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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Goji, Chia, Açaí & Co. – Fragwürdiger Superfood-Import

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Dem sogenannten Superfood werden allerlei positive Wirkungen nachgesagt – jünger, schöner, fitter und gesünder soll er uns machen.

Wissenschaftliche Studie, die das belegen könnten, existieren allerdings nicht. Und es gibt einheimische Lebensmittel, die mindestens gleichwertig sind.

Goji-Beeren aus China, Chia-Samen aus Mexico oder Açaí-Beeren aus Brasilien sind zwar durchaus gesund. Das trifft jedoch auch für einheimische Lebensmittel zu. Der Ernährungswissenschaftler Jürgen König von der Universität Wien sagt, dass wir zu all diesen sogenannten Superfoods zumindest eine europäische Alternative haben.

Den hohen Vitamin-C-Gehalt der Acaí-Beeren finde man auch im einheimischen Sanddorn. Auch die Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffe, die in den Chia-Samen stecken, seien keine exotische Besonderheit: „Die besonderen Dinge, die im Chia drin sind, finden wir genauso in unserem traditionellen Leinsamen. Nur der ist halt aus der Mode gekommen.“

Was die Goji-Beeren für europäische Konsumenten besonders attraktiv mache, sei der Gehalt an Flavonoiden. Diese sekundären Pflanzenstoffe sollen antioxidative und damit verjüngende Wirkungen haben, indem sie freien Radikalen entgegenwirken. Die Flavonoide finde man jedoch nicht nur in chinesischen Gojis, sondern in gleicher Konzentration auch in den einheimischen Heidelbeeren. Hinzu komme, dass die positive Wirkung dieser Pflanzenstoffe durch keine Studie belegt werden konnte.

Der Absatz der exotischen Superfoods steigt allen Widersprüchen zum Trotz in Europa laufend an.

Auch wenn zu gesundheitssteigernden Wirkungen dieser Lebensmittel keine wissenschaftliche Evidenz vorliegt und die Produzenten infolgedessen damit auch nicht werben dürfen, verbreiten sich die zugehörigen Mythen rasch unter interessierten Konsumenten.

Superfood zu kaufen liegt eindeutig im Trend: Seit 2012 hat sich zum Beispiel die Einfuhr von Chia-Samen aus Südamerika fast verfünffacht.

Der Ausdruck „Superfood“ ist zwar relativ neu, die Versprechungen, die mit solchen vermeintlich superpotenten Lebensmitteln verbunden werden, sind es aber nicht. Ob Quinoa (die glutenfreie „Andenhirse“), Papaya oder Avocado – auch diesen Nahrungsmitteln wurden bei der Markteinführung in Europa regelrechte Superkräfte zugeschrieben.

Das sei einfach die Hoffnung der Menschen, neue Lebensmittel mit besonderen Erwartungen zu verbinden, erklärt Jürgen König dazu. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht hat er nichts gegen das exotische Superfood einzuwenden. Wer sich Abwechslung auf dem Speiseplan wünsche, könne Goji, Chia und Co. bedenkenlos konsumieren.

Ernährungsphysiologisch notwendig sei das aber nicht.

Was die Beeren und Samen aus Übersee jedoch miteinander verbindet, sind die langen Transportwege. Denn diese Produkte kommen beinahe vollständig aus Asien und Südamerika. Bezüglich ökologischem Fußabdruck schneiden diese Nahrungsmittel also schlechter ab als etwa lokale Bioprodukte.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1765614/

Kommentar & Ergänzung:

Zu den Leinsamen wäre noch zu ergänzen, dass man sie schroten muss, damit die wertvollen Inhaltsstoffe verdaut und aufgenommen werden können.

Gegen Verstopfung funktioniert der Leinsamen aber auch ungeschrotet. Die Schleimstoffe sitzen in den Randschichten und kommen auch aus den ganzen Leinsamen heraus.

Siehe dazu auch:

Chia-Samen sind gesund und teuer – aber Leinsamen sind ebenso gesund und billiger

Heidelbeeren: Anthocyane im Verdauungstrakt

 

Açaí, Goji und Maqui – die neuen Wunderbeeren?

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2011/05/17/acai-goji-und-maqui-die-neuen-wunderbeeren.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Omega-3-Fettsäuren gegen Depressionen: Wirkung überzeugt nicht

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Omega-3-Fettsäuren werden seit Jahren als natürliche Helfer gegen Depressionen propagiert.

Eindeutige Belege dafür, dass diese Wirkung tatsächlich existiert, gibt es aber bisher nicht.

Wissenschaftler des Cochrane Netzwerks haben die Effekte nun mit einer systematischen Analyse (Metastudie) untersucht – mit ernüchterndem Resultat: Die Wirkung könnte verschwindend klein sein.

Die Forscherin Katherine Appleton und ihre Kollegen untersuchten 26 Studien aus den USA, Südamerika, Kanada, Asien, Australien und Europa, in denen die Wirksamkeit von Omega-3-Präparaten gegen Depressionen an 1478 Testpersonen überprüft wurde. 25 Studien untersuchten den Effekt von Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo). Eine Studie, an der allerdings nur 40 Personen beteiligt waren, überprüfte die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren im vergleich zu Antidepressiva.

Appleton und ihr Team schliessen aus ihren Resultaten dass die Fettsäuren eine leichte Wirkung gegen Depressionen besitzen. Möglicherweise sei diese Wirkung jedoch auch verschwindend gering, schränken die Wissenschaftler ein.

Der tatsächliche Therapieeffekt lasse sich nur schwer abschätzen, weil die Studienlage lückenhaft sei und es grosse Unterschiede zwischen den Ergebnissen gebe.

In den untersuchten Einzelstudien haben die jeweiligen Forscher ihre Daten nämlich unterschiedlich protokolliert und die untersuchten Patienten verschieden klassifiziert. In den meisten Fällen war die Zahl der Testpersonen zu klein, um repräsentative Resultate zu erhalten. Appleton und ihr Team warnen daher vor einer Überinterpretation der Daten.

Solange die klinische Studienlage weiterhin keine ausreichenden Belege für den Einsatz von Omega-3-Fettsäuren liefert, sollte die Selbstmedikation stets kritisch hinterfragt werden.

Derzeit sind auch noch Fragen offen zur optimalen Dosierung oder zur wirksamen Fettsäuren-Zusammensetzung.

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand richten Omega-3-Fettsäure-Präparate wohl kaum Schäden an, sind gut verträglich und auch klinisch relevante Wechselwirkungen mit Medikamenten sind nicht bekannt. Ein ärztlich-kontrollierter Therapieversuch zusätzlich zu einer antidepressiven Standardtherapie scheine im Einzelfall akzeptabel, schreibt Dr. André Said in der Deutschen Apotheker Zeitung (46/15).

Omega-3-Fettsäuren sollen sich sogar günstig auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken, weil sie die Fließgeschwindigkeit des Blutes verbessern und den Cholesterinspiegel beeinflussen. Doch auch in diesen Bereichen ist die Studienlage noch lückenhaft. Bei Überdosierung können Omega-3-Fettsäuren zu Übelkeit führen und durch ihre blutverdünnenden Eigenschaften für Menschen mit einer schlechten Blutgerinnung gefährlich werden.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2015/11/12/omega-3-fettsaeuren-nutzen-nur-wenig/17161.html

http://onlinelibrary.wiley.com/enhanced/doi/10.1002/14651858.CD004692.pub4

Kommentar & Ergänzung:

Untersucht wurden in dieser Studie Omega-3-Fettsäure-Präparate, die als Nahrungsergänzungsmittel im Handel sind. Omega-3-Fettsäuren kommen aber auch in vielen Nahrungsmitteln vor.

Sie sind in Algen, Pflanzen und Fischen enthalten.

Pflanzen enthalten beinahe ausschließlich α-Linolensäure, während in Fettfischen – wie Aal, Karpfen, Lachs, Sardine – und in Algen, beispielsweise Rotalgen, insbesondere Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) vorkommen können. Pflanzenöle mit hohem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren sind Leinöl (56 – 71%), Chiaöl (bis c. 64%) und Perillaöl (ca. 60%), aber auch Hanföl (ca. 17%), Walnussöl (ca. 13%), Rapsöl ca. 9%) und Sojabohnenöl ca. 8%) sind nutzbare Quellen. Bei den Fischen zeigen Atlantischer Lachs (1,8%), Sardellen (1,7%), Sardinen (1,4%) und Atlantischer Hering (1,2%) vergleichsweise hohen Omega-3-Gehalt, etwas tiefer liegen Makrele (1%) und Weisser Thun“ (0,7%).

(Quelle: Wikipedia)

Omega-3-Fettsäuren gegen Depressionen – das ist ein gutes Beispiel für ein Phänomen, das immer wieder zu beobachten ist:

Ein interessantes Präparat, das viele Hoffnungen weckt. Scheinbar endlich eine Möglichkeit, Depressionen ohne Antidepressiva zu behandeln – und dann läuft die Vermarktung schon auf vollen Touren, während die zahlreichen offenen Fragen noch nicht einmal ansatzweise geklärt sind.

