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Phytotherapie bei Erkrankungen im Vedauungstrakt

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Beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming sprach Professor Dr. Robert Fürst von der Goethe-Universität Frankfurt am Main über pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) bei Erkrankungen im Verdauungstrakt.

Bei der Indikation Übelkeit und Erbrechen empfahl Robert Fürst den Ingwerwurzelstock. Die Studienlage sei zwar heterogen, doch bei Reiseübelkeit sei die Wirksamkeit gut belegt. Eine Besonderheit sei hier, dass kein Extrakt zum Einsatz kommt, sondern der gepulverte Ingwerwurzelstock (zum Beispiel Zintona®). Bei Reizmagen oder auch funktioneller Dyspepsie gibt es laut Fürst Wirksamkeitsbelege für ein Kombipräparat aus Kümmelöl und Pfefferminzöl (Carmenthin®) und für STW-5 (Iberogast®). Zur Unterstützung der Leberfunktion könne der Mariendistelfrüchte-Trockenextrakt Legalon® empfohlen werden, jedoch nur bei alkoholischem Leberschaden. Bei viralen Hepatitiden gebe es keine Evidenz für die Wirksamkeit.

Dyspepsie beziehungsweise funktionelle Störungen der ableitenden Gallenwege lassen sich laut Fürst mit dem Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL® günstig beeinflussen. Vorsicht sei dabei jedoch geboten, denn bei einem Verschluss der Gallenwege seien Artischockenblätter aufgrund ihrer choleretischen Wirkung kontraindiziert.

Bei Reizdarmsyndrom gebe es evidenzbasierte Empfehlungen für Flohsamenschalen (zum Beispiel Mucofalk®), Iberogast und hoch dosiertes Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln (zum Beispiel Medacalm®).

Für Flohsamenschalen sieht der Experte auch Anwendungsmöglichkeiten bei Colitis ulcerosa. Für diese Indikation eigne sich auch Myrrhinil®, eine Kombination aus Myrrhepulver, Kaffeekohlepulver und Kamillenblüten-Trockenextrakt. Beide Phytopharmaka haben laut Fürst in Studien gezeigt, dass sie bei Patienten mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung zum Remissionserhalt ebenso wirksam sind wie der chemisch definierte Wirkstoff Mesalazin.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=61686

Kommentar & Ergänzung:

Verdauungsbeschwerden sind ein bewährtes Anwendungsfeld für Heilpflanzen-Präparate.

Der Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL®   heisst in der Schweiz Hepa-S®.

Pfefferminzölkapseln sind in der Schweiz als Colpermin®  im Handel, Flohsamenschalen unter den Namen Laxiplant und Metamucil.

Ein weiteres interessantes Anwendungsgebiet für Flohsamenschalen und für Pfefferminzölkapseln ist der Reizdarm (Colon irritabile).

Siehe dazu hier:

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

Phyto-Kombi mit Pfefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

STW-5 (Iberogast®) setzt sich zusammen aus neun Komponenten:

Bittere Schleifenblume (Iberis amara), Angelikawurzel (Engelwurz), Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel.

Siehe dazu:

Phytotherapie bei Reizmagensyndrom

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Phytotherapie bei Reizmagensyndrom

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Die Pharmazeutische Zeitung hat gerade einen Artikel publiziert zum Thema „Reizmagen und Reizdarm“.

Zum „Reizmagen“ werden darin auch konkrete Hinweise auf Phytopharmaka aufgeführt, auf die ich hier kurz eingehen will.

Statt vom „Reizmagen“ spricht man eigentlich besser vom „Reizmagensyndrom“ (RMS), da es sich in den meisten Fällen um mehrere Symptome handelt. Im internationalen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung „funktionelle Dyspepsie“ (FD) gebräuchlich.

Ein Reizmagensyndrom ist gemäß den sogenannten Rom-IV-Kriterien charakterisiert durch eines oder mehrere der folgenden belästigenden, das heißt alltägliche Aktivitäten beeinträchtigenden Symptome:

Völlegefühl nach den Mahlzeiten,

Vorzeitiges Sättigungsgefühl,

Im Oberbauch lokalisierte Schmerzen,

Im Oberbauch lokalisiertes Brennen.

Von einem RMS spricht man aber erst, wenn diese Symptome nach einer routinemäßigen klinischen Abklärung einschließlich Ösophago-Gastro-Duodenoskopie nicht hinreichend erklärbar sind. Ausserdem müssen die Symptome seit mindestens drei Monaten vorliegen mit einem Symptombeginn, der sechs Monate oder ­länger zurückliegt.

Und was sagt nun der Beitrag zu den phytotherapeutischen Möglichkeiten bei RMS?

Zitat:

„Daten zur Wirksamkeit aus kontrollierten Studien gibt es auch für Phytopharmaka wie STW-5, eine Phytokombination auf der Basis von Iberis amara, oder die Kombination aus Pfefferminzöl und Kümmelöl….“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68591

Kommentar & Ergänzung:

STW-5 ist bei Reizmagen ein bewährtes und durch Studien gut belegtes Phytopharmakon, das unter dem Namen „Iberogast“ im Handel ist.

Iberogast ist ein Kombi-Präparat aus neun verschiedenen Heilpflanzen:

Bittere Schleifenblume (Iberis amara), Angelikawurzel (Engelwurz), Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel.

In der neueren Phytotherapie ist es eher unüblich, dass ein Präparat aus so vielen Heilpflanzen zusammengesetzt ist. Offenbar ergänzen die Bestandteile sich aber gut.

Zu STW-5 siehe auch:

Kinderheilkunde: Heilpflanzen-Kombination gegen Bauchbeschwerden

Phytotherapie bei funktionellen Magenbeschwerden

Phytotherapie als Standardtherapie bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen

Etwas eigenartig ist die Empfehlung der Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl bei RMS. Hier ist zweifellos vom Präparat Carmenthin® die Rede, das diese Zusammensetzung aufweist. Allerdings handelt es sich dabei um magensaftresistente Kapseln, die sich erst im Dünndarm auflösen. Etwas spät für eine Wirkung bei Reizmagen….

