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Schleimlöser bei Husten: Schlüsselblumenblüten oder Schlüsselblumenwurzel?

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Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) ist eine wichtige Heilpflanze bei produktivem Husten. Sie wird bei dieseer Indikation als Schleimlöser (Expectorans) eingesetzt wird.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Wirkstoffgehalt in der Schlüsselblumenwurzel deutlich höher ist als in den Schlüsselblumenblüten.

Präzis beschrieben hat dies vor kurzem ein Beitrag auf Apotheke-Adhoc:

„In der Phytotherapie finden sowohl die Blüten als auch die Wurzel Anwendung. Die Schlüsselblumenblüten enthalten jedoch weitaus weniger wirksame Inhaltsstoffe als die Wurzel. Bislang konnte nur ein geringer Anteil an Triterpensaponinen nachgewiesen werden. Ätherisches Öl ist zu etwa 0,1 Prozent enthalten, Flavonoide zu etwa 3 Prozent. Die Blüten werden volkstümlich bei Reizbarkeit, Ruhelosigkeit und Angstzuständen eingesetzt. Auch wenn die Wirksamkeit nicht belegt ist, kommen die Blüten außerdem bei Neuralgien, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit zum Einsatz.

Die Wurzel enthält weitaus mehr Triterpensaponine, insgesamt können es bis zu 12 Prozent der Pflanzeninhaltsstoffe sein. Der Großteil bezieht sich auf das Aglykon Protoprimulagenin A und die dazugehörigen Glykoside – die Primulasaponine. Primverin und Primulaverin sind als Phenolgylkoside die Hauptkomponenten.“

Apotheke-adhoc geht auch auf den Wirkungsmechanismus der Schlüsselblume ein, also auf die Frage, wie die schleimlösende Wirkung der Saponine zustande kommt:

„Die Wirkung ist auf die Triterpensaponine zurückzuführen. Sie reizen die Magenschleimhaut und regen die Bronchialschleimhaut durch die Reizweiterleitung über Nervenfasern dazu an, mehr Schleim zu produzieren. Somit verdünnt sich das Sekret und kann leichter abgehustet werden. Als Nebenwirkungen können vereinzelt Magenreizungen oder Übelkeit auftreten. Die Wurzel kann als Expektoranz zum Beispiel mit Thymian, Spitzwegerich, Fenchel oder Süßholz kombiniert werden.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/arzneipflanzen-primula-veris-fruehblueher-gegen-husten/

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein fachlich kompetenter Text. Bei der Schlüsselblume steht heute tatsächlich die schleimlösende Wirkung im Zentrum.

Die erwähnten volkstümlichen Anwendungen der Schlüsselblumenblüten bei Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Angstzuständen, Neuralgien, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit sind nicht plausibel. Schlüsselblumenblüten eignen sich aber gut zur Teeverschönerung. Sie sind auch enthalten im Präparat „Sinupret“, das bei Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) eingesetzt wird.

Bei Husten ist aber wegen des höheren Saponin-Gehalts mit grosser Wahrscheinlichkeit die Schlüsselblumenwurzel wirksamer. Allerdings ist sie einzeln nicht nicht fundiert auf ihre Wirksamkeit untersucht worden. Es gibt aber gute Studien zur Wirksamkeit einer Kombination von Thymianextrakt und Schlüsselblumenwurzelextrakt. Dieses Kombipräparat wird sogar in den Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) empfohlen.

Siehe dazu hier:

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

Schlüsselblume als Hustenmittel

 

Heilpflanzen-Extrakte aus Schlüsselblume und Thymian helfen beim abhusten

Den beschriebenen Wirkungsmechanismus der Triterpensaponine nennt man auch gastropulmonalen Reflex. Er ist nicht spezifisch für die Schlüsselblume, sondern tritt auch bei anderen Heilpflanzen auf, die Triterpensaponine enthalten.

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) steht im Übrigen unter Naturschutz. Zu Heilzwecken kauft man sie besser in der Apotheke oder Drogerie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Oeko-Test beurteilt Hustensäfte für Kinder

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Die Zeitschrift „Oeko-Test“ hat Hustensäfte für Kinder beurteilt. Dabei kamen auch Heilpflanzen-Präparate zu guten Bewertungen.

Bei den Schleimlösern (Expektorantien) schnitten unter den Thymian-Präparaten Aspecton Hustensaft und Abtei Bronchial Sirup mit „gut“ ab. Thymiverlan, Tussamag zuckerfrei und Bronchicum Elixier (Thymian/ Primel) bekamen wegen des Alkoholgehalts nur ein „ausreichend“. Mit „mangelhaft“ wurde Eucabal Hustensaft (Thymian / Spitzwegerich) bewertet.

Überzeugt haben auch die Efeu-Säfte Prospan, Hedelix, Bronchostad und Sinuc , sowie die ätherischen Öle in Gelomyrtol forte und Soledum Kapseln.

Untersucht wurden auch Hustenstiller (Antitussiva). Ein „sehr gut“ vergaben die Experten für Schoenenberger Heilpflanzensaft Spitzwegerich Bio.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/oeko-test-punkte-abzug-fuer-alkohol-und-konservierungsmittel-in-hustensaeften-kinder/?tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=1&cHash=f01ad2b9823c1f5225db568a9a9775cb

 

Kommentar & Ergänzung:

Punktabzug gab es für Alkoholgehalt und für den Zusatz von Konservierungsmitteln wie Propylparaben und Benzoesäure. Den beiden Konservierungsstoffe Propylparaben und Benzoesäure  werden schädliche Wirkungen zugeschrieben: Paraben soll hormonell wirksam und reproduktionstoxisch sein, Benzoesäure könne im Extremfall Gehirnschäden bewirken.

Nicht ersichtlich wird aus dem Bericht, wie die Wirksamkeit der Präparate beurteilt wurde.

Festzuhalten ist noch, dass die Beurteilung dieser Heilpflanzen-Präparate nicht auf andere Produkte mit den selben Bestandteilen übertragen werden kann. Thymian-Präparate zum Beispiel gibt es eine ganze Reihe und sie sich nur sehr eingeschränkt vergleichbar.

Die Präparate sind nur zum Teil in der Schweiz im Handel, zum Beispiel Prospan (Efeuextrakt) und Gelomyrtol (Gemisch aus ätherischen Ölen, vor allem Eukalyptusöl).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Saathafer – die Arzneipflanze des Jahres 2017

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Der Saathafer wurde vom Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2017 gewählt.

Der Saathafer (Avena sativa) ist ein Getreide und zählt zu den Süßgräsern (Poaceae oder Gramineae). Er bildet im Gegensatz zu Weizen, Roggen und Gerste seine Körner nicht in Ähren, sondern in vielfach verzweigten Rispen aus.

Die Haferkörner sind von Spelzen umschlossen, die durch einen speziellen Mahlgang entfernt werden müssen. Der Hafer liefert zwar tiefere Hektar-Erträge als Weizen, Roggen und Gerste, doch ist er diesen gegenüber beim Nährwert und nicht zuletzt beim Geschmack überlegen. Zudem ist Hafer weniger anspruchsvoll, denn er gedeiht auch auf kargen Böden und bei feuchter Witterung.

Drei Pflanzenteile des Saathafers stossen auf pharmazeutisches Interesse:

Haferstroh (Avenae stramentum) wird als Abkochung für Bäder bei Hautverletzungen und Juckreiz verwendet.

Für die Gewinnung von Haferkraut (Avenae herba) wird der Hafer vor seiner Blüte geerntet. Haferkraut ist reich an Flavonoiden, Saponinen und Mineralien (Kalium, Calcium, Magnesium), wobei den Flavonoiden entzündungshemmende und den Saponinen immunmodulierende Eigenschaften zugesprochen werden.

Haferkraut-Extrakte kommen daher bei trockener Haut und bei atopischer Dermatitis zur Anwendung.

In den Neunzigerjahren wurde in Frankreich durch Selektion eine Hafersorte mit einem besonders hohen Anteil an Flavonoiden und Saponinen gezüchtet, die schon sehr jung geerntet und durch ein besonderes Verfahren extrahiert wird. Der aufgereinigte Extrakt ist frei von Proteinen und wird für Hautpflegemittel wie Cremes, Körpermilch und Badezusätze eingesetzt, die für Allergiker speziell gut verträglich sein sollen. Seine Bedeutung für die Dermatologie wurde schon in neueren Fachpublikationen gezeigt. Haferkrautextrakt-Produkte werden aber auch zur Pflege von empfindlicher Haut (Babys, Senioren) und zur Behandlung von Wunden, Rosacea und nicht zuletzt von Psoriasis eingesetzt.

Das Haferkorn (Avenae fructus), aus dem die allseits bekannten Haferflocken hergestellt werden, ist reich an Ballaststoffen (Polysacchariden), von denen die löslichen β-Glucane etwa die Hälfte ausmachen.

