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US-Studie belegt: Preise für moderne Krebstherapien sind zu hoch angesetzt

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Moderne Krebstherapien können pro Patient zum Teil Hunderttausende Euro kosten.

US-Wissenschaftler sind der Frage nachgegangen, ob derart hohe Preise gerechtfertigt sind. Sie konnten mit einer Studie belegen, dass die Entwicklung neuer Krebsmedikamente keineswegs so kostspielig ist wie von der Industrie behauptet wird, und dass die Entwicklungskosten relativ rasch wieder eingespielt werden.

Ende August wurde die Zulassung einer neuartigen Krebstherapie durch die amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) vielfach mit enthusiastischen Worten kommentiert – zum Beispiel als Beginn einer neuen Ära in der Onkologie.

„Kymriah“, so heisst die vom Konzern Novartis entwickelten Krebstherapie, verwendet im Gegensatz zu bisherigen Ansätzen ein „lebendiges Medikament“, nämlich gentechnisch modifizierte T-Zellen, die im Körper des Patienten Jagd auf Tumorzellen machen. Das funktioniert offenbar, wie klinische Studien zeigen, insbesondere bei Leukämie und Lymphdrüsenkrebs bestens, möglicherweise auch bei ganz anderen Tumorarten wie Brustkrebs, Eierstockkrebs und Lungenkrebs.

Kymriah läutet allerdings auch in finanzieller Hinsicht eine neue Ära ein.

Eine Injektion mit den genetisch maßgeschneiderten T-Zellen ist zum stolzen Preis von 470.000 US-Dollar zu haben. Novartis-Chef Joseph Jimenez kommentierte die Preisgestaltung kühl mit den Worten: „Hätten wir nicht investiert, bliebe dem Patienten keine Wahl.“

Widerspruch kam von der US-Patientenorganisation „Patients for Affordable Drugs“. Sie bezeichnete die Therapiekosten als „exzessiv“ und verwies auf die staatlichen Förderungen in der Größenordnung von 200 Millionen US-Dollar, die Novartis für die Entwicklung der Therapie bekommen habe.

Der Vorgang wiederholt sich bei Zulassung neuer Medikamente in den USA und in Europa ein ums andere Mal. Wenn die staatlichen Gesundheitssysteme unter der Last steigender Ausgaben an ihr Limit geraten, antworten die Pharmakonzerne immer mit den gleichen Argumenten: Die zum Teil exorbitanten Preise für neue Medikamente und Therapien seien nötig, um den grossen Entwicklungsaufwand zu decken. Lägen die Preise tiefer, würde das Innovationen abwürgen. Die Entwicklung moderner Behandlungverfahren wäre dann unrentabel und damit schlicht nicht möglich.

Kosten rasch eingespielt

Wissenschaftler um Sham Mailankody vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York haben nun untersucht, ob dieses Argument eine solide Basis hat. Die Studie kommt zum Schluss, dass die Argumente der Pharmakonzerne zumindest im Bereich der Krebsforschung nicht überzeugend sind.

Zwar liegen die Entwicklungskosten, wenn auch die Fehlschläge mitgerechnet werden, im Bereich von mehreren hundert Millionen Dollar. Die Einnahmen aus dem Medikamentenverkauf kompensieren das aber meist innerhalb weniger Jahre. Verglichen mit den Gewinnen ist das Investment daher klein. Aufgrund dieser Resultate sehen die Autoren der Studie keine Gefahr, dass eine moderatere Preisgestaltung den medizinischen Fortschritt gefährden würde.

Mailankody hat für seine Studie zehn Krebsmedikamente unter die Lupe genommen. Zu den zehn Auserwählten gehörte auch der monoklonale Antikörper Eculizumab, mit Jahrestherapiekosten von bis zu 600.000 Euro eines der teuersten Medikamente der Welt. Die untersuchten Präparate stammen allesamt von kleinen Pharmafirmen, weil die Innovationen in der Branche heutzutage meistens dort ihren Ursprung haben. Die Grosskonzerne verlegen sich zusehends auf das Einverleiben von Start-ups. 70 Prozent der neuen Produkte gelangen laut „Wall Street Journal“ inzwischen auf diesem Weg auf den Markt.

Mailankody liefert im Fachblatt „JAMA Internal Medicine“ Durchschnittswerte: Danach dauerte die Entwicklung der analysierten Krebsmittel im Schnitt 7,3 Jahre, die Kosten betrugen 648 Millionen Dollar. Bis Jahresende 2016 standen dem Einnahmen von 6,7 Milliarden Dollar pro Medikament gegenüber.

Ob die gegenwärtigen Preise für Therapien gerechtfertigt sind oder nicht – diese Frage könne die Ärzteschaft nicht beantworten, sagt Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe. Das zu entscheiden sei vielmehr Sache der Politik beziehungsweise der Gesellschaft. Ihn überrascht in diesem Zusammenhang, dass es in der Welt enorme Unterschiede gibt: „Medikamente sind in den USA mitunter doppelt so teuer wie in Europa. Ich habe keine Ahnung, warum das so ist.“

Therapien, die nur Reichen zu Verfügung stehen, seien keine Option für die Solidargemeinschaft, sagt Sevelda, und weißt darauf hin, dass dies den ethischen Prinzipien ärztlichen Handelns widersprechen würde.

Der Medizinjournalist Merrill Goozner schreibt in einem Kommentar zur Studie:

„Die Politik kann die Preise für Medikamente beschränken – und muss sich keine Sorgen machen, dass sie mit diesem Schritt Innovation abwürgen würde.“

 

Quelle:

http://science.orf.at/stories/2865794/

Studie:

„Research and Development Spending to Bring a Single Cancer Drug to Market and Revenues After Approval“, JAMA Internal Medicine, 11.9.2017

http://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/2653012

Kommentar & Ergänzung:

Die Pharmakonzerne tun sich mit solchen Preisexzessen auf die Länge nichts Gutes, weil sie damit ihren Ruf ruinieren und allerlei Verschwörungstheorien betreffend „Bigpharma“ Auftrieb verschaffen. Solche Feindbilder und Verschwörungstheorien gegenüber der Pharmaindustrie sind kontraproduktiv, unter anderem weil sie in der Regel sehr pauschal bleiben. Die oben geschilderte Thematik zeigt aber, dass Kritik an ganz bestimmten Punkten sehr angebracht ist. Kritik muss Missstände möglichst präzis benennen: Wer hat wann, was gemacht oder unterlassen……..