Carmenthin® eignet sich hingegen gut für Reizdarm und wirkt dort gegen Blähungen und Darmkrämpfe. Das Präparat stammt aus Deutschland und ist in der Schweiz nicht als Arzneimittel registriert.

Der Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung geht auch auf das Reizdarmsyndrom (RDS) ein:

„Unter einem Reizdarmsyndrom (RDS) versteht man länger als drei Monate anhaltende oder wiederkehrende Symptome, die die Lebensqualität einschränken und deren Ursprung im Darm vermutet wird: Stuhlunregelmäßigkeiten wie Durchfall und Verstopfung, die auch im Wechsel auftreten können, Schmerzen oder Druckgefühl im Bauch und Blähungen. Diese Symptome können allein oder in Kombination auftreten. Voraussetzung für die Annahme eines Reizdarmsyndroms ist der Ausschluss einer anderen organischen Krankheit.“

Unter den Therapieoptionen beim Reizdarmsyndrom werden auch zwei Phytotherapeutika aufgeführt, und zwar bei den Leitsymptomen Blähungen, abdominelle Distension und Flatulenz (Evidenzgrad A und B) und beim Leitsymptom Verstopfung (Evidenzgrad A). Leider werden aber weder die Präparate noch die darin enthaltenen Heilpflanzen konkret genannt.

Gemeint sind aber wohl

– Carmenthin®, die Kapsel aus Kümmelöl und Pfefferminzöl,

– Colpermin®, eine magensaftresistente Kapsel mit Pfefferminzöl zur Linderung von Darmkrämpfen,

– Flohsamen-Präparate als Stuhlregulans bei Verstopfung und/oder Durchfall.

Zu den phytotherapeutischen Optionen bei Reizdarmsyndrom siehe auch:

Phyto-Kombi mit Pfefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Reizdarmsyndrom: Kümmel, Anis und Fenchel als Tee?

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Ballaststoffe beim Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

 

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm – Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen

Phytotherapie bei Reizdarm

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminzöl top – Kleie flop

 

 

 

Phytotherapie: Wirksame Behandlung bei Reizdarm und funktioneller Dyspepsie

Ballaststoffe bessern Reizdarmsyndrom

Phytotherapie: Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Süssholzwurzel im Verdauungstrakt

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Die „Österreichische Apothekerzeitung“ (Nr. 17 / 3013) hat einen informativen Artikel veröffentlicht zum Thema Phytotherapie bei Erkrankungen im Gastrointestinaltrakt.

Interessant daraus ist unter anderem der Abschnitt über die Süssholzwurzel:

„Glycyrrhizin, der Hauptinhaltsstoff der Süßholzwurzel (Liquiritiae radix), wirkt antiulzerogen und zwar über eine Hemmung der Leukozytenwanderung und eine Thrombininhibition. Zusätzlich kommt es zu einer verminderten Magensaftsekretion, einer verringerten Pepsinaktivität und zu einer erhöhten Viskosität der Magenschleimhaut. In den letzten Jahren wurde zudem ein keimhemmender Effekt der Glycyrrhetinsäure gegenüber Heliobacter pylori entdeckt. Dabei konnten diese Effekte sogar bei Claritromycin- bzw. Metronidazol-Resistenz beobachtet werden.

Laut ESCOP wird Süßholzwurzel daher zur unterstützenden Therapie bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren und bei Magenschleimhautentzündungen empfohlen.

Da Glycyrrhizin neben Corticoiden den Abbau von Aldosteron hemmt, kommt es bei längerem Gebrauch zu einem Überschuss an Mineralkortikoiden, der zu einem Kaliumverlust, Ödemen und Herzbeschwerden führen kann. Daher sollte eine Therapie mit Süssholzwurzel nicht länger als 4 Wochen andauern. In der Schwangerschaft, bei Bluthochdruck sowie bei Leber- und Nierenerkrankungen ist die Süssholzwurzel kontraindiziert.

Tagesdosis: 5 – 15 g Süssholzwurzel bzw. 200 – 600 mg Glycyrrhizin oder 0,5 bis 1 g Succus liquiritiae.“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2013/OAZ-2013-17.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Süssholzwurzel ist ein häufiger Bestandteil von Brustteemischungen gegen Husten, weil sie neben einem leicht schleimlösenden Effekt auch noch das Aroma versüsst.

Die meinem Eindruck nach weniger geläufige Anwendung bei Magenschleimhautentzündungen ist aber genauso interessant.

Die erwähnten Nebenwirkungen brauchen noch eine Erläuterung: Heikel könnte es vor allem werden, wenn über längere Zeit in grösseren Mengen Lakritze ( = Bärendreck) konsumiert wird, welche eingedickten Süssholzsaft enthält. In solchen Situationen sind Elektrolytstörungen nicht ausgeschlossen.

Einige Studien geben Hinweise auf ein mögliches Risiko durch Lakritzekonsum während der Schwangerschaft:

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft?

Ausserdem:

Süssholzwurzeltee schützt Magenschleimhaut

Amorfructine aus Süssholz gegen Diabetes?

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

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Süssholz wirkt wie Cortison gegen Allergien?

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Kräuter werden heute zunehmend über’s Internet verkauft.

Auffallend sind dabei die oft sehr fragwürdigen Beschreibungen von Heilwirkungen.

Ein kürzlich angetroffenes Beispiel eines Online-Shops:

„In der Pflanzenheilkunde wird Süssholz oft bei «verhocktem» Husten eingesetzt, denn es gilt als schleimlösend und auswurffördernd. Zudem besitzt es ähnliche Eigenschaften wie Cortison und wirkt so gegen Allergien.“

Kommentar & Ergänzung:

Dass Süssholz schleimlösend und auswurffördern bei produktivem Husten wirkt, gilt in der Phytotherapie weitgehend als glaubwürdig.