In 100 Gramm Haferflocken sind etwa 4,5 Gramm β-Glucane enthalten, in der Haferkleie sind es sogar mehr als 8 Gramm pro 100 Gramm. Die β-Glucane geben dem Haferschleim seine Konsistenz. Indem sie die Verdauung und den Stoffwechsel beeinflussen, wirken sie sich günstig auf den Cholesterinspiegel und den Blutzuckerspiegel aus.

Die Fähigkeit der β-Glucane, Gallensäuren zu binden, führt wahrscheinlich zur Ausscheidung von Cholesterol und zur Reduktion des Gesamtcholesterol- und des LDL-Cholesterol-Spiegels, was einer Atherosklerose vorbeugen kann. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im Jahr 2011 bestätigt, dass die Einnahme von Hafer-β-Glucanen zur Reduktion des Cholesterolspiegels beitragen kann.

Die unlöslichen Ballaststoffe regulierend ausserdem die Verdauungstätigkeit. Da sie die Aufnahme der Nährstoffe aus dem Darm in den Körper verzögern, steigt der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit zeitverzögert an, was eine geringere Ausschüttung von Insulin zur Folge hat. Schon vor 100 Jahren wurden daher diätetische „Hafertage“ für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 eingeführt. Eine neuere Studie am Diabetologikum in Berlin hat gezeigt, dass die Insulindosis bei Patienten mit einem hohen Insulinbedarf nach zwei Hafertagen um bis zu 30 Prozent reduziert werden kann. Dieser günstige Effekt soll bis zu vier Wochen nachweisbar sein.

Haferflocken zeigen aber auch günstige Auswirkungen auf die Verdauungsorgane selbst. Die Darmwand wird durch die viskösen löslichen Ballaststoffe vor Reizen aus dem Darmlumen geschützt und ein empfindlicher Magen beruhigt.

Umstritten ist noch, ob Menschen mit Zöliakie zu Haferprodukten greifen können. Bei der Zöliakie entzündet sich die Schleimhaut des Darms nach dem Verzehr von Gluten, dem Kleber-Eiweiß in verschiedenen Getreidekörnern.

Gluten ist die dominierende Eiweissfraktion im Weizenkorn, Im Haferkorn herrscht dagegen das Globulin Avenalin mit 80% vor, während Gluten nur einen Anteil von 15 Prozent hat. Hirse, Mais und Reis gelten dagegen als glutenfrei.

Die Zusammensetzung des Glutens unterscheidet sich in den einzelnen Getreidearten und ihren Sorten. Allgemein besteht Gluten aus den Proteingemischen der Prolamine und Gluteline, die wegen ihres hohen Anteils an den Aminosäuren Prolin und Glutaminsäure so benannt worden sind.

Krankheitsauslösend sind bei der Zöliakie die Prolamine, allerdings mit unterschiedlicher Intensität. Für zahlreiche Zöliakie-Patienten ist zwar das Weizen-Prolamin Gliadin, nicht jedoch das Hafer-Prolamin Avenin unverträglich. Und die relative Unverträglichkeit des Avenins hängt zudem noch von der Hafersorte ab; es gibt Hafersorten, die sogar für eine glutenfreie Ernährung infrage kommen.

Mehrere Studien zur Verträglichkeit des Hafers bei Zöliakie-Patienten haben gezeigt, dass kleinere Mengen Hafer im allgemeinen gut vertragen werden. In Schweden und Finnland gilt die Aufnahme von bis zu 50 g Hafer pro Tag als unbedenklich. Es muss sich dabei jedoch um „nicht-kontaminierten Hafer“ handeln, der nicht mit anderem Getreide verunreinigt sein darf und speziell für diesen Zweck angebaut wird.

Der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ ist überzeugt davon, dass das diätetische und therapeutische Potenzial des Hafers noch nicht ausgeschöpft ist und hofft, dass die Arzneipflanze des Jahres 2017 Gegenstand weiterer Forschungen sein wird.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/10/28/noch-viel-potenzial-bei-hautkrankheiten-und-zoeliakie

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine ungewöhnliche Wahl, zählt doch der Hafer seit je her zu den Nahrungsmitteln und nicht zu den typischen Heilpflanzen. Nimmt man ihn aber aus der Perspektive der Heilwirkungen in den Blick, steht er in einem Übergangsbereich zwischen Phytotherapie und Ernährungstherapie. Und dieser Übergangsbereich ist durchaus interessant.

Wie gewohnt begründet der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ seine Wahl der Arzneipflanze des Jahres 2017 auch dieses Mal fundiert.

2016 war der Kümmel Arzneipflanze des Jahres, 2015 das Johanniskraut, 20114 der Spitzwegerich, 2013 die Kapuzinerkresse und 2012 das Süssholz.

Hier geht’s zur Website des Studienkreises:

http://www.welterbe-klostermedizin.de/index.php

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

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Die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet über die Bewertung von Erkältungsmitteln durch die „Stiftung Warentest“ und vergleicht die Empfehlungen mit der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Bei den Hustenmitteln haben dabei die Phytopharmaka (Heilpflanzen-Präparate) eine überraschend gute Stellung.

Werden Schleimlöser oder Hustenstiller gewünscht, können laut Stiftung Warentest bei Reizhusten Dextromethorphan oder zur Schleimlösung Acetylcystein (ACC) oder Ambroxol zur Anwendung kommen.

ACC und Ambroxol allerdings nur mit Einschränkung, da ihre Wirksamkeit nicht bewiesen sei. Aus dem selben Grund rät die DEGAM-Leitlinie „Husten“ von ACC und Ambroxol ab, für Hustenstiller sieht sie nur in Ausnahmefällen eine Berechtigung, zum Beispiel nachts, um besser schlafen zu können.

In der Bewertung der „Stiftung Warentest“ finden sich auch Phytopharmaka, nämlich Spitzwegerichextrakt gegen Hustenreiz und Schleimlöser mit Efeu oder Thymian. Aber auch sie werden nur mit Einschränkung empfohlen, da sie nicht ausreichend erforscht seien.

Die DEGAM-Leitlinie dagegen steht den Phytopharmaka offener gegenüber. Sie anerkennt insbesondere für Myrtol Hinweise auf positive Effekte. Myrtol wird von der „Stiftung Warentest“ gar nicht erwähnt. Auch Kombipräparaten von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt wird in der DEGAM-Leitlinie durchaus ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis zugeschrieben. Sie schreibt deshalb, dass bei entsprechendem Therapiewunsch des Patienten diese Phytopharmaka zur moderaten Symptomlinderung bzw. – verkürzung bei Erkältungshusten bzw. akuter Bronchitis erwogen werden können.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2015/erkaltungsmittel-gut-und-gunstig-und-leitliniengerecht

Kommentar & Ergänzung:

Dann will ich mal versuchen, nachfolgend bei den aufgeführten Hustenmittteln Phytopharmaka und synthetische Mittel gegenüber zu stellen.

Die Hustenstiller:

Bei Hustenstillern und insbesondere bei Schleimlösern stehen die Phytopharmaka im Vergleich mit den synthetischen Wirkstoffen gut da, was die wissenschaftlichen Belege und die Sicherheit angeht.

Mag sein, dass Spitzwegereichextrakt als Hustenstiller nicht ausreichend erforscht ist. Aber schauen wir uns einmal die synthetische Alternative Dextromethorphan an. Die Wirksamkeit von Dextromethorphan ist zumindestens fragwürdig. Der WDR hat den Forschungsstand am 15. 12. 2014 zusammengefasst und beruft sich dabei auf die renommierte Cochrane Collabortion:

„Die Cochrane Collaboration hat insgesamt 26 Studien zu Codein- und Dextromethorphan-haltigen Präparaten beurteilt. Das Fazit: Die Studienlage ist insgesamt uneinheitlich: Oft zeigten unterschiedliche Studien widersprüchliche Ergebnisse. Daher kann das Expertengremium keine wirkliche Empfehlung für oder gegen Hustenstiller aussprechen. Zudem wirkte Honig in vielen Studien sogar besser als Dextromethorphan.“

Quelle: http://www1.wdr.de/themen/wissen/erkaeltungsmittel114.html

Sehr überzeugend tönt das nicht, wenn sogar Honig besser wirkt als Dextromethorphan.

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 1:1

Dazu kommt aber noch die Frage nach den Risiken: Beim Spitzwegerichextrakt sind Risiken nicht bekannt und auch nicht zu erwarten.

Bei Dextromethorphan sieht das ganz anders aus:

„Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom-P450-Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Dextromethorphan zeigt zudem Wechselwirkungen insbesondere mit bestimmten Antidepressiva und mit Alkohol.

Und dann gibt es noch ein Missbrauchsrisiko:

„Dextromethorphan wird auch missbräuchlich eingenommen, da es in hohen Dosen dissoziative und anderweitig berauschende Effekte hat (ähnlich der bei niedrig dosiertem Ketamin). Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose nach sich ziehen, unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbst- oder Fremdgefährdung führen. Regelmäßige missbräuchliche Einnahme kann zur Suchterkrankung führen, unter Umständen ist auch mit Hirnschäden zu rechnen.

Direkt durch Dextromethorphan bedingte Todesfälle sind theoretisch möglich, dafür aber müsste es in einer derart hohen Dosis eingenommen werden, wie es in der Praxis kaum möglich ist. In der Kombination mit Paracetamol sind jedoch Todesfälle bekannt. Zum Missbrauch vom Dextromethorphan sind nur wenige Studien verfügbar. Die bekannteste Arbeit zum Thema stellt wohl die DXM-FAQ von William E. White, einem amerikanischen Dextromethorphan-Forscher, dar. Seine Thesen stützen sich teilweise auf Berichte von mehreren Hundert Konsumenten.“

Quelle: Wikipedia

Das spricht gegen Dextromethorphan und für Spitzwegerichextrakt.

Fazit:

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 2:1

Und nun zu den Schleimlösern:

Halten wir fest: Die Wirksamkeit der oft konsumierten synthetischen Wirkstoffe Acetylcystein und Ambroxol ist nicht belegt.

Acetylcystein ist beispielsweise enthalten in ACC Sandoz® (früher ACC eco®), Ecomucyl®, Fluimucil®, Mucostop® und Solmucol®;

Ambroxol beispielsweise in Mucosolvon® und Bisolvon Ambroxol®.

Gut belegt sind dagegen verschiedene Phytopharmaka als Schleimlöser:

Kombipräparate von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt, ausserdem Myrtol (enthalten in Gelomyrtol®).

Spielstand Schleimlöser: Phytopharmaka : Acetylcystein / Ambroxol 1 : 0

Fazit Hustenmittel insgesamt: Phytopharmaka : Synthetika 3 : 1

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen-Anwendungen bei Erkältungskrankheiten – Tagesseminar am 26. November 2014

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Der Winter steht wieder vor der Tür – und damit auch Husten, Halsweh, Heiserkeit, Schnupfen & Co.

Am Tagesseminar vom 26. November 2014 lernen Sie Heilpflanzen-Anwendungen kennen zur Behandlung von Erkältungskrankheiten.

Sie erfahren also viel Wissenswertes über Thymian, Eibisch, Eukalyptus, Spitzwegerich, Salbei, Malvenblüten etc.

Der Kurs eignet sich gut zur Weiterbildung für Pflegepersonen aus Spitex, Pflegeheim, Palliative Care und Klinik, aber auch für Fachleute aus Naturheilkunde und Medizin. Der Kursinhalt wird aber gut verständlich vermittelt, so dass auch Teilnehmende ohne medizinische Vorkenntnisse profitieren können und willkommen sind.

Die Detailangaben zu diesem fundierten Kräuterkurs finden Sie im Kursprogramm.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Johanniskraut zur Arzneipflanze des Jahres 2015 gewählt

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Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist vom 
„Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2015 gewählt worden.

Das Echte Johanniskraut hat diese Auszeichnung zweifellos „verdient“. Johanniskraut ist eine vielfältige Heilpflanze, die sowohl in der traditionellen Pflanzenheilkunde also auch in der modernen Arzneipflanzenforschung eine wichtige Rolle spielt. Als Anwendungsgebiet stehen heute die leichten und mittelschweren Depressionen im Vordergrund. Trotz intensiver Forschung konnten aber die Wirkungsmechanismen für die stimmungsaufhellenden Effekte bislang nicht vollständig geklärt werden.

Im Zentrum der Forschung stehen die Wirkstoffe Hypericin, Hyperforin, sowie Xanthone und Flavonoide.

Reich an Wirkstoffen sind insbesondere die Blütenknospen, die geöffneten Blüten und die noch grünen Kapseln.

Der Anteil an Stängeln sollte dagegen möglichst tief sein.

Für die Herstellung von Johanniskrauttee, Johanniskrauttinktur und Johanniskrautextrakt werden nur die zur Blütezeit geernteten Triebspitzen verwendet.

Verschiedene Wirkungsmechanismen von Johanniskrautextrakten wurden und werden erforscht. Spezielle Botenstoffe im Nervensystem (Neurotransmitter) bleiben bei Einwirkung von Johanniskrautextrakt länger und in grösserer Zahl verfügbar. Zu den Neurotransmittern zählen Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, GABA (Gamma-Aminobuttersäure) und L-Glutamat. Sie übertragen an den Verknüpfungsstellen der Nervenzellen (Synapsen) Informationen bzw. Reize.

Die Neurotransmitterspiegel in den Synapsen steigen an, und die Reizübertragung wird verbessert, da klassische Abschaltwege wie der enzymatische Abbau der Neurotransmitter oder die Wiederaufnahme aus dem Spalt in die Synapse durch Johanniskraut-Wirkstoffe gehemmt werden. Die Steigerung der Menge an verfügbaren Neurotransmittern ist auch ein entscheidendes Prinzip der klassischen Antidepressiva, woraus ihre stimmungsaufhellende Wirkung resultiert.

Auf Grund von einschlägigen klinischen Studien wurde Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen und Depressionen zugelassen, ebenso bei psychovegetativen Störungen, Angstzuständen und nervöser Unruhe. Sinnvoll ist die Anwendung auch bei Winterdepression, Schlafstörungen aufgrund von leichten Depressionen und bei entsprechenden Symptomen während der Wechseljahre.

 

Wechselwirkungen beachten

Ende der 1990er Jahre wurde festgestellt, dass Johanniskraut zu verstärktem Abbau anderer Arzneistoffe führen kann, in dem es das wichtigste Arzneimittel abbauende Enzym (CYP 3A4) in seiner Wirkung aktiviert. Bei der Kombination von Johanniskraut mit einigen anderen Medikamenten kann es einige Zeit nach Behandlungsbeginn zu starken Wirkverlusten und nach Absetzen dagegen zu therapeutisch gefährlichem Ansteigen der anderen Arzneimittel kommen. Hochdosierte Johanniskrautpräparate mit einer Tagesdosis ab 600 mg weisen Interaktionen (Wechselwirkungen) mit einigen Arzneistoffen im Bereich der Antidepressiva, der Immunsupressiva oder Anti-HIV-Mitteln auf, ebenso sind Herzmittel wie Digoxin, Blutgerinnungshemmer vom Cumarintyp und vermutlich auch das bronchienerweiternde Mittel Theophyllin betroffen. Ebenso ist nicht auszuschließen, dass die Wirksamkeit von hormonellen Verhütungsmitteln („Pille“) herabgesetzt wird. 
Bei der alleinigen Einnahme auch hochdosierter Johanniskrautmittel ist die Verträglichkeit gut und deutlich besser als bei anderen Antidepressiva. Eine ausgeprägte Steigerung der Photosensibilität (Lichtempfindlichkeit) der Haut wurde bisher nur bei Weidetieren beschrieben, mit den für Menschen eingesetzten therapeutischen Dosen sind ernste Symptome der Phototoxizität nicht zu erwarten.

Quelle:

http://www.klostermedizin.de/index.php/heilpflanzen/arzneipflanze-des-jahres/59-arzneipflanze-des-jahres-2015-echtes-johanniskraut-hypericum-perforatum

 

Kommentar & Ergänzung:

Der 
„Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg wählt seit längerem jedes Jahr eine Arzneipflanze des Jahres.

Hier ein paar „Preisträger“ aus der Vergangenheit:

Arzneipflanze des Jahres 2014: Spitzwegerich 

Phytotherapie: Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt 

Passionsblume ist Arzneipflanze des Jahres 2011

Phytotherapie: Efeu zur Arzneipflanze des Jahres 2010 ernannt

Fenchel Arzneipflanze des Jahres 2009 

 

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Hausmittel bei Erkältungen

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Das Magazin „Stern“ veröffentlichte eine Sammlung von Tipps zum Thema „Erkältung: Hausmittel, die wirklich helfen“.

Ein Beispiel:

„Hustentees aus Kräutern wie Spitzwegerich, Thymian, Efeu oder Eibisch lösen den Schleim in den Atemwegen.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/tipps/erkaeltung-hausmittel-die-wirklich-helfen-605355-8158acc700590086.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Schön, dass der „Stern“ Hausmittel vorstellt. Hausmittel sind einfache, billige Möglichkeiten, um unkomplizierte Beschwerden und Erkrankungen eigenständig zu behandeln. Das Wissen um geeignete Hausmittel ist in den letzten Jahren mehr und mehr verloren gegangen. Das ist schade, weil es dazu führt, dass viele Menschen schon bei kleineren Beschwerden glauben, auf ärztliche Behandlung angewiesen zu sein.

Phytotherapie bietet gute Möglichkeiten, fundierte Hausmittel wieder stärker in der Bevölkerung zu verankern. Infos dazu bekommen Sie in meinen Lehrgängen (Heilpflanzen-Seminar, Phytotherapie-Ausbildung).

Nun aber zum Tipp im „Stern“, der leider wenig fundiert ist:

Spitzwegerich und vor allem Eibischwurzel enthalten als Wirkstoffe vor allem Schleimstoffe, die reizlindernd bei trockenem Husten wirken. Eine schleimlösende Wirkung sieht die Phytotherapie-Fachliteratur bei diesen beiden Heilpflanzen nicht.

Hier fehlt es dem „Stern-Tipp“ an Differenzierung.

Schleimlösend wirken Thymian und Efeu. Thymian ist aber ziemlich sicher wirksamer über die Inhalation von Thymianöl. Im Hustentee löst sich das ätherische Öl aus den Thymianblättern nur sehr begrenzt.

Efeu ist unüblich als Kräutertee und in dieser Form nicht empfehlenswert. Efeublätter brauchen eine genaue Dosierung, die mit Efeutee und Efeutinktur nichtgarantiert werden kann. Daher braucht es hier Fertigpräparate auf der Basis von standardisierten Extrakten (z.B. Prospan® Tropfen).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen von Maria Treben gegen Tumore?

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Ich werde immer wieder mal gefragt, was ich von den Heilkräutern halte, die Maria Treben gegen Tumore empfiehlt.

Daher soll es hier wieder einmal gesagt sein:

Die Empfehlungen von Maria Treben gegen Krebs entbehren jeder Grundlage.

Maria Treben (1907 – 1991) ging davon aus, dass sich jede Krankheit mit Heilpflanzen heilen lässt. Das ist ein fundamentaler Irrtum. Heilpflanzen haben eine ganze Palette von sinnvollen Anwendungsbereichen, doch haben sie auch ihre Grenzen. Wer diese Grenzen wie Maria Treben ausblendet, läuft in eine riskante Richtung und gefährdet das Leben von Patientinnen und Patienten.

Das Tumorzentrum der Universitätsklinik Freiburg schreibt mit gutem Grund:

„Treben behauptet, mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass “das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst”. Weitere “Wundermittel” sind Schwedenkräuter, intern oder als Umschlag angewendet, Spitz- oder Breitwegerichbrei, Ringelblumensalbe und vieles anderes. Gegenüber den “Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern” der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. Einer vernünftigen zusätzlichen Anwendung solcher Präparate ist nichts entgegenzuhalten, zum Beispiel dem Einreiben einer Operationsnarbe nach Mastektomie mit Ringelblumensalbe. Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht bei diesem heute heilbaren Tumor viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren.“

Quelle:

http://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/09_zentren/cccf/pdf/Broschüren/Final-Patientenratgeber_Komplementäre_Verfahren.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Nicht alles glauben, was über Wirkungen von Heilpflanzen erzählt und geschrieben wird. Wie man kritisch nachfragt und Aussagen und Versprechungen auf ihren Gehalt hin prüft, können Sie in meinen Lehrgängen lernen (Heilpflanzen-Seminar, Phytotherapie-Ausbildung).

 

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Tipps für die Hustensaison

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In der Nordsee-Zeitung gibt der Lungenarzt Dr. Thomas Mutz vom Medizinischen Versorgungszentrum im Klinikum Bremerhaven nützliche Tipps aus der Phytotherapie zur Behandlung von Husten:

„Wenn einen tatsächlich eine Erkältung plagt, sind Ruhe, körperliche Schonung und unterstützende Maßnahmen wie Inhalationen, fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente sinnvoll. Hilfreich sind auch naturheilkundliche Therapien („Phytotherapie“) und alte Hausmittel wie Thymian, Efeu, Spitzwegerich, Isländisch Moos, Myrtol und Primel. Sei es nun als Inhalation, Arzneitee oder in anderer Darreichung. Zu bedenken ist aber auch stets, dass Husten immer auch ein natürlicher Schutzreflex ist und mit Antitussiva (Hustenstoppern) nicht komplett unterdrückt werden sollte. Eines ist sowieso klar: Ob mit oder ohne zusätzliche Therapien braucht der Mensch zur Regeneration mindestens eine Woche.“

Quelle:

http://www.nordsee-zeitung.de/nachrichten/wirtschaft_artikel,-Die-Hustensaison-hat-begonnen-_arid,811412.html

Kommentar & Ergänzung:

Die empfohlenen Heilpflanzen sind gut gewählt. Präzisieren müsste man nur den Satz: „Sei es nun als Inhalation, Arzneitee oder in anderer Darreichung“. Man könnte ihn nämlich so verstehen, als komme es auf die Darreichungsform nicht so an, als könne man die aufgeführten Heilpflanzen so oder so anwenden, zum Beispiel als Kräutertee oder als Inhalation.

Das wäre aber eine irrige Interpretation. Es kommt sehr darauf an, in welcher Form!

Interessant ist zudem die Frage, welche der erwähnten Heilpflanzen bei welcher Art von Husten geeignet ist.

– Thymian: Am sinnvollsten dürfte die Inhalation mit Thymianöl sein. Schleimlösend bei produktivem Husten.

– Efeu: Nur in Form von Efeuextrakt empfehlenswert. Schleimlösend, krampflösend auf die Bronchien.

– Spitzwegerich: Als Kräutertee oder als Bestandteil von Kräutertee-Mischungen („Brusttee“, Hustentee), für Inhalationen ungeeignet. Enthält Schleimstoffe. Eher bei trockenem Reizhusten.

– Isländisch Moos: Als Tee, der allerdings sehr bitter ist. In Hustenpastillen mit ungeklärter Wirksamkeit. Enthält Schleimstoffe, eher bei trockenem Reizhusten.

– Myrtol: Gemeint ist wohl „Gelomyrtol®“, ein Präparat, das ein Destillat aus einer Mischung von Eukalyptusöl, Süssorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl enthält und schleimlösend bei produktivem Husten wirkt. Es handelt sich um magensaftresistente Weichkapseln.

– Primel: Schlüsselblumenblüten und Schlüsselblumenwurzel enthalten enthalten Saponine mit schleimlösender Wirkung bei produktivem Husten. Bestandteil von Hustentee bzw. „Brusttee“ und von Hustensirup. Ungeeignet für Inhalationen, weil die Wirkstoffe nicht flüchtig sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Anis (Pimpinella anisum) zur Heilpflanze des Jahres 2014 gewählt

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Der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (NHV Theophrastus) hat Anis zur Heilpflanze des Jahres 2014 gekürt. Mit dieser Wahl sollen interessierte Menschen auf eine der ältesten Gewürz- und Heilpflanzen aufmerksam gemacht werden.

Anis ist eine einjährige, 30 bis 60 cm hohe Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Als Heilpflanze verwendet werden die getrockneten Anisfrüchte.

Als Wirkstoff enthalten sie ätherisches Öl, das zu 95 Prozent aus trans-Anethol besteht. Anisöl wirkt auswurffördernd bei Husten, schwach entkrampfend und antibakteriell. Anis steigert die Speichel- und Magensaftsekretion. Er wird angewendet bei Verdauungsstörungen und Katarrhen der oberen Luftwege sowie zur Steigerung des Milchflusses bei Stillenden. Anis wird darüber hinaus als Gewürz verwendet, zum Beispiel in Brot und Weihnachtsgebäck sowie in alkoholischen Getränken wie Ouzo, Pastis und Pernod.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=46922&Nachricht_ID=49439&Nachricht_Title=Nachrichten_Anis%20zur%20Heilpflanze%20des%20Jahres%20gek%FCrt&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Anis ist ursprünglich im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet und wird heute weltweit in Regionen mit gemässigtem Klima angebaut.

Botanisch ist der Anis verwandt mit Fenchel, Kümmel  und Dill.

Anisöl führt nach der Einnahme einerseits über eine Anregung der Magenschleimhaut zu einer erhöhten Bronchialsekretion, andererseits werden aus dem Verdauungstrakt resorbierte Bestandteile auch über die Lunge ausgeschieden. Bei Inhalation erreichen therapeutisch relevante Mengen direkt die Bronchien. Anisöl wirkt sekretolytisch (schleimverflüssigend) und sekretomotorisch (Anregung der Tätigkeit der Flimmerhärchen).

Anisfrüchte sind daher ein bewährter Bestandteil von Hustentee-Mischungen. Als Tee oder direkt gekaut wirken sie gegen Blähungen und Völlegefühl.

Anisfrüchte sind ein beliebter Bestandteil vom Milchbildungstee, doch ist die Wirksamkeit in diesem Anwendungsbereich nicht belegt.

Will man die Anisfrüchte als Tee zubereiten, sollten Sie vorher gequetscht werden, damit das Teewasser besser eindringen kann.

Neben der Heilpflanze des Jahres wird in Deutschland jeweils noch die Arzneipflanze des Jahres gewählt, und zwar vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg. Arzneipflanze des Jahres 2014 ist der Spitzwegerich.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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