Artikel mit Schlagwort ‘Studie’
Freitag, April 27th, 2012
In der traditionellen chinesischen Medizin gilt die Galle von Bären als Heilmittel. Um an das “flüssige Gold” zu gelangen, werden die Bären grausam gequält. Jetzt allerdings regt sich laut einer Studie Kritik an der schmerzhafte Prozedur.
In China werden etwa 10.000 Bären für die traditionelle chinesische Medizin gequält. Zahlreiche Menschen halten die flüssige Bärengalle für ein wahres Wundermittel, doch nun rege sich Widerstand gegen die brutalen Praktiken an den Bären. wie ein Forscher-Team um Qiang Weng von der Universität für Forstwirtschaft in Peking im Fachblatt “Nature” schreibt.
Mit einer Nadel ziehen die Mitarbeiter spezieller Bären-Farmen die Gallenflüssigkeit aus der Gallenblase der lebendigen Bären. “Eine schmerzhafte und erschreckende Prozedur”, schreiben die Forscher in dem Artikel. Die begehrte Substanz kann mittlerweile auch künstlich im Labor produziert werden – zahlreiche Reiche wollen dennoch das echte “flüssige Gold”. Für einige Hersteller sei das Motivation genug, die Tierquälerei weiterhin aufrecht zu erhalten.
Die Tierschutzorganisation Animal Asia Foundation kämpft den Wissenschaftlern zufolge seit zehn Jahren gegen das Geschäft mit dem Gallensaft der Bären und bekommt jetzt starke öffentliche Rückendeckung. Das Forscher-Team verlangt in seinem Artikel, China müsse Ersatzprodukte stärker bewerben und die Bevölkerung besser aufklären. Außerdem solle ein Tierschutzgesetz erlassen werden, das eventuell sogar die Bären-Farmen untersage.
Quelle:
http://www.n-tv.de/wissen/Chinas-Baeren-leiden-Hoellenqualen-article6117816.html
Kommentar & Ergänzung:
Bärengalle zählt zur ursprünglichen traditionellen chinesischen Medizin. Man muss sich klarmachen, dass die Traditionelle Chinesische Medizin, wie wir sie im Westen kennen, ein ziemlich junges Exportprodukt ist, das auf westliche Bedürfnisse hin zugeschnitten wurde. Die originale chinesische Medizin hat zum Beispiel auch über zwei Jahrtausende ein sehr kriegerisches Vokabular verwendet, das im Exportprodukt TCM fehlt, in China jedoch durchaus noch im Gebrauch ist.
Ich bin selber häufig in China unterwegs und immer wieder erstaunt über die sehr unterschiedliche Sichtweise auf die traditionelle chinesische Medizin in China und im Westen.
Dass in China nun der Widerstand gegen diese Tierquälerei mit der Bärengalle zunimmt, ist sehr zu begrüssen.
Auch Tradition muss sich in Frage stellen lassen. Tradition hat nicht fraglos Recht. Das gilt natürlich für alle Arten und Methoden der Heilkunde.
Siehe auch:
China: Kritik an geplantem Börsengang einer Bärengalle-Produktionsfirma
Vietnam gegen Geschäft mit Bärengalle
Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Donnerstag, April 26th, 2012
Millionen Menschen auf der ganzen Erde sind betroffen von Demenzkrankheiten. Wie eine Studie aus den USA nun zeigt, vermindern tägliche körperliche Übungen das Risiko, an Alzheimer zu erkranken: Dies gilt sogar noch bei Menschen über 80 Jahre, und es genügen bereits einfache Tätigkeiten.
In ihrer Studie erfassten die Wissenschaftler des Rush University Medical Center in Chicago zehn Tage pausenlos die körperlichen Aktivitäten von 716 Senioren im Durchschnittsalter von 82 Jahren mit einem speziellen Gerät am Handgelenk.
Keiner der Probanden litt zu diesem Zeitpunkt an einer Demenzerkrankung. Zudem gaben die Teilnehmenden regelmäßig selbst Auskunft über ihre körperlichen und sozialen Aktivitäten.
Bereits Kochen und Waschen wirken günstig
In den folgenden dreieinhalb Jahren erkrankten 71 Probanden an Alzheimer. Diejenigen zehn Prozent der Studienteilnehmer, die körperlich am inaktivsten waren, erkrankten der Studie zufolge 2,3-mal häufiger als die aktivsten zehn Prozent. Und unter denjenigen Teilnehmenden, deren Bewegungsintensität am niedrigsten war, lag das Alzheimer-Risiko 2,8-mal so hoch wie in der Spitzengruppe der bewegungsintensivsten Probanden.
Die Studie zeige, dass nicht nur Übungen, sondern auch Aktivitäten wie Kochen, Waschen und Putzen mit einem geringeren Alzheimerrisiko in Zusammenhang stehen, erklärte Studienautor Aron S. Buchman in einer Mitteilung.
Auch ältere Menschen, die nicht mehr zu sportlichen Übungen fähig sind, können daher von einem aktiven Lebensstil profitieren. Publiziert wurde die Studie in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift “Neurology” der American Academy of Neurology.
Quelle:
http://science.orf.at/stories/1697529/
Kommentar & Ergänzung:
Mit völliger Sicherheit lässt sich mit dieser Art von Studie ein Zusammenhang nicht belegen.
Es könnte auch ein unbekannter Faktor für die Resultate verantwortlich sein.
Beispielsweise wäre es auch möglich, dass nachmalige Alzheimer-Patienten sich im Vorstadium der Krankheit wegen der sich anbahnenden (aber noch nicht diagnostizierten) Krankheit weniger bewegen. Dann wäre der Zusammenhang nicht so wie in diesem Beitrag dargestellt (Bewegungsmangel fördert Alzheimer) sondern umgekehrt (Sich anbahnende Alzheimer-Erkrankung fördert Bewegungsmangel).
Ich will damit nur festhalten, dass man Studien dieser Art nie als beweisend für bestimmte Zusammenhänge betrachten sollte.
Dass Bewegung im Frühstadium von Alzheimer eine günstige Wirkung hat, halte ich für plausibel.
Siehe:
Naturheilkunde: Spazierengehen bessert Gedächtnisschwäche
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, April 20th, 2012
Unter dem Begriff Krill werden zahlreiche kleine Krebstiere zusammengefasst, welche hauptsächlich in den kalten Gewässern der Antarktis leben. Das in Nahrungsergänzungsmitteln vermarktete Neptune Krill-Öl® (NKO®) wird durch ein patentiertes Extraktionsverfahren der Firma Neptune (Quebec, Kanada) aus der Krill-Art Euphausia superba gewonnen.
Der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren ist etwas tiefer als im Fischöl. Der überwiegende Teil dieser Omega-3-Fettsäuren liegt allerdings in Form von Phospholipiden vor, was die Bioverfügbarkeit zu verbessern scheint. Krill-Öl unterscheidet sich vom Fischöl auch im Gehalt an Astaxanthin, einem Carotinoid-Antioxidans mit vermutlich entzündungshemmenden Eigenschaften.
Laut Pharmavista-Newsletter wurden für folgende Anwendungsbereiche Studien mit NKO® durchgeführt:
„_Prämenstruelles Syndrom und Dysmenorrhoe: 70 Frauen im gebärfähigen Alter konsumierten entweder 2g NKO® oder Fischöl (mit 18% EPA und 12% DHA) während des ersten Monats der Studie, danach während des zweiten und dritten Monats täglich 2g für 8 Tage vor der Menstruation und 2 Tage während der Menstruation. Die Resultate weisen auf eine bessere Wirksamkeit des Krill-Öls hin.
_Chronische Entzündung: In einer klinischen Studie wurden 90 Probanden mit kardiovaskulären Erkrankungen, rheumatoider Arthritis und Arthrose sowie Anzeichen einer chronischen Entzündung (erhöhte Konzentrationen des C-reaktiven Proteins (CRP)) 300 mg NKO®/Tag oder 300 mg Placebo verabreicht. Nach 30 Tagen war die Konzentration des CRP in der Krill-Öl Gruppe um ca 30% gesunken, in der Placebo Gruppe hingegen gestiegen.
_Hypercholesterinämie: In einer 3monatigen Studie konnte eine Abnahme des Cholesterinspiegels nach Einnahme von 1 bis 3g Krill-Öl/Tag gezeigt werden.“
Zu möglichen Nebenwirkungen des Krillöls schreibt der Pharmavista-Newsletter:
„Als mögliche Nebenwirkungen können Erbrechen und Durchfall auftreten. Vorsicht ist geboten bei antikoagulierten Patienten, da Omega-3-Fettsäuren die Blutungszeit verlängern können. Krill-Öl sollte nicht von Personen mit Allergien gegen Meeresfrüchte eingenommen werden.“
Der Pharmavista-Newsletter zieht den Schluss, dass diese ersten Studien zwar vielversprechende Resultate zeigen, dass diese aber noch durch weitere Studien bestätigt werden müssen.
Quelle:
http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4575&NMID=4575&LANGID=2
Kommentar & Ergänzung:
Krillöl wird in der Schweiz in Form von Kapseln gehandelt (z.B. Novakrill®, Alpinamed® Krill Oil). Diese Produkte sind als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen und nicht als registrierte Arzneimittel. Deshalb dürfen auf den Packungen keine Heilwirkungen und Indiktionen aufgeführt werden.
Krillöl ist wesentlich teurer als Fischöl und daher stellt sich die Frage, ob es auch entsprechend wirksamer ist.
Ein kritischer Punkt ist die Frage nach der Unabhängigkeit der oben erwähnten Studien.
Auf enutrio.de wurde 2007 ein interessanter Beitrag zum Thema Krillöl publiziert, der diesen Punkt unter die Lupe nimmt. Bei der erwähnten Studie zum Prämenstruellen Syndrom (PMS) beispielsweise fungiert als Studienleiterin Dr. Tina Sampalis. Sie ist Vizepräsidentin für Forschung und Entwicklung der Neptune Technologies, einer Firma, die Krillöl-Produkte produziert. Das bedeutet noch nicht, dass die Ergebnisse einer solchen Studie wertlos sind, aber es rechtfertigt einen besonders kritischen Blick. Siehe auch: http://www.enutrio.de/krill-oel/
Einen zusammenfassenden Kommentar zur Studienlage gibt esowatch:
„Es gibt derzeit nur sehr wenige Studien zur Wirksamkeit von Krillöl gegen entzündliche Vorgänge. Zu diesen Studien kann zusammenfassen ausgesagt werden:
Krillöl wird besser resorbiert als Fischöl, allerdings nur bei Patienten mit Fettresorptionsstörungen. Bei der Behandlung des Prämenstruellen Syndroms (PMS) scheint Krillöl gute Wirkung zu zeigen, es kann ebenso effektiv die Blutfette bei vorbelasteten Patienten positiv beeinflussen und schneidet diesbezüglich im Vergleich zu Fischölkapseln besser ab. Krillöl ist im Vergleich zu Fischöl zwar ein wirkungsvolleres Antioxidans, als Anti Aging-Mittel schneiden aber Trockenpflaumen, Rosinen und eine Vielzahl weiterer, sehr preiswerter Lebensmittel sehr viel besser ab.
Die Wirkung von Krillöl als Entzündungshemmer mit dem möglichen Einsatzgebiet Arthritis ist wissenschaftlich nicht belegt. Allerdings haben Krillöl (und Fischöl) aufgrund ihres Omega-3 Gehalts bestimmt Einfluss auf Entzündungsvorgänge. Eine vergleichende und unabhängige Studie existiert allerdings bis jetzt nicht.
Die bisherigen Studienergebnisse zeigen, dass eine Supplementation von Krillöl hauptsächlich bei Personen mit Fettresorptionsstörungen zu empfehlen ist, auch bei Patienten mit gestörten Blutfetten oder Frauen mit PMS ist es einen Versuch wert. All diese Personen sind jedoch bereits krank. Für den krankheitspräventiven Einsatz bei gesunden Menschen, etwa gegen Krebs oder Alterserscheinungen, ist die Supplementation von Krillöl wenig sinnvoll, vor allem in Anbetracht des Preis-Leistungsverhältnisses. 100 Kapseln á 500 mg Neptune Krillöl kosten derzeit ca. 90€ zzgl. Versandkosten.“
Quelle: Esowatch
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, April 20th, 2012
Die kaktusähnliche Hoodia-Pflanze wird im Internet als ultimatives Schlankheitsmittel vermarktet. Dabei werden fragwürdige und problematische Aspekte konsequent ausgeblendet.