Die Studie von Sham Mailankody erfüllt meinem Eindruck nach diese Ansprüche und kann deshalb als vorzügliche Kritik gelten.

Bürgerinnen und Bürger sollten wo immer möglich den staatlichen Behörden in den Preisverhandlungen mit den Pharmakonzernen den Rücken stärken.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Bei Verbrennungen kühlen oder nicht?

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Das Kühlen von Brandwunden ist eine etablierte und weit verbreitete Erste-Hilfe-Massnahme. Der Effekt hängt jedoch von der Grösse der betroffenen Körperoberfläche (KOF) ab. Für kleine Brandwunden ist ein guter schmeerzlindernder Effekt nachgewiesen. In neuen Leitlinien wird eine Kühlung mit Wasser auf kleinflächige Brandverletzung bis zirka 5% der KOF begrenzt. Zur groben Abschätzung der Grösse des geschädigten Hautareals dient die Handinnenfläche, welche etwa 1% der KOF entspricht.

Bei grossflächigen Brandwunden hat der Wärmeerhalt für den Organismus Priorität, da eine Unterkühlung bei Schwerverletzten zu einer deutlich schlechteren Prognose führt. Es gibt keine ausreichenden Belege dafür, dass anhaltende Kühlung die Hitze aus dem Gewebe ableitet und so eine Ausdehnung der Brandwunde in tiefere Hautschichten stoppt. Die Kühlung dient deshalb ausschliesslich der Schmerzlinderung. Auf keinen Fall dürfen Eiswürfel auf die Verbrennung aufgetragen werden, weil es dadurch zu einer zusätzlichen Gewebeschädigung kommen kann.

Literaturangaben:

Swiss Medical Forum, 43/2016/p912

Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin – online

 

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5554&NMID=5430&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessanter Hinweis. Das habe ich in meiner Ausbildung und auch als Sanitäter in der Schweizer Armee noch anders gelernt. Dort galt Kühlung mit Wasser als A und O der Ersten Hilfe bei Verbrennungen. Nun sieht diese Empfehlung ziemlich modifiziert aus. Wissen ändert sich. Das gibt auch für die Pflanzenheilkunde / Phytotherapie.

Es gibt laufend neue Erkenntnisse:

Neue Wirkstoffe, neue Wirkungen, neue Anwendungsgebiete für Heilpflanzen werden entdeckt. Dadurch erweitern sich die therapeutischen Möglichkeiten.

Immer wieder werden aber auch bisherige Annahmen umgestossen: Neue unerwünschte Nebenwirkungen werden entdeckt, Heilpflanzen zeigen in Studien nicht die erwartete Wirkung……

Dann müssen die Anwendungsbereiche angepasst und eventuelle eingeschränkt werden.

Und natürlich gibt es auch Erkenntnisse, die über lange Zeit stabil bleiben.

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde ist also kein fixes System mit ausschliesslich ewig gültigen Grundsätzen, kein Wissensgebäude, das von irgendjemandem für alle Zeiten unverrückbar gebaut wurde.

Diese Veränderbarkeit ist eine Stärke, aber auch eine Herausforderung. Wir müssen immer wieder neu lernen, mit Veränderbarkeit umzugehen. In der Phytotherapie – aber nicht nur dort.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Interessantes Gerichtsurteil zum Baldrianpräparat Baldriparan

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Hersteller Pfizer darf sein Präparat Baldriparan im Fernsehen nicht mehr mit dem Satz „1 Dragee am Abend“ bewerben. Das Landgericht Berlin hat den Spot des Pharmakonzerns als irreführend beurteilt.

Geklagt gegen den Spot hatte die Wettbewerbszentrale. Der Hinweis „1 Dragee am Abend“ ist aus Sicht der Wettbewerbszentrale ein Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz und das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb.

Verbraucher würden aufgrund dieser Werbeaussage nämlich erwarten, dass schon mit der Einnahme nur eines Dragees ein ruhiger Schlaf erreicht werden könne. Tatsächlich sei Baldriparan laut Gebrauchsinformation aufgrund der allmählich einsetzenden Wirkung nicht zur akuten Behandlung von nervös bedingten Schlafstörungen geeignet. Der Hersteller Pfizer selbst empfiehlt eine kontinuierliche Behandlung mit Baldriparan über zwei bis vier Wochen.

Der TV-Spot zeigt eine friedlich schlafende Frau verbunden mit der Aussage: „Gut ein- und durchschlafen. Baldriparan stark für die Nacht hilft dabei mit einem Dragee am Abend.“

Eingeblendet wird zudem die Baldriparan-Packung mit einer roten Banderole „1 Dragee am Abend“, der Satz wird in einem großen roten Punkt noch einmal wiederholt. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass „der hochkonzentrierte Baldrian“ beim Einschlafen helfe und die natürlichen Schlafphasen bis zum Morgen unterstütze.

Bezüglich des Werbespots gab das Landgericht der Wettbewerbszentrale Recht und wies darauf hin, dass die Aussage „1 Dragee am Abend“ in dem Werbefilm als gute und effiziente Wirkweise und als Versprechen eines schnellen Ein- und Durchschlafens verstanden werde.

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/pfizers-frau-schlaeft-zu-schnell-ein-tv-spot-verboten-baldriparan-spot/

Kommentar & Ergänzung:

Die Wettbewerbszentrale und offenbar auch dieses Gericht scheinen gute Kenntnisse der Phytotherapie zu haben. Studien zeigen, dass die Wirkung von Baldrianextrakt sich erst klinisch signifikant nach 2 – 4 Wochen zeigt. Darum ist es sehr fragwürdig, wenn die Werbung eine Sofortwirkung verspricht. Allerdings kann bei der Einnahme vor dem Schlafengehen wohl oft mit einem schnell eintretenden Placeboeffekt gerechnet werden. Und wenn das der Fall ist, dann kann das auch als Erfolg betrachtet werden. Ein Placeboeffekt ist auch etwas wert. Das volle Potenzial von Baldrian nutzt man aber offensichtlich nur bei einer Anwendung über längere Zeit. Die fehlende Sofortwirkung trägt im Übrigen wesentlich dazu bei, dass die Einnahme von Baldrian kein Abhängigkeitsrisiko mit sich bringt.