Vor allem bei Nahrungsergänzungsmitteln kann man solche Entwicklungen immer wieder sehen, weil sie im Markt zugelassen werden, ohne vorgängig eine Wirksamkeit belegen zu müssen.

Bei Arzneimitteln sind die Bedingungen strenger. Sie müssen bei Neuzulassungen Studien liefern, die eine Wirksamkeit belegen. Das gilt für „chemische“ Arzneimittel und für Phytopharmaka. Traditionelle Pflanzenheilmittel, sowie generell Homöopathika und Anthroposophika werden dagegen zugelassen ohne Wirksamkeitsnachweis.

Und auch bei vielen älteren „chemischen“ Arzneimitteln sind die vorliegenden Studien oft von schlechter Qualität und daher nicht sehr glaubwürdig.

Fazit: Uns werden sehr viele Präparate für die Gesundheit verkauft, die nicht sehr überzeugend sind, wenn es um Belege für ihre Wirksamkeit geht. Genau hinschauen und sich informieren lohnt sich.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Gut geprüfte Phytopharmaka behaupten ihren Platz unter den Arzneimitteln

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Dass gut geprüfte, evidenzbasierte Phytopharmaka ihren festen Platz im Arzneimittelsortiment haben, weil sie zuverlässig wirken und nicht zufällig, zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion unter Leitung von Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Frankfurt, an der Pharma World.

Auf dem Podium wirkten mit Professor Dr. Michael Habs von der Dr. Willmar Schwabe GmbH, Professor Dr. Theo Dingermann von der Universität Frankfurt am Main und Dr. Harel Seidenwerg von Bionorica Deutschland.

Professor Habs unterstrich die Bedeutung universitärer und klinischer Forschung: Empathie müsse sich mit Wissenschaftlichkeit verbinden, damit die rationale Phytotherapie eine Zukunft habe.

Prof. Dingermann wies auf die Vielfalt der Produkte hin.

Vielfach spreche man einfach nur von Baldrian- oder Johanniskraut-Produkten. Der relevante pharmazeutische Rohstoff sei jedoch die Droge (= die getrocknete Heilpflanze), aus dem in einem speziellen Prozess ein Extrakt hergestellt wird, der als Wirkstoff gilt. Dieser Prozess ermöglicht gemäss Dingermann ein «Höchstmaß an Komplexität» und führe zu sehr heterogenen Produkten.

Schubert-Zsilavecz stellte fest, dass infolge der wissenschaftlichen Prüfung von Phytopharmaka diese vermehrt Aufnahme in aktuelle Therapieleitlinien finden.

Professor Habs begrüßte diese Entwicklung und sagte, dass kein Weg an guter Forschung vorbei führe, um in Leitlinien zu kommen.

Nach Habs liegt ein großer Wachstumsmarkt für Phytopharmaka in China, Indien oder Ländern in Südamerika.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60002

Kommentar & Ergänzung:

Mit Bionorica und Willmar Schwabe waren auf diesem Podium zwei führende forschende Phytopharmaka-Hersteller vertreten und mit Professor Dingermann eine Top-Koryphäe der universitären Arzneipflanzenforschung.

Insofern ist es keine Überraschung, dass sich die Herren für die Phytopharmaka-Forschung stark machen.

Erläuterung verdient der Hinweis von Dingermann auf die Vielfalt der Phytopharmaka.

Tatsächlich gibt es grosse Qualitätsunterschiede bei Präparaten aus Heilpflanzen. Wo zum Beispiel „Baldrian“ draufsteht, kann sehr unterschiedlich viel Baldrian drin sein. Auf die Beratung in Apotheken oder Drogerien kann man sich diesbezüglich meiner Erfahrung nach sehr oft nicht verlassen. Es wird häufig nicht das am besten wirkende Präparat verkauft, sondern entweder das lukrativste, oder einfach das Lieblingspräparat der Verkaufsperson. X-mal erlebt.

Deshalb ist es mir wichtig, in meinen Weiterbildungen und Ausbildungen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Heilpflanzen-Präparaten zu vermitteln, damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, die Qualität selber zu beurteilen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Malaria-Forschung: Afrikanische Heilpflanzen im Fokus

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Die überwiegende Mehrzahl der gegenwärtigen Malaria-Therapien basiert auf dem Wirkstoff Artemisinin, einem Pflanzenstoff, der in den Blüten und Blättern des Einjährigen Beifußes (Artemisia annua) vorkommt. Immer mehr Malaria-Parasiten sind jedoch resistent gegen Artemisinin.

Die Resistenz der Malaria-Parasiten gegen Artemisinin breitet sich in Südostasien immer stärker aus und einiges spricht dafür, dass sie auch Südamerika bereits erreicht hat. In Afrika könnte es in wenigen Jahren soweit sein, dass Artemisinin seine Wirksamkeit gegen Malaria-Parasiten verliert.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der Medizinischen Universität Wien und der Universität Ouagadougou in Burkina Faso erforschen in einem gemeinsamen Projekt Heilpflanzen aus der traditionellen afrikanischen Medizin, die bei Malaria eingesetzt werden.

Sie gehen davon aus, dass die Resistenzentwickklung in spätestens fünf Jahren soweit ist, dass es neue Medikamente braucht, die auf einem anderen Wirkstoff als Artemisinin basieren.

Aline Lamien Meda aus Burkina Faso, die an der Vetmeduni Vienna im Rahmen eines APPEAR-Projekts (Austrian Partnership Programme in Higher Education and Research for Development) an der Entwicklung eines Arzneibuchs traditioneller Malariamedikamente arbeitet, untersucht gemeinsam mit Harald Nödl, Malaria-Experte der MedUni Wien, rund 50 Pflanzen und Kräuter, die in der traditionellen afrikanischen Medizin bei Malaria angewendet werden, auf ihre Wirksamkeit und ihr mögliches Potenzial als Malaria-Medikament. Bei einigen dieser Kräuter sei bekannt, dass sie die Symptome der Malaria bekämpfen, nicht aber, ob sie den Malaria-Parasiten wirkungsvoll bekämpfen können, sagt Nödl.

Untersucht wird die Wirksamkeit im Labor an gezüchteten Malaria-Parasiten. Es sei zu erwarten, erklärt Nödl, dass nur eine Handvoll der untersuchten Pflanzen für eine sinnvolle, kommerzielle Verwendung in der Malaria-Therapie geeignet ist.

 

Täglich 2000 Malaria-Opfer

Täglich sterben rund 2000 Menschen an Malaria (total etwa 655 000 jährlich), einer Krankheit, die hauptsächlich mit Armut assoziiert ist. Die meisten Opfer fordert Malaria in Afrika und hier vor allem unter den Schwächsten, den Kindern. In den meisten Fällen verläuft die Krankheit ohne Komplikationen, wenn sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Kommt es allerdings zu Komplikationen, ist die Sterblichkeit nach wie vor extrem hoch. Malaria ist auch heute noch, hauptsächlich in Afrika, Asien und Lateinamerika, eine der häufigsten Todesursachen von Kindern unter fünf Jahren.

Quelle:

http://www.meduniwien.ac.at/homepage/news-und-topstories/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=4711&cHash=96e5436e4a284f425834c7d392f9807f

Kommentar & Ergänzung:

Die Malaria-Forschung verdient und braucht angesichts der weltweiten gesundheitlichen und ökonomischen Bedeutung dieser Krankheit hohe Priorität. Von Malaria sind vor allem arme Menschen betroffen, die über wenig Kaufkraft verfügen. Für Pharmakonzerne ist das kein attraktiver Markt. Ökonomisch lohnt es sich für diese Firmen viel mehr, in die Forschung zu investieren bei Krankheiten der Reichen, obwohl dies vergleichsweise weniger dringlich ist. Als Reaktion auf die mangelnde finanzielle Unterstützung der Malaria-Forschung hat Bill Gates 2005 angekündigt, dass er zu diesem Zweck 258,3 Millionen Dollar zur Verfügung stellen werde.

Zu Artemisinin siehe auch:

Malaria: Artemisia-Pflanze möglicherweise wirksamer als isoliertes Artemisinin

 

Heilpflanzen der traditionellen afrikanischen Medizin

Dass nun in Wien Malariapflanzen der traditionellen afrikanischen Medizin untersucht werden, ist sehr sinnvoll. Tradition irrt sich zwar auch oft – siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Doch gibt es immer wieder auch überzeugende Beispiele für Heilpflanzen-Anwendungen, die auf traditioneller Erfahrung basieren.

Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) mit seinem Inhaltsstoff Artemisinin gehört dazu.

Wenn nun traditionelle Heilpflanzen aus Afrika auf ihre Eignung zur Malariabehandlung untersucht werden, so bleibt zu hoffen, dass daraus nicht ein weiteres Beispiel für Biopiraterie entsteht. Unter Biopiraterie versteht man die kommerzielle Weiterentwicklung natürlich vorkommender biologischer Materialien, wie zum Beispiel pflanzliche Substanzen oder genetische Zelllinien, durch ein technologisch fortgeschrittenes Land oder eine Organisation ohne eine faire Entschädigung der Länder bzw. Völker, auf deren Territorium diese Materialien ursprünglich entdeckt wurden.

(Siehe Wikipedia-Artikel Biopiraterie)

Die schwierige Lage bezüglich Malariabehandlung – zum Beispiel die mangelnden finanziellen Ressourcen, die desolaten Gesundheitssysteme – schaffen ideale Bedingungen für Scharlatane aller Art, die simple Lösungen für anspruchsvolle Probleme anpreisen.

Forschung ist dazu ganz und gar unnötig. Es reicht Selbstüberschätzung, Verblendung und eine gehörige Portion Dreistigkeit. Beispiele dafür gibt es zuhauf: Manche Homöopathinnen und Homöopathen, die zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria Globuli empfehlen und damit Leben und Gesundheit von Menschen aufs Spiel setzen – zum Beispiel die unsäglichen „Homöopathen ohne Grenzen“, aber auch Jim Humbel mit seinem vermeintlichen Wundermittel MMS (Miracle Mineral Supplement), das neben Malaria gleich auch noch Krebs, Autismus, AIDS, Tuberkulose, Demenz und vieles andere mehr heilen soll – eine ziemlich grosse Aufgabe für ein Präparat, das ganz simpel aus dem Bleich- und Desinfektionsmittel Natriumchlorit besteht.

Siehe dazu auch:

Artikel zu Miracle Mineral Supplement im Verbraucherschutzportel Psiram.

Warnung vor Miracle Mineral Supplement (MMS) 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weltweit Millionen Krebspatienten ohne angemessene Schmerzmittel

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Laut einer Studie hat die Hälfte der Bevölkerung weltweit keinen adäquaten Zugang zu schmerzlindernden Medikamenten. Grund dafür sind die Anti-Drogengesetze – hauptsächlich in Entwicklungsländern.

Rund die Hälfte der Weltbevölkerung hat keinen angemessenen Zugang zu Schmerzmitteln. Zu diesem Schluss kommt eine Erhebung der European Society for Medical Oncology und ihrer Partnerorganisationen. Grund für diesen Missstand seien die Anti-Drogengesetze in vielen Ländern dieser Welt.

Untersucht wurde mittels einer Umfrage die Verfügbarkeit von sieben kostengünstigen Wirkstoffen wie Codein oder Morphium. Diese sind zentral für die Schmerztherapie bei Krebserkrankungen.

Die Umfrage gründet in weiten Teilen auf Fragebögen, die in mehr als 100 Entwicklungsländern an Mediziner geschickt wurden, welche nicht der Regierung nahestehen. Es sei in zahlreichen Ländern „katastrophal schwierig“, die Schmerzen von Krebspatienten zu lindern, konstatierte Nathan Cherny, Hauptautor der Studie. Er wies zudem darauf hin, dass die Medikamente auch für andere Anwendungsbereiche benötigt würden, beispielsweise für die Palliativmedizin, bei chronischen Schmerzen und bei Geburten.

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article122338155/Millionen-Krebspatienten-ohne-Schmerzmittel.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Anti-Drogengesetze führen nicht nur zu einer desolaten Versorgung von Krebspatienten in manchen Ländern. Der weltweite Krieg gegen Drogen und Drogenhandel scheint einer Studie zufolge auch vor dem Scheitern zu stehen.

Nicht nur sei das Angebot an Heroin, Kokain und Cannabis in den USA und der EU weiter ungebrochen, schreiben Forscher in einer Studie, die in der Fachzeitschrift BMJ Open (doi:10.1136/bmjopen-2013-003077) publiziert wurde.

Auch seien die Preise gesunken und die Qualität der Drogen habe sich verbessert.

Die Wissenschaftler aus den USA und Kanada untersuchten für ihre Studie Daten von sieben staatlichen Programmen, die über mehr als ein Jahrzehnt die Entwicklung auf dem internationalen Drogenmarkt verfolgten. Drei der ausgewerteten Programme überwachten den internationalen Drogenhandel, drei konzentrierten sich auf den US-Markt und eines auf die Situation in Australien.

Gemäss der Studie sank in den USA zwischen 1990 und 2007 der Endverkaufspreis für Heroin, Kokain und Cannabis unter Berücksichtigung der Inflation um 81, 80 beziehungsweise 86 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich der durchschnittliche Reinheitsgrad der Drogen um 60, elf beziehungsweise 161 Prozent. In 18 Ländern Europas sank zwischen 2000 und 2009 der Preis für Kokain um 51 Prozent und für Heroin um 74 Prozent.

In Australien reduzierten sich die Drogenpreise zwischen 2000 und 2010 teils stark: Kokain verbilligte sich um 14 Prozent, die Preise von Heroin und Cannabis sanken um jeweils 49 Prozent.

Während die Beschlagnahmung von Drogen auf wichtigen heimischen Märkten allgemein anstieg, schrieben die Forscher unter Leitung von Evan Wood aus Vancouver in Kanada, seien mit wenigen Ausnahmen die Preise für illegale Drogen seit 1990 gefallen, während sich ihre Qualität verbessert habe.

Allgemein dürfte das Angebot an Drogen weltweit in den vergangenen zwei Jahrzehnten sich nicht reduziert und die Verfügbarkeit von Cannabis und Opiaten wie Heroin sogar zugenommen haben, schreiben die Autoren in der Studie. Laut dem UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) erreichte der Umsatz im weltweiten Drogengeschäft 2011 mindestens 259 Milliarden Euro.

In der Studie heisst es, dass diese Ergebnisse deuten darauf hindeuten, dass die Ausweitung der Bemühungen zur Kontrolle des globalen illegalen Drogenmarkts durch Durchsetzung der Gesetze dabei sind zu scheitern.

Befürwortern eines Richtungswechsels in der Drogenpolitik dürften diese Resultate Auftrieb geben. Vor allem in den Ländern in Mittelamerika und Südamerika, die besonders unter dem Kampf gegen die Drogen leiden. Dort gibt es Überlegungen, Drogen teilweise zu entkriminalisieren und ihren Verkauf unter staatliche Aufsicht zu stellen. Dadurch soll der Drogenkriminalität die Basis entzogen werden.

So stimmte das Abgeordnetenhaus in Uruguay im Sommer für eine Legalisierung von Marihuana. Der lateinamerikanische Staat wäre das erste Land der Welt, das den Anbau und Verkauf von Marihuana vollständig legalisiert und unter staatliche Aufsicht stellt. Ein solcher Schritt wird auch in Mexiko-Stadt erwogen.

Quellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56029/Studie-Kampf-gegen-Drogen-erfolglos?s=Krieg+drogen

http://bmjopen.bmj.com/content/3/9/e003077.full

Es fragt sich wirklich, ob der riesige Aufwand an Geld und anderen Ressourcen, der im Kampf gegen Drogen verpulvert wird, nicht sinnvoller und wirksamer investiert werden könnte.

Prohibition hat noch immer das organisierte Verbrechen gestärkt und reich gemacht. Und es unterwandert zunehmend staatliche Strukturen. Die ausufernde Kriminalität der Drogenbanden in Mexiko ist dafür ein fürchterliches Beispiel.

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Süssmittel Stevia gegen Bluthochdruck?

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Süssmittel aus der Pflanze Stevia rebaudiana haben in den letzten Jahren eine steile Karriere hingelegt.

Stevia hat alle offensichtlichen Vorteile zuckerfreier Süssstoffe – kein Karies, keine Kalorien, keine Beeinflussung des Blutzuckerspiegels.

In den Medien diskutiert wird gelegentlich die Frage, ob Stevia darüber hinaus einen medizinischen Nutzen besitzt.

Die Plattform medizin-transparent hat die wissenschaftliche Datenlage zu diesem Thema recherchiert:

„In einer systematischen Übersichtsarbeit schließen die Autoren auf eine blutdrucksenkende Wirkung. Zwei randomisiert-kontrollierte Studien und Erkenntnisse aus Tierversuchen liefern dafür einen ersten Hinweis, größere Studien sind aber notwendig. In Südamerika wird Stevia schon länger auch gegen Diabetes eingesetzt, die Studienlage dazu ist aber noch völlig unzureichend.“

Quelle:

http://www.medizin-transparent.at/ist-stevia-der-zucker-der-zukunft

Kommentar & Ergänzung:

Stevia rebaudiana ist eine in Südamerika beheimatete Pflanze, die als Staude im Gebiet der Amambai-Bergkette im Grenzgebiet zwischen Paraguay und Brasilien wächst.

Steviablätter werden seit Jahrhunderten von der indigenen Bevölkerung Paraguays und Brasiliens bei der Zubereitung von Speisen und Getränken und als Heilpflanze genutzt.

Die lange Geschichte bis zur Zulassung von Stevia als Süssmittel ist auf Wikipedia nachzulesen.

Die Autoren von medizin-transparent kommen zum Schluss, dass eine niedrige wissenschaftliche Beweislage für die Wirksamkeit von Stevia bei Bluthochdruck spricht.

Das ist zwar eine interessante Erkenntnis. Es fehlen aber nicht nur die grösseren Studien. Es sind auch fundamentale Fragen offen wie zum Beispiel, welche Dosierung für welche zu erwartenden Effekte nötig wäre.

Auf medizin-transparent gehen die Autoren auch auf die Diskussion um mögliche Risiken von Stevia ein.

Interessant aus der Pflanzenheilkunde sind beim Thema Bluthochdruck im übrigen auch Karkade (Hibiscus sabdariffa) und Rote Beete (Randen).

Siehe:

Rote Beete (CH: Randen) reduziert Blutdruck

Rote Beete (Randen) reduziert Blutdruck

Randensaft / Rote Beete senkt Blutdruck

Karkadetee senkt systematischen Blutdruck um 13 mmhg

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„Homöopathen ohne Grenzen“ in der Kritik

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Die Pseudo-Hilfsorganisation „Homöopathen ohne Grenzen“ steht erneut in der Kritik.  Nach einem kritischen Beitrag im „BMJ“ berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) über die obskure Organisation.

Siehe:

Homöopathie: Alternativheiler für die Krisengebiete?

http://www.bmj.com/content/347/bmj.f5448

Absolut fragwürdig ist nur schon die Namensgebung: „Homöopathen ohne Grenzen“.  Damit stellt sich die Organisation in eine Reihe mit „Ärzte ohne Grenzen“ (Médecins sans Frontières, MSF). Das zeugt meines Erachtens von Verblendung und ist ein allzu durchsichtiger Versuch, vom Ruf der MSF auch noch etwas abzubekommen.

Die Médecins sans Frontières leisten seit 40 Jahren konkrete medizinische Hilfe in Katastrophen-, Kriegs- und Krisenlagen, wobei MedizinerInnen und Pflegekräfte sich oft auch in Situationen engagieren, die ein erhebliches Gefahrenpotenzial enthalten.

Die „Homöopathen ohne Grenzen“ dagegen phantasieren sich zurecht, dass sie AIDS, Malaria und weiss nicht was alles noch behandeln, ohne dass es dabei auch nur den Hauch eines Beleges für eine Wirksamkeit gibt.

Meiner Ansicht nach steht ausser Frage, dass manche Patientinnen und Patienten von einer homöopathischen Behandlung profitieren können. Rheuma-Patienten zum Beispiel, die zusätzlich zur üblichen medizinischen Therapie eine individuelle homöopathische Behandlung bekommen, ziehen daraus Vorteile bezüglich Lebensqualität und Schmerzempfinden. Das zeigt eine Studie der Rheumatologin Sarah Brian von der Complementary and Integrated Medicine Research Unit am Aldermoor Health Centre in Southamptom. Das gilt es ernst zu nehmen.

Siehe:

Wirkt Homöopathie und wenn ja – wie?

Die gleiche Studie zeigt allerdings auch: Es sind nicht die Globuli, die für diesen Effekt verantwortlich sind. Entscheidend sind die intensivere Betreuung und das Ritual.

Diese Punkte werden aber beispielsweise in Afrika durch die traditionelle afrikanische Medizin abgedeckt. Das gilt es genauso ernst zu nehmen. In diesem Bereich in Afrika, Südamerika oder Asien ein europäisches Verfahren einzuführen, scheint mir sehr fragwürdig.

Und für die massiven Probleme mit AIDS und Malaria braucht Afrika nicht Globuli – sondern Medizin.

In dem Sinne, dass sie ihre Grenzen nicht sehen, tragen die „Homöopathen ohne Grenzen“ ihren Namen meines Erachtens zu Recht.

Homöopathen ohne Grenzen: Sketch von Anke Engelke auf Youtube

Und ausserdem – fast hätte ich es vergessen – von Herzen empfohlen:

Médecins sans Frontières

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Verveinetee gegen Nervosität – stimmt’s?

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„Die Pflanze ist auch unter dem Namen Zitronenverbene oder Zitronenstrauch bekannt. Die Blätter enthalten ein feines, frisch nach Zitrone duftendes ätherisches Öl, das beruhigend bei Nervosität und Schlaflosigkeit wirkt……Für einen Tee 1 TL getrocknete Verveine­blätter mit 200 ml kochendem Wasser aufgießen, 10 Minuten ziehen lassen. Alternative: Frische Blätter mit kochendem Wasser übergießen und eine halbe Stunde ziehen lassen.“

Quelle:

http://madonna.oe24.at/gesund/Die-besten-Heilkraeuter-fuer-die-Seele/83718451

Kommentar & Ergänzung:

Verveine (Aloysia triphylla, Lippia citriodora) stammt aus Südamerika ( Argentinien und Chile) und ist eine beliebte Gartenpflanze, Zierpflanze und Teepflanze in warmen und gemässigten Klimaregionen. Vor allem in Frankreich wird Verveinetee gern als Genusstee verwendet.

Verveinetee gilt traditionell aber auch als Beruhigungsmittel und wird gegen Verdauungsbeschwerden empfohlen.

Das ätherische Öl aus den Blättern (Verveineöl) enthält als charakteristische Bestandteile Neral und Geranial (das Gemisch wird Citral genannt).

Citral entfaltet ein intensives Zitronenaroma und  ist auch Hauptbestandteil der ätherischen Öle von Melisse (Melissa officinalis) und Zitronengras (Cymbopogon citratus, syn. Andropogon citratus). Zusammen mit Citronellal ist es Hauptbestandteil des Melissengeists und Grundstoff zahlreicher Liköre. Im Melissentee und im Melissenöl ist Citral das beruhigende Wirkprinzip.

Mit dem Inhaltsstoff Citral lässt sich eine beruhigende Wirkung von Verveinetee begründen. Klinische Studien, die eine solche Wirkung belegen könnten, gibt es dazu allerdings nicht.

Die Bezeichnung Eisenkraut für Verveine und Eisenkrautöl für Verveineöl sind etwas irreführend. Mit Eisenkraut wird botanisch Verbena officinalis bezeichnet. Eisenkrauttee aus Verbena officinalis schmeckt sehr bitter und riecht eher streng. Kein Genusstee also.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Passionsblume bei Angst, Unruhe, Schlafstörungen

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 7 / 2012) veröffentlichte einen Beitrag zu Heilpflanzen-Anwendungen in der Frauenheilkunde. Im Abschnitt „Seelisches Wohlbefinden“ wurde die Passionsblume vorgestellt:

„Ihren Namen erhielt die anmutige Passionsblume von europäischen Missionaren, die sie im 17. Jahrhundert von Mittelamerika nach Europa importierten und in ihren Blättern Anspielungen an den Leidensweg Christi zu erkennen glaubten. Heute ist die Wirkungsweise der Passionsblume wissenschaftlich gut dokumentiert. Sie stellt bei nervösen Unruhezuständen, die mit Beklemmungs- und Angstgefühlen sowie Ein- und Durchschlafstörungen einhergehen, eine pflanzliche Option ohne Abhängigkeitspotenzial dar. Die Einnahme kann auch Frauen helfen, die ein erhöhtes Risiko für ein »Burnout-Syndrom« aufweisen. Trotz der guten Wirkung ruft die Passionsblume im Allgemeinen keine Übermüdung hervor, weshalb der Einsatz im stressbelasteten, leistungsorientierten Arbeitsalltag durchaus sinnvoll sein kann.“

Kommentar & Ergänzung:

Die Passionsblume ist natürlich keine typische „Frauenpflanze“. Sie eignet sich genauso für Männer.

Die Pflanzengattung der Passionsblumen (Passiflora) umfasst über 530 Arten und gehört zur Familie der Passionsblumengewächse (Passifloraceae). Foto auf Wikipedia.

Passionsblumen sind Pflanzen des tropischen Regenwaldes und somit sind die meisten Arten in den tropischen und subtropischen Gebieten von Mittelamerika, Nordamerika und Südamerika heimisch. 20 Passiflora-Arten wachsen auch in Asien, Australien und Neuseeland.

Durch die spanischen Eroberungen gelangten Passiflora-Arten auch nach Europa und sind heute als Zierpflanze hier sehr beliebt. Als Heilpflanze wird Passiflora incarnata verwendet. Sie ist kälteresistent und kann im Freien auch in milderen Gegenden überwintern.

Die Phytotherapie setzt die Passionsblume ein als Passionsblumenkrauttee, Passionsblumentinktur oder Passionsblumenextrakt.

Positive Studienresultate zur Wirksamkeit gibt es nur für Passiflora-Extrakte.

Passionsblumen-Extrakte sind häufig auch Bestandteil von Kombipräparaten. Ein bekanntes Beispiel ist Relaxane = Zeller Entspannungsdragees = Valverde Entspannungsdragees In diesen Präparaten ist Passionsblumen-Extrakt kombiniert mit Extrakten aus Baldrian, Melisse und Pestwurz. Für diese Phytopharmaka liegen positive Studienergebnisse vor. Das heisst: Sie zeigen eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus. Pflanzliche Beruhigungsmittel haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie kein Abhängigkeitsrisiko mit sich bringen.

Passionsblume kommt auch in homöopathischen Kombipräparaten vor, zum Beispiel in Similasan Beruhigung (Asa foetida D4, Crataegus D4, Lycopus virginicus D3, Passiflora incarnata D4). Hier fehlen Wirksamkeitsnachweise (Homöopathika sind bei den Arzneimittelbehörden generell vom Wirksamkeitsnachweis befreit). Allfällige Wirkungen dürften auf dem Placebo-Effekt basieren.

Die Passionsblume war Arzneipflanze des Jahres 2011

Phytotherapie: Passionsblume als Angstlöser

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