Kritische Fragen sind aber nötig zur Wirksamkeit, zur Sicherheit, zur Nachhaltigkeit der Hoodia-Ernte und zum Aspekt der „Biopiraterie“.
Hoodia gordonii (Asclepiadaceae) wächst in weiten Teilen Südafrikas. Hirten in Südafrika und Namibia benutzen die Triebe von Hoodia-Arten traditionell als Appetitzügler und Durststiller.
Wie zahlreiche andere Asclepiadaceen enthalten Hoodia-Arten Herzglykoside oder biochemisch verwandte Substanzen, z.B. Pregnanderivate. Der Hauptwirkstoff in Hoodia ist ein als P57 bekanntes Pregnanglykosid, das dem Körper einen schon ausreichend hohen Blutzuckerspiegel vortäuscht.
Die schmale Basis, auf welcher sich die Hoodia-Propaganda bewegt, fass der neueste Pharmavista-Newsletter zusammen:
„Im Tierversuch zeigte P57 starke appetitzügelnde Effekte. Gemäss Literaturangaben scheint die appetitmindernde Wirkung bei kontinuierlicher Einnahme einer Standarddosis bereits nach acht Tagen nicht mehr spürbar zu sein.
In einer kleinen randomisierten Studie am Menschen konnte jedoch weder für den standardisierten Hoodiaextrakt noch für Placebo ein signifikanter Effekt auf Energiezufuhr und Körpergewicht festgestellt werden… Nebenwirkungen wie z.B. Übelkeit oder Erbrechen traten in der Verumgruppe allerdings signifikant häufiger auf. Resultate grösserer klinischer Studien sind zurzeit nicht vorhanden.
Basierend auf der traditionellen Anwendung werden trotz unzureichender wissenschaftlicher Grundlage zahlreiche Hoodia-Produkte via Internet angepriesen.“
Quelle:
http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=1601&NMID=1601&LANGID=2
Die erwähnte Studie ist hier auffindbar:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21993434
In der Schweiz gibt es zurzeit kein als Arzneimittel registriertes Hoodia-Produkt.
Zum Thema Nachhaltigkeit der Hoodia-Nutzung und zur Frage der Biopiraterie via Hoodia siehe:
WWF: Besorgnis um Hoodia-Pflanze
Im Schlankheitsmittel-Markt tauchen laufend neue oder traditionelle Produkte auf mit grossartigen Versprechungen. In sehr vielen Fällen ist weder die Wirksamkeit noch die Sicherheit geklärt. Dieses Thema ist ein Eldorado für Abzocker.
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Mittwoch, April 18th, 2012
Pistazien seien gut für die Potenz und positiv für die Blutfettwerte. Zu diesem Resultat kommt eine kleine türkische Studie.
An der Studie zur Behandlung von Potenzstörungen nahmen 17 verheiratete Männer teil, die seit mindestens einem Jahr unter einer erektilen Dysfunktion litten. Während drei Wochen assen die Teilnehmer 100 g Pistazien täglich, berichtete Professor Dr. Stephan Martin vom Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum in Düsseldorf.
Beim Start der Studie und am Ende ermittelten die Wissenschaftler den International Index of Erectile Funktion (IIEF) und untersuchten den Penis mittels Farbdoppler. Vor der Pistaziendiät lag der mittlere IIEF-15-Wert bei 36, nach der dreiwöchigen Behandlung war er auf 54,2 gestiegen. Die Penisdurchblutung verstärkte sich in ähnlichem Maß.
Pistazien reduzieren Gesamtcholesterin und LDL
Gleichzeitig sanken die Werte für Gesamtcholesterin und LDL signifikant, während der HDL-Wert anstieg. Es handelt sich zwar um eine unkontrollierte Studie, deren Resultate mit Vorsicht zu genießen sind, schränkte der Experte ein. Aber auch aus anderen Studien ergeben Hinweise auf günstige Effekte von Pistazien auf den Stoffwechsel.
Man könne daher den Patienten auf jeden Fall zum Genuss dieser Steinfrüchte des Pistazienbaumes raten. Sollten die Pistazien für die Potenz nicht bringen, darf man jedenfalls auf klinische Verbesserungen bei Blutlipiden und Blutglukose hoffen.
Quelle:
http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/pistazien-gut-fuer-die-potenz.html?no_cache=1
Diabetes-Update, Mainz, 2012
Kommentar & Ergänzung:
Eine Studie mit so wenigen Teilnehmern und ohne Kontrollgruppe ist tatsächlich nur von geringer Aussagekraft. Es stimmt aber schon, was der letzte Abschnitt aussagt: Im Gegensatz zu vielen als Naturheilmittel vermarkteten Potenzmitteln kann man von den Pistazien sagen, dass sie zumindestens ein gesundes Nahrungsmittel sind, wenn man sie in die tägliche Ernährung einbaut.
Wenn ein gewohnter, ungesunder Snack durch Pistazien ersetzt wird, ist das alleweil besser. Allerdings enthalten 100g Pistazien 651 kcal und sind daher energiereicher als Schokolade. Das entspricht mehr als einem Viertel des Tagesbedarfs eines erwachsenen Menschen.
Siehe aber auch:
Pistazien als Hilfe zur Gewichtskontrolle?
Gewohnt reisserisch wurde die türkische “Potenzstudie” im Boulevardblatt Blick kommentiert:
“Pistazien machen Männer scharf. Es muss nicht immer Viagra sein: Auch Pistazien wirken als Aphrodisiakum – sagt eine neue türkische Studie.”
Quelle: http://www.blick.ch/erotik/pistazien-machen-maenner-scharf-id1767158.html
Das ist total falsch: Weder Viagra noch Pistazien machen “scharf”. Sie steigern eben gerade nicht die sexuelle Erregung, sondern – jedenfalls bei Viagra – die Durchblutung. Und sollten Pistazien das auch bewirken, so ist dieser Effekt langsamer und schwächer als bei Viagra, das einen raschen Wirkungseintritt hat und im Gegensatz zu Pistazien mit Nebenwirkungen und Risiken verbunden ist.
Pistazien und Viagra haben ein Wirkungsprofil, das ganz und gar nicht ähnlich ist. Aber eine reisserische Schlagzeile muss sein. Das treibt den Kioskverkauf in die Höhe.
Zur Pistazienforschung hier ein paar Infos aus Wikipedia:
„Anfang Dezember 2009 wurde bekannt, dass eine Ernährung mit täglich ein bis zwei Handvoll Pistazien dazu beitragen kann, das Risiko von Lungenkrebs zu reduzieren. Das ist das Ergebnis einer Studie der Amerikanischen Gesellschaft für Krebsforschung (American Association for Cancer Research, AACR).
Forscher der Universität von Toronto haben herausgefunden, dass beim gleichzeitigen Verzehr von einer Handvoll Pistazien und kohlenhydrathaltiger Lebensmittel wie etwa Weißbrot die Pistazien den Anstieg des Blutzuckerspiegels gemindert haben. Auch wurden so Hunger stimulierende Hormone reduziert. So bleibt der Appetit kontrollierbar.
Pistazien sind reich an Ballaststoffen. Pistazien in der Schale haben einen zusätzlichen Vorteil für die Gewichtskontrolle, da sie die Verzehrzeit verlangsamen, weil sie erst geöffnet werden müssen. Studien haben gezeigt, dass das Sättigungsgefühl ungefähr 20 Minuten nach dem Verzehr eines Snacks eintritt. Durch den langsameren Verzehr der Pistazie wird die Zeit bis zum Sättigungsgefühl überbrückt.
Die meisten in Pistazien enthaltenen Fette sind sogenannte gute Fettsäuren. Sie tragen dazu bei, das Risiko einer Herzerkrankung zu mindern. Forscher der Pennsylvania State University in den USA haben herausgefunden, dass der Verzehr von ein bis zwei Handvoll Pistazien pro Tag zu einer Reduktion des schlechten LDL-Cholesterinspiegels um neun bis 12 Prozent führen kann.“
Und hier zur Kulturgeschichte der Pistazien:
„Pistazien gehören zu den ältesten blühenden Kulturpflanzen und sind heimisch im Nahen Osten. Wilde Pistazien (Pistacia atlantica oder P. khinjuk) wurden seit dem Natufien (Epipaläolithikum) gesammelt und unter anderem in Abu Hureyra (Syrien) nachgewiesen. Ein gezielter Anbau fand spätestens seit der Antike statt. Pistazien breiteten sich vom Nahen Osten auf das Mittelmeergebiet aus und wurden schnell zu einer geschätzten Delikatesse unter Königen, Reisenden und einfachem Volk gleichermaßen. Die Legende besagt, dass die Königin von Saba die Pistazien zu einem ausschließlich königlichen Nahrungsmittel ernannte und es dem einfachen Volk verbot, sie für den persönlichen Verzehr anzubauen. Nebukadnezar, König von Babylon, ließ angeblich Pistazienbäume in seinen Gärten pflanzen. Im 1. Jahrhundert n. Chr. soll Kaiser Vitellius sie in seiner Hauptstadt Rom eingeführt haben. Die Pistazie wurde als Färbemittel und Heilmittel für Beschwerden wie Zahnschmerzen bis hin zu Lebersklerose verwendet. Der hohe Nährwertgehalt und die lange Haltbarkeit haben die Pistazie auch zu einem unverzichtbaren Reisegut unter frühen Forschungsreisenden und Händlern gemacht. Zusammen mit Mandeln wurden Pistazien von Reisenden auf der antiken Seidenstraße zwischen China und dem Westen mitgeführt. In den 1880er Jahren wurden Pistazien für Einwanderer aus dem Nahen Osten nach Amerika importiert. Dem Rest der USA wurden sie ungefähr 50 Jahre später als Snack vorgestellt.“
(Quelle: Wikipedia)
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Mittwoch, April 18th, 2012
Die Einnahme vom Fischöl-Kapseln (Omega-3-Fettsäuren) hat sich in einer randomisierten klinischen Studie bei multipler Sklerose als unwirksam erwiesen. Publiziert wurde die Studie in den Archives of Neurology (2012; doi: 10.1001/archneurol.2012.283). Laut einer Umfrage unter Mitgliedern der Deutschen Multiple Sklerose-Gesellschaft war die Einnahme von Fischöl-Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren nach einer Umstellung der Ernährung die am zweithäufigsten angewandte Variante der Komplementärmedizin.
Omega-3-Fettsäuren sollen einen günstigen Einfluss auf Entzündungsvorgänge haben und auf die Immunprozesse bei der multiplen Sklerose. Jeder dritte Multiple-Sklerose-Patient hatte diese Präparate schon einmal eingesetzt (Mult Scler 2008; 14: 1113-1119).
Im Internet finden sich zahlreiche Hinweise auf die Fischöl-Behandlung. Als Beleg für die Wirksamkeit wird eine offene Studie aus Norwegen aufgeführt, in der es über 2 Jahre zu einer Besserung gekommen war. Weil in dieser Studie aber eine Vergleichsgruppe fehlte, kann mit ihr die Wirksamkeit nicht belegt werden. (Acta Neurol Scand 2000; 102: 143-9).
Die Wissenschaftler führten darum eine randomisierte Doppelblindstudie durch. Zur Anwendung kam das Fischöl-Präparat eines norwegischen Herstellers (mit 1350 mg Eicosapentaensäure und 850 mg Docosahexaensäure). Im ersten halben Jahr wurden die Fischöl-Kapseln als Monotherapie mit Placebo verglichen.
Danach bekamen alle Probanden (also auch im Placebo-Arm) zusätzlich Interferon beta-1a. Primärer Endpunkt der Studie waren die Veränderungen in den T1-gewichteten Gadolinium-anreichernden Läsionen bei der Kernspintomografie. Zu den sekundären Endpunkten zählten neben der Krankheitsaktivität in der Kernspintomografie nach 9 Monaten und zwei Jahren auch klinische Parameter wie die Schubrate, das Fortschreiten der Behinderungen, die „Fatigue“ sowie Lebensqualität und Sicherheit.
In keinem der Endpunkte kam es zu einer Verbesserung, schreiben Øivind Torkildsen von der Haukeland Universitätsklinik in Bergen und Mitarbeiter in ihrer Publikation. Die Zahl der Läsionen stieg im Verlauf der Studie unter der Fischöl-Behandlung sogar tendenziell an. Die Differenzen waren allerdings nicht signifikant, so dass die Wissenschaftler keinen Anhaltspunkt für eine Störung der Interferon-Therapie durch die Omega-3-Fettsäuren sehen. Unter der Fischöl-Behandlung kam es zu keinen relevanten Nebenwirkungen, so dass den Patienten auch nicht unbedingt davon abgeraten werden muss.
Quelle:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/49876/Omega-3-Fettsaeuren-bei-multipler-Sklerose-ineffektiv
http://archneur.ama-assn.org/cgi/content/short/archneurol.2012.283
Kommentar & Ergänzung.
Die Studie war nicht sehr gross (total 92 Probanden, 46 in der Fischöl-Gruppe, 46 in der Placebo-Gruppe).
Omega-3-Fettsäuren / Fischöl-Kapseln werden vor allem vorbeugend gegen eine Vielzahl von Krankheiten empfohlen, hauptsächlich im Bereich Herz-Kreislauf und im Bereich Psychiatrie / Neurologie (Depression, Schizophrenie, Schlaganfall, Alzheimer, Borderline-Persönlichkeit, ADHS). Die Studienergebnisse sind aber in vielen Bereichen widersprüchlich und lassen endgültige Beurteilungen bezüglich Wirksamkeit nur sehr eingeschränkt zu.
Ein generelles Problem von Doppelblindstudien mit Fischöl – und damit der potenziell aussagekräftigsten Studien – ist das häufig auftretende fischige Aufstossen. Dadurch könnte den Probanden ziemlich rasch klar werden, ob sie zur Fischöl- oder zur Placebogruppe gehören. Eine wirksame Verblindung ist dadurch in Frage gestellt. Verblindung bedeutet, dass das Placebo und das zu testende Medikament (Verum) für die Probanden nicht unterscheidbar sein dürfen. Merkt der Proband, ob er ein Pacebo oder ein Verum bekommt, kann das die Resultate der Studie verfälschen.
Siehe auch:
Metastudie: Fischöl-Kapseln nutzlos für Herzpatienten
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Montag, April 16th, 2012
Zwei Studien zeigen Risiken bei manchen Heilpflanzen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)
Krebserkrankungen des Harntrakts kommen in Taiwan ungewöhnlich oft vor. Eine neue Studie kommt zu Schluss, dass höchstwahrscheinlich Pflanzenzubereitungen aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) bei zahlreichen Betroffenen die Tumoren ausgelöst haben dürften.
Ein internationales Forscherteam um Chung-Hsin Chen vom National Taiwan University Hospital in Taipeh hat mithilfe von Genanalysen 151 Krebserkrankungen der oberen Harnwege untersucht. Eine besondere Gensignatur ist charakteristisch für Tumoren, die unter der Einwirkung von sogenannter Aristolochiasäure entstanden sind. Diese Signatur entdeckten die Forscher bei 60 Prozent der Fälle.
In der Fachzeitschrift PNAS berichten die Wissenschaftler, dass zwischen 1997 und 2003 ein Drittel der taiwanischen Bevölkerung Aristolochia-Präparate einnahm. Sie basieren auf der sogenannten Gewöhnlichen Osterluzei (Aristolochia clematitis) und verwandten Pflanzen, die in der TCM über lange Zeit als Heilmittel galten.
Dass zahlreiche Taiwanesen durch Aristolochia-Präparate an Harnwegstumoren erkrankten, erkläre auch, weshalb sich die Verteilung dieser Krebsformen dort von der in anderen Staaten unterscheide, meinen die Wissenschaftler. Bei 35 Prozent der Patienten in Taiwan entwickeeln sich die Tumore nicht in der Blase, sondern in Harnleiter oder Nierenbecken. Weltweit sei dies bei weniger als zehn Prozent der Patienten der Fall. Auch erkrankten Frauen in Taiwan überdurchschnittlich häufig an diesen Tumorformen – und sie bekamen auch häufiger Aristolochia-Präparate verordnet als Männer.
Aristolochiasäure schädigt auch die Nieren, was im schlimmsten Fall zu Nierenversagen führen kann. In Belgien erkrankten in den neunziger Jahren mehrere Frauen an Nierenversagen, die die Präparate im Rahmen von Diätkuren eingenommen hatten.
Hierzulande sind Präparate, die Aristolochia-Säure enthalten, bereits länger untersagt. Auch in China und Taiwan wurden sie m Jahr 2003 verboten.
Während also das Problem mit den Aristolochia-Präparate mittlerweile auch in China vom Tisch ist, geben andere TCM-Präparate, die weiterhin im Handel sind und nun von australischen Wissenschaftlern untersucht wurden, Anlass zu berechtigter Sorge. Die Forscher fanden in den vom Zoll beschlagnahmten Präparaten Extrakte von total 68 verschiedenen Pflanzenfamilien, und einige davon sind alles andere als risikolos.
Einige der Mixturen enthielten beispielsweise Pflanzenbestandteile der Gattung Ephedra (Meerträubel) und Asarum (Haselwurz), die bei falscher Dosierung toxisch sind. In den Packungsbeilagen fehlte der Hinweis auf diese heiklen Inhaltsstoffe und die potenzielle Gefährlichkeit.
In ihrem Artikel im Fachplan PLoS Genetics weisen die australischen Wissenschaftler jedoch noch auf ein weiteres Problem hin: In einigen der analysierten TCM-Proben fanden sie Spuren von Tieren, die gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht sind, wie der Kragenbär oder die asiatische Huftierart Saiga.
Quelle:
http://derstandard.at/1334132463824/Giftig-und-krebserregend-Ungesunde-TCM-Inhaltsstoffe
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,826636,00.html
http://www.pnas.org/content/early/2012/04/03/1119920109
Kommentar & Ergänzung:
Dieses Beispiel zeigt, dass Tradition nicht immer Recht hat. In diesem Sinn kann man auch für die westliche Pflanzenheilkunde viel daraus lernen.
Siehe:
Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?
Erfahrung allein zeigt Irrtümer und Risiken nur sehr unzulänglich.
Siehe:
Naturheilkunde: Vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung
Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung
Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung
Daher reicht es nicht zu sagen, diese Heilpflanze ist seit Tausenden von Jahren im Gebrauch, ergo ist sie wirksam und harmlos.
Manche Zusammenhänge sieht man erst, wenn man systematisch danach sucht. Dem sagt man dann Wissenschaft.
Aus diesem Grund verknüpft eine seriöse Phytotherapie die Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde mit den Erkenntnissen moderner Arzneipflanzenforschung.
Diese Kombination ist unverzichtbar zum Schutz von Patientinnen und Patienten.
Leider ist der Begriff „Phytotherapie“ nicht geschützt und deshalb laufen unter diesem Begriff inzwischen auch Vorstellungen mit, welche die wissenschaftliche Überprüfung der Wirksamkeit und Sicherheit von Heilpflanzen-Präparaten ablehnen, und sich statt dessen lieber an ihren eigenen Überzeugungen von der ausschliesslich heilenden und sanften Natur festhalten. Das ist meines Erachtens aber eine zu einseitige und riskante Betrachtungsweise.
Eine fundierte, seriöse Phytotherapie verbindet Tradition und Wissenschaft. Sie verlässt sich nicht einfach auf die Fantasien irgendeines Kräutergurus (wie heisst eigentlich die weibliche Form von Guru? Guresse?).
Das Beispiel mit den ungesunden TCM-Kräutern zeigt auch, wie wichtig eine staatliche Kontrolle des Heilmittelmarktes ist. Vor ein paar Monaten gab es einen Wirbel im Internet über ein angebliches Verbot der Heilpflanzen durch die EU, dabei ging es nur um ein Registrierungsverfahren für pflanzliche Arzneimittel.
Dazu ein Zitat von Reinhold Rathscheck:
„Der Nachweis der Wirksamkeit ist von jedem neuen Mittel zu fordern, das den Anspruch erhebt, ein Arzneimittel zu sein. Hiervon wird man nicht die Mittel ausnehmen dürfen, deren Unschädlichkeit zwar keineswegs bezweifelt wird, deren Wirkung aber einzig und allein auf dem Glauben beruht. Sonst müsste auch ein Placebo, ein Scheinarzneimittel, das keinen arzneilich wirksamen Stoff enthält, beim Bundesgesundheitsamt registrierbar sein, fehlen ihm doch toxische Effekte mit Sicherheit, wogegen psychische Wirkungen durchaus nachweisbar sein können.
Hier trägt der Staat eine Mitverantwortung: Ein Staat, der einerseits mit Recht Arzneimittelsicherheit fordert, hat seine Bürger andererseits vor Arzneimitteln zu schützen, die keine sind. Er hat kranke Menschen davor zu bewahren, dass Gutgläubigkeit oder Verzweiflung dank staatlicher Mithilfe ummünzbar werden in Profit, ohne dass eine wirkliche Aussicht auf Heilerfolg besteht.“
(aus: Konfliktstoff Arzneimittel, Suhrkamp 1974)
Klar ist aber auch, dass solche Registrierungsverfahren und Kontrollen verhältnismässig sein müssen und dass Entscheide der Arzneimittelbehörden aus fachlicher Sicht auch kritisiert werden dürfen und sollen (z. B. im Fall Kava-Kava)
Das Aristolochiasäure-Problem scheint zumindestens in Europa durch das Verbot entsprechender Bestandteile in Arzneimittel unter Kontrolle zu sein. Bei TCM-Kräutern, die unkontrolliert im Internet gehandelt werden, wäre ich da nicht so sicher.
Und zudem sind die generellen Qualitätsprobleme bei TCM-Kräutern nicht vom Tisch. Anbaubedingungen und Verarbeitungsbedingungen sind oft alles andere als einfach zu kontrollieren. Und ob in den entsprechenden Kräutermischungen auch drin ist, was drauf steht, bleibt oft fraglich – sofern überhaupt etwas draufsteht.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Mittwoch, April 4th, 2012
Zu diesem Schluss kommt eine Analyse aller Spontanmeldungen von Leberschäden, die nun publiziert wurde (Regulatory Toxicology and Pharmacology 2012; 63 (1): 1).
Vor einem halben Jahr schreckte die Meldung über mögliche Leberschäden nach Anwendung des Phytotherapeutikums Umckaloabo® Verbraucher, Ärzte und Apotheker auf.
Umckaloabo (Pelargonium sidoides) ist eine Heilpflanze, die als schleimlösendes Mittel bei Husten und weiteren Erkältungskrankheiten eingesetzt wird.
Die Analyse aller Spontanmeldungen von Leberschäden zeigte nun, dass in keinem Fall ein Kausalzusammenhang zwischen Einnahme von Umckaloabo® und Leberschäden wahrscheinlich ist.
Für die Studie untersuchten Wissenschaftler der Universität Frankfurt am Main total 15 Verdachtsfälle, die der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und dem BfArM gemeldet worden waren wegen einer möglichen Leberschädigung duch Pelargonium sidoides. Ein Pelargonium-sidoides-Extrakt wird zur Herstellung des Phytotherapeutikums Umckaloabo® verwendet.
Die Forscher beurteilten den Kausalzusammenhang mit einer Leberschädigung anhand der leberspezifischen Skala des Councils for International Organizations of Medical Sciences (CIOMS).
Darüber hinaus werteten sie den Zeitpunkt der Einnahme des Phytotherapeutikums und den Zeitpunkt des Auftretens der Beschwerden aus, sowie die Werte von Alaninaminotransferase und alkalischer Phosphatase als eindeutige Kriterien für eine Leberschädigung.
Die Datenlage sei in fast allen berichteten Fällen schlecht gewesen, stellen die Wissenschaftler fest.
Nur bei einer Minderheit der untersuchten Fälle sei es möglich gewesen, auf andere Lebererkrankungen Bezug zu nehmen. Beispielsweise hätten nur für drei Patienten Daten zu bildgebenden Untersuchungen des Gallentraktes vorgelegen.
Daten zum Ausschluss von Virusinfektionen (Hepatitis A-C) seien nur in vier Fällen, zum Ausschluss von Cytomegalie- und Eppstein-Barr-Viren sogar nur in einem Fall zur Verfügung gestanden, so die Wissenschaftler.
Sie kommen zum Schluss, dass ein überzeugender Beweis fehle, dass Pelargonium sidoides bei den analysierten Fällen ein potenzielles Hepatotoxin (Lebergift) gewesen sei.
In fast allen Fällen (mit Ausnahme einer Dauermedikation über 13,5 Monate) sei Umckaloabo nur wenige Tage angewandt worden – meist als Tropfen. Hinweise auf eine tägliche Überdosierung seien nicht vorhanden.
Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/809584/datenanalyse-umckaloabo-kein-hepatotoxin.html
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0273230012000359
Kommentar & Ergänzung:
Die Vorgänge rund um diese Warnungen vor Leberschäden durch Umckaloabo® werfen einige Fragen auf.
Ausser Frage steht, dass auch bei pflanzlichen Heilmitteln mit unerwünschten Nebenwirkungen und Risiken gerechnet werden muss. Was Wirkungen hat, kann auch Nebenwirkungen haben.
Und Heilmethoden, die niemals unerwünschte Nebenwirkungen haben sollen, stehen im Verdacht, auch keine Hauptwirkung zu haben.
Aber nun konkret zu dieser „Umckaloabo-Geschichte“:
Wenn sagen wir einmal 500 000 Menschen ein bestimmtes Medikament X nehmen, dann wird immer eine gewisse Anzahl Menschen zeitgleich oder zeitnah eine Lebererkrankung bekommen. Einfach schon deshalb, weil jedes Jahr eine bestimmte Anzahl Menschen aus unterschiedlichen Gründen an der Leber erkrankt.
Wenn man dann unreflektiert und ungeprüft als Ursache für diese Lebererkrankungen Medikament X „beschuldigt“, macht man möglicherweise einen Post-hoc-ergo-propter-Fehlschluss.
Siehe dazu:
Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle
Das ist genauso kurzschlüssig, wie wenn ich annehme:
Ich bin krank – ich nehme Medikament Y. – Ich werde gesund – Folglich: Medikament Y. hat mich geheilt. (Wer heilt hat Recht – lautet dann der voreilige Schnellschluss)
Es gibt viele andere Faktoren, die für die Heilung (mit)verantwortlich sein könnten.
Es kann aber auch nicht gelten:
Ich bin krank – ich nehme Medikament X. – ich erkranke an der Leber – Medikament X. schädigt meine Leber.
Auch hier sind alle anderen möglichen Auslösefaktoren zu prüfen.
Solche Datenanalysen – wie sie nun die Forschergruppe der Universität Frankfurt vorlegt, sollten gemacht werden, bevor eine Warnung wie „Umckaloabo macht Leberschäden“ gross via Medien verbreitet wird.
Und wenn eine solche Warnung erfolgt, dann sollte die Datenlage schon einigermassen wasserdicht sein.
Sonst grenzt eine solche Meldung an Rufmord.
Dumm ist in solchen Fällen nämlich, dass die Warnung in der Regel intensiv verbreitet wird, die Entwarnung aber in irgendeiner Fachzeitschrift vor sich her gammelt und nur von wenigen Leuten überhaupt gelesen wird. So bleibt immer etwas hängen.
Oder hat die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und die BfArM ihre Warnung nun zurückgenommen oder relativiert? Jedenfalls nicht dass ich wüsste.
Solche medialen „Schnellschüsse“ sind eigentlich nur akzeptabel in Situationen, in denen eine sehr akute Gefahr abgewendet werden muss.
Allerdings ist zugunsten der Arzneimittelbehörden zu sagen, dass potenzielle Risiken oft auch nicht einfach, eindeutig und schnell eingeschätzt werden können. Und dass die Öffentlichkeit eine Behörde „aufhängt“, wenn sie eine Warnung unterlässt, und dadurch jemand Schaden erleidet. Ich selber möchte nicht in dieser Verantwortung stehen.
Zu Umckaloabo siehe auch:
Übersichts-Studie zu Umckaloabo zieht positives Fazit
Phytotherapie: Umckaloabo-Studien
Phytotherapie: Umckaloabo (Pelargonium sidoides) bei Erkältungen
Leberschaden durch Umckaloabo?
Umckaloabo wegen möglicher Leberschäden unter Kritik
Kein Grund auf Umckaloabo zu verzichten
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Samstag, März 31st, 2012
Eine US-Forschergruppe um Dr. Harold Bays aus Louisville hat die Wirkung von Rosinen auf den Bluthochdruck in einer randomisierten kontrollierten Studie überprüft. Die Ergebnisse stellten sie auf dem Kongress des American College of Cardiology (ACC) in Chicago vor.
Für die Studie wurden 46 Männer und Frauen mit leicht erhöhten (“prähypertonen”) Blutdruckwerten ausgewählt und zwei Gruppen zugeteilt.
Der Hälfte der Probanden wurde auferlegt, zwölf Wochen lang dreimal täglich eine Portion Rosinen zu essen.
Die andere Hälfte musste stattdessen kommerziell verfügbare Snacks (etwa Cracker oder Cookies) ohne Fruchtbestandteile, jedoch von gleichem Kaloriengehalt, konsumieren.
In der “Rosinengruppe” stellten die Wissenschaftler nach vier, acht und zwölf Wochen eine signifikante Reduktion der systolischen Blutdruckwerte um 6,0 bis 10,2 mmHg fest.
Die Messungen der diastolischen Werten zeigten Verminderungen um 2,4 bis 5,2 mmHg. Die in der Kontrollgruppe konsumierten Snacks hatten – wie erwartet – keinen Effekt auf den Blutdruck.
Welche Inhaltsstoffe der getrockneten Trauben könnten die beobachtete Wirkung hervorgerufen haben? Bays sagte dazu, dass Rosinen “vollgepackt mit Kalium” seien, das zur Blutdrucksenkung beitrage.
Günstige Wirkungen auf die Gefäßfunktion seien möglicherweise auch auf den Gehalt an Polyphenolen, Tanninen und Antioxidantien zurück zu führen.
Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/809341/suesse-helfer-bluthochdruck.html
Kommentar & Ergänzung:
Da ich ausgesprochen gerne Sultaninen esse, passt mir diese Studie natürlich sehr gut in den Kram. Ich habe mich aber gefragt, was denn der Unterschied zwischen Sultaninen und Rosinen sei.
Hier ein Überblick dazu aus Wikipedia:
Was sind Rosinen?
„Rosinen (von altfranzösisch roisin; zu lateinisch racemus, ‚Weinbeere’) sind eine kernreiche, dunkelbraune und sehr süße Art getrockneter Weinbeeren. Rosinen werden wegen der vorteilhaften Eigenschaften der Sultaninen kaum noch angeboten. Der Begriff ‚Rosinen’ ist jedoch als Oberbegriff für alle getrockneten Weinbeeren geblieben. Sie werden reif geerntet und danach in der Sonne oder im Schatten getrocknet, bis die Feuchtigkeit der Beeren nur noch etwa 15 bis 18 % beträgt. Dies bedingt eine Konzentration des Fruchtzuckergehalts auf etwa 33 %. Sie haben eine honiggelbe bis dunkelbraune Farbe. Vier bis fünf Pfund Weintrauben ergeben ein Pfund Rosinen.“
Welche Sorten gibt es?
„ Sultaninen werden aus der Sultana-Traube (Thompson Seedless) gewonnen, die weiß, dünnhäutig, besonders süß und kernlos ist. Sultaninen haben eine helle goldgelbe Farbe. Produktionsländer sind die Türkei (→ Weinbau in der Türkei), USA (→ Weinbau in den Vereinigten Staaten) (insbesondere Kalifornien), Australien (→ Weinbau in Australien) und Südafrika (→ Weinbau in Südafrika).
Korinthen werden aus der Rebsorte Korinthiaki („Schwarze Korinthe“; lat. Vitis vinifera apyrena) gewonnen. Sie sind ebenfalls kernlos, schwarzbraun bis schwarzblau, kleinbeerig und im Geschmack kräftiger. Die Korinthe wurde nach der griechischen Stadt Korinth benannt und ist eine seit dem 15. Jahrhundert im Deutschen nachweisbare Neubildung, analog zu Französisch raisin de Corinthe (Rosine aus Korinth). Produktionsländer sind neben Griechenland auch Australien, Südafrika und die USA (Kalifornien).
Unter Zibeben (Arabisch zabiba, Sizilianisch zibibba) versteht man Trockenbeeren am Rebstock. In trockenen Erntejahren werden sie zu einer Trockenbeerenauslese (einem Wein mit hohem Restzuckergehalt) verarbeitet. Ein typischer Vertreter dieses Herstellungsverfahrens ist der ungarische Wein ‚Tokajer Aszú’ (Tokajer Ausbruchwein), bei dem vor der Vergärung immer eine bestimmte Menge Zibeben dem frischen Most zugesetzt wird.
In Süddeutschland und Teilen von Österreich ist ‚Zibebe’ ein allgemeiner Ausdruck für getrocknete Weinbeeren, die für die Zubereitung von Speisen verwendet werden. Nach dem Deutschen Wörterbuch beginnt dieser Ausdruck der Bezeichnung Rosine zu weichen, nach dem Duden gehört das Wort zu den süddeutschen und österreichischen Besonderheiten. 2009 enthält das ‚Wörterbuch des österreichischen Deutsch’ die Erklärung ‚große rötliche Rosine’ und vermerkt, dass das Wort ‚auch süddeutsch’ ist.“
Zur Verwendung von Rosinen
„ Aufgrund des hohen Zuckergehalts sind Rosinen beliebt bei der Zubereitung von Süßspeisen, können aber auch unverarbeitet gegessen werden. Sie werden in vielen Süßspeisen, unter anderem in Rosinenbrötchen, Rosinenbrot und Christstollen, verbacken. Für einige Rezepte werden Rosinen in Fruchtsaft, Alkohol oder Wasser eingeweicht, um sie praller, weicher und fruchtiger zu machen. Sie finden aber auch in vielen Hauptgerichten aus dem arabischen Raum und dem Rheinischen Sauerbraten Verwendung. Außerdem sind sie in vielen Müsli-Mischungen enthalten.“
Spezielles
„Rosinen sind für Mensch und Tier (mit Ausnahme von Hunden) ungiftig. Bei einigen Hunden kommt es schon bei Aufnahme von 2,8 g Rosinen pro kg Körpermasse zu einer Weintraubenvergiftung.
Die deutsche Redewendung: Jemand pickt sich die Rosinen (aus dem Kuchen) bedeutet, er nimmt sich die besten Teile und überlässt die weniger guten Teile den anderen. Denselben Inhalt hat in Österreich das Wort ‚Zibebenpicker’.
Ein redensartlicher Korinthenkacker ist jemand, der Unwichtiges zu wichtig nimmt und seinen Mitmenschen gegenüber rechthaberisch auftritt, also ein Pedant; ähnliche Begriffe sind Kümmelspalter, Erbsenzähler, Haarspalter, Krümelkacker, Kriacherlscheiber (österreich. steirisch), I-Tüpfelischisser (alemannisch).
Ein heutzutage im deutschen Sprachraum wenig verbreiteter weiblicher Vorname lautet ebenfalls Rosine oder Rosina.
Das sogenannte Studentenfutter erhält durch den großen Anteil an Sultaninen seinen süßen Geschmack.“
(Quelle: Wikipedia)
Die US-Rosinenstudie ist klein bezüglich der Probandenzahl und die Vorstellung der Studie an einem Kongress ist noch kein Qualitätsbeleg, wie es die Publikation in einer Fachzeitschrift sein könnte.
Mich interessieren aber die gesundheitlichen Wirkungen der Rosinen bzw. Sultaninen und ich würde gerne mehr darüber wissen.
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