Die ESCOP sieht Süssholz als „unterstützende Therapie bei Magen- und Zwölffingerdarm­geschwüren sowie bei Magen­schleimhautentzündung; als Schleim lösendes Mittel bei Husten und Bronchialkatarrh“.

Für diese Bereiche kann man Süssholzwurzel in passender Dosierung und über eine limitierte Zeitdauer nach heutigem Kenntnisstand problemlos einsetzen.

Sehr fragwürdig ist aber die Aussage, dass Süssholz ähnliche Eigenschaften wie Cortison besitzt und daher gegen Allergien hilft.

Inhaltsstoffe der Süssholzwurzel hemmen den Abbau des körpereigenen Cortisols in der Leber, wodurch tatsächlich cortisonähnliche Wirkungen im

Organismus ausgelöst werden können. Daueranwendung (mehr als sechs Wochen) und Überdosierung können Hypokaliämie und Hypernatriämie bewirken. Als deren Folgen könnten Bluthochdruck, Ödeme, Stauungsherzinsuffizienz, Bradikardie, Asthma cardiale, Darmkoliken, Kopfschmerzen, metabolische Alkalose, Muskelschwäche, Rhabdomyolyse (Zerstörung der Muskulatur) und Lähmungserscheinungen begünstigt werden.

Das sind aber Extremfälle, die allenfalls durch Einnahme von Lakritze (eingedickter Süssholzsaft, Bärendreck) in hoher Dosierung über lange Zeit vorstellbar sind.

Von der Süssholzwurzel müsste man etwa 50g / Tag einnehmen, um in diesen Bereich zu kommen, was sehr unrealistisch ist.

Der Punkt ist nun aber: Wenn man von Süssholz eine Cortison-ähnliche Wirkung haben will, wie von diesem Online-Shop versprochen gegen Allergien, dann müsste man Süssholzsaft (Lakritze) in hohen Dosen einnehmen. Das ist aber nicht vertretbar, weil man dann in Dosisbereiche kommt, in denen auch mit Cortison-ähnlichen Nebenwirkungen zu rechnen ist.

Von daher tönt es zwar sehr gut, wenn Süssholz als pflanzliches Cortison gegen Allergien empfohlen wird. Mit der Realität hat diese Werbeaussage aber nichts zu tun.

Als Grundsatz ist daher empfehlenswert:

Skeptisch bleiben, nicht alles glauben, was geschrieben und gesagt wird, nachhaken, sich selber schlau machen – zum Beispiel mit dem Heilpflanzen-Seminar oder der Phytotherapie-Ausbildung (siehe Kurskalender).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Süssholzwurzeltee schützt Magenschleimhaut

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Das Magazin „Focus“ schreibt zur Wirkung von Süssholzwurzel:

„Die Süßholzwurzel hemmt Entzündungen, schützt die Magenschleimhaut und entkrampft den Magen. Hauptwirkstoff ist das Saponin Glycyrrhizin, das auch der Lakritze ihren charakteristischen Geschmack verleiht.

Für den Tee die Süßholzwurzel in kleine Stücke schneiden und kurz aufkochen lassen. Wer mag, kann auch etwas Fenchel dazugeben. Dann fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Je süßer der Tee werden soll, desto länger muss er ziehen. Schluckweise über den Tag verteilt trinken.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/magen/tid-21554/hausmittel-magenkraempfe-entspannung-fuer-den-magen_aid_605248.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist soweit korrekt. Häufiger als bei Magenschleimhautentzündung wird Süssholz allerdings als schleimlösendes Mittel bei Husten eingesetzt.

Süssholz ist ein häufiger Bestandteil von Hustentee-Mischungen („Brusttee“), beispielsweise zusammen mit Thymiankraut, Schlüsselblumenblüten, Spitzwegerichkraut, Anisfrüchten, Malvenblüten oder Königskerzenblüten.

Die Süssholzpflanze (Glycyrrhiza glabra) gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und ist im Mittelmeergebiet und in Westasien beheimatet (Abbildung auf Wikipedia).

Mit verschiedenen Varietäten besiedelt die Pflanze eine große Region vom südöstlichen Europa über Vorderasien, Ukraine, Mittelrussland, südliches Sibirien, Afghanistan bis zum westlichen China.

Die stark süß schmeckende Süssholzwurzel enthält Glycyrrhizin, ein Triterpensaponin, das etwa die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker (Saccharose) besitzt.

Die Wurzeln werden zur Gewinnung von „Süßholzsaft“ (Liquiritiae succus) verwendet, der in die weltweit beliebten Lakritz-Süßwaren eingearbeitet wird. Zu diesem Zweck werden die frischen Wurzeln zerkleinert und mit Wasser viele Stunden ausgekocht. Der so gewonnene Saft wird anschliessend ganz langsam bis zur zähflüssigen Konsistenz eingedickt. Bei diesem Vorgang bildet sich das so charakteristische Lakritzaroma. Der zähflüssige Extrakt wird zu 5% bis maximal 50% zusammen mit Zucker, Mehl, Stärke und/oder Gelatine sowie Geruchs- und Geschmacksstoffen zu Lakritzwaren verarbeitet.

Bei längerer Anwendung und höherer Dosierung kann Lakritze Störungen im Mineralstoffhaushalt bewirken: mineralokortikoide Effekte in Form einer Natrium- und Wasser-Retention, Kaliumverlust mit Bluthochdruck, Ödeme (Wasseransammlung in Geweben) und in seltenen Fällen Myoglobinurie (Eiweiß des Muskelgewebes im Harn).

Während der Schwangerschaft ist Lakritze zu meiden.

Siehe auch:

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft?

Und sonst noch zu Süssholz bzw. Lakritze:

Amorfructine aus Süssholz gegen Diabetes

Fundstück: Rezept für hausgemachte Lakritze

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

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Wildkräuterküche: Spitzwegerich

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Unter dem Titel „Fünf Köstlichkeiten aus der Natur“ berichtet der Südkurier unter anderem über die Verwendung des Spitzwegerichs in der Wildkräuterküche und in der Pflanzenheilkunde:

„Spitzwegerich: Saft aus zerdrückten Blättern hilft bei Insektenstichen und Brennnessel-Schmerz. Knospen und Blätter kann man roh essen, nach 20-minütigem Kochen entwickeln die Blätter ein Pilz-Aroma. Spitzwegerich ist Bestandteil vieler Hustensäfte und -tees. In der Heilkunde wird er zur Infektvorbeugung verwendet. Ein etwas skurriles Rezept: Spitzwegerich-Blätter und Zucker in Schichten in ein Glas füllen und für einige Monate in der Erde vergraben. Den Sirup einmal fein durchsieben, aufkochen, abfüllen.“

Quelle:

http://www.suedkurier.de/nachrichten/baden-wuerttemberg/aktuelles/baden-wuerttemberg/info/Fuenf-Koestlichkeiten-aus-der-Natur;art992911,5653809

Kommentar & Ergänzung:

Die Anwendung von Spitzwegerichblättern bei Insektenstichen ist in der traditionellen Pflanzenheilkunde schon lange gebräuchlich, ohne dass genau erklärbar ist, wie eine solche Wirkung zustande kommen könnte.

Wässrige Spitzwegerich-Auszüge beschleunigen die Blutgerinnung.

Das passt zur Anwendung des Spitzwegerichs in der Volksmedizin als Hämostyptikum, also als lokal blutstillendes Mittel.

Die Wirkung des Spitzwegerichs bei Husten ist dagegen ziemlich gut untersucht.

Spitzwegerich führt zu einer Reizlinderung bei Katarrhen der oberen Luftwege. Durch die einhüllende Wirkung des Schleims werden entzündete Schleimhäute vor allem im Bereich des Hypopharynx (unterster Teil des Rachens) und der Epiglottis (Kehldeckel) vor lokalen Reizungen geschützt, wodurch der Hustenreiz peripher unterdrückt werden kann. Insbesondere für das Spitzwegerich-Fluidextrakt konnte eine ausgeprägte hustenreizstillende Wirkung nachgewiesen werden.

Festgestellt wurde zudem eine immunstimulierende Wirkung: Die Polysaccharide bzw. Schleimstoffe des Spitzwegerichs steigern die Phagozytoseaktivität der Granulozyten. Möglicherweise lässt sich dadurch die Empfehlung zur Infektvorbeugung begründen.

Spitzwegerichblätter sind auch häufig Bestandteil von sogenannten „Brusttees“ (= Hustentees).

Als Beispiel: Sidroga Brust- und Hustentee

Zusammensetzung:

Süssholzwurzel 31,2%

Eibischblätter 11%

Spitzwegerichblätter 11%

Thymian 11%

Sternanisfrüchte 7,3%

Klatschmohnblüten 6,5%

Eibischwurzel 5,5%

Süsse Fenchelfrüchte 5,5%

Isländisch Moos 5,5%

Dreilappiger Salbei 5,5%

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Amorfructine aus Süssholz gegen Diabetes

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Süssholz enthält Wirkstoffe mit einem für den Typ-2-Diabetes hochinteressanten Profil: Die neu entdeckten Inhaltsstoffe Amorfrutine reduzieren am Tiermodell den Blutzucker durch Steigerung der Insulinsensitivität und wirken gegen Entzündungen.

Seit Jahrtausenden werden Inhaltsstoffe der Süssholz-Pflanze (Glycyrrhiza glabra) medizinisch angewendet, und zwar hauptsächlich als Tee bei Atemwegs- und Magenerkrankungen. Nun haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin in der Süßholzwurzel eine neue Wirkstoffklasse entdeckt: die Amorfrutine.

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Amorfrutine gezielt an den PPAR-gamma-Rezeptor (Peroxisom-Proliferator-Aktivierter Rezeptor) andocken und Ihn aktivieren. Da PPAR-Rezeptoren viele Stoffwechselvorgänge beeinflussen, ist das medizinische Interesse an ihnen seit einigen Jahren sehr groß.

Der gamma-Untertyp spielt eine bedeutende Rolle im Glucose- und Fettstoffwechsel. Eine Aktivierung des PPAR-gamma steigert die Empfindlichkeit von Muskelzellen, Fettzellen und Leberzellen für Insulin. Glucose sowie freie Fettsäuren werden darum verstärkt von den Zellen aufgenommen und aus dem Blut abgezogen.

Auch bei der Differenzierung von Adipozyten (Zellen des Fettgewebes) scheint der PPAR-gamma eine Rolle zu spielen, und schließlich ist die Aktivierung des Rezeptors mit antientzündlichen Wirkungen verbunden.

Insulinsensitivität wird erhöht

Im Einklang mit diesen Erkenntnissen der Grundlagenforschung stehen die Resultate, die die Max-Planck-Wissenschaftler mit Amorfrutinen am Mausmodell für Adipositas und Tpy-2-Diabetes gewonnen haben: Mit den neu entdeckten Pflanzenstoffen ließ sich die Insulinsensitivität deutlich erhöhen. Der Blutzucker wurde reduziert und auch die Konzentration freier Fettsäuren im Blut verminderte sich. Die Amorfrutine konnten im Experiment sogar der Entwicklung einer Fettleber vorzubeugen. Außerdem war eine Verminderung verschiedener Entzündungsparameter festzustellen.

Dieses interessante Profil wird gemäss den experimentellen Daten durch eine sehr gute Verträglichkeit vervollständigt. Damit, so die Forscher, weisen Amorfrutine einen entscheidenden Vorteil gegenüber synthetischen Liganden des PPAR-gamma auf. Denn die vor einigen Jahren in die Diabetesbehandlung eingeführten Glitazone binden an diesen Rezeptor. Allerdings ist Rosiglitazon schon wieder aus dem Handel verschwunden und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät Medizinern, keine weiteren Patienten auf Pioglitazon einzustellen. Dass die natürlichen PPAR-gamma-Liganden offenbar frei sind von unerwünschten Wirkungen synthetischer Liganden, ist laut den Wissenschaftlern auf die größere Selektivität zurückzuführen, mit der Amorfrutine durch die Bindung an den Rezeptor relevante Gene anschalten.

Amorfrutine passen ins Konzept der Diabetestherapie

Das Profil der Amorfrutine ist darum so interessant, weil es metabolische und antientzündliche Effekte verbindet. Entzündliche Vorgänge spielen nach dem aktuellen Konzept in der Pathogenese des Typ-2-Diabetes eine wichtige Rolle und könnten ein bedeutendes Bindeglied zwischen Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes und Arteriosklerose sein.

Bei Adipositas können Fettzellen auf ein Mehrfaches ihrer gewöhnlichen Größe anwachsen, und diese hypertrophen Fettzellen schütten große Mengen von Entzündungsmediatoren aus. Dadurch werden Immunzellen wie Makrophagen angelockt, die in das Fettgewebe einwandern und die Lage weiter aufheizen, bis sich mit der Zeit eine chronische Entzündung (low grade inflammation) entwickelt. Man konnte zeigen, dass die Überschwemmung mit Entzündungsmediatoren an insulinabhängigen Geweben eine Insulinresistenz auslösend beziehungsweise fördern kann, die Ausgangspunkt ist für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Und auch bei der beschleunigten Arteriosklerose – als Folge von metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes – sind entzündliche Vorgänge mit im Spiel.

Man müsste allerdings viel Süßholz einnehmen, um die Wirkungen der Amorfrutine in der Diabetesbehandlung nutzen zu können – die bisher angebotenen Zubereitungen hauptsächlich in Tees sind viel zu niedrig dosiert. Die Berliner Wissenschaftler haben bereits großindustriell anwendbare Extraktionsverfahren entwickelt, mit dem sich Amorfrutine anreichern lassen. Das medizinische Potenzial dieser interessanten Pflanzeninhaltsstoffe, die auch in den Früchten des in Amerika heimischen Strauches Amorpha fruticosa entdeckt wurden, sehen die Max-Planck-Forscher in einer sowohl therapeutischen als auch vorbeugenden Anwendung.

Quelle:

Weidner, C: Amorfrutines are potent antidiabetic dietary natural products, Proceedings of the National Academy of Sciences 2012, doi: 10.1073/pnas.1116971109

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41709&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Süssholz ist eine interessante Heilpflanze und dieses Beispiel mit den Amorfrutinen zeigt wieder einmal, dass die Pflanzenwelt eine ergiebige Quelle für Arzneistoffe ist.

Zum Hinweis darauf, dass mit Süssholztee die Amorfrutine nicht in genügender Dosierung zugeführt werden können, lässt sich noch sagen: Mit eingedicktem Süssholzsaft – also mit Lakritze – könnten wohl grössere Mengen zugeführt werden (sofern die Amorfrutine das Einkochen bei der Lakritzeherstellung überstehen).

Das Problem liegt aber an einem anderen Punkt: Süssholz / Lakritze in so hohen Dosen hätte wohl auch gravierende Nebenwirkungen. Bei längerfristiger Einnahme und hohen Dosen wäre zu rechnen mit: Mineralocorticoiden Wirkungen, Pseudohyperaldosteronismus mit Wasser- und Natriumretention, Oedemen, Kaliummangel und Bluthochdruck. Für diese Wirkungen sind die Inhaltsstoffe Glycyrrhizinsäure bzw. Glycyrrhetinsäure verantwortlich.

Darum ist es im Fall der Amorfrutine sicher sinnvoll, wenn die Wissenschaftler sich auf die Gewinnung und Anwendung der isolierten Stoffe konzentrieren und nicht – wie es in der Phytotherapie gebräuchlich ist – ein möglichst vollständiges „Wirkstoffteam“ aus der Pflanze extrahieren.

Zu ergänzen ist zudem, dass die vorliegenden Laborergebnisse und Resultate aus Tiermodellen noch weit entfernt sind von der Anwendung in der Diabetes-Behandlung beim kranken Menschen. Ob sich ein neuer Ansatz in der Therapie bewährt, zeigt sich erst in klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten.

Zum Süssholz (Glycyrrhiza glabra) siehe auch:

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Fundstück: Rezept für hausgemachte Lakritze

Süssholzwurzeltee bei Magenbeschwerden

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

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Fundstück: Rezept für hausgemachte Lakritze

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Zur Herstellung von Lakritze werden die frischen Wurzeln zerkleinert und mit Wasser viele Stunden ausgekocht. Der so gewonnene Süssholzsaft wird dann ganz langsam bis zur zähflüssigen Konsistenz eingedickt. Bei diesem Vorgang bildet sich das so charakteristische Lakritzaroma.

Fundstück auf Pharmawiki, der fundierten Quelle für Informationen über Arzneimittel:

„Rezept für selbstgemachte Lakritze:

Geschnittene Süssholzwurzel (aus der Apotheke)

Halbweiss- oder Weissmehl

Kochsalz oder Ammoniumchlorid (aus der Apotheke)

Gelierzucker

Kohlepulver (aus der Apotheke)

Trinkwasser

Die Süssholzwurzel mit heissem Wasser bedecken und 12 Stunden mazerieren, anschliessend durch ein grobes Sieb abseihen und den Rückstand kolieren und auspressen. Filtrat und Pressflüssigkeit vereinigen. Die Flüssigkeit einkochen. Unter Umrühren das Salz, das Kohlepulver und den Gelierzucker zugeben. Zuletzt ausreichend Mehl zugeben und zu einem starren, dickflüssigen schwarzen Kleister verarbeiten. Auf ein Blech oder in Formen giessen und bei niedriger Hitze (150°) im Ofen trocknen. Evt. mit wenig Sonnenblumenöl bestreichen.

Als Alternative kann zum Gelieren auch Arabisches Gummi verwendet werden.“

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Lakritze

Kommentar & Ergänzung:

Lakitze bzw. Süssholzwurzel ist eine interessante und vielseitige Heilpflanze.

In der Phytotherapie gelten folgende Anwendungsbereiche als medizinisch anerkannt:

„Bei Katarrhen der oberen Luftwege und bei Ulcus ventriculi/ duodeni (Magen-/Zwölffingerdarmgeschwür) (Kommission E); als unterstützende Therapie bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sowie bei Magenschleimhautentzündung; als schleimlösendes Mittel bei Husten und Bronchialkatarrh (ESCOP).“

Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/suessholz.php

Und ausserdem als Kuriosum: Im Film Goldrausch konnte der Schauspieler Charlie Chaplin seine Schuhe und Schnürsenkel verspeisen, weil diese Requisiten aus Lakritze hergestellt waren.

(Quelle: Wikipedia)

Zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Lakritze und Süssholz siehe auch:

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Süssholzwurzeltee bei Magenbeschwerden

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

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Zitrusfrüchte gegen Schlaganfall

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Der Konsum von Zitrusfrüchten kann bei der Prävention von Schlaganfällen mitwirken. Das haben Forscher der Norwich Medical School an der University of East Anglia in Norwich, Großbritannien, entdeckt. Die in den Zitrusfrüchten vorkommenden Flavonoide reduzieren demnach das Schlaganfallrisiko um bis zu 19 Prozent.

Die britischen Forscher haben den Zusammenhang zwischen der Einnahme von hohen Mengen an Flavonoiden und dem Schlaganfallrisiko genauer untersucht. Die Studie stützte sich auf Daten der sogenannten Nurse’s Health Study, in der fast 70.000 Frauen über 14 Jahre lang beobachtet wurden. Die teilnehmenden Frauen wurden regelmäßig zu ihrem Obst- und Gemüseverzehr befragt. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass Frauen, die eine große Menge Zitrusfrüchte wie etwa Orangen oder Grapefruits konsumierten, ein um 19 Prozent tieferes Risiko hatten, einen Schlaganfall zu erleiden.

Flavonoide sind Pflanzenstoffe, die nicht nur in Zitrusfrüchten enthalten sind, sondern auch in anderen Früchten, in Gemüse, dunkler Schokolade und Rotwein vorkommen. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass ein hoher Verzehr von Obst und Gemüse sowie von Vitamin C mit einem reduzierten Schlaganfallrisiko verbunden ist. Für diesen Effekt werden hauptsächlich die Flavonoide verantwortlich gemacht, da sie die Blutgefäße schützen und eine Wirkung gegen Entzündungen entfalten.

Die britischen Wissenschaftler haben nun die einzelnen Flavonoide genauer unter die Lupe genommen. Die Gesamtmenge der konsumierten Flavonoide verminderte dabei das Schlaganfallrisiko nicht wesentlich. Allerdings reduzierte ein hoher Konsum von Flavanonen, einer Untergruppe der Flavonoide, das Schlaganfallrisiko bei den Frauen um 19 Prozent. In dieser Studie stammten die Flavanone vor allem aus Orangen und Orangensaft (82 Prozent) oder Grapefruits und Grapefruitsaft (14 Prozent). Die Wissenschaftler empfehlen dennoch, dass Verbraucher eher ihren Früchtekonsum steigern sollten, als dass sie zu Fruchtsäften greifen, da diese oft auch Zucker in allzu grossen Mengen enthalten. Generell seien jedoch noch weitere Studien nötig, um den Zusammenhang zwischen Früchtekonsum und vermindertem Schlaganfallrisiko zu bestätigen.

Quellen:

http://www.aponet.de/aktuelles/forschung/2012-02-orangen-gegen-schlaganfall.html

„Dietary Flavonoids and Risk of Stroke in Women“, Aedín Cassidy et al.; Stroke, DOI: 10.1161/STROKEAHA.111.637835

Kommentar & Ergänzung:

Flavonoide sind eine wichtige und interessante Wirkstoffgruppe in Heilpflanzen. Sie haben grosse Bedeutung in der Ernährung und in der Phytotherapie. Es handelt sich um sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, zu denen ein grosser Teil der Blütenfarbstoffe gehört.

Zum Stellenwert der Flavonoide in der Ernährung schreibt Wikipedia:

„ Der Mensch nimmt Flavonoide mit der Nahrung in größeren Mengen auf. Rund zwei Drittel der rund ein Gramm umfassenden phenolischen Substanzen, die der Mensch zu sich nimmt, sind Flavonoide. ‚Es wird angenommen, das sie dank ihrer antioxidativen Wirkung, die in vitro z. T. stärker ist als diejenige von bekannten Antioxidanzien wie Vitamin E, einen signifikanten Einfluss auf die Gesundheit des Menschen haben.’

Epidemiologische Studien zeigten ein geringeres Risiko für verschiedene Krankheiten bei höherer Flavonoidaufnahme, darunter etwa Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Flavonoide wirken auf den Arachidonsäure-Stoffwechsel und damit auf die Blutgerinnung. Für Krebs zeigten die epidemiologischen Studien keinen Zusammenhang, mit Ausnahme von Lungenkrebs, dessen Risiko vor allem durch Flavonoidaufnahme über Äpfel verringert wird.

Für einige Verbindungen wurde in in vitro-Tests eine mutagene oder genotoxische Wirkung gezeigt. Es gibt aber keine Hinweise auf eine Toxizität beim Menschen, Tierversuche zeigten keine kanzerogene Wirkung von Flavonoiden. Bestimmte Flavonoide führen zu einer starken Hemmung der Cytochrom P450-abhängigen Monooxygenasen (Phase-I-Enzyme), andere wiederum zu einer Aktivierung. Es kann auch eine dosisabhängige Aktivierung von Phase-II-Enzymen kommen. All dies kann zu Wechselwirkungen mit Arzneistoffen führen, etwa bei Grapefruit.“

In Früchten wie beispielsweise im Apfel sind die Flavonoide vor allem in den Schalen konzentriert.

Zu den Wechselwirkungen von Grapefruitsaft mit Medikamenten siehe:

Grapefruitsaft und andere Fruchtsäfte können Medikamenten-Wirkungen beeinflussen

Zur medizinischen Wirkung der Flavonoide:

„Etliche flavonoidhaltige Arzneidrogen werden therapeutisch genutzt, daneben auch einige Reinstoffe. Sie werden als Venenmittel eingesetzt aufgrund ihrer gefäßschützenden, ödemprotektiven Wirkung, als Herz-Kreislaufmittel wegen ihrer positiv inotropen, antihypertensiven Wirkung, als Diuretika, als Spasmolytika bei Magen-Darm-Beschwerden sowie als Lebertherapeutika. Ihre Wirkung wird hauptsächlich auf ihre antioxidativen Eigenschaften sowie die Hemmung von Enzymen zurückgeführt.

Epidemiologische, wie auch die meisten in vivo-Studien deuten an, dass Flavonoide einen positiven Einfluss auf verschiedene Herz-Kreislauferkrankungen haben. Traditionell wurden diese Effekte nur ihren antioxidativen Aktivitäten zugeschrieben. Jedoch gibt es neben der unmittelbaren Bindung Reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) eine Vielzahl anderer Effekte, die in pharmakologisch erreichbaren Konzentrationen auch für den positiven kardiovaskulären Einfluss der Flavonoide wie z.B. Taxifolin verantwortlich sein kann. Dazu gehören insbesondere die Hemmung der ROS-bildenden Enzyme, Hemmung der Thrombozytenfunktion, Hemmung der Leukozyten-Aktivierung und gefäßerweiternde Eigenschaften.

Unter den zahlreichen Wirkungen von Flavonoiden, die in in vitro- und in vivo-Versuchen nachgewiesen wurden, sind die wichtigsten:

antiallergische und antiphlogistische Wirkung

antivirale und antimikrobielle Wirkung

antioxidative Wirkung

antiproliferative und antikanzerogene Wirkung

Flavonoide wirken über mehrere Wirkungsmechanismen. Im Vordergrund stehen dabei die Interaktion mit DNA und Enzymen, die Aktivierung von Zellen, ihre Eigenschaft als Radikalfänger, sowie die Beeinflussung von verschiedenen Signaltransduktionswegen in den Zellen (NF-κB, MAPK). Flavonoide hemmen über dreißig Enzyme im menschlichen Körper. Sie aktivieren verschiedenste Zelltypen des Immunsystems. Die beiden letzten Eigenschaften sind etwa für die entzündungshemmende Wirkung von Flavonoiden verantwortlich.

Folgende Flavonoide werden als Reinstoffe als Venenmittel genutzt:

Citrusbioflavonoide, Hesperidin

Diosmin

Rutin und Hydroxymethylrutinoside

Unter den Arzneidrogen überwiegen solche, die Flavonolglykoside und Glykosylflavone enthalten. Wichtige Arzneidrogen, die größere Mengen an Flavonoiden enthalten, sind:

Arnikablüten (Arnika)

Birkenblätter (Hänge-Birke, Moor-Birke)

Buchweizenkraut (Fagopyrum esculentum)

Ginkgoblätter (Ginkgo)

Goldrutenkraut (aus Solidago virgaurea, Solidago gigantea und Solidago canadensis)

Holunderblüten (Schwarzer Holunder)

Hopfenzapfen (Echter Hopfen)

Kamillenblüten (Kamille)

Katzenpfötchenblüten (Gewöhnliches Katzenpfötchen)

Lärchenextrakt (Taxifolin)

Mädesüßkraut und -blüten (Mädesüß)

Mariendistelfrüchte (Mariendistel)

Passionsblumenkraut (aus Passiflora incarnata)

Bitterorangenschale (Bitterorange)

Ringelblumenblüten (Ringelblume)

Römische Kamille

Rotes Weinlaub (Vitis vinifera)

Saflorblüten (Saflor)

Stiefmütterchenkraut (Viola arvensis und Viola tricolor)

Süßholzwurzel (Süßholz)

Weißdornblätter mit Blüten (mehrere Weißdorn-Arten)“

Quelle: Wikipedia

Wenn Wikipedia von „Arzneidrogen“ schreibt, sind damit getrocknete Heilpflanzen gemeint. Der Begriff „Droge“ bezieht sich also in der Pflanzenheilkunde nicht auf Drogen im Sinne von Betäubungsmitteln.

Flavonoide sind in der Regel gut verträgliche Wirkstoffe, die sich auch für längere Anwendung eignen. Es muss aber auf ausreichende Dosierungen geachtet werden, was insbesondere bei Pflanzentinkturen aus Frischpflanzen (Urtinkturen) oft nicht gewährleistet ist, wenn zum Beispiel von Weissdorntinktur oder Mariendisteltinktur nur 3 mal täglich 3 – 5 Tropfen empfohlen werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

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Seine Wurzel wird für Lakritze, Kräuterliköre und Kräutertees verwendet – und in Zukunft vielleicht sogar für Medikamente gegen Virusinfektionen: Das Süßholz ist zur Arzneipflanze des Jahres 2012 erkoren worden. Das schreibt der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg, der seit 1999 die Arzneipflanze des Jahres wählt.

Das Süßholz (Glycyrrhiza glabra) ist eine Staude, die einen Meter hoch wachsen kann. Heimisch ist Glycyrrhiza glabra im Mittelmeerraum, in Kleinasien und im Kaukasus bis Iran, Afghanistan, Zentralasien und Südrussland. Zwei weitere Glycyrrhiza-Arten sind in Ostasien heimisch: . Glycyrrhiza inflata und Glycyrrhiza uralensis.  Süßholz wird einerseits fast überall in der Natur gesammelt, für die Arznei- und Genussmittelherstellung in der Türkei, China, Russland, Bulgarien, Italien, Spanien und Südfrankreich aber auch angebaut.

Verwendet wird die Süssholz-Wurzel mit ihren Ausläufern. Sie besitzt zahlreiche Inhaltsstoffe: 400 verschiedene Inhaltsstoffe sind bisher beschrieben worden. Zu den wichtigen Inhaltsstoffen der Süssholzwurzel zählen Saponine (bis zu 15 Prozent) wie das Glycyrrhizin, das fast die 50fache Süßkraft von Rohrzucker besitzt, ausserdem Flavonoide, Cumarine und Schleimstoffe. Aus diesen Inhaltsstoffen erklärt sich die Anwendung als entzündungshemmende, schleimhautprotektive und auswurffördernde Heilpflanzen gegen Husten, Katarrhe und Entzündungen der oberen Atemwege sowie Gastritis und Magengeschwüre in der westlichen Heilkunde.

Ohne Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin soll Süßholzwurzel nicht länger als vier bis sechs Wochen angewendet werden. In hohen Dosen hat die Heilpflanze mineralcorticoide Effekte wie Natrium- und Wasserretention sowie Kaliumverlust mit Bluthochdruck und Ödemen. Die Tagesdosis von 15 Gramm Süßholzwurzel beziehungsweise 600 Milligramm Glycyrrhizin darf deshalb nicht überschritten werden. Eingedickter Süssholzsaft, also Lakritze, darf nicht mehr als 200 Milligramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm enthalten. Pro Tag sollte nicht mehr als 50 Gramm Lakritze verzehrt werden. Kontraindiziert ist die Anwendung von Süßholzwurzel bei cholestatischen Lebererkrankungen, Leberzirrhose, arterieller Hypertonie, Hypokaliämie, schwerer Niereninsuffizienz und Schwangerschaft.

„Süßholz raspeln“ – das sagt man, wenn sich jemand einschmeicheln will. Diese Redewendung spielt direkt auf die arzneiliche Wirkung der Süßholzwurzel an, wie Johannes Mayer vom Würzburger Studienkreis erklärt: „Eine Abkochung von zerkleinerter Süßholzwurzel als Tee getrunken, hilft sehr schnell bei rauer Stimme und Hustenreiz.“ Denn der Inhaltsstoff Glycyrrhizin wirke unter anderem entzündungshemmend und schleimhautschützend.

In der Antike nutzten die Ägypter und Griechen Süssholz unter anderem gegen Husten, Heiserkeit, Asthma und Brustbeschwerden. Im Mittelalter schrieb die Äbtissin Hildegard von Bingen dem Süßholz eine günstige Wirkung auf die Psyche zu – Hildegard zufolge soll es den Menschen „mild stimmen“. Unter der Bezeichnung „gan cao“ ist Süßholz bis heute ein fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Süssholz gehört dort zu den so genannten 50 Basiskräutern.

Außer in China wird Süßholz gegenwärtig in zahlreichen anderen asiatischen Ländern medizinisch verwendet, etwa in Japan, Korea und Vietnam. In Ostasien setzt man Süssholz mit weiteren Stoffen auch bei Leberleiden wie Hepatitis und Leberzirrhose ein. „Zahlreiche Forschungsaktivitäten weltweit geben Anlass zu der Hoffnung, dass die Süßholzwurzel in Zukunft auch für andere Anwendungsgebiete eingesetzt werden könnte, zum Beispiel bei Virusinfektionen“, erklärt Johannes Mayer.

Allein auf dem deutschen Markt werden jährlich etwa 100 Tonnen Süßholzwurzel als Bestandteil von Kräutertees konsumiert. „Generell ist Deutschland in Europa die Nummer eins unter den Nutzern und Händlern von Heilpflanzen. Weltweit gesehen, sind die Deutschen sowohl beim Import als auch beim Export unter den Top fünf“, so Johannes Mayer.

Die Süßholzwurzel und zahlreiche andere Arzneipflanzen werden nicht nur kultivert, sondern auch in der Natur gesammelt. Daraus entstehen Probleme der Nachhaltigkeit. Um darauf hinzuweisen, stellt der Würzburger Studienkreis die Arzneipflanze des Jahres erstmals in Kooperation mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) und dessen Partnerorganisation Traffic vor. Der WWF hat Traffic im Jahr 1976 zusammen mit der Weltnaturschutzunion IUCN gegründet, um „den internationalen Ausverkauf der Natur zu stoppen“. Traffic bedeutet „Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce“.

Bei Wildsammlungen von Heilpflanzen soll die ortsansässige Bevölkerung eingebunden werden. Aus der Natur sollen nur so viele Pflanzen geerntet werden, wie nachwachsen können. Nur auf diese Weise kann der Bestand auf lange Zeit genutzt werden und eine Einkommensquelle für die ländliche Bevölkerung gewährleisten. Diese Art der Rohstoffgewinnung nennt sich „kontrollierte, nachhaltige Wildsammlung“.

Seit Kurzem existiert die Möglichkeit, verbindliche Managementpläne für Arzneipflanzen aufzulegen und nachhaltige Wildsammlungsprojekte zertifizieren zu lassen: Der vom WWF und Traffic mitentwickelte „FairWild“-Standard soll eine „nachhaltige Wildsammlung unter Erhalt der natürlichen Ressourcen mit einem fairen Preisgefüge“ gewährleisten. Dem Verbraucher wird das mit einem entsprechenden FairWild-Siegel signalisiert.

Der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg kürt die Arzneipflanze des Jahres seit 1999. Bisher wurden folgende Pflanzen gewählt: Buchweizen, Arnika, Stechender Mäusedorn, Artischocke, Pfefferminze, Arzneikürbis, Thymian, Hopfen, Gemeine Rosskastanie, Fenchel, Efeu und Passionsblume.

Quelle:

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=35906

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=40093&Nachricht_Title=Nachrichten_S%FC%DFholz+ist+Arzneipflanze+des+Jahres+2012&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Süssholz ist eine interessante Heilpflanze. Der „Süssholzstängel“, den man in der Drogerie als Kind bekommen hat, ist eine verbreitete Kindheitserinnerung. Dass es sich dabei um eine Süssholzwurzel handelt und dass aus Süssholz Lakritze („Bärendreck“) gewonnen wird, ist weniger bekannt.

Siehe auch:

Süssholzwurzeltee bei Magenbeschwerden

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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