“

(Quelle: Wikipedia)

Das ätherische Öl aus der Pflanze – Muskatellersalbeiöl – wird aus den Triebspitzen und Blütenständen gewonnen. Es besteht hauptsächlich aus Linalylacetat (bis zu 75 %), Linalool (bis zu 30 %) und dem Diterpen-Alkohol Sclareol.

Sclareol soll eine dem Östrogen verwandte Molekularstruktur aufweisen. Damit werden in der Aromatherapie Anwendungen von Muskatellersalbei bei Menstruationsbeschwerden, Unfruchtbarkeit und Wechseljahrbeschwerden abgeleitet. Es ist allerdings sehr spekulativ, einzig von der Molekularstruktur auf entsprechende Wirkungen zu schliessen. Zu fragen wäre dabei auch, ob die Substanz in ausreichenden Mengen aufgenommen wird und welche Wirkungen sie im Organismus entfaltet.

Muskatellersalbei soll eine heilige Pflanze der Kelten gewesen sein. Seine berauschende Wirkung wurde offenbar genutzt, um Wein und andere Getränke zu aromatisieren und ihre Wirkung zu verstärken. Um den beliebten Geschmack von mit Muskatellersalbei gewürztem Wein zu gewährleisten, wurde die Muskatellertraube gezüchtet.

Diese Beispiele zeigen, dass es in der Gattung Salbei ausgesprochen interessante Pflanzenarten umfasst – als Heilpflanzen, Gewürzpflanzen, Zierpflanzen, Räucherpflanzen….

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Rosinen zeigen günstige Wirkung bei leichtem Bluthochdruck

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Eine US-Forschergruppe um Dr. Harold Bays aus Louisville hat die Wirkung von Rosinen auf den Bluthochdruck in einer randomisierten kontrollierten Studie überprüft. Die Ergebnisse stellten sie auf dem Kongress des American College of Cardiology (ACC) in Chicago vor.

Für die Studie wurden 46 Männer und Frauen mit leicht erhöhten („prähypertonen“) Blutdruckwerten ausgewählt und zwei Gruppen zugeteilt.

Der Hälfte der Probanden wurde auferlegt, zwölf Wochen lang dreimal täglich eine Portion Rosinen zu essen.

Die andere Hälfte musste stattdessen kommerziell verfügbare Snacks (etwa Cracker oder Cookies) ohne Fruchtbestandteile, jedoch von gleichem Kaloriengehalt, konsumieren.

In der „Rosinengruppe“ stellten die Wissenschaftler nach vier, acht und zwölf Wochen eine signifikante Reduktion der systolischen Blutdruckwerte um 6,0 bis 10,2 mmHg fest.

Die Messungen der diastolischen Werten zeigten Verminderungen um 2,4 bis 5,2 mmHg. Die in der Kontrollgruppe konsumierten Snacks hatten – wie erwartet – keinen Effekt auf den Blutdruck.

Welche Inhaltsstoffe der getrockneten Trauben könnten die beobachtete Wirkung hervorgerufen haben? Bays sagte dazu, dass Rosinen „vollgepackt mit Kalium“ seien, das zur Blutdrucksenkung beitrage.

Günstige Wirkungen auf die Gefäßfunktion seien möglicherweise auch auf den Gehalt an Polyphenolen, Tanninen und Antioxidantien zurück zu führen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/809341/suesse-helfer-bluthochdruck.html

Kommentar & Ergänzung:

Da ich ausgesprochen gerne Sultaninen esse, passt mir diese Studie natürlich sehr gut in den Kram. Ich habe mich aber gefragt, was denn der Unterschied zwischen Sultaninen und Rosinen sei.

Hier ein Überblick dazu aus Wikipedia:

Was sind Rosinen?

Rosinen (von altfranzösisch roisin; zu lateinisch racemus, ‚Weinbeere’) sind eine kernreiche, dunkelbraune und sehr süße Art getrockneter Weinbeeren. Rosinen werden wegen der vorteilhaften Eigenschaften der Sultaninen kaum noch angeboten. Der Begriff ‚Rosinen’ ist jedoch als Oberbegriff für alle getrockneten Weinbeeren geblieben. Sie werden reif geerntet und danach in der Sonne oder im Schatten getrocknet, bis die Feuchtigkeit der Beeren nur noch etwa 15 bis 18 % beträgt. Dies bedingt eine Konzentration des Fruchtzuckergehalts auf etwa 33 %. Sie haben eine honiggelbe bis dunkelbraune Farbe. Vier bis fünf Pfund Weintrauben ergeben ein Pfund Rosinen.“

Welche Sorten gibt es?

Sultaninen werden aus der Sultana-Traube (Thompson Seedless) gewonnen, die weiß, dünnhäutig, besonders süß und kernlos ist. Sultaninen haben eine helle goldgelbe Farbe. Produktionsländer sind die Türkei (→ Weinbau in der Türkei), USA (→ Weinbau in den Vereinigten Staaten) (insbesondere Kalifornien), Australien (→ Weinbau in Australien) und Südafrika (→ Weinbau in Südafrika).

Korinthen werden aus der Rebsorte Korinthiaki („Schwarze Korinthe“; lat. Vitis vinifera apyrena) gewonnen. Sie sind ebenfalls kernlos, schwarzbraun bis schwarzblau, kleinbeerig und im Geschmack kräftiger. Die Korinthe wurde nach der griechischen Stadt Korinth benannt und ist eine seit dem 15. Jahrhundert im Deutschen nachweisbare Neubildung, analog zu Französisch raisin de Corinthe (Rosine aus Korinth). Produktionsländer sind neben Griechenland auch Australien, Südafrika und die USA (Kalifornien).

Unter Zibeben (Arabisch zabiba, Sizilianisch zibibba) versteht man Trockenbeeren am Rebstock. In trockenen Erntejahren werden sie zu einer Trockenbeerenauslese (einem Wein mit hohem Restzuckergehalt) verarbeitet. Ein typischer Vertreter dieses Herstellungsverfahrens ist der ungarische Wein ‚Tokajer Aszú’ (Tokajer Ausbruchwein), bei dem vor der Vergärung immer eine bestimmte Menge Zibeben dem frischen Most zugesetzt wird.
In Süddeutschland und Teilen von Österreich ist ‚Zibebe’ ein allgemeiner Ausdruck für getrocknete Weinbeeren, die für die Zubereitung von Speisen verwendet werden. Nach dem Deutschen Wörterbuch beginnt dieser Ausdruck der Bezeichnung Rosine zu weichen, nach dem Duden gehört das Wort zu den süddeutschen und österreichischen Besonderheiten. 2009 enthält das ‚Wörterbuch des österreichischen Deutsch’ die Erklärung ‚große rötliche Rosine’ und vermerkt, dass das Wort ‚auch süddeutsch’ ist.“

Zur Verwendung von Rosinen

„ Aufgrund des hohen Zuckergehalts sind Rosinen beliebt bei der Zubereitung von Süßspeisen, können aber auch unverarbeitet gegessen werden. Sie werden in vielen Süßspeisen, unter anderem in Rosinenbrötchen, Rosinenbrot und Christstollen, verbacken. Für einige Rezepte werden Rosinen in Fruchtsaft, Alkohol oder Wasser eingeweicht, um sie praller, weicher und fruchtiger zu machen. Sie finden aber auch in vielen Hauptgerichten aus dem arabischen Raum und dem Rheinischen Sauerbraten Verwendung. Außerdem sind sie in vielen Müsli-Mischungen enthalten.“

Spezielles

„Rosinen sind für Mensch und Tier (mit Ausnahme von Hunden) ungiftig. Bei einigen Hunden kommt es schon bei Aufnahme von 2,8 g Rosinen pro kg Körpermasse zu einer Weintraubenvergiftung.

Die deutsche Redewendung: Jemand pickt sich die Rosinen (aus dem Kuchen) bedeutet, er nimmt sich die besten Teile und überlässt die weniger guten Teile den anderen. Denselben Inhalt hat in Österreich das Wort ‚Zibebenpicker’.

Ein redensartlicher Korinthenkacker ist jemand, der Unwichtiges zu wichtig nimmt und seinen Mitmenschen gegenüber rechthaberisch auftritt, also ein Pedant; ähnliche Begriffe sind Kümmelspalter, Erbsenzähler, Haarspalter, Krümelkacker, Kriacherlscheiber (österreich. steirisch), I-Tüpfelischisser (alemannisch).

Ein heutzutage im deutschen Sprachraum wenig verbreiteter weiblicher Vorname lautet ebenfalls Rosine oder Rosina.

Das sogenannte Studentenfutter erhält durch den großen Anteil an Sultaninen seinen süßen Geschmack.“

(Quelle: Wikipedia)

Die US-Rosinenstudie ist klein bezüglich der Probandenzahl und die Vorstellung der Studie an einem Kongress ist noch kein Qualitätsbeleg, wie es die Publikation in einer Fachzeitschrift sein könnte.

Mich interessieren aber die gesundheitlichen Wirkungen der Rosinen bzw. Sultaninen und ich würde gerne mehr darüber wissen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Wirkstoffe in der Phytotherapie: Gerbstoffe

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Gerbstoffe sind wichtige Wirkstoffe in der Phytotherapie. Sie bestimmen die Wirkung vieler Heilpflanzen.

Hier einige ausgewählte Infos über Gerbstoffe aus Wikipedia mit Kommentaren und Ergänzungen von mir.

„Ein Gerbstoff ist ein Stoff, der sich bei Kontakt mit Eiweiß (Protein) mit diesem verbindet. Die Eigenschaften der Proteine werden dadurch verändert.

Das in den Proteinen gebundene Wasser wird durch die Gerbstoffe verdrängt und es kommt zu einer Entwässerung.

Die Proteine können durch Mikroorganismen nicht mehr oder nur mehr sehr schwer abgebaut werden.

Das Quellvermögen in Wasser, Säuren und Laugen ist stark vermindert.

Die Temperaturbeständigkeit wird erhöht.

Biologisch aktive Eiweißstoffe werden durch Gerbstoffe denaturiert und sind nicht mehr biologisch aktiv.

Strukturierte Eiweißstoffe z. B. Kollagen der Haut, behalten ihre natürliche Struktur. Die Strukturen werden aber durch die Gerbstoffe mehr oder weniger stark vernetzt. Unstrukturierte Eiweißstoffe z. B. das Eiweiß eines Hühnereies, werden ausgefällt.

Diese Veränderungen können allgemein als Gerben bezeichnet werden. Eine abgezogene Tierhaut wird so in Leder umgewandelt, was z. B. die Fäulnis verhindert.

Es gibt in der Natur vorkommende Gerbstoffe und künstlich hergestellte Gerbstoffe.“

(Quelle: Wikipedia)

Das ist eine gute Beschreibung davon, wie Gerbstoffe auf Eiweisse einwirken. Um die adstringierenden (zusammenziehenden), entzündungshemmenden und antimikrobiellen Wirkungen gerbstoffreicher Heilpflanzen zu verstehen, sind diese Vorgänge wichtig.

Zum Vorkommen von Gerbstoffen in Pflanzen

„Gerbstoffe kommen häufig in Pflanzen vor…..Zum Beispiel in:

Blättern, Hölzern, Rinden, Früchten und Wurzeln von Kastanien, Eiche, Fichte, Mimosa, Quebracho, Tee, Kaffee.

Auch pflanzliche Abbauprodukte wie z. B. Torf enthalten Gerbstoffe. Weintrauben enthalten Gerbstoffe (Tannine) als Bestandteile aus Stielen, Kernen und Beerenhäuten, die zum Geschmack des Weines (insbesondere des Rotweines) beitragen. Der Tanningehalt stellt somit einen Qualitätsfaktor des Weines dar, sofern er in einem ausgewogenen Verhältnis zu den anderen Geschmackskomponenten (Säure, Restzucker) und Aromen steht.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Wirkung der Gerbstoffe in der Phytotherapie

„Die Gruppe der Gerbstoffe nimmt einen wichtigen Platz unter den therapeutisch wirksamen Bestandteilen von Heilpflanzen ein. Sie wirken zusammenziehend, entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral und neutralisieren Gifte. In höherer Dosierung wirken sie jedoch oft selbst schädlich.“

(Quelle: Wikipedia)

Wichtig zu wissen ist aber, dass Gerbstoffe lokal wirken auf Haut und Schleimhäuten und im Verdauungstrakt. Sie werden aber kaum in den Körper aufgenommen und haben daher keine systemischen Fernwirkungen.

Beispiele von Heilpflanzen, die Gerbstoffe enthalten:

„Galläpfel (Gallae) aus Quercus infectoria

Hamamelisblätter (Hamamelidis folium) aus Hamamelis virginiana = Zaubernuss

Walnussblätter (Juglandis folium) aus Juglans regia

Eichenrinde (Quercus cortex) aus Quercus robur….

Ratanhiawurzel (Ratanhiae radix) aus Krameria lappacea

Blutwurzwurzel (Tormentillae rhizoma) aus Potentilla erecta

Heidelbeeren (Myrtilli fructus) aus Vaccinium myrtillus

Volksmedizinische Verwendung finden auch:

Catechu

Brombeerblätter von Rubus fruticosus

Gänsefingerkraut von Potentilla anserina

Erdbeerblätter von Fragaria vesca

Odermennigkraut Agrimonia eupatoria

Frauenmantelkraut von Alchemilla xanthochlora

Breitwegerichblätter von Plantago major

Spitzwegerichblätter von Plantago lanceolata

Rosenblüten von Rosa gallica

Wiesenknopfblätter von Sanguisorba officinalis“

(Quelle: Wikipedia)

Eine wichtige Heilpflanze mit hohem Gerbstoffgehalt fehlt hier:

Schwarztee / Grüntee.

Damit genügend Gerbstoff in den Tee übergeht, müssen Schwarztee und auch Grüntee allerdings lange ausziehen (etwa 8 Minuten).

Chemischer Aufbau der Gerbstoffe

„Auf Grund des chemischen Aufbaues, kann die pflanzlichen Gerbstoffe in folgende zwei Gruppen einteilen:

Hydrolysierbare Gerbstoffe, z. B. Gallotannine, Grundbausteine sind Gerbsäuren z. B: Gallus- oder Ellagsäure in Verbindung mit Glukosen

kondensierte Gerbstoffe, z. B. Pyrocatechine, Grundbausteine sind aromatische Polyhydroxiverbindunge wie z. B. Catechin“

(Quelle: Wikipedia)

Das ist insofern relevant, als hydrolisierbare Gerbstoffe ungeeignet sind zur Behandlung von Durchfall, weil sie nicht genug tief im Darm wirken.

Zur Wirkung der Gerbstoffe

„Medizinisch nutzbar sind Gerbstoffe durch den Prozess der Gerbung. Das Gewebe kann so oberflächlich verdichtet werden, und eine schützende Membran bildet sich aus, z. B. auf einer Schleimhaut. Die Gerbstoffe entziehen also durch ihre zusammenziehende (adstringierende) Wirkung Bakterien den Nährboden, die sich auf Haut und Schleimhaut angesiedelt haben. Schmerz und Wundsekretion werden vermindert, Entzündungen gehemmt, kapillare Blutung gestillt, Bakterien und Giftstoffe können nicht mehr tiefer eindringen.

Gerbstoffe haben antimikrobielle Eigenschaften und werden eingesetzt bei Magen- und Darmentzündungen, leichten Durchfällen, Entzündungen im Mund und Rachenraum, als blutstillendes Mittel, zur schnellen Wundheilung und bei leichten Verbrennungen und Frostschäden.“

(Quelle: Wikipedia)

Heikel finde ich die Empfehlung „zur schnellen Wundheilung“. Gerbstoffe können in der Wundbehandlung nur in ganz bestimmten Situationen eine Rolle spielen, zum Beispiel bei nässenden Wunden (Reinigungsphase) als Eichenrindenumschlag oder Eichenrindenbad. In der Granulationsphase der Wundheilung würde ich aber Gerbstoff-Anwendungen nicht empfehlen. Gerbstoffe können das Gewebe austrocknen und in der Granulationsphase muss die Wunde feucht bleiben.

Zu den wichtigsten Eigenschaften der Gerbstoffe

„Zusammenziehend, schmerzlindernd, stopfend bei Durchfall, blutstillend, sekretionshemmend, schleimhautschützend, keimhemmend, bakterizid, fungizid, entzündungshemmend, austrocknend, Gegengift bei Schwermetall- oder Alkaloidvergiftung“

(Quelle: Wikipedia)

Manche Gerbstoffe wirken auch gut lokal gegen Viren, zum Beispiel die Lamiaceen-Gerbstoffe aus der Melisse gegen Herpesviren (Fieberbläschen).

Nebenwirkungen der Gerbstoffe

„Bei Langzeitanwendung können Leberschäden entstehen. Bei zu hohen Dosen kann es zu Magenschleimhautentzündung oder Brechreiz kommen. Gerbstoffe vermindern die Resorption basischer Arzneimittel sowie mancher Mineralstoffe wie Eisen. Nicht bei Verstopfung, trockenen Ekzemen oder trockenen Schleimhäuten anwenden. Nicht länger als 5–10 Minuten köcheln. Es empfiehlt sich für die innere Anwendung, sie mit Schleimstoffen zu kombinieren.“

(Quelle: Wikipdedia)

Eine Heilpflanze, in der Gerbstoffe und Schleimstoffe schon kombiniert vorliegen, ist Malva silvestris / Malva neglecta, verwendet als Malvenblätter ( = Chäslichrut) zum Beispiel bei Mundschleimhautentzündung, zur Wundheilung und bei Furunkeln. Allerdings enthalten die Malvenblätter sowohl Gerbstoffe als auch Schleimstoffe eher in tiefer Konzentration.

Es gibt tatsächlich einzelne Berichte von Leberschäden durch Gerbstoffpflanzen bei sehr hohen Dosierungen über lange Zeit, zum Beispiel bei exzessivem Konsum von Schwarztee. Aber normalerweise werden Gerbstoffe ja nicht in relevanten Mengen resorbiert.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Quitten – Quittensamen – Quittenschleim

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TABULA, die Zeitschrift der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE), berichtet in einem informativen Beitrag über Verwendungsmöglichkeiten der Quitten-Früchte. Interessant aus sich der Pflanzenheilkunde ist vor allem der Abschnitt über Quittensamen / Quittenschleim:

„Die Quittenkerne werden nicht gegessen. Doch auch sie gelten als Heilmittel. Lässt man sie mit wenig frischem Wasser einkochen, entsteht der sogenannte Quittenschleim. Er war früher in Apotheken erhältlich und geriet danach leider in Vergessenheit. Jahrhundertelang wurde er äusserlich gegen Sonnenbrand, spröde, rissige Haut und entzündete Augen angewendet, innerlich bei Magen­-Schleimhautentzündungen, Halsweh, Husten oder Bronchitis. Als einfache Methode wird empfohlen, bei Halsschmerzen Quittenkerne zu lutschen.“

(Quelle: TABULA NR. 3 / 2011)

Kommentar & Ergänzung:

Zwar wurde die traditionelle Anwendung von Quittenschleim meines Wissens nie genauer untersucht, doch ist die reizlindernde, entzündungshemmende und kühlende Wirkung solcher Schleimzubereitungen meines Erachtens plausibel. Pflanzenschleime bilden eine Schutzschicht und binden Feuchtigkeit.

Zur Namensgebung und zum Vorkommen der Quitte schreibt Wikipedia:

„Die Quitte [ˈkvɪtə] (Cydonia oblonga), die einzige Pflanzenart innerhalb der Gattung Cydonia, gehört zu den Kernobstgewächsen (Pyrinae) in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae)…..

Die Quitte verdankt ihren Namen botanisch-wissenschaftlich wie auch in unserem Sprachgebrauch der griechischen Stadt Kydonia, heute Chania, im Nordwesten der Insel Kreta.

Die Quitte ist außerdem Namensgeber für die Marmelade (von portugiesisch marmelo für Quitte, aus dem griechischen melimelon „Honigapfel“)………

Die ursprüngliche Heimat liegt im östlichen Kaukasus und im Transkaukasus. Populationen in der Türkei, Syrien, Turkmenistan und Afghanistan könnten durch die schon lange zurückliegende Verbreitung durch Menschen entstanden sein. Erste Nachweise über kultivierte Quitten aus dem Kaukasus reichen 4000 Jahre zurück, in Griechenland findet man sie ab 600 v. Chr., bei den Römern ab 200 v. Chr. In Mitteleuropa wird sie erst seit dem 9. Jahrhundert angebaut, als wärmeliebende Pflanze dort bevorzugt in Weinbaugebieten.

Heute werden die Sorten vor allem in Asien und Europa angepflanzt. In West- und Mitteleuropa spielt sie eher eine untergeordnete Rolle. Der erwerbsmäßige Anbau ist in Deutschland selten. In Baden-Württemberg und im Rheinland werden gute Fruchtqualitäten erzielt.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu den Inhaltsstoffen der Quitte:

„Die Samen enthalten Schleimstoffe, giftige cyanogene Glycoside und Öl. Die Quittenfrucht selber enthält viel Vitamin C, Kalium, Natrium, Zink, Eisen, Kupfer, Mangan und Fluor, Tannine, Gerbsäure, organische Säuren, viel Pektin und Schleimstoffe.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Verwendung als Lebensmittel:

„ Die in Deutschland oder Österreich wachsenden Quittensorten sind für den Rohverzehr nicht geeignet, da sie hart und durch die Gerbstoffe bitter sind. Andernorts gibt es aber auch Sorten, die roh gegessen werden können, zum Beispiel die in der Türkei angebaute Shirin-Quitte.

Bei der Zubereitung mitteleuropäischer Sorten muss in jedem Fall vor dem Verarbeiten der Früchte der Flaum oder Pelz der Quitten mit Hilfe eines (groben) Tuches gründlich abgerieben werden, da er reichlich Bitterstoffe enthält. Dann kann die Frucht geschält oder ungeschält verwendet werden. Erprobt ist auch das Abbürsten des Flaums mit einer Messingbürste. Da dabei die Schale aber kleine Kratzer bekommt, sollte diese erheblich schnellere Methode nur angewandt werden, wenn man die Früchte sofort weiterverarbeitet.

Die Ernte erfolgt am besten im nicht zu reifen Zustand, da sonst das in den Früchten enthaltene Pektin zunehmend abgebaut ist; am sinnvollsten ist als Erntezeitpunkt die Phase, in der die Farbe der Früchte von grün nach gelb umschlägt. Grasgrüne Früchte bleiben trotz eventueller Nachreife geschmacklich unbefriedigend. Bei später Ernte tritt rasch eine Bräunung des Fruchtfleisches auf. Knapp reif geerntete Früchte lassen sich getrennt von anderem Obst bis zu zwei Monate lagern.

Aus der Quitte kann man Marmelade, Kompott, Mus, Saft und daraus Gelee (Quittenkäs), Likör oder Schnaps herstellen. Von regionaler Bedeutung ist sie als Zugabe in der Apfelweinherstellung. Gebacken eignet sie sich als Dessert oder Beilage zu Fleisch. Quittenbrot ist eine Süßigkeit, hergestellt aus mit Zucker vermischtem eingedicktem Quittenmus, das etwa 1 cm dick auf einem Backblech verstrichen im Backofen gedörrt und anschließend in 2 bis 3 cm große Rauten geschnitten und in Zucker gewendet wird. Quittenbrot ist im Handel fast nicht erhältlich, in spanisch und portugiesisch-sprachigen Ländern ist Dulce de membrillo eine verbreitete traditionelle Weihnachts- oder Wintersüßigkeit.“

(Quelle: Wikipedia)

Die Wikipedia-Angaben zur Verwendung der Quitte als Heilpflanze sind nicht sehr überzeugend, abgesehen von diesem Abschnitt:

„Lässt man ca. 1 Esslöffel Quittenkerne für 10-12 Stunden in 100 ml kaltem Wasser ziehen, entsteht der sogenannte Quittenschleim, der äußerlich aufgetragen bei Entzündungen, Wunden, rissiger Haut und Sonnenbrand helfen soll, sowie innerlich bei Magen-Schleimhautentzündung (Gastritis), Darmentzündung, Rachenentzündung, Fieber, Husten, Reizhusten und Bronchitis.“

(Quelle: Wikipedia)

Hier sind die äusserlichen Anwendungen nachvollziehbar, die innerlichen im Magen-Darmtrakt auch (Gastritis, Darmentzündung). Hier ist ein reizlindernder, schleimhautschützender Effekt plausibel.

Auch die Anwendung bei Reizhusten mag Sinn machen. Schleimhaltige Heilpflanzen wie Malvenblüte, Eibischwurzel oder Spitzwegerichblatt lindern Hustenreiz durch Einhüllung der Schleimhäute in der hinteren Rachenregion.

Wie eine Wirkung des Quittenschleims bei Bronchitis oder Fieber zustande kommen soll, ist mir aber nicht nachvollziehbar.

Zur Quitte in Mythologie und Kunst ein Zitat aus Wikipedia:

„Seit jeher gelten die Quitten als Symbol für Liebe, Glück, Fruchtbarkeit, Klugheit, Schönheit, Beständigkeit und Unvergänglichkeit.“

……was kann man sich schon mehr wünschen!?

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

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Bluthochdruck – Reduktion durch Rotwein?

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Rotwein wirkt günstig auf Herz und Gefäße. Und wofür genauer? Forscher haben nun die Wirkung von Rotwein auf Bluthochdruck untersucht. Ihre Resultate sind deutlich und ernüchternd.

Regelmäßiger moderater Konsum von Rotwein stehe bekanntlich im guten Ruf, das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse zu senken, schreibt die Ärzte-Zeitung.

Die gefäßprotektive Wirkung des Rebensafts wird hauptsächlich auf die in Rotwein enthaltenen Polyphenole zurückgeführt. Polyphenole wie Tannine oder Flavonoide sind aromatische Verbindungen, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gezählt werden.

Tierexperimentell Untersuchungen haben gezeigt, dass Polyphenole die Funktion des Gefäßendothels verbessern und den Blutdruck reduzieren können.

Ob sich diese Effekte auch beim Menschen zeigen, hat eine niederländische Wissenschaftlergruppe um Dr. Ilse Botden aus Rotterdam jetzt in einer placebokontrollierten Crossover-Studie bei 61 Probanden mit hochnormalen Blutdruckwerten oder leichter Hypertonie (mittlerer Blutdruckwert: 145,0/85,8 mmHg) untersucht.

Die Resultate hat Botden beim Hypertonie-Kongress 2011 der American Heart Association (AHA) in Orlando präsentiert.

Aufgeteilt auf drei Gruppen bekamen die Testpersonen im Wechsel jeweils vier Wochen lang in einem Getränk entweder Placebo oder Rotwein-Polyphenole als alkoholfreien Trockenextrakt in einer Dosierung von 280 mg oder 560 mg pro Tag.

Die Extraktion des Alkohols begründete Botden damit, dass Alkohol selbst eine blutdrucksteigernde Wirkung haben kann.

Am Schluss jeder Behandlungsperiode wurde der Blutdruck in üblicher Art in der Praxis sowie per ambulanter 24-Stunden-Aufzeichnung gemessen. Auch Parameter der zentralen Hämodynamik wie Augmentationsindex und Pulswellen-Reflexion wurden aufgezeichnet.

Abgesehen von einer leichten und nicht signifikanten Reduktion des 24-Stunden-Blutdrucks unter Einnahme der höher dosierten Polyphenole zeigten diese Rotwein-Inhaltsstoffe keine relevante Wirkung auf den peripheren Blutdruck.

Zudem zeigten die Messungen von Parametern der zentralen Hämodynamik für keine der beiden Polyphenol-Dosierungen Effekte auf den zentralen Blutdruck.

Eine Blutdrucksenkung durch Polyphenole kann nach diesen Resultaten als Mechanismus für eine kardioprotektive Wirkung des Rotweins wohl ausgeschlossen werden.

Allerdings halten Botden und ihre Kollegen es für durchaus möglich, dass etwa antioxidative Eigenschaften der Polyphenole Wirkungen im Sinne einer Kardioprotektion entfalten können.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/bluthochdruck/article/671667/rotwein-blutdruck-senken.html?sh=8&h=-2102624591

Kommentar & Ergänzung:

Rotwein und vor allem der Inhaltsstoff Resveratrol sind immer wieder Gegenstand von Forschungen. Wikipedia fasst die gesundheitlichen Wirkungen von Rotwein so zusammen:

„Weit verbreitet ist die Auffassung, dass ein moderater Genuss von Rotwein förderlich für die Gesundheit sei. Dies liegt unter anderem an der als Französisches Paradox bezeichneten Beobachtung, dass Franzosen, denen ein höherer Weinkonsum unterstellt wird, eine höhere Lebenserwartung haben als Bewohner anderer Länder. Übermäßiger Alkoholkonsum schädigt den Körper auf vielfältige Weise. Ab einer gewissen Blutalkoholkonzentration tritt eine Alkoholvergiftung ein. Der Schweregrad reicht von leichten Rauschzuständen (0,5 bis 1,0 Promille) bis zum alkoholischen Koma.

Insbesondere einigen Arten von Krebs soll durch Rotwein vorgebeugt werden können. Dieser Effekt wird hauptsächlich dem pflanzlichen Antioxidans Resveratrol zugeschrieben, welches einen Mechanismus einleitet, an dessen Ende entsprechende Krebszellen zerstört werden. Beachtet werden sollte allerdings, dass Alkoholgenuss die Erkrankungswahrscheinlichkeit zu verschiedenen anderen Krankheiten, wie z. B. Kehlkopfkrebs, stark vergrößert. Der möglicherweise gesundheitsfördernde Aspekt moderater Alkoholmengen sollte somit kritisch bewertet werden.

Nach neueren Forschungen haben die hohen Polyphenolgehalte bei einigen wenigen Rotweinen einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System. So liefert die Sorte Tannat bei traditioneller Verarbeitung, das heißt bei längerer Gärung mit Schalen und Kernen (drei bis vier Wochen), von allen Rebsorten die höchsten Werte an Polyphenolen, die sich als vorbeugend bei Herz- und Kreislauferkrankungen erwiesen haben. Wegen des hohen natürlichen Gehalts verbunden mit der restlosen Extraktion in den beiden kleinen Anbaugebieten in Frankreich und Sardinien enthält dieser Wein gut viermal soviel Polyphenole wie alle anderen getesteten Rotweine. Als hauptwirksamer Bestandteil wurde Procyanidin identifiziert.“

(Quelle: Wikipedia)

Und zu Resveratrol:

„Resveratrol ist ein Phytoalexin mit antioxidativen Eigenschaften, das zu den Polyphenolen zählt. 1963 wurde die Verbindung erstmals aus dem Japanischen Staudenknöterich (Polygonum cuspidatum) isoliert und identifiziert. 1976 gelang der Nachweis in Weinbeeren………

In-vitro-Studien haben Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit gegen Krebszellen erbracht. Versuche am lebenden Organismus stehen jedoch noch aus. Andere Studien haben positive Effekte der Substanz bei Krankheiten wie Arteriosklerose, Herzkrankheiten, Alzheimer-Krankheit, Arthritis und manchen Autoimmunkrankheiten zeigen können.

– Resveratrol fördert, genauso wie eine kalorienarme Ernährung (Kalorienrestriktion), die Expression der Sirtuin-Gene wie Sir2. Dadurch wurde bei verschiedenen Versuchstieren eine lebensverlängernde Wirkung beobachtet.

– In einer Tierversuchsstudie bekamen Mäuse eine besonders fettreiche Diät. Die gleichzeitige Gabe von Resveratrol verringerte dabei deutlich die Gewichtszunahme. Unter besonders hohen Resveratrol-Dosen konnte eine Verdoppelung der Ausdauerleistung beobachtet werden.

– Resveratrol hilft bei der Abtötung von Krebszellen, indem es hemmend auf ein Protein einwirkt, welches für das Überleben von Krebszellen entscheidend ist. Dieses als NF-κB (Nukleärer Faktor kappa B) bezeichnete Schlüsselprotein findet sich in den Kernen aller Zellen. Dort ist es verantwortlich für die Aktivierung von Genen, die für das Überleben der Zellen verantwortlich sind. Resveratrol wirkt so auf NF-κB ein, dass dieses seine überlebensfördernde Wirkung nicht mehr entfalten kann. Dies wiederum leitet bei den betroffenen Krebszellen die Apoptose, d. h. Selbstzerstörung ein. Forscher hoffen, dass der Einsatz von NF-κB-Inhibitoren wie Resveratrol die Wirksamkeit bereits etablierter Therapieansätze gegen Krebs deutlich steigern kann. Allerdings könnte die Wasserunlöslichkeit von Resveratrol noch ein Problem darstellen: Möglicherweise kann es vom Körper nicht in ausreichender Menge resorbiert werden und so seine Wirkung gegen Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht ausreichend entfalten.

– Die Aktivierung von NF-κB spielt auch im Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose eine Rolle. NF-κB-Inhibitoren könnten deshalb auch hier in Zukunft eine therapeutische Option darstellen.

– Resveratrol hat eine neuroprotektive Wirkung beim Glaukom. Ein erhöhter Augeninnendruck erhöht den oxidativen Stress an der Netzhaut und Trabekelmaschenwerk. Dieser führt zu erhöhten Entzündungsmarkern wie Interleukin-1α, Interleukin-6, Interleukin-8 und zur schnelleren Zellalterung durch oxidative Spezies wie Lipofuscin in den Zellen des Trabekelmaschenwerkes und des Sehnerves. Resveratrol verringert die Expression dieser Stoffe und wirkt daher antioxidativ und antiapoptotisch im Trabekelmaschenwerk und in den Neuronen des Sehnerves.“

(Quelle: Wkipedia)

Diese Zusammenstellung von Resveratrol-Wirkungen macht den Eindruck einer Wundersubstanz. Relativierend muss aber gesagt werden, dass es sich bei vielen Forschungsergebnissen um Laborversuche handelt, deren Übertragbarkeit auf den Menschen fraglich ist. Und einige Angaben sind zudem sehr fragwürdig. So zum Beispiel die Förderung der Expression der Sirtuin-Gene („Methusalem-Gen“), die angeblich lebensverlängernd wirken soll. Neuere Forschungen haben grosse Zweifel geweckt an der Wirksamkeit der Sirtuin-Therapie und damit auch an der entsprechenden Wirkung von Resveratrol

(siehe dazu: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47438/Methusalem-Gen_Zweifel_an_Lebensverlaengerung_durch_Sirtuin.htm)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Anwendungen bei Hautkrankheiten

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Die „Bild“-Zeitung veröffentlichte Naturheilkunde-Tipps gegen Hautkrankheiten, basierend auf Empfehlungen der „TV-Ärztin“ Franziska Rubin:

„• Pfefferminzöl: Täglich 20 Tropfen Pfefferminzöl (in der Apotheke 5–10%-Lösung in Pflanzenöl mischen lassen) auf juckende Hautstellen einreiben. Beruhigt die Haut.

• Ballonrebenkraut: Halicarsäure, Phytosterole und Tannine wirken bei Juckreiz entzündungshemmend und spenden Feuchtigkeit. Gibt es als fertige Salbe in der Apotheke.

Achtung: Falls Sie häufiger unter Hautproblemen leiden, sollten Sie einen Facharzt aufsuchen.“

Quelle:

http://www.bild.de/BILD/ratgeber/gesund-fit/2011/01/29/die-besten-hausmittel-teil-2/ohne-medikamente-gesund-werden.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Wirkung von Pfefferminzöl gegen Juckreiz ist in der Phytotherapie gut dokumentiert.

Ballonrebe (Cardiospermum halicacabum) ist eine afrikanische Heilpflanze, die eine entzündungswidrige Wirkung hat.

Weitere wichtige Heilpflanzen der Phytotherapie bei Hautkrankheiten sind beispielsweise:

– Nachtkerzenöl / Borretschsamenöl bei Neurodermitis / Atopischer Dermatitis;

– Hamamelis (Zaubernuss) bei Neurodermitis und zur Wundbehandlung (z. B. Hametum®) sowie generell bei Ekzemen;

– Ringelblume und Kamillenblüten zur Wundbehandlung;

– Gerbstoffhaltige Heilpflanzen bei nässenden Ekzemen: Eichenrinde, Schwarztee, Ratanhia, Tormentill.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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