Interessant an diesem Fall ist zudem, dass Badriparan zum Pharmakonzern Pfizer gehört. Pfizer ist der grösste Pharmakonzern der Welt.

Man hört ja immer wieder einmal die leicht verschwörungstheoretisch angehauchte Vorstellung, dass die grossen Pharmakonzerne die Pflanzenheilkunde kaputt machen wollen, um sich unliebsame Konkurrenz vom Leibe zu halten. Das ist wohl ziemlich abwegig. Pharmakonzerne sind nicht so ideologisch fixiert auf „Chemie“. Sie verkaufen im Wesentlichen, was sich als Arzneimittel verkaufen lässt. Und wenn es Nachfrage gibt nach bestimmten Heilpflanzen-Präparaten, dann werden sie solche Extrakte entwickeln oder aufstrebende Firmen aufkaufen. So gehört zum Beispiel die Beinwellsalbe Kytta zu Merck Pharma und der Phytopharmaka-Hersteller Steigerwald wurde von Bayer übernommen. Steigerwald ist bekannt für das Verdauungspräparat Iberogast, den Hustensirup Phytohustil mit Eibischextrakt und das Johanniskrautpräparat Laif (in der Schweiz Solevita). Das ist im Übrigen nicht nur schlecht. Diese Pharmakonzerne haben in der Regel viel Know-how in der Forschung und können auch relevante finanzielle Mittel dafür locker machen. Es gibt aber natürlich auch eine ganze Reihe von unabhängigen Phytopharmaka-Herstellern, in der Schweiz zum Beispiel Zeller in Romanshorn oder Bioforce in Roggwil.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Cannabis als Arzneimittel: Auf die richtige Form kommt es an

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Als «hoch experimentelle Therapieform» sei die Behandlung mit Cannabisblüten derzeit einzustufen, sagte Professor Dr. Theo Dingermann von der Universität Frankfurt am Main in einem Vortrag bei der Expopharm-Pharmaworld in Düsseldorf.

 

Er begründet das mit den zahllosen Kreuzungen und Züchtungen mit unterschiedlichen THC- und Cannabidiol-Gehalten, die mittlerweile aus den ursprünglichen Reinformen Cannabis sativa und Cannabis indica entstanden sind. Welche Sorte man in einem bestimmten Fall verwendet, ist nicht gleichgültig. Daten, welche die postulierten Wirkungen einer bestimmten Sorte genau erfassen, liegen bislang nicht vor.

Als schwierig schätzt Dingermann auch die Anwendungsform ein.

Das Gesetz in Deutschland erlaube zwar, dass Cannabisblüten geraucht werden dürfen. Doch sei bei dieser Anwendungsform die Bioverfügbarkeit sehr variabel. Das THC flute in der Regel sehr rasch sehr hoch an, die Wirkung flache jedoch auch rasch wieder stark ab. Das sei nicht nur schwer steuerbar, sondern auch nicht sinnvoll, zum Beispiel bei der Behandlung chronischer Schmerzen. Die Einnahme über den Verdauungstrakt (orale Applikation) von Rezepturen auf Extraktbasis sei zu bevorzugen, noch besser sei die Verwendung von Fertigarzneimitteln.

Für diese Applikationsform haben sich neben der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft auch die Bundesärztekammer und die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft ausgesprochen.

Dingermann warnte auch davor, sich zu viele Hoffnungen auf Cannabis als wirksame Behandlung bei allen möglichen Indikationsgebieten zu machen.

Die Evidenz für die Wirksamkeit von Cannabis sei bestenfalls mäßig, selbst bei relativ gut untersuchten Indikationen wie chronischen Schmerzen oder Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie. Dingermann empfahl, dass sich Patienten immer möglichst an einen Facharzt für ihre Erkrankung wenden. Fachärzte würden übrigens deutlich seltener Cannabis in Blütenform verordnen als nicht spezialisierte Ärzte.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=71575

Kommentar & Ergänzung:

Der Vortrag spricht einen sehr wichtigen Punkt für die Phytotherapie an: Es kommt nicht nur darauf an, welche Heilpflanze zur Linderung bestimmter Beschwerden eingesetzt wird. Genauso wichtig ist die Überlegung, in welcher Arzneiform das am sinnvollsten geschieht. Ob jeweils Kräutertee, Pflanzentinktur, Pflanzenextrakt, Frischpflanzensaft oder noch etwas ganz anderes empfehlenswert ist, muss in jeden Fall genau geklärt werden. Wer sich für die Vor- und Nachteile der einzelnen Arzneiformen interessiert, kann das in meinen Lehrgängen lernen.

In Deutschland ist es unter bestimmten Bedinungen möglich, Cannabisblüten direkt zu verordnen. In der Schweiz sind wir an diesem Punkt noch nicht so weit.

Dass die erwähnten Verbände der Apotheker und Ärzte für die Verwendung von pharmazeutisch hergestellten Fertigpräparaten und gegen die direkte Verwendung von Cannabisblüten Stellung beziehen, wird bei nicht wenigen Menschen den Verdacht wecken, dass sich die Pharmaindustrie dadurch Konkurrenz vom Leibe halten will. Ob ein solcher Aspekt mitwirkt, kann ich nicht beurteilen. Aber es ist auf jeden Fall nicht so einfach. Stark schwankende Wirkstoffgehalte in verschiedenen Cannabissorten können in der Therapie tatsächlich Probleme verursachen.

Meinem Eindruck nach könnte dieser heikle Punkt aber eingegrenzt werden, indem für die verschiedenen Anwendungsbereiche von Cannabis geeignete Sorten definiert werden und für den Anbau dann jeweils genetisch möglichst gleichbleibende Pflanzen zur Verwendung kommen.

Sehr wichtig beim therapeutischen Einsatz von Cannabis ist das von Prof. Dingermann angesprochene unterschiedliche zeitliche Eintreten der Wirkung. Beim Rauchen kommt die Wirkung schnell und stark, flaut aber auch rasch wieder ab. Über den Verdauungstrakt (peroral) kommt die Wirkung langsamer, hält aber auch länger an. So ist es sehr eindeutig, dass zum Beispiel bei chronischen Schmerzen eine perorale Anwendung sinnvoller ist.

Cannabis ist kein Wundermittel und die Warnung von Prof. Dingermann daher nachvollziehbar. Interessant bei Cannabis ist aber, dass sich damit oft mehrere Beschwerden auf einen Streich günstig beeinflussen lassen – so zum Beispiel bei Chemotherapie, wenn zugleich Übelkeit und Appetitlosigkeit vorhanden sind.

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Nobelpreisträger Randy Schekman: Kritik am Wissenschaftsbetrieb

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Ich bin kein Wissenschaftsfeind – im Gegenteil. Wer wissenschaftliche Argumente ignoriert, kann sich nur an Werbung und Propaganda orientieren. Dann setzt sich durch, wer mehr Geld hat und damit lauter schreien kann in der Öffentlichkeit. Das ist ungesund und absurd.

Es gibt allerdings auch eine ganze Reihe von ernstzunehmenden Kritikpunkten am gegenwärtigen Wissenschaftsbetrieb.

Ernstzunehmende Kritik sollte nicht pauschal herumschwadronieren, sondern möglichst genau Fehlentwicklungen und Schwachpunkte benennen.

Holger Dambeck hat auf Spiegel online ein lesenswertes Interview mit dem Medizin-Nobelpreisträger Randy Schekman geführt, der präzis auf fragwürdige Fehlentwicklungen im Wissenschaftsbetrieb hinweist.

Schekman attestiert der Wissenschaft ein Qualitätsproblem und kritisiert im Interview namhafte Wissenschaftsjournals wie „Nature“, „Science“ und „Cell“, die der Wissenschaft seiner Meinung nach schaden:

„Diese Magazine suchen Studien, die möglichst viel Aufmerksamkeit erregen. Das ist logisch, denn sie wollen Hefte verkaufen. Aber es verzerrt die wissenschaftliche Arbeit. Junge Forscher glauben, sie müssten auf Gebieten arbeiten, auf denen sie eine Sensation kreieren können. Zum Teil werden Themen aufgebauscht, bis es falsch wird…….. Der Druck, in renommierten Magazinen veröffentlichen zu müssen, führt auch dazu, dass Wissenschaftler betrügen. Spektakuläre Ergebnisse erhöhen die Chancen, dass eine Studie zur Veröffentlichung angenommen wird.“

Als Beispiel geht Schekman auf die Andrew-Wakefield-Studie ein, die 1998 in „Lancet“ erschienen war und behauptete, eine Impfung könne Autismus auslösen.:

„Das war extrem schädlich.“

Der Interviewer Dambeck verweist dann auf den Peer Review, die Prüfung von Fachartikeln vor der Veröffentlichung durch Kollegen, der so etwas doch verhindern sollte.

Schekman geht darauf konkreter auf die Andrew-Wakefield-Studie ein:

„Bei der Wakefield-Studie hat die Begutachtung zwar funktioniert, aber nichts bewirkt. Ich habe von einem damaligen „Lancet“-Mitarbeiter erfahren, dass das Paper von allen Gutachtern kritisiert worden war, die am Peer Review beteiligt waren. Auch die Redakteure von „Lancet“ kritisierten Wakefields Arbeit. Aber aus der Chefetage hieß es, das ist eine sensationelle Geschichte, wir sollten sie veröffentlichen. Später stellte sich heraus: Das Ganze war Betrug, Wakefield verlor seine Zulassung. Schauen Sie sich an, welchen Schaden dieses aus Sensationslust veröffentlichte Paper angerichtet hat. Bis heute glauben Leute, Impfungen könnten Autismus auslösen.“

Fehlende Reproduzierbarkeit

Danach gefragt, ob von seiner Kritik einzelne Fachrichtungen besonders betroffen seien, antwortet Schekman:

„Ja, die biomedizinische Forschung. Wir können viele veröffentlichte Studien nicht reproduzieren, also die Ergebnisse in einem neuen Experiment wiederholen.“

Das ist eine alarmierende Aussage. Reproduzierbarkeit ist eine zentrale Forderung an die wissenschaftliche Forschung. Eine durchgeführte Studie muss von anderen Wissenschaftlern mit dem gleichen Resultat wiederholt werden können, wenn sie genau gleich durchgeführt wird. Fehlende Reproduzierbarkeit stellt Forschung fundamental in Frage.

Schekman kritisiert auch den Impact-Faktor, mit dem erfasst, wie häufig Artikel eines Magazins zitiert werden, und mit dem wissenschaftliche Bedeutung messbar gemacht werden soll:

„Der Impact Factor ist eine komplett falsche Messmethode. Aus mehreren Gründen. Zuerst: Die Zahl wird über einen Zeitraum von nur zwei Jahren ermittelt. Zwei Jahre – das ist ein in der Wissenschaft lächerlich kurzer Zeitraum. Deshalb wollen die Magazine besonders schillernde Artikel veröffentlichen. Zweitens: Die Zahl ist ein ganz normaler Mittelwert über alle Zitierungen sämtlicher Artikel eines Fachblatts. Sortiert man die Artikel nach der Anzahl der Zitate, erhält man einige wenige mit besonders vielen und sehr viele mit sehr wenigen Zitaten.“

Wenn Fachmagazine gierig sind nach besonders schillernden Artikeln, dann ist Verzerrung vorprogrammiert. Die reine Reproduktion einer bereits veröffentlichten Studie wird dadurch wegen fehlendem Neuigkeitswert unattraktiv für eine Publikation.

Abschliessend fragt Spiegel online:

„Glauben Sie, dass Wissenschaftler eines Tages aufhören, sensationell klingende Studien zu verfassen und nach Impact Faktoren und renommierten Magazinen zu schielen?“

Antwort Schekman:

„Wir müssen den Umgang mit wissenschaftlichen Publikationen ändern. Das erzähle ich auch überall, wenn ich Vorträge halte oder befragt werde. Ich versuche, vor allem die Geldgeber zu überzeugen, die über die Forschungsförderung und Stipendien entscheiden. Wenn sie verstehen, dass sie nach anderen Kriterien entscheiden müssen, dann wird sich viel ändern. Da bin ich ganz optimistisch.“

Quelle:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/nobelpreistraeger-randy-schekman-kritisiert-science-und-nature-a-1154483.html

Kommentar & Ergänzung:

Ein weiterer kritischer Punkt im Wissenschaftsbetrieb ist das Verschweigen negativer Studienresultate bei neuen Medikamenten (publication bias).

Studienresultate werden gern publiziert, wenn sie einen günstigen Einfluss zeigen und ebenso gern verschwiegen, wenn sie der Vermarktung abträglich sind. Das machen im Übrigen nicht nur klassische Pharmakonzerne, sondern genauso die Hersteller von Präparaten der sogenannten Komplementärmedizin (Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff)

Zu Kritikpunkten der Pharmaforschung siehe:

Pharmaforschung hält negative Studien zurück

Medizinische Forschung: Petition fordert volle Transparenz

Pharmaforschung verheimlichte Interessenkonflikte in Meta-Analysen

Pharmastudien glänzen häufiger mit günstigem Resultat

Unsinnig und unnötig sind pauschale Feindbilder gegenüber der Wissenschaft, wie leider auch im Bereich Alternativmedizin / Komplementärmedizin allzu oft gepflegt werden. Aber detaillierte, präzise Kritik an konkreten Fehlentwicklungen im Wissenschaftsbetrieb ist sehr wichtig.

Die im Interview erwähnte Geschichte rund um die Andrew-Wakefield-Studie ist im Übrigen ein absolutes Desaster. Der von Andrew Wakefield im Jahr 1998 im renomierten Fachmagazin The Lancet publizierte Artikel unterstellte fälschlicherweise einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung (gegen Mumps, Masern, Röteln) und der Entstehung von Autismus.

Obwohl der Artikel wegen gravierenden Fehlern von The Lancet im Jahr 2010 zurückgezogen wurde und inzwischen mehrfach belegt werden konnte, dass MMR-Impfungen nicht ursächlich für Autismus verantwortlich sind, wird die Behauptung, dass Impfungen Autismus auslösen, von fundamentalistischen Impfgegnern immer noch weiter verbreitet. Siehe Artikel zu Andrew Wakefield auf Psiram.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Krebstherapie: Sport und Phytotherapie bei Fatigue

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Zahlreiche Krebspatienten leiden während und nach einer Chemotherapie unter Fatigue. Das sogenannte Erschöpfungssyndrom kann die Erkrankten in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigen. Auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin haben Fachleute diskutiert, wie den Betroffenen geholfen werden kann.

Fatigue ist eine häufige Begleiterscheinung in der Tumorbehandlung. Zwischen 60 und 100 Prozent der Krebspatienten klagen während der Therapie über ausgeprägte Müdigkeit und bei mehr als jedem Vierten tritt das Erschöpfungssyndrom als Langzeitfolge nach Abschluss der Behandlung auf. Die dem Erschöpfungssyndrom zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang unklar.

Wichtige Elemente für die Therapie der Fatigue sind die Verhaltenstherapie und die gezielte Schulung der Patienten. In Einzel- und Gruppengesprächen können sie lernen, mit ihrer Situation besser umzugehen, zum Beispiel mithilfe bestimmter Entspannungstechniken. Denn die reduzierte Leistungsfähigkeit führt häufig zu Stress und letztlich zu Depressionen.

Mit Sport bei Fatigue nicht übertreiben

Auch Sport kann dazu beitragen, das Befinden bei Fatigue zu verbessern. Dr. Freerk Baumann von der Deutschen Sporthochschule Köln warnt aber davor, die Erkrankten zu stark zu beanspruchen. Je nachdem, welche Folgeerscheinung der Krebstherapie man behandeln möchte, gebe es völlig unterschiedliche Bewegungsprogramme. Wer während der Behandlung unter Fatigue leidet, sollte etwa vier bis fünf Stunden pro Woche spazieren gehen. So ließe sich das beste Resultat erzielen. Mehr Bewegung bringe in diesem Fall eher schlechtere als bessere Resultate, erklärt Baumann.

Da Sport vom Körper als Stress wahrgenommen werde und zu einem höheren Energieverbrauch führe, müsse nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand das Pensum laut Baumann an die Schwere des Erschöpfungszustands angepasst werden. Je ausgeprägter die Fatigue ist, desto weniger intensiv sollte laut Baumann das Training ausfallen.

Zu klären bleibe beispielsweise, ob körperliche Aktivität an der frischen Luft einen höheren Nutzen habe als Training in der Halle oder im Fitnessstudio.

Ergänzend zu solchen Massnahmen kann auch der Einsatz pflanzlicher Arzneimittel erwogen werden, sagt Dr. Matthias Rostock vom Institut für komplementäre und integrative Medizin am Universitätsspital Zürich. Die Phytotherapie könne helfen, die Patienten für andere Maßnahmen zu aktivieren.

Günstig wirkt laut Rostock Guarana bei der akuten Fatigue während einer Chemotherapie bei Brustkrebspatientinnen. Verglichen mit Placebo habe sich die Symptomatik der Frauen bei der Behandlung mit Guarana signifikant verbessert und sie klagten deutlich weniger über Übelkeit und Schlafstörungen. Baldrian ist laut Rostock gegen Schlaflosigkeit zwar wenig effektiv, wirkt dafür jedoch gegen nervöse Erschöpfung. Das entspreche der ursprünglichen Indikation für den Einsatz von Baldrianwurzel, erklärt Rostock.

Gut erforscht sei insbesondere die Wirksamkeit von Ginseng. Bei Tagesdosen von 1 bis 2 g fühlen sich rund 30 Prozent der Patienten besser. Das zeigt nach Rostock aber auch, dass Ginseng nicht jedem hilft. Der positive Effekt von Ginseng sei während der Chemotherapie signifikant, nach Beendigung der Behandlung aber deutlich schwächer ausgeprägt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=62425

Kommentar & Ergänzung:

Zum Thema „Sport & Fatigue“ siehe:

Krafttraining bessert krebsbedingte Erschöpfung bei Fatigue

Gut dosierter Sport lindert Müdigkeit bei Krebs und Fibromyalgie

 

Zum Thema „Ginseng & Fatigue“ siehe:

Ginseng-Behandlung reduziert Fatigue-Smptome bei Krebserkrankung

Onkologie: Fatigue & Roter Ginseng

Ginseng lindert Fatigue bei Krebskranken

Onkologie / Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Zu Guarana:

Guarana enthält als wirksamen Inhaltsstoff Coffein. Zum Thema „Guarana & Fatigue“ gibt es eine Studie mit positivem Resultat:

„Guarana (Paullinia cupana) improves fatigue in breast cancer patients undergoing systemic chemotherapy…..

RESULTS: Guarana significantly improved the FACIT-F, FACT-ES, and BFI global scores compared to placebo on days 21 and 49 (p < 0.01). The Chalder Scale improved significantly on day 21 (p < 0.01) but not on day 49 (p = 0.27). Guarana did not produce any Common Terminology Criteria for Adverse Events grades 2, 3, or 4 toxicities and did not worsen sleep quality or cause anxiety or depression.

CONCLUSIONS: Guarana is an effective, inexpensive, and nontoxic alternative for the short-term treatment of fatigue in BC patients receiving systemic chemotherapy. Further studies are needed to confirm these results and to evaluate their generalizability to chronic CRF and to other types of cancer.“

Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21612429

Die Studie gibt zwar Hinweise auf einen günstigen Effekt von Guarana, sie ist aber von der Zahl der teilnehmenden Patienten her klein und kann die Wirksamkeit nicht einwandfrei belegen. Eigenartig ist bei dieser Studie die Dosierung von zweimal täglich 50mg Guarana. Normalerweise wird bei Guaranapulver als Tagesdosis 1 – 3 Gramm empfohlen (entsprechend etwa 50 – 150 mg Coffein). Eine Tasse Kaffee (150 ml) enthält aber auch bereits zirka 60 – 100 mg Coffein (Angaben aus: Biogene Arzneimittel).

Was Guarana gegenüber anderen Coffeinquellen wie Kaffee, Grüntee, Schwarztee oder Matetee für Vorteile haben soll, ist mir nicht plausibel ersichtlich.

Als Vorteil wird manchmal angeführt, dass das Coffein aus Guarana im Gegensatz zum Coffein aus Kaffee langsamer in den Körper aufgenommen werden soll, weil es an Gerbstoffe gebunden vorliegt. Das soll zu einer länger anhaltenden Wirkung führen.

Dieser postulierte Retard-Effekt konnte aber in neueren Untersuchungen nicht bestätigt werden. Die Freisetzung und Aufnahme von Coffein aus Guarana entspricht derjenigen aus Präparaten mit reinem Coffein (Angaben gemäss: Teedrogen und Phytopharmaka)

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Probiotika: Ist Kefir gesund?

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Kefir soll lebensverlängernd wirken und im Darm krankmachende Mikroorganismen unterdrücken. Ein Beitrag auf sience.orf.at geht der Frage nach, was an diesen Versprechungen dran ist.

Doch zuerst: Was ist Kefir überhaupt?

Wikipedia schreibt dazu:

„Kefir……ist ein dickflüssiges, kohlensäure- und leicht alkoholhaltiges Milchgetränk, das ursprünglich aus Russlands Nordkaukasus-Region stammt. Ähnlich wie Sauerteig entsteht Kefir durch einen Gärungsprozess, typischerweise durch Milchsäurebakterien wie Lactococcus lactis und Lactobacillus acidophilus, Hefen wie Candida utilis, Kluyveromyces marxianus (alias Candida kefyr) und Kluyveromyces lactis, und wenig Essigsäurebakterien. Daneben gibt es noch den Wasserkefir, der auf der Vergärung von Zucker in wässriger Lösung basiert.“

Aufgrund dieser mikrobiellen Zusammensetzung kann Kefir zu den Probiotika gerechnet werden. Probiotika enthalten lebensfähige Mikroorganismen, sollen die Darmflora günstig beeinflussen und zum Teil auch das Immunsystem.

Eine erste wichtige Frage ist in diesem Zusammenhang, ob die probiotischen Mikroorganismen die Magensäure überstehen und sich im Darm etablieren können. Das gelingt nämlich nicht allen.

Der Mikrobiologe Paul Cotter vom University College in Cork konnte aber zeigen, dass die Mikroorganismen des Kefirs das schaffen.

Probanden einer kleinen Studie tranken dabei einen Monat lang täglich einen Becher Kefir Dabei gelangten die Kefir-Mikroben in den Darm und konnten dort die Zusammensetzung der Darmflora bis zu einem gewissen Grad verändern.

Ob diese Veränderungen in der Darmflora gesundheitsfördernd waren, wurde allerdings nicht untersucht, und davon kann auch nicht automatisch ausgegangen werden. Zwar waren in dem verwendeten Kefir-Getränk mit Lactobacillus kefiranofaciens und Lactobacillus kimchi unter anderem Bakterien vom Stamm der Laktobazillen enthalten – das sind Milchsäurebakterien, denen allgemein eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben wird. Allerdings wirken die verschiedenen Laktobacillus-Unterarten nicht alle gleich, unterstreicht Cotter. Für einige Unterarten konnte bislang noch gar keine Wirkung nachgewiesen werden. Dem Mikrobiologen ist es wichtig, dass die Menschen wissen, dass die gesundheitsfördernde Wirkung im Detail sehr vom einzelnen Stamm abhängt.

Zur Frage, ob Kefir-Mikroorganismen die Gesundheit fördern, gibt es noch allgemein Forschungslücken. Kefir sei viel zu wenig untersucht, um zu sagen, ob er etwas bewirken kann oder nicht, sagt Bernd Kerschner von Medizin Transparent, einer Plattform der Universität Krems, die Studien hinsichtlich ihrer Aussagekraft untersucht.

Im Labor konnte zwar gezeigt werden, dass Kefir verschiedene krankmachende Mikroorganismen wie zum Beispiel Listerien unterdrücken kann. Was im Reagenzglas funktioniert, sagt aber noch kaum etwas aus betreffend Wirksamkeit beim Menschen.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/2865357/

https://de.wikipedia.org/wiki/Kefir

 

Kommentar & Ergänzung:

Wieder einmal mehr offene Fragen als sichere Antworten. Das ist ja in vielen Bereichen so und heutzutage eine grosse Herausforderung. Wir müssen als Individuen und als Gesellschaften lernen, mit offenen Fragen und Widersprüchen umzugehen. Sich festkrallen an vorschnellen Antworten, grossartigen Versprechungen und absoluten Behauptungen ist jedenfalls keine empfehlenswerte Lösung.

Beim Thema Kefir lohnt sich noch ein Blick auf den Ursprung des Mythos.

Die verbreiteten Aussagen über angeblich lebensverlängernde Wirkungen von Kefir gehen auf eine Schrift des russischen Bakteriologen und Nobelpreisträgers Ilja Iljitsch Metschnikow aus dem Jahre 1908 zurück. Metschnikow hatte darin einen Zusammenhang zwischen dem relativ hohen Lebensalter von Rumänen und Bulgaren und deren regelmäßigen Verzehr von saurer Milch hergestellt.

Aus solchen epidemiologischen Beobachtungen lassen sich aber nie eindeutige Zusammenhänge ableiten. Die angeführten langlebigen Bulgaren und Rumänen werden sich mit grosser Wahrscheinlichkeit auch in vielen anderen Punkten von weniger langlebigen Bevölkerungsgruppen unterscheiden. Für die Langlebigkeit wird es daher eine ganze Reihe von möglichen Erklärungen geben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Test zeigt grosse Unterschiede in der Qualität von Ernährungsberatung

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Ernährungsberatung ist sehr gefragt, doch die Qualität lässt nicht selten zu wünschen übrig.

Zu diesem Schluss kam ein Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) in Wien. Zwei Testpersonen überprüften 16 Wiener Anbieter.

Die Testpersonen wurden nur von drei Anbietern sehr gut beraten. Ihre Ernährungsempfehlungen entsprachen in beiden Szenarien dem Stand der Wissenschaft, berichtete der VKI.

Fünfmal beurteilten die Fachleute die Beratung mit „gut“, dreimal mit „weniger zufriedenstellend“ und fünfmal mit „nicht zufriedenstellend“.

Der VKI kritisiert, dass teilweise abstruse Ernährungsempfehlungen abgegeben wurden.

So meinten zum Beispiel einige Ernährungsberater, Obst und Gemüse solle besser nicht zu spät am Abend oder dann nur in geringen Mengen gegessen werden, da sonst Leberschäden drohen könnten. Dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege. Etliche Berater rieten zum Verzicht auf Weizen und Gluten. Gluten, ein Klebereiweiss in Getreide, sei als ‚eines der schlimmsten Lebensmittel überhaupt’ dargestellt worden und von Weizen wurde behauptet, dass er den Darm „verkleben und verschlacken“ soll. Außerdem erfuhren die staunenden Testerpersonen, dass „die meisten Menschen heute auf Weizen schlecht reagieren, da dieser so verändert ist“. Die Konsumentenschützer kritisieren, dass zuerst ärztlich abgeklärt werden müsse, ob überhaupt eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten vorliege, bevor zum Verzicht auf Gluten geraten wird.

Auch die Bildung von „Schlacken“ im Körper war in einigen der getesteten Ernährungsberatungen ein Thema. Solche vermeintlichen Rückstände aus dem Stoffwechsel seien jedoch im Körper nicht nachweisbar. Kritik äusserte der VKI weiters an „nutzlosen Testverfahren“ wie Bioresonanz oder Autonome Regulations-Testung, die zum Feststellen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten vollkommen ungeeignet seien.

Quelle:

http://derstandard.at/2000063393576/Test-Wiener-Ernaehrungsberater-zwischen-sehr-gut-und-abstrus

https://www.konsument.at/ernaehrungsberatung092017

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Test fand zwar in Wien statt, doch dürfte das Ergebnis in der Schweiz sehr ähnlich aussehen. Ernährungsberater und Ernährungsberaterin sind keine geschützen Titel. So kann sich jede und jeder nennen. Dadurch müssen Patientinnen und Patienten mit sehr grossen Qualitätsunterschieden rechnen. Verschärft wird die Lage noch dadurch, dass Ernährung inwischen mehr und mehr zu einer Art von Religionsersatz und Heilsbringer geworden ist.

In der Schweiz gibt es den gesetzlich geschützten Titel „Ernährungsberaterin/Ernährungsberater SVDE“. Er garantiert für eine wissenschaftlich fundierte und praktisch erprobte ernährungsberaterische und ernährungstherapeutische Ausbildung. Mehr dazu auf der Website des

Schweizerischen Verbands der Ernährungsberater/innen SVDE

Zu zwei Stichworten in den Testkäufen noch ein paar Anmerkungen:

Schlacken: Die Kritik des KVI ist nachvollziehbar. Schlacken entstehen im Hochofen. Auf den menschlichen Organismus bezogen ist der Begriff höchst fragwürdig und wohl ein Phantasieprodukt. Ich hätte jedenfalls kein Vertrauen in BeraterInnen, TherapeutInnen oder VerkäuferInnen, die mir „Schlacken“ einreden wollen.

Siehe dazu:

Schlackenstoffe ein Phantom macht Karriere

Entgiften und entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Gluten: Die Kritik des KVI ist sehr zu unterstreichen. Wer an Zöliakie leidet, muss Gluten meiden. Solche Personen leiden an einer Überempfindlichkeit gegenüber Gluten (Klebereiweiss), die zum Teil erblich bedingt ist, lebenslang bestehen bleibt und zur Zeit nicht ursächlich behandelt werden kann. Kontakt mit Gluten führt bei Zöliakie zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Weizen ist ein wichtiger Lieferant von Gluten, das aber auch in Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel und Grünkern nachgewiesen wurde. Die Häufigkeitsangaben für Zöliakie schwanken von Land zu Land beträchtlich. Es handelt sich aber um eine sehr seltene Erkrankung – etwa ein Prozent der Bevölkerung dürfte grosszügig gerechnet sein – und es ist unsinnig, wenn Menschen, die nicht an Zöliakie leiden, auf glutenfreie Nahrung umstellen. Das ist nämlich nicht nur erheblich teuerer, sondern möglicherweise für Gesunde auch ungesünder. „Glutenfrei“ ist inzwischen zu einer Art Lifestyle geworden und ein Milliardenmarkt.

Es gebe aktuell keine Hinweise, dass eine glutenfreie Ernährung einen gesundheitsfördernden Effekt hat“, sagt Daniel C. Baumgart, Oberarzt am Zentrum für Innere Medizin an der Charité in Berlin: „Wenn man keine Zöliakie hat, gibt es keinen Grund für diese nicht ganz einfach einzuhaltende Diät.“ Auch Maria Boumezrag von der Deutschen Zöliakigesellschaft (DZG) sieht das so: „Eine glutenfreie Ernährung braucht ein normaler Mensch nicht. Das wirkt sich weder positiv noch negativ aus – es ist einfach unnötig.“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ernaehrung-in-der-glutenfrei-falle-1.2678505

Trotzdem lebt zum Beispiel jeder zehnte US-Haushalt glutenfrei und jeder vierte Amerikaner glaubt, dass Ernährung ohne Gluten für jedermann gesund sei.

Eine US-Studie, die im „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde (http://www.bmj.com/content/357/bmj.j1892) hat jedoch gezeigt, dass eine glutenfreie Kost für die Herzgesundheit keine Vorteile bringt. Möglicherweise wirkt das Weglassen von Gluten sogar ungünstig, weil viele Menschen mit dem Gluten zugleich auch ihren Vollkornkonsum reduzieren, der das Herz zu schützen scheint. Ballaststoffe aus Vollkorn sind zudem wichtig für die Darmflora, regulieren die Darmtätigkeit und lassen den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen.

Siehe auch:

Fragwürdiger Hype um Nahrungsmittel-Unverträglichkeit

Nicht gerade einfach ist im Bereich der Ernährungsberatung, dass die Empfehlungen im Laufe der Zeit immer wieder einmal ändern. Das führt nicht selten zu Verwirrung, ist aber auch ein Stück weit charakteristisch für die Wissenschaft. Sie stellt die eigenen Erkenntnisse immer wieder kritisch auf den Prüfstand und nutzt damit die Chance, Irrtümmer aufzudecken. Nur dogmatische Lehren verkünden ewige Wahrheiten.

Erschwerend kommt für die Ernährungsberatung allerdings noch hinzu, dass die Ernährungswissenschaft oft nicht gerade eindeutige Ergebnisse liefert. Das liegt auch daran, dass es nicht einfach ist, qualitativ hochstehende und aussagekräftige Ernährungsstudien durchzuführen.

Siehe dazu:

Ernährungswissenschaft: Fragwürdige Studien stiften mehr Verwirrung als Nutzen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Nordrhein-Westfalen will Pflegeberufe deutlich aufwerten

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Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen will einem Bericht zufolge die Rolle von Pflegekräften im Gesundheitswesen stärken. Wo über Pflege entschieden werde, sitze «oftmals keiner von der Pflege mit am Tisch», sagte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) dem «Kölner Stadt-Anzeiger».

Pflegerichtlinien würden demnach hauptsächlich von Vertretern der Ärzte, Krankenkassen und Kliniken gemacht. «Das Berufsbild muss als eine eigene Profession im Gesundheitswesen aufgewertet werden, auch damit der Beruf für mehr Abiturienten attraktiv wird», erklärte Laumann der Zeitung. Er kündigte dem Bericht zufolge eine eigene Interessenvertretung der Pflegenden in Nordrhein-Westfalen an.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=71449

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Aufwertung der Pflege ist ein wichtiges politisches Anliegen. In der Schweiz geht die Pflegeinitiative in eine ähnliche Richtung:

Pflegeinitiative

Die Pflegeinitiative ist vom Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) lanciert worden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Lavendelöl-Extrakt verursacht keine Entzugssymptome beim Absetzen

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Der patentierte Lavendelöl-Extrakt Silexan® kommt als Wirkstoff im Präparat Lasea® zur Anwendung.

Im Gegensatz zu den meisten chemisch-synthetischen Anxiolytika (angstlösende Mittel) kann Lasea von einem Tag auf den anderen Tag abgesetzt werden, ohne dass Absetzphänomene auftreten. Zu diesem Schluss kommt die Auswertung der Nachbeobachtungsphase einer randomisierten Doppelblindstudie, in der Patienten mit Angststörung entweder Silexan, Paroxetin oder Placebo erhalten hatten.

An der zehnwöchigen Studie waren 539 Patienten mit Angststörungen beteiligt. Die Probanden bekamen entweder täglich 80 mg oder 160 mg Silexan, 20 mg Paroxetin oder Placebo. In der elften Woche wurde die Paroxetin-Dosis schrittweise gesenkt. Patienten der Silexan- und Placebo-Gruppe bekamen ab diesem Zeitpunkt alle Placebo-Kapseln.

Zur Erfassung möglicher Absetzphänomene kam die 20 Punkte enthaltende Physician Withdrawal Checklist (PWC-20) zur Anwendung. Die einfache Selbsteinschätzungsskala für Patienten fragt in 20 Items häufig beobachtete Entzugssymptome ab. Die mittlere PWC-20-Gesamtpunktzahl sank in der einwöchigen Absetzphase in allen Gruppen: Bei Placebo -0,19, bei Silexan 80 mg -0,23, bei Silexan 160 mg -0,65, bei Paroxetin -0,51.

Absetzphänomene wurden in keiner Gruppe beobachtet.

Die Autoren der Studie ziehen aus den Resultaten den Schluss, dass der Lavendelöl-Extrakt Silexan kein Abhängigkeitspotenzial besitzt und auch nach einer Langzeittherapie ohne Ausschleichen der Dosis abgesetzt werden kann.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=71404

DOI:10.1080/13651501.2017.1301488

Kommentar & Ergänzung:

Das Lavendelölpräparat Lasea® wird zur Linderung von leichten generalisierten Angststörungen eingesetzt. Die Kapseln werden eingenommen. Das ist ungewöhlich für Lavendelöl, das meistens inhalativ oder percutan, also über die Haut zur Anwendung kommt.

Lasea® enthält ein Lavendelöl, das für diese Indikation quasi optimiert wurde und hohe Gehalte an Linalylacetat und Linalool aufweist.

Dass sich beim Absetzen von Lasea® keine Entzugssymptome zeigen, ist nicht überraschend.

Zur Wirksamkeit siehe auch:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln Lasea bei Angststörungen

Lavendelöl-Kapseln gegen Angst und Depressionen

Lavendelöl-Präparat bei Angststörungen

Lavendelöl-Kapseln reduzieren Angst bei Depressionen (Fallstudie)

 

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen

Lavendelblüten und Lavendelöl als Sedativum

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

 

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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