Beiträge

Olbas Tropfen – ein Gemisch von ätherischen Ölen – getestet auf antimikrobielle Wirkung

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Olbas Tropfen – ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel – enthalten ein Destillat aus einer Mischung von Pfefferminzöl, Cajeputöl, Eukalyptusöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl im Verhältnis von 53 : 21 : 21 : 3 : 2.

Das Präparat wird traditionell zur Einnahme und Inhalation bei Erkältungskrankheiten (Husten, Schnupfen, Heiserkeit) empfohlen, zur Einnahme bei leichten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, zur äußerlichen Anwendung bei leichten Kopfschmerzen, beispielsweise bei Verspannungszuständen, sowie zur äußerlichen Anwendung bei umschriebenen (lokalen) Muskelschmerzen nach Überanstrengung / Fehlbelastung. Darüber hinaus ist es auch bekannt für seine Anwendung bei diversen Sportverletzungen.

Die „Pharmazeutische Zeitung“ hat den Stand der Forschung zu Olbas zusammengestellt. Daraus lassen sich interessante Schlüsse ziehen. unter anderem auch bezüglich der antimikrobiellen Wirkungen der einzelnen ätherischen Öle, die Bestandteil der Olbas-Mischung sind.

Zahlreiche Laboruntersuchungen (in-vitro) belegen zweifelsfrei die antimikrobielle Wirkung von ätherischen Ölen. Viele Bakterien, Pilze und Viren reagieren äusserst sensibel auf ätherische Öle.

Solche positiven Resultate lassen den unterstützenden oder zum Teil alleinigen Einsatz von ätherischen Ölen in der Phytotherapie und Aromatherapie bei Haut- und Wundinfektionen sowie bei Erkältungskrankheiten plausibel erscheinen.

Eine In-vitro-Studie untersuchte das antimikrobielle Potenzial von Olbas im Vergleich zu seinen individuellen Basisölen (Cajeputöl, Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl). Die Ergebnisse zeigen, dass Olbas ein relativ breites Wirkungsspektrum mit insgesamt guter bis sehr guter antimikrobieller Wirkung gegen alle Testkeime besitzt, einschließlich Methicillin-resistenter (MRSA) Stämme und Vancomycin-resistenter Enterococcus (VRE) Stämme. Besonders hervorgehoben wird von den Autoren die relativ hohe Sensibilität der Bakterien Acinetobacter baumanii, Escherichia coli und Pseudomonas aeruginosa sowie des Hefepilzes Candida albicans gegen Olbas. Die genannten Bakterien bewirken Wundinfektionen sowie Spitalinfektionen und erweisen sich oft als multiresistent gegen verschiedene Antibiotika. Im Fall der erwähnten Untersuchung war Pseudomonas aeruginosa gegen die Antibiotika Ampicillin und Vancomycin resistent. Interessant ist die Wirksamkeit gegen Pseudomonas aeruginosa, weil dieser Keim gegen zahlreiche ätherische Öle eine stark verminderte Sensibilität aufweist. Dies hängt damit zusammen, dass Pseudomonas aeruginosa über sogenannte MDR-Effluxpumpen verfügt, die in der Lage sind, eingedrungene Monoterpene (= Bestandteile vieler ätherischer Öle) wieder aus der Zelle zu schleusen.

Vergleicht man die Wirksamkeit der einzelnen Basisöle mit derjenigen der Olbas-Kombination, dann sind nur die antimikrobiellen Aktivitäten von Pfefferminzöl und Cajeputöl erwähnenswert. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die antimikrobielle In-vitro-Wirkung von Olbas weitgehend auf derjenigen von Pfefferminzöl beruht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51283

Kommentar & Ergänzung:

Für mich sind vor allem die Vergleichswerte der verschiedenen ätherischen Öle interessant. Die detaillierten Werte sind im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ in einer Tabelle zusammengestellt.

Bemerkenswert ist für mich die klare Überlegenheit von Pfefferminzöl gegen Bakterien. Nur gegen Pseudomonas aeruginosa ist Cajeputöl sehr deutlich und Eukalyptusöl deutlich wirksamer. Und gegen Streptococcus pyogenes und Streptococcus oralis ist Pfefferminzöl gleichauf mit Cajeputöl an der Spitze. Auch gegen Hefepilze (Candida albicans) zeigt Pfefferminzöl von den untersuchten Einzelöle die beste Wirkung.

Cajeputöl (aus Melaleuca leucadendra) ist botanisch verwandt mit Teebaumöl (aus Melaleuca alternifolia).

Generell muss zu diesen Untersuchungsergebnissen gesagt werden:

Dass ätherische Öle zum Teil bemerkenswerte antimikrobielle Wirkungen haben und in dieser Hinsicht angesichts zunehmender Antibiotika-Resistenzen vermehrte Beachtung verdienen, steht ausser Frage.

Man muss aber wissen, dass solche eindrücklichen Ergebnisse wie in der beschriebenen Untersuchung im Labor stattfinden, in dem ätherische Öle in eine Bakterien- oder Pilzkultur appliziert werden. Das ist ein sehr direkter Kontakt mit hoher Konzentration.

Mir fällt einfach auf, dass in der Aromatherapie-Literatur solche In-vitro-Ergebnisse oft sehr schnell auf die Anwendung von Aromaölen im Alltag übertragen werden. Beispielsweise wird dann einem ätherischen Öl, das im Labor in einer Bakterienkultur einen Spitalkeim abtöten kann, auch zugetraut, dass es diesen Spitalkeim genauso hemmt, wenn man es im Spital als Duft einsetzt. Das sind aber zwei völlig unterschiedliche Kontexte und es wird beim Verdunstenlassen im Raum einfach nicht annähernd die Konzentration erreicht, die in der Bakterienkultur direkt wirksam wird.

Der Kontext, in dem eine Erkenntnis gewonnen wurde, darf bei der Beurteilung nicht ausser acht gelassen werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Das PECH-Schema bei Sportverletzungen

Diesen Artikel teilen:

In verschiedenen Sportarten kann es zu akuten stumpfen Verletzungen kommen, beispielsweise Prellungen, Muskelrisse, Bänderrisse, Hämatome (Blutergüsse), Ermüdungsbrüchen. Durch den Aufprall gelangen Flüssigkeit aus Zellen und Blut aus den Gefässen ins Gewebe und es entwickelt sich eine Schwellung.

Durch Sofortmassnahmen nach dem PECH-Schema lassen sich die Folgen einer leichten Verletzung eindämmen und die Rehabilitationszeit verkürzen.

Das PECH-Schema:

P: Pause

E: Eis

C: Compression

H: Hochlagerung

Nach dem Unfall wird die betroffene Körperstelle am besten sofort gekühlt. Die Kälte zieht die Blutgefässe zusammen (Vasokonstriktion), führt zu einer Schmerzreduktion und hemmt die Bildung von Schwellungen und Hämatomen. Zur Kühlung geeignet sind beispielsweise Eis, Wasser oder Kältepackungen. Um lokalen Erfrierungen vorzubeugen, ist direkter Hautkontakt zu vermeiden.

Um darüber hinaus ein Anschwellen zu verhindern, wird mit einer breiten elastischen Binde ein Druckverband angelegt (Compression). Zur Fortführung der Kältetherapie werden die einzelnen Lagen dieses Druckverbandes mit Eiswasser oder Kühlspray getränkt.

Anschliessend wird die verletzte Gliedmasse hochgelagert, was den venösen Abfluss und das Abschwellen fördert. Falls möglich soll der betroffene Körperteil während 12-24 Stunden über Herzebene hochgelagert werden.

Zu empfehlen ist eine Schonzeit von ca. 2 Tagen, nach der wieder mässig belastet werden sollte. Erfolgt bis zu diesem Zeitpunkt keine Besserung, ist ärztliche Hilfe beizuziehen.

Literatur:

_Pharmazeutische Zeitung, Nr. 29/2012/Supplement/p6

_Sportler in der Apotheke; Govi-Verlag 2004; p173

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4672&NMID=4672&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Den schmerzstillenden Kälteeffekt kann man auch mit Pfefferminzöl auslösen.

Pfefferminzöl wirkt kühlend über eine Aktivierung von Kälterezeptoren. Es löst also eine Kälteempfindung aus, ohne temperaturmässig zu kühlen. Eine schmerzstillende Wirkung kommt auf diese Art ebenfalls zustande – via Counter-Irritation. Die Vasokonstriktion dürfte aber mit dem Pfefferminzöl wohl ausbleiben.

Bei Sportverletzungen setzt die Phytotherapie ausserdem ein:

Umschläge mit verdünnter Arnikatinktur.

Beinwellsalbe / Beinwellgel.

Siehe auch:

Alternativmedizin – was hilft bei Sportverletzungen

Phytotherapie: Arnika – Wirkung – Anwendungsbereiche – Allergiepotenzial

Prellung und Hämatom mit Heilpflanzen behandeln

Sprunggelenksverletzung: Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Heilpflanzen statt Schmerztabletten

Diesen Artikel teilen:

Das empfiehlt die „Bild“-Zeitung. Gutgemeinte Idee, aber mit den konkreten Ratschlägen happert es noch ein bisschen:

„Gegen Muskelschmerzen können Sie eine Baldrian- oder Arnika-Tinktur auf verspannte oder gezerrte Muskeln auftragen und sanft einmassieren.“

Quelle: http://www.bild.de/ratgeber/gesund-fit/schmerzmittel/gefahr-segen-was-sie-wissen-muessen-23018112.bild.html

Kommentar & Ergänzung:

Arnikatinktur, liebe Bild-Zeitung, darf nie unverdünnt aufgetragen werden, weil sie sonst zu aggressiv auf die Haut wirkt und Entzündungen auslösen kann. Das müsste man der Leserschaft sagen. 1:10 mit Wasser verdünnt wirkt Arnikatinktur aber gegen Blutergüsse, Verstauchungen, Quetschungen. Arnikagel oder Arnikasalbe sind allerdings üblichere  Anwendungsformen.

Baldriantinktur wirkt bei ausreichender Dosierung als mildes Beruhigungsmittel, aber nur bei innerlicher Anwendung. Reibt man die Baldriantinktur ein, hat man eventuell einen Effekt durch den verdunstenden Alkohol. Dann könnte man aber jeden Schnaps nehmen oder besser noch Wacholdergeist, der ausserdem durchblutungsförderndes Wacholderöl enthält.

Heikel ist das Einreiben von Baldriantinktur, wenn man eine Katze im Haus hat. Sie wird an der eingeriebenen Stelle die Krallen wetzen und sich auch sonst ziemlich auffällig verhalten. Die Rechung für allfällige Schäden schicken Sie am besten der Bild-Zeitung……

Die schnellste schmerzlindernde Wirkung bei Muskelschmerzen, Prellungen etc. hat Pfefferminzöl (5 – 10 % Pfefferminzöl gemischt mit Mandelöl).

Prellung und Hämatom mit Heilpflanzen Behandlung

Hausmittel gegen Insektenstiche, Prellungen und Juckreiz

Alternativmedizin – was hilft bei Sportverletzungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Heilpflanzen bei Venenleiden: Mäusedorn

Diesen Artikel teilen:

Verglichen mit Rosskastanien-Extrakt und Buchweizenkraut ist der Mäusedorn als Heilpflanze bei Venenbeschwerden weniger bekannt.

Welche Anwendungen sind medizinisch anerkannt?

„Zur unterstützenden Therapie von Beschwerden bei chronisch venöser Insuffizienz wie Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz und Schwellungen. Unterstützende Therapie von Beschwerden bei Hämorrhoiden wie Juckreiz, Brennen (Kommission E, ESCOP).“

Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/maeusedorn.php

Kommentar & Ergänzung:

Der Stechende Mäusedorn (Ruscus aculeatus) ist eine Pflanzenart, die zu den Spargelgewächsen (Asparagaceae) zählt. Sie ist vor hauptsächlich rund um das Mittelmeer sowie bis Vorderasien heimisch und wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2002 gekürt.

Gut zusammengefasst werden die Anwendungsbereiche im Pharmawiki:

„- Chronisch-venöse Insuffizienz: Krampfadern, Schmerzen, Schweregefühl, geschwollene Beine, Wadenkrämpfe

– Stumpfe Sportverletzungen

– Zur Narbenpflege

Mäusedorn soll äusserlich auch zur Behandlung der Rosazea geeignet sein. Das Gel ist in der Schweiz in dieser Indikation jedoch nicht zugelassen und gemäss unseren Recherchen für diese Anwendung wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht.“

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Mäusedorn

Mäusedorn ist in der Schweiz hauptsächlich als Venengel im Handel. Die Wirksamkeit von Venengelen und Venensalben ist aber generell nicht plausibel belegt.

Für die innerliche Anwendung ist die Auswahl an Fertigpräparaten bescheiden. Neben Mäusedorntinktur gibt es noch Mäusedorn-Kapseln von Arkokaps.

Rosskastanien-Extrakte sind sehr viel besser belegt bezüglich Wirkung gegen Venenbeschwerden (Chronisch-venöse Insuffizienz: Krampfadern, Schmerzen, Schweregefühl, geschwollene Beine, Wadenkrämpfe).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Raucherentwöhnung: Anzeichen für erhöhte Suizidgefahr bei Champix (Vareniclin)

Diesen Artikel teilen:

Das Raucherentwöhnungs-Medikament Champix (Vareniclin) von Pfizer erhöht bei Patienten möglicherweise das Risiko von Depressionen, Selbstverletzungen und Suiziden. Zu diesem Schluss kommen jedenfalls  US-Wissenschaftler, die die von 1998 bis 2010 bei der Arzneimittelbehörde FDA gemeldeten Nebenwirkungen analysiert haben. Für Vareniclin, das erst seit 2007 zugelassen ist, fanden die Forscher über 9500 Meldungen, von denen fast jede dritte auf Depressionen, Selbstverletzung oder Suizid entfiel.

Für das Präparat Zyban (Bupropion) von GlaxoSmithKline wurden 1750 Nebenwirkungen gemeldet, davon zählten 13 Prozent zu der genannten Gruppe. Bei Nikotinersatzpräparaten wurden 1900 unerwünschte Wirkungen gemeldet, in 95 Fällen (5 Prozent) traten Depressionen und Selbstverletzung auf.

Die Resultate der Untersuchung zeigen den Wissenschaftlern zufolge das erheblich erhöhte Risiko bei der Vareniclin-Therapie. Unter Berücksichtigung der schon bekannten Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit, Angstzustände oder Erbrechen raten die Forscher, Vareniclin nicht mehr als Mittel erster Wahl zur Raucherentwöhnung zu verwenden.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/suizidgefahr-bei-champix

Moore TJ et al: Suicidal Behavior and Depression in Smoking Cessation Treatments. PLOS one 6 (11): e27016. doi: 10.1371/journal.pone.0027016

Kommentar & Ergänzung:

Die Deutsche Apotheker-Zeitung (DAZ) hat dazu eine Stellungnahme von Pfizer veröffentlicht:

„Pfizer erklärte auf Anfrage, dass man die Interpretation der Daten durch die Autoren nicht teile. Die veröffentlichte Analyse der Post-Marketing-Berichte von Moore et al. biete keine belastbaren medizinischen Informationen. Die Schlussfolgerung der Autoren würden aktuellen wissenschaftlichen Analysen sowohl der FDA als auch der EMA sowie den vorliegenden Daten aus klinischen Studien. widersprechen. Beide Behören hätten auf Basis aller aktuell vorliegenden Sicherheits- und Studiendaten von Champix wiederholt ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis für Champix bescheinigt. Die FDA habe noch am 24. Oktober 2011, die Ansicht vertreten, dass auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Daten der Nutzen des Präparats die Risiken überwiegt und dass die Warnhinweise in aktuellen informierenden Texten zu Champix angemessen seien. Im Juli 2011 hatte der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA ebenfalls eine positive Nutzen-Risiko-Bewertung für Vareniclin abgegeben.“

Die DAZ weißt aber auch darauf hin, dass die FDA schon im Juli 2009 entsprechende Meldungen zum Anlass für einen verschärften Warnhinweis (Boxed Warning) genommen hatte.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2011/11/07/selbstmordgefahr-unter-vareniclin-champixR-besonders-hoch.html

Ich bin nicht in der Lage zu beurteilen, welche Argumente hier stichhaltiger sind.

Das pauschale Feindbild „Pharmaindustrie“ und die damit zusammenhängenden Verschwörungstheorien, wie sie in weiten Bereichen der Komplementärmedizin verbreitet sind, halte ich für sehr fragwürdig (und ich will diese Schwarz-Weiss-Feindbilder auch nicht „füttern“ mit diesem Beitrag).

Das schliesst aber natürlich nicht aus, konkrete  problematische oder gar riskante Aspekte im Bereich „Pharma“ sehr kritisch in Frage zu stellen. Im Gegenteil: Eine „Feindbildhaltung“ und eine „kritische Haltung“ sind zwei fundamental unterschiedliche Dinge. Feindbilder sind pauschal, sie funktionieren reflexartig und frei von Nachdenken. Eine kritische Haltung basiert dagegen auf Argumenten, wägt diese ab und ist immer so konkret wie möglich.

Leider ist es ein immer wiederkehrendes Phänomen, dass Pharmakonzerne sichtbar werdende Risiken ihrer Produkte erst einmal gründlich Kleinreden.

Und die Marketingabteilung einer Pharmafirma wie zum Beispiel Pfizer hat sehr viel mehr Ressourcen als irgendeine unabhängige(re) Wissenschaftlergruppe, um ihre Position durchzusetzen.

Um diese eklatante Dysbalance auszugleichen ist es angemessen, der kritischen Forschergruppe sehr gut zuzuhören und deren Argumente sehr ernst zu nehmen.

Das zeigen jedenfalls die Erfahrungen mit den verschiedensten Arzneimittelskandalen (z. B. Contergan, Phen-Fen, Lipobay, Vioxx, Mediator).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Pharmawiki: Rosskastanien-Extrakt bei Venenleiden

Diesen Artikel teilen:

Im „Pharmawiki“ ist in der Rubrik Heilpflanzen ein neuer Beitrag über Rosskastanien erschienen. Hier ein paar Zitate aus dem informativen und fundierten Text (kursiv), jeweils mit Ergänzungen und Anmerkungen von mir:

„ Extrakte aus den Samen der Rosskastanie Aesculus hippocastanum haben gefässabdichtende und venenstärkende Eigenschaften. Die Arzneimittel werden hauptsächlich zur innerlichen und äusserlichen Behandlung von Venenleiden eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete sind Hämorrhoiden, Sportverletzungen und Wadenkrämpfe“

Rosskastanien-Extrakt sorgt durch die gefässabdichtende Wirkung vor allem für den Abbau von venösen Ödemen (Wasseransammlungen im Gewebe).

„ Rosskastanien-Extrakte sind in Form von topischen Zubereitungen wie Gelen und Salben sowie als orale Formen wie Tabletten, Dragées, Kapseln, Tinkturen und Tropfen erhältlich…. Neben den Extrakten wird auch der Inhaltsstoff Aescin zu Arzneimitteln verarbeitet.“

Belegt ist die Wirkung gegen venöse Ödeme allerdings nur bei Rosskastanien-Präparaten, die eingenommen werden, nicht jedoch bei topischer Anwendung, also bei Venensalben und Venengelen aus Rosskastanien bzw. Aescin.

Venenpräparate ausschliesslich mit dem reinen Wirkstoffgemisch Aescin sind unter dem Namen Reparil im Handel.

„Als relevanter Inhaltsstoff wird vor allem das Triterpensaponin-Gemisch Aescin angesehen. Daneben enthalten die Samen unter anderem Flavonoide, Cumarine, Gerbstoffe und Nährstoffe.“

Bisher wurde bei den Rosskastaniensamen ausschliesslich Aescin als Wirkstoff gründlich untersucht.

„ In Untersuchungen mit Rosskastanien-Extrakten wurden antiexsudative, gefässabdichtende, venentonisierende, ödemprotektive, entzündungshemmende und antioxidative Wirkungen nachgewiesen. Zur tatsächlichen Wirksamkeit können wir keine Aussage machen. Pittler und Ernst kommen in ihrer umfangreichen Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2006 zum Schluss, dass Rosskastanien-Extrakte wahrscheinlich für die Kurzzeitbehandlung der chronisch-venösen Insuffizienz geeignet sind.“

Der Ausdruck Kurzzeitbehandlung könnte etwas irreführend sein.

Eine Sofortwirkung ist vom Rosskastanienextrakt jedenfalls nicht zu erwarten. Klinische Studien, welche die Wirkung belegen, wurden über 4 Wochen durchgeführt. Das scheint mir eine empfehlenswerte Mindestanwendungsdauer. Hört man mit der Einnahme des Rosskastanien-Präparates auf, geht auch die Wirkung wieder weg.

„Rosskastanien-Extrakte werden heute vorwiegend zur Behandlung von Venenbeschwerden eingesetzt, also bei Krampfadern, Schmerzen, Juckreiz, Schwellungen und müden Beinen. Weitere Anwendungsgebiete sind Wadenkrämpfe, Blutergüsse, Sportverletzungen, Hämorrhoiden und Hauterkrankungen.“

Bei Blutergüssen und Sportverletzungen würde ich äusserlich Arnikagel, Arnikasalbe oder verdünnte Arnikatinktur empfehlen, weil der Rosskastanien-Wirkstoff Aescin durch die Haut nicht aufgenommen wird.

Für Sportverletzungen eignet sich auch Beinwell (Wallwurz) in Form von Beinwellsalbe / Beinwellgel.

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Rosskastanie

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Antientzündlicher Effekt von Rosmarinsäure belegt

Diesen Artikel teilen:

Rosmarinsäure hemmt die Bildung des Enzyms COX-2 und wirkt auf diese Weise antientzündlich.

Der antientzündliche Effekt von Rosmarinsäure ist  an menschlichen Zellkulturen geprüft worden. Als Messparameter diente die Expression der Cyclooxygenase-2 (COX-2), deren Spiegel sich bei externen Reizen wie Verletzungen oder bei Entzündungen erhöht. Den US-amerikanischen Forschern ist es mit ihren Experimenten gelungen nachzuweisen, dass Rosmarinsäure die Bildung von COX-2 signifikant reduziert.

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/article/661978/antientzuendlicher-effekt-rosmarin-zellkulturen-belegt.html?sh=39&h=-1436656583

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18936204

Kommentar & Ergänzung:

Zum Verständnis wichtig wäre an diesem Punkt wohl eine genauere Beschreibung dazu, in welchen Heilpflanzen Rosmarinsäure vorkommt. Richtig: In Rosmarin, aber auch in der Melisse ( = Zitronenmelisse) und vielen anderen Lippenblütlern, und im Beinwell (Wallwurz).

Zum Vorkommen der Rosmarinsäure schreibt Wikipedia:

„Vor allem die Familien der Lamiaceae, speziell die Unterfamilien Nepetoideae und Boraginaceaen sind reich an Rosmarinsäure. Sie kann aber auch in taxonomisch weiter entfernen Pflanzengruppen, wie Farnen und Hornmoosen, hier jedoch in geringerer Konzentration, gefunden werden.“

Und zur Verwendung:

„Rosmarinsäure besitzt antivirale, antibakterielle und antiinflammatorische Eigenschaften. Sie wird daher in verschiedenen Melissepräparaten (z. B. Lomaherpan® Creme) eingesetzt, außerdem in einigen Salben gegen Sportverletzungen (z. B. Traumaplant®).“

Ergänzung: In der Schweiz als Salbe gegen Herpes auf der Basis von Melissenextrakt „Valverde Fieberbläschensalbe“.

„Reine Rosmarinsäure wirkt gegen die komplementabhängige Stimulation der Prostaglandinsynthese, besitzt antioxidative Eigenschaften, blockiert die Opsonisierung und kann leicht über die Haut aufgenommen werden.

Rosmarinsäure besitzt, ebenso wie viele andere Phenolcarbonsäureester, gerbende Eigenschaften. Da sie vor allem in Pflanzenarten der Familie Lamiaceen vorkommt, wird sie auch als Lamiaceengerbstoff oder als Labiatengerbstoff – Labiatae ist die veraltete Bezeichnung für Lippenblütler – bezeichnet.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur biologischen Bedeutung der Rosmarinsäure:

„Rosmarinsäure ist ein sekundärer Pflanzenstoff. Pflanzen synthetisieren sie als Abwehrstoff gegen Pilze und Bakterien. Außerdem wird vermutet, dass sie die Pflanze vor Fraßfeinden schützt. Pflanzen speichern Rosmarinsäure in den Vakuolen getrennt von Oxidasen. Kommt es zu einer Verletzung, wird diese Kompartimentierung aufgehoben. Die phenolischen Hydroxygruppen der Rosmarinsäure werden zu Orthochinonen oxidiert. Diese binden an Peptide und inaktivieren sie dadurch.“

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Naturheilmittel: Was ist Franzbranntwein?

Diesen Artikel teilen:

Franzbranntwein gehört zu den alten Hausmitteln. Angewendet wird er als erfrischende Einreibung, bei Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen und bei Sportverletzungen.

Franzbranntwein fördert die Durchblutung der Haut.

Im „Pharmawiki“ wird Franzbranntwein so vorgestellt:

„Franzbranntwein ist ein Spiritus (Geist), der heute künstlich durch die Vermischung von verdünntem Alkohol mit ätherischen Ölen hergestellt wird. Früher wurde Ratanhiawurzelextrakt zugemischt, der das Präparat cognacfarben färbte. Franzbranntwein mit Salz enthält zusätzlich Natriumchlorid (Kochsalz).“

Und Wikipedia schreibt zum Franzbranntwein:

„Franzbranntwein (spiritus vini gallici) ist eine alkoholische Lösung, hauptsächlich bestehend aus reinem Alkohol, Campher, Menthol und verschiedenen Duftstoffen wie Fichtennadel- oder Latschenkieferöl. Die Anwendung erfolgt überwiegend äußerlich zum Einreiben und Massieren oder zum Inhalieren und zur tropfenweisen Einnahme. Er fördert die Durchblutung und soll durch diesen Mechanismus insbesondere gegen Muskelkater helfen. Die Anwendung ist aber nicht unumstritten. Der im Franzbranntwein enthaltene Alkohol trocknet die Haut aus. Insbesondere für ältere Menschen, die oft trockene Haut haben, wird eine längerfristige Anwendung nicht empfohlen. In der professionellen Altenpflege gilt Franzbranntwein als verpönt.

Franzbranntwein ist in grünen und weißen Varianten erhältlich. Die Hauptproduzenten waren früher Frankreich (daher der Name), Spanien und Portugal.“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Was ist Rosmarinsäure?

Diesen Artikel teilen:

Rosmarinsäure kommt im Pflanzenreich weit verbreitet vor.

Hauptsächlich die Familien der Lamiaceae (Lippenblütler) und Boraginaceaen (Borretschgewächse) sind reich an Rosmarinsäure.

So wurde Rosmarinsäure beispielsweise gefunden in Melisse, Salbei, Rosmarin, Beinwell.

Rosmarinsäure wirkt antiviral, antibakteriell und entzündungswidrig. Sie wird deshalb beispielsweise in Form von Melissenextrakt oder Salbeiextrakt als Salbe gegen Fieberbläschen (Lippenherpes) eingesetzt, außerdem in Form von Beinwell-Salbe oder Beinwell-Gel gegen Sportverletzungen und rheumatischen Gelenkentzündungen.

Rosmarinsäure hemmt die Prostaglandinsynthese (Entzündungshemmung), besitzt antioxidative Eigenschaften und wird leicht über die Haut aufgenommen.

Rosmarinsäure besitzt wie zahlreiche andere Phenolcarbonsäureester gerbende Eigenschaften. Da sie hauptsächlich in Pflanzenarten der Familie Lamiaceen vorkommt, wird sie auch als Lamiaceengerbstoff oder als Labiatengerbstoff bezeichnet (Labiatae ist die veraltete Bezeichnung für Lippenblütler).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Phytotherapie bei Muskelschmerzen

Diesen Artikel teilen:

Jährlich verletzen sich etwa 1,25 Millionen Sporttreibende in Deutschland so schwer, dass sie ärztliche Hilfe brauchen. Gegen Zerrungen, Prellungen und Muskelkater gibt es zahlreiche pharmakologische Optionen, darunter auch viele Heilpflanzen-Präparate.

Zusätzlich zu den physikalischen Maßnahmen bei akuten Muskelverletzungen – Eis, Hochlagern, Kompression – gibt es viele pharmakologische Ergänzungen. Hauptsächlich im Bereich topischer (=lokal angewandter) Arzneien bei Muskelverletzungen und Sportverletzungen ist der Markt rezeptfreier Arzneien groß.

Neben den klassischen NSAR wie Diclofenac, Ibuprofen oder auch Ketoprofen stehen Alternativen auf der Basis von Heilpflanzen bei Patienten hoch im Kurs. Dazu gehören Präparate mit Extrakten aus Arnika, Capsicum (Wirkstoff Capsaicin) oder Beinwell.

Eine lange Tradition hauptsächlich bei der Behandlung von Patienten mit stumpfen Traumata wie Verstauchungen, Prellungen oder Zerrungen hat Beinwell. Mehrere klinische Studien haben der traditionellen Anwendung von Beinwell mittlerweile eine wissenschaftliche Basis geliefert.

So wurde beispielsweise in einer Studie mit Erwachsenen mit einer Sprunggelenksdistorsion eine zehnprozentige Wirkstoffzubereitung aus oberirdischem Beinwell-Extrakt (Traumaplant®) mit einer nur einprozentigen Präparation als Placebo verglichen.

Die 203 Patienten wurden über einen Zeitraum von 14 Tagen dreimal täglich doppelblind entweder mit Verum (also Beinwell-Extrakt) oder mit Placebo behandelt. Primärer Endpunkt war die Verminderung des Bewegungsschmerzes (NaturaMed 4/2009).

Lag der Wert für Bewegungsschmerz zum Zeitpunkt Null in beiden Gruppen im Mittel bei 63 und 65 mm auf der visuellen Analogskala (0 bis 100), reduzierte er sich zum Tag drei bis vier auf 32 (Verum) versus 46  (Placebo).

An Tag sieben sprachen die Werte mit 13  versus 25  ebenfalls signifikant zugunsten der Verumgruppe. Am Schluss der Studie – nach 14 Tagen – betrugen die VAS-Werte 3 versus 11. Parallel zum Schmerz hatten sich auch die Schwellungen unter Verum nach drei bis vier Tagen signifikant stärker reduziert als unter Placebo. Ähnliches zeigte sich auch für die Hämatomausprägung (Bluterguss) und die Bewegungseinschränkungen.

Auch bei verspannungsbedingten Muskelschmerzen ist ein topisches (örtlich angewandtes) Beinwellpräparat eine gute Ergänzung zur physikalischen Behandlung. Das zeigte eine Studie mit 255 Patienten,  die an funktionellen Muskelbeschwerden der Halswirbelsäule litten.

Sie wurden drei Wochen mit klassischen Methoden der physikalischen Reha therapiert. 137 dieser Patienten behandelten sich mit einer Zubereitung aus Trauma-Beinwell (Symphytum x uplandicum NYMAN).

Beim Start der Studie und nach drei Behandlungswochen erfolgte eine Untersuchung der Halsmuskulatur, der Faszien und der Bewegungsabläufe an einer Reihe von Muskeln (Der Allgemeinarzt 8/2010). Der Schweregrad der Beschwerden wurde dabei auf einer dreistufigen Skala dokumentiert (0 = normale Funktion, 1 = leicht und 2 = deutlich funktionell gestört).

Unter der klassischen Reha besserten sich sämtliche Messkriterien. Die Beinwellsalbe führte aber zu einer deutlich grösseren Verbesserung.

Bei acht der zwölf Parameter waren die Unterschiede signifikant zugunsten der Gruppe mit dem Beinwell-Präparat. Speziell ausgeprägt war der Effekt auf den verkürzten Trapezmuskel. Mit reiner Reha-Therapie besserte sich der Wert um 0,35 Punkte. In der Gruppe mit Reha plus topischer Anwendung von Beinwellextrakt lag die Besserung bei 1,81 Punkten.

Die Autoren der ersten Studie betonen zudem, dass das Problem toxischer Pyrrolizidinalkaloide (PA) bei dem Beinwell-Präparat nicht existiere. Denn für die Extraktherstellung würden PA-freie Beinwell-Kulturen eingesetzt. Extrahiert werde zudem nur aus den oberirdischen Pflanzenteilen, nicht jedoch aus den Wurzeln.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/649952/phytopharmazie-hilft-schmerzenden-muskeln.html

Kommentar & Ergänzung:

Beinwell gehört zu den Heilpflanzen, die in den letzten intensiv erforscht wurden.

Siehe dazu:

Beinwell-Salbe lindert Verspannung in Schulter und Nacken

Beinwell: Rasche Wirkung gegen Rückenschmerzen

Voltaren-Gel versus Beinwell-Salbe

Sprunggelenksverletzung: Beinwellwurzel  wirksamer als Diclofenac

Interessant an obenstehendem Beitrag scheint mir, dass die untersuchte Beinwell-Zubereitung aus oberirdischen Pflanzenteilen gewonnen wird.

Viel üblicher und in der Phytotherapie besser etabliert sind Präparate aus Beinwellwurzel (z.B. Kytta-Salbe